Varenavo rajono oikonimų slavinimas
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXVIII (1989)
KALBŲ RYŠIAI IR SĄVEIKOS
LAIMA GRUMADIENĖ
Die Slawisierung der Oikonyme des Rajons Varenava
Untersuchungen zum Sprachsubstrat können viel neues Material liefern, doch muss zunächst festgelegt werden, nach welchen Regeln die Substratsprache rekonstruiert wird, d. h. wie die Überlagerungen des Superstrats beseitigt werden. Sprachliche Fakten werden rekonstruiert, wenn sie nicht mehr überprüft werden können. In einer Zweisprachigkeitssituation kann man versuchen, sprachliche Fakten wiederherzustellen; allgemeine Gesetzmäßigkeiten, nach denen Elemente einer Sprache an eine andere angepasst werden, lassen sich leichter erkennen. So kann man den Mechanismus der Sprachinteraktion verstehen und den Austausch sprachlicher Elemente verfolgen.
Die Onomastik ist eines der Forschungsobjekte der Substratforschung. Die Besonderheiten der Slawisierung der litauischen Onomastik sind bereits mehrfach untersucht worden. Zu nennen sind die ausführlichen, auf umfangreichem Material beruhenden Arbeiten von K. Būga (1958), K. O. Falko (1963), J. Otrembskis (1963), J. Princo (1968) und anderen. Sie stützen sich auf schriftliche Quellen; daher wird dem Inventar der Schriftzeichen, den Fähigkeiten und den Einstellungen der Schreiber beträchtliche Bedeutung beigemessen und den diachronen Sprachbeziehungen große Beachtung geschenkt. Die allgemeinsten Gesetzmäßigkeiten konnten bereits ermittelt werden, doch müssen Ausnahmen oder sogar Erscheinungen widersprüchlicher Tendenzen gewöhnlich eliminiert oder durch extralinguistische Faktoren erklärt werden.
Die Sprache ist ein außerordentlich vollkommenes System; sie „funktioniert wie ein Uhrwerk“, wenn Sprachen tatsächlich miteinander interagieren und nicht ein anderssprachiger Schreiber Wörter einer für ihn exotischen Sprache aufzeichnet. Ganz anders ist es, wenn zweisprachige Menschen ihnen gut verständliche Wörter aus einer Sprache in eine andere übertragen, die sie ebenfalls gut beherrschen und deren Möglichkeiten sie kennen. Gegenstand dieser Untersuchung ist die Sprachinteraktion.
Unschätzbare sprachliche Fakten finden sich in großer Zahl auf den sogenannten peripheren Inseln und in den Grenzgebieten litauischer Dialekte. Das Material für diese Arbeit wurde während der Expeditionen von 1984 bis 1987 im Rajon Varenava der Belarussischen SSR gesammelt. Die allgemeine soziolinguistische Situation des Rajons ist recht ausführlich beschrieben (Чекмонас 1988).
In jüngster Zeit hat sich die Erforschung peripherer litauischer Dialekte besonders intensiviert: A. Vidugiris und K. Garšva setzen ihre Arbeit fort; seine eigene Idee einer breit angelegten soziolinguistischen Dialektologie in diesen Gebieten setzt V. Čekmonas gemeinsam mit seinen Schülern (A. Vaičiulytė-Romančiuk, T. Vaišnytė und anderen) um1.
Die Untersuchung des Substrats anhand der gesprochenen Sprache ist in der linguistischen Praxis selten; daher lohnt es sich, einige methodologische Grundsätze zu erörtern.
Vor allem müssen alle koexistierenden Sprachen und Dialekte umfassend untersucht werden. Grammatiken und Wörterbücher sind so zu erstellen, dass aus ihnen hervorgeht, in welchen Fällen-
1 Ich bin V. Čekmonas von Herzen dankbar für die Idee zu dieser Arbeit und ebenso allen hier erwähnten ständigen Expeditionsteilnehmern für ihre gegenseitige Unterstützung.
