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Daiktavardžio ir įvardžio genityvo vieta senojoje lietuvių kalboje

Virginija Vasiliauskienė

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVIII (1997) Virginija VASILIAUSKIENĖ DIE STELLUNG DES GENITIVS VON SUBSTANTIVEN UND PRONOMEN IM ALTLITAUISCHEN 1. Einleitende Bemerkungen 1.1. Im Litauischen kann fast jedes Substantiv ein unflektiertes Attribut haben, das durch den Genitiv eines Substantivs oder Pronomens ausgedrückt wird (Dievo valia, mano knyga); zudem ist dieser Ausdruck des Attributs hier wesentlich stärker verbreitet als in den verwandten Sprachen der Nachbarvölker (vgl.: russ. божья воля, моя книга; poln. wola boska, moja książka; dt. mein Buch, das Jüdishe Land). Somit entspricht das litauische unflektierte Attribut seiner Stellung nach in manchen Fällen einem flektierten Attribut in anderen Sprachen. Adjektivisches Attribut und Substantivgenitiv können nebeneinander verwendet werden: aukso žiedas/auksinis žiedas. Dies hängt mit der Herkunft und Entwicklung beider Attribute zusammen. In einigen indoeuropäischen Sprachen hat der Genitiv in früheren Entwicklungsphasen das ältere adjektivische Attribut ersetzt, z. B.: lat. domus patria; russ. убийство Игорево (Handry 1985: 54; Историческая грамматика русского языка 1978: 149–151). Beide Attribute ähneln sich in ihrem Gebrauch. L. Tesnière zufolge unterscheidet sich ein durch den Genitiv ausgedrücktes Attribut vom adjektivischen Attribut nur morphologisch (Tesnière 1969: 150; 365). 1.2. In der heutigen litauischen Sprache steht das unflektierte, durch den Genitiv eines Substantivs oder Pronomens ausgedrückte Attribut gewöhnlich vor dem Bezugswort (GenN); diese Stellung ist neutral und unmarkiert. Eine Ausnahme bildet lediglich der Genitiv, der Mengenverhältnisse bezeichnet – die Norm der Standardsprache sieht für ihn die postnominale Stellung vor (Ambrazas 1986: 96–97; Kniūkšta 1979: 73–74; Lietuvių kalbos gramatika 1976: 420; Dabartinės lietuvių kalbos gramatika 1994: 655–656; Durys 1927: 82). Ein postnominal verwendeter Substantivgenitiv (NGen) wird stark betont; bei postnominaler Stellung des Pronominalgenitivs wird gewöhnlich das Bezugsnomen betont. Die in der heutigen Sprache etablierte Prästellung des Genitivs unterscheidet sich deutlich von der in den ersten schriftlichen Quellen belegten Tendenz, ihn häufiger postnominal zu verwenden, z. B.: žwirždai mariu PS 34416, širdis iusu PS 30416; giesmes Angelu BrP 8716–17; motinos sawa BrP 314. Es wird vermutet, dass die recht häufige postnominale Stellung des Genitivs auf den Einfluss des Slawischen oder anderer Sprachen zurückgeht; vermutlich spielte auch der Übersetzungscharakter der alten Schriften eine erhebliche Rolle. 104 2. Die Stellung des Genitivs im Altlitauischen: statistische Daten Bei der Untersuchung der Stellung des Genitivs im Altlitauischen stützen wir uns auf den ersten Teil der „Punktai sakymų“ von K. Sirvydas und die ersten hundert Seiten der „Postilė“ von J. Bretkūnas (zu den Gründen für diese Auswahl siehe Vasiliauskienė 1995: 125). Ergänzend wurde die Stellung des unflektierten Attributs in einigen Auszügen aus J. Bretkūnas’ Bibelübersetzung (Buch Rut, Buch der Richter und Buch Levitikus)¹ untersucht, um seinen kompilatorischen Text (d. h. die „Postilė“) mit einem Übersetzungstext zu vergleichen. Analysiert wurde die Wortstellung in 3742 Verbindungen mit einem unflektierten Attribut, das durch den Genitiv eines Substantivs oder Pronomens ausgedrückt ist (2197 aus PS; 866 aus BrP und 679 aus BrB). In beiden Hauptquellen überwiegt die postnominale Stellung des Genitivs: PS 76,4%; BrP 52,5% (Tabelle 1); das Überwiegen der Prästellung in den Bibelauszügen hängt mit dem relativ häufigeren Gebrauch des Possessivpronomens zusammen, für das die Prästellung charakteristischer ist, wenn es als Attribut verwendet wird (Tabelle 2). Tabelle 1. Stellung des Genitivs in den Texten der alten Schriften Quelle | Gesamtzahl | Präpositionale (Anzahl;%) | Postpositionale (Anzahl;%) PS | 2197 | 518 | 23,6 | 1679 | 76,4 BrP | 866 | 411 | 47,5 | 455 | 52,5 BrB | 679 | 414 | 61 | 265 | 39 Tabelle 2. Stellung des Substantiv- und Pronominalgenitivs (ohne Evangelienauszüge) Quelle | Substantivgenitiv: Gesamtzahl (Anzahl;%), präpositionale (Anzahl;%), postpositionale (Anzahl;%) | Pronominalgenitiv: Gesamtzahl (Anzahl;%), präpositionale (Anzahl;%), postpositionale (Anzahl;%) PS | 1291 | 58,8 | 247 | 19,3 | 1044 | 80,7 | 906 | 41,2 | 271 | 29,9 | 635 | 70,1 BrP | 510 | 58,9 | 165 | 32,4 | 345 | 67,6 | 356 | 41,1 | 246 | 69,1 | 110 | 30,9 BrB | 333 | 49 | 115 | 34,9 | 218 | 65,5 | 346 | 51 | 299 | 86,4 | 47 | 13,6 Vergleicht man die Stellung des unflektierten Attributs in den Werken von K. Sirvydas und J. Bretkūnas, so fallen beträchtliche Unterschiede auf. Am stärksten weicht die Stellung des Pronominalgenitivs 1 Bretkūnas J. Rinktiniai raštai. V., 1983. 105 Position: In den „Punktai sakymų“ steht es meistens nach dem Bezugswort (Po 70,1%), während in der „Postilė“ und in der Bibel das Gegenteil gilt – dort dominiert die Präposition (Pr: BrP 69,1%, BrB 86,4%). Außerdem überwiegt zwar in allen Quellen eindeutig die Postposition des nominalen Genitivs (Po: PS 80,7%, BrP 67,6%, BrB 65,5%), doch auch die Verwendungshäufigkeit unterscheidet sich in den Texten dieser beiden Autoren. Gesondert wurden die Evangelienauszüge aus den „Punktai sakymų“ und der „Postilė“ untersucht. Es sollte geprüft werden, ob sich die Stellung des unflektierten Attributs in einem übersetzten und einem originalen oder teilweise originalen Text unterscheidet. Dabei zeigte sich, dass die Genitivpostposition in diesen Auszügen deutlich häufiger ist als in den Haupttexten. In den Perikopen von J. Bretkūnas’ „Postilė“ steht sogar der Pronominalgenitiv meist nach dem Bezugsnomen (Po 77,4%). Die statistischen Angaben dazu werden in einer gesonderten Tabelle aufgeführt und nicht in die Gesamtstatistik einbezogen (Tabelle 3). Tabelle 3. Stellung des Genitivs in den Evangelienauszügen der „Punktai sakymų“ und der „Postilė“ Quelle | Nominalgenitiv: Präpositionale (Anzahl,%) | Postpositionale (Anzahl,%) | Pronominalgenitiv: Präpositionale (Anzahl,%) | Postpositionale (Anzahl,%) | PS | 1 | 1,8 | 54 | 98,2 | 2 | 4,4 | 43 | 95,6 | BrP | 5 | 13,1 | 32 | 86,5 | 7 | 22,6 | 24 | 77,4 Übrigens stammen die Evangelienauszüge der „Postilė“ nicht aus der Übersetzung von J. Bretkūnas selbst, sondern wurden B. Vilentas’ „Evangelijos ir epistolos“ entnommen. Beim Vergleich der Stellung des Genitivs in der von diesem Autor übersetzten Bibel und in der zumindest teilweise originalen „Postilė“ wurden keine wesentlichen Unterschiede festgestellt. In den Schriften von K. Sirvydas unterscheiden sich die Stellung des Nominalgenitivs (GenN) und des Pronominalgenitivs (Gen N) nur geringfügig: 80,7% der Substantive und 70,1% der Pronomen werden postpositional verwendet. In den Werken von J. Bretkūnas hingegen unterscheidet sich die Stellung des nominalen und pronominalen Attributs grundlegend: GenN steht wie auch in den „Punktai sakymų“ häufiger nach dem Bezugswort (Po: BrP 67,6%, BrB 65,5%), während Gen N umgekehrt durch Präposition gekennzeichnet ist (Pr: BrP 69,1%; BrB 86,4%). Angesichts der genannten Abweichungen ist es sinnvoll, die Stellung des nominalen und pronominalen unflektierten Attributs in Bezug auf das Bezugswort gesondert zu untersuchen und dabei die Besonderheiten dieser Satzglieder, die aktuelle Gliederung des Satzes sowie einen möglichen Einfluss anderer Sprachen zu berücksichtigen. 