Lietuvių rašomosios kalbos ir tarmių santykis XVIII a. Rytų Prūsijoje
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVIII (1997)
Jonas PALIONIS
DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN LITAUISCHER SCHRIFTSPRACHE UND DIALEKTEN IM 18. JAHRHUNDERT IN OSTPREUSSEN
1. Einleitende Bemerkungen. Das Verhältnis zwischen Schriftsprache und Dialekten ist eines der wichtigsten Grundprobleme der Geschichte der Schriftsprache in jeder Epoche. Denn davon, auf welchem Dialekt oder auf welchen Dialekten eine Schriftsprache beruht und sich entwickelt, hängen sowohl ihre Struktur als auch ihre Entwicklung in einem bestimmten historischen Zeitraum in hohem Maße ab.
Aus der linguistischen Analyse der früheren, ältesten Periode der litauischen Schriftsprache ist bekannt1, dass dieses Verhältnis bis zum 17. Jahrhundert recht kompliziert war. Im preußischen Zweig der litauischen Schriftsprache hielt man sich anfangs noch nicht strikt an einen bestimmten Dialekt; später jedoch (ab 1625 mit dem Gesangbuch von Jonas Rėza) setzte sich hier der preußisch-westaukštaitische Dialekt durch, der schließlich in den Grammatiken von D. Kleinas gefestigt wurde. Die im 18. Jahrhundert in Ostpreußen (im Folgenden RP) schreibenden Verfasser litauischer Schriften wichen nach Erscheinen dieser Grammatiken im Allgemeinen nicht mehr von diesem aukštaitischen, westlichen Weg ab.
Bis zum hier untersuchten Jahrhundert war das Verhältnis zwischen litauischer Schriftsprache und Dialekten im Großfürstentum Litauen (im Folgenden LDK) etwas anders. Im Hinblick auf dieses Verhältnis unterschieden sich hier zwei Zweige der Schriftsprache: der mittellitauische und der ostlitauische (genauer: der dzūkische und der ostlitauische). Der letztere hatte die ältere Tradition, doch im 18. Jahrhundert gewann der mit ihm korrelierende mittellitauische Zweig eine stärkere Stellung. Diese stärkere Stellung bestimmte wahrscheinlich, dass in der ersten Hälfte des Jahrhunderts der ostlitauisch-dzūkische Zweig vom mittellitauischen verdrängt wurde; in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts begann der samogitische Dialekt zunehmend stärker einzuwirken, insbesondere auf der Ebene der Phonologie und Morphologie. Die mittellitauischen Formen wurden in der 1737 gedruckten anonymen Grammatik „Universitas Linguarum Litvaniae“ festgeschrieben, während die samogitischen Formen in diesem Jahrhundert noch keine grammatische Kodifizierung erfuhren.
Im Folgenden soll hier anhand der Daten der modernen litauischen Dialektologie und Dialektografie sowie einer vergleichenden Analyse der Sprache der Schriften des 18. Jahrhunderts die Sprache der bedeutenderen RP-Autoren dieser Epoche im Hinblick auf ihre dialektale Grundlage eingehender untersucht werden. Die Untersuchung wird sich hauptsächlich auf die Ebenen der Phonologie und Morphologie beschränken, da sich die Dialektunterschiede dort am deutlichsten widerspiegeln.
1 Palionis J. Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius: Mintis, 1967, 51–91.
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§ 2. Die normierten Formen in den Grammatiken von Daniel Klein.
Obwohl sich die Verfasser litauischer Schriften in RP im 18. Jahrhundert, wie erwähnt (§ 1), an den in D. Kleinas Grammatiken vorgezeichneten Richtlinien orientierten, das heißt, die Grundlage des preußisch-westaukštaitischen Dialekts heranzogen, ist es aus der Perspektive der Geschichte der litauischen Schriftsprache wichtig festzustellen, in welchem Maße diese Grundlage damals tatsächlich maßgeblich war. Hielt man sich wirklich an die grundlegenden Merkmale dieses Dialekts, die in D. Kleinas Grammatiken festgehalten wurden, oder zog man auch eng begrenzte Dialektismen heran? Falls eng begrenzte Dialektismen nicht vermieden wurden, auf welchen Ebenen kamen sie dann am häufigsten vor und wie wurden sie von den damaligen Schreibenden behandelt? Diese Fragen sollen im Folgenden anhand der verfügbaren Daten beantwortet werden.
Bekanntlich war der preußisch-westaukštaitische (wie überhaupt der westaukštaitische) Dialekt nicht einheitlich. Er gliederte sich in drei Unterdialekte (den nördlichen, den Veliuona- und den südlichen), von denen jeder wiederum eigene Mundarten und Kleinmundarten hatte. Da D. Klein aus Tilsit stammte, das im Gebiet des nördlichen westaukštaitischen Dialekts lag, könnte man erwarten, in seinen Grammatiken zahlreiche für die Tilsiter Mundart typische Merkmale zu finden: die Verschmelzung von [uo] und [o], [ie] und [ė], die Kürzung unbetonter Endungen, den Ausfall des beweglichen [a] sowie Fälle der Monophthongierung der fallend betonten Diphthonge [ái], [áu], [éi]. Dem ist jedoch nicht so: D. Klein wählte nicht den Dialekt seiner Heimat, sondern jenen, der ihm zur Festlegung der Gesetze und Regeln der litauischen Grammatik als „der beste von allen“ erschien, nämlich den Dialekt der Kaunasser: „Hanc Caunენijum Dialectum seવimურ in Ducatu Prufjiae, utpote omnium optimam et commodissimam“ (GL XVI). Daher wurden in den Grammatiken von D. Klein nicht die normierten Formen des nördlichen, sondern jene des südlichen Unterdialekts des preußisch-westaukštaitischen Dialekts vorgelegt, der dem Dialekt des „Kauner Landes“ nahe stand; vgl.: a) Nom. Pl. Fem. dūbes GL 146, Imperativ 2. Sg. Dūk ebenda 61, Nom. Sg. Mask. Piemū..., Präs. 1. Sg. bėgu GL 83, Prät. 3. Jėdėjo ebenda 5, Inf. Jėti Comp. 5..., b) Prät. 3. buwo GL 146, Gen. Sg. Jawo, tawo ebenda 147, Präs. 3. Jāko ebenda 112, žinno ebenda 115..., c) Nom. Sg. Mask. gėras Comp. 107, gražumas GL 66, jūdas, jūkas ebenda 8, d) dūdāmas|| dūdams ebenda 119, regėdamas|| regėdams ebenda 110... e) Nom. Sg. Mask. dáiktas GL 2, áukštas ebenda 24, Inf. lėįti Comp. 55, Konj. jėy ebenda 85...
Ein Vergleich der kleinischen phonologischen und morphologischen Formen mit den entsprechenden Formen in den Schriften aus RP des 18. Jahrhunderts zeigt, dass in Letzteren keineswegs immer die in D. Kleinas Grammatiken kodifizierten südlichen Normen eingehalten wurden. Dies gilt besonders für Samuel Bitners „Naujų Testamentą“ von 1701, in dem aufgrund des bewussten Bestrebens seiner Herausgeber, mit der Sprache der Übersetzung sowohl den Lesern in RP als auch jenen im Großfürstentum Litauen entgegenzukommen, mehr als in anderen zeitgenössischen Schriften dieser Region allerlei dialektale Mischformen vorkommen.
§ 3. Versuche zur Angleichung der Dialekte in S. Bitneris Testament.
S. Bitneris (apie 1632–1710), kaip rodo jau pati pavardė, nebuvo
2 Salys A. Raštai 4. Lietuvių kalbos tarmės. Rom: Litauische Katholische Wissenschaftsakademie, 1992, S. 76 ff.
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Litauer. Litauisch lernte er während seiner Tätigkeit als reformierter (calvinistischer) Pfarrer in Biržai, Kėdainiai und anderswo³. Da sich die früheren litauischen calvinistischen Publikationen (16.–17. Jh.) an den mittelaukštaitischen Dialekt (vor allem an die Mundart der Umgebung von Kėdainiai)⁴ anlehnten, hielt auch er sich bei der Übersetzung des Testaments aus dem griechischen Original an die Hauptmerkmale dieses Dialekts. Dafür sprechen einerseits das häufig geschriebene i vor den Vokalen [e], [ė], andererseits regelmäßig verwendete Formen mit tautosyllabischen [am], [an], [em], [en] und nasalen [ą], [ę]: a) praet. 3 ißaukbejo Pov. 1. Tim. 5, 10, ißbeide Ap. d. 4, 23, g. pl. fantů Ap. d. 27, 44, n. sg. iétas Jok. 1. 1, 9, pabaijtuwę I Pov. 1. rym. 7, 3, jaute Jon. apr. 6, 12, g. pl. ū̇aktů t. p. 21, 17..., b) inf. famdit Mat. 20, 1, n. sg. wamzdis I Pov. 1. kor. 14, 7, praep. ant Mat. 7, 26, n. sg. pajkandintas Mork. 16, 16, a. sg. f. kempinė Mat. 27, 48, imper. 2 sg. perženk Mat. 5, 27..., c) a. sg. ga[w]ą Mat. 13, 20, mießtą Ap. d. 21, 5, drobę didę t. p. 10, 11, tulijbę Mork. 9, 14...
Man darf jedoch nicht vergessen, dass S. Bitner bei der Übersetzungsarbeit auch von Jonas Božimovskis dem Jüngeren (der in Kėdainiai, Vilnius und anderswo lebte)⁵ und Frydrichas Šusteris (Pfarrer in RP, tätig in Būdviečiai)⁶ unterstützt wurde. Diese Mitarbeiter haben zweifellos ebenfalls ihre Spuren in der Sprache der Übersetzung hinterlassen, insbesondere der Letztgenannte. Vaclovas Biržiška schreibt, dass „den größeren Teil der Übersetzung Bitner selbst anfertigte, wobei ihm Jonas Božimovskis der Jüngere etwas half und er sie für Kleinlitauen P. Z. Šuster anpasste“⁷. Wie und in welchem Umfang J. Božimovskis an der Übersetzung und Redaktion des „Neuen Testaments“ von 1701 beteiligt war, lässt sich derzeit nicht konkret sagen. Über die sprachliche Redaktion durch F. Šusteris, den Liudvikas Rėza „Revisor“ (Revizor)⁸ nannte, lässt sich jedoch bereits anhand seines eigenen litauischen Vorworts, das der Übersetzung beigefügt wurde, einiges erschließen. Dort schrieb er: „Und da die Lietuwnikai des großen litauischen Landes manche Dinge mit solchen Wörtern ausdrücken, wie sie die Lietuwninkai im Königlichen Preußen in dieser Bedeutung nicht verwenden, haben wir deshalb [k]jiru gemacht und die Wörter der Lietuwnikai im Königlichen Preußen mit solchen Zeichen versehen (), wie zum Beispiel: Die Lietuwnikai Großlitauens sagen: Giria ſtow ore; die Lietuwnikai des Königlichen Preußens aber sprechen: Puſčia ſtow laukė“⁹.
Aus diesem Zitat geht hervor, dass F. Šusteris, um die Sprache der Übersetzung für die Menschen in RP zugänglicher zu machen, bei bestimmten Wörtern der Übersetzung in runden Klammern geläufigere Entsprechungen für diese Gegend hinzufügte, z. B.: g. sg. aliiwos (Öl) Luk. 10, 34, part. cont. elgdamasis (bettelnd) Mork. 9, 46, praes. 3
3 B i r ž i š k a V. Aleksandrynas 1, Chicago: Kulturfonds der JAV LB, 1960, 356.
4 P a l i o n i s J. Ebenda, 71–79.
5 B i r ž i š k a V. Ebenda, 1, 357.
6 B i r ž i š k a V. Aleksandrynas 2, Chicago: Kulturfonds der JAV LB, 1963, 15.
7 Ebenda, 1, 357.
8 R h e s a L. Geschichte der littauischen Bibel, Königsberg, 1816, 30.
9 Novum Testamentum lithvanicum. Naujasis testamentas Lietuwiβkas..., Karalaucuje, 1701, pratarmė.
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iBdergia (verunreinigt) Mat. 15, 11, lingūdami gálwomis (mit den Köpfen schüttelnd) Mork. 27, 39, nutranke jam (beschimpften ihn) ebda. 27, 44, g. sg. piłwo ([kiłwio) Pov. 1. Tim. 5, 13, falparos (Eckstein) Mork. 12, 10. Bereits aus diesen Beispielen ist ersichtlich, dass F. Šusteris sich nicht auf lexikalische Entsprechungen beschränkte: Mitunter war er gezwungen, zusammen mit dem Hinzufügen einzelner Wörter auch die syntaktische Konstruktion zu ändern und anstelle eines einzelnen Wortes eine synonyme (für RP typischere) Wortverbindung einzusetzen. Es gibt auch Grund zu der Annahme, dass F. Šusteris bei der Anpassung der Übersetzungssprache an den prußischen Sprachgebrauch einige phonologische und morphologische Formen verändern konnte, zumal in vielen Fällen auch die Orthographie des Testaments von 1701 an die prußische angepasst wurde. Doch ohne das Manuskript lässt sich nicht feststellen, wie viele und welche Änderungen er auf diesen Ebenen vorgenommen und dadurch zur Entstehung einer gewissen Vielfalt phonologischer und morphologischer Formen in der Sprache des Testaments beigetragen haben könnte. Es lässt sich lediglich das Vorhandensein einer solchen Vielfalt feststellen und hypothetisch über die Ursachen ihres Entstehens nachdenken.
