Lituanizmų prisitaikymas baltarusių šnektose ir jų atpažinimo būdai
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVII (1997)
LEKSIKOGRAFIJOS IR LEKSIKOLOGIJOS PROBLEMOS
Elena GRINAVECKIENĖ
ANPASSUNG VON LITUANISMEN IN BELARUSSISCHEN MUNDARTEN UND IHRE ERKENNUNGSMETHODEN
Die litauischen Mundarten, die sich aus verschiedenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen im Laufe der Geschichte inmitten belarussischer Mundarten wiederfanden und dem Einfluss ihrer Assimilation ausgesetzt waren, passten sich dem System der belarussischen Sprache an, assimilierten sich und verloren viele wesentliche Merkmale ihrer Muttersprache, insbesondere deren Lebendigkeit, Korrektheit und Bildhaftigkeit; zugleich hinterließen sie deutliche Spuren ihrer realen Existenz in diesen Gebieten. Die weitere Entwicklung der in das System der belarussischen Sprache gelangten und dort heimisch gewordenen Wörter litauischen Ursprungs verlief sehr unterschiedlich und ist insgesamt komplex. Sie hängt meist vom Zeitpunkt der Entlehnung des Lituanismus und von der Geographie seines Auftretens ab. Die älteren Lituanismen sowie jene aus weiter von Litauen entfernten belarussischen Gebieten sind so stark verändert und slawisiert, dass sie oft tatsächlich schwer zu erkennen sind. Neuere, im Grenzgebiet näher bei Litauen gebräuchliche Formen haben sich diesem Einfluss bisher weniger stark unterworfen und sind meist leichter zu identifizieren.
Die langjährige Suche nach Lituanismen in belarussischen Mundarten durch Expeditionen (insbesondere in den Grenzgebieten zu Litauen und zu den litauischen Mundarten) und ihre eingehende Untersuchung (1956–1996) liefern zahlreiche neue Daten, die die Merkmale ihrer Anpassung an das System der belarussischen Sprache recht zuverlässig sichtbar machen, belarussische Überprägungen aufdecken und eine vergleichsweise genaue Erkennung ermöglichen.
Zunächst beginnen Lituanismen meist allmählich, ihre ursprüngliche (mitgebrachte) litauische Gestalt zu verlieren, und passen sie bedingungslos dem System der belarussischen Sprache an. Dabei kommt es zu wesentlichen qualitativen Abweichungen ihrer Form und ihres Inhalts vom Litauischen; die Rolle und Funktion ihrer Bestandteile verändern sich, und sie nehmen aus der belarussischen Sprache unmittelbar ungewohnte, neue Merkmale an.
Ein Lituanismus, der in belarussische Mundarten gelangt und sich dort eingebürgert hat, verliert sofort und plötzlich seinen Intonationsakzent. Das liegt daran, dass die belarussische Sprache keine Intonationsakzente kennt. Wenn er sich also in sie einfügt, legt er sein wichtigstes Merkmal des Litauischen und der nationalen Eigenart ab – seine Besonderheit –, verliert sein schmückendes Gewand und verarmt. Wir haben lediglich festgestellt, dass etwa in der Umgebung von Kamojai (Rajon Pastovys, Belarus) und andernorts in belarussischen Mundarten litauische Ortsnamen, Flussnamen, Familiennamen und Ähnliches ihren ursprünglichen fallenden Akzent in den Diphthongen i, u + l, m, n, r noch bewahrt haben und deutlich ausgesprochen werden (LKK XXX 126–128). Das ist jedoch selbstverständlich bereits ein untypisches, vorübergehendes Phänomen. Unseres Erachtens ist das Verschwinden der Intonationsakzente die deutlichste Annäherung des akzentologischen Systems der Lituanismen an das der belarussischen Mundarten.
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Mit dem Verlust des Intonationsakzents verliert der Lituanismus sofort und sehr schnell auch seine litauische Betonung – er unterwirft sich umgehend den Gesetzen der beweglichen Betonung im Belarussischen.
So werden die Lituanismen койш < káušas, лойж < láužas usw., die in den litauischen Mundarten ursprünglich eine feste Wurzelbetonung hatten (z. B. káušas, káušo, káušu, káušai usw.), nun zu Formen mit beweglicher Betonung nach den für das Belarussische typischen Gesetzen, z. B. койшу, кайша́, кайшо́м... Der Lituanismus бо́нда < bandà usw., der ursprünglich beweglich betont war (: bandà, bandõs, bandái, bandà...), erhält nun eine feste Betonung (: бо́нда, бо́нды, бо́ндай...) usw.
Zusammen mit dem Schwund der Intonationsakzente bei Lituanismen und dem Verfall ihres Akzentuierungssystems wird auch eine vollständige Angleichung ihrer betonten und unbetonten langen Silben an die kurzen festgestellt. Alle Vokale des Lituanismus verlieren ihre Längen- und Kürzenunterschiede. Sie werden alle qualitativ gleich, wie im Belarussischen, z. B. ата́дурам ‚getrennt‘ (< atódurom ‚isoliert‘) (СБГ I 103), баже́лка ‚buoželė‘ Lis. (< buoželė + ka), гаруды (< arúodai), г’ілонь1 Rod. (< gyluonìs), г’іве́лка ‚pempė‘ Achr. (< gyvėlė + ka), Г’убін (LKK XXX 116) ‚Waldname‘ Rod. (< Guobýnas), кукуць ‚Ferkel‘ (LKK XXX 116); ‚Pfeife‘ (Мат., 86), (< kūkūtis, kaukūtis), купене́ць Rod. (< kopinėti), падзі́нка Kur. (< puodýnė + ka), шніпе́ць Kam. (< šnýpšti), тру́кзель Kir. (< trúkžolė), визикава́ць Bok. (< vyzdėti) ‚suchen‘ usw.
Es wurde festgestellt, dass diejenigen Lituanismen bei ihrer Belarussisierung ihre Gestalt gewöhnlich nicht verändern, deren Lautsystem (vorwiegend das dialektale) und Betonung mit dem Belarussischen übereinstimmen, z. B. апі́кула ‚Faulpelz‘ (СБГ I 87) (< apýkula ‚ebd.‘), бумбе́ла (< dial. bumbėla, b embėlė), кяту́рка ‚Schlitz vorn in einer Männerhose‘ (СБГ II 597–598) (< ketūrka ‚ebd.‘), кумша́ ‚Ausbesserung von Unebenheiten eines Weges durch Auslegen von Ästen‘ Rag. (< dial. kumšà, kamšà ‚ebd.‘), стадба́ ‚Mischung‘ Kam. (< mišà ‚ebd.‘), вяпла ‚Trottel‘ (СБГ I 389) (< vėpla ‚ebd.‘), вягела (СБГ I 389) (< dial. vėgėlà, vėgėlė), вапсва́ (СБГ I 281) (< vapsvà ‚ebd.‘), кипа́пла (СБГ II 464) (< kerépla) und viele andere.
