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Germanizmai XVII a. Mažosios Lietuvos vakarų aukštaičių tarmėje (remiantis „Lexicon Lithuanicum“)

Nijolė Čepienė

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXX (1993) PERIFERINĖS LIETUVIŲ KALBOS TARMĖS Nijolė ČEPIENĖ GERMANISMEN IN DER WESTAUKŠTAITISCHEN MUNDART KLEINLITAUENS IM 17. JAHRHUNDERT (AUF DER GRUNDLAGE DES „LEXICON LITHUANICUM“) Das handschriftliche deutsch-litauische Wörterbuch „Lexicon Lithuanicum“ ist das erste lexikografische Werk aus Kleinlitauen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts; die Grundlage seines litauischen Teils bilden Wörter aus den südlichen westaukštaitischen Mundarten1. Von den insgesamt 7.200 darin enthaltenen litauischen Wörtern sind etwa 210 lexikalische Germanismen (ohne phonetische und graphische Varianten desselben Wortes). Davon sind ungefähr 175 reine Germanismen und 35 Hybride, d. h. Wörter, in deren Stamm sich Wortbildungssuffixe oder Wurzeln anderer Herkunftssprachen befinden2. Germanismen machen etwa 3% des gesamten litauischen Wortschatzes des Wörterbuchs aus. Nicht dazu gerechnet werden Entlehnungen, die über slawische Sprachen eingedrungen sind. Bei einigen Wörtern lässt sich der Weg ins Litauische schwer bestimmen, da unklar ist, ob sie unmittelbar aus dem Deutschen entlehnt wurden oder über slawische Sprachen gekommen sind, z. B.: anjei (= anyžiai), lampa (= lempa), pancierus (= pancierius) „Rüstung“, spunta „Zapfen“. Den größten Teil der Germanismen im Wörterbuch bilden Substantive (~185), deutlich weniger Verben (~20); außerdem gibt es einige Adjektive sowie Partikeln (ja, je). Alle Germanismen sind an das grammatische System des Litauischen angepasst. Dieser Artikel behandelt Semantik, Herkunft und Verwendung der Lehnwörter aus dem Deutschen im heutigen Litauischen und vergleicht sie mit den deutschen Lehnwörtern in anderen in Kleinlitauen veröffentlichten Wörterbüchern. I. SUBSTANTIVE3 1. Bezeichnungen für Haushalts- und Wirtschaftsgegenstände sowie Werkzeuge (46): a) Gefäße und Küchenutensilien (13), z. B.: bosas „Fass“ < preuß. dt. Faß „dasselbe“, kragas „Krug“ < preuß. dt. krog, krug „Gefäß“, legere „kleines Fässchen“ < preuß. dt. lägel „dasselbe“, mežeris „Mörser“ < preuß. dt. Měser „dasselbe“, panė „Pfanne“ < preuß. dt. pan, pân „dasselbe“, tyne „Badewanne“ < preuß. dt. tin „große Badewanne“; 1 Näheres zu diesem Wörterbuch siehe Drotvinas V. „Lexicon Lithuanicum“ — ein handschriftliches deutsch-litauisches Wörterbuch des 17. Jahrhunderts // Lexicon Lithuanicum. V., 1987. S. 6–23. 2 Hybride Ableitungen und Bildungen (~50), die bereits im Litauischen entstanden sind, werden hier nicht mitgezählt. 3 Die semantischen Gruppen werden in der Reihenfolge ihrer Anzahl an Germanismen aufgeführt. Die jeweilige Anzahl wird in Klammern angegeben. 37 b) Arbeits- und Handwerksgeräte (12), z. B.: bindokas „Zimmermannsaxt“, vgl. preußisch-deutsch bindäxt „ebd.“, borai „Trage“, ‹ preußisch-deutsch bor „ebd.“, busokas „lange Stange mit Eisenhaken“, ‹ preußisch-deutsch bōshaken „ebd.“, spatas „Schaufel“, ‹ deutsch Spaten „ebd.“, zogas „Säge“, ‹ preußisch-deutsch zōge „ebd.“, kneipis „Schustermesser“, ‹ preußisch-deutsch Kneif „ebd.