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bei denen eine Sprache verwendet wird, bei jenen – eine andere. Anders gesagt: Bei der Untersuchung der Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen Sprachen sollten wir versuchen, die Innovationszentren zu finden.
Der zweite Punkt ist also eine notwendige soziolinguistische Betrachtungsweise des Untersuchungsgegenstands: Wer spricht wann, wo, mit wem und wie? Wie groß der Einfluss soziolinguistischer Faktoren ist, zeigt die Tatsache, dass sich die Slawisierung der Oikonyme in den 15 untersuchten Ortschaften des Bezirks Varėnavas erheblich unterscheidet. So war etwa in den Ortschaften Balčiškės und Girkos sowie teilweise in Rūdiņia und in geringerem Maße in Žirmūnai noch vor nicht allzu langer Zeit Litauisch lebendig, wenn auch inzwischen stark zurückgedrängt; in den Ortschaften Misevičiai und Ažubalis ist das schon seit Langem der Fall, und heute spricht dort wahrscheinlich niemand mehr Litauisch. All dies prägte die Besonderheiten der Slawisierung von Oikonymen: Zweisprachige erklären den semantischen und formalen Gehalt von Oikonymen gewöhnlich mit Mitteln der anderen Sprache und verwenden dabei solche Suffixe und Präfixe dieser Sprache, die ihn am genauesten wiedergeben; diejenigen hingegen, die ihre Sprache vergessen haben (und polnisch orientiert sind), verwenden meist für alles polnische Suffixe und Endungen. An solchen Orten wird die Substratsprache von einer besonders dicken Superstratschicht überlagert. Am zuverlässigsten bezeugt ein starkes Polonisierungszentrum die nach den Regeln des Polnischen verschobene Betonung, deren ursprüngliche Position unwiederbringlich verdeckt sein kann. Ähnliche Erscheinungen treten auch auf anderen Sprachebenen auf.
Drittens sind alle möglichen Sprachdaten zu sammeln und Details festzuhalten, die sich auf die Herkunft eines Namens auswirken können (Relief, geografische Lage usw.). Für die Etymologisierung können auch benachbarte Mikrotoponyme und die vorherrschenden Anthroponyme sehr wichtig sein. Ein Teil der Oikonyme im Untersuchungsgebiet beruht auf Familiennamen, vgl. Surkantai ~ Сурканты Blč, Vilbikai ~ Вильбики Blč, doch selbstverständlich ist auch der umgekehrte Prozess möglich: Kულiai ~ Кули Grk und der Familienname der dortigen Einwohner Кулейч.
Es ist nützlich zu wissen, dass Saltoniškės ~ Солтаниуки Grk das einzige Dörfchen ist, das tief in den Wald hineinragt. Das untermauert die Hypothese, die Hydronyme mit der Wurzel salt- mit ѕлата „Drüse am Hals eines Tieres; Fett am Darm“ sowie saltas „schwarzes Klümpchen im Fett“ usw. in Verbindung zu bringen (vgl. Vanagas 1981, 289). Das Dorf Pėncin iškės ~ Пѣнцынюки Rod liegt, ebenso wie Plikiai ~ Плики Žrm, auf freiem Gelände; daher könnte sein Name mit pėntis „Ferse“ in Verbindung gebracht werden.
Dies wären die wichtigsten Aufgaben bei der soziolinguistischen Untersuchung von Substraterscheinungen. Als Erste untersuchten unter diesem Gesichtspunkt die Vertreterinnen litauischer peripherer Dialekte T. Vaišnytė (Войшниц 1986) und A. Romańčiuk (1989) die Folgen des Sprachkontakts in Belarus.
Der vorliegende Beitrag beschreibt ausschließlich Oikonyme – die Namen von 148 Dörfern, die 1984–1987 bei ortsansässigen zweisprachigen oder mehrsprachigen (nicht einsprachigen) Einwohnern des Bezirks Varėnavas erhoben wurden. Dies ist die zuverlässigste Quelle zur Bestimmung der Regeln des Sprachkontakts: Die vorkommenden „Ausnahmen“ sind Folgen des Wirkens anderer Regeln; Zufälle gibt es hier nicht. Erfasst werden die heute gebräuchlichen litauischen und belarussischen (poprostu) Formen der Oikonyme.
