Rašybos norminimo apraiškos „Ewangelie polskie y litewskie“ 1647 ir 1674 metų leidimuose
Full text
ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
XLIX (2003), 51–59
Erscheinungsformen der Rechtschreibnormierung
Polnisches und litauisches Evangelium
in den Ausgaben von 1647 und 1674
MILDA LUČINSKIENĖ
Lietuvių kalbos institutas, Vilnius
Dieser Artikel behandelt die Graphematik zweier Ausgaben (1647 und 1674) von Jonas Jaknavičius’ Ewangelie polskie y litewskie. Die Unterschiede zwischen ihnen spiegeln die Bemühungen des Autors wider, zu einer konsistenteren Orthographie zu gelangen. Besprochen werden unter anderem der Gebrauch einzelner Grapheme, die Wiedergabe der Diphthongoide in /m/, /n/, der Diphthonge /au/, /uo/, /ai/, /ei/, /ui/ sowie die Verwendung eines hochgestellten Makrons zur Kennzeichnung eines postvokalischen Nasals. Ansätze eines etablierten orthographischen Gebrauchs lassen sich beim Gebrauch von „a pochylone“, bei der Verwendung von <w> zur Kennzeichnung des zweiten Elements des Diphthongs /au/ sowie bei der Schreibung einzelner Lexeme und Eigennamen erkennen. Ein direkter Einfluss des polnischen Ausgangstextes auf diese Korrekturen ist nicht ersichtlich. Neu in der Ausgabe von 1674 ist die Verwendung der Nasalabkürzungen ē, ī, ō. Änderungen im Zusammenhang mit dem Gebrauch der Lettern spiegeln den Eingriff von Korrektoren wider, möglicherweise des Druckers selbst. Die Ausgaben von 1679 und 1690 unterscheiden sich nicht wesentlich von der Ausgabe von 1674, und die in letzterer eingeführten Korrekturen hielten sich offenbar bis 1705, als die Ewangelie in einer westlitauischen Sprachvarietät neu verfasst wurden.
1. EINLEITUNG
Über die von einzelnen Autoren verwendeten Alphabete und Schreibweisen haben mehrere Forscher der altlitauischen Schriftlichkeit geschrieben; den umfassendsten Überblick legte Jonas Palionis vor. In diesem Überblick geht es um das Alphabet als Zeichensystem und um die Prinzipien der Rechtschreibung, also darum, auf welcher Grundlage einzelne Schriftzeichen verwendet wurden, obwohl diese beiden Aspekte eng miteinander verbunden sind (Palionis 1967: 19). Ähnlich wird die Rechtschreibung auch in den letzten Jahren aufgefasst – unter dem Begriff Rechtschreibung werden Grafik und Orthographie verstanden. Grafik wird als System graphischer Zeichen verstanden, das in Schriftstücken zur Wiedergabe von Sprachphonemen und Sprachlauten verwendet wird, Orthographie hingegen als Prinzipien und Regeln für den Gebrauch dieser Zeichen (Michelini 2000: 44). In diesem kurzen Artikel werden einige Unterschiede in Grafik und Orthographie in den Ausgaben von 1647 und 1674 von Jonas Jaknavičius’ Ewangelie polskie y litewskie (im Folgenden: Evangelios) betrachtet. Es geht also um Unterschiede im Alphabet und in der Rechtschreibung, die durch Änderungen der Bearbeiter oder Herausgeber, Korrektoren und Verleger bei der Vorbereitung der Ausgabe der Evangelijų von 1674 entstanden sind. Es wurde festgestellt, dass in Jaknavičius’ Evangelijose (1647, 1674, 1679 und 1690) ebenso wie im Gesangbuch von Slavocinskis aus dem Jahr 1646 und teilweise in der Übersetzung von Belarminos Katechismus das Alphabet von Sirvydas verwendet wurde. Die Schreibung der Vokale stützte sich hauptsächlich auf die Phone
52 | Milda Lučinskienė
nach dem Prinzip der Konsonanten, während Sirvydas (Daukša, Klein) und somit auch Jaknavičius sie nach dem morphologischen Prinzip schrieben (Palionis 1995: 28–30). Auch die Orthografie dieser Drucke ist ähnlich; ihre Uneinheitlichkeit ergab sich jedoch daraus, dass dasselbe Phonem durch mehrere Schriftzeichen oder Schriftzeichenkombinationen wiedergegeben wurde und umgekehrt dasselbe Schriftzeichen mehr als ein Phonem oder dessen Variante bezeichnete (Michelini 2000: 44).
