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Dėl kai kurių lietuvių oikonimų darybos ir kilmės dvejopumo

Laimutis Bilkis

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LAIMUTIS BILKIS Institut für Litauische Sprache Forschungsschwerpunkte: Toponymik, Anthroponymik. ZUR DOPPELTEN DEUTUNG DER WORTBILDUNG UND HERKUNFT EINIGER LITAUISCHER OIKONYME Zur doppelten Deutung der Wortbildung und Herkunft bestimmter litauischer Oikonyme ZUSAMMENFASSUNG Der Artikel weist darauf hin, dass in Untersuchungen zur Wortbildung und Herkunft litauischer Oikonyme häufig zwei mögliche Grund- oder Ursprungswörter angegeben werden, bei denen es sich gewöhnlich um Appellative und Personennamen handelt. Solche Deutungen sind jedoch nicht präzise; daher wird versucht, Wege zu finden, die eine genaue Bestimmung der Wortbildungs- oder Herkunftsbasis ermöglichen. Als verlässlichste Methode gilt die Analyse historischer Quellen: Zeigen die darin gefundenen Daten, dass ein stammverwandter Personenname in derselben, durch ein Oikonym bezeichneten oder ganz in der Nähe gelegenen Siedlung vorkam, ist der Siedlungsname ein Personenname. Anhand von Beispielen solcher Fälle werden zugleich einige bisherige Deutungen der Wortbildung und Herkunft von Oikonymen korrigiert. ZUSAMMENFASSUNG Der Artikel weist darauf hin, dass in Untersuchungen zur Wortbildung und Herkunft litauischer Oikonyme häufig zwei mögliche Grund- oder Ursprungswörter angegeben werden, bei denen es sich gewöhnlich um Appellative und Personennamen handelt. Solche Deutungen sind jedoch nicht präzise; daher wird versucht, Wege zu finden, die eine genaue Bestimmung der Wortbildungs- oder Herkunftsbasis ermöglichen. Als verlässlichste Methode gilt die Analyse historischer Quellen: Zeigen die darin gefundenen Daten, dass ein stammverwandter Personenname in derselben, durch ein Oikonym bezeichneten oder ganz in der Nähe gelegenen Siedlung vorkam, leitet sich der Name dieser Siedlung eindeutig von einem Personennamen ab. Anhand von Beispielen solcher Fälle werden zugleich einige bisherige Deutungen der Wortbildung und Herkunft von Oikonymen korrigiert. SCHLÜSSELWÖRTER: Wortbildung von Oikonymen, Herkunft von Oikonymen, historische Oikonyme, historische Anthroponyme. SCHLÜSSELWÖRTER: Wortbildung von Oikonymen, Herkunft von Oikonymen, historische Oikonyme, historische Anthroponyme. Straipsniai / Articles 99 LAIMUTIS BILKIS Die Bildung und Herkunft von Ortsnamen sind insofern besonders, als ihre Bildungs- oder Herkunftsbasis nicht nur Gattungswörter, sondern auch Eigennamen – Personennamen und andere Ortsnamen – sein können1. Diese Eigenschaft erschwert die Untersuchung von Toponymen, da sich oft nur schwer genau feststellen lässt, aus welchem lexikalischen Bereich sich der jeweilige Ortsname entwickelt hat. In umfangreicheren Arbeiten zur litauischen Oikonymik (Toponymik) lassen sich mehrere Fälle unterscheiden, in denen als mögliche zwei (mehrere) etymologische Basen eines Siedlungsnamens Wörter aus verschiedenen lexikalischen Schichten angegeben werden – Appellativa und Onyme, genauer gesagt Anthroponyme. Solche Wörter können gewöhnlich sein: 1) physiografische Begriffe und Personennamen mit derselben Wurzel (demselben Stamm), z. B.: Mūrlškės k. Zr: murlia ‘sumpfige Stelle, Schlammloch’ oder der Personenname Murlis < mūrlis ‘kurzschnäuzig’; Pakeliškė k. Mrj: pakelė oder der Personenname *Pakelis, *Pakelys, vgl. Pakeliūnas; Šluiniškės k. V: šluina ‘Lehm’ oder der Personenname *Šluinas (< šluīnas ‘hinkend’); Šmōtiškiai k. Kdn: der Personenname Šmōtas oder šmōtas ‘Grundstück, Stück Land, Parzelle’ (Razmukaitė 1998: 20, 21, 106); Miškiniai k., vs. Pkr: der Personenname Miškinis oder miškas (Endzelytė 2005: 30); Grubynai k. Jnš: der Personenname Grūbis, Grubys oder vgl. grubynė ‘Stelle, an der es viele Grublas gibt’; Valakai k. Jnš: der Personenname Valākas oder valākas ‘Grundstück von etwa zwanzig Dessjatinen’ (Bartkutė 2008: 36, 33); Trakai k. Tlpk, Trakai vs. Pbs: trākas ‘abgeholzte oder abgebrannte Waldstelle’ oder der Personenname Trākas; Trakiniai k. Vdšk: trākas oder der Personenname Trakinis (Zinkevičius 2011: 122); 2) Pflanzennamen und Personennamen mit derselben Wurzel (demselben Stamm), z. B.: Karčiškiai k. Jon: karčius ‘Baumstumpf, Wurzelstock’ oder die Personennamen Kartys, Karčiauskas; Želmeniškė k. Ign: želmuo, želmenys oder der Personenname *Želmenis, vgl. Zelmenavičius (Razmukaitė 1998: 106); Žilvičiai k. Tl: der Personenname Žilvitis oder žilvitis ‘dicht belaubte strauchige Weide, seltener ein Baum’ (Mickienė 2001: 63); Baravŷkai k., vs. Jnš: baravŷkas oder der Personenname Baravŷkas; Jovarai k. Pkr: jõvaras oder der Personenname Jõvaras; Meldiniai k. Pkr: der Personenname *Meldinis, vgl. Meldŷs, Meldeikis, oder maļdas ‘Rohrkolben’; Šermūkšniai k. Ps: šermūkšnis oder der Personenname Šermūkšnis (Endzelytė 2005: 42, 30); 3) Tierbezeichnungen und Personennamen mit derselben Wurzel (demselben Stamm), z. B.: Gerviniai k. Trak: gérvė oder der Personenname Gérvė; Kumelyne k. Mlt, vs. Švnč: der Personenname Kumelys oder kumėlė; Kurāpkiškiai k. Kp: kurapkà oder der Personenname Kurapkà; Taurinė k. Pn: taūras oder die Personennamen Taūras, Taurà (Razmukaitė 1998: 50, 106); Varniškiai k. Tl: der Personenname Varnas oder varnas ‘großer schwarzer Vogel, Rabe’; Kiškėliečiai k. Tl: der Personenname Kiškėlis oder kiškėlis und vietà (Mickienė 2001: 65, 68); Katinai k. Jnš: kātinas oder der Personenname Kātinas; Sakalai k. Pkr: sākalas oder der Personenname Sākalas; Vanagai k. Jnš: vānagas oder der Personenname Vānagas; Vilkai k. Žg: vīlkas oder der Personenname Vilkas (Endzelytė 2005: 42); Vėpriai k., mstl. Ukm: vėpris ‘Wildschwein, Eber’ oder der Personenname Vėpris (Zinkevičius 2011: 95); 1 Näheres dazu siehe LVŽ I XXXIX–XLVI. 100 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Dėl kai kurių lietuvių oikonimų darbovos ir kilmės dvejopumo 4) Personenbezeichnungen und Personennamen mit derselben Wurzel (demselben Stamm), z. B.: Gudienà k. Kš, Gudìnė k. Mrj: der Personenname Gùdas oder die Ethnonyme gūdai, gūdas; Jenerališkė k. Švnč: der Personenname *Jeneralas oder *jeneralas ‘General’; Kuniginė k. Krkn: kùnigas oder der Personenname *Kunigas; Mazūranka k. Trak: der Personenname Mazūras oder das Ethnonym mazūras; Pekoriškė k. Ign: der Personenname Pėkorius oder pėkorius ‘Bäcker’; Pitiškis k. Brž: pìtas ‘rund’ oder der Personenname *Pitas, vgl. Pìtelis; Totoriškė k. Ign: der Personenname Totòrius oder das Ethnonym totòrius; Žydáuka k. Trak: das Ethnonym žýdai, žýdas oder vgl. die Personennamen Žydáitis, Žydėlis (Razmukaitė 1998: 47, 49, 52, 54, 56, 106); Degùčiai k. Tl: der Personenname Degutis oder degùtis ‘jemand, der Teer brennt bzw. damit arbeitet’; Dilbai k. Tl: der Personenname Dilbà oder dilba ‘jemand, der unter den Brauen hervorschaut, ein mürrischer Mensch’; Gùdiškė k. Tl: der Personenname Gùdas oder das Ethnonym gùdas (Mickienė 2001: 61, 65); Gudiškiai k. Ps: der Personenname Gùdas oder das Ethnonym gùdas; Kalniškiai vs. Klov: kalniškis ‘ein auf einem Berg lebender Mensch; Bergbewohner’ oder der Personenname Kalniškis; Pakalniškis vs. Kri: pakalniškis ‘Bewohner am Fuß eines