3. Stellung des Nominalgenitivs 3.1.1. Die Stellung des Genitivs in Bezug auf dasselbe Substantiv variiert häufig (obwohl die Postposition überwiegt). Eine große Möglichkeit zur Stellungsvariation zeigt das am häufigsten verwendete unflektierte Attribut Dievo: Der Unterschied zwischen der Prä- 106 Die Präposition des Genitivs ist geringer ausgeprägt, als die allgemeinen statistischen Daten zeigen – in den „Punktuose sakymų“ GenN 38%, NGen 62%; in der „Postilė“ GenN 58,3%, NGen 41,7% (vgl. Tabelle 2): Diewo išmintį PS 31328– išmintį Diewo PS 11324–25; Diewo baymes PS 4012 – baymes Diewo PS 2128–9; Diewo malone BrP 1001 – malone Diewo BrP 912; Diewo akim BrP 9116–17 – akim Diewo BrP 7223. In der Verbindung Diewo žodis überwiegt die Präposition des Genitivs (PS 21: 8; BrP 18: 6). 3.1.2. Die Position des substantivischen Genitivs kann in denselben Wortverbindungen variieren, ohne dass sich die Bedeutung merklich unterscheidet: Der heilige Evangelist Lukas schreibt im sechsten Kapitel, dass, als die Jünger des Johannes kamen, Christus viele kranke Menschen heilte BrP 3410–14. Dann zeigt Christus den Jüngern des Johannes seine Werke, wie er einst sagen würde... BrP 34223–24. Es ist für uns sehr nötig, den vollständigen Bericht über die Geburt Christi zu kennen, denn wer diese nicht kennt, für den ist Christi Geburt umsonst... BrP 5318–20. Auf diese Weise sollen wir, wenn wir zum Tisch Gottes gehen, glauben, dass wir, indem wir gesegnetes Brot und Wein gemeinsam empfangen, auch den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus empfangen... BrP 6620–23. Deshalb dürfen wir diese Weise niemals aufgeben, sondern zum Tisch Gottes gehen; so auch unsere Kinder... BrP 6419–20. Ebenso müssen wir darauf achten, auf wessen Befehl der Engel den Hirten die Geburt Christi verkündete BrP 8212–14. Dies wisse, lieber Christ: Der Engel, der den Hirten die Geburt Christi verkündete... BrP 8212–14. Die Zeugen haben einen Ort, an dem sie sich versammeln PS 45–6. Die Zeugen versammeln sich bei den Wahrheitsschaffenden, die dafür eingesetzt sind PS 422–24. Bei Zeugenaussagen von Menschen braucht man oft Schreiber und Zeugen PS 59–11. Eine solche Variation der Wortstellung innerhalb der Phrase zeigt, dass die Position des Genitivs in Bezug auf das Substantiv nicht festgelegt ist; der Positionswechsel war offenbar ein bestimmtes Ausdrucksmittel rhetorischer Sprache (der Predigten), das dazu diente, gewünschte Wörter oder Wortgruppen im Text hervorzuheben. Dieses Ausdrucksmittel könnte in einigen Fällen aus anderen Sprachen übernommen worden sein. 3.1.3. Betrachten wir die in den „Punktuose sakymų“ recht häufig vorkommende nominale Wortverbindung karaliste dunga us/dungaus karaliste und sehen wir uns an, wie sie in verschiedenen Sätzen verwendet wird: (1) K a r a l i s t e d u n g a u s/ aba szwentieji/ kurie dunguy su Die w u iau karalauia PS 32017–20. (2) Miegas ira mustimas szwentu ir vmžinu dayktu ape Diewu/ ape Christu/ ape k a r a l i s t y d u n g a u s ir ape kitus PS 28423–27. (3) O tokieys turi but ir wisi krikščionis/ kurie willasi apturet k a r a l i s t y d u n g a u s PS 29913–16. (4) ... del to nupelno žmogus teysus ažu iuos k a r a l i s t i d u n g a u s/ kuri praminta ira algu/ karunu teysibes/ grasū ažu darbu PS 32722–27. (5) Todrin ir k a r a l i s t y d u n g a u s siula iam kayp grasī/ iey...PS 32514–16. (6) Noreio Diewas žmoguy duot k a r a l i s t y d u n g a u s kayp algu/ ape... PS 32528–30. 107 (7)... solange wir in der Arbeitszeit arbeiten, werden wir zur rechten Zeit ernten; das heißt, wir werden uns von der Himmelsherrschaft ernähren, die gute Werke hervorbringt PS 28420–22. (8) Der Fromme sehnt sich nach der Himmelsherrschaft oder dem ewigen Leben mit Gott... PS 3239–11. (9) Damit du Anteil an der ewigen Glückseligkeit der Himmelsherrschaft hast, die darin besteht, das strahlende Antlitz Gottes zu schauen PS 906–10. (10) Nach links die Böcke und nach rechts die Schafe werden am letzten Tag stehen. Denn die Böcke werden zur Verdammnis, die Schafe aber in die Himmelsherrschaft gehen PS 2419–13. (11)... denn die Hölle, die ihr verdient hattet, ist euch nahe gekommen, nicht aber die Himmelsherrschaft PS 13024–1312. Mit den ersten beiden Sätzen (1), (2) beginnen neue Textabsätze; in solchen Fällen ist die Postposition sehr häufig (ausführlicher siehe 3.4.1); außerdem hat im Satz (2) nur eines der gleichrangigen Satzglieder ein unflektiertes Attribut; im Satz (3) steht der Genitiv an der letzten, nicht-emphatischen Position der Phrase; im Satz (4) steht das Bezugsnomen des postpositionalen Genitivs als Korrelat des attributiven Nebensatzes (siehe 3.3.2), doch ist auch der umgekehrte Fall möglich (9); in den Sätzen (3) und (4) wird das Bezugsnomen stärker hervorgehoben; der postpositionale Genitiv ist offenbar auch in den Sätzen (5), (6), (7) nicht betont: Im Satz (5) hebt die Partikel ir das Bezugsnomen stärker hervor, im Beispiel (6) könnte die Genitivposition durch die Inversion des gesamten Satzes bedingt sein; in Sätzen mit zusammengesetztem Prädikat steht der postpositionale Genitiv meist als unflektiertes Attribut zum nominalen Teil des Prädikats (8) oder zum Subjekt (Beispiele mit der hier besprochenen Verbindung wurden nicht gefunden): Und dass der Sohn Gottes Wort und Weisheit des Vaters ist PS 2221–23. In den Sätzen (10), (11) wird der Genitiv präpositional verwendet; er steht als Attribut bei einem der gleichrangigen Satzglieder, die durch die adversativen Konjunktionen a, bet verbunden sind. Im polnischen Text sind die Entsprechungen dieser Genitive postpositional: Denn die Böcke werden in die Hölle, die Schafe aber in das Himmelreich gehen PS 24112–14:... denn euch nähert sich nicht die Hölle, die ihr verdient hattet, sondern das Himmelreich PS 13025–1312. 