Dvibalsių ir mišriųjų dvigarsių priegaidės Eržvilko šnektoje: kiekybė ir spektrai
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XL (1998)
Daiva ATKOČAITYTĖ
Lietuvių kalbos institutas, Vilnius
DIE AKZENTE DER DIPHTHONGE UND MISCHDIPHTHONGE IM DIALEKT VON ERŽVILKAS: QUANTITÄT UND SPEKTREN
1. Die Akzente der Diphthonge im südschemaitischen Raseiniai-Dialekt, ihre Distribution und ihre akustischen Eigenschaften sind bisher nicht eingehender untersucht und beschrieben worden. Besonders wenige Daten liegen aus dem südlichen Randgebiet des Dialekts vor, in dem sich der untersuchte Dialekt von Eržvilkas befindet. Die Autoren sowohl monografischer als auch überblicksartiger Arbeiten stützen sich gewöhnlich auf empirische Beobachtungen, die nicht immer genau sind und die akustischen Merkmale des Akzents nur annähernd beschreiben können. Experimentelle Untersuchungen der Akzente einzelner Dialekte oder des gesamten Dialekts gibt es überhaupt nicht; außerdem wird nirgends erörtert, worin die Akzente der Raseiniai-Sprecher den entsprechenden Akzenten anderer schemaitischer Dialekte ähneln und worin sie eher den Akzenten der Standardsprache entsprechen. Der vorliegende Artikel versucht daher, die Unterscheidung zweier Akzente – des Anfangsakzents und des fortlaufenden Akzents – in Diphthongen durch instrumentelle Analyse zu begründen, die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale festzustellen und sie mit entsprechenden Untersuchungen benachbarter schemaitischer Dialekte und der Standardsprache zu vergleichen1.
2. Obwohl im Raseiniai-Dialekt üblicherweise zwischen dem Anfangsakzent und dem fortlaufenden Akzent unterschieden wird, verwenden Dialektforscher gelegentlich auch andere Bezeichnungen. So nennt M. Slušinskaitė den Akutakzent im Dialekt von Lomiai einen plötzlichen Akut, der angeblich dem Anfangsakzent der Standardsprache ähnelt, obwohl keine klare Beschreibung dafür gegeben wird, wodurch sich dieser Akzent vom Akzent der Standardsprache unterscheidet (Slušinskaitė 1981: 20). Auch Z. Zinkevičius verwendet den Begriff „Anfangsakzent“ nicht. Seiner Ansicht nach gehe der schemaitische Bruchakzent am südöstlichen Randgebiet der Schemaiten (also auch im Dialekt von Eržvilkas) in den stoßenden Akzent der Aukštaiten über. Bei nachdrücklicher Aussprache eines Wortes werde der stoßende Akzent zu einem echten Bruchakzent (Zinkevičius 1966: 35).
Der aus dem Zirkumflex hervorgegangene fortlaufende Akzent unterscheidet sich stärker von seinem Gegenstück in der Standardsprache: Üblicherweise wird angenommen, dass sein Druck auf beide Bestandteile des Diphthongs verteilt ist. Obwohl dieser Akzent jedoch im gesamten Raseiniai-Gebiet vorkommt, verwendet V. Tamošaitytė-Jokubauskienė in ihrer Beschreibung des Dialekts von Pagramantis den Begriff „Endakzent“ (Tamošaitytė-Jokubauskienė 1974: 27). Unklar bleibt, ob er hier
1 In dieser Arbeit werden vor allem die Daten zu den Diphthongakzenten des nächstgelegenen südschemaitischen Varniai-Dialekts (Bagvilaitė 1975; Bukantis 1984), des Nordschemaitischen (Girdenis 1974) und der Standardsprache (Pakerys 1968; Pakerys ir kt. 1972; Pakerys 1974; Pakerys ir kt. 1974; Pakerys 1982) verglichen. Herangezogen wurde auch die Methodik zur Untersuchung der Akzente anderer Dialekte (Girdenis, Pupkis 1974; Kosienė 1982; Girdenis 1996).
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vadinama įprasta tęstine priegaide (ši terminą vartojo ir P. Jonikas (Jonikas 1939: 12)), ar Pagramančio šnektoje tariama priegaidė iš tikrųjų sutampa su bendrinės kalbos tvirtagale.
Da es keine klare Motivation für die Verwendung neuer Begriffe gibt, folgt dieser Artikel der traditionellen Auffassung, dass im Raseiniai-Dialekt zwei Akzente unterschieden werden – der Anfangsakzent und der fortlaufende Akzent (vgl. Grinaveckis 1973: 83; Zinkevičius 1994: 108) – und dass die anderen gelegentlich vorkommenden Akzente lediglich Varianten dieser beiden sind (siehe § 3).
3. Bereits empirische Beobachtungen haben gezeigt, dass der Dialekt bei Diphthongen den Gegensatz zwischen den aus Akut und Zirkumflex hervorgegangenen Akzenten gut unterscheidet, z. B.: lá.uk ‘láuk’ – lā.ū.k ‘laũk’, ká.lts ‘káltas’ – kā.l.ts ‘kaltas’.
Der aus dem Akut hervorgegangene Akzent ist im Dialekt ausschließlich der Anfangsakzent. Ein Bruchakzent ist nur sehr selten zu hören. Er tritt nur sporadisch auf, meist in einer Silbe mit Nebenakzent, z. B.: ta_tas antrašis | valėi jų.˟kˡiˑ iš juó || tās tė.ī.niˑ sā.u | rìsas || Bei expressiver Sprechweise kann der Bruchakzent mitunter auch in einer hauptbetonten Silbe zu hören sein, z. B.: tai_gerai padā.rī | pliešìks dá. bū.tu plieše(s) žmúonis || kuokė būwa žūdˑnˑi || Diese ziemlich seltene und unregelmäßige Variante des Anfangsakzents, die meist von der Satzintonation abhängt, kommt in Diphthongen fast nicht vor; daher werden Distribution und akustische Merkmale des Bruchakzents hier nicht behandelt.
