Dėl Mažosios Lietuvos vietovardžių su „-kehmen“ / „-keimen“ ir „-lauken“
Full text
ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XLI (1999)
Daiva DELTUVIENĖ
Universität Vilnius
ZU DEN ORTSNAMEN KLEINLITAUENS
MIT -KEHMEN / -KEIMEN UND -LAUKEN
In jüngster Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern verschiedener Fachgebiete zunehmend auf Kleinlitauen. Gegenstand der toponymischen Forschung sind die zahlreichen litauischen (zum Teil baltischen) Ortsnamen dieses Gebiets. Mit der Herkunft der Ortsnamen Kleinlitauens haben sich unter anderem F. Hoppe (Hoppe 1877), O. Natau (Natau 1937), W. Fenzlau (Fenzlau 1936) und V. Pėteraitis (Pėteraitis 1997) befasst.
Das in diesem Artikel verwendete Material wurde in den ostpreußischen Folianten gesammelt, die sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin befinden. Die erörterten Ortsnamen ließen sich in keinem Ortsnamenverzeichnis und keinem Nachschlagewerk Ostpreußens finden. Es handelt sich um einzigartiges Material, das viele Informationen über die Litauer Kleinlitauens, ihre Sprache, ihr damaliges Leben und ihre Beziehungen zu den anderen dort lebenden Völkern liefern kann.
Der Artikel behandelt zusammengesetzte Oikonyme des 16.–17. Jahrhunderts, deren zweites Glied -kehmen / -keimen ist (lit. kiemas „ein einzelner Bauernhof; Dorf, Siedlung“ LKŽ V 748; kaimas „Bauernsiedlung; Dorf“ LKŽ V 54) und -lauken (lit. laukas „ebene, baumlose Fläche; Ackerland; Dorf, Siedlung“ LKŽ VII 177).
Nach der Herkunft des ersten Glieds lassen sich die Zusammensetzungen, deren zweites Glied -kehmen / -keimen ist, in mehrere Gruppen einteilen.
1. Litauischer Personenname + kiemas / kaimas:
Drutʒkeimenn (Amt Insterburg) 1564 (Ostpr. Fol. 4599 99), Drudtschkehmen 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 66), Druʒkehmen 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 81): vermutlich lit. *Druckiemiai / *Druckiemis oder *Druckaimiai / *Druckaimis. Aus dem Personennamen Drūčas oder Drūčkus: drūčkis „dicker Mensch, dickes Tier“ (LPŽ I 529). Vgl. auch die Ortsnamen Drutschellen, Drutschlauken (Goldbeck II 44).
Gerkischkeinenn (Amt Insterburg) 1564 (Ostpr. Fol. 4599 55): die litauische Form wäre *Gerkiškaimis / *Gerkiškaimiai. Das erste Glied ist eine Ableitung mit dem Suffix -išk- vom Personennamen Gérkis, Gérkė (LPŽ I 656) oder vom prußischen Personennamen Gerke, Gerko (Trautmann 1925: 31). Möglich ist jedoch auch ein deutscher Ursprung des Personennamens1.
Kostangkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 6): *Kostankiemis / *Kostankiemiai. Aus dem Personennamen Kastántas (: Konstántas LVKŽ 222). Nach k folgend-
1 Plg. vok. avd. Gerke, Gehrke (Bach 1974: 71).
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čios žodžio pradžioje, a gali būti keičiama į o (Fenzlau 1936: 22–23), pvz., Korallischken (Karališkiai), Kollaten (Kalotė).
Kurschekmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 172): vermutlich lit. Ortsnamen *Kuršk iemis / *Kuršk iemiai. Aus den Personennamen Kurszus, Kurszys, Kurszaitis, Kurszatis, Kurszis (Kalwaitis 1910: 13). F. Hoppe leitet Ortsnamen mit dem Stamm Kursz- oder Kursch- ebenfalls von den Personennamen Kurszus, Kurszies, Kurszat, Kurschat ab (Hoppe 1877: 407–408).
Meschkakehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 148): lit. Ortsnamen *Meškakiemis / *Meškakiemiai. Es handelt sich möglicherweise um ein Kompositum aus dem Personennamen Meška: meška „Bär; ein unbeholfener, schwerfälliger, schwerer, schwabbeliger Mensch“ (LPŽ II 212) und dem Appellativ kiemas. Vgl. auch die Personennamen Meszka, Meszkatis, Meszkis, Meszkys (Kalwaitis 1910: 14).
Pluβkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 58): *Pliuskkiemis / *Pliuskkiemiai oder *Pliuškkiemis / *Pliuškkiemiai. Aus den Personennamen Pliuš kis, Pliuskỹs, Pliuskà, Pliùškus: pliùškė „Platte, Splitter, Bruchstück; etwas Abgeplattetes, Flaches“ oder Pliùškis, Pliuškỹs, Pliùškus: pliùškis „Geck, Stutzer; ein unernster, leichtfertiger, liederlicher Mensch; einer, der Unsinn redet und alles ausplaudert, Schwätzer“ (LPŽ II 479). Vgl. auch die Personennamen Pluszis, Pluszys (Kalwaitis 1910: 15).
G. Gerulis behandelt den prußischen Ortsnamen Pluselawken von 1419, dessen Herkunft er folgendermaßen erklärt: lit. pliušė + pruß. laucks (Gerullis 1922: 216). F. Hoppe hält auch das erste Glied für litauischer Herkunft, abgeleitet von plusze, pluszis „Schnittgras“ (Hoppe 1877: 411). Allerdings sollte auch die Möglichkeit einer Herkunft des ersten Glieds aus einem Personennamen nicht ausgeschlossen werden, da die meisten zusammengesetzten Ortsnamen Kleinlitauens nach den Familiennamen seiner Bewohner gebildet wurden (Pėteraitis 1997: 15).
Pruβelkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 57), Pruβelkehmen 1687 (Ostpr. Fol. 4627 14): *Prus elkiemis / *Prus elkiemiai. Vgl. die Personennamen Prusáitis, Prūsáitis, Prūsas, Prusėlis, Prūsėlis (LPŽ II 519).
Skahnkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 106): die litauische Form wäre *Skankiemis / *Skankiemiai. Aus dem Personennamen Skãnas: skãnas „schmackhaft; wohlschmeckend, lecker“ (LPŽ II 730).
Stulgkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 57): *Stulgkiemis / *Stulgkiemiai. Aus den Personennamen Stulgà, Stùlgas, Stulgỹs, Stūlgis: stulgỹs „Waldwasserläufer (Tringa ochropus); Schreihals“; stulgùs „länglich rund, oval; stolz, hochmütig“ (LPŽ II 845–846). Vgl. auch die Personennamen Stulgies, Stulgait, Stulgeries (Hoppe 1877: 417) und Stulgys (Kalwaitis 1910: 17).
Schmülkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 59), Sзmulkehmen 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 65), Smulkehmen 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 79): *Smulkk iemis / *Smulkk iemiai. Aus dem Personennamen Smulkys (Kalwaitis 1910: 17), Smulkà, Smùlkis, Smulkỹs: smulkùs „aus kleinen Teilchen, Körnchen bestehend; von geringem Maß, geringer Größe; dünn usw.“ (LPŽ II 772) oder Šmùlis, Šmuilỹs, die auf den christlichen Namen Samuelis hebräischen Ursprungs zurückgehen; vgl. deutsch Schmuel: Samuel, Schmu(h)l: Samuel (LPŽ II 963). Vgl. ferner den Ortsnamen Schmulkehlen, Schmul-
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ken (Goldbeck II 144). In den Varianten Sȝmulkēhmen ir Schmülkehmen wird litauisches s durch š ersetzt. W. Fenzlau zufolge ist dafür die Eigenheit des Deutschen (sowohl der niederdeutschen als auch der hochdeutschen Varietät) ausschlaggebend, [š] vor anderen Konsonanten auszusprechen. Seiner Ansicht nach bewahren die Hochdeutschen meist das litauische [š], während die Niederdeutschen es durch [ž] ersetzen (Fenzlau 1936: 80). Weitere Varianten dieser Art finden sich ebenfalls: Schmeilen – Smailen, Schmaleduhmen – Smalleduhmen, Smilgen – Schmilgen usw. (Peteraitis 1997: 360–361).
