Mikalojaus Daukšos „Katekizmo“ (1595) sudėtiniai aiškinamieji sakiniai
Full text
ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
XLVII (2002), 19–29
Mikalojaus Daukšos Katekizmo (1595)
zusammengesetzte erklärende
Sätze*
ARTŪRAS JUDŽENTIS
Institut für Litauische Sprache, Vilnius
Dieser Artikel behandelt zusammengesetzte Sätze mit Ergänzungssätzen in M. Daukšas Katekizmas sowie in seinem Trumpas būdas pasisakymo nuodėmių (1595). Besonderes Augenmerk gilt der syntaktischen Struktur dieser Sätze und den semantischen Beziehungen zwischen den Teilsätzen. Sie werden mit den entsprechenden Satzmodellen des modernen Standardlitauischen verglichen. Es wird die Schlussfolgerung gezogen, dass Daukšas Sprache keine eigentlichen Komplementierer kannte, also semantisch leere Einleiter der Einbettung. Stattdessen finden sich Subordinatoren, die verschiedene Arten semantischer Beziehungen zwischen Ergänzungssatz und Hauptprädikat ausdrücken; ähnliche Arten semantischer Beziehungen spiegeln sich in Adverbialsätzen wider, die von denselben Subordinatoren eingeleitet werden.
0. EINLEITUNG
Erklärende Sätze der heutigen Standardsprache1 werden durch die vieldeutigen Konjunktionen kad, jog oder durch Konnektoren eingeleitet, die indirekte Fragen einführen (Ambrazas 1994: 669–670). Die Konjunktionen kad, jog werden in akademischen Grammatiken auch als bedeutungsleer oder funktional bezeichnet (asemantic, polyfunctional conjunctions), da sie den Nebensatz mit dem Hauptsatz verbinden, aber die Art ihrer Beziehung nicht angeben (Ambrazas 1994: 661; 1997: 720).
Der Vergleich älterer litauischer Schriften mit der heutigen Standardsprache zeigt grundlegende Veränderungen im Aufbau zusammengesetzter Satzgefüge. In diesem Artikel werden erklärende Sätze aus zwei Werken von Mikalojaus Daukša untersucht, die 1595 in einem Konvolut erschienen sind – Katekizmo2 und
* Der Artikel wurde auf der Grundlage des Materials des vom Litauischen Staatlichen Wissenschafts- und Studienfonds geförderten Projekts „Zusammengesetzte Sätze in M. Daukšas Katekizmas von 1595Katekizmo sakiniai“ verfasst. Das Projekt wurde gemeinsam mit Jūratė Pajėdienė durchgeführt; seine Registrierungsnummer lautet 96-163/3G. Für wertvolle Hinweise bei der Vorbereitung des Artikels danke ich herzlich Professor Akselis Holvoetas.
1 Als erklärende Sätze werden in diesem Artikel, wie auch in neueren litauischen sprachwissenschaftlichen Arbeiten, zusammengesetzte Satzgefüge bezeichnet, deren Nebensätze von Verben, Verbalnomen, Adjektiven, Partizipien und Adverbien abhängen, die im Hauptsatz als Prädikat fungieren, und die syntaktische Funktion des Subjekts oder Objekts des Hauptsatzes übernehmen (vgl. Ambrazas 1994: 665, 668–669; 1997: 725–726; Labutis 2002: 157–158). Der Nebensatz eines erklärenden Satzes besetzt die vom Prädikat des Hauptsatzes eröffnete Position eines valenzgebundenen Aktanten (vgl. Labutis 2002: 157).
2 KATHECHISMAS ARBA MOKSLAS KIEKIWENAM KRIKSZCZIONII PRIWALVS. Im Folgenden im Artikel: Katekizmas.
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Ein kurzer Bekenntnistext der Sünden3 – sind explikative Sätze4. Anders als in der heutigen Standardsprache werden darin die Konjunktionen idant, jog und jei(g(u)) verwendet, mit denen Daukša auch adverbiale Nebensätze verbindet5. Die in der heutigen Standardsprache vorherrschende Konjunktion explikativer Sätze, kad6, verwendet Daukša nur in Temporalsätzen sowie in den ihnen nahestehenden Kausal- und Konditionalsätzen.
