О критериях выделения лексических интернационализмов (преимущественно евроязычного ареала)
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MOKSLO KALBOS KULTŪROS IR TERMINOLOGIJOS PROBLEMOS
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXIV(1985)
OJAR BUSCH, JURIS BALDUNČIKIS
ZU DEN KRITERIEN DER AUSSONDERUNG LEXIKALISCHER INTERNATIONALISMEN (VORWIEGEND DES EUROSPRACHIGEN AREALS)1)
Für die Gegenwart, das Zeitalter der wissenschaftlich-technischen Revolution, sind eine sehr beträchtliche quantitative Zunahme und die funktionale Expansion der Schicht der sogenannten internationalen Lexik in fast allen entwickelten Sprachen charakteristisch (bis zu einem gewissen Grad bilden Sprachen eine Ausnahme, in denen traditionell puristische Einstellungen stark ausgeprägt sind, wie Isländisch, Finnisch und Ungarisch; doch gelingt es auch diesen Sprachen nicht, sich vollständig von der vorherrschenden Tendenz abzukoppeln). Besonders aktiv verläuft der Prozess der Internationalisierung der Lexik in den letzten 20–30 Jahren. In diese Zeit fallen auch alle ernsthafteren Versuche einer linguistischen Interpretation der internationalen Lexik. An die Stelle des anfänglichen intuitiven Empfindens für die Besonderheit dieser Lexikschicht ist ihre intensive sprachwissenschaftliche Untersuchung getreten.
Eine erfolgreiche wissenschaftliche Analyse setzt jedoch eine klare Vorstellung von den Grenzen ihres Gegenstands voraus. Bei den lexikalischen Internationalismen ist dies bislang nicht der Fall: Die Vorstellungen von den Kriterien zur Abgrenzung dieser Schicht unterscheiden sich nicht nur zwischen verschiedenen Autoren, sondern oft auch in verschiedenen Arbeiten ein und desselben Linguisten. Einen partiellen, aber anschaulichen Eindruck von diesen Unterschieden kann man gewinnen, indem man die Definitionen von Internationalismen in Enzyklopädien (БСЭ, БелСЭ, LPE) vergleicht oder sich beispielsweise mit den unterschiedlichen Interpretationen des Untersuchungsgegenstands durch die Autoren der kollektiven Monografie zu Internationalismen vertraut macht 2 (В. В. Акуленко, Ю. А. Жлуктенко, Э. Г. Туманян u. a.). Natürlich weisen alle Definitionen von Internationalismen auch einige gemeinsame Elemente auf, die das Hauptmerkmal der Wörter dieser Kategorie widerspiegeln – eine gewisse Gemeinsamkeit der äußeren Form und des Bedeutungsgehalts einander entsprechender Lexeme verschiedener Sprachen. Eine solche Formulierung entspricht der halb intuitiven Vorstellung vom Wesen der lexikalischen Inter-
1 Die Bezeichnung „europasprachiges Areal“ entspricht dem Wesen der Erscheinung genauer als die üblicherweise mit derselben Bedeutung verwendeten Bezeichnungen „europäisches Areal“ oder „europäisch-amerikanisches Areal“.
2 Интернациональные элементы в лексике и терминологии.— Харьков: Вища школа, 1980.— 208 с.
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nationalismen, die sich bis heute in der Sprachwissenschaft herausgebildet hat (und bis zu einem gewissen Grad als Invariante verschiedener Definitionen bezeichnet werden kann). Die Meinungsverschiedenheiten betreffen vor allem spezifischere Aspekte; gerade von ihnen hängt jedoch die Abgrenzung der internationalen Lexik sowie die Möglichkeit ab, mehr oder weniger klare Kriterien für das Erkennen und die Aussonderung dieser Lexik zu formulieren.
Die unscharfen Grenzen erschweren die wissenschaftliche Erfassung dieser Lexikschicht erheblich. Deshalb unternehmen die Verfasser des Artikels einen weiteren Versuch, diese Grenzen zu präzisieren, wobei sie auch die Erfahrungen aus der Untersuchung der Sprachen vergleichsweise kleiner Völker heranziehen. Dazu mussten Lösungen für einige spezifischere Fragen gesucht werden: 1) das Verhältnis von einheimischen und entlehnten Elementen in der internationalen Lexik; 2) die areale Charakteristik der internationalen Lexik, einschließlich der Bestimmung einer Mindestverbreitung für Internationalismen; 3) die thematische Charakteristik der internationalen Lexik, einschließlich der Klärung des Verhältnisses zwischen internationaler und exotischer Lexik.