“; c) Bezeichnungen für Wagen, Eggen, Geschirr und deren Teile (11), z. B.: dyselis „Wagendeichsel“ ‹ preußisch-deutsch dīsel „ebd.“, leiterės „Wagenleitern“ ‹ preußisch-deutsch leiter „ebd.“, negeliai „Eggenzinken“ ‹ preußisch-deutsch Nägel, Pl. „Nägel“, rungas „in die Radquerhölzer eingesetzter Stift“ ‹ preußisch-deutsch rung, runge „ebd.“, šenai „Felge“ ‹ preußisch-deutsch schēne, schēn, š(i)pykis „Speiche“ ‹ preußisch-deutsch schpīke „ebd.“; d) Bezeichnungen für sonstige Gegenstände (10), z. B.: dekis „Decke (zum Bedecken des Pferdes)“ ‹ preußisch-deutsch dek „ebd.“, liktis „Kerze“ ‹ preußisch-deutsch licht „ebd.“, spinta ‹ preußisch-deutsch spind, zakas „Sack“ ‹ deutsch Sack. 2. Personenbezeichnungen (30): a) für Personen, die eine Tätigkeit oder Handlung ausüben (27), z. B.: bruvėlė „Brauer“ ‹ mnd. brüwer „ebd.“, butkerė „Böttcher“ ‹ preußisch-deutsch butker „ebd.“, jėgerė „Jäger“ ‹ deutsch Jäger „ebd.“, patobelis „Küster“ ‹ preußisch-deutsch potabel „ebd.“, skrybėlė „Schreiber“, vgl. mnd. schrîboere „ebd.“, šneiderius „Schneider“ ‹ deutsch Schneider „ebd.“⁴; b) nach sozialer Stellung (2): būras „Bauer“ ‹ preußisch-deutsch būr „ebd.“, ercikis „Herzog“ ‹ deutsch Herzog „ebd.“; c) nach anderen Merkmalen (1): jumprova „Fräulein“ ‹ preußisch-deutsch iunfraw „ebd.“. 3. Bezeichnungen für Gebäude, ihre Teile und Baumaterialien (25): a) für Gebäude und ihre Teile (14), z. B.: kelnorė „Keller“ ‹ deutsch Keller „ebd.“, skūnė „Scheune“ ‹ preußisch-deutsch schune „ebd.“, staldas „Stall“ ‹ deutsch Stall „ebd.“, stuba „Stube“ ‹ preußisch-deutsch stuba, stub, stobe, stow „Stube, Zimmer“, kakalys „Ofen“ ‹ preußisch-deutsch kachel, kaxel „ebd.“, šupas „Scheune“ ‹ preußisch-deutsch schōpe, schope „ebd.“; b) für Baumaterialien und Bauteile (11), z. B.: balkis „Balken, Träger“ ‹ mnd. balke „ebd.“, kalkės ‹ deutsch Kalk „ebd.“, kylis „Keil“ ‹ preußisch-deutsch kil „ebd.“, kenge „Haken“ ‹ mnd. henge „ebd.“, skindeliai „Dachschindeln“ ‹ mnd. schindele „ebd.“. 4. Bezeichnungen für Maßeinheiten (10): a) für Geldeinheiten (5), z. B.: penigai "Geld" ‹ mnd. pennig "ebd.", tripelikis "Dreipfennigstück" ‹ ostpr. Dt. dripelker "Geldstück", dolerius ‹ dt. doler "Taler (alte Münze)"⁵; 4Viele Bezeichnungen für Personen (Tätige) mit dem Suffix -ininkas wurden bereits aus in der litauischen Sprache gebräuchlichen Germanismen gebildet, z. B.: dieli(n)inkas "Brettersäger" ‹ lit. dielė "Brett", vindininkas "Drechsler" ‹ lit. vindas "Spindel zum Drehen", styrininkas "Steuermann" ‹ lit. styras "Steuerruder". 5Zu den Wörtern penigas, pinigas und pinigas sind im Wörterbuch acht zusammengesetzte Substantive aufgeführt. 38 b) Maße (4): /Hybridbildung/ akteinis "ein Achtel von etwas" ‹ ostpr. Dt. Achtel "ein Achtel" + lit. Suffix -einis, /Hybridbildung/ bertainis, berteinis "ein Viertel, ein Viertelstück", vgl. dt. Vierchen "Münze des Deutschen Ordens aus der zweiten Hälfte des 14. Jh.", Vierung "ein Viertel der Mark", hubas "Flächenmaß für Land" ‹ ostpr. Dt. hūbe "ebd.", murgas "Flächenmaßeinheit" ‹ mnd. morgen "so viel Land, wie ein Mensch mit Pferden an einem Morgen pflügen kann" (Kl 487); c) Zeiteinheiten (1): stundas "Stunde" ‹ ostpr. Dt. stund "ebd.". 