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Die Rolle des semantischen Aspekts bei der Typuswahl für Mundartwörterbücher

Elga Kagaine

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVII (1997) LEKSIKOGRAFIJOS IR LEKSIKOLOGIJOS PROBLEMOS Elga KAGAINE DIE ROLLE DES SEMANTISCHEN ASPEKTS BEI DER TYPUSWAHL FÜR MUNDARTWÖRTERBÜCHER Die Dialektlexikografie als eigenständiger Zweig der Lexikografie lässt sich nicht losgelöst von der allgemeinen Lexikografie betrachten. Ihre Entwicklung und die Erstellung verschiedener Dialektwörterbücher sind eng mit dem Stand der Lexikografie der gesamten Sprache, den lexikografischen Traditionen und den Errungenschaften der Lexikologie verknüpft. Wie in der allgemeinen Lexikografie gibt es auch in der Dialektlexikografie eine Vielfalt verschiedener Wörterbuchtypen (zu den Typen von Mundartwörterbüchern siehe beispielsweise Bušmane, Kagaine 1980: 59–75), in denen sich je nach den angestrebten Zielen und Aufgaben unterschiedliche Möglichkeiten der Interpretation mundartlicher Fakten bieten. Diese werden sowohl durch objektive Faktoren bestimmt – die verfügbare Menge und Qualität des Materials, den Stand der Lexikografie, Traditionen usw. – als auch durch gewisse subjektive Erwägungen bei der Auswahl der Schwerpunkte und Darstellungsaspekte der lexikografischen Information. Verfügen die Wörterbuchverfasser beispielsweise über umfangreiches Material und besteht die Absicht, den Wortschatz und die Semantik der Mundarten mehr oder weniger umfassend zu charakterisieren, so könnte sich offenbar ein nichtdifferenzielles Wörterbuch eignen. Zielt das Vorhaben hingegen vor allem darauf ab, die dialektalen Besonderheiten aufzudecken, dürfte ein differenzielles Wörterbuch geeigneter sein. Ist die Materialmenge relativ gering und begrenzt, lässt sich ein Register dialektaler Wörter mit Ortsangaben sowie Erläuterungen zu Bedeutungen und Gebrauch erstellen; ebenso wie in der Standardsprache können auch verschiedene Wörterbücher zu spezifischen Aspekten angelegt werden. In der lexikografischen Literatur wurde auch der Gedanke geäußert, ein bestimmtes Wörterbuchsystem beziehungsweise einen Wörterbuchkomplex zu schaffen, wenn die Besonderheiten einer Mundart oder einer Gruppe von Mundarten mit lexikografischen Mitteln möglichst umfassend beschrieben werden sollen. Einen solchen Komplex könnten beispielsweise erklärende Mundartwörterbücher, Synonymwörterbücher, thematische oder ideografische Wörterbücher sowie Wörterbücher der Wortbildung und der Wortverbindungen umfassen (dazu siehe beispielsweise Sorokoletov, Kuznecova 1987: 87–92). Das im Beitrag behandelte Thema hängt mit einer der wichtigsten künftigen Aufgaben der lettischen Dialektlexikografie zusammen – der Erstellung eines neuen lettischen Mundartwörterbuchs. Seit der Veröffentlichung der bislang umfassendsten Sammlung des allgemeinen und dialektalen Wortschatzes der lettischen Sprache – K. Mīlenbaha Latviešu valodas vārdnīca und ihrer Ergänzungen (ME I–IV, 1923 – 1932, EH I–II, 1934 – 1946) – ist bereits ein halbes Jahrhundert vergangen. Neue Fakten sind hinzugekommen, neues Material wurde gesammelt und Studien zur Etymologie, Sprachgeografie und anderen Bereichen sind veröffentlicht worden. Deshalb ist die Erstellung eines neuen Wörterbuchs als grundlegende Aufgabe der lettischen Dialektlexikografie anzusehen (dazu siehe auch Kagaine 1985: 64 – 86). Das Wörterbuch ist (in groben Zügen) als erklärendes Mundartwörterbuch konzipiert, das synchrone und 127 diachrone Elemente verbindet – den Bezug zu ME und EH (die diachrone Ebene) sowie kurze Angaben zur Herkunft des Wortes oder Verweise auf die etymologische Literatur – und andererseits den Versuch unternimmt, den mundartlichen Wortschatz in ein System einzuordnen, das den gegenwärtigen Zustand widerspiegelt (die synchrone Ebene). Bei der Ausarbeitung eines Wörterbuchprojekts gibt es, wie bei jedem Wörterbuch, zahlreiche Fragen – sowohl problematische als auch diskussionswürdige. Der Beitrag behandelt lediglich einige Aspekte, die mit der kulturhistorischen Bedeutung von Mundartwörterbüchern und der Darstellung der semantischen Struktur von Wörtern zusammenhängen. Wie bekannt, sind Dialektwörterbücher zugleich Quellen linguistischer Information und kulturhistorische Denkmäler, in denen sich die assoziative Weltwahrnehmung, die historische Erfahrung und das Wissen der Sprachbenutzer in den Bereichen des materiellen wie des geistigen Lebens lexikografisch festgehalten offenbaren. Eine solche Aufgabe kann am besten ein nichtdifferenzielles, relativ vollständiges Wörterbuch erfüllen, dessen Belegmaterial nicht nur die semantischen und grammatischen Besonderheiten eines Wortes, sondern auch verschiedene Ausdrucksmittel, in der Mundart verwendete Wortverbindungen (Vergleiche, Phraseologismen), dialektale Terminologie sowie Informationen über ethnografische Realien der Region und deren materielle und geistige Kultur sichtbar macht. Aus kulturhistorischer Sicht ist ein nichtdifferenzielles Wörterbuch sehr wichtig, denn über die Eigenheiten von Mundarten und Dialekten lässt sich nicht nur anhand lexikalischer und semantischer Unterschiede etwas erfahren, sondern auch anhand des allgemein gebräuchlichen Wortschatzes und seiner lexikalisch-semantischen Verwendung. So ist das Wort biežputra die lettische Bezeichnung für ein dickes Gericht aus Mehl und Graupen (siehe den Wörterbuchartikel am Ende des Beitrags). Es ist in der gesamten lettischen Sprache verbreitet, und seine Bedeutungen in den Mundarten entsprechen den Bedeutungen des Wortes in der Standardsprache. Bei einem nach dem differenziellen Prinzip angelegten Wörterbuch gäbe es daher keinen Grund, es in das Mundartwörterbuch aufzunehmen. Das Wort ist jedoch Bestandteil zusammengesetzter Bezeichnungen – dialektaler Termini – und diese Bezeichnungen samt ihrem Belegmaterial spiegeln sowohl ethnografische Besonderheiten der bezeichneten Realien (in diesem Fall Speisen), etwa hinsichtlich ihrer Zutaten und Zubereitung, als auch die Merkmale und Assoziationen wider, die der Benennung zugrunde liegen. Werden solche Wortverbindungen nur unter den dialektalen Bestandteilen verzeichnet, zerfällt die gesamte lexikalisch-semantische Gruppe; bei einer gemeinsamen Behandlung unter dem unabhängigen Bestandteil hingegen lässt sich ein Überblick über die verschiedenen Eigenheiten dieser Wortgruppe gewinnen. So zeigt sich bei gemeinsamer Darstellung im Wörterbuchartikel etwa die semantische Besonderheit, Speisen – verschiedene aus zwei Grundzutaten zubereitete dicke Breie – mithilfe von Bezeichnungen für Stoffe oder für das Weben zu benennen: nātna biezputra, pusnātna biezputra, pusdamaška biezputra, šķēterēta vai šķetināta biezputra, bukstiņu biezputra usw. Ähnliche Bezeichnungen für Kartoffelbrei mit Graupen oder Mehl kommen auch im Litauischen vor (LKA I 1977: 84; Laumane 1979: 154). Bei einem nach diesem Prinzip angelegten Wörterbuch (einer Faktendatenbank) steht Interessierten somit ein recht umfangreiches Informationsangebot zur Verfügung. Ähnliches lässt sich auch für andere Lexeme anführen, die mit ethnografischen Realien und Gegenständen der materiellen Kultur verbunden sind. So gehört buōmīs zum allgemein gebräuchlichen Wortschatz; seine Bedeutungen sind in den Mundarten und der Standardsprache gleich. Aus kulturhistorischer Perspektive lässt sich hier wiederum die Verbreitung dieses Germanismus in verschiedenen lettischen 128 Mundarten im mit dem Weben verbundenen Wortschatz erkennen – in den Bezeichnungen für Teile des Webstuhls: baka buomis, dzeīņa buomis, drēbju buomis, krūšu buomis, šķēru buomis u.c. (siehe den Wörterbuchartikel am Ende des Beitrags). In Dialektwörterbüchern gehört neben anderen informativen Angaben (etwa zum Verbreitungsgebiet, zur Herkunft und zu grammatischen Besonderheiten eines Wortes) der semantische Aspekt zu den wichtigsten: Angaben zu den Bedeutungen und zum Gebrauch von Wörtern und Wortverbindungen, die in einer Mundart, einer Gruppe von Mundarten oder einem Dialekt belegt sind. Die Aufdeckung der semantischen Struktur von Wörtern in einem einheitlichen System steht auch bei der Planung eines lettischen Mundartwörterbuchs im Mittelpunkt, beeinflusst jedoch in gewissem Maß zugleich die Wahl des Wörterbuchtyps. Während es in der lettischen Dialektologie Traditionen und Errungenschaften in der Erforschung der Phonetik, Morphologie und des Wortschatzes gibt – hier sind in erster Linie die grundlegenden Arbeiten von J. Endzelīns, die Reihen von Mundartbeschreibungen und die sprachgeografischen Untersuchungen thematischer Wortschatzgruppen zu nennen –, sind semantische Probleme in der lettischen sprachwissenschaftlichen Literatur theoretisch nicht hinreichend behandelt worden. Dies gilt auch für Untersuchungen zur Semantik des mundartlichen Wortschatzes (zu nennen sind hier einzelne Arbeiten größeren oder geringeren Umfangs – Kagaine 1992; Reķēna 1985; Reķēna 1989 u. a.), denn für solche Untersuchungen ist eine geeignete lexikografische Grundlage erforderlich. Deshalb besteht eine der Hauptaufgaben nicht nur darin, dialektale Besonderheiten aufzudecken, sondern auch die semantische Struktur der Wörter in einem einheitlichen System darzustellen, das zudem die Entwicklung sekundärer Bedeutungen und ihre Zusammenhänge aufzeigt. Bekanntlich lassen sich mit differenziellen Wörterbüchern dialektale Besonderheiten, vor allem lexikalische Dialektismen, gut herausarbeiten. Die Darstellung semantischer Besonderheiten, insbesondere dialektaler Bedeutungen allgemein gebräuchlicher Wörter, ist in Wörterbüchern dieses Typs hingegen eingeschränkt. Bei allgemein gebräuchlichen Wörtern, die den Grundbestand des mundartlichen Wortschatzes bilden, werden aufgrund der Besonderheiten der Materialauswahl und des Aufbaus differenzieller Wörterbücher die systemischen Beziehungen und assoziativen Verbindungen bei der Entstehung sekundärer Bedeutungen aufgelöst. Die Entwicklung der semantischen Struktur von Wörtern lässt sich nicht feststellen, denn wenn nur eine dialektale Bedeutung eines allgemein gebräuchlichen Wortes in das Wörterbuch aufgenommen wird, bleibt die Stellung dieser dialektalen Bedeutung innerhalb der gesamten semantischen Struktur des Wortes unaufgezeigt. Dadurch wird der Umfang der semantischen Information erheblich eingeschränkt. Dabei ist zu beachten, dass es relativ wenige allgemein gebräuchliche Lexeme gibt, die sich semantisch vollständig vom entsprechenden Wort im System der Standardsprache unterscheiden. In vielen Fällen kann man nicht von Unterschieden in der gesamten semantischen Struktur sprechen, sondern nur vom Vorhandensein einzelner dialektaler Bedeutungen. Üblicherweise ist ein Teil der Bedeutungen (oder zumindest eine Bedeutung) mit den Bedeutungen des entsprechenden Wortes im System der Standardsprache gemeinsam, während sich nur ein Teil der Bedeutungen in den Mundarten herausgebildet hat und mit den kulturhistorischen und alltäglichen Lebensbedingungen der Region sowie mit lokalen Einflüssen anderer Sprachen zusammenhängt (Kagaine 1992: 40–45). Auch die Darstellung umgangssprachlicher Bedeutungen in differenziellen Wörterbüchern ist problematisch: Es handelt sich dabei nicht um dialektale Bedeutungen, sie haben jedoch in der Sprache der Mundartsprecher einen großen Anteil. Werden im Wörterbuch nur spezifisch dialektale Bedeutungen dargestellt, lässt sich das Material nicht vollständig in das Entwicklungsschema der Gesamtbedeutungsstruktur des Wortes einordnen; ebenso wenig können die Muster der Entstehung sekundärer Bedeutungen festgestellt werden, um sie für typologische Vergleiche nutzen zu können. 129 Zur Veranschaulichung kann man beispielsweise die Bedeutungsentwicklung lexikalisch-semantischer Wortgruppen nennen, die mit dem für die mündliche Kommunikation charakteristischen Ausdruck und der Konnotation verbunden ist. In dieser Hinsicht sind Verben der physischen Einwirkung, die eine Intensitätskomponente in ihrer Semantik aufweisen, recht typisch. Bei den sekundären Bedeutungen dieser Verben beginnt die Intensität, sobald sie sich in die Gruppe expressiver Bedeutungen eingliedern, gegenüber der Handlungsbezeichnung zu dominieren; ihr Gebrauch in unterschiedlichen situativen Kontexten erweitert sich erheblich: bliezt ‘kräftig schlagen; hacken’ ‘schießen’; ‘schnell laufen’; ‘schnell, hastig legen, aufstellen, tragen u. Ä.’; ‘essen (schnell, in größerer Menge)’; ‘sprechen; sagen, äußern (scharf, direkt, unverblümt)’. Das Wort gehört zur umgangssprachlichen Schicht des allgemein gebräuchlichen lettischen Wortschatzes (LLVV II: 102), kann also als ein in der gesamten lettischen Sprache bekanntes und gebräuchliches Wort angesehen werden. Werden in einem Dialektwörterbuch nur Bedeutungen wiedergegeben, die in Wörterbüchern der Standardsprache nicht verzeichnet sind, werden die semantischen Verbindungen zwischen der primären und den sekundären Bedeutungen unterbrochen, da in differenziellen Wörterbüchern Informationen über die den Dialekten und der Standardsprache gemeinsamen Bedeutungen gewöhnlich nicht angegeben werden und diese sekundären Bedeutungen so außerhalb des gemeinsamen semantischen Zusammenhangs als scheinbar unverbunden erscheinen. Betrachtet man dagegen die semantische Entwicklung dieser lexikalisch-semantischen Wortgruppe als ein einheitliches System, lassen sich gewisse Gesetzmäßigkeiten der semantischen Entwicklung feststellen und ein bestimmtes Entwicklungsmodell erstellen (Verb der physischen Einwirkung + semantische Intensitätskomponente und Desemantisierung → jede andere intensive Handlung); das erfasste Material kann für weitere Untersuchungen und Vergleiche verwendet werden. Unterschiede zwischen einzelnen Dialekten und Dialektgruppen betreffen mitunter den Gebrauch bestimmter Verben; so ist etwa das bereits erwähnte bliezt hauptsächlich in den semgallischen und ihnen territorial nahen Dialekten verbreitet, während in anderen Dialektgruppen andere Verben der physischen Einwirkung häufiger sind, beispielsweise in Nordlivland mistīt, mizuot || mizāt (‘(jemandem) die Rinde abteilen; die äußere Hülle abschälen’ → ‘(etwas) intensiv tun, arbeiten’ → ‘schlagen; kräftig prügeln’ → ‘viel schlagen (mit einer Rute)’ → ‘schnell gehen, fahren’ → ‘schießen’ → ‘essen (mit großem Appetit)’ → ‘intensiv verschlucken (über Naturerscheinungen)’), sluodzīt, sukāt u. a.; die Entwicklungstendenzen der Semantik sind jedoch gemeinsam. Diese semantischen Entwicklungsmodelle lassen sich weiter beim Vergleich von Material aus mehreren Sprachen verwenden. So kann man bei der Betrachtung der semantischen Entwicklung lokaler Entlehnungen feststellen, dass die Entwicklung solcher Bedeutungen bei Wörtern dieser semantischen Gruppe nicht von der Herkunft des Wortes abhängt – bei lokalen Entlehnungen aus den ostseefinnischen Sprachen verläuft sie ähnlich wie bei ererbten Wörtern der entsprechenden lexikalisch-semantischen Gruppe: koskāt (< koska; ME II 255 koska...Tannen– od. Fichtenrinde... Nebst kaska wohl aus estn. kosk “Fichtenrinde”) ‘(einem Baum) die Rinde abteilen; (einen Baum) entrinden’ → ‘(eine verhärtete Oberflächenschicht, Folie) abteilen, abnehmen’ → ‘häuten’ → ‘schnell gehen’ → ‘schlagen; hauen’. Das erlaubt die Annahme gemeinsamer psychologischer Motivierungstendenzen in mehreren Sprachen und einer besonderen Produktivität dieses semantischen Modells in den Dialekten und allgemein in der Umgangssprache. Dies sind nur einige Beispiele aus dem breiten Spektrum semantischer Wortentwicklungsmodelle, die sich je nach Umfang des Materials in einem undifferenziellen Wörterbuch mehr oder weniger vollständig erschließen lassen. Unter Berücksichtigung all dessen, was oben ausgeführt wurde, lässt sich sagen, dass die semantische Struktur eines Wortes 130 ihre ausführliche Beschreibung im Wörterbuch (bzw. die Erstellung einer Datenbank für verschiedene semantische Untersuchungen) die Wahl des Wörterbuchtyps maßgeblich beeinflusst – für die Erfüllung einer solchen Aufgabe ist gerade ein undifferenzielles Wörterbuch am besten geeignet, da sich die Wortsemantik in differenziellen Wörterbüchern (aufgrund der Besonderheiten der Materialauswahl und des Aufbaus) nicht als einheitliches System betrachten lässt. Musterartikel biežputra Subst. Speise von dicklicher Konsistenz (gewöhnlich aus Grütze oder Mehl). biēspūtras vārīja dažādas, vārīja putraimu biēspūtru, vārīja arī tā saucamo šķēterētuo biēspūtru. vārīja arī miltu biēspūtru nuo rudzu miltiem. vel vārīja kartupeļu biēspūtru Zantē; ka kāds lauk darbs nuōbeidz, ta vār biēspūtr, lai vis kas citgad āug biēzaks Jeros; nuo rīta, ka beeidza /mazgāt veļu/, ta jau aka vārīja biēspūtru, lai tā veļa neisklist, biēzāka lai stāv Nicā; biēspūtru vārīja, ka cīrpa āites, lai būtu biēza villa Kursīsos; kamēr biežputru vārīja, bērniem pusvārjušos nedeva ēst, lai nebūtu lieli plāpas, mēle neietu ple, ple! in der Umgebung von Valmiera. // Aus Kartoffeln und Grütze, seltener aus Kartoffeln und Mehl gekochte Speise von dicklicher Konsistenz. ka rāceņi i un milti, ta ta i ritīga biēspūtra in Nicā; in Augšzeme, Vidzeme, Nord-Lettgallen. atsildīta (arī atvārita) biežputra – dicklicher Kartoffel-Mehl-Brei. atvāritā biēzputra – kārtupeļu biēzputrai pièlej piēnu un drusku bidēlmiltus in Snēpele; auch in Ārlava. baku biežputra – Kartoffelbrei. In Kazdanga. baltā (arī rāceņu) biežputra – Kartoffelbrei. rāceņu biēspūtru, baltuo biēspūtru – tā viņu sauc. tuo mīca ar stum-pu in Aizvīķi; baltā biēspūtra, sastum-pā bes stērķelēm in Nicā; baltā biēspūtra ir tā pate rāceņu biēspūtra in Kalēti; auch in Bārta, Dunika, Dole, Embūte, Gramzda, Grobiņa, Laidze, Lubezere, Nīgrande, Nogale, Priekule, Stelpe, Upesgrīva, Užava, Vāne, Vecsaule. □ bidelētā biežputra – dicklicher Brei aus gesiebtem Roggenmehl. In Pociems. □ bukstiņ(u) biežputra – a) Kartoffel-Grütze-Brei in Aizupe, Libāgi, Pastende, Piltene, Renda, Sabile, Valgale. b) Kartoffel-Mehl-Brei. In Matkule. □ čērpuotā (arī kumašinu) biežputra – Kartoffelbrei mit Klößchen aus geriebenen Kartoffeln. čērpuotā biēspūtra – tiē ķilķeni rīvētie kā čērpi rāceņu biēspūtrā Nicā; senāk kumašinu biēspūtra bija – sarīvā rācenus, nuōsūc tuo zupu, iemīca drusku sāli tiuos rīvinu izvāra – tuos kumašinus in Nicā. □ glumā biežputra – Brei aus geriebenen Kartoffeln. glumā biēspūtra – sarīvē rācenus, nuōspiēž, nuō rīvēt iem rāceņiem vāra biēzputru, liēk piēnā, sāli klāt, ēduot ņem sviēstu klāt in Zante. □ iejava (arī iejavas) biežputra – dicklicher Brei aus Brotteig angesetzt. In Bārbele, Bauska, Birzgale, Elkšņi, Laši, Nautrēni, Sabile, Slate, Valgale, Vecumnieki, Zasa. □ igauņu biežputra – Kartoffel-Grütze-Brei. In Cirgaļi. □ jaukta biežputra – Kartoffel-Mehl-Brei. In Bārta. □ kraitā biežputra EH I 643 Brei aus Gerstengrütze und Kartoffeln (miežu putraimu un katrupeļu biežputra). □ Lambārtes biežputra – Kartoffel-Grütze-Brei. izvāris Lambārtes biēspūtru! /Lambārte – Gut in Iecava 131 im Dorf/ so sagten alle bei uns. so / dicker Brei/ sind Kartoffeln mit Rote-Bete-Brei in Iecava. □ gemischter dicker Brei – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze. In Mālpils, Snēpele. □ Brotbrei – in der Maische gekochter dicker Brei. In Jaunsaule, Lasos, Skaistkalne, Varakļāni. □ stummer Brei – a) dicker Brei, der schweigend gekocht und in der Silvesternacht gegessen wird (damit man die Ereignisse des kommenden Jahres erträumen kann). In Bunka, Cīrava, Dunalka, Embūte, Gudienieki, Kazdanga, Priekule, Raņķi, Rudbārži, Skrunda. b) aus geriebenen Kartoffeln (und Grütze) gekochter dicker Brei (er muss rasch gekocht werden, damit er nicht anbrennt), in Priekule, Tadaiki. □ mūsinama biezputra. ME II 671, 672 ein von feinem Mehle mit kleinen Stücken Speckes gekochte dicke Grütze (dicker Brei aus feinem Mehl mit kleinen Speckstückchen). □ nātna biezputra – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze. nātna biēspūtra – man kocht die Grütze sehr weich und gibt dann Kartoffeln dazu in Kursīši; auch in Ezerė, Zūras, Kuldīga. □ Petersburger Brei individuell gebraucht – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze. Pēterburgas biēzputra – meine Mutter sagt: Er bleibt lange heiß, man kann ihn nach Petersburg mitnehmen in Džūkste. □ Weidenkätzchenbrei – dicker Brei, der am Palmsonntag gekocht wird, damit die Lämmer gut gedeihen. In Dikļi. □ pūr(e)nieku biezputra – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze. In Cēre. □ pusdamaška biezputra – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze oder Mehl. In Bārta, Kalēti, Priekule, Purmsāti, Virga; ME III 424 ein Brei aus Mehl und Grütze in Kalēti oder aus Kartoffeln und Mehl in Dunika. □ pusnātnā biezputra – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze oder Mehl. pusnātnu biezputru pagatavuoja nuo miežu putraimiem un kartupeļiem in Priekule; auch in Aizpute, Alsunga, Bunka, Cīrava, Dunalka, Embūte, Gavieze, Gramzda, Jūrkalne, Kalēti, Krote, Kuldīga, Nīgrande, Piltene, Planica, Rudbārži, Virga, Zūras; ME III 431 in Ventspils. □ geriebener (auch: geriebener, geriebener) dicker Brei – dicker Brei aus geriebenen Kartoffeln. rīvuota biēspūtra... die Kartoffeln wurden gerieben, der mehlige Sud abgegossen, in den Topf gegeben, Milch dazugegossen und gerührt in Bārta; auch in Cīrava, Dunalka, Grobiņa, Piltene, Stende. □ Speckbrei – dicker Brei aus Roggenmehl (früher zusammen mit Spelzen). In Bunka. □ gezogener dicker Brei – dicker Brei aus Kartoffeln und Mehl. In Cīrava. □ Stärkebrei – Kartoffelbrei mit Stärke. stērķeļu biēspūtra/bija/. Sie rieben rohe Rüben... an einem Samstagabend kochte man diesen Brei. Weiße Rüben wurden geschält, gekocht und zerdrückt, bis sie weich waren. Wenn der Bauer wohlhabend war, gab er Milch dazu; andere rührten in dieselbe Brühe / dasselbe Wasser, in dem die Kartoffeln gekocht worden waren, die Stärke ein, salzten nach Bedarf und rührten alles über dem Feuer zusammen, bis die Stärke aufquoll in Nīca. □ gezupfter (auch: gezupfter) dicker Brei – dicker Brei aus Kartoffeln und Grütze oder Kartoffeln und Mehl. šķetinātā biēspūtra – Kartoffeln mit Grütze zusammen. Man kann Fleisch darin mitkochen, mit Milch wird es ebenfalls gekocht in Zante; auch in Aistere, Īvande, Krote, Kuldīga, Piltene. □ verrückter dicker Brei – dicker Brei aus Kartoffeln und Mehl oder Kartoffeln und Grütze. trakā biēspūtra – so verrückt kocht er in Rudbārži; auch in Ugāle. □ vadmalu biezputra – dicker Brei aus Kartoffeln und Mehl in Dzīri. □ Stiefkind des dicken Breis – dünnflüssiger dicker Brei aus Gerstenmehl (auch aus Kartoffeln), zusammen mit fein geschnittenem und gebratenem Fleisch gekocht. In Rozēni. ◊ Birkenbrei (auch Birken) (auch biezaputra) – Birkenzweige; Schläge mit der Rute 132 Birkenbrei mit Birkenzweigen – Birkenzweige zum Prügeln von Kindern, die hinter dem Balken stecken, in der Umgebung von Valmiera; du wirst noch Birkenbrei bekommen, wenn du nicht gehorchst in Kalupė. buōmis; buōms Substantiv. 1. Kräftiges, meist zurechtgemachtes Holzstück; dicker Holzschaft. buōmi gab es in verschiedenen Ausführungen. Es gab kleine buōmīši – Holzstücke, glatt zugerichtet und mit einer spitzen Seite. Mit einem buōmītis rollte man Baumstämme in Vecate; Stammrollstangen. Der Stangenbrecher zum Ziehen von Baumstämmen war etwa anderthalb Klafter lang. Der Heuschoberstaken ist glatt, hat ein spitzes Ende und am Griff ist ein Zapfen angebracht in der Umgebung von Valmiera; wenn die Leute das Getreide auf dem Trockengestell trocknen, ziehen sie es mit einem buōmi über die Stangen in Jeri; man schiebt das buōmiņš unter die Kartoffeln in die Erde und trägt sie auf einen größeren Haufen in Lauciene; wenn die Baumstämme lang sind, gräbt man die Wurzeln frei, schneidet die Enden ab und zieht sie mit dem buōmi heraus in Kursīši; mit dicken buōmji hebt man auch Steine [aus dem Boden heraus] in Džūkste; □ faul wie ein buomis – sehr faul. du bist immer faul, man muss dich mit einem buomis antreiben in Sinole; faul wie ein buēms. Man muss ihn schieben und stoßen in Mārciena; auch in Lazdona, Prauliena. □ schwer wie ein buomis – sehr schwer. er ist schwer wie ein buōms in Jeri. □ steif wie ein buomis – sehr steif. steif wie ein buōmis – kann sich nicht bewegen, ist sehr unbeweglich in Rencēni; auch in Ranka. □ der faule buomis. ME I 362 Faulpelz. □ buomis muss daruntergelegt werden – sagt man über einen Menschen, der sich nur schwer wecken und aufstehen lässt. wenn du morgens nicht zur Arbeit aufstehst, muss man dir ein buomis unter die Seiten schieben in Sinole. □ gehen wie ein buomis. ME I 362 er geht wie ein Peitschenstiel, überall anstossend (er geht wie ein Peitschenstiel und stößt überall an). ◊ wie mit einem buomi aufzuheben – sagt man über einen faulen Menschen. er muss wie mit einem buomi hochgehoben und angetrieben werden in der Umgebung von Valmiera; er ist faul, steht nicht auf, man muss ihn mit einem buōmi hochheben in Sinole. ◊ wie mit einem buomi auf die Stirn (auch Kopf) – sagt man, wenn man plötzlich etwas Unerwartetes, Überraschendes erfährt. er sagte ein solches Wort, dass es war, als hätte man ihn mit einem buomi auf die Stirn geschlagen; wie mit einem buomi auf den Kopf, wie mit einem Hammer auf die Stirn, wie mit einem Knüppel auf den Kopf – eine unerwartete Nachricht von einem schrecklichen Ereignis in der Umgebung von Valmiera. // Langer, dicker Pfahl zum Sichern eines Heu-, Getreide- oder ähnlichen Wagens. über die Heuladung muss ein buōms gelegt werden in Limbaži; große Ladungen wurden aufgeladen – quer darüber kam ein buōmi, und die Männer banden sie mit Stricken fest in Iecava; Heuschoberstange oder Ladungssicherungsstange in Svētciems; diese lange buēms, die man über die Getreideladung legt in Prauliena; buōmis darüber [über die Ladung] und mit einem dreifachen Seil festbinden in Nīgrande; man band die Ladung mit einem būmi fest in Kalncempji; man häuft die Ladung auf und legt einen būmi darüber in Dignāja. □ śeŗa buōmis – Faulpelz. diese Kerle bewegen sich nicht, obwohl sie durchaus Verstand haben in Saikava; kaum hat dieser Kerl sich in Bewegung gesetzt, ist die Arbeit schon getan Praulienā; EH I 259 ein Faulpelz, ein ungeschickter Arbeiter in Saikava. buōms in Grobiņa, Nīca, Pope, Rucava, Strazde; LLVV II 109 bomis; EIV I 196 buōmis, ME I 362, EH I 259 buōmis. 2. Walze für Webstühle. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in ganz Vidzeme zwei parallel verwendete gemeinsame Bezeichnungen für Webstuhlwalzen – kuoķi und buomji, daneben blieben mehrere alte Bezeichnungen erhalten und einige neue kamen hinzu. Alsupe DLJ 158; buomis – ein rundes Holzstück, auf das man vor dem Weben die Kettfäden aufwickelt, in der Umgebung von Valmiera; die Weberin wickelte das Gewebe auf das buōmi, dann bleibt es dort und wird gewalkt und gekämmt in Jērčeni; es gibt noch eine Walze, um die sich der Walkrahmen dreht, und eine andere Walze, um die es herumgewickelt wird 133 „drēbe“ in Iecava; wenn [die Kettfäden] auf diesen Baum gewunden sind, werden sie in Brukna einfach auf die Spulen gewickelt; □ baķa buomis – Kettbaum in Rozēni, dzeiņa buomis in Lielvārde, Rembate, džiju buomis in Kārķi, mētu buomis in Allaži, uzgriežamais buomis in Alsvīki, Cirgaļi, Dūre, Koknese, Priekuļi und uzveļkamais buomis in Lizums. Alsupe DLJ I 160–161. □ dzīvu buomis – Kettbaum. dzīvu buōmis, ku dzīves tinās riņķī EĪV I 196. □ lielas buomis – Kettbaum. tas i pakaļč vai lielās buōms [stellēm], ku neaūstās aūdākļc riņķi. atlaiden laiž no lielā buōm Jeros; auch in Kārķi, Brukna; Baižkalns, Koknese, Rozēni und Vecpiebalga. Alsupe DLJ I 161. □ pakaļas buomis – Kettbaum. uz pakaļas buōma uzgrieže naaūstās dzijs in Sinole; auch in Jeri; pakaļējais buomis Bilska, Vecpiebalga. Alsupe DLJ I 161. □ šķēru buomis – Kettbaum. šķēru buōmi griež ar kuōku in Baunas; tūo sāuca pa šķēru buōmi, ku uzgriež aūdēklu EĪV I 196. □ drēb(j)u buomis – Stoffbaum. tas i drēbu buōmis, ap tūo tinās aūdēklis EĪV I 196. □ ieaužamais buomis – Stoffbaum in Mālupe, iegriežamais buomis in Lubāna, ragača buomis in Mālupe, šķīvja buomis in Ozoli, Vainiži, Vecpiebalga, uztīnamais buomis in Lubāna und zvaigžņu buomis in Liepa. Alsupe DLJ I 158. □ lejas buomis – Stoffbaum. lejas buōcms ā bij āpāls, tik nu vienā pusē iskala reni, lei vār iestiprināt aūdēklu ā vēldeni in Vecpiebalga; auch in Mālupe und Skujene. Alsupe DLJ I 158. □ ragainais buomis – Stoffbaum. tām [veltnim] i tie ragi, kuo pagriež, pa ragainuo buōmi sāuc in Kārķi; auch in Suntaži. □ krišu buomis – Walze, über die das gewebte Tuch geführt wird. steļļu krišu buōmis ir priekšas buōmis, tām iēt gotavais aūdaklis p°ari Sinolē; kru°šu buēm's i.r audēišai pret kru°tiem Praulienā; tūr i rencbuōmis, ku tinās riņķi, krušu buōmic, ku iēt pāri tas aūdēklis in Trikata; auch in Baunas, Burtnieki, Jērcēni, Mālpils, Rencēni, Umgebung von Valmiera, Vecpiebalga; EĪV I 196; ME I 362. □ ceļu buomis – Querholz zur Erhöhung der Spannung des Gewebes und zur Abgrenzung der Beine des Webers vom Stoffbaum. In Allaži, Alsvīki, Anna, Cēsis, Dzērbene, Ilzene, Katlakalns, Lielvārde, Lizums, Mārciena, Mēdzula, Priekuļi, Riga, Sigulda, Skujine, Turaida, Vaidava, Vainiži, Vecate, Veclaicene, celgalu buomis – in Liepa, More, Sērmūkši, kāju buomis – in Baunas, Cirgaļi, Launkalne und Vijciems. Alsupe DLJ I 164. □ kemlādes buomis – Bestandteil des Webstuhls – ein Holz, an dem die kemlāde befestigt wird (ein Teil, in den das Webblatt eingesetzt wird). blākus nīšu buō°mīšam i kemlēdes buō°mīc in Vecpiebalga. □ sistavas buomis – Bestandteil des Webstuhls – ein Holz, an dem die sistava befestigt wird, in Ranka. □ nīšu buomis – Halterung der Webvorrichtung. In Aloja, Birzuļi, Cēsis, Ērgļi, Jaunpiebalga, Kosa, Lielvārde, Limbaži, Rozēni, Sērmūkši, Smiltene, Trikata, Turaida, Vainiži, Vecpiebalga und Viļķene. Alsupe DLJ I 165. □ palaidžamais buomis – Stäbchen zum Drehen des Kettbaums in Svētciems und Vecate. Alsupe DLJ I 164. LLVV II 109 veraltet; EĪV I 196; ME I 362; EH I 259. 3. Bestandteil einzelner Werkzeuge, Vorrichtungen und Konstruktionen. ecežam i kuōk va dzelž taps, kas visos buōmos i pamīš in Lauciene; [hölzerne Eggen] a kuōka buōmi un kuōka puļķiem in Kursīši; [am Pflug] vorne und hinten gab es Bäume in Iecava; garedeļ ratem pa·višem cēter buōm, katrę redļe dļ:žu buōm. redęl buōm no egęl un redęl v:rb 134 tâ-pat, ļe redels iznāk vieglak in Dundaga; buru buōmis, kuō lietuō piē sprītbuōras, a tuō tiēk pacēlīc galvenais vēja smēlēja stūris Niča; tas [des Floßes] irkļis izlikc iz krušu buōma, ar tuō irklu tuō ūdeni škīr Sinolē. // Teil eines Spinnrads (auf der sogenannten Brust des Rads befestigt), in den zwei Stifte zum Halten der Spule eingesetzt sind. buōmīti ielikti stabiņi in Baunas; Brustbaum, Stifte, auf die man die Spulen steckt. In Sinole steht der Brustbaum auf der Brust. ME I 362 buomītis, ein Teil des Spinnrades kuoks, kurš iestiprināts uz rāceņa un kurā stāv ruociņas. // EH I 259 ein unter den Rändern eines Wagens befindliches sechs- oder achtkantiges Holzstück, das die übrigen Teile des Wagens zusammenhält (sechskantiges oder achteckiges Holzstück unter den Wagenrändern, das die übrigen Teile des Wagens zusammenhält) in Džūkste. 4. Querbalken; Barriere. nabrāuc, redzi, ko ceļam priška būms, kod būmi pacelēs, variēs brāukt in Ziemeri; vāl nūñe buēnīs bīj priēška - ar zīrgu tyltām brōukt pāri nādrīkst in Lazdona. Entlehnung; siehe ME I 362 außerdem litauisch bōmas „Hebebaum“ und estnisch pōm dasselbe, aus mittelniederdeutsch bōm „Baum“. LITERATŪRA B u š m a n e B., K a g a i n e E. 1980: Izlokšņu vārdnīcu tipi un latviešu dialektālo vārdnīcu veidošanas jautājumi. – LPSR ZA Vēstis 8, Rīgā: Zinātne, 59–75. DLJ I – Dialektālās leksikas jautājumi 1, Rīga: Zinātne, 1986. EH I–II: E n d z e l ī n s J. un H a u z e n b e r g a E. Papildinājumi un labojumi K. Mühlenbacha Latviešu valodas vārdnīcai 1–2, Rīgā, 1934–1946. ĒIV I – K a g a i n e E., R a g e S. Ērģemes izlokšņu vārdnīca 1, Rīgā: Zinātne, 1977. K a g a i n e E. 1985: Apvienotās latviešu izlokšņu vārdnīcas veidošanas problēmas. – Valodas aktualitātes 1984, Rīgā: Zinātne, 64–86. K a g a i n e E. 1992: Semantiskie dialektismi Ziemeļrietumvidzemes izlokšņēs, Rīgā: Zinātne. L a u m a n e B. 1979: Lietuviešu valodas atlants. – LPSR ZA Vēstis 2, Rīgā: Zinātne, 150–155. LKA I – Lietuvių kalbos atlasas 1, Leksika, Vilnius: Mokslas, 1977. LLVV II – Latviešu literārās valodas vārdnīca 2, Rīgā: Zinātne, 1973. ME I–IV – M ü l e n b a c h s K. Latviešu valodas vārdnīca. Rediģējis, papildinājis, turpinājis J. Endzelīns 1–4, Rīgā: K ultūras fonda izdevus, 1923–1932. R e ķ ē n a A. 1985: Par augšzemnieku dialekta Kalupes izlokšnes priedēkļverbu semantiskajām atšķirībām no latviešu literārās valodas. – Valodas aktualitātes 1984, Rīgā: Zinātne, 87–97. R e ķ ē n a A. 1989: Aizguvums – semantikas diferencētājs. – Baltistica 3 (1) priedas, Vilnius: Mokslas, 173–178. S o r o k o l e t o v F. P., K u z n e c o v a O. O. 1987: Očerki po russkoj dialektnoj leksikografii, Leningrad: Nauka. SEMANTINIO ASPEKTO VAIDMUO PASIRENKANT TARMIŲ ŽODYNO TIPĄ Santrauka Vienas iš svarbiausių tarminių žodyno aspektų yra semantika. Todėl žodyno tipo pasirinkimą iš dalies sąlygoja išplėstinė žodžių semantinės struktūros charakteristika, kurią kaip darnų kalbos 135 sistemą galima geriau parodyti būtent nediferenciniame žodyne. Jeigu žodyną sudarytume pagal diferencinių žodynų principus, t.y. vien iš semantinių tarmybių ir bendrinės kalbos žodžių tarminių reikšmių, ši sistema būtų suardoma, konkrečios tarminės reikšmės vieta bendrojoje žodžio semantikos struktūroje nebūtų aiški. Šitaip gerokai sumažėtų informacijos kiekis, tokios medžiagos nebūtų galima įtraukti į bendrąją žodžio reikšmių analizės schemą. Žodžių semantinės struktūros kaip darnios sistemos parodymas leidžia atskleisti reikšmių raidos asociatyviuosius bei kitokius ryšius, genetines ir tipologines paraleles ir kitus aspektus. Tada ir tarmių semantinius duomenis galima įtraukti į bendrąjį kontekstą. DIE ROLLE DES SEMANTISCHEN ASPEKTS BEI DER TYPUWAHL FÜR MUNDARTWÖRTERBÜCHER Zusammenfassung In dialektalen Wörterbüchern ist neben anderen informativen Angaben (z. B., über das Fixierungsareal eines Wortes, seine Herkunft, grammatische Besonderheiten u. dgl.) der semantische Aspekt, Angaben zu Bedeutungen und zum Gebrauch in einer Mundart, Mundartgruppe oder einem Dialekt aufgezeichneter Wörter am wesentlichsten. Eine eingehende Charakteristik der semantischen Wortstruktur im Wörterbuch beeinflußt in hohem Maße auch die Wahl des Wörterbuchtyps. Zur Bewältigung dieser Aufgabe ist gerade nichtdifferenzierendes Wörterbuch am optimalsten, denn in differenzierenden Wörterbüchern läßt sich die Wortsemantik (wegen Materialauswahl und Aufbauspezifik) nicht in einem einheitlichen System betrachten. In differenzierenden Wörterbüchern wird auch die Wortsemantik differenziert widergespiegelt (semantische Dialektismen, dialektale Bedeutungen allgemeingebräuchlicher Wörter); derart werden bei allgemeingebräuchlichen Wörtern, die den Grundfonds des mundartlichen Wortschatzes bilden, in differenzierenden Wörterbüchern die systemischen Relationen und die assoziativen Verbindungen zur Bildung von sekundären Bedeutungen aufgehoben. Bei Widerspiegelung im Wörterbuch nur einer dialektaler Bedeutung des allgemeingebräuchlichen Wortes bleibt das Faktum der Plazierung dieser dialektalen Bedeutung in der semantischen Gesamtstruktur des Wortes ungezeigt. Somit wird der Umfang der semantischen Information merklich reduziert, und es ist nicht mehr möglich, das Material ins Schema der semantischen Wortanalyse einzufügen, (regelmäßige und unregelmäßige) Übertragungen der Wortbedeutungen sowie Bildungsmodelle der Bedeutungen festzustellen. Die Widerspiegelung der semantischen Wortstruktur in einem einheitlichen System dagegen läßt die assoziativen Relationen zur Bildung von Bedeutungen, genetische und typologische Parallelen in der Struktur von Wörtern bestimmter Semantik u. ä. Aspekte aufdecken und somit auch Fakta der mundartlichen Semantik in den gemeinsamen Forschungskontext einbeziehen. 136