In Schriftstücken unterschiedlicher Art und aus verschiedenen Zeiten fanden sich polnische und russische Formen zahlreicher untersuchter Oikonyme; hier wurde jedoch festgelegt, strikt zwischen Fakten der gesprochenen Sprache (die Zweisprachigkeit voraussetzen) und schriftlichen Belegen zu unterscheiden. So finden wir den Namen des Dorfes Zalieckių in der Ortschaft Žirmūnai, der wahrscheinlich vom Familiennamen der noch immer in dieser Gegend lebenden Zalieckių stammt, im heutigen Russischen als Залеские geschrieben, das heißt, aufgrund einer Volksetymologie wird erklärt, dass das Dorf hinter dem Wald liege.
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Daher ist es besser, den Umfang des untersuchten Materials einzuschränken, dafür aber möglichst einheitliches und somit authentischeres Material zu haben.
Noch eine methodische Anmerkung. In den 1920er- und 1930er-Jahren fand in den Gebieten, in denen man die Sprache sprach, eine kurze, aber recht intensive, von der „Ryto“-Gesellschaft organisierte Bewegung zur Wiederbelebung des Litauertums statt. Die in vielen Dörfern eingerichteten Lesestuben hinterließen bis in unsere Tage eine Gruppe von Menschen, die Litauisch nicht von ihren Eltern (obwohl diese oft noch Litauisch gesprochen hatten, es ihren Kindern aber nicht mehr beigebracht hatten), sondern von Lehrern in den Lesestuben lernten. Von solchen Menschen (sie sprechen nichtdialektal oder halbdialektal) aufgezeichnete Ortsnamen können hyperkorrekt sein, vgl. *Gaivūnai ~ гаўёўны Rod, doch hier gibt es Aivūnai (im Dialekt ai < ei am Wortanfang), vgl. Эйтūны (Rajon Lydos), sowie die dialektale Form Aišiškės ~ Эйшыўки.
Nur die gesprochene Sprache (da dies in der Schrift nicht widergespiegelt wird) kann zeigen, wo in den Substratformen /g/ vorhanden war und wo es hinzugefügt wurde: Das Allophon [g] in einer belarussischen Form weist darauf hin, dass dort von alters her auch in der Substratsprache /g/ vorhanden war; [ɣ] dagegen deutet meist auf eine Hinzufügung hin, vgl. yaŭyūnīuki Ben. [ɣ] am Wortanfang ermöglicht es, nach und nach die Grundlage der Verbalwurzel ei- auch in diesem Oikonym zu rekonstruieren.
Nach der Erörterung der Grundsätze für die Materialsammlung und -auswahl werden im Folgenden die Regeln der Übertragung von Oikonymen aus einer Sprache in eine andere behandelt und sämtliche gesammelten Beispiele nach ihnen klassifiziert. Als Ausgangspunkt dienen die methodologischen Grundsätze von J. Princas und teilweise auch von K. O. Falkas: Beispiele, die durch Übersetzung und Erklärung (letztere nennt J. Princas Deutung) in eine andere Sprache übertragen werden, sind zu unterscheiden und aus den lautlichen Erwägungen auszuschließen. Als Übersetzung gilt eine Veränderung, bei der die Semantik des Oikonyms mit einem Wort der anderen Sprache wiedergegeben wird, zu dem keine lautliche Beziehung besteht; als Erklärung gilt die Wahl von Entsprechungen in der anderen Sprache mit dem Ziel größtmöglicher lautlicher Ähnlichkeit. Eine Übersetzung ist beispielsweise Aukštūjai ~ Высокія Grk, eine Erklärung hingegen Bilōnys ~ Біланы Žrm.