1. S Ä T Z E M I T idant
Die Konjunktion idant ist das von Daukša am häufigsten verwendete Verknüpfungswort in zusammengesetzten Sätzen: In Katekizmas und Trumpas būdas wurden 144 zusammengesetzte Sätze mit dieser Konjunktion gefunden. Ihr Nebensatz ist durch eine unmittelbare syntaktische Beziehung mit dem Prädikat des Hauptsatzes verbunden oder modifiziert andere Satzteile des Hauptsatzes. Vom Prädikat des Hauptsatzes geforderte, d. h. explikative Sätze machen nahezu die Hälfte aller gefundenen zusammengesetzten Sätze mit dieser Konjunktion aus (68 Belege). In den untersuchten Werken fanden sich nur einige Beispiele mehr für adverbiale Nebensätze, die als freie Elemente der semantischen Struktur des zusammengesetzten Satzes auftreten, als für explikative Sätze.
Nebensätze mit idant, die vom Prädikat des Hauptsatzes nicht gefordert werden, obwohl sie syntaktisch unmittelbar mit ihm verbunden sind, erfüllen im zusammengesetzten Satz die Funktion eines Finalsatzes⁷ (a) oder eines Konsequenzsatzes⁸ (adverbialen Satzes). Für Letztere sind Korrelate⁹ charakteristisch, die ihre syntaktische Funktion hervorheben, z. B.:
a) wiƒƒos tos náktis atait /// idáṅt’ ant’ mûƒƒu vžgrútu // ir mus vžƒlęgtu. (wßytkie ty // nocy przychodzą / aby na nas v- // padły y nas zakryły.) 16918–20
3Trumpas Budas Paƒiƒákimo arba įpažinimo Nūdemių. Im Folgenden im Artikel: Trumpas būdas.
4 Explikative Sätze des Alt-litauischen sind bislang nicht gezielt untersucht worden. Angaben zu einzelnen Typen, insbesondere zur Verwendung von Konjunktionen in ihnen, finden sich in den Studien von A. Leskien (1903), E. Hermann (1912, 1926) und J. Palionis (1967). Entsprechende Sätze der heutigen Standardsprache werden in Grammatiken behandelt (Jablonskis 1911/1957, 1922/1957; Balčikonis, 1982; Balkevičius 1963; Sirtautas, Grenda 1988; Ambrazas 1972, 1976, 1994, Ambrazas, Hrsg. 1997; Labutis 2002); speziell mit Objektsätzen der heutigen Sprache hat sich V. Būda befasst (1979; siehe auch seine Arbeit von 1987).
5 Die Final-, Kausal-, Konditional- und Konsequenzsätze der heutigen Standardsprache und der alten Schriften mit diesen Konjunktionen wurden am ausführlichsten von L. Drotvinas untersucht (1958, 1961, 1962, 1963a, 1963b, 1964, 1967). Sie werden auch in den erwähnten Grammatiken des Litauischen behandelt. Unter den neueren Untersuchungen einzelner Typen adverbialer Nebensätze sind die Arbeiten von S. Girdėnienė (2000, 2001), E. Kibildaitė (2001), J. Liutkutė (Erichsmeier) (Liutkutė 1998, 2000, Erichsmeier 2002) und V. Našlėnaitė (Eberhardt) (2001, 2002) zu nennen.
6 Der Gebrauch der Konjunktion kad im heutigen Litauischen wird in der Studie von J. Žukauskaitė (1957) beschrieben.
7 Der Artikel geht davon aus, dass die semantische Struktur der Verben der Bewegung keine Finitivfunktion enthält, die durch explikative Sätze ausgedrückt werden könnte; daher werden die entsprechenden Nebensätze den adverbialen Nebensätzen zugeordnet. Die Autorin des „Wörterbuchs der Valenz litauischer Verben“, N. Slizienė, vertritt eine andere Auffassung; vgl. ateiti (Šlienė 1994: 105).
8 In akademischen Grammatiken werden solche Sätze als deskriptive Sätze mit direkter Unterordnung angesehen (vgl. Ambrazas 1976: 836–842; 1994: 678–680, Ambrazas, Hrsg. 1997: 735–737 (correlative clauses)); in traditionellen Grammatiken gelten sie als Nebensätze des Prädikats, des Attributs oder der Modalbestimmung (vgl. Jablonskis 1911/1957: 492, 495, 506 u. a.). L. Drotvinas erkennt in Konsequenzsätzen eine „gemischte, explikative Bedeutung von Ursache und Bedingung“ (1964: 22).
9 Hier und im Folgenden wird nach der von V. Jakštienė und J. Palionis besorgten Ausgabe von Katekizmas und Trumpas būdas (1995) zitiert.
