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Iliatyvo resp. prieveiksmio „laukan“ reikšmės ir galimi sinonimai lietuvių kalbos tarmėse

Evija Liparte

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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XLII (2000) Evija LIPARTĖ Lietuvių kalbos institutas, Vilnius BEDEUTUNGEN DES ILLATIVS BZW. DES ADVERBS laukan UND MÖGLICHE SYNONYME IN DEN LITAUISCHEN DIALEKTEN Das Wort laukas (Subst.) ist im Litauischen polysem. In verschiedenen Wörterbüchern werden seine Bedeutungen unterschiedlich angegeben: 1 DŽ 2 DŽ 3 DŽ LKŽ VII 410 359 358 177–178 1. baumloser, gewöhnlich ebener Ort (im Unterschied zum Wald und zu Siedlungen) + + + + 2. Ackerland + + + 3. übertragen: das, was auf den Feldern wächst, Getreide, Sommergetreide + 4. Grundstück bestimmter Größe + 5. Boden, Landfläche + 6. Ort unter freiem Himmel + + + + 7. Außenseite + 8. Ort, an dem etwas getan wird + + + + 9. Dorf, Ansiedlung (im Unterschied zur Stadt) + 10. Physik: Raum, in dem bestimmte Kräfte wirken + + + + 11. Bedingungen eines Kriegsgeschehens, Feldzugs oder einer Expedition + 12. etwas, das im Freien eingerichtet ist + 13. Rand (Schriftspr.) + 14. beim Kartenspiel Tausend: drei beiseitegelegte Karten + In verschiedenen Wörterbüchern litauischer Dialekte sind nicht nur die bereits erwähnten, sondern auch weitere Bedeutungen belegt: Drusk. 185 Laz. 140 Ziet. 343 1. wie in der Standardsprache + + 2. Ackerland + + 3. Grundstück + 4. Ort unter freiem Himmel + 5. Einzelhof + 6. kahle, haarlose Stelle, Glatze + 144 Im Folgenden gilt die Aufmerksamkeit des Artikels nur einzelnen Kasusformen des Wortes laukas, vor allem dem Illativ laukan. Diese Form ist im Litauischen adverbialisiert und wird in den vier wichtigsten litauischen Wörterbüchern sowie in Wörterbüchern einzelner litauischer Dialekte als eigener Eintrag aufgeführt: laukan adv.; ¹DŽ 410 ²DŽ 359 ³DŽ 358 LKŽ VII 176 Drusk. 185 Laz. 140 lauk adv. 1. aufs Feld, ins Freie + + + + + 2. weg, fort + + 3. im Freien + laukan Partikel; ¹DŽ 410 ²DŽ 359 ³DŽ 358 LKŽ VII 176 1. weg, fort + Auf Grundlage der Daten aus den vier oben genannten litauischen Wörterbüchern sowie des von der Autorin gesammelten veröffentlichten und unveröffentlichten Materials zu den litauischen Dialekten1 wurden für die Form bzw. das Wort laukan fünf Hauptbedeutungen ermittelt. Dies geschah anhand der in der Übersicht aufgeführten Kriterien bzw. Merkmale, die sich von denen in den genannten litauischen Wörterbüchern unterscheiden. 1 Die Autorin dankt dem Leiter der Abteilung für Sprachgeschichte und Dialektologie des Instituts für Litauische Sprache, K. Morkūnas, sowie dem Leiter der Wörterbuchabteilung, V. Vitkauskas, herzlich für die Genehmigung, das unveröffentlichte Dialektmaterial und das Ergänzungsmaterial zum LKŽ des Instituts zu nutzen. 145 Zunächst werden die Beispiele mit laukan hier in zwei große Gruppen unterteilt, je nachdem, ob laukan in diesem Beispiel den Ort der beschriebenen Handlung oder deren Ergebnis bezeichnet. Bei der Analyse der Bedeutungen des Wortes bzw. der Form laukan ist dieses Kriterium das wichtigste. 1. Ort der Handlung (unter freiem Himmel). 