Akcentuacijos ir vokalizmo sąryšis šiaurės vakarų panevėžiškių tarmėje
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LIETUVIŲ AREALINĖS LINGVISTIKOS KLAUSIMAI LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
K. GARŠVA
DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN AKZENTUIERUNG UND VOKALISMUS IM NORDWESTPANEWĖŽYS-DIALEKT
In vielen Sprachen bilden Vokale den Silbenkern, doch lassen sie sich nicht korrekt beschreiben, ohne zuvor den Akzent zu erörtern, denn manche phonetischen Eigenschaften der Äußerung werden der Silbe, dem Morphem oder dem ganzen Wort „aufgeprägt“ (z. B. der Akzent), während andere zu den einzelnen kleinsten lautlichen Einheiten (Phonemen und ihren Varianten) gehören. In den vier Abschnitten dieses Artikels (1. Wortakzent, 2. Vokalquantität, 3. Intonationen, 4. Vokalphoneme und ihre Varianten) wird versucht, die suprasegmentalen (übersegmentalen, prosodischen¹) und segmentalen Erscheinungen einer ostlitauischen Mundart – des Nordwestpanevėžys-Dialekts – synchron voneinander abzugrenzen und die von ihnen erfüllten Funktionen in der Sprache zu bestimmen². Entsprechend sollten auch die jeweiligen Ausdrucksmittel anderer litauischer Dialekte (sowie der Literatursprache) erklärt werden. Die Arbeit berührt komplexere theoretische Probleme der Phonologie, zu einigen davon gehen die Meinungen der Linguisten stark auseinander, und nicht alle unsere Schlussfolgerungen können bereits endgültig sein.
Der Nordwestpanevėžys-Dialekt unterscheidet sich von den benachbarten Dialekten durch drei wichtigste phonetische Merkmale³:
1. Durch die charakteristische Verbreiterung der Vokale i, u in mindestens drei Positionen (siehe unten) sowie durch die Wiedergabe der standardlitauischen Vokale ę, ą und der fallenden Diphthonge ēm, ēn, ām, ān als Laute ė, o sowie ēm, ēn, ōm, ōn⁴;
2. Durch den sogenannten allgemeinen Akzentrückzug;
3. Durch die Reduktion der einstigen kurzen Auslautvokale.
Dieses Gebiet deckt sich wesentlich stärker mit A. Baranauskas’ „zweiten Ostlitauern“ und den traditionellen Dialekten des Mūša-Flussbeckens als mit den Nordpanevėžys-Dialekten (gemäß
1 In der litauischen Linguistik werden zwei Varianten des Terminus mit derselben Bedeutung verwendet: prozodija und prosodija; vgl.: Tarptautinių žodžių žodynas, Vilnius, 1969, S. 628, 624 u. a. Von ihnen sollte die zweite bevorzugt werden, weil das Wort so in der ursprünglichen Quelle – der griechischen Sprache – verwendet wurde (in neueren Entlehnungen aus dem Griechischen wird der Konsonant s meist nicht mehr ersetzt, z. B. Odisėjas, Poseidonas usw.).
2 Eine ähnliche Analyse siehe: Вопросы теории лингвистической географии, под. ред. Р. И. Аванесова, Москва, 1962, S. 28—63; T. Hill, Phonemic and Prosodic Analysis in Linguistic Geography, „Orbis“, XII, Nr. 2, 1963, S. 449—455. — Nachgedruckt in: Readings in American Dialectology, New York, 1971 usw.
3 Da die Druckerei nicht über alle erforderlichen Zeichen verfügt, wird im Artikel eine nichtphonetische, sondern nahezu phonologische Transkription verwendet. (Zeichen der phonetischen Transkription werden nur dort verwendet, wo ausdrücklich von Phonetik die Rede ist.) Eine konsequente phonetische Transkription sowie die akustischen und artikulatorischen Eigenschaften der Laute siehe: K. Garšva, Šiaurės vakarų panevėžiškių prozodija ir vokalizmas, Dipl. darbo santrauka (mašinr., VVU lietuvių kalbos katedra), 1973, S. 24—25 (VVU lituanistų skaitykla, D 434).
4 Bei Betonung mit zurückgezogenem Akzent sind diese Diphthonge dieselben wie bei Betonung mit Hauptakzent, vgl.: rɔ̀nkos „Hände“ — rɔ̀nkos „Hände“, aber bei den Pantininkai lāngs „Fenster (Fenster)“ — lāngė „das Fenster“ (nicht lɔ̀ngė), rānds — rāndė, žānds — žāndė usw.
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Girdenis—Zinkevičius-Klassifikation). Daher müssen die Nordpanevėžiškiai noch in nordwestliche und nordöstliche Panevėžiškiai (Biržiškiai) unterteilt werden. Die östliche Grenze des nordwestlichen Panevėžiškiai-Dialekts entspräche ungefähr der Grenze zwischen den pontininkai und puntininkai im „Atlas der litauischen Sprache“, doch müsste zusätzlich ein Randgebiet, das zum puntininkai-Dialekt übergeht, bis zur Mūša verlaufen (Namajūnai, Saločiai, Pasvalys). Anlautbetonte ám, án werden von den pontininkai zu óm, ón verändert und kommen in der Sprache selten vor (außerdem besteht vielleicht mehr als die Hälfte davon aus Ausnahmen5); andere nennenswerte phonetische Unterschiede zwischen den nördlichen sogenannten pantininkai und den pontininkai (den nordwestlichen Panevėžiškiai) wurden nicht festgestellt.
1. WORTAKZENT
Der Akzent wird meist als Hervorhebung einer (betonten) Silbe eines Wortes gegenüber den übrigen (unbetonten) Silben beschrieben. Doch können auch einzelne oder aufeinanderfolgende einsilbige Wörter betont sein6, daher ist der Kontrast zwischen betonten und unbetonten Silben keine notwendige Voraussetzung für die Wahrnehmung des Akzents (ebenso wie die Vokalquantität nicht allein durch den Vergleich mit benachbarten Vokalen bestimmt wird). Ein einzelnes einsilbiges Wort mit einem langen Vokal (Diphthong) lässt sich nicht ohne Akzent zu einem Tonverlauf aussprechen; denn wie viele Sprachwissenschaftler meinen, unterscheiden sich die litauischen Tonakzente deutlich nur in betonten langen Silben7 (unserer Ansicht nach liegt hier die starke Position der Tonakzente vor).
Aus dem Satz màm kù.l’ grù.ds laũk’ „Mama drischt das Getreide auf dem Feld“ ist ersichtlich, dass auch einsilbige Wörter betont sein können, deren Vokale (kurz, halblang, lang) und Diphthonge von unterschiedlicher Quantität (Länge) sind. Somit wären die Dauer (Quantität) des litauischen Vokals, seine Grundfrequenz (Tonhöhe) sowie die quantitative Reduktion unbetonter Vokale und die qualitative Reduktion einiger Diphthonge bei den Panevėžiškiai und Širvintiškiai lediglich zusätzliche Akzentmittel; das hauptsächliche Mittel ist die Schallintensität (Lautstärke). Die Vokale betonter und unbetonter Silben unterscheiden sich etwas hinsichtlich des Artikulationsortes und damit auch ihrer akustischen Qualität.
In Arbeiten zur litauischen Sprachwissenschaft werden neben dem fallenden und dem steigenden Tonakzent bis heute häufig auch der „mittlere“ und der „geschnittene“ erwähnt, die außer in langen auch in halblangen betonten Silben vorkommen können, sowie der „kurze Tonakzent“, der nur in kurzen Silben auftritt. Doch geht es beim sogenannten kurzen (und mittleren, geschnittenen) „Tonakzent“ häufig nicht um einen Tonakzent – die Hervorhebung des Silbenanfangs oder -endes und eine rasche oder langsame Veränderung der Intensität –, sondern lediglich um die Kürze oder Halblänge der Silbe; daher …
5 Žr. Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, Vilnius, 1966, p. 97—98. Dar plg. pastabą p. 16 (5 išnaša).
6 In der russischen Sprache vertraten L. Ščerba und L. Zinder diese Auffassung; siehe Л. Р. Зиндер, Общая фонетика, Ленинград, 1960, p. 298—300. Eine Kritik des Versuchs findet sich in А. А. Реформатский, Фонологические этюды, Москва, 1975, p. 39—41, 63—64. Vgl. ferner Р. Якобсон и М. Халле, Фонология и её отношение к фонетике, — Новое в лингвистике, вып. 2, Москва, 1962, p. 250 u. a.