2. ANALYSE DER KORREKTUREN
2.1. Verwendung des Graphems á in JE47 und JE74
Einer der am häufigsten auftretenden Rechtschreibunterschiede ist der Ersatz von a durch á (etwa 2500 Belege)1 und umgekehrt (etwa 100 Belege):
(i) a → á: JE47 karalíjte 2₁₆ → JE74 Káralíjte 2₂₁; JE47 Pranáßo 4₁₀ → JE74 Pránáßo 4₂₃; JE47 parabíta 4₁₄ → JE74 párábíta 5₃; JE47 paßakie 5₂₀ → JE74 páßakie 6₁₀–₁₁; JE47 apßakídámas 7₁₅ → JE74 ápßakídámas 8₈; JE47 wadina 9₃ → JE74 wádiná 10₂; JE47 wáfara 2₁₂ → JE74 wáfárá 2₁₇
Das Schriftzeichen á wurde in den Evangelijose, in Petkevičius’ Katekizme, Morkūnas’ Postilėje (Zinkevičius 1988: 198, 203), in Kleins Grammatiken und in Knygoje nobážnystės (Jakulytė 2001: 73)2 verwendet. Das häufige diakritische Akut-Zeichen über á ist durch den Einfluss des im polnischen Vokal a pochylone verwendeten Schriftzeichens auf den litauischen Text entstanden. Bekanntlich war die Orthografie alter Texte des 16.–17. Jahrhunderts und späterer Zeit nicht vereinheitlicht; jede Druckerei hatte ihre eigenen Tendenzen beim Gebrauch der Schriftzeichen. Diese uneinheitliche Kennzeichnung der Vokale „samogłosek pochylonych“ erschwert es, sprachliche Fakten von der Rechtschreibung zu unterscheiden. In Polen gab es keine Institution, die den Druckereien eine einheitlichere Rechtschreibung hätte vorschreiben können (Birkenmajer 1971: 230). Im 17. Jahrhundert häuften sich in Polen selbst die Fälle fehlerhafter Schreibung von a und á; dieser Trend verstärkte sich besonders in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als á viel häufiger und ohne Einhaltung irgendwelcher Normen verwendet wurde. Daher wurde dasselbe Wort, dieselbe Form hier mit a und dort mit á geschrieben (Klemensiewicz 1985: 287).
Palionis hat darauf hingewiesen, dass in Sirvydas’ PS im zweiten Teil „a pochylone“ bereits häufiger vorkommt und dass es „keine phonologische oder prosodische Bedeutung [hat]“ (Palionis 1979: 21). Da Jaknavičius diesen Teil der PS für den Druck vorbereitete, ist daher anzunehmen, dass er dieses Schriftzeichen häufiger verwendete als Sirvydas.
JE74 Mit einem Akutzeichen wird ein Vokal a in einer langen oder kurzen Silbe markiert, manchmal sogar alle im Wort vorkommenden Vokale a. Manchmal wurden dieselben Wörter in JE74 auf zweierlei Weise geschrieben, zum Beispiel wird besonders häufig á in Possessivpronomen mein, dein, sein/ihr geschrieben; die Schreibweise dieser Pronomen variiert folgendermaßen: fawo – 98x, fáwo – 62x; mano – 84x, máno – 31x; tawo – 32x,
1 Die vergleichende Analyse der Texte von JE₄₇ und JE₇₄ wurde durch computergestützte Konkordanzen der Wortformen in diesen Ausgaben ermöglicht. Sie wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Litauische Sprache Milda Lučinskienė und Vytautas Zinkevičius (Programmierer) unter der Leitung von Šiaulių Ambrazo erstellt, im Rahmen des „Programms der Republik Litauen zur Verwendung und Förderung der Staatssprache für die Jahre 1996–2005“, das aus Mitteln der Staatlichen Kommission für die Litauische Sprache beim Seimas der Republik Litauen finanziert wurde.
2 D. Jakulytė schreibt ausführlicher über die Verwendung von á in Knygoje nobážnystės.
EWANGELIE POLSKIE Y LITEWSKIE RAŠYBOS NORMINIMAS | 53
távo – 54-mal. Besonders häufig wird „a pochylone“ im Wort tárė geschrieben – 145-mal (daneben gibt es jedoch auch tare – 83-mal), irá – 47-mal (ira – 120-mal).
Man kann annehmen, dass dem JE₄₇-Redakteur die Verwendung des Buchstabens „a pochylone“ als normgerecht erschien: Die Gesellschaft hatte diesen Buchstaben bereits gebilligt (Grammatiken und andere ältere Schriften), und er galt als korrekt³ (schließlich konnte der von Jesuiten beaufsichtigte Redakteur den so sorgfältig durchgesehenen Text der Evangelien nur verbessern und korrigieren).
(ii) á → a (100-mal): JE₄₇ atáius 15₂₇ → JE₇₄ atáius 17₁₆; JE₄₇ kád 28₂₀ → JE₇₄ kad 31₁₅; JE₄₇ Tái 31₃ → JE₇₄ Tay 34₃; JE₄₇ wáykieli 10₁₅ → JE₇₄ waykieli 11₁₇.
In JE₄₇ wurde „a pochylone“ 286-mal verwendet, doch der Herausgeber von JE₇₄ verwendete diesen Buchstaben beinahe zehnmal häufiger (2865-mal). Diese umgekehrte Korrektur veranschaulicht den Prozess der Stabilisierung der Norm.
2.2. Verwendung der Buchstaben ſ, s und ∫∫
Im im Großfürstentum Litauen verwendeten Alphabet hatte das Graphem s wie auch im polnischen Alphabet zwei Allographe: s wurde traditionell am Wortende geschrieben, ſ dagegen im Wortinneren. Die folgenden Beispiele zeigen, wie stark die Schreibweise der Buchstaben s und ſ sowie ∫∫ zwischen Vokalen in den Evangelien von Jaknavičius variierte. Am wenigsten gefestigt war die Schreibung von ∫∫.
Anders als die litauischen Schriften Ostpreußens, die von der deutschen Orthografie beeinflusst waren, wurde in den Schriften des Großfürstentums Litauen (meist katholischen Veröffentlichungen) ebenso wie in den damaligen polnischen Schriften nur ſ verdoppelt. In ostpreußischen Schriften sollte eine solche Verdoppelung meist die Kürze des Vokals vor dem verdoppelten Konsonanten kennzeichnen (Palionis 1995: 31). Es wird angenommen, dass die Vorlagen den größten Einfluss auf die Verdoppelung der Buchstaben hatten (Palionis 1967: 48). Das Prinzip der Konsequenz wurde jedoch nicht eingehalten, denn nicht selten wechselten ſ und ∫∫ innerhalb eines Wortes in derselben Ausgabe (Singular Akkusativ JE₄₇ wiſſu 77₁₆–₁₇ und JE₄₇ wiſſu 129₁₉).