1.1. Ein unbestimmter, nicht näher festgelegter Ort unter freiem Himmel ist jeder Ort außerhalb der Wände von Räumlichkeiten (z. B. eines Hauses); eine Bewegung an diesen Ort kann mit dem Instrumental laukan, ausgedrückt werden, z. B.: Wenn sich auch Rauch in der Stube ansammelt, braucht man ihn nicht nach draußen zu lassen Šd., Ohne meinen Stock kann ich nicht einmal nach draußen gehen Dv. LKŽ VII 178; ebenso mit der Konstruktion į lauką2 (oder į laukus), z. B.: Lauf nach draußen, um dich ein bisschen auszutoben, danach kannst du wieder lesen Gs. LKŽ I 721, Wir haben uns ein wenig geprügelt und sie nach draußen hinausgeworfen [aus der Stube, in der getanzt wurde] Pžrl.; mit dem Diminutiv laukutis, z. B.: Mütterchen, lass mich nach draußen (ins Freie), ich möchte ein wenig herumrennen Ig.; sowie mit dem Adverb laukanas – geh nach draußen, rauch nicht drinnen Šts. In den litauischen Dialekten werden mit dieser Bedeutung auch Formen des Wortes oras „Luft“ verwendet, oran, z. B.: Geht nach draußen, Kinder, spielen Ut. LKŽ VIII 1011, Sie lief nach draußen, zur Kirche Lnk. LKŽ I 678, Geh morgens nach draußen, es ist schön und gesund Ob. LKŽ VIII 1011; ebenso Präpositionalkonstruktionen wie į orą, ant oro, z. B. Ich gehe nach draußen K. LKŽ VIII 1012, [die Mädchen] wuschen sich und gingen nach draußen Paparčiai, Mach die Tür zu, denn wir können schon nicht mehr nach draußen Pb. LKŽ VIII 1012. Hier ist auch das Diminutiv oriukas möglich – Lass mich ein bisschen an die frische Luft Mžš. ebd. 1.2. Ein konkreter Ort unter freiem Himmel kann zweierlei sein. 1.2.1. Ein konkreter Ort unter freiem Himmel ohne näher angegebene Zweckbestimmung. In diesem Fall ist die Hauptfunktion des Wortes laukas und auch seiner Kasusformen die Unterscheidung: laukas steht im Gegensatz zu Wald und Siedlung, z. B.: Der Feldvogel blickt nach draußen J.Jabl. LKŽ VII 177,... Die Kinder... auf dem Feld und am Waldrand verbrennen trockenes Holz Vyžuonos, die Kuh muss aufs Feld hinausgeführt werden [zum Weiden] Kybartai, Wir treiben die Kühe zum Weiden aufs Feld hinaus Ziet. 195; oder laukas (häufiger in der Pluralform laukai) steht im Gegensatz zur Stadt, z. B.: Ich wollte schon aufs Land gehen Zietela, oder sogar zum Dorf, z. B.: Früher lebten wir im Dorf, erst später zogen wir aufs Land hinaus (auf Einzelhöfe) Vl. LKŽ VII 178. Übrigens ist es der Autorin bislang gerade nicht gelungen, die Instrumentalform laukan mit dieser der Stadt und dem Dorf entgegengesetzten Bedeutung „Einzelhof“ zu finden. Erwähnenswert ist auch der Gebrauch des Instrumentals laukan in der Bedeutung des Inessivs „auf dem Feld“: Als ich klein war, hütete ich auf dem Feld [die Kühe] Zt. Hier zeigt sich ein Phänomen, das nur für die Mundarten des südlichen Teils der südlichen Aukštaiten kennzeichnend ist: die Verwechslung zweier Lokalkasus (des inneren Richtungsfalls (Illativs) und des inneren Ortsfalls (Inessivs)), mit anderen Worten: zwei Lokalkasus werden vermischt- 2 Ausgehend davon, dass „eine Präposition in der Sprache eine ähnliche Rolle spielt wie eine Kasusendung: Sie hilft, die Beziehungen zwischen Wörtern auszudrücken“ (DLKGɾ 437), und davon, dass in der grammatischen Struktur des Litauischen Verbindungen des Typs „Verb + Substantiv“ und „Verb + Präposition + Substantiv“ als synonym gelten (vgl. Valiulytė 1998:10), wurden die Form laukan und die Präpositionalkonstruktion į lauką hier als Synonyme analysiert. 