5. Bezeichnungen für Pflanzen und ihre Früchte (14), z. B.: bukas ‹ ostpr. Dt. buk, kerveliai "Gewürzpflanze" ‹ ostpr. Dt. kerwel "ebd.", meironai "Heil- und Gewürzpflanze" ‹ ostpr. Dt. meiran, meirôn "ebd.", nėgelkės "Nelken" ‹ ostpr. Dt. nêgelke "ebd.", vikiai ‹ dt. Wicke, tabakas ‹ dt. Tabak. 6. Bezeichnungen für Kleidungsstücke und ihre Teile (9), z. B.: dimžakas (Orig. dimžakas) "Tasche", vgl. ostpr. Dt. Diebssack "ebd.", kėdelis "Jacke" ‹ ostpr. Dt. kêdel "ebd.", mučė "Mütze" ‹ mnd. mutze, mütze "ebd.", vystė "Weste" ‹ dt. Weste "ebd.", žiurstas (Orig. žurštas) "Schürze" ‹ ostpr. Dt. šoršt, šêršt "ebd.", /Hybridbildung/ pabuteris "Futter" ‹ dt. Futter "ebd." + lit. Präfix pa- 7. Bezeichnungen für Speisen und Getränke (7), z. B.: kėžas (Orig. kez̧as) "Käse" ‹ mnd. kese "ebd.", kringelis "Brezel" ‹ dt. Kringel "ebd.", kulšolė (Orig. kulb̧ole) "kalte (süße) Suppe" ‹ ostpr. Dt. kulschôl "ebd.". 8. Tierbezeichnungen (7), z. B.: bulius ‹ ostpr. Dt. boll, bull "Stier", elefantas "Elefant" ‹ dt. Elefant "ebd.", liovė "Löwin?" (Orig. dt. Hindin "Hirschkuh" wurde mit lit. lowe wiedergegeben), vgl. mnd. lowe "Löwe", trapas "Trappe (Vogel)" ‹ dt. Trappe "ebd.", karusas "Karausche" ‹ mnd. karusse "ebd.", stinta ‹ dt. Stint. 9. Religionsbezeichnungen (5), z. B.: aptas (Orig. apts) "Vorsteher eines katholischen Männerklosters" ‹ dt. Abt "ebd.", kanteris "Organist einer protestantischen Kirche" ‹ ostpr. Dt. kanter "Organist, Sänger", psalteras "Psalter" ‹ dt. Psalter "ebd.". 10. Bezeichnungen für abstrakte Begriffe6 (5), z. B.: biskis "ein wenig" ‹ ostpr. Dt. beske "ebd.", čiekis "Zeichen" ‹ ostpr. Dt. zêxen "ebd.". 11. Bezeichnungen aus dem gesellschaftlichen Leben (5), z. B.: galgės "Galgen" ‹ ostpr. Dt. galge "ebd.", pantas "Pfand" ‹ ostpr. Dt. pant "ebd.", pustas "Post" ‹ dt. Post "ebd.", vgl. mnd. post "Bote (Reiter)", turmas "Gefängnis" ‹ ostpr. Dt. tôrn "ebd.". nach deutschem Wortbildungsmuster gebildet, z. B. ragpenigai "Abgabe für Hörner", vgl. dt. Horngeld "ebd.", pervažpiṅingai "Gebühr für den Transport", vgl. dt. Fahrgeld "ebd." u. a. 6Im Wörterbuch gibt es zahlreiche hybride Ableitungen, die bereits im Litauischen mit den Suffixen -imas, -ys-tė u. a. gebildet wurden, z. B.: kunigystė ‹ lit. kunigas, vertystė ‹ lit. vertė, išliuosavimas ‹ lit. išliuosuoti. 39 12. Bezeichnungen für Metalle und andere Materialien (4), z. B.: Zinn „Zinn“ < deutsch Zinn „ebd.“, Pech „Harz, Teer“ < prußisch deutsch pick, pek „ebd.“, Schmier „(Rad-)Schmiermittel“ < prußisch deutsch schmēr „ebd.“. 13. Waffenbezeichnungen (3), z. B.: pistu(o)lė (Orig. pistūlu Gen. Pl.) „Pistole“ < deutsch Pistole „ebd.“. 14. Bezeichnungen für Naturerscheinungen (3), z. B.: šturmas „Sturm“ < deutsch Sturm „ebd.“. 15. Bezeichnungen für Körperorgane (und deren Erzeugnisse) und Krankheiten (3): blėkai „Eingeweide, Darm“ < prußisch deutsch flāk „ebd.“, šlimas „Auswurf“, vgl. prußisch deutsch šlam „ebd.“, mittelniederdeutsch slīm „ebd.“, brantai „Syphilis“, vgl. mittelniederdeutsch brant „Fieber, Gangrän, Pflanzenkrankheit“. 16. Bezeichnungen für Musikinstrumente (2): arpa „Harfe“ < mittelniederdeutsch harpe „ebd.“, trimita „Trompete“ < prußisch deutsch trömmete „ebd.“, vgl. mittelhochdeutsch trumet. 17. Schifffahrtsterminologie (2): inkara(s), vgl. deutsch Enker „ebd.