(i) ∫∫ → ſ (23-mal): JE₄₇ iźg wiſſo 119₁₁ → JE₇₄ iźg wiſo 125₁₂; JE₄₇ Táſſay 169₁₆–₁₇ → JE₇₄ Taſay 175₁₃; JE₄₇ iźg wiſſu 203₆ → JE₇₄ iźg wiſu 209₁₈; JE₄₇ iſſay 158₁₁ → JE₇₄ iſay 163₃.
ſ → ∫∫ (10-mal): JE₄₇ eſi 61₁ → JE₇₄ eſſi 66₁₀; JE₄₇ wiſas 148₁₃ → JE₇₄ wiſſas 153₁₂; JE₄₇ taſay 166₃ → JE₇₄ taſſay 171₁₉.
∫∫ → s (4-mal): JE₄₇ knigoſſe 69₁₆ → JE₇₄ knigoſe 75₅; JE₄₇ anaſſay 150₂₆ → JE₇₄ ánásay 155₂₂.
ſs → ſ (2-mal): JE₄₇ ne tikieſſite 161₂₈ → JE₇₄ ne tikieſites 166₁₆–₁₇.
ſ → ſs (2-mal): JE₄₇ iſſipildis 2₂₀ → JE₇₄ iſſipildis 3₂–₃.
ſ → s (5-mal): JE₄₇ aſliciu 53₁₈ → JE₇₄ asliciu 58₁₄; JE₄₇ wiriaujus 17₂₃–₂₄ → JE₇₄ wiriausius 19₁₅.
(ii) s → ſ (5-mal): JE₄₇ swiečiumu 13₁₁ → JE₇₄ ſwiečimu 14₁₉; JE₄₇ dunguoſe 176₂₂ → JE₇₄ dunguoſe 182₁₉–₂₀.
3Ein solches Normverständnis findet sich im Buch Encyklopedia wiedzy o książce sowie bei dem Forscher M. Cybulski, der die Sprache polnischer Texte des 17. Jahrhunderts untersucht (Cybulski 1992: 17).
54 |
Milda Lučinskienė
(iii) ʃs → ʃʃ (13-mal): JE₄₇ eʃi 51₂₃ → JE₇₄ eʃʃi 56₉ (6-mal); JE₄₇ wiʃi 89₂ → JE₇₄ wiʃʃi 94₂₀ (5-mal); JE₄₇ iʃigando 59₁₁₋₁₂ → JE₇₄ iʃʃigundo 64₁₂.
Aus der Analyse der Unterschiede zwischen JE₄₇ und JE₇₄ anhand computergestützter Konkordanzdaten geht hervor, dass die Schriftzeichen ʃ und ʃʃ in diesen Ausgaben zahlenmäßig gleich verteilt waren, jedoch bestimmte Unterschiede in ihren Verwendungsprinzipien festzustellen sind. Im dem Jaknavičius zugeschriebenen Übersetzungsteil von JE₄₇ wurde der Plural-Instrumental iuʃu nur mit einem ʃ geschrieben (46x), im dem unbekannten Redaktor zugeschriebenen Teil hingegen ausschließlich mit einem Doppel-ʃʃ (14x). Da, wie bereits erwähnt, der Doppelkonsonant meistens nach einem kurzen Vokal geschrieben wurde, „korrigierte“ der Redaktor von JE₇₄ in diesem Fall die inkonsequente Schreibweise von JE₄₇ und wählte die Variante, die damals als normgerecht aufgefasst werden konnte – nämlich iuʃu. Auch die Bearbeitung des Digraphen ʃs im Wort eʃi dürfte den Versuch des Redaktors zeigen, den Text zu „normieren“: In JE₄₇ ist diese Wortform 19x belegt, eʃʃi dagegen nur 1x (102₄), während in JE₇₄ eʃi nur noch halb so häufig vorkommt (9x) und eʃʃi entsprechend häufiger auftritt (8x).
Bei der Untersuchung des Gebrauchs von ʃ und ʃʃ im polnischen Original von JE₄₇ zeigte sich, dass der Digraph ʃʃ darin 6x und ausschließlich in Eigennamen verwendet wurde (JE₄₇ Naáʃʃoná 143₁₅; JE₄₇ Ieʃʃego 143₂₂; JE₄₇ Manaʃʃes 144₁₇₋₁₈). Daher können wir in diesem Fall von einer Schreibtradition in litauischen Schriften sprechen, die nicht unmittelbar durch ein konkretes polnisches Original beeinflusst wurde.
(iv) ʃ → ʒ (12-mal)⁴: JE₄₇ Pharifeuʃams 69₂₈–₇₀₂, → JE₇₄ Pharizeuʃams 75₁₇₋₁₈ (5-mal); JE₄₇ Iʃaakas 143₃₋₄ → JE₇₄ Iʒáákas 148 (2-mal); JE₄₇ Ierʃalem 60₁₀₋₁₁ → JE₇₄ Ieruzalem 65₁₁₋₁₂ (2-mal); JE₄₇ Ieʃus 53₂₋₃ → JE₇₄ IEʒus 57₁₉ (1-mal).