Übersetzung. Eindeutige Beispiele für Übersetzungen gibt es nur wenige. Zum Beispiel gibt ein solcher slawischer Oikonym Бярбазаўка Ažbl Anlass zu vermuten, dass es sich um eine Übersetzung handelt; es könnte aber auch ein slawisches Dorf sein, schließlich ist keine andere Form belegt. Anders liegt der Fall, wenn bekannt ist, dass Aukštūjai ~ Высокія Grk, dass Piliakalnis ~ уападіўша Rod, dass Lietuva ~ Литвіца Bnk oder Ažūbalis | Žūbalis ~ Забалаць | Заболаць Ažbl, Bnk – sogar das Genus geändert wird, obwohl man bei der Wiedergabe baltischer Oikonyme im Belarussischen (und Polnischen) sowohl dasselbe Genus als auch denselben Numerus beizubehalten versucht. Natürlich liegt es nahe, auch die Oikonyme Залешаны Msv, Ažbl, Заречане Msv als Übersetzungen zu behandeln und ebenso eine Übersetzung der Suffixe zu vermuten bei Дайнавічка (*Dainavėlė) Msv, da daneben Dainavā. Kýbelčiki Msv liegt. Man könnte sich eine substratische Form Kubiliėlių vorstellen, doch sind diese Dinge nicht durch Sprachbelege bestätigt.
Auch einzelne Bestandteile zusammengesetzter Ortsnamen werden übersetzt, nicht aber der Grundbestandteil: Senėji Smilginiai ~ Старыя Смільгіны Rod.
Erklärung. Die erklärende Wiedergabe von Ortsnamen ist die häufigste Methode. Man könnte zwei Untertypen unterscheiden: Fälle, in denen sowohl semantische als auch morphologische Ähnlichkeit angestrebt wird, und Fälle, in denen im Wesentlichen morphologische Mittel eingesetzt werden.
Eine Gruppe bilden Sammelortsnamen, deren Grundlage die Bezeichnung einer Person nach ihrer Beschäftigung oder ihrem Beruf sowie deren slawische Entsprechungen sind; aufgrund der alten baltisch-slawischen Beziehungen und des Sprachkontakts sind sie einander sehr ähnlich: Bajōrai ~ Баяры Žrm, Ulonai ~ Ула-
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nú Grk, Kavòliai ~ Kaválʹki Grk. Das Auftreten des Suffixes -ki könnte in diesem Fall durch das Erfordernis bedingt sein, eine Kollektivbedeutung auszudrücken; daher tritt das Suffix dort auf, wo es ursprünglich gar nicht vorhanden war.
Die zweite Art der erklärenden Wiedergabe ist eine neue Bedeutungszuweisung, die auf Homonymie beruht: Zaliečiai ~ Зале́й(с)кія Žrm, vgl. den Familiennamen aus dieser Gegend Зале́йкій. Demnach wird dem kollektiven Ortsnamen ein Familienname zugrunde gelegt und eine Endung gebildet (nicht bloß wiedergegeben): -(i)ai > i nach dem Muster: aus einem Familiennamen auf -ėkių wird ein Oikonym auf -ėkią. So entsteht aus Зале́йкі ein „verständlicheres“ Зале́йкіа, das bereits ein Homonym (oder beinahe ein Homonym) mit der Bedeutung „залесские“ – „hinter dem Wald“ ist.
Die dritte Erklärungsweise liegt vor, wenn alle Morpheme des Wortes und die Akzentstelle geändert werden; das ist beinahe eine Übersetzung, doch das Grundwort ist immerhin ziemlich ähnlich: Babriņykai ~ Бабрау́нікі Ažbl, Beržuonà ~ Березна́ Žrm (vgl. den entsprechenden Flussnamen), Várniškės ~ Варо́нічы Msv.
