Wojciech Smoczyński. „Laringalų teorija ir lietuvių kalba“
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Wojciech Smoczyński
Die Laryngaltheorie und die litauische Sprache
Autorisierte Übersetzung aus dem Polnischen
Aus dem Manuskript übersetzt von Veslava Čižik-Prokaševa und Diana Šileikaitė
Wissenschaftliche Herausgeberinnen Diana Šileikaitė und Axel Holvoet
Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2006, 292 pp. ISBN 978-9955-704-17-1, ISSN 1822-3257 (Bibliotheca Salensis, 3)
Im Rahmen der Reihe soziologischer Übersichten litauischer Sprachwissenschaftler und Untersuchungen zu Lautschwankungen in Dialekten veröffentlichte der Verlag des Instituts für die litauische Sprache eine aus dem Manuskript übersetzte Monografie des derzeit renommiertesten polnischen Baltisten und Komparatisten. Wie der Betreuer des Buches, Prof. habil. Dr. Axel Holvoet, sagt: „Der Krakauer Komparatist und Baltist Wojciech Smoczyński wendet sein neues laryngalistisches Rekonstruktionsmodell bereits seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich bei der Erforschung der Geschichte der baltischen Sprachen an“ (S. 9).
In der „Einleitung“ (S. 13 ff.) können wir alle – ob wir es nie gelernt oder wieder vergessen haben – sowohl die Laryngaltheorie selbst als auch die Anwendung der Methoden und abgeleiteten Strukturen kennenlernen und versuchen, die großen Geheimnisse und differenzierenden Merkmale unserer und anderer archaischerer indogermanischer Sprachen zu erfassen. Eine fundierte Zusammenfassung findet sich am Ende des Kapitels (S. 15–18).
Mit dem Autor, dessen Lehrer an der Universität Krakau der große Sprachwissenschaftler J. Kurylowicz war, lässt sich über theoretische Fragen kaum streiten – man kann nur die Schärfe seines Denkens und die Fülle der Fakten aus unterschiedlichsten Quellen der Litauistik bewundern (LKŽ, LKŽ K, wissenschaftliche Zeitschriften u. Ä.).
Man sollte lediglich auf das eine oder andere litauische Sprachdatum, seine Form, Bedeutung oder eine mögliche Ergänzung aufmerksam machen.
Auszugehen ist von der Form sen. minžù (S. 60); sie ist eine Dialektform, die bis in die Zeit von K. Donelaitis zurückreicht: m’ežù Žvr, Nm (K. Donel), m’eñ.džù Krtv, Šauk, Krš, Varn ~ mežù, hochlit. myžù; sie ist auch in der litauischen Umgangssprache verbreitet. Schade, dass nicht angegeben ist, woher die zitierte Form stammt; wir könnten sie in den Korrekturen zum LKŽ ergänzen, falls wir jemals das vollständige veröffentlichte Lexikon des Volkswortschatzes erhalten.
Das Wort žmonà gehört zur Akzentklasse 3; žmóną (S. 69) wäre lediglich der Vokativ. Das Verb ardýti wird von allen Litauern so ausgesprochen (vgl. ¹LKŽ₁ 239, ²LKŽ₁ 294–295); daher ist árdyti (S. 99, 105, 191) eine unerwartete, überraschende Form.
Die Ableitung apýušris ist zu korrigieren (S. 99, 101) – belegt ist die Form apíu.šr’is ~ apýušris (1) „Beginn der Morgendämmerung“, apýušriais adv. „gegen die Morgendämmerung“ ¹LKŽ₁ 184 (sowie apýušriu), ²LKŽ₁ 230; vgl. auch das vom Buchautor erwähnte Wort úšra (S. 93, 101).
Die Formen *gerù, *kelù, *lemù, *perù geben zu vielen Überlegungen Anlass (von pértì, nicht von pérti – das
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eine sich allgemein ausbreitende ganz neue Form), tremù, vemù, stumù, denn solche Formen werden auch heute noch in einem großen Teil des niederlitauischen Sprachgebiets gesprochen. Das heißt, hier liegt irgendein rückläufiger Vorgang vor. Offenbar kehrte man von den ursprünglichen geriù, lemù, tremiù (S. 102–103) wieder zu geriù, lemù, tremù, plėtù, stumù zurück (?), obwohl diese Form stumù auch bei den südlichen Oberlitauern in Drsk, Rtn usw. vorkommt; vgl. auch die weit verbreitete Form m’ė.ntò / m’ėn.tù ~ mentù. Das sind also die Wandlungszyklen der Formen.
Auch bei den Niederlitauern und den südlichen Oberlitauern (Dzūken) wiederholen sich lejų, glėjų (S. 104), rėdu (S. 104); im Niederlitauischen gibt es den zurückgezogenen Zirkumflex r’ītù, r’īdù in Krš, Krtv usw., ebenso wie das vom Autor erwähnte šlavù.
