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Veikalas apie baltiškų vietovardžių slavinimą ir slaviškų lietuvinimą

A. Vanagas

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„утка“ = lit. ant-uka „eine Schnepfe“ Mielke I 6, añtukas „saxicola oenanthe“ Dusetos (dep. Vozgėliai), antukỹs „ebd.“ Veliuona⁵. Str. „Die Metatonie im litauischen und lettischen“. K. Būga weist darauf hin, dass die Wörter añtukas und iñtukas das Suffix -ukas haben, und stellt sie erneut dem Wort añtis „Ente“ gegenüber. In E. Frenkels etymologischem Wörterbuch der litauischen Sprache finden wir im Artikel zum Wort añtis „Ente“ die Wörter antuka „Schnepfe“, añtukas „saxicola oenanthe, wheat ear, Weisskehlchen“, antikas (Dusetos), intukas (Tauragnai, Bez. Utena), antukýtis (Veliuona) „Steinschmätzer, Steinschnäpper“⁶. Diesen Vergleichen kann man kaum Glauben schenken, denn der kúltupys ähnelt einer Ente in keiner Weise. K. Būga ist vermutlich durch Chr. G. Mielkes und andere Wörterbücher etwas in die Irre geführt worden, in denen die Bedeutung des Wortes antuka mit „eine Schnepfe“, also slanka, angegeben wird. Im Akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ ist diese Ungenauigkeit bereits berichtigt: Dort wird das Wort antuka auf antukỹs verwiesen, und dieses wiederum auf antikas „Oenanthe oenanthe“. Die Bildung der dialektalen Bezeichnungen antukas und intukas wäre genauer so zu erklären: antė + -ukas und intė + -ukas. Im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ wird angegeben, dass die Wörter antė und intė die Bedeutung „Spreuhaufen“ haben. Außerdem hat das Wort antė (wie auch antìs) noch die Bedeutung „Ofenvorraum“. Die Bedeutungsrelation „hinterer Teil, Vorsprung“ → „Spreuhaufen“ ist sehr offensichtlich. Wenn man den oberlitauischen Namen kúltupys mit diesen Wörtern in Verbindung bringt, lässt er sich überzeugender erklären. K. Gaivenis EIN WERK ÜBER DIE SLAVISIERUNG BALTISCHER ORTSNAMEN UND DIE LITAUISIERUNG SLAVISCHER Jurgen Prinz, Die Slavisierung baltischer und Baltisierung slavischer Ortsnamen im Gebiet des ehemaligen Gouvernements Suvalki, Wiesbaden (Otto Harrassowitz leidykla), 1968, 320 p. su žemėlapiu. Das Problem der Slavisierung baltischer Orts- und Personennamen wird in der linguistischen Literatur nicht zum ersten Mal behandelt — allein im vergangenen Jahrzehnt erschienen mehrere Arbeiten zu dieser Frage¹. Das hier besprochene Buch von J. Princ übertrifft jedoch die anderen Werke auf diesem Gebiet in seinem Umfang bei Weitem. Das Buch besteht aus einer Einleitung, zehn Kapiteln und Schlussfolgerungen. Am Ende des Buches bietet der Autor ein thematisches Register. In der Einleitung weist J. Princ unter anderem auf die Schwierigkeiten bei der Untersuchung der in slawischen Gebieten vorkommenden baltischen Toponymie hin. Er führt Beispiele aus dem Buch von V. Toporov und O. Trubatschow „Linguistische Analyse der Hydronyme des oberen Dneprgebiets“ (Moskau, 1962) sowie aus den Arbeiten von H. Schall an, die zeigen, dass ein Teil der von diesen Autoren erläuterten Relikte baltischer Toponymie auch anders interpretiert werden kann. In den allgemeinen Bemerkungen schildert J. Princ kurz die ethnische Zusammensetzung des Gouvernements Suwałki am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts und gibt einen kritischen Überblick über die verwendeten 5 K. Būga, Rinktiniai raštai, II, V., 1959, p. 393. 6 E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, Heidelberg—Göttingen, 1955, tt., p. 11—12. 