В. В. Акуленко hält es für möglich, bedeutungs- und formähnliche Wörter verwandter Sprachen auch dann als lexikalische Internationalismen anzusehen, wenn diese Wörter in all diesen Sprachen zum genetisch gemeinsamen Wortschatz gehören3. Somit könnten auch beispielsweise litauisch ирё „Fluss“ und lettisch ире oder estnisch und finnisch рӓӓ „Kopf“ als Internationalismen der „engsten Verbreitung“ gelten. Eine solche Deutung entspricht zwar keineswegs der inneren Form (Etymologie) des Terminus, dürfte jedoch angesichts der in der Wissenschaft entstandenen Auffassung von lexikalischen Internationalismen als vorwiegend entlehnten Wörtern kaum als zweckmäßig gelten (vgl.: „… für jedes konkrete Sprachsystem sind Internationalismen vorwiegend Entlehnungen …“ — Ю. А. Жлуктенко4). Zugleich ist der Gedanke von В. В. Акуленко, solche genetisch verwandten Wörter mit ähnlicher Bedeutung und Form als besondere Kategorie auszusondern, damit sie Gegenstand einer speziellen Untersuchung werden, zweifellos gerechtfertigt und fundiert. Gelungen ist auch das von ihm vorgeschlagene Modell zur Bildung entsprechender Termini, z. B.: Inter-Slawismen, Inter-Skandinavismen, Inter-Turkismen5; analog lassen sich Bezeichnungen wie Inter-Baltismen, Inter-Finnismen und Inter-Indoeuropäismen bilden. Dasselbe Modell kann für Wörter mit ähnlicher Bedeutung und Form in mehreren Sprachen innerhalb eines Staates verwendet werden, z. B. Inter-Jugoslavismen (aber: Inter-Südslawismen – genetisch gemeinsame Wörter der südslawischen Sprachen), Inter-Chinesismen usw. In demselben Zusammenhang kann man wohl auch von Inter-Sowjetismen sprechen. Die Berechtigung der Bezeichnung „internationa-
3 Internationale Elemente in Lexik und Terminologie, S. 27, 37.
4 Ebenda, S. 47.
5 Ebenda, S. 27.
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…ismen des sowjetischen Areals“ bedarf angesichts der Herausbildung eines einheitlichen Sowjetvolkes noch der Präzisierung.
Wenn man als Internationalismen hauptsächlich Entlehnungen bezeichnet, sollte man sich einen weiteren, mit dem Verhältnis zwischen Entlehntem und Ererbtem zusammenhängenden Aspekt klar vor Augen führen: In „kleinen“ Sprachen sind alle lexikalischen Internationalismen (von vereinzelten Ausnahmen abgesehen) Entlehnungen; daher können sie im interlinguistischen Vergleich als besondere Untergruppe des entlehnten Wortschatzes betrachtet werden, die sich bis zu einem gewissen Grad mit den sogenannten „Fremdwörtern“ deckt. Bei der Analyse des Wortschatzes der einen oder anderen „großen“ Sprache muss man hingegen die Besonderheit von Wörtern eigens berücksichtigen, die aus arealer Sicht lexikalische Internationalismen sind, in der betreffenden Sprache aber zum ererbten Wortschatz gehören6.
Entsprechend einer rein „etymologischen“ Auffassung des Begriffs „Internationalismen“ können Wörter des internationalen Wortschatzes (sogenannte Polylexeme) sogar nur in zwei Sprachen vertreten sein7. Es gibt auch andere Vorschläge für die Mindestverbreitung des internationalen Wortschatzes (des eurosprachlichen Areals); am häufigsten wird als Kriterium die Belegung eines Interlexems in drei Sprachen von internationaler Bedeutung angeführt (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch)8. Unserer Ansicht nach sollte die Besonderheit der Internationalismen als überwiegend entlehnter Wörter berücksichtigt und dies folgendermaßen formuliert werden: Ein Wort (Polylexem) kann als Internationalismus des eurosprachlichen Areals bezeichnet werden, wenn es als Entlehnung in mindestens zwei Sprachen von internationaler Bedeutung oder in einer Sprache von internationaler Bedeutung und in mindestens zwei weiteren Sprachen belegt ist (nicht ganz klar ist, wie ein Polylexem zu bewerten ist, das in eine Reihe kleinerer Sprachen entlehnt wurde, aber in keiner der Sprachen von internationaler Bedeutung als Entlehnung belegt ist). Dabei sollte man nicht vergessen, dass jedes Polylexem natürlich auch in der Sprache (den Sprachen) vorkommt, in der (denen) es zum ererbten Wortschatz gehört oder in der (denen) es geschaffen wurde (oder seine heutige Bedeutung erhielt).