146 zusammen in eines.3 Vgl. auch: Heute gehst du nicht aufs Feld (auf den Acker) Lzd. LKŽ VII 178 und LKA III, Karten Nr. 48 und 44. 1.2.2. Konkreter Ort – ein Feld mit einem angegebenen, bestimmten Zweck. Der Zweck des Feldes kann durch ein vor dem Wort Feld stehendes Attribut angegeben werden. Es zeigt an, was sich auf diesem Feld befindet, z. B.: Roggenfeld, Kartoffelfeld, oder was dort geschieht, z. B. Schlachtfeld. Wenn ein solches Attribut fehlt, bedeutet das Wort Feld Ackerland, Boden. Der Illativ laukan oder die Präpositionalfügung į lauką zeigt hier an, dass die Bewegung an diesem Ort endet, und impliziert, dass dort eine andere Handlung beginnt (oder fortgesetzt wird), z. B.: Damals gingen wir spät aufs Feld (mit der Erklärung: Wir begannen, das Land zu bearbeiten) Alk. LKŽ VII 177, Aisim arce in laukó Laz. 140, Der Faulpelz ist als Letzter auf dem Feld und als Erster wieder vom Feld PPr 103 LKŽ VII 177, Er war beleidigt, weil ich ihm im Sommer vielleicht nur ein wenig Speck aufs Feld hinausgegeben hatte V. Krėv. LKŽ VII 177. 2. Das Wort laukan || lauk hebt das Ergebnis der Handlung hervor. 2.1. Als unmarkiertes Glied dieses Gegensatzpaares gilt vermutlich das Befreien – etwas wird aus einem geschlossenen Raum, einem Gebäude, einer unangenehmen Lage usw. herausgenommen, herausgezogen. In diesem Fall wird der Ort angegeben, an dem die Handlung stattfindet, ihr Ergebnis jedoch nicht lokalisiert, z. B.: p’l’ėšau ės po tós t’el’yc’os laukan koja Tarvydai. Mit dieser Bedeutung werden auch andere lautliche Varianten dieses Adverbs verwendet: lauka, lauk, lau-ku, z. B.: v’yrs nūd’en g’ė duōb’e i saka pāčei / ka l’ystu laukā Šakyna, die Kartoffeln sind schon ganz verkohlt, kratz sie aus dem Ofen heraus Skr. LKŽ I 139. 2.2. Mit dem Adverb laukan sowie seinen Varianten lauka, lauku, lauk kann auch der Verlust von etwas ausgedrückt werden, d. h. etwas tritt (freiwillig) zurück, verschwindet oder wird beseitigt. In solchen Fällen entspricht die Bedeutung der Adverbien laukan, lauk nicht nur der Bedeutung des Präfixes iš-, sondern ist auch den Bedeutungen der Adverbien vollständig, gänzlich, endgültig nahe und bezeichnet die Unumkehrbarkeit der Handlung. Z. B.: Pflüge diese Wiesen um, hier wächst nur schlechtes Gras, der Boden wird besser sein Šts. LKŽ VII 176, Die Fichten vertrockneten ganz, wurden rot Šts. LKŽ VII 177, im September fliegen [die Vögel] weg (mit dem Kommentar „flogen ganz fort“) Mosėdis, darīs aperāce.le, rēk jimte to blūžni lauk Trk.4, anu pājeme minàs rinkte lauk po_ kāra Akm., die Litauer vertrieben die Franzosen Sokaičiai u. a. Mit dieser Bedeutung können in den litauischen Dialekten auch Formen des Wortes oras verwendet werden, z. B.: Gieß diesen Dreck nach draußen Ds. LKŽ I 800, drob’in’ėtus tanč’un 3 Nach Ansicht der Autorin gehört auch das Beispiel Weder die Hausfrau ins Zimmer noch die Arbeiterin aufs Feld Skr. zu dieser Gruppe. In LKŽ IV 5 ist es als Beleg für Präfixkonstruktionen mit į angeführt, die eine