7 Н. С. Трубецкой, Основы фонологии, Москва, 1960, p. 223; P. Garde, L’accent, Paris, 1968, p. 161; tą patį žr. P. Garde’as, Lietuvių kalbos kirčiavimo sistema (išvertė ir komentavo A. Girdenis), „Kalbotyra“, XXII(1), 1971, p. 94—96; J. Kazlauskas, Lietuvių kalbos istorinė gramatika, Vilnius, 1968, p. 5; M. J. Kenstowicz, Lithuanian Phonology, University of Illinois, 1969 (daktaro disertacija, rotaprintas), p. 84; О. С. Степанов, Основы общего языкознания, Москва, 1975, p. 99 ir kt.
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Der Begriff des Tonakzents ist hier somit entbehrlich8. Betonte kurze und halblange Silben, in denen kein Tonakzent vorliegt, kennzeichnen wir mit dem Akzentzeichen (Gravis).
Einen „kurzen Tonakzent“ im Litauischen begannen R. Ekblom (1917 und später) und nach ihm N. van Wijk, J. Gerulis, A. Laigonaitė und V. Vaitkevičiūtė allein auf experimentellem Wege nachzuweisen9. Die kurzen Vokale wurden in unterschiedlichen phonetischen Kontexten untersucht, ohne sich auf mathematische Statistik zu stützen; deshalb halten einige Forscher den „kurzen Tonakzent“ betonter Silben für dem fallenden und dem steigenden Tonakzent ähnlich (in verschiedenen Silben)10, andere dagegen nur für dem steigenden Tonakzent ähnlich11. Sprachliche Bedeutung hat nur, was mit dem normalen menschlichen Ohr hörbar ist; Geräte zeigen lediglich objektive physikalische Eigenschaften des Schalls, und daraus lässt sich nicht bestimmen, wie das Ohr all diese Merkmale synthetisiert12.
Sprachwissenschaftler, die das Litauische als mora-basierte Sprache ansehen, leugnen ebenfalls Tonakzente bei kurzen Vokalen und meinen, diese könnten lediglich betont oder unbetont sein13. Auch in der verwandten lettischen Sprache gibt es keinen „kurzen Tonakzent“.
In allen hochlitauischen Dialekten kann der Akzent an jeder beliebigen Stelle stehen: Bis zu einem gewissen Grad ist er unabhängig von der Stellung der Silbe im Wort und davon, ob sie offen oder geschlossen ist, sowie von Qualität, Quantität und Tonakzent des die Silbe bildenden Vokals (Diphthongs). In zweisilbigen Wörtern kann der Akzent alle neun möglichen Kombinationen des Kontrasts zwischen kurzen, halblangen und langen Silben bilden: I 1) sàk’əs „ich würde sagen“ — sak’əs „ich würde sagen“, 2) auch sàːk’əs — sak’əːs; II 3) auch sàk’əs — sak’əːs, 4) i.šnėːs „er/sie trägt hinaus“ — išnėːs „er/sie trug hinaus“; III 5) Nom. Sg. žãbos „Stäbchen“ (dial. žabõs) — Futur, 3. Pers. žabòːs „wird Stäbchen machen“ (žabóti), 6) vėːžam „wir fahren“ — vežàm „wir werden gefahren“, 7) rù.do „Rost“ — rudóː „braun“, 8) auch vėːžam — vežàːm; IV 9) žãːbos „Stäbchen“ — žabòːs „wird Stäbchen machen“.
Wie diese Beispiele zeigen, lassen sich im Dialekt anhand der Akzentstelle vier Oppositionstypen unterscheiden: I Wörter unterscheiden sich nur durch die Akzentstelle (wenn beide Silben kurz oder beide halblang sind); II Wörter unterscheiden sich nicht nur durch die Akzentstelle, sondern auch durch die Länge der betonten Vokale (wenn eine Silbe kurz, die andere halblang ist); III Wörter unterscheiden sich nicht nur durch die Akzentstelle und die Vokallänge, sondern auch dadurch, ob betonte Silben einen Tonakzent aufweisen oder nicht (wenn eine Silbe lang, die andere kurz oder halblang ist); IV Wörter unterscheiden sich nicht nur durch die Akzentstelle, sondern auch durch die Tonakzente der betonten Vokale (wenn beide Silben lang sind).
Bei einsilbigen Wörtern (in schwacher Position) gibt es keinen Kontrast hinsichtlich der Akzentstelle (phonologisches Mittel); der Akzent existiert hier nur phonetisch, während der Akzent in mehrsilbigen Wörtern (in der Intonationsgruppe) bedeutungsunterscheidende Funktionen ausüben kann (distinktive …
8 Plg. K. Būga, Kirčio ir priegaidės mokslas (1924), — Rinktiniai raštai, III, Vilnius, 1961, p. 21; J. Kazlauskas, min. veik., p. 5; A. Girdenis, V. Žulys, „Trumpinė priegaidė“, „Kalbotyra“, XV, 1967, p. 113—116; A. Pakerys, Apie kirtį, „Kalbotyra“, XVII, 1967, p. 131 ir kt.
9 Zu den ersten vier Autoren siehe: A. Laigonaitė, Literatūrinės lietuvių kalbos kirčiavimas, Vilnius, 1959, p. 8, 10; Lietuvių kalbos gramatika, I, Vilnius, 1965, p. 128 u. a.
10 A. Laigonaitė, zit. Werk, p. 10.
11 V. Grinaveckis, Žemaičių tarmių istorija, Vilnius, 1973, p. 98.
12 Vgl. I. Lehiste, Suprasegmentals, Cambridge, Massachusetts and London (M. I. T.), 1970, p. 5 u. a. — E. Fischer-Jørgensen und andere sind der Ansicht, dass akustische Verfahren vor allem dazu dienen, bereits hörend festgestellte sprachliche Merkmale phonetisch zu präzisieren: E. Fischer—Jørgensen, What can the new techniques of acoustic phonetics contribute to linguistics?—Reports for the VIII International congress of linguists, I, Oslo, 1957, p. 88; Ю. С. Степанов, О зависимости понятия фонемы от понятия слога при синхронном описании и исторической реконструкции, „Вопросы языкознания“, 1974, № 5, p. 98; vgl. ferner A. Girdenis, V. Žulys, zit. Aufsatz, p. 115.
13 H. C. Трубецкой, zit. Werk, p. 232; M. J. Kenstowicz, zit. Werk, p. 84.
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… Funktionen14. Ein selbstständiges Wort gibt es weder ohne Phoneme noch ohne Akzent – als Merkmal der Selbstständigkeit des äußeren Wortes. Und weder Phoneme ohne Akzent noch der Akzent ohne Phoneme erfüllen ihre Funktionen, obwohl in beiden Fällen die Hauptbedeutung den Phonemen zukommt.
Die bedeutungsunterscheidende Funktion muss in der Phonologie weiter gefasst verstanden werden. Wird ein Phonem oder die Akzentstelle beziehungsweise der Akzenttyp verändert, ändert sich die Bedeutung des Wortes meist nicht, doch das Wort kann bis zur völligen Unkenntlichkeit entstellt werden. Hört man zum Beispiel das Kunstwort „samānos“, verstünden wir ohne Kontext nicht, was gemeint war: sąmanos oder sama- nos. Bei Wörtern, die auf zwei Arten akzentuiert werden können, ist die distinktive Funktion des Akzents neutralisiert, z. B.: Subst. pāk̃rate – Subst. und Verb pakratė „du schüttelst“, Lok. Pl. laukùos’ / laũkās’ „auf den Feldern“, Dat. Pl. vaikám / vaikam „den Kindern“ usw.