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b) gib sie mir // so zu umarmen / und mich anzuschließen // und aufzunehmen / damit sie weder im Leben // noch im Tod von dir // getrennt sein könnte. (rāçį ʃą ták // obłąpić / y ku fobie przyiąc / aby // áni w żywocie / ani w śmierci // od ciebie oderwana byc niemo- // głą.) 16818–22
Die mit dem Hauptprädikat nicht unmittelbar verbundenen Nebensätze mit idant modifizieren das Objekt (a) oder das Attribut (b) des Hauptsatzes10. Ihre konsekutive Bedeutung ist mit der Bedeutung des Zwecks, des angestrebten Sachverhalts, vermischt, vgl.:
a) Weißt du ein Heilmittel, idant dass jemand niemals falsch schwören könnte? (Wießże ty iákie lekárʃtwo // ʃeby kto nigdy krzywo nie przy- // ʃięgał?) 791–3 b) dich liebend [...] liebe ich // so innig, idánt alle meine Eingeweide in deiner Liebe // entbrennen mögen (mi- // ʃųąc cię [...] miłośćią tak gorą- / cą / aby wʃytkie wnętrzności // moje gorzały w miłości twey) 1676–10
Erläuternde Nebensätze mit idant haben im Satzgefüge die syntaktische Funktion des Subjekts oder des Objekts. Als Objekt fungieren diejenigen erläuternden Nebensätze, die von Folgendem gefordert werden:
a) verba desiderativa, d. h. Verben, die Willensakte oder Bemühungen um das Erreichen eines bestimmten Ziels ausdrücken: norėti, rūpintis sowie die Fügung padaryti pasįgėjimą ‘sich bemühen, sich kümmern’:
ich kann // Gott bitten, idant er durch meine Sünden // und meine Taten die Heiligen // mit uns vereinen möge 664–8 Du wolltest, idánt ich eine Truhe des Testaments sei (Tyś chciał abẏch był iáko // ʃkrzynią Teʃtámentu) 1666–8
b) verba postulandi, d. h. Verben und Fügungen, die Sprechakte ausdrücken, die das Verhalten des Adressaten beeinflussen sollen (melsti, prašyti, liepti, graudinti ‘napomnieć’, įgraudinti ‘napominać’, padaryti paragįnimą):
Wie erfüllen wir das dritte Gebot [...]? Indem wir gebieten, idánt auch diejenigen, die unserer Herrschaft unterstehen, ebenso handeln. (Jáko záchowamy trzéće // przykazánie [...]? czyniąc tę aby y inni // nam porucżeni / Mßey ʃuchałi.) 7915–809
c) verba timendi (das Verb „sich fürchten“):
fürchtet euch, idánt Gott euch nicht etwas Böses widerfahren lasse (boyćie ʃię // ʃkaráńia Bożego) 815–7
d) verba sentiendi – die Imperativform des Verbs atminti „sich erinnern“ (die Konjunktion idant ist für Sätze mit diesen Verben generell nicht typisch):
10In traditionellen Grammatiken werden sie als Attributsätze angesehen (vgl. Jablonskis 1911/1957: 494–495; Balčikonis 1982: 125; Balkevičius 1963: 342, 345; Sirtautas, Grenda 1988: 163–164), in akademischen Grammatiken dagegen als direkt angeschlossene attributive oder erläuternde Nebensätze (vgl. Ambrazas 1976: 830, 840–843).