§ 4. V a r i a t i o n p h o n o l o g i s c h e r u n d m o r p h o l o g i s c h e r F o r m e n i m T e s t a m e n t B i t n e r i o s.
Die Variation phonologischer und morphologischer Formen im Testament von 1701 zeigen folgende Befunde:
a) der gelegentliche Wechsel von [uo] und [o], besonders in Wortwurzeln und Stammsilben, vgl. praet. 3 laidūjo Ap. d. 8, 2, adv. namūp Mork. 5, 19, praes. 3 putūja ebda. 9, 18, Luk. 19, 29, a. pl. m. raudūjančius Mork. 5, 38... und: praes. 3 baltoja Jon. 4, 35, part. cont. iBwažiōdamas Mat. 25, 14, d. sg. m. toßam Mork. 9, 43, n. sg. wienolika Mat. 28, 16...;
b) ein vergleichsweise noch seltenerer Wechsel von [ie] und [ē]: a. sg. m. miebłą Luk 14, 35 || i. sg. m. mēßłu ebda. 13, 8, d. pl. f. padangiems ebda. 17, 24 || giminėms Mat 24, 14...;
c) ein vergleichsweise seltener Wechsel von [o] und [a] in der unbetonten Wortendung: praet. 3 āugo Ap. d. 19, 20, buwo Mork. 6, 44, praes. 3 kłaufo Luk. 8, 8...¹⁰ und: praes. 3 dáża Mat. 26, 23, kába ebda. 22, 40, ne žina Mork. 13, 32...;
d) recht häufiges Wechseln zwischen verkürzten Formen (mit ausgelassenem kurzem auslautendem -e, -i) und den entsprechenden unverkürzten Formen, vgl.: in. sg. f. antroį dienoį Mork. 11, 12 wiłłoį ßłoweį Luk. 12, 27... und: girioje Mat. 3, 1, taiweje ebda. 4, 21; imper. 2 pl. dūkit Mat. 10, 8, eikit ebda. 10, 6... und apłakjikite ebda. 10, 7, giįdikite ebda. 10, 8...; inf. dūt ebda. 10, 34, rugot (sammeln) ebda. 11, 20... und elgetáuti (ubagáuti) Luk. 16, 3, tuįkėnti Ap. d. 12, 16;
e) der gelegentliche Wechsel zwischen Formen mit und ohne „bewegliches“ [a]: n. sg. m. wienas Mat. 20, 21 || ne wiens ebda. 10, 29, kalbėdamas ebda. 26, 42, mokįdamas ebda. 26, 55, norėdamas ebda. 1, 19 || kalbėdams Mat. 26, 48, Luk. 9, 38; 22, 9...
10 In den präteritalen Formen wird regelmäßig -o.
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Eine solche (und andere) Variation phonologischer und morphologischer Formen lässt sich durchaus erklären. Erstens durch den bereits erwähnten Wunsch, zwei auf unterschiedlichen terminologischen Grundlagen beruhende Zweige der Schriftsprache miteinander in Einklang zu bringen. Bei diesem Ausgleich könnten bestimmte phonologische und morphologische Formen uneinheitlich geblieben sein. Zweitens könnte ein Teil solcher Varianten aus früheren Schriften übernommen worden sein (wie erwähnt, gab es sie auch in den Grammatiken von D. Klein).
Drittens schließlich könnten einige Varianten auch auf die individuelle Einstellung der Übersetzer oder Redakteure zu bestimmten Formen, auf Fehler der Druckerei und andere Ursachen zurückzuführen sein. Im Allgemeinen unterschied sich jedoch die Sprache des Testaments von 1701 hinsichtlich ihrer terminologischen Grundlage in vielerlei Hinsicht nicht von der preußisch-litauischen Schriftsprache des XVIII. Jahrhunderts. Dazu trugen nicht nur die Nähe der mittleren und westlichen oberlitauischen Dialekte bei, sondern auch bewusste Bemühungen, diese Dialekte aufeinander abzustimmen.
§ 5. Rückkehr zu den Normen Kleins im Testament von 1727.
Verständlicherweise stand das 1727 auf Initiative von Jonas Kvantas (Quandt, 1686–1772) herausgegebene „Neue Testament“ der früheren Tradition der preußisch-litauischen Schriftsprache noch näher, die seit den Zeiten von J. Rėza ausschließlich auf den westoberlitauischen Mundarten Preußisch-Litauens beruhte. Darin wurde die Idee, Dialekte miteinander abzustimmen, aufgegeben und zu den Normen Kleins zurückgekehrt, denn die Ausgabe von 1701 hatte den Litauern Preußisch-Litauens sprachlich nicht zugesagt und wurde als „kėdainiškis“ bezeichnet11.
Die Ausgabe von 1727 wurde zunächst von Reinhold Rosenberg, Pfarrer in Tilsit, und Kristupas Rebentišas, Pfarrer in Gumbinnen, vorbereitet; nach ihrem Tod (1724) übernahmen Hiob Naunyn, Pfarrer in Ragnit, und Pilypas Ruigys, Pfarrer in Walterkehmen, diese Aufgabe12. Alle außer dem Letztgenannten waren keine Litauer, hatten aber offenbar gute Litauischkenntnisse, da ihnen eine solche Arbeit anvertraut wurde. Zweifellos beherrschte Pil. Ruigys das Litauische am besten: Es war seine Muttersprache, und man nimmt an, dass er am meisten zur Redaktion der Ausgabe von 1727 beitrug13.
Schon 1930 hatte Vac. Biržiška darauf hingewiesen, dass diese Männer lediglich die Übersetzung von 1701 korrigierten und sich dabei vor allem bemühten, sie der deutschen Übersetzung anzunähern; für diesen Zweck hätten sie auch teilweise das Manuskript von J. Bretkūnas und den Psalter von J. Rėza aus dem Jahr 1625 herangezogen14. Dieselbe Behauptung wiederholte er 195315. Tatsächlich stützt der Vergleich der beiden Ausgaben des „Neuen Testaments“ Biržiškas Behauptung, dass die Herausgeber der Ausgabe von 1727 keine neue Übersetzung anfertigten, sondern lediglich Bitnerios Übersetzung korrigierten. In beiden Ausgaben finden sich zahlreiche völlig übereinstimmende Textstellen, obwohl verschiedene
11 R h e s a L. Geschichte der littauischen Bibel, 28.
12Ebenda, 33.
13 B i r ž i š k a V. Aleksandrynas 2, 21.
14 B i r ž i š k a V. Lietuviškų knygų istorijos bruožai, Kaunas: Spaudos fondas, 1929–1930, 70.
15 B i r ž i š k a V. Geschichte der alten Schriften 1, Chicago, 1953, 151.
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Auch an sprachlichen Unterschieden mangelt es darin nicht.
Ohne näher auf diese Unterschiede einzugehen, werden hier nur diejenigen hervorgehoben, in denen sich die dialektale Grundlage der Korrekturen widerspiegelt: die Bemühungen der Herausgeber der Ausgabe von 1727, die mittellitauischen Formen der Ausgabe von 1701 zu verwestlichen.
Auf der phonetischen Ebene zeigen sich solche Bemühungen wohl am deutlichsten im Ersatz mittellitauischer Formen mit hartem [ł] vor [e], [ė] durch westlitauische Formen ohne diesen harten Konsonanten, vgl.: part. cont. gailėdams BT Mat. 27, 3 und praet. 3 galėjos KNT t. p., adv. Kotay BT Jon. 9, 5 und Koley KNT t. p., iki Biolak BT Jon. 5, 17 und ikBioley KNT t.p., praet. 3 pūle BT Jon. 11, 32 und pūle KNT t. p., G. pl. turkelú BT Luk. 2, 24 und Kurkelú KNT t.p. Insgesamt ist das Graphem ł in der Ausgabe von 1727 selten und weist auf den Wunsch ihrer Herausgeber hin, sich nicht nur phonologisch, sondern auch graphisch vom Testament Bitnerios abzugrenzen (das vereinzelt auftretende ł könnte auf ein Versehen oder auf die Druckerei zurückgehen, z. B. Karalytłe KNT Jon. 3, 5).
Eine weitere, ebenfalls leicht erkennbare Änderung phonetischer Art ist die Kürzung von Formen mit dem „beweglichen“ [a], vgl.: n. sg. m. gywas BT Jon. 4, 51 > gyw’s KNT t. p., part. cont. mokịdamas BT Mat. 26, 55 > mokidam’s KNT t. p., n. sg. m. famdininkas Jon. 10, 13 > Samdinink’s KNT t. p., fwietas BT Jon. 3, 17 > Swiet’s KNT t. p., wienas BT Jon. 6, 71 > Wien’s KNT t. p.... Wie zu sehen ist, wird der Ausfall des „beweglichen“ [a] im Testament von 1727 regelmäßig graphisch durch einen Apostroph gekennzeichnet, der bereits 1685 im Gesangbuch von J. Rikoviiaus besonders häufig für denselben Zweck verwendet wurde. Ob bei allen derartigen Änderungen die Aussprache der sogenannten „striukiškės“-Mundarten RP berücksichtigt wurde oder ob man sich hier stärker an der älteren Gesangbuchtradition dieser Gegend orientierte, lässt sich heute schwer sagen.
Auf der morphologischen Ebene können die Verw estlichungsbemühungen durch den Ersatz der Formen der 1. Person des Konjunktivs auf -čia durch Formen auf -čiau angezeigt werden (vgl. gérčia BT Mat. 26, 53 > gérčiau KNT t. p., iBpilďičia BT Jon. 4, 34 > iBpilďičiau KNT t. p., trokBčia BT Jon. 4, 15 > trokBčiau KNT t. p.... Zu einer solchen Änderung ist jedoch anzumerken, dass sie kein unumstrittener Indikator für Verw estlichung ist. Vor allem deshalb, weil Formen auf -čia im 16.–17. Jahrhundert nicht nur im mittellitauischen Zweig (der Kėdainiai-Mundart), sondern auch bei Autoren aus RP verwendet wurden (neben -čio und vergleichsweise selteneren Formen auf -čiau). In den Paradigmen von D. Kleins Grammatiken standen sie sogar an erster Stelle (regécia || regéciau GL 109, žinnóčia || čiau t.p. 115...). Wenn man hypothetisch -čia > -čiau den Fällen der Verw estlichung zurechnet, ist damit gemeint, dass Formen auf -čiau besonders regelmäßig in den Schriften von Autoren aus dem südlichen Gebiet der preußischen westlichen Hochlitauischen Mundart („Baltsermėgiai“) gebraucht wurden (so wurden etwa in den Schriften von K. Donelaitis ausschließlich Formen auf -čiau festgestellt).
Auf der syntaktischen Ebene kann als Beispiel für Verw estlichung der ziemlich regelmäßige Ersatz des Illativs durch eine Präpositionalkonstruktion „in + Akkusativ“ dienen, vgl.: kurio[na tikay namū[na BT Luk. 9, 4 > kur į kokius Nammus KNT t. p., karoblin Bt Luk. 17, 27 > į Akruta KNT t. p., ranko[na BT Jon. 3, 35 > į Rankas KNT t. p. D. Klein charakterisierte in GL den Illativ und die Konstruktion „in + Akkusativ“ als bestimmte Varianten und räumte sogar dem Illativ als „eleganterem“ Ausdrucksmittel den Vorrang ein
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zur Verfügung16. Eine solche Bevorzugung wird in der Grammatik jedoch nicht näher begründet. Möglicherweise spielte dabei eine stilistische Erwägung eine erhebliche Rolle: Für D. Klein, den berühmten Übersetzer und Verfasser religiöser Gesänge seiner Zeit, konnte der Illativ nicht nur als kürzeres, sondern auch als klangvolleres Mittel zum Ausdruck der Richtung erscheinen. Es gibt keine solide Grundlage für die Annahme, dass die Bevorzugung des Illativs durch seine größere Verbreitung in den westhochlitauischen Mundarten von RP (insbesondere den südlichen) bedingt war. Dagegen spricht unter anderem die bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts erkennbare kontinuierliche Tendenz, die Konstruktion „in + Akkusativ“ in den Schriften aus RP allgemein durchzusetzen (diese Konstruktion herrschte auch in den Schriften von K. Donelaitis vor).