Aus diesen Korrekturen geht hervor, dass das Phonem /z/ in JE₄₇ in seltenen Fällen in fremdsprachigen Eigennamen mit dem Graphem ʃ wiedergegeben wurde: JE₄₇ Phariʃeuʃas wurde 5x geschrieben, Phariʒ(ʒ)euʃas dagegen 14x; Ieruʃalem 2x, Ieruzalem 8x; Ieʃus in JE₄₇ 1x, IEʒus hingegen 192x; Iʃaakas 2x. In JE₇₄ kommt bei genau diesen Lexemen das Graphem ʃ jedoch nicht mehr vor – durchgehend wird das Graphem ʒ geschrieben. Die Schreibweise von Iʃ(ʒ)raelo und Iero(ʒ)olimos wurde in JE₇₄ zwar korrigiert, aber nicht vollständig vereinheitlicht. Somit können wir von einem Versuch des Redaktors sprechen, die Orthografie fremdsprachiger Eigennamen zu ordnen.
2.3. Wiedergabe der Verbindungen ā, ū, ē, i + m, n und o + m
Im litauischen Text von JE₄₇ gab es nicht viele Abbreviaturen: ā wurde 14x geschrieben, ū dagegen nur 5x; die Schriftzeichen ī, ē, ō wurden überhaupt nicht verwendet. Im polnischen Text dieser Evangelien kommen Abbreviaturbuchstaben häufiger vor: ā 33x, ē 8x, ō 7x, ī nur 1x.
In der Wortmitte wurde über dem Buchstaben meistens ein geschwungener Strich (Zirkumflex) geschrieben, am Wortende hingegen ein gerader; nicht selten endete in JE₄₇ eine Zeile mit einem solchen Schriftzeichen (15x), oder das Wort wurde nach dem Abbreviaturbuchstaben in die nächste Zeile umbrochen (7x)⁵. Solche Abbreviaturbuchstaben wurden auch in anderen alten Schriften geschrieben, zum Beispiel in Wol-
JE₄₇ maʃgot 56₁₂ (1x) → JE₇₄ máʒgot 61₆₋₇.
5Im Wort Evangelija wird in JE₄₇ das Abbreviaturzeichen ā nicht geschrieben; ab der zweiten Ausgabe kommt dieses Schriftzeichen (meist in Titeln) 3x vor (Ewāgelia), das Wort wird 9x zu Ewā abgekürzt.
EWANGELIE POLSKIE Y LITEWSKIE RAŠYBOS NORMINIMAS | 55
fenbüttelio postilėje (1573), kada tekstą reikėdavo sutalpinti riboto formato stačiakampyje (Gelumbekaitė 2000: 184).
Ein solcher abgekürzter Buchstabe mit Diakritikum bezeichnete also zwei Laute. Diese Kennzeichnungstradition geht auf handschriftliche Texte zurück, in denen man sich beim hastigen Schreiben und zur Zeitersparnis bemühte, Wörter und einzelne Silben zu kürzen (Birkenmajer 1971: 2–3).
(i) un, um → ū (16x): JE₄₇ dungaus 86₆ → JE₇₄ dūgaus 91₁₉; JE₄₇ athunkie 116₈–₉ → JE₇₄ atūkė 122₆; JE₄₇ mums 71₂₀ → JE₇₄ mūs 77₁₃; JE₄₇ pardaveiump 154₁₇ → JE₇₄ párdaveiūp 159₁₃; am, an → ā (11x): JE₄₇ mokitiniams 127₁₅ → JE₇₄ mokitinās 133₁₃; JE₄₇ iam 86₁₈–₁₉ → JE₇₄ iā 92₂,₁₃–₁₄; JE₄₇ oran 189₂₂ → JE₇₄ orā 196₁; JE₄₇ Ewangelia 6₁₈–₁₉ → JE₇₄ Ewāgelia 7₉–₁₀; im → ī (3x): JE₄₇ fawimp 121₁₂–₁₃ → JE₇₄ fāwip 127₁₄; JE₄₇ pagimde 143₈ → JE₇₄ pagīde 148₇–₈; om → ō (2x): JE₄₇ dienoms 146₂₂ → JE₇₄ dienōs 151₂₀; en → ē (1x): JE₄₇ talentu 127₁₉ → JE₇₄ talētu 133₁₆–₁₇; (ii) ā → am (10x): JE₄₇ pałkūciaulijā 34₁₀ → JE₇₄ páłkūciauljam 37₁₇–₁₈; JE₄₇ vntrā 58₆ → JE₇₄ vntram 63₅–₆; JE₄₇ iā 25₁ → JE₇₄ iam 27₁₃; JE₄₇ kuriā 61₁ → JE₇₄ kuriam 66₇; JE₄₇ mokitiniams 86₁₈–₁₉ → JE₇₄ mokitinās 92₁₃–₁₄; ū → um, un (4x): JE₄₇ kayčiū 49₃ → JE₇₄ kayčium 53₁₀; JE₄₇ mūs 155₁ → JE₇₄ mums 159₂₄; JE₄₇ dūgui 209₁₃ → JE₇₄ dungui 216₁₀.
Eine gerade oder leicht gebogene Linie über den Buchstaben a, e, i, u und o zeigte an, dass die Buchstaben m oder n fehlten. Im Mittelalter wurde besonders häufig so der fehlende Buchstabe m in den Verbindungen am, em, um markiert (Cappelli 1967: xxiii–xxiv).
Mit solchen Abkürzungsbuchstaben wurden grafisch nur Nasallaute gekennzeichnet, obwohl in diesen Evangelien-Ausgaben die Nasalität im Allgemeinen grafisch nicht markiert wird. Die Analyse der Orthografie der damaligen Schriften zeigt, dass „nasale“ und zweibuchstabige Schriftzeichen in der einen oder anderen Form damals in vielen Fällen tatsächliche Nasalvokale bezeichneten und nach dem phonetischen Prinzip verwendet wurden (Palionis 1967: 45). In den Evangelien finden sich, wie auch in Sirvydas’ Schriften, die Verbindungen am, an, em, en durchgängig in mehreren Fällen: em, en stehen in Infinitiven und deren Ableitungen von Verben, bei denen diese Diphthonge im Präsens oder im Präteritum vorkommen; an kommt in der Konjunktion idant vor; am, an, em, en bleiben in Eigennamen und Gattungsnamen nichtlitauischer Herkunft erhalten (Morkūnas 1967: 140–142).
