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Ambipersonalas – ar ši kategorija tinka ir baltų kalboms?

Markus Roduner

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MARKUS RODUNER Institut für Litauische Sprache Forschungsschwerpunkte: litauische Syntax, baltische Syntax, historische Syntax, areale Linguistik, Translatologie. AMBIPERSONAL – IST DIESE KATEGORIE AUCH FÜR DIE BALTISCHEN SPRACHEN GEEIGNET? Ambipersonal: eine geeignete Kategorie auch für die baltischen Sprachen? ZUSAMMENFASSUNG In diesem Artikel wird untersucht, wie die Kategorie des Ambipersonals im Litauischen und – nur kurz – im Lettischen durch Konstruktionen mit passivischen Partizipien realisiert wird. Da das Ambipersonal selbst innerhalb ein und derselben Sprache durch verschiedene Mittel ausgedrückt werden kann, konzentriert sich die Untersuchung auf Konstruktionen mit passivischen Partizipien. Gerade beim durch Konstruktionen mit passivischen Partizipien ausgedrückten Ambipersonal lässt sich ein gewisser Grad an Grammatikalisierung erkennen. Erörtert wird auch der Zusammenhang des Passivs in diesen Sprachen mit der genannten Kategorie. ABSTRACT Dieser Beitrag untersucht die Realisierung des Ambipersonals durch Partizipialformen, die traditionell als Passivpartizipien bezeichnet werden, im Litauischen und – in deutlich geringerem Umfang – im Lettischen. Da die Kategorie des Ambipersonals durch verschiedene Mittel ausgedrückt werden kann, konzentriert sich dieser Beitrag auf Konstruktionen mit Passivpartizipien als Mittel zum Ausdruck des Ambipersonals. Diese Entscheidung wurde getroffen, weil diese Konstruktionen mit neutralen Passivpartizipien einen hohen Grad an Grammatikalisierung aufweisen. Darüber hinaus wird der Zusammenhang zwischen dem Passiv und dem Ambipersonal erörtert. EINLEITUNG Die Urheberschaft des Begriffs Ambipersonal geht auf den finnischen Linguisten Hannu Tommola (Tommola 1993) zurück. Der Begriff entstand im Zuge seiner Untersuchung der Diatheseproblematik (des Genus Verbi) im Finnischen und Estnischen, vgl. (1), (2). SCHLÜSSELWÖRTER: Ambipersonal, Passiv, Genus Verbi, baltische Sprachen, Areallinguistik. SCHLÜSSELWÖRTER: ambipersonal, Passiv, Genus Verbi, baltische Sprachen, Areallinguistik. 106 Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV Ambipersonal as – ar ši kategorija tinka ir baltų kalboms? (1) finn. Tanskassa puhutaan tanskaa. Dänemark. LOC.1 sprechen. AMB. PRAES. auf Dänisch. In Dänemark spricht man Dänisch (Karlsson 2000: 190). (2) est. Tehti ära suur töö. arbeiten. AMB. PRAET. draußen große Arbeit. NOM. Es wurde eine große Arbeit fertiggestellt (Tommola 1997: 3). Diese Beispiele veranschaulichen gut das Problem der Bestimmung des Genus Verbi in den ostseefinnischen Sprachen. Die in älteren Grammatiken der ostseefinnischen Sprachen als Passiv bezeichnete Kategorie erinnert eher an das unpersönliche Passiv des Deutschen (oder anderer Sprachen) (dt. unpersönliches Passiv2 und kann mit fast allen Verbtypen gebildet werden, sogar mit Zustandsverben oder unakkusativischen Verben3 (vgl. lit. augama, krentama, užmiegama). Ähnliche Konstruktionen finden sich auch in vielen anderen Sprachen, doch gibt es in den ostseefinnischen Sprachen keine grammatischen Mittel, den Handelnden zu bezeichnen4, und je nach Valenz des Verbs ist nur ein zwei- oder ein einargumentiges „Passiv“ möglich. In diesen Sprachen ist das Ambipersonal grammatikalisiert. Wolfgang Schlachter, der sich als einer der Ersten eingehend mit der Problematik des finnischen Passivs befasste, zitiert bereits zu Beginn seiner Arbeit mit dem aussagekräftigen Titel Hat das Finnische ein Passiv („Hat das Finnische ein Passiv“, Schlachter: 1985) eine auf die ostseefinnischen Sprachen – aber nicht nur auf sie – anwendbare Aussage von Oswald Szemerényi (1970): Es sei besonders wichtig, eine zweiargumentige Passivkonstruktion von einer dreiargumentigen zu unterscheiden, denn die dreiargumentige (mit bezeichnetem Handelnden) sei lediglich eine Transformation des entsprechenden Aktivsatzes (also nur eine syntaktische Variante), während die zweiargumentige (ohne bezeichneten Handelnden) erforderlich sei, weil die Abwesenheit des Handelnden einen Informationswert haben könne (unbestimmter Handelnder, absichtlich nicht – 1 Im Artikel verwendete Abkürzungen: ACC. – Akkusativ, LOC. – Lokativ, NOM. – Nominativ, GEN. – Genitiv, AMB. – Ambipersonal, PRAES. – Präsens, PRAET. – Präteritum (einmalig), ART. – Artikel, PAG. – Hilfsverb, PPP. – Partizip Präteritum Passiv, PPA. – Partizip Präteritum Aktiv, Sprachen: ir. – Irisch, est. – Estnisch, lett. – Lettisch, lit. – Litauisch, frz. – Französisch, finn. – Finnisch, dt. – Deutsch, walis. – Walisisch. 