P. Arumos įnašas į pietrytinių lietuvių kalbos šnektų tyrimą
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXX (1993) PERIFERINĖS LIETUVIŲ KALBOS TARMĖS
Aloyzas VIDUGIRIS
P. ARUMAA’S BEITRAG ZUR ERFORSCHUNG DER SÜDOSTLITAUISCHEN MUNDARTEN
Peter Arumaa (im Folgenden Aruma) ist bis heute der bedeutendste estnische Baltist. In die Geschichte der litauischen Sprachwissenschaft ist er durch seine Arbeiten fest eingegangen; die bekanntesten sind „Litauische Texte aus den Mundarten des Wilnaer Gebiets mit grammatischen Anmerkungen“ (1930) und „Untersuchungen zur Geschichte der Personalpronomina der litauischen Sprache“ (1933). Nicht weniger wichtig sind auch seine übrigen umfangreicheren (z. B. „Praslawische Grammatik“, 1964) und kleineren Arbeiten. Für die litauische Dialektologie und die Wissenschaft von der litauischen Sprache überhaupt sind jedoch die von Aruma gesammelten und veröffentlichten sowie unveröffentlichten Texte aus den südostlitauischen Mundarten am wertvollsten, die eine nach der anderen heute außerordentlich rasch verschwinden. Zu bedauern ist nur, dass der Wissenschaftler, der so viel für die Litauistik geleistet hat, bis heute sowohl in Litauen als auch in Estland noch zu wenig bekannt ist. Zu einer eingehenderen Beschäftigung mit Arumas Arbeiten und Persönlichkeit regte eine Reise im Frühjahr 1988 nach Tartu an, wo zahlreiche von seiner Hand auf Litauisch niedergeschriebene Mundarttexte gefunden wurden (etwa 900 Heftseiten).
Aruma erkannte die prekäre Lage der von Polen besetzten und brutal verwüsteten südostlitauischen Mundarten sowie ihre außergewöhnliche Bedeutung für die Sprachwissenschaft sehr wohl. Die südöstlichen Randgebiete des litauischen Sprachraums zeichnen sich durch eine außerordentliche Vielfalt an Mundarten, faszinierende Archaismen und die Besonderheiten von Neuerungen aus, die durch den engen Kontakt mit den slawischen Sprachen (vor allem dem Belarussischen, danach dem Polnischen und heute dem Russischen) entstanden sind. Hier unterscheidet sich jede Pfarrei, mitunter sogar jedes Dorf, durch eine jeweils andere Mundart. Es genügt, auf das einzigartige, historisch entstandene Mosaik von Mundarten im heutigen Ost- und Südostlitauen hinzuweisen (in den Rajons Zarasai, Ignalina, Švenčionys, Molėtai, Vilnius, Trakai, Šalčininkai, Varėna und anderen) sowie im nordwestlichen Belarus (im Rajon Breslauja die Umgebungen von Apsas, Breslauja, Pelekoniai und Vidžiai; im Rajon Pastovys die Umgebungen von Jūravas, Kamojai und Lentupis; im Rajon Astravas die Umgebungen von Gervėčiai, Rimdžiūnai und Kliukščionys; im Rajon Vija die Umgebungen von Bókštas, Dūdos und Lazūnai; im Rajon Varenavas die Umgebungen von Armoniškės, Asavõs, Balatnõs beziehungsweise Varenavas, Benekainiai, Kaulėliškės, Nočia, Pelesõs, Ródūnia und Žirmūnai; im Rajon Gardinas die Umgebungen von Ašiūžios, Pariečė und Pérvalkas; sowie im Rajon Diatlovo beziehungsweise Zietela und dessen Umgebung). Und wie viele weitere Ortschaften in Belarus gab es, in denen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger Litauisch gesprochen wurde, die aber bis dahin entweder nicht systematisch erforscht worden waren oder die ein Sprachwissenschaftler noch gar nicht betreten hatte (z. B. im Rajon Astravas die Umgebungen von Bistryčia, Kiemeliškės, Mikališkės und Varnionys, im Rajon Ašmena Graūžiškės,
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die Umgebungen von Klevėčios und Palionys; im Rajon Smurgainys die Umgebungen von Salos und Sniegonys; im Rajon Vija die Umgebungen von Geranainiai, Lipniškės, Subātinkai, Surviliškiai und Takoriškės und andere).
Kaum irgendwo sonst, zumindest in Europa, gibt es eine andere vergleichbare Sprache, die eine derartige Vielfalt an Mundarten aufweist. Das ist nicht nur ein Phänomen der litauischen Sprache, sondern unserer Kultur überhaupt. Doch kaum irgendwo sonst wurden und werden die litauischen Mundarten seit nunmehr einem Jahrhundert so wie hier ausgelöscht und verwüstet – sowohl im Nordwesten von Belarus als auch im Südosten Litauens, wo die Litauer nur noch eine Minderheit bilden. Jede einzelne Mundart ist durch ihre Originalität und Einzigartigkeit ein lebendiges Zeugnis der litauischen ethnischen Zugehörigkeit der Menschen dieser Gegenden. Leider ist die Geschichte der südöstlichen Randgebiete des litauischen Sprachraums zugleich eine lebendige Geschichte nicht nur des Verschwindens unserer Mundarten, sondern auch der Schrumpfung des litauischen Siedlungsgebiets. Diese wird meist durch die Politik mächtigerer Nachbarn und durch unsere Landsleute bestimmt, die unter dem Einfluss dieser Politik ihre nationale Identität verloren haben oder verlieren.
Vor diesem Hintergrund ist die Tätigkeit des Sprachwissenschaftlers Aruma zu bewerten. In der Geschichte der Erforschung dieser litauischen Mundarten hat er unauslöschliche Spuren hinterlassen – nicht nur als Wissenschaftler und Forscher, sondern auch als eine Art Chronist und Diplomat dieser Gegend.
Aruma war ein vielseitiger und gut ausgebildeter Sprachwissenschaftler. Er wurde am 11. Oktober 1900 (nach altem Stil am 28. September) in Estland, unweit von Tartu, in der Stadt Piltsama (heute Rajonzentrum), als Sohn eines Handwerkers geboren. 1920 schloss er das Gymnasium in Tartu ab und schrieb sich 1921 an der historisch-philologischen Fakultät der Universität Tartu ein, die er 1927 mit dem Magistergrad abschloss. An der Universität studierte er indogermanische Sprachwissenschaft sowie slawische und finno-ugrische Philologie. Professor für slawische Sprachen war L. Masing, dessen sprachwissenschaftliche Arbeiten aus seiner Jugendzeit damals den in die Sprachwissenschaft vertieften, vielseitig begabten Antanas Baranauskas interessierten. Indogermanische Sprachwissenschaft lehrte Prof. E. Kiekers. Nach dessen Tod im Jahr 1938 war es Aruma bestimmt, den Lehrstuhl seines früheren Professors und die Leitung des Lehrstuhls für indogermanische Sprachen zu übernehmen. Schon seit seiner Gymnasialzeit interessierte sich Aruma für finno-ugrische Sprachen: für das Estnische und seine Mundarten, später auch für das Finnische, Ungarische, die uralischen Finnsprachen, das Livische und andere. Vor allem aber begann er an der Universität Tartu seinen Weg als Baltist, als er seine Diplomarbeit „О порядке слов в литовском языке, место глагола в начальном предложении“ verfasste.
Nach dem Studium bildete er sich drei Jahre lang mit einem Auslandsstipendium in Berlin weiter, wo er die von Schultze gehaltenen Vorlesungen über Griechisch, Deutsch, Litauisch und Sanskrit besuchte, die von M. Vasmer über slawische Philologie, von H. Lüders über Sanskrit, von J. Pokorn über keltische Sprachen und die von J. Marchwart über persische Sprachen. Das vierte Jahr verbrachte er in Litauen und Polen, um Material für seine Dissertation zu sammeln. 1931–1932 vertiefte er seine Studien in Prag und besuchte Vorlesungen über slawische Sprachen bei den Professoren S. Smetanka, M. Weinhart, J. Torak und O. Hujer. Er arbeitete in den Bibliotheken von Danzig (Gdańsk), Königsberg, Kaunas und Vilnius und erforschte außerdem die Mundarten am südöstlichen Rand des litauischen Sprachgebiets.
Ab 1933 las P. Aruma an der Universität Tartu russische Literatur und slawische Philologie. 1934 promovierte er und wurde zum außerordentlichen Professor für slawische Philologie an der Universität Tartu ernannt. 1939 wurde Aruma der Titel eines Professors für slawische Philologie und vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft verliehen
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den Titel eines ordentlichen Professors. Während seiner Tätigkeit an der Universität erforschte er russische Mundarten in Estland und nahm an im Ausland abgehaltenen Kongressen der Slawisten teil. Er war Sekretär der Estnischen Gelehrten Gesellschaft, redigierte ein schwedisch-estnisches Wörterbuch und stellte eine Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten der Estnischen Gelehrten Gesellschaft zusammen und redigierte sie („Liber saecularis“) usw. Dass Aruma als Baltist geschätzt wurde, zeigt auch, dass ihn 1938 die Lettische Philologische Gesellschaft in Riga zum korrespondierenden Mitglied wählte1. 1940–1941 stieß er bei den sowjetischen Funktionären auf große Missbilligung seiner Person (das zeigt sich schon an den mehrfach in schönem Russisch verfassten Autobiografien); als sich die Front näherte, emigrierte P. Aruma 1944 nach Schweden, wo er 1982 starb.
Zum Glück ist ein großer Bestand der von P. Aruma gesammelten Mundarttexte erhalten geblieben. Die meisten Texte wurden in den Mundarten am Rand des südöstlichen litauischen Sprachgebiets aufgezeichnet: aus Gervėčiai, Lazūnai, Dieveniškės und Zietela, weniger aus den Dörfern Kargaudai und Klaišiai in der Umgebung von Ródūnia sowie aus dem Dorf Ramaškonys in der Umgebung von Kamojai. Einige Texte wurden auch in den sogenannten Hauptmundarten des Litauischen in der Gegend um Jurbarkas, Utena usw. aufgezeichnet. Überwiegend handelt es sich um zusammenhängende Märchen, daneben um Lieder und verschiedene Erzählungen, seltener um einzelne Sätze, Wörter sowie Deklinations- und Konjugationsparadigmen. Die Texte sind mit Akzentzeichen versehen, mit Bleistift in gleichmäßiger, schöner Handschrift und in vereinfachter Transkription niedergeschrieben. Somit sind die von Aruma gesammelten Mundarttexte nicht nur für die litauische Dialektologie und die Sprachwissenschaft im Allgemeinen wichtig, sondern auch für die Folkloristik, Ethnografie usw.
Einen Teil der gesammelten Mundarttexte bereitete Aruma recht rasch auf und veröffentlichte ihn in kurzer Zeit mit einer deutsch verfassten Einleitung und ausführlichen grammatischen Anmerkungen: „Litauische mundartliche. Texte aus der Wilnaer Gegend. Mit grammatischen Anmerkungen“ (Dorpat, 1930). Dies ist die erste wissenschaftlich bearbeitete Sammlung litauischer Mundarttexte. Darin sind annähernd gleich viele Texte aus den Gegenden Dieveniškės, Gervėčiai, Lazūnai und Zietela enthalten. Die Texte sind vergleichsweise sehr gut aufgezeichnet, wenn auch in einer recht komplexen Transkription. Die Baltistik erhielt damit ein praktisches Handbuch, dessen Bedeutung bis heute unvermindert ist. Im Gegenteil, sie nimmt sogar noch zu. Denn Aruma zeichnete die Texte zu einer Zeit auf, als die traditionellen Mundarten an all diesen Orten noch ganz natürlich in Gebrauch waren. In den Familien vieler Dörfer dieser Gegenden sprachen damals noch Menschen aller Generationen Litauisch.
Bedauerlich ist nur, dass Aruma nicht alle von ihm gesammelten litauischen Mundarttexte veröffentlichte. Es stellt sich die Frage, warum in die erwähnte Textsammlung nicht auch Texte aufgenommen wurden, die in den Mundarten der nahe gelegenen Randgebiete um Ródūnia und Kamojai aufgezeichnet worden waren. Vielleicht hatte er davon zu wenige und konnte nicht mehr sammeln. Oder waren andere Gründe ausschlaggebend?
Zu bedenken ist, dass Aruma zur selben Zeit auch seine Dissertation „Untersuchungen zur Geschichte der litauischen Personalpronomina“ verfasste, die 1933 in Tartu veröffentlicht wurde. (Aruma widmete diese Arbeit der Litauischen Wissenschaftlichen Gesellschaft in Vilnius. K. Avižonis, P. Skardžius, Chr. S. Stang und F. Specht äußerten sich auf die eine oder andere Weise zu ihr.) In dieser umfangreichen, mehr als 300 Seiten umfassenden Studie werden vor allem seltene Formen der Personalpronomen untersucht, von denen der Autor eine Fülle gesammelt hatte
1Die Angaben stammen aus Arumas Autobiografien, die 1941 in russischer und estnischer Sprache für verschiedene Prüfungskommissionen verfasst wurden und sich in der Handschriftenabteilung der Wissenschaftlichen Bibliothek der Universität Tartu befinden. Weitere biografische Angaben zu P. Aruma finden sich im Zentralen Staatlichen Historischen Archiv von Tartu (F. 2100. Ap. 2. B. 662) sowie im Kreutzwald-Literaturmuseum in Tartu.
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aus den alten litauischen Schriftdenkmälern. Erstaunlich ist, wie gründlich er die älteren Schriften studiert hatte – nicht nur die von Mažvydas, Bretkūnas, Daukša, Sirvydas und Morkūnas, sondern auch die weniger bedeutenden litauischen Schriftdenkmäler des 19. Jahrhunderts. Besonders bemerkenswert ist, dass Aruma für die verschiedensten aus den alten Schriften gesammelten Formen der Personalpronomen die meisten Entsprechungen in den Mundarten von Gervėčiai, Lazūnai und Zietela und weniger in der von Dieveniškės fand. Offenbar führte dies dazu, dass der Autor bei der Veröffentlichung der gesammelten Texte auf die Mundarten der genannten Orte beschränkt blieb. Demnach bilden die von Aruma veröffentlichten Mundarttexte und die in den grammatischen Anmerkungen häufigen Vergleiche der Formen dieser Mundarten mit den entsprechenden Belegen aus alten Schriftdenkmälern gewissermaßen einen Anhang zur Dissertation und zugleich die erste bedeutende Veröffentlichung zum Thema der Dissertation.
Die von Aruma gesammelten Texte, insbesondere aus den Randmundarten des Litauischen, sind von außerordentlich großer Bedeutung. Die einst vollwertigen Mundarten von Lazūnai und Zietela waren bereits in der Nachkriegszeit im Niedergang, als litauische Linguisten begannen, sie zu erforschen. Heute ist die Mundart von Zietela vollständig ausgestorben; ihre letzten Tage erleben einige ältere Menschen aus der Umgebung von Lazūnai, die noch Litauisch können. Die Mundarten von Kamojai und Ródūnia stehen am Rand des Aussterbens. Die Gebiete, in denen Litauisch gesprochen wird, werden auch um Dieveniškės, Gervėčiai und Pelesa immer kleiner.
Darüber hinaus nimmt nicht nur die Zahl der Litauisch Sprechenden ab, sondern auch die örtlichen Mundarten selbst verarmen und verschlechtern sich stark. Selbst Menschen, die von klein auf Litauisch gesprochen haben, haben ihre Sprache oft schon teilweise vergessen und sprechen eine entstellte Mundart. Die Erosion der traditionellen Mundarten, meist infolge der Assimilation der Bevölkerung, zeigt sich auf allen Sprachebenen: in Phonetik, Morphologie, Lexik und Syntax. Vergleicht man daher das von Aruma dokumentierte Material mit den von späteren Forschern gesammelten Daten, lässt sich feststellen, wie sich die Ebenen dieser Mundarten verändert haben. Allerdings wäre dies ohne spezielle Studien nicht leicht zu bewerkstelligen. Arumas gedruckte Texte müssten zunächst detailliert in ihrer komplexen Transkription entziffert werden. Unterschiede im morphologischen und lexikalischen Bestand sind etwas deutlicher erkennbar. Veränderungen im morphologischen Bestand haben mehr oder weniger die Arbeiten fast aller Linguisten geprägt, die später über diese Mundarten schrieben (J. Senkus, Z. Zinkevičius, E. Grinaveckienė, A. Jonaitytė, J. Kardelytė, T. Sudnik u. a.).
Über die Lexik lässt sich mehr sagen. Hier wollen wir uns darauf beschränken, ein oder zwei von Aruma aufgezeichnete Wörter aus der Mundart von Zietela zu erwähnen, die im Zettelkatalog des im Entstehen begriffenen Wörterbuchs der Mundart von Zietela jeweils nur einmal vorkommen, das heißt, von anderen Forschern nicht aufgezeichnet und nicht belegt wurden. So erfahren wir aus den von Aruma aufgezeichneten Texten von wenig bekannten Wörtern oder Bedeutungen (z. B. kliūnkti „zwitschern, singen (von einer Nachtigall)“; salaujys kliunkia; metinykas „Wesen, das die Jahreszeiten regelt“, miegulys „Schläfrigkeit“, plėstelėti „einen Klaps geben“ usw.), von einfachen oder selteneren Präfix- und Suffixableitungen (z. B. iškloti, pralėkti, insilip(y)ti „sich festklammern“, mėlynumas usw.), von verschiedenen Entlehnungen oder Hybridbildungen (z. B. kalina „Schneeball“, karanačia // karanavōnė „Krönung“, karanavōtis „sich krönen“, karonà „Kranz, Krone“, machtelėti „eine Handbewegung machen“ usw.). Es gibt auch Wörter mit anderem Stamm oder anderer Betonung (z. B. klonis anstelle des heute üblichen klõnis usw.).
Bedauerlich ist nur, dass nicht alle von Aruma aufgezeichneten Texte zu uns gelangt sind; wie der Autor selbst blieben auch sie von den Kriegswirren nicht verschont. Dabei hätte so wenig gefehlt, dass diese Texte alle
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Sie wären ums Leben gekommen. Gerettet wurden sie von einem Freund der litauischen Sprachwissenschaftler, dem Akademiemitglied der Estnischen Akademie der Wissenschaften und Professor an der Universität Tartu, Paul Ariste. Die nach dem Krieg leer stehende Wohnung Arumas wurde geplündert. Die Böden aller Zimmer und des Flurs waren mit den Notizen des plötzlich abgereisten Professors und den Seiten zerrissener Bücher bedeckt2. Von dieser Tragödie zeugen auch die erhaltenen Dialekttexte, deren Seiten erhebliche Lücken aufweisen und durcheinandergeraten sind; nicht wenige Blätter sind zerknüllt und mit Füßen getreten. So waren allein die Zietela-Texte, die in der Mappe mit den Manuskripten an fünf Stellen verstreut lagen, vom Verfasser eigenhändig bis Seite 141 nummeriert; etwa 20–30 Seiten fehlen. Die Texte aus dem Dialekt von Lazūnai befanden sich nach der neuen Nummerierung (offenbar so, wie P. Ariste sie vom Boden aufgesammelt hatte) an vier Stellen, die Texte aus Dieveniškės und Gervėčiai an zwei. Von den in der Umgebung von Kamojys und Rodūnia gesammelten Texten sind nur Fragmente von jeweils wenigen Seiten übrig geblieben.
Liest man die in klarer und schöner Handschrift von Aruma aufgezeichneten Texte, kann man nur staunen, wie ausgezeichnet er Litauisch beherrschte. Man würde niemals vermuten, dass sie nicht von einem Litauer geschrieben wurden, wenn man es nicht wüsste. Umso stärker empfindet man daher Dankbarkeit und Verbundenheit gegenüber diesem beneidenswert fleißigen estnischen Wissenschaftler, der der Baltistik (ebenso wie der Slawistik) bis an sein Lebensende treu blieb3.
Wenn Aruma ins südöstliche Litauen reiste, das damals zu Polen gehörte, spielte er außerdem nicht selten die Rolle eines Gesandten Litauens und Botschafters der Vilnija. Es wird erzählt, dass er den Kultur- und Bildungsvereinen der Vilnija häufig in Litauen gesammelte Spenden überbrachte und sie über die Tschechoslowakei, Danzig und Lettland transportierte, da Litauen damals keine direkten diplomatischen Beziehungen zu Polen unterhielt. Noch heute erinnern sich die Alten in der Gegend von Dieveniškės und Rodūnia mit großer Wärme an Aruma. Auch die Lehrerin K. Juodienė aus Zietela erwähnte ihn oft. Das ist nicht verwunderlich: Die litauische Sprache war verboten, wurde von polnischen Beamten und dem Adel verfolgt und verachtet; da kam ein junger Ausländer und sprach mit den Unterdrückten in ihrer Muttersprache. Hier hatte Aruma aufrichtige Freunde und Helfer gewonnen. Davon zeugen die Korrespondenz des Bauern Petrikas aus Gervėčiai und ein mit Dialekterzählungen gefülltes Heft. P. Aruma wird darin als hochverehrter, liebster Freund der Litauer, als Vertrauter, Wohltäter und Fürsprecher bezeichnet. Das sind wahrhaft bewegende Worte.
P. Aruma hatte als Sprachwissenschaftler mit breitem Forschungsprofil, als Spezialist für baltische und slawische Sprachen sowie als Indoeuropäist internationale Anerkennung erlangt. Als Baltist setzte er sich jedoch das bedeutendste Denkmal, indem er die südöstlichen litauischen Dialekte erforschte. Neben Wissenschaftlern anderer Völker wie E. Volteris, O. Brochas, Chr. S. Stangas, J. Rozwadowskis, V. Porzezińskis, J. Otębskis, G. Gerullis und E. Fraenkelis sowie den Litauern K. Būga, J. Jablonskis, J. Balčikonis, J. Senkus und anderen nimmt P. Arumaa nach der Bedeutung seiner Arbeiten zweifellos einen der herausragendsten Plätze ein.
2Davon erzählte der Verfasser dieser Zeilen am 14. April 1988 Professor P. Ariste. Zum Teil lässt sich dies auch an dem Eintrag auf der ersten Seite der Textmappe /Signatur ERA Leedu 3/ erkennen.
3Ausführlicher zu P. Arumas sprachwissenschaftlichen Arbeiten siehe A. Sabaliauskas. Lietuvių kalbos tyrinėjimo istorija iki 1940m. V., 1979. S. 233–235.
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BEITRAG VON P. ARUMAA FÜR DIE FORSCHUNG DER SÜDÖSTLICHEN MUNDARTEN DER LITAUISCHEN SPRACHE
Zusammenfassung
Im Artikel werden die Forschungen der litauischen Sprache vom berühmtesten estnischen Baltisten Peter Arumaa analysiert. Die größte Aufmerksamkeit wird auf seine aufgeschriebenen Texte aus Dievēniškės, Gervėčiai, Kamojai, Lazūnai, Ródūnia, Žietela und aus anderen schnell schwindenden, aber für die Sprachforschung sehr wichtigen südöstlichen Mundarten der litauischen Sprache gelenkt. (P. Ariste, der andere vertraute Freund der litauischen Sprache hat den großen Teil dieser Handschriften während des zweiten Weltkrieges vom Untergang gerettet und für das Literaturmuseum von Kreitzwald in der Stadt Tartu übergegeben.) Es wird für das Ostlitauen wichtige Kultur- und Diplomatie- tätigkeit von P. Arumaa akzentiert.
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