Auch eine andere Herleitung des Ortsnamens ist möglich – von dem Adjektiv smulkūs + kiēmas, vgl. litauische Ortsnamen Schwentakemen 1590 (Barkowski 1928: 34): šventas + kiēmas, Szemkehmen 1785 (Goldbeck II 211): žemas + kiēmas. Eine solche Ortsnamenbildung ist aus der litauischen und lettischen Namenkunde bekannt, vgl. litauische Ortsnamen Aukštālaukiai, Aukštālaukis (LAŽ II 17).
2. Deutscher Personenname + kiemas:
Bernigkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 149): *Bernikiemis / *Bernik iemiai. Das erste Glied stammt vom deutschen Personennamen Bernick(e) (Förstemann 1900: 259; Heintze 1933: 136). Auch ein polnischer Ursprung dieses Personennamens ist nicht auszuschließen2.
Dedekehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 124): *Dedekiemis / *Dedekiemiai. Aus dem deutschen Personennamen Dede (: Theodulf) (Gottschald 1954: 232). Vgl. auch den Ortsnamen Dedewethenn 1557 (Barkowski 1928: 232). Ein Zusammenhang mit dem litauischen Personennamen Dėdỹs (LPŽ I 478) ist ebenfalls möglich.
3. Polnischer Personenname + kiemas:
Wallnigkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 41): *Valnikiemis / *Valnikiemiai. Das erste Glied ist aus dem polnischen Personennamen Wolnik (Rymut 1991: 174) > oder dem litauischen Valnik- (: valnas „frei, los, ledig“ LEW II 1192) gebildet.
4. Gattungswort + kiemas:
Groß Sȝirßkehmen (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 92): *Širškiemis / *Širšk ie miai. Aus litauisch širšė „Insekt aus der Familie der Faltenwespen; Wespe; jemand, der sehr zornig ist und bei einer Provokation sofort wütend wird“ (LKŽ XIV 906) + kiemas.
5. Nicht ganz eindeutige Fälle:
Jelliczkehmen (Amt Insterburg) 1687 (Ostpr. Fol. 4627 11): *Jelickiemis / *Jelickiemiai oder *Jelisk iemis / *Jelisk iemiai. Die Etymologie des ersten Bestandteils dieses Ortsnamens könnte zweifach sein: entweder aus dem polnischen PN Jalec 1383 (Rymut 1991: 136) oder aus dem deutschen PN Jellies (: Vigelius) (Gottschald 1954: 610)3, obwohl beide Deutungen einer eingehenderen Analyse bedürfen.
Schulckemej (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 13). Wenn die Buchstabenverbindung sch dem Laut š entspricht, könnte die litauische Form *Šulk iemiai lauten. Dann
² Vgl. den PN Bernikas (: poln. Bernik: Bernard), Bėrnikis (LPŽ I 239).
³ Plg. taip pat Bach 1952: 168.
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Der erste Bestandteil stammt aus dem deutschen PN Schule (: mittelhochdeutsch schulen „heimlich beobachten, auflauern“) (Heintze 1933: 433) oder aus dem litauischen PN Šulys: šūlas „in die Erde gerammter Pfosten einer Scheunentür, eines hölzernen Brunnenkastens, eines Tors, einer Brücke usw.; Seitenbrett eines hölzernen Eimers oder Fasses“ (LPŽ II 989)⁴. Die Buchstabenverbindung sch kann auch sk entsprechen; dann wäre das litauische Äquivalent *Skulkiemiai. In diesem Fall stammte der erste Bestandteil von einem möglichen PN *Skulis oder *Skulys. Nach W. Fenzlau kann die Buchstabenverbindung sch in manchen Fällen ž wiedergeben (Fenzlau 1936: 87); dann lautete die litauische Form *Žulkiemiai. In diesem Fall ist der erste Bestandteil vom litauischen PN Žulys: žulys „mit steifer Zunge“, „žulūs ‚steifer, unhöflicher Mensch‘“ (LPŽ II 1348) oder Žulkà, *Žulkys, Žulkus (mit dem Suffix -k- von der Wurzel žul-) (LPŽ II 1348) abzuleiten.