Hügels, Bewohner der Niederung’ oder der Personenname Pakalniškis (Endzelytė 2005: 29, 41, 42); Švėdlaukis k. Jnš: švėdas oder der Personenname Švėdas (Bartkutė 2008: 37); 5) verschiedene andere Gattungswörter und Personennamen mit derselben Wurzel (demselben Stamm), z. B.: Degùtinė k. Mlt, Degutinė k. Šk: der Personenname Degùtis oder degùtas; Klėtiškė k. Klm: klėtis oder der Personenname *Kletis, vgl. Klėtkus; Pavietavà k. Jrb: pavìėtas ‘Bezirk, Land, Gegend’ oder der Personenname Pavìėtas; Vytėlinė k. Rk: vytėlė oder der Personenname Vytėlis (< Vytas) (Razmukaitė 1998: 49, 106); Kūpeliškės k. Jnš: der Personenname *Kupelis, vgl. den Familiennamen Kūpas, Kupáitis, oder kūpelis ‘über Kreuz gelegte Stangen auf dem Dach’ (Endzelytė 2005: 56); Žalgiriai k. D1: žalias + girià oder vgl. den Personennamen Žalgirýs (Zinkevičius 2011: 122); Žagarai k. Klp, Mlt, Žagariai k. Al, Lzd, Prn, Vrn, Zr, Žagariškė k. Šl, Žagariškė k. Mrj, Žagariškės k. V: žagaras ‘dünner, blattloser Pflanzenstängel, grober Stängel; blattloses (gewöhnlich trockenes) Zweiglein, Reisig’ oder die Personennamen Žágaras, Žagarỹs, Žagãrius (Vanagas 1996: 298). Wegen der möglichen doppelten Deutung werden Bildung und Herkunft gleichartiger Oikonyme häufig unterschiedlich behandelt. So werden etwa bei manchen „Tiernamen“ zwei Herkunftsmöglichkeiten angegeben, wobei zuerst das Appellativ oder der Personenname genannt wird, z. B.: Katinai k. Jnš: kātinas oder der Personenname Kātinas; Sakalai k. Pkr: sākalas oder der Personenname Sākalas; Vanagai k. Jnš: vānagas oder der Personenname Vānagas; Vilkai k. Žg: vìlkas oder der Personenname Vìlkas; Stumbrìškis k. Jnšk: die Personennamen Stumbrà, Stum̃bras, Stumbrỹs oder das Appellativ stum̃bras ‘großes wildlebendes, ochsenähnliches Säugetier’; Svirpliškis k. Ps: der Personenname Svirplỹs oder das Appellativ svirplỹs ‘ein nachts zirpendes Insekt’; bei anderen wird nur eine Herleitung von einem Personennamen angegeben, z. B.: Kiaũliškis dv. Pkr: der Personenname Kiaulỹs; Pelėdiškis vs. Jnšk: der Personenname Pelėda; Sakališki k. Lgm: der Personenname Sākalas; weitere werden ausschließlich von Appellativa hergeleitet, z. B.: Bėbrai k. Slč: bėbras, Ožkyčiai k. Ps: ožkytis (Endzelytė 2005: 42, 59, 60). Ähnlich wird auch bei „Berufs-“Oikonymen verfahren, beispielsweise wird Kubìliškė k. Jrb, Rs, Skd vom Personennamen Kubìlius oder vom Appellativ kubìlius hergeleitet, Beñdoriškė k. Ign dagegen nur vom Personennamen Beñdorius (Razmukaitė 1998: 51, 52), obwohl auch dieser Name appellativisch gebildet sein könnte, vgl. beñdorius ‘Böttcher’. Wegen der genannten doppelten Möglichkeiten hinsichtlich der Bildung (des Grundworts) und Herkunft werden sogar ein und dieselben Oikonyme von mehreren Forschenden unterschiedlich gedeutet, z. B.: Baravykai k. Jnš: baravỹkas Straipsniai / Articles 101 LAIMUTIS BILKIS arba avd. Baravỹkas (Endzelytė 2005: 42) ir tik iš avd. Baravỹkas (Bartkutė 2008: 31); Ùžbalai k. Jnš: užbalis ‘vieta už balos, pabalẏs’ (Endzelytė 2005: 43) ir iš avd. Ùžbalis (Bartkutė 2008: 31); Lazdýniškiai k. Jnš: lazdýnas (Razmukaitė 1998: 23; Endzelytė 2005: 58) ir iš avd. Lazdýnas (Bartkutė 2008: 36); Katìliškės k. Jnš: avd. Katìlius arba katìlius ‘katilų dirbėjas, taisytojas ar pardavėjas’ (Razmukaitė 1998: 59) ir tik iš avd. Katìlius (Endzelytė 2005: 56; Bartkutė 2008: 36); Vìksviniai vs. Žl: viksvȧ (Razmukaitė 1998: 19) ir iš avd. Vìksvinis (Zinkevičius 2011: 97); Varnìškiai k. Tl: avd. Vȧrnas (Razmukaitė 1998: 77) ir iš avd. Vȧrnas arba vȧrnas ‘didelis juodas paukštis, kranklys’ (Mickienė 2001: 65). Offensichtlich lassen sich bei der Untersuchung der betreffenden Oikonyme Relativität, Inkonsistenz und Hypothetisches nur schwer vermeiden. Daher sollte man nach zuverlässigeren Verfahren suchen, um die Grundlage ihrer Bildung und Herkunft zu bestimmen. Ein solches Verfahren könnte der Vergleich der Verbreitung eines Oikonyms mit der eines stammgleichen (gleichstämmigen) Personennamens sein: Wenn der Name eines Wohnorts und der Familienname im selben geografischen oder sprachlichen Gebiet (Amtsbezirk, Region, Dialektgebiet o. Ä.) vorkommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Oikonym von einem Personennamen abgeleitet ist (vgl. Bartkutė 2008: 31, Fußnote 23). Dieses Verfahren ist jedoch nach wie vor übermäßig abstrakt. Außerdem sind nicht alle Personennamen, die zum Zeitpunkt der Entstehung der Oikonyme existiert haben könnten, bis in die Gegenwart überliefert. Am genauesten lassen sich Bildung und Herkunft von Oikonymen wohl bestimmen, wenn Informationen darüber vorliegen, ob ein stammgleicher Personenname in der nach dem Oikonym benannten Siedlung vorkommt (oder vorkam). In diesem Zusammenhang sind die möglichst frühen historischen Quellen besonders nützlich, in denen alle oder einige Bewohner der Wohnorte verzeichnet sind2. Bei der Durchsicht zahlreicher Oikonyme aus kirchlichen Tauf-, Trauungs- und Sterberegistern mehrerer Gemeinden zeigte sich, dass neben vielen Ortsnamen, die sich auf zweierlei Weise erklären ließen, auch stammgleiche Personennamen vorkamen. In diesen Fällen lassen sich somit die tatsächlichen Grundwörter (Etyma) der Oikonyme bestimmen, sodass ihre Bildung und Herkunft nicht mehr auf zweierlei Weise erklärt werden müssen. Zunächst ist auf die Oikonyme hinzuweisen, die nach den allgemeinen Tendenzen der Bildung und Herkunft von Ortsnamen den Anschein erwecken, von physiografischen Begriffen abgeleitet zu sein, tatsächlich aber auf Personennamen zurückgehen. Galālaukiai Dorf. Ddsl: Martini Galalow Juchniela de Galalowki 1764 AdKrIII 34: Personenname: *Galėlis + laukas; vgl. den physiografischen Begriff galālāukis, gālalaukis3 ‚Ende des Feldes‘. Der Motivation (Semantik) nach bedeutet der Name also ‚Galėlis’ Felder‘ und nicht ‚Enden der Felder‘. Girūčiai Dorf. Pst: Stephanu... Girucis de Girucie 1747 ŠvnčJn 19, Casimirus Girucis de Girucie 1755 ŠvnčKrII 23: Personenname Girūtis; vgl. girià ‚großer Wald‘. 2 Bei der Erhebung von Daten für die im Onomastikreferat des Instituts für Litauische Sprache geführte Kartei historischer Ortsnamen wird darauf geachtet, ob in einem historischen Dokument neben dem Siedlungsnamen ein stammgleicher Personenname steht. Ist dies der Fall, wird er neben dem Oikonym vermerkt. 3 Gemeinsprachliche Wörter und ihre Bedeutungen werden nach LKŽe angegeben. 102 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Zur Doppeldeutigkeit von Bildung und Herkunft einiger litauischer Oikonyme Dorf Kėmšiai, Kreis Sk: Matyasz Kiamłas de Kiemłow 1649 ŽgKr 11: Familienname *Kėmšis o. Ä.; vgl. kėmsas ‚mit Moos oder Gras bewachsener Baumstumpf oder Erdhügel, kėsas‘, ferner vgl. kemšys ‚kleiner, aber dicker Mensch, Zwerg‘. In der toponomastischen Forschung gilt der Name sowohl als anthroponymischen (Bartkutė 2008: 31) wie auch als appellativischen Ursprungs (Endzelytė 2005: 44). *Dorf Linkos, Kreis Lkm: Adamus Linka de Linki 1750 LkmKrII 10: Familienname Linka; vgl. linka ‚tiefer gelegener Ort, Vertiefung, Schlucht, Senke‘. Dorf Molyǩai, Kreis Ml: Adam Malik de Maliki 1755 TvrKrI 2, Mariannæ Malikowna de Maliki 1777 TvrKrI 151: Familienname *Molyǩas o. Ä.; vgl. mólis ‚bräunliche Erde, die (wenn feucht) zäh ist und zum Bauen, für Keramikerzeugnisse, zum Modellieren u. Ä. verwendet wird‘. Dorf Pušynai, Kreis Mnd: Stephani Pułzynas de Pułzynu, Gaspar Pułzynas de Pułzyny 1681 MltKr 1, Stanislau[m] Pułzynis de Pułzynu 1682 MltJn 2, Ioannis Pułzynis de Pułzy-ni 1683 MltKr 3, Eua Pułzynienia de Pułzynu 1684 MltKr 8, Iozeph[us] Pułzynas de Pułzynu 1684 MltKr 10, Kasprum Sosnowski⁴ de Pułzyn[...] 