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Denk daran, den Feiertag zu heiligen. (Pamiętaj, abyś dzień niedzielny święcił.) 74₆–₇
e) modale Verben (die deontische11 Notwendigkeit ausdrücken) und prädikativ verwendete Adjektive derėti, reikėti; reikalingas, privalus:
man muss // idant wir ehren sollten // denjenigen, durch den wir schwören. (Man braucht Rechtschaffenheit bei dem, durch den man schwört.) 78₁₉–₂₁
f) kausative Verben im weiteren Sinne (echte Kausativa und Verben, die ausdrücken, dass das Subjekt durch seine Erlaubnis, Hilfe usw. die Voraussetzungen für eine Handlung oder einen Zustand schafft) – duoti ‘erlauben, gewähren’, padėti ‘helfen’, padaryti ‘bewirken, veranlassen’:
Wenn du mich jetzt bei Gesundheit erhältst, // gib, dass ich mein Leben // fest und richtig bessern kann. (Jeśliżebyś przy zdrowiu mię zachować, daj, abych mógł żywota mego statecznie poprawić) 189₁₄–₁₇
g) das Adjektiv vertas:
Der heilige Johannes der Täufer [...] erkannte sich nicht als würdig, den Riemen deiner Sandale zu lösen. (Święty Jan Chrzciciel [...] ani ję znał być godnym, iżby w trzewika rzemyk rozwiązał.) 149₂–₇
Die syntaktische Funktion des Subjekts haben erläuternde Sätze, die die Position des Nominativs eines Substantivs einnehmen, wenn sie von einem reflexiven Infinitiv mit passiver Bedeutung verbi postulandi priminėtis (a)12 gefordert werden, oder von Verben, die eine Identitätsrelation zwischen propositionalen Argumenten sowie deren Bestimmung ausdrücken: išmanytis ‘bedeuten’, priskaityti ‘zurechnen’, būti ‘bedeuten’ (b), z. B.:
a) Wer kann sich merken, dass jeder vor allen Sünden behütet wird? (Wiáruy ję každy grzechu wszelkiego) 93₈–₁₀
b) M. Was bedeutet Amen? Mo. Dass es so sei, oder: so sei es, so gibst du, Gott. (M. A coś ję rozumie Amen? V. Aby tak było: tako Boże day.) 43₁₆–₂₀
Erläuternde Nebensätze mit idant können im Hauptsatz Korrelatwörter haben, die die Satzglieder eines Satzgefüges enger miteinander verbinden und die syntaktische Funktion des Nebensatzes hervorheben, z. B.:
11 Dėl termino plg. Matthews (1997: 91); daugiau apie deontinį modalumą žr. Palmer (1986: 18–20).
12 Panašus atvej us plg. Drotvinas (1964: 41).
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tū- // es ziemt sich, Gott lieb zu sein / /// darum muss man dies tun / damit // sie aus Liebe hervorgehen. (máiali byc v Bogá // płátne / tedy trzeba tego / aby // pochodziły z miłości.) 72₁₄–₁₇
Für Daukšas Sprache sind zusammengesetzte Sätze charakteristisch, in denen Substantive mit asemantischer oder sehr allgemeiner Bedeutung die Funktion eines Korrelats übernehmen: Sache, Angelegenheit, Gnade, sogar Herz und Ähnliches13; ihre Verwendung wurde durch die Beschaffenheit des übersetzten Textes begünstigt. Bei solchen Substantiven wird häufig ein Artikel verwendet. Zum Beispiel:
nicht // nötig ist die Sache zu tun / damit du dies oft // tun mögest. (nie jeft rzęć // potrzebna / aby ję to czę- // łto czynić miało) 117₈–₁₁
Gib mir jene // Gnade, damit ich fähig sei, // dankbar für diese Wohltat zu // sein (Racżże mi dáć tę łá- // kę / abych ia mogł być wdzię- // cżen tego dobrodźiejstwa) 167₃–₅
Für Erläuterungssätze mit idant ist deontische Modalität charakteristisch. Die semantische Nähe dieses Typs von Erläuterungssätzen zu adverbialen Finalsätzen, die ebenfalls Willensakte des Subjekts ausdrücken, ist offensichtlich. Dies erklärt auch die Verwendung der Konjunktion idant in Sätzen mit verba timendi (fürchten und Ähnliches): Typologisch gesehen werden die von diesen Verben geforderten Objektsätze von negativen Finalsätzen abgeleitet (vgl. Lichtenberk 1995). Folglich ist die Konjunktion idant charakteristisch für Finalsätze im Katekizmas und Trumpos būdas sowie für jene Erläuterungssätze, die ihnen hinsichtlich der ausgedrückten semantischen Beziehungen verwandt sind.
2. SÄTZE MIT jog
Die Konjunktion jog verbindet in Daukšas untersuchtem Buch in 115 Fällen die Teile eines zusammengesetzten Satzes – sie gehört zu den von Daukša für diesen Zweck am häufigsten verwendeten Konnektoren. Fast zwei Drittel der Nebensätze mit jog (70 Belege) sind Erläuterungssätze – dies ist der wichtigste syntaktische Typ dieser Sätze.