3.2. In einigen Fällen kann der Wechsel der Genitivposition motiviert sein: Die Präposition ist neutral und unmarkiert, die Postposition hingegen invers. Der präpositionell verwendete Substantivgenitiv ist meist unbetont: Jedes Wort Gottes ist feurig oder wie ein Feuerfunke, der allen, die Hoffnung haben, Licht spendet PS 3563–7. Es ziemte sich sehr, dass jener ein Lehrer der Menschen wäre und niemand sonst... PS 641–2. Christus wollte ihn nicht aus Hochmut oder Herzensüberheblichkeit erwählen PS 7416–18. Solche Weisheit aber ist den Menschen in der Härte der Welt Tod und ewiger Untergang PS 3827–10. Bei Zeugenaussagen von Menschen braucht man oft Schreiber und Zeugen PS 59–11. So geschah es, als Johannes predigte und den König tadelte, indem er sagte: „Du tust nicht recht daran, dass du die Frau deines Bruders bei dir behältst“ BrP 294–7. Im sechsten Kapitel schreibt er, dass, als die Jünger des Johannes zu Christus kamen, Christus viele Kranke heilte 108 szmonių BrP 3411–13. Tėyp sakau ir ant s m e r t i e s p a t a l o atmin[kem] Kristu usz mus gimusi/ idant... BrP 8422–23. Bet schita strowa tiktai pen s z m o g a u s pi l w a i r k u n a BrP 654–5. Wie bereits erwähnt, überwiegt die postpositive Stellung des Substantivgenitivs in allen untersuchten Texten der alten Schriften (PS 80,7%; BrP 67,6%; BrB 65,5%). Der postpositive Genitiv kann stärker betont sein: ...So hat Gott auch drei Arten von Gaben der Natur verliehen: Gaben der Liebe und Gaben der Ehre PS 29226–2932. Während er also über die Weisheit Gottes und der Menschen nachsinnt, seufzt er...PS 11323–26. Wie könnt ihr so große Sünden ermessen, wer den Sohn Gottes mit Füßen getreten hat und das Blut des Testaments, durch das er geheiligt wurde, für etwas Gewöhnliches hielt...PS 15618–24. Denn jene Seelen, die zuerst im Leib lebten, wurden durch Gottes Macht in die Leiber zurückgeführt PS 882–6. So beschrieb Daniel, der Prophet, den Untergang des kleinen Steins, der wie eine Säule oder ein Pfahl aus hartem Fels gehauen war... PS 13226–30. Am dritten Sonntag... ist uns Armen die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes und Marias, angemessen BrP 531–4. Herr Jesus Christus wollte uns nicht mit geringem, sondern mit großem Leid erlösen, nicht nur von den Leiden des Leibes, sondern von Leib und Seele...BrP 7213–16. Viele Juden hören am Pfingsttag das Wort Gottes, als der heilige Petrus predigt; und dieses Wort drang ihnen ins Herz BrP 954–6. Er ist von Gott dazu bestimmt, Richter der Lebenden und der Toten zu sein BrP 2013–14....das ist der Geborene, der das Haupt der Schlange zermalmen soll... BrP804. Aber sie verbreiteten dies, nämlich, was sie von dem Knaben aus dem Mund des Engels gehört hatten BrP 9626–972. In einem Satz der Schriftsprache lässt sich nur schwer feststellen, welches Glied der Nominalphrase stärker betont wird; aus dem Kontext wird jedoch oft deutlich, dass wir ein Glied oder das andere wegen des kontrastiven Akzents stärker aussprechen müssen. Motiviert ist der Wechsel der Genitivposition in folgendem Satz: Am Ende bringt der Mond auch das Meer in Bewegung und lässt es anschwellen; wenn er zunimmt, wird das Wasser des Meeres stärker, und wenn er abnimmt und schwindet, fällt das Meerwasser tiefer PS 2741–8. Beim ersten Auftreten ist der Substantivgenitiv stärker betont, weil er neue Information vermittelt; wenn er im selben Satz ein zweites Mal wiederholt wird, ist er keine ebenso wichtige Information mehr. 3.3. In einigen Fällen wird der Genitiv hinter das Bezugswort gestellt, um andere Satzglieder oder Wortgruppen stärker hervorzuheben. Bei der Untersuchung der Stellung des kongruierenden Attributs in der gesprochenen Sprache wurde festgestellt, dass am Phrasenende sehr häufig ständige Attribute stehen, die gewöhnlich keine neue Information vermitteln und dazu dienen, die Intonationsstruktur der Phrase abzuschließen (Girdenienė 1981:161–162; Kniūkšta 1979:73–74). 3.3.1. Der postpositive Genitiv (ähnlich wie das Adjektivattribut) ist meist unbetont, wenn er ganz am Ende der Phrase steht, die angesichts des Zwecks von Predigten gewöhnlich weniger informativ ist. In diesem Fall wird stärker betont 109 das an vorletzter Stelle der Phrase stehende Bezugsnomen: Kad žinotumey tieg d o w a n u D i e w o/ ir kas ira/ kuris taw kalba/ duok man giert PS 5813–17. Treti darbav Diewo ira garbos aba k a r a l i s t e s d u r- g a u s PS 17920–22. Pateysey bilau iemus/ iey nopsigrišite ir stositės kayp mažin- teley ne ieysite k a r a l i s t e n d u n g a u s PS 29916–17. Bet Dūnaie ira k u- n a s K r i s t a u s/ ir Wine issilaike k r a u i a s K r i s t a u s BrP 668–10. Nauda uszgimimo Kristaus ira schita/ jog ghis szmogumi gimmens/ mus ischgelbeia nūg p r a k e i k i m o S o k a n o BrP 741–3. Schoie pirmoie Aileie Angelai koszna szmogu/moka/ idant ne wienas neuszmirschtu schos m a l o n e s D i e- w o/ alba ana nieku nenuleistu BrP 9016–18. Tas Kristus esti a w i n e l i s D i e- w o/ neschans wiso swieto griekus BrP 4523–24. Die geringe Aussagekraft der letzten Phrasenposition zeigt sich noch deutlicher, wenn dort ein Wort einer abstrakten Bedeutungsklasse steht – ein Pronominalgenitiv (siehe 4.3.4.). In manchen Fällen steht der postpositionale Genitiv am Ende der Phrase als eine Art Nachtrag; an dieser Position sind Genitive terminologisierter Verbindungen sehr häufig. 3.3.2. Das Bezugsnomen des postpositionalen Genitivs wird in der Regel auch dann hervorgehoben, wenn es als Bezugswort des attributiven Nebensatzes fungiert. Das Bezugswort ist eine prominente, markante Satzkomponente. Die Postposition hebt diese Prominenz noch stärker hervor: Iž tu ir iż kitu tumšibiu niekas negateio patogiaus mum iżgetbet/ kayp mokitoias iż dangaus atais S u n u s D i e w o/ kuris ira pati tikra tiesa ir pati išmintis PS 6315–22. Vntras niekas ira žmogump iż szalies m i l i s t o s D i e- w o/ be kurios nieku ira PS 11922–25. Ir kiti szmones ne nuleidžia nieku s z o- d ž i u s D i e w o kurie iemus per piemienis sakami buwa BrP 1013–4. Winícia namay Israelo aba g i m i n e ž i d u/ ape kuriu Diewas ipačiu tureio apiwayz- du... PS 3203–6. Vom Relativwort kuris getrennt, muss das Bezugsnomen stärker betont werden, damit seine Beziehung zum Nebensatz deutlich wird. Auch in anderen ähnlichen Fällen wird jenes Wort der Nominalphrase stärker akzentuiert, an das der Nebensatz angeschlossen ist: Wie ihr wohl die weit entfernten, blutigen Wunden des Leibes bedenkt, der den Sohn Gottes verletzt hat, und mit dem Blut des Testaments, durch das er gesalbt wurde, um sich als Erwählter zu erweisen... PS 15618–24.... das heißt, kehrt euch zu Gott, ihr Heiden, zum Wort Gottes, durch das das Herz erschüttert und zerbrochen wird... PS 35624–27. 