Ziel- bzw. Zweckbedeutung der Handlung haben, neben den Verbindungen in den Kampf, zur Arbeit, zum Essen usw. 4 Zu diesem Beispiel hat der es aufgezeichnete Prof. A. Girdenis angemerkt, dass lauk ein „Postverb ist, das die Verben ‚nehmen‘, ‚ziehen‘ usw. hervorhebt“. Bei anderen ähnlichen, von Prof. A. Girdenis aus dem Nordwesten Litauens (Tirkšliai, Akmenė, Žemalė) aufgezeichneten Beispielen finden sich Hinweise darauf, dass lauk in postpositionaler Bedeutung verwendet wurde; dass es ein „Postverb im Zusammenhang mit dem Ereignispräfix iš-“ ist; „ein Postverb, das iš- entspricht“. 147 v’ąs’im, o pākul’in’ius vörin išm’ės’im (d.) Ziet. 157, und krak’enos… parn’ėsau – baisù ir oran išp’įl’c – geltonas / LTT I 12. Es sei hinzugefügt, dass die Grenze zwischen den Untergruppen 2.1 und 2.2 nicht sehr deutlich ist.5 Aus all diesen Beispielen wird recht deutlich, dass laukan, das das Ergebnis einer Handlung (Befreiung oder Verlust) bezeichnet, sich bereits stark von den Bedeutungen des Substantivs laukas entfernt hat und, wie Prof. A. Girdenis festgestellt hat, lauk // laukan sich hier eher an das Verb anlehnt. Außerdem gibt es nur in der zweiten Gruppe neben laukan auch verkürzte Formen (Varianten), lauka, lauku, lauk. Das zeigt, dass hier eine Grammatikalisierung der Illativform des Substantivs laukan stattgefunden hat: Ein selbstständiges, syntaktisch unabhängiges Wort (Substantiv) wird zu einer syntaktisch abhängigen, grammatischen Hilfseinheit (die den Verbalaspekt anzeigt), wobei es nicht nur seine Bedeutung verändert, sondern auch einen Teil seiner Substanz verliert.6 In einzelnen Äußerungen der zweiten Gruppe kann laukan neben der grammatikalisierten (aspektuellen) Bedeutung auch seine ursprüngliche, lokale Bedeutung bewahrt haben. In solchen Äußerungen ist jedoch meist nur der Ausgangspunkt der Handlung (Bewegung) lokalisiert, während ihr Endpunkt nicht bestimmt ist, z. B.: ons, jau, ānū tu, vel’n(’) / varīs lāuk // iš t’os trōb’os Tirkšl. 117, stūmket ānū / pār dūrs lāuk7 ebenda 247, ale tās… kr’ites i sāva rātus ir’ is’le’kes is kiema lāuka Žagarė LKT 150, prūo, dorės lāukūon Dūnin. 169, Āik laukan! Ziet. 140, Eik lāuka, šuneli K lov. LKŽ VII 176, tāmsta, iš’eik lauk (im Streit) Možūriškiai. lauk // laukan und oran lassen sich in diesen Beispielen mit den sogenannten Verbpartikeln anderer Sprachen vergleichen, z. B. dt. aus-, heraus-, hinaus-, engl. out, finn. ulos, est. välja usw. Palyginkime: vok. ich gehe aus dem Zimmer hinaus an. I’m going out of the room suo. minä menen huonesta ulos lyv. ma läb tubast ulzō liet. aš einu lauk // laukan // oran iš kambario aš einu iš kambario lauk // laukan // oran 5 Die Grenzen zwischen den Gruppen 2.1 und 2.2 sind nicht sehr deutlich. Oft lässt sich ein und dieselbe Äußerung unterschiedlich interpretieren, z. B.: dōn t(i)s prā-ded ge’l’it(e), kē.t(a) ēsėję.m(a) nabō.v(a) – trā-uk t(ę) lā-ukūon Plungė LKT 82. Aus der Perspektive eines Menschen handelt es sich um ein Loswerden (2.2), aus der Perspektive des Zahns dagegen um eine Befreiung (2.1). Sehr häufig erlauben kurze Beispiele aus den litauischen Dialekten keine genaue Bestimmung der Bedeutung von laukan. Dann bedarf es eines umfassenderen