“ und žėgnis (Orig. zegnis) „Segel“, vgl. deutsch Segel „ebd.“, mittelniederdeutsch segene „großes Netz“. 18. Verwandtschaftsbezeichnungen (1): švogeris „Schwager“ < prußisch deutsch švöyer „ebd.“, vgl. mittelniederdeutsch swager „ebd.“. 19. Staatsbezeichnungen (1): Den­markas „Dänemark“ < deutsch Dänemark „ebd.“. II. VERBEN Von den 20 Verben deutscher Herkunft sind 7 präfigiert. Alle Verben sind Hybridbildungen, gebildet mit litauischen Suffixen - (i)uoti, -(i)o-ti, -auti, -yti. Es lassen sich folgende semantische Gruppen unterscheiden: 1. Wörter, die eine aktive Handlung bezeichnen (16), z. B.: atspuntuoti (orig. atspunti̇ti) "auszapfen (ein Fass)" < preußisch-deutsch spunde "verstopfen", vgl. mittelniederdeutsch spunden "mit einem Spund verstopfen (ein Fass)", brukuoti (orig. brukkūti) "pflastern" < preußisch-deutsch brucken "ebd.", zoguoti (orig. zogūti) "mähen" < preußisch-deutsch zōge "ebd.", pandyti "nehmen, beschlagnahmen" < mittelniederdeutsch panden "ebd."⁷ 7 Im Wörterbuch finden sich Entlehnungen mit nominaler Wurzel, z. B.: hebelioti "hobeln" < litauisch hėbelis "Hobel", pabuterauti "füttern, ein Futter einsetzen" < litauisch pabuteris "Futter". 40 2. Wörter, die eine abstrakte Handlung bezeichnen (3): giliuoti "einen Wert haben“ ‹ preußisch-deutsch gele "ebd.". 3. Wörter, die einen Zustand bezeichnen (1): pernaroti "stören", vgl. deutsch vernarren "jdn. zum Narren halten, verspotten". III. WÖRTER ANDERER WORTARTEN Im Wörterbuch gibt es vier deutsche Adjektivlehnwörter, die Eigenschaften bezeichnen: a) äußere (1): čekas "scheckig, bunt", vgl. deutsch scheckig "ebd."; b) innere (3); z. B.: vertas8 ‹ deutsch wert "ebd.", liuosas "frei" ‹ deutsch los "ebd.".9 Im Wörterbuch gibt es eine bekräftigende Partikel ja, je "ja" ‹ deutsch ja "ebd.". Vergleich der Germanismen in „Lexicon Lithuanicum“ mit Entlehnungen aus anderen Wörterbüchern Die zuvor aufgeführten Germanismen aus „Lexicon Lithuanicum“ finden sich auch in anderen Wörterbüchern des 17.–19. Jahrhunderts aus Kleinlitauen sowie in dessen Schriftdenkmälern. Unterschiede bestehen lediglich in der Schreibung einiger Wörter sowie in phonetischen und morphologischen Varianten. Die Anzahl der Entlehnungen aus dem Deutschen in den Wörterbüchern Kleinlitauens hängt von deren Umfang, Zweck und weiteren Faktoren ab. In Wörterbüchern, die mehr Wörter der gesprochenen Sprache enthalten, gibt es mehr Germanismen. Zu diesen zählen die Wörterbücher von F. Pretorius, J. Brodowski, P. Ruhig, Ch. Mielcke, F. Nessermann und F. Kurschat. Im ersten gedruckten, kleinen Wörterbuch von F. W. Haack finden sich nur wenige Germanismen. F. W. Haack stützte sich bekanntlich auf den Wortschatz des Neuen Testaments der Bibel und des Psalters und nahm keine Wörter aus der gesprochenen Sprache auf. In den übrigen Wörterbüchern dieser Region gibt es mehr Entlehnungen aus dem Deutschen. Zur Veranschaulichung führen wir Germanismen aus einer thematischen Gruppe in „Lexicon Lithuanicum“ an, die auch in anderen Wörterbüchern Ostpreußens belegt sind (siehe Tabelle). Da es Mitte des 17. Jahrhunderts in der litauischen Sprache Kleinlitauens bereits eine beträchtliche Schicht deutscher Entlehnungen gab, lässt sich vermuten, dass diese dort auch schon früher verwendet wurden. Herkunft. Der größte Teil der Germanismen gelangte aus den deutschen Dialekten Ostpreußens in die litauische Sprache Kleinlitauens.10 Dies sind die bereits zuvor angeführten Bezeichnungen für Wagen, Eggen, Geschirre und deren Teile, verschiedene Arbeitsgeräte sowie Haushaltsgegenstände 8Aus dieser Entlehnung wurde das Modaladverb vertai, nevertai gebildet. 