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Veiksmažodiniai galūnės „-a“ vediniai sinchroniniu ir istoriniu požiūriu

Daiva Murmulaitytė

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVIII (1997) Daiva MURMULAITYTĖ VERBALSUBSTANTIVE MIT DER ENDUNG -a AUS SYNCHRONER UND HISTORISCHER SICHT 1. Beziehungen der Ableitungen zu ihren Basisverben 1.1. Bei der Zusammenstellung der verbalen Ableitungen mit der Endung -a aus dem DLKŽ und der Bestimmung der Wortbildungsoppositionen und Basiswörter wurde von den in der Gegenwartssprache bestehenden Wortbildungsbeziehungen (nicht von der Herkunft der Wörter) ausgegangen; Gegenstand der Untersuchung sind also Ableitungen, die die Wortbildungsbeziehung zu ihren Basiswörtern bewahrt haben. Zunächst wurden einstige Ableitungen, deren Basiswörter verschwunden sind, nicht in die untersuchte Wortgruppe aufgenommen, z. B. dejà: *dieti (BEE 56tt)¹. Auch solche Wörter der Standardsprache gelten heute nicht als Ableitungen, die auf derzeit selten gebrauchten, nur in alten Schriften belegten Wörtern oder auf Dialektformen beruhen. So stammt das Substantiv bangà von bíngti „kräftig werden“ (Būga II 397, LEW 34, LKL 203). Im DLKŽ₃ 82 ist bíngti jedoch mit den Bedeutungen 1. „kräftig werden, sich festsetzen“; 2. „sich erholen“ als Dialektform verzeichnet, während bangà in der Standardsprache weithin bekannt ist. Somit ist Letzteres aus synchroner Sicht keine Ableitung, sondern ein Simplex (vgl. Akc 33). 1.2. Manchmal hat die Gegenwartssprache zwar die Basiswörter und jene Bedeutungen bewahrt, auf die sich die Ableitung stützte, doch ist Letztere semantisch inzwischen stark vom Basisverb abgerückt, d. h. vollständig lexikalisiert². Heute bedeutet rankà nicht mehr „Mittel zum Sammeln“, già wird nicht mehr mit gýti in Verbindung gebracht; ebenso haben sich lankà, lėšos, lùbos, ribà, salà, skarà von lėñkti, lôštis (LEW 359), laũbti (LEW 388), ribėti (LKŽD 41), sálti „fließen“ (Būga II 305; LKL 162), skirti entfernt (LKŽD 41). Núoma gilt weder im LKŽD 43 noch in Akc 15 als Ableitung, doch kann man aufgrund der Wortbildungsopposition pérnuoma: pérnuomoti (Keinys 1979: 169) in der Gegenwartssprache eine analoge Opposition núoma: núomoti annehmen, d. h. ein Substantiv von einem präfigierten Verb ableiten. Historisch betrachtet verläuft die Wortbildungsrichtung umgekehrt, und núoma ist ebenso wie lett. nòma mit lett. ņemt „nehmen“ zu verbinden (LEW 512; LKL 180; Karulis 1992: 630, 632). 1.3. Daher ist es manchmal schwierig festzustellen, ob das untersuchte Wort aus Sicht der Gegenwartssprache eine Ableitung ist oder bereits in die Klasse der Simplexe übergegangen ist. „Intuitiv unterscheidet jeder Mensch Wortbildungen, indem er sich auf sein Sprachgefühl stützt. Nur derjenige 1 Im LKŽD 69 heißt es, dies sei ein völlig isoliertes Substantiv mit dem Suffix -ja. 2 Zu diesem Terminus siehe DDR 13 mit lit. 138 Das Empfinden, dass es sich um Ableitungen handelt, ist subjektiv und nicht immer einheitlich. Dem Linguisten kann hier auch die Kenntnis der