1 K. O. Falk, Studien zur Slawisierung litauischer Orts- und Personennamen, „Scando-Slavica“, IX (1963), S. 87—103; Zu den Methoden der Slawisierung litauischer Personen- und Ortsnamen. Zur Entstehung und Verbreitung der Namen auf -ánce, „Språkliga Bidrag“, Bd. 4, Nr. 19, Lund, 1964, S. 1—16; J. Otrębski, Die Slawisierung litauischer Gewässer- und Ortsnamen, „Z polskich studiów slawistycznych“, Reihe 2, Sprachwissenschaft, Warschau, 1963, S. 267—286. 194 toponymische Quellen. Der Autor erklärt, dass er in den Fällen, in denen die Formen der Ortsnamen in verschiedenen Quellen voneinander abwichen, alle angegeben habe, während er bei übereinstimmenden Formen lediglich auf das anlässlich der Volkszählung von 1923 herausgegebene Buch „Lietuvos apgyventos vietos“ (Kaunas, 1925 – im Folgenden L. 23) verwiesen habe. Im Kapitel über Übersetzungen („Die Übersetzung“) lenkt der Autor die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die Besonderheiten des Zusammenwirkens baltischer und slawischer Toponymie verlangen, die Übersetzung (z. B. lit. Raudondvaris – poln. Czerwony Dwór) von der Erklärung, der semantischen Deutung, d. h. im Wesentlichen von der semantischen Substitution, zu unterscheiden (gemeint sind Fälle, in denen Ortsnamen mit unklarer Semantik aufgrund ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit einem Gattungswort einer anderen Sprache „gedeutet“ werden und dadurch eine klare Semantik erhalten, z. B. lit. Višakio Rūda – poln. Wysoka Ruda). J. Princ zufolge werden eher solche Ortsnamen oder ihre Bestandteile übersetzt, deren ursprüngliche Bedeutung allgemeiner und einfacher ist. Zum Beispiel lit. Senieji Alk snėnai – poln. Ol kśniany Stare: Übersetzt wird nur der Begriff senieji, während Alksnėnai lediglich an das phonetische System des Polnischen angepasst wird. Der Autor bringt den auf den ersten Blick recht interessanten Gedanken vor, dass die Adjektivform davon abhänge, ob der qualifizierende Toponym ein polarisierendes Paar bildet oder nicht: Ist der qualifizierende Toponym zugleich polarisierend, so sei sein Adjektiv bestimmt (im Polnischen steht das Adjektiv nach dem Substantiv), zum Beispiel: lit. Senieji Alk snėnai und Naujieji Alk snėnai poln. Ol kśniany Stare und Ol kśniany Nowe; bildet der qualifizierende Toponym kein polarisierendes Paar, so sei sein Adjektiv unbestimmt (im Polnischen stehe es vor dem Substantiv), zum Beispiel: lit. Naujas Kaimas poln. Nowa Wieś. Dieser Gedanke erscheint jedoch zweifelhaft. Zunächst ist festzuhalten, dass neben dem Ortsnamen Naujas Kaimas auch die verwandte Form Naujasis Kaimas bekannt ist. Außerdem gibt es Beispiele, in denen qualifizierende Ortsnamen polarisierende Paare bilden, deren Adjektive aber unbestimmt sind, z. B. Naujas Strūnaitis ir Senas Strūnaitis (Bezirk Švenčionys). Umgekehrt kann das Adjektiv eines qualifizierenden Toponyms, das kein polarisierendes Paar bildet, bestimmt sein, zum Beispiel Senoji upė (Alanta). Offenbar hängt die Adjektivform weniger davon ab, ob der Toponym ein polarisierendes Paar bildet, als vielmehr davon, wie verbreitet bestimmte Adjektive im jeweiligen Dialekt sind. In diesem Kapitel führt der Autor viele interessante Fälle von Übersetzungen an: Übersetzt wird nur das Epitheton (Kirsna, Didžioji – Kirsna Wielka), das ganze Wort (Pilkalnis – Lysa Góra, Alkšninė; vom Autor ungenau geschrieben: Alksnyne – Olszyna), oder ein Diminutivsuffix wird durch ein diminutivisches Wort wiedergegeben (Likiškėliai – Likiški Male) usw. Der Autor stellt zutreffend fest, dass eine solche