Fälle von Verw estlichung lassen sich wohl am leichtesten auf der lexikalischen Ebene feststellen, denn im Text des Testaments von 1701 waren, wie erwähnt, in runden Klammern zahlreiche westlitauische (genauer: für den preußischen Zweig der Schriftsprache charakteristischere) Wörter eingetragen, von denen die meisten auch in die Ausgabe von 1727 übernommen wurden, während man dort auf ihre „Kėdainiai“-Entsprechungen verzichtete. Als Beispiele für die lexikalische Verw estlichung in dieser Ausgabe können solche übernommenen (aus den Klammern herausgenommenen) Wörter gelten wie drugys [a. sg f. karštinė (drugi) BT Mat. 8, 14: i. sg. m. Druggiu KNT t. p.], puščia [in. sg. f. girioje (pubčioje) BT Mat. 3, 1: Pubčioje KNT t. p.], skaitytinė [g. sg. f. literos (įskaitij-tines) BT II Pov. 1. kor. 3, 6: n. sg. f. Skaitytine KNT t. p.], skūnė [a. pl. kūnus (kunes) BT Luk. 12, 18: Skunes KNT t. p.], ubagauti [inf. elgetáuti (ubagáuti) BT Luk. 16, 3: ubbagauti KNT t. p.], vartai [broma (wartai) BT Mat. 7, 13: Wartai KNT t. p.] usw.
Die lexikalische Verw estlichung beschränkte sich jedoch nicht allein auf die Übernahme der in Klammern eingetragenen Wörter in die Ausgabe von 1727: Zahlreiche weitere, den westhochlitauischen Mundarten untypische Wörter wurden dort durch den Vertretern dieser Mundart geläufigere und insbesondere im damaligen Gebrauch der preußischen Schriftsprache weiter verbreitete Wörter ersetzt. So wurde beispielsweise das im Testament von 1701 verwendete gerdas Mork. 13, 7 in der Ausgabe von 1727 durch šauksmą, gydytojas Luk. 5, 31 durch liekorį, įdant Jon. 11, 57 durch jėib, iškala „Schule“ Ap. d. 6, 9 durch šūlę, palaikis Mork. 2, 21 durch seną, veizdėti Ap. D. 3, 5 durch žiūrėti, žūklavimas Luk. 5, 4 durch valksmas.
Fälle der Verw estlichung sind somit auf allen sprachlichen Ebenen des „Neuen Testaments“ von 1727 zu beobachten. Dies zeugt von den Bemühungen seiner Herausgeber, dessen Sprache für die Leser in RP verständlicher und der früheren kleinischen Tradition näher zu gestalten. Die vereinzelt auftretenden Abweichungen von dieser Tradition lassen sich sowohl durch die individuellen Ansichten der Herausgeber zu einzelnen sprachlichen Erscheinungen als auch durch ihren Wunsch erklären, die Veränderungen zu berücksichtigen, die sich im nachkleinischen Zeitraum im Gebrauch der litauischen Schriftsprache in RP vollzogen hatten.
Im Testament von 1727 finden sich auch recht häufig Fälle einer Vermischung von [o] und [uo] sowie [ė] und [ie], vgl.: a) inf. dūwanoti II Petr. 1. 1, 4, žvėjuoti Jon. 21, 3 und lingoti Pov.
16 Siehe Pirmoji lietuvių kalbos gramatika, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 1957, 257.
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1. Eph. 4, 14; g. sg. m. Gūdo „Gier“ Pov. 1. rym. 1, 29 und a. pl. m. Loƀus „lahm“ Mat. 15, 30; in. pl. wiłłufe Daiktofe I Pov. 1. tes. 5, 18 und wiłłufe Wietułfa I Pov.. Tim. 2, 8...; b) n. sg. m. Snegas Jon. apr. 1, 14 und g. sg. f. Giedos Jud. 1, 1, 22; a. pl. f. Jawėnas „Lämmer“ I Pov. 1. kor. 3, 12 und n. pl. m. Mieneƒej Jon. 4, 35. Solche Vermischungen sind zweifellos bereits ein unmittelbarer Reflex der nordlitauischen Mundart der preußischen Oberlitauer.
§ 6. Sprachliche Merkmale des „Neuen Testaments“ von 1735. Die Sprache des „Neuen Testaments“ von 1735 unterscheidet sich nur wenig von der Ausgabe von 1727. Das ist verständlich: Die letztere wurde von H. Naunyn und Pil. Ruigys vorbereitet, die maßgeblich an der Redaktion der Ausgabe von 1727 beteiligt gewesen waren. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Ausgaben beschränken sich meist auf die Bereiche Rechtschreibung und Phonetik, gelegentlich finden sich aber auch bestimmte Änderungen in Morphologie, Syntax und Lexik. So werden etwa in der Ausgabe von 1727 gemeine Substantive häufiger großgeschrieben; außerdem enthält sie mehr Allative und Adessive, die in der Ausgabe von 1735 vielfach bereits durch Präpositionalfügungen ersetzt sind, sowie mehr altertümliche Satzmuster.
§ 7. Das Bemühen, sich in der Bibel von 1735 an die „reine“ Mundart zu halten. 1735 erschien auch die Übersetzung des Alten Testaments, die zusammen mit dem „Neuen Testament“ die gesamte Bibel umfasste („Biblia, tai efti Wiłłas Szwentas Raßtas Seno ir Naujo Teßtamento...“). Wie aus dem deutschen Vorwort von Jonas Kvantas hervorgeht, das der ersten Ausgabe der vollständigen Bibel beigefügt war, übersetzten neben H. Naunyn und Fil. Ruigys das Alte Testament auch Kristupas Štimeris, Abraomas Liuneburgas, Fabijonas Kalau, Adomas Pilgrimas, Kristupas Šperberis und zwei Adomai Šimelpenigiai (der ältere und der jüngere); die gesamte Übersetzungsarbeit beaufsichtigten Jonas Berentas und Petras Milkus (beide lasen auch die Korrektur).
Das von einer so beträchtlichen Gruppe verfasste Übersetzungsmanuskript konnte sprachlich nicht völlig einheitlich sein, zumal die Übersetzer aus verschiedenen, mundartlich mehr oder minder unterschiedlichen Orten stammten (z. B. war H. Naunyn in Ragainė geboren, P. Milkus in Tilžė, K. Štimeris in Įsrutis, A. Liuneburgas in Gumbinė, hatte aber lange in Klaipėda gearbeitet)17. Dennoch ist in der Ausgabe von 1735 kein größerer sprachlicher Unterschied zu erkennen, weder zwischen den einzelnen Teilen des Alten Testaments noch zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Dafür war zweifellos vor allem das Bemühen der Herausgeber dieser Ausgabe, insbesondere der Redakteure (allen voran des aus Įsrutis stammenden J. Berentas), maßgeblich, der älteren – kleinischen – Tradition zu folgen, von der S. Bitner in seinem Testament abgewichen war, und die Sprache der Ausgabe auf dieser Grundlage zu vereinheitlichen.
Dass die Redakteure der Ausgabe von 1735 die frühere Tradition (nicht nur die kleinische, sondern auch die vorkleinische) tatsächlich nicht ignorierten, lässt sich sowohl aus dem bereits erwähnten Vorwort von J. Kvantas schließen, in dem von den Bibeln von J. Bretkūnas und S. Chilinskis die Rede ist, deren Übersetzungen …
17 Biržiška V. Aleksandrynas 2, 10 u. a.
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timus, tiek ypač iš jo 1730. I. 3 pranešimo RP valdžiai apie naujojo leidimo rengimo eigą. Tame pranešime nurodyta, kad naujajam leidimui naudotasi ir J. Bretkūno bibljos vertimu (iš jo buvę perimti vėjų pavadinimai), tačiau daug naudos iš to neturėta. Neturėta dėl to, kad J. Bretkūnas savo vertime rėmėsi Labguvos tarme, kuri „giminiems“ Įsruties, Ragainės ir Tilžės apskričių lietuviams buvusi ir nesuprantama, ir nepriimtina: „Sie [t.y. J. Bretkūno vertimas, – J. P.] ist aber nach der Labiauschen Mundart, so mit der Curischen Sprache verbunden ist, geschrieben; dahero sie auch von den reinern Littauern in der Insterburg-Ragnit-und Tilsitschen Aemtern, die doch die weitläufigsten sind, weder verstanden noch angenommen werden kann und einer durchgängigen Verbesserung von Wort zu Wort bedarf.“18
§ 8. Tendenz zur Südlichen Mundart in der Bibelausgabe von 1755 sowie in den Übersetzungen von A. Pilgrimas, K. Lovynas und V. Rėgė.
Hinsichtlich der dialektalen Grundlage unterscheidet sich die von Adomas Šimelpenigis der Jüngere (1699–1763) vorbereitete und 1755 gedruckte neue Gesamtausgabe der Bibel im Wesentlichen nicht von der Ausgabe von 1735. Das ist verständlich: Tatsächlich handelte es sich dabei lediglich um eine etwas überarbeitete Fassung jener Ausgabe. Dennoch ist darin beim Redigieren die Tendenz erkennbar, die Sprache stärker zu südlichen Merkmalen hin auszurichten. So werden hier vereinzelt die in der Ausgabe von 1735 vorkommenden nicht affrizierten Formen durch affrizierte ersetzt (vgl.: adv. apſteyB¹ I Moz. 3, 10 > apßczeyB²; part. act. n. sg. f. pagimdųfi t. p. > pagimdƶufi; pamatufį t. p. > pamacƶufi; praes. 3 uſſigeid IV Moz. 14, 26 uſſigeidž³), die „striukiški“-Form der 3. Person Singular Präsens der Verben durch „nicht striukiški“-Formen (vgl.: bandaB¹ Job. 4, 2 bandoB²; barſta Ps 15, 7 barſto; klaufa Mork. 4, 9 klaufo; walga t. p. 14, 18 walgo). Die Tendenz zur südlichen Mundart zeigt sich möglicherweise auch im Austausch einiger Wörter aus der Ausgabe von 1735 (z. B.: adv. apſukai Sal. pam. 9, 14 > aplink, ißkiey Jon. 11, 14 > áißkiey, fut. 1 sg. pabengſu Rūt. 3, 2 > pabaigſu, g. sg. m. pakalo Iz. 30, 6 > nugarós, g. pl. pawerſmû Job. 8, 2 > ßaltinnû). Aus der im großen Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽ) angegebenen Lokalisierung dieser Wörter sowie aus den Schriften von K. Donelaitis (DR) lässt sich schließen, dass die Varianten der Ausgabe von 1755 für die westlichen südlichen Oberlitauer-Mundarten charakteristischer gewesen sein dürften.
Westliche südliche Formen überwiegen auch in den von Adomas Pilgrimas, dem Pfarrer von Įsrutis, übersetzten Erläuterungen zu den biblischen Geschichten von J. Hübner „Ißkirſtyti [...] Nuſſida-wimai ß Sėno bey Naujo Teſtamento...“ (1742). Hier werden meist die vollen Endungen verwendet; davon ausgenommen ist die Nominativendung -as, die häufig auf die für preußisch-litauische Schriften charakteristische Weise mit Apostroph verkürzt wird: n. sg. Adom’s 15, 20, Pon’s Diew’s 57, 5, wert’s Daikt’s III, 15, wiens nelab’s 15, 21... (obwohl auch folgende Formen vorkommen: Diewas 77, 2, Welinas 12, 18, Wyras 48, 18...). In dieser Übersetzung findet sich auch ein wenig uo /o,
18 Falkenhahn V. Der Übersetzer der litauischen Bibel Johannes Bretke und seine Helfer, Königsberg und Berlin: Ost-Europa-Verlag, 1941, 238.
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ie/ė-Mischungen, vgl.: adv. Namų 66, 2; 122, 8, in. pl. Nammūje 193, 9, g. pl. Ūbkū 48, 10, praet. 3 liepe 70, 5, d. sg. mielam 103, 30... und in. pl. Pellenoje 182, 15, n. sg. Obka 191, 15, inf. Blubboti 48, 21, n. sg. bėdna 158, 2, praet. 3 kwėte 161, 11, kwėjalino 187, 2, a. sg. Karalęnę 145, 5; 160, 3...
A. Pilgrim wird von manchen (z. B. A. Harnocha) auch die Übersetzung des Buches von Chr. Langhausen „Trumpas ir prątas Išguldimas wįjjū [...] Ewangelijų“ (1750) zugeschrieben. Vac. Biržiška nahm jedoch unter Berufung auf J. Bertoleičius und das Vorwort zu Pil. Ruigys’ Wörterbuch an, Pilgrimas habe die Übersetzung lediglich überarbeitet oder vielleicht sogar zu Ende übersetzt19. Wie dem auch sei: Die in Form von Fragen und Antworten gegebenen Auslegungen der Evangelien unterscheiden sich sprachlich nicht merklich von den „Nusidavimai“, und die Evangelientexte stimmen fast vollständig mit den Bibeltexten von 1735 überein (nur ist in letzteren mancherorts die Konjunktion ir durch o ersetzt oder eine andere sprachliche bzw. orthografische Kleinigkeit korrigiert; beispielsweise werden in der Bibel häufig klein geschriebene Substantive in den „Išguldymuose“ großgeschrieben).