Die vierte Weise könnte darin bestehen, dass das Ende der litauischen Oikonymform „aus Trägheit“ mit einem entsprechenden litauischen Suffix mit Kollektivbedeutung gleichgesetzt und dieses dann wiedergegeben wird; vgl. Paliūnai ~ Паліўцы Rod (der Name des Dorfes in den Quellmooren der Ditva ist wahrscheinlich vom Appellativ liūnas „Sumpf“ und pa- abzuleiten). Hier wird das Suffix -ūnai also hyperkorrekt behandelt. Zu dieser Wortbildungsweise gehörten wohl alle Oikonyme nicht patronymischer Herkunft, deren Semantik auf den ersten Blick nicht klar ist. Es wird also formal verfahren, wenn das Wortende ähnlich wie ein Suffix klingt. In dieser Arbeit gilt die vierte Weise als potenziell möglich, kann aber ohne eine spezielle semantische Analyse der Ortsnamen nicht sachgerecht angewandt werden.
Wie erwähnt, kann die erklärende Wiedergabe nur auf morphologischen Äquivalenten (oder Teilequivalenten) beruhen, d. h. auf Präfixen, Suffixen und Endungen. Dies ist die wichtigste Methode zur Slawisierung von Oikonymen.
Präfigierte Ortsnamen gibt es nur wenige, weshalb dies als unproduktive Methode erscheinen könnte. Von den sechs ermittelten präfigierten litauischen Oikonymen wurde eines übersetzt (Ažūbalis | Žūbalis ~ Забола́ць | Забола́ць Ažbl, Bnk), bei einem weiteren wird nur die polnische Form übersetzt (da das litauische und das belarussische Präfix übereinstimmen): Pravožà ~ Праваса́ц ~ Pžóvóžá Ažbl; es handelt sich übrigens auch um einen Flussnamen. Bei zwei weiteren Oikonymen, die mit den Appellativen mēdžias „Wald“ und valkà „Pfütze, Sumpf“ verbunden sind, sowie bei einem weiteren, das auf den Flussnamen Ditvà zurückgeht, wurden sie mit dem Präfix pa- gebildet; als Entsprechung wurde das sehr ähnliche belarussische Präfix По- gewählt, vgl. Padzitvė | Padzicývys ~ По́дзімба Blč, Pamedė ~ По́мяд(з)ь Blč, Pavalakė ~ По́ва-лака Blč. Dass es sich nicht um eine phonetische Wiedergabe, sondern um einen Präfixwechsel handelt, zeigt auch die Tatsache, dass das belarussische По- den Akzent an sich zieht. Umgekehrt wird das in der litauischen Form Pārodūnė betonte Präfix in der belarussischen Form Параду́нь unbetont.
Die Wiedergabe von Suffixen ist die schwierigste der morphologischen Anpassungsmethoden. Die Beispiele zeigen, dass eine strikte Regel befolgt wird: Die Vokale litauischer Suffixe erhalten im belarussischen Suffix ein phonetisch gut gewähltes Äquivalent, die übrigen Suffixelemente werden jedoch nach morphologischen und nicht nach phonetischen Kriterien angepasst (gesucht wird ein Äquivalent zur Wiedergabe der Kollektivbedeutung). Offenbar wird der Wechsel zwischen a und o durch die Akzentintonation geregelt: akutierte a und o bleiben unverändert, während zirkumflektiertes a zu o wird und umgekehrt; diese Regelmäßigkeit ist jedoch noch nicht sicher belegt. Das langfristige friedliche Zusammenleben der Sprachen
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(wenn keine der Sprachen unterdrückt oder von einer prestigeträchtigeren verdrängt wird) begünstigt die Wahl der erklärenden Wiedergabe, d. h. einer bewussten Anpassung und nicht nur des Austauschs der phonetischen Gestalt. Es folgen Beispiele für die Erklärung von Suffixen.
-ėnai ~ -ėhė: Dvarčėnai ~ Дварчане Ažbl, Kazlėnai ~ Казляны(a) Ažbl, Zaprudėnai ~ Запрудзяны Ažbl;
-iniai ~ -інцы: Dubiniai ~ Дубіныцы Grk (in Balčiškės gibt es den Wald Dubiniai). Könnte -інцы, das zur Bezeichnung einer Kollektivbedeutung dient, hier hyperkorrekt verwendet worden sein?
