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Die prädikative Verwendung von Substantiven im Litauischen: Nominativ vs. Instrumental

Loreta Semėnienė

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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA L (2004), 99 - 125 Die pradikative Verwendung von Substantiven im Litauischen: Nominativ vs. Instrumental” LORETA SEMENIENE Lietuviy kalbos institutas, Vilnius In this article, the use of the nominative and the instrumental as predicative cases in Lithuanian copular sentences is discussed. The emphasis is on cases where a morphosyntactic variation is observed. It is argued that, though the use of predicative cases may be influenced both by semantic and by formal factors, the relative importance of these factors is unequal in modern Lithuanian. Semantic factors (permanent vs. temporary property) have no decisive influence on the choice of one of these case forms. Both nominative and instrumental can be used to mark either a perma- nent or a temporary state (the instrumental being slightly higher in frequency with inanimates). The factors most markedly influencing the choice of case forms are: the inflectional form of the copula (tense and mood), finiteness vs. nonfiniteness, and word order. Various forms of markedness (marked tense and mood forms, marked word order) contribute to the use of the instrumental 0. EINFUHRENDE BEMERKUNGEN 0.1. Die Verwendung des Nominativs und / oder Instrumentals in den sogenannten Pridikativsdtzen' wurde bereits mehrfach untersucht. In diesen Arbeiten wurde nach semantischen und / oder formalen Kriterien gesucht, die die Verwendung des einen oder anderen pradikativen Falls verursachen. 0.1.1. Einige Linguisten (Jakobson 1971: 26ff.; vgl. Wierzbicka 1980: xix, 2) vertre- ten die Meinung, dass jeder Fall eine Vielfalt von verschiedenen Bedeutungen hat, die man zwar einerseits trennen kann, die aber andererseits miteinander verflochten sind und in eine invariante Gesamtbedeutung zusammengefasst werden konnen. Die einzelnen Bedeutungen des Falls erklaren sich aus der Gesamtbedeutung und aus dem Kontext (vgl. Wierzbicka 1980: xix). Die EINZELBEDEUTUNG des Falls lasst sich nicht als Kontextvariante beschreiben, denn die Bedeutung der in verschiedenen Sprachen in analogem Kontext verwende- ten Fille kann sich unterscheiden. Unter Beriicksichtigung dessen schligt Anna Wierzbicka (1980: 157-158) vor, die Einzelbedeutung des Falls als Sachverhalt der Der Aufsatz ist das Resultat eines Forschungsaufenthaltes an der Carl von Ossietzky Universitat Oldenburg in Deutschland 2003. Die Autorin bedankt sich herzlich bei ihrem Gastgeber und Betreuer Prof. Dr. habil. Gerd Hentschel fiir vielfaltige Hilfe und Ratschlage. Dank gilt dem Deutschen Akademi- schen Austauschdienst, der den Forschungsaufenthalt finanzierte. Fiir wertvolle Bemerkungen und Hin- weise mochte ich auBerdem Prof. Dr. habil. Axel Holvoet danken. In der litauischen Grammatik werden solche Sitze gewohnlich Nominalsiatze (vardaZodinis sakinys) genannt (Ambrazas, Red., 1996: 612). 100 | LORETA SEMĖNIENĖ inneren Struktur einer Sprache zu beschreiben. Die Gesamtbedeutung sollte nach ihrer Vorstellung als Gesamtheit gewisser gemeinsamer semantischer Komponen- ten verstanden werden. 0.1.1.1. In Anlehnung an das semantische Verstandnis des Falls wird gesagt, dass der pradikative Nominativ zum Ausdruck einer bestandigen Befindlichkeit (Balkevičius 1998: 104-105; Jablonskis 1957: 556; Jakobson 1971: 49; vgl. Wierzbicka 1980: 119) oder auch eines bestandigen und zeitweiligen Zustands (Ambrazas, ed., 1997: 472; Ambrazas, Red., 1996: 505-506; Ulvydas, Ambrazas, Valeckienė, Red., 1976: 68-69, 364; Šukys 1998: 73-74, 245-248; Paulauskienė 1994: 110; vgl.: Sirtautas, Grenda 1988: 69-71; Balkevičius 1963: 106-109) verwendet werden kann. Der pradikative Instrumental findet Verwendung zum Ausdruck eines zeitweiligen Zustandes. Mit anderen Worten, man stellt eine semantische Opposition stindig / zeitweilig auf, wobei der bestandige Zustand vermittels des Nominativs und der zeit- weilige mittels Instrumental oder Nominativ ausgedriickt wird, jedoch nicht umge- kehrt (vgl. Miliūnaitė, Hg., 2003: 75-77). 0.1.2. Andere Sprachwissenschaftler vertreten die Auffassung (Pinkster 1988: 57— 99; vgl. Comrie 1989: 70-74, 124-127; Hentschel 1993b: 282-285), dass der Fall ein formales morphosyntaktisches Zeichen ist, das im Satz eine diakritische Funktion innehat, d.h. die syntaktische Struktur des Satzes zeigt. Das ist besonders bei Spra- chen der Fall, in denen sich die Flexionen auch durch spezifische Formen unterschei- den, in denen Elemente des Satzkerns in verschiedenen, nichthomonymen Fille er- scheinen. 0.1.2.1. In Anlehnung an diese Sicht wird gesagt (Schaller 1975: 81-83), dass der substantivische Instrumental verwendet werden kann, wenn man Subjekt und Pradi- kativ morphologisch unterscheiden mochte, z.B. wenn Subjekt und Pradikativ durch Substantive vertreten sind. Es ist jedoch offensichtlich, dass der substantivische Nominativ haufig auch in sol- chen Fallen Verwendung findet, wenn das Subjekt ein Substantiv ist und umgekehrt: der substantivische Instrumental wird auch dann hinreichend oft verwendet, wenn als Subjekt ein Pronomen Verwendung findet. Andererseits ist es nicht immer erforder- lich, das substantivische Subjekt von dem substantivischen Pradikativ morphologisch zu trennen, vgl.: (1) Todėl tai negali būti priekaistas tik vienam žmogui; M. Sleževičius nebuvo karjeros diplomatas. KT “Daher kann das kein Vorwurf nur einem Menschen sein; M. Sleževičius war kein Karrierediplomat.’ (2) Bendramokslis buvęs išdavikas, rūpinęsis tik savimi, o vienuolyną pasirinkęs vien iš tinginystės ir pataikavimo pilvui. KT “Der Kommilitone war ein Verrdter, kūmmerte sich nur um sich und hatte das Kloster nur aus Faulheit und Zugestandnis an den Bauch gewahlt.’ 0.1.3. In jūngeren Arbeiten (Hentschel 1991a, 1991b; 1992a; 1993a, 1993b; 1994) wird nicht selten die Meinung vertreten, dass die Wahl des Falls sowohl von semanti- PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 101 schen als auch von formalen Kriterien bedingt sein kann: einerseits kann die Wahl des Falls des Pradikatssubstantivs z.B. von der (Un-)bestandigkeit des auszudrūk- kenden Zustands oder der (Un-)belebtheit des Pradikatssubstantivs beeinflusst sein, andererseits von der Notwendigkeit, das Subjekt formal vom Pradikativ zu unter- scheiden. Das heiBt jedoch keineswegs, dass bei Vorhandensein von diesen oder jenen seman- tischen bzw. formalen Anzeichen zwingend der zugeordnete Pradikativfall ausgewiahlt wird. Man behauptet also nicht, dass es ein hinreichendes Kriterium X gibt, fiir das gilt ,wenn X, dann (immer) Y*, sondern beschriankt sich auf die Tendenz ,,wenn X, dann vorzugsweise Y“ (Hentschel 1991a: 224). 0.2. Wenn man anerkennt, dass ein Fall eine Bedeutung hat, dann muss man einer- seits auch anerkennen, dass die Verwendung eines bestimmten von zwei (oder mehr) moglichen Fallen semantischen Unterschieden geschuldet ist. Andererseits bleibt unklar, was die Wahl des Falls verursacht, wenn keine semantischen Unterschiede auszumachen sind. Mit anderen Worten, es stellt sich die Frage, was die Auswahl des Nominativs oder Instrumentals zum Ausdruck eines zeitweiligen Zustandes verur- sacht. Sobald man aber davon ausgeht, dass ein Fall keine Bedeutung hat und nur ein diakritisches Zeichen zur Markierung veschiedener syntaktischer Funktionen ist, bleibt unklar, warum in einigen Pradikativsiatzen zur Kennzeichnung der gleichen syntakti- schen Funktion, namlich des Pradikativs, verschiedene Fille (hier Nominativ und Instrumental) verwendet werden konnen, in anderen Sitzen aber nicht. Damit erhebt sich die These, dass sowohl semantische als auch formale morphosyntaktische Kriterien den Fall des substantivischen Pradikativs beeinflus- sen. In der gegenwirtigen litauischen Sprache sind beide Einfliisse aber nicht gleich- rangig. 0.3. Das Hauptaugenmerk des Artikels richtet sich auf Tendenzen in der Verwen- dung von Nominativ und Instrumental in QUALIFIKATIONSSATZEN. Der prototypische Satz hat ein definites Subjekt und ein indefinites Pradikativ, z.B., jis buvo mokytojas. IDENTIFIKATIONSSATZE hingegen, in denen sowohl Subjekt als auch Pradikativ pro- totypisch bestimmt sind, werden im Detail nicht behandelt, z.B., ši moteris buvo mano pirmoji mokytoja®. Wir beschrinken uns hier auf die Kasusmarkierung pradikativ verwendeter Sub- stantive. 2 Ausfiihrlicher iiber Unterschiede zwischen Identifikationssatzen und den hier beschriebenen sowie zu deren moglichen Ahnlichkeiten siche Hentschel (1991a: 223; 1992a; 1993b: 262-264); Rothstein (1986); Wierzbicka (1980: 122); Lyons (1977: 469-473). In Arbeiten der litauischen Linguistik werden bei der Beschreibung der Rolle substantivischer Fille in pradikativer Verwendung gewohnlich keine Unterschiede in der Behandlung von Qualifikations- und Identifikationssiatzen gemacht (vgl.: Valeckiene 1998: 41-42; Ambrazas, ed., 1997: 642-643). Es muss gesagt werden, dass, wenn man von Identifikationssatzen spricht, die in der litauischen Sprachwissenschaft traditionelle Opposition zeitweilig / bestindig irrelevant ist, da aus A identisch B auch B identisch A folgt. 