Kiek skiriasi nuo A. Pilgrimo vertimų Kristijono Lovyno (1721–1783) vertimo „Ewangelįßkas Malonės = Dawadas“, išleisto 1768 m., kalba. Skiriasi daugiausia tuo, kad jame dažniau vartojama „striukiškų“ lyčių. Ypač dažnai čia išmetamas „judrusis“ [a], kartais ir [i] vardažodžių bei įvardžių galūnėse (paprastai tas išmetimas žymimas apostrofu): n. sg. m. Daikt’s IV, 22, ger’s 23, 25, kur’s IX, 13, kalt’s 24, 13, man’s 135, 2, piln’s 70, 30, Stal’s 46, 32, Bok’s ir tok’s XII, 10–11, Wyr’s 21, 29, warging’s 64, 23... Neretai numetami taip pat trumpieji galūniniai [a], [e] veiksmažodžių esam. laiko 3 a. lytyse: gaun’ 44, 34, my’ X, 23, ne nor V, 4, pavyd’ 71, 18, reyk XI, 26, ne futar 63, 12, tikk’ 22, 10, bet ir: jaucza 41, 22, faka t. p., alkta ir trokßta 51, 10. Rodos daugiau K. Lovyno vertime pasitaiko ir [uo]/[o], [ie]/[ė] maišymo atvejų, plg.: praes. 1 sg. atbūju 121, 34, in. pl. f. dwafibkūja Bėdūja 57, 37, n. sg. Gūdas 129, 17, Ūda 52, 13, Ūras 91, 21, inf. wartūti 50, 4... ir inf. dejoti 116, 5, didžotis 114, 9, n. sg. m. Lobas 60, 2, a. pl. m. raupjotus 24, 35...; g. pl. Griekų 59, 2, g. sg. nieko 20, 4, tießos 38, 14, n. sg. praliets 40, 4... ir n. sg. bėdnas 44, 12, Bėfas 35, 26, Sžen’s „šienas“ 27, 26, a. sg. Kėtumma 36, 20, [u Prifėga 70, 18...
Die Phonetik der Übersetzung von K. Lovynas ist also etwas nördlicher geprägt als die von A. Pilgrimas. Dazu könnte möglicherweise seine Tätigkeit im Memelland (in Katyčiai, Plaškiai, Klaipėda und Kretingalė) beigetragen haben, doch lässt sich im Allgemeinen nicht sagen, dass die Sprache seiner Übersetzung auf der Mundart der nördlichen Westaukštaiten beruht (Fälle der Monophthongierung von Diphthongen kommen darin fast nicht vor: Ich habe nur g. sg. Awinačio 144, 17, i. pl. Jaunikaczeis 124, 10–11 und Waikaczeis 124, 10 festgestellt).
Von den Schriften A. Pilgrimas’ und K. Lovynas’ unterscheidet sich terminologisch im Wesentlichen auch nicht die Sprache zweier 1788 erschienener Büchlein, die Wilhelm Rėgė (Regge) übersetzt hat: „Mokslas Pamokinimo ant gero wartojimo Laukininkams...“ und „Skaitimo Knygėlės ant
19 B i r ž i š k a V. Aleksandrynas 2, 64.
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vartojimo Laukininkams...“. In ihnen wird lediglich häufiger das „bewegliche“ [a] in der Endung -as von Nomina und Pronomen ausgestoßen und unbetonte Kurzvokale in verschiedenen Verbendungen weggelassen, z. B.: a) n. sg. Darb’s RM 5, 18, Burs „Bauer“ RS 41, 12, kalts RM 23, 15, Sens ebenda 21, 28, Sǵwents RaBts ebenda 27, 19–20, kur’s ebenda 6, 28, Jauns papraḟts, sens atrafts RS 56, 9 (Titel der 20. Erzählung), budams RM 15, 25, mylim’s ebenda 2, 31..., b) praes. 3 atlie k RM 18, 8, grauden’ ebenda 18, 17, yr’ ebenda 1, 3, meld’ RS 27, 26, werk ebenda 22, 25..., gal RM 2, 22, gird’ ebenda 23, 28, pen ebenda 35, 26, reg RS 23, 3, ftow’ RM 17, 14..., inf. but’ RM 2, 21, miſlyt’ ebenda 1, 5... Größere Konsequenz bei der Kürzung der Endungen ist jedoch nicht zu erkennen: Oft wird dieselbe Form nebeneinander sowohl mit verkürzter als auch mit ungekürzter Endung verwendet, vgl.: n. sg. Diew’s RM 7, 13 und Diewas ebenda 7, 18, jauns oder jennas ebenda 161, 18, gyws ebenda 9, 20 und gywas ebenda 11, 28, praes. 3 myl ebenda 29, 9 und myli ebenda 29, 4.
Die häufigere Kürzung der Endungen ist wahrscheinlich auf den Einfluss der Tilžėner Mundart zurückzuführen, da V. Rėgė die letzten 23 Jahre seines Lebens Pfarrer in Tilžė war (er starb 1791)20. Mit dem Einfluss dieser Mundart lassen sich auch die nicht ganz seltenen Fälle der Verwechslung von uo/o und ie/ė erklären, vgl.: praes. 3 melloj’ RM 25, 2, inf. melloti ebenda 44, 3 und praet. 3 wartūjo ebenda 173, 13, inf. wartūti ebenda 129, 13, in. pl. wiſſūne dalykoſe ebenda 82, 23, wiſſūſe mokſloſe RS 20, 21–22, Bittōſe Kudikioſe ebenda 65, 17, užauguf(oſe) Metoſe ebenda 58, 60..., n. sg. bėdnas RS 46, 13 und in. sg. Giedoje ebenda 38, 3, n. sg. Tėws RM 12, 4 und Diew’s ebenda 7, 13, in. sg. žede „im Ring, in der Blüte“ ebenda 33, 16 und g. sg. žiemos ebenda 18, 521. Es gibt jedoch keine solide Grundlage für die Annahme, dass diese Art der Verwechslung ausschließlich auf den Einfluss der Tilžėner Mundart zurückgeht. Eine andere Ursache, die die Verwechslung von uo/o und ie/ė wohl am stärksten begünstigt hat, ist, dass Litauisch für V. Rėgė keine Muttersprache war und er nicht nur die Phoneme /uo/, /o/ und /ie/, /ė/, sondern auch die grammatischen Geschlechter nicht gut unterschied. Daher konnte er in Verbindungen wie Bittōſe Kudikioſe, pirmūſe dienūſe das Substantiv kūdikis für feminin und dieną für maskulin halten. Fälle einer Verwechslung der Genuskategorie kommen in den genannten Büchlein häufig vor (z. B.: wienoje Rytoje „eines Morgens“ RM 14, 2–3, tą grabu gieſme ebenda 23, 22–23, i. pl. abaŕais žerrejo ebenda 124, 32, tikrrus Seſſerus ebenda 125, 24, g. sg. ſunkios prakaitos RS 44, 5).
Vereinzelt taucht in V. Rėgės Büchlein auch die eine oder andere Form mit a anstelle von ai auf: a. pl. daktus RS 18, 1; 28, 18, n. sg. Mergate ebenda 47, 21, v. sg. mammate 48, 4; 11 (diese letztgenannte Form gibt keinerlei Anlass, an ihrer Authentizität zu zweifeln, da sie in einem Dialog verwendet wird). Eine deutlichere Monophthongierung des Diphthongs [ai] zeigt sich jedoch nicht in der Sprache, in die V. Rėgės Büchlein übersetzt wurden: Sie ist einfach und voller nichtlitauischer Wörter und insbesondere syntaktischer Konstruktionen.
20 Biržiška V. Aleksandrynas 2, 99.
21 Das Graphem e wird von V. Rėgė selten verwendet; daher ist schwer zu sagen, ob das an seiner Stelle anzutreffende e einen erweiterten Vokal bezeichnet oder lediglich eine orthografische Eigenheit ist.
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§ 9. Fortführung der Klein’schen Tradition in den Gesangbüchern.
Bei der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Schriftsprache und Dialekten in RP dürfen auch die Kirchenlieder nicht außer Acht gelassen werden, obwohl diese kirchliche poetische Gattung ihre spezifischen Eigenschaften aufweist, die dieses Verhältnis weniger deutlich hervortreten lassen als in Prosatexten. Aufgrund der für die Liedgattung charakteristischen Rhythmik und Intonation sind die dialektalen Merkmale in ihren Texten gewöhnlich stärker nivelliert; zudem finden sich in Liedtexten mehr innovative sprachliche Ausdrucksmittel.
Im 18. Jahrhundert erschienen in RP zahlreiche Gesangbücher, denn das Singen von Kirchenliedern ist bekanntlich ein integraler Bestandteil der religiösen Riten der Reformierten, und die reformierten Geistlichen bemühten sich sehr darum, dass es nicht nur an litauischen biblischen Texten, sondern auch an Gesangbüchern keinen Mangel gab.
Bereits 1705 veröffentlichte der Pfarrer von Budviečiai, Frydrichas Šusteris, eine etwas überarbeitete und erweiterte Ausgabe des Gesangbuchs von D. Kleinas, das Jonas Rikovi jaus redigiert hatte: „Naujos... pagerintos Giesmju Knygos“ (1685). In den aus Kleinas nachgedruckten Liedern sind jedoch keine größeren sprachlichen Änderungen festzustellen. An einigen Stellen ist eine oder andere Zeile von Šusteris etwas anders redigiert (vgl.: Jog mane iš malones RG 170, 2 und Manę jog iš malones ŠG 170, 2), oder die Wortformen unterscheiden sich in ihrer Schreibweise, insbesondere bei den diakritischen Zeichen (vgl. RG: g. sg. f. kitrawõnes 170, 4, g. sg. m. Dekawõjimo 358, 2, n. sg. m. Bėgunas 317, 15, grãžūs 326, 15, praes. 1 pl. gárbinam 336, 9, n. sg. f. iBardita 356, 3... und ŠG: kijtrawones 170, 4, Dekawojimo 398, 2 Begunas 356, 24, grãžūs 366, 5, garbinam 375, 19, iBardijta 396, 3...). Hinsichtlich des Dialekts entfernte sich F. Šusteris’ Gesangbuch somit kaum von den Klein’schen Normen.
Auf der Grundlage von F. Šusteris bereitete der Pfarrer von Įsrutis, Jonas Berentas, eine neue Gesangbuchausgabe vor und ließ sie 1732 drucken; diese wurde 1735, 1738, 1740, 1745 und 1748 erneut aufgelegt. Da die ersten drei dieser Ausgaben nur aus bibliografischen Quellen bekannt sind, lässt sich über ihre sprachlichen Merkmale vorerst nichts sagen. Der Vergleich der beiden letzten erhaltenen Ausgaben zeigt, dass sie sich sprachlich in keiner Weise unterscheiden: Beide stützen sich offenbar auf frühere, nach dem Erscheinen von F. Šusteris’ Ausgabe veröffentlichte Auflagen und stehen in der Klein’schen Tradition.
Neben F. Šusteris und J. Berentas stellte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch der Pfarrer von Didlaukai, Fabijonas Glazeris, litauische Gesangbücher zusammen. Aus bibliografischen Quellen sind Gesangbuchausgaben von ihm aus den Jahren 1736 und 1738 bekannt. Ihm gehört zweifellos auch die 1748 erschienene Sammlung „Kittos naujos Gies[m]es“, deren Herausgeber durch das Kryptonym F. U. G. P. D. (= Fabijonas Ulrichas Glazeris Pastorius Dovydėlių) ausgewiesen wird und die bereits 1745 veröffentlicht worden war. Obwohl sich in diesen beiden Ausgaben, d. h. von 1745 und 1748, sowohl die Nummerierung der Lieder als auch ihre Anordnung unterscheiden (z. B. ist das erste Lied in der Ausgabe von 1745 „Ein Weter steiget auf“, in der von 1748 dagegen „Gott sey Danck...“), stimmen die Texte selbst bis auf gewisse Kleinigkeiten der Rechtschreibung überein. Auch hinsichtlich ihrer dialektalen Grundlage fußen sie auf der Klein’schen Tradition, d. h. in ihnen überwiegen die Formen des südlichen westaukštaitischen Dialekts in Preußisch-Litauen. So bleiben etwa die Längen nasaler Vokale im Wortauslaut (die damals bereits nur noch schwach nasal resonierten) sowie die Längen unbetonter Vokale in den Endungen -o, -os, -ė, -ės erhalten: g. sg. m. Karwėlo BG 127, 14, Wėlno ebd. 77, 20, praet. 3 atėjo ebd. 127, 14, mano ebd. 46, 40, jawot ebd. 129,
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24..., n. pl. f. gillos Ronos BG 53, 6, Kojos ebd. 155, 33, Rankos ebd. 56, 21..., n. sg. f. Gerybe BG 217, 27, Malone ebd. 137, 29, Meilė ebd. 180, 34, Zemė GG2 51, 5, praet. 3 Padāre GG2 111, 7..., n. pl. f. Gieſmės BG 188, 1, Gerybės GG2 43,31, Lepfnėlės ebd. 83,16... Zwar wurde, wie auch die hier angeführten Beispiele zeigen, in den Endungen -ė, -ės das enge [e] der Klein’schen Tradition nicht mit einem Punkt gekennzeichnet; das muss aber nicht unbedingt einen verkürzten oder reduzierten Vokal widerspiegeln: Hier handelt es sich wahrscheinlich um eine orthografische, nicht um eine dialektale Erscheinung (in den Gesangbüchern finden sich gelegentlich auch Beispiele mit Punkt, z. B.: n. sg. f. Zolė GG² 83, 32).