Die gesamte Endung -as wird nur bei älteren Lituanismen abgeworfen, z. B. apýд (< arúodas), бронкт/брункт ‚branktas‘, койш (< káušas), карш (< kéršas), лойж (< láužas), ройст (< raìstas), сцимбу́р (< stim̃būras), склют/шклюот ‚skliutas‘, жа́г’ar (< žágaras) usw. Wenn durch das Weglassen dieser Endung zwei schwer auszusprechende Konsonanten aufeinandertreffen, wird dazwischen э(a) eingeschoben, z. B. сві́рэн/сві́ран (< sví̃nas).
Es gibt Lituanismen, bei denen von der Endung -as nur der Konsonant -s wegfällt. Auf diese Weise werden solche Maskulina in Neutra umgewandelt. So werden litauische Wörter mit zwei Genera zu Lituanismen mit drei Genera, z. B. бро́нкта (< bránktas), бе́рала (< bėralas), ‚ungeworfenes Getreide‘, ро́йста (< raìstas), шва́рка (< švárkas), хо́хла ‚Borsten am Nacken eines Tieres‘ (< kák las ‚Nacken‘), ко́та (< akúotas), жлу́кта/жлу́та/жлу́хта ‚žlūgtas‘ (СБГ II 1481) < žlúgtas),
1 Der Plosivlaut г der belarussischen Lituanismen wird im Artikel durch den modifizierten Buchstaben г mit Apostrophzeichen – г’ – wiedergegeben.
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О́пса2 (< Ápsas) usw.
Die Endungen der Lituanismen -is, -ys werden gewöhnlich vollständig abgeworfen. Die in der Endung stehenden Konsonanten ж, ш werden hart ausgesprochen, alle übrigen weich. Z. B. г’ир’эль (< gigėlis), г’иль (< gylỹs), куль (< kūlỹs), курмёль „ein solcher Fisch“ (< kurmėlis), лаг’ёс (< lagėsis), кукуць (< kukūtis „Ferkel“ und kaukutis „Pfeife“), бродзень (< bradinỹs), пар’гойш (< ragaišis), Абаль „Nachname“ (< Ábuolis „Obuolỹs“ < obuolỹs) usw. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen nur die Endung -s wegfällt, z. B. скилүндзи (< skilándis); dadurch wird die Form des Lituanismus zum Plural, oder es kommt vor, dass anstelle der Endung -is die Endung -a verwendet wird, z. B. шкilėnda (СБГ V 479) < skilándis; das Substantiv wird dabei feminin. Näher an der Grenze zu Litauen bleiben die Endungen der Lituanismen –as, -is vergleichsweise selten unverändert, z. B. kápklic (< karklỹs) „Weide“, г’ór’ic „ungebetener Hochzeitsgast“ (< gúogis) Vid., р’эзас (< réžas) „Feldstreifen“, báг’anac „Habicht“ (< vánagas) Rod. usw.
Die Endung -a litauischer Wörter bleibt in Lituanismen meist unverändert, z. B. но́шита (< naštà), кумша́ (< dial. kumšà, standardlitauisch kamšà), бо́нда (< bandà), стабда́ (< stabdà), вяпла (< vėpla „Dummkopf“) und viele andere; daneben kommt jedoch in verschiedenen Mundarten manchmal auch die Endung -ia vor, z. B. пу́тра/пу́тря (< putrà). Auch die dialektale Endung -a eines litauischen Wortes bleibt nach einem verhärteten l im Lituanismus unverändert, z. B. бумбяла (< dial. bumbėla, standardlitauisch bambėlė).
Da das System der weißrussischen Mundarten den für das Litauische charakteristischen Vokal ė nicht kennt (dial. ė), verschwindet er als Erstes aus den Lituanismen. Alle Lituanismen der ė-Stämme entwickeln sich bei ihrer Slawisierung meist zu io-Stämmen, seltener zu o-Stämmen, z. B. пі́мпа (< dial. pímpė, standardlitauisch pėmpė), pav’ге́ня (< raugiénė), сауcéня (< sausiénė), кру́шня (< krūšnė), ду́лька (< dùlkė), Паці́лта (< Patìltė „Wiesenname“ Vid., Гертоклі́ня (< Girtuoklýnė) „Teil des Waldes“ Vid., пасакі́ля (< rasakìlė), Падру́кша (< Padrūk-šė) „Wiesenname“ Vid., вирці́ня (< virtinė) usw. Es gibt Fälle, in denen die Endung ė eines slawisierten (insbesondere seit langer Zeit entlehnten) Lituanismus auch wegfallen kann, z. B. я́хждель „eine solche Segge“ (< júodžolė „ebd.“); dabei wird sein Femininum zum Maskulinum.
Bei Lituanismen der i-Stämme wird die Endung -is gewöhnlich ebenfalls abgeworfen; der am Wortende stehende Konsonant ist meist weich, z. B. клець (< klėtis), сверць (< svirtìs), не́марасц (< nėrimastis) usw.; es gibt allerdings Fälle, in denen ihre Endung -is durch die Endung -ia ersetzt wird, z. B. виршня/шивиршня/сибирня „Waage“.
Lituanismen haben auch die Endung -(i)us abgeworfen (in unserem Material nur bei Familiennamen belegt) und dabei zugleich den Konsonanten -v- des Suffixes getilgt, z. B. Куле́йч (< Kulėvičius), Лунке́йч (< Lunkėvičius) Rod. Diese Tilgung des Konsonanten -v- im Suffix -evič- ist wahrscheinlich bereits bei der Entlehnung dieser Familiennamen aus dem Litauischen entstanden (vgl. entsprechende Familiennamen in der Umgebung von Dieveniškės: Uscineiči’us „Ustinavičius“, Vaškėleiči’us „Vaškelevičius“,
2 Es gibt Fälle, in denen die Ortsbezeichnung О́пса „Apsas“ sächlichen Geschlechts von den Forschern, die 1985–1987 ihre Mundart untersuchten, ohne Beachtung ihrer anderen Kasusformen (z. B. édy da О́пса; жыў пад О́псам usw.) ziemlich sorglos als feminin eingestuft und im gesamten Aufsatz so behandelt wurde (siehe LKK XXVIII 99–117).
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dar plg. Turska 1982: 67).
Von Lituanismen mit der Endung -uo wurden nur sehr wenige festgestellt; bei der Slawisierung entwickelt sich ihre Endung unterschiedlich, z. B. стума́ (< stuomuo, möglicherweise aber aus stumā) „Rumpf“, шаламянь (< šelmuo, möglicherweise aber aus šelmenys).
Der Nominativ Plural der Lituanismen in den weißrussischen Mundarten hat stets die slawische Endung -і(ы) und besitzt, wie im Weißrussischen, kein Genus, z. B. рэзґіні (< rėzginės), бразґуны́ (< brazgūnai), пумпо́лакичы „Sumpfdotterblumen“ (< dial. pumpólakščiai), páґуці „Schlitten“ (< rāgutės), лӯпы (< lūpos), зяўны (< žiāunos), ато́жалы (< dial. atāžalos, standardlitauisch ātžalos), бальзе́ни (< balžienai, balžienos), го́хты (< gāktos), жэгґіні (< žaginiai) usw.
An Lituanismen werden häufig weißrussische Diminutivsuffixe angefügt, die dem gebildeten Wort meist keine Verkleinerungsbedeutung verleihen, z. B. кілічка (< kielė + ічка), капу́шка „Häufchen“ (< kaũp-ti+ушка), ко́йрачка „Linkshänder“ (< kairỹs+ачка), кло́ўсичка „jemand, der gern unter den Fenstern lauscht“ (< klaus-ýti+ічка), бу́рбалка (< burbulas+ка), бру́нтачка „Ranzen“ (< бру́нта+ачка, бру́нкта+ачка), подзі́нка (< puodynė+ка), кумпячо́к (< kumpis+ачок) usw.
Obwohl der Wortstamm der Lituanismen dem Einfluss der Slawisierung am längsten widersteht und sie sich anhand des Stammes am leichtesten erkennen lassen, unterliegt auch dieser unterschiedlichsten Veränderungen und schlägt eine vergleichsweise schwer vorhersehbare Entwicklungsrichtung ein; dabei treten häufig für das Litauische ungewöhnliche Vokalismus- und Konsonantismusmerkmale hervor. Wie wir bereits früher festgestellt haben, verengt sich in nahezu allen Fällen der betonte Vokal a sowie das a als erstes Glied von Diphthongen und Diphthongverbindungen und wird zu o, z. B. бо́нда (< banda), бронкт (< brañktas), кро́уш (dial. kraušas) „Birne“, ло́уж (< lāužas); пойсать (< paišyti), го́хты (< gāktos), сто́ці (< stāčias), ро́йст (< raistas), сомиц (< sāmtis) usw. (siehe LKK XXVII 124).
Auch die Diphthonge uo und au der Lituanismen verschwinden, da sie dem Weißrussischen fremd sind. Der schwindende Diphthong uo hat in verschiedenen Mundarten und zu verschiedenen Zeiten drei Reflexe ergeben: o, a, u, z. B. Ёдлавічы (< dial. Júodek-nai, standardlitauisch Júodelėnai), г’а́ба (< guõbas), ару́д (< arúodas) (siehe LKK XXVII 125–128); der Diphthong au dagegen vier: oy, o, a, u, z. B. ло́уж (< lāužas), ложа́виска (< lāužas+ависка), капу́шка „Häufchen“ (< kaũpti + ушка), куку́цъ „Pfeife“ (< kaukutis3 usw. (siehe Baltistica 1989: 70–80).
In den weißrussischen Mundarten finden sich Lituanismen mit unregelmäßig palatalisiertem Stammkonsonanten, z. B. кло́ня „Ahorn“, сюптня „suktinis“, кло́мбы „Holzschuhe“ usw.
Weniger stark slawisiert sind der velare n vor k und g sowie der Plosiv g in Lituanismen; sie weisen darauf hin, dass die Wörter, in denen diese Laute erhalten sind, meist litauischen Ursprungs sein dürften, z. B. инг’ірічнік „Regenbogen“, Ві́нг’ра „Vingra, Name eines Flusses bei Kamojai-Pastovys
3 Beispiele aus den 1995 veröffentlichten Texten der Zietelaer litauischen Mundart, die 1901–1903 vom berühmten polnischen Sprachwissenschaftler Prof. J. Rozwadowski aufgezeichnet wurden, nämlich kóūła und k’óūłe „Schwein“, zeigen, dass der litauische Diphthong au wahrscheinlich unter dem Einfluss der weißrussischen Mundarten bereits in der litauischen Mundart selbst monophthongiert werden konnte, solange sie noch lebendig war (Rozwadowski 1995: 42).
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raj’, púnkili ‘Runkelrüben’ usw. Die belarussischen und polnischen Gebiete, in denen ein solches n vorkommt, betrachtet die polnische Linguistin H. Turska als Orte eines litauischen Substrats (siehe Turska 1982: 64 u. a.). Der bekannte polnische Dialektologe Prof. Stanisław Glinka wiederum, der in den belarussischen und polnischen Mundarten der Umgebung von Augustów ein den slawischen Sprachen fremdes dorsales n gefunden hat, betrachtet es zu Recht als Relikt der litauischen Sprache, die in historischer Zeit in diesen Gegenden gesprochen wurde (Glinka 1990: 119–120 und die beigefügte Karte).
Zugleich wurde festgestellt, dass belarussische Lituanismen anstelle des litauischen Konsonanten k den Konsonanten ch aufweisen, z. B. го́хты (< gáktos), ху́рстацца ‘sich bewegen’ (< kùrstytis), рjóхаць ‘grunzen’, хо́хла ‘Borsten am Nacken eines Schweins’ (< kákłas), хлúба (< klúbas ‘Hauzahn’), хайлуха ‘liederliche Frau’ (< kiaulė+уха), хурну́ (< kurniau) usw. Das ist nichts anderes als ein Anzeichen für die Slawisierung des Lituanismus; vgl. auch das umgekehrte Gesetz bei slawischen Entlehnungen in litauischen Mundarten: káta (< br. хата), koč ‘obwohl’ (< br. хоць). Es ist wichtig hervorzuheben, dass manche belarussische Mundarten den für die Slawen typischen Konsonanten ch häufig auch anstelle des k in Entlehnungen aus anderen slawischen Sprachen oder aus anderen belarussischen Mundarten einsetzen, z. B. ху́ртка ‘Jacke’ Sal. (< рус. куртка ‘ebd.’), ха́тар ‘Entzündung’ (< рус. катар ‘ebd.’), хвадра ‘Viertel eines Monats’ (< рус. квадра ‘ebd.’), харму́шка (< рус. кармушка ‘ebd.’), хорт Mal. (< рус. курт), хо́хлюш (< рус. коклюш ‘ebd.’). Unseres Erachtens ist dies ein besonders wertvolles Merkmal, das dazu berechtigt, alle belarussischen Wörter mit einem solchen ch als möglicherweise fremden Ursprungs oder aus anderen ihrer Mundarten entlehnt zu betrachten.
Bei der Erkennung belarussischer Lituanismen müssen diese Folgen ihrer Slawisierung also berücksichtigt, beachtet und angewandt werden.
Lituanismen sind recht schwer zu erkennen, wenn der anlautende Konsonant ihrer Wurzel infolge eines nicht-etymologischen Wechsels durch einen anderen ersetzt wird, der ihre ursprüngliche Gestalt entstellt. Folgende häufigere Fälle eines solchen Konsonantenwechsels wurden beobachtet:
a) Wortanlautendes s- wird zu š-: шмі́рак ‘Grieben’, шклюот ‘Schlitt’, шме́рг’я ‘Rotz’, шло́кшына ‘Schicht, Bast’, шкіле́нда ‘Skilandis’, шклузбо́к ‘Skilandis’, швіршну́ ‘Hebel’ usw.
b) Wortanlautendes p- sowie v- wird durch das stimmhafte b- ersetzt, z. B. бу́кшты ‘in Wasser versenkte Zweige, in denen sich Fische verstecken’, бо́йсаць ‘berücksichtigen’, бірба́ты ‘schlaff herabhängend’ usw.
c) Wortanlautendes k- wird durch das stimmhafte g- ersetzt, z. B. г’яблы (< kėblas), ‘missraten’, глу́мбы/глу́бы (< klùmpės) usw.
d) In selteneren Fällen kommt es vor, dass wortanlautendes g- zu d-; l- und n-; j- zu l- wird, z. B. драбе́сты (< grebėstai), ну́рба (< люрба) ‘dicker Span’, лютру́ца (< jùdrė+ца) ‘ein Unkraut, das Flachs umwindet’ usw.
e) Es gibt auch Lituanismen mit einem nicht-etymologisch veränderten Stammkonsonanten, z. B. пацуба́йла ‘jemand, der lange herumtastet’ (< dial. рацига́ла, Standardsprache pačiupáila), ре́звины (< rėzgìnės), рóyг’aч ‘Klagender’ (< raudóti+ач), кульня/кульжа́ (< kùlsė), каптано́сы ‘Stupsnasen’ (< karkanósis) usw. In belarussischen Mundarten gibt es Entlehnungen dieses Typs auch aus anderen slawischen Sprachen, z. B. трудні (< рус. тру́тни), ярмарка (< рус. ярмарка) usw.
Analoge Fälle nicht-etymologischen Konsonantenwechsels kommen sowohl im Litauischen als auch
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bei Entlehnungen aus anderen Sprachen oder Mundarten in belarussischen Mundarten, z. B. šėkštas (< kėkštas); ко́бачка ‘kleine Vertiefung unter der Brust’ (< ко́бачка ‘ebd.’), крымытник ‘eine solche Heilpflanze’ (< russ. трыщутник ‘ebd.’), кужу́рка ‘Weste’ (< russ. тужурка ‘ebd.’), батла́шка ‘militärische Metallflasche’ (< russ. баклажка ‘ebd.’) u. a.
Nemaža lituanizmų rekonstrukcijos keblumų turima ir tais atvejais, kai yra numestas jo žodžio pradžios, paprastai šaknies priebalsis, rečiau – balsis, pvz., капа́ч (< skaročius), про́га (< spragà), клу́нкі ‘sąnariai’ (< шкулу́нкі < шлу́нкі < šlaunys), рюхаец (< kriūks), иксба́ (< viksva), инг’иру́чник (< vingiarykštis), ко́ткі (< akuotai), виршня ‘svirtis’ (< свиршня), расхле́йдацца ‘skleistis’ ir kt. Šio tipo skolinių esama ir baltarusių šnektų skoliniuose iš kitų baltarusių šnektų ir iš rusų k., pvz., япру́к (< вяпру́к), яntroбы (< вентро́бы), ярушка (< дзяру́шка), яўкі (< ва́йкі) ir kt.
Ungeachtet der ursprünglichen Gestalt solcher Lexeme und ohne nach dieser zu suchen, kommt es auch zu recht fehlerhaften und unbegründeten Etymologisierungen. So ist es beispielsweise mit dem bereits erwähnten KÓTKI (akuotai) geschehen (ЭСБМ I: 102; V: 104).
Bei der Slawisierung erhält ein Lituanismus mitunter einen zusätzlichen Vokal oder Konsonanten, z. B. acbép/ acbíp ‘Hebel’, rapýd ‘Getreidespeicher’ u. a. In diesen Fällen bleibt seine Wurzel nahezu unverändert, der Lituanismus klingt litauisch und ist vergleichsweise leicht zu erkennen.
Mitunter wird ein Konsonant in den Stamm eines Lituanismus eingeschoben, z. B. гу́льшта (< gūžta), клу́нкі ‘Gelenke’ (< шклу́нкі) u. a. Der eingeschobene Stammkonsonant hat im Allgemeinen keinen großen Einfluss auf die Erkennung des Lexems – dabei helfen besonders seine Bedeutung und der litauische Klang des gesamten Wortes.
In belarussischen Mundarten gibt es zahlreiche Lituanismen, bei denen ein Konsonant oder sogar eine ganze Silbe ausgelassen wurde (Synkope), z. B. непу́м ‘Unruhe’ (< neramumas), бру́нта ‘branktas’, шу́мята (< šūmėtė), шу́я (< šunauja), шалау́я (< šalavija), кýраčki ‘Fersen der Beine’ (< кýкараčki < каūkaras+ачки) u. a. Entlehnungen dieses Typs kommen in belarussischen Mundarten auch slawischer Herkunft vor, z. B. калалу́ха ‘Vogelkirsche’ (< халаха́луха ‘ebd.’), калма́шка ‘eine solche Kutsche’ (< калама́шка ‘ebd.’), мана́рка ‘Jacke’ (< мары́нарка ‘ebd.’), самаре́ска ‘Karojų-Maschine’ (< саламаре́ска ‘ebd.’), ячнíška ‘Gerste’ (< ячмені́шча ‘ebd.’) u. a.
Die durch belarussische Mundarten bewirkte Veränderung der Rolle der Bestandteile eines Lituanismus im Wort zeigt sich deutlich darin, dass mitunter der gesamte Lituanismus (einschließlich seiner Endung) als Stamm behandelt wird, an den belarussische Endungen angefügt werden. So wurden beispielsweise in den Mundarten von Belarussen, die überwiegend an der litauischen Grenze leben, Lituanismen mit doppelten Endungen gehört – die litauische Endung, bei der es sich gewöhnlich um die für alle Fälle verallgemeinerte, unveränderliche Endung des Nominativs Singular handelt, und die belarussische, die sich beim Deklinieren des Lituanismus verändert, z. B. го́гіцы прышлі да васёлі. Vid. ‘ungebetene Gäste – die guogiai kamen zur Hochzeit’; гу́ча го́гіцаў сабралась. Vid. ‘viele guogiai haben sich versammelt’; плялі ко́шчыкі з ка́рклісаў. Vid. ‘sie flochten Körbe aus Weidenruten’; ба́г’анасы ку́ры ла́паюць. Rod. ‘Habichte fangen Hühner’; тры ре́засы зямлі меў. Rod. ‘er besaß drei Ackerstreifen’ u. a.
Folglich wird die Funktion der litauischen Wortendung in diesem Fall vollständig isoliert, während der Wortstamm künstlich erweitert wird. Eine solche Modifikation von Lituanismen, ohne
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zweifellos häufig die genaue Rekonstruktion erschweren kann.
Manchmal kommt es auch hier vor, dass der Konsonant am Ende des litauischen Wortstamms infolge einer Metathese weiter zum Wortanfang des Lituanismus hin verschoben wird und das Stammende dadurch ein anderer Stammkonsonant wird, z. B. брунткі < брункты (< tarm. brunktai, bk. brañktai), брунтко́у < брунто́ў, прышчы́ць „brennen“ (< першы́ць „per-šti“), сквярстуне́ (< skerstuvės), карла́па (< кера́пла) „ungeschickte Person“, ро́скач (< skaročius), мórва (< мóyра) „Ameisen“, ві́схва (< viksva).
Ähnliche Fälle kommen auch bei Entlehnungen aus anderen slawischen Sprachen vor, z. B. ко́блік „kleiner Kahn“ (< ко́блік „ebd.“), прае́рх „Ableger“ (< прапе́рх „ebd.“).
Die Rekonstruktion von Lituanismen erschweren in der Tat weitere metathetische Veränderungen, die meist nicht das Stammende betreffen. So ist beispielsweise der Lituanismus лю́рба „dicker Holzspan“ (СБГ II 314) mancherorts zu ру́льба „ebd.“ (СБГ IV 314) geworden, о ва́наг’ас zu ва́ганас, адбуле́йка „Widersacherin“ zu абдуле́йка „ebd.“, вірці́нка „gekocht“ zu вянце́рка „ebd.“, не́рымась „Unruhe“ zu не́марась „ebd.“ und dergleichen mehr.
Analoge Silbenvertauschungen sind sowohl bei Entlehnungen in belarussischen als auch in litauischen Mundarten anzutreffen, die aus anderen Sprachen oder Mundarten in diese gelangt sind, z. B. bel. лянде́рак „Töpfchen mit Stiel“ (< le. radełek/rondełek „ebd.“), халма́ны „schlechte Lumpen, zerrissene Kleidung“ (< le. łakmany „ebd.“), радзю́ра „grobes Bettlaken“ (< дзярю́ра „ebd.“), хруста́лкі „Erdbeeren“ (< le. truskalki „ebd.“) usw.; lit. šašvóklė „rote Johannisbeere“ (< vašóklė „ebd.“) usw.
Wenn die ursprüngliche Form solcher Lexeme unbekannt bleibt und ihre ursprüngliche Wurzel nicht ermittelt wird, wird ihre Rekonstruktion praktisch äußerst schwierig oder ganz unmöglich. Daher ist es in solchen Fällen besonders wichtig, wenn man sie für Entlehnungen hält, aber weder in belarussischen noch in litauischen Mundarten weitere Ableitungen von ihnen findet, an der Annahme festzuhalten, dass ihre Wurzel eine andere ist, und intensiv danach zu suchen, indem man diese Lexeme gemäß den kombinatorischen Lautgesetzen ihrer Phonetik variiert.
Besonders schwierig ist die Rekonstruktion belarussischer Mundartwörter, die als Lituanismen verdächtigt werden und nicht nur eine, sondern mehrere relativ komplexe Veränderungen aufweisen – Monophthongierung des Wurzeldiphthongs, nichtetymologischen Konsonantenwechsel, Ausfall von Lauten und Silben (Synkope), Silbenvertauschung (Metathese) und Ähnliches. Nach langen Analysen und Vergleichen des Lexems я́дждаль „hartes Sumpfgras“ (und seiner Varianten) sowie unter Berücksichtigung der Sprachgeographie scheint es uns gelungen zu sein, festzustellen, dass es sich wahrscheinlich um ein Kompositum (яжд-жаль) handelt, das als Lituanismus anzusehen ist. Seine Quelle war vermutlich lit. juódžolė „Sumpf-Christophskraut, Actaea spicata“. In das erste Glied dürfte sich aus Assimilationsgründen oder anderen Ursachen ein ж eingeschoben haben. Also я́дждаль < я́джаль. Zur vergleichbaren Herkunft vgl. die litauische Entlehnung šekštárnė „Zahnrad“ (< šeštarnė „ebd.“, LKŽ XIV 617). Das zweite Glied, жаль, ist zweifellos aus lit. dialektal žálė „Gras“ entstanden. Der Lituanismus я́дждаль (mit Varianten) ist bis heute in belarussischen Gebieten in Gebrauch, die weit genug von der litauischen Grenze entfernt liegen (siehe die zu ABS XX 328 beigefügte Karte), wobei er in seiner Phonetik das alte litauische *ā(> o) bewahrt hat und zugleich relativ stark vom Einfluss belarussischer Mundarten geprägt ist; zweifellos gehört er zur alten Entlehnungsschicht. Ein weiteres zusammengesetztes Lexem mit derselben Bedeutung
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ляжджа́й dürfte sich wohl auf dem Wege der Metathese aus der Variante жяжджэў seines verwandten Lexems жяжджаль entwickelt haben (siehe ABS XX 326–327). Also ляжджа́й < жяжджэў, vgl. lit. šãmalas < mãšalas.
Sollte es uns tatsächlich gelungen sein, dies nachzuweisen, lassen sich künftig bei der Etymologisierung dieser Lituanismen möglicherweise jene Fehler vermeiden, die zu Beginn der Forschung bereits bei der noch etwas laienhaften Suche nach ihren litauischen Entsprechungen gemacht wurden (siehe Веци 1969: 123–134).
Oder nehmen wir die seltenen, vermutlich ebenfalls zusammengesetzten Lexeme шынтыклёр „altmodischer festlicher langer, schmaler Rock mit zahlreichen nach unten breiter werdenden Falten“, шантаклёр „ebd.“ und weitere Varianten, deren Klang bei uns den Verdacht weckte, es könnte sich um Lituanismen handeln. Diese Wörter aus belarussischen Mundarten wurden lange analysiert, und man kam zu dem Schluss, dass es sich wohl wiederum um Lituanismen handelt, die in unserer Sprache heute nicht mehr belegt sind. Da es jedoch in ihr semantische Entsprechungen gleicher Bildung gibt, wie šimt akloščiai (šimtaraukiai, šimtarūkšliai, taip pat šimt akvóldžiai) „hundertfältige“ Röcke (LKŽ XIV 815, 817), und da die untersuchten belarussischen Lexeme dennoch litauisch anmuten, gibt es Grund zu der Annahme, dass sie tatsächlich auch im Litauischen existiert haben könnten. Wir hatten bereits die Ansicht geäußert (LKK XXII 197–198), dass ihr erstes Glied das Wort šimtas „hundert“ sein könnte, das zweite skliūras „Stofffetzen, Grundstück, Leinen“ oder kliūrmas „Stück“ (letzteres hat unserer Vermutung nach vielleicht ebenfalls sein anlautendes s- verloren; vgl. auch skliùmbas „Stück“, skliùmbė/sklium̃bė „ebd.“). Was die mögliche Entstehung des ersten Glieds шанта des Lexems шантаклёр aus šim̃tas betrifft, vgl. lit. šañšūdis < šuñšūdis (LKŽ XIV 505) sowie die litauischen Entlehnungen šimkarkà (< šinkorkà) „Getränkeausschenkerin in einer Schenke“, šimkúoti (< šinkuóti „Getränke ausschenken“ (LKŽ XIV 811).
Die Lexeme г’ужалки, бужалки, жужалки sind eindeutig und bedeuten „Kaulquappen“; unserer Ansicht nach klingen sie ebenfalls litauisch. Nicht nur ihr litauischer Klang, sondern auch ihr für slawische Sprachen untypischerweise fehlender Pleophonie (Polnoglasie; vgl. bel. галава, lit. galvà) entsprechender Diphthong -al- lässt vermuten, dass sie litauischen Ursprungs sein könnten. Bemerkenswert ist, dass weder im Belarussischen noch in anderen slawischen Sprachen verwandte Wörter mit dieser Bedeutung gefunden wurden. Man begann, diese Lexeme miteinander zu vergleichen und Silbe für Silbe zu analysieren. Die Analyseergebnisse erlauben, alle drei als zweifelsfrei verwandt anzusehen. Alle drei sind als Komposita einzustufen. Den Ausgangspunkt für das Lexem г’ужалки dürfte lit. búožgaly(iai) „Kaulquappe“ und das belarussische Suffix – ki gebildet haben. Bei der weiteren Slawisierung des Lituanismus durch die Belarussen kam es infolge des starken Superstrateinflusses zu erheblichen Formveränderungen. Zunächst wurde der für das belarussische Sprachsystem fremde Diphthong uo dieses Lexems monophthongiert; sein anlautendes b wurde durch die Fernregressivassimilation an das stimmhafte Verschlusslautsegment г’ seiner mittleren Silbe ebenfalls zu einem stimmhaften Verschlusslaut, г’. Also: búožgalv(iai) + ki > *буожг’алвкі > бужг’алвкі > г’ужг’алвкі. Das stimmhafte Verschlusslautsegment г’ dieses Lexems zeigt, dass es sich um einen Lituanismus handelt (in belarussischen Wörtern kommt das stimmhafte Verschlusslautsegment г’ nicht vor). Als das Lexem später noch stärker belarussiert wurde, vereinfachten sich seine tatsächlich schwer aussprechbaren und für Belarussen zudem ungewohnten Konsonantenverbindungen -жг’- und -лвк- zu -ж- beziehungsweise -лк-.
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Som dürfte *rūžgalvki > rūžalki entstanden sein (siehe LKK XXVII 128; LKK XXX 120–121). Das Lexem žužalki dürfte ebenfalls aus rūžalki hervorgegangen sein, entweder auf dem Wege der regressiven Assimilation (:rūž- > žuž-) oder infolge eines nicht etymologischen Wechsels der anlautenden Konsonanten des Wortes (weniger wahrscheinlich).
Besonders schwierig war es, den litauischen Ursprung des Lexems kykiški „Fersen“ und zahlreicher weiterer Lexeme gleicher Bedeutung (kókawki, kópkiški u. a.) nachzuweisen. Nach einer detaillierten Analyse sowie dem gegenseitigen Vergleich und der Gegenüberstellung ist es uns unseres Erachtens recht zuverlässig gelungen festzustellen, dass sie tatsächlich miteinander verwandt und genetisch mit dem lit. kaūkaras, kūkaras „Hügel“ verbunden sind (siehe LKK XXVIII 162–164).
Nach langen Analysen und eingehenden Überlegungen ist es uns schließlich wohl gelungen, den litauischen Ursprung von br. pár’i, lar’а́пы, cypár’i, cypýi und ihren zahlreichen Varianten gleicher Bedeutung „Strahlen, Ströme, Rillen“ festzustellen. Schon lange vermuteten wir, dass pár’i litauischen Ursprungs sei, und suchten beharrlich nach seinem litauischen Gegenstück, jedoch lange ziemlich erfolglos (Весці 1969: 128, LKK XVI 187, LKK XXVIII 164–165, LKK XXX 116). Später stießen wir auf die bedeutungsgleichen Varianten cypár’i und cypýi und konnten uns auf die Möglichkeit stützen, dass der litauische Diphthong uo in den weißrussischen Mundarten regelmäßig zu i, a und u werden kann (СБГ V 20, 21, LKK XXVII 126–127); so haben wir nun offenbar endlich ihr genaues litauisches Gegenstück gefunden. Dies ist lit. srūogos, das in verschiedenen weißrussischen Mundarten verschiedene Varianten hervorgebracht hat. Diese Entlehnungen sind in den weißrussischen Mundarten tatsächlich alt und haben einen langen Entwicklungsweg durchlaufen. So dürfte lit. srūogos zunächst mancherorts zu *cпár’i, andernorts zu *cпýi geworden sein (vgl. г’аб < guóbas und Губін < Guobýnas). Diese Formen dürften sich im Laufe der Zeit, möglicherweise aus Gründen der leichteren Aussprache oder unter dem Einfluss des für das Weißrussische charakteristischen Pleophoniegesetzes (Polnoglasie), zu cypár’i oder cypýi entwickelt haben und in diesen Mundarten erhalten geblieben sein. Als lit. srūogos im Weißrussischen noch als *cпár’i ausgesprochen wurde, dürfte in einigen Mundarten wegen der verblassten Wortbedeutung das anlautende s- getilgt worden sein (vgl. ihr про́г’a < spragà). So entstand aus *cпár’i pár’i. Die Verkleinerungsform der Variante lar’а́пы < par’а́лы < sruogelės (СБГ II 603) entstand durch Metathese.
Auch beim Nachweis des litauischen Ursprungs der Lexeme pocкач (< skaročius), трыбла́ты (< driblà), чэйдаць (< čiáudėti), шаплукі (< šapelūkai), ярушка (< eriūkas), чвыр (< žvyras), перар’i „Überprüfungen“, ру́паль „Kröte“, ранцкі „Rinnen im Kuhhorn“, des Gewässernamens Mapút’a u. a. ist beträchtliche Einsicht erforderlich. Am deutlichsten bezeugen dies ihre Bedeutungen und ihre vergleichsweise große lautliche Nähe zu den litauischen Ausgangsformen gleicher Bedeutung. So ist pocкач eine klare metathetische Bildung, die aus lit. skaročius hervorgegangen ist; das Lexem трыбла́та (каро́ўка) stammt zweifellos von lit. driblà+атый, vgl. auch driblià „jemand von kräftigem Körperbau“. Das anlautende t des Wortes ist das Ergebnis eines nicht etymologischen Konsonantenwechsels, der durch den Prozess der Slawisierung ausgelöst wurde, als die Verbindung zwischen seinem litauischen Klangbild und seiner Bedeutung abbrach. Das Lexem чэйдаць „Unsinn schwatzen“ dürfte bereits auf slawischem Boden eine übertragene Bedeutung angenommen haben; sein litauisches dialektales Wurzel- -au- wurde bei der Slawisierung reduziert (vgl. Sl. Or. 1990: 317). Das Lexem шаплукі „abgetragene Schuhe“ ist zweifellos lit. dial. šapelūkai, bei dem das unbetonte e ausgefallen ist. Wir sind der Ansicht, dass die litauische Ausgangsform des Lexems ярушка „Mutterschaf“ –
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also eras, eriùkas, das ein slawisches Suffix angenommen hat. Das belarussische Mundartwort чвыр ‚Kies‘ ist dagegen eine Ableitung aus lit. Kies mit nicht etymologischem Konsonantenwechsel (vgl. auch Sl. Or. 1990: 317). Die litauische Quelle des Lithuanismus пераг’і ‚Besichtigungen beim Bräutigam (vor der Hochzeit)‘ dürfte mit der Wurzel reg-(-eti), vgl. pér-regeti ‚durchsehen‘, pérregos ‚Besichtigungen‘ zusammenhängen. Die litauischen Quellen des Lithuanismus pūpaць sind zweifellos unsere rùpė ‚Kröte‘, rùpečka ‚ebd.‘ (LKŽ XI 984); ранцякі hat dieselbe Bedeutung wie unser rañčiai ‚Rillen im Kuhhorn‘ + slawisches Suffix -aki. Wir haben nachgewiesen, dass das -a- der Wurzel des Gewässernamens Мару́ра ‚Fluss, der durch Vidžiai fließt‘ aus dem Diphthong au hervorgegangen ist und dass die Wurzel selbst genetisch mit maũrai verwandt ist (siehe LKK XXXII 27) und nichts mit dem Gewässernamen Marià zu tun hat, wie andere Forscher bisher behauptet haben (siehe LHD 1970: 192).
Es kommt vor, dass die Lautgestalt mancher Lituanismen stärker verändert und vom für das weißrussische Sprachsystem charakteristischen Pleophoniegesetz (Polnoglasie) beeinflusst ist, z. B. шаланя́нь (< šelmenys) „Dachfirst“, сивірня „Hebel“, до́ражник (< daržiny-kas), шпірак (< spìrgas), со́мец (< sámtis, СБГ IV 447) u. a. Sie zeigen, dass es sich tatsächlich um alte, seit Langem ins Weißrussische entlehnte Lituanismen handelt, die sogar diesem vergleichsweise alten Einfluss der Pleophonie unterlegen sind. Anhand ihrer Form sind sie relativ schwer zu erkennen; daher sollte man sich in diesem Fall stärker auf ihre Bedeutung stützen.
Wie schwierig es tatsächlich ist, alte Lithuanismen in den slawischen Sprachen zu erkennen, zeigen auch einige Forschungsergebnisse der namhaften russischen Sprachwissenschaftler V. Toporov und O. Trubačiov. So leiten sie den Gewässernamen Лоша im oberen Dneprgebiet, den sie mit dem gleichlautenden Namen eines Flusses im belarussischen Rajon Astrav nahe der litauischen Grenze gleichsetzen und als möglichen Lithuanismus betrachten, unter anderem von lit. Lachs ‚Lachs‘ sowie von Lašupė oder dem Verb lošti ‚toben, ausgelassen sein‘ ab (siehe ЛАГВП 1962: 194). Der Nebenfluss der Neris im Rajon Astrav namens Ло́ша (und zweifellos wohl auch der Лоша im oberen Dneprgebiet) geht jedoch auf lit. Aluošà/Aluošià zurück. Dessen Diphthong uo kann in ihren Mundarten, wie wir bereits nachgewiesen haben (siehe LKK XXVII 125), da er den Slawen untypisch ist, nicht selten auch zu einem Monophthong o werden, z. B. ако́цця (< akuotai), Ёдупка (< Júodupė) usw. In anderen belarussischen Mundarten (oder zu anderer Zeit) kann das entlehnte Lithuanismus-uo zu a geworden sein (z. B. прывака́ць ‚heranziehen‘ (< privokuóti ‚ebd.‘)). Es kommt vor, dass lit. uo in belarussischen Mundarten auch durch u wiedergegeben wird (dies kommt vor allem bei älter entlehnten Lithuanismen vor, z. B. клу́ня ‚Dreschscheune‘ usw.). Auch solche Möglichkeiten der Anpassung von Lithuanismen an das phonetische System des Belarussischen sollten wir bei der Suche nach Lithuanismen und ihrer Erforschung nicht außer Acht lassen.
Oder betrachten wir einen anderen Hydronym desselben Dneprgebiets, Лампадь. Die genannten Sprachwissenschaftler halten auch ihn für möglicherweise einen Lituanismus, geben jedoch kein litauisches Gegenstück an. Doch Лампадь ist höchstwahrscheinlich ebenfalls ein zweifelsfreier Lituanismus, der auch ein litauisches Gegenstück hat. Nachdem wir festgestellt haben, dass der Diphthong (i)au bei der Slawisierung in einigen weißrussischen Mundarten und zu bestimmten Zeiten den Vokal (i)a ergeben hat, z. B. бля́ць (< bliáu-ti), Мару́ра (< Maurũgà) u. a., neigen wir zu der Annahme, dass auch Лампадь höchstwahrscheinlich nichts anderes als ein Wort mit der Wurzel *Laum- ist und das gesamte Hydronym vielleicht ein Kompositum *Laũmpėdis darstellt.
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Wir haben festgestellt, dass das litauische Dialektsystem, das inmitten der belarussischen Mundarten aufgrund ihres starken und stetig zunehmenden Einflusses bislang faktisch noch völlig lebendig ist, rasch zu slawisieren beginnt und seine Ausdrucksweise abrupt ins Slawische ändert. Auf die litauische Eigenart wird verzichtet, die Gedankenbildung richtet sich nach dem Vorbild des belarussischen Ausdrucks. So treten beispielsweise anstelle des üblichen litauischen schwarzbunter (Hund), schwarzbunte (Kuh) nach belarussischem Vorbild in isolierten litauischen Mundarten zunächst im Litauischen unpassende und auch im Belarussischen recht seltene oder nicht ganz geläufige Ausdrücke auf: schwarz-weiß (Hund), schwarz-weiß (Kuh) usw.; vgl. weißruss. чёрна-бе́лы (саба́ка), чёрна-бе́ла (каро́ўка). Später heißt es nach den im Belarussischen gebräuchlichen Ausdrücken рабу́ (саба́ка), раба́ (каро́ўка) auch im Litauischen nur noch bunt (Hund), bunt (Kuh). Und so entstehen in unseren isolierten Mundarten ungewöhnliche Lehnübersetzungen aus den belarussischen Mundarten. Andererseits haben auch die Litauer dieser Mundarten den benachbart lebenden Belarussen eigene Lehnübersetzungen geschenkt. So wird dasselbe Adjektiv schwarzbunt unter litauischem Spracheinfluss im Belarussischen recht ungewöhnlich auch чернарабу́ (саба́ка), чернараба́я (каро́ўка) genannt. Ganz nach litauischem Vorbild sagt man in einigen belarussischen Mundarten anstelle von снег ідзе́ць снег сняжыць, was ТСБМ V 228 nicht verzeichnet; vgl. lit. es schneit. Oder anstelle des eigenen тайнік ‚Versteck‘ verwenden sie wieder die Lehnübersetzung aus dem Litauischen скру́тка (vgl. lit. Versteck), die ebenfalls in den Wörterbüchern der belarussischen Sprache nicht verzeichnet ist (vgl. ТСБМ V 186). Dort werden auch weitere Lehnübersetzungen aus litauischen Mundarten verwendet, z. B. скра́бачка ‚Schaber‘ (СБГ IV 457), die ebenfalls in ihren Wörterbüchern fehlen (vgl. ТСБМ V 180) und dergleichen mehr.
In den isolierten litauischen Mundarten in Belarus verslawischt sich mit der besonders intensiven Slawisierung der Ausdrucksweise auch deren Ausdruck rasch, und die Semantik einzelner Wörter verändert sich merklich. Die litauischen Bedeutungen einiger Wörter beginnen unzureichend und ungenau zu erscheinen, als fehle ihnen an Vollständigkeit; deshalb erweitern die von den belarussischen Mundarten beeinflussten Mundarten diese Bedeutungen künstlich. Infolgedessen treten dort besonders deutlich Erzeugnisse dieser künstlichen Bedeutungen auf – belarussische semantische Lehnübersetzungen –, die die Stelle litauischer Ausdrucksmittel einnehmen und diese aus dem Gebrauch verdrängen. So sagt man hier beispielsweise statt wurde mit Dachlatten bedeckt, das Brot ist nicht gelungen, ich kann den Gerüchen nicht standhalten und Ähnlichem nach dem Vorbild der belarussischen Mundarten абабіц (г’рабёстамі), не ўда́ўся (хлеб), не знясу́ (запаха́ў) nun aprmúzdžic’ (mit Dachlatten), das Brot ist nicht herausgekommen, die Gerüche kann ich nicht wegtragen und Ähnliches. In den verslawischten Mundarten ist ein solcher Bedeutungswandel der Wörter in den Lituanismen bereits allgemein verbreitet. So sagte man auf Litauisch früher hier die Pfütze begann zu sprudeln, die Finger tauten auf, ich bedeckte das Dach mit Dachlatten, ich nagelte das Haus mit Schindeln, heute aber nur noch забурбу́ляла (не субурбу́ляла) бало́та, паце́рпнули (не заце́рпнули) па́льцы, награбяста́ў (не аг’рабяста́ў) страху́, нашакаліняу́ (не пры-шакаліняу́) ха́ту und Ähnliches. Die Lehnübersetzungen tragen zweifellos am meisten dazu bei, dass ein Lituanismus endgültig in das System der belarussischen Mundarten eingeht und die isolierte litauische Mundart zugrunde geht. Sie sind für die assimilierte Mundart am gefährlichsten, aber vermutlich auch am schwersten zu bemerken und zu erkennen.
Andererseits haben die isolierten litauischen Mundarten den belarussischen Mundarten eine beträchtliche Anzahl eigener Lehnübersetzungen vermittelt. So sagt man dort nach dem Vorbild der litauischen Mundarten: сасе́кла
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(булъбы) Kur., сащпіліць (спадніцу) Achr., сасніла (спадніцу) Kur., сасніла (яго́) Sal., сасо́х (часно́к) Vid., саспе́ла (да аўто́буса) Vid., (яна́) састарэла Val. usw. statt ihrer üblichen Formen пасёкла (булъбы), зашпіліць (спадніцу), пасліšnila (спадніцу), прысніла (яго́), пасо́х (часно́к), паспе́ла (да аўто́буса), (яна́) пастаре́ла, vgl. litauisch ich habe (Kartoffeln) zerhackt, einen Rock zugeknöpft, einen Rock benässt, von ihm geträumt, (der Knoblauch) ist vertrocknet, ich habe es noch zum Bus geschafft, (er) ist alt geworden und dergleichen. Dies dürfte sich ganz zu Beginn der Assimilierung der isolierten litauischen Mundarten in diesen Gebieten ereignet haben, als sich die belarussischen Mundarten hier erst herausbildeten. Diese Lehnübersetzungen verschwinden aus jenen belarussischen Mundarten auch heute noch nicht, obwohl dort auf ähnliche Weise keine neuen Bildungen mehr entstehen. Und tatsächlich haben sie diesen belarussischen Mundarten nicht geschadet.
Die hier herausgearbeiteten und erörterten Besonderheiten der belarussischen Lituanismen verdeutlichen die Wege und Arten ihrer Belarusifizierung, legen den Charakter und die Tendenzen der Anpassung und Veränderung einer großen Zahl ihrer Formen und teilweise auch Bedeutungen offen, zeigen, wie solche Wörter litauischer Herkunft zu erkennen sind, liefern Grundlagen dafür, ihre Identität mit den entsprechenden litauischen Wörtern festzustellen, und ermöglichen ein besseres Verständnis der bislang nicht festgestellten und nicht konkret benannten lautlichen Beziehungen zwischen den litauischen und belarussischen Mundarten. Zusammengenommen und unter Berücksichtigung der Unterschiede und Ähnlichkeiten der beiden Sprachsysteme bilden sie eine vergleichsweise wichtige und verlässliche Quelle sowie neues konkretes Material für weitere dialektologische Studien beider Sprachen, für Fragen des Substrats und Superstrats sowie für die Sprachkontakte zwischen baltischen und slawischen Sprachen.
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DIE ANPASSUNG DER LITUANISMEN AN DIE WEIßRUSSISCHEN DIALEKTE UND DIE MITTEL DER IDENTIFIKATION DIESER ENTLEHNUNGEN
Zusammenfassung
Im Beitrag werden die wichtigsten phonetischen Eigentümlichkeiten der in den weißrussischen Mundarten auftretenden Lituanismen untersucht und der Übergangsprozesse ins Weißrussische. Die weißrussische Umhüllung der Lituanismen kommt zum Ausdruck in vielzähligen Formen, teilweise auch durch die Anpassung der Bedeutungen an das System der weißrussischen Mundarten sowie durch den konkreten Charakter und die Tendenzen dieser Veränderungen. Außerdem versuchen wir zu zeigen, wie diese in die weißrussischen Mundarten eingedrungen bzw. von ihnen aufgenommenen Lituanismen zu erkennen und als solche zu identifizieren sind. Es werden vor allem Grundsätze dargelegt, die es ermöglichen sollen, die phonetischen Beziehungen zwischen den litauischen und weißrussischen Mundarten zu interpretieren. Dabei werden detailliert die Resultate der langjährigen Forschung der weißrussischen Dialekte dargelegt, die von Bedeutung sind für den Gebrauch und die Theorie der Lehnwörter, für das Problem der Beziehung des Substrats bzw. Superstrats, für die Kontakte der baltischen und slawischen Sprachen.
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