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Grasilda Blažienė. „Baltische Ortsnamen in Ostpreußen“

Simas Karaliūnas

Full text

Recenzijos GRASILDA BLAŽIENĖ Baltische Ortsnamen in Ostpreufšen Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2005, 413 S. ISBN-10: 3515088458, ISBN-13: 9783515088459 (Hydronymia Europaea. Hrsg. von Wolfgang P. Schmid. Sonderband III) Die vorliegende Monographie hat zwei Vorworte: Ein Vorwort stammt von dem Herausgeber Wolfgang P. Schmid und Verfasserin des anderen ist die Autorin der Monographie Grasilda Blažienė. Die Monographie setzt sich aus zwei Teilen (dem Hauptteil und zwei Anhūngen) zusammen. Verfasserin des Hauptteils unter dem Titel ,Baltische Ortsnamen im Teilgebiet Nadrauens (6stlich der Deime) und in den nordli- chen Teilen von Natangen, Barten und Ermland (bis zum Pregel)“ (S. 15-233) ist Grasilda Blažienė. Anhang 1 (S. 235-346) stammt von der polnischen Sprachwissenschaftlerin Rozalia Przybytek und tragt den Titel , Ortsnamen baltischer Herkunft im siidlichen Teil Ostpreuflens”. In diesem Anhang werden die altpreuffischen Ortsnamen in den heute zu Polen gehorenden Gebieten untersucht. Der Titel des Anhangs 2 (S. 347- 396) lautet ,Baltische Ortsnamen in Pomesanien“. Die Monographie ist mit einem Verzeichnis der Abkiirzungen zitierter Quellen und einschlédgiger Literatur (S. 397- 410) sowie mit einer Liste sonstiger Abkurzungen und Sonderzeichen (S. 411-413) versehen. Eine Landkarte Ostpreuf3ens rundet die Monographie ab. Die Monographie ist dem Begriinder und Herausgeber der betreffenden Reihe, Prof. Dr. habil. Dr. h.c. Wolfgang P. Schmid anlasslich seines schonen Jubildums gewidmet. In dem Hauptteil unter dem Titel ,Baltische Ortsnamen im Teilgebiet Nadrauens (ostlich der Deime) und in den nordlichen Teilen von Natangen, Barten und Ermland (bis zum Pregel)* erforscht Grasilda Blaziené 746 Ortsnamen. 423 in verschiedenen Quellen belegte Ortsnamen stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 328 preufische Ortsnamen im Kaliningrader Gebiet auf einsichtslose Weise und ohne jeglichen Bezug zu den fritheren durch russische Bezeichnungen ersetzt. Dass die letzteren in der Arbeit ebenfalls angefūhrt werden (z.B. Zori, Zverevo, Zeleznodoroznij, Zeludevo, Zukovka [S. 233]), ist positiv zu be- werten. Besonders hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass Grasilda Blažienė in den historischen Quellen 329 von J. Gerulis und anderen Forschern nicht erwahnte Ortsnamen entdeckt hat. In der Forschungsarbeit sind solche Ortsnamen mit einem Sonderzeichen vor dem Lemma markiert. Diese Ortsnamen hat Grasilda BlaZiené vor allem und grof3tenteils handschriftlichen Quellen, den Folianten Ostpreuf3ens 133 Recenzijos und denen des Deutschen Ordens sowie, was besonders wichtig ist, den im Berliner Geheimen Staatsarchiv „Preulšischer Kulturbesitz“ aufbewahrten Urkunden und hi- storischen Ouellen entnommen. In einem anderen Teil der Forschungsarbeit, und zwar dem oben erwahnten Anhang 2, untersucht Grasilda Blažienė baltische Ortsnamen in Pomesanien. Interessant ist die Art und Weise, wie die Ortsnamen dargeboten werden. Der in den Quellen belegte Ortsname ist mit Fettdruck markiert und steht in der Form, wie er frither verwendet wurde bzw. immer noch verwendet wird, z.B. Abschwangen oder Zutawka Sztumska, einschlieRlich der Lokalisierung und Jahresangaben werden alle in den historischen Quellen belegte Varianten angefiihrt: So ist Abschwangen in einer aus dem Jahre 1365 stammenden Urkunde als Appuswangen ausgewiesen (was ins- gesamt 20 Varianten ergibt) (S. 15), Zutawka Sztumska weist 33 Aufzeichnungsfille auf, angefangen mit Pozolowe im Jahre 1249 (S. 395--396). Die Ortsnamen wer- den auf morphologischer Ebene untersucht, indem sie in Wurzelmorpheme, Prifixe und Suffixe zerlegt werden. Die