Sowohl in den Gesangbüchern von Berentas als auch von Glazeris finden sich nur vereinzelt Fälle, in denen die Diphthonge [uo], [ie] mit [o], [ė] zusammenfallen; diese sind für den Dialekt von Tilžė charakteristisch. Für die Sprache dieser Gesangbücher ist auch die „striukiškische“ Monophthongierung der fest anlautenden Diphthonge [áu], [ái], [éi] untypisch. Der Ausfall kurzer Endungsvokale und die Kennzeichnung dieses Ausfalls durch einen Apostroph sind jedoch in den Gesangbüchern beider Herausgeber sehr häufig. Das liegt nicht daran, dass die Zusammensteller der Gesangbücher sich auf den Dialekt von Striukiai gestützt hätten: Bei der Zusammenstellung orientierten sie sich stärker an den Ausgaben ihrer Vorgänger; außerdem kürzten sie Wörter mitunter künstlich aus rhythmischen Gründen. Daher stehen in den Gesangbüchern von Berentas und Glazeris neben gekürzten Formen oft auch ungekürzte, z. B.: Mano Jėzus gyw’s yra, gywas taipojau ab buſu BG 70, 40, praet. 3 ſpaūdӡ ebd. 92, 7 // ſpaudӡia ebd. 104, 19, n. sg. m. Diew’s ebd. 127, 8 // Diewas ebd. 119, 9, Kun’s ebd. 53, 12 // Kunas ebd. 53, 21, Krauj’s ebd. 53, 13 // Kraujas ebd. 163, 32, Wéln’s 53, 15 // Wélnas ebd. 132, 4, piln’s ebd. 79, 12 // pilnas ebd. 57, 10, inf. paſlēpt’ ebd. 140, 8 // padēti ebd. 58, 8 part. cont. turredam’s GG² 9,36 // ſakydamas ebd. 9, 37... Zu den künstlich gekürzten Formen zählen: a. sg. Dien’ und Nakt’ GG² 48, 6, tukſtant’ zugleich BG 55, 2, 18, adv. amӡ’nay ebd. 55, 39, tūlyd’ „nach und nach“ ebd. 137, 15, n. sg. d’winta „neunte“ ebd. 60, 28 u. a.
Wie bekannt, vereinigte der Pfarrer von Papelkių, Adomas Frydrichas Šimelpenigis (der Jüngere), die Gesangbücher von Berentas und Glazeris zu einer umfangreichen Liedersammlung, die er noch um neue Lieder ergänzte, redigierte und 1750 drucken ließ.22 Bald darauf, 1752, erschien eine zweite Ausgabe dieses Gesangbuchs mit (einschließlich des unnummerierten Liedverzeichnisses) 612 Seiten. Vergleicht man diese Ausgabe mit Berentas’ Gesangbuch von 1748 (462 S.), zeigt sich, dass die Liedtexte bis S. 406 in beiden nahezu vollständig …
Gl
Š
...ißeinanti iß Diewo 20, 20 Po tawo dük Akkim’... 21, 13
...iß Diewo einanti 438, 11 Tawęſp man eiti dük... 43, 840
Sӡio Swieto Gerybes daugiaus ab mylu, ne Dawėjo [p. 37, 16–17]
Ab myliu Daiktus cӡėſibkus daugiaus ne kaip Dawėją [p. 457, 20–21]
22 Näheres dazu: Lietuvos TSR bibliografija [im Folgenden – LTB] 1, Vilnius: Mintis,1969, 386.
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S
Gl
Christus hatte alles gut gemacht, doch hatte er uns und unser Geschlecht damals noch nicht erschaffen, denn die Welt gab es damals noch nicht; doch hatte Christus uns bereits ewiges Leben und Gesundheit im Himmel zugedacht [p. 109, 32–37]
Der Herr hatte alles gut gemacht, bevor er uns aus Gnade zum Leben in der Welt geschaffen hatte; unsere Erlösung ist verdient, und bevor er die großen Sternenscharen sah, sonderte er sie durch die Seinen aus [p. 554, 4–9]
wenn sie übereinstimmen (abgesehen von einigen geringfügigen sprachlichen und graphischen Unterschieden; so wird beispielsweise statt Berentos a. pl. Grieknikus BG 57, 18 bei Šimelpenigis Grieknin-kus 57, 18 verwendet, statt Berentos Garbe buk 39, 4 – Garbe t’eſt 39,4; bei der Graphik ist die abweichende Kennzeichnung der Nasalvokale [ą], [ę] in Šimelpenigis’ Gesangbuch mit den heute üblichen „Nasalzeichen“ anstelle von Berentos hochgestellten Strichen zu erwähnen). Von der genannten Seite an sind in Šimelpenigis’ Gesangbuch noch weitere unterschiedliche Lesarten zu beobachten. Hier finden sich von ihm selbst übersetzte Lieder sowie einige von Glazeris und anderen übersetzte Lieder, die überarbeitet wurden.
Im Gesangbuch von Šimelpenigis aus dem Jahr 1752 wurden einzelne Lieder mehr oder weniger überarbeitet, nicht nur textkritisch, sondern auch sprachlich, vgl.:
Der Vergleich zeigt, dass Šimelpenigis bei der Überarbeitung die Formen einiger Wörter und die Wortstellung änderte und in bestimmten Fällen (im letzten Beispiel) sogar den gesamten Text auf eigene Weise übersetzte. Es wurde jedoch nicht beobachtet, dass er gezielt die dialektalen Formen früherer Liedübersetzer geändert oder sie in seinen überarbeiteten Liedern vermieden hätte (im letzten Beispiel ist die damals bei Išdagai verwendete, eng begrenzte Dialektform und Archaismus bit „war“ wohl wegen einer abweichenden Textvariante von ihm aufgenommen worden). Somit entfernte sich Šimelpenigis auch hinsichtlich der dialektalen Grundlage nicht von der kleinischen, westlichen und südlichen Tradition der Schriftsprache.
Das Gesangbuch von A. F. Šimelpenigis (dem Jüngeren) aus dem Jahr 1752 wurde später mehrfach neu aufgelegt. In bibliographischen Quellen werden die Jahre 1763 und 1766 genannt; in Bibliotheken sind Ausgaben von 1776 und 1791 erhalten. Der Vergleich der erhaltenen Ausgaben zeigt eindeutig, dass die späteren identische Nachdrucke der früheren waren, in denen nur der eine oder andere (meist durch die Druckerei verursachte) orthographische Unterschied festzustellen ist, vgl.: in. sg. mannij57 ŠiG 439, 21 // manij76 ŠiG ebda. // m[a]nnij91 ŠiG ebda.; part. n. sg. m. marinnams57 ŠiG 454, 4–5 // marinams76 ŠiG ebda. // marrinams91 ŠiG ebda.; praes. 1 sg. pawarrau57 ŠiG 457, 10 // paw arau76 ŠiG ebda. // pawarrau91 ŠiG ebda.; a. pl. m. Dayktus57 ŠiG 457, 20–21 // Daiktus76 ŠiG ebda. // Daiktus91 ŠiG; a. sg. mannę57 ŠiG 472, 35 // manę76 ŠiG ebda. // mannę91 ŠiG ebda.
Das Gesangbuch von Šimelpenigis war im 18. Jahrhundert das populärste litauische Gesangbuch in RP. Auf seiner Grundlage wurden in dieser Region auch andere Gesangbücher jener Zeit zusammengestellt (z. B. G. Ostermejeris’ Ausgabe von 1781). Da die Sprache seiner späteren Ausgaben nicht verändert wurde, finden sich darin auch keine neuen dialektalen Erscheinungen. Aus diesem Grund wurde in diesen Gesangbüchern die ältere (überwiegend kleinische) Tradition der kirchlichen poetischen Sprache bewahrt, die in RP auch in späterer Zeit erhalten blieb.
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§ 10. Einige Worte zur dialektalen Grundlage der Gebetbücher.
Nach der Kleinschen Tradition wurden im 18. Jahrhundert neben umfangreicheren Gesangbüchern auch Gebetbücher herausgegeben (in ein Buch eingebunden, meist jedoch mit eigener Paginierung). Ihr Titel lautete: „Naujos labay priwalingos ir Duboms naudingos Maldū=Knygėlos“. 1705 wurde in Königsberg vermutlich das erste derartige Gebetbuch des 18. Jahrhunderts gedruckt (das auf seinem Titelblatt angegebene Datum 1704 ist zweifelhaft)23. Es unterschied sich kaum von der zweiten Ausgabe von Kleins Gebetbuch, die Jonas Rikovijus vorbereitet hatte und die 1685 gedruckt worden war. Unterschiede bestanden lediglich in einer etwas anderen Anordnung der Gebete, einer kleineren Schrift und der Interpunktion (in der Ausgabe von 1705, die wahrscheinlich von Schuster, dem Herausgeber des Gesangbuchs desselben Jahres, vorbereitet wurde, ist das polyfunktionale Satzzeichen – der Schrägstrich / – seltener; gelegentlich finden sich an seiner Stelle das Ausrufezeichen in heutiger Form und das Semikolon). Auch die Texte der späteren bekannten Ausgaben des Gebetbuchs (1731, 1745, 1748, 1757, 1776 und 1791) unterscheiden sich nur wenig voneinander: Ihre Abweichungen beschränken sich ebenfalls weitgehend auf die graphische Ebene; vgl. das Gebet zum Osterfest:
1731
1745
1748
Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, du Vater unseres Heilands Jesus Christus! Wir danken dir demütig, dass du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünden willen dem Tod preisgegeben hast... [S. 24]
Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, du Vater unseres Heilands Jesus Christus! Wir danken dir demütig, dass du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünden willen dem Tod preisgegeben hast... [S. 18–19]
Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, du Vater unseres Heilands Jesus Christus! Wir danken dir demütig, dass du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünden willen dem Tod preisgegeben hast... [S. 18–19]
1757
1776
1791
Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, du Vater unseres Heilands Jesus Christus! Wir danken dir demütig, dass du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünden willen dem Tod preisgegeben hast... [S. 19]
Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, du Vater unseres Heilands Jesus Christus! Wir danken dir demütig, dass du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünden willen dem Tod preisgegeben hast... [S. 634]
Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, du Vater unseres Heilands Jesus Christus! Wir danken dir demütig, dass du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünden willen dem Tod preisgegeben hast... [S. 18–19]
23 Siehe LTB 1, 201.
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Da Gebetbücher, wie erwähnt, zusammen mit Gesangbüchern herausgegeben und zudem meist von denselben Autoren für den Druck vorbereitet wurden, konnten sie sich hinsichtlich ihrer dialektalen Grundlage nicht wesentlich von Letzteren unterscheiden. Einige Unterschiede in der Sprache der Gesangbücher (z. B. häufigere Kürzungen der Endungen) mögen sich aus den Erfordernissen der Versgestaltung ergeben haben. Dies bedarf jedoch besonderer Untersuchungen, auf die wir hier nicht eingehen werden.
Den Gebetbüchern stehen hinsichtlich der Gattung auch die Agenden nahe, d. h. Bücher mit Beschreibungen von Gebeten und kirchlichen Zeremonien. Das wohl erste im RP erschienene Buch dieser Art war Jonas Berentas „Dawadnas Pamokinnimas kaipo wiffj Lietuwoje [...] Kunnigai kaip Diewo Tarnai tur elgtis [...] Karaláuczuje Mete MDCCXXX“.