3.4. In allen verwandten Nachbarsprachen steht der Genitiv meist postpositionell; daher könnten diese Sprachen die Postposition des litauischen Genitivs stärker begünstigt haben als die des adjektivischen Attributs – das Adjektiv steht in diesen Sprachen häufiger vor dem Substantiv, seine Position kann variieren. Es ist wohlbekannt, dass K. Sirvydas und J. Bretkūnas bei der Abfassung ihrer Predigten weithin auf kirchliche Werke zurückgriffen, die in anderen Sprachen verfasst waren. Die Wortstellung der Glieder vieler sakralisierter kirchlicher Phrasen mit Genitiv könnte direkt oder über andere Sprachen aus den Primärquellen übernommen worden sein: motina Diewo (lot. Mater Dei); sakramentas gaylistos (lot. Sacramentum misericordiae); kara- 110 liste dунгаus (lot. regnum coeli); griežimas dантu (lot. stridor dentium) und Ähnliches. 3.4.1. Wahrscheinlich unter dem Einfluss fremder Sprachen wird der Genitiv postpositionell in Überschriften und in den ersten Sätzen einzelner Abschnitte verwendet, die den Kern der folgenden Kommentare knapp zusammenfassen, oder in Fällen, in denen ein Gedanke punktweise ausgeführt wird: Kaip priderus buwo a t a i m a s s u n a u s D i e w o swietan iż szalies żmoniu PS 63₂–₄. Apie p r i e ż a s t i s m o t e r i s t e s PS 228₂₈. G r u d a s g a r s t i c i o s ira žinklu bażniczios PS 298₂–₃. A ż u f a y k i m a s g i m i n e s i r f a m i l i o s a b a n a m u PS 231₃–₄. Iż prieżasciu dėl kuriu karalus žiames kariauia/ tos rundasi ir Diewiep... 2. T u r t e s D i e w o pasawinimas... 3. P a ż i e y d i m a s M a i e s t o t o... 4. P e r t r a u k i m a s s u n d a r o s... 5. T a r n u D i e w o iżgiedinimas PS 12₆–₁₃₂. Koksai ira buwes u s z g i m i m a s K r i s t a u s BrP 59₁₇–₁₈. Ape Čžista Vs z g i m i m a K r i s t a u s BrP 54₉. Ape G i m i n e K r i s t a u s BrP 56₉. P i r m a d a l i s Kosanies Ape k l a u s i m a J a n o. Antra dalis. Ape a t s a k i m a K r i s t a u s. Trečia dalis. Ape l i u d i m a K r i s t a u s Jano delei BrP 30₄–₇. 3.4.2. In den litauischen und polnischen Texten der „Punktų sakymų“ stimmt die Position von mehr als einem Viertel der präpositionalen Genitivattributen nicht überein. Die Genitivpostposition ist im polnischen Textteil hier charakteristischer (siehe Tabelle 4): Bei 22,7% der präpositionalen Attribute im litauischen Textteil (GenN) ändert sich die Position in der polnischen Übersetzung (NGen): Diewo dowanu – darow Boskich 89₂₃–₂₄; Diewo baymy – boiążnią Bożą 135₃; fortunos atmaynay – odmiane fortuny 184₁₃; welino ira kariewwiu – żolnierczem czartowskim 193₂₃; Diewo milistu – łaską Bożą 300₄; Diewo tarnay – słudzy Boży 308₁₄; ape bażniczios priespaudas – o vćiskach Kościóła 225₂₁–₂₂; Diewo tiesoy – sądzie Bożym 6₄; žmogaus buyti – byt człowieczy 80₂₉–₃₀; Christaus smerti – śmierci Chrystusowey 74₈–₉; Diewo teysibe – sprawiedliwość Boska 161₁₁; Diewo žodis – słowo Boże 307₁₁–₁₂; 304₁₁–₁₂; 305₃; 139₂–₃; Diewo sunus – syn Boży 139₈–₉; vnt žmoniu tiesos – na sądzie ludzkim 5₉; Szwyntieji Diewo – swęći Boży 18₈; ape Christaus smerti – o śmierci Chrystusowey 74₈–₉; Christaus Trybunalas – Trybunał Chrystusow 25₇–₈. Tabelle 4. Genitivposition im litauischen und polnischen Text der „Punktų sakymų“ Genitivposition stimmt überein | Genitivposition unterscheidet sich Pr–Pr | Po–Po | Pr–Po | Po–Pr Anzahl |% | Anzahl |% | Anzahl |% | Anzahl |% GenN | 181 | 73,3 | 1044 | 100 | 66 | 26,7 | – | – GenNₚ | 224 | 82,7 | 629 | 99,1 | 47 | 17,3 | 6 | 0,9 111 Tabelle 5. Genitivposition in den Evangelienauszügen aus J. Bretkūnas’ „Postille“ und in der Bibel von M. Luther Die Genitivposition stimmt überein | Prä–Prä: 5 Belege, 83,3%; Post–Post: 26 Belege, 76,5% | Die Genitivposition unterscheidet sich | Prä–Post: 1 Beleg, 16,7%; Post–Prä: 8 Belege, 23% Genₙ | 5 | 83,3 | 26 | 76,5 | 1 | 16,7 | 8 | 23 GenₚN | 11 | 100 | – | – | – | – | 19 | 100 Das unflektierte Attribut im litauischen Text wird im polnischen Text sehr häufig durch ein flektiertes Attribut wiedergegeben. In beiden Texten stimmt die Position des nominalen Genitivs Diewo am häufigsten nicht überein (die Entsprechungen im Polnischen sind Adjektive) – 69% aller Abweichungen: Diewo milista – łaska Boże (8-mal); Diewo žodis – słowo Boże (6-mal); Diewo sunus – syn Boży (5-mal) usw. Somit unterscheidet sich die Position des in den „Punktuose sakymų“ am häufigsten verwendeten unflektierten Attributs in den litauischen und polnischen Textteilen am stärksten. Die Position des postpositionalen Genitivs stimmt in beiden Textteilen durchweg überein, d. h., wenn er im litauischen Text postpositionell verwendet wird, steht seine Entsprechung im polnischen Text ebenfalls nie vor dem Bezugsnomen. Der Einfluss des Polnischen ließe sich nur durch einen Vergleich der polnischen Originaltexte mit ihren litauischen Übersetzungen deutlicher nachweisen. 3.4.3. Vergleichen wir die Position dieses Attributs in den Evangelienauszügen aus J. Bretkūnas’ „Postille“ und in der Bibel von M. Luther, so sehen wir, dass ein präpositionales Attribut im deutschen Text im litauischen Text nach dem Nomen stehen kann – in 23,5% der Fälle (Tabelle 5), z. B.: des menschen Son (Lukasevangelium, Kap. 21) – Sunu szmogaus BrP 15₂; inn der Könige heuser (Matthäusevangelium, Kap. 11) – Namuosu karaliu BrP 28₁₂; des Herrn Engel (Lukasevangelium, Kap. 2) – Angelas Wieschpaties BrP 50₈; inn das Jüdische land (Lukasevangelium, Kap. 2) – ing szeme Szidu BrP 58₁₀; die menge der himelischen Heerscharen (Lukasevangelium, Kap. 2) – daug ybe pulku dangaus BrP 51₂–₃. Daher könnte hier der lateinische Sprachgebrauch die postpositionelle Verwendung des Genitivs begünstigt haben. 3.4.4. Die bereits erwähnte Verwendung des hervorhebenden (emphatischen) Genitivs nach dem Bezugswort könnte mancherorts ebenfalls aus dem Lateinischen oder Polnischen übernommen worden sein, zusammen mit einem entlehnten Satzmodell der rhetorischen Sprache. Wir sollten jedoch nicht annehmen, dass eine weniger klar motivierte postpositionelle Stellung des Genitivs stets nur unter dem Einfluss fremder Sprachen entstanden ist – die Variation im Alt litauischen war offenbar aufgrund der freieren Stellung dieses Attributs zum Nomen möglich. Das Fehlen einer strengen Norm erlaubte es, die Position des Genitivs zu verändern, um die eine oder andere Komponente der Nominalphrase stärker hervorzuheben und zu betonen. Hinsichtlich der Position 112 Aufgrund dieser Unbestimmtheit fiel es den Verfassern der alten Schriften leichter, Wortstellungsmodelle aus dem Lateinischen oder Polnischen ins Litauische zu übertragen. 