Übersetzung der „Bedeutung“ eines Ortsnamens nur unter bestimmten Bedingungen der Zweisprachigkeit möglich ist. Im Kapitel über Substitution (Erklärung, Interpretation, die Deutung) untersucht J. Princ einen anderen Fall des Zusammenwirkens von Ortsnamen, der anders als der soeben behandelte auch ohne Zweisprachigkeit möglich ist. Wie oben bereits erwähnt, wird hier nicht der „Inhalt“ oder die „Bedeutung“ des Ortsnamens „übersetzt“, sondern seine Form, die phonetisch in beiden Sprachen recht ähnlich ist. In der übersetzenden Sprache erhält die wenig veränderte Form jedoch häufig (mit der wichtigen Ausnahme von Ortsnamen anthroponymischen Ursprungs) einen ganz anderen Inhalt (abgesehen von den oben 13* 195 des erwähnten Beispiels Višakio Rūda – Wysoka Ruda, vgl. auch lit. Molinė: molis – poln. Malina: malina „Himbeere“). Wichtig ist zu bedenken, dass in diesem Fall auch von irgendwelchen lautlichen Gesetzmäßigkeiten keine Rede sein kann, da die Substitution sie leicht verletzt. In diesem Kapitel werden behandelt: a) Ableitungen von christlichen Namen, die im Litauischen und Polnischen (Weißrussischen, Russischen) ähnlich sind, z. B. lit. Jokūboniai – poln. Jakubańce (vgl. Jokūbas, poln. Jakub); b) Ableitungen von Appellativa, z. B. lit. Pūpa-sodis – poln. Popasodzie (vgl. lit. pupà, poln. pop „Priester“); c) Fälle von Formantsubstitution, z. B. lit. Kudrėnai – poln. Kudrany usw. Besonders ausführlich und umfassend ist der Unterabschnitt über Ableitungen von Appellativa. Darin hat der Autor zahlreiche interessante Substitutionsfälle festgestellt (z. B.: poln. góra – aus lit. giria, poln. ostrów – aus lit. aštrùs, poln. krasny – aus lit. krósnis usw.). Zweifelhaft ist lediglich die Zuordnung der Dorfnamen Drapaliai und Trumpaliai (S. 60, 83) zu den Komposita, wenn auch mit Vorbehalten. Deren zweiter Bestandteil soll nach Ansicht des Autors mit dem litauischen Appellativ pàlios zusammenhängen, das im Polnischen infolge der Substitution zu pole „Feld“ geworden sei. Der Dorfname Drapaliai leitet sich vom Seenamen Drapãlis ab; dieser wiederum ist wahrscheinlich eine Ableitung mit dem Suffix -alis, vgl. den See Tab-ãlis in Sij. Wahrscheinlich ist auch Trumpaliai ähnlich gebildet (vgl. auch Trumpališkiai, Dorf im Rajon Rokiškis). Im Kapitel „Substantivische Bestandteile von Komposita und zusammengesetzten Ortsnamen“ gibt J. Princas einen detaillierten Überblick darüber, wie die zweiten Bestandteile von Ortsnamenkomposita und die zweiten Wörter zusammengesetzter Ortsnamen slawisiert werden. Darüber hinaus führt der Autor auch einige Fälle der Litauisierung an. Beispielsweise meint er, zusammengesetzte Ortsnamen, deren zweites Wort būdà lautet, könnten litauisierte slawische Konstruktionen sein: poln. Dębowa Buda – lit. Ąžuolų Būda, poln. Czysta Buda – lit. Čystà Būdà, poln. Lipowa Buda – lit. Liepavā Būdà (S. 74) usw. Der Autor begründet diese These damit, dass zusammengesetzte Oikonyme im Litauischen angeblich sehr selten, im Polnischen und allgemein in den slawischen Sprachen dagegen besonders verbreitet seien. Dieser letzten Auffassung ist grundsätzlich zuzustimmen, doch lässt sich die Herkunft des gesamten Ortsnamenmodells mit Būda durchaus bezweifeln. So kann etwa der Genitiv-Ortsname Ąžuolų Būda auch nichtslawischen Ursprungs sein. Vielleicht hat er die Genitivform deshalb bewahrt, weil sein erstes Wort ąžuolas ein Derivat ist und längere abgeleitete Stämme sich im Litauischen deutlich schwerer mit anderen Wörtern verbinden. (Vgl. auch Rugėnų Būda