Da Berentas aus dem Gebiet von Ragainė stammte (dort geboren wurde und lange Zeit in Įsrutis als Geistlicher tätig war), konnte er sich auch in seinen Schriften nicht weit von der Mundart seiner Heimat entfernen, zumal diese sich bereits seit der Zeit von D. Kleinas in der schriftlichen RP-Tradition etabliert hatte. Daher hielt er sich in seinem „Dawádne Pamokinnime...“, ähnlich wie in den Bibel- und Gesangstexten, stärker an die dialektale Grundlage der südlichen Westaukštaiten (er verwendete Formen mit ungekürzten Substantiv- und Adjektivendungen -(i)o, -(i)os, -ė, -ės, gelegentlich auch mit dem „beweglichen“ Stammvokal am Wortende in der Endung -as). Doch wohl weil die Gegend um Įsrutis zur sogenannten „striukių“-Mundart gehörte, scheute Berentas in seiner Agende auch Kürzungen der Endungen nicht: Er ließ das „bewegliche“ [a] weg (budam’s 2, 16, gyw’s 11, 36, Kúnig’s „kunigas“ 2, 23, Pon’s 11, 16, Salmon’s „Saliamonas“ 12, 17... // Klebonas 9, 20, Pówilas 11, 6, Ponas Diewas 11, 27...), ließ bei Substantiven im Singular-Inessiv -e weg (Bedoj’ 2, 2, Jßminitj’ 31, 8, Laiwėlj’ 3, 25, Malónej’ 31, 9, tykoj’ Petnyčioj’ 38, 2... // Danguje 4, 12, Pakajuje 3, 26, žodije 11, 9...), ließ -e, -i in den Verbendungen weg (Inf. liept’ 10, 12 // tarti 10, 13, Präs. 3 nór 13, 4, pen’ „peni“ 11, 16, jed’ „sėdi“ 516 // gauna 12, 18, randa ebda., Imper. 2 Pl. imkit 7, 7, walgikit 7, 8... // augkite 14, 22, dekawokite 6, 26...). Bemerkenswert ist außerdem, dass in der Agende auch Fälle einer Vermischung von [uo]/[o] und [ie]/[ė] vorkommen, vgl.: Instr. Pl. pirmúf’a Knygof’a, wiffúf’a Szaļij’a 10, 20, 21, 31, Adv. niekados 39, 5 // nėkados 27, 11, Dat. Pl. Bėdnėms 8, 12, Inf. pakwėfti 9, 11... Dies ist bereits eine für die Bewohner von Tilžė typische Eigenheit, die sich auch in einigen anderen RP-Schriften jener Zeit widerspiegelt.
Hinsichtlich ihrer dialektalen Grundlage unterscheidet sich auch Gotfrydas Ostermejeris’ „Agenda“ (1775), die fast ein halbes Jahrhundert nach Berentas’ Agenda erschien, im Wesentlichen nicht von dieser. In seiner Grammatik von 1791 schrieb er, dass die Mundarten von Ragainė, Įsrutis und Gumbinė, die einander recht ähnlich seien, als die reinsten litauischen Mundarten gälten („Der Ragnitsche, Jnsterburgische und Gumbinische Dialect stimmt ziemlich, und wird für den reinsten gehalten“, S. 130). Tatsächlich überwiegen in seiner 1775 veröffentlichten „Agende“ westliche südliche Formen mit den Endungen -(i)o, -(i)os, -ė, -ės, -ys (Gen. Sg. Adomo 3, 18, amžino 4, 6, mano 43, 3, tawo 2, 16, fawo 3, 2, Mėdžio 34, 10, didžio 6, 10, didžios 51, 19...; Nom. Sg. Garbė 8, 6, Gie/me 74, 12, Gen. Sg. Garbės 3, 10, Meilės 4, 20...; Nom. Pl. Aufys 61, 11, Sßirdys 39, 9...) mit dem „beweglichen“ [a] (Nom. Sg. ámžinas 42, 14, aprūpinimas 2, 26, Birdingas 15, 26, Bwentas 10, 8, Bittas 20, 3 (aber auch kitts 32, 2), meldžiamas 42, 11, pagarbintas 4, 2...), mit dem Suffix -i- (Imper. 2 Sg. Aprūpik 58, 4, atnaujik 68, 15, gaiwik 67, 9,
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Padrutik 17, 4, platik 58, 8, Kond. 3 ƒtippritu 28, 7.... aber auch: Imper. 2 Sg. ƒtipprink 29, 21, Kond. 3 padruttintu 7, 13–14, pagárbintu 25, 4 ƒtipprintu 5, 10...) usw.
Hier und da kommen in der „Agende“ auch Formen wie Akk. Sg. m. waddota 1, 7, Nom. Sg. m. pralėtas 30, 9, Akk. Sg. f. Wetą „vietą“ 32, 22, Akk. Pl. m. Žėdus „žiedus“ 31, 22, Prät. 2 Sg. lėpei 50, 12, Akk. Sg. m. ūrą 60, 11; 66, 23 vor, die man mit der Mundart der Bewohner von Tilžė in Verbindung bringen kann, sofern sie nicht die Aussprache des Autors widerspiegeln oder bloße Druckfehler sind. Bedauerlicherweise ist kein Exemplar von Ostermėjeris’ Gesangbuch aus dem Jahr 1781 erhalten, das dabei helfen könnte, die Ursachen für das Auftreten solcher Formen festzustellen.
§ 11. Vorherrschen kleinischer Normen in den Katechismen. XVIII
a. In RP wurden häufig nicht nur biblische Texte, Gesangbücher und Gebetbücher veröffentlicht, sondern auch Katechismen (sowohl zu Beginn des Jahrhunderts als eigenständige Büchlein als auch in der Mitte und zweiten Hälfte des Jahrhunderts als Beilagen zu Gebetbüchern). Bemerkenswert ist, dass man bereits im 17. Jahrhundert hier, offenbar mit Blick auf die multiethnische Zusammensetzung der Bevölkerung dieser Gegend, einen viersprachigen Katechismus in deutscher, lateinischer, polnischer und litauischer Sprache herauszugeben begann: „D. Martini Lutheri Catechismus minor, Germanico-Polonico-Lithvanico-Latinus“ (die Sprachen sind in der Reihenfolge genannt, in der sie vor diesem Titel aufgeführt sind). Bibliografen führen Ausgaben dieses anonymen Katechismus aus den Jahren 1670, 1683, 1696, 1700, 1709, 1720 und 1751 an (das Erscheinungsjahr der letztgenannten Ausgabe ist umstritten)24.
Ein Vergleich der in der Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften vorhandenen Mikrofilme der Ausgaben von 1709 und 1720 zeigt sofort, dass sie sich weder inhaltlich noch sprachlich (abgesehen von einigen geringfügigen orthografischen Unterschieden) voneinander unterscheiden; die spätere Ausgabe ist somit ein Nachdruck der früheren. Die litauische Übersetzung in diesen beiden Ausgaben steht häufig dem polnischen Text näher, weshalb es Grund zu der Annahme gibt, dass sich der Übersetzer stärker an Letzterem orientierte, vgl.:
Ausgabe von 1709 (in eckigen Klammern: Ausgabe von 1720)
Deutscher Text
Lateinischer Text
Polnischer Text
Litauischer Text
1. Unƒer tãglich Brodt gib uns heute. [S. 20, 9–11]
Panem nostrū quotidianum da nobis hodie. [S. 20, 8–11]
Chleb náb powßedni day nam dźiśia. [p.21, 8–10]
Dūną muƒu dieniβką dūk mums. [p.21, 10–12] [Dūną muƒû dieniβką dūk mum’s, ib.]
24Siehe ausführlicher LTB 1, 228–229; „Ergänzungen“ zu diesem Band, 1990, 44.
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2. Du ſolt keine Non habebis Deos Nie miey innych Ne-turrėk kittu andere Götter ha- aliėnos coram me. Bogow podle mnie Dieŭw pagal ma-ben neben mir. [p.30, 13–15].[p.31, 14–16] nė. [p.31, 13–14] [Ne-turrėk kittu Dieŭw pagal ma-nė, ib.]
Deutscher Text
Lateinischer Text
Polnischer Text
Litauischer Text
3. Du ſolt nicht falſch Zeugniß reden wider deinen Nechſten. [p.38, 20–23]
Non loquéris contra proximum tuum falſum teſtimonium [p.38, 21–23]
Nie mow fałſzywego świadectwa przeciw Bliźniemu twemu. [p.39, 26–29]
Ne-lud dik ne-tei-ſaus luddimo prieß artimą tawą. [p.39, 23–25] [Ne-lud dik netei-ſaus luddimo prieß artimą tawą, ib.]
Die litauischen Formen des viersprachigen Katechismus (1709 und 1720) sind im Allgemeinen westlich-südwestlich geprägt und stimmen in vielen Fällen mit denjenigen überein, die in den Grammatiken von D. Kleinas kodifiziert wurden, nämlich: a) mit ungekürzten -(i)o, -ė, -os, -ės-Endungen (Präs. 3 laiko K 45, 18, Gen. Sg. Diewo 7, 5, lobio 75, 12, mano 27, 10, ſawo 57, 17 || ſawa 27, 3..., Nom. Sg. Nablė 129, 11, Gen. Sg. amžinos gywatõs 83, 19, Tevißkos Deiwißkos gerybes 51, 11–12...), b) mit nicht ausgelassenem „beweglichem“ [a] (Nom. Sg. Deßimtas 11, 7, Diewas 11, 16, gywas 9, 8–9, gyvenimas 99, 3, kunas ir kraujas 87, 8–9...), c) mit ungekürzten Imperativendungen (2. Pl. Eikite 23, 13, Imkite ir gerkite 27, 18–19, mokinkite 23, 14–15, walgykite 27, 5...), d) mit häufig ungekürzten Inessivendungen im Singular und Plural (m. Sg. dūnoje 87, 11, maldoje 69, 2, naktijė 25, 13, ßlowėje 35, 28, teiſybėje 85, 9..., aber auch: Danguj 63, 11, wienoj’ tikroj wieroj’ 59 6–7...25.
Andererseits weicht der viersprachige Katechismus bereits von den in den Paradigmen D. Kleinas angegebenen Normen ab und verwendet häufig Präsensformen mit ausgelassenen Endungen: 3. Pers. gaubin „vermehrt“ 67, 2, gywen 129, 16, lauš „bricht“ 67, 2, myl 13, 14, mokin 63, 12; 113, 14, perwerg 117, 23–24...; 1. Pl. atleidžiam 71, 5, gywenam 65, 9, tikkin 65, 8...
Der viersprachige Katechismus genügte offenbar nicht den Bedürfnissen der kirchlichen Obrigkeit in RP; deshalb begann man, über die Herausgabe eines neuen, zweisprachigen (deutsch-litauischen) Katechismus nachzudenken. Insbesondere sollte er für die litauische Bevölkerung dieser Gegend als Standardwerk dienen. Mit der Abfassung eines solchen Katechismus begann H. Ly zijus, der eine Zeit lang als Inspektor der Schulen und Kirchen in RP tätig war-
25Da die Ausgabe von 1720 mit der Ausgabe von 1709 auch in der Paginierung übereinstimmt, werden hier nur Seite und Zeile der letzteren angegeben.
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… seine Pflichten 26. Durch seine Bemühungen wurde jedoch das 1719 gemeinschaftlich angefertigte Übersetzungsmanuskript nicht gedruckt; 1722 erschien stattdessen eine von G. Engel überarbeitete Ausgabe dieses Manuskripts.
In G. Engels überarbeitetem „Kleinen Katechismus“ gibt es zahlreiche Unterschiede sowohl im Text als auch in der Sprache. An einigen Stellen wurden bestimmte Textteile ausgelassen, an anderen erweitert; darüber hinaus finden sich zahlreiche (a) phonetische, (b) lexikalische und (c) syntaktische Korrekturen, vgl.: a) praes. 3 fáko LK 12, 8 und faka EK 6, 8; praes. 1 sg. ėjmi LK 12, 9 und ęlmi EK 6, 9; praes. 3 patenk’ LK 36, 5 und patenka EK 56, 12; a. sg. f. Ewangeliją LK 37, 13 und Wangelýa EK 58, 27, imper. 1 pl. Klauſykim’ LK 54, 18 und Klauſykem’ EK 83, 13..., b) atſankas Piktenybę LK 12, 11 und atſankas Griekus EK 6, 13–14; AB bednas griėbnas žmogus LK 29, 11 und AB bėdnas wargingas žmogus EK 40, 4; adv. kodel LK 33, 1 und kam EK 51, 3...; c)... Bitoje Naktij’ kurroje buwo ibdūtas LK 27, 12–13 und... Bitoje Naktije kuroje turėjo but ibdūtas EK 11, 5–7; Kláuſimai, ant kurių wiſſi krikſcʒonis [...] atſakyti tur. LK 30, 7–8 und Kiti Kláuſimai / kurius wiſſi Krikſcʒonis [...] atſakyti tur. EK 48, 1–6; Argi trys Diewai yra? LK 30, 13 und Ar trys yra Diewai? EK 48, 16... Wie bereits aus den hier angeführten Beispielen ersichtlich ist, hat G. Engel auch die Orthografie des Manuskripts von Lyzijus stellenweise korrigiert (so verdoppelte er etwa Konsonantenzeichen nicht mehr, insbesondere r, und änderte außerdem Akzentzeichen u. a.). Deutlichere terminologische Unterschiede gegenüber LK und dem viersprachigen Katechismus (abgesehen von der einen oder anderen nordlitauischen Form) sind in EK jedoch nicht erkennbar.