Aus den angeführten Beispielen wird die Neigung des Herausgebers von JE₇₄ deutlich, die Verbindungen am, an, um, un, en, im und om durch die Abkürzungszeichen ā, ū, ī, ē, ō (33x) zu ersetzen; es sind jedoch auch Beispiele für die umgekehrte Änderung belegt (14x). Ab JE₇₄ wurden die Abkürzungsbuchstaben ē, ī und ō zusätzlich zur Bezeichnung der Verbindungen en, im und om verwendet; sie stehen meist am Zeilenende oder wenn ein Wort in die nächste Zeile umbrochen wird. Es ist nicht auszuschließen, dass der Setzer beim Setzen einer Textzeile diese nach eigenem Ermessen kürzte und deshalb eine Abkürzung setzte.
2.4. Schreibung der Diphthonge [au], [uo]
Im Alphabet von Sirvydas bezeichnete das Schriftzeichen u die Laute u und ū; v wurde zur Bezeichnung des kurzen Vokals u am Wortanfang geschrieben, während das verdoppelte w den Laut v bezeichnete (Palionis 1967: 36, 40). Obwohl JE₄₇ und JE₇₄ sich am Alphabet von Sirvydas orientierten, ist doch schon an den angeführten Beispielen zu erkennen, dass diese
56 |
MILDA LUČINSKIENĖ
Schriftzeichen mitunter verwechselt wurden. Der Laut [u] wird in JE₄₇ am Wortanfang meist mit dem Schriftzeichen v bezeichnet (JE₄₇ vbagay 197₁₃; JE₄₇ všveyzdetoias 23₁₅–₁₆; JE₄₇ vlėčiu 89₂₄), nur einmal am Wortende (JE₄₇ ſakaw 183₁₀)⁶, gelegentlich mit dem Schriftzeichen u (4x) (JE₄₇ uſ/wiro 119₂₀; JE₄₇ unt (2x) 50₁₄, 131₂₃; JE₄₇ uuždangoi 209₄–₅). Das Schriftzeichen w bezeichnet in JE₄₇ den Laut [u] am Wortende, mit Ausnahme von taw und ſaw⁷, nur ein einziges Mal (JE₄₇ ſakaw 208*₁₉); in JE₇₄ wurde es bereits redigiert. In beiden Evangelienausgaben wird die Graphie w recht konsequent für den Laut [v] am Wortanfang verwendet.
(i) w, v und u am Wortende (seltener – in der Wortmitte): w → u (31x): JE₄₇ taw 43₂ → JE₇₄ tau 46₂₃ (20x); JE₄₇ ſakaw 208₁₉ → JE₇₄ ſakáu 215₁₆; u → w (2x): JE₄₇ aukščiáufiei 61₁₉–₂₀ → JE₇₄ áukščiáwſiei 66₂₂; JE₄₇ bitaw 90₉–₁₀ → JE₇₄ bitaw 96₅.
(ii) w, v und u am Wortanfang: u → v (13x): JE₄₇ unt 50₁₄ → JE₇₄ vnt 54₂₁ (4x); JE₄₇ ANuo 24₁₃ → JE₇₄ ANVO 26₂₁; v → u (8x): JE₄₇ vnt 37₁₀ → JE₇₄ unt 40₂₂ (3x); JE₄₇ vſždeta 106₁₃ → JE₇₄ uždėtu 112₅–₆; v → w (3x): JE₄₇ Vnt 31₁₇ → JE₇₄ Wnt 34₁₆; JE₄₇ vołakti 113₂₁ → JE₇₄ wotakti 119₁₅; JE₄₇ vogas 99₁₀ → JE₇₄ wuogas 104₂₄.
Anhand der angeführten Unterschiede lassen sich einige orthografische Prinzipien des Herausgebers von JE₇₄ bestimmen: 1) Es wird versucht, das Schriftzeichen w aufzugeben, das den kurzen Vokal [u] im Diphthong [au] bezeichnet, meist in den einsilbigen Wörtern taw und saw (JE₄₇ taw 42x; JE₄₇ ſaw 3x). In JE₇₄ kommt taw bereits zweimal seltener vor – 22x und ſaw nur 1x⁸ –; angestrebt wird also eine stabilere und einfachere Schreibung, obwohl die Schreibweise dieser Wörter nicht vollständig vereinheitlicht ist; 2) in JE₄₇ und JE₇₄ wird, abgesehen von den genannten Pronomen, die Verbindung aw nicht innerhalb einer Silbe geschrieben. Eine Ausnahme bildet ein einziger Fall in einem nicht Jaknavičius zugeschriebenen Abschnitt (JE₄₇ ſakaw 208₁₉), doch auch dieser entfällt in JE₇₄; 3) die Varianten unt, vnt und wnt der Präposition ant wurden redigiert. Diese Änderungen sind jedoch nicht wesentlich, da in beiden Ausgaben die Variante vnt vorherrscht (JE₇₄ 266x), während die beiden anderen als „zufällige“ Fälle bewertet werden können – unt (JE₇₄ 3x), wnt (JE₇₄ 2x); 4) in JE₄₇ wird vor dem Schriftzeichen o, das den Diphthong uo bezeichnet, in allen Fällen ein v hinzugefügt (8x; 1x – w). In JE₇₄ bleibt diese Schreibung erhalten, wobei der Herausgeber in einigen Fällen das zusätzlich gesetzte v durch w ersetzt. Unklar ist, ob dies einen Dialektzug widerspiegelt (ein solches hinzugefügtes v ist auch heute im südlichen und im größeren Teil des östlichen Aukštaitischen erhalten (Zinkevičius 1966: 188)) oder lediglich eine orthografische Besonderheit darstellt.