2 Plg. Tommola (1997): „в структурном отношении данное явление рассматривалось традиционно как особый случай пассива: „имперсональный“ пассив“. 3 Das Passiv solcher Verben existiert in vielen Sprachen nicht, da das Subjekt des Aktivsatzes kein Handelnder (Agens), sondern meist ein Experiencer ist. 4 Allerdings besteht im Estnischen diese Möglichkeit, und das dritte Argument kann durch eine Konstruktion mit der Postposition pool(t) ‚von, vonseiten […]‘ bezeichnet werden (vgl. Tauli 1983: 32). Manninen und Hiietam (2005) führen in ihrem Artikel ebenfalls Beispiele sowohl aus dem Estnischen (mit der bereits erwähnten Postposition poolt) als auch aus dem Finnischen (mit der Präposition toimesta ‚auf Anweisung von jemandem‘) an, in denen der Handelnde sogar bei Verwendung synthetischer („echter“) Ambipersonalformen bezeichnet werden kann oder die Satzsemantik eine solche Deutung nahelegt. Dieses Phänomen sollte anhand eines größeren Korpus weiter untersucht werden, um festzustellen, wie weit es sich in diesen Sprachen bereits verbreitet hat und ob es sich weiter ausbreitet und den Weg zu einem vollwertigen Passiv ebnet. Straipsniai / Articles 107 M A R K U S R O D U N E R vardijamas veikėjas ir kt.). Fredo Karlssono suomių kalbos gramatikoje (Karlsson 2000: 187) rašoma, kad šios kalbos pasyvą geriau būtų vadinti „indefinitu“. Kaip matome, nė vienas šių kalbininkų, aprašydamas Baltijos finų kalbų neveikiamąją rūšį, nebuvo linkęs ją sutapatinti su žinomesnių Vakarų Europos⁵ kalbų pasyvu. In der Sprachwissenschaft wurden ambipersonale Sätze wie (1) traditionell als unpersönliche Passivkonstruktionen bezeichnet, da kein Agens / Experiencer explizit genannt wird. Dies ist jedoch problematisch, weil sie mit Verben aller Typen gebildet werden können. Auch die Bezeichnung als Impersonal (vgl. Holvoet 2001, Blevins 2003 u. a.) ist semantisch problematisch, da das Agens / der Experiencer nur an der Satzoberfläche nicht genannt wird, aus dem Kontext aber als „belebt“ oder sogar „menschlich“ erschließbar ist – in Beispiel (1) handelt es sich um die Einwohner Dänemarks. Daher würde der Begriff Ambipersonal (mit einem ambivalenten Referenten des Agens / Experiencers) dieses Phänomen besser erfassen. Außerdem – siehe den nächsten Absatz – ermöglicht dies, die Ausdrucksmöglichkeiten des Ambipersonals in den Sprachen der Welt mit verschiedenen Mitteln zu vergleichen, nicht nur anhand von Verbformen⁶. Pats Tommola (1997) diskusijoje dėl ambipersonalo kategorijos savo pirmtaku įvardija Igorį Melčuką, pasiūliusį „diatezes, kuriomis supresuojami aktantai, pavadinti „supresyvu“ (Mel’čuk: 1991: 65). Ir Tommola vartoja sąvoką supresyvas (plg. jo 1993 m. straipsnio pavadinimą), tačiau taip vadina supresyvizacijos, sintaksinės operacijos, kuria supresuojamas aktantas, rezultatą, o ambipersonalu – semantinė-pragmatinė kategorija, kuri gali būti reiškiama įvairiomis konstrukcijomis, pvz., sugramatinama atskiromis veiksmažodžio formomis kaip suomių ir estų kalbose. Ambipersonalo apibūdinimas kaip semantinės-pragmatinės kategorijos – kaip teiginių, kuriuose veikėjas neįvardijamas (supresuojamas), tačiau referentiškai identifikuojamas arba konkrečiai, arba kaip generinis – leidžia Tommolai (1997) be sugramatinto ambipersonalo Baltijos finų kalbose aptarti įvairių Europos kalbų strategijas ambipersonalui reikšti, tarp jų antrojo vienaskaitos veiksmažodžio formą (pvz., rusų kalboje), atskirus ambipersonalinius įvardžius (pvz., vok. man, pranc. on), sangrąžines veiksmažodžio formas (pvz., italų, švedų kalbose) ir kt. Taigi ambipersonalo raiškos priemonių esama gana įvairių, veiksmažodžių rūšies formų atžvilgiu jie taip pat nevienareikšmiai – vartojamos ir pasyvinės, ir sangrąžinės, ir aktyvinės veiksmažodžio formos. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Verwendung passivischer Formen in den baltischen Sprachen, vor allem im Litauischen, zum Ausdruck des Ambipersonals. 5 „Bekannter“, da am anderen Rand Europas auch im Keltischen eine der „Passiv“-Formen die hier beschriebene Funktion hat; vgl. walisisch siaredir (sprechen AMBP. PRAES.) Cymraeg („Walisisch“) yma („hier“) – „hier wird Walisisch gesprochen“ oder irisch Labhraítear („sprechen“ AMBP. PRAES.) Gaeilge anseo – „hier wird Irisch gesprochen“. 6 Ein ähnlicher Fall im Hinblick auf die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten ist die Evidentialitätskategorie. 108 A c t a L i n g u i s t i c a L i t h u a n i c a L X I V – L X V Ambipersonalas – ar ši kategorija tinka ir baltų kalboms? AMBIPERSONAL IM LITAUISCHEN Warum beginnt die Argumentation in dieser Arbeit mit den den baltischen Sprachen benachbarten finno-ugrischen Sprachen? Nun, weil auch die Analyse des Genus Passivum der baltischen Sprachen als vollwertiges Passiv beinahe ebenso problematisch ist wie bei den baltischen Finnsprachen. In Übereinstimmung mit den bereits erwähnten Autoren wird in diesem Artikel nur das dreigliedrige Passiv als vollwertiges Passiv bezeichnet, d. h. ein Passiv, bei dem das direkte Objekt des Aktivsatzes in die Subjektposition angehoben wird und das Agens (des Aktivsatzes Subjekt) durch eine Präpositionalphrase oder einen obliquen Kasus ausgedrückt wird – ein Typ, der in vielen (heutigen) westeuropäischen Sprachen vorkommt: (3a) dt. Der Mann schlägt ART. MASC. NOM. Mann schlagen. PRAES. 3. SG. den Hund ART. MASC. ACC. Hund. ACC. SG. Der Mann schlägt den Hund. (3b) dt. Der Hund wird vom ART. MASC. NOM. Hund. NOM. SG. PAG. PRAES. 3. SG. von Mann geschlagen Mann schlagen. PPP. Der Hund wird vom Mann geschlagen. Obwohl die Aussagen Der Hund wird vom Mann geschlagen oder Der Hund wird vom Mann geschlagen im Litauischen beide grammatisch sind und allen Grammatikregeln entsprechen, sind sie nicht besonders natürlich7. So gibt es beispielsweise unter den 202 Belegen des typischen akkusativregierenden Verbs mušti, das häufig zur Veranschaulichung des Passivs zitiert wird, im DLKT für das Partizip Präsens Passiv8 mušamas nur 12 Belege mit einem Agens im Genitiv. Davon ließe sich nur einer als vollständiger Passivsatz beschreiben (Abb. 4): (4) Pjau, Maleckis, obwohl Professor, wird selbst von der Regierung geschlagen! In den übrigen Beispielen wird das Partizip Passiv attributiv verwendet (3), oder das Agens wird nicht genannt (4). 7 Plg. Ambrazas 2006: 492: „Subjekto (agentinis) kilmininkas tose konstrukcijose [pasyvo su neveikiamųjų dalyvių vardininko derinamomis formomis – M. R.] vartojamas retai.“ 8 In diesem Artikel wird vor allem anhand von Beispielen mit Partizipien Präsens Passiv argumentiert, da Konstruktionen mit Partizipien Präteritum Passiv häufig auch zum Ausdruck anderer Kategorien verwendet werden – beispielsweise des Resultativs (vgl. Geniušienė 1988) oder der Evidentialität (vgl. Holvoet, Semėnienė 2004). Straipsniai / Articles 109 M A R K U S R O D U N E R (5) Noch heute kann man in fast jeder Tageszeitung über junge Ehefrauen lesen, die von ihren Männern geschlagen, von ihren Schwiegermüttern misshandelt, durch ein unerträgliches Leben in den Selbstmord getrieben oder manchmal auch ermordet wurden. (6) Der Mensch wurde geschlagen und gewürgt, und sein Haus wurde auf der Suche nach Geld durchwühlt. Sätze des letztgenannten Typs – ohne einen im Genitiv bezeichneten Agens – sind in der heutigen Standardsprache recht verbreitet. Zwar deuten einige Merkmale, etwa die Kongruenz des Partizips mit einem im Nominativ bezeichneten Element (dem Experiencer/Patienten), darauf hin, dass das direkte Objekt in die Subjektposition angehoben wird; die seltene Bezeichnung des Agens und der recht seltene Gebrauch des dreigliedrigen Passivs weisen jedoch auf einen Zusammenhang mit dem Ambipersonal hin. Die Aussage (6) hat jedoch – anders als ein vollwertiges dreigliedriges Passiv – kein echtes Aktiväquivalent. In ihrem „aktiven“ Äquivalent schlugen und würgten sie den Menschen und durchwühlten sein Haus auf der Suche nach Geld ist der Agens ebenfalls nicht benannt (sie). Der Agens lässt sich nur aus dem Kontext identifizieren, ebenso wie der Agens des „passiven“ Satzes (5). Das bedeutet jedoch keineswegs, dass er unpersönlich ist, denn wie im Beispiel (1) handelt hier ein lebendiges, aus dem Kontext identifizierbares Wesen – in diesem Fall sogar sehr aktive Täter. Somit sind beide Aussagen gute Beispiele für die Kategorie Ambipersonal und zeigen, dass zu ihrer Ausdrucksform verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt werden können. Tommola (1997) argumentuoja, kad ambipersonalo funkcija yra kitokia nei triasmenio pasyvo. Pastarajame tik keičiama aktualioji skaida, t. y. aktyvinio sakinio tiesioginis papildinys yra iškeliamas į veiksnio poziciją. Dėl to pasyvas būdingas kalboms, kuriose jis yra priemonė aktyvinio sakinio tiesioginiam papildiniui tematizuoti. O baltų ir Baltijos finų kalbose tam užtenka argumentus sukeisti vietomis (Gediminas įkūrė Vilnių – Vilnių įkūrė Gediminas). Björnas Wiemeris (2001: 9) teigia, kad tokių sakinių kaip Jokios klaidos nepastebėta arba Čia vakar buvo valgoma priskyrimas pasyvo kategorijai yra problemiškas, kadangi trūksta privilegijuoto sintaksinio argumento (angl. privileged syntactic argument). Lyginant teiginį Jokios klaidos nepastebėta su teiginiu Dvi klaidos pastebėtos aiškiai matyti, kad ir pastarojo sakinio funkcija yra ambipersonalinė. Abejuose teiginiuose veikėjas numanomas, tik supresuojamas. Ein Merkmal des dreigliedrigen Passivs ist, dass es wegen der Anhebung des direkten Objekts nur mit transitiven Verben gebildet werden kann. Sätze mit intransitiven Verben lassen sich nicht passivieren. Diesem Grundsatz scheinen litauische Konstruktionen mit Partizipien des Passivs intransitiver Verben zu widersprechen, vgl. (7): (7) Die Mitglieder der Expedition verbrachten vier Tage in der Lukina-Jama-Höhle. In Basislagern, die in der Höhle in 750 m und 950 m Tiefe eingerichtet sind, wurde geschlafen (DLKT). 110 Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV Ambipersonal as – ar ši kategorija tinka ir baltų kalboms? Ein Satz im dreigliedrigen Passiv mit dem Verb miegoti ließe sich aufgrund seiner Valenz überhaupt nicht bilden. Ebenso besteht hier keine Möglichkeit, das zum Prädikat gehörende Partizip mit etwas abzustimmen, da nichts in die Subjektposition angehoben werden kann. Verben wie miegoti oder kosėti sind jedoch, obwohl sie intransitiv sind, in einigen Sprachen, zum Beispiel im Deutschen, als Ambipersonal (unpersönliches Passiv) „passivierbar“, vgl. (8): (8) es wurde auf dem Boden geschlafen PAG. PRAET. 3. SG. ant ART. DAT. M. grindys miegoti. PPP. Es wurde auf dem Boden geschlafen / wir schliefen auf dem Boden Im Deutschen kann synonym auch eine Konstruktion mit dem ambipersonalen Pronomen man verwendet werden, z. B. man schlief (schlafen PRAET. 3. SG.) auf dem Boden. In beiden Aussagen werden die Schlafenden zwar nicht benannt, sind aber implizit gemeint – die Mitglieder der Expedition, wenn ein Expeditionsteilnehmer davon berichtet – wir. Das Subjekt solcher Verben ist aktiv (ein Agens), und das Verb wird unergativ genannt. Im selben Deutschen lassen sich Sätze mit unakkusativischen Verben wie fallen („fallen“) oder ersticken („(er)sticken“) jedoch nicht „passivieren“. Zum Beispiel ist *es wurde in den Abgrund gefallen („es wurde in den Abgrund gefallen“) ein ungrammatischer Satz, während er im Litauischen vollkommen grammatisch ist, wenn auch möglicherweise nicht sehr gebräuchlich (auf die LKET-Suchanfrage krentama werden nur 6 Beispiele angezeigt). Ambipersonalformen intransitiver Verben sind eindeutig identifizierbar – es handelt sich um neutrale Formen von Partizipien des Passivs. Wie wir gesehen haben, gibt es im litauischen Standard einen dreigliedrigen Passiv, der jedoch nur selten realisiert wird. In vielen Dialekten verbreitete Sätze⁹ mit nicht kongruierenden Partizipien erinnern noch stärker an das Ambipersonal der ostseefinnischen Sprachen, da das Partizip nicht mit einem nominativischen Element kongruiert: (9) Die Felder werden gepflügt (Ambrazas 2001: 407) (10) Na, das Denkmal wurde errichtet (Krokšlys, Bezirk Varėna, Expeditionsaufnahme) In solchen Sätzen steht das direkte Objekt im Nominativ, wird aber nicht in die Subjektposition angehoben; das prädikative Partizip kongruiert nicht mit ihm. Die Markierung im Nominativ bedeutet nicht notwendigerweise eine Anhebung in die Subjektposition, da in diesen Dialekten der Nominativ in Sätzen ohne offen ausgedrücktes Subjekt auch zur Markierung des direkten Objekts verwendet wird (vgl. Ambrazas 2001 und die dort angeführte Literatur). In diesem Fall ist auch das Ausbleiben der Kongruenz unproblematisch, da der Nominativ kein grammatisches 9 Sie kommen auch in Texten vor, jedoch wie das Nominativobjekt häufiger in Texten aus der Vorkriegszeit. Unter mehr als 15.000 Beispielen aus dem DLKT mit passiven Partizipien des Neutrums, die für die Dissertation gesammelt wurden, ließ sich nur ein Satz mit der hier erwähnten Struktur finden. Straipsniai / Articles 111 MARKUS RODUNER Subjekt. Dies bestätigen auch vereinzelte dialektale Beispiele, in denen der Experiencer nicht im Nominativ, sondern im Akkusativ markiert ist, vgl. su geiniu iš dreivių medų kopama (Ambrazas 1990: 205)10. In Konstruktionen mit passiven Partizipien des Neutrums wurden keine Beispiele mit Pronomen der ersten oder zweiten Person (in einer, zwei oder allen drei Zahlen) gefunden, in denen der Satz ein direktes Objekt im Akkusativ enthält – offenbar ist in diesem Fall nur ein Ambipersonal mit kongruierendem Partizip möglich, vgl. *mane buvo mušama – aš buvau mušamas11. Das ist interessant, denn im Finnischen stehen gerade diese Pronomen in ambipersonalen Sätzen im Akkusativ, Substantive dagegen im Nominativ. Neben den bereits genannten Mitteln kann das Ambipersonal im Litauischen – wie etwa auch im Russischen – durch die zweite Person Singular ausgedrückt werden (manchmal mit dem zusätzlichen Wort žmogus). (11) russ. Когда влюблен, не замечаешь Wenn verliebt sein PPP. NOM. SG. M. nicht bemerken PRAES. IND. 2. SG. недостатков любимого человека. Mangel GEN. PL. geliebt GEN. SG. M. Mensch GEN. SG. Wenn man verliebt ist, bemerkt man die Mängel des geliebten Menschen nicht. Die generalisierte Verwendung der zweiten Person wird auch durch Beispiele wie dt. man (Pron. AMB.) ist (‘sein’ PRAES. 3. SG.), was (‘was’ ACC.) man isst (‘essen’ PRAES. 3. SG.) bestätigt, das ebenso wie sein litauisches Äquivalent esi, ką valgai auch in der zweiten Person ausgedrückt werden kann: du bist, was du isst. AMBIPERSONAL IM LETTISCHEN Im Lettischen werden Passivformen mit den Hilfsverben tikt (seltener auch tapt, kļūt, Vorgangspassive) oder būt ‘sein’ (Zustandspassive) sowie mit Partizipien auf –ts– gebildet. Wie Nicole Nau (1997: 37, vgl. auch Holvoet 2001: 370) betont, lassen sich fast alle Verben passivieren12. 10 Solche Konstruktionen mit passiven Partizipien des Neutrums im Präteritum und einem Akkusativobjekt sind auch in einigen slawischen Sprachen recht verbreitet (vgl. Wiemer, Giger 2005) – es handelt sich um Resultative. 11 Auch im Ambipersonal des Irischen wird das Objekt eines Aktivsatzes nicht in die Subjektposition angehoben, vgl. Maraíodh (‘töten’ AMB. PRAET.) (léi) (‘mit ihr’) é (‘er’ ACC!): wörtlich „getötet wurde (mit ihr) ihn“ – „er wurde von ihr getötet, sie tötete ihn“. 12 Die von Axel Holvoet (ebd.) erwähnte Einschränkung, dass die Kopula būti anders als im Finnischen im Lettischen nicht passiviert bzw. ambipersonalisiert werden kann, gilt auch für das Litauische – der Satz *būta gudraus / gudriam ist ungrammatisch; erst wenn bei der Kopula auch ein Agens genannt wird, wird er korrekt: jo esama 112 Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV Ambipersonalas – ar ši kategorija tinka ir baltų kalboms? (12) Dort wurde (PAG. PRAET. 3P.) gelesen (‘lesen’ PPP. NOM. PL. M.) vor (‘vorn’) alle damals vorhandenen Burlakenromane, und über Hexen wurde gesprochen (‘sprechen’ PPP. NOM. SG. M.). Dort wurden alle damals vorhandenen Burlakenromane gelesen und über Hexen gesprochen (Nau 1997: 38). (13) Dann wurde geteilt tada PAG. PRAET. teilen PPP. NOM. SG. M. Damals wurde geteilt. Nau zufolge wird das Ambipersonal (Passiv) in der gesprochenen Sprache nicht häufig verwendet, insbesondere nicht mit Subjekten der ersten oder zweiten Person (1997: 38); Sturla Berg-Olsen zufolge ist der Gebrauch des Passivs im Lettischen eingeschränkter als in Sprachen mit fester Wortstellung (2001: 220). Zu beachten ist jedoch, dass die Funktion des Ambipersonals auch hier darin besteht, den Handelnden als unbestimmt zu kennzeichnen – und als belebt, häufig ich oder wir, vgl. (13). Dies könnte eine von Nau an derselben Stelle erwähnte Tatsache erklären: dass sich ein Satz im „Passiv“ mit einem unpersönlichen Satz mit einem Verb der 3. Person Plural verbinden lässt, vgl. Vecākais brālis tika ievainots un viņu paņēma vācu gūstā – „Der älteste Bruder wurde verwundet und von den Deutschen gefangen genommen.“ Beide Sätze sind gemäß der hier dargelegten Kategorie ambipersonal und können deshalb miteinander kombiniert werden. Was das Merkmal betrifft, dass die Transitivität eines Verbs kaum eine Rolle dabei spielt, es zu „passivieren“, ähnelt das Lettische nicht nur dem Litauischen, sondern auch den benachbarten finnischen Sprachen sehr. Eine Eigenschaft, die das Lettische mit den ostseefinnischen Sprachen, nicht aber mit dem Litauischen gemeinsam hat, besteht darin, dass im Standardlettischen wie auch in vielen Dialekten beim „Vorgangspassiv“ mit dem Hilfsverb tikt keine Möglichkeit besteht, den Handelnden zu benennen (vgl. Berg-Olsen 2001: 219, Nau 1997: 38, Holvoet 2001: 371). Berg-Olsen (ebd.) führt jedoch unter Berufung auf Endzelīns (1951: 984) Beispiele aus älteren lettischen Texten an, in denen der Handelnde benannt wird – einmal im Genitiv (wie auch im Litauischen), ein anderes Mal mit der Präposition no (‘von’): (14) Meine Wangen sind nicht ūdeņa mit Wasser gebleicht [...] mit Tränen gebleicht no neliešaMeine Wangen sind nicht mit Wasser gebleicht [...] mit Tränen gebleicht vom Feind Tačiau šie pavyzdžiai abu yra ne veiksmo pasyvai. Alfredas Gātersas (1993: 295–97) pažymi, kad latvių dainose asmeninis veikėjas beveik niekada neįvardijamas, ir pabrėžia konstrukcijų su –ts– dalyviais artumą konstrukcijoms su predikatyvais. listigen. Eine weitere Parallele bietet das Irische, in dem ebenfalls fast alle Verben ambipersonalisiert werden können, ausgenommen Sätze mit der Kopula is. „Drittens haben alle irischen Sätze mit Ausnahme der mit dem Kopulaverb is gebildeten Sätze ein unpersönliches Gegenstück: Dazu zählen intransitive Sätze, Kopulasätze mit dem Kopulaverb bí und sogar Passivsätze sowie die erwarteten transitiven Sätze; nur transitive Klauseln haben passive Gegenstücke“ (Noonan 1994: 5). Straipsniai / Articles 113 MARKUS RODUNER Holvoetas (2001: 332–335) atkreipia dėmesį į faktą, kad latvių kalboje šalia 3 daugiskaitos asmens ambipersonalui reikšti vartojamas ir vienaskaitos 3 asmuo13. Tame pačiame straipsnyje įžvelgiamas ir skirtumas tarp abiejų 3 asmens formų vartojimo – daugiskaita vartojama nereferentiniam, generiniam veikėjui išreikšti, vienaskaita referentiniam14. Tame pačiame straipsnyje nurodoma dar kitų į pasyvą panašių konstrukcijų, kurios yra bendros latvių kalbai ir kaimyninėms finų kalboms. Über das Zustandspassiv werden wir ebenso wenig diskutieren wie über litauische Aussagen mit prädikativen ta-Partizipien, und zwar aufgrund ihrer Verbindungen mit resultativen und prädikativen Konstruktionen15. DER AUSDRUCK DES AMBIPERSONALS IN EINIGEN ANDEREN EUROPÄISCHEN SPRACHEN Wie in Fußnote drei erwähnt, verfügen auch die keltischen Sprachen am anderen Rand Europas, im Westen, über grammatikalisierte Ambipersonalformen. Das moderne Irische unterscheidet sogar zwei „Passivformen“ – das Ambipersonal und das „eigentliche“ Passiv (vgl. Noonan 1994): (12) Rinneadh a faire agus a hadhlacadh. machen AMB. PRAET. seine Totenwache und seine Beerdigung seine Totenwache und seine Beerdigung wurden organisiert / jemand organisierte seine Totenwache und Beerdigung16 (Nolan 2005: 3) (13) Bhí sé á bhualadh aici17 war er zu+seinem schlagen-VN bei+ihr Er wurde von ihr geschlagen (Noonan 1994: 6) Deutlich ist zu erkennen, dass das Ambipersonal im Irischen – wie auch in den anderen keltischen Sprachen – grammatikalisiert ist und dass es eigene Ausdrucksmittel zur Bildung des Passivs gibt. Letztere – zur Bildung des Passivs 13 Da die finiten Verbformen der dritten Person in den baltischen Sprachen sich hinsichtlich des Numerus nicht unterscheiden, stützte er sich auf Verbformen, bei denen dieser Unterschied besteht, zum Beispiel auf Partizipien. 14 In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu untersuchen, ob sich der Gebrauch des Ambipersonals in der zweiten Person Singular und der dritten Person Plural im Litauischen semantisch ähnlich unterscheidet. 15 Zu diesem Thema gibt es ebenso wie zur Bezeichnung des Agens durch den Genitiv oder andere Kasus bzw. Konstruktionen umfangreiche Literatur; zum Agens im Genitiv siehe beispielsweise Ambrazas 1990, Holvoet 2000 und die dort angegebene Literatur. 16 „Jemand organisierte seine Beerdigung und Totenwache. [do’(x) CAUSE [make’(x, a faire agus a hadhlacadh)]], wobei x ein nicht näher bestimmtes Individuum vom belebten und menschlichen Typ ist und als ‚(irgendjemand‘ interpretiert wird, das heißt als eine spezifische (weil existierende) unbestimmte Person.“ 17 Diese Aussage, in der das Agens nicht benannt wird, ist mehrdeutig: Er wurde geschlagen oder Er schlug ihn. 114 Acta Linguistica Lithuanica LXIV–LXV Ambipersonalac – ar ši kategorija tinka ir baltų kalboms? auszudrücken – im verwandten Walisischen wie etwa im Lettischen oder Estnischen gibt es mehrere unterschiedliche Konstruktionen (vgl. Skrzypiec 2000). Und obwohl die Konstruktion ambipersonal ist, gibt es dennoch Mittel, den in ihr unterdrückten Agens auszudrücken (und das erinnert nicht nur an die baltischen, sondern auch an die germanischen Sprachen). Ambipersonal als semantisch-pragmatische Kategorie wird auf die eine oder andere Weise in vielen europäischen Sprachen ausgedrückt, etwa im Deutschen oder Französischen, durch ein eigenes Pronomen – dt. man, frz. on18. Es muss jedoch betont werden, dass der Anwendungsbereich der ambipersonalen Kategorie in diesen Sprachen nicht deckungsgleich ist. Daher kann es beim Übersetzen von einer Sprache in eine andere zu Schwierigkeiten kommen. Der Autor dieses Artikels hat von fortgeschrittenen Deutschstudierenden Sätze wie man hat in Mannheim studiert gehört, eine wörtliche Übersetzung des litauischen Satzes studijuota Manheime: Das Ambipersonal des litauischen Satzes studijuota wird durch das entsprechende ambipersonale Pronomen man übersetzt. Anders als im Litauischen kann das Pronomen man im Deutschen in einem solchen Fall jedoch nicht verwendet werden, weil ein deutschsprachiger Sprecher nicht verstehen würde, dass es auch aš bedeuten kann19. Gerade dieses Merkmal des Litauischen hat wiederum eine Entsprechung im Finnischen, wo deshalb das Pronomen me (‘wir’) in der Umgangssprache bereits mit einer ambipersonalen Form verwendet werden kann, die in der Paradigmentabelle die „eigentliche“ Form der ersten Person Plural ersetzt hat (Christen 1998: 52). In keiner der baltischen Sprachen wird jedoch eine solche Kombination – Pronomen der ersten Person Plural + ambipersonale Verbform (*mes einama) – verwendet. Der verallgemeinerte Gebrauch des Pronomens der ersten Person Plural ist gut nachvollziehbar. Wie die dritte Person Plural kann dieses Pronomen eine unbestimmte Gruppe von Menschen oder eine Gesamtheit bezeichnen. Der Gebrauch des Ambipersonals anstelle der ersten Person Singular überrascht auf den ersten Blick. Masayoshi Shibatani (vgl. Schema 1998: 97) weist jedoch darauf hin, dass der Gebrauch des Ambipersonals mit Passivmorphologie in vielen Sprachen durch die Belebtheitshierarchie eingeschränkt ist. Im Nepali etwa ist es nur dann zulässig, wenn der nicht genannte, aus dem Kontext erschließbare Agens die erste Person ist. Dies ist durch dessen maximale Kontrolle über die Handlung begründet20. 