gegenüber Šaravų Būda, beide im Rajon Kėdainiai.) Außerdem zeigen Dorfnamen wie Mažoji Būda, Sen oji Būda, Naujoji Būda (vgl. Čystà Būdà), dass ein Teil der zusammengesetzten Oikonyme mit Būda sich durchaus eigenständig im litauischen Sprachraum gebildet haben kann, obwohl das Appellativ būdà selbst ein Slawismus ist. Zu den Ortsnamenkomposita, deren zweiter Bestandteil von gãlas stammt, sollte der Dorfname Raugalai (S. 76) nicht gezählt werden, denn es handelt sich nicht um ein Kompositum, sondern um einen von einem Personennamen abgeleiteten Ortsnamen, der auf den Familiennamen Ráugalas zurückgeht (vgl. auch Ráuga, Ráugas, Ráugala), der seinerseits wahrscheinlich mit den Appellativa ráugalas, ráugti usw. zusammenhängt. Der als Ausnahme angeführte Ortsname Pirktavietė, Kepurienės (S. 91) ist tatsächlich kein zusammengesetzter Dorfname, sondern zwei verschiedene Namensvarianten, deren litauische Formen Kepurinė oder Pirktãvietė lauten. Verständlicherweise konnten sie nicht zu einem einzigen zusammengesetzten Ortsnamen werden. Unzuverlässige Quellen führten den Autor auch hinsichtlich der Herkunft des Ortsnamens Asiūklės Pamūrgiai in die Irre, der in verschiedenen Formen geschrieben wird (Pamurgiai, Asiūklės, Asiūklenskiai, poln. Pomorgi Osiukłańskie) (S. 91). Das erste Wort dieses Oikonyms, Asiūklės, ist der Genitiv des Namens des benachbarten 196 Dorfs Asiūklė. Demnach ist es seiner Bildung nach ein einfacher Ortsname im Genitiv, und es gibt keinen Grund, von einem ursprünglich slawischen Charakter zu sprechen. Als ursprüngliche Quelle des Dorfnamen Makauskai (poln. Makowszczyzna) betrachtet J. Princas die rekonstruierte polnische oder russische Proform *Макобское. Diese Rekonstruktion ist hier jedoch unnötig, denn der Dorfname Makauskai geht auf den Familiennamen Makauskas zurück. Im Kapitel „Suffixe“ wird zunächst gezeigt, wie litauische Oikonyme mit Suffixen slawisiert werden. Der Autor behandelt jedes Suffix einzeln und nennt die polnischen Entsprechungen. Unter anderem führt er Beispiele an, in denen anstelle eines litauischen Oikonyms mit Diminutivsuffix im Polnischen ein qualifizierender Ortsname steht, dessen erstes Wort das Adjektiv małe oder Ähnliches ist, vgl. lit. Likiškėliai – poln. Likiszki Małe (S. 105). Das sind sehr interessante Fälle, doch ist es vielleicht nicht immer angebracht, sie als Übersetzungen des Diminutivs zu betrachten, insbesondere dann, wenn auch zusammengesetzte litauische Formen bekannt sind, vgl. lit. Geistariūkai, poln. Giejsztory Małe, bei E. Volter Geištarai Mažai2. Das Problem besteht darin, dass der Autor Schreibweisen aus unterschiedlichen Epochen gegenüberstellt (eine heutige und eine vom Ende des 19. Jahrhunderts). Möglicherweise wird das Diminutiv hier im Litauischen und Polnischen nicht unterschiedlich ausgedrückt, sondern die polnischen Formen deuten darauf hin, dass es in einzelnen Fällen auch eine litauische Zwischenkonstruktion gegeben haben könnte (z. B. * Mažieji Geistārai). Der Autor unterscheidet suffigierte Ableitungen recht gut von nicht suffigierten. Es wurden lediglich einige Ungenauigkeiten festgestellt: Der Autor hält den Ortsnamen Bedaliai für eine Ableitung mit dem Suffix -el- || -ėl-, obwohl es sich wahrscheinlich lediglich um den Plural des Appellativs bedalis handelt (vgl. dalia); der vom Autor ebenfalls als Ableitung mit demselben Suffix betrachtete Ortsname Pūskepaliai ist ein von einem Personennamen abgeleiteter Ortsname, der auf den zusammengesetzten Familiennamen Pūskepalis