2.5. Schreibung der Diphthonge [ai], [ei], [ui]
In JE₄₇ und JE₇₄ werden die Verbindungen [a, e, u + i] auf zwei Arten wiedergegeben: mit i oder y im zweiten Bestandteil. Nach der Analyse der Änderungen und auf der Grundlage der Daten des umgekehrten Konkordanzverzeichnisses der Wortformen von JE₄₇ wurde festgestellt, dass die Graphem y in den Diphthongen ai, ei, ui in JE₄₇ sechsmal häufiger geschrieben wird als das Graphem i.
6 In JE₄₇ wurde kein einziger Fall gefunden, in dem zur Wiedergabe des Lautes [u] in der Wortmitte der Buchstabe v verwendet wird.
7 Die Schreibweise taw und ſaw in den Evangelien könnte von den Formen dieser Pronomen in anderen Kasus beeinflusst worden sein, die mit w geschrieben werden (fawi, ſawis, tawi, tawam usw.).
8 Diese Form ist 1-mal zusätzlich in der hinzugefügten Perikope belegt (JE₇₄ 166–167).
EWANGELIE POLSKIE Y LITEWSKIE RAŠYBOS NORMINIMAS | 57
ai → ay (98x): JE₄₇ vbagai 3₁₉ → JE₇₄ vbagay 4₄; JE₄₇ kurgai 4₁₇ → JE₇₄ kurłay 5₆; JE₄₇ kaip 7₁₈, 64, 105, → JE₇₄ kayp 8₁₂, 69₁₉, 110₁₇; JE₄₇ pálnikais 15₂₃ → JE₇₄ pálnikays 17₁₂; ay → ai (8x): JE₄₇ kurlay 47₇ → JE₇₄ kurlai 51₇; JE₄₇ kieterwiopay 201₉–₁₀ → JE₇₄ kieterwio-pai 207₁₆–₁₇; JE₄₇ priefinikay 205₂₂–₂₃ → JE₇₄ priefinikai 212₈; ei → ey (28x): JE₄₇ funkiei 25₁₇ → JE₇₄ funkiey 28₅; JE₄₇ erškiečiei 35₁₈–₁₉ → JE₇₄ erškiečiey 39₂; JE₄₇ wagiei 209₁₆ → JE₇₄ wagiey 216₁₂; ey → ei (10x): JE₄₇ ištleydis 84₁₅–₁₆ → JE₇₄ ištleidis 90₆; JE₄₇ reykia 187₈ → JE₇₄ reikia 193₁₆; ui → uy (3x): JE₄₇ Diewui 15₂₅ → JE₇₄ Diewuy 17₁₄; uy → ui (1x): JE₄₇ pałkuy 201₂₄ → JE₇₄ páłkui 208₅–₆.
Auch der Herausgeber von JE₇₄ bemühte sich, den zweiten Bestandteil dieser Diphthonge mit dem Graphem y wiederzugeben. Beispiele für die umgekehrte Änderung (JE₄₇ a, e, u + y → JE₇₄ a, e, u + i) gibt es sechsmal weniger; daher lässt sich annehmen, dass die Schreibung dieser Grapheme zwar nicht vereinheitlicht wurde, sich aber ein Schreibprinzip abzeichnet: Diese Diphthonge mit dem Graphem y zu schreiben. Am häufigsten wurden folgende Wörter redigiert: kai(y)p (22x), kursai(y) (20x), tai(y) (8x), tei(y)p (13x). Insgesamt wird das kurze i ganze 140-mal durch das lange y (ygreku) ersetzt (89x am Wortende, 51x in der Wortmitte); umgekehrt wurde nur in 19 Fällen redigiert. Die polnische Orthografie beeinflusste die Schreibung solcher Wörter: Am Wortanfang wurde im Polnischen meist i geschrieben (iako A 9), am Wortende y (smutney J 3), vor Konsonanten ebenso konsequent das Graphem y (bogoboyney P 12) (Książek-Bryłowa 1976: 341). Die in einer Silbe enthaltenen Verbindungen (mit y) wurden also sowohl in JE₄₇ als auch in JE₇₄ wiedergegeben.
2.6. Wiedergabe von /š/9
Im von K. Sirvydas verwendeten Schriftsystem wurde der Laut [š] mit dem Buchstaben ʃ wiedergegeben (in Texten, die in Antiqua gesetzt wurden, mit ſz und ʃ) sowie mit ś (dieser Buchstabe bezeichnete auch ein palatalisiertes s).
ʃ → ſz (22x): JE₄₇ aufztunt 11₂ → JE₇₄ aufztunt 12₅; JE₄₇ Wieʃpaties 14₁₃–₁₄ → JE₇₄ Wieſzpaties 16₂–₃; JE₄₇ śiefʃtos 30₁ → JE₇₄ Siaſztos 32₂₄; JE₄₇ ʃwëtes 208₂–₃ → JE₇₄ ſzwëtes 215₁; ś → ʃ (7x): JE₄₇ duśios 202₂ → JE₇₄ duʃios 208₁₀–₁₁ (5x); JE₄₇ paraśinetus 8₂₁ → JE₇₄ paraſynetus 9₉; JE₄₇ śiewennis 31₂₈ → JE₇₄ ſiewminos 35₁–₂; ʃ → ś (7x): JE₄₇ ʃwintos 55₁₀ → JE₇₄ śwen tos 60₇ (2x); JE₄₇ ʃvjmuf 95₂₆ → JE₇₄ vʃimuś 101₁₇; JE₄₇ ʃfyrdis 209₁₉ → JE₇₄ śirdis 216₁₅.