Zusammengesetzte Ortsnamen, deren zweiter Bestandteil -lauken lautet, lassen sich ebenfalls in mehrere Gruppen einteilen:
1. Litauischer Personenname + laukas:
Kiegstlauken (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 143): *Kėkšt-laukis / *Kėkštlaukiai. Vom PN Kėkštas (LPŽ I 967), Kėksztas, Keksztatis (Kalwaitis 1910: 12). Vgl. auch Kiegskehmen oder Kägsten (Goldbeck II 69). Allerdings bedarf die Herkunft des ersten Bestandteils (vom PN Kėkštas) einer eingehenderen Untersuchung, denn nach Ansicht von W. Fenzlau werden litauisches ė und ie im Deutschen mit e wiedergegeben, z. B. Bittenen = Bitenai, Szardwethen = Žardviečiai (Fenzlau 1936: 37–40). Einen ähnlichen Fall führt auch O. Barkowski an: Pietzschlaucken gleich Petzlaucken 1584 (Barkowski 1928: 228).
Kirkutlauk (Amt Ragnit) 1549 (Ostpr. Fol. 9392 51), Kirkuttlaugk 1556 (Ostpr. Fol. 9396 41): *Kirkutlaukis. Vom PN Kirkūtis: kirkūtis „erstes Ei einer Junghenne“, (LPŽ I 1000), Kirkutis (Kalwaitis 1910: 12).
Kugstlauken (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 20): *Kukšt-laukis / *Kukštlaukiai. Vom PN Kukštà, Kùkštas, Kukštys: kukštà, kùkštas „Büschel, Schopf; dicht bewachsene Ansammlung; Baumkrone“ (LPŽ I 1109). Die Deutschen des Hochlands ersetzen litauisches [š] zwischen zwei Konsonanten durch [s], z. B. Birstonischken = Birštoniškiai, Bersteningen = Berštininkai (Fenzlau 1936: 83–88).
Padtlauken (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 171): *Puodlau-kis / *Puodlaukiai. Der erste Bestandteil stammt vom PN Púodas, Puodys: puodas „Metallgefäß zum Kochen von Speisen; Tongefäß, Topf“ (LPŽ II 533–534). Nach W. Fenzlau wird litauisches [uo] im Deutschen gewöhnlich durch [o] ersetzt (Fenzlau 1936: 40–46), z. B. Kooden = lit. Kūodžiai (Fenzlau 1936: 40). Vgl. auch die Ortsnamen Jodeglienen, Jodschen, Jodlaucken (Goldbeck II 76, 77). Der Vokal [a] ist wahrscheinlich unter dem Einfluss des deutschen Niederdeutschen entstanden (Ziesemer 1924: 128).
Prußlaucken (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 85): *Pruslaukis / *Pruslaukiai. Zusammengesetzter Ortsname aus dem PN Prūsas (LPŽ II 518), Prusaitis, Prusas
4 Vgl. auch die Ortsnamen Schulkeim (Goldbeck I 170), Schulen, Schulkeim, Schulstein (Verzeichnis 1906: 247), Schulwiese (Verzeichnis 1939: 132).
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(Kalwaitis 1910: 15), Prussas, Prusseit, Pruszatis (Hoppe 1877: 411) + laukas. Vgl. auch die Ortsnamen Prusigren, Prussellen, Prussen (Goldbeck II 126).
Rugelaucken (Amt Taplaucken) 1534 (Ostpr. Fol. 11181 9): *Rugialaukis / *Rugialaukiai. Aus den Personennamen Rugā, Rugis, Rugys (LPŽ II 633–634), Rugys (Kalwaitis 1910: 16) oder aus dem litauischen Appellativ rugys „Roggen (gewöhnlich Wintergetreide), aus dessen Kornmehl Brot gebacken wird“ (LKŽ XI 890).
