In memoriam Terje Mathiassen (1938–1999)
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Diese Einteilung beruht zwar nicht auf einem einzigen Kriterium (so können etwa Ortsnamen prussischen oder kurischen Ursprungs ebenso Gewässernamen wie Personen- oder Berufsbezeichnungen oder Ähnliches sein), vermittelt jedoch ein umfassendes und zusammenfassendes Bild von Herkunft und Bildung der Namen der Siedlungen in Kleinlitauen.
Im zweiten Unterkapitel dieses Kapitels, „Der Wandel der Ortsnamen“, werden die Germanisierung des Landes und später dessen Russifizierung historisch beleuchtet, wobei die baltischen Sprachen schließlich vollständig aus diesem Gebiet verdrängt wurden. Die Studie schließt mit einer ausführlichen (neunseitigen) Zusammenfassung auf Deutsch und einem Verzeichnis der Namen der Kirchdörfer, von denen es hier 210 gab.
Zum Abschluss der Buchbesprechung sei gesagt, dass Ortsnamenforscher hier neben authentischem und wertvollem Material auch Kritikpunkte finden werden – fragwürdige Etymologien oder andere Ungenauigkeiten bei der Analyse von Namen. Doch niemand wird bestreiten können, dass V. Pėteraitis’ Studie „Die Ortsnamen Kleinlitauens und Tvanksta“, ebenso wie das erste Buch dieses Autors, „Kleinlitauen und Tvanksta“, erneut das baltische Substrat Kleinlitauens bezeugt und einen wichtigen Beitrag zum Fundus der Studien zur baltischen Kultur darstellt.
Marija Razmukaitė
IM GEDENKEN AN TERJE MATHIASSEN
(1938–1999)
Ein tragisches Schicksal scheint die skandinavischen Baltisten zu verfolgen. Noch vor nicht allzu langer Zeit rafften die schrecklichen Krankheiten unseres Jahrhunderts den Norweger Helge Rinholm und den Isländer Jörundur Hilmarsson vorzeitig dahin. Und nun trauern wir erneut: Nach langem Leiden setzte der Krebs am 9. Januar 1999 auch dem Leben des Professors der Universität Oslo, Terje Mathiassen, endgültig ein Ende. Alle drei waren nicht nur gute Freunde, Forscher der baltischen Sprachen und Schüler des großen norwegischen Baltisten Christian S. Stang, sondern auch die aufrichtigsten Freunde unseres Volkes.
Mathiassen wurde am 12. April 1938 in Oslo geboren. 1957 machte er das Abitur. Zunächst wollte er Latein und Mathematik studieren. Heutzutage lassen sich diese Fächer jedoch nur schwer miteinander verbinden, und Mathiassen entschied sich an der Universität Oslo für ein Studium der Russistik, Germanistik und norwegischen Philologie. Neben Chr. S. Stang zählte auch der berühmte norwegische Iranist Georg Morgenstierne zu seinen Lehrern. 1962 schloss Mathiassen sein Grundstudium mit dem Magistergrad ab. Seine weitere Beschäftigung mit der Slawistik und zum Teil auch mit der Baltistik wurde, so kann man sagen, durch die NATO geprägt. Während seines Militärdienstes hatte Mathiassen nämlich Gelegenheit, sehr gute, von der NATO organisierte Russischkurse zu absolvieren (gemeinsam mit dem späteren norwegischen Verteidigungsminister). Solche Kurse hatte unter anderem auch der bereits erwähnte H. Rinholm absolviert. 1964 verbrachte Mathiassen fünf Monate zur Weiterbildung in Leningrad. Der Verstorbene erinnerte sich, dass ihm der litauische Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Norwegen, Vytautas Burkauskas, das erste Visum für Leningrad ausgestellt hatte. 1965 war Mathiassen bereits Kandidat der Philologie. Von 1966 bis 1971 war er Stipendiat der Universität Oslo.
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…andidat. 1970 wurde ihm für seine Dissertation „Studien zum Langvokalismus der slawischen und indogermanischen Sprachen“ der Doktorgrad der Philosophie verliehen. Bald darauf erschien seine Dissertation als eigenständiges Buch (Studien zum slavischen und indoeuropäischen Langvokalismus. Oslo, Bergen, Tromsø, 1974). Chr. S. Stang war der offizielle Opponent der Dissertation.
1971 begann Mathiassens rege Lehrtätigkeit. An der Universität Oslo unterrichtete er Russisch, Kirchenslawisch sowie Litauisch und Lettisch und gab eine Einführung in die baltische Philologie. Er erlernte Litauisch und Lettisch nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. 1982 wurde auf seine Initiative hin an der Universität Oslo ein eigenständiger Kurs für die litauische Sprache eingerichtet (zuvor war Litauisch unregelmäßig als entsprechender Teil der Indogermanistik unterrichtet worden). 1991 wurde ebenfalls vor allem dank seiner Bemühungen an der Universität ein Lektorat für Litauisch und Lettisch eingerichtet. Zum Unterrichten kamen Philologen aus Litauen und Lettland hierher.
1978 wurde Mathiassen zum Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften gewählt. 1985 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Seit 1987 war er Mitglied des Internationalen Slawistenkomitees. Von 1992 bis 1994 leitete er ein Projekt der Universität Oslo zur Förderung der baltischen Länder. 1996 wählte ihn die Lettische Akademie der Wissenschaften zu ihrem ausländischen Mitglied.
Viele der wichtigsten Publikationen Mathiassens stehen mit seiner Lehrtätigkeit in Zusammenhang. An erster Stelle sind hier die ausführliche russische Grammatik (Russisk Grammatikk, Oslo, 1990; 2. Auflage 1996) und die vom lettischen Linguisten Janis Valdmanis treffend als „Zwillinge“ bezeichneten Grammatiken des Litauischen und Lettischen zu nennen (A Short Grammar of Lithuanian. Columbus, 19961; A Short Grammar of Latvian. Columbus, 19972).
Mathiassen gab gemeinsam mit dem norwegischen Linguisten Siri Sverdrup Lunden das 1987 in Moskau erschienene „Russisch-norwegische Wörterbuch“ von Valerij Berkov heraus (Русско-норвежский словарь. Russisk-norsk ordbok). Vielleicht dürfen wir bald auch ein weiteres lexikografisches Werk erwarten, an dem Mathiassen ebenfalls einen großen Anteil sorgfältiger Arbeit geleistet hat. Professorin Evalda Jakaitienė, eine der Leiterinnen dieses Werkes, sagt dazu: „Seit 1996 war er einer der Leiter des Projekts ‚Litauisch-norwegisches / norwegisch-litauisches Wörterbuch‘ des neuen Instituts für Osteuropastudien und Orientalistik der Universität Oslo. Mathiassen kümmerte sich nicht nur um die organisatorischen Angelegenheiten der Projektgruppe, sondern war auch ein hervorragender Berater, denn er hatte ein außerordentlich feines Gespür für die Bedeutungsnuancen norwegischer Wörter, war überaus fleißig und überarbeitete denselben Text immer wieder, um im Norwegischen ein möglichst genaues litauisches Äquivalent zu finden. Das Wörterbuch ist noch nicht fertiggestellt, und seinen Bearbeitern werden die fundierten Anmerkungen, die scharfsinnigen Ratschläge und die wohlwollenden Hinweise ihres kompetenten Kollegen stets fehlen“3.
1 Sabaliauskas A., Valeika L. (Rec.). – Baltistica, 1997, 32 (1), 133–136.
2 Rosinas A. (Rec.). – Baltistica, 1997, 32 (2), 256–258.
3 Jakaitienė E. Profesorius Terjė Matiasenas. – Gimtoji kalba, 1999, 2, 21–23.
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Mathiassen veröffentlichte in Fachzeitschriften verschiedener Länder zahlreiche Aufsätze zur historischen Morphologie, Phonetik, Syntax und Lexik der baltischen und slawischen Sprachen sowie zu Fragen der Sprachkontakte.4
Auf der Sitzung der Norwegischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 1981 hielt Mathiassen einen Vortrag über die Sprachen und die Kultur der baltischen Völker. Der Vortrag wurde in den Schriften der Norwegischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht. Er nahm an zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen in Litauen, Lettland, Schweden, der Ukraine, Polen, Deutschland, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika teil.
Mathiassen besuchte Litauen viele Male. Als er im Herbst 1991 nach Litauen kam, freute er sich, dass er diesmal kein Visum mehr benötigte. 1994 verbrachte er zusammen mit seiner Frau Anna Maria Mathiassen, die sich ebenfalls sehr für Litauen interessierte, drei Wochen in unserem Land. Besonders lieb war ihm die Reise auf die Kurische Nehrung, in die Nähe jener Orte, wo sein Lehrer Christian S. Stang einst gemeinsam mit Jurgis Gerulis den heute vollständig ausgestorbenen litauischen Fischerdialekt erforscht hatte.
Der Verfasser dieses kurzen Artikels erinnert sich, wie er am 24. September 1975 gemeinsam mit Professor Zigmas Zinkevičius zum Flughafen fuhr, um Mathiassen abzuholen. Damals kannte in Litauen niemand den norwegischen Linguisten. Um die Aufmerksamkeit des Unbekannten zu erregen, hielten wir sein kurz zuvor erschienenes Buch in den Händen. Als einer der Passagiere das Buch sah, lächelte er und kam auf uns zu. Damit begann Mathiassens Freundschaft mit Litauen. An jenes Treffen und die Freunde, die ihn empfangen hatten, erinnerte sich Terje Mathiassen liebevoll in seinem Vortrag auf dem VIII. Internationalen Baltistenkongress in Vilnius (9. Oktober 1997). Leider war dieser Vortrag zugleich das letzte Zusammentreffen des Linguisten mit unserem Land und seinen vielen Freunden hier. Es ist schwer, sich mit dem Gedanken abzufinden, dass dieser wunderbare Mensch, der so viel Gutes für Litauen getan hat, nicht mehr unter uns ist.
Algirdas Sabaliauskas
4 Mathiassen T. Die Personalendungen im baltischen Verbum unter besonderer Berücksichtigung der 2. P. Sg. lit. – lett. *je und die indoeuropäische Grundlage. Versuch einer neuen Deutung. – Norsk Tidsskrift for Sprogvidenskap, 1975, 29, 199–205; О происхождении форм причастий на -ęs, -ę в литовском языке, -is в латышском языке. – Baltistica, 1976, 12 (1), 43–50; Сколько было в прабалтийском основных типов словесного ударения – два или три? – Baltistica, 1983, 19 (2), 108–113; A Discussion of the Notion ‘Sprachbund’ and its Application in the Eastern Baltic Area (Slavic, Baltic, and West Finnish). – International Journal of Slavic Linguistics and Poetics, 1985, 31–32, 273–281; An Unorthodox View of the 1. P. Sg. Subjunctive (Optative) in Lithuanian. – Baltistica, 1993, 28 (1), 5–8; Prepozicinis nagų valdomas kilmininkas baltų, Pabaltijo suomių ir skandinavų kalbose (istorinė apžvalga). – Baltistica, 1993, 28 (2), 21–26; Nochmals zum ie- Komplex im Ostbaltischen. – Linguistica Baltica, 1995, 4, 41–53; Some Aspects of the History of Lithuanian and Latvian Grammatical Terminology. – Baltistica V Priedas, 1998, 169–176, u. a.
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