Bei der Besprechung der Ersetzung von ʃ durch ſz sollte man die in JE₄₇ und JE₇₄ verwendeten Schrifttypen beachten. Der polnische und der litauische Text in JE₄₇ sind in gotischer Schwabacher gesetzt¹⁰, die polnischen Überschriften in Antiqua; die litauischen Überschriften und der Text der Perikopen dagegen in—
9 Ferner wurden folgende Korrekturen festgestellt: ʃ → sʃ (1x: JE₄₇ wieʃpaties 41₁₃ → JE₇₄ Wiesſpáties 45₅–₆); ſz → ʃ (1x: JE₄₇ Sjitai 4₁₄–₁₅ → JE₇₄ Sſjitai 5₄); ſz → ʃ (1x: JE₄₇ Szwętes 209₂₁ → JE₇₄ śwętes 216₁₇).
10 Die gotische Schwabacher verbreitete sich rasch und war im 16.–17. Jahrhundert in vielen Ländern gebräuchlich. Bemerkenswert ist, dass die Schwabacher meist in Texten verwendet wurde, die in Volkssprachen (Polnisch, Litauisch u. a.) gedruckt wurden; lateinische Texte hingegen wurden gewöhnlich in Antiqua gesetzt (Kawecka-Gryczowa 1982: 220). In diesem Artikel wird der Begriff Schwabacher in Anlehnung an das enzyklopädische Wörterbuch der Buchkunde verwendet (Kaunas 1997: 360).
58 |
MILDA LUČINSKIENĖ
Die nebeneinanderstehenden Varianten der Lexeme sind in Antiqua kursiv anzugeben11. Im JE74 ist der polnische Text bereits in Antiqua gesetzt, der litauische dagegen noch in gotischen Lettern, während die Überschriften der Perikopen in beiden Texten durch Antiqua kursiv hervorgehoben sind. Bei der Analyse der Unterschiede wurde festgestellt, dass die Ligatur ſ durch den Digraphen ſz ersetzt wurde (22x), im JE74 nur in den Perikopenüberschriften. Es zeigte sich, dass die Ligatur ſ im JE47 nur in Schwabacher gotischer Schrift und Antiqua kursiv gesetzt wurde (es gab kein Zeichen z (ſz), nur 3), also nur in litauischen Überschriften. Erwähnt werden sollten hier auch jene vier Fälle, in denen in den nebeneinanderstehenden Varianten des in Antiqua kursiv gesetzten JE47 das Graphem ž erscheint; im JE74 wird es durch ž ersetzt, da die gewählte Variante bereits in Schwabacher gesetzt ist, in der es keinen Druckbuchstaben ž gibt (JE47 vžleios2719 → JE74 vžleios3012; JE47 ažurawgie3028 → JE74 ažuraugie341).
27 Jahre nach der Erstausgabe wurde also nicht nur die Schrift des polnischen Textes und der Perikopenüberschriften geändert, sondern offenbar auch der Schriftbestand der Druckerei der Vilniuser Akademie12. Wahrscheinlich befand sich deshalb im Schriftkasten für Antiqua kursiv keine Ligatur ſ mehr, sodass sie durch die zwei Buchstaben ſz ersetzt wurde.
3. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Obwohl sowohl im Bereich des Alphabets als auch der Orthografie noch Inkonsistenzen und Varianten festzustellen sind, wird bereits versucht, den Text zu vereinheitlichen und zu beständigeren Buchstaben- und Rechtschreibprinzipien überzugehen.
In recht konsequenter Anlehnung an die Tradition polnischsprachiger Drucke beginnt man, das diakritische Zeichen „a pochylone“ zu verwenden, das der Korrektor der Druckerei möglicherweise bereits als normative Variante auffasste. Die Anwendung bestimmter etablierter Regeln zeigt sich auch in der orthografischen Redaktion des Wortes iuſu, des Buchstabens w zur Kennzeichnung des kurzen Vokals [u] im Diphthong au sowie einiger Eigennamen. Diese Korrekturen wurden nicht unmittelbar durch die jeweilige polnische Vorlage beeinflusst.
In den Evangelien wurden also ab JE74 zusätzlich die Abbreviaturbuchstaben ē, ī und ō zur Bezeichnung der Verbindungen en, im und om verwendet. Die Änderungen an den Schriften bezeugen, dass auch der Korrektor der Druckerei oder sogar der Drucker selbst an der Bearbeitung des Textes beteiligt war.
Da sich die 1679 und 1690 neu aufgelegten Evangelien nur geringfügig von der Ausgabe von 1674 unterschieden (Lučinskienė 2001: 117–128), lässt sich annehmen, dass sich diese Korrekturen bis zur Ausgabe von 1705 hielten, in der diese Evangelien in der westlichen Variante der Schriftsprache neu geschrieben wurden.
11 Antiqua, die leicht nach rechts geneigt war, wurde Kursiv- oder Italicschrift genannt. Eine solche Kursivschrift diente dazu, einzelne Wörter im Text oder Textteile hervorzuheben, die in Antiqua gesetzt waren (Kawecka-Gryczowa 1982: 221).