Der aus dem Zirkumflex hervorgegangene Akzent lässt sich schwieriger beschreiben. Im Wortstamm wird mitunter recht deutlich ein fortlaufender Akzent ausgesprochen, dessen Druck sich über beide Bestandteile erstreckt; manchmal ist jedoch schwer festzustellen, ob beide Bestandteile oder nur einer von ihnen betont wird. Als Positionsvariante wird in absoluter Endstellung häufiger ein mittlerer Akzent ausgesprochen, dessen Druck sich tendenziell auf den ersten Bestandteil konzentriert, während der zweite stark reduziert wird, z. B.: pavā.saris | tetervīnāi šā.ū.k || pakrúoviēm | ta_višta_i_tupieje gerāi || In diesem Fall entfällt der größte Teil des Stimmkraftdrucks auf den ersten Bestandteil, während der zweite wesentlich schwächer ausgesprochen wird2. Aus diesem Grund wurde bei der Auswahl der zu untersuchenden Wortpaare dem Akzentgegensatz im Wortstamm, wo beide Akzente klar ausgesprochen werden, größere Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl alle Diphthonge auch in absoluter Endstellung untersucht wurden.
Die wichtigsten Ziele der Untersuchung sind festzustellen:
1) wie die Dauer des gesamten Diphthongs und seiner einzelnen Bestandteile vom Akzent abhängt,
2) wie die Qualität der Bestandteile mit dem Akzent zusammenhängt,
3) ob die Dauer des gesamten Diphthongs und seiner einzelnen Bestandteile von der Qualität der Bestandteile abhängt.
2 Im weiteren Verlauf des Artikels wird ein solcher mittlerer Akzent nicht gesondert behandelt und als fortlaufender Akzent bezeichnet.
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4. Da es um das Verhältnis der Qualität und Quantität von Diphthongen und gemischten Diphthongen zu den Intonationen ging, wurden experimentell nur die betonten a3, e+u, i, l, m, n, r untersucht. Der Diphthong ui wird überhaupt nicht behandelt, da er in der Mundart recht selten vorkommt und es schwierig ist, geeignete Wortpaare für das Experiment zu finden; außerdem sind die Intonationen dieses Diphthongs schwer zu unterscheiden. Ebenso werden hier die gemischten Diphthonge i, u+l, m, n, r nicht behandelt, da das Verhältnis der Qualität und Quantität ihrer ersten Bestandteile zu den Intonationen bereits in einer früheren Publikation erörtert wurde (siehe Atkočaitytė 1997), während sich das Verhältnis der Dauer des gesamten Diphthongs und seines zweiten Bestandteils zur Intonation nicht von den Tendenzen unterscheiden dürfte, die für die anderen hier untersuchten gemischten Diphthonge charakteristisch sind.
Für das Experiment wurden Wörter ausgewählt, deren betonte Silben eine akute oder fortlaufende Intonation aufweisen. Die Minimalpaare wurden von Vertretern dieser Mundart vorgelesen: zwei Gewährspersonen (ein Mann, geboren 1932, und eine Frau, geboren 1939), die im nördlichen Teil des Mundartgebiets im Dorf Varlaukis leben, sowie von der Autorin des Artikels, die ebenfalls diese Mundart spricht. Insgesamt wurden 148 Wörter untersucht, die mit Aussageintonation ausgesprochen wurden.
Es wurden folgende Wortgruppen vorgelesen:
1) Diphthonge: gá.u.ti ‘gáuti’: gá.ū.sti ‘gaūsti’ – buvá.u ‘buvau’⁴; k’á.ura ‘kiáurą’: k’á.ū.le ‘kiaũlę’– jā.ū. ‘jaũ’: ajá.u ‘ėjau’; lé.istī ‘leĩsti’: sklē.ī.stī ‘skleĩsti’ – kvì.tē.i ‘kvietei’: kvì.tē.ī ‘kviečiai’⁵; lá.ida ‘láido (mėto)’: lā.ī.da ‘laidō’ – sakā.i ‘vksm. sakai’: sakā.ī ‘dktv. sakai’;
2) Gemischte Diphthonge: lá.ŋks ‘lángas’: lā.ŋ.ks ‘lañkas’; ká.lts ‘káltas’: kā.l.ts ‘kaltàs’; vaiká.ms ‘vaikáms’: kā.m.(p)s⁶ ‘kãmpas’; ká.rs ‘kãras’: kā.r.sts ‘karstas’; pé.rs ‘pėras’: pė.r.št ‘peršti’; ké.lti ‘kėlti’: kē.l.ti ‘keļti’, lé.mpa ‘lém̄pa’: lē.m.ts ‘lėmtas’, lé.ŋks ‘lénkas’- lē.ŋ.kts ‘leñktas’.
Die von den Gewährspersonen vorgelesenen Wortpaare wurden auf Tonband aufgenommen und in den Computerspeicher übertragen; die Beispiele der Autorin wurden direkt in den Computer gesprochen. Für die akustische Analyse wurde das Programm „Kalbam44“ von P. Kasparaitis verwendet. Von den untersuchten Diphthongen wurden Oszillogramme sowie Schnitt- und dynamische Spektrogramme erstellt.
Die Gesamtdauer der Diphthonge sowie die Dauer ihrer einzelnen Bestandteile wurden in Millisekunden (ms) gemessen. Bei Diphthongen, insbesondere au, ei, verschmelzen beide Bestandteile und gehen ohne deutlichen Einschnitt ineinander über; daher war es schwierig, die Grenzen und die genaue Dauer der Bestandteile dieser Diphthonge zu bestimmen. Die Daten zu den gemischten Diphthongen sind zuverlässiger, weil sich ihre Bestandteile leichter voneinander abgrenzen lassen – die Grenze zeigt sich durch eine Veränderung des Spektrums.