Schuslaucken (Amt Labiau) 1591 (Ostpr. Fol. 5277 37), Schußlaucken 1615 (Ostpr. Fol. 5301 44): *Šiušlaukis / *Šiušlaukiai. Aus den Personennamen Šiuša, Šiušas, Šiušė, Šiušė, Šiušis, Šiušys, Šiušis: šiuša, šiuša „šiūšas“, šiūsas, šiūsas „Schauder, Angst, Entsetzen“ (LPŽ II 943), Szusza (Kalwaitis 1910: 18).
2. Deutscher Personenname + laukas:
Alt / Neu Baderlaucken (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 127): *Baderlaukis / *Baderlaukiai. Aus dem deutschen Personennamen Bader (Heintze 1933: 126). Vgl. auch den Ortsnamen Badersleben in Sachsen (Meyers 1935: 29).
Magerlaucken (Amt Taplaucken) 1534 (Ostpr. Fol. 11181 6): *Magerlaukis / *Magerlaukiai. Aus dem deutschen Personennamen Mager (Heintze 1933: 334). Vgl. auch den Ortsnamen Magerguth (Goldbeck I 108).
3. Appellativ + laukas:
Biberlauck (Amt Ragnit) 1549 (Ostpr. Fol. 9392 5): *Bebralaukis / *Bebralaukiai. Aus dem deutschen Appellativ Biber (: Bieber „Biber“) + laukas; vgl. auch die Ortsnamen Bieberstein, Bieberswalde, Bieberthal (Verzeichnis 1906: 22).
Gerschlaugken (Amt Insterburg) 1642–1664 (Ostpr. Fol. 4610 124): *Geršlaukis / *Geršlaukiai. Aus dem Appellativ géršė (: Reiher LEW I 148) + laukas.
4. Nicht ganz klare Fälle:
Woimelaucken (Amt Labiau) 1574 (Ostpr. Fol. 5267 26), Woimelaugen 1574 (Ostpr. Fol. 5267 51), Wojmlauchken 1615 (Ostpr. Fol. 5301 48), Woimlaucken 1626 (Ostpr. Fol. 5312 46). Überzeugende Erklärungen zur Herkunft des ersten Bestandteils dieses Ortsnamens konnten nicht gefunden werden; möglicherweise stammt er vom litauischen Personennamen *Vaimys.
Der Artikel stellt 28 zusammengesetzte Ortsnamen aus dem 16. und 17. Jahrhundert in Kleinlitauen vor und erörtert sie. Bei 19 von ihnen sind beide Bestandteile litauischen (baltischen) Ursprungs. Der erste Bestandteil von 5 Oikonymen ist ein deutscher Personenname oder ein Appellativ, bei einem ein polnischer Personenname. Die Herkunft von drei Ortsnamen ist nicht ganz klar.
Eingegangen am 03.05.1999
LITERATUR UND QUELLEN
Bach A. 1952: Deutsche Namenkunde 1(1), Heidelberg: Carl Winter, Universitätsverlag.
Bach A. 1974: Deutsche Namenkunde 3, Heidelberg: Carl Winter, Universitätsverlag.
Barkowski O. 1928/1930: Die Besiedlung des Hauptamtes Insterburg 1525–1603, Königsberg: Nachdruck Hamburg 1993.
Fenzlau W. 1936: Die deutschen Formen der litauischen Orts- und Personennamen des Memelgebietes, Halle / Saale: Max Niemeyer Verlag.
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Förstemann E. 1900: Altdeutsches Namenbuch. Personennamen, Bonn: Hanstein, Nachdruck 1966.
Gerullis G. 1922: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin und Leipzig: Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Walter de Gruyter u. Co.
Goldbeck J. F. I – Vollständige Topographie des Königreichs Preussen. Erster Teil welcher die Topographie von Ost=Preussen enthält, Vollständige Topographie vom Ost=Preussischen Cammer=Departement, Königsberg und Leipzig.
Goldbeck J. F. II – Vollständige Topographie des Königreichs Preussen, Vollständige Topographie vom Litthauischen Cammer=Departement, Königsberg und Leipzig.
Gottschald M. 1954: Deutsche Namenkunde, Berlin: Verlag Walter de Gruyter u. Co.