1684 MltJn 3, Ioannis Pułzynas de Pułzynu 1685 MltKr 13, Pauli Pułzynas de Pułzyny 1689 MltKr 30 (Garliauskas 2004: 67, 139, 70, 77, 79, 141, 84, 106): Familienname Pušynas; vgl. pušynas ‚Kiefernwald‘. Dorf Traǩėliai, Kreis Svrk: Iosephg Trakielis de Trakiele 1748 ŠvnčJn 20: Familienname Traǩelis; vgl. traǩėlis: trākas ‚hohe, trockene Wiese, die mit vereinzelten Sträuchern und Bäumen bewachsen ist, Waldlichtung; gerodete oder abgebrannte Waldfläche, Schlag; Waldweg (manchmal auch Feldweg) oder Pfad‘. *Dorf Upelninkai, Kreis On: Vpelnicas de Vpolniki 1734 OnKr 116: Familienname *Upelninkas; vgl. upėlis ‚kleiner Fluss‘. Dorf Žūy̌riai, Kreis Tvr: Georgio Zwirinis de Zwiry 1755 TvrKrI 4: Familienname *Žūyris, *Žūyrius; vgl. žūyrius ‚Erde, Boden mit viel Kies‘. Aus den untersuchten historischen Belegen geht hervor, dass viele Oikonyme, die mit Tierbezeichnungen in Verbindung gebracht werden können, ebenfalls anthroponymischen Ursprungs sind, da neben ihnen auch stammgleiche (wurzelgleiche) Personennamen verzeichnet sind. *Dorf Apuokai, Kreis Dgl: Casimirus Apuokas de Apuoki 1685–1731 DglJn 207: Familienname Apúokas; vgl. apúokas ‚eine Vogelart aus der Eulenfamilie‘, ferner vgl. die übertragene Bedeutung dieses Appellativs: ‚Halbnarr, Trottel, Dummkopf‘. Dorf Aveliškės, Kreis Mnd: dorotha Aueniela de Auiely 1689 MltKr 30 (Garliauskas 2004: 107): Familienname Avėlis, Avelýs; vgl. avėlė ‚Mutterschaf‘, ferner vgl. die Bedeutung des Wortes ‚übertragen: von einem groben, einfältigen Menschen‘. Dorf Čiūyliai, Kreis Sug: Catharina Cziuilicie de Czyuiliu 1690 MltKr 37 (Garliauskas 2004: 117): Familienname Čiūylis; vgl. čiūylis ‚Vogel aus der Familie der Finken (Carduelis cannabina), ferner vgl. die übertragene Bedeutung dieses Appellativs: ‚von einem kleinen, schwächlichen Menschen‘. ⁴ Offensichtlich ist dieser Personenname aus lit. Pušynas übersetzt; daher ist z. B. Sasnáuskas, Sasnaũskas Mlt (siehe LPŽ II 680) zweifellos das Ergebnis einer lexikalischen Polonisierung. Straipsniai / Articles 103 LAIMUTIS BILKIS Gaidžiai Dorf Čln: Marianna Geydzenia de Geydžiu 1683 MltKr 7 (Garliauskas 2004: 75): Familienname Gaidỹs; vgl. gaidỹs ‚Haushuhn, männliches Huhn (Gallus gallinaceus)‘, ferner vgl. die Bedeutungen dieses Wortes: ‚übertr. ein unbedeutender, schwacher Mensch oder Gegenstand; übertr. ein Widersacher, Raufbold‘. *Gaidžiai Dorf On: Gaidziowa de Gaydzie 1690 OnKr 8, Simon Gaydis de Gaydzie 1692 OnKr 26, Sophia Gaydienia de Gaydzie 1702 OnKr 53: Familienname Gaidỹs; vgl. gaidỹs. Garniai Dorf Ck: Zofia Garnicia de Garnie 1749 ŠvnčKr₁ 1, Sophia Garničie de Garny 1750 ŠvnčKr₁ 16, Martinuf Garnis de Garniow 1751 ŠvnčKr₁ 14, Rosalia Garniowa de Garnie 1756, 1757 ŠvnčKr₁₁ 48, 54, Magdalena Garniowa de Gornie 1758 ŠvnčKr₁₁ 86: Familienname Garnỹs; vgl. garnỹs ‚ein dem Storch ähnlicher, aber kleinerer Vogel mit spitzem Kopf, langem Schnabel und Hals sowie langen Beinen (Ardea); Storch, Klapperstorch (Ciconia).‘ Gervėlės Dorf DglšN: Agatha Girwelowna de Girwele 1771 DglšKr₁₁ 42: Familienname Gervėlė; vgl. gervėlė: gėrvė ‚großer Sumpfvogel mit langem Schnabel und langen Beinen (Grus grus).‘ Katiniškė Gut, Katiniškis Dorf Sld: Andrea Katiniszkis de Kateniszki 1764 LkmKr₁₁₁ 31: Familienname *Katiniškis; vgl. kãtinas ‚männliche Katze‘. In diesem Fall ermöglichen die historischen Belege nicht nur die Bestimmung der tatsächlichen Herkunft, sondern auch die Präzisierung zweier Aspekte: 1) Die amtliche Ortsnamenform ist ungenau, denn aus der gesprochenen Sprache wurde sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch später nur der Name Katiniškis aufgezeichnet, der mit dem belegten historischen Personennamen *Katiniškis übereinstimmt; 2) der Bildung nach handelt es sich nicht um eine Ableitung mit einem Suffix, sondern um einen primären Ortsnamen, gebildet aus dem Personennamen *Katiniškis. In Untersuchungen zur Bildung von Ortsnamen gilt dieser Name als suffixale Ableitung aus dem Personennamen Kãtinas (Razmukaitė 1998: 52). Kėkštai Dorf Ddsl: Casimiri Kiakſztas de Kiakſzty 1719 DglšKr₁ 40, Casimirg Kieksztas de Kiekszty 1725 DglšKr₁ 61, Iosephg Kiekſztas de Kiekszty 1774 TvrKr₁ 151, Christina Kiakxtowa de Kiakxty 1755 TvrKr₁ 3, Josephus Kiaksztas de Kiakszty 1792 TvrKr₁₁ 78: Familienname Kėkštas; vgl. kėkštas ‚Waldvogel aus der Familie der Sperlinge‘. Kiškiai Dorf Lkm: Francisci Kiszki Kiszki 1772 LkmKr₁₁₁ 87, Thoma Kiszkisz Kisz-kie 1775 LkmKr₁₁₁ 107, Cristina Kifzkiowna Kifzkie 1777 LkmKr₁₁₁ 116, Jacobi Kiszk-kis Kiszkie 1781 LkmKr₁₁₁ 131, Theresia Kiszkio wa Kiszkie 1779 LkmKr₁₁₁ 124: Familienname Kiškis; vgl. kiškis ‚wildes Tier aus der Familie der Nagetiere, Hase (Lepus).‘ *Paršiukai Dorf Mlt: Zophia Parſzukienia de Parſzuku 1683 MltKr 5 (Garliauskas 2004: 73): Familienname Paršiūkas; vgl. paršiūkas ‚Ferkel‘. Vãnagiškės Dorf Mnd: Zophia Vanagienia de Vanagi 1683 MltKr 2, Ioannis Vanagas de Vanagi 1686 MltKr 17 (Garliauskas 2004: 68, 88): Familienname Vãnagas; vgl. vãnagas ‚eine Art aus der Unterfamilie der Habichte, ein Raubvogel mit kurzem, gebogenem Schnabel und scharfen Krallen‘, ferner vgl. die übertragene Bedeutung dieses Appellativs: ‚übertr. von einem Raubtierartigen, Angreifenden‘. Auch in bisherigen Untersuchungen wird der Name als aus einem Personennamen abgeleitet betrachtet (Razmukaitė 1998: 63). 104 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Dėl kai kurių lietuvių oikonimų darybos ir kilmės dvejopumo Várniškė Dorf Lkm: Mathia Warna Warnifzki 1781 LkmKrIII 132: Familienname Várna; vgl. várna ‚ein Vogel aus der Familie der Rabenvögel mit grauen und schwarzen Federn (Corous corone)‘; vgl. außerdem die Bedeutung dieses Wortes: ‚übertr. ein törichter, begriffsstutziger Mensch, ein Maulaufreißer‘. Auch andere Forscher betrachten den Oikonym als von einem Personennamen abgeleitet (siehe Razmukaitė 1998: 56). Versiai Dorf Žg: Matei Weršialuytis de Weršiow 1650 ŽgKr 7: Familienname Veršys oder Ähnliches; vgl. veršis, veršys ‚Kalb; männliches Rind, Zuchtbulle‘; vgl. außerdem die übertragene Bedeutung dieses Appellativs: ‚übertr. von einem untauglichen Menschen‘. Andere Forscher deuten diesen Oikonym unterschiedlich: Es werden sowohl zwei mögliche Ursprünge des Oikonyms angeführt – ein Personenname oder ein Appellativ (Endzelytė 2005: 32) – als auch nur einer, nämlich ein Personenname (Bartkutė 2008: 31). Zùikos Dorf Ign: Petri Zuyka de Zuyki 1706 DglšKrI 2: Familienname Zuikà; vgl. zuìkis, zùikis ‚Hase‘. Žukai Dorf Švnč: Thomas Žuk Žuki 1825 ŠvnčKrIII 50: Familienname Žùkas, vgl. žùkas ‚Käfer; Schwarzkäfer‘. Viele Oikonyme gehen auf Personennamen zurück, obwohl man sie sonst mit verschiedenen appellativischen Personenbezeichnungen in Verbindung bringen könnte. Zunächst sind die „ethnonymischen“ Ortsnamen hervorzuheben, da es