Dieselben betonten und unbetonten Vokale (Diphthonge) sind keine eigenen Phoneme (wie die Linguisten des Prager Linguistischen Zirkels annahmen), denn sie treten stets in unterschiedlichen Positionen auf, und die entsprechenden Homonyme (auf segmentaler Ebene) werden nicht durch den Austausch eines Phonems, sondern durch die Akzentstelle unterschieden15. Der Akzent gehört einer größeren Einheit an als das Phonem – der Silbe, d. h. der suprasegmentalen und nicht der segmentalen Ebene. Kann die Zahl der Phoneme im selben Kontext beträchtlich sein (z. B.: sàk’ǫs „ich würde sagen“, sòk’ǫs „ich würde drehen“, sù.k’ǫs „du wirst drehen“, siek’ǫs „ich würde streben“), kann es nicht mehr Akzentprosodeme geben als Silben im Wort (im Hochlitauischen liegt der bedeutungstragende Akzent jedoch selbst in mehrsilbigen Wörtern meist höchstens auf zwei Silben). Zum Inventar der Prosodeme würden „Akzent auf der ersten Wortsilbe“, „Akzent auf der zweiten Silbe“, „Akzent auf der dritten Silbe“ usw. gehören. Da es in der Sprache vor allem zwei- und dreisilbige Wörter gibt und die Nordwest-Panevėžiškiai den Akzent meist von der letzten auf die erste oder zweite Silbe zurückgezogen haben, tritt in diesem Dialekt nach der Akzentstelle am häufigsten die Opposition zwischen erster und zweiter Silbe auf, seltener die Opposition zwischen einer dieser Silben und der dritten. (Die Zahl der Prosodeme der ersten Wortsilben hat im Dialekt auf Kosten der Akzentprosodeme der zweiten, dritten usw. Silben zugenommen.) Bei Nomina, bei denen der Akzent gewöhnlich auf dieselbe Silbe zurückgezogen wird, die den Hauptakzent trägt, unterscheidet der Akzent nur die wenigen Homof Formen verschiedener Wörter, nicht aber mehr die Formen desselben Wortes, z. B.: dar̃žinės „Scheunen“ – dar̃žinės’ „Scheunen“.
14 Einige Linguisten sind der Ansicht, dass in Sprachen mit freiem Akzent die Hauptfunktion des Akzents die distinktive (1) ist, andere, dass sie kulminativ (2) ist, wieder andere, dass sie ausschließlich kontrastiv (oder kulminativ) ist (3), z. B.: 1) П. С. Кузнецов, К вопросу о фонологии ударения (1948), — А. А. Реформатский, Из истории отечественной фонологии, Москва, 1970, p. 360, 366; Л. Р. Зиндер, min. veik., p. 299, 302–304; Р. И. Аванесов, Русская литературная и диалектная фонетика, Москва, 1974, p. 85, 100; А. А. Реформатский, min. veik., p. 31; P. Kratochvil, Tone in Chinese (1968), — ed. E. C. Fudge, Phonology, Penguin Books, 1973, p. 347, 348; I. Lehiste, min. veik., p. 147, 148; 2) С. К. Шаумян, Проблемы теоретической фонологии, Москва, 1962, p. 59; H. Pilch, Phonemtheorie, I, Basel–New–York, 1964, p. 101–102; teilweise vgl. auch Н. С. Трубецкой, min. veik., p. 38, 230–231, 238; 3) A. Martinet, Accent et tons, Miscellanea Phonetica, II, London, 1954, p. 13–24; P. Garde, Principles of the Synchronic Description of Stress (1967), — ed. E. C. Fudge, Phonology, 1973, p. 310–311.
15 R. Avanesovas, V. Vaitkevičiūtė und andere begründen dasselbe auf andere Weise. Ihrer Auffassung nach unterscheiden sich beispielsweise die Wörter sàk’ǫs und sak’ǫs, die sich nur durch die Akzentstelle unterscheiden, segmental unmittelbar in zwei Merkmalen und nicht nur in einem: nicht nur dadurch, dass der Vokal a im ersten Wort betont und im zweiten unbetont ist, sondern auch dadurch, dass ǫ im ersten Wort unbetont und im zweiten betont ist; siehe: Р. И. Аванесов, min. veik., p. 101–102; V. Vaitkevičiūtė, Lietuvių literatūrinės kalbos balsinės ir dvibalsinės fonemos, LKK, IV, 1961, p. 21. Eine solche Analyse ist jedoch nur möglich, wenn man den Akzent als Merkmal einzelner Vokalphoneme betrachtet; vgl.: П. С. Кузнецов, min. str., p. 361-362.
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2. VOKALQUANTITÄT
Im Dialekt werden lange, halblange und kurze Vokale klar unterschieden (es gibt ein Dreilängensystem), doch ein einzelner Vokal kann höchstens zwei phonologische Längenstufen aufweisen. In betonter (starker) Position bilden Vokale hoher und niedriger Zungenhöhe nach der Quantität eine Opposition (I), Vokale mittlerer Zungenhöhe dagegen nicht (II):
I 1. Die Vokale iˑ, iˑ, uˑ, u. sind lang und halblang (Beispiele siehe unten);
2. Die Vokale eˑ, e, (æˑ, æ), aˑ, a sind lang und kurz;
II 3. Die betonten Vokale eˑ (ɛˑ), oˑ sind nur lang;
4. Die Vokale ɛ (ə), ɔ sind nur kurz.
Die Stellung der kurzen Vokale ɛ, e, ɔ, a im Vokalsystem lässt sich auf zwei oder sogar drei Arten erklären: 1) Aufgrund ihrer qualitativen Ähnlichkeit könnte man sie den langen Vokalen eˑ, e, oˑ, aˑ zuordnen; 2) da sie in derselben Morphemform mit den Vokalen iˑ, eˑ, uˑ, aˑ wechseln, könnte man die Laute ɛ, e, ɔ, a als Positionsvarianten (bei zurückgezogenem Akzent) dieser Vokale betrachten; 3) oder man ordnet die kurzen Vokale ɛ, ɔ keiner der beiden Gruppen zu und betrachtet sie als selbstständige Phoneme.
Die Vokale ɛ, ɔ wechseln in derselben Morphemform nicht mit den Vokalen eˑ, oˑ (wie lange und kurze e, a untereinander), sondern mit den Vokalen iˑ, uˑ, vgl.: s’kėˑr’ „ich trenne, ich trenne“ – s’kiˑr’ „er/sie/es trennt“, s’kėˑr’ „Käfer“; kòˑr’ „ich mache, ich mache“ – kùˑr’ „er/sie/es macht“, kõˑr’ „Korb“, daher lassen sich nur die Vokale e, a mit den langen Vokalen verknüpfen.
Die kurzen Vokale ɛ, e, ɔ, a könnte man nur dann als Positionsvarianten der Vokale iˑ, eˑ, uˑ, aˑ betrachten, wenn man für den Dialekt eine Kategorie zweier Akzenttypen ansetzte16, die weitgehend der diachronischen Kategorie des Haupt- und zurückgezogenen Akzents entspricht. Synchron betrachtet „wissen“ wir jedoch nicht, welcher Akzent der Hauptakzent und welcher der zurückgezogene ist; außerdem werden diese Akzente nach Gehör, wie Hörversuche zeigen, heute kaum unterschieden, und die beobachteten Unterschiede lassen sich allein durch Akzenttypen kennzeichnen. Darüber hinaus können nicht nur lange, sondern auch kurze (halblange) Vokale sowohl mit Haupt- als auch mit zurückgezogenem Akzent betont sein. In der Position des Hauptakzents können halblange iˑ, uˑ in jeder beliebigen Wortsilbe stehen, während die Vokale e, e, o, a bei Betonung meist nur in der letzten Wortsilbe kurz bleiben17; sie kommen jedoch auch in weiter vom Wortende entfernten Silben vor (nicht nur in Verben, die von lautmalerischen Wörtern abgeleitet sind, vgl. trėp’telėje „er/sie/es machte einen kleinen Schritt“, und in Wörtern aus anderen Sprachen, vgl. làt’vej „Lettland“, sondern auch an manchen Orten des Dialektgebiets – etwa im Komparativsuffix des Adjektivs -ėsnis, -ė usw.). Bleiben kurze Vokale unter Hauptakzent überwiegend nur in der letzten Silbe kurz, so treten sie unter zurückgezogenem Akzent nicht nur in der letzten, sondern auch in der vorletzten Silbe auf; in weiter vorn liegenden Silben bleibt ihre Kürze ebenfalls häufig nicht erhalten.