4. Die Position des pronominalen Genitivs 4.1. Die Position des pronominalen Genitivs unterscheidet sich in den Werken von K. Sirvydas und J. Bretkūnas stark: In „Punktuose sakymų“ überwiegt die postpositionale Stellung (70,1%), während sie in der „Postilė“ und in der Bibel wesentlich seltener ist – BrP 30,9%; BrB 13,6% (siehe Tabelle 2). Im Gebrauch des possessiven pronominalen Genitivs (zum Begriff siehe Žulys 1969: 167–177; Rosinas 1988: 23–24) unterscheidet sich das Litauische von den Nachbarsprachen – im Lettischen, Polnischen, Deutschen und Russischen wird dieses Pronomen gewöhnlich mit dem Substantiv kongruiert (mit Ausnahme des Pronomens der 3. Person im Lettischen und in den slawischen Sprachen, z. B.: его книга, ее книга, их книга; vina gramata, vinas gramata, vinu gramata). 4.2. J. Bretkūnas schreibt bei den Pronomen mano, tavo, savo die Endung -a; -o kommt sehr selten vor, z. B.: mano atėjimo82₁₂; sawo sunaus42₇; sawo tarno59₁₄. Die Formen mit -a stimmen in ihrer Schreibung mit dem Genitiv und Akkusativ Singular Maskulinum sowie mit Nominativ, Akkusativ und Instrumental Singular Femininum der Pronomen manas, tavas, savas überein; daher könnte es scheinen, als kongruierten sie mit dem Substantiv im Kasus: sawa sunu88₂₀; tawa szodi102₇; dusche mana91₆; sawa Tiewo7₁₃; tawa akim66₁₄; tawa dusche68₂₂. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine orthografische Übereinstimmung, denn mit Substantiven in anderen Kasus ändern diese Pronomen ihre Form nicht: tawa prisakimus93₃; sawa Gromatoie64₃; sawa giwenime9₄; sawa Ponui86₇; mana szodžius4₃; tawa pergaleghimas75₁₈. Folglich können wir sie völlig zu Recht als possessive Genitive ansehen, in denen das alte lange a erhalten geblieben ist. 4.3.1. Die Präposition des pronominalen Genitivs (Gen_N) ist gewöhnlich neutral: Durch sein Bekenntnis/ m a n a p T a r n a s/ wird er viele gerecht machen BrP 11₇–₈. Als sie sahen, wie viel Gutes der Herr Diewas der Welt tut/ indem er ihm s a w a s u n u gibt... BrP 90₁₁–₁₂.... er fürchtet sich nicht, auch dem König selbst von i o n e w i e s c h l i b a g i w e n i m a zu erzählen/ und ihn zu tadeln BrP 37₅–₆.... wie dieses nun nicht nur Brot, sondern auch in Brot oder mit Brot ist/ ist unser Leib das Brot/ das wegen i u s u g r i e k u für kurze Zeit für die Juden zerschlagen und getötet wird BrP 65₁₂–₁₅. Das sage ich, Herr Allmächtiger/ du kannst bewirken, dass wie i o k u n a s i r k r a u i a s im Brot und Wein auf unsichtbare Weise erhalten bleiben BrP 66₁₇–₁₉. Damit auch wir, wenn wir aus Gottes Wort hören/ was m u s u p r o t a s nicht ausdenkt/ uns nicht wundern und es nicht tadeln... BrP 101₂₆–102₂. Siehe, t a w a k a r a l i u s kommt zu dir, arm, reitend auf einer Eselin und auf einem jungen Esel, der an die Arbeit gewöhnt ist BrP 9₁₀–₁₂. Niemand kann sagen, wie schwer sie es wegen s a w o n u o d e m e s machen PS 161₂₇–₃₀.... und die Kränkung wäre schwer gewesen/ wenn sie nicht i o m o t e r e s zugestoßen wäre... PS 374₆–₈. Du musst antworten/ m a n o w a r d a s heißt, nicht sein/ man nennt mich, ich bin nicht PS 79₂₉–80₂. Und wenn in der Schrift gesagt wird, dass ein Mensch Augen/ Ohren/ Hände und andere Glieder hat; so spricht sie wegen m u s u i s z m a n i m o PS 96₁₈–₂₂. Diese Lähmung ist t a w o k a- 113 rieywis/ der gegen meinen Knecht kämpft... PS 2593–6. Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind PS 15213–15. 4.3.2. In den Fällen, in denen der pronominale Genitiv postpositional verwendet wird, wird nicht das Pronomen selbst, sondern das Substantiv stärker hervorgehoben: Denn sein Vater ist der Herr aller Güter/ und gebietet... PS 37823–25. Seht zu, dass eure Herzen nicht durch Schwelgerei und Trunkenheit beschwert werden PS 30415–17. Vergeblich arbeitete ich so viel/ grundlos und umsonst; meine Kraft und mein Fleiß sind dahin/ erschöpft, vernichtet PS 34325–29. Zeige mir so viel von deinem Antlitz. Denn dein Antlitz ist schön PS 17531–176₂. Bringt den ganzen Zehnten in mein Vorratshaus/ damit mein Haus Vorräte hat BrP 135–7. Ebenso ertrugen wir ihn/ weil wir unser Gesicht vor ihm verbargen und ihn für nichts hielten BrP 19. Doch sein Königtum erstreckt sich nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf den Teufel/ die Hölle/ den Tod BrP 1022–23. Und sein Königtum darf nicht vergehen/ zugrunde gehen/ verschwinden, sondern soll ewig bestehen BrP 1023–25. Sehne dich danach, mit deinen Augen deinen lieben Herrn Christus zu sehen, wie der heilige Simeon sich freute, als er Christus sah BrP 961–3.... damit auch du jenes Wort Gottes hörst und nicht vergisst/ nicht fahren lässt/ sondern es in Erinnerung behältst und in deinem Herzen bewahrst BrP 961–3. 4.3.3. Das Bezugsnomen des postpositionalen pronominalen Genitivs wird deutlich hervorgehoben, wenn es als Bezugswort eines attributiven Nebensatzes fungiert: ... und er gab ihnen gerechten Lohn für ihren Sohn/ der für uns litt und starb PS 6112–16. Doch auch hier gibt es keinen Vergleich mit unserem Herrn/ der durch die Weise seiner Kriege unermesslich alle unsere Feinde besiegt PS 18513–18.... aus seinen Auszügen erschließt sich also sein Werk/ das er an einem bestimmten Ort oder auch ortsunabhängig vollbringt... PS 3515–8. 4.3.4. Wenn der possessive Genitiv am Phrasenende steht, übermittelt er meist keine bedeutende Information, sondern trägt lediglich dazu bei, das intonatorische Satzmuster abzuschließen, indem er das Substantiv an die stärkere vorletzte Position rückt (Kniūkšta 1979: 73–74): Denn Gott befahl ihm damals nicht, es zu verbrennen/ deshalb vergaß er seine eigene Herkunft/ damit er seinem Schöpfer und Gott gehorche PS 26424–29. So begann meine Mutter, in Ungerechtigkeiten und Sünden mich zu empfangen PS 22914–16. Von diesen Geschöpfen wollen wir lernen, Gott gemäß unserer Natur zu gehorchen/ das heißt, seine zehn Gebote zu erfüllen/ der unserer Natur entspricht.../ die wir in unser Gewissen eingeschrieben haben PS 26520–29. Und deshalb scheint es, dass wir Gott nicht für unsere Arbeit bitten müssen/ um einen Lohn zu verdienen/ das heißt, um bezahlt zu werden, da Gott unser Vater ist PS 3245–12. Aber diese Dinge sind Nahrung für unsere Seelen BrP 6526–66₁. Unser Leib ist das Fleisch Christi, das wegen des Hungers des Menschen ausgebreitet wurde/ doch wegen der erschöpften und dürstenden Gnade Gottes, unserer Seelen BrP 661–3. Diese Verwendung des postpositionalen pronominalen Genitivs ist charakteristischer für „Punktuose sakymų“. 4.3.5. Der Einfluss des Kontexts oder eine Veränderung der Wortfunktion im Satz kann 114 den genannten Unterschied zwischen Gen N und NGenₚ zu verändern. Nach dem Menschsein gebührt es Christus, Richter über diese Seite und die Menschen zu sein, die er richten wird. Über seine Seite, denn jede Hoheit gehört ihm... PS 22₃₀–₂₃₂. Damit er alle seine Kinder, seine Jünger, seine Familie, seine Diener und Zuhörer zu Christus sende, damit... BrP 32₂₂–₂₄. Im ersten Beispiel hat das postpositional verwendete Pronomen io einen kontrastiven Akzent; im zweiten Beispiel trägt das vor den aufgezählten Substantiven mehrfach wiederholte sawo dazu bei, sie hervorzuheben (ähnlich wie die Partikel ir). 