zurückgeht (vgl. pūšė, kėpalas). Im zweiten Teil dieses Kapitels bietet der Autor eine eigenständige Umkehrung des ersten Kapitelteils und zeigt, welche litauischen Suffixe den slawischen entsprechen. Der zweite Teil ist allerdings keine vollständige Entsprechung des ersten, denn hier fehlen einige der im ersten Teil behandelten Suffixe; außerdem werden Ableitungen vorgestellt, die im ersten Teil nicht erwähnt wurden. Im Kapitel „Präfixe“, einem der kürzesten Kapitel, da es auch vergleichsweise wenige Präfixe gibt, die zur Bildung von Oikonymen verwendet werden, gibt der Autor einen Überblick darüber, wie präfigierte Siedlungsnamen slawisiert (meist polonisiert) werden. Im Kapitel „Endungen“ zeigt J. Princas zunächst detailliert, wie die Endungen -a, -ė, -ia, -is, -ys, -(i)us, -ai, -ės, -iai, -ys (Plural), -(i)os litauischer Ortsnamen slawisiert werden. Anschließend behandelt der Autor Fälle der Litauisierung slawischer Endungen. Dieser Überblick wird unter anderem für die Aufstellung von Regeln zur Transkription slawischer Eigennamen ins Litauische benötigt. Das Kapitel zum Vokalismus ist besonders umfangreich und ausführlich. Zunächst zeigt der Autor, durch welche slawischen, vorwiegend polnischen Vokale die litauischen ersetzt werden. Außerdem bemüht sich J. Princas, soweit dies möglich und sinnvoll ist, die Häufigkeit der Ersetzungen zu bestimmen. Das Kapitel enthält, sofern authentische Formen fehlen, auch Namensvarianten. In vielen Fällen ist das nützlich, doch weitet der Autor dadurch bisweilen die Arbeit übermäßig aus, insbesondere wenn er „Varianten“ litauischer Formen anführt. Diese „Varianten“ sind meist offensichtliche Entstellungen (in der Regel von Volter übernommen) oder Dialektformen. So haben die „Varianten“ litauischer Formen mit a oder o (S. 179—180), die dem polnischen o entsprechen, in der Standardsprache entweder den Vokal a oder o, aber nicht beide nebeneinander: Amalviškiai, Mockabūdžiai, 2 Э. Вольтер, Списки населенных мест Сувалкской губернии, С. Петербург, 1901, p. 38 197 Mólinė, Põcvietis, Valiai, Mōgiškės, Noreikai, Panoreikupiai, Ropydai Santakà. Alle diese Ortsnamen stammen aus jenen westoberlitauischen Dialekten, die den Vokal o (betont und unbetont) unverändert bewahren. Die „Varianten“ Amoliškės, Mackobūdzis, Malinė usw. sind lediglich Entstellungen und dürfen daher nicht auf eine Stufe mit echten Sprachbelegen gestellt werden. Der Autor unterscheidet nicht immer streng zwischen Dialektformen und Erscheinungen der Literatursprache. So heißt es etwa bei der Behandlung der Entsprechung von litauischem a im Polnischen, dass litauischem a unter anderem auch polnisches e entsprechen könne: litauisch Alksnekie­mis (es muss Alksniakiemis heißen) – polnisch Elksnokiemie. Dieses Beispiel sagt hier jedoch nichts aus, denn das a bzw. e am Wortanfang ist in diesem Fall keine Folge der Polonisierung, sondern eine dialektale Erscheinung. Zwei weitere Beispiele (litauisch Agliniškiai – polnisch Agliniszki und litauisch Eglinčiškė – polnisch Eglincziški) sind völlig unnötig angeführt, da die Vokale am Wortanfang in beiden Sprachen gleich sind. Manchmal betrachtet der Autor slawisierte Ortsnamensformen als Dialektformen. So gelten (S. 177) die Formen (nach Volter) Obromžiliai, Olakniškiai, Oleknonys, Otesnykai (mit Ausnahme des nicht ganz eindeutigen Falls Oñčiškiai) lediglich als slawisierte oder entstellte litauische Ortsnamen Abromžiliai (?), Alėkniškiai, Aleknōnys, Atesninkai. Es kommt vor, dass der Autor eine Regel aus ungenauen