Dass die Vokale ɛ, ɔ zuzuordnen sind, lässt sich abschließend daran erkennen, dass die unbetonten Vokale i – e, u – ɔ freie Varianten sind18, weshalb dies auch in betonter Position gilt (in der …
16 A. Girdenis, V. Žulys, rec. J. Kazlauskas, Lietuvių kalbos istorinė gramatika, Vilnius, 1968, 414 p., „Baltistica“, VIII(2), 1972, p. 199.
17 Weitere Beispiele siehe E. Grinaveckienė, Kai kurios lietuvių kalbos tarmių ypatybės, LKK, V, S. 148–150.
18 Die Vokale i, u können in jedem vorakzentuierten und nichtfinalen postakzentuierten Syllabem (sowohl in geschlossener als auch in offener Silbe) vor jedem Vokal (sowohl am absoluten als auch am nichtabsoluten Wortanfang) im größten Teil des Dialektgebiets sogar innerhalb desselben Wortes (und bei derselben Person) sowohl verbreitert als auch nicht verbreitert ausgesprochen werden.
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Da die Opposition dieser Vokale nicht mehr neutralisiert wird, sind die Vokale e, o als Vokale i, u in kurzen Varianten anzusehen. Die Vokale e, a sowie die langen e˙, a˙ sind selbständige Phoneme.
Im Dialekt besteht in derselben akzentuierten Position eine Opposition zwischen langen und halblangen beziehungsweise langen und kurzen Vokalen (nur in der finalen offenen Silbe neutralisiert); die Vokalquantität wäre somit ein distinktives Merkmal der Phoneme¹⁹. Vokale, die unter Akzent nur lang (e˙, o˙) oder nur kurz (e, o) sein können, bilden keine Längenkorrelation. (Ausgehend allein von den Vokalen e˙, o˙, die in unbetonter Silbe gekürzt werden, ließe sich die Quantität auch der suprasegmentalen Ebene zuordnen.)
Bei der Gegenüberstellung der langen und halblangen i˙, i., u˙, u. unterscheiden sich in Minimalpaaren Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, z. B.: ski˙la „Loch“ — ski.la „zerbrach“, mu˙š „Mūša“ — mu.š „schlägt“ usw.; diese Vokale behalten unter Akzent also dieselbe Quantität. Die langen und kurzen Phoneme e˙, e, a˙, a unterscheiden dagegen meist Formen desselben Wortes (von denen es in der Sprache die meisten gibt) und wesentlich seltener verschiedene Wörter, z. B.: kė˙l’ „hebt, heben, den Weg“ — kėl’ „mit dem Weg, den Weg“.
Alle kurzen Vokale können unter Akzent gelegentlich in derselben Position nahezu bis zur Halblänge gedehnt werden (besonders wenn die Silbe intonatorisch hervorgehoben wird), doch die Wortbedeutung verändert sich dadurch nicht. Solche gedehnten Vokale können als fakultative Varianten kurzer Phoneme gelten, die mitunter auch stilistische Bedeutung haben. (Ähnlich sind auch die ehemals langen Vokale i˙, e˙, u˙, o˙, die in unbetonter Silbe sehr selten nicht kurz, sondern halblang ausgesprochen werden, fakultative Varianten kurzer Positionsvarianten, z. B.: gi.vy˙bės „des Lebens“, bu˙vo.m „wir waren“ usw.)
In unbetonten Silben sind alle Vokale des Dialekts gewöhnlich nur kurz: Die Quantitätsopposition wird neutralisiert.
Die langen und kurzen Vokale des Litauischen werden in der Sprachwissenschaft bis heute auf zweierlei Weise erklärt: Einige Linguisten betrachten sie als eigenständige Phoneme, andere meinen, dass lange Vokale aus einer Verbindung zweier gleicher kurzer Phoneme (Moren) bestehen und ordnen so die Quantitätsunterschiede nicht den Vokalen, sondern der Silbe zu (sie betrachten sie überwiegend als prosodische Merkmale). Die erste Auffassung findet sich in nahezu allen in Litauen verfassten sprachwissenschaftlichen Arbeiten (auch wenn deren Verfasser, mit Ausnahme von V. Vaitkevičiūtė, A. Girdenis, A. Pakerys u. a., noch nicht von Phonemen sprechen); die zweite vertreten westliche Strukturalisten seit den Zeiten N. Trubetzkoys²⁰.
Dass lange Vokale aus zwei Teilen bestehen müssen, wird damit begründet, dass im Litauischen nicht nur in Diphthongen und gemischten Diphthongen, sondern auch bei langen Vokalen zwei Akzenttypen (Intonationen) nach der Qualität unterschieden werden: Anfang und Ende des langen silbenbildenden Lautes unterscheiden sich phonologisch relevant. Deshalb sind lange Vokale ebenso wie Diph-
¹⁹ Manche schlagen vor, den Begriff der Spannung sowohl auf qualitative als auch auf quantitative Vokalunterschiede zu beziehen, siehe: A. Pakerys, Lietuvių bendrinės kalbos ilgųjų ir trumpųjų balsių opozicijos fonetinis pagrindas, — III sąjunginė baltų kalbotyros konferencija, 1975 m. rugsėjo 25—27 d., Pranešimų tezės, Vilnius, S. 42 u. a.
Im litauischen Standard hängt die Quantität von bestimmten Morphemen ab, siehe P. Garde, a. a. O., S. 160, oder P. Garde’as, a. a. O., Übersetzung, S. 94.
²⁰ Н. С. Трубецкой (1939), min. veik., p. 213, 214, 223, 224, 240; G. L. Trager, The Theory of Accentual Systems, — L. Spier, A. I. Hallowell, and S. S. Newman (Eds.), Language, Culture, and Personality, Menasha, 1941, p. 139, 140; C. F. E. Heeschen, Einführung in die Grundprobleme der generativen Phonologie mit besonderer Berücksichtigung der litauischen Phonologie (daktaro disertacija), Bonn, 1968, p. 234, 252; M. J. Kenstowicz, min. veik., p. 84, 85, 107, 132 ir kt.
6. Užš. Nr. 1026
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Diphthonge müssen aus zwei Bestandteilen (Moren) bestehen. Doch inzwischen ist auch Ausländern weniger bekannt, dass die Intonationen in den ostaukštaitischen Dialekten des Litauischen (ähnlich wie in der Literatursprache21) in langen Vokalen nicht dieselbe phonologische Bedeutung haben wie in Diphthongen; daher können lange Vokale nicht vollständig Diphthongen gleichgesetzt werden. In betonter Position gibt es im Dialekt keine kurzen Vokale i, ė, u, o (ė und o kommen nur in internationalen Wörtern vor), und es lässt sich nicht erklären, aus welchen zwei Komponenten die langen Vokale iː, eː, uː, oː bestehen. In den „zusammengesetzten und präfigierten Wörtern unserer Dialekte sowie nach dem Schwund eines Konsonanten in der Wortmitte können nebeneinander geratene Vokale unversehrt erhalten bleiben“22, also nicht zu einem einzigen Vokal verschmelzen (häufiger zu einem langen als zu einem kurzen); dies beweist nach P. Kuznecov vollständig, dass lange Vokale selbstständige Phoneme sein können23.
3. INTONATIONEN
Der litauische Wortakzent ist nicht tonal (musikalisch) wie etwa im Chinesischen, sondern dynamisch (die Quantität spielt eine unterstützende Rolle). In vielen Dialekten wird bei fallenden Diphthongen in betonter Silbe die erste Komponente, bei steigenden Diphthongen die zweite Komponente auf etwa halblange Dauer gedehnt, während das andere Glied kurz bleibt; selbst in der Literatursprache sind „die Laute, aus denen unbetonte Silben bestehen, etwas kürzer als die Laute, aus denen betonte Silben bestehen“24. Vokale können sich qualitativ wie quantitativ (insbesondere unbetonte) nur infolge eines dynamischen, nicht eines Tonakzents verändern25. Nach ihrem Höreindruck unterscheiden die Nordwest-Panevėžiškiai die Intonationen (wie sie selbst angaben) vor allem anhand der Lautdauer und -stärke. In politonalen Sprachen können Intonationen nicht nur Ton-, sondern auch Intensitätsprosodeme sein; ihre unterscheidenden Merkmale sind dann etwa ein rascher oder langsamer Intensitätswechsel usw.26. Neueste instrumentelle Experimente haben gezeigt, dass die Grundfrequenz (Abfall bzw. Anstieg von Tonhöhe und Intensität innerhalb einer Silbe) kein distinktives Merkmal der litauischen Intonationen ist27.