4.4.1. Die Gebrauchstendenzen einzelner Pronomen können leicht vom allgemeinen statistischen Mittelwert abweichen; die im Text vorherrschende Position bleibt jedoch stets erhalten (siehe Tabellen 6 und 7). In J. Bretkūnas’ „Postille“ kommt die postpositionale Stellung des Pronomens musu häufiger vor (Po 43,5%). Dieses Pronomen wird regelmäßig postpositional in stets wiederkehrenden Fügungen mit einem Beisatz verwendet: Ponas musu Jesus Kristus BrP 5₄–₅; Ischgelbetoias musu Kristus BrP 59₁₅–₁₆; Ischganitoio musu Jesaus Kristaus BrP 69₁₃–₁₆. In diesen Fällen ist der Einfluss der kanonisierten lateinischen Konstruktion offensichtlich; er lässt sich auch in den entsprechenden polnischen Wendungen beobachten. Den Beisatz in den genannten Fügungen können wir auf zwei Arten hervorheben: indem wir das Pronomen musu nach einem präpositionalen Beisatz verwenden oder den Beisatz selbst nach dem Substantiv setzen (im zweiten Fall ist die Wortstellung litauisch): Wahrlich, unser Herr Jesus Christus erschien zum ersten Mal auf Erden in sehr armseliger Gestalt, gleich einem anderen armen Menschen... BrP 19₅–₇. Dies wollen wir wohl bedenken, damit wir wissen, wo unser Erlöser Christus geboren wurde BrP 59₁₅–₁₆... Lasst uns darauf achten, in welcher Stadt unser Erlöser Christus geboren wurde BrP 58₅–₆. Der postpositionale Beisatz wird stärker hervorgehoben, wenn ihm noch ein pronominaler Genitiv folgt: Da wir dies über die Ankunft Christi, des Herrn, wissen, lasst uns mit großem Verlangen auf den Tag des Gerichts warten BrP 20₁–₃. Diese Konstruktion ist eine wörtliche Übersetzung aus dem Lateinischen, vgl.: ...de adventu Christi Domini nostri... Tabelle 6. Stellung des pronominalen Genitivs in J. Bretkūnas’ „Postille“ Pronominaler Genitiv | Präpositionale Stellung | Postpositionale Stellung | Anzahl |% | Anzahl |% | io (ios, iu) | 46 | 78 | 13 | 22 | iusu | 4 | 80 | 1 | 20 | mana (-o) | 24 | 85,7 | 4 | 14,3 | musu | 39 | 56,5 | 30 | 43,5 | sawa (-o) | 110 | 67,5 | 53 | 32,5 | tawa (-o) | 23 | 71,6 | 9 | 28,1 115 Tabelle 7. Position des pronominalen Genitivs in K. Sirvydos „Punktai sakymų“ Pronominaler Genitiv | Präpositionale Stellung | Postpositionale Stellung | Anzahl |% | Anzahl |% | io (ios, iu) | 118 | 39,9 | 178 | 60,1 | iusu | 1 | 11,1 | 8 | 88,9 | mana | 3 | 4,4 | 65 | 95,6 | musu | 11 | 13,1 | 73 | 86,9 | sawa | 134 | 33,9 | 261 | 66,1 | tawa | 1 | 2,3 | 42 | 97,7 Am seltensten werden in J. Bretkūnas’ Predigten die Pronomen mano (postpositionell 14,3%) und iusu (postpositionell 20%) verwendet; im Text gibt es jedoch zu wenige Belege, um statistisch fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen. Fast ausschließlich postpositionell stehen die in „Punktai sakymų“ verwendeten Genitive mano (postpositionell 95,6%) und tawo (postpositionell 97,7%); die Stellung der in diesem Werk K. Sirvydos am häufigsten verwendeten Pronomen io (ios, iu) und sawo variiert jedoch stärker (postpositionell 60,1% bzw. 66,1%). Die Stellung einzelner Pronomen stimmt in den beiden Predigtsammlungen gewöhnlich nicht überein: K. Sirvydas verwendet das Pronomen mano fast immer postpositionell (postpositionell 95,6%), während dieses Pronomen in der „Postilė“ am seltensten postpositionell gebraucht wird (postpositionell 14,3%); ähnlich verhält es sich mit dem Pronomen tawo (postpositionell: PS 97,7%; BrP 28,1%). Vielleicht neigt man in beiden Quellen nur dazu, das Pronomen io (ios, iu) häufiger präpositionell als die übrigen zu verwenden (präpositionell: PS 39,9%; BrP 78%). Übrigens stehen Possessivpronomen der ersten und zweiten Person im Lateinischen fast immer postpositionell (außer in emphatischen Fällen), während diejenigen der dritten Person (z. B. eius) auch präpositionell verwendet werden. In dieser Hinsicht unterscheidet sich J. Bretkūnas’ „Postilė“ deutlich vom Lateinischen. Der Vergleich mit den Perikopen von B. Vilentas, bei denen der Einfluss des lateinischen Textes offensichtlich ist, bestätigt dies. 4.4.2. Wie bereits erwähnt, wird der pronominale Genitiv im übersetzten Text – den Evangelienauszügen – viel häufiger postpositionell verwendet als in den Predigten selbst (postpositionell: PS 95,6%; BrP 77,4%). Dieser Unterschied ist in der „Postilė“ besonders deutlich: Im Haupttext überwiegt die Präposition des pronominalen Genitivs (präpositionell 69,1%), in den Perikopen aus B. Vilentas’ „Evangelijos ir epistolų“ dagegen die Postposition (postpositionell 77,4%). In den von J. Bretkūnas übersetzten Auszügen aus M. Luthers Bibel wird der pronominale Genitiv häufiger präpositionell verwendet als in der Kompilation „Postilė“ (präpositionell: BrP 69,1%; BrB 86,4%) – im Deutschen steht das Possessivpronomen vor dem Substantiv. Daher entsprechen allen postpositionellen Genitiven in den Perikopen der Bibel M. Luthers präpositionelle Formen (100%; siehe Tabelle 5): dein König (Matthäusevangelium, Kap. 21) – karalius tawa2; ire kleider (Matthäusevangelium, Kap. 21) – rubus sawa2; ewer heubter (Lukasevangelium, Kap. 21 116 ) – galwas jusu 15₄; maine wort (Lukasevangelium, Kap. 21) – žodžei mana 15₁₄; meinen Engel (Matthäusevangelium, Kap. 11) – Angela mana 28₁₇; inn seine stad (Lukasevangelium, Kap. 2) – miestana sawa 48₂₀; inn irem hertzen (Lukasevangelium, Kap. 2) – schirdije sawa 48₂₀; mein leib (Erster Korintherbrief, Kap. 11) – kunas mana 62₉; seine mutter (Lukasevangelium, Kap. 2) – motina io 102₁₇; ire kinder (Lukasevangelium, Kap. 2) – vaikus sawa 103₁₇; seines vaters (Lukasevangelium, Kap. 2) – Tiewo sawa 104₁₀. Wie wir sehen, konnte die deutsche Quelle die postpositionelle Verwendung des pronominalen Genitivs in den Evangelienauszügen nicht begünstigen, eher das Gegenteil. Offenbar förderte der Einfluss der lateinischen Originaltexte und der lateinischen Sprachtradition insgesamt die Postposition der Possessivpronomen. 