Šis tas iš Lazūnų ir Zietelos šnektų leksikos gretinimo
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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVII (1997) LEKSIKOGRAFIJOS IR LEKSIKOLOGIJOS PROBLEMOS
Aloyzas VIDUGIRIS
DIES UND DAS AUS DEM WORTSCHATZ DER MUNDARTEN VON LAZŪNAI UND ZIETELA
Als Lazūnai- und Zietela-Mundarten bezeichnet man die am weitesten entfernten Mundarten am südlichen Rand des Litauischen: heute in Belarus, im Bezirk Gardinas der Rajongemeinde Vija, die Umgebung beziehungsweise Pfarrei von Lazūnai (brus. Lazduny) sowie die Rajongemeinde und Pfarrei Zietela (brus. Dziatłava). Beide sind vermutlich auf ihre Weise die archaischsten Mundarten unter allen heutigen litauischen Dialekten. Diese Mundarten weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Art (darunter auch lexikalische) auf, die bisher weder untereinander noch mit anderen Dialekten verglichen worden sind.
Mit der Erforschung dieser Mundarten sind bedeutende litauische Sprachwissenschaftler eng verbunden. Bereits 1906 war Jonas Jablonskis zur Erforschung der Lazūnai-Mundart angereist, Kazimieras Būga zur Erforschung der Zietela-Mundart. Sie waren auch die Taufpaten dieser Mundarten. Zuvor hatte diese Mundarten nur Eduardas Volteris erforscht, die von Zietela außerdem Jan Rozvadovskis. Während der polnischen Besatzungszeit sammelte Jurgis Šlapelis in Lazūnai Wörter und zeichnete Volksüberlieferungen auf. Juozas Balčikonis besuchte diese Orte und sammelte Wörter erst in den Nachkriegsjahren. All diese Litauer waren Sprachwissenschaftler von epochaler Bedeutung, die zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens beitrugen und gemeinsam die litauische Standardsprache als Fundament eines unabhängigen Staates schufen. J. Jablonskis war die größte Autorität und der Schöpfer der Standardsprache; der Arzt J. Šlapelis widmete sein ganzes Leben der Pflege und Festigung der litauischen Sprache im slawisierten Ostlitauen; K. Būga hob die litauische Sprachwissenschaft auf Weltniveau, während J. Balčikonis, gleichsam als Symbol der Kontinuität, dazu bestimmt war, drei unterschiedliche Epochen zu verbinden und bis in unsere Tage zu bewahren, was die Vorgänger geschaffen hatten.
Zwischen den Mundarten von Zietela und Lazūnai gab es nie direkte Verbindungen. Sie sind etwa 100 km slawisch besiedelten Gebiets, ein beträchtlicher Waldgürtel und drei recht große Flüsse voneinander getrennt – Maučėdis, Nemunas und Gauja. Direkte Wege gibt es keine. Um von Zietela nach Lazūnai zu gelangen, muss man über Naugardukas (von den Zietela-Sprechern Naugardas genannt) oder über Lyda fahren. Lazūnai liegt etwa 130 km südöstlich von Vilnius, Zietela 150 km südlich.
Der Wortschatz ist ein recht spezifischer Bereich der Sprache. Da er für verschiedene Einflüsse offen ist, ist er unter allen Sprachebenen am empfindlichsten und verändert sich am schnellsten. Auf ihn wirken verschiedene intralinguistische und extralinguistische Faktoren ein. Der Einfluss dieser Faktoren auf die Mundarten von Lazūnai und Zietela, die sich schon seit Langem vom Hauptgebiet des Litauischen abgelöst haben und von slawischen Sprachen umgeben sind, kann entscheidend sein. Die Sprechweise unterscheidet sich hier manchmal nicht nur von Familie zu Familie oder von Hof zu Hof, sondern auch von Person zu Person und von Jahr zu Jahr. Somit wird die Mundart, insbesondere ihr Wortschatz, beträchtlich von lokalen, subjektbezogenen und zeitlichen Faktoren beeinflusst. Am besten hatten diejenigen Personen das Litauische bewahrt, die an ihren Geburtsorten lebten-
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und untereinander sowie mit ihren Nachbarn Litauisch sprachen. Sieht man von den Frauen ab, die weggezogen waren, veränderte sich mit zunehmendem Alter und einem Ortswechsel (dem Umzug in Städte zu den Kindern) auch die Sprechweise der Mundartsprecher selbst stark; Schwankungen, Varianten und Okkasionalismen nahmen zu.
Andererseits können bei der Aufzeichnung eines Dialekttextes auch unbewusste psychologische Einstellungen des Aufzeichnenden, die Eile, ein ungehörtes Wort oder eine Form ohne ausreichenden Kontext festzuhalten, die unbewusste Neigung, einen nicht zusammenpassenden Kasus oder ein nicht zusammenpassendes Genus zu vergleichen oder zu „normieren“, nachdem man sie gehört hat, sowie eine unzureichend genaue Wahrnehmung verschiedener phonetischer Aspekte und dergleichen gewisse Verfälschungen hinterlassen. Tatsächlich ist es nicht leicht, mit Sprechern solcher isolierten Mundarten zu kommunizieren, denn viele ältere Menschen verstehen Wörter der Standardsprache fast überhaupt nicht, manche sind schwerhörig.
Da es aufgrund des enormen und unterschiedlichen Umfangs unmöglich ist, den gesamten Wortschatz der Mundarten von Zietela und Lazūnai zu vergleichen, muss man sich auf einen bestimmten Teil davon beschränken. Auch ein mechanischer Vergleich des Wörterbuchtextes anhand bestimmter Buchstaben, Wörter oder Wortnester dürfte wegen der sogenannten Lücken („Laku nen“), der Ethnographismen, die in der einen Mundart vorkommen, in der anderen aber fehlen können, kaum möglich sein. Der Wortschatz beider Mundarten, das heißt Wörter oder Wortnester, lässt sich durch Auswahl vergleichen, doch auch dabei muss man sich mit einer bestimmten Anzahl begnügen. Hier wurde der einfachste Weg gewählt: Man beschränkte sich auf das im ersten Band des „Atlas der litauischen Sprache“ kartografierte Lexikon, und zwar nicht vollständig. Im genannten Lexikonband des „Atlas der litauischen Sprache“ wurden 190 Realien kartografiert und beschrieben. Nach Ausschluss enger, nicht überall vorkommender Ethnographismen und einiger nicht aussagekräftiger Antworten beschränkt man sich auf die Bezeichnungen von 150 Objekten, die in den Dialekten überwiegend in verschiedenen Varianten verbreitet sind.
Eine derart festgelegte und begrenzte Anzahl ausgewählter Antworten weist gewisse Nachteile und Vorteile auf. In das Programm des „Atlas der litauischen Sprache“ wurden überwiegend Bezeichnungen für Gegenstände oder Erscheinungen unterschiedlicher Bedeutung aufgenommen – Substantive, die in verschiedenen Dialekten eine unterschiedliche Ausdrucksform aufweisen, das heißt eine andere Wortwurzel oder einen anderen Wortstamm. Wörter anderer Wortarten fanden darin unverhältnismäßig wenig Berücksichtigung. Positiv ist, dass auch eine solche, wenn auch durch eine zufällige Fragestellung recht begrenzte Menge bereits als Teil eines bestimmten lexikalischen Gesamtbestands betrachtet werden kann.
Dieselben Objekte können in den Dialekten unterschiedlich bezeichnet werden: einige mit eigenen Bezeichnungen litauischen Ursprungs, andere mit Lehnwörtern oder Lehnübersetzungen; in den verglichenen Mundarten von Lazūnai und Zietela stimmen einige Bezeichnungen überein, andere unterscheiden sich. Daher werden diese Bezeichnungen im Folgenden zunächst nach ihrer Herkunft und anschließend nach ihrer Form erörtert.
Wortschatz litauischer Herkunft.
1. Eine beträchtliche Zahl von Begriffen wird in den Mundarten von Lazūnai und Zietela gleichermaßen auf Litauisch bezeichnet, auch wenn daneben manchmal andere Synonyme oder Akzentvarianten bekannt sein können (sie werden in Klammern angegeben), z. B.: apušė ~ epušė (rt. āpušė Lz) ‚Laubbaum mit zitternden Blättern, Espe‘ (LKA I 92*), daigė ‚Sense‘ (LKA I
* Die Arbeit stützt sich auf die Karten des LKA I – angegeben werden ihre Nummern sowie die entsprechenden Kommentardaten.
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50), draugė ‚Familie‘ (// šeimýna) (LKA I 120), karvėlis ‚Taube‘ (LKA I 76), kūgis ‚großer Heuhaufen, bestimmt zum‘ (LKA I 110), miekočia ‚Mulde‘ (// miekočia Zt) (LKA I 21), pelūdė (pelūdnyčia) ‚Teil der Tenne oder Anbau an der Tenne zum Ausstreuen der Spreu‘ (LKA I 15), pirkia ‚Wohnstube, Haus‘ (LKA I 2), priemnė ‚Vorraum, Eingangsbereich‘ (LKA I 5), priėtema (LKA I 106), sunkus Lz: sunkus Zt (LKA I 114), šaudyklė ‚Vorrichtung zum Einlegen des Weberschiffs beim Weben‘ (LKA I 67), vežimas (// rātai) ‚von Pferden gezogenes Fahrmittel‘ (LKA I 34), žagrė ‚Pflug‘ (// žagrė Lz) (LKA I 45) usw. Es handelt sich überwiegend um alte litauische Wörter oder Termini. Daneben kommen auch jüngere Wörter mit erweiterter Bedeutung oder polyseme Wörter vor, die an die Stelle ehemals gebräuchlicher, inzwischen aber verschwundener Termini getreten sein können, z. B.: dantis ‚Eggenzinke‘ (LKA I 49), duobė ‚Feuerraum des Ofens‘ (LKA I 8), lenta ‚Sitzbank des Webstuhls, Webstuhlbank‘ (LKA I 67) usw. Solche überwiegend vollständig übereinstimmenden Wörter litauischer Herkunft gibt es in den Mundarten von Lazūnai und Zietela bei 150 Fragen insgesamt 41, also 27,3%.
2. Hier sind verwandte Bezeichnungen litauischer Herkunft zu erwähnen, die sich in den Mundarten von Lazūnai und Zietela unterscheiden: a) in der Wortbildung (durch Suffixe), z. B.: éras, eráitis ‚junges Schaf, Lämmchen‘ Lz: erūkas Zt (LKA I 74), rāgos ‚Winterwegwagen, der auf Kufen gleitet, Schlitten‘ Zt: rāgutės Lz (LKA I 43), trainė, trainià ‚Teil des Deichselhakens eines Wagens, Deichselstange‘ Lz: trainijà Zt (LKA I 35); b) im Vokalismus und Konsonantismus des Stammes oder Suffixes, z. B.: dilginė, dilgynė ‚Heil- und Faserpflanze, deren Stängel und Blätter Brennhaare tragen‘ Lz: dirgėlė Zt (LKA I 94), kailiniai ‚aus Pelzen genähtes Kleidungsstück für den Winter‘ Lz: kaliniai Zt (LKA I 72), spragilyčia ‚Stiel des Dreschflegels‘, vgl. sprāgilas Lz: spragelyčia, spragelyščius, spragelyštis, vgl. sprāgelas Zt (LKA I 56); c) im Stammauslaut, z. B.: priešvirnis ‚Vordach beim Speicher, Vorraum‘ Lz: priešvirnė, priešvirnė Zt (LKA I 12); d) in der Betonung, z. B.: kālvis ‚Metallschmied‘ Zt: kalvỹs Lz (LKA I 107) usw. Insgesamt wurden 9 solcher Bezeichnungen gefunden, also 6%. Diese Wörter bilden gewissermaßen eine Übergangsgruppe zwischen Begriffen, die in den Mundarten von Lazūnai und Zietela mit gleichen und solchen mit anderen Bezeichnungen (Wörtern verschiedener Wurzeln) ausgedrückt werden.
3. Derselbe Begriff wird in den Mundarten von Lazūnai und Zietela durch unterschiedliche Wörter (Lexeme) litauischer Herkunft ausgedrückt, z. B.: brauktuvė ‚Werkzeug zum Reinigen und Abstreifen der Flachsstängel von den holzigen Teilen, Flachsbreche‘ Zt: blaškýtuvė Lz (LKA I 59), giria ‚mit Bäumen bewachsenes Gebiet, Wald‘ Zt: medžias (ausgesprochen medžias) Lz (LKA I 113), kārtė, kārtis ‚langer, dünner, entasteter Baumstamm‘, vgl. kārčių tvorà ‚Zaun aus Stangen‘ Zt: sàtrà, vgl. satrų tvorà ‚Zaun aus Stangen‘ Lz (LKA I 119), kiēmas ‚Platz vor dem Wohnhaus‘ Zt: atšlàimas Lz (LKA I 9), klónis ‚tiefliegender Ort, Tal‘ Zt: lóbās Lz (LKA I 103), pėntis ‚Senseisen‘ Zt: kākłas Lz (LKA I 52), tarpupėdis ‚Bereich der Tenne zwischen den Ständern zum Lagern von Getreide oder Futter, Seitenraum‘ Lz: šalis Zt (LKA I 16), vēdaras ‚Wurst aus gebackener Grütze oder zerstampften Kartoffeln‘ Lz: dešrā Zt (LKA I 32), vedegà ‚Axt mit gebogener Schneide zum Aushöhlen von Trögen oder Mulden‘ Zt: medžiagėlė Lz (LKA I 33) usw. Insgesamt sind im Rahmen des Programms des „Atlas der litauischen Sprache“ 10 Bezeichnungen verschiedener Wurzeln für denselben Begriff in den Mundarten von Lazūnai und Zietela belegt, also 6,6%.
4. Häufiger sind gemischt verwendete Bezeichnungen. In diesen Mundarten unterscheiden sie sich nicht
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nur in der Form, sondern auch in der Herkunft. Wird in einer der beiden Mundarten (meist in Lazūnai) eine litauische Bezeichnung verwendet, so findet sich in der anderen gewöhnlich ein Lehnwort oder ein Hybride und umgekehrt, z. B.: buožė, buoželė ‚Kopf des Dreschflegels‘ Lz: bičis, bičius Zt (LKA I 56), ėglẏs, ėglius ‚immergrüner Strauch aus der Familie der Zypressengewächse mit schwarzen Beeren, Wacholder‘ Lz: velauka Zt (LKA I 91), gėlė ‚Pflanze mit schönen Blüten oder schönen Blättern‘ Lz: kvietką, kvietkas Zt (LKA I 111), jungėlis ‚Band, das den Stiel des Dreschflegels mit dem Flegelkopf verbindet‘ Lz: užikas, vūžas Zt (LKA I 57), kupetà ‚Haufen zusammengerechten Heus oder Strohs‘ Lz: kapà Zt (LKA I 110), rátapedis ‚Radspeiche‘ Lz: špykis Zt (LKA I 41), sprandagalvis ‚Kaulquappe‘ (// stambagalvis) Lz: galavóčius Zt (LKA I 83), vieversẏs ‚Singvogel aus der Sperlingsschar, Lerche‘ Lz: žāvarankas Zt (LKA I 79), vińkšna ‚Querbalken des Schlittens, Kufensteg‘ Lz: vėzas Zt (LKA I 44) usw. Zu den litauischen Bezeichnungen wird die etymologisch unklare lazūnische Bezeichnung žilausis ‚Schwester des Ehemanns, Schwägerin‘ Lz: žaluvyčia Zt (LKA I 117) gezählt. Insgesamt gibt es 20 solcher Bezeichnungen, bei denen einem Terminus der einen Mundart ein Lehnwort der anderen Mundart entspricht, also 13,3%. Lässt man die zweifelhafte Bezeichnung žilausis außer Betracht, erhält man entsprechend 19, also 12,7% solcher Paare.
Die Mundart von Lazūnai hat mehr litauischen Wortschatz bewahrt. Von den genannten 20 Gegenständen haben 15 zweifellos litauische Entsprechungen, auch wenn bei einigen von ihnen ein Lehnwort oder ein Hybride an die Stelle der Bezeichnung treten kann, z. B.: jelaučius ar jėlaučius neben ėglius Lz, kačelkėlės ‚Röllchen des Webstuhls‘ neben ratėliai Lz: katkėlės Zt („ebenso?“) (LKA I 66), kāčiorius ‚Enterich‘ neben ančiukas Lz: kāčioris Zt (LKA I 73), vėzas neben vińkšna Lz, žėvarinka neben vieversẏs Lz.
In der Mundart von Zietela kommen litauische Bezeichnungen nur in vier von 20 Fällen vor, z. B.: jūosta ‚Regenbogen‘ neben tenčius Zt: tetėčius Lz (LKA I 105), skylėlė ‚Flugloch des Bienenstocks‘ Zt: liotkà Lz (LKA I 101) sowie andere Lehnübersetzungen (siehe unten).
Außerdem bezeichneten die Bewohner von Lazūnai auf Litauisch noch drei Begriffe, für die die Bewohner von Zietela überhaupt keine Bezeichnungen angaben, z. B.: kiškis ‚Kaftan‘ (LKA I 30), raudonikīs ‚rotköpfiger Steinpilz, Rotkappe‘ (LKA I 98), stulpėliai ‚Stäbchen, die das Rad der Spindel halten, Schenkel‘ (LKA I 62). Somit werden in der Mundart von Lazūnai insgesamt 77 oder 79 Begriffe auf Litauisch bezeichnet, d. h. 52%, während es in der Mundart von Zietela von 150 Gegenständen nur 64, d. h. 42%, sind.
Lehnübersetzungen.
Die Einteilung der Lexeme in Bezeichnungen litauischer und nichtlitauischer Herkunft ist recht bedingt. Sowohl im Litauischen als auch in den slawischen Sprachen gibt es viele Wörter, bei denen man eine Übernahme oder Lehnübersetzung aus der jeweils anderen Sprache vermuten könnte. Besonders verdächtig sind Wörter mit erweiterter Bedeutung, die zur Benennung spezieller Begriffe verwendet werden. Auf diese Weise entstandene Bezeichnungen können teils alt sein, sodass ihre Herkunft schwer zu erkennen ist, teils neu. Die Herkunft der letzteren verrät ihr enger Verwendungsbereich in einzelnen Mundarten am südöstlichen Rand des litauischen Sprachgebiets. Lehnübersetzungen unterscheiden sich ihrer Form nach in nichts von litauischen Wörtern. Wegen ihrer ungewöhnlichen Bedeutung kann man sie leicht für Exotismen der Mundart halten. Oft sind sie auch semantisch motiviert, z. B.: arkliūkas ‚Heuschrecke‘ Zt oder namėlis ‚Bienenstock mit Rahmen‘ Zt. Deshalb ist es manchmal schwer zu sagen
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ob beispielsweise das Wort namelis in dieser Bedeutung eine Lehnübersetzung ist (vgl. slaw. domik) oder ein litauisches Wort, das aufgrund einer Ähnlichkeit verwendet wird, wie auch das hybride Äquivalent der Lazūner skrynelė (LKA I 100). Solche Bienenstöcke werden ja auch in anderen litauischen Dialekten oft bičių nameliais ‚Bienenhäuschen‘ genannt. Daher sollte man wohl auch das zietelische namelį nicht bedingungslos ausschließlich als Lehnübersetzung betrachten. Anders verhält es sich mit arkliukas, vgl. weißruss. kónik ‚Heuschrecke‘; in dieser Bedeutung ist das Wort sonst nirgends belegt. In diesem Fall verwenden die Lazūner meist die Hybride kazlaitis, kazlėlis oder das reine Lehnwort kāzlas (vgl. LKA I 86). Auf die gleiche Weise ist die Bezeichnung lápė, lapáitė ‚gelber Speisepilz, Pfifferling‘ Lz: lisýčià, lisicá Zt (LKA I 97) entstanden. Die schönen litauischen Wendungen kėlines apsiauti ar apsimauti, sijoną apsisėgti, apsivilkti ‚Hosen anziehen oder anlegen, den Rock umlegen, sich ankleiden‘ werden meist durch das Verb uždėt ar užsidėt kėlines, suknelę ‚Hosen, ein Kleid anziehen‘ wiedergegeben (vgl. weißruss. nadziec, russ. nadiet) Lz, Zt; seltener durch kráuti, z. B. an savė kėlnes kráut ‚sich die Hose anziehen‘ (vgl. poln. nałożyć) Zt (LKA I 115). Solche Lehnübersetzungen werden auch Semantismen oder semantische Lehnübersetzungen genannt (Velakoski 1984: 221–222). Ein solcher genuiner, litauisch klingender Ausdruck mit einer anderen, fremden, entlehnten Bedeutung wird gewöhnlich auch zu einem anderen Wort (Lexem). Deshalb gilt die Lehnübersetzung als eine der Arten der Nomination (Pavel 1983: 74, 83). In Wörterbüchern wird jedoch unterschiedlich mit solchen Wörtern verfahren. Substantive werden gewöhnlich separat aufgeführt, Verben dagegen zusammen mit ihren übrigen Bedeutungen, wobei die entlehnte Bedeutung eigens angegeben wird, z. B.: líšti ‚steigen, hinaufklettern‘, lùpti ‚zerreißen, auseinandernehmen‘, riñkti ‚nehmen‘, uždėti ‚bekleiden, anziehen, umlegen‘ u. a. (ausführlicher siehe Vidugiris 1989: 39–54; 1995: 175–180).
L e h n w ö r t e r.
Die Mundarten von Lazūnai und Zietela sind seit jeher von slawischen Sprachen (Weißrussisch, Polnisch, heute Russisch) umgeben und beeinflusst und weisen eine außerordentlich große Zahl unterschiedlich angepasster Lehnwörter auf. Sie werden in derselben Weise verglichen wie Wörter litauischer Herkunft.
1. Die meisten Lehnwörter stimmen in den Mundarten von Lazūnai und Zietela überein, z. B.: ābadas ‚Felge‘ (LKA I 42), buliónas ‚Kartoffelsuppe‘ (// bùlionas Lz) (LKA I 29), dieškà ‚Backtrog‘ (LKA I 25), káuka ‚Dohle‘ (LKA I 78), krinvčià ‚Quelle‘ (LKA I 104), õdina ‚Schlange‘ (LKA I 80), plotkà ‚Plötze, Güster‘ (LKA I 82), statývos ‚Schenkel des Webstuhls‘ (LKA I 6), striekà ‚Dach‘ (dãchas Lz) (LKA I 3), tákas ‚Lehmestrich im Dreschboden oder Ofen, gestampfter Boden‘ (LKA I 4) u. a. Die meisten dieser Lehnwörter werden in den Hauptdialekten des Litauischen nicht verwendet und sind dort nicht einmal bekannt. Zu diesem Lehnworttyp gehören auch Lehnwörter, die in das System der Standardsprache eingegangen sind und für die auch andere Dialekte oft keinen Ersatz haben, z. B.: burõkas ‚Rübe‘ (LKA I 88), kõšė ‚Püree‘ (LKA I 30), norãgas ‚Teil des Pflugs oder des Hakenpflugs, der mit seiner scharfen Seite beim Pflügen die Erdschicht abschneidet‘ (LKA I 46). In den Mundarten von Lazūnai und Zietela stimmen 46 Lehnwörter überein, also 30,6%. Addiert man dazu die übereinstimmenden Bezeichnungen litauischer Herkunft, erhält man insgesamt 88 (oder 58,7%) Begriffe, die in den Mundarten von Lazūnai und Zietela gleich benannt werden.
2. Wie verwandte litauische Wörter können auch etymologisch verwandte Lehnwörter ähnliche Unterschiede aufweisen: a) in der Wortbildung, z. B.: karvalãtas, karaulãtas ‚Spinnrad‘ Lz: karvalãtas, karaulùtkas Zt (LKA I 60); b) im Vokalismus der Wurzel oder des Stammes, z. B.: ãrnas ‚Schmiedefeuer, Esse‘ Lz: hãrunis Zt (LKA I 108),
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rapukà ‚Kröte‘ Lz: rapuchà Zt (LKA I 81), švōranas ‚Achse eines Wagens‘ Lz: švōrinas Zt (LKA I 38); am Wortausgang, z. B.: padnebiėnė (// padnebė) ‚Gewölbe, Innenfläche des Brotbackofens‘ Zt: padnebėnia Lz (LKA I 7) u. a. Solche Antworten gibt es 7, also 4,7%.
3. Derselbe Begriff wird durch unterschiedliche Lehnwörter oder Hybride ausgedrückt, z. B.: bruška ‚Rübe, Steckrübe‘ Zt: kručka Lz (LKA I 89), bul’ba ‚Kartoffel‘ Lz: kunodà (seltener kurdūplė) Zt (LKA I 87), chrīstulys, chrūštulys (// mojavinis, mōjinis žūkas) ‚Maikäfer‘ Zt: kārklinis žūkas, lazinis žūkas Lz (LKA I 84), dešėtkas ‚Getreidehocke, Schober‘ Zt: menðlis Lz (LKA I 109), kalādė ‚Radnabe‘ Lz: kūlbė Zt (LKA I 40), katkėlė ‚Spinnradspule‘ Zt: muterkà Lz (LKA I 63), košys ‚Wagenkasten‘ Zt: skrynėlė Lz (LKA I 68), stajėkas, stajōkas ‚Vorderwagen‘ Lz: stōpčis, stōpčius Zt (LKA I 58) u. a. Insgesamt sind 8 solcher Paare verzeichnet, also 5%.
Der Vergleich der letztgenannten Lehnwörter zeigt, dass die Lexik der Mundarten von Lazūnai und Zietela von unterschiedlichen slawischen Sprachen (vor allem Weißrussisch, in geringerem Maße Polnisch) und weißrussischen Mundarten beeinflusst wurde. Derzeit lässt sich nicht behaupten, eine der slawischen Sprachen habe eine der Mundarten stärker beeinflusst als die andere.
Von den verbleibenden 4 (2,7%) Fragen beantworteten die Sprecher von Zietela 3 (2%) Begriffsnamen nicht, die Lazūner 1 (0,7%).
Insgesamt gibt es in den Mundarten von Zietela und Lazūnai 54, also 36,4%, nicht übereinstimmende Bezeichnungen sowohl litauischer als auch slawischer Herkunft. Davon sind 19 verschiedene litauische Bezeichnungen (34,5% oder 12,7% der Gesamtzahl), 19 gemischte (35,7% oder 12,7%), 16 ausschließlich Lehnwörter (29% oder 10,7%). Betrachtet man die Mundarten getrennt, so gibt es nur in der Mundart von Lazūnai 34 nicht übereinstimmende litauische Bezeichnungen (61,8% oder 22,6% der Gesamtzahl), in der Mundart von Zietela 23 (41,8% oder 15,3%); nicht übereinstimmende Lehnwörter gibt es in der Mundart von Lazūnai 20 (37,4% oder 13,3% der Gesamtzahl), in der von Zietela dagegen 32 (58,2% oder 21,3%). Dies zeigt, dass sich die Mundarten von Lazūnai und Zietela in unterschiedlichen Umgebungen und unabhängig voneinander herausgebildet haben.
Die Gesamtzahl der litauischen Bezeichnungen, die nur in der Mundart von Lazūnai vorkommen, übersteigt die Hälfte der Gesamtzahl und beläuft sich auf 79 (mit dem Wort žilausis auf 80), also 52,7% (53,3%); die Zahl der Bezeichnungen in der Mundart von Zietela beträgt 65 oder 43,4% und bleibt damit unter der Hälfte. Dies lässt sich damit erklären, dass die Isolation der Mundart von Lazūnai vom Hauptgebiet der litauischen Sprache später einsetzte als die der Mundart von Zietela. Zieht man jeweils 2 eindeutige Lehnübersetzungen ab, erhält man 77 (51,3%) Wörter litauischer Herkunft in der Mundart von Lazūnai und 63 (42,4%) in der von Zietela.
Zieht man 6 unbeantwortete Fragen aus Zietela und 1 aus Lazūnai ab, sind alle übrigen Bezeichnungen Lehnwörter. In der Mundart von Lazūnai gibt es 70 reine Lehnwörter (46,7%), zusammen mit den eindeutigen Lehnübersetzungen 72 (48,4%); in der Mundart von Zietela sind es 80 (53,3%) beziehungsweise 82 (54,7%). Man kann sich nur damit trösten, dass die hier angegebenen Zahlen und Prozentsätze recht bedingt sind, da überwiegend Bezeichnungen für kleine, spezifische Gegenstände berücksichtigt werden. Der Anteil der Lehnwörter in diesen Mundarten übersteigt deutlich nicht nur den Anteil von 16%–30% in den Hauptdialekten, sondern auch den Durchschnitt von 27%–40% bei den Vilnius-Dialekten (Zinkevičius 1978: 147–151). Zum Zeitpunkt der Materialsammlung für den „Atlas der litauischen Sprache“ waren viele Mundarten am südöstlichen Rand bereits im Aussterben begriffen. Bei der überwiegenden Mehrheit der Mundarten und kleinen Mundarten dieses Gebiets, darunter solchen ein-
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Bei Dialekten wie denen von Zietela und Lazūnai endete dieses Dahinsiechen in der Sowjetzeit mit dem Tod. Bald wird es rund um Brėslauja und Pastovys sowie im gesamten großen östlichen Teil des Rajons Varanãvas, im nördlichen Teil des Rajons Gãrdinas und anderswo niemanden mehr geben, der Litauisch spricht. Jetzt lässt sich nur vermuten, wie viele Lehnwörter für einen Dialekt tödlich sind. Für Dialekte, die von der Kultur ihres eigenen Volkes nicht gestützt und auf alle möglichen Weisen zerstört werden, ist offenbar jede Zahl verhängnisvoll. Das Dahinsiechen beginnt wahrscheinlich dann, wenn die Muttersprache mindestens ein Drittel ihres eigenen Wortschatzes verliert. Eine Art Rekordhalterin ist der Dialekt von Zietela, in dem Lehnwörter etwa zwei Drittel des gesamten Wortschatzes ausmachen. In diesem Fall sind extralinguistische Bedingungen ausschlaggebend.
Dennoch ist der litauische Wortschatz nicht nur für eine Mundart oder einen Dialekt von besonderer Bedeutung, sondern auch für die Sprachwissenschaft. Er kann der Sprachwissenschaft viel mehr sagen als die Lehnwörter. Die meisten litauischen Bezeichnungen zeigen, dass die Dialekte von Lazūnai und Zietela demselben Stamm der litauischen Sprache angehören und auf eine alte litauische (baltische) Vergangenheit dieser Gebiete verweisen. Die Verbreitung einiger übereinstimmender Wörter zeigt, dass die Dialekte von Lazūnai und Zietela zusammen mit den südlichen Aukštaiten mit den östlichen Aukštaiten von Vilnius verbunden sind, z. B.: apušė, dalgė, niekočia, pirkià, stõvai; nach der Verbreitung anderer Wörter, z. B. eráitis, éras, erùkas, kiẽmas, sprãgilas ar sprãgelas, vežìmas, stehen sie zusammen mit den südlichen Aukštaiten den westlichen Aukštaiten nahe usw.
Wörter mit unterschiedlichen Wurzeln unterscheiden die Dialekte von Zietela und Lazūnai voneinander und weisen auf eine andere dialektale Zugehörigkeit hin. Den Dialekt von Lazūnai verbinden mit den östlichen Aukštaiten von Vilnius die Wörter atšláimas (// kiẽmas), jáuja, lóbãs ‘Tal’, medžiagėlė ‘vedega’, viñkšna usw. Andere Wörter zeigen jedoch, dass der Dialekt von Lazūnai eng mit den südlichen Aukštaiten (den sogenannten westlichen Dzūken) verbunden war, z. B.: gréndymas, krėsłas ‘oberer Querholm des Vorderteils eines Wagens’ (LKA I 37), šãtrà, und besonders mit ihrem östlichen Teil, z. B.: blaškýtuvė ‘Flachskamm’, mėdžias ‘Wald’, rãtapėdis ‘Speiche’, tarpūpėdis ‘Seitenschuppenraum’ usw. Der Dialekt von Zietela wiederum steht diesen Bezeichnungen (manchmal auch den Gegenständen) stärker südlich, besonders den südlichen westlichen Aukštaiten, nahe: duobė ‘eine bestimmte Art von Erdhütte mit einer Feuerstelle zum Trocknen von Flachs’ (LKA I 20), girià ‘Wald’, kártis, klónis ‘Tal, Mulde’, vedegà usw.
Eine beträchtliche Zahl für die westlichen Balten charakteristischer Elemente, die im Dialekt von Zietela und häufig auch in der Mundart der südlichen Aukštaiten erhalten geblieben sind, lässt vermuten, dass einst in einem großen Gebiet Südlitauens, das heute zwischen Litauen, Gudija (Belarus) und Polen aufgeteilt ist, ein den Litauern nahestehender Stammesverband der Sudauer (Jatwinger) lebte (Būga 1961: 126–156; 601–602; Zinkevičius 1987: 40–46; Vidugiris 1996: 1–2).
LITERATŪRA
B ū g a K.: Lietuvių tauta ir kalba bei jos artimieji giminaičiai. – Būga K. Rinktiniai raštai 3, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 128–156; Jotvingų žemės upių vardų galūnė -da. – Ten pat, 601–602.
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P a v e l V. K. 1983: Leksicėskaja nominacija, Kišinev: Stiinča.
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ON THE COMPARISON OF THE VOCABULARY OF THE LAZŪNAI AND ZIETELA SUBDIALECTS
Summary
The vocabulary of the two furthest south–east removed Lithuanian subdialects – Lazūnai and Zietela – locations which are now part of the Gardinas region, Bielorussia, are compared. The comparison is based on the vocabulary of ‘Lietuvių kalbos atlasas’ (The Atlas of the Lithuanian Language) – 150 names of objects which are compared according to their origin, coincidence or non-coincidence of their forms in the two subdialects. The Lazūnai subdialect has retained more vocabulary of Lithuanian origin (53%), which is outbalanced in the Zietela subdialect by loanwords (54%). The spread of Lithuanian origin names shows that the Lazūnai subdialect is a typical east-aukštaitish Vilnius subdialect with certain peculiarities of the southern and, sometimes, western aukštaitish subdialects, while the Zietela subdialect, despite a number of common features with southern and eastern aukštaitish, is closer to the southern-western aukštaitish.
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