21 A. Laigonaitė, min. veik., p. 20; Lietuvių kalbos gramatika, I, p. 128.
22 Z. Zinkevičius, min. veik., p. 124 ir kt.
23 П. С. Кузнецов, О фонологической системе сербохорватского языка (1948), — А. А. Реформатский, Из истории отечественной фонологии, p. 344. — Bet tai dabar, gal būt, būtų galima aiškinti sujungimu (juncture). Lietuvių kalbą ne morine, bet skiemenine laiko A. Martinė, P. Gardas, žr.: A. Martinet, min. veik., p. 13; P. Garde, min. veik., p. 165, arba P. Garde’as, min. vertimas, p. 96.
24 Grammatik der litauischen Sprache, I, S. 129—137; А. Пакерис, Т. Плакунова, Я. Урбелене, Die relative Dauer der Diphthonge der litauischen Sprache, — Garsai, priegaidė, intonacija, Vilnius, 1972, S. 14—17, 36; J. Kazlauskas, a. a. O., S. 8—9; Н. С. Трубецкой, a. a. O., S. 240 u. a.
25 А. Мейе, Введение в сравнительное изучение индоевропейских языков, Москва—Ленинград, 1938, p. 164.
26 А. С. Либерман, Слоговая акцентуация кетского языка, — Лингвистические исследования, Ленинград, 1970, p. 378.
27 A. Laigonaitė, Über das Verständnis von Akzent und Intonation im Litauischen, „Kalbotyra“, I, 1958, S. 71—100; A. Pakerys, Die Modulation des Grundtons (F₀) der Diphthonge der gegenwärtigen litauischen Literatursprache, „Kalbotyra“, XVII, 1967, S. 15; A. Girdenis, A. Pupkis, Die Intonationen der südlichen westaukštaitischen Mundarten (prosodische Merkmale), — Eksperimentinė ir praktinė fonetika, Vilnius, 1974, S. 125 (ebenda siehe die Übersicht über das von K. Jaunius und F. Kuršaitis ausgehende Verständnis zweier Intonationen, S. 107—108); A. Girdenis, Prosodische Merkmale der Intonationen in der nordžemaitischen Mundart (Dauer, Grundton, Intensität), ebenda, S. 198.
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In der nordwestlichen Panevėžiškiai-Mundart lassen sich nach dem Gehör offenbar sogar sechs Intonationen unterscheiden, die sich ungefähr in folgender Reihenfolge anordnen ließen, wenn man von abnehmender Lautquantität und, wie es scheint, zunehmendem Artikulationsaufwand ausgeht: fallend (~), sekundär mittel (ˈ), mittel (˙), steigend (´), sekundär abrupt (ˋ), abrupt (ˆ)28. Steigende, fallende, sekundär abrupte und sekundär mittlere Intonationen sind Intonationen des Hauptakzents, abrupte und mittlere dagegen Intonationen des zurückgezogenen Akzents.
Beide abrupten Intonationen treten in einer Silbe auf, die ursprünglich eine steigende Intonation hatte, beide mittleren Intonationen in einer Silbe, die ursprünglich eine fallende Intonation hatte. Sekundäre Intonationen treten nur in diachronisch auslautenden Silben auf (vgl.: v’ɔlkdava „er/sie pflegte zu ziehen“, v’ɔlka „zog“, v’ɔlks „zieht“), weshalb sie Varianten (Allophone) der fallenden Intonation sind. Die Intonationen des Haupt- und des zurückgezogenen Akzents könnten diachronisch, ebenso wie manche Vokale unterschiedlicher Quantität, in komplementärer Distribution stehen.
In Diphthongen kann die Intonation sowohl die erste als auch die zweite Komponente hervorheben: Auf der ersten Komponente kommt nur die steigende Intonation (Akut) vor, während die übrigen Intonationen die zweite stärker hervorheben – Varianten des Zirkumflexes. Die starke Position der Intonationen liegt in betonten Lauten unterschiedlicher Qualität (Diphthongen, ausgenommen ie, uo), die schwache Position in betonten Lauten gleicher Qualität (Vokalen, einschließlich der zweiten Komponente von Diphthongen) und in allen langen unbetonten Silben: Hier kann der Intonationskontrast potentiell verschieden sein (und zusätzliche phonologische Bedeutung tragen), er kann aber auch vollständig neutralisiert sein. Im Litauischen gibt es nur zwei starke Intonationen – Akut und Zirkumflex29.
Die Zahl der Minimalpaare mit den einzelnen Intonationen ist sehr unterschiedlich. In der Mundart gibt es die meisten Homonyme mit der Opposition fallende – mittlere Intonation (etwa 1200 Paare, Nomina der Akzentklasse II und IV), z. B.: Sg. Nom. p’ɔršts „Finger“ – Pl. Akk. p’ɔršts „Finger“. Es gibt etwa 500 Minimalpaare mit steigender – abrupter Intonation (Nomina der Akzentklasse III), z. B.: pẽšč’os „barfuß (fem. Pl.)“ – pėš’č’os „barfuß (fem. Pl.)“. Somit können Intonationen vor allem die Formen desselben Wortes unterscheiden.
Die Oppositionen aller übrigen Intonationen im selben Kontext sind selten, da sie nur einzelne Wörter (mit unterschiedlicher Bedeutung) unterscheiden. Paare mit steigender – fallender Intonation dürfte es etwa 60 geben, während die übrigen möglichen Intonationsoppositionen nur etwa 10 Homonyme aufweisen (und zwar überwiegend mit Diphthongen), vgl.: nekáltos — nėkal-tos — nėkaltos „nicht wertvolle“ — nekaltos „nicht schuldig“; láuks „Felder“ — laũks „Feld“ — laũks „Felder“ — láuks „die Felder“ usw.
Die Intonationen im Litauischen und Serbokroatischen rechnen manche Linguisten den Phonemen zu (J. Dambrauskaitė; N. Trubeckoj, A. Isačenko, Dž. Treiger), andere neigen dazu, sie
Ne Die in Litauen lebenden Linguisten sind bis heute überwiegend der Ansicht, dass der Akzent der Gegenwartssprache den indogermanischen Ton bewahrt hat, z. B.: P. Garde, a. a. O., S. 160–165; P. Skardžius, Lietuvių kalbos kirčiavimas, Chicago, 1968, S. 11–12; C. F. E. Heeschen, a. a. O., S. 190–283; M. J. Kenstowicz, a. a. O., S. 82 ff.; T. M. Lightner, Problemes in the theory of Phonology, I, Edmonton, 1972, S. 390–391; П. И. Абаев, a. a. O., S. 83; А. А. Реформатский, a. a. O., S. 43; Ю. С. Степанов, a. a. O., S. 99 u. a.
28 Da Zeichen fehlen, wird der abrupten Intonation hier ein anderer phonetischer Gehalt zugewiesen. Zu den Intonationen siehe auch: A. Girdenis, A. Rosinas, Rez. zu V. Grinaveckis, Žemaičių tarmių istorija (Fonetika), Vilnius, 1973, 370 S., „Baltistica“, X(2), 1974, S. 192; G. Gerullis, Litauische Dialektstudien, Leipzig, 1930, S. XLVII, 55 ff.; К. Гаршва, Восприятие слоговых акцентов литовского языка в поднаречии северо-западных паневежцев, „Lietuvos TSR Mokslų akademijos darbai“, A serija, 2(59), Vilnius, 1977, S. 119–128.
29 A. Girdenis, Prozodinės priegaidžių ypatybės šiaurės žemaičių tarmėje (Trukmė, pagrindinis tonas, intensyvumas), ebenda, S. 160; J. Kazlauskas, a. a. O., S. 6.
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als Merkmal eines Morphems oder Wortes betrachtet werden (L. Jelmslevas, V. Vaitkevičiūtė, P. Gardas; P. Kuznecovas, A. Reformatskis30. Die Intonationen werden ebenso wie der Akzent meist dem gesamten Wort zugeordnet, weil man davon ausgeht, dass die Intonationsopposition nur in einer (betonten) Silbe des Wortes erhalten bleibt. Doch erstens können unbetonte Silben für Intonationen (ebenso wie für die Vokalquantität) eine schwache Position darstellen; zweitens weisen unbetonte Silben auch in den heutigen litauischen Dialekten einen gewissen Intonationsunterschied auf31. Für das Bestehen der litauischen Intonationsopposition ist nicht der Akzent, sondern eine lange Silbe erforderlich; daher ließen sich die Vokalquantität und die von ihr abhängigen Intonationsoppositionen derselben – segmentalen oder suprasegmentalen – Ebene zuordnen. Würde man die Quantität als suprasegmentales Phonem betrachten (nach der üblichen amerikanischen Analyse) oder die Diphthonge und Langvokale, die den Nukleus einer Silbe bilden, in zwei Kurzvokale aufteilen (wie es die Neue Prager Schule und die Glossematiker tun), müsste man zugleich auch die Intonationen der suprasegmentalen Ebene zuordnen32.
Für die Zugehörigkeit der Intonationen zur Silbe spräche besonders, dass sie offenbar in allen politonalen Sprachen auch auf den silbenschließenden Konsonanten erstreckt werden33 (in einem Diphthong). Außerdem hängen die litauischen Intonationen nicht nur von der Silbenlänge, sondern auch von ihrer Offenheit bzw. Geschlossenheit ab (prosodische Wortmerkmale). Zum Beispiel haben die Vokale i., u. in einer betonten offenen Silbe im nordwestlichen Panevėžys-Dialekt überhaupt keine Intonation (A. Baranauskas und andere kennzeichneten bei diesen Vokalen die fallende Intonation), während die Vokale e˙, a˙ nur die sie begleitende fallende Intonation aufweisen. Eine Intonationsopposition entsteht erst, wenn diese Vokale eine Verbindung mit einem anderen Vokal (einen Diphthong) oder mit den Konsonanten l, r, m, n (einen gemischten Diphthong) bilden. Hinsichtlich Quantität und Intonation sind Diphthonge andere Laute als ihre Bestandteile; deshalb ließen sich sowohl Diphthonge als auch gemischte Diphthonge phonematisch einheitlich erklären, obwohl bei Letzteren ebenso wie bei den Diphthongen ui, ai, abi beide Bestandteile nicht nur durch andere Laute ersetzt werden können (vgl. lk kilti, kūlti, kélti, kálti — kūrti, kárti usw.), sondern auch in verschiedenen Silben stehen können (vor einem Vokal zerfällt der Diphthong in seine phonetischen Bestandteile).
4. VOKALPHONEME UND IHRE VARIANTEN
In einer betonten Silbe können alle Diphthonge sowie folgende Vokale vorkommen: i˙, i., e˙, ẹ, e˙, e, ę˙, ę, u˙, u., ų˙, o˙, o, ø˙, ø, a˙, a. Die Vokale æ˙, æ kommen nur zwischen einem palatalisierten und einem nicht palatalisierten Konsonanten vor
30 P. Garde, genannte Übersetzung, S. 94; V. Vaitkevičiūtė, genannter Aufsatz, S. 22; П. С. Кузнецов, Über das phonologische System der serbokroatischen Sprache, — ebenda, S. 338—342; А. А. Реформатский, genanntes Werk, S. 43—46 (in den genannten Arbeiten werden auch weitere Autoren besprochen). Zur zweiten Auffassung siehe ferner K. L. Pike, Tone languages, Ann Arbor, 1957, S. 3—5 u. a.
31 Plg. A. Pakerys, Apie kirtį, „Kalbotyra“, XVII, 1967, p. 133; А. Гирденис, Западнолитовские и древнепрусские слоговые акценты, — Балтийские языки и их взаимосвязи со славянскими, финно-угорскими и германскими языками. Тезисы докладов научной конференции, Рига, 1973, p. 71—75. — Didesnė kalbininkų dalis mano, kad nekirčiuoti aukštaičių tarmės skiemenys dažniausiai turi tik tvirtagalę priegaidę, žr.: A. Pakerys, Tvirtapradžių ir tvirtagalių dvigarsių spektras, — ten pat, p. 149 (8 išnaša).
32 Einen Überblick über die phonemischen Probleme der Diphthonge, Quantität und Tonakzente siehe: K. Togeby, Phonotactics (1971), — ed. E. C. Fudge, Phonology, 1973, S. 291—296; I. Lehiste, genanntes Werk, S. 43—53, 84—95. Vgl. ferner W. Smoczyński, Some Problems of Lithuanian Phonology, — III. Unionskonferenz für baltische Sprachwissenschaft, Vilnius, 1975, S. 58—60.
33 Л. Р. Зиндер, min. veik., p. 304; taip mano ir doc. A. Girdenis.
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nach einem Konsonanten, der Vokal εː nur nach einem nicht palatalisierten Konsonanten, der Vokal ə nur vor einem nicht palatalisierten Konsonanten³⁴. Sie sind positionsbedingte Varianten der Vokale e (a), ė, ę, vgl.: gėr’ „gerį“ — gèr „gerą“, rėːk „rėk“ — l’ėːk „lėk“, k’ėːt’s’ „kìr̃s“ — k’òr’s „kìrš“.
In einer unbetonten Silbe kommen alle Diphthonge (außer ie, uo; im Wortauslaut werden Diphthonge monophthongiert) sowie folgende Vokale vor: 1) i, ė, e, e, a, u, ė, o, ə, ɑ; 2) i₁, ē₁, ē₂, u₁, u₂, ε₁, ε₂³⁵. Die erste Gruppe von Kurzvokalen umfasst Varianten der entsprechenden langen, halblangen und kurzen Vokale, die in unbetonter Position auftreten. Die zweite Vokalgruppe kommt nur in unbetonten Silben vor und ist aufgrund ihrer qualitativen Ähnlichkeit als Varianten der Vokale i, ē, u anzusehen.
Das Vokalsystem des nordwestlichen Panevėžys-Dialekts besteht somit aus 10 Phonemen: |iː|, |iː.|, |eː|, |eː.|, |e|, |uː|, |uː.|, |oː|, |aː|, |a|. Außerdem gibt es im Dialekt Verbindungen aus zwei Lauten: a) homogene Diphthonge ie, uo (Varianten — ˈie, ˈuo), b) zusammengesetzte Diphthonge eĩ (e₁ĩ), uĩ (õĩ), aĩ (ε₂ĩ), aũ (æu, əu) und c) gemischte Diphthonge i (ε, j), e (e), u(ə), a+ł, r, m, n. Varianten der ersten Diphthongkomponente treten in unbetonter Position auf (und auch in einer fallend betonten Diphthongsilbe, ausgenommen ie, uo).
In unbetonten Silben werden Vokalquantität und Intensität neutralisiert, die Qualität bleibt jedoch meist erhalten, z. B.: vi(e)ri.ms „virimas“ — vi₁(ē)ri.ms „vėrimas“, aŭses’ „ausis“ — aŭses’ „ausės“ (ausiēs), šo(u)nėł’ „šunelį“ — šo(u₁)nėł’ „šonelį“, gražō „gražų“ — gražo „gražą“, klaũsos „klausau“ — klaũsos „klausos“, o(u)s’óks „ūsiukus“ — (u)₁(u₂)s’óks „uosiukus“ usw. (Solche Paare unterscheiden beim Hören 54—90% der nicht trainierten Schüler.) In Minimalpaaren unterscheiden sich nicht nur die Silbe mit dem untersuchten Vokal, sondern auch die benachbarte Silbe. Je niedriger die Zungenhebung des Vokals ist, desto geringfügig länger sind sowohl dieser als auch die benachbarte (vorangehende wie nachfolgende) Silbe. Wir nehmen an, dass die prosodischen Unterschiede benachbarter Silben (des Wortes) durch den Einfluss unterschiedlicher Vokale entstehen.
Bei weiterer Kürzung der Laute³⁶ werden ē, ʼe(ē₁), ε sowie o, ʼuo (ɔ) in der vorbetonten und nichtfinalen nachbetonten Silbe bereits in den Texten von A. Baranauskas aus dem vergangenen Jahrhundert gelegentlich zu i₁, (i₂), bi beziehungsweise u₁ reduziert,
³⁴ Die korrelativen Merkmale der Palatalisierung und Velarisierung, die über den Bereich eines einzelnen Phonems hinausgehen, sind im Litauischen zweckmäßigerweise nicht den Vokalen und auch nicht den Konsonanten, sondern der suprasegmentalen Ebene zuzuordnen. Vgl. ferner: A. Girdenis, Mažeikių tarmės fonologinės sistemos apžvalga, „Baltistica“, VII (1), 1971, p. 28; Ю. С. Степанов, мин. стр., p. 98—103 (über das Litauische siehe p. 100—101); jedoch W. Smoczyński, min. tezės, p. 58—61. — Im nordwestlichen Panevėžys-Dialekt lassen sich keine harten und weichen Konsonantenphoneme ansetzen, weil die Konsonanten stärker von den Vokalen abhängen: Im Wortauslaut werden Konsonanten nicht nur vor Vorderzungenvokalen, sondern auch nach ihnen palatalisiert (mit Ausnahme einiger Formen), z. B. kárves’.
³⁵ Für die Entsprechungen der unbetonten litauischen Laute iː, i, ie, ē sowie uː, u, uo, oː im Dialekt gab es bislang drei Auffassungen (Quellen siehe K. Garšva, min. dipl. d. santrauka, p. 26—27). Seit Langem wird am häufigsten behauptet (oder so interpretiert), dass die genannten vorderen Vokale im Dialekt in unbetonter Stellung zu einem Vokal ε zusammenfallen, die hinteren Vokale dagegen zu einem Vokal ə (wie auch die auslautenden Diphthonge ei, ai und au). Eine andere Gruppe von Sprachwissenschaftlern schreibt, dass in unbetonten Silben nur die litauischen Laute ie, ē sowie uo, oː zu ε beziehungsweise ə werden, während die hohen Vokale i, u gelegentlich, vielerorts oder immer ungesenkt erhalten bleiben. Schließlich kam um 1965 eine weitere, der ersten entgegengesetzte Auffassung auf: Mit Ausnahme der finalen nachbetonten Silbe gebe es in allen übrigen unbetonten Positionen anstelle der genannten litauischen Vokale im Dialekt ausschließlich die Vokale i und u.
(Der Verfasser des Artikels überprüfte die Vokalunterschiede nicht nur auf herkömmliche Weise – überwiegend anhand einiger Beispiele und durch Selbstbeobachtung. Grundlage sind etwa 8 km Tonbandaufnahmen aus dem Dialektgebiet, die Aussagen von 22 Informanten (Studenten), Hörversuche an den Mittelschulen in Linkuvõs, Pȧkrūjo, Pāsvālio, Salõčių und Vaškų, gedruckte Dialekttexte usw.)
³⁶ Plg. A. Mežė, min. veik., p. 164.
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(u₂) (darauf hatten vielleicht auch die südlichen Panevėžiškiai Einfluss). Untersucht man das Phonem im Wortkontext (nach der Leningrader phonologischen Schule), so sind die neuen Laute aufgrund ihrer qualitativen Ähnlichkeit den Phonemen /i/, /u/ zuzuordnen; wenn man dagegen das Morphem als Grundeinheit zugrunde legt (nach der Moskauer phonologischen Schule), müsste man die sich kaum unterscheidenden Laute i, i₁ (i₂) beispielsweise als Varianten dreier verschiedener Phoneme /i/, /ie/, /ė/ betrachten³⁷, vgl.: li(ė)pi.ms „das Kleben“ — li₁ (i₂, ė)pi.ms „das Gebieten“ — li₁(iė)pi.ms „das Verbergen“.
Die Vokale ē₁, ē₂, ε₁, ε₂ können nicht nur nicht in derselben betonten Morphem vorkommen, sondern stehen auch in unterschiedlichen phonetischen Kontexten (außerdem stehen die Vokale ē₁, ē₂ nach palatalisierten Konsonanten, die Vokale ε₁, ε₂ nach nicht palatalisierten Konsonanten); daher sind sie sämtlich als positionsbedingte Varianten des Vokals ė anzusehen, obwohl sich die Laute phonetisch geringfügig unterscheiden, vgl.: lápės — šlàpė₁s „mit nassen“ — š’vėpe₂l’s „der Lispelnde, die Lispelnden“ — šlápės’ „du wirst nässen“; kaũles „Schweine“ — kaũle₁s „Knochen“ — ar’kėl’s „Pferd“. Die Vokale ē₂, ε₂ werden in der letzten nachbetonten Silbe zwischen bestimmten Plosiven und den Frikativen z, s, š einerseits und den darauf folgenden Konsonanten l, r, m, n, v andererseits eingeschoben (an einigen Orten um Pašvitinys, Vaškai, Saločiai wird vorwiegend zwischen nicht palatalisierten Konsonanten ein dem ǝ ähnlicher Vokal eingeschoben).
Die phonetische Klassifikation der Vokale des Dialekts wird in Tabelle 1 dargestellt³⁸ (in Klammern ist eine seltenere und neuere Variante desselben Vokals angegeben).
Vordere | Zentrale | Hintere Obere | iː, i., (i₁), i, i₁ | ʊ | uː, u., (u₁), u, u₁ Mittlere | ēː, ē, ē₁, ē₂, (e.), ę | εː, ε, ε₁, ε₂ | oː, o, (ɔ.), ɔ, (ɔ.), ǝ Untere | eː, æː, (e.), (æ.), e, æ | — | aː, (a.), a
Einige Sprachwissenschaftler behaupten, K. Jaunius (teilweise auch J. Gerulis) folgend, dass im nordwestlichen Panevėžiškiai-Dialekt anstelle der reduzierten ehemaligen kurzen Endungsvokale i, e, æ u, a auch heute noch murmelnde Vokale vorkämen³⁹ (genauer gesagt — ein einziger unbestimmter
37 Vgl. auch die Besprechung von M. Hale: O. Akhmanova, Rez. T. A. Sebeok (ed), Current Trends in Linguistics, Bd. 1, The Hague-Mouton, 1963, — Word, Bd. 21, Nr. 1, 1965, S. 168.
38 Die Klassifikation der Vokale ist annähernd, da sich unbetonte kurze Vokale nicht „verlängern“ lassen (und ihre Artikulation somit nicht genauer bestimmen lässt); der akustische Höreindruck wird durch unterschiedliche benachbarte Konsonanten beeinflusst. Den Vokal ė (ė̇) in ähnlicher Bedeutung unterschieden auch E. Grinaveckienė und J. Šliavas, den Vokal ε₁ — E. Grinaveckienė und I. Jašinskaitė, den Vokal ɔ (ɔ) — K. Jaunius, J. Gerulis, E. Grinaveckienė, J. Šukys und andere, siehe: E. Grinaveckienė, Der Zusammenhang zwischen der Palatalisierung der Konsonanten und der Kürzung der Endungen im Dialekt von Stegvilai, LKK IV 174—175, 180; J. Šliavas, Žeimelis (VVU MB-Manuskript), 1972, S. 406; E. Grinaveckienė, Einige Besonderheiten der litauischen Dialekte, LKK V 147; I. Jašinskaitė, Akzent, Tonakzent und ihre Auswirkungen auf den Vokalismus im Dialekt von Biržai, LKK I 190; K. Jaunius, Der Dialekt der Panevėžiškiai, — V. Drotvinas, V. Grinaveckis, Der Sprachwissenschaftler Kazimieras Jaunius, Vilnius, 1970, S. 136; G. Gerullis, a. a. O., S. 60; J. Šukys, Charakteristische phonetische Merkmale der Dialekte der östlichen Aukštaitier Pontininkai und der westlichen Puntininkai, LKK V 178—179; LKT 14,237 u. a.
39 Z. Zinkevičius, a. a. O., S. 119; A. Girdenis, Rez. Lietuvių kalbos tarmės (Chrestomatija), Vilnius, 1970, 518 S. + 1 Karte, „Baltistica“, VII(2), 1971, S. 207. — Einen Überblick über die Autoren mit gegenteiliger Auffassung siehe: Z. Zinkevičius, Kleinigkeiten (XII), — „Baltistica“, XI(1), 1975, S. 85—86; vgl. auch K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas (1924), — Rinktiniai raštai, III, Vilnius,
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ein qualitativ murmelnder Laut, nach einem weichen Konsonanten ein vorderer, nach einem harten Konsonanten ein hinterer Vokal). Der sogenannte Murmelvokal sei „oft überhaupt nicht zu hören“, doch sein Vorhandensein werde durch einige andere Eigenschaften der Wortauslaute „angezeigt“: 1) Stimmhafte Konsonanten vor -s werden meistens nicht entstimmt, vgl. blõgs „blõgas“ (– blõks „blõks“); 2) die Konsonanten s, š, ž verschmelzen nicht mit -s zu einem einzigen Laut, vgl. saũss „saũsas“ (– saũs „saũsa“); 3) Konsonantenverbindungen d, t, +s werden hinsichtlich der Stimmhaftigkeit nicht „angeglichen“ (mėds „medus“ – mėts „metus“); 4) beim Zusammentreffen eines Vokals mit den Konsonanten l, m, n, r, v, j entsteht kein sekundärer Diphthong (vėj „vėja“, mąl „malù“) usw. Die angeführten Beispiele (1, teilweise 2 und 3) unterscheiden sich hinsichtlich der Stimmhaftigkeit bzw. Stimmlosigkeit der Konsonanten (diese Opposition wird in der Endsilbe auch im livischen sowie im südlichen Teil der mittleren lettischen Mundart [dem Nachbargebiet] nicht neutralisiert; im absoluten Wortauslaut in den Sprachen Serbisch-Kroatisch, Englisch, Schwedisch, Französisch, Mordwinisch [Ersa], Ossetisch u. a.), der Konsonantenquantität⁴⁰ (2, vielleicht auch 4); die Bildung sekundärer Diphthonge (4) wird durch den kurzen Akzent und den fallend-steigenden Ton verhindert. Daher ist es nicht mehr nötig, sogenannte Murmelvokale anzusetzen⁴¹: Sie haben nicht nur keinerlei sprachliche Bedeutung, sondern werden phonetisch meist auch gar nicht ausgesprochen⁴².
К. К. ГАРШВА
Zusammenhang von Akzentuierung und Vokalismus im Dialekt der nordwestlichen Panevėžier
Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel unternimmt den Versuch, die Funktionen der folgenden vier Ausdrucksmittel in einem (ostaukštaitischen) Dialekt des Litauischen synchron und konsequent zu bestimmen: 1) Wortakzent, 2) Vokalquantität, 3) Silbenakzente, 4) Vokalphoneme und ihre Varianten.
1961, S. 82—83; P. Būtėnas, Aukštaičių tarmės okuojančiosios pašnektės sienos, APh III 169, 174; Ž. Urbonavičiūtė, Priebalsiai l, r, s, z prieš žodžio galo e aukštaičių tarmėse, „Kalbotyra“, XXV(1), 1974, S. 73, 74, mindestens einige Diplomarbeiten an der Universität usw.
40 M. I. Lekomtseva, Zur typologischen Charakterisierung der phonologischen Systeme der lettischen Dialekte, — Baltoslawische Studien, Moskau, 1974, S. 231—241.
41 Anders müsste man sie auch in den Wörtern d aug, kà(d), sù.lig, tis’òg, ù.ž usw. schreiben (denn hier wird der Konsonant ebenfalls nicht entstimmt) sowie nach eingeschobenen Vokalen, obwohl es innerhalb einer Silbe keinen Konsonanten zwischen zwei getrennten Vokalen geben kann. Wenn wir die Literatursprache nicht beherrschten, wüssten wir nicht, dass beispielsweise im Wort lèp’s’ „lipės“ (Schwänze) der Murmelvokal „vor“ dem Konsonanten -s geschrieben werden müsse, im Homonym lèp’s’ „ich werde lecken, du wirst lecken“ hingegen „nach“ dem Konsonanten s (nach stimmlosen Konsonanten weist kein „syntagmatisches Argument“ auf das Vorhandensein von Murmellauten hin). Bei den 1975 an den genannten Schulen durchgeführten Hörversuchen unterschieden von 173 Zuhörern 90 bzw. 52% die Wortpaarformen kas(.) „ich kratze“ – kas „wer“ korrekt (die Sprecher waren Einheimische); als derselbe Sprecher (aus Linkuva) die Formen des Präsens mit etwas längerem a aussprach, unterschieden von 177 Zuhörern nur 77 bzw. 43% der Schüler sie korrekt (das zeigt lediglich ein Raten). In den von G. Ručinskaitė an der Universität angefertigten Spektrogrammen ist nicht der Murmellaut selbst zu sehen, sondern nur, dass die kurzen Vokale in Paaren vom Typ „kas“, die einen zurückgezogenen Akzent tragen, etwas gespannter sein könnten (und als länger wahrgenommen werden).
Die genannten Konsonanteneigenschaften blieben erhalten, weil es im 19. Jahrhundert im Dialekt noch viele kurze Endungsvokale gab (vgl. K. Jaunius, a. a. O., S. 127, siehe auch die Texte von A. Baranauskas). Während der Übergangsphase der Vokalreduktion konnte der Murmelvokal eine besondere Ausprägung haben: Vor allem an den Dialekträndern kann man noch unterschiedliche Reste kurzer Vokale hören; in der Gegend um Krikai sprechen manche anstelle der Vorder- und Hintervokale deren Entsprechungen aus, die den Lauten i(e) beziehungsweise (nach einem harten Konsonanten) bl (ɛ) ähneln.
42Für Rat und Anmerkungen danke ich meinen Lehrern für Phonologie und experimentelle Phonetik, Prof. J. S. Stepanov und Doz. A. Girdenis.
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Wörter können einsilbig sein und ebenfalls einen Akzent tragen: Bei ihnen unterscheiden sich sogar die Silbenakzente wie in betonter Position. Als Inventar der Akzentuierung kann man den Akzent auf der ersten Silbe, den Akzent auf der zweiten Silbe usw. ansetzen. Im Dialekt lassen sich vier Kontrasttypen nach der Stelle des Akzents unterscheiden: In betonten Silben können sich außerdem die Vokalquantität und die Silbenakzente unterscheiden.
Das phonologische Vokalsystem des Dialekts besteht aus 10 Monophthongen (wenn man Verbindungen aus zwei Lauten außer Acht lässt): /iː/, /i/, /ɪː/, /ɪ/, /eː/, /e/, /uː/, /u/, /oː/, /aː/, /a/. Die Vokale i, u können lang und halblang sein (die kurzen Varianten sind e, ə), die Vokale e, a kommen lang und kurz vor, während die Vokale ē, ō nur lang sind. Quantitative Unterschiede zwischen Vokalen hoher und tiefer Zungenhöhe sowie Silbenakzente stehen in derselben starken (betonten) Position in Opposition; die Quantität ist daher ein Mittel der Segmentebene. Silbenakzente kommen sowohl in bifonematischen Verbindungen aus Vokal und Konsonant als auch nur aus diesem Grund vor und können als suprasegmentale Eigenschaft betrachtet werden.
Silbenakzente unterscheiden sich nur in langen Silben. Kurze und halblange Vokale des Litauischen unterscheiden sich weder durch den Kontrast zwischen Beginn und Ende des Silbenträgers noch durch den Intensitätsverlauf; daher gibt es bei ihnen keine kurzen (ˈ), mittleren (ˌ) und mittleren-unterbrochenen (ˇ) Silbenakzente: Es gibt nur einen dynamischen (keinen musikalischen) Akzent. Die starke Position für Silbenakzente liegt auf verschiedenen Komponenten betonter Diphthonge; die schwache Position liegt auf langen betonten Monophthongen, auf derselben (zweiten) Diphthongkomponente und auf allen langen unbetonten (diphthongischen) Silben. In schwacher Position stellen die Silbenakzente (Akut und fünf Zirkumflexvarianten) eine potenzielle Hervorhebung der Silbe dar, die als zusätzliches oder, seltener, begleitendes Mittel dient (Letzteres kommt nur bei den Vokalen /eː/, /aː/ vor).
In unbetonten Silben werden quantitative Vokalunterschiede neutralisiert, qualitative bleiben dagegen meist erhalten. In jeder Position einer vorbetonten und einer nicht finalen nachbetonten Silbe bleiben die kurzen Varianten der Vokale i, e, u, o erhalten oder gehen in die Vokale ę, į, ǫ, ų über. In den Endungen werden die ehemals kurzen Vokale i, e, a, u, a nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ reduziert: Dann unterscheiden sich die Wörter nur noch durch die Konsonanten hinsichtlich Stimmlosigkeit–Stimmhaftigkeit und Länge.