hinsichtlich ihrer Motivation sehr plausibel erscheint, sie unmittelbar von Ethnonymen abzuleiten. Tatsächlich sind die hier angeführten Namen jedoch nach dem Modell Oikonym ← Personenname ← Ethnonym. entstanden. Gudėliai Dorf Ad: Sophia Gudelowa de Gudele 1659 AdKrI 14, Michael Gudian de Gudele 1680 AdKrI 73, Nicolaq Gudian de Gudele 1681 AdKrI 74: Familienname Gudėlis; vgl. gudėlis: gùdas ‚Weißrusse (manchmal Pole oder Russe)‘. Gudėliai Dorf Sug: Agnes Gudenia de Gudeliu 1690 MltKr 37 (Garliauskas 2004: 117): Familienname Gudėlis; vgl. gudėlis: gùdas. Gudėliai Dorf Švnč: Bartholomeo et Marianna Gudełeytis de Dudele 1800 CkKrII 28: Familienname Gudėlis; vgl. gudėlis: gùdas. *Gudiškė Dorf On: Evæ Gudiszkíowa de Gudifzki 1692 OnKr 29: Familienname Gudiškis; vgl. gùdas. Kazōkai Dorf Luok: Catharina Kozakicie de Kozaki 1683 MltKr 3, Christophoro Kozak de Kozaki 1683 MltJn 3, Stephani Kozak de Kozaki 1687 MltKr 19, Andreas Kozakas, Isiodoro Kozak de Kozaki 1689 MltJn 10 (Garliauskas 2004: 69, 140, 92, 149): Familienname Kazōkas; vgl. kazōkas ‚in Russland seit dem 18. Jahrhundert ein Angehöriger des Soldatenstandes, stammend vom Don, Kuban, Terek, Orenburg oder anderen Militärgebieten, der als Gegenleistung für die bevorzugte Nutzung von Land zum Militärdienst verpflichtet war oder als Reiter dort diente‘. Žydėliai Dorf Ign: Andrea et Agata Zydelis de Zydele 1799 CkKrII 26: Familienname Žydėlis; vgl. žydėlis: žýdas ‚eine Person jüdischer Herkunft‘. Auch Oikonyme, denen im Litauischen verschiedene andere gleichstämmige appellativische Personenbezeichnungen zur Seite stehen, die einen Beruf, Charakterzüge, körperliche Merkmale, den sozialen Status und Ähnliches bezeichnen, sind als ausschließlich von Personennamen abgeleitet anzusehen. Straipsniai / Articles 105 LAIMUTIS BILKIS Dorf Bandōriai, Kreis Žg: Antonẏ Bondar de Bondar 1650 ŽgKr 5: Personenname *Bandōrius; vgl. bandōrius ‚Böttcher‘. Auch in den Arbeiten anderer Forscher wird dieser Dorfname ausschließlich als Personenname angesehen (Endzelytė 2005: 39; Bartkutė 2008: 31). *Dorf Bubeliai, Kreis Švnč: Mariana Bubeloẇna de Bubelow 1750 ŠvnčKr₁ 17, Martini Bu–belis de Villa Bubelė 1755 ŠvnčKr₂ 30, Magdalena Bubeloẇna de Bubele 1757 ŠvnčKr₂ 63: Personenname Bùbelis; vgl. bùbelis ‚Kleinbauer, Häusler, Kleinlandbesitzer‘. Dorf Bùrbos, Kreis ŠvnčI: Francisco Burba de Burby 1743 ŠvnčJn 3, Petrus Burba de Burby 1746 ŠvnčJn 13, Georgij Burba de Burby 1751 ŠvnčKr₁ 13, Georgius Burba de Burby 1751 ŠvnčKr₁ 14, Thomas Burba de Burby 1752 ŠvnčKr₁ 28, Anna Bur–bowa de Villa Burby 1755 ŠvnčKr₂ 23, Simon Burba de Villa Burby 1756 ŠvnčKr₂ 40; Georgius Burba de Villa Burby 1756 ŠvnčKr₂ 38: Personenname Bùrba; vgl. bùrba ‚jemand, der viel redet, ein Schwätzer‘. Dorf Činčikos, Kreis Švnč: Georgium Czynczyk de Czynczyki 1745 ŠvnčJn 11, Michael Czynczyk de Czynczyki 1749 ŠvnčKr₁ 2, Casimirus Czynczyk Z Czynczykow 1750 ŠvnčKr₁ 8, Mariana Činčiukowa de Činčiuki 1750 ŠvnčKr₁ 16, Casimirus Czynczyk de Czynczyki 1755 ŠvnčKr₂ 23, Martinus Czynczyk de Villa Czynczyki 1758 ŠvnčKr₂ 72, Martin... et Criftina Cincika de Cincików 1792 CkKr₃ 5: Personenname Činčikas; vgl. činčikas, -ė ‚jemand, der knausert, ein Geizhals‘. *Dorf Derviniai, Kreis Tvr: Sophia derwinoẇna de derwini 1755 TvrKr₁ 4: Personenname Dervìnis; vgl. dervinis: dervà ‚Holzscheit zum Spalten von Kienspänen; Kienspan, Span, Holzsplitter; Kiefern- oder Fichtenstumpf, aus dem Teer gewonnen wird; Teer‘. Dorf Dimbėliai, Kreis Ck: Eliȧ Dybėlis de Dybele 1713 DglšKr₁ 25, Nicolaus Dimbelis de Dimbeli 1755 TvrKr₁ 2; Chritophorus Dimbelis de Dimbeli 1755 TvrKr₁ 7, Marianna Dembeloẇa de Dembele 1768 TvrKr₁ 110, Catharina Dymbeloẇna de Dymbele 1774 TvrKr₁ 151: Personenname Dimbėlis; vgl. dimbėlis: dimba ‚jemand, der sehr groß und dünn ist, ein langer Schlaks; jemand, der breitbeinig und schwerfällig geht‘. Dorf Drūskiai, Kreis Vdn: Zophia Druskienia de Drusku 1691 MltKr 40, 1692 MltKr 44 (Garliauskas 2004: 124, 133): Personenname Drūskis; vgl. drūskis ‚jemand, der gern salzig isst‘. Dorf Eglyniškė, Kreis Vdš: Marting Aglinis de Agliniszki 1706 DglšKr₁ 3, Marting Eglinis de Egliniszki 1707 DglšKr₁ 4, Casimirg Eglinis de Eglini 1707 DglšKr₁ 5. Auf Grundlage historischer Daten lässt sich feststellen, dass die ursprüngliche Form dieses Oikonyms Egli̇niškė lautet und vom Personennamen Eglìnis abgeleitet ist. Vgl. eglìnis ‚in der Nähe von Fichten, in Fichtenwäldern lebend‘. In bisherigen Untersuchungen wurde der Name als Ableitung mit einem Suffix vom litauischen eglýnas ‚Fichtenwald‘ angesehen (Razmukaitė 1998: 20). Dorf Geležniṅkai, Kreis Čln: Georgius Geleznikas de Gelezniku 1691 MltKr 42 (Garliauskas 2004: 127): Personenname *Geležniṅkas (dial. *Geležnẏkas); vgl. geležninkas ‚Eisenhändler, Eisenarbeiter‘. Dorf Gramantiškė, Kreis Rim: Xtophori Gramuntas de Gramunty 1707 DglšKr₁ 8: Personenname Grāmantas, *Gramāntas; vgl. gramāntas ‚großer, unansehnlicher Mensch, grober Klotz‘. Auch andere Forscher betrachten ihn als Personennamen (siehe Razmukaitė 1998: 52). 106 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Dėl kai kurių lietuvių oikonimų darybos ir kilmės dvejopumo Dorf Gražūliai Švnč: Chrlfophorg Grazulis de Grazule 1744 ŠvnčJn 9, Michaelis et Cristinae Grazulow de Villa Grazuli 1753 ŠvnčKr₁ 33: Personenname Gražulis; vgl. gražūlis ‚Schöner, Putziger‘. Juodagalviai || Juodagaliai Dorf Ml: Matthias Jodagalwis de Jodagalwie 1751 ŠvnčKr₁ 14, Laurentig Jodogalis de Jodgale 1756 TvrKr₁ 12, Mathias Jodagalwis de Jodagalwi 1762 TvrKr₁ 63, Agnes Jodgalowa de Jodogale 1762 TvrKr₁ 57, Stphani Jodogalis de Jodogale 1768 TvrKr₁ 112, Anathasia Jodegalwicia de Jodegalwie 1774 TvrKr₁ 151: Personenname Juodagal̃vis, *Juodagalvỹs und *Juodagãlis, *Juodagalỹs; vgl. juodagal̃vis, juodagal̃vis ‚schwarzköpfig‘ und ‚schwarzer Hintern/Ende‘. Káiros (= *Kairiai?) Dorf Pst: Agatha Keyrowa de Koyry 1774 TvrKr₁ 153: Personenname Káira, Kairỹs; vgl. kairas, -à ‚auf der linken Seite befindlich‘, kairỹs ‚jemand, der alles mit der linken Hand verrichtet, Linkshänder; auf der linken Seite befindlich‘. Kavõliai Dorf PnmR: Catharina Kowalowa de Kowale 1690 OnKr 13: Personenname Kavõlis, Kavõlius; vgl. kavõlis, kavõlius ‚Schmied‘. Kirkùčiai Dorf Švnč: Magdalenæ Kierkuciowa de Kierkucie 1749 ŠvnčKr₁ 5, Sophia Kyrkuciówna de Kyrkucie 1751 ŠvnčKr₁ 14, Christophorus Kirkucis de Kirkucie 1758 ŠvnčKr₂ 76: Variante Kirkùtis; vgl. kirkùtis: kirkė, kirkė ‚ein magerer Mensch oder ein mageres Tier‘. Kirmėliškis Dorf Jdp: Gaspari Kirmielus de Kirmiele 1691 OnKr 24: Personenname Kirmėlius; vgl. kirmėlius ‚Sammler oder Fänger von Würmern und Schlangen; Zauberer, Beschwörer, Schlangenbeschwörer; Schimpfwort‘. Bislang wurde dieser Oikonym als von der Tierbezeichnung kirmėlė ‚Schlange‘ abgeleitet angesehen (siehe Razmukaitė 1998: 22). Klausùčiai Dorf Smrg: Georgius Kławsuc de Kławsucie 1758 ŠvnčKr₂ 78: Personenname *Klausùtis; vgl. klausùtis ‚jemand mit gutem Gehör‘. Kliùkai Dorf Tvr: Christophorum Kluk de Kluki 1746 ŠvnčJn 12: Personenname Kliùkas; vgl. kliùkas ‚ein unbeweglicher, schlaffer und geistesschwacher Mensch, ein Dummkopf, ein Hohlkopf, ein kliukis‘, ferner vgl. kliùkis ‚jemand, der viel redet, Schwätzer; ein ziemlich dummer Mensch‘. Kraujėliai Dorf Mnd: Andreae Kroujelis de Kreujelu 1684 MltKr 8 (Garliauskas 2004: 77): Personenname Kraujėlis; vgl. kraujėlis ‚ein Mensch, der durch Beschwörung den Blutfluss stillt‘. Kùksos Dorf Ddsl: Helena Kuksowa de Kuksy 1755 TvrKr₁ 4: Personenname Kuksà; vgl. kuk-sà ‚ein kleiner, schwacher, gebeugter Mensch; ein kleiner dicker Mensch oder ein dickes Tier; jemand, der hustet; jemand, der ständig „was?