4.4.3. Vergleicht man die Stellung des Genitivs in den litauischen und polnischen Teilen von K. Sirvydos Predigten, zeigt sich, dass die Abweichungen eine klare Richtung aufweisen (ähnlich wie beim nominalen Genitiv): 17,3% der präpositionalen Genitive des litauischen Textes ändern in der polnischen Übersetzung ihre Stellung zum Substantiv (Tabelle 4): sawo vmžio 135₃₁–136₁ – wieku swego; sawo pagiwenimo 116₄–₅ – żywota swego; sawo essiby 173₃ – istotę swoie; sawo nuodemes 161₂₁–₂₂ – grzechy swe; io dowanu 171₁₅ – daru iego; io giereby 37₂₀ – dobroć iego; io drauginikay 213₉ – towarzysze iego; io pedus 68₆ – trapow iego; musu karalistey 55₂₂–₂₃ – w państwie naszym; iusu warday 152₁₄ – imiona wasze; tawo pačios dusū 163₉ – duszę twa; sawo Wieszpatiemus 135₂₁–₂₂ – panom swoim; iu iztrinimu 111₁₀–₁₁ – zgładzenie ich; iu wałdonay 124₁₇ – poddani ich; pagal sawo noro 168₂₃–₂₄ – widług woley sweiey; sawo piktu darbu 8₉ – złych spraw swoich; ažusiginimas io waldžios 12₁₁–₁₂ – nieprzyznanie władziey iego; wisus sawo nusideimus 237₂₅–₂₆ – wszystkie grzechy swoie; musu galiausia ir didžiausia taymibe 336₁₁–₁₂ – naostateczneysze y nawjększe błogoskawienstwo nasze. Am häufigsten weicht die Stellung des Pronomens sawo ab – in 23,1% der Fälle. Die Entsprechungen der Possessivgenitive iusu, musu, sawo, tawo werden im Polnischen an ihre Bezugsnomen angepasst; den Genitiv bewahrt stets nur das Pronomen io (ios, iu). Der postpositionelle pronominale Genitiv des litauischen Textes steht an den entsprechenden Stellen im polnischen Text nur sechsmal vor seinem Bezugswort (0,9% aller postpositionellen Pronomen im litauischen Text): nasis iu 256₂₀ – ich nozdrą; apsigrižimo iu 243₁₁–₁₂ – ich nawrocenia; gražibey ios 170₁₈–₁₉ – iey piękności; deł szwento vżaukfeimo iu 212₁₆–₁₇ – dla Świętego ich wychowania; atilisi sawo 352₁₆ – swoy odpocżynek; wiresnius sawo 126₄–₅ – swymi przełożoniemi. In „Punktai sakymų“ dürfte der Einfluss anderer Sprachen stärker gewesen sein, da sowohl das Lateinische als auch das Polnische die postpositionelle Stellung des pronominalen Genitivs begünstigten. Auch die Tendenzen der damaligen östlichen Dialekte könnten die Postposition beeinflusst haben. Ein Vergleich mit älteren Aufzeichnungen ostlitauischer Dialekte und mit der Folklore könnte helfen, diese Frage genauer zu beantworten. 4.4.4. In beiden untersuchten Quellen finden sich Sätze, in denen der Genitiv ausschließlich präpositionell verwendet wird, wenn sich die Predigtverfasser von den kanonisierten Texten entfernen: 117 Das Meer hat seine Ufer in seinem Gewand …/ und dort knäueln sich seine Wollfäden: ebenso hat die Welt/ oder die Menschen ihre Wege/ auf denen sie ihren Hochmut ablegen/ die Herrlichkeit ihres Herzens niederreißen/ schließlich vergehen … PS 271 14–22. … das heißt, so groß ist die Gnade, die gegeben ist/ wie Christus sie nach seinem Willen bestimmt hat. Denn jener hat uns die Gnade und alle Gaben des Himmels durch seinen Tod verdient: darum teilt der Herr nach seinem Verdienst oder allen möglichen Gaben jedem seinen Anteil zu, wie er will PS 179 9–19. Lernen auch wir Menschen, Gott zu danken, damit wir nicht vergessen/ um dieses kostbare Geschenk, unseren Erlöser Christus BrP 89 11–12. Diese Beispiele bestätigen ebenfalls den zuvor geäußerten Gedanken über den Einfluss anderer Sprachen auf die postpositionale Stellung des possessiven Genitivs in den alten Schriften. 5. Ursachen für das Entstehen von Mehrdeutigkeiten Aufgrund der relativ freien Stellung des Genitivs in Bezug auf das Bezugswort ist nicht immer klar, zu welchem der beiden Substantive der Genitiv tatsächlich gehört; er kann sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen verbunden werden: Die Schöpfungen werden Wege Gottes genannt, darin wir seine Spuren sehen, gleichsam seine Fußabdrücke... PS 35120–23. Dieses Wort wurde den Juden damals gegeben, das heißt, der Sohn Gottes, der Mensch geworden war, wurde zuerst zu den Juden gesandt... PS 342–343. Die menschliche Vernunft ist in unseren Körper eingesenkt und, als wäre sie im Schlamm versunken, für die Erkenntnis Gottes nicht geeignet... PS 21023–26. Bei der Geburt der Menschen hatte wegen der Sünde niemand ein reines Herz... BrP 9114–16. Im polnischen Teil der „Punktų sakymų“ gibt es diese Art von Mehrdeutigkeit nicht, vgl.: ... dla tego zowią się d r o g i B o ż e w pisme/przeto iż... PS 35120–21.... to jest S y n B o ż y w człowieczeństwie przyjętem naprzód do żydow był posłany... PS 342–343. R o z u m n a s z/ ktory się w ciele zanurzył... PS 21023–24. Wie wir sehen, können aufgrund einer nicht streng festgelegten Stellung Mehrdeutigkeiten entstehen, insbesondere dann, wenn zwischen zwei Substantiven der Genitiv eines Pronomens steht. Es wird angenommen, dass eine häufigere postpositionale Stellung des Genitivs im heutigen Litauischen eine tatsächliche Gefahr von Mehrdeutigkeiten mit sich brächte (Knüükšta 1979: 73), z. B.: lauktau sesers vyro. Doch Mehrdeutigkeiten unterschiedlichster Art kommen in vielen Sprachen vor. In der Regel helfen Semantik und/oder Kontext oder Situation, sie zu vermeiden (siehe Faarlund 1990: 53–54). Die Gefahr von Mehrdeutigkeiten zeigt nicht, dass der postpositionale Genitiv dem Litauischen fremd ist (auch eine streng festgelegte Postposition würde helfen, Mehrdeutigkeiten zu vermeiden). SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Der präpositionale Genitiv des Substantivs ist meist unbetont. Bei postpositionaler Stellung des Substantivgenitivs kann betont werden: (a) der Substantivgenitiv; (b) das Bezugsnomen; (c) keine der Komponenten der Nominalphrase ist betont. 118 In einem Satz der Schriftsprache ist es oft schwierig festzustellen, welches Glied der Nominalphrase stärker hervorgehoben werden sollte. In manchen Fällen sind die Beweggründe für die Postposition nicht ganz klar. Der Einfluss anderer Sprachen kann nicht der einzige mögliche Grund für die häufige postpositionale Stellung des Substantivgenitivs gewesen sein. 2. Die Stellung des Pronominalgenitivs in Bezug auf das Substantiv ist klarer motiviert als die des Substantivgenitivs: (a) der präpositionale Pronominalgenitiv ist unbetont; (b) der Pronominalgenitiv wird postpositional verwendet, um das Bezugsnomen hervorzuheben; (c) in PS dominiert die postpositionale Stellung des Pronominalgenitivs aufgrund des Einflusses des Lateinischen und des Polnischen; (d) in BrP und BrB dominiert die präpositionale Stellung des Pronominalgenitivs; in BrP und BrB finden sich zahlreiche Fälle postpositionaler Stellung des Pronominalgenitivs, obwohl diese Werke auf der Grundlage deutscher Quellen verfasst wurden; die postpositionale Stellung des Genitivs könnte hier teilweise auf den Einfluss des Lateinischen zurückzuführen sein, spiegelt aber meist die lockere Wortstellung innerhalb der Nominalphrase wider. 