Heintze – Cascorbi 1933: Die deutschen Familiennamen, Halle / Saale, Berlin.
Hoppe F. 1877: Ortsnamen der Provinz Preussen. – Altpreussische Monatsschrift 14, Königsberg i. P.
Kalwaitis W. 1910: Lietuwiszkų wardų klėtele su 15000 wardų, Tilžėje: Spausdinta Otto v. Mauderodės.
LAŽ: Verzeichnis der administrativ-territorialen Gliederung der Litauischen SSR 2, Vilnius: Mintis.
LEW – Fraenkel E. Litauisches etymologisches Wörterbuch 1, Heidelberg–Göttingen: Carl Winter, Universitätsverlag, 1962; 2, Heidelberg–Göttingen: Carl Winter, Universitätsverlag, 1965.
LKŽ – Wörterbuch der litauischen Sprache 5, Vilnius: Verlag für staatliche politische und wissenschaftliche Literatur, 1959; 7, Vilnius: Mintis, 1966; 11, Vilnius: Mokslas, 1978; 14, Vilnius: Mokslas, 1986.
LPŽ – Wörterbuch der litauischen Familiennamen 1, Vilnius: Mokslas, 1985; 2, Vilnius: Mokslas, 1989.
LVKŽ – Lietuvių vardų kilmės žodynas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1994.
Meyers 1935: Ortsund Verkehrslexikon des Deutschen Reiches, Leipzig.
Natau O. 1937: Mundart und Siedelung im nordöstlichen Ostpreussen, Königsberg und Berlin: Ost – Europa Verlag.
Ostpr. Fol. – Ostpreussische Folianten, Geheimes Staatsarchiv „Preussischer Kulturbesitz“, Berlin (in Klammern sind die Dokumentnummer und die Seite angegeben).
Pėteraitis V. 1997: Mažosios Lietuvos ir Tvankstos vietovardžiai, Vilnius: Mažosios Lietuvos fondas, Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Rymut K. 1991: Nazwiska polaków, Wrocław–Warszawa–Kraków: Zakład Narodowy im. Os- solińskich – Wydawnictwo.
Trautmann R. 1925: Die altpreußischen Personennamen, Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht.
Verzeichnis 1906: Verzeichnis sämtlicher Ortschaften in der Provinz Ostpreussen, Berlin.
Verzeichnis 1939: Neues Ortsnamenverzeichnis von Ostpreussen mit den alten und neuen Ortsnamen, Königsberg.
Ziesemer W. 1924: Die ostpreussischen Mundarten, Breslau: Ferdinand Hirt.
ABKÜRZUNGEN
avd. – Personenname
hebr. – hebräisch
liet. – litauisch
lenk. – polnisch
vok. – deutsch
w. – Ortsname
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ZU DEN ZUSAMMENGESETZTEN ORTSNAMEN KLEIN-LITAUENS MIT -KEHMEN / -KEIMEN UND -LAUKEN
Zusammenfassung
Im Artikel werden zusammengesetzte Ortsnamen mit -kehmen / -keimen (lit. kiēmas „Hof“, kàimas „Dorf“) und -lauken (lit. laũkas „Feld“) strukturell und etymologisch untersucht. Das verwendete Material ist aus den Ostpreussischen Folianten des Geheimen Staatsarchivs „Preussischer Kulturbesitz“ in Berlin eingesammelt worden. Die erwähnten Ortsnamen sind in keinem Verzeichnis der Ortschaften Ostpreussens zu finden. Dieser einzigartige Stoff kann viel Information über die Litauer, ihre Sprache, ihr damaliges Leben, Beziehungen zu anderen Völkern erteilen.
In dem Artikel sind 28 zusammengesetzte Ortsnamen Klein-Litauens des 16.–17. Jahrhunderts vorgestellt. In 19 Fällen sind beide Komponenten des Kompositums litauischer (oder wenigstens baltischer) Herkunft. Die erste Komponente von 5 Ortsnamen ist ein deutscher Personen- oder Gattungsname, in einem Fall – ein polnischer Personenname. In 3 Fällen gelang es nicht, die Herkunft endgültig festzustellen.
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