Ziel der spektralen Analyse der ersten Bestandteile von Diphthongen und gemischten Diphthongen ist es, festzustellen, welchen Einfluss die Intonationen auf die Vokalqualität haben. Die Formanten der Bestandteile a und e
3 In der Wurzel au wurde der Laut sowohl nach einem harten als auch nach einem palatalisierten Konsonanten untersucht, da in der Position [C’–] ein Vokal 'a anderer Qualität auftritt und der Diphthong 'au entsteht.
4 Es wurde kein Wortpaar gefunden, das sich im Wortauslaut durch á.u und ã.ū unterschiede; die Akzentuierung der Verbendungen ist in der Mundart jedoch nicht einheitlich, sodass dieselben Gewährspersonen einen solchen auslautenden Diphthong auf zweierlei Weise aussprechen können – einmal betont mit akuter Intonation, ein anderes Mal mit fortlaufender Intonation.
5 Der erste Bestandteil des Diphthongs, der dem standardsprachlichen -iai entspricht, wurde im Žemaitischen Dialekt schon vor langer Zeit nach vorn verlagert und zu -e-, das sich nicht vom ersten Bestandteil des ursprünglichen Diphthongs -ei unterscheidet.
6 Die labialen m und stimmlosen s einschließenden labialen p und b werden fast immer ausgelassen.
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Die Frequenzen wurden an drei Punkten bestimmt: am Anfang, in der Mitte und am Ende. In den Segmenten u und i wurde jeweils nur ein Schnitt vorgenommen, da diese Laute kürzer sind als a, e; daher ist es schwierig, ihren Anfang, ihre Mitte und ihr Ende zu bestimmen. Besonders schwierig ist es, die Formantfrequenzen von u zu bestimmen. Aus diesem Grund wurden auch die Sonanten nicht untersucht.
Die Messdaten wurden mit dem Programm „Student“ statistisch ausgewertet. Berechnet wurden folgende statistische Parameter: a) arithmetischer Mittelwert (x), b) Standardabweichung (s), c) Variationskoeffizient (v), d) 95%-Konfidenzintervall, e) Student-t-Kriterium (t) und sein kritischer Wert (ta7. Die Indizes für Kompaktheit, Bemoligkeit und Tonalität der Segmente wurden mit A. Girdenis’ Programm „FORMANTES.PAS”8 berechnet.
5. Obwohl es gewisse Gemeinsamkeiten hinsichtlich Quantität und Qualität gibt, werden Diphthonge und gemischte Diphthonge in diesem Artikel getrennt behandelt.
5.1. Diphthonge.
5.1.1. Die Daten zur Gesamtdauer zeigen, dass bei mit feststellender Intonation gesprochenen Diphthongen, deren erste Komponenten a, e sind, die Gesamtdauer ein konstantes Akzentmerkmal ist. Diphthonge mit fallendem Akzent sind im Verhältnis 1,2: 1 länger als solche mit gleichbleibendem Akzent. Dieser Unterschied ist recht zuverlässig, da jeder Diphthong mit fallendem Akzent für sich genommen länger ist als ein Diphthong mit gleichbleibendem Akzent (siehe Tabelle 1); ihre Konfidenzintervalle überschneiden sich, mit Ausnahme von ei und au (vgl. ei – 316÷ 341 ms und 288 ÷ 316 ms; au – 297÷ 348 ms und 228 ÷ 322 ms)9; die Werte des t-Kriteriums überschreiten (mit Ausnahme von au) die kritische Signifikanzgrenze von 95%.
Tabelle 1. Gesamtdauer der Diphthonge (ms)10
Diphthong | n | x | s | v (%) | Konf.-Int. (95%) | t ≷ tₐ á.i | 12 | 366 | 8,6 | 2,3 | 355 ÷ 376 | 8,2 > 5,0** á.ī. | 12 | 324 | 7,5 | 2,3 | 315 ÷ 333 é.i | 12 | 328 | 9,9 | 3,0 | 316 ÷ 341 | 3,9 >3,8* é.ī. | 12 | 302 | 1,4 | 3.8 | 288 ÷ 316 'á.u | 12 | 359 | 8,8 | 2,4 | 348 ÷ 370 | 5,2 >5,0** 'á.ū. | 12 | 317 | 15,8 | 5,0 | 297 ÷ 337 ă.u | 8 | 322 | 27,9 | 8,6 | 297 ÷ 348 | 2,3 > 2,2 ă.ū. | 8 | 275 | 44,7 | 16,2 | 228 ÷ 322
7 Näheres zur Methodik der mathematischen Statistik siehe Girdenis 1974; Kosienė 1982.
8 Skaičiavimo formules ir metodiką žr. Piotrovskis 1960.
9 Da der Mittelwert unabhängig von der Position berechnet wurde, könnte die Struktur der Diphthonge diese Ergebnisse verursacht haben. Da beide Komponenten derselben Ordnung angehören, werden die zweiten Komponenten dieser Diphthonge in offenen Endungen stärker assimiliert und sind kürzer als im Wortstamm. Dadurch verkürzt sich auch der gesamte Diphthong; bei der Berechnung des Gesamtmittelwerts vergrößern solche Werte daher das Konfidenzintervall erheblich und verringern die Wahrscheinlichkeit, Unterschiede festzustellen.
10 In den Tabellen kennzeichnen ** Paare, die sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9% unterscheiden, und * solche, die sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% unterscheiden. Der Mittelwert x und die Werte des Konfidenzintervalls sind auf ganze Einheiten gerundet.