Die zweite Ausgabe von G. Engels Katechismus erschien, wie angenommen wird27, um 1726. Ob sie sich in irgendeiner Weise von der ersten unterschied, lässt sich schwer sagen, da sie bislang nicht aufgefunden wurde. Die dritte Ausgabe von 1730 ist jedoch erhalten; im Vergleich zur ersten weist sie verschiedene Unterschiede auf, vgl.: Kláuſimai Luteraus Pirmkarčiams ant Gero Judawaditi / Ju Atſakymais EK 42, 6–10 und Kláuſimai Luteraus / prie Diewo Stalo einantiems / Ju jų Atſakymais MLK 43, 9–12; Ar nuſimanaiſi ir žinaiſi Griekìninku eſąs? EK 42, 11–13 und Ar tikki Griebnas eſas? MLK 43, 13. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Ausgabe von 1730 nicht von G. Engel, sondern von einer anderen Person vorbereitet wurde; umso mehr, als sie auch zahlreiche textuelle Unterschiede aufweist (zum Beispiel sind am Ende, nach dem Katechismus sowie den Abschnitten „Naßlėms“ und „Wiſſiems iß weno“, einige Psalmen Davids eingefügt, die in der Ausgabe von 1722 fehlen). Hinsichtlich der terminologischen Grundlage sind jedoch auch zwischen den Ausgaben von 1722 und 1730 keine deutlicheren Unterschiede zu erkennen.
Bibliografijose minimi dar 1750, 1751, 1780 m. „Mažo Katgismo“ leidimai, bet jie težinomi tik iš rašytinių šaltinių, todėl apie jų terminį pagrindą ir apskritai kalba nieko negalima spręsti. Kas kita – katekizmai, leistieji kaip priedai prie maldaknygių („Maldų knygelių“). G. Ostermejerio liudijimu28, pirmasis toks
27 LTB 1, 96.
28 O s t e r m e y e r G. Erste littauische Liedergeschichte, Königsberg, 1793, 144.
26 Näheres dazu siehe H e i n r i c h J o h a n n L y s i u s. Mažasis Katekizmas... (herausgegeben von Pietro U. Dini), Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1993, 8–11.
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Der Anhang wurde 1740 zusammen mit dem Gebetbuch von J. Berentas gedruckt. Ein Vergleich mit solchen Katechismen aus den Jahren 1744, 1748 und 1753 zeigt, dass ihre dialektale Grundlage dieselbe ist wie die der Gebetbücher, denen sie beigefügt wurden. Das ist verständlich: Die Katechismen wurden von denselben Personen übersetzt, die auch die Gebetbücher für den Druck vorbereiteten.
Sowohl hinsichtlich der dialektalen Grundlage als auch allgemein in Bezug auf die Sprache ist der 1770 erschienene „Krikščioniškas Katalikiškas Katekizmas“ von Jonas Joskaudas (Jaskowd), einem jesuitischen Prediger, der in Tilsit und Königsberg tätig war, gesondert zu erwähnen. Da der Verfasser dieses Katechismus, wie vermutet wird, aus der Gegend von Palanga stammte und in Kražiai studierte29, wäre in seinen Schriften eine mehr oder weniger ausgeprägte Schicht žemaitischer Merkmale zu erwarten. Das ist jedoch nicht der Fall: Offenbar musste er sich, um die Litauer der Gegend von Tilsit und Königsberg für den Katholizismus zu gewinnen, an die Normen der RP-Schriftsprache halten, die auf dem prußischen westaukštaitischen Dialekt beruhte und in den Grammatiken von D. Klein kodifiziert worden war.
Tatsächlich überwiegen in Joskaudas Katechismus westliche phonetische und morphologische Formen, wie sie für viele andere Schriften des 18. Jahrhunderts charakteristisch sind, zum Beispiel: a) g. sg. amžino gyvenimo 13, 11, kraujo 40, 16, liežuwjo 56, 26, dūnōs 56, 4, Junkōs liggōs 58, 12, praes. 3 daro 51, 15, jako 4, 3, praet. 3 buwo 7, 8, kentejo 6, 22, nuėjo 7, 4..., b) n. sg. meile 21, 2, Moteryftė 35, 24, wale 15, 25, praet. 3 ėmė 42, 15, padarė 19, 10, g. sg. Gentyftės 41, 9, Kumyftės 41, 10, malonės 16, 12, žėmės 9, 21..., c) n. sg. griekas 37, 7, prabimas 15, 9, wienas daiktas 5, 18, part. cont. atfimindamas 13, 9, budamas 10, 10, mirdamas 49, 5..., d) in. sg. antroje pufjeje 19, 19, wienoje regimoje Daleleje 59, 2, wjetoje 41, 25, danguje 9, 11, in. pl. kurrūje daiktūje 14, 5, RaBtūje 11 9, Tėftamentūje 3, 9..., e) praes. 3 atlėidžia 63, 13, reikia 43, 2, werkia 83, 4, cond. 1 sg. būciau 53, 10 u. a.
Andererseits weist Joskaudas Katechismus jedoch durch einige Merkmale, insbesondere die „striukišk“ genannte Verkürzung der Endungen, auch Bezüge zu den nordprußischen westaukštaitischen Mundarten auf; vgl. das häufige Auslassen des „beweglichen“ [a]: n. sg. gers 49, 4 // géras 13, 13, niėks 40, 25, Pirms 15, 9, wiens 4, 4, vyrs 41, 3, part. cont. liepdamus 70, 2, werkdams 71, 25... sowie das recht häufige Weglassen der Endungen -a, -e, -i im Präsens: imm 3 5, 7, nenufimin „wird nicht mutlos“ 13, 8, wadinn 36, 19, pra-Bom 15, 13, negal 12, 12... Wie stark hier sein heimatlicher žemaitischer Dialekt, wie stark die Mundart von Tilsit oder wie stark die ältere prußische Schrifttradition gewirkt haben mag, lässt sich heute natürlich schwer sagen. Ergänzend lässt sich lediglich anmerken, dass solche Verkürzungen auch in seinem 1770 erschienenen Büchlein „Praftas Pamokflas...“ vorkommen, das teilweise ebenfalls als Katechismus bezeichnet werden kann, da darin verschiedene katechetische Inhalte in Frage-und-Antwort-Form erklärt werden; hinzu kommen lediglich einige Gebete, vgl.: n. sg. Wiens 3, 12, neutr. will 5, 2, praes. 3 aptur 18, 13, gal 8, 25, gird 11, 19, mirBt 11, 22 // mirBta 11, 26 (häufiger), ne futtar 10, 15, perm. te laupin
29 Näheres über sein Leben siehe B i r ž i š k a V. Aleksandrynas 2, 154.
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23, 17. Auch in spätere Ausgaben dieses Büchleins (1772, 1797) wurden viele solcher gekürzten Formen übernommen. In der am stärksten erweiterten Ausgabe von 1797 sind die Endungen gekürzter Formen jedoch häufig mit einem Apostroph gekennzeichnet, vgl.: a. neutr. wiff PrP⁷⁰ 5, 2 und wiff PrP⁷⁹ 9, 12, praes. 3 mirßt PrP⁷⁰ 11, 22, mirßt PrP⁷² 16, 6 und mirßt’ PrP⁷⁹ 22, 18, g. sg. f. moters PrP⁷⁰ 17, 17 und moter’s PrP⁷⁹ 39, 12. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass einige in früheren Ausgaben gekürzte Formen in der Ausgabe von 1797 durch ungekürzte ersetzt wurden, vgl.: n. sg. m. Ražums PrP⁷² 53, 21 und Ražumas PrP⁷⁹ 105, 7, in. sg. m. Dang[u]i PrP⁷², 21, 12 und Danguje PrP⁷⁹ 37, 8, praes. 3 yr PrP⁷² 7, 6 und yra PrP⁷⁹ 8, 25.
Insgesamt ist die Ausgabe von „Praf to Pamokßfo...“ aus dem Jahr 1779 nicht nur erheblich ergänzt worden (neue gereimte Gebete wurden eingefügt, der Frage-und-Antwort-Teil erweitert usw.), sondern auch hinsichtlich Sprache und Orthografie deutlich überarbeitet (an einigen Stellen wurden Polonismen durch litauische Entsprechungen ersetzt, das lange [i] wird regelmäßiger als in früheren Ausgaben mit einem ypsilon gekennzeichnet usw.). Verglichen mit einigen anderen religiösen Schriften aus RP vom Ende des 18. Jahrhunderts (z. B. den übersetzten Büchern des erwähnten Vilhelmas Rėgė) ist die Sprache von Joskauds „Praf to Pamokßfo...“ ebenso wie die seines „Krikßčioniko Katalikißko Katekizmo“ recht rein. Dies scheint auch S. Daukantas bemerkt zu haben, der am 5. April 1846 in einem Brief an M. Valančius schrieb, dass Pfarrer Barauskas in der Petersburger Bibliothek einen 1770 in Königsberg gedruckten litauischen Katechismus eines Jesuiten gefunden habe, dessen Sprache die reinste sei („język naiczystszy Litewski“)³⁰. Natürlich wäre es heute nicht zutreffend, Joskauds Sprache als „die reinste“ zu bezeichnen (sie enthält ebenfalls für die damalige Epoche typische Lehnwörter wie asaba, pekla, sūdyti, viera usw.); tatsächlich ist sie jedoch reiner, insbesondere syntaktisch, als die Sprache manch anderer Autoren oder Übersetzer religiöser Schriften jener Epoche.
§ 12. Die dialektale Grundlage Kristijonas Donelaitis’.
Die dialektale Grundlage von Donelaitis’ Schriften ist ausgesprochen westlich-südlich. Ausschlaggebend dafür waren vor allem Geburts- und Wirkungsort des Schriftstellers: Wie bekannt, wurde er im Dorf Lazdynėliai nahe Gumbinė geboren und arbeitete den größten Teil seines Lebens in Tolminkiemis, also im Gebiet des südlichen westlichen Hochlitauischen (der sogenannten baltsermėgischen) Unterdialekts. Darüber hinaus könnte auch die frühere schriftliche Tradition hier für ihn von erheblicher Bedeutung gewesen sein, insbesondere die Sprache der Bibel von 1755, die von den Herausgebern an die südlichen Mundarten angenähert worden war.
Die südliche Grundlage der Sprache von Donelaitis’ Schriften zeigt sich in: a) dem regelmäßigen Gebrauch von Formen mit unbetonten Endungen -(i)o, -(i)os, -ė, -ės, -ys und -ūs (z. B.: praet. 3 bėgo DRr 23, 23, buwo ebenda 3, 11; audė ebenda 3, 23, lopė ebenda 4, 18, g. sg. diddelio Pulko ebenda 3, 27, [zalto Pá]žalio ebenda 3, 13, n. pl. Káfos irgi
30 Siehe Daukantas’ Briefe / herausgegeben von A. Janulaitis. – Mūsų senovė 1, Heft 4/5, Kaunas, 1922, 787. Im gedruckten Text des besprochenen Briefes ist ein Fehler enthalten: Statt 1770 wurde 1740 gedruckt. Vac. Biržiškas zufolge habe sich ein solcher Fehler nicht in Daukantas’ Brief befunden; siehe sein Aleksandrynas 2, 155.
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Kepurrės ebenda 23, 10, skaũdžos... bėdos DR 258, 12, Akys DRr 26, 10, Wagys ebenda 30, 29, riebùs ebenda 36, 41, (kanũs ebenda 16, 38); b) dem recht regelmäßigen, wenn auch nicht ausnahmslosen Gebrauch von Formen mit den Suffixen -ī-, -ē- (< in, en) (z. B.: inf. augyt DRr 26, 35, buddit ebenda 41, 11, paſirupit ebenda 15, 40, imper. 2 sg. atlimyk ebenda 9, 33, 2 pl. Skubikimes ebenda 12, 31, part. cont. n. sg. nufimīdams ebenda 15, 19, n. pl. gaiwīdami ebenda 3, 5..., aber auch: inf. gywent ebenda 30, 41, paſikákint ebenda 6, 21, cond. 3 nugabéntu ebenda 14, 38); c) den Formen mit bewahrter Endung -(i)a in der 3. Person des Präsens der Verben (z. B.: buddina DRr 5, 4, gárbina ebenda 5, 2, nedryta ebenda 30, 18, nufidūda ebenda 5, 36, ſkalbja ebenda 9, 25, werpja ebenda 35, 36..., aber auch: paſilinkſmin ebenda 9, 1, prijartin’ ebenda 28, 9, βweplén’). Als südlich sind auch die in K. Donelaitis’ Schriften vorkommenden Formen mit dem sogenannten „beweglichen“ [a] anzusehen: n. sg. m. Gandras DRr 4, 3, grybas ebenda 35, 18, linkſmas ebenda 4, 3, Stálas ebenda 39, 24, Weikalas ebenda 22, 28... In seinen Verswerken werden jedoch viel häufiger (vor allem aufgrund der Anforderungen des hexametrischen Versmaßes) Formen gebraucht, in denen dieser kurze Vokal ausgelassen ist (die Auslassung ist oft durch einen Apostroph gekennzeichnet: kitt’s DRr 3, 36, Snieg’s ebenda 3, 4, Wyr’s ebenda 4, 17...).