Adverbiale Nebensätze mit der Konjunktion jog im Katekizmas und Trumpos būdas sind halb so häufig. Im zusammengesetzten Satz erfüllen sie die syntaktische Funktion von Adverbialbestimmungen des Grundes (a)14, der Bedingung (b) oder der Folge (c). Zum Beispiel:
a) König // David nahm an seinen Tisch // einen ehrbaren Mann: // denn er war der Sohn jenes // großen und geliebten Freundes // seines Jonatas (krol // Dawid przyimowal do ſtołu // ſwego chrome go człowieka / iź // był ſynem onego wielkiego a // miłego przyjaciela jego Jóná- // ty) 153₁₇–₂₂
b) denn // du, Herr, wolltest auch in // dieses arme Haus meines // kommen und darin stehen, beginne // das Haus deines Knechtes // zu segnen (gdyżeś Pá- // nie / chciał teź przyść w ten vbo- // gi dom / y w nim ſtánąć / pocźni // błogóſławić dom ſługi twego) 165₆–₁₁
13 Vgl. ähnliche Sätze der heutigen Sprache mit den als nominalem Teil des Prädikats fungierenden Substantiven Schande, Schuld und Ähnlichem (Ambrazas 1976: 813, 820–821; 1994: 671).
14 In kausalen Adverbialsätzen verwendet Daukša auch die speziellen Konjunktionen nes(a) und kadang.
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c) was // ein Mensch ist / dass du dich seiner so // erbarmen mögest (co jeſt człowiek / iż nań tak // pamiętać raczyćbę) 162₂–₄
Der Gebrauch der Konjunktion jog (bisweilen auch ohne Korrelativwörter!) in kausalen Adverbialsätzen ist für die heutige Standardsprache unüblich¹⁵. Die kausalen Bedeutungsbeziehungen werden in Daukšas Texten durch die im Hauptsatz verwendeten Korrelativwörter todri̇n, drin to und dėl to hervorgehoben. Für Konditionalsätze mit jog ist die Voranstellung des Nebensatzes charakteristisch; Korrelativwörter kommen darin nicht vor.
Ein konsekutiver Nebensatz mit jog wird gelegentlich nicht mit dem Hauptprädikat verbunden, sondern modifiziert eine Modalbestimmung¹⁶, vgl.:
so gut überzeugte er die verständigen Menschen, dass die Verbesserung der Kirche und des christlichen Lebens nicht anders hätte durch diese Schar der Jugend erreicht werden können. (So gut sahen es kluge Leute, dass die Verbesserung der Kirche Gottes und der allgemeinen christlichen Frömmigkeit nicht anders als aus diesem jungen Nachwuchs hervorgehen konnte.) 6₄–₁₁
Nebensätze mit der Konjunktion jog haben im Satzgefüge die syntaktische Funktion eines Subjekts oder Objekts. Als Objekt fungieren diejenigen Sätze, die angeschlossen werden von:
a) Verben des Sagens (verba dicendi) byloti, pa(si)sakyti u. a., z. B.:
Tē paſsiſſākai iog ƒu ti- // krūiu ƒawú kūnu nē vſsi- // laike (Niechay Ję ƒpowiada iż ƒ / własnym ciałem ƒwoim / nie // obchodził ƒię) 126₁₆–₁₈
b) Verben, die geistige Tätigkeit oder epistemische Einschätzung¹⁷ ausdrücken (verba sentiendo): tikėti, tikėtis, žinoti, pažinti ‚anerkennen‘, išpažinti, atminti, neužmiršti, veizdėti ‚im Auge haben‘, išmanyti ‚verstehen‘, prirašinėti ‚zuschreiben‘, z. B.:
Man muss wissen, dass solche Sünden entweder gegen Gott oder gegen uns selbst sein können (man muss wissen, dass solche Sünden entweder gegen Gott oder gegen uns selbst sein können) 116₅–₉
c) das kausative Verb daryti:
M. Kodrĩnag ją wa- // dina marinancźia? // Mo. Jog ii [...] daro tai // iog atima ƒweikatą / ir gi- // watą ios / tai eſt / malône // Diewo. (M. Cźemuž go zową śmiertel- // nym? // V. Ją [...] czyni / że // ona traci żywot ƒwoy / to ieſt // łáſkę Bożą.) 92₁₀–₁₆
¹⁵Vgl. Ambrazas (1976: 867).
¹⁶Traditionelle Grammatiken betrachten solche Sätze als Modalbestimmungen (vgl. Jablonskis 1911/1957: 506; Balčikonis 1982: 127; Balkevičius 1963: 357–358 (Modalbestimmungen beschreibender Art); Sirtautas, Girdėna 1988: 168), akademische Grammatiken hingegen als beschreibende Sätze mit direkter Unterordnung (vgl. Ambrazas 1976: 840–842; 1994: 680, Ambrazas, Hrsg. 1997: 735–737 (correlative clauses)).
¹⁷Zum Begriff vgl. Matthews (1997: 115–116); Näheres zur epistemischen Modalität siehe Palmer (1986: 18–20).