-inykai ~ iki: Druskinykai ~ Дру́сініки Blč; dort fließt der Bach Druskėlė. Die Wahl der Suffixe -аніцы und -яны hängt von der Härte des letzten Konsonanten des Stammes ab: Nach einem harten Konsonanten wird -аніцы verwendet, nach einem weichen -яны;
-(i) ónys ~ -(я) ány: Bilónys ~ Біляны Žrm, Kivónys ~ Ківяны Dčk, Leliōnys|Liuliōnys ~ Ліляны | Люляны Grk, Mickónys ~ Міцканы Nč, Miežónys|Mieziónys ~ Межяны | Мізяны [Grk, Pavilionys ~ Павіляны Dčk, Pereigónys ~ Пере(й)ганы Prg, Skaldónys ~ Складаны Rod, Ramaškónys ~ Рамашканы Prg, Tišmonys ~ Тишмяны Bnk, Vigónys ~ Віганы Rod. Bei einigen dieser Oikonyme ist der kollektive Charakter nicht eindeutig, weshalb der Einfluss phonetischer Analogien eine Rolle gespielt haben könnte.
-ūnai ~ -ўнуцы: Aivūnai ~ пайўнуцы Rod, Lipkūnai ~ Липкуныцы Grk, Mačiūnai|Mičiūnai|Miciūnai ~ Мачуныцы Dčk, Nekraščiūnai ~ Някřашчуныцы Nč, Piliūnai|Piliūnys ~ Пілюны Blč, Pocelūnai ~ Пацелуны Rod, Sapūnai ~ Сапуны Grk (es gibt den Familiennamen Сапка und den Bach Сапунка), Tolkūnai ~ Талкуныцы Rod, Vaikūnai|Vaikūnonys|Vaikūnys ~ Вайкуныцы Rod.
Der phonetischen Wiedergabe am nächsten kommt die erklärende Wiedergabe von Endungen; bisweilen sind diese Phänomene sogar schwer voneinander zu unterscheiden. Diese Untergruppe ist die größte. Bemerkenswert ist, dass in den meisten Fällen die Akzentstelle gleich bleibt; es gab nur eine Ausnahme: Ramūčiai ~ Рамучы Bnk.
Auf die Endung -ai entspricht -i oder -ы: Adėvर्नykai ~ Адэ́рнікі Rod, Balčinykėliai ~ Бальчынікелі Bnk, Balkūnai ~ Балькуны Klš, Bartašiūnai ~ Барташу́ны Prg, Bastūnai ~ Бастуны Bst, Biliai ~ Бі́лі Klš, Biržiniai ~ Біржыны Bnk, Budrėvičiai ~ Будрэвічы Žrm, es gibt den Familiennamen Будрэ́віч, Draguciai ~ Драгучы Blč, es gibt den Familiennamen Драгучы, Džietkai ~ Дзе́ткі Ažbl, Geštautai ~ Гештаўты Blč, Ginėliai ~ Гінелі Nč, Gudėliai ~ Гудэлі Žrm, Hánevičiai ~ у́аніцэвічы Žrm, es gibt den Familiennamen у́аніцэвіч, Jančiai ~ Янчы Dčk, Jotutai ~ Ятаўты Rod, Juciūnai ~ Юцюны Rod, Jurāliai ~ Юрэлі Dčk, Kargaudai ~ Каргаўды Grk, Kemeišiai ~ Кемейшы Rod, Kerbedziai ~ Кербедзі Žrm, es gibt den Familiennamen Ке́рбедзь, Klaišiai ~ Клайшы Grk, Klóniai ~ Клоні Ažbl, Kukliai ~ Куклі Blč, Kulidž ~ Кулі Grk, es gibt den Familiennamen Куле́іч, Kużiai ~ Кузьцы Bnk, Leliušai ~ Лялюшы Grk, Lauciūnai ~ Лаўцу́ны Bst, es gibt das Dorf Лаўцы Klš, Lebedūnykai ~ Лебеднікі Dčk, es gibt den Fluss Lebeda, Lūnkiai ~ Лункі Grk, es gibt den Familiennamen Лунке́іч, Nasavičai ~ Насавічы Rod, es gibt den Familiennamen Но́савіч, Navikai ~ Навікі Grk, es gibt den Familiennamen Но́вік, Norkūnai ~ Наркӯны Ažbl, Dčk, es gibt den Familiennamen Наркӯн, Mažėi-kiai ~ Мажэйкі Rod, es gibt den Familiennamen Мажэйка, Mėdžiušai ~ Мядзюшы Rod, Minykai|Mnykai ~ Мніхі Žrm, Mogūnai ~ Магуны Žrm, Padaikai ~ Па-