Kontexts oder einer Situationsbeschreibung. Doch auch das hilft nicht immer. Es gibt sehr viele Beispiele, die sich schlicht unterschiedlich interpretieren lassen. So sind etwa drei Interpretationen der Bedeutung von laukan im Beispiel ūož’i’s b’ieg’es tuos dārž’un’ies ta’ukūon Klykoliai LKT 45 möglich. Nach dem vorgestellten Schema könnte hier die Bedeutung 1.1, 1.2.1 oder 2.1 vorliegen. Ähnlich verhält es sich mit der Präpositionalphrase į lauką, z. B. Pranelis paskui tėvelį išbėniojo į lauką Skr. LKŽ I 870. 6 Zur Grammatikalisierung (dt. Grammatikalisierung) siehe 2Bußmann 289–291. 7 Aus technischen Gründen ist die diakritische Zeichensetzung in den Beispielen aus der Textsammlung „Taip šneka tirkšliškiai“ hier vereinfacht. 148 lett. es eju ārā // laukā no istabas es eju no istabas ārā // laukā Das bedeutet, dass auch in den baltischen Sprachen lauk // laukan sowie oran als Teile von Partikelverben aufgefasst und als solche untersucht werden können. Partikelverben in den baltischen Sprachen entsprechen jedoch nicht vollständig den Partikelverben germanischer oder finno-ugrischer Sprachen: Ihre Formen, grammatischen Bedeutungen und Funktionen unterscheiden sich teilweise. Eine Besonderheit der Partikelverben in den baltischen Sprachen besteht darin, dass sie neben den entsprechenden Präfixverben existieren und mit diesen Korrelatpaare bilden. Eine solche Korrelation von Partikel- und Präfixverben ist im Lettischen sehr weit verbreitet, wo dieses Phänomen ein vollständiges, mit den Verbalaspekten verbundenes System bildet. Ein Partikelverb, z. B. iet ārā ar iet laukā (lit. eiti oran ar eiti laukan), drückt den Verlaufsaspekt aus, während ein Präfixverb, z. B. iziet (lit. išeiti), zur Bezeichnung des Ereignisaspekts verwendet wird.⁸ Einige Beispiele aus litauischen Dialekten zeigen, dass ein ähnliches System oder zumindest seine Überreste bzw. Ansätze auch im Litauischen oder zumindest in einzelnen seiner Dialekte vorhanden sein könnten. Vergleichen wir: hinauswerfen – wegwerfen kat [der Storch] numàn(a), dass blùoks mēc, mèt lāukā maž(a) gandrīt(i) Plikiai LKT 133 – wenn der Storch ein oder zwei seiner Jungen aus dem Nest wirft, wird das Jahr schlecht Kp. LKŽ VIII 61. herausziehen – ziehen (in der Bedeutung „(das Hemd) aus dem Hosenbund herausziehen“) Zieh mir das Hemd heraus (=aus der Hose)! Jrb. – Das Hemd ist oben herausgezogen Er. LKŽ IX 876. herausreißen – ausreißen (in der Bedeutung „aus den Wurzeln herausziehen, herausreißen“) pavāsar da jāusēm / to_saldēnē [den Apfelbaum – E. L.] lāuk Tirkšl. 183 – Es gab einen Sturm, er riss die Bäume mitsamt den Wurzeln heraus Vvr. LKŽ XI 328. Das durch Partikelverben entstandene System aus drei Aspekten in den nordlitauischen Dialekten ist bereits beschrieben worden; siehe Girdenis, Kači uškienė 1986: 21 ff. In jenem Artikel wird der durch Partikelverben ausgedrückte Aspekt als Perfektinativ bezeichnet – als „im Verlauf befindlicher“ (russ. совершающиеся) Aspekt. Nach Ansicht der Verfasser des Artikels ist dieses Phänomen in den nordlitauischen Dialekten (insbesondere im Niederlitauischen) unter dem Einfluss der benachbarten lettischen Sprache entstanden, in der ebenfalls ein solches System