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d) Emotionsverben, d. h. Verben, die eine emotionale Reaktion ausdrücken stebėtis, skųstis (vgl. Drotvinas 1963a: 17; 1964: 21), die Verbindung duotis kaltam ‚(Schuld) bekennen‘:
denn man muss sich wundern / // dass manche Personen // fromm sind und keine Sün- // den finden / für die sie sich // schuldig erklären müss- // ten (nie trzeba // się dziwować / iż niektóre // persony nabożne / nie nay- // dują grzechow / z ktorych // by się miały winnemi dá- // wać) 115₆–₁₀ [sie können sich schuldig bekennen] denn sie hat- // ten nicht einen so festen Glauben / // wie es sich gehört ([może się dáć winien] iż nie miał tak stá- // tećney wiáry / iáko służba) 121₂₀–122₁₀
Die syntaktische Subjektfunktion haben jene Nebensätze mit jog, die vom Passiv der verborum dicendi gefordert werden (a), von Verben, die eine Identitätsrelation zwischen propositionalen Argumenten ausdrücken, išmanyti ‚bedeuten‘, išeiti ‚zu einem Ergebnis werden‘, būti ‚bedeuten‘ (b) sowie von der Verbindung būti tiesa, die eine epistemische Einschätzung ausdrückt (c), z. B.:
a) Über dich wurde offen gesagt: // dass du die Sünder aufgenommen // und mit ihnen gegessen hast. (O tobie jawnie mo- // wiono / żeś przyimował grze- // bne / y z nimi jadł.) 150₁₇–₁₉ b) M. Was heißt es, zur // Rechten Gottes des // allmächtigen Vaters zu sitzen? // L. Dass er auf dem höchsten // Platz sitzt, der im // Himmel ist. 37₁₂–₁₇ Daher kommt es, // dass er nichts hat, womit // er sich schuldig bekennen // könnte (z tąd pochodzi / iż // nie mają z czegoby // się win- // ni dáć mieli) 115₁₆–₁₁₆ c) Es ist wahr, dass / // was der Mensch in seiner // Jugend trinkt, das // behält er auch in den // späteren Jahren (Rzecż pewna // jest / iż czego się człek z mło- // du napije / to y ná poto- // mnie cżały zachowa) 5₅–₉
Korrelate werden in erläuternden Nebensätzen mit der Konjunktion jog selten verwendet. Obwohl sie gewöhnlich vom Original abhängen, wurden auch Sätze gefunden, in denen das verwendete Korrelat im Original keine Entsprechung hat. Dazu gehören Sätze mit den Hauptverben daryti (vgl. das zitierte Beispiel), išmanyti:
M. Kaipág išmanái /// Gime iš Marios mer- // gós? // Mo. Teip’ jog nė wéikau // žmogaus / bet’ wéikau Dwa- // ſios ſwėtos pagimde ii mer- // gá pajilikdama (M. A jákož ſię to ſtało? // V. Nie ſprawą cżłowiecżą / ále // ſprawą Ducha świętego: po- // nieważ ona Pánna zoſtała) 33₃–₉
Das Korrelat ist in einigen erläuternden Nebensätzen mit nachgestelltem Nebensatz (a) notwendig, ebenso in Sätzen mit Hauptverben, die die Feststellung einer Kausalrelation zwischen zwei Propositionen ausdrücken, zum Beispiel prirašinėti ‚zuschreiben‘ (b), vgl.:
a) Dass es viele von denen gibt, // die häufig beichten und ihre // Sünden in gewisser // Unruhe und Erschütterung // ihrer Seele bekennen [...] Dafür // kann man zwei Ursachen finden (JZ niemáło z tych // co się często spowiá- // dáią w nieiákim zamieśá- // niu y roztárgnieniu sum- // nienia swego podcżás się / náyduią [...] temu może dwie przy- // cżynie náleść.) 111₂–112₅
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b) Du aber, o Gnade, [...] flehe ich an, dass du mich // zum Glauben an dich {an dich // berufen [...] geruhest (twojey to łafce [...] przypluié /jeś // mię do wiary twey świętey po- // wołać [...] racžył) 185₂₀–₁₈₆₅
In den untersuchten Sätzen fungieren, ebenso wie in Sätzen mit der Konjunktion damit, auch Abstrakta als Korrelate: Gnade, Geheimnis ‚Geheimnis‘, Wohltätigkeit, z. B.:
Bat ir ḡi- // tā nė mažę|nį tawą gera- // dãrimą įžpažįſtu /jog manę // nůg prietikimų daugiařo- // pų [...] įžweržei / ir įžgelbė- // iei (Ale y to // nie mnıeyfe twoie dobrodziey- / ftwo wyžnawam /jeś mię od // przygod rozmaitych [...] wyrwał y vybawił) 186₈–₁₇
Wie die angeführten Beispiele zeigen, sind erläuternde Sätze mit jog vor allem für Verben des Sprechens oder der geistigen Tätigkeit (verba dicendi et sentien- di) sowie für Emotionsverben typisch. Dieser Typ erläuternder Sätze steht den adverbialen Kausalsätzen nahe: Das propositionale Argument kann nicht nur als Gegenstand des Erstaunens (der Klage usw.), sondern auch als Umstand aufgefasst werden, der Erstaunen (Klage usw.) ausdrückt.