18 Übrigens sind auch im Französischen die nicht genannten Agens-Ausdrücke häufig mes, vgl. on y va? „gehen wir?“ oder on a bien mangé „man hat gut gegessen, wir haben gut gegessen“. 19 Es gibt Sätze, in denen auch das deutsche man als Ersatz für ich (‘ich’) interpretiert werden kann: Man (unpersönliches Pronomen) hat (‘haben’, 3. SG. PRAES. AKT.) halt so seine Beziehungen – „wir alle haben ja unsere Beziehungen“ (wörtl. „man hat ja seine Beziehungen“). Dies ist jedoch ein Sonderfall, in dem aš gleich visi mes ist. Vgl. aus DLKT: Dar daugiau, dabar jau turima duomenų, kad tose platumose žiemos būdavo labai atšiaurios. 20 Zum Litauischen führt Masayoshi Shibatani (ebd.: 98) an, dass es als Agens eines Ambipersonals nur žmones (engl. human) zulasse. Doch auch im Litauischen findet man Beispiele wie lojama (DLKT – Abb. 2) oder miaukiama (DLKT – Abb. 1), wobei einzuräumen ist, dass es sich um vereinzelte Beispiele handelt. Straipsniai / Articles 115 MARKUS RODUNER SCHLUSSFOLGERUNGEN In den baltischen Sprachen gibt es anders als in den benachbarten finno-ugrischen oder keltischen Sprachen keine einzige grammatikalisierte Verbform, die das Ambipersonal ausdrückt. Nur Konstruktionen mit einem Partizip des Vorgangspassivs im Neutrum – im Lettischen mit einem unflektierten Partizip Maskulinum – könnten wir als „echtes“ Ambipersonal bezeichnen. Die Ähnlichkeit zwischen den baltischen und den ostseefinnischen Sprachen ist jedoch offensichtlich: In beiden Sprachgruppen kann das Ambipersonal („unpersönliches Passiv“) erwartungsgemäß sowohl aus transitiven als auch aus intransitiven Verben gebildet werden; es gibt kaum Beschränkungen hinsichtlich des Verbaltyps (ein Ambipersonal ist sogar bei echten unakkusativischen Verben oder beim Verb „sein“ möglich). Im Lettischen ist die Nennung des Agens transitiver Verben bzw. des Experiencers intransitiver Verben im Ambipersonal (nur im durativen Passiv) nicht möglich; im Litauischen ist sie selten. Dies legt nahe, dass das Ambipersonal (anderswo als unpersönliches Passiv bezeichnet) die Grundform ist und das dreigliedrige Passiv ein sekundäres Phänomen21. Außerdem wird das Ambipersonal in den baltischen Sprachen, wie auch im Finnischen oder Estnischen, häufig dort verwendet, wo in vielen westeuropäischen Sprachen Sätze mit einem Subjekt gebraucht würden, das durch die Pronomen mes oder aš ausgedrückt wird. QUELLE DLKT – Korpus der Gegenwartssprache des Litauischen. Online verfügbar: donelaitis.vdu.lt. LITERATŪRA Ambrazas Vytautas 1990: Сравнительный синтаксис причастий балтийских языков. Vilnius: Mokslas. Ambrazas Vytautas 1994: On the interpretation of Lithuanian constructions with neuter passive participles. – Linguistica Baltica 3, 7–11. Ambrazas Vytautas, sud., 1997: Lithuanian Grammar. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Ambrazas Vytautas 2001: On the development of the nominative object in East Baltic. – CBL, 391–412. Ambrazas Vytautas 2006: Lietuvių kalbos istorinė sintaksė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. 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The Lithuanian and Latvian – and the Baltic Finnic – passive share the feature that virtually any verb can be passivised. In both Baltic languages constructions with neuter participles (Lithuanian) or non-agreeing masculine participles can be identified as ambipersonal, the easiest to identify being constructions with intransitive verbs. In Latvian as in the neighbouring Finnic languages, the actor cannot be overtly named in constructions involving the auxiliary tikt, denoting actions not states. In Lithuanian, this is possible, also, as shown on the base of the electronic corpus of contemporary Lithuanian, quite rare with constructions involving participles in -ma. We therefore can make the conclusion that the ambipersonal meaning is basic in the Baltic languages and that the full three-argument passive is nearly not or weakly developed. Įteikta 2010 m. lapkričio 30 d. M A R K U S R O D U N E R Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva [email protected] Straipsniai / Articles 119