aus drei Aspekten existiert. Um die Richtigkeit solcher Behauptungen überprüfen zu können, werden mehr Beispiele für Partikelverben aus dem gesamten Gebiet Litauens benötigt, insbesondere aus dessen östlichem und südlichem Teil. Gerade aufgrund der Heterogenität des verfügbaren Materials sind bislang nicht festgestellt worden ⁸ Zu Partikelverben und ihrer Korrelation mit Präfixverben sowie Partikel-Präfixverben in den lettischen Dialekten siehe Liparte 1996: 30 ff. Dort ist auch die einschlägige Literatur angegeben. 149 Verbreitungsgebiete partikelartiger Verben in den litauischen Dialekten. Dennoch lässt sich bereits feststellen, dass dieses Phänomen nicht ausschließlich für die hochlitauischen und niederlitauischen Dialekte im lettischen Grenzgebiet charakteristisch ist (aus denen die meisten der untersuchten Beispiele stammen), was es ermöglichen würde, es als durch den Einfluss der lettischen Sprache entstanden anzusehen. Vereinzelte Beispiele sind auch aus den west- und mittelhochlitauischen Dialekten sowie aus litauischen Sprachinseln jenseits der litauischen Grenze in Belarus aufgezeichnet (Zietela, Lazūnai, Ramaškonys). Bei lauk // laukan ist wie bei anderen aus nominalen Lokativformen hervorgegangenen Adverbien auch die Verwendung der verschiedenen litauischen Lokalkasus – Illativ und Inessiv – in den litauischen Dialekten zu berücksichtigen. Dies ist eine Möglichkeit, die Grenze zwischen laukan als Illativform eines Substantivs und laukan als Adverb zu bestimmen, also die jeweilige Stufe der Adverbialisierung dieser Illativform in den verschiedenen Dialekten. Auf der Grundlage dieses Kriteriums sind im akademischen Wörterbuch der litauischen Sprache laukan als Adverb und laukan als verstärkende Partikel in getrennten Einträgen aufgeführt. Eine weitere Besonderheit im Gebrauch verbaler Partikeln (darunter auch laukan, oran), die nur für die baltischen Sprachen und das von ihnen beeinflusste Livische charakteristisch ist, besteht darin, dass sich eine Partikel an ein präfigiertes Verb anschließen kann, das den Ereignisaspekt ausdrückt, und so ein sogenanntes partikelartiges Präfixverb bildet. In solchen Fällen hebt die Partikel lediglich das Handlungsergebnis hervor oder präzisiert die Lage ihres Endpunkts (wenn die lokale Bedeutung des Verbalpräfixes polysemantisch oder „verblasst⁹“ ist), z. B.: Manę n’išmuši iš šiltos istubos lauku Mit 67. LKŽ VII 188, ale tās.. kr’ites i sāva rātus ir is’lēkes is kiema lāuka Žagarė LKT 150, ta mūotręšk(a) ę’m ę išęruops’tę’n lā’uk(o) Lapiai LKT 84, Kas per daug – išmesk lauk Marijampolė, Tō valgīo dā išsimeta lauk (geht verloren) Prn., a krāk’ēnos … paũn’ēšau – baisū ir ōran išp’īl’e – geltōnas Ramaškonys LTT I 12, dukt’ē oran išėjo / ebd. 34. Im Litauischen ist eine Phraseologismus-Euphemismus-Verbindung mit dem Wort bzw. der Form laukan weit verbreitet: eiti laukan „sein Geschäft verrichten“, z. B. sustoję ma šlapūms i lāuka ējims Jrb., Sublūro žmogus, t.y. tankiai bėga laukan, susividūriavo J. LKŽ I 931, ka_tęn gōli (ligoninėje)/ nūę tęn lauk gāli išęte | rēk vãistus dōute ka_išvaritu Plateliai. Hier wird auch das Wort bzw. die Form oran verwendet, z. B. Vaikui viduriukai susiturėjo – trečią dieną oran neina Vb. LKŽ VIII 1011, Pilvas sopa, bėga oran (hat Durchfall) Ob. ebd. Als Phraseologismus hat die Verbindung eiti laukan bzw. eiti oran eine spezifische Bedeutung erlangt, die nicht transparent ist (d. h. nicht der Summe der Bedeutungen beider Verbindungskomponenten entspricht), wie sich die Bedeutungen der meisten zuvor erwähnten Beispiele beschreiben ließen. Deshalb können Synonyme der Verbindung eiti laukan nicht nur Verben sein— 9 Zur Wiederholung von Adverbien (Partikeln) am Satzende in Sätzen mit Verbalpräfixen, die eine Bewegungsrichtung mit „verblasster Bedeutung“ bezeichnen, in anderen Sprachen siehe Recha 1893: 74. 150 Verb išeiti (wie oben gesehen), sondern auch andere Verben – Ableitungen derselben Wurzel lauk-, nämlich laukinėtis, išsilaukinėti, nusilaukinėti, laukuotis, nusilaukioti, z. B.: Žmogus ten eit laukinėties KlvrŽ. LKŽ VII 181, Vaikas išbėgo laukan išsilaukinėti Vks. ebd., Nusilaukuok čia, ir bus gerai Lp. LKŽ VII 189, sowie ähnliche Phraseologismen mit anderen Substantiven, z. B. an kiemo eiti „Stuhlgang haben“: ānas an k’íemo č’āsta ait’i Ziet. 290. Unter den anderen Sprachen ist das Deutsche zu erwähnen, in dem die Bedeutung „sein Geschäft verrichten“ ebenfalls mit einer Ableitung des Präfixes (genauer: der Partikel) aus- ausgedrückt wird, nämlich mit austreten. Im dem Litauischen am nächsten verwandten Lettischen wird neben dem standardsprachlichen präfigierten Verb iziet, z. B.: Jāpajautā /slimniekam/..., cik reizes vēders iziet dien-naktī.. LLVV VIII 345, mit dieser Bedeutung eine andere Redewendung verwendet – mit dem Adverb bzw. der Partikel cauri – vēders iet cauri umg. LLVV VIII 346, [vēders iet cauri] gespr. LFraz II 535.10 Im Lettischen korrelieren partikelartige Verben mit cauri ebenso wie partikelartige Verben mit lauka bzw. ārā mit Verben, die das Präfix iz- enthalten, z. B.: durch den Hof hindurchfahren – durch den Hof fahren; vom Hof nach draußen hinausgehen – den Hof verlassen. Die Korrelationsmöglichkeiten einzelner Partikeln sowie die Redewendungen mit ihnen in den genannten Sprachen müssen noch untersucht werden. ABKÜRZUNGEN b.g. – bez gada – ohne Jahr sar. – sarunvalodas stilistiskā nokrāsa – stilistische Färbung der Umgangssprache t.p. – ebenda vienk. – vienkāršrunas stilistiskā nokrāsa – stilistische Färbung der Vulgärsprache vs. – versus – entgegen Die Abkürzungen der Quellen- und Ortsangaben für litauische Sprachbeispiele wurden aus dem LKŽ übernommen. LITERATUR UND QUELLEN 2Bußmann – B u ß m a n n H. Lexikon der Sprachwissenschaft, zweite, völlig neu bearbeitete Aufl.Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1990. DLKGг – Grammatik der litauischen Gegenwartssprache, Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädienverlag, 1994. 1DŽ – Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache, red. J. K r u o p a s, Vilnius: Verlag für politische und wissenschaftliche Literatur, 1954. 2DŽ – Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache, red. J. K r u o p a s, Vilnius: Mintis, 1972. 10 Möglicherweise hängt diese Redewendung im Lettischen mit dem Adjektiv caurs „durchlöchert“ zusammen, vgl. Caurs vēders sar. – Durchfall. LVV 845. 