Für die erläuternden Nebensätze mit jog sind Indikativformen des als Prädikat fungierenden Verbs charakteristisch. Dies hängt mit ihrem faktischen Status¹⁸ zusammen: Es wird vorausgesetzt, dass der Inhalt des erläuternden Satzes der Wirklichkeit entspricht.
3. SÄTZE MIT jei(g(u))
Alle 39 Nebensätze mit dieser Konjunktion in den untersuchten Werken Daukšas stehen in unmittelbarer syntaktischer Beziehung zum Prädikat des Hauptsatzes. Einige von ihnen, die erläuternden, besetzen die Position eines Valenzkomplements des als Prädikat fungierenden Verbs oder Adjektivs; andere, die adverbialen, die Position eines freien Satzglieds.
Die meisten komplexen Sätze Daukšas mit der Konjunktion jei(g(u)) sind adverbial. Ihr Nebensatz bezeichnet gewöhnlich eine Bedingung¹⁹ (a); bisweilen, insbesondere bei einem negativen Hauptsatzprädikat, einen Gegengrund (b), z. B.:
a) Wenn dein Vater dir befiehlt, irgendeine Unwahrheit zu sagen oder eine Sünde oder etwas Schlechtes zu tun, musst du ihm dann gehorchen? (kiedyby tobie oćiec twoy // ro|kažał rzeć iaką nieprawdę // ábo grzech jaki vczynic: winien // żeś go {łuchac?) 81₁₈–82₃
b) Dir, Vater, will ich meine Sünden freimütig zeigen, die auch wenn ich sie vor dir verbergen wollte, kann ich nicht. (Dir, Vater, werde ich meine Sünden offenbaren, die ich, selbst wenn ich sie vor dir verbergen wollte, nicht verbergen kann.) 134₁₆–₁₉
18 Dėl termino žr. Matthews (1997: 125).
In den Bedingungssätzen des Katechismus und des Trumpo būdo wird außerdem die spezielle Konjunktion kačėib(a) verwendet.
Daukšos Katekizmo aiškinamieji sakiniai
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Korrelative Wörter sind für Konditionalsätze nicht typisch. In ihnen überwiegt die Voranstellung des Nebensatzes. Auch im Konzessivsatz steht der Nebensatz vor dem Hauptprädikat.
Im Katechismus und im wenn(g(u)) Kurzen Weg wurden 11 Beispiele für Erklärungssätze mit der Konjunktion „wenn“ gefunden. Sie werden von Verben emotionaler Tätigkeit (sich beklagen), Verben geistiger Tätigkeit (verwenden ‘rozbierać’), dem Verb ausreichen, das einen Kausalzusammenhang (eine hinreichende oder unzureichende Bedingung) ausdrückt, sowie dem Verb ausnehmen ‘aussondern’, das die Einschränkung der Gültigkeit einer Aussage ausdrückt, angeschlossen, z. B.:
Es reicht, wenn er den Wunsch und den Willen hat, es anzunehmen, sofern er tut, was er tun soll (dość ná tym / że ma // chęć y wolą przyjąć ie / gdy to // czyni / co ieft winien czynić.)
42₃–₆ [įſpildijſſimė áſmą] nė apréi[k]ſbdami nūde- // mių nežinomų (tiéktái įſė- // muś / iai butų drin’ ižwajti- // mo iu / tam kurėm’ pridera (nie ob- // mawiając / nie odkrywając // grzechow potáiemnych (chy- // baby // dla wcżenia ich / temu ko- // mu przyſtoi) 86₁₃–87₂
Erläuternde Nebensätze mit jei(g(u)) werden auch von der prädikativ verwendeten Verbindung duotis kaltam verlangt, die ‚(eine Schuld) bekennen‘ bedeutet:
[Er kann schuldig sein], wenn er mit dem Herzen gefallen ist ([može jįę dáć winien] ieʃli v- // padał 3 vmyłem) 121₂₀–122₂₁
In allen zitierten Beispielen hat der Nebensatz die syntaktische Funktion eines Objekts. Einen Korrelativausdruck (wie auch im Original) haben Nebensätze, die mit dem Verb pakakti stehen.