9In dieser Gruppe finden sich auch Hybride: būriškas, ercičiškas. 10 Remiamasi šiais darbais: Frischbier H. Preussisches Wörterbuch. Berlin, 1882-1883. Bd. 1-2; Alminauskis K. Die Germanismen des Litauischen. K., [1935]. 41 bezeichnungen.11Viele Wörter der deutschen Dialekte Ostpreußens stammen aus dem Mittelniederdeutschen (mnd.)12 (gestützt auf die Arbeiten von K. Schiller, A. Lübben13 und J. Sehwer14). Dazu zählen: būras ‹ mnd. būr, jėgerė „Jäger“ ‹ mnd. jeger „ebd.“, karusas „Karausche“ ‹ mnd. karusse „ebd.“, kylis „Keil“ ‹ mnd. kīl „ebd.“, kringelis „Kringel“ ‹ mnd. kringel „ebd.“, mira „wohlriechendes Harz“ ‹ mnd. mirre „ebd.“, pandyti „nehmen, beschlagnahmen“ ‹ mnd. panden „ebd.“, panė „Pfanne“ ‹ mnd. pan, pân „ebd.“, pantas „Pfand“ ‹ mnd. pant „ebd.“, pikis „Pech, Teer“ ‹ mnd. pick „ebd.“, rinda „Rinne zum Ableiten von Regenwasser vom Dach“ ‹ mnd. rinde „ebd.“, skindeliai „Dachschindeln“ ‹ mnd. skindele „ebd.“, skūnė „Scheune“ ‹ mnd. schune „ebd.“, spinta ‹ mnd. spind, spunta „Zapfen“ ‹ mnd. spunt „ebd.“, stinta ‹ mnd. stint, tynė „Badewanne“ ‹ mnd. tine „Bottich“, trapas „Brachvogel“ ‹ mnd. trappe „ebd.“. Verwendung. Nicht alle Germanismen, die in den Mundarten und der Literatur Kleinlitauens verwendet wurden, sind in der heutigen litauischen Sprache erhalten geblieben. Ein Teil von ihnen hat sich etabliert; andere Entlehnungen werden als Synonyme (oder lexikalische Dubletten) für entsprechende litauische Wörter gleicher Bedeutung verwendet. Sie kommen vor allem in den Mundarten älterer Menschen vor, die an das ehemalige Ostpreußen grenzen. Einige von ihnen sind auch in diesen litauischen Grenzdialekten bereits außer Gebrauch. Von den 210 Entlehnungen aus dem Deutschen in „Lexicon Lithuanicum“ werden in der Standardsprache nur etwa 40 (~19%) verwendet. Dies sind: bosąs, bulius, inkaras, kunigas, mūras, (hybr.) pašiūrė, pikis, pinigas, raitelis, spinta, stinta, šturmas, tabakas, vertas und andere. In unseren Dialekten werden mehr Germanismen verwendet, insbesondere in den westlichen Hochlitauischen und den Žemaitischen Dialekten. Dies sind vor allem Bezeichnungen für Wagen, Geschirre und deren Teile (z. B.: leiterės „Wagenleitern“, rungas „quer in den Radspeichenkranz eingesetzter Stock“, šėnai „Felge“, špykis „Speiche“), für Arbeitsgeräte (z. B.: busokas „lange Stange mit eisernem Haken“, šiūpelė „Schöpfkelle“, trogai „Trage“), für Haushaltsgegenstände (z. B.: dekis „Decke“, kurbas „Korb“, legerė „kleines Fässchen“), für Gebäude und deren Teile (z. B.: skūnė „Scheune“, staldas „Stall“, stuba „Haus“, kakalys „Ofen“), für Baumaterialien (z. B.: skindeliai „Dachschindeln“, šrogai „Stütze, Strebe“) und andere. Da für die Sprach- und Kulturgeschichte nicht nur wichtig ist, welche Wörter eine Sprache aus anderen Sprachen übernimmt, sondern auch, welche sie verliert, seien auch die aus der litauischen Sprache bereits verschwundenen oder im Rückgang begriffenen Entlehnungen aus dem Deutschen erwähnt. Dazu zählen: bekėrė „Bäcker“, bruvėlė „Brauer“, butkerė „Böttcher“, dišerė „Zimmermann“, skrybėlė „Schreiber“, šneiderius „Schneider“, akteinis, -ainis (hybr.) „Achtel“, bertainis (hybr.) „Viertel, Viertelteil“, hubas „Flächenmaß“, murgas „Maßeinheit für Land“, tripelkis „Dreipfennigmünze“, stundas „Stunde“ und andere. 11Siehe die Beispiele, die nach thematischen Gruppen angeführt sind. 12 Žr. Mitzka W. Grundzüge nordostdeutscher Sprachgeschichte. Halle / Saale, 1937. 13 Schiller K., Lübben A. Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bremen, 1875. Bd. 1-6. 14 Sehwers J. Sprachlich — kulturhistorische Untersuchungen vornehmlich über den deutschen Einfluss im Lettischen. Berlin, 1953. 42 Nach dem Gebrauch ließen sich die Germanismen in drei Gruppen einteilen: 1) in der Gemeinsprache weit verbreitete; 2) selten gebrauchte, nur in bestimmten Dialekten verbreitete; 3) nur aus Schriftdenkmälern bekannte. Aus allem Gesagten lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen: 1. Im 17. Jahrhundert (und vielleicht schon früher) gelangten zahlreiche Entlehnungen aus dem Deutschen in die südwestlichen Dialekte des Litauischen. Diese Entlehnungen blieben in den Mundarten auch im 18.–20. Jahrhundert erhalten. 2. Den größten Anteil der deutschen Entlehnungen bilden Substantive, die Bezeichnungen für Haushaltsgegenstände, Wirtschaftsgegenstände und Werkzeuge, Personen, Berufe, Ämter, Tätigkeiten, Gebäude und deren Teile sowie Baumaterialien sind. Am seltensten sind in den Mundarten Verwandtschaftsbezeichnungen, Körperteile sowie Bezeichnungen für Naturkörper und Naturerscheinungen germanischen Ursprungs. 3. Fast alle Entlehnungen aus dem Deutschen sind aus den deutschen Dialekten Preußens ins Litauische gelangt und weisen deutliche Elemente des Mittelniederdeutschen auf. 4. Der größte Teil der Entlehnungen wird in der litauischen Gemeinsprache nicht verwendet. Besonders viele Bezeichnungen für Personen, Berufe, Ämter, Tätigkeiten, Geldeinheiten und Maße sind verschwunden. In den südwestlichen litauischen Mundarten werden solche Entlehnungen aus dem Deutschen auch heute noch verwendet. Es handelt sich vor allem um Bezeichnungen für Wagen und dessen Teile, Geschirr, Arbeits- und Handwerksgeräte sowie Gefäße. Bezeichnungen von Gebäuden und ihren Teilen in den Wörterbüchern Ostpreußens Tabelle Bezeichnungen von Gebäuden und ihren Teilen | Lex | C | Vad. Q | F | B | R | MZ | N | ✓ Balks „Pfosten, Baumstamm“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „dele“ „dickes Brett“ | + | + | + | | | | | | „buzas“ „Dachboden“ | + | | + | | + | | | | / „dele“ „dryžens“ „Türgriffdrücker“ | + | | | | + | | | | / „brūže“ „katarys“ „Ofen“ | + | + | | | + | + | + | + | / „urnkeis“ „Keil, gespreizter Keil“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „kengė, ein in den Türpfosten eingeschlagener Haken, an dem sich beim Schließen der Tür der Haken einhängt“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „klėmbatis“ | | | | | + | + | + | + | + „kenore“ „Keller“ | + | + | + | + | | | | | + „klemens“ „eiserne Kupplung“ | + | + | + | | | + | + | + | + „klingas“ „Teil alter Türgriffe zum Einhängen des Hakens, Überwurfriegel“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „mūras“ | + | + | | | | | | | + „pašijure (tūbr.)“ | + | | | + | + | + | + | + | + „rėmas“ | + | + | | | + | | | | + „rinda“ „Rinne zum Ableiten des Regenwassers vom Dach“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „skindelai“ „Schindeln zum Decken des Daches“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „skūnė“ „Scheune“ | + | + | + | + | + | + | + | + | + „staldas“ „Stall“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „šluba“ „toba, Wohnhaus“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „rūmas“ „Raum“ | + | + | + | + | + | + | + | + | + „sūpas“ „Scheune“ | + | + | + | | + | + | + | + | + „srogai“ „Stützen“ | + | + | + | | + | + | + | + | + sgėga | | | | | + | + | + | + | + sgėga | | | | | + | + | + | + | + sgėga | | | | | + | + | + | + | + sroga | | | | | + | + | + | + | + supas | | | | | | | | | + snagos 44 Literatūra Alminauskis K. Die Germanismen des Litauischen. Teil 1: Die deutschen Lehnwörter im Litauischen. K., [1935]. Brodowskij J. Lexicon Germanico-Lithvanicvm et Lithvanico-Germanicvm (Rankraštinis vokiečių-lietuvių kalbų žodynas, du tomai, apie 1740 m.). Dabartinės lietuvių kalbos žodynas. V., 1972. Frischbier H. Preussisches Wörterbuch. Ost- und Westpreussische Provinzialismen in alphabetischer Folge. Berlin, 1882. Bd. 1-2. Haack F.W. Vocabularivm Litthvanico-Germanicvm et Germanico-Litthvanicvm. Halle, 1730. Kluge F. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin, 1957. Krauzės (vadinamasis) žodynas. (Buv. Karaliaučiaus archyvo rankraštinis vokiečių-lietuvių kalbų XVIII a. žodynas). Žodyno rankraštis saugomas Lietuvių literatūros ir tautosakos institute. Kurschat F. Deutsch-littauisches Wörterbuch. Halle, Bd. 1, 1870. Bd. 2, 1874. Kurschat F. Littauisch-deutsches Wörterbuch. Halle, 1883. Lexicon Lithuanicum in usum eorum conscriptum". (Vokiečių-lietuvių kalbų žodynas, buv. 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Berlin, 1953. 45 GERMANISMEN IN DER WESTAUKSCHTAITISCHEN MUNDART KLEINLITAUENS IM 17. JH. (AM MATERIAL DES "LEXICON LITHUANICUM") Zusammenfassung Im ersten handschriftlichen deutsch-litauischen Wörterbuch "Lexicon Lithuanicum" aus der Mitte des 17. Jhs. findet man unter 7200 litauischen Wörtern, die das Wörterbuch enthält, etwa 210 Entlehnungen aus dem Deutschen. Die deutschen Lehnwörter werden in thematische Gruppen eingeteilt. Die größte Gruppe bilden Benennungen von Gegenständen und Werkzeugen des Haushalts und Wirtschaft, von Berufen, Beschäftigungen der Personen, von Gebäuden, ihren Teilen und Baumaterialien. Seltener sind Verwandtschaftsbezeichnungen, Benennungen von Körperteilen und von Naturerscheinungen. Die Mehrheit der deutschen Lehnwörter gelangte in das Litauische aus den deutschen Mundarten Ostpreußens. Sie weisen deutlich mittelniederdeutsche Besonderheiten auf. Der größte Teil der Germanismen wird in der gegenwärtigen litauischen Sprache nicht gebraucht. Es sind vor allem viele Benennungen von Berufen, Bezeichnungen für Beschäftigungen von Personen und Bezeichnungen für Geldeinheiten sowie für Maße verschwunden. In westlichen und südlichen Mundarten ist ein Teil davon noch bekannt und wird gebraucht. 46