Natürlich kann man nicht annehmen, dass die häufige Auslassung des beweglichen [a] sowie die Kürzung einiger anderer Endungen in Donelaitis’ Schriften (z. B. das Weglassen des kurzen -a in der 3. Person Präsens der Verben, das Weglassen des kurzen -i im Infinitiv oder in der 3. Person Futur der Verben usw.) ausschließlich mit den Anforderungen des Versmaßes seiner Werke zusammenhängt. Darin könnten sich auch der Einfluss des benachbarten striukių-Dialekts und der früheren schriftlichen Tradition widerspiegeln (zum Beispiel enthalten auch die Bibeltexte von 1735 und 1755 zahlreiche Formen mit gekürzten, durch einen Apostroph gekennzeichneten Endungen: n. sg. m. nakwin’s I Moz. 24, 54, Nelab’s Sal. pam. 16, 29, pien’s II Moz. 3, 17, Tew’s wien’s Jon. 10, 30..., praes 3 min’ Jon. 13, 18, pritar’ Ap. d. 15, 15..., inf. kalbėt’ Mat. 11, 7, pražūt III Moz. 20, 12..., in, sg. f. dwilinkoj’ I Moz. 25, 9, tréczoj’ II Moz. 19, 1...).
§ 13. D i a l e k t a l e M e r k m a l e d e r K a n z l e i s c h r i f t e n.
Im Allgemeinen ist auch bei den Kanzleischriften des RP im 18. Jahrhundert die westliche südlitauische Mundart die dialektale Grundlage. Doch finden sich darin, ähnlich wie in anderen damaligen Stilen der Schriftsprache dieser Region, mehr oder weniger auch Merkmale, die für die nördlichen westhochlitauischen (die sogenannten „striukiai“) Mundarten charakteristisch sind. Abgesehen vom recht häufigen Wegfall des „beweglichen“ [a] lassen sich in nahezu allen Erlassen der preußischen Behörden auch Fälle der Verschmelzung von [o] – [uo] und [ė] – [ie] sowie des Abfalls der unbetonten kurzen Endungen -a, -e, -i bei Verben finden, vgl.: a) Inf. atkartūti PVG 77, 7 // atkartūt ebenda 110, 3 und wažoti ebenda 314, 16; wartoti ebenda 97, 8 und Prät. 3 wartūjo ebenda 97, 16; Nom. Sg. m. kiem’s ebenda 198, 28, Instr. Pl. Kiemūle ebenda 175, 9 und Instr. Sg. Kėme ebenda 109, 28, Gen. Pl. Kėmū ebenda 101, 22; Dat. Pl. m. ėſantiems ebenda 299, 17 und minnėtems ebenda 236, 2; willėms „den Bösen“ ebenda 73, 8...; b) Neutr. ger ebenda 105, 3, menk ebenda 253, 16, will ebenda 262, 3, Präs. 3 apſed ebenda 222, 15, yr ebenda 194, 21, pabėg ebenda 110, 7, pawag ebenda 153, 16 reik
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ebenda 60, 32...; Präs. 1 Pl. darom ebenda 109, 10, dūdam ebenda 109, 9, norim ebenda 324, 5, žadam ebenda 109, 22; Prät. 1 Pl. dawēm’ ebenda 152, 21, jēbkōjom’ ebenda 152, 19, ibtyrēm’ ebenda 149, 5; Fut. 1 Pl. jūrēsim ebenda 233, 18, Instr. Sg. ketwirtoj dienoj ebenda 66, 19, lenkiškōj Kalboje ebenda 321, 26, tam’ patim’ Kampē ebenda 141, 20–21, wienam’ ebenda 250, 21, Inf. but’ ebenda 158, 21, darryt ebenda 101, 3, jēt’ ebenda 272, 1, Präs. 3 gal ebenda 70, 13, gul ebenda 237, 19, nōr ebenda 97, 9, tur ebenda 113, 4... In vielen Kanzleischriften der preußischen Behörden waren jedoch sowohl die Verschmelzung von o / uo als auch die von ē / ie sowie die Kürzung der Endungen unregelmäßig und oft nur sporadisch; außerdem wurden in den Schriften dieses Stils überhaupt keine Fälle der Monophthongierung der fallend-steigenden Diphthonge [ãi], [áu], [éi] festgestellt, die für die nördlichen Striukiai-Mundarten kennzeichnend ist.
§ 14. A b s c h l i e ß e n d e B e m e r k u n g e n.
Nach einer allgemeinen Betrachtung des Verhältnisses zwischen litauischer Schriftsprache und Dialekten im RP des 18. Jahrhunderts lassen sich auch die zu Beginn dieses Kapitels gestellten Fragen beantworten. Die Analyse des Sprachgebrauchs in der Schriftsprache zeigt, dass sich die meisten Autoren im fraglichen Zeitraum an die grundlegenden Merkmale des preußischen Westhochlitauischen hielten, die in den Grammatiken von D. Klein kodifiziert worden waren. Eine Ausnahme bildet in dieser Hinsicht S. Bitners Neues Testament von 1701, in dem versucht wurde, zwei auf etwas unterschiedlichen dialektalen Grundlagen beruhende Zweige der Schriftsprache (den preußischen und den mittellitauischen) künstlich miteinander zu vereinbaren. Eine solche künstliche Verbindung war jedoch nicht zukunftsfähig: Das RP fand keine breitere Zustimmung, und man kehrte bald zur früheren, kleinschen Tradition zurück.
Nors tas grįžimas ryškiai atsispindi tiek 1727, tiek 1735 ir 1755 m. biblijos leidimuose, vis dėlto negalima tvirtinti, kad juose buvo nuosekliai laikomasi D. Kleino gramatikose kodifikuotų „kauniečių“ tarmės normų. Tai ypač pasakytina apie 1727 m. Naująjį testamentą, kuriame apstoka lyčių su prūsų vakarų aukštaičių šiauriečių šnektoms būdingu [o] ir [uo], [ė] ir [ie] suplakimu, neretai perkeltu ir į 1735, 1755 m. leidimus. Bet K. Donelaičio beletristiniuose kūriniuose tokių lyčių nepastebėta, nors jo brošiūroje apie separacijos naudą (išspausdintoje 1769 m.) šiek tiek pasitaiko. Esama jų ir Prūsų valdžios kanceliariniuose raštuose, rašytuose veikiausiai iš įvairių RP tarmių kilusių žmonių. Taigi XVIII a. prūsinės lietuvių rašomosios kalbos vartosenoje (ypač fonologijos ir morfologijos lygmenyse griežtai nesilaikyta kleiniškųjų normų, kartais nevengta ir tam tikrų dialektizmų, prieš kuriuos šio amžiaus pradžioje buvo pakėlęs balsą Mykolas Merlinas31. Tačiau siauresnių fonologinių ir morfologinių dialektizmų, būdingų tiktai kuriai nors šnektai (pvz., Labguvos) ir labiau nepaplitusių prūsų vakarų aukštaičių tarmėje, vis dėlto buvo vengiama.
31 M a c i ū n a s V. Der Reformplan für die Kirchensprache Kleinlitauens zu Beginn des 18. Jahrhunderts. – Archivum philologicum 6, Kaunas, 1937, 80.
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ABKÜRZUNGEN
Apg. – Apostelgeschichte (Bibel)
B1 – Biblia, das heißt Wissas Szwentas Rasztas... 1735
B2 – Biblia, das heißt Wissas Szwentas Rasztas...1755
BG – J. Berentas, Isz naujo pérweizdėtos ir pagerintos Giesmų Knygos... 1747
BT – S. Bitneris, Naujas Testamentas... 1701
Comp. – D. Kleinas, Compendium Lituanico-Germanicum... 1747
DR – K. Donelaitis, Schriften... 1977
DRr – K. Donelaitis, Manuskripte... 1955
EK – G. Engel, Mážas Katgismas... 1722
GG2 – F. Glazers Kittos naujos Giesmes...1748
GL – D. Kleinos Grammatica Litvanica...1653
Jesaja-Buch (Bibel)
Hiob-Buch (Bibel)
Johannesevangelium (Bibel)
Offenbarung des Johannes (Bibel)
K9 – D. Martini Lutheri Kleiner Katechismus... 1709
KNT – J. Quandts Neues Testament...1727
LK – H. J. Lyzijaus Kleiner Katechismus...1719
LTB – Bibliografie der Litauischen SSR
Lukasevangelium (Bibel)
Matthäusevangelium (Bibel)
MLK – Kleiner Katechismus des D. Mertino Luterus...1730
Markusevangelium (Bibel)
Bücher Mose (Bibel)
Erster Brief des Petrus (Bibel)
Pov. 1. efez. – Brief des Paulus an die Epheser (Bibel)
Pov. 1. rym. – Brief des Paulus an die Römer (Bibel)
Pov. 1. tes. – Brief des Paulus an die Thessalonicher (Bibel)
Pov. 1. Tim.– Brief des Paulus an Timotheus (Bibel)
PrP70 – J. Joskaudos Prastas Pamokslas...1770
PrP72 – J. Joskaudos Prastas Pamokslas...1772
Prp79 – J. Joskaudos Prastas Pamokslas...1779
Ps. – Psalmen Davids (Bibel)
PVG – Erlasse der preußischen Regierung...1960
RG – J. Rikovijus’ Naujos... Giesmju Knygos... 1685
RM – V. Rėgės Lehrbuch der Unterweisung... 1788
RS – V. Rėgės Leseheftchen... 1788
Rūt. – Buch Rut (Bibel)
Sal. pam. – Salomo, der Prediger (Bibel)
Sal. išm. – Bücher der Weisheit Salomos (Bibel)
ŠG – Gesangbuch von F. Šuster aus dem Jahr 1705
ŠiG57 – A. Šimelpenigios Jsz naujo pérweizdėtos ir pagerintos Giesmjų Knygos... 1755
ŠiG76 – A. Šimelpenigios Jsz naujo pérweizdėtos ir pagerintos Giesmjų Knygos... 1776
ŠiG91 – A. Šimelpenigios Jsz naujo pérweizdėtos ir pagerintos Giesmjų Knygos... 1791
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BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER LITAUISCHEN SCHRIFTSPRACHE UND DEN MUNDARTEN IN OSTPREUẞEN IM 18. JAHRHUNDERT
Zusammenfassung
Im vorliegenden Artikel wird auf Grund einer eingehenden phonetischen, morphologischen, zum Teil auch syntaktischen und lexikologischen Analyse der Belege aus den Sprachdenkmälern des 18. Jahrhunderts (aus biblischen Texten, Gesangbüchern, Gebetbüchern, Katechismen wie auch den Werken von K. Donelaitis und kanzleisprachlichen Urkunden) die Mundartliche Basis der litauischen Schriftsprache in Ostpreußen untersucht. Diese Untersuchung hat gezeigt, daß der größte Teil der damaligen Autoren sich an den südwesthochlitauischen Dialekt hielt, dessen Eigenschaften in den Grammatiken von Daniel Klein kodifiziert wurden. Eine Ausnahme bildet das „Neue Testament“ von Samuel Bitner (1701), in dem ein Versuch vorliegt die preußische sowie mittellitauische Abzweigung der Schriftsprache zu verbinden. Aber eine solche Verbindung hatte keine Perspektiven: im Ostpreußen kehrte man sehr bald zur Kleinischen Tradition zurück.
Die Kleinische Tradition blieb in der Ausgabe des „Neuen Testaments“ 1727 wie auch in den Ausgaben der ganzen Bibel 1735 und 1755 erhalten. In diesen Ausgaben werden jedoch die Normen der Grammatik von D.Klein nicht konsequent angewandt: in ihnen liegen auch manche charakteristische Eigenschaften des nordwesthochlitauischen Dialekts (die Vermischung /o/ und /uo/, /ė/ und /ie/ u.a.) vor. Sie treten auch sporadisch in den damaligen kanzleisprachlichen Urkunden auf. In den belletristischen Werken von K. Donelaitis fehlen indessen solche nordwesthochlitauische Elemente.
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