“ fragt (dialektal „ku?“)‘. *Kulbiškė Dorf Dglš: Anna Kulbacka ex Villa Kulbiszki 1736 DglšKr₁ 100: Personenname Kùlbis, Kulbỹs; vgl. kùlbis, -ė ‚Hinkender‘. Kùpriai Dorf Lkm: Catarina Kuprowa de Kuprany 1761 LkmKr₃ 9, Catarina Kuprrowna de Kupry 1766 LkmKr₃ 49, Simonis Kuprys Kupry 1783 LkmKr₃ 143: Personenname Kùpris; vgl. kùpris, kùprius ‚bucklig, mit einem Buckel‘. Kvyk̇liai Dorf Ut: Gaspar Kuiklis de Kuikliu 1683 MltKr 5 (Garliauskas 2004: 72): Personenname Kvyklỹs; vgl. kvyklỹs ‚jemand, der kreischt; vulgär: ein Reibeisen, ein Heiserer‘. Lepsiai Dorf Ck: Lucia Lapszowna de Lapszy 1804 CkKr₃ 36: Personenname Lepsỹs, *Lėpšis; vgl. lėpšis ‚ein schlaffer, antriebsloser Mensch‘. Straipsniai / Articles 107 LAIMUTIS BILKIS Dorf Liliškės: Piotrz Lilis de Lile 1651 ŽgKr 8: Familienname Lilis, Lilyš; vgl. lilius ‘jemand, der viel redet, schwätzt, ein Schwätzer’. Auch andere Forscher betrachten diesen Oikonyn als anthroponymisch motiviert (siehe Endzelytė 2005: 56; Bartkutė 2008: 36). Dorf Mainėvos: Paulus Mayneywa de Moneywy 1690 OnKr 14, Catharina Mayneywowna de Moneywy 1693 OnKr 19, Ewa Mayneywowa de Mayneywy 1701 OnKr 49, Martius Mayneywa de Mayneywy 1703 OnKr 57: Familienname *Mainėiva; vgl. mainėiva ‘Tauschhändler’. Dorf Mažėliai, Kz: Alexandri Maželis de Maziele 1689 OnKr 1: Familienname Mažėlis; vgl. mažėlis: mažis ‘kleines Kind, kleiner Mensch oder kleines Tier’. Dorf Melninkai, Ign: Joanēs Mielnik de Mielniki 1756 TvrKr₁ 11, Marianna Mielnikowa de Mielniki 1768 TvrKr₁ 110: Familienname Mėlninkas; vgl. mėlninkas ‘Müller’. Dorf Melninkai, Str: Martha Melnikowna de villa Melniki 1755 ŠvnčKr₂ 31, 36: Familienname Mėlninkas; vgl. mėlninkas. Dorf Memėlišė, Sr: Anna Memelowa de Memelijzki 1752 ŠvnčKr₁ 53: Familienname *Memėlis; vgl. mėmelis, mėmelis ‘ein stiller, langsamer, wortkarger Mensch, ein Versager, Dummkopf; jemand, der undeutlich spricht, memeliuoja, memeklis’. Auch andere Forscher führen den Namen dieses Dorfes auf eine anthroponymische Grundlage zurück (siehe Razmukaitė 1998: 53). Dorf Munčėliai (=früher Mančėliai?⟧), Švnč: Martinus Mączelewicz de Mączele 1750 ŠvnčKr₁ 17, Christophorus Mączelewicz de Mączele 1751 ŠvnčKr₁ 13, Martinus Mączelerwicz de Mączele 1755 ŠvnčKr₂ 26, Martinus Munczelis de Munczele 1756 ŠvnčKr₂ 51, Josephus Mączelis de Mączele 1757 ŠvnčKr₂ 59, Martinus Munczelis de Villa Munczele 1759 ŠvnčKr₂ 93: Familienname Mančėlis (dialektal Munčėlis); vgl. mančėlis: mančius ‘jemand, der viel Besitz hat, ein Reicher’. Dorf Pagireikos, Švnč: Anna Pagirejko de Villa Pagirejki 1758 ŠvnčKr₂ 91: Familienname *Pagireika; vgl. pagirėika ‘Angeber’. Pelėniai k. Lkm: Mathja Pelenis de Pelenje 1745, Michael Pelenis de Villa Pelėnie 1746, Petrj Pelenis de Pelenie 1746 LkmKr₂₂ 22, Jacobus Pelenis de Pelenie 1747 LkmKr₂₂ 24, Mathia Pelenis de Pelenie 1748 LkmKr₂₂ 28, Nicolai Pelenis de Pelenie 1749 LkmKr₂₂ 31, Petri Pelenis de Pelenie 1750 LkmKr₂₂ 35, Anna Peleniowa 1752 LkmKr₂₂ 40, Martini Pelenis de Pelenie 1754 LkmKr₂₂ 47, Martini et Catarina Pelenowie de Pelenie 1759 LkmKr₂₂ 66, Jacobi Pelenis, Joannes Pelenis de Pelenie 1763 LkmKr₃₃ 22, Simonis Pelenis de Pelenie 1774 LkmKr₃₃ 104: avd. Pelėnis; plg. pelėnis ‘kas darbuojasi virtuvėje prie pe leno; išsipel enavęs žmogus; apskretėlis, nevalei ka’. Dorf Pli̇auškės, Švnč:l: Josephg Pleuſzkie de Pleuſzkie 1743 ŠvnčJn 5, Chriſtophoro Pleuſzkie de Plouſzki 1744 ŠvnčJn 10, Georgium Plouſzkis de Plouſzki 1745 ŠvnčJn 10; Chriſtophori Plauſzkis de Plauſzkie 1749 ŠvnčKr₁ 1, Joseph… Plowsko de Plowski 1749 ŠvnčKr₁ 5, Iosephi Plawszka de Plawszki 1750 ŠvnčKr₁ 17, Anastasia Plawszkowa de Plawszki 1751 ŠvnčKr₁ 14, Christophorus Plowſzkia de Plowſzkie 1753 ŠvnčKr₁ 34, Anastazia Plowſzkowa de villa Plowſzki 1755 ŠvnčKr₂ 27, Josephus 108 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Zur Doppeldeutigkeit der Bildung und Herkunft einiger litauischer Oikonyme Plowžkia de Plowžkie 1755 ŠvnčKrᵢᵢ 30, Josephi et Annæ Plowžkiow de Villa Plowžkie 1756 ŠvnčKrᵢᵢ 46: aus dem Anthroponym Pliauškė, *Pliauška, *Pliauškis; vgl. pliauškys, -ė ‚jemand, der plappert, Unsinn redet, schwätzt‘. Ráišiai Dorf Jdp: Magdalena Rayszenia de Rayszy 1701 OnKr 51, Catharina Rayszowa de Rayszy 1702 OnKr 51, Elijabet Rayszenia de Rayszy 1704 OnKr 60: aus dem Anthroponym Ráišis; vgl. ráišis ‚jemand, der hinkt, ein Lahmer‘. Rekėčiai Dorf Dglš: Catharina Rakaciowa de Rakiecie 1706 DglšKrᵢ 3, Joannes Rakiecius de Rakiecie 1707 DglšKrᵢ 4, Agatha Rekeciewa de Rekecie 1802 CkKrᵢᵢᵢ 26: aus dem Anthroponym *Rekėčius; vgl. rekėtis ‚Choleriker, ein unverträglicher Mensch‘. *Ribokai Dorf DglšN: Francisci Rybak de Rybaki 1765 DglšKrᵢᵢ 9: aus dem Anthroponym Ribōkas; vgl. ribōkas ‚Fischer‘. *Skinderiškė Dorf Švnč: Rosalia Skinderowna, Mathias Skinder de Skinderyƒzki 1748 ŠvnčJn 20: aus dem Anthroponym Skinderis; vgl. skindėrius ‚jemand, der zerrissen und zerlumpt ist‘. *Šiaudiniai Dorf DglšN: Christophoruƒ Szaudinis de Szaudinie 1765 DglšKrᵢᵢ 5, Georgij et Mariannæ Szaudiniow De Szaudinie 1790 CkKrᵢᵢᵢ 2, Catarina Siawdzinowa de Siawdziniów 1792 CkKrᵢᵢᵢ 6, Matheo et Magdalena Szewdynis 1792 CkKrᵢᵢᵢ 7: aus dem Anthroponym Šiaudinis; vgl. šiaudinis: šiaudai ‚Masse der gedroschenen Getreidehalme; übertragen: von einem untauglichen Menschen‘. Šiùlgos Dorf Tvr: Petrus Szulga de Szulgi 1755 TvrKrᵢ 1, Catharina Szulgowa de Szulgi 1756 TvrKrᵢ 10, Georgius Szulga de Szulgi 1768 TvrKrᵢ 105, Catharina Szulgowa de Szulgi 1774 TvrKrᵢ 153; Mathia Szulga de Szulgi 1792 TvrKrᵢᵢ 77. Aufgrund der historischen Schreibweisen lässt sich vermuten, dass die authentische Oikonymform Šùlgos lautet und vom Anthroponym Šùlga stammt; vgl. šulģys ‚auf der linken Seite befindlich, links; Linkshänder‘, russ. шулъга ‚linke Hand‘ (Vasmer IV 485). *Vaičiukai Dorf Ck: z Katarzyną Woyciukowną z Woyciukow 1806 CkKrᵢᵥ 9, Mateusz Woyciuk z Weyciuk 1814 CkKrᵥᵢ 6: aus dem Anthroponym Vaičiukas; vgl. vaičiùkas: vai̇tas ‚vom Gut eingesetzter Aufseher über die Leibeigenen‘. *Veršiakiai Dorf Švnč: Martinus Werƒzekis de Werƒzeki 1744 ŠvnčJn 7: aus den Anthroponymen Veršiakis, Veršiakỹs; vgl. veršiakis, veršiakỹs ‚jemand mit großen, hervorquellenden Augen‘. *Valeikos || *Valeikiškė Dorf Lkm: Catarina Wałeykiowna de Wałeyki 1768 LkmKrᵢᵢᵢ 60, Michaelis Wałeyko Wałeykiszki 1779 LkmKrᵢᵢᵢ 124: aus dem Anthroponym Valeikà; vgl. valéika ‚ein sauberer, reinlicher Mensch‘. Zwei Oikonyme anthroponymischer Herkunft könnte man mangels historischer Belege für aus Pflanzennamen abgeleitet halten. Lazinkos Dorf Ddsl: Petrus Łazinka de Łazinki 1768 TvrKrᵢ 106, Catarina Łazinkowa de Łazinki 1774 TvrKrᵢ 150: aus dem Anthroponym *Lazinka; vgl. weißruss. лазина ‚Weide, Weidengebüsch⁵‘ (BRS 412). 