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džiūki Ažbl, Papiškiai ~ Папіўкі Rod, Petrašiūnai ~ Петрашўны Žrm, Pliškiai ~ Плікі Žrm, Poškai ~ Пашкі Ažbl, Pusiavárai ~ Пусаўары Rod, Rač-kūnai|Račkūnai ~ Рачкуны Bst, Rod, ist ein Familienname Рачка, Radžiūnai ~ Радзюны Dčk, ist ein Familienname Радзголь, Ramučiai ~ Рамуыці Bnk, Sakalai ~ Сакалы Bst, Scilgūnai ~ Сцилгўны Vrn, Skireikiai ~ Скірэйкі Rod, Sidurūkai ~ Сяўрукі Blč, ist ein Familienname Сяўрук|Саўрук, Smilginiai ~ Смільгіни Nč, Rod, Ažbl, Stračiūnai ~ Страчуны Rod, Stukai ~ Стукі Žrm, Surkantai ~ Сурканты Blč, Šalčiniai ~ Шальчыны Žrm, Ševerdókai ~ Шевердакі Žrm, Šaurai|Šiauriai ~ Шаўры Nč, Taukiniai ~ Таўкіни Žrm, Traigiai ~ Трайзі Ažbl, Trakėliai ~ Тракэлі Bst, Vaišniai ~ Вайшні|Воўшні|Воўшня Bnk, Letzteres ist ein Übersetzungsbeispiel; die Betonung liegt im Stamm aufgrund des adstratischen Einflusses des Polnischen; ein Familienname ist Ваўшніс|Воўшніс, Varėliai ~ (В)Орлі Rod, Vaškėliai ~ Вашкелі Rod, ist ein Familienname Вашкелоўць, Zapasnykai ~ Запаснікі Ažbl, ist ein Familienname Занаčnik, Žirmūnai ~ Жырмўны Žrm.
Bei der Anpassung an das Belarussische erhalten Oikonyme mit der Endung -ės die Endung -i: Abrōmiškės ~ Абрамішкі Ažbl, Alekšāškės ~ Алякшышкі Nč, Ambražiškės ~ Амбражышкі Plc, ein Familienname ist Амбражык, Ažėliškės ~ Ажэлішкі Žrm, Balčiškės|Balčiškės ~ Больышкі Blč, Familiennamen sind Бальціч, Balčius, Bartašīškės ~ Барташышкі Rod, ein Familienname ist Бартось, Daugėlįškės ~ Даўгелішкі Rod, Familiennamen sind Даўгяла, Даўгелеч, Daugirdziškės ~ Даўгірдзишкі Rod, Dōčiškės ~ До̄цішкі Dčk, Gudziniškės ~ Гудзінішкі Ažbl, Jūotkiškės|Jūotkos ~ Ёмкішкі Bnk, Familiennamen sind Ëdic, Ямкевіч, Kūrkes ~ Кўркі Rod, Lapōčiškės ~ Лапаўшкі Prd, Bst, Nāniškės ~ Но̄нішкі Žrm, Padvariškės ~ Падва-рыўшкі Bnk, Pėneniškės ~ Пēнūнішкі Rod, Sališkės ~ Салішкі Rod, in der Nähe befindet sich ein Wald namens Salà, Šaltoniškės ~ Со̄лтанішкі Grk, Serbeniškės ~ Се̄рбенішкі Nč, Sūšyškės ~ Сўшыўшкі Dčk, Taičiškės ~ То̄ўшкі|То̄ўшішкі Grk, Trumpiškės ~ Трӯмнішкі Prd, Valdōtiškės|Valdotiškės|Valdonai ~ Валдо̄тышкі|Во̄лда-жышкі Blč, Vanagiškės ~ Ванагішкі Grk.