Dass der Nebensatz in all diesen Fällen erläuternd und kein adverbialer Konditionalsatz ist, zeigt die Verwendung der Konjunktion jog in denselben komplex gebauten Sätzen, wechselweise mit jei(g(u)). Die Wahl der Konjunktion in der litauischen Übersetzung hängt in allen Fällen vom Original ab, vgl.:
[So ist es schmerzlich zu hören:] Dass er in widrigen Fällen nicht geduldig war, oder auch, dass er in Bedrängnissen keine Geduld hatte ([Niechay fę teź v]karża já- // hoſnie] Jź nie był cierpliwy // w przy- // padkach przećiwnych / ábo ie- // fli teź nie miał cierpliwości w // doległościach) 124₁₅–125₃ [Er kann schuldig sein], dass er nicht einen solchen [Glauben hatte, wie es sich gehört, oder wenn er sich nicht vor Versuchungen und Gedanken hütete ([može jįę dáć winien] iź nie miał tak [tá- // tecznéy wiáry / iáko ſuſba: á ie- // fli fę nie wyſtrzegał tych po- // kus y myśli) 121₂₀–122₁₁
Die syntaktische Funktion des Subjekts hat ein Nebensatz, der vom ein inneres Befinden einer Person bezeichnenden Substantiv deja / bėda verlangt wird:
Deia // mich / wenn nach so vielen // Heilmitteln ich nicht gesund sein werde, wenn ich doch auch am Körper und an // der Seele die Krankheit der Sünden erleiden werde. (Biáda mnie / ieśliże po ták wie- // le lekarſtwách nie będę zdrowy ieśli przedję y ná ciele y ná du- // by niemoc grzechow cierpieć // będę.) 143₉–₁₃
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ARTŪRAS JUDŽENTIS
Wie aus den angeführten Beispielen hervorgeht, ist die Konjunktion jei(g(u)) in ihrer Funktion der Konjunktion jog (mit der sie mitunter abwechselnd verwendet wird) sehr ähnlich, unterscheidet sich von ihr jedoch durch ihren nichtfaktiven Status. So hat beispielsweise der Nebensatz pakanka, jog turi norą eine faktive Präsupposition (er setzt voraus, dass ein Wunsch besteht), während der entsprechende Satz pakanka, jeigu turi norą nichtfaktiv ist – er bezeichnet den Wunsch als hinreichende Bedingung, unabhängig davon, ob dieser im konkreten Fall besteht oder nicht.
Komplexe explikative Sätze mit der Konjunktion jei(gu) sind auch der heutigen Standardsprache nicht fremd (vgl. Ambrazas 1976: 808–809, 874–875), werden jedoch selten verwendet. In den meisten Fällen werden solche Sätze heute durch Sätze mit kad ersetzt.
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Anders als in der heutigen Standardsprache, in der explikative Sätze mit der semantischen Konjunktion kad (und ihrer stilistischen Variante jog) verbunden werden, verwendet Daukša in den entsprechenden Sätzen die Konjunktionen idant, jog und jei(g(u)). Mit den ersten beiden wird der explikative Nebensatz ungefähr gleich häufig eingeleitet; die Konjunktion jei(g(u)) kommt in diesen Sätzen wesentlich seltener vor. Dieselben Konjunktionen verbinden auch die Teile komplexer Sätze mit adverbialen Bestimmungen des Zwecks, des Grundes, der Folge und der Bedingung.
2. Hinsichtlich des Modalitätstyps unterscheiden sich Sätze mit der Konjunktion idant deutlich von Sätzen mit jog und jei(g(u)): Für erstere ist deontische, für letztere epistemische Modalität kennzeichnend.
3. Die Konjunktionen in Daukšas explikativen Sätzen werden entsprechend der semantischen Beziehung zum Prädikat gewählt: Zweck- oder Folgerelationen werden mit der Konjunktion idant ausgedrückt, Kausalrelationen mit der Konjunktion jog, seltener mit jeigu. Diese Konjunktionen unterscheiden sich weniger hinsichtlich ihrer Funktionen als vielmehr hinsichtlich der Faktizität.
LITERATŪRA
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Daukšos Katekizmo aiškinamieji sakiniai | 29
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