5 Offenbar wurde in der Zwischenkriegszeit im Zusammenhang mit dem Pflanzennamen vorgeschlagen, die litauisierte Oikonymform Karkliniai zu verwenden (siehe VSV 40). Straipsniai / Articles 109 LAIMUTIS BILKIS Dorf Tribėržiai. Sug: Zophia Tryberzenia de Tryberziu 1685 MltKr 10, Zophia Tryberzenia de Tryberzu 1691 MltKr 42 (Garliauskas 2004: 80, 129): Personenname *Tribėržis; vgl. trys beržai ‚drei Birken‘. Einige weitere Siedlungsnamen könnten nach den allgemeinen Tendenzen zur Herkunft von Ortsnamen aus verschiedenen anderen Gattungswörtern entstanden sein, sind tatsächlich jedoch von Personennamen abgeleitet. Dorf Abùgaliai, Abugaliaĩ. Vdš: Agtha Abugulowna de Abugule 1764 DglšKrII 1: Personenname *Abùgalis, *Abugalỹs; vgl. abùgalis ‚an beiden Enden‘. *Dorf Avižieniai. Tvr: Gasparis Aviženis de Aviženie 1774 m. TvrKrI 151: Personenname Avižienis; vgl. avižienis ‚Hafer mäht, Hafer mäht‘. *Dorf Barčiukai. Mlt: [...]as barciukis de barciuku 1689 MltKr 29 (Garliauskas 2004: 105): Personenname *Barčiukas; vgl. barčiùkas: barčià, barčiùs ‚eine Art hängender Bienenstock, Nistkasten‘. *Dorf Varnalizdžiai. Lkm: Agatha Warnalizdowa de Warnalizdy 1781 LkmKrIII 131: Personenname *Varnalizdis; vgl. varnãlizdis, vãrnalizdis ‚Krähennest‘. Semantisch (hinsichtlich der Motivation) handelt es sich also um den ‚Wohnort der Varnalizdžiai‘ und nicht um einen ‚Ort, an dem es viele Krähennester gibt‘. Dorf Žagarai. Mnd: Ioannes Zagaras de Zagar 1685 MltKr 11 (Garliauskas 2004: 81): Personenname Žãgaras; vgl. žãgaras ‚dünner, blattloser Pflanzenstängel, dicker Zweig; blattloses Zweiglein (gewöhnlich trocken), Reisig‘. Stadt Žagãrė. Jnš: Stefanus Žiogieruvytis de Žagory 1651 ŽgKr 8: Personenname Žãgaras, Žagãris, Žagãrius; vgl. žãgaras. Einige toponomastische Forscher betrachten diesen Oikonym ausschließlich als appellativisch motiviert (Vanagas 1996: 297–298; Bartkutė, 2008: 34), andere weisen darauf hin, dass sowohl ein Gattungswort als auch ein Personenname die Ableitungsgrundlage bilden kann (Endzelytė 2005: 47). Die Bildung und Herkunft von Siedlungsnamen lässt sich auch dann genau bestimmen, wenn historische gleichstämmige Personennamen vorliegen, die in derselben Pfarrei und zur selben Zeit, jedoch nicht in dem Dorf belegt sind, das mit dem untersuchten Oikonym benannt wird. Oft liegen diese Dörfer sehr nahe beieinander; doch auch in anderen Fällen ist die Zugehörigkeit zur selben Pfarrei als zuverlässiges Kriterium zu werten. Dorf Gaurėliai. Ign: Uladylai Gaurialis de Afelnieny6 1746 LkmKrII 23: Personenname Gaurėlis; vgl. gaurėlis: gaurỹs ‚zottiger Mensch; jemand, der Unsinn redet‘. Der Familienname Gaurėlis ist nur aus der Gegend um Kelmė und Kurtuvėnai bekannt (LPŽ I 633). Dorf Grikiapelė. Lkm: Grikopelicia de Potusze7 1752 LkmKrII 41: Personenname Grìkiapelis; vgl. grikiapelė ‚roter Käfer mit schwarzen Punkten, Marienkäfer, Glückskäfer‘. Die Verbreitungsdaten heutiger Familiennamen zeigen, dass der Personenname Grikepelis (= Grìkiapelis) nur in der Gegend um Utena und Daugailiai verbreitet ist (LPŽ I 715). 6 Das Dorf *Asalnėnai existiert heute nicht mehr; es muss am Asalnai-See gelegen haben. 7 Die Entfernung von Grikiapelė bis Palūšė beträgt nur etwa 6 km. 110 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Zur doppelten Bildung und Herkunft einiger litauischer Oikonyme *Gudeliškis (← de Gudeliszki 1770 LkmKrIII 76) Dorf im Lkm: Eva Gudelouna de Połusze 1770 LkmKrIII 77: Personenname Gudėlis; vgl. gudėlis: gūdas. Der Familienname Gudėlis ist in Ostlitauen verbreitet, im Amtsbezirk Linkmenys jedoch nicht belegt (LPŽ I 736). *Kalviai || *Kalviškė (← de Kalwiszki 1758 LkmKrII 61, de Kowale 1769 LkmKrIII 64, de Kalwi 1770 LkmKrIII 76) Dorf im Lkm: Martha Kalwicia de Kirdeyki 1755 LkmKrII 48, Rossa Kowalewska de Assak 1769 LkmKrIII 69, Marianna Kalwiowna de Antaprudzie 1770 LkmKrIII 79, Stanislaus Kowalewski Mażuryszki 1778 LkmKrIII 119: Personenname Kálvis; vgl. kálvis ‘jemand, der das Schmiedehandwerk ausübt’. Der Familienname Kálvis ist nur in Westlitauen verbreitet – in der Gegend von Klaipėda, Kartena, Pagėgiai, Palanga und Šilutė (LPŽ I 902). Kaukiškė Dorf im Lkm: Elisabeta Kawkutowna de Lyngmiany8 1763 LkmKrIII 19: Personenname Kaukas; vgl. kaukas ‘Hausgeist, der Schätze bringt, ein Aitvaras; ein alter, vertrockneter, struppig behaarter Mensch; ein altmodischer abergläubischer Mensch’. Andere Forscher leiten das Oikonym ebenfalls ausschließlich vom Personennamen Kaukas ab (siehe Razmukaitė 1998: 52). Mėdinos Dorf im Lkm: Agatha Miedinowna Meirany 1776 LkmKrIII 116, Agatha Medinowna Łamiesta9 1779 LkmKrIII 125: Personenname *Mėdinas oder Ähnliches; vgl. mėdinas, -à ‘waldig, wild’. Der Familienname *Mėdinas ist im LPŽ nicht verzeichnet. Pipiriškė Dorf in Ign: Stephanum Pipiras de Pakratonie10 1741 LkmJn 2: Personenname Pipiras; vgl. pipiras ‘scherzhaft: eine kleinwüchsige Person’. Der Familienname Pipiras ist auch in der Umgebung von Ignalina belegt (LPŽ II 461). Andere Forscher betrachten dieses Oikonym ebenfalls als anthroponymisch (siehe Razmukaitė 1998: 54). Prūsočiškės Dorf in Sld: Barbara Pruszakiewiczowa in Suis bonis Drobiszki11 1748 LkmKrII 30: Personenname *Prūšokas; vgl. prūšokas ‘Bewohner des ehemaligen Ostpreußens oder des Memellands, Deutscher; Lutheraner’, außerdem vgl. prūšokas ‘Insekt aus der Schabenordnung, Deutsche Schabe (Blattella)’. Der Familienname *Prūšokas ist im LPŽ nicht verzeichnet. Andere Forscher nennen als Grundwort des Oikonyms ebenfalls einen Personennamen, führen daneben aber auch das Appellativ prūšokas an (siehe Razmukaitė 1998: 61). Rýliškės Dorf in Sld: Laurentium Ryliszkis de Gatakiemie12 1756 LkmJn 15, Andreas Ryliszkis de Gianakalnie13 1756 LkmJn 16: Personennamen Rýliškis, Rýliškis; vgl. rylà ‘jemand, der schreit, leeres Gerede führt’. Beide Familiennamen sind auch in dieser Gegend verbreitet (LPŽ II 607). Das Oikonym gilt als Ableitung mit dem Suffix -iškės vom Personennamen Rylà (Razmukaitė 1998: 61), doch historische Daten zeigen, dass es sich eher um eine Bildung mit einer Endung handelt. 8Die Entfernung von Kaukiškė nach Linkmenys beträgt nur etwa 4,5 km. 9Die Entfernung von Medinai nach Lamėstas beträgt nur etwa 4,5 km. 10Die Entfernung von Pipiriškė nach Pakretuonė beträgt nur etwa 5 km. 11Die Entfernung von Prūsočiškės nach Drobiškis beträgt nur etwa 1 km. Diese Dörfer grenzen aneinander. 