Die Endung -i im Belarussischen erhalten auch Oikonyme mit der Endung -os: Berýlos ~ Бя-рылы Plc, Girkos ~ Гіркі Grk, ein Familienname ist Гіріс, in der Nähe, in Navikai, heißen die Wälder Гipa, Гіро̄ць, in Paloskos die Quelle Гіркі, Mikūtos ~ Мікūты Blč, ein Familienname ist Мікūць, Palōškos ~ Палаўкі Grk, Taločkos ~ Тало̄чкі Ažbl, ein Familienname ist Тало̄чка, Valaišos ~ Вале̄йшны, ein Familienname ist Вале̄йшна.
In diesem Artikel werden die semantischen und morphologischen Verfahren zur Wiedergabe des grammatischen Geschlechts litauischer Oikonyme im Belarussischen (einfach) überblicksartig dargestellt. Die Regeln der lautlichen Wiedergabe werden hier nicht behandelt.
Der Überblick über die Oikonyme des Rajons Varenavo, die bei zweisprachigen Einwohnern vor Ort aufgezeichnet wurden, zeigt, dass mehrere Wiedergabemöglichkeiten bestehen; die vorliegenden Ergebnisse lassen jedoch noch nicht erkennen, warum jeweils die eine oder andere gewählt wird, zum Beispiel, warum an einer Stelle das Suffix übersetzt wird, an anderer Stelle in einem vergleichbaren Fall aber nur die Endung. Man kann annehmen, dass in solchen Fällen die wertbezogene Sprachorientierung eine wichtige Rolle spielt; dies ist jedoch das Thema eines anderen Artikels.
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ABKÜRZUNGEN
Ažbl – Ažubalis
Blč – Balčiškės
Bst – Bastūnai
Bnk – Benekainiai
Dčk – Dočiškės
Grk – Girkos
Klš – Kauleliškės
Msv – Misevičiai
Nč – Nočia
Plc – Palečkiškės
Prd – Paradnė
Prg – Pereigonys
Rod – Ródūnia
Vrnw – Varenáva
Žrm – Žirmūnai
LITERATŪRA
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СЛАВЯНИЗАЦИЯ ОЙКОНИМОВ В ВОРОНОВСКОМ РАЙОНЕ
Резюме
Приводятся результаты исследования ойконимии Вороновского р-на БССР, функционирующей в литовской и белорусской формах и записанной от местных жителей билингвов. Устанавливаются правила грамматически осознанного переноса форм одного языка в другой. Определены следующие его типы: 1) семантический перевод: Aukštūjojai ~ Высокія Grk, Ažūbalis ~ Забалаць Bnk, Ažbl, Sentėjų Smilginiai ~ Старые Смилыгини Rod; 2) объяснение при помощи подбора соответствующих морфологических элементов белорусского диалекта: а) родственных корней: Beržūnai ~ Березня Žrm, Varnìškės ~ Вароничи Msv; б) приставок: Pavalakė ~ Повалка Blč; в) суффиксов: Dvarčėnai ~ Дварчане Ažbl, Vigōnys ~ Виганцы Rod; г) окончаний: Ažėliškės ~ Ажэлишки Žrm.
Делается заключение об относительно высокой регулярности соблюдения данных правил, а также предположение (без доказательств) о наличии процесса переосмысления правил переноса под влиянием адстрата (в данном случае – польского языка).