12 I. Petrauskienė zufolge war die Zeit von 1633 bis 1652 die produktivste Phase der Tätigkeit der Druckerei der Vilniuser Akademie. „Die Lage verbesserte sich besonders ab 1666, offenbar nachdem neue Druckpressen und Schriften angeschafft worden waren“ (Petrauskienė 1976: 41). Dass den Jesuiten der Vilniuser Akademie die Qualität der Drucktypen wichtig war, zeigt auch die nach dem 28. August 1634 erlassene Verordnung des litauischen Jesuitenprovinzials M. Lenčickis über den Druck von Veröffentlichungen in der Druckerei der Vilniuser Akademie und deren Verbreitung. Einer der Punkte besagt, dass von den für den Druck erhobenen Gebühren etwas „für die Restaurierung und Erneuerung der Drucktypen, die sich leicht abnutzen und deren Ausbesserung viel Geld erfordert“, übrig bleiben müsse (Petrauskienė 1992: 251).
EWANGELIE POLSKIE Y LITEWSKIE RAŠYBOS NORMINIMAS | 59
ABKÜRZUNGEN
JE47 – [Jonas Jaknavičius] POLNISCHE UND LITAUISCHE EVANGELIEN, sowohl die Sonntags- als auch alle Festtagsevangelien, die in der katholischen Kirche nach römischem Ritus das ganze Jahr hindurch gelesen werden. Mit Genehmigung der Obrigkeit herausgegeben in WILNA. In der Druckerei der Akademie der Societas Jesu. Im Jahre 1647.
JE4 – [Jonas Jaknavičius] POLNISCHE UND LITAUISCHE EVANGELIEN. Sowohl die SONNTAGS- als auch alle FESTTAGSEVANGELIEN, die in der katholischen Kirche nach römischem Ritus das ganze Jahr hindurch gelesen werden. WILNA. Gedruckt in der Akademie der Societas Jesu. 1674.
PS – [Konstantinas Sirvydas,] Predigtpunkte für die Fastenzeit, in litauischer Sprache von Pater Konstantinas Širvydas, Theologe der Societas Jesu, zusammengestellt und ins Polnische übersetzt und in beiden Sprachen zum Druck gegeben. Mit Genehmigung der Obrigkeit. In Wilna / In der Druckerei der Akademie der Societas Jesu. Im Jahre des Herrn 1644.
LITERATÚRA
BIRKENMAJER, A., KOCOWSKI, B., TRZYNADLOWSKI, J., red., 1971: Encyklopedia wiedzy o książce, Wrocław, Warszawa, Kraków: Zakład Narodowy im. Ossolińskich.
CAPPELLI, A. 1967: Dizionario di abbrevia ture latine ed italiane. Ristampa, Milano: OFSA-Casarile.
CYBULSKI, M. 1992: Norma języka literackiego wobec normy rękopiśmiennych tekstów urzędowych z XVII wieku. Odmiany polszczyzny XVII wieku, Lublin: Wydawnictwo Uniwersytetu Marii Curie-Skłodowskiej.
GELUMBECKAITĖ, J. 2000: [Rec.] Wolfenbüttelio postilė. Archivum Lithuanicum 2, 173–194.
JAKULYTĖ, D. 2001: „Knygos nob ažnystės“ kalba. Knyga nob ažnystės krikščioniškos (1653) – XVII a. Lietuvos kultūros paminklas, Kėdainiai: Kėdainių krašto muziejus.
KAUNAS, D. 1997: Knygotyra. Enciklopedinis žodynas, Vilnius: Alma littera.
KAWECKA-GRYCZOWA, A. 1982: Współczesne polskie drukarstwo i grafika książki. Mały słownik encyklopedyczny, Wrocław etc.: Zakład Narodowy im. Ossolińskich.
KLEMENSIEWICZ, Z. 1985: Historia języka polskiego, Warszawa: Państwowe Wydawnictwo Naukowe.
KSIĄŻEK-BRYŁOWA, W. 1976: O języku druków lubelskich z XVII wieku. Annales Universitatis Mariae Curie-Skłodowska, vol. XXXI, 19, Lublin–Polonia.
LUČINSKIENĖ, M. 2001: Ryšytvebių redagavimas Jono Jaknavičiaus Evangelie polskie y litewskie 1674 metų leidime. Archivum Lithuanicum 3, 117–128.
MICHELINI, G. 2000: Martyno Mažvydo raštai ir jų šaltiniai, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
MORKŪNAS, K. 1967: Mišrieji dvigarsiai am, an, em, en ir balsiai ą, ę K. Širvydo raštuose. Lietuvių kalbotyros klausimai 9, 139–146.
PALIONIS, J. 1967: Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius: Mintis.
PALIONIS, J. 1979: Lietuvių literatūrinės kalbos istorija, Vilnius: Mokslas.
PALIONIS, J. 1995: Lietuvių rašomosios kalbos istorija, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.
PETRAUSKIENĖ, I. 1976: Vilniaus akademijos spaustuvė 1575–1773, Vilnius: Mokslas.
PETRAUSKIENĖ, I. 1992: Vilniaus akademijos spaustuvės šaltiniai XVI–XIX a., Vilnius: Mokslas.
URBAŃCZYK, S., red., 1978: Encyklopedia wiedzy o języku polskim, Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk: Zakład Narodowy im. Ossolińskich.
ZINKEVIČIUS, Z. 1966: Lietuvių dialektologija, Vilnius: Mintis.
ZINKEVIČIUS, Z. 1988: Lietuvių kalbos istorija 3. Senųjų raštų kalba, Vilnius: Mokslas.
Milda Lučinskienė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, 10308 Vilnius, Lietuva [email protected]
Gauta 2003 11 22