12Die Entfernung von Rýliškės nach Gatakiemis beträgt nur etwa 6,5 km. 13Die Entfernung von Rýliškės nach Geniakalnis beträgt nur etwa 5 km. Straipsniai / Articles 111 LAIMUTIS BILKIS Dorf Šárkiai Sld: Anna Szarhicia Maruszkienie de Untolksnie14 1756 LkmKrII 54: Ableitung von Šarkis; vgl. šarka ‘Vogel aus der Familie der Rabenvögel mit weißen Federn an den Flügeln (Pica pica)’; ferner vgl. die Bedeutungen ‘übertr. von einer geschwätzigen Frau; übertr. von einem mageren, dünnen Geschöpf’. Der Familienname Šarkis ist in den recht nahe gelegenen Gegenden Utena und Vyžuonos belegt (LPŽ II 890). Dorf Šiliniškės Lkm: Catarina Szylinowa de Lyngmiany15 1758 LkmKrII 63: Ableitung von Šilinis; vgl. šilinis ‘jemand, der in einem Kiefernwald oder einer Kiefernheide lebt’. Der Familienname Šilinis ist im Amtsbezirk Linkmenys nicht belegt (LPŽ II 927). Auch andere Forschende betrachten diesen Dorfnamen als von einem Personennamen abgeleitet (siehe Razmukaitė 1998: 63). Dorf Vėžiškės Sld: Lucia Wiezowna de Antalamestie16 1769 LkmKrIII 67, Barbara Wiezowna de Alzutany17 1769 LkmKrIII 67: Ableitung von Vėžys; vgl. vėžys ‘gepanzerter Zehnfußkrebs mit Scheren am Kopf (Astacus)’, ferner vgl. die Bedeutung ‘übertr. ein Widersacher’. Der Familienname Vėžys ist in den nahe gelegenen Amtsbezirken Kuktiškės und Utena belegt (LPŽ II 1201). Dorf Žvirbliškė Lkm: Regina Zwirbliowa de Mineyszan18 1770 LkmKrIII 77: Ableitung von Žvirblis; vgl. žvirblis ‘kleiner Vogel aus der Familie der Finken, der in Gehöften und Städten vorkommt (Passer)’, ferner vgl. die Bedeutung ‘übertr. für einen kleinen, schwachen Menschen’. Im Amtsbezirk Linkmenys ist auch der Familienname Žvirblis erhalten (siehe LPŽ II 1354). Mit der Anführung einer Reihe von Oikonymen personennamischer Herkunft soll nicht behauptet werden, dass alle litauischen Siedlungsnamen, deren Bildung und Herkunft sich auf zweierlei Weise erklären lassen, von Personennamen abgeleitet (gebildet) sind. Andererseits veranschaulichen diese Beispiele deutlich allgemeine Tendenzen. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Eine zweifache und daher nicht ganz präzise Erklärung der Bildung und Herkunft vieler Oikonyme lässt sich vermeiden, wenn ihre Belege in historischen Dokumenten untersucht werden. 2. Bildung und Herkunft lassen sich am genauesten bestimmen, wenn historische Daten zeigen, dass in derselben durch das untersuchte Oikonym bezeichneten Siedlung ein stammverwandter oder gleichlautender Personenname vorkam. 3. Gibt es historische stammverwandte Personennamen, die zur selben Zeit in derselben Pfarrei, jedoch nicht in der durch das Oikonym bezeichneten Siedlung selbst, sondern in einer nahe gelegenen Siedlung belegt sind, sind auch die Siedlungsnamen als personennamisch anzusehen. 14 Die Entfernung von Šarkiai nach Antalksnė beträgt etwa 11,5 km. 15 Die Entfernung von Šiliniškės nach Linkmenys beträgt etwa 9 km. 16 Die Entfernung von Vėžiškės nach Antalamestė beträgt nur etwa 2 km. 17 Die Entfernung von Vėžiškės nach Alžutėnai beträgt nur etwa 6 km. 18 Die Entfernung von Žvirbliškė nach Mineiškėmis beträgt etwa 8,5 km. 112 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Dėl kai kurių lietuvių oikonimų darybos ir kilmės dvejopumo 4. Einige Oikonyme, deren mögliche Grundwörter (Etyma) in toponomastischen Arbeiten als Personennamen und Appellativa oder ausschließlich als Appellativa angegeben werden, sind in Wirklichkeit von Personennamen abgeleitet: Eglýniškė Dorf Vdš, Kemšiai Dorf Sk, Kirmėliškis Dorf Jdp, Prusoškiškės Dorf Sld, Veršiai Dorf Žg, Žagarė Stadt Jnš. 5. Die analysierten historischen Daten erlauben die Schlussfolgerung, dass bei der möglichen zweifachen – anthroponymischen und appellativischen – Bildungsmöglichkeit und Herkunft von Oikonymen der Ableitung von Personennamen der Vorzug zu geben ist. 6. Präzise und fundierte Untersuchungen zur Bildung und Herkunft von Oikonymen sind ohne Daten der historischen Toponomastik und Anthroponomastik nicht möglich; daher müssen diese Daten gesammelt und analysiert werden. ABKÜRZUNGEN Ad – Adūtiškis (Rajon Švenčionys) Al – Alytus avd. – Personenname Brž – Biržai Ck – Ceikiniai (Rajon Ignalina) Čln – Čiulėnai (Rajon Molėtai) Ddsl – Didžiasalis (Rajon Ignalina) Dgl – Daugailiai (Rajon Utena) Dglš – Daugėliškis (Rajon Ignalina) DglšN – Naujasis Daugėliškis (Rajon Ignalina) Dl – Deltuva (Rajon Ukmergė) dv. – Gutshof Ign – Ignalina Jdp – Juodupė (Rajon Rokiškis) Jnš – Joniškis Jnšk – Joniškėlis (Rajon Pasvalys) Jon – Jonava Jrb – Jurbarkas k. – Dorf Kdn – Kėdainiai Klm – Kelmė Klov – Klovainiai (Rajon Pakruojis) Klp – Klaipėda Kp – Kupiškis Kri – Krukai (Rajon Joniškis) Krkn – Krekenava (Rajon Panevėžys) Kš – Kaišiadorys Kz – Kazliškis (Rajon Rokiškis) Lgm – Lygumai (Rajon Pakruojis) Lkm – Linkmenys (Rajon Ignalina) Luok – Luokesà (Rajon Molėtai) Lzd – Lazdijai Ml – Mielagėnai (Rajon Ignalina) Mlt – Molėtai Mnd – Mindūnai (Rajon Molėtai) Mrj – Marijampolė On – Onuškis (Rajon Rokiškis) Pbs – Pabaiskas (Rajon Ukmergė) Pkr – Pakruojis Pn – Panevėžys PnmR – Panemunis (Rajon Rokiškis) Prn – Prienai Ps – Pasvalys Pst – Paštovys (Belarus) Rim – Rimšė (Rajon Ignalina) Rk – Rokiškis Sk – Skaistgirys (Rajon Joniškis) Slč – Saločiai (Rajon Pasvalys) Sld – Saldutiškis (Rajon Utena) Smrg – Smurgainys (Belarus) Sr – Sariai (Rajon Švenčionys) Str – Strūnaitis (Rajon Švenčionys) Sug – Suginčiai (Rajon Molėtai) Svrk – Svirkos (Rajon Švenčionys) Šk – Šakiai Šl – Šiauliai Švnč – Švenčionys Švnčl – Švenčionėliai (Rajon Švenčionys) Straipsniai / Articles 113 LAIMUTIS BILKIS Tl – Telšiai Tlpk – Tulpiakiemis (Rajon Ukmergė) Trak – Trakai Tvr – Tverečius (Rajon Ignalina) Ut – Utena V – Vilnius Vdn – Vidėniškiai (Rajon Molėtai) Vdš – Vidiškės (Rajon Ignalina) Vdšk – Vidiškiai (Rajon Ukmergė) Vrn – Varėna vs. – Einzelgehöft Zr – Zarasai Žg – Žagarė (Rajon Joniškis) Žl – Želva (Rajon Ukmergė) HISTORISCHE QUELLEN AdKrI: Книга N1 о Родившихся Годущискаго РК Приходскаго Костела, съ 1655 Года по 1687. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Adutiškis. AdKrII: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Hoduciskiego Od roku 1688. Obr~a 23º do roku 1699. Augusta 23º. Saugoma Adutiškio bažnyčios archyve. AdKrIII: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Hoduciskiego Od roku 1760. Obr~a 5º do roku 1767. Marca 5º dnia. Saugoma Adutiškio bažnyčios archyve. AdMr: [Sterberegister der Kirche von Adutiškis. Vom 6. April 1720 bis zum 23. Oktober 1792]. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Adutiškis. CkKrI: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Swięciańskiego od roku 1774. Apryla 17. do roku 1775. ocbr~a 27.– przy filii Ciekińskiej. Saugoma Ceikinių bažnyčios archyve. CkKrII: Taufregister der Filialkirche Cieykinskiego, der in der Pfarrei Swięciańskiey Getauften, vom 3. Januar 1790 bis zum 1804. Ocbr~a. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Ceikiniai. CkKrIII: Taufregister der Filialkirche Cieykinskiego, der in der Pfarrei Dawgieliskiey Getauften, vom 9. Januar 1790 bis zum 11. Oktober 1804. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Ceikiniai. CkKrIV: Taufregister der Filialkirche Cieykinskiego, der in der Pfarrei Swięciańskiey Getauften, vom 1. Januar 1805 bis zum 22. April 1812. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Cei-kiniai. CkKrV: Taufregister der Filialkirche Cieykinskiego, der in der Pfarrei Dawgieliskiey Getauften, vom 1. Januar 1805 bis zum 21. Oktober 1813. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Cei-kiniai. CkKrVI: Taufregister der Filialkirche Cieykinskiego, der in der Pfarrei Swięciańskiey Getauften, vom 5. Mai 1812 bis zum 31. Oktober 1818. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Ceikiniai. CkKrVII: Taufregister der Filialkirche Cieykinskiego, der in der Pfarrei Dawgieliskiey Getauften, vom 25. Januar 1814 bis zum 19. Oktober 1820. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Ceikiniai. 114 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Zur Doppeldeutigkeit der Bildung und Herkunft einiger litauischer Oikonyme CkKrVIII: Taufmatrikelbuch der Filialkirche Cieybiński, mit Einträgen aus den Pfarreien Święciany und Dawgieliskiey, vom 5. Januar 1821 bis zum 15. August 1831. Im Archiv der Kirche von Ceikiniai aufbewahrt. CkKrIX: Taufmatrikelbuch der Pfarrei Święciany in der Filialkirche Cieykinski; Einträge für das Jahr 1833, angelegt bis zum 8. Dezember 1835. Im Archiv der Kirche von Ceikiniai aufbewahrt. CkKrX: Taufmatrikelbuch der Pfarrei Dawgieliskiey in der Filialkirche Cieykinski; angelegt für das Jahr 1833. Im Archiv der Kirche von Ceikiniai aufbewahrt. CkKrXI: Taufmatrikelbuch der Filialkirche Cieykinski der Pfarrei Święciany, angelegt im Jahr 1835. Im Archiv der Kirche von Ceikiniai aufbewahrt. CkKrXII: Taufmatrikelbuch der Filialkirche Cieykinski der Pfarrei Dawgieliskiey, angelegt im Jahr 1835. Im Archiv der Kirche von Ceikiniai aufbewahrt. DglJn: [Trauungsmatrikelbuch der Pfarrei Daugailiai. 1685–1731.]. Im Archiv der Kirche von Daugailiai aufbewahrt. DglŠKrI: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Dawgieliskiego Od roku 1706. Januar~ 6ᵒ. Do roku 1737. Obr~a 20ᵒ. LVIA F. 1329, Ap. 1, B. 1. DglŠKrII: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Dawgieliskiego Od roku 1764. Obr~a 10. dnia Do roku 1774. Januar~: 9 dnia. LVIA F. 1329, Ap. 1, B. 8. DglŠKrIII: Taufmatrikelbuch der Pfarrkirche Dawgieliski, vom 16. Januar 1774 bis zum 2. Mai 1790. LVIA F. 1329, Ap. 1, B. 10. LkmJn: Księga Metryk Ślubnych Kościoła Parafialnego Ł yngmianskiego od roku 1740. Junii 3. dnia do Roku 1760. Novembra 9. dnia. Saugoma Linkmenų bažnyčios archyve. LkmKrI: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Ł yngmianskiego od Roku 1708. Januaryi 10. dnia do Roku 1740 Apryla 24. dnia. Saugoma Linkmenų bažnyčios archyve. LkmKrII: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Ł yngmianskiego od roku 1740. Maia 22. dnia do Roku 1760. Oktobra 24. dnia. Saugoma Linkmenų bažnyčios archyve. LkmKrIII: Taufmatrikelbuch der Pfarrkirche Ł yngmianski, vom 9. November 1760 bis zum 25. November 1790. Im Archiv der Kirche von Linkmenys aufbewahrt. MltJn: №1. Trauungsmatrikelbuch der Pfarrkirche Malatski, vom 13. Januar 1682 bis November 1691; enthält 14 nummerierte Blätter und 121 nummerierte Matrikel. – G a r l i a u s k a s V i d a s. Tauf- und Trauungsmatrikelbuch der Kirche von Molėtai aus dem 17. Jahrhundert. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2004, 137–154. MltKr: №1. Taufmatrikelbuch der Pfarrkirche Malatski, vom 13. Januar 1682 bis August 1692; enthält 45 nummerierte Blätter und 661 nummerierte Matrikel. – G a r l i a u s k a s V i d a s. Tauf- und Trauungsmatrikelbuch der Kirche von Molėtai aus dem 17. Jahrhundert. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2004, 65–136. Straipsniai / Articles 115 LAIMUTIS BILKIS OnKr: [Tauf- und Trauungsregisterbuch der römisch-katholischen Kirche von Onuškis. 1685–1740]. LVIA F. 1299, Ap. 1, B. 12. ŠvnčJn: Księga Metryk Ślubnych Kościoła Parafialnego Święciańskiego Od roku 1742. Julij: 13. Do roku 1748. Maia 12. dnia. Saugoma Švenčionių bažnyčios archyve. ŠvnčKrI: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Święciańskiego Od roku 1749. Februar: 6. Do roku 1753. Marca 8. dnia. Saugoma Švenčionių bažnyčios archyve. ŠvnčKrII: [Taufregisterbuch der Pfarrkirche von Švenčionys, 1753–1759]. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Švenčionys. ŠvnčKrIII: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Święciańskiego Od roku 1823. Marca 24. dnia Do roku 1827. Obra~ 26. dnia. Aufbewahrt im Archiv der Kirche von Švenčionys. TvrKrI: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Twereckiego od roku 1755. Januar~: 1º do roku 1778. Apryla 1º. LVIA F. 1332, Ap. 1, B. 2. TvrKrII: Księga Metryk Chrzestnych Kościoła Parafialnego Twereckiego. Od roku 1778. Apryla 5º: do roku 1799 obcr~a 27º. LVIA F. 1332, Ap. 1, B. 3. ŽgKr: [Taufregisterbuch der römisch-katholischen Kirche von Žagarė. 1650–1654]. LVIA F. 1191, Ap. 1, B. 2. LITERATUR UND QUELLEN Bartkutė Nerija 2008: Joniškio rajono teritorijos toponimija: daryba ir raidos polinkiai. Daktaro disertacija. Šiauliai: Vytauto Didžiojo universitetas, Šiaulių universitetas. BRS – Belarussisch-russisches Wörterbuch, herausgegeben von Kondrat Kondratowitsch Krapiwa. Moskau: Staatlicher Verlag für ausländische und nationale Wörterbücher, 1962. Endzelytė Renata 2005: Šiaurės vidurio Lietuvos vietovardžiai. Daktaro disertacija. Kaunas: Vytauto Didžiojo universitetas. Garliauskas Vidas 2004: XVII a. Molėtų bažnyčios krikšto ir santuokos metrikų knyga. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas (t. I–XX, 1941–2002): elektroninis variantas. Redaktorių kolegija: Gertrūda Naktinienė (vyr. redaktorė), Jonas Paulauskas, Rimutė Petrokienė, Vytautas Vitkauskas, Jolanta Zabarskaitė. – Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005. Prieiga internete: www.lkz.lt. LPŽ I–II – Wörterbuch litauischer Familiennamen 1–2, Hrsg. Aleksandras Vanagas. Vilnius: Mokslas, 1985–1989. LVŽ I – Bilkis Laimutis, Maciejauskienė Vitalija, Razmukaitė Marija: Wörterbuch der litauischen Ortsnamen 1. Vilnius: Institut für litauische Sprache, 2008. Mickienė Ilona 2001: Telšių rajono toponimų daryba. Daktaro disertacija. Kaunas: Vytauto Didžiojo universitetas. 116 Acta Linguistica Lithuanica LXVI Zur Doppeldeutigkeit der Bildung und Herkunft einiger litauischer Oikonyme Razmukaitė Marija 1998: Lietuvos priesaginiai oikonimai. Daktaro disertacija. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, Vytauto Didžiojo universitetas. Vanagas Aleksandras 1996: Lietuvos miestų vardai. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla. Vasmer IV – Фасмер Макс. Этимологический словарь русского языка 4. Москва: Прогресс, 1973. VSV – Ortsnamen des Gebiets Vilnius. Vilnius, 1945 (Korrekturabzug). Zinkevičius Zigmas 2011: Ukmergės rajono gyvenviečių vardynas. Pavadinimų kilmė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Zur Doppeldeutigkeit der Wortbildung und Herkunft bestimmter litauischer Oikonyme Z U S A M M E N F A S S U N G In umfangreicheren Untersuchungen zur litauischen Oikonymie (Toponymie) lassen sich mehrere Fälle unterscheiden, in denen zwei mögliche Grund- oder Ausgangswörter für den Namen einer Siedlung angegeben werden, die unterschiedlichen lexikalischen Schichten angehören – genauer gesagt, Appellativa und Onyme, nämlich Anthroponyme. Solche Wörter können gewöhnlich sein: 1) physiografische Begriffe und Personennamen derselben Wurzel (desselben Stammes) (Šmotiškiai: pn. Šmõtas oder šmõtas ‘Fläche, Parzelle, Grundstück’, Miškiniai: pn. Miškinis oder miškas, Valākai: pn. Valākas oder valākas ‘ein Grundstück von ungefähr zwanzig Dessjatinen’; 2) Pflanzennamen und Personennamen derselben Wurzel (desselben Stammes) (Žilvičiai: pn. Žilvitis oder žilvitis, Baravykai: baravykas oder pn. Baravykas, Jovarai: jõvaras oder pn. Jõvaras; 3) Tiernamen und Personennamen derselben Wurzel (desselben Stammes) (Gerviniai: gérvė oder pn. Gérvė, Kurãpkiškiai: kurapkà oder pn. Kurapkà; 4) Personenbezeichnungen und Personennamen derselben Wurzel (desselben Stammes) (Gudìnė: pn. Gùdas oder etn. gùdai, gùdas, Pekoriškė: pