Ciskodo lietuvininkų apylinkių šnekta
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVI (1996)
LIETUVIŲ KALBA: TYRĖJAI IR TYRIMAI
Kazimieras GARŠVA
DIE MUNDART DER LITAUER IN DER UMGEBUNG VON CISKODAS
I. Historische Bemerkungen
Formal (nicht nach ihrer Struktur) weist die Mundart der litauischen Bevölkerung in der Umgebung von Ciskodas1 Ähnlichkeiten mit der Mundart von Zietela auf, die am anderen Rand des litauischen Sprachgebiets liegt. Beide sind die entlegensten isolierten Inseln der litauischen Sprache: Ciskodas liegt von der Grenze der Republik Litauen in gerader Linie mehr als 100 Kilometer nördlich entfernt, Zietela ebenso viele Kilometer südlich. Beide sind vermutlich keine Siedlungen alteingesessener Litauer, sondern seit alter Zeit erhalten gebliebene Kolonien. Beide Mundarten sind beinahe ausgestorben, wurden jedoch für die Wissenschaft dokumentiert (die Mundart von Ciskodas weniger). Anders als die Mundart von Zietela fügt sich die Mundart von Ciskodas in die nächstgelegene Mundart des litauischen Kerngebiets ein (die von Vilnius), könnte also auch deren Fortsetzung sein (im Norden verläuft die Grenze der Mundart von Vilnius nicht mehr in derselben Richtung, sondern wendet sich in Lettland bei Mēdumi und Grendža scharf nach Westen).
Vom 22. bis 24. Oktober 1911 (drei Tage lang) untersuchte K. Būga die Mundart von Ciskodas; im Juni 1977 (ebenfalls einige Tage lang) bemühte sich der Autor dieses Artikels, von vier Informanten möglichst viele Texte auf Tonband aufzunehmen. Diesmal wurden um ein Mehrfaches mehr Texte aufgenommen, doch noch immer nicht genug. Es fehlen zusammenhängende Texte der traditionellen Mundart (die weniger von den lettischen, russischen, polnischen und belarussischen Sprachen beeinflusst war). K. Būga konnte solche Texte ohne Tonbandgerät nicht aufnehmen, und 66 Jahre später (genau genommen bereits nach 50 Jahren) wurde die litauische Mundart nicht mehr verwendet.
K. Būgas mit Bleistift angefertigte Aufzeichnungen – „Die litauische Mundart der Gemeinde Ciskodas“ – werden in der Handschriftenabteilung der Wissenschaftlichen Bibliothek der Universität Vilnius aufbewahrt (D 490; auf 24 Heftseiten – als Maschinenschrift wären es 12 Seiten – sind überwiegend einzelne Wörter notiert). Unsere chiffrierten Texte umfassen 24 Maschinenschriftseiten. Leider ist in den Archiven bis heute der Artikel über diese Mundart nicht auffindbar, den P. Būten 1925 bei der Zeitung „Lietuva“ eingereicht hatte, dessen Redaktion ihn jedoch weder druckte noch zurücksandte.
Genauere historische Angaben dazu, wann Litauer sich in der Umgebung von Ciskodas niederließen, gibt es nicht. Es liegen lediglich recht abstrakte Informationen vor, wonach der Livländische Orden im 15.–16. Jahrhundert litauische Gefangene in Südlattgallen ansiedelte (vgl. Брейдак 1987, 19—29) und dass Litauer dorthin (an die neue Staatsgrenze) umgesiedelt wurden, nachdem Lattgallen 1561—1772 zum litauisch-polnischen Staat gehört hatte. Außerdem gibt es noch Aufzeichnungen des Verfassers dieses Artikels –
1 Als Lietuv(i)ininkai bezeichneten sich die Vertreter zweier litauischer Randmundarten: im Südwesten die Lietuvi(n)inkai Kleinlitauens lietuvi(n)inkai, im Nordosten die Lietuvi(n)inkai von Ciskodas lietuvi(n)inkai, die am Ende der Existenz der Mundart lietuvi(n)inkai aussprachen.
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… die Aussage des alteingesessenen Bewohners des Dorfes Girnakaliai, J. Novikas, über die Umsiedlung der „Gutsbesitzer“ der litauischen Dörfer im Gebiet von Ciskodas während der Leibeigenschaft vor 300 Jahren (so habe es der dort tätige Priester Urbelis erzählt; er habe die historischen Dokumente von einem Professor aus Vilnius gehabt – am ehesten dürfte es P. Būtenas gewesen sein).
Nach den Angaben von 1851 (Manteuffel 1879) lebten Litauer bereits seit undenklichen Zeiten in 7–9 Dörfern; ihre Geschichte reicht also zweifellos mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurück. Dies bestätigen auch die Namen der von Litauern bewohnten Dörfer, die spätestens in jenem Jahrhundert gegründet wurden: Girnakaliai(34b) (zur Zarenzeit amtlich Гирнокали, heute ins Lettische übersetzt: Džērkali), Būodžiai (1), Kukučiai (2), Kurtinai (3), Pilveliai (2) (später Jaskūnai). Auch andere Orte, in denen heute russische Altgläubige und Latgalen leben, tragen litauische Namen: Deneliški (Dieneliškes, Umgebung von Ciskodas), Švedėliai (2) (Umgebung von Vilianai); vgl. ferner das verschwundene Možowajki (Mažavaiškiai (2) usw.). Darauf weisen auch die in Inventaren des 18. Jahrhunderts aus dem Bezirk Rēzekne verzeichneten Familiennamen hin: Gražul (Gražulis), Matulunas (Matulūnas), Žwirblis (Žvirblis); vgl. auch den bis heute in der Umgebung von Ciskodas verbreiteten Familiennamen Guds (Gūdas) usw. Der Ortsname Švedėliai könnte nach 1601 oder 1625 entstanden sein, als die Schweden Rēzekne besetzten (die Latgalen hätten das Dorf *Zveidreni genannt).