tatsächlichen Entstehung des Wortes, seiner Etymologie, hinderlich sein“ (ŽDT 66). Aufgrund der erwähnten Subjektivität kann dasselbe Wort an einer Stelle als abgeleitet, an einer anderen als einfach gelten, z. B. wird Akc 16 srúoga in der Liste der einfachen Wörter aufgeführt, doch ist seine Verbindung mit sriegti „ringsherum gehen, sich drehen“ (LKŽ XIII 581) offenbar nicht völlig abgerissen. Akc 239 zufolge ist die Verbindung zwischen den Wörtern byla und prabilti nicht mehr klar, obwohl dieses Substantiv dennoch weiterhin als Ableitung gilt. Tatsächlich liegen einige Bedeutungen dieses Wortes, z. B. 1. jur. „Gerichtsverfahren“; 2. „eine bestimmte Sammlung von Büroakten“, weiter vom Basisverb entfernt; die dritte Sememe „Sprache, Rede“ ist jedoch ein klares Abstraktum zu bílti, bylóti, z. B.: Alle hörten dieser Rede zu. Byla byloti. Aus dieser Bedeutung könnten sich die genannten spezielleren Bedeutungen entwickelt haben, deren semantische Verbindung mit dem Basisverb aufgrund teilweiser Lexikalisierung nicht mehr so deutlich ist. Skolà ist keine Ableitung mehr von skelėti „verschuldet sein“ (vgl. LKŽD 47; LEW 812). Dieses Verb wird in der Gegenwartssprache nicht mehr verwendet. In LKŽ XII 797–8 werden Belege dafür nur aus Schriftquellen, vorwiegend älteren, angeführt, obwohl es auch in DLKŽ₁, DLKŽ₂ mit der Kennzeichnung dial. verzeichnet ist. Heute wäre skolà semantisch mit seiner Ableitung skõlintis3 verbunden, vgl. paskolà: paskõlinti. Diese beiden Substantive unterscheiden sich in ihrer Bedeutung: skolà bezeichnet das, was aus der Perspektive desjenigen geliehen wird, der etwas leiht, z. B. skolà ne žaizda usw.; paskolà kann dagegen sowohl das Handlungsergebnis (: paskõlinti) als auch das Objekt (: pasiskõlinti) bezeichnen (Keinys 1979: 159). In dieser letzteren Bedeutung wird das Wort skolà offenbar häufiger gebraucht. Unter formalen Gesichtspunkten ist eine solche Umkehr der Ableitungsrichtung (skolà: skõlintis) jedoch kaum möglich, da sie die Erklärung der Wortbildung des Verbs verhindert: Es ist unklar, was dessen Basiswort ist. Somit gilt skolà, historisch eine Ableitung mit der Endung -a von skelėti, heute nicht mehr als Ableitung; seinerseits ist es das Basiswort des Verbs skõlinti (vgl. die bereits erwähnte Opposition núoma: núomoti – in diesem Fall lässt sich offenbar von einer sich wandelnden Ableitungsrichtung und einer Tendenz sprechen, das Substantiv durch ein präfigiertes Verb zu motivieren, gestützt auf die Opposition gleichstämmiger präfigierter Wörter pérnuoma: pérnuomoti). 2. Die Frage der Wortbildungshomonyme 2.1. Bei der Untersuchung der verbalen Ableitungen mit der Endung -a zeigte sich, dass ein beträchtlicher Teil (etwa 40%) der polysemen Wörter (gemäß ihrer Darstellung in DLKŽ₃) als Wortbildungshomonyme gelten könnte. Sie wurden anhand mehrerer Kriterien in Gruppen eingeteilt⁴. Eine Gruppe von Wortbildungshomonymen würden solche polysemen Wörter in DLKŽ₃ bilden, 3Zu den Auffassungen russischer (ebenso polnischer und tschechischer) Linguisten über die Beziehungen zwischen ähnlichen Verben und Substantiven sowie über die Ableitungsrichtung siehe Zverev 1972: 75–76. 4Zunächst wurde geprüft, ob die Wortart der Basiswörter der Ableitungen übereinstimmt (vgl. Urbutis 1955: 194–195), z. B. ist vaisà in der Bedeutung 1. „Fruchtbarkeit“ vom Adjektiv vaisùs, -i abzuleiten, in der Bedeutung 2. „das Sichfortpflanzen, die Fortpflanzung“ dagegen von visti, veisti(s). Die beiden anderen Gruppen bestehen aus Ableitungen von unterschiedlichen Basisverben 139 semantisch zusammengehörige Wörter, deren Sememe sich morphologisch unterscheiden (in diesem Fall im Genus), z. B. áimana 1. „Klagen, Jammern“ und 2. b. „jemand, der ständig klagt, jammert“. Auf sie wird etwas näher eingegangen. 2.2. Bezeichnungen für Personen beiderlei Geschlechts und Abstrakta derselben Verben ließen sich nur aus synchronischer Sicht als Wortbildungshomonyme betrachten. Diachronisch handelte es sich um Bedeutungen polysemer Wörter, denn bekanntlich ist die Kategorie der Handlungsbezeichnungen eine recht mobile Wortbildungskategorie: Sie können Bedeutungen von Handlungsergebnissen, Bezeichnungen für Handelnde und andere für Verbalnomina typische Bedeutungen annehmen (Paul 1920: 99; DDR 20). Mit der Zeit verändern sich jedoch die Beziehungen zwischen den Bedeutungen eines Wortes. Nicht selten kommt es vor, dass eine Bedeutung eines polysemen Wortes historisch aus einer anderen Bedeutung desselben Wortes hervorgegangen ist, dieser Ursprung heute aber nicht mehr empfunden wird (vgl. Kėzytė 1961: 248). Daher könnte man das Wort aus der Sicht der Gegenwartssprache in dieser Bedeutung unmittelbar mit dem Basiswort verbinden, statt es von einer anderen Bedeutung abzuleiten5. 2.3. In DLKŽ3 gibt es 39 polyseme Wörter, verbale Ableitungen mit der Endung -a, die als Wortbildungshomonyme dieser Art gelten können. Sie lassen sich genauer danach unterteilen, welchen Wortbildungskategorien diese Homonyme angehören, genauer gesagt, Ableitungen welcher Wortbildungskategorien die Homonympaare (oder -gruppen) bilden. Zunächst ist festzustellen, dass die Homonyme fast immer (87,18%) verschiedenen Wortbildungskategorien angehören. Fälle, in denen Homonyme unterschiedlichen Genus Personenbezeichnungen sind, gibt es in DLKŽ3 lediglich 5 (12,82%), z. B. Ableitungen; in einem Fall können die unterschiedlichen Bedeutungen einer Ableitung durch verschiedene gleichstämmige Verben motiviert sein (vgl. Urbutis 1955: 190 f.; zur russischen Linguistik Achmanova 1957: 126; 1986: 6; Šmelev 1973: 102), z. B. išnašos 1. „abgetragene, verschlissene Kleidung, Lumpen“ (: išnešioti), 2. „was vom Wasser ans Ufer getragen, angeschwemmt wurde“ (: išnešti); in einem anderen Fall sind die Basisverben Homonyme (vgl. Urbutis 1955: 104 f.; zur russischen Linguistik Achmanova 1957: 127; 1986: 6), z. B. atakaišta 1. „Platz vor der Sonne oder dem Feuer“ (: atkaisti, -sta, -o) und 2. „zum zweiten Mal erhitztes, gekochtes Essen“ (: atkaisti -čia, -tė). Ableitungen vom selben Verb könnten als Homonyme gelten, wenn a) einige von ihnen vollständig lexikalisiert sind (vgl. Urbutis 1955: 169–171, 184; zur russischen Linguistik Achmanova 1986: 7), z. B. vadà 1. „Anlass, Vorwand“, 2. „Gelegenheit“, vgl. 3. „Führen; Tiere eines Wurfs, Vögel eines Geleges“ (: vèsti); in LEW 1176 wird dies als Homonympaar aufgeführt; b) die einen auf einem einfachen, die anderen auf einem lexikalisierten reflexiven Verb beruhen (vgl. zur russischen Linguistik Achmanova 1957: 126, 128; Šmelev 1973: 102), z. B. laida 1. „Untergang (der Sonne)“ (: lėistis) und 3. „Herausgabe (einer Zeitung)“ (: léisti); c) sie durch unterschiedliche Bedeutungen des Verbs motiviert sind (vgl. Urbutis 1955: 199–199), z. B. šóva 1. „Baumhöhlung, hohler Stamm, Spechthöhle“ (: šáuti „explodieren“) und 2. „Schlitz, Schieberiegel“ (: šáuti „schließen, schieben“). Ein Homonympaar besteht aus einer Ableitung und einer Lehnübersetzung (vgl. Urbutis 1955: 203) – įtaka 1. „Einfluss, Wirkung einer Autorität oder einer Kraft, Bedeutung“ (vgl. russ. влияние, poln. wpływ, dt. Einfluss, engl. influence) und 2. topogr. „Flussmündung“ (: įtekėti). 5Zwar gelten Substantive, die eine Handlung und deren Ergebnis bezeichnen, auch in synchronischen Untersuchungen als polysem; hier wird semantische Wortbildung angesetzt (Barauskaitė 1979: 42; Apresjan 1974: 193–200; Babickienė 1981: 92–94; Liaudanskaitė 1980: 89 f.). Nur semantisch sehr weit entfernte, zu Termini gewordene Handlungsergebnisse können als Homonyme von Handlungsbezeichnungen betrachtet werden (Achmanova 1957: 126–127). 140 patárška6 1. umg. „jemand, der viel redet, schwätzt“ (: (pa)tarškėti „Unsinn oder viel reden, erzählen“) und patárškab 2. zool. „geschecktes, punktiert-buntes, nicht legendes Perlhuhn (Numida)“ (: (pa)tarškėti „einen zirpenden Laut von sich geben (über nicht singende Vögel und manche Insekten)“ LKŽ XV 930), ebenso klūika7, padráika, patránka, vambrà. In drei von fünf Fällen (padráika, patárška, patránka) sind die Homonyme durch unterschiedliche Bedeutungen der zugrunde liegenden Verben motiviert, vgl. patránkaa 1. milit. „Artilleriegeschütz, das Geschosse abfeuert“ (: (pa)si)trankyti, trankyti(s) 1. „klopfen, schlagen“) und patránkab 2. umg. „Raufbold, Unruhestifter“ (: pasitrankyti, trankytis 2. umg. „herumstreunen, sich herumtreiben“)⁸. Nach dem Beispiel im LKŽ (IX 53) ließen sich auch drei Homonyme padráikaa unterscheiden: 1. abw. „ausschweifende Frau“ (: pasidraikyti, draikytis 5. „sich ungehörig benehmen, ausschweifend leben“ LKŽ II 627), padráikab 2. umg. abw. „unernster Mensch, flatterhafter Mensch, Tölpel“ (: pasidraikyti, draikytis 4. „herumlungern, sich herumtreiben“ LKŽ II 627) und padráikac 3. bot. „eine dem Bärlapp ähnliche, lange, ausgebreitete Pflanze mit fächerartig auseinanderstrebenden Zweigen (Diphasium)“ (: pasidriek­ti, driek­tis)⁹; es zeigt sich, dass das dritte Homonym im Vergleich zu den beiden ersten semantisch durch ein anderes (verwandtes) Verb motiviert sein kann. 2.4. Somit können Bezeichnungen für Personen gemeinsamen Geschlechts in den meisten Fällen Homonympaare (Gruppen) mit femininen Ableitungen anderer Wortbildungskategorien bilden. Unter diesem Gesichtspunkt ergeben sich mehrere Gruppen der hier behandelten Wörter. 1. Bezeichnungen für Personen gemeinsamen Geschlechts werden im DLKŽ₃ zusammen mit femininen Handlungsbezeichnungen angeführt (21 Fälle – 53,85% aller Ableitungshomonyme unterschiedlichen Genus oder 61,76% der Homonyme dieser Gruppe, die unterschiedlichen Wortbildungskategorien angehören), z. B. das bereits erwähnte áimana, ebenso blausà, blevyzgà, išýra, išjúoka, išškyra, nėjauta, nėjėga, neniúovoka, nepakantà, neprieranga, nerėpa, núobaiga, núoboda, 1 rentà, snaudà, snudà, snūdà, tauzà, užmaršà, zaunà. In fünf Fällen beruhen die Homonyme auf unterschiedlichen Bedeutungen der zugrunde liegenden Verben, z. B. išskyraa 1. „Aussonderung, Auswahl“ (: išskirti 1. „aus einem Haufen, einer Gruppe heraussondern“) und išskyrab 2. umg. abw. „jemand, der beim Essen sehr wählerisch ist“ (: išskirti 21. „etwas Besseres, Passenderes auswählen, aussuchen“ LKŽ XII 935), núobaigaa 1. „Ende, Abschluss“ (: nubaigti) und núo-baigab 2. umg. abw. „ein heruntergekommener Mensch oder ein heruntergekommenes Tier“; 3. umg. „jemand, der verarmt ist“ (: nusibaigti 3. 6 Homonyme, die im DLKŽ₃ als polyseme Wörter angeführt sind, werden in dieser Arbeit durch Kleinbuchstaben a, b, c … als hochgestellte Buchstaben nach dem Wort gekennzeichnet. Der Anschaulichkeit halber wird auch die Nummerierung der Bedeutungen des polysemen Wortes beibehalten. Homonyme im DLKŽ₃ werden so gekennzeichnet wie im Wörterbuch – durch arabische Ziffern 1, 2 … vor dem Wort. 7 Aus Platzgründen sind die hier und im Folgenden ausgelassenen Definitionen im DLKŽ₃ nachzuschlagen. 8 Im LKŽ IX 628 gibt es zwei Homonyme patránka. 9 Im LKŽ IX 53 gibt es drei Homonyme padráika. 141 „mager werden, verfallen“10 (anzumerken ist, dass sich in diesem Fall eines der Homonyme auf ein lexikalisiertes reflexives, das andere auf ein nicht reflexives Verb stützt), ebenso išira, nepakanta, zaunà. Dies macht 23,81% aller Ableitungen dieser Gruppe aus; in den übrigen Fällen (76,19%) sind die Homonyme durch ein Verb gleicher Bedeutung und Form motiviert. 2. Bezeichnungen für Personen gemeinsamen Geschlechts werden zusammen mit femininen Bezeichnungen für Handlungsergebnisse angeführt (6 Fälle – entsprechend 15,38% beziehungsweise 17,65%), z. B. atmataa 1. gewöhnlich Pl. „zurückgewiesener, überflüssiger Gegenstand“; 2. regional „brachliegendes Land, Brache“ (: atmėsti) und atmatab 3. umg. abw. „ein für die Gesellschaft nutzloser, schädlicher Mensch“ (: at(si)mėsti), atplaišaa 1. „abgesplittertes Stück, Splitter“ (: atplyšti) und atplaišab 2. umg. abw. „jemand, der sich nicht an seine Umgebung anpasst, seine Heimat und sein Zuhause verlässt und verrät“ (: atsiplėšti)11, ebenso draskà, kevėrza, plámpa, sąvela. In allen Fällen außer plámpa (83,33%) beeinflusste auch die Herleitung von reflexiven oder nicht reflexiven Verben die Entstehung der Homonyme; neben den genannten Beispielen vgl. auch sąvelàa 1. „etwas Verfilztes oder Verworrenes“ (: su(si)vėlti) und sąvelàb 2. umg. abw. „ein verwahrloster, ungepflegter Mensch“ (: susivėlti). Draskàa 1. „Rinde, Span“ (: drėksti) und draskàb 2. umg. „jemand, der zerreißt, zerfetzt (Kleidung, Bücher)“; 3. umg. „streitsüchtiger Mensch, Grobian“ (: draskýti12), sowie die Homonyme der Gruppen plámpaa 1. „Verkrümmung, Verziehen der Sense“ (: plam̃pinti umg. 1. „schlagen, hauen“) und plámpab 2. umg. „Dickwanst“ (: plam̃pti, plam̃pinti 2. „schlürfen, gierig trinken“) lassen sich, wie aus ihren Definitionen hervorgeht, semantisch mit unterschiedlichen Verben derselben Wortbildungsfamilien in Verbindung bringen (formal ist eine solche Herleitung ebenfalls möglich, da Ableitungen von Verben auf -a den Wechsel des Wurzelvokals nicht ausschließen und sich zudem nicht nur auf einfache Verben stützen können). In zwei Fällen (kevėrza, plámpa) stimmen auch die Bedeutungen der zugrunde liegenden Verben nicht überein. 3. Bezeichnungen für Personen gemeinsamen Geschlechts werden im Wörterbuch zusammen mit femininen Instrumentbezeichnungen angeführt (2 Fälle – entsprechend 5,13% beziehungsweise 5,88%). Dazu gehören patáuškaa 1. umg. „jemand, der viel redet, schwätzt; ein unernster Mensch“ (: (pa)tauškėti, (pa)tauškėti umg. „Unsinn reden, plappern“) und patáuškab „eine am Ende der Peitsche befestigte Schnur, die zum Knallen dient“ (: (pa)tauškėti 1. „knallen, klatschen“), sowie švìlpaa 1. ethnogr. „langes Blasinstrument mit einem Loch, aus Weidenrinde gefertigt“ (: švilpti) und švìlpab 2. umg. „jemand, der pfeift“ (: švilpauti). 4. Bezeichnungen für Personen gemeinsamen Geschlechts werden zusammen mit femininen Bezeichnungen für Handlungen und Handlungsergebnisse (Objekte) angeführt (2 Fälle – entsprechend 5,13% und 5,88%). Dazu gehört papjovaa 1. „im Herbst zum Fleischgewinn geschlachtetes Vieh 10 Im LKŽ VIII 904 gibt es zwei Homonyme núobaga. 11 Falls es sich nicht um eine Metapher handelt. 12 Draskà „streitsüchtiger Mensch, Grobian“ ist semantisch auch mit draskýtis umg. „sich streiten, sich zanken“ verbunden, nicht nur mit draskýti (die Augen). 142 „Tiere; das Schlachten von Tieren“ (: papjauti 2. „mit einem scharfen Werkzeug das Leben nehmen“)¹³, papjovaᵇ 2. „Schlachtung“, z. B. so ein Weg – Schlachtplatz für Pferde, und papjovaᵇ 3. b. „gequälter Mensch“ (: papjauti 10. „sehr erschöpfen, foltern“ LKŽ IX 898) sowie pasaląᵃ 1. „heimliche Vorbereitung, Lauern, um jemanden überraschend anzugreifen oder etwas Böses zu tun, Hinterlist, Falle“; 2. „absichtlich verborgener Truppenteil, um den Feind überraschend anzugreifen“ und pasaląᵇ b. 3. „jemand, der aus dem Hinterhalt angreift, beißt“ (von einem Hund); 4. „jemand, der heimlich und hinterlistig handelt“ (: paselėti). 5. Die Bezeichnung für eine Person gemeinsamen Geschlechts wird im DLKŽ₃ zusammen mit femininen Bezeichnungen für Handlung und Werkzeug angeführt (1, entsprechend 2,56% oder 2,94%) – papliauškaᵃ 1. „Klatschen“; 2. „am Ende der Peitsche befestigte Schnur zum Knallenlassen“; 3. bot. „Wasserpflanze mit pfeilförmigen Blättern (Sagittaria)“ (?) (: (pa)pliaukšėti) und papliauškaᵇ 4. b. umg. „jemand, der viel und Unsinniges redet, Schwätzer“ (: (pa)pliaukšėti, (pa)pliaukšti „schwatzen, Unsinn reden“). 6. Die Bezeichnung für eine Person gemeinsamen Geschlechts wird zusammen mit femininen Bezeichnungen für Handlung, Werkzeug und Ort angeführt (1, entsprechend 2,56% oder 2,94%) – kamšaᵃ 1. „mit Reisig und Stangen ausgelegter Weg“; 2. „Füllmaterial“; 3. „Gedränge, Stau“ (: kimšti(s) 1. „hineinstecken, hineinstopfen, hineindrängen, sich drängen“) und kamšᵇ 4. b. umg. „Vielfraß“ (: kimšti 2. umg. „viel essen, schlingen“). Die ersten drei Sememe bilden ein polysemes Wort (reguläre Polysemie, metonymische Bedeutungsübertragung); sie beruhen auf derselben Bedeutung des Basisverbs, obwohl die Handlungsbezeichnung durch das reflexive, die Werkzeug- und Ortsbezeichnungen dagegen durch das einfache Verb motiviert sind. Das zweite Homonym beruht auf einer anderen Bedeutung desselben Verbs und unterscheidet sich vom ersten (polysemen) durch morphologische Merkmale – das Genus. 7. Die Bezeichnung für eine Person gemeinsamen Geschlechts wird im DLKŽ₃ zusammen mit femininen Bezeichnungen für Handlungsergebnis und Person angeführt (1, entsprechend 2,56% oder 2,94%) – prielipaᵃ 1. „ein angeklebter oder angehefteter Gegenstand“; 2. „beim Spinnen angeklebte, verdickte Stelle des Fadens“ (: prilipti, prilipinti), 4. abw. „Geliebte, Lebensgefährtin“ (: prilipti) und prielipaᵇ 3. b. abw. „aufdringlicher, nicht von einem weichender Mensch“ (: prilipti). Obwohl die ersten beiden Sememe des Derivats prielipaᵃ semantisch durch zwei Verben motiviert sein können, das dritte dagegen durch eines, und letzteres sich zudem stilistisch von den ersten unterscheidet (abw.), wird dadurch die Einheit des polysemen Wortes nicht aufgehoben, da alle drei Sememe dieselbe grammatische Bedeutung haben (anders als beim Substantiv gemeinsamen Geschlechts). Außerdem kann das dritte Semem („Geliebte, Lebensgefährtin“) auch als Ergebnis der semantischen Derivation aufgefasst werden ¹³ Dieses Homonym hat tatsächlich zwei Bedeutungen, d. h. es besteht aus zwei Sememen – Bezeichnungen für Handlungsergebnis (Objekt) und Handlung. Letztere Handlungsbezeichnung ist ein derivationales Homonym einer anderen Handlungsbezeichnung (papjovaᵇ); sie beruhen auf unterschiedlichen Bedeutungen des Basisverbs. 143 Ergebnis, d. h. direkt aus der ersten („ein angeklebter oder angehefteter Gegenstand“) abgeleitet, ohne „Vermittlung“ des Basisverbs. 2.5. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die derivationalen Homonyme der meisten Personenbezeichnungen gemeinsamen Geschlechts eine Handlung bezeichnen (64,10% aller derivationalen Homonyme, die sich durch morphologische Merkmale unterscheiden, oder 73,53% der Fälle, in denen diese Homonyme unterschiedlichen Wortbildungskategorien angehören). Nur in einem Fall (kamša) bezeichnet das Homonym der Personenbezeichnung einen Ort; die übrigen Sememe dieses Wortes bezeichnen jedoch auch eine Handlung und ein Werkzeug. Fälle, in denen eine Personenbezeichnung gemeinsamen Geschlechts ausschließlich mit einer Ortsbezeichnung ein Homonymenpaar bildet, wurden nicht gefunden. In allen Fällen außer einem (patárska) werden die Personenbezeichnungen gemeinsamen Geschlechts im DLKŽ3 als nachfolgende Sememe eines polysemen Wortes aufgeführt, d. h. zuerst werden feminine Bezeichnungen für Handlungen, Handlungsergebnisse oder Werkzeuge angeführt. Ein Drittel der Personenbezeichnungen gemeinsamen Geschlechts unterscheidet sich von ihren derivationalen Homonymen außerdem dadurch, dass sie auf anderen Bedeutungen desselben Basisverbs beruhen; etwa 18% dadurch, dass sie semantisch mit anderen Verben desselben Wortbildungsnestes verbunden sind; etwa 20% dadurch, dass eines der Homonyme auf einem einfachen, das andere auf einem reflexiven Verb beruht. Rund 15% der Derivate erfüllen nicht nur eine, sondern mehrere der genannten Bedingungen. Wie bereits erwähnt, können Wörter dieser Art nur aus synchronischer Perspektive als derivationale Homonyme gelten. Historisch betrachtet sind sie polyseme Wörter. ABKÜRZUNGEN Akc – Pakerys A. Akcentologija, Kaunas: Šviesa, 1994. BEE – Urbutis V. Baltų etimologijos etiudai, Vilnius: Mokslas, 1981. DDR – Ambrazas S. Entwicklung der Substantivbildung. Verbale Ableitungen der litauischen Sprache, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1993. 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Aus der Sicht der litauischen Gegenwartssprache werden als keine Ableitungen Wörter betrachtet, deren Grundverben nicht mehr erhalten sind (vgl.: dejà) oder nur in den Schriftdenkmälern bzw. den Mundarten gebraucht werden (vgl.: 145 bangà); als Simplizia gelten auch Wörter, die vollständig lexikalisiert sind, d.h. deren Bedeutungen sich von denen der Grundverben gelöst haben (vgl.: rankà, ribà u.a.). Häufig ist es schwer festzustellen, ob ein Wort noch als Ableitung zu betrachten ist oder ob es schon in die Klasse der Simplizia übergegangen ist: in den linguistischen Arbeiten werden diese Probleme unterschiedlich behandelt. In den einzelnen Fällen kann man von einer sich veränderten oder sich ändernden Wortbildungsrichtung sprechen, wenn das Deverbativum sein Grundverb motiviert (vgl.: nuomà). In dem zweiten Teil des Beitrags untersuchen wir die Bezeichnungen der handelnden Personen im Neutrum, die im DLKŽ3 als besondere Bedeutungen vieldeutiger Wörter angeführt werden. Die gleichen Wörter können Handlungen, Handlungsresultate, der Ort, die Instrumente oder die handelnden Personen bezeichnen, wobei sie Feminina sind, z.B. áimana: 1. "dejavimas, aimanavimas" (das Gestöhne, das Ächzen); 2. "kas nuolat aimanuoja, dejuoja" (wer ständig stöhnt, ächzt). Von diesem morphologischen Unterschied ausgehend, sind sie in diesen Fällen aus synchroner Sicht Bildungshomonyme, die als einzeln abgeleitet vom selben Verb zu bestimmen sind. Aus historischer Sicht gelten sie indessen als Bedeutungen eines vieldeutigen Wortes. 146