3. Die Sprache der alten Schriften wurde offenbar durch das für das Lateinische und Polnische typische attributive Konstruktionsmuster beeinflusst, in dem das Adjektiv häufiger vor dem Substantiv steht und der Genitiv postpositional verwendet wird. Dies trug wahrscheinlich dazu bei, der Postposition den Status eines „gehobenen Stils“ zu verleihen. Im Litauischen kommt, wie bereits erwähnt, der attributive Genitiv viel häufiger vor als in den Nachbarsprachen (anstelle des Genitivs verwenden diese oft ein kongruierendes Attribut). Außerdem werden die Possessivpronomenformen mano, tavo, savo nicht an Substantive angeglichen. Dies erklärt die stärker festgelegte Position des possessiven Pronominalgenitivs im Vergleich zum Substantivgenitiv; die Abweichung des possessiven Pronominalgenitivs von der vorherrschenden Wortstellung ist klarer motiviert. Aus dem Vergleich geht hervor, dass sich das Muster der attributiven Konstruktion im Alt-Litauischen von dem des Litauischen und Polnischen unterschied, jedoch nicht streng festgelegt war; daher konnten die Wortstellungsmuster attributiver Konstruktionen der genannten Sprachen in bestimmten Fällen auf die Schriftsprache des Alt-Litauischen übertragen werden. 4. Die zweite Universalie von J. Greenberg besagt, dass in Präpositionssprachen die Genitiv-Postposition dominiert (Greenberg 1966: 78). Daher wäre auch im heutigen Litauischen eine Dominanz von GenN zu erwarten, doch bekanntlich überwiegt dort der präpositionale Genitiv. Es wird angenommen, dass sich im Litauischen die Stellung der Satzkernkomponenten von SOV zu SVO verändert hat (Ambrazas 1982: 101–104). Somit könnte der präpositionale Genitiv typologisch mit SOV und Postpositionalkonstruktionen vereinbar gewesen sein (die 4. Universalie Greenbergs besagt, dass Postpositionen in SOV-Sprachen häufiger sind)2. Es ist jedoch schwer zu erklären, warum der präpositionale Genitiv im heutigen Litauischen überwiegt, obwohl er im Alt-Litauischen sehr häufig postpositional verwendet wurde – die Genitiv-Postposition hätte aufgrund der Dominanz von Präpositionen häufiger werden müssen. M. S. Dryer behauptet in mehreren seiner neuesten Artikel, dass SOV-Sprachen durch eine sehr starke Implikation mit GenN verbunden sind, 2 J. Hawkins mano, kad senoji lietuvių kalba buvusi prielinksninė (Hawkins 1990: 120–121). 119 tačiau SVO kalbose galima ir GenN, ir NGen (Drayer 1988: 192–193; 1991: 464–465; 1992: 91). Bet jo tyrinėjimai taip pat parodė, kad Greenbergo antroji universalija yra teisinga – prielinksninėse kalbose dominuoja NGen. Vadinasi, lietuvių kalba yra išimtis iš šios Greenbergo universalijos. ABKÜRZUNGEN BrB – Biblia tatai asti Wissas Schwentas Raschtas Lietuwischkai pergulditas per Janą Bretkuną... Karaliaucziuie (1579–1590). BrP – Postilla tatai esti Trumpas ir prastas ischguldimas Evangelíu... Per Janą Bretkuną... Karaliaucziuie... 1591. GenN – Substantivgenitiv; präpositionaler Substantivgenitiv. GenₚN – Pronominalgenitiv; präpositionaler Pronominalgenitiv. NGen – postpositionaler Substantivgenitiv. NGenp – postpositionaler Pronominalgenitiv. O – Objekt. Po – postpositionale Formen. Pr – präpositionale. PS – Pvnkty kazan... in litauischer Sprache mit einer Erklärung ins Polnische durch den Priester Konstanty Szyrwid... In Wilna... 1629. S – Subjekt. V – Verb. LITERATŪRA Ambrazas V. 1986: Dabartinės lietuvių kalbos žodžių tvarkos modeliai. – Lietuvos TSR mokslų akademijos darbai, A ser. 3(96), 92–102. Ambrazas V. 1982: Žodžių tvarka ir baltų kalbų sakinio tipo rekonstrukcija. – Baltistica, 18(2), 92–102. Dabartinė lietuvių kalbos gramatika, Vilnius: Mokslas, 1994. Dryer M. S. 1988: Object-verb order and adjective-noun order: dispelling a myth. – Lingua 74, 77–109. Dryer M. 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Papers presented to Joseph H. Greenberg on his 75th 120 birthday, Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins Publishing Company. Kniūkšta P., Girdenienė D., Girdenis A. 1979: Apie kalbos „prabangą“ ir žodžių tvarką. – Kultūros barai 1, 73–74. Lietuvių kalbos gramatika, Vilnius: Mokslas, 1976. Palionis J. 1967: Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius: Mintis. Rosinas A. 1988: Baltų kalbų įvardžiai, Vilnius: Mokslas. Tesnière L. 1969: Elements de Syntaxe Structurale, Paris. Vasili auskienė V. 1994: On the placement of the genitive attribute in Old Lithuanian. – Dept. of General Linguistics University of Umeå, Report 35, 99–115. Vasiliauskienė V. 1995: Derinamojo pažyminio vieta senojoje lietuvių kalboje. – Lietuvių kalbotyros klausimai 33, 124–142. Žulys V. 1969: Vadinamųjų neįtomųjų įvardžių vieta lietuvių kalbos gramatinėje sistemoje. – Baltistica, 5(2), 167–177. Грамматика литовского языка, Вильнюс: Мокслас, 1985. Историческая грамматика русского языка. Синтаксис. Простое предложение, Москва, 1978. THE PLACEMENT OF THE GENITIVE ATTRIBUTE IN OLD LITHUANIAN Summary 1. In most cases a preposed Genn is unstressed. In the case of postposed Genn different constituents can be stressed: in certain cases the genitive noun and in other cases the head noun. However, sometimes no constituent seems to have stress in noun phrases with a postposed Genn. In such cases the function of the postposed Genn in Old Lithuanian is unclear. We conclude, however, that influence of other languages cannot be the only possible explanation of the so frequent postposition of Genn in Old Lithuanian. For such alternation of placement of Genn to be possible at all, the language must be, in a sense, prepared for it. We therefore assume that the position of the attribute was less strictly determined in Old Lithuanian than is the case in Modern Lithuanian, and that this made it easy for the authors of the period to take over the Latin or Polish form of the noun phrase. 2. The position of the genitive pronouns is more clearly determined than that of genitive nouns, and we can explain almost all deviations from the predominant word order. The facts are as follows: (a) preposed Genp is unmarked; (b) when Genp is postposed, its head noun is stressed; (c) in PS postposed Genp predominates, because of the influence of Latin and Polish; (d) in BrP and BrB preposed Genp predominates; (e) even though the latter works are based on German, we find not a few examples of postposition in these sources, which partly could be due to the influence of Latin, but in other cases reflect a characteristic feature of Old Lithuanian, that of allowing some freedom of word order in the noun phrase. 3. We would expect Modern Lithuanian to have predominantly postposed genitive attributes, since it has prepositions, not postpositions (Universal 2; Greenberg 1966:78). According to several researchers Lithuanian has undergone a change from SOV to SVO. Preposition of the genitive attribute could thus be a remnant of an earlier grammar with SOV order and postpositions. It is odd, however, that preposition of the genitive attributes is more predominant now than was the case in Old Lithuanian. We would expect postposition of genitive attributes to increase over time, at the expance of prepositions, not the other way around. So Modern Lithuanian remains a counterexample. 121