Identifizierung der Wurzelmorpheme erfolgt durch Heranziehen der etymologischen Entsprechungen aus dem PreuRischen sowie den mit dem letzteren am engsten verwandten Sprachen wie Litauisch und Lettisch (falls solche Entsprechungen vorliegen), aullerdem wird naturlich das Material anderer verwandter Sprachen, und zwar der slawischen und der germanischen, herange- zogen. In den meisten Fallen ist es der Autorin der Monographie gelungen, die Wortbildung und die Herkunft {iberzeugend und argumentiert zu deuten. Dariiber hinaus ist zu betonen, dass die Verfasserin die Befunde ihrer Vorganger gewissenhaft referiert, manche davon durch neue Forschungsdaten begriindet, andere weitgehend korrigiert, in vielen Fallen die Deutungen anderer Forscher auch widerlegt. Die Autorin referiert gewissenhaft alle bekannten Deutungsvarianten der Herkunft des Ortsnamen Appuswangen (S. 15). Sie erklart ganz korrekt auch die Wortbildung von Pozolowe (1249), und zwar durch Rekonstruktion von *Pa-sulav-/*Pa-sulov-, wo *Pa- als Prifix fungiert (vgl. lit. pa-miské) und * sulava bzw. *suléva als Stammmorphem in der Bedeutung , Insel“ (S. 396). Dass dieses Wort in einer solchen Bedeutung auch von Preullen verwendet wurde, zeugt die in den Worterbiichern von Nesselmann und Kuršaitis aufgefiihrte litauische Entsprechung sulava , Insel“, die laut Brodowski durch Entlehnung als zulawa „Insel“ aus Goldap im Preufischen Litauen und aus den polnischen Mundarten gekommen ist. Der Ortsname Zinten (Kr. Heiligenbeil) ist in den historischen Quellen als Sinthin, Czinthen (1363) u. A. belegt. Die Autorin rekonstruiert vollig korrekt den Archetyp pr. *Zint- und bezieht ihn auf den preulischen Personennamen Szinte (S. 233). 134 Recenzijos Als Argument fiir eine solche Betrachtungsweise kann das litauische Verb zintyti (-ija, -ijjo) sich gegenseitig beschimpfen, sich zanken, sich streiten; zégern, zau- dern“ (Dusetos, Daugėliškis, Užpaliai — LKŽ,, 1037) angefiihrt werden, das als Denominativ von zifitas ,jemand, der sich streitet, sich zankt“ betrachtet werden kann. In der einschldgigen Forschung besteht schon lingst die Einsicht, dass ein Teilgebiet Nordostlitauens (Zarasai, Dusetos usw.) und das stidwestliche Areal® der Balten und der Preuf3en durch einen Biindel Isoglossen verbunden sind. Die im Rahmen der von deutschen Herausgebern finanzierten und veroffent- lichten Reihe Hydronymia Europaea erschienene Studie ,Baltische Ortsnamen in Ostpreulšen“ von Grasilda Blaziené ist als eine originelle und griindlich durchdachte wissenschaftliche Forschungsarbeit zu betrachten. Simas Karalitinas Lietuviy kalbos institutas P. Vileisio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva Giacomo DEvoTO Baltistikos raštai - Scritti baltistici Edited by Pirro U. Dini and BoNIFACAS STUNDZIA Vilnius: Tyto alba, 2004, pp. 263[1], ISBN 9986-16-383-8 According to the preface (p. 9) here for the first time are published all of Giacomo Devoto’s Baltistic writings which have for the most part historical significance, not only in the sense of linguistic historiography but also in the broader sense of the cultural bonds between Italy and the Baltic (particularly Lithuania). Today newer discoveries and more modern scientific methods have gone beyond the theoretical and factual statements encountered in Devoto’s writings. Nevertheless the works published here show the maturity of Italian Baltic studies attained during the in- terwar period and seem to emphasize the direction of their further development. Devoto’s articles are divided into two groups, (i) Linguistics and (ii) Literature and other subjects. They are published in Lithuanian translation in the first part of the *Vgl. S. KarariOnas, Baltų praeitis istoriniuose šaltiniuose II. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005, 239-240, 310-311. 135