Vielleicht wäre für den Autor das niederlitauische Verb tumėti, tuma ‚dicker werden‘ anstelle des vom Autor angeführten tunėti (S. 108) interessant; liegt hier möglicherweise eine Assimilation vor? (Es gibt auch tumė ‚Verdickungsvermögen‘, tùmùs / tòmòs usw.).
Aus irgendeinem Grund ist die ältere, wie es scheint, Form pèt’īs ~ petìs, pèt’īs ~ petiẽs, Instr. Sg. p’èt’īm ~ petìm (Ž. Krš, Užv, Pvn und anderswo) vergessen worden (erläutert wird nur die jüngere Form petỹs, S. 109).
aṁpalas (< aṁṕalas) – ist nach P. Jonikas (Dialekt von Pagramantis), S. 110, 112, eine Form der Alltagssprache; in den Mundarten gibt es ántpalas in Pgr, áńčpalas in Pvn.
Lit. šarà ‚Eile, Unglück‘ (S. 114) – häufiger wird šorà verwendet (šũorà, šuorù.t’į ‚heftig arbeiten‘ Krš, Krkl., šuorõut’ę ‚sehr eilen‘ Tl. = šorúoti.
Für litauisch bėda (b’ėda niederlit.) und lettisch bėda (S. 116) wird die Anwendbarkeit der Formel *bʰeh₁dʰ- bezweifelt. Besteht hier nicht ein Verhältnis zwischen e̯: und dem slawischen jat’ (ь), wie bei sénys, mešà und anderen Wörtern (vgl. K. Būga, Rinktiniai raštai, 1959, Bd. II, S. 554–555; J. Balčikonis, Rinktiniai raštai, Bd. I, S. 383)?
Das Wort ýla, lettisch iļens, gilt als baltisch (S. 119, Anmerkung). Dafür wäre eine eindeutige und fundierte Aussage erforderlich (vgl. Fraenkelio LKEŽ, S. 183, mit der gesamten Literatur).
In den westlichen niederlitauischen Mundarten wird bruot’ėrė.l’īs (klingt auch wie bruot’ėrė.l’īs) ‚Brüderchen‘ ausgesprochen, während broterėlis nur eine stark literarisierte Form aus Wörterbüchern und Sammlungen von Volksliedern ist (S. 122).
Auch die Akzentuierung des i-Stamms stótis ist zweifelhaft (S. 128, 132, 138). Ebenso ist DP patógus unbekannt; wie bei den Adjektiven sunkus, šviesus usw. könnte es sich um eine altertümliche Akzentuierung handeln, lediglich der damalige Akzenttyp ist unbekannt. Dasselbe gilt für vótis, vóti (S. 122, 132), žūtis, -iẽs (S. 162) = žūtis, -iẽs (4).
Nur bei einigen Niederlitauern gibt es mýlas, -à; dies ist mit dem Lettischen, Kurischen oder Preußischen gemeinsam (S. 148).
Wo das Verb pýti verwendet wird, lautet die Präsensform überall pýna; pỹja wurde gemäß der redaktionellen Richtlinie des LKŽ geschaffen (S. 148).
Seit Langem ist bekannt, dass Winterweizen für einen Teil der Niederlitauer pūrai (4) oder pũrai (2) heißt –
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LKK 8, 1966, S. 166–167; LKŽx 847, geschrieben wurde pūras (4) NŽ (dort eingetragen vom Salantisker Prof. A. Salys, mit dem ich 1969 sprechen konnte). In diesem Buch steht nur pūrai. Bei Besuchen in den westlichen Žemaiten in den Jahren 1958–1968, als Material für den LKA und zu kurischen Lehnwörtern gesammelt wurde, wurde die Wurzel pūr- (Substantiv der Akzentklasse 4) in Rūsnė, Saūgos, Kintuose, Plikiuose, Veiviržėnuose, Švėkšna, Endriejevė und anderswo aufgezeichnet (heute haben vier Dialektforscherinnen, die den Dialekt von Kuliai untersucht haben, die Form pūrā gehört; möglicherweise wurde sie mit dem Getreidemaß pūrs verwechselt?). Im Register der Gesammelten Schriften von K. Būga (S. 157) finden sich unter einem Stichwort sowohl pūras (Bd. III, S. 652, mit der Bedeutung „Maß“) als auch die Wurzel pūr- (Bd. II, S. 388 – pūras, pūrai „Winterweizen“ ALS, Kv, SLNT; S. 527 – pūrai sowie Jn usw.). Diese pūrai sind in diesem Fall völlig unerwartet und es ist unklar, woher sie stammen. 1964 nahm ich an Gesprächen bei Švėkšna und Judrėnai teil, wo die Agronomen sich vor Lachen beinahe ausschütteten über „von alten Leuten erdachte Dummheiten“, wie sie sagten; daher begann man, das Wort zu meiden, und selbst in den „Texten des Dialekts von Švėkšna“ von 2005 ist es nicht belegt (der Verfasser hatte es in den Dörfern Būdviečiai und Tvas kučiai noch gehört; Jaunius zeichnete es in Kvėdarna auf, die Verfasser des ersten LKA-Bandes nahmen es jedoch nicht auf). K. Būga verglich pūrus auch mit den lettischen Dialektformen pūr’i; auf S. 713 desselben Bandes stehen purai, pūrai in der Liste entstellter litauischer Wörter. Der LKA, S. 167, führt an: am häufigsten pūras, pūrai, seltener pūrai und nur an zwei Orten pūrai (in Skliaustė und Židikai hat man das schwindende Wort vielleicht auch einmal gehört).
Es gibt noch ein weiteres pūrai im Sinne von ‚Eiter‘ aus dem LKŽx 946 – J. Aus dem häufig als Vergleich verwendeten Wort wurde die übertragene Bedeutung ‚Menge‘ erschlossen, vgl. etwa pūrai drimb (nun ‚Eiter‘), während Dirsės birst pūrais Vkš – nein, sondern überall im Žemaitenland, sogar „aus den Ohren eine Grütze aus pūrai, pūrais herauskratzen“ Krš, pūrais žinių bobos nešio(ja) Ub usw. (In seinem litauischen etymologischen Wörterbuch hat er es inzwischen bemerkt und berichtigt, in beiden Fällen nicht mehr veröffentlicht. Gott sei Dank.)
Bei den Präsensformen der reflexiven Verben derselben kleinen Žemaiten nešýs, plentýs, kemšýs steht -y-; darüber habe ich sogar in einer isländischen Veröffentlichung gelesen. Deshalb möchte ich wissen, wie es zu h₁nek̑eh₁i > neš-i? auf S. 165 passt.
Für den Buchautor könnte vielleicht die Form rãplės aus RDN, Šv. u. a. (LKŽXI 177) neben dem preußischen raples (S. 178) interessant sein. Es scheint, dass die Varianten -riau- und -rau- vorwiegend im žemaitischen Dialekt vorkommen; dazu könnten grauž- / griauž, raukti / riaukti, drūžė / driūžė und viele andere Fälle gehören, entstanden aus *ṛ̥iau > rau, *ri̯ā > rā > ro, *ṛ̥iu- > ru usw.
Das Verb vadýti, vādo, vāde ist ein Wort der südlichen Aukštaiten, und das * ist überflüssig (S. 185).
Noch sollte an die Akzentuierung einiger Wörter erinnert werden: šalnà, šalnà (S. 195) = šalnà, šalna (4); nevėša (S. 184) = nėvėša Subst. (1) oder n’ėvėša Verb.; iltis, -ies (S. 214) = iltis, -ies (1); audrà (aus dem žemaitischen áudra) (S. 186) entstand erst kürzlich, nach 1930, gemäß der litauischen Gewohnheit, bei neu erlernten Wörtern den Akzent und den Akzentplatz zu verändern (K. Būga, Gesammelte Schriften, Bd. III, S. 785).
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Etwas überrascht hat die einzige Form des Wortes kainà im Buch. Statt des polnischen čienia, das von Pfarrämtern und ebenso von Gutsherren mit Hilfe zaristischer Kanzleibeamter eingeführt wurde, fanden litauische Intellektuelle Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im žemaitischen Dialekt das Wort kãina (1), anstelle des cienią. Selbst K. Būga kannte es nicht; J. Jablonskis dürfte wegen des žemaitischen Akzents mit gebrochenem Ton auf dem zweiten Diphthongbestandteil kãina vielleicht kãina gesagt haben, Nominativ kainà (dort aber schrieb er offenbar bereits, an die Phonetik des žemaitischen Dialekts gewöhnt, auch kãina). Ein Teil unserer Landsleute verwendet das žemaitische kãina, gebraucht aber mit verändertem Akzent kainą, kainą (4), besonders die westlichen Aukštaiten. Da es sich nicht um eine ererbte Form handelt, kann in Untersuchungen zur historischen Grammatik nur kãina (1) behandelt werden; sie stimmt genau mit dem slawischen cena überein.
Der erste Eindruck: Das Buch des Krakauer Wissenschaftlers Prof. habil. Dr. W. Smoczyński ist äußerst interessant und für unsere Sprachwissenschaft wichtig – ein Werk von Bedeutung für Jahrzehnte, eine Untersuchung der historischen Grammatik und Entwicklung der litauischen Sprache. Die eine oder andere hier notierte Bemerkung mag lediglich dazu anregen, ein kleines Staubflöckchen beiseitezupusten (insbesondere hinsichtlich pūrų ar pūrų).
Vytautas Antanas Vitkauskas
Institut für litauische Sprache
P. Vileišio g. 5, 10308 Vilnius, Litauen
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