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Berechnet wurde die mittlere Gesamtdauer der Diphthonge sowohl im Stamm als auch in der Endung, obwohl in offener Endung auslautende und akutierte Diphthonge kürzer sind als im Wortstamm, da im Dialekt eine Tendenz beobachtet wurde, auch die betonte Endsilbe etwas zu reduzieren, z. B.: tuõ dvã.ra kùmetei | ten_šĩna pjúovi|| kùr_ten priẽ.ĩ.si| mĩškai didžã.us|| Der Beginn des zweiten Bestandteils verschmilzt mit dem Ende des ersten und beeinflusst es so stark, dass am Ende des ersten bereits klar ist, welche Hebung der zweite Laut haben wird; daher kann dieser Bestandteil unausgesprochen bleiben oder verkürzt werden. Akutierte Diphthonge im Wortauslaut verkürzen sich weniger, da ein größerer Teil ihrer Dauer auf den ersten Bestandteil entfällt, der keiner Reduktion unterliegt. Dennoch ist das Dauerverhältnis zwischen akutierten und zirkumflektierten Diphthongen unabhängig von der Position: Sowohl im Stamm als auch in der Endung sind akutierte Diphthonge länger.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Dialekt von Eržvilkas von den weiter nördlich gelegenen žemaitischen Mundarten, in denen die zirkumflektierten Diphthonge deutlich länger sind (vgl. Bukantis 1984a: 72; Girdenis 1974: 175), und ähnelt eher der Standardsprache, in der die Länge der Diphthonge nicht von der Intonation abhängt: Mitunter sind die akutierten, mitunter die zirkumflektierten länger (Pakerys 1968: 107; Pakerys ir kt. 1972: 10).
5.1.2. Ein noch deutlicheres und wichtigeres Intonationsmerkmal ist die Dauer der einzelnen Bestandteile (vgl. Pakerys 1982: 158). Das Dauerverhältnis zeigt, dass die ersten Bestandteile akutierter Diphthonge deutlich länger sind als die zweiten (im Verhältnis 2,3: 1), während sich die Dauer beider Bestandteile zirkumflektierter Diphthonge weniger stark unterscheidet, obwohl auch hier der erste Bestandteil länger ist als der zweite (im Verhältnis 1,5: 1) (vgl. Tab. 2 und 3). Das ist ein recht unerwartetes Ergebnis, denn man nimmt an, dass sich in einem zirkumflektierten Diphthong Dauer und Stimmfülle gleichmäßig auf beide Bestandteile verteilen sollten. In der Endung ist die Dauer beider Bestandteile sowohl bei akutierten als auch bei zirkumflektierten Diphthongen etwas kürzer, das Verhältnis zwischen ihnen bleibt jedoch ähnlich.
Tabelle 2. Dauer der ersten Bestandteile (ms)
Diphthong | n | x | s | v (%) | Konfidenzintervall (95%) | t ≫ tₐ á.(i) | 12 | 255 | 9,6 | 3,8 | 243 ÷ 267 | 13,5 > 5,0** ã.(ĩ.) | 12 | 188 | 5,3 | 2,8 | 182 ÷ 195 | é.(i) | 12 | 237 | 17,4 | 7,3 | 216 ÷ 259 | 5,1 > 5,0** ẽ.(ĩ.) | 12 | 197 | 2,7 | 1,4 | 194 ÷ 200 | 'á.(u) | 12 | 252 | 10,3 | 4,1 | 239 ÷ 265 | 12,9 > 5,0** 'ã.(ũ.) | 12 | 190 | 3,3 | 1,7 | 186 ÷ 194 | á.(u) | 8 | 211 | 30,5 | 14,4 | 183 ÷ 239 | 4,4 > 3,6* ã.(ũ.) | 8 | 146 | 12,7 | 8,7 | 130 ÷ 162
Bei akutierten wie auch bei zirkumflektierten Diphthongen sind die ersten Bestandteile a und 'a länger als e, da ihre Eigenlänge – wie auch in der Standardsprache – größer ist (vgl. Pakerys 1982: 48). Dies führt offenbar auch zu einer längeren Gesamtdauer: Diphthonge mit a oder ‘a als erstem Bestandteil sind deutlich länger als ei (siehe Tab. 1).
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Tabelle 3. Dauer der zweiten Bestandteile (ms)
Diphthong | n | x | s | v (%) | Konfidenzintervall (95%) | t ≷ tₐ (á.)i | 12 | 100 | 3,8 | 3,8 | 96 ÷ 105 | 10,1 > 5,0** (ā.)ī. | 12 | 126 | 4,3 | 3,4 | 121 ÷ 131 (é.)i | 12 | 101 | 6,8 | 6,7 | 93 ÷ 110 | 1,7 < 2,3 (ē.)ī. | 12 | 109 | 6,7 | 6,1 | 101 ÷ 117 (á.)u | 12 | 103 | 3,6 | 3,5 | 99 ÷ 108 | 5,7 > 5,0** (ā.)ū. | 12 | 121 | 5,8 | 4,8 | 113 ÷ 128 (á.)u | 8 | 116 | 18,0 | 15,5 | 97 ÷ 135 | 1,5 < 2,3 (ā.)ū. | 8 | 132 | 16,7 | 12,6 | 112 ÷ 153
Die zweiten Bestandteile akutierter und zirkumflektierter Diphthonge unterscheiden sich weit weniger als die ersten. Am deutlichsten zeigt sich dies bei den Diphthongen ei und au: Die Konfidenzintervalle der zweiten Bestandteile überschneiden sich ((ē)i 93 ÷ 110 ms – (ē.)ī. 101 ÷ 117 ms; (ā.)u 97 ÷ 135 ms – (ā.)ū. 112 ÷ 153 ms), und t ist kleiner als der kritische Wert tₐ ((ē)i – 1,7 < 2,3, (a)u – 1,5 < 2,3). Die geringere Zuverlässigkeit der Dauerwerte der zweiten Bestandteile wird auch durch die höheren Variationskoeffizienten bestätigt, insbesondere bei zirkumflektierten Diphthongen (vgl. Tab. 2 und 3). Demnach ist zumindest bei ei und au die Dauer der zweiten Bestandteile kein wichtiges unterscheidendes Intonationsmerkmal. Bei den übrigen Diphthongen ist der Unterschied zwischen den ersten Bestandteilen ebenfalls größer als zwischen den zweiten.
Die Messergebnisse zeigen, dass die Dauer im zirkumflektierten Diphthong zwar ähnlich verteilt ist wie in den nördlichen žemaitischen Mundarten, der erste Bestandteil jedoch der wichtigere Intonationsindikator ist. Darin steht der Dialekt von Eržvilkas der Standardsprache näher (vgl. Pakerys 1968: 114) und unterscheidet sich grundsätzlich von den varniškischen Mundarten, in denen die Dauer des zweiten Bestandteils aussagekräftiger ist (siehe Bukantis 1984a: 73).
5.1.4. Schon beim Hören lässt sich feststellen, dass sich die Bestandteile akutierter und zirkumflektierter Diphthonge nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ unterscheiden. Deutlicher sind die Unterschiede bei den ersten Bestandteilen: Akutierte Bestandteile ähneln den entsprechenden Monophthongen stärker und assimilieren sich weniger an den jeweils anderen Bestandteil des Diphthongs, wie auch in der Standardsprache (vgl. Pakerys 1974: 149); sie weisen eine tiefere Zungenhebung und eine etwas weiter hinten liegende Artikulation auf, während die ersten Bestandteile zirkumflektierter Diphthonge eine höhere Zungenhebung und eine weiter vorn liegende Artikulation haben (der erste Formant F₁ ist niedriger, der zweite F₂ höher) (siehe Abb. 1).
Der tiefste erste Bestandteil findet sich im Diphthong áu: F₁ ≈ 700 Hz; der höchste, wie erwartet, im Diphthong ēī.: F₁ ≈ 440 Hz (siehe Abb. 1 b und c). Das hochgeschlossene i hebt im zirkumflektierten Diphthong auch die Zungenhebung von e an. Es wird ein diffuserer und höher klingender Laut artikuliert (siehe Tab. 2), der dem mittelhohen e ähnelt. Ähnlich wirkt i auch auf a im Diphthong ai: Sowohl das zirkumflektierte als auch das akutierte a(i) ist höher gehoben und weiter vorn artikuliert als a im Diphthong au (vgl. Abb. 1 b und d), da u die Artikulation des ersten Bestandteils etwas nach hinten verlagert¹¹ und dessen Zungenhebung nur geringfügig anhebt. In zirkumflektierten Diphthongen ist der Einfluss des zweiten Bestandteils noch stärker als in akutierten: ā. (ū.) und ā. (ū.) sind stärker labialisiert und tiefer klingend als die entsprechenden akutierten Diphthonge (siehe Tab. 4).
11Auch in der Standardsprache hängt die Qualität der ersten Diphthongbestandteile von derjenigen der zweiten ab: á.(i) wird weiter vorn, á.(u) dagegen weiter hinten artikuliert (Pakerys 1974: 150).
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Abb. 1. Spektren der ersten Diphthongkomponenten12
Tabelle 4. Qualitative Diphthongindizes
Diphthonge
Formanten
F₁
F₂
Kompaktheit
Tonhaltigkeit
Bémolhaftigkeit
’á.
740
1860
878
360
163
u
490
980
901
-521
176
’ã.
650
1750
867
250
165
ü.
450
990
886
-510
177
á.
730
1350
915
-150
167
u
540
870
929
-628
176
’ã.
640
1250
906
-250
169
ü.
440
920
892
-575
176
á.
690
1490
894
-10
166
i
330
2240
753
736
170
ã.
620
1640
868
135
167
i.
310
2250
744
755
171
é.
570
2120
829
620
164
i
370
2180
770
677
169
ė.
440
2150
793
650
165
i.
340
2290
754
790
170
12 Die Formantwerte der erstbetonten Bestandteile werden mit gestrichelten Linien (---), die der zweitbetonten mit durchgezogenen Linien (—) dargestellt.
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Die zweiten Komponenten der kontinuierlichen Diphthonge sind etwas diffuser und höher im Ton. Ihre Formantwerte liegen weiter vom Spektrumzentrum entfernt, die Laute sind also gespannter.
Die Formantdynamik des gesamten Diphthongs zeigt, dass die mit einem kontinuierlichen Akzent betonten ersten Komponenten ohne größeren Bruch und gleichmäßiger in die zweiten übergehen (siehe Abb. 2). Die Formantfrequenzverläufe des kontinuierlichen ė.i. verändern sich kaum; das heißt, beide Laute gehören nicht nur derselben Reihe an, sondern weisen auch eine ähnliche Zungenhöhe auf. Beim anlautbetonten ė.i ist F₂ zu Beginn deutlich niedriger und steigt erst ganz am Ende bei der Artikulation von i steil an. Im Diphthong á.i ist der Bruch noch deutlicher, da die Komponenten verschiedenen Reihen angehören. Ein ähnliches Formantbild für ai in der Varniškiai-Mundart legt J. Bukantis vor (siehe Bukantis 1984b: 63, Abb. 43), obwohl seiner Ansicht nach die Frequenzen kein hinreichender Akzentindikator sind (Bukantis 1984a: 79).
a) ė̇.i. (---) – é.i (—)
b) ã.i. (---) – á.i (—)
Hz
Hz
Formantfrequenzen
Formantfrequenzen
c) ã.u. (---) – á.u (—)
d) ã.u. (---) – á.u (—)
Hz
Hz
Formantfrequenzen
Formantfrequenzen
Abb. 2. Formantdynamik der Diphthonge13
Die Formantverläufe der Diphthonge mit der zweiten Komponente u sind weniger gleichmäßig: nahe dem Beginn von au und in der Mitte von 'au ist eine größere oder kleinere Spitze zu erkennen, danach fallen die Kurven beider Formanten ab. Bei den anlautbetonten Diphthongen bleiben jedoch beide Formanten trotz schwankender Frequenzwerte im Bereich höherer Frequenzen; ein deutlicherer Abfall zeigt sich erst ganz am Ende des Segments. Bei den kontinuierlichen 'ã.ũ. und á.ũ. verläuft der Abfall beider Formanten etwas gleichmäßiger.
13 Die Formanten wurden in den Stammdiphthongen gemessen. Für jeden Diphthong wurden neun Messpunkte herangezogen.
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Die Ergebnisse der Spektralanalyse widersprechen nicht der in § 5.1.2 gezogenen Schlussfolgerung, dass für den Akzent die Merkmale des ersten Diphthongbestandteils wichtiger sind. Obwohl sich der spektrale Charakter des zweiten Bestandteils ebenfalls akzentbedingt verändert, ist dies für die Wahrnehmung des Akzents nicht von großer Bedeutung, da selbst in den gedehnten Diphthongen u, i zu kurz sind, als dass ihre geringen Unterschiede wahrnehmbar wären.
5.2. Gemischte Diphthonge.
5.2.1. Das Dauerverhältnis bei festbetonten und gedehnten gemischten Diphthongen ähnelt dem bei reinen Diphthongen: Die festbetonten sind etwa 1,2-mal länger als die gedehnten. Die Gesamtdauer des Diphthongs hängt nicht nur vom Akzent, sondern auch von der intrinsischen Dauer der einzelnen Bestandteile ab, da diejenigen festbetonten Diphthonge am längsten sind, deren zweite Bestandteile nasale Sonanten sind (siehe Tab. 5). Wie auch in der Standardsprache verlängert n den Diphthong am stärksten (Pakerys 1982: 51); m ist etwas kürzer, weshalb auch Diphthonge der Struktur a, e+m kürzer sind.
Der kürzeste der Sonanten ist r, doch die mit ihm gebildeten festbetonten Diphthonge sind recht lang. Da beim festbetonten Diphthong der größere Anteil an Druck und Dauer auf den ersten Bestandteil entfällt, wird dieser stärker verlängert (a – auf bis zu 259 ms, e – auf bis zu 253 ms; siehe Tab. 6) und gleicht die Kürze von r aus.
Tabelle 5. Dauer festbetonter und gedehnter gemischter Diphthonge
Diphthong | n | x̄ | s | v (%) | Konfidenzintervall (95%) | t ≷ tₐ á.l | 8 | 334 | 5,9 | 1,8 | 326 ÷ 341 | 8,0 >5,0** á.ĺ. | 8 | 272 | 16,3 | 6,0 | 251 ÷ 292 á.r | 8 | 342 | 5,6 | 1,6 | 336 ÷ 349 | 13,4 >5,0** á.ṙ. | 8 | 265 | 11,8 | 4,4 | 250 ÷ 279 á.m | 8 | 338 | 3,9 | 1,1 | 333 ÷ 342 | 10,9 > 5,0** á.ṃ. | 8 | 279 | 11,4 | 4,1 | 265 ÷ 293 á.n | 8 | 393 | 4,1 | 1,0 | 388 ÷ 398 | 8,4 > 5,0** á.ṇ. | 8 | 348 | 11,2 | 3,2 | 335 ÷ 362 é.l | 8 | 358 | 11,8 | 3,3 | 343 ÷ 373 | 4,5 >3,8* é.ĺ. | 8 | 334 | 1,0 | 0,3 | 333 ÷ 335 é.r | 8 | 342 | 16,7 | 4,9 | 316 ÷ 369 | 5,3 >4,3* é.ṙ. | 8 | 271 | 20,9 | 7,7 | 238 ÷ 304 é.m | 8 | 363 | 6,6 | 1,8 | 354 ÷ 371 | 6,1 >5,0** é.ṃ. | 8 | 340 | 4,7 | 1,4 | 335 ÷ 346 é.n | 8 | 397 | 1,9 | 0,5 | 395 ÷ 400 | 11,1>5,0** é.ṇ. | 8 | 358 | 7,6 | 2,1 | 349 ÷ 368
5.2.2. Wie bei Diphthongen lässt sich der Akzent gemischter Diphthonge anhand der Dauer ihrer Bestandteile recht genau erkennen. Das Dauerverhältnis der Bestandteile festbetonter Diphthonge ähnelt dem der Standardsprache: Die ersten Bestandteile sind deutlich länger als die zweiten (etwa 1,8-mal). Die intrinsische Dauer des ersten Bestandteils ist nicht so wichtig; die Verlängerung hängt stärker vom Sonanten ab: Am stärksten verlängern sich die ersten Bestandteile von á.r und é.r, da
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r der kürzeste Sonant ist. n ist von Natur aus recht lang und nimmt einen größeren Anteil an der Gesamtdauer des Diphthongs ein, weshalb die ersten Bestandteile von á.n und é.n nur wenig länger als die zweiten sind (siehe Tab. 6).
Tabelle 6. Dauer der ersten Diphthongbestandteile
Diphthong | n | x | s | v (%) | Konfidenzintervall (95%) | t ≷ tₐ á.(l) | 8 | 192 | 11,6 | 6,0 | 178 ÷ 207 | 5,2 >5,0* ā.(ī.) | 8 | 147 | 15,9 | 10,8 | 127 ÷ 167 | á.(r) | 8 | 259 | 8,7 | 3,4 | 249 ÷ 270 | 13,3 > 5,0** ā.(r̄.) | 8 | 192 | 7,3 | 3,8 | 183 ÷ 201 | á.(m) | 8 | 229 | 1,9 | 0,8 | 227 ÷ 232 | 12,6 >5,0** ā.(m̄.) | 8 | 166 | 11,1 | 6,7 | 152 ÷ 180 | á.(n) | 8 | 269 | 5,7 | 2,1 | 262 ÷ 276 | 8,6>5,0** ā.(n̄.) | 8 | 204 | 16,0 | 7,8 | 184 ÷ 224 | é.(l) | 8 | 216 | 11,0 | 5,1 | 202 ÷ 230 | 8,2 >5,0** é.(ī.) | 8 | 159 | 11,1 | 6,9 | 145 ÷ 173 | é.(r) | 8 | 253 | 4,7 | 1,9 | 246 ÷ 261 | 13,8 >6,0** é.(r̄.) | 8 | 189 | 8,0 | 4,3 | 176 ÷ 202 | é.(m) | 8 | 248 | 6,7 | 2,7 | 240 ÷ 257 | 5,1 >5,0** é.(m̄.) | 8 | 215 | 13,0 | 6,0 | 199 ÷ 231 | é.(n) | 8 | 283 | 26,6 | 9,4 | 250 ÷ 316 | 4,7 >3,8* é.(n̄.) | 8 | 208 | 23,2 | 11,1 | 179 ÷ 237
Die zweiten Bestandteile gedehnter Diphthonge sind fast immer kürzer als die ersten. Bei den Diphthongen a, e+l, m, n unterscheiden sich die Dauern der Komponenten weniger, während das Dauerverhältnis der Bestandteile bei a, e + r eher dem des festbetonten Akzents ähnelt: Die Dauer wird tendenziell im ersten Bestandteil konzentriert. Obwohl Druck und Dauer bei beiden Akzenten in den ersten Bestandteilen konzentriert sind, unterscheidet sich die Dauer der ersten Bestandteile gedehnter und festbetonter Diphthonge signifikant: Die Trennwahrscheinlichkeit liegt bei allen Paaren über 99%. Die zweiten Bestandteile unterscheiden sich weit weniger, und bei einigen (ar, er und an) liegt die Trennwahrscheinlichkeit nicht über 95%; der Wert des Kriteriums t ist kleiner als der kritische Wert (siehe Tab. 7).
Tabelle 7. Dauer der zweiten Diphthongbestandteile (ms)
Diphthong | n | x | s | v (%) | Konfidenzintervall (95%) | t ≷ tₐ (á.)l | 8 | 124 | 4,2 | 3,3 | 119 ÷ 129 | 2,8 >2,3* (ā.)l̄. | 8 | 132 | 4,8 | 3,6 | 126 ÷ 138 | (á.)r | 8 | 83 | 7,9 | 9,4 | 74 ÷ 93 | 1,6 <2,3 (ā.)r̄. | 8 | 94 | 12,9 | 13,7 | 78 ÷ 111 | (á.)m | 8 | 111 | 2,4 | 2,1 | 100 ÷ 114 | 7,3 >5,0** (ā.)m̄. | 8 | 125 | 3,4 | 2,7 | 120 ÷ 129 | (á.)n | 8 | 123 | 3,1 | 2,5 | 119 ÷ 127 | 2,3 = 2,3 (ā.)n̄. | 8 | 131 | 7,1 | 5,4 | 122 ÷ 140
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7 lentelės tęsinys
Diphthong | n | x | s | v (%) | Konfidenzintervall (95%) | t ≫ tₐ (ė.)l | 8 | 131 | 2,9 | 2,2 | 127 ÷ 135 | 15,9 > 5,0** (ė.)ī. | 8 | 163 | 3,4 | 2,1 | 158 ÷ 167 (ė.)r | 8 | 91 | 11,9 | 13,0 | 72 ÷ 110 | 0,6 < 2,5 (ė.)r. | 8 | 85 | 17,3 | 20,4 | 57 ÷ 113 (ė.)m | 8 | 116 | 1,1 | 1,0 | 115 ÷ 117 | 13,7 > 5,0** (ė.)m. | 8 | 148 | 2,9 | 1,9 | 145 ÷ 152 (ė.)n | 8 | 130 | 4,8 | 3,7 | 124 ÷ 136 | 11,1 > 5,0** (ė.)n. | 8 | 156 | 2,3 | 1,5 | 154 ÷ 159
5.2.3. Qualitative Unterschiede zwischen akutierten und fortlaufenden Diphthongen entstehen gewöhnlich aufgrund der Eigenschaften der ersten Komponenten. Üblicherweise wird angenommen, dass die Qualität der Sonanten nur geringen Einfluss auf sie hat (Pakerys 1982: 64); deshalb wurden auch hier nur Vokale untersucht.
Bei akutierten Diphthongen unter Akzent sind beide a-Formanten höher (siehe Abb. 3 c und d). Das bedeutet, dass dieser Laut mit weiter geöffnetem Mund und mit niedrigerer Zungenhebung sowie weiter vorn artikuliert wird als a im fortlaufenden Diphthong. Das fortlaufende a ist weiter hinten, geschlossener und tiefer im Ton (vgl. ā – -120, aber ā – -220).
Abb. 3. Spektren der ersten Komponenten gemischter Diphthonge14
14 Hier werden nur einige Spektren der ersten Komponenten gezeigt. Bei Diphthongen anderer Struktur ist die Anordnung der Formanten ähnlich.
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Auch das e des akutierten Diphthongs weist eine niedrigere Zungenhebung auf und ist offener; in der Segmentmitte ähnelt es sogar einem Laut vom Typ æ. Seine Artikulation ist weiter hinten als die des entsprechenden fortlaufenden Lauts, der eine höhere Zungenhebung aufweist und etwas enger gebildet wird.
Auch die qualitativen Indizes der Komponenten unterscheiden sich: Das e fortlaufender Diphthonge ist diffuser (vgl. den Kompaktheitsindex von ė: 900, von ē dagegen: 858), gespannter und höher im Ton (vgl. é: 400, ē dagegen: 470). In der Standardsprache sind die ersten Komponenten akutierter Diphthonge gespannter, da bei zirkumflektierten Diphthongen der Stimmimpuls und die Spannung auf die zweite Komponente entfallen (vgl. Pakerys 1974: 150-151). In der Eržvilkaschen Mundart entfällt bei der fortlaufenden Intonation der größere Anteil der Dauer und, wie zu sehen ist, der Spannung auf die erste Komponente; die Qualität der zweiten ist dagegen nicht so wichtig.
6. Das durchgeführte Experiment hat gezeigt, dass sowohl die Dauer als auch die Lautqualität wichtige, einander ergänzende Indikatoren für die Unterscheidung der Intonationen sind. Darüber hinaus präzisieren die Messungen dieser Parameter die bisherige Definition der fortlaufenden Intonation am südlichen Rand des Raseiniai-Gebiets: Der Stimmimpuls wird nicht auf beide Komponenten des Diphthongs verteilt (vgl. Zinkevičius 1994: 98), sondern sein größerer Anteil entfällt auf die erste Komponente. Dies zeigt das Verhältnis der Komponentendauern deutlich (siehe § 5.1.2.). Natürlich unterscheidet sich die Verteilung des Stimmimpulses bei der fortlaufenden Intonation in Eržvilkas deutlich vom Zirkumflex der nordžemaitischen Dialekte: Die erste Komponente ist, obwohl auf sie der größere Anteil der Diphthongdauer entfällt, erheblich kürzer als die entsprechende akutierte Komponente und bleibt ein wichtiger Intonationsindikator. Bei anderen Žemaiten hängt die Dauer der ersten Komponenten dagegen fast nicht von der Intonation ab: Für die Varniai-Sprecher soll die Dauer der zweiten Komponente der bessere Intonationsindikator sein, für die Nordžemaiten hingegen die Dauer des gesamten Diphthongs (Bukantis 1984a: 73; Girdenis 1974: 182).
Nicht weniger wichtig sind die qualitativen Eigenschaften der ersten Komponenten, die auch für andere Žemaiten nicht so bedeutsam sind (vgl. Bukantis 1984a: 79; Girdenis 1974: 171). In dieser Hinsicht ähnelt die Eržvilkasche Mundart stärker der Standardsprache (vgl. Pakerys 1974: 151). Die qualitativen Unterschiede der Komponenten erhöhen die Möglichkeit, die Intonationen zu erkennen: Die erste Komponente eines fortlaufenden Diphthongs ist nicht nur kürzer, sondern weist auch eine etwas höhere Zungenhebung auf, ist meist weiter vorn artikuliert und neigt stärker zur Assimilation an die zweite Komponente.
Zusammenfassend lässt sich folgern, dass die Intonationen der Eržvilkaschen Mundart in vielerlei Hinsicht der Standardsprache ähneln und zwischen den Intonationen der Žemaiten und der Aukštaiten stehen15. Die fortlaufende Intonation hat mehr žemaitische Merkmale bewahrt, während sich die akutierte kaum von der Standardsprache unterscheidet.
Eingegangen am 06.04.1998
15 Es wäre interessant, die Intonationen der Raseiniai-Sprecher, insbesondere die fortlaufende, mit denen der benachbarten westlichen Aukštaiten zu vergleichen, da sie sich gehörmäßig kaum unterscheiden. Leider fehlt für einen ausführlicheren Vergleich eine experimentelle Untersuchung der Intonationen im nördlichen Teil des Kaunas-Gebiets.
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AKZENTE DER DIPHTHONGE UND DER GEMISCHTEN
ZWIELAUTE IM DIALEKT VON ERŽVILKAS: DAUER UND SPEKTREN
Zusammenfassung
Im südžemaitischen Dialekt von Raseiniai können die betonten Zwielaute einen Gravis- oder Zirkumflexakzent haben. Im vorliegenden Beitrage sollen die Akzente der Diphthonge ei, ai, au und der gemischten Zwielaute a, e + l, m, n, r einer Mundart erörtert werden: ihre Dauer und qualitative Charakteristik sowie die wichtigsten unterschiedlichen Kennzeichen der Akzente. Die Unterschiede zwischen den Akzenten wurden experimentell untersucht: es wurde die Dauer des ganzen Zwielautes und seiner einzelnen Komponenten gemessen, die Spektralanalyse angewendet, die qualitativen Kennzeichen der Komponenten (Kompaktheit, Tonalität, u. a.)
Die Resultate des Experiments beweisen, daß sowohl die Dauer als auch die Qualität der Komponenten wichtige, einander ergänzende Indikatoren zur Unterscheidung der Akzente sind. Außerdem präzisieren die Messungen dieser Parameter die bisherige Charakteristik des Zirkumflexakzentes: der Atemdruck verteilt sich nicht gleichmäßig auf die beiden Komponenten des Zwielautes (vgl.: Zinkevičius 1994: 98) - der größere Teil des Druckes bestimmt die erste Komponente. Die erste Komponente jedoch, obwohl ihr der größere Teil der Dauer des Zwielautes zukommt ist viel kürzer als die entsprechende Zwielautkomponente mit Gravisakzent. Das ist sehr wichtig für die Unterscheidung der Akzente, da die Dauer und die Qualität der zweiten Komponente von dem Akzent wenig abhängt. Die Länge der ersten Komponente bestimmt auch die Gesamtdauer des Zwielautes: der Zwielaut mit Gravisakzent ist 1,2-mal länger als der mit Zirkumflexakzent.
Wichtig ist auch die qualitative Charakteristik der ersten Komponente Die qualitativen Unterschiede der Komponenten erlauben das Wesen der Akzente besser zu erkennen: beim Zirkumflexakzent des Zwielautes ist die erste Komponente nicht allein kürzer, sondern auch dem Ton nach ein wenig höher und gewöhnlich als vordere geneigt sich der nachfolgenden anzugleichen.
Die Resultate des Experiments zeigen, daß für die Akzentanalyse im Dialekt von Eržvilkas die Gesamtheit der die Dauer und Qualität kennzeichnenden Charakteristika von Bedeutung ist. Die Akzente in diesem Dialekt nehmen eine Stellung ein zwischen dem Žemaitischen und dem Aukštaitischen: der Zirkumflexakzent hat eher žemaitische Züge, während sich der Gravisakzent von dem entsprechenden in der Gemeinsprache beinahe überhaupt nicht unterscheidet.
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