Unter Berücksichtigung des Verbreitungskriteriums für Polylexeme empfiehlt es sich, zwei Untertypen des internationalen Wortschatzes zu unterscheiden: den subarealen und den arealen. Eine Mindestverbreitung genügt, um einen lexikalischen Internationalismus dem subarealen Untertyp zuzuordnen; für die Zuordnung zum arealen Untertyp muss ein Polylexem hingegen mindestens in einer Sprache von internationaler Bedeutung aus jeder der drei größten europäischen Gruppen der indoeuropäischen Sprachfamilie belegt sein (german-
6 Vgl.: Sorokin J. S. Die Entwicklung des Wortschatzes der russischen Literatursprache in den 30er–90er Jahren des 19. Jahrhunderts. — M.—L., 1965, S. 158.
7 Internationale Elemente im Wortschatz und in der Terminologie, S. 15.
8 См. Laua A. Latviešu leksikoloģija. — Rīga: Zvaigzne, 1981, 114. lpp.
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isch, romanisch, slawisch; in diesem Fall können den sechs oben genannten Sprachen auch das Polnische und möglicherweise das Schwedische gleichgestellt werden). Ein Polylexem kann auch in Sprachen zweier oder mehrerer Areale belegt sein, z. B. des eurosprachlichen und des indischen. Wenn ein lexikalischer Internationalismus in Sprachen eines anderen Areals vorkommt, kann er dem transarealen internationalen Wortschatz zugeordnet werden 9; ist ein Wort in zwei (oder mehr) Arealen ein arealer lexikalischer Internationalismus, gehört es zum bi- (poly-)arealen internationalen Wortschatz. Wahrscheinlich sollten bei der Ermittlung lexikalischer Internationalismen Lexeme, die nur in den periphersten Subsystemen der betreffenden Sprache belegt sind, nicht berücksichtigt werden; diese Frage bedarf jedoch noch weiterer Untersuchung. Insbesondere lässt sich wohl kaum die Gemeinsprache des Slangs in diesem Zusammenhang vollständig außer Acht lassen; von großem Interesse ist auch der Fachslang der Seeleute, in dem häufig lexikalische Entlehnungen (besonders Anglizismen) verwendet werden. Vielleicht ist es in einigen Fällen sinnvoll, von Inter-Slangismen zu sprechen, auch wenn sich diese Kategorie zwangsläufig mit dem übrigen internationalen Wortschatz überschneiden wird.
Mitunter wird die Ermittlung lexikalischer Internationalismen auch durch thematische Kriterien bestimmt; dabei gelten nur Wörter terminologischen Charakters (BSE; BelSE) oder Wörter, die Begriffe von internationalem Rang bezeichnen, als Internationalismen10. Nach Ansicht von A. Lau ist eine solche Fragestellung nicht akzeptabel, da sie sprachliche Tatsachen durch Kategorien der Logik ersetzt11. Zwar sind Wortbedeutungen zweifellos sprachliche Tatsachen, doch scheint es tatsächlich zweckmäßiger, thematische Besonderheiten als sekundär anzusehen, die sich bei der Analyse jenes internationalen Wortschatzes erschließen, der auf der Grundlage der bereits formulierten Kriterien abgegrenzt wurde. Zugleich erfordern Exotismen eine besondere Behandlung: Sie sollten entweder nicht in den internationalen Wortschatz aufgenommen oder als dessen höchst eigentümlicher Teil betrachtet werden 12, da ihre Entlehnung bei der Beschreibung der entsprechenden Realien „obligatorisch“ ist.
Somit erscheint es zweckmäßig, die Verbreitung der Entlehnung als Hauptkriterium für die Ermittlung lexikalischer Internationalismen anzuerkennen (maßgeblich sollte dabei gerade die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit sein, da der internationale Wortschatz doch eher eine sprachwissenschaftliche Kategorie ist – und natürlich auch eine interling-
9 Vgl.: Baldunčiks J. Funktionale Charakteristik der Anglizismen im modernen Lettischen.— Mitteilungen der Akademie der Wissenschaften der Lettischen SSR, 1981, Nr. 11, S. 64.
10 Акуленко В. В. Существует ли интернациональная лексика? — ВЯ, 1961, № 3, с. 61. Впоследствии В. В. Акуленко, по-видимому, от этого критерия отказался.
11 Laua A. Lettische Lexikologie, S. 114.
12 Vgl.: Krysin L. P. Fremdwörter in der modernen russischen Literatursprache.— M.: Nauka, 1968, S. 47.
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…vistischer als sprachlicher Natur ist). Dabei wird folgender Satz von Mindestanforderungen vorgeschlagen, die notwendig sind, um ein Wort der internationalen Lexik eines bestimmten (europäischen) Sprachraums zuzuordnen: Lexikalische Internationalismen sind Wörter verschiedener Sprachen, die durch Ähnlichkeit der Bedeutung und Form miteinander verbunden sind und in mindestens zwei Sprachen von internationaler Bedeutung oder in einer Sprache von internationaler Bedeutung und mindestens zwei weiteren Sprachen entlehnt wurden.