102 į LORETA SEMĖNIENĖ 1. SEMANTISCHE KRITERIEN, DIE EINFLUSS AUF DEN FALL DES SUBSTANTIVISCHEN PRADIKATIVS HABEN KONNEN 1.1. In Hinblick auf die Bedeutung pradikativer Substantive spricht man nicht sel- ten von mehreren Substantivgruppen, welche Einfluss auf die Verwendung im Nomi- nativ oder Instrumental haben kénnen. Es heiflt, dass dann, wenn das Substantiv Nationalitat, Geschlecht, Verwandschafts- grad, unverinderliche Zugehorigkeit zu einer Art, Klasse 0.4. benennt, der Nomina- tiv verwendet wird (Sukys 1998: 74, 250; 1984: 21; vgl. Paulauskienė 2001: 184). Mit anderen Worten, der Nominativ wird verwendet, wenn mittels des pradikativen Sub- stantivs ein bestiandiger, naturgeméBer Zustand ausgedriickt wird, z.B.: (3) Po daugelio mety Petras Klimas, Lietuvos pasiuntinys ParyZiuje, prisimins, kad J. Baltrušaitis nuolat jautė grauzaty, jog jis, [jis] būdamas lietuvis, kuria ne savo krašto, o rusų literatūrą. Kitą kartą P. Klimas yra užsiminęs, jog J. Baltrušaitis apskritai buvo vaikščiojanti mįslė. KT “Nach vielen Jahren wird sich Petras Klimas, litauischer Gesandter in Paris, erinnern, dass J. Baltrušaitis immer Gewissensbisse fūhlte, da er als Litauer nicht die Literatur seines Landes, sondern russische Literatur schuf. Ein anderes Mal erwahnte P. Klimas, dass Baltrušaitis ūberhaupt ein wandelndes Ratsel war.’ (4) Arba tarkime, kad Romos katalikas tiki, jog be Bažnyčios nėra išganymo. Jis klausia savęs: jeigu [jis] nebūtų katalikas, ar jis norėtų būti stipriai skatinamas priimti katalikų tikėjimą. KT ‘Oder nehmen wir an, dass ein Romisch-Katholischer glaubt, dass es ohne Kirche keine Erlosung gibt. Er fragt sich, wenn er kein Katholik wire, wiirde er dann stark gemahnt sein wollen, den katholischen Glauben anzunehmen.’ (5) Universiteto medicinos fakultete studijavo Liudvikas Jucevičius. Uždarius universitetą, jis, siekdamas mokslo, bet [jis] būdamas bežemio bajoro sūnus, neturėjo lėšų išvykti studijuoti svetur ir įstojo mokytis į Vyriausiąją Vilniaus kunigų seminariją. KT “Liudvikas Jucevičius studierte an der medizinischen Fakultūt der Universitat. Nach SchlieBung der Universitat, hatte er, strebend nach Wissenschaft, aber als Sohn eines Bajors ohne Landbesitz, keine Mittel anderswo zu studieren und schrieb sich in das Oberste Priesterseminar in Vilnius ein.' Einer anderen pradikativisch verwendeten Substantivklasse ordnet man Termini zur Benennung von Berufen, 6ffentlichen Funktionen und andere Tatigkeits- beschreibungen zu. Dabei handele es sich um einen zeitweiligen (veranderlichen) Zustand, der sowohl durch Nominativ als auch Instrumental bezeichnet werden kann? (Sukys 1998: 245; 1984: 21, 124; vgl. Ambrazas, Red., 1996: 506), z.B.: 3 Jonas Šukys (1998: 247) meint, dass „mit vielen Formen von būti sowohl der substantivische Instrumen- tal als auch der Nominativ méglich sind [...], der haufigere und gewohnliche der Nominativ ist. Der Instru- mental des Zustands verwendet man gewohnlich nur, wenn man besonders den zeitweiligen, unbestindigen Zustand akzentuieren mochte. [...] Wenn man diese Akzentuierung nicht anstrebt, dann wird im Litaui- schen haufig der unbestéindige, zeitweilige Zustand mit dem Nominativ wiedergegeben®. PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 103 (6) Pasižiūrėkite, ką daro Pasaulio bankas. Šitas susitarimas buvo pradėtas rengti, kai aš dar buvau ministras. Taigi prieš 2,5 metų. Dveji su puse metų, kai rengiamas šitas projektas. Toliau. KT ‘Sehen Sie, was die Weltbank macht. Diese Einigung wurde begonnen vorzubereiten als ich noch Minister war. Also vor 2,5 Jahren. Zweieinhalb Jahre bereitet man dieses Projekt vor. Weiter.’ (7) Jis buvo labai patenkintas, kad būtent Garbaciauskas paskirtas švietimo skyriaus vedėju. Būdamas dailės būrelio vadovas, jis visokeriopai palaikė Igną, atvirai jam simpatizavo. O tai ne į bloga! KT “Er war zufrieden, dass ausgerechnet Garbačiauskas zum Leiter der Bildungsabteilung ernannt wurde. Als Leiter des Kunstzirkels, hatte er Ignas vielfaltig unterstūtzt und symphatisierte ihm offen. Das ist nicht schlecht!’ (8) Reikėtų labai gerai tq sutvarkyti. Mes žiūrėkime... Ai, minute. Dar norėčiau prie vieno dalyko. Kada dar aš buvau ministru, buvo visa tai sumanyta, bet buvo numatytas vienas, sakyčiau, labai neblogas dalykas: visų pirma priimti ne pelno organizacijų įstatymą. KT ‘Man miisste das sehr gut ordnen. Wir werden sehen... O, eine Minute. Noch zu einer Sache. Als ich noch Minister war, war das schon ausgedacht, aber es war noch eine, ich wiirde sagen, sehr gute, Sache geplant: zunachst das Gesetz ūber Nonprofitorganisationen zu erlassen.’ (9) Velionis Prezidentas Kazys Grinius, būdamas šalies vadovu, sakė: „Kol nesustiprės Lietuva, atlyginimo neimsiu“. KT “Der nun verstorbene Prasident Kazys Grinius sagte, als er Landesoberhaupt war: “Solan- ge Litauen nicht erstarkt, werde ich kein Gehalt nehmen”.’ 1.2. Wihrend der Betrachtung von dieser Gruppe zugeordneten Substantiven wird deutlich: Berufsbezeichnungen kénnen nicht mit einem zeitweiligen Zustand verbun- den werden. Der Beruf ist das, was bestandig ist (vgl. Ambrazas, ed., 1997: 472; Ambrazas, Red., 1996: 506). Das heiBt, nach 0.g. Meinungen miisste dieser bestandi- ge Zustand durch den Nominativ bezeichnet werden, z.B.: (10) Baigęs biznio srities magistrantūrą [aS] būsiu ir profesionalus administratorius. KT “Wenn ich das Magisterstudium Wirtschaft beendet haben werde, werde ich auch ein professioneller Manager sein.’ (11) Kaip čia rankų nenuleisi, dairydamasis aplink save. Štai turiu baigti institutą ir gal jį baigsiu Dievui padedant, už dviejų metų [aš] būsiu inžinierius, gal būsiu aprūpintas materialiai, tik kiek iš to turės gero mano kraštas? KT “Wie soll man da nicht desillusioniert werden, wenn man um sich schaut. Da muss ich das Institut beenden und vielleicht werde ich es mit Gottes Hilfe beenden, nach zwei Jahren werde ich Ingenieur sein, vielleicht materiell sichergestellt, doch welchen Nutzen hat davon mein Land?’ (12) Ji studijuoja verslo informacijos vadybą. Šiais metais mokysis antrame šios specialybės kurse. „Apie būsimą darbą dar negalvoju. Žinau, kad [aš) būsiu vadybininkė, o pasirinkimo laisvė šioje srityje yra gana didelė“, — sakė G. Usonytė. KT ‘Sie studiert Informationsmanagement. In diesem Jahr studiert sie im zweiten Studien- 104 | LORETA SEMĖNIENĖ jahr. “Uber kiinftige Arbeit denke ich noch nicht nach. Ich weiB, dass ich Managerin sein werde, und die Auswahlfreiheit in diesem Gebiet ist ziemlich gro” sagt G. Usonyte.’ Indessen kann Arbeit oder eine konkrete Téatigkeit, die mit einem bestimmten Be- ruf verbunden ist, durchaus zeitweilig sein, wie Offentliche Tatigkeit 0.4. (siche Bsp. (6)—(9)). Und zur Markierung eines zeitweiligen Zustands wird, wie bereits erwiahnt, sowohl der Nominativ als auch der Instrumental herangezogen, z.B.: (13) Kaip gyvengs, kaip besivercigs? O, apie tai véliau, pasakojimy ir kalby bus tiek ir tiek! Tariant trumpai — jis Priekalnéje buvęs režisierius, dabar jau nieko nedirbgs, besiilsis. Gyvengs vienas, laisvas it paukštis. Tuoj pat jis mane pavadino pasisvečiuoti savo namuose. KT ‘Wie steht's, wie geht's? Nun, dazu spater, der Reden und Erzahlungen wird es noch soundsoviel geben! Kurz: er, der er Regisseur in Priekalnė war, arbeitet jetzt nicht mehr, erholt sich. Wohnt allein, frei wie ein Vogel. Sogleich lud er mich ein, zu Gast in seinem Haus zu sein.’ (14) Mintyse (tfu, tfu, tfu) pamaniau — ar tik ne motulės „pamokos“ bus prisidéjusios? O vyro, kaip mačiau nuotraukose, būta išvaizdaus, dailiai sudėto. Buvęs aviacijos inžinierium. KT “In Gedanken (pfui) dachte ich mir, ob hier nicht Mūtterchens “Lehren” einen Anteil hatten? Der Mann, den ich auf den Fotos sah, war ansehnlich, von guter Gestalt. Er war Luftfahrtingenieur gewesen.’ Vermittels pradikativer Substantive zur Bezeichnung von beruflicher oder 6ffent- licher Arbeit kann auch ein bestdndiger Zustand ausgedriickt werden. Wie man je- doch anhand der Satze (15)—(18) sieht, erscheint in solchen Situationen nicht nur der Nominativ, sondern auch der Instrumental, vgl.: (15) Ne visiems patiko 1941 m. kovo 13 d. A. Smetonos JAV lietuviams pasakyti žodžiai: „Aš buvau, esu ir būsiu Lietuvos prezidentas (...) Aš palieku Lietuvos prezidentas de jure“. KT “Nicht allen gefielen die von A. Smetona am 13. Marz 1941 zu den US Litauern gesagten Worte: “Ich war, bin und werde Prūsident Litauens sein (...) Ich bleibe Litauens Prasident de jure”; (16) Apie save pasakoti yra pats nedéekingiausias dalykas. Tavo ištartus žodžius gali suprasti įvairiai, tad kalbėsiu trumpai. Pirmiausia [aš) esu ir būsiu akių gydytojas, kurio pašaukimas — padėti žmonėms, turintiems regos problemų. Gydytoju-oftalmologu pradėjau dirbti dar besimokydamas rezidentūroje. KT ‘Uber sich zu erzihlen ist die undankbarste Angelegenheit. Deine gesprochenen Worte konnen verschieden verstanden werden, daher werde ich kurz reden. Zuerst bin und werde ich Augenarzt sein, dessen Berufung es ist, Menschen zu helfen, die Probleme mit dem Se- hen haben. Als Ophthalmologe fing ich schon in der Facharztausbildung an zu arbeiten.’ (17) Po žmonos mirties galvojai atsisakyti savo profesijos? — Nė vienos minutės. Kesi to niekada neatleisty. ,,ViSADA [tu] būk aktorium“, — tokie buvo paskutinieji jos žodžiai. KT ““Dachtest du nach dem Tod deiner Frau daran, den Beruf aufzugeben?” “Keine Minute. Kesi hatte das nie verziehen. ‘Sei IMMER Schauspieler’, so lauteten ihre „> letzten Worte”. PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 105 (18) Įdomu, jei taptumėte politike, apie Jus sužinotume daug kompromituojančių dalykų? — NIEKADA [aS] nebūsiu politike. O skandalų apie mane?.. Kad nėra. Gal kada nors buvau per daug išgėrusi, išsišokusi, pasakiusi ne tai, ką reikia. — O narkotikai? KT “ “Es ist interessant, wenn sie Politikerin werden wūrden, wūrden wir viele kompromittie- rende Fakten ūber Sie erfahren?” “NIEMALS werde ich Politikerin sein. Und Skandale ūber mich?.. Gibt es nicht. Vielleicht war ich mal etwas angetrunken, ausgelassen, hab nicht das gesagt, was notig gewesen wire”. “Und Narkotika?”’ Somit wird mit Substantiven zur Bezeichnung von Arbeit, Beruf, 6ffentlichen Ta- tigkeiten u.a. sowohl ein bestandiger als auch zeitweiliger Zustand ausgedriickt, der wiederum sowohl mit Nominativ als auch mit Instrumental vermittelt werden kann. Andererseits meint man, dass es bei den vorgenannten Substantiven nicht so sehr um die Opposition zeitweilig / bestindig geht, sondern, dass die Verwendung von No- minativ und Instrumental durch die konkrete Bedeutung des Substantivs bedingt ist. Aus lexikalischer Sicht haben diese pradikativisch verwendeten Substantive zur Be- nennung professioneller, sozialer und 6ffentlicher Tatigkeit ihre direkte Verbindung zu ihrer Referenz, der Person, verloren. Sie markieren daher eher nicht die Person, sondern eine Tatigkeit, die mit der Person assoziiert wird (Hentschel 1993b: 276- 277, 282, 1992a; vgl. Dik 1989: 170-172). Mit anderen Worten, eine solche Verwen- dung substantivischer Pradikative ist nichtprototypisch, ahnlich der „echten“ Ver- wendung des Pradikats (Verbs) (vgl. Valeckiené 1998: 53). 1.3. In Anlehnung an Daten anderer Sprachen, wurde betont, dass der Instrumental sich zunéchst in Verbindung mit pradikativen Substantive etabliert, die die prototy- pische Markierung eines Dings, d.h. einer Person, verloren haben (Ausfiihrlicher sie- he: Hentschel 1992a; 1993b: 277-278, 282, 285-286; 1999: 260). In Verallgemeinerung der vorliegenden Informationen sicht man, dass im einfachen Satz der Instrumental mit den erwahnten préadikativen Substantiven haufiger verwen- det wird als mit anderen Substantiven. Jedoch ist diese Verwendungstendenz des Instrumentals keineswegs offensichtlich, selbst wenn man auler Acht lasst, dass der Instrumental absolut nicht haufiger verwendet wird als der Nominativ (siche Tab. 1) TAB. 1. EINFLUSS DER BEDEUTUNG DES PRADIKATIVEN SUBSTANTIVS AUF DIE KASUSMARKIERUNG Substantiv Fall Satzzahl (n) Nominativ Instrumental zur Bezeichnung 193 53 246 von Titigkeiten 78% 22% andere 133 18 151 88% 12% 106 | LORETA SEMĖNIENĖ So muss man einerseits anerkennen, dass der Instrumental mit pradikativen Tatigkeitsbezeichnungen im Litauischen nicht sehr verbreitet ist. Andererseits er- kennt man aus der tabellarischen Darstellung, dass der Instrumental nicht wesent- lich seltener mit anderen pradikativen Substantiven verwendet wird. Einige Bei- spiele: (19) Tamsta išsižadėjote savo tautybės, o aš nors ir turiu išsaugojusi motinos pasą, negaliu jos atgauti per biurokratines kliūtis... Teisingiau, kad būtum tuo, kuo gimei, reikia nemažai sumokėti bylinėjantis teismuose, o to nesu įpratusi daryti. KT “Sie haben Ihrer Nationalitat abgeschworen, und ich, obwohl ich den Pass meiner Mutter aufbewahrt habe, kann sie vor lauter būrokratischen Hindernissen nicht wiederbekommen... Gerechter, um der zu sein, als der du geboren wurdest, muss man nicht wenig bezahlen wiahrend des Streits vor Gericht, und das bin ich nicht gewohnt.’ (20) Sakai, jei [tu] nebūsi žmogumi, tai kirminu būti nenori. Labai gražu, bet kas, tavo manymu, yra žmogus, jeigu Tu juo nesi? Kad būtum žmogumi, argi būtinai reikia turėti ant kaktos užlipdytą ženklą, t. y. būti kurpium, inžinierium, kunigu ar muziku? KT “Du sagst, wenn du kein Mensch sein wirst, dann wirst du kein Wurm sein wollen. Sehr schon, aber was ist dann deines Erachtens ein Mensch, wenn du keiner bist? Ist es denn, um Mensch zu sein, notwendig auf der Stirn einen Aufkleber zu haben, d.h. Schuhmacher, Inge- nieur, Priester oder Musiker zu sein?’ (21) Būk atvira pasauliui, pažinimui, bendravimui, stenkis gyventi ne „savo gatve“, o „didžiuoju pasauliu“ (tai yra, tu) būk šiuolaikine europiete) — tam visiškai nebūtina gyventi Romoje ar Amsterdame! KT “Sei der Welt gegenūber offen, der Erkenntnis, dem Kontakt, strebe nicht danach “in deiner StraBe", sondern in der “groBen Welt” zu leben (d.h. sei eine moderne Europderin) — dazu muss man keineswegs in Rom oder Amsterdam leben!’ (22) Amzininkas tampa tikruoju amžininku. Tačiau neamzininkas (betarpiškai suprantant) juk yra vėlesnysis, taigi ir vėlesnysis turi galėti būti tikruoju amžininku. KT “Der Zeitgenosse wird zum echten Zeitgenossen. Der Nichtzeitgenosse (unmittelbar verstanden) jedoch ist ein Spaterer, also auch ein Spdterer muss echter Zeitgenosse sein konnen.’ (23) Tarkime, Algirdas ir jo aplinka, išgirdusi viešą Jono ar Antano prisipaZinimg, reaguoja į tai ramiai: na ir (jūs) būkite tais krikščionimis, mums nuo to nei šilta, nei šalta. KT “Nehmen wir an, Algirdas und seine Umgebung reagieren auf die 6ffentliche Bekenntnis von Jonas oder Antanas gelassen: na, dann seid Christen, uns ist das vollig egal.’ (24) Valančius visa savo būtybe tautai troško laimės ir didybės, [jis] būdamas realistu, sukūrė ir priemones šiam idealui pasiekti. Valančius pats kilęs iš savo tautos gelmių — liaudies — gerai nusimanė, kas ji yra, juto, ko jai trūksta. KT “Valančius dūrstete mit seinem ganzen Wesen nach Glūck und GrėBe fiir die Nation, als Realist schuf er auch Mittel, dieses Ideal zu erreichen. Valančius stammte selbst aus den Tiefen der Nation — aus dem Volk — wusste genau, was sie ist, fūhlte, was ihr fehlt.’ Aus den Sitzen (19)—(24) ersieht man, dass der Instrumental (wie auch der Nomi- nativ) in der gegenwirtigen litauischen Sprache auch dann verwendet wird, wenn mit PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 107 dem pradikativen Substantiv ein bestandiger, naturgegebener Zustand einer Person (oder eines Lebewesens) benannt wird (vgl. Satze (3)-(5))“*. Natūrlich kann der zur Benennung eines standigen Zustandes verwendete pradika- tive substantivische Nominativ nicht immer durch den Instrumental ersetzt werden und umgekehrt (vgl. Satze (15)—(18)). Nicht selten ist die Verwendung des Nomina- tivs (siche (25)-(26)) oder Instrumental (siche (27)—(28)) der Bedeutung des pri- dikativen Substantivs, dem Satzkontext 0.4. geschuldet (siche unten) (vgl. Šukys 1998: 250), z.B.: (25) Be to, jis] būdamas intelektualas, jis šiek tiek per menkai vertina tq neartikuliuotq ir apibrėžtos formos neturintį maldingumgq. KT ‘AuBerdem, als Intellektueller, unterschatzt er etwas die unartikulierte Religiositat ohne feste Formen.’ (26) Nutaria pats imtis savarankiško rangovo darbo — stato geležinkelio tiltus. [Jis] būdamas geras savo specialybės žinovas, organizatorius ir sąžiningas darby vykdytojas, jis greitai pelnė Rusijos susisiekimo ministerijos pagarbą. KT “[Er] beschlieBt, selbst die Bauleitung zu ūbernehmen — baut eine Eisenbahnbriicke. Als guter Kenner seines Fachs, Organisator und ehrlicher Ausfiithrender, verdient er sich schnell die Anerkennung des russischen Verkehrsministeriums.’ (27) Svarstydamas Hėgelio požiūrį, Berdiajev’as parodo, jog ponas ir vergas iš tikrųjų sėdi vienoje valtyje, jog jie abu yra vergijos aukos. Kad [tu] būtum asmeniu, turi lemti [= ugdyti — L. S.] save tiktai savo dvasios laisvės pagrindu, o ne griebdamasis valdų, valdžios struktūrų, aistrų ar viešpatavimo kitiems. KT “In Erorterung der Position Hegels zeigt Berdiajev, dass der Herr und der Knecht tatsach- lich in einem Boot sitzen, dass sie beide Opfer der Knechtschaft sind. Um eine Person zu sein, darfst du dich nur auf die Freiheit deines Geistes verlassen und nicht auf das Greifen nach Herrschaft, Herrschaftsstrukturen, Leidenschaft oder Beherrschung anderer.' (28) Šio uždavinio suvokimas, nesvarbu, kokiu pavidalu, išliks, kol žmonės bus žmonėmis. Nebe pirmą kartą filosofija yra smarkiai puolama ir net apskritai neigiama kaip nereikalinga ir žalinga. Kam jos reikia? KT “Das Verstandnis dieser Aufgabe, unwichtig in welcher Form, wird erhalten bleiben solan- ge die Menschen Menschen sein werden. Nicht zum ersten Mal wird die Philosophie heftig angegriffen und sogar als unnėtig und schadlich negiert. Wer braucht sie?’ Vgl.: (25a) *Be to, [jis] būdamas intelektualu, jis šiek tiek per menkai vertina tą neartikuliuotq ir apibrėžtos formos neturintį maldinguma. (26a) *|Jis] būdamas geru savo specialybės žinovu, greitai pelnė Rusijos susisiekimo ministerijos pagarbą. (27a) *Kad būtum asmuo, turi lemti [= ugdyti — L. S.] save tiktai savo dvasios laisvės pagrindu, o ne griebdamasis valdų, valdžios struktūrų, aistrų ar viešpatavimo kitiems. (28b) ?Šio uždavinio suvokimas, nesvarbu, kokiu pavidalu, išliks, kol žmonės bus žmonės. Nach Befinden von Spezialisten der Sprachkultur sind Satze mit dem Instrumental zur Wiedergabe von bestandigem Zustand zu korrigieren (Paulauskienė 2001: 184; Kniūkšta, Hg., 2000: 102; vgl. Miliūnaitė, Hg., 2003: 77; Šukys 1998: 250; Pupkis, Hg., 1985: 91). 108 | LORETA SEMĖNIENĖ Das Gleiche ist zur Verwendung von Nominativ und Instrumental zum Ausdruck eines zeitweiligen Zustands zu sagen: unabhangig davon, dass sowohl Nominativ als auch Instrumental verwendet werden kėnnen, um diesen zeitweiligen Zustand wieder- zugeben und beide haufig im Satz ohne Bedeutungsanderung austauschbar sind (vgl. (6)-(9); (13)-(14)), kann der Satzkontext Einfluss haben auf die Wahl des Falls, z.B.: (29) Mandagiai padekojes Heinrich Horstmann uz pasiūlymą ir patarimą pasakiau, kad tokiam svarbiam žingsniui dar nesu pasiruošęs. Gana DAŽNAI buvau vertėju. KT “Nachdem ich Heinrich Horstmann hoflich fiir das Angebot und den Rat gedankt hatte, sagte ich, dass fiir einen solchen wichtigen Schritt noch nicht reif bin. Ziemlich HAUFIG war ich Dolmetscher.’ (30) Civiliai gyventojai, anaiptol neapsaugoti, DAŽNAI bana pirminiu kovojančių jėgų taikiniu. KT“ “Zivilisten, alles andere als geschiitzt, sind OFT die ersten Opfer kampfender Parteien.’ (31) Jos vyrą rusai suėmė ir išvežė. Pas ją apsilankė partizanų vadas, slapyvardžiu Spyglys, A. Smetonos valdymo metais Alytuje [Spyglys] buvęs ulanų karininku. Tuo metu pas Štrimaitienę atėjęs Z. Piečaitis pareiškė, kad reikia 60 kiaušinių partizanams pamaitinti. KT “Ihren Mann verhafteten die Russen und schleppten ihn weg. Der Partisanenfūhrer mit Decknamen Spyglys, der wahrend der Regierungszeit von Smetonas in Alytus Ulanenoffizier gewesen war, suchte sie auf. Zu diesem Zeitpunkt kam Z. Piečaitis zu Štrimaitienė und erklarte, dass man 60 Eier zur Ernahrung der Partisanen benėtigt.' Vgl.: (32) Pas ją apsilankė partizanų vadas, slapyvardžiu Spyglys, A. Smetonos valdymo metais Alytuje buvęs ulanų karininkas. “Der Partisanenfūhrer mit Decknamen Spyglys, der wahrend der Regierungszeit von Smetonas in Alytus Ulanenoffizier gewesen war, suchte sie auf.’ Im Prinzip kann in Satzen vom Typ (29)-(30) auch der Nominativ benutzt werden. Die Wahl des Instrumentals wird hier von dem Zeitumstand dažnai “haufig' verur- sacht. Indessen ist im Satz (31) der Austausch des Instrumentals durch den Nomina- tiv nicht moglich, da sich damit auch der Satzgehalt verandern: das Partizip buvęs ‘gewesen’ konnte als Attribut des Substantivs karininkas ‘Offizier’ verstanden wer- den (buvęs karininkas ‘ehemaliger Offizier’, siche (32)). 1.4. Also kann man aus dem Gesagten ersehen, dass in der gegenwértigen litaui- schen Sprache die semantische Opposition zeitweilig / bestindig zur Erklarung unge- eignet ist; von ihr hangt die Wahl des Falls des substantivischen Préadikativs nicht ab“. Man vertritt die Meinung, das aus dem Blickwinkel der Sprachkultur Verwendungen wie: Delfinai DAŽNAI esti įdomių tyrinėjimų objektu 0.4. zu korrigieren sind und hier nur der Nominativ zu verwenden sei (Miliūnaitė, Hg., 2003: 76; Paulauskienė 2001: 184). Die Benutzung des Nominativs in solchen Sitzen erklart man mit der Markierung der Bestandigkeit. 8 Jonas Palionis (1995: 66) wies darauf hin, dass schon in Schriften des XVI.-XVII. Jh. der Instrumental auch dann verwendet wurde, wenn mit dem Substantiv eine unveranderliche, bestandige Befindlichkeit des Subjekts beschrieben wurde. Vgl. die Verwendungstendenzen der Fille (Nominativ vs. Instrumental) des pradikativen Substantivs im Polnischen (Bogustawski 2001; Hentschel 1993b: 279-282, 1994), Russi- schen (Hentschel 1991a; 1991b: 304-306; Moser 1994) und in anderen Slavinen (Hentschel 1991b: 306). PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 109 In der gegenwartigen litauischen Sprache konnen sowohl bestandige als auch zeitwei- lige Zustande prinzipiell mit Instrumental oder Nominativ ausgedriickt werden. Das heiBt jedoch auf keinen Fall, dass in jedem Fall der Nominativ des pradikati- ven Substantivs durch den Instrumental ersetzt werden konnte (oder umgekehrt) oder, dass die Benutzung von Nominativ und Instrumental gleichwertig ist. Man kann sa- gen, dass unter bestimmten semantischen oder formellen syntaktischen Umstanden der eine oder andere Fall des Pradikativs wahrscheinlicher ist, jedoch nicht erzwun- gen wird (siehe unten). In den Fallen, wenn Nominativ und Instrumental des pradikativen Substantivs ohne Bedeutungswechsel austauschbar sind, liegen MORPHOSYNTAKTISCHE VARIANTEN VOT. Mit anderen Worten, in einer fixierten strukturellen Position, die mit identischer Perspektive auf die Situation einhergeht, konnen (mindestens) zwei verschiedene morphosyntaktische Formen des selben semantischen Arguments Verwendung fin- den, ohne dass es dabei zu einer Bedeutungsanderung kommt (Hentschel 1992a, 2001; vgl. Valiulytė 1992: 50). Dann hangt die Wahl eines der Fille nur noch von stilisti- schen, pragmatischen 0.4. Nuancen ab. Wenn die Auswahl des Falls des substantivischen Pradikats von der syntaktischen Distribution des Satzes beeinflusst wird und die Fille in diesem Kontext nicht aus- tauschbar sind, dann fungieren Nominativ und Instrumental als POSITIONSVARIANTEN, d.h. zwischen ihnen besteht eine zusitzliche komplementdre Distribution, z.B.: tau reikėtų būti mokytoju | *mokytojas ‘Du miisstest Lehrer sein’. In Verbindung mit dem Infini- tiv (auBer die unter 2.2 zu behandelnden Fille mit Infinitivsatzen, deren Null-Sub- jekt mit dem Subjekt des Hauptsatzes korreliert) wird nur der pradikative Instru- mental verwendet. Weiter wird konkret nur auf Pradikate eingegangen, die die Auswahl von Nomina- tiv und Instrumental als morphosyntaktische Varianten bedingen. 1.5. Anhand von anderen Sprachen bemerkte man, dass die Wahl des Falls des pra- dikativen Substantivs von der Opposition belebt / unbelebt abhangt. Es wird gesagt, dass mit pradikativen Substantiven, die unbelebte (konkreten oder abstrakten) Sachverhalte benennen, haufiger der Instrumental verwendet wird. An- dererseits bemerkt man, dass der Instrumental von Substantiven zur Bezeichnung von abstrakten Sachverhalten nicht signifikant haufiger verwendet wird als bei Sub- stantiven, die konkrete unbelebte Dinge nennen (ausfiihrlicher siche Hentschel 1991a: 226-228, 1991b: 304; 1993b: 278-279; vgl. 1999: 260). Mit anderen Worten, die haufigere Instrumentalnutzung ist in Hinblick auf die Hierarchie belebt / unbelebt relevant, nicht jedoch in Hinblick auf PERSON < LEBEWESEN < KONKRETES UNBELEB- TES < ABSTRAKTES UNBELEBTES. z.B.: (33) Arvi, kelkis ir eik, — kuzda kitas, prislopes balsas, — likti vietoje pražūtis. Tu niekada nesustojai, kai kildavo dvejoné. Buvai geležis, 0 dabar — tirpstantis vaškas. KT “ “Arvis, steh auf und geh", flūstert eine andere gedampfte Stimme, “hierbleiben ist der Untergang. Du bliebst nie stehen, wenn Zweifel aufkamen. Du warst Eisen und jetzt [bist du] schmelzendes Wachs”. (34) Juk tikriausiai bent porą dešimtmečių Tu buvai tgja „renesansine“ miisy kolona, tuo 110 | LORETA SEMĖNIENĖ „drūtu ąžuolu“, į kurio petį rėmėsi teatro stogas. Būtent Tavęs pažiūrėti kadaise voromis traukė jaunos panaitės. KT “Vermutlich mindestens zwei Jahrzehnte warst du unsere “Renaissance” Sčiule, “feste Eiche”, auf deren Schulter sich unser Theaterdach stiitzt. Nur um dich zu sehen, kamen einst junge Madchen in Stromen.’ (35) Ir tu dabar man būsi vienas ir kitas, tu mano bejėgis, silpnas kūdikėli. Nieko nebijok, Nora, būk tiktai man atvira, ir aš būsiu tavo valia ir tavo sąžinė... KT “Du wirst mir jetzt das Eine und Andere sein, du bist mein kraftloses, schwaches Baby. Fūrchte nichts, Nora, nur sei mir offen und ich werde dein Wille und dein Gewissen sein.’ (36) Toliau jis kalbėjo: „Jei to laikysies, busi lygus bet kokiam karaliui, o jei nuo to nutolsi, [tu] būsi mūsų ir savo žūties priežastim“. Po to kunigaikštis padėkojo. KT ‘Weiter sprach er: “wenn du dich daran haltst, wirst du einem Konig gleich sein, wenn du ” aber davon abweichst, wirst du Ursache unseres und deines Untergangs sein”. Anhand der wenigen vorliegenden Fille zur Verwendung pradikativer Substantive, die unbelebte Dinge bezeichnen, ist es ziemlich schwierig, ūber den konkreten Einfluss der Belebtheitshierarchie auf die Kasuswahl zu sprechen. Jedoch darf nicht auBer Acht gelassen werden, dass mit unbelebte Dinge nennenden Substantiven der Instru- mental etwas haufiger Verwendung findet (siche Tab. 2). Somit kann man sagen, dass im Litauischen der Ausdruck des Unbelebten, als Stufe in der Belebtheitshierarchie vermittels eines Falls nicht grammatikalisiert ist, d.h. iiberwiegend werden sowohl Substantive fiir unbelebte als auch solche fiir belebte Sachverhalte einheitlich, ver- mittels des Nominativ, ausgedriickt. Andererseits ist der Umstand, dass der Instrumental mit Substantiven, die Unbe- lebtes bezeichnen, nicht haufig ist, hinreichend natiirlich. Es wurde schon erwihnt (siehe 1.1.), dass der Instrumental sich zunachst mit pradikativen Substantiven durch- setzt, die ihren prototypischen Charakter verloren haben; selbst in solchen Fillen ist der Instrumental im Litauischen nicht haufig. TAB. 2. EINFLUSS DER BELEBTHEITSHIERARCHIE AUF DIE KASUSMARKIERUNG DES PRADIKATIVEN SUBSTANTIVS Fall belebt unbelebt Satzzahl (n) Nominativ 335 74 409 82% 18% Instrumental 50 18 68 73,5% 26,5% Man sollte auch in Betracht ziehen, dass der Nominativ iiblicherweise auch dann verwendet wird, wenn Unbelebtes bezeichnende Substantive im Satz als Subjekt und als Pradikativ fungieren, d.h. der Nominativ des pradikativen Substantivs wird auch PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 111 dann haufiger als der Instrumental verwendet, wenn Subjekt und Pradikativ nicht- prototypisch, unbelebt sind, z.B.: (37) Isgerk, — pakišo jam didelę taurę degtinės Sava, — uzpilk šia smarve neviltį. Nuo šiol tau kiekvienas stiklas bus nuostabus eliksyras, gelbstintis nuo nevilties, ir dar... adata. Patikėk manim. Tai ir yra gyvenimo kaifas. KT “ “Trink aus”, hielt ihm Sava ein groBes Glas Schnaps hin, “begieBe die Hoffnungslosigkeit mit dieser Brūhe. Von nun ab wird dir jedes Glas ein kostliches Elixier sein, das vor Hoff- nungslosigkeit rettet und noch... eine Nadel. Glaube mir. Das ist der Kick des Lebens”. (38) Nieks prie darbo žmogaus nelenks, ta prievolė karti galios nustos: laisvas darbas bus garbė ir džiaugsmas. Mes, Ordinas, dabar esam broliai, o kai Visuotinė Gerovė ateis, visi žmonės broliausis, visa kas bendra bus. KT “Niemand wird den Menschen zur Arbeit zwingen, diese bittere Pflicht verliert ihre Macht: freie Arbeit wird Ehre und Freude sein. Wir, der Orden, sind jetzt Brūder, und wenn der Allgemeine Wohlstand kommt, werden alle Menschen sich verbriidern, alles wird ge- meinsam sein.’ (39) Pasipiktinimo išraiška yra ta, kad akimirka yra kvailysté, paradoksas yra kvailysté; šitai yra paradokso reikalavimas — kad protas būtų absurdas — tik dabar su rezonansu ataidintis iš pasipiktinimo. KT “Der Ausdruck des Zornes ist der, dass der Augenblick eine Dummheit ist, das Parado- xon eine Dummbheit ist; das ist die Forderung des Paradoxons, dass der Verstand eine Absur- ditčit ware, nur jetzt aus Zorn mit Resonanz herbeischallend.’ Vgl.: (40) Bet is šito troškimo, kuris, [troškimas] būdamas dar tamsiu pagrindu, yra pirmas dieviškosios būties pasireiškimas, pačiame Dieve gimsta vidinis refleksyvus įvaizdis. KT ‘Aber aus diesem Verlangen, das noch der dunkle Untergrund ist, die erste Offenbarung des gottlichen Wesens, entsteht in Gott selbst die innere reflexive Sicht.’ 1.6. Verallgemeinernd muss man sagen, dass im Litauischen die besprochenen se- mantischen Kriterien (zeitweilig / bestindig; belebt | unbelebt) keinen entscheidenen Einfluss auf die Verwendung des Falls haben. 2. FORMALE KRITERIEN, DIE DEN FALL DES SUBSTANTIVISCHEN PRADIKATIVS BEEINFLUSSEN KONNEN 2.1. Flexionsform der Kopula būti 2.1.0. Die Kopula būti, die im Pradikativsatz keine selbstandige lexikalische Bedeu- tung hat, verleiht dem durch das Nomen ausgedriickten Merkmal zeitliche und mo- dale Nuancen (Ambrazas, Red., 1996: 479; Ambrazas, ed., 1997: 469; vgl.: Labutis 1998: 237; Balkevičius 1963: 105). 2.1.1. Man sagt, dass der Nominativ des pradikativen Substantivs mit der formulier- ten oder gedachten Prasensform des Satzgliedes būti verwendet wird (Šukys 1998: 112 | LORETA SEMĖNIENĖ 247, 250; 1984: 125)’. Der Instrumental des pradikativen Substantivs kann mit dem Nominativ konkurrieren, wenn das Glied būti in der Vergangenheitsform steht, im Konjunktiv, Imperativ 0.4. Man bemerkt, dass der Instrumental des pradikativen Substantivs ziemlich selten (Hervorhebung L.S.) mit Vergangenheitsformen, mit dem Futur — etwas hdufiger, mit dem Konjunktiv nicht besonders hiufig, mit dem Imperativ auch nicht hčiufig (Šukys 1998: 75, 245-247; vgl.: Ambrazas, Red., 1996: 505-506; Sirtautas, Grenda 1988: 71; Ulvydas, Ambrazas, Valeckiene, Red., 1976: 364) verwendet wird. Mit solchen unhandlichen Formulierungen kann man schwer etwas entscheiden ūber die echten Verwendungstendenzen des substantivischen Instrumentals. Das vorliegende Material erlaubt die Aussage, dass in Pradikativsatzen mit einem finiten verbalen Pradikat der substantivische Instrumental die Verwendungstendenz des Nominativs nicht iibersteigt (siehe Tab. 3) (vgl. Hentschel 1993b: 267-268). Wenn man andererseits anerkennt, dass der Instrumental des Pradikativsubstantivs im Prin- zip nicht mit (vorhandener oder gedachter) Gegenwartsform der Kopula (vgl. Bsp. (30)) verwendet wird, dann kann man sagen, dass die morphologische Form der finiten Kopula die Tendenzen zur Verwendung des Instrumentals beeinflussen. Der Instru- mental wird héaufiger in dieser Reihenfolge: GEGENWART < VORZEITIGKEIT < ZU- KUNFT < KONJUNKTIV < IMPERATIV® verwendet. L In Anlehnung an diese Meinung wiirde man erwarten, dass in Satzen mit Prasensformen von būti vermit- tels des Nominativs nur ein bestandiger Zustand bezeichnet wird. Wie man jedoch aus den Beispielen ersicht, kann mit dem Nominativ sowohl eine bestandige als auch eine zeitweilige Befindlichkeit ausge- driickt werde. Vgl.: (i) Jiems [Zmonéms, kurie gyvens vėliau) irgi reikės gaivaus oro, švaraus vandens ir derlingos dirvos. Zmo- gus irgi yra Gamtos kūdikis, tačiau, turėdamas protą, mano, kad yra labai galingas, daug pranašesnis už kitus. KT ‘Sie [die Menschen, die spater leben werden] werden auch frische Luft, sauberes Wasser und fruchtbaren boden bendtigen. Der Mensch ist auch ein Kind der Natur, jedoch mit Verstand ausgestattet, denkt er, dass er sehr machtig ist, besser als andere.’ (ii) Alfūnė per amžius nėra buvęs koncerte. Jam tik verslai galvoje. ŠIANDIEN aš [esu] jo palydovė vienoj gedulingoj akcijoj. Pameni tq pani Zosę? — Pa. — Palaidojom ją. Prieš valandėlę išnešė iš šventos Teresės rūsio. KT ““ Alfune war eine Ewigkeit nicht im Konzert. Er hat nur das Geschaft im Kopf. HEUTE bin ich seine Begleiterin in einer Trauerveranstaltung. Erinnerst du dich an Fraulein Zose?” “Hm” “Wir haben sie bestattet, vor kurzem wurde sie aus dem Keller der hl. Teresa herausgetragen.”’ (iii) Gyvenu ankstame vieno kambario butelyje troleibusų linijos gale. Neturiu nei vaikų, nei vyro, netgi mašinos. O mano draugė turi viską, jau SENIAI yra katedros vedėja... Nieko gyvenime negaunu lengvai. KT “Ich lebe in einer engen Einzimmerwohnung am Ende der O-Bus-Linie. Ich habe weder Kinder, noch einen Mann, nichtmal ein Auto. Und meine Freundin hat alles, ist LANGST schon Lehrstuhlleiterin... Ich bekomme im Leben nichts leicht.’ Somit bleibt nicht besonders klar, nach welchen Kriterien denn nun die Verwendung des Nominativs in Gliedsitzen mit Prasensformen von būti zu erklaren ist: damit, dass in Gliedsatzen mit Prasensformen von būti der Nominativ nur eine standige Verfassung wiedergibt (da der Instrumental nicht verwendet wird), oder damit, dass die Nominativwverwendung durch das Prasens des Pradikatsverbs verursacht wird (siche FuBnote 5). Ė Obwohl anhand der Beispiele ersehen werden kann, dass die Verwendung des Instrumentals offensicht- lich haufiger ist, wenn wir einmalig vorzeitige Formen der Kopula mit denen des Imperativs vergleichen, kann man dennoch nicht schliissig behaupten, dass das vergleichsweise geringe Haufigerwerden der Ver- wendung des Instrumentals in Hinblick auf die Formen der Kopula būti wesentlich sei. Mit anderen Wor- ten, es erheben sich Zweifel, ob eine Erhohung des Verwendungsgrades des Instrumentals um einige PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 113 Die Verwendung des Nominativs mit Prasensformen von būti ist mit der Markie- rung von statischen Merkmalen zu erklaren. Wenn man sagt „X ist Y““, meint man damit, dass X in zeitlicher (d.h. gegenwartiger) Hinsicht die unveranderliche Eigen- schaft Y hat. Wahrenddessen kann die wachsende Neigung, den Instrumental mit der Vergangenheit, Zukunft und dhnlichen Formen von būti zu verwenden, mit einer dy- namischen Markierung erklart werden. D.h. aus der Aussage „X wird Y“ folgt „X ist (jetzt) nicht Y, wird aber zu Y**. Mit anderen Worten, man kann sehen, dass Nominativ und Instrumental prinzipiell als Varianten moglich sind, wenn die finite Form der Kopula eine veranderliche Eigenschaft, d.h. einen Prozess, markiert. Und umgekehrt: wenn die finite Form von būti eine unveranderliche, also statische, Eigenschaft nennt, verwendet man normalerweise den Nominativ (siche auch Stassen 2001). Im Detail analysiert, erkennt man (siehe Tab. 3a), dass in Hinblick auf die Hierar- chie der Formen der Kopula biti, die Neigung zur Verwendung des Instrumentals nicht nur mit pradikativen Substantiven zur Bezeichnung von beruflicher oder ande- rer Tatigkeit wachst, sondern auch mit anderen Substantiven. Man bemerkt, dass in Satzen mit Imperativ Substantive zur Bezeichnung von beruflicher oder anderer Ta- tigkeit etwas haufiger im Instrumental erscheinen als im Nominativ. TAB. 3. EINFLUSS DER FINITEN KOPULA būti AUF DIE KASUSMARKIERUNG DES PRADIKATIVEN SUBSTANTIVS morphologische Form Fall Satzzahl (n) Nominativ Instrumental buvo (einmalige 136 10 146 Vergangenheit) 93% 7% bus (Zukunft) 115 20 135 85% 15% būtų (Konjunktiv) 43 ; 10 53 81% 19% būk (Imperativ) 32 23 55 58% 42% 2.1.2. Mit Formen der Kopula ist nicht nur die Zeit verbunden, sondern auch die Markierung der Satzmodalitat real / irreal (ausfiihrlicher siehe Palmer 1999: 235- 239). Wenn mit den Vergangenheits- und Gegenwartsformen nur reale Modalitét Prozente hier als Erklarung geniigt und ob diese Angaben hinreichend vertrauenswiirdig sind, um verallge- meinernde Resultate aufzustellen und tiber den entscheidenden Einfluss auf den Fall des Pradikativ- substantivs zu sprechen. 114 | LORETA SEMĖNIENĖ TAB. 3A. morphologische Fall Satzzahl (n) Form Nominativ Instrumental Tatigkeitsbe- andere Tatigkeitsbe- andere zeichnungen Substantive zeichnungen Substantive buvo 86 50 8 2 146 (Vergangenheit) 91% 96% 9% 4% bus (Zukunft) 79 36 18 2 135 81% 95% 19% 5% būtų (Konjunktiv) 17 26 3 5 53 77% 84% 23% 16% būk (Imperativ) 11 21 14 9 55 44% 70% 56% 30% ausgedriickt wird, kann mit der Zukunft sowohl Reales als auch Irreales ausgedriickt werden (vgl. Ambrazas, ed., 1997: 255-256; Ambrazas, Red., 1996: 304-307) (vgl. noch Bsp. (10)—(12), (15)-(16), (18)). Vgl.: (41) Jeigu bitelés manęs negils, tai užaugusi būsiu bitininké. KT ‘Wenn die Bienen mich nicht stechen, dann werde ich eine Imkerin wenn ich groB bin.’ (42) Buvau padaręs keletą skulptūrų, ir ten apsigyvenau su šeima, nes Vilnius man buvo pasidaręs atšiaurus miestas. Norėjau viską uzmirst. Verčiau jau būsiu skulptorius kaime negu valkata mieste. KT “Ich hatte einige Skulpturen gefertigt und lieB mich dort mit Familie nieder, denn Vilnius hatte sich mir zu einer abstoBenden Stadt entwickelt. Ich wollte alles vergessen. Lieber werde ich Bildhauer im Dorf sein, als Bettler in der Stadt.’ Das Gleiche ist auch zur Verwendung von Imperativformen zu sagen: sie konnen entweder als real oder unreal markiert sein. Jedoch ist die Neigung, den Imperativ der irrealen Kategorie zuzuschreiben, gro3er als im Falle der Zukunft; das auBert sich in der héaufigeren Verwendung des Instrumentals (vgl. Satze (17), (21), (23)). Vgl.: (43) Pasako kalbą, tarytum įkvėptą šv. Pauliaus ir šv. Tomo: „Nuo kada moterims leista išsižadėti savo lyties ir tapti vyru?.. (Prigimtis) tarė moteriai: Būk moteris. Vaikų priežiūra, namų ruoša, įvairūs motinystės rūpesčiai — štai tavo darbas“. Joms buvo uždrausta įeiti į Tarybą. KT PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 115 “[Er] hielt eine Rede, als ware er vom hl. Paulus und hl. Tomas inspiriert: “Seit wann ist es Frauen erlaubt ihres Geschlechtes zu entsagen und zum Mann zu werden?... (Die Natur) sprach der Frau: ‘Sei Frau’. Die Kinderpflege, der Haushalt, verschiedene Mūhen der Mut- terschaft — das ist deine Arbeit”. Ihnen wurde verboten in den Rat zu gehen.’ (44) Jei nori turėti draugą, pats būk draugu. KT ‘Wenn du einen Freund haben willst, sei selbst Freund.’ Der Konjunktiv wird zumeist der Kategorie irreal zugeordnet, d.h. das Verhiltnis des Sprechers zu einer moglichen aber faktisch nicht vollzogenen Handlung wird ge- zeigt (vgl. noch Satze (4), (19)-(20)), z.B.: (45) Tačiau kodėl buvo pamirštas svarbiausias menininko privalumas — kūrybos laisvė? Argi būtina deklaruoti kokią nors ideologiją, kad būtum visų pripažintu rašytoju? Galbūt ribotas kūrybinės erdvės suvokimas ir sukėlė nervingą kritikų reakciją? KT ‘Warum jedoch wurde die groBte Tugend des Kūnstlers, die Freiheit des Schaffens, verges- sen? Ist es notwendig eine Ideologie zu deklarieren, um von allen anerkannter Schriftsteller zu sein? Vielleicht rief die begrenzte Auffasung des schopferischen Raumes die nervose Reaktion der Kritiker hervor.’ Vgl.: (46) Nu tai pasakok, ką žinai. Kalbéti reikia ne vien apie politiko, o apie lietuvio charakterį. Ir ne šiaip sau lietuvio, o lietuvio visuomenininko. Prabilti turi taip, tarsi pats būtum šiek tiek ne lietuvis. Kitaip nepajusi cepeliny skonio. KT ‘Nun dann sag, was du weit. Reden muss man nicht nur iiber Politik, sondern ūber den litauischen Charakter. Nicht den des einfachen Litauers, sondern den des litauischen Funk- tionars. Du musst dich duBern, als wirest du selbst etwas kein Litauer. Anders fiihlst du den Geschmack der Cepelinai nicht.’ Man sieht also, dass der Fall des pradikativen Substantivs nicht nur mit der Zeit- form der finiten Kopula zusammenhangt, sondern auch mit der durch diese ausge- driickte Modalitét: je mehr die Modalitat irreal méglich wird, desto wahrscheinlicher wird die Verwendung des Instrumentals (vgl. Hentschel 1993b: 268). Die wachsende Verwendung des Instrumentals zur Bezeichnung der Modalitit irreal korrespondiert auch mit der Beziiglichkeit: wenn die mit Nominativ vermittelte reale Modalitat die referente Markierung des Dings voraussetzt, so wird mit der durch den Instrumental markierten irrealen Modalitat die irreferente Markierung des Dings gezeigt. 2.2. Syntaktische Faktoren 2.2.1. Kurz soll auf die Verwendung der Fille des pradikativen Substantivs einge- gangen werden, wenn als Kopula der Infinitiv oder eine Halbpartizipienform von būti fungiert®, z.B.: Man sagt, dass der substantivische Instrumental mit dem Halbpartizip von būti HAUFIGER (Hervorhe- bung L. S.) verwendet wird um die Zeitweiligkeit des Zustandes zu verdeutlichen, wenn jedoch der Infinitiv būti als Kopula steht, mitsamt einer gebeugten Form eines Modalverbs, dann KANN der Instrumental mit dem Nominativ KONKURRIEREN (Sukys 1998: 246-247; vgl. ebenda 75, 251). 116 | LORETA SEMĖNIENĖ (47) Likimas egzistuoja. Svajojau būti aktore, pagimdyti tris vaikus, turėti savo namą. Dariau dėl to viską, ką galėjau. Rezultatas — pardavinėju skudurus Gariūnuose. KT ‘Es gibt ein Schicksal. Ich traumte davon, Schauspielerin zu sein, drei Kinder zu gebiren, und ein Haus zu haben. Dafiir tat ich was ich konnte. Das Resultat — ich verkaufe Klamot- ten in Gariunai.’ (48) [Ted Liss Aktorių studija). „Ar noriu, ar reikia, ar drisiu?“ Pagaliau sutelkiau visą drąsą ir pasukau durų rankeną. — Norėčiau būti aktorė, — murmteléjau pusbalsiu. Ted jau buvo susidūręs su tokiom. — Tikrai? Ar esi tuo įsitikinusi? KT ‘[Schauspielstudio] “Will ich, muss man, traue ich mich?” SchlieBlich nahm ich allen Mut zusammen und drehte die Klinke. “Ich mochte Schauspielerin sein” murmelte halblaut. Ted war schon mit solchen zusammengetroffen. “Wirklich? Bist du davon iiberzeugt?”’ (49) Kaip buvusiam sportininkui, man labai džiugu, kad būdamas meras ne kartą sutikinėjau laimėjimus pelniusias garsias sportininkų komandas. Džiaugiuosi, galėdamas pasveikinti ir jus, — sakė H. Tamulis. KT ““Als ehemaligem Sportler ist es mir sehr angenehm, dass ich als Biirgermeister mehrfach mit berūhmten Sportmannschaften, die gewonnen hatten, zusammentraf. Ich bin erfreut, dass ich auch sie begliickwiinschen kann” sagte H. Tamulis.’ (50) Prasidėjo privatizavimas, buvo pasiūlymų pasiimti 100 ha. To nepadariau ir šiandien nuosavos žemės turiu tik 3 ha. Tarnybine padėtimi nesinaudojau ir būdamas meru. Dirbau tik už atlyginimą. Turtą sukaupiau ūkininkaudamas. KT “Es begann die Privatisierung, es gab Angebote 100 ha zu nehmen. Das tat ich nicht und habe auch heute nur 3 ha eigenes Land. Die Amtsbefugnis als Biirgermeister nutze ich nicht aus. Ich arbeitete nur fiir das Gehalt. Eigentum erwarb ich als Landwirt.’ Bei der Behandlung von Sétzen vom Typ (47)—(50), reden wir iiber Tendenzen in der Verwendung des Substantivfalls im (substantivischen oder adverbialen) Satzge- fiige', vgl.: (47a) Aš svajojau [D būti aktore | aktorė). ‘Ich traumte, Schauspielerin zu sein.’ (50a) As [2 būdamas meras | meru) tarnybine padėtimi nesinaudojau. “Ich nutze die Amtsbefugnis als Būrgermeister nicht aus.’ Das Subjekt im substantivischen oder adverbialen Nebensatz ist das Nullelement, d.h. das Subjekt hat im Nebensatz keine phonetische Realisierung, nur eine semanti- sche Interpretation. Das Nullsubjekt entspricht dem Subjektnominativ des Haupt- satzes. Das vorliegende Material erlaubt es zu sagen (siehe Tab. 4, 4a), dass in Sitzen mit infiniter Kopula der substantivische Instrumental haufiger verwendet wird als der Nominativ. In Fallen, wenn als Kopula ein Halbpartizip von būti fungiert, werden Nominativ und Instrumental nahezu gleich genutzt. Wenn man jedoch die Bedeutung 0 Ausfiihrlicher ūber das Verstandnis des Satzgefiiges im Aufsatz von Holvoet und Judzentis (2003: 115— 172), dem hier gefolgt wird. PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 117 des pradikativen Substantivs berūcksichtigt, dann wird der Instrumental mit einer Halbpartizipform der Kopula etwas haufiger benutzt als der Nominativ, wenn das Substantiv eine berufliche oder andere Tatigkeit benennt. TAB. 4. EINFLUSS DER INFINITEN KOPULA AUF DIE KASUSMARKIERUNG DES PRADIKATIVEN SUBSTANTIVS morphologische Form Fall Satzzahl (n) Nominativ Instrumental būdamas 118 106 224 (Halbpartizip) 5396 47% būti (Infinitiv) ; 18 25 28% 72% TAB. 4A. morphologische Fall Satzzahl (n) Form Nominativ Instrumental Tatigkeitsbe- andere Tatigkeitsbe- andere zeichnung zeichnung būdamas 79 39 98 8 224 (Halbpartizip) 45% 83% 55% 17% būti (Infinitiv) 6 1 12 6 25 33% 14% 67% 86% 2.2.2. Also sieht man aus den gegeben Fakten, dass in der gegenwiirtigen litauischen Sprache der Instrumental des pradikativen Substantivs dann mehr genutzt wird, wenn infinite Formen der Kopula prasent sind". Noch konkreter: man sieht eine Neigung, den Instrumental haufiger im zusammengesetzten als im einfachen Satz zu verwen- den (vgl. Hentschel 1993b: 268-270). "1 Šukys (1998: 247) verallgemeinert nach Behandlung der Verwendungstendenzen des substantivischen Instrumentals: „mit vielen Formen von būti sind sowohl der substantivische Nominativ als auch der Instru- mental moglich. Die Grenzen sind hier unklar. Haufiger und gewohnlicher ist der Nominativ®. 118 | LORETA SEMĖNIENĖ 2.3. Wortfolge im Satz 2.3.0. Bisher wurden in der Rede ūber die Verwendung von Nominativ und / oder Instrumental immer Saūtze mit unmarkierter (neutraler) Wortfolge SVX behandelt, wobei S — Subjekt, V — Kopula, X — priadikatives Substantiv. 2.3.1. In frither gegebenen Beispielen halfen nicht nur der Instrumental um Préadika- tiv vom Subjekt zu unterscheiden, sondern auch subjekttypische Merkmale. Als typi- sche Subjektmerkmale werden oft Personalpronomen oder Eigennamen genannt. Man sagt, dass Personalpronomen der ersten und zweiten Person, die immer definit und referential sind, immer prototypische Personen sind (in diesem Fall Subjekte) (Hentschel 1993a: 105; 1992b: 238; siche auch Givon 1984: 145-168, 422; 1990: 960; vgl. Comrie 1989: 107, 110-122, 128ff.). Mit anderen Worten, wenn im Satz ein Per- sonalpronomen oder Eigenname (tatsiachlich oder gedacht) vorkommt, dann kann das Subjekt vom Pridikat nicht nur durch Verwendung des Instrumentals getrennt wer- den, sondern auch durch den prototypischen Ausdruck des Subjekts. Es muss darauf verwiesen werden, dass in Satzen in denen Personalpronomen oder Eigennamen in strukturell markierter Position, d.h. nicht als Subjekt, vorkommen, diese eine formale Markierung verlangen, und zwar die (ausschlieBliche!) Verwendung des Instrumentals. In solchen Satzen trennt der pradikative Instrumental nicht nur zwei — Subjekt- und Pradikativ- — syntaktische Funktionen, sondern ist auch ein Zeiger fiir die irreferente Markierung des Dings (siche auch Satz (20)) (vgl. Ambrazas, Red., 1996: 506), z.B.: (51) Ji tiesiog siurbési į mano audinius, — supratau: pavirsiu gyvūnu arba isprotésiu. — Vakar aš norėjau būti tavimi, — kažkoks ropliškas balsas kalbėjo mano smegenyse, pajutau, kaip kibūs pirštai kažko ieško mano sprande. KT “Sie saugte sich geradewegs in mein Gewebe, ich verstand: entweder werde ich zum Tier oder verliere den Verstand. “Gestern wollte ich du sein”, sprach irgendeine schleimige Stim- me in meinem Gehirn, ich fiihlte, dass haftende Finger etwas in meinem Nacken suchten.’ (52) Gyvenu Kanadoje jau 4 metai, ir visą laiką atrodo, kad pamečiau save. Gyvendama savo gimtame Klaipėdos mieste [aš] buvau pati savimi, ir štai sulaukusi 44 metų gyvendama daugelio žmonių išsvajotame užsienyje daugybę kartų klausiu savęs: „ką aš čia veikiu, ir kas aš esu“. KT “Ich wohne schon vier Jahre in Kanada, und immer erscheint es mir, als hatte ich mich verloren. Solange ich in meiner Geburtsstadt Klaipeda wohnte, war ich ich selbst, und nun mit 44 Jahren in dem von vielen ertraumten Ausland wohnend frage ich mich oft “was mache ich hier, was bin ich”. (53) Aš norėčiau būti Jonu". * Vgl. folgenden Satz, in denen der Eigenname mit dem Nominativ markiert wird: Karpydavome snaiges, darydavome atvirukus, piesinélj ar nuotrauką apklijuodami blizgancia folija. Per pirmąjį vaidinimą, kuriame dainavome, as buvau Zylé. Kartą atsibastes Senis Šaltis garsiai trinksėjo lazda, vis kvotė, ar mes klausome tėvelių, galų gale išdalijo raudonus spindinčius saldainius. KT “Wir schnitten Schneeflocken aus, fertigten Postkarten indem wir eine Zeichnung oder ein Foto mit glanzender Folie beklebten. Wahrend des ersten Auftritts, in dem ich sang war ich die Meise. Der nun herbeigekommene Weihnachtsmann klopfte laut mit dem Stock, fragte unaufhorlich ob wir auf unsere Eltern horen; schlieBlich verteilte er rotglanzende Bonbons.’ PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 119 ‘Ich wollte Jonas sein.’ (54) Prof. Vytautas Dičius „Lietuvos ryto“ žurnalistei sakė: — Pirmininku tapau ne dėl to, kad labai norėjau, bet todėl, kad niekas daugiau nenorėjo juo būti. Aš sutikau, nes reikėjo kažkam sutikti. KT “Prof. Vytautas Dičius sagte der “Lietuvos rytas" Journalistin: “ Vorsitzender wurde ich nicht, weil ich das besonders wollte, sondern weil es niemand weiter sein wollte. Ich stimmte » zu, denn irgendjemand muss ja zustimmen”. Die Wortfolge ist dann wichtig, wenn Subjekt und Priadikativ mit Nominativ von Appellativa ausgedriickt werden, z.B.: (55) Kodėl šimtų kartų galvose gyvavo tikėjimas tuo, jog ateitį galima sužinoti ir iš to žinojimo daryti praktines išvadas šiandienai. Jei |...) pranašautojai buvo sukčiai, jei jie paprasčiausiai apgaudinėdavo žmones, suteikdavo melagingų žinių apie ateitį — kaipgi tuomet šitiek kartų jais ir toliau tikėjo? KT “Warum lebte der Glauben, dass man die Zukunft erfahren kann und aus diesem Wissen praktische Ergebnisse fiir den heutigen Tag ableiten kann, hundertfach in den Kėpfen. Wenn [...] die Propheten Betriiger waren, wenn sie einfach die Leute austricksten, liignerische Informationen iiber die Zukunft gaben — wie glaubten dann so viele Generationen ihnen weiterhin?’ Vgl.: (56) Daugelis nematody rūšių, kurių galutinis šeimininkas yra žuvys, lokalizuojasi virškinamajame trakte. Tais atvejais, kada žuvys yra tarpiniai arba rezerviniai šeimininkai, nematodų lervos parazituoja kūno ląstoje (ertmėje), ant serozinių plėvių, raumenyse. KT “Eine Vielzahl von Nematodenarten, deren Endwirt Fische sind, siedeln sich im Verdauungstrakt an. In den Fallen, wenn Fische Zwischen- oder Reservewirte sind, parasitieren die Nematodenlarven in der Kėrperzelle (Zwischenraum), auf Serozinschichten, in Muskeln.’ In Anlehnung an das Modell unmarkierter Wortfolge SVX, konnte man meinen, dass in Bsp. (55) und (56) in dem jeweils ersten Satz die erstgenannten Appellativa (pranaSautojai, šeimininkas) Subjekte sind, und das zweite Substantiv (sukčiai, žuvys) das Pradikativ. Wie man aber aus dem weiteren Kontext in (56) ersieht, ist das Sub- stantiv žuvys ‘Fische’ Subjekt, und šeimininkai ‘Wirte’ Pradikativ. Um Mehrdeutigkeit der syntaktischen Struktur zu vermeiden, konnte man glau- ben, dass in Satzen des genannten Typs zur Unterscheidung der beiden syntaktischen Funktionen auch haufiger ein formales Merkmal — der Fall — gewahlt wird. Wie je- doch das spirliche Material zeigt, unterscheiden sich Appellative als Subjekt und Pradikativ haufig nicht in der formalen Markierung (siche noch Sitze (2), (37)- (39). 2.3.2. Detailliertere Untersuchen von Sétzen mit markierter (inverser) Wortfolge lassen vermuten, dass zur Unterscheidung von Subjekt und Pridikativ, die oben genannten typischen Eigenschaften des Subjekts herangezogen werden kénnen. An- dererseits sagt man, dass bei Vorliegen von formalen Merkmalen, zur Unterschei- 120 | LORETA SEMĖNIENĖ dung der Wortfolge, des Subjekts vom Pradikativ auch morphologische Kriterien gewahlt werden, d.h. Fallmarkierungen (Hentschel 1991a: 229-234; 1991b: 304; 1992b). Es wird die These aufgestellt, dass in Satzen mit markierter Wortfolge zur Unter- scheidung der beiden syntaktischen Funktionen Subjekt und Pradikativ nicht nur se- mantische (z.B., konkret vs. allgemein), sondern auch morphologische Wortmerkmale' genutzt werden, z.B.: (57) Nuo 1929 m. firma įsteigė specialų prekybos atstovą. Tuo atstovu Lietuvoje buvau as. 1929 m. iš Anglijos į Lietuvą atvyko anglų firmos „Vikers Amstrong Limited“ valdininkas Ross. KT ‘Ab 1929 richtete die Firma einen speziellen Handelsagenten ein. Dieser Agent in Litauen war ich. 1929 kam aus England der Vorstand Ross der englischen Firma “Vikers Amstrong Limited” nach Litauen.’ (58) Aktoriai ir aktorės rauna sau nuo galvos plaukus, rodo kruviną širdį: neduoda jiems režisierius nei Romeo, nei Džiuljetos. Tu, Leonai, pats aktoriumi buvai, turi suprasti, giltinė jau mums moja, pelenai iš klyno byra, mes nesuspėsim!.. O kuo aš jiems galiu padėti? Gal ir aš svajojau! KT ‘Schauspieler und Schauspielerinnen raufen sich die Haare vom Kopf, zeigen ihr blutiges Herz: der Regisseur gibt ihnen weder Romeo noch Julia. Du Leon warst selbst Schauspieler, musst verstehen, der Sensenmann winkt uns schon, Asche fallt herab, wir werden das nicht schaffen!... Und womit kann ich ihnen helfen? Vielleicht traumte auch ich?’ (59) Mintautas Induliui atrodo žvėris, vilkas. Zvérim aš būsiu! Sugriausiu kuršius! — atsako Mintautas. KT “Mintautas erschien Indulis als Tier, Wolf. “Ein Tier werde ich sein! Ich werde die Kuren zernagen!” antwortete Mintautas.’ (60) Visi mes buvome prasti studentai, viskas mums riipéjo, tiktai ne tas, ko mes universitete turėjome mokytis. Tokia studente Ona nenorėjo būti. Jei kuo nors užsiimti, tai rimtai ir ligi galo. KT “Wir alle waren schlechte Studenten, alles interessierte uns, nur nicht das, was wir an der Universitat lernen sollten. So eine Studentin wollte Ona nicht sein. Wenn schon sich mit etwas beschaftigen, dann ernsthaft und bis zu Ende.' (61) Kiek jau atbuvai? — Pusantrų, pilieti viršininke. — Va, pusantrų metų. Aš per tą laiką jefreitorium tapau, o už dvidešimt penkerių metų generolu būsiu. KT “ “Wieviel hast du schon weg?” “Anderthalb, Būrger Vorgesetzter.” “Anderthalb Jahre. Wihrend dieser Zeit war ich schon Gefreiter und nach 25 Jahren werde ich General sein”. (62) Gyvuoju Vandeniu buvai ir visa pripildei malonémis, ir visiems dovanas be pavydo apsčiai dalinai, nes dėl tavęs, valdove, visoks gėris pasauliui buvo dovanotas. KT Vgl.: In der englischen Grammatik der litauischen Sprache (Ambrazas, ed., 1997: 643) wird der in einem solchem Satz verwendete Instrumental: ir grynas vandenélis mums medumi buvo ‘und reines Wasser war uns Honig’ mit der Markierung eines zeitweiligen Zustands erklart. Nach Kenntnis der Autorin, wurde der Einfluss der Wortfolge auf die Wahl des Falls in der litauischen Linguistik bei Behandlung von prédika- tiven Substantiven nicht beriicksichtigt. PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 121 “Du warst Lebenswasser und fūlltest alles mit Gnade und allen teiltest du reichlich Ge- schenke ohne Neid aus, denn wegen dir, o Herr, ward alles Wohl der Welt geschenkt.’ Wie man aus den Satzen (57)—(60) sieht, wird zur Hervorhebung des pradikativ verwendeten Substantivs, ungeachtet dessen, dass das Subjekt in Hinblick auf kate- goriale Eigenschaften prototypisch ist, der Instrumental gewahlt. Das Gleiche ist auch zu sagen von solchen Beispielen, wo das prototypische Subjekt gedacht vorhanden ist (siche (61)—(62)). Das heiBt, die Verwendung des Instrumentals ist in den letztge- nannten Fallen durch die nichtprototypische, d.h. nicht die erste, Position des Sub- jekts im Satz zu begriinden. Es ist selbstverstandlich, dass in Satzen mit markierter Satzfolge, mit prototypi- schem Subjekt, zum Ausdruck des Pradikativs auch der Nominativ, wenn auch etwas seltener, Verwendung findet, z.B.: (63) Vadinsim tave ,,A-nu-ka*, kaip visų jauniausią mūsų brolijos narį. O jei pyksi, vadinsim „klounu“, ne artistu. Tu pažiūrėk į Zefą. Jis tikras artistas buvo. O tu — juokingas. Sunku tau su Zuza bus. KT “Wir werden dich Anuka nennen, als das allerjūngste Mitglied unserer Bruderschaft. Und wenn du wiitest, werden wir dich Clown nennen, nicht Artist. Sieh zu Zefas. Er war ein echter Artist. Und du bist lacherlich. Es wird dir schwerfallen mit Zuza.’ Wenn in Sitzen mit markierter Satzfolge das Subjekt in Bezug auf seine kategoria- len Eigenschaften weniger prototypisch ist (dhnlich, wie im Fall der unmarkierten Wortfolge), dann wird die Verwendung des Instrumentals zum Ausdruck des Pradikativs noch wahrscheinlicher. Dann wire die Verwendung des Instrumentals im Satz, nicht nur mit der markier- ten Wortfolge verkniipft, sondern auch mit der nichtprototypischen Ausdrucksform des Subjekts (vgl. Satz (55)) (ausfiihrlicher siehe Hentschel 1993a: 106). Anderer- seits wurde schon darauf verwiesen, dass das nichtprototypische Subjekt in Satzen der Folge SVX keinen entscheidenden Einfluss auf die Fallwahl hat: in SVX Sitzen wird normalerweise der Nominativ des pradikativen Substantivs verwendet, sowohl bei prototypischem als auch nichtprototypischem Subjekt. Also muss die haufigere Verwendung des Instrumentals in Satzen mit markierter Wortfolge, in denen ein be- ziiglich kategorialer Eigenschaften nichtprototypisches Subjekt verwendet wird, mit der markierten Wortfolge erklart werden, z.B.: (64) Psichoanalitinės interpretacijos pagrindas — falinés reikšmės atradimas darbo įrankiuose, meno kūriniuose, pažinimo vienetuose, šventuose objektuose. Pirmuoju malonumų objektu, tapusiu reikšmingu betarpiško pasitenkinimo apribojimo dėka, buvo objektas visada esantis po ranka, t. y. tavo paties kūnas. KT “Grundlage der psychoanalytischen Interpretation ist das Erscheinen der phallischen Bedeutung in Werkzeugen, Kunstwerken, Erkenntnissen, heiligen Objekten. Erstes Objekt des Vergniigens, bedeutungsvoll geworden durch die unmittelbare Begrenzung der Befriedi- gung, war das Objekt, das immer in der Nahe war, d.h. dein eigener Korper.’ 122 | LORETA SEMĖNIENĖ (65) Žuvys gali būti galutiniais, tarpiniais ar rezerviniais šeimininkais. Daugelio nematodų galutiniais šeimininkais yra vandens paukščiai ar vandens žinduoliai. KT" “Fische konnen End-, Zwischen- oder Reservewirte sein. Endwirte einer Vielzahl von Nematoden sind Wasservogel oder Wassersauger.' In Verallgemeinerung des sparlichen Materials (siehe Tab. 5) kann man die Aussa- ge treffen, dass die Wortfolge im Satz den entscheidenen Einfluss auf die Wahl des Falls hat: bei unmarkierten Wortfolge wird gewohnlich der Nominativ angewandt, wahrend in Satzen mit markierter Wortfolge haufiger der Instrumental anzutreffen ist. Im letzteren Fall erlaubt es der Instrumental des Substantivs das Subjekt leichter vom Pradikativ zu unterscheiden. Andererseits ist gerade in den Fallen, wo das aktu- ell ist, d.h. wenn das Subjekt bezūglich kategorialer Eigenschaften weniger prototy- pisch ist, der Nominativ nicht selten. Dann hilft nur der Kontext um die beiden syn- taktischen Funktionen Subjekt und Pradikativ zu unterscheiden. TAB. 5. KASUSMARKIERUNG DES PRADIKATIV VERWENDETEN SUBSTANTIVS IN EINFACHEN PRADIKATIVSATZEN MIT MARKIERTER WORTFOLGE Modell der markierten Fall Satzzahl (n) Wortfolge Nominativ Instrumental XVS 4 7 11 36% 64% OXV5 29 60 89 3396 67% XSV 3 6 9 33% 67% SXV 8 9 17 47% 53% VSX 5 2 7 71% 29% Gesamt: 49 85 134 37% 63% 4 Vgl.: 2.1.1. und FuBnote 7. 5 @ bezieht sich hier auf das Null-Subjekt in solchen Fallen, wo Pro-Drop eintritt. PRADIKATIVE SUBSTANTIVE IM LITAUISCHEN | 123 3. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN (1) Nach einer kurzen Erorterung einiger semantischer und formaler Kriterien, die Einfluss auf den Fall des pradikativen Substantivs haben konnen, wird deutlich, dass kein Grund besteht anzunehmen, dass in der gegenwirtigen litauischen Sprache die Kasusverwendung durch die Opposition zeitweilig / bestindig entschieden wird: mit Nominativ und Instrumental des pradikativen Substantivs kann sowohl ein bestandi- ger als auch ein zeitweiliger Zustand markiert werden. (ii) Man darf nicht auBer Acht lassen, dass die Verwendungstendenzen von Nomi- nativ und Instrumental in gewissem Male von der Opposition belebt | unbelebt beeinflusst wird und davon, ob das pradikative Substantiv eine berufliche (oder an- dere) Tatigkeit benennt oder nicht. Mit pradikativen Substantiven, die unbelebte Dinge oder Berufe und andere Tatigkeiten bezeichnen, neigt man zur Verwendung des Instrumentals. (iii) Einfluss auf die Verwendung des Falls hat auch die Verwendung der Flexions- formen der Kopula būti und die damit ausgedriickte Modalitat. Die Instrumental- verwendung steigt beziiglich der Hierarchien GEGENWART < VERGANGENHEIT < ZU- KUNFT < KONJUNKTIV < IMPERATIV und REAL / IRREAL. (iv) Der Fall des pradikativen Substantivs wird in Abhéngigkeit vom Satzbau ge- wahlt: der Instrumental ist haufiger in Satzen mit infiniten Formen der Kopula. (v) Die kategorialen Subjekteigenschaften haben keinen Einfluss auf die Wahl des Falls, und das sowohl in Satzen mit markierter und mit unmarkierter Wortfolge. Entscheidenden Einfluss auf den Fall des Substantivs hat die nichtprototypische Po- sition des Subjektes im Satz. Es herrscht die Tendenz, dass in Satzen mit markierter Wortfolge der Instrumental verwendet wird. (vi) In formal markierten Satzen (einfacher vs. komplexer Satz, neutrale Wortfolge vs. inverse Wortfolge) ist man geneigt, den Instrumental als diakritisches Zeichen zur Unterscheidung zweier syntaktischer Funktionen — Subjekt vs. Pradikativ — zu ver- wenden. In aus formalem Blickwinkel unmarkierten Satzen wird der Nominativ des pradikativen Substantivs haufiger verwendet. QUELLEN KT -Textkorpus der litauischen Gegenwartssprache des Zentrums fiir Computerlinguistik, Universitat Vytautas Magnus, Kaunas. LITERATUR AMBRAZAS, V., Red., 1996: Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla. 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