151 3DŽ – Wörterbuch der Gegenwartssprache Litauens, red. S. K e i n y s, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1993. Drusk. – N a k t i n i e n ė G., P a u l a u s k i e n ė A., V i t k a u s k a s V. Wörterbuch des Dialekts von Druskininkai, Vilnius: Mokslas, 1988. Dūnin. – V i t k a u s k a s V. Wörterbuch der Mundarten der nordöstlichen Dūnininkai, Vilnius: Mokslas, 1976. G i r d e n i s A., K a č i u š k i e n ė G. 1986: Parallele Erscheinungen in den lettischen und nördlichen litauischen Verbalsystemen. – Kalbotyra 37(1), Vilnius, 21–27. Laz. – P e t r a u s k a s J., V i d u g i r i s A. Wörterbuch des Lazūnai-Dialekts, Vilnius: Mokslas, 1985. LFraz – L a u a A., E z e r i ņ a A., V e i n b e r g a S. Latviešu frazeoloģijas vārdnīca 1–2, Rīga: Avots, o. J. L i p a r t e E. 1996: Par dažiem partikulyverbiem un to lietojumu Engures un Mērsaga izloksnē. – Baltu Filoloģija 6, Rīga, 30–36. LKA III – Atlas der litauischen Sprache 3. Morphologie, Vilnius: Mokslas, 1991. LKT – Lietuvių kalbos tarmės (Chrestomatija), Vilnius: Mintis, 1970. LKŽ I – Wörterbuch der litauischen Sprache 1, zweite Auflage, red. J. K r u o p a s, Vilnius: Mintis, 1968. LKŽ IV – Wörterbuch der litauischen Sprache 4, red. K. U l v y d a s, Vilnius: Staatlicher Verlag für politische und wissenschaftliche Literatur, 1957. LKŽ VII–IX – Wörterbuch der litauischen Sprache 7–9, red. J. K r u o p a s, Vilnius: Mintis, 1966, 1970, 1973. LKŽ XI – Wörterbuch der litauischen Sprache 11, red. K. U l v y d a s, Vilnius: Mokslas, 1978. LLVV VIII – Wörterbuch der lettischen Literatursprache 8, Rīga: Zinātne, 1996. LTT I – Texte litauischer Dialekte 1, Balatna (Varanavas), bearb. E. G r i n a v e c k i e n ė, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1994. LVV – Latviešu valodas vārdnīca, red. D. G u ļ e v s k a, Rīga: Avots, 1987. R e c h a C. 1893: Zur Frage ueber den Ursprung der perfectivierenden Function der Verbalpraefixe. Dorpat: Schnakenburg’s Buchdruckerei. Tirkšl. – G i r d e n i s A. So sprechen die Tirkšliai, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1996. V a l i u l y t ė E. 1998: Dabartinės lietuvių kalbos sintaksiniai sinonimai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Ziet. – V i d u g i r i s A. Wörterbuch der Mundart von Zietela, Vilnius: Institut für Wissenschaft und Enzyklopädienverlag, 1998. DIE BEDEUTUNGEN UND MÖGLICHEN SYNONYME DES ILLATIVS BZW. ADVERBS laukan IN DEN LITAUISCHEN MUNDARTEN Zusammenfassung In diesem Artikel werden nur einige Kasusformen (vor allem der Illativ laukan) des polysemischen litauischen Substantives laukas ‘Feld, Acker, Land, das Freie’ betrachtet. Der Illativ laukan ist bereits zum Adverb geworden. Die Bedeutungen des Illativs bzw. Adverbs laukan sind hier in 2 große Gruppen und mehrere Untergruppen eingeteilt, je nachdem es den Ort oder das Resultat einer Handlung betont. Im ersten Fall hat laukan noch eine enge Beziehung zu dem Substantiv laukas, im zweiten Fall hat es diese Beziehung schon verloren und ist als ein Teil des Partikelverbs zu betrachten. Evija LIPARTE Lietuvių kalbos institutas Antakalnio g. 6 LT-2055 Vilnius, Lietuva El. paštas [email protected] Eingegangen am 27.08.1999 152