oder unklaren Ortsnamensformen ableitet. So behauptet er beispielsweise, dass litauisches -el-, -er- in den slawischen Sprachen durch -il-, -ir- wiedergegeben werden könne, und führt folgende Beispiele an: litauisch Aviernyčia, Daugerdiškių k., Pošervintis – slawisch Авирница, Донгирдышки, Поширвинты. Die genannten litauischen Ortsnamensformen sind jedoch entweder eindeutig entstellt (Pošervintis – es muss Paširvintis heißen, vgl. Širvintà) oder regelwidrig, vermutlich unter polnischem Einfluss, verändert (Aviernyčia – vgl. Avìris). Zweifelhaft ist allenfalls der Dorfname Daugerdiškiai, denn auch im Dialekt wird er heute mit -er- ausgesprochen. Diese Aussprache ist jedoch vermutlich jüngeren Datums, da der Ortsname zweifellos vom Personennamen Daugirdas abzuleiten ist (die Form *Daugerdas ist weder aus der gesprochenen Sprache noch aus schriftlichen Quellen bekannt). Dafür, dass die Wurzel früher den Diphthong -ir- und nicht -er- enthielt, spricht auch die polnische Form dieses Ortsnamens: Dowgirdyszki (1881). Die Regel, dass litauisches -el-, -er- in den slawischen Sprachen durch -il-, -ir- wiedergegeben werden könne, ist also durch nichts belegt und kann die Leser daher nur in die Irre führen. Auf ähnliche Weise dürfte auch der Abschnitt über die Entsprechung litauisches e – slawisches i, y (S. 201) entstanden sein. Alle vom Autor angeführten Beispiele, in denen litauischem e in den slawischen Sprachen i, y entspricht, sind zweifelhaft. So etwa litauisch Didvyžiai || Dedvyžiai (der Autor führt nur die zweite Variante an) – polnisch Dydwize, bei Volter Дидвиже: Hier entsprechen die slawischen Formen dem litauischen Didvyžiai; es liegt also kein Wandel von litauischem e zu slawischem i, y vor. Litauisch Kreštėnai – polnisch Krekszczany; Volter gibt die litauische Form ungenau als Krištėnai an und entsprechend, verständlicherweise, auch die slawische Form ungenau als Крикштаны. Auch hier liegt also kein Wandel von e zu i, y vor. Volters Neviedys, in „Lietuvos apgyventų vietų“ Niviedė – polnisch Niewietka – zeigt ebenfalls nicht, dass litauisches e zu i, y werden kann, denn die Form Niviedė ist ungenau (es muss Neviedė heißen), und das nie- am Wortanfang der polnischen Form (Niewietka) könnte in Anlehnung an die polnische Negation nie entstanden sein. Schließlich lässt sich unabhängig davon, wie das polnische nie- an die Stelle des litauischen ne- trat, von einer Entsprechung litauisches e – polnisches i, y dennoch nicht sprechen. Ähnlich lassen sich auch die übrigen Beispiele in diesem Abschnitt erklären. Die Behauptung, litauisches e könne in den slawischen Sprachen zu i, y werden, ist also unbegründet. Sie ist offenbar auf die Unzuverlässigkeit des Materials zurückzuführen. 198 Die mangelnde Unterscheidung zwischen echten Formen und Dialektformen oder Entstellungen kommt in diesem Kapitel (und im folgenden Kapitel „Konsonantismus“) recht häufig vor (zum Beispiel S. 186, Unterabschnitt c; S. 197, Unterabschnitt c; S. 201, Unterabschnitt c; S. 207, Unterabschnitt c; S. 215, Unterabschnitt c; S. 216, Unterabschnitt a; S. 244–247, Unterabschnitte 1.1.2–1.1.6; S. 250–251, Unterabschnitte 1.2.3–1.2.6; S. 256, Unterabschnitt 1.4.4 usw.). Dies mindert die Präzision und Zuverlässigkeit der Schlussfolgerungen und zwingt dazu, die Kapitel über Vokalismus und Konsonantismus sehr vorsichtig und sogar kritisch zu beurteilen. Offenbar hätte der Autor, dem zuverlässiges Material fehlte, anders vorgehen müssen: zunächst zweifelsfreie, rein linguistische, durch die Sprachsysteme bedingte Entsprechungen und Veränderungen darlegen und anschließend die sporadischen, nicht regelhaften Parallelen erörtern (offenbar jeweils gesondert). Da nun aber in das besonders „empfindliche“ Kapitel über den Vokalismus, das äußerste Genauigkeit erfordert, zahlreiche unklare, zweifelhafte oder sogar ungenaue Formen und unzuverlässige Gegenüberstellungen aufgenommen wurden, ist der Wert des gesamten Kapitels merklich gesunken. Trotz der unerwünschten Beimischungen lässt sich im Großen und Ganzen dennoch ein Gesamtbild der Entsprechungen zwischen dem litauischen und dem slawischen Vokalsystem gewinnen. In diesem Kapitel behandelt der Autor auch die Entsprechungen slawischer Vokale im Litauischen. Im Kapitel über den Konsonantismus zeigt der Autor zunächst, durch welche Konsonanten die litauischen in den slawischen Sprachen ersetzt werden. Unter anderem widerspricht J. Princas bei der Behandlung der Entsprechung des litauischen Konsonanten v im Polnischen mit gutem Grund J. Otrębski hinsichtlich seiner Erklärung der Ortsnamen Valkininkai und Varėnà, der zufolge die slawischen Formen Олькеники und Орани durch Dekompensation entstanden sein sollen (litauisch Varėnoje→v-arėnoje→в Оранах). Anschließend zeigt der Autor, wie die slawischen Konsonanten im Litauischen wiedergegeben werden. Im vorletzten, zehnten Kapitel behandelt der Autor einige allgemeine Fragen des lautlichen Wandels von Ortsnamen und ihrer lautlichen „Anpassung“ und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Vokalismus- und Konsonantismussystemen der baltischen (litauischen) und slawischen (polnischen) Sprachen. Das letzte Kapitel des Buches besteht aus Schlussfolgerungen, in denen der Autor unter anderem die Definitionen der wichtigsten im Werk verwendeten Begriffe präzisiert und schärft: Übertragung (Umsetzung), Substitution, Bedeutungszuweisung (Deutung), Übersetzung (Übersetzung) usw. Abschließend geht J. Princas kurz auf das Problem der „linguistischen Position“ eines Ortsnamens ein. Interessant ist der Gedanke des Autors, dass die Grundform (der Archetyp) eines Ortsnamens erst dann als gefunden gelten kann, wenn sie im Sprachsystem der Zeit, in der der Ortsname entstand, lautlich, morphologisch und semantisch motiviert erscheint. Wie auch aus dieser Besprechung hervorgeht, ist das rezensierte Werk nicht nur umfassend, sondern auch interessant und notwendig. Sein praktischer Nutzen wird vor allem darin liegen, dass es als Grundlage für die Aufstellung von Transkriptionsregeln für polnisch-litauische und litauisch-polnische Orts- und Personennamen dienen kann. Insgesamt ist die Arbeit sorgfältig ausgeführt, methodisch gut durchdacht und systematisch angelegt. Der wichtigste Mangel der Arbeit ist die Ungenauigkeit des Materials, auf das sich der Autor stützt. Schon an den oben angeführten Beispielen wird deutlich, wie unzuverlässiges Material den Autor in die Irre geführt hat. Ungenaue Ortsnamen gibt es in der Arbeit sehr viele – sie alle aufzuzählen wäre weder nötig noch sinnvoll, denn daran trägt weniger der Autor Schuld als vielmehr diejenigen, die Ortsnamenverzeichnisse veröffentlicht haben, in denen Fehler und Entstellungen nur so wimmeln. Man kann lediglich sagen, dass J. Princas, hätte er über genaue Formen der Literatursprache und der dia- 199 Wären die Formen der Ortsnamen genauer berücksichtigt worden, wäre seine Arbeit wesentlich kompakter und präziser ausgefallen. Die einzelnen Unterkapitel und Abschnitte hätten verständlicherweise eine ganz andere Gestalt erhalten. Als weitere kleinere Mängel und Ungenauigkeiten lassen sich zweifelhafte Etymologien anführen, die gelegentlich vorkommen, insbesondere in Fällen, in denen ein Oikonym mit einem Suffix unmittelbar von einem Gattungswort abgeleitet wird. So werden aus den slawischer Herkunft entstammenden Gattungswörtern pōpas, pātašas (< deutsch Pottasch), randas (< poln. rząd „Behörde, Vorstand...“), šābalas, tāboras, važnyčia die Ortsnamen Papiškės, Pāpiškiai (S. 55), Patašinė (von J. Princas ungenau als Patašynė geschrieben), Patašiškės, Patašiškė (S. 55), Rāndiškė (S. 55), Sabaliskėnai, Sabališkės (S. 56), Tabarai, Tabarauskai (S. 56), Vazniškiai (Gudeliai; bei J. Princas ungenau als Važniškiai), Vazniškiai (Liudvinavas; S. 57) abgeleitet, und zwar mit dem Suffix -išk- von den Personennamen Pāpas, Patašius, Rāndis, Sabalys, Tābaras, Tabarauskas, Vaznis, Vaznys, Vaznius. Eine andere Frage ist, ob ein Teil dieser Personennamen slawischer Herkunft sein könnte. Der Dorfname Demeniškiai (S. 44) ist nicht vom russischen Демьян oder poln. Dominik abzuleiten, sondern vom litauischen Seenamen Dėmenas. Die Ortsnamen Pakūonis (poln. Pokojnie) und Salāperaugis (poln. Salopirogi) sind eindeutige Beispiele für Substitution (Deutung), doch der Autor erwähnt sie nur im Abschnitt über die Slawisierung der Endungen. Es gibt Fälle, in denen der Vergleich der litauischen und der slawischen Form eines Ortsnamens noch nicht ausreicht, um festzustellen, welche die ältere ist. So behauptet der Autor bei der Erörterung von Veränderungen der Suffixe und Endungen, die polnischen Formen der Ortsnamen Alšėnai (S. 65, 126; Garliava), Barsūkai (S. 164; Liudvinavas), Bundōriai (S. 166; Alytus), nämlich Olszamy, Borsuki, Bondary, seien älter, während ihre litauischen Entsprechungen aus dem Polnischen umgebildet seien. Eine solche Behauptung bedarf jedoch eines Beweises, genauer gesagt einer Geschichte des Ortsnamens. Denn der Ortsname Barsūkai könnte sich beispielsweise erst später herausgebildet haben, als das Gattungswort barsūkas ins Litauische gelangte. Folglich könnte er vom litauischen Wort (Lehnwort) barsūkas stammen. In diesem Fall wäre die polnische Ortsnamensendung -i lediglich das Gegenstück zur litauischen Endung -ai, nicht umgekehrt, wie J. Princas behauptet. Am Ende des Buches fügte der Autor eine Karte des ehemaligen Gouvernements Suwałki hinzu. Dies ist ein sehr notwendiger Anhang; die Ortsnamen auf der Karte hätten jedoch auch in ihren litauischen Formen angegeben werden können, zumindest die Namen der ausgesprochen litauischen Orte. Gelegentlich findet sich eine kleinere Ungenauigkeit beim Zitieren, zum Beispiel: Auf L. 23, S. 1 steht Likiškėlio, während J. Princas Likiškėliai; Sabeliškeniai angibt (die korrekte Form lautet Sabališkėnai); dies steht auf L. 23, S. 2 und nicht auf S. 1; Jokūboniai steht auf L. 23, S. 281 und nicht auf S. 218. A. Vanagas DAS NEUE „RUSSISCH-LITAUISCHE WÖRTERBUCH“ Russisch-litauisches Wörterbuch. Unter Verwendung gedruckten und handschriftlichen Materials zusammengestellt, das J. Baronas gesammelt hatte. Bearbeitet von V. Baronas und V. Galinis. Redigiert für A–I von Prof. B. Larinas, für K–H und T–Ž von J. Macaitis (verantwortlicher Redakteur), für O–C von K. Musteikis. „Mintis“, Vilnius, 1967 (Bd. I, 569 S., Bd. II, 622 S.). Der bekannte Pädagoge und Lexikograf J. Baronas (1873—1952) veröffentlichte sein „Russisch-litauisches Wörterbuch“ 1924. Die zweite Auflage seines Wörterbuchs, erheblich erweitert und er- 200