In schriftlichen Quellen wird der Bezirk Ciskodas seit 1590 erwähnt (pogost Čiskaden). Nach Ansicht von K. Būga (1961, 570—573) müssen Litauer in der Umgebung von Ciskodas bereits in den Jahren 1478—1519 gelebt haben, als die Latgalen in der Gegend von Rēzekne und Daugavpils den langen Vokal u· zu einem Diphthong ou (und i· zu ei) entwickelten. Darauf weisen die von den Litauern aus dem Latgalischen entlehnten Wörter Re.zi't'a. / Ra.zi't'a. ~ Režytė „Rēzekne“, cýruļis „Lerche“ und li.kstã. ~ lykstē „Brachvogel“ hin, die entlehnt wurden, als die Latgalen die heute gebräuchlichen Wörter R'eizekne, c'ēiruļs', l'ēikst'e noch Rēži'te, cīruļis, likste aussprachen (mit derselben Akzentstelle und Intonation). 1753 wurde das lange i· als ei geschrieben: wahrscheinlich war es vor 1519 zum Diphthong geworden, denn der Vokal u· wurde zusammen mit i· zu >ei. Auch das von uns gefundene Lehnwort sturys „Ecke“, das die Latgalen heute styur's' aussprechen, würde dies bestätigen (da K. Būga das genauere Datum der Entwicklung von u· zu >ou nicht ermittelt hatte, kannte er kein litauisches Lehnwort mit diesem Laut). Diese Ansicht stützen auch die alten Hydronyme litauischen Ursprungs in Latgale: Subinaite (Bezirk Rēzekne), Gintuve.
K. Būga hat wahrscheinlich recht, dass nicht nur in der Umgebung von Naujinis (Daugavpils), sondern auch in der von Rēzytė (Rēzekne) bereits im 12. Jahrhundert Litauischsprachige lebten: Der vor 1200 entlehnte Name Kėsy (Nom. Sg. Kēs ys, lett. Cēsis) war 1254 und noch später unverändert geblieben (1285 nannten die Deutschen die Burg von Rėzytė Rossiten). Sehr zweifelhaft ist lediglich K. Būgas (1961, 573—574) Hypothese, dass die Litauer des Landes von Naugardas und Pskov im 12.–13. Jahrhundert nicht von Kernavė–Trakai–Vilnius aus, sondern ebenfalls von den Burgen Naujinis und Rėzytė aus angriffen, denn über größere Streitkräfte dieser Burgen gibt es keine Nachrichten.
Über die Mundart der Umgebung von Ciskodas vom 13. bis zum 19. Jahrhundert verfügen wir über keine weiteren Angaben. Es ist kaum anzunehmen, dass sie sechs Jahrhunderte lang isoliert fortbestanden hätte. Wahrscheinlich stand sie mit anderen litauischen Sprachinseln zwischen Subačius und Indrica in Verbindung, deren Zentrum Daugavpils war.
Vergleicht man die Texte von K. Būga und uns, so sind die geringfügigen phonologischen Unterschiede wahrscheinlich
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dadurch entstanden, dass K. Būga der Phonetik weniger Aufmerksamkeit schenkte: Nach 66 Jahren treten betonte ė und o (neben e·, a·) auf, während unbetontes ė verschwindet (im Auslaut oft in nichtdialektaler Form notiert); die Kürze der alten kurzen betonten a und e bleibt erhalten; unter dem Einfluss des Lettischen wird der Akzent stärker zurückgezogen und es werden mehr Lehnwörter übernommen (siehe unten).
II. Phonetik
1. Vokalqualität
Das Vokalsystem der Mundart ist wie folgt (in Klammern stehen Phonemvarianten):
i· (ы·) u· i (ы) u (ie uo e·ę·o·) (e ɛ ɔ) e· (a·) a· e (ă) a
Beispiele: septì·n'd·s „sieben“, palaĩžì· kit „leckt“, lietuv'l'·; miė-žė „Gerste“, aštuoni „acht“, tėva tėva tėvs „Urgroßvater“, kalbė·ja „sprach“, kó·šas „Brei“, išėja „ging hinaus“, kalbā·t „sprechen“, žmā·nas „Menschen“, visi „alle“, čužī·la ~ čižyle, Kūkučiuos „in Kukučiai“, tę pat „am selben Ort“, galvė· „Kopf“, škū·lu „Schule“, žemī „Erde“, gyvànam „wir lebten“, kàs, galia ~ gãlia „kann“.
Die Varianten der Vokale b·: u ɛ· ɛ treten nach verhärteten Konsonanten auf, ɛ und ɔ überwiegend in Fremdwörtern, in a·; a ist ein verbreiterter Vokal e – vor harten Konsonanten (a· bisweilen auch vor palatalisierten Konsonanten). Die gewöhnliche Variante des Vokals e ist verbreitert und wird auch im absoluten Wortauslaut ausgesprochen, z. B. švìnt'ėa (der Vokal verbreitert sich zum Wortende hin – švìnt'ėa) „Fest“.
Aufgrund der Bewahrung der betonten (und unbetonten) langen alten Vokale e·; a· gehört die Mundart zu den žadininkai: schön wurde tė·vas „Vater“, brā·lis „Bruder“ gesagt. In einer betonten Silbe kann der Vokal e· jedoch auch als ie, ja sogar als e· (ę·) ausgesprochen werden; e· (nach harten Konsonanten meist a·), und der betonte Vokal a· auch als o (ɔ·), uo: girdėjau, ma(uo)kiet, vain'ul(ę)kūeli, važi(b)nieja.², pažiūrėkit, tė·vas / tėnas; galā·ja „konnte“, kalbā·t', p'alāda; pīlē ~ pylą (sl.). „Säge“ (sowie ža·lē „Gras“, pelā – Būga 1911); gaspādā·ris ~ gaspadoris (-ius), mā·ka., mā·teris, maskā·lis, pā·nas, pā·ter'us, pjā·vam, parā·disu, sijā·ja, šmā·tu, žmā·gus, žmā·ne.s, varstā·tas; bac'ānas / bacōnas, brā·lis / brō·lis, dārba. / dōrba, kā·jam / kō·jam „zu Fuß“, nežinā·ja / nežinō·ja, sā·pa / sō·pa, sā·kt / šō·kt, g'adūoja „sang“.
Der Vokal e· (a·) tritt in den vorliegenden Beispielen nach den Konsonanten b l c j auf, der Laut ie nach d k n r t, der Vokal a· nach d k l m r p š t v, der Vokal o nach d k n r p s š (nach d auch uo). Der Vokal o < a und erst recht uo < o < a: fakultativ entstanden sie nicht durch natürliche Entwicklung, sondern unter dem Einfluss des lettgallischen Dialekts (vgl. dessen dōrba „Arbeit“, spuōrni „Flügel“). Daher gibt es auch „Hypernormalismen“, vgl. pó·saku „der Erzählungen“ (ein Einfluss der litauischen Standardsprache ist auszuschließen).
Der Vokal o ist in der Mundart völlig neu und erst in der letzten Generation der Dialektsprecher aufgekommen. K. Būga (1961, 571) verzeichnete den Vokal o in keinem einzigen Wort und selbst nicht-
2In Klammern kennzeichnen wir die jüngere Aussprachevariante, vgl. makiét / maokiét usw.
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Er bestritt unmittelbar ihr Vorhandensein: „Der Vokal o der Schriftsprache wird stets durch ā ersetzt: lābas ‚gut‘, la. leja“, tvārā „Zaun“, pirtīēs krāsnis „Ofen“.
Den Laut ie (iė) < e ließ K. Būga in seinen Aufzeichnungen vielerorts stehen: gierās, girdėjų, kalīēdas, likstīē „Schaukel“, makiētū, nėr, niēsam, rūdiē, tiēvū. Das e der Mundart stellte K. Būga in einigen Beispielen wieder in die Standardsprache her (mėziā, lyžėles, mindrės, rāgūtes, dēvė, skrāgždė usw.).
In einigen Wörtern hatten die Ciskoder anstelle von standardsprachlichem a ein e im Wortstamm: dē.ve. „gab“, delge. ~ dalgė „Sense“ (Būga 1911). Nach dem Vorbild des lettgallischen Dialekts (vgl. Dzierkaļi „Dzerkali“, viešture „vėsture“) sind bei uns inzwischen auch diēlgā., didēli „groß“ belegt.
Am absoluten Wortanfang wurde sowohl e als auch a ausgesprochen (< e): ēlkšnis, ēpušė, aber ažaruās (Būga 1911). Hier wirkte möglicherweise auch teilweise progressive Vokalassimilation mit (siehe auch die Verhärtung der Konsonanten).
Das unbetonte, vor dem Hauptakzent stehende že wurde in der Mundart häufig (aber nicht immer) monophthongiert: d'enī'kas „Tagelöhner“ (t vārtas)”, n'ekā'c'a „niekočia (Mulde)“, rešutī'nas „Haselstrauch“ (Būga 1961, 571), pre.menīs ~ priemenis, l'atū.ve. „Litauerin“, l'atū.viškėi(-u) „auf Litauisch“, aber kieminē'ties, lietū.vis. Das Wort ū'žalas „Eiche“ könnte auch auf eine mögliche ostlettische Monophthongierung des unbetonten uo in Ausnahmefällen hindeuten.
In der Mundart wurde regelmäßig „puntininkisiert“: tināi ~ tēnai, gi.vīn.su „ich werde leben“, li.nkiški „polnische (Priester)“, mindrė. „Schilfrohr“, pinki „fünf“, ži.n-tas „Schwiegersohn“, pagalā st „schärfen“, trū.ša.s „Dünger“, sū.matas „Schätzungen“, kā.nigu. „Priester“, dangaūs „des Himmels“, dunīm, krunkli.s, kunkl'āi, neskum-bē.tu, rūnda, unksti, ū.ntis, žū.ndas (Būga 1911) usw.
2. Vokalquantität
a. Ilgieji balsiai. K. Būga (1961, 571) savo Čiskodo šnektos tyrinėjimą išdėstė aiškiai ir atvirai, neslėpdamas, nelygindamas neištudijuotų dalykų: ”ilgieji, neturėdami kirčio, rodosi, tapo pusilgiai. Bet mano ausis nėra visuomet ir visur nugirdusi balsių pusilgumo. Režytės [...] varde balsio e pusilgumo mano ausis dėl trumpo viešėjimo nėra nugirdusi. Taipaja mano ausis, dėl laiko trumpumo nespėjusi dar apsiprasti su ciskodiškių šnektos fonetika, anuomet dar negalėjo atskirti, ar nekirčiuotieji šių žodžių balsiai yra trumpi ar pusilgiai: ūžalas ”ąžuolas”, rešutynas ”riešutynas”, stajākai ”stojokai”, tūla (randu parašyta ir: tūla, tūlē = Ciskodo latvių t'ūle ”tuolė”) kārve ”be ragų”, denykas ”dienininkas (tvartas)”, n'ekācia ”niekočia (gelda)”.
Somit waren schon zur Zeit K. Būgas die unbetonten langen Vokale der Ciskoder zu kurzen verkürzt (oder, wie es ihm bei gezielter Beobachtung erschien, bestenfalls zu halblangen). Die Länge bzw. Kürze unbetonter Vokale – erst recht die Halblänge, die als Ersatz für Länge diente – war kein distinktives Merkmal der Vokalphoneme mehr; daher konnten sie phonetisch, ohne Bedeutungsunterschied, auf beide Weisen ausgesprochen werden.
Die unbetonten langen Vokale der Ciskoder sind meist kurz, können aber gelegentlich (fakultativ) halblang oder lang sein, z. B.: dārba „der Arbeit“, di.dzeli
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„groß“, kū·lam „wir legten“, virala „des Wirbels“, žā·lu ~ žoḷa „žoḷe“, diel'g·a ~ delgē „Sense“, tievu „den Vater“, numi·ra.s / i.žmira·, kalb'aja / kalbieā·ja, lietù.vniṙku / lietù.vniṙku. / lietù.vniṙku·. Die „Freiheit“ der Dauer unbetonter Vokale lässt sich auch anhand von Sätzen desselben Gewährsmanns zeigen: „Gù.da duktiė at'veda s'ānu vi·ru / i prisā·k'a tāip [Pfarrer Urbelis um 1920]: kā vāika. žanijas, ka l'atù.vi· žānitus / su l'atù.vi, žmā·nu l'atù.vi imtu, a n'a latvieti“.
Auch der Nebenakzent trägt dazu bei, dass vorakzentuierte Vokale lang bleiben (siehe unten). Dieselben Sprecher sprechen postakzentuierte Vokale lang aus, wenn sie Latgalisch sprechen: Ciskadu·s, dzerevne·s'.
b. K u r z e V o k a l e.
Betonte kurze Vokale sind in der Mundart kurz oder halblang (die Grenze zwischen ihnen ist schwer festzustellen). In der letzten betonten Silbe eines Wortes sind die Vokale etwas kürzer, in nichtletzter Silbe dagegen länger, mitunter sogar länger als typische halblange Vokale, z. B.: pū·nis „Scheune“, linù.s / linùs, šna·tù, visi / visi·, akiec'ā, juodā, mi·na, ži·na, bū·va, di·d'ali, gi·mene, kadṙbili, l'atù.vni·kas. K. Būga (1911) notierte hier kurze Vokale, wobei er sich wahrscheinlich nicht mit diesen feinen Nuancen befasste: paukštis, grīkiai, kelminiai (grybai), kiškis, šilas, vinkšna; alùs, šermūkšnis, pūšagrybiai; guobà, girà, meškà, skarà.
In der Mundart werden die kurzen betonten Vokale a, e häufig (aber nicht immer) nicht gedehnt: àkis „Auge“, àparam „wir pflügen“, dàra „macht“, giv'ànam „wir lebten“, màla „mälte“, m'ātu „Jahre“, skrāgžd'a / skrāgžd'a „Schwalbe“, stàlas „Tisch“, stràzdas „Drossel“, šā·k'a·m „mit Ästen“, žėmi „Erde“, žāmies „Erden“, vānas „Krähe“ usw. Diese Vokale können auch in Diphthongen kurz sein, vgl.: kàrve.s / kàrvas „Kühe“, tvàrtan „in den Stall“, vàrda / vėrda „Name“, vèrla „Frosch“, vèrna „Krähe“, aber šārka usw. Die Kürzung der Vokale a, e (vgl. galā·jau / galājau „ich konnte“) wird durch den häufigeren Gebrauch der latgalischen Mundart begünstigt (vgl. deren prāsa·t „ihr bittet“ usw.). K. Būga (1911) verzeichnete in diesen Fällen lange Vokale: kātinas, nēkalba, prāšam.
Bei Bewahrung der Kürze in der betonten Silbe wird der Vokal a am absoluten Wortende nach den Konsonanten d b g k t l v mit einem i-Klang oder ganz wie ė ausgesprochen: grindė a ~ grindā „Decke, Fußboden“, galvė „Kopf“, lintē „Brett“, pīlē ~ pylā (slaw.) „Säge“, šakē / šakā usw., aber lintās, Lietuvās usw. Wie bei vielen östlichen Mundarten wurde im unterfallend betonten Diphthong ai die erste Komponente zu ei verengt; später wurde auch der Akzent (die Intonation) auf diese Komponente zurückgezogen, vgl.: labēi, pavalkēi, naragēi „Eggen“, aber g'arāi.
3. Konsonanten
a. D z u k a v i e r u n g.
In der Mundart entsprechen den standardlitauischen Konsonanten č dž vor den palatalisierten a i u fast immer c dz, während t d vor i gewöhnlich erhalten bleiben, z. B.: akiec'ā, c'ānāi, Kukūc'ai, Ku·c'ā, kviec'āi, nieka·c'ā, svec'āi, trù.puc'a, tic'u. darž·lis „Garten für Meisen“, tū·kstunc'u., dz'avēna, dagegen dunkstis „Dach“, marti, kārtis (zum Festzurren eines Wagens), kātinas, Kuṙtin'uos, pati, pirtis, septi·n'asdešimt, slinkstì·s, svetimi, tī·ltas, (s)tū·kstuntis, unksti. Bislang ist Ciskodas vor allem aufgrund dieser zufälligen Besonderheit in die Geschichte der litauischen Sprachwissenschaft eingegangen (Būga
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1961, 571; Zinkevičius 1966, 139; Zinkevičius 1978, 81; Grinaveckienė 1980, 226, 238). Es gibt nämlich Ausnahmen, wenn auch nur wenige. Schon K. Būga (1911, 10) korrigierte in seinen Aufzeichnungen das Wort žilvìcis zu žilvìtis (hat er sich geirrt oder undeutlich gehört?). Der Verfasser dieses Artikels zeichnete bei J. Kovalevskis trù.puci und trù.puti auf Tonband auf. Obwohl diese Ausnahme vielleicht auch etwas zufällig und neu sein konnte (Analogie zu trùpuc'ā., Einfluss der slawischen Sprachen), gab es sie wahrscheinlich auch in der Umgebung von Ciskodas, wie in den Mundarten von Daugpilis und anderen.
Zu č, dž gibt es weitere und eindeutige Beispiele: c'а / č'а (J. Novikas), unkšč'ãu, Búodžai (Būga 1911), Búodžuos (im Oikonym steht dieses dž zwischen dž und dz).
b. H ä r t u n g d e r K o n s o n a n t e n. In der Mundart wurde der Konsonant l fast immer gehärtet, häufig — ž r s š, selten — č m n p t v. Je nach Position, d. h. nach den Vokalen, vor denen die Konsonanten in den vorliegenden Beispielen gehärtet sind, lässt sich dies wie folgt darstellen:
ž i· i ė·(e·) e ū à r i ė·(e·) e ū à č i e ū à s i e ū š i ė e l i ė e m i ė e n ė e à t ė e p e v e
Beispiele: čbžb·la, palaižb·kit, važūnìet, žù.rkla·s, me·žá·ja, daržà·lis, ažari, ažaruos, pažamù, žàmies, žànijas, pažùriekit, važūoju, važūosu (-im), važāva, bet nežinòja, žibintìejus, žìedas, žèmi, grùncà, narāja, numi·ra·s, raṅka, gierālis, skrà·gžda, nèturu, geraũ, grāudz·a, graũsmas, bet drignis, keturi, māteris, nenāri, susirìṅka, trī·lika, trī·s, žāgrè, regì / raġì, reġet; Čèpul'ai, vinčùties, grùncà, bet bažnì·č'ai; vì·rsu, sagtà, sasì·te, sā·sari·s, sasuo, aisu, paràdisu, važūosu, bet jùok'asi, namùosi, visì, septì·ni, negi·vì·ns'u (Būga 1911) / negi·vi·nsu; s'ašbi, kóśas, dèšara, šaivà, sél'mas, bet k'áušinis, pušis, raš'i·t, šilkinè, širdijas, širdingas; dìd'alb., galājau, p'alāda, pì·lė; kum'āla, ža.lē, p'alā (Būga 1911), gelazìnie, nelāiskit, bet nakt'āli (1.d.), pal'ākas (sl.); nù·mbura, prigì·ma, maitelis; giminà, ménasi·, septì·nas; té·us, pātar'us; pādas “pėdas”, kapaikù, la.patà, paìlis; nevārta, privvaikè, svaikas.
Jeweils ein Beispiel wurde auch mit gehärteten d, c aufgezeichnet: dāglas (vgl. das Oikonym Daglėnai sogar im Rajon Pasvalys; daher ist die Wurzel dagl- unter den Ostlitauern weithin bekannt), bac'ānas / bacānas (sl.).
Im Vergleich zum Beginn des Jahrhunderts wurden die Konsonanten 1977 etwas häufiger gehärtet. Den vorhandenen Beispielen zufolge wurde š weniger gehärtet als ž, r, s. Letztere (r, s) wurden vor i ebenfalls meist nicht gehärtet. Vor Silben mit Hinterzungenvokalen (vgl. drignis — grùncà) wurde ebenfalls etwas
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dažniau. Žodyje pilk (Būga 1911) l neminkštintas. Dar plg. šāk / š'āk / šāki.
c. Weitere Besonderheiten der Konsonanten. Einige Gewährspersonen (J. Novikas aus Girnakaliai) palatalisierten Endkonsonanten nach Vorderzungenvokalen ziemlich häufig (wie die Sprecher der Mundart von Panevėžys): mazgātis', pirti.s', žilvītis / žulvī.tis', net puššs'.
Am Wortanfang kann vor uo der Konsonant v sowohl hinzugefügt als auch weggelassen werden (auch innerhalb desselben Wortes — wie in anderen ostlitauischen Dialekten): vuošūs, -ė / uošūs, vuodai / uodė, vgl. außerdem vōgl'us „Fichten“ (Akk. Pl.). Auch in einem anderen Dialekten bekannten Wortpaar ist ein s hinzugefügt (skrāgždė, tī-kstuntis / stū-kstuntis (Būga 1911)); ein t ist in auštrinė, apūnastris eingeschoben.
Wie auch in der Mundart von Uodegėnai wird in einigen Wörtern unter dem Einfluss des latgalischen Dialekts anstelle von š s und anstelle von s š ausgesprochen: sašī „sechs“, šāukstas „Löffel“, vesta „gebracht“, gi.vi.nšu, mu.sa „Fliege“, šakī.t, vgl. außerdem pļauna (p'ļauna) „mäht“.
Tik viename žodyje vietoj ž tariama z: zu.sis (Būga 1911)/ žuosis ”žąsis”.
4. Wortakzent und Intonationen
Einige Formen des Dialekts unterscheiden sich von der Standardsprache dadurch, dass sie auf der Endung betont werden (lietuvi's, paukštis, slinkstī.s, šaudi.klė, atmen'ù ”atmenu”, dirbāu, nu.tākši), andere hingegen am Wortanfang — blākutė, lātakas, pėteliskė, rāgutės. Gelegentlich wird der Akzent nicht zurückgezogen (n'akàlba ”nekalba”) oder nur teilweise auf das Präfix zurückgezogen (nesūprūnta / nėšūprūnt ”nesupranta”). Vgl. ferner dvidešimt ”dvidešimt”, širdijas.
Eine Besonderheit der nordöstlichen Dialekte ist ein gelegentlich auf der Wurzel gesprochener Nebenakzent (wenn die Endung kurz und die Wurzel lang ist), der die Vokallänge bewahrt und hervorhebt: pū'lė (sl.) ”pjūklas”, pū'nīs ”daržinė”, stālai.
Unter dem Einfluss des latgalischen Dialekts, des Ausgleichs des Akzentsystems und der Umwandlung des Nebenakzents in einen Hauptakzent wird der Wortakzent bei einem Teil der Wörter auf die erste Silbe zurückgezogen: Čėpulis / Čėpulīs, Kukūč'ai / Kūkūči, Pāvel'lùos / Pīl'vel'ùos (bei den Ortsnamen ist die erste Form älter und von K. Būga aufgezeichnet), jaūna pati, septi'ni, pi.nki, nėturū, suprunti.
Bekanntlich werden die Intonationen der östlichen Mundarten bei Monophthongen nicht klar unterschieden. In der Gegend von Ciskodas und Uodegėnai wird der betonte Zirkumflexvokal á- häufig stark gedehnt und mit einer steigenden Zirkumflexintonation ausgesprochen (offenbar unter dem Einfluss des latgalischen Dialekts). Bereits K. Būga (1911) änderte in seinen Aufzeichnungen den offenbar tatsächlich gehörten Zirkumflex gemäß den sprachwissenschaftlichen Konventionen zum Akut in den Wörtern blāgu.s, māllu, žlū.ge und ließ ihn im Wort nevārta. unverändert.
Wir behalten den Zirkumflex auf dem offenen Vokal a· dort bei, wo er so zu hören ist. Phonologisch lässt er sich auch als Akut markieren, denn zumindest in Uodegėnai ist der Zirkumflex á in den Paaren kā·šle — kā·šle ”koše — koše” dennoch 7—10 ms länger, während das gesamte Wort 23—71 ms dauert.
Der lettische Sprachwissenschaftler A. Breidakas, der den Verfasser des Artikels bei der Untersuchung des Ciskodas-Dialekts begleitete, berichtete von einem litauininkischen Dialekt mit latgalischen Merkmalen. Wenn die Einwohner von Ciskodas Latgalisch sprechen, hören sie keinen gebrochenen Akzent und sprechen in langen Silben
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nur eine Intonation aus, die zwischen der fallenden der Latgalen und der steigenden der Mittellitauer liegt. Wenn sie Litauisch sprechen, verwenden sie möglicherweise ebenfalls ein und dieselbe Intonation. Darauf könnte zumindest die Intonation des betonten Vokals a· hindeuten.
III. Grammatische Bemerkungen
In der Mundart wurde, wie auch in den benachbarten ostlitauischen Mundarten, der Illativ verwendet: párkelk árkli, k-i-tañ daiktan; lában nuo kalna, važiuoja; aik tvàrtan padabát; šun'la. neláiskit pirkėn (mit Verwechslung auch aĩsu Lietuvõj pažurė·t); pateki.luosna (-un) aismā”j apgėlus eisme” (Būga 1911). Belegt ist auch der Finalis (aĩnu nàma g ú. l t u), die längere Endung des reflexiven Infinitivs -ies (radnà sāja kieminėtis, raĩk'a kéltiės, vinčùties), die athematische Form palieksta, die Verkürzung dàu < dav „gab“, eine vollständigere Imperativform: š á k i š á-k i miergàit'a.
Seltenere Substantiv- und Adjektivstämme sowie Verbkonjugationen sind, wie auch in den benachbarten vilnischen Mundarten, in verbreitetere Formen übergegangen: sú·na „des Sohnes“; gùla „liegt“, negàl'a „kann nicht“, žì dź'a „blüht“, vgl. ferner blágu.s „schlecht“, geltànu.s „gelb“, mãžu.s „klein“. Im Dativ Plural des pronominalen Adjektivs wurde die Endung -jiem verwendet: nedùoda biednėjiem „gibt den Armen nicht“. Wie bei allen Ostlitauern sagte man brūngas'ai, jáunasai, mãžasai, miẽlasai, šẽnsai.
Die Zweckangabe wurde nicht mit dem Infinitiv des Verbs, sondern mit der 3. Person Präsens ausgedrückt: žagarũ mẽr kùr g á u n a. Anstelle des üblichen Genitivs wurde der Nominativ verwendet: nẽturu d v i·l i k a tú·kstanč'u.
Verwendet wurden die ostlitauischen Präpositionen ažù „hinter“, in „in, nach“, nuog „von“, par „über“ mit dem Akkusativ Singular und dem Instrumental Plural (mit dem Dativ alle mit beiden Kasus), außerdem eine nach dem Vorbild der slawischen Sprachen gebildete Konstruktion mit ant: bà·va ažù pastìka; atė́ja i n mù·m(s); atsìtràuki n u g manì; par pirkélàis mẽtais; par mẽnasi.; dienái („am Tag“) raĩka makėt / n u (= „an“, „auf“) dienàs makėt.
IV. Lexik
Die Ciskoder hinterließen der Geschichte dialektale Wörter: apin astris „Pferdegeschirr“, apžindelis „entwöhntes Kind“, atsãsaja „Zugstränge“, atšlaimas (ačlàimas); auštrinė „Morgenstern“, dang(s)týs / dañgtis „Dach“, dešimtis (dešìms) „zehn“, dienìkas „Scheune“, dilgùmės „Brennnesseln“, drignis „Regenbogen“, gėras (giė-ras, gierãlis) „Lämmchen“, griaūzmas (griaūzmas) „Donner“, grinčia (grunčia) „Haus“, ostlitauisch „gryčia“, guõbas „Tor“, kėltuva „Schaf“, krikštakampė „Taufe“, kukulýs „Laib“, lòbas „Mulde“, lùmetas „Weberschiffchen“, mėndrė „Schilfrohr“, meškeris „Angel“, mėšlas „Kehricht“, niekóčia „Trog“, paklotuvė „Bettlaken“, pavėnis „Schatten“, pirkia „Bauernhaus“, pušatrūbiai, račutės „Wagen“, sarmatuotis „trauern“, senagalýs, sijà „Balken“, skalai „Kienspäne“, stãklės „Gestelle“, stabdã „eine Art Kummet“, stojōkai „Gehstützen für Kinder“, sujùkė „verwirrte sich“, širdingas „aufrichtig“, tùlė „hornlos (Kuh)“, uodėgiai (vuodėg'ai) „Schirmchen“, vėlenas „Drehholz“, viršutinės grindys „Decke“, žagė „Pflugschar“,
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žemė „Estrich“, žýbinis „Donner“, žibintiejus „Beleuchtungsgerät vor der Petroleumlampe (bei dem Späne (Kienspäne) verbrannt wurden)“
Die Mundart enthält natürlich traditionelle und neuere Slawismen und Lettizismen: čėsas „Zeit“, lopetà „Schaufel“, pakarānos „Beerdigung“, radnià „Verwandtschaft“, sedlōti „satteln“, zoslānas „Bank“ usw.; cýruļis „Lerche“, gulbinai „Kartoffeln“, lykštė „Motte“; magúona.s „Mohn“, prāst „verstehen“, stāstyti „erzählen“, vākara. žvaigžnė. „Abendstern“. Im gesamten nördlichen litauisch-lettischen Grenzgebiet bedeutet šaūkti (vgl. russ. звать) auch „nennen“.
Erwähnt seien paskuitinis „letzter“, paskuigėlis „Ende des Webstuhls“; das Suffix -uiti wird auch in den benachbarten Mundarten von Uodegėnai, Breslauja und Daugavpils verwendet: pi˙lū.it „schneiden“, pilū.ja „schneidet“, nunaimū.it.
V. Verhältnis zu benachbarten Mundarten
K. Būga (1961, 571) yra parašęs sakinį, kad ”Ciskodo lietūvininkų šnekta beveik niekuo nesiskiria nuo Gryvōs, Kálkuonės (Kalkuhnen) ir Laukesos apylinkės šnektos”, kuriose jis, matyt, dar trumpiau tegalėjo būti. Tą žinią nekritiškai plėtojo E. Grinaveckienė (1980, 234).
Die Mundarten desselben vilniškischen Dialekts weisen zweifellos Ähnlichkeiten auf. In den Mundarten von Ciskodo und Daugpilis werden die unbetonten ie, uo bisweilen ähnlich reduziert, die Konsonanten t, d vor i (i˙, ie) werden fast immer nicht mehr palatalisiert, die Verbindungen tj, dj werden gelegentlich als t', d' ausgesprochen, es kann einen Nebenakzent geben, das Suffix -áite (z. B. mergáite) wird mit Akut betont, es gibt die Suffixe -ūiti, -énti, Adjektive haben im Nominativ Plural statt der Endung -i die Endung -ūs, der Illativ ist seit alters in Gebrauch, ebenso athematische Verben; außerdem gibt es viel gemeinsamen Wortschatz (lietūvininkas und lietūvininkas, dangstys „Dach“ und dañotis, grinčia, skrėgždė usw.), die Präposition par „bei“ usw.
Viele dieser Merkmale kommen jedoch auch in der Mundart von Uodegėnai vor (mit Ausnahme von -áite), ebenso in Breslaujos-Apso (der Wortschatz stimmt nicht vollständig überein) und in anderen nordöstlichen vilniškischen Mundarten. Grundlage der Einteilung der Mundarten ist die Phonetik. Nach der Aussprache der in der Standardsprache betonten Vokale ė, o gehören die Sprecher von Ciskodo zu den „žadininkai“ (tėvas „Vater“, žā.dis „Wort“, ža.lē „Gras“), die Sprecher von Daugpilis dagegen zu den „žalininkai“ (tėvas, žōdis, ža.lē). Dies ist ein wesentliches phonetisches Merkmal, das die Behauptung ausschließt, die genannten Mundarten „unterschieden sich fast in nichts“. Außerdem wird in der Umgebung von Ciskodo das Infinitivsuffix -tje niemals zu -t'a. reduziert, die Konsonanten werden weniger stark verhärtet usw.
Nach der Aussprache der betonten Vokale ė, o ähnelt die Mundart der Umgebung von Ciskodo am stärksten den Mundarten von Uodegėnai und Adutiškis. Auf Ähnlichkeiten in Phonetik und besonders im Wortschatz mit der Mundart von Adutiškis verwies K. Būga vor allem in seinen Aufzeichnungen von 1911. Hinsichtlich der Verhärtung der Konsonanten, des Dzūkischen und der Wortendungen usw. ähnelt die Mundart von Ciskodo eher der von Uodegėnai als der von Adutiškis. In ihnen werden die Konsonanten ähnlich verhärtet (in Uodegėnai stärker); es gibt nicht nur die Präfixe atā-, ažū- (die auch in den Mundarten von Daugpilis und Breslauja verwendet werden), sondern auch in- „in“, die Wörter grindà „Fußboden, Decke“, penėti „füttern“ usw. sowie den Supin.
Im vilniškischen Dialekt ließ sich keine Mundart finden, mit der die Sprecher von Ciskodo vollständig übereinstimmten und aus der sie hätten hervorgehen können. Vermutlich hat sie ihre isolierte Entwicklung in den letzten Jahrhunderten am weitesten vom litauischen Sprachgebiet getrennt.
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LITERATŪRA
Būga K. 1911: Ciskodo parapijos lietovių šnekta. (VU MB D 490).
Būga K. 1961: Rinktiniai raštai 3, Vilnius.
Garšva K. 1984: Lietuvių kalbos tarmės ir jų kontaktai Latvijoje (1). — Lietuvos Mokslų akademijos darbai. A ser. 3, 83—91.
Garšva K. 1985: Lietuvių kalbos tarmės ir jų kontaktai Latvijoje (2). — Lietuvos Mokslų akademijos darbai. A ser. 1, 118—126.
Grinaveckienė E. 1980: Daugpilio apylinkių lietuvių šnektos fonetika. — Lietuvių kalbotyros klausimai 20, 223—239.
Manteuffel G. 1879: Inflanty Polskie. — Poznań.
Zinkevičius Z. 1966: Lietuvių dialektologija, Vilnius.
Zinkevičius Z. 1978: Lietuvių kalbos dialektologija, Vilnius.
Брейдак А. Б. 1987: Фонетика латгальских говоров латышского языка: диахрония и синхрония (машинопись). — Даугавпилс.
DIE MUNDART DER UMGEBUNG VON CISKODAS
Zusammenfassung
Ciskodas (lettisch Tiskādi) war die entferntste, alte litauische Insel in Latgale und überhaupt in Lettland. Er ist über 100 km von der Grenze Republik Litauen nach Norden und über 75 km von Daugavpils.
In 7—9 Dörfern der Umgebung von Ciskodas wohnten die Litauer wenigstens seit dem 17. Jahrhundert. Nach der Meinung von K. Būga sollte man hier litauisch auch in den Jahren 1478—1519 sprechen, als die Latgalen den Laut u· in ou verwandelten.
Die Mundart hat die wichtigsten Besonderheiten des angrenzenden Gebietes von Wilna (”Žādininkai”) erhalten. In der betonten Silbe kann der Vokal e wie ie ausgesprochen sein, sogar wie ę, ė; a·, der Vokal a· — auch ɔ·, uo, vgl. tė́vas ”Vater”, ša·ki ”springe” und so weiter. Die unbetonten langen Vokale verkürzten sich bis kurz oder halblang. So sind auch die betonten kurzen Vokale. Am Ende des absoluten Wortes wird der Vokal a nach den Konsonanten d, b, g, k, t, l, v mit der Schattierung des Lautes ɛ oder fast wie ę ausgesprochen.
Die Konsonanten č, dž vor den Vordervokalen i, u entsprechen in der Mundart fast immer c, dz, aber t, d vor i bleiben gewöhnlich erhalten, z. B.: akiec’à ”Egge”, aber dunksti·s ”Dach”. Fast immer wird der Konsonant l hart, oft sind hart ž, r, s, š, selten č, m, n, p, t, v, z. B.: grunčà, čužu·la, ažarì usw.
Wenn die Endung des Wortes kurz ist, die Wurzel aber lang, wird in den nordostlichen Mundarten von Wilna in der vorletzten Silbe die Nebenbetonung ausgesprochen, z. B. pū·niś ”Scheune”.
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