Simono Daukanto „strubis“ ir „auklės“
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXIV (1994)
LIETUVIŲ KALBOS TARMĖS IR JŲ TYRINĖJIMAI
Anmerkungen. Rezensionen
Anmerkungen. Rezensionen
Giedrius SUBAČIUS
SIMONAS DAUKANTAS STRUBIS UND AUKLĖS
Mit diesen Anmerkungen sollen die Bedeutungen zweier von S. Daukantas verwendeter Wörter präzisiert werden.
Das erste Wort ist s t r u b i s. Das maskuline Substantiv strubis im Großen Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽ XIII 997) hat lediglich einen einzeiligen Eintrag: „strùbis sm. (2) LKK IV 306 (S. Dauk.) Ellenbogen“. Es ist also nur aus einer einzigen Quelle belegt: aus dem in „Lietuvių kalbotyros klausimai“ veröffentlichten Aufsatz von Jonas Kruopas „S. Daukanto leksikografiniai darbai“, und es wurde S. Daukantas’ „Polnisch-litauischem Wörterbuch“ entnommen. J. Kruopas führt es unter den veralteten Wörtern mit der Bedeutung „Ellenbogen“ an. In S. Daukantas’ Wörterbuch, Bd. I, S. 639, steht folgender Eintrag: „Lokietek, atkune, strubis. Lokietki, tokcie, atkunes“. Offenbar hielt J. Kruopas die Wörter alkūnė und strubis für Synonyme. Wie jedoch die gesamte Anlage von Daukantas’ Wörterbuch zeigt, konnten damit auch unterschiedliche Bedeutungen des polnischen Wortes angegeben sein.
Das polnische Stichwortverzeichnis seines Wörterbuchs schrieb Daukantas aus Stanisław Ropelewskis polnisch-französischem Wörterbuch ab. Anhand dieses Wörterbuchs lassen sich daher die Bedeutungen des Wortes rekonstruieren.
Ins Französische übersetzt Ropelewski Lokietek mit nain „Zwerg“, pygmée „Pygmäe“, bout d’homme „sehr kleinwüchsiger Mensch“. Da die Bedeutung des Homonyms strubis, -ė im LKŽ nach dem sogenannten Wörterbuch von M. Niedermann auch mit „ein Kleinwüchsiger“ angegeben wird und das Adjektiv strubas, -a „kurz; klein“ auch aus der gesprochenen Sprache bekannt ist, sollte man Daukantas’ strubiui wohl die Bedeutung „kleinwüchsige Person, Zwerg“ zuschreiben. Dass es im Artikel Ropelewskis weiter heißt: Pl. Lokietki, (dim. de Lokcie), petits coudes „kleine Ellenbogen“, bedeutet jedoch nicht, dass das Wort strubis die Bedeutung „Ellenbogen“ gehabt hat.
Daukantas’ strubis mit der Bedeutung „kleinwüchsige Person, Zwerg“ und nicht mit der Bedeutung „Ellenbogen“ ist also als veraltetes Wort, als Archaismus, anzusehen.
Das zweite Wort ist a u k l ė s. Im erwähnten Aufsatz führt J. Kruopas unter den veralteten Wörtern aus S. Daukantas’ Wörterbuch auch aukles mit der Bedeutung „Schuhe“ an. Daukantas’ Eintrag ist kurz: Kamasze, aukles (Bd. 1, S. 468). LKŽ I² 474 führt vier Bedeutungen des Wortes auklė an (neben dem Homonym auklė „Trage, Kinderbetreuerin“): 1. „Schnur zum Festbinden eines Opanken oder Bastschuhs am Fuß; Riemen“; 2. „Seil, Schnur“; 3. „Strumpf ohne Fußteil oder mit kurzem Schaft“; 4. „Tuch“.
Im erwähnten Wörterbuch Ropelewskis, aus dem Daukantas auch das Wort Kamasze abschrieb, wird nur eine Bedeutung angegeben — guêtres „Gamaschen“. S. Daukantas hatte also vermutlich nicht die Bedeutung „Schuhe“ im Sinn. Hier und andernorts in seinen Schriften var-auklės
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… werden in der dritten (daher „getrai“) und der vierten Bedeutung des LKŽ verwendet; vgl. Daukantas Wörterbuch: Pótkamasze, pùsaukles (Bd. 2, S. 474) – frz. demiguetres; Nagolenica, aukle. arba karejwio czebatas (Bd. 2, S. 22) – frz. cuissard („Oberschenkelstück, ein den Fuß bedeckender Teil der Rüstung“); ebenso ein Satz aus Daukantas „Būdas“: wytóro sau stajbius witnonomis tejpat joudomis aukliemis nu kóksznių lig pat kėlių (S. 40). Vergleichen lässt sich auch der Eintrag in Daukantas Anmerkungen zu F. Ness(el)manns Wörterbuch. Aukle, pl. aukles f. (Lietuvių kalbotyros klausimai, 1961, Bd. 4, S. 313), wo S. Daukantas lediglich die von Nesselmann angegebene Form Auklys korrigierte, nicht aber die Bedeutung; Nesselmann gab folgende Bedeutung an: blau und schwarz gestreifte wollene Bänder, welche die Frauen statt der Strümpfe um ihre Waden wickeln („blau und schwarz gestreifte Bänder, die Frauen sich statt der Strümpfe um die Waden wickeln“). Daher sollte Daukantas auklėms nicht die Bedeutung „Schuhe“ gegeben werden.
ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH DER LETTISCHEN SPRACHE
1992 veröffentlichte der Rigaer Verlag „Avots“ das von Konstantīns Karulis erarbeitete zweibändige etymologische Wörterbuch der lettischen Sprache (Latviešu etimoloģijas vārdnīca. I. A-O. II. P-Ž. Rīga „Avots“). Wissenschaftlicher Redakteur des Wörterbuchs war der Petersburger Sprachwissenschaftler Nikolaj Andrejev. Rezensenten waren der Vilniuser Simas Karaliūnas und der Moskauer Vladimir Toporov. Das Werk wurde unter anderem 1993 in Riga auch als Habilitationsschrift verteidigt.
Das ist natürlich ein außergewöhnliches Ereignis für die baltische Sprachwissenschaft: Auf ein solches Werk hatten nicht nur lettische, sondern auch litauische Sprachwissenschaftler und überhaupt Baltologen anderer Länder schon lange gewartet. Bislang waren die Anmerkungen von Jānis Endzelīns im lettischen Wörterbuch von Kārlis Mīlenbahs und in den Ergänzungen zu diesem Wörterbuch die beste Quelle für die lettische Etymologie (Latviešu valodas vārdnīca. Red., pap., turpinājis J. Endzelins. I–IV. Rīga, 1923–1932; Endzelīns J., Hauzenberga E. Papildinājumi un labojumi K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīcai. I-II. Rīga, 1934–1946). Ein kurzes etymologisches Wörterbuch der lettischen Sprache hatte Nikolajs Lapinskis herausgegeben (Latviešu vārdu etimoloģija. I–III. Rīga, 1967–1975). Es gibt Hinweise darauf, dass in den 1870er Jahren auch der Autor der ersten wissenschaftlichen Grammatik der lettischen Sprache, der deutschstämmige lettische Sprachwissenschaftler und Pastor von Dobele August Bielenstein (Bielenstein, 1827–1907), ein etymologisches Wörterbuch des Lettischen zu verfassen beabsichtigte. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte sich der bedeutende lettische Verleger Ansis Gulbis vorgenommen, ein etymologisches Wörterbuch herauszugeben. Für diese Arbeit hatte J. Endzelīns sogar den Sprachwissenschaftler Žans Grauds (1896–1971) empfohlen. In den letzten Jahrzehnten war Benjamin Jegers, Absolvent der Universitäten Riga und Göttingen, der später in Schweden und den Vereinigten Staaten lehrte, vielleicht am erfolgreichsten auf dem Gebiet der lettischen Etymologie tätig. Doch dieser Sprachwissenschaftler, der seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit der Germanistik verdiente, hatte leider nicht die Möglichkeit, sich ausschließlich dem Studium der lettischen Etymologie zu widmen. Natürlich bietet auch E. Fraenkels „Litauisches etymologisches Wörterbuch“ (Litauisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg-Göttingen, 1955–1965) eine besonders gute Grundlage für jeden, der ein etymologisches Wörterbuch der lettischen Sprache verfasst.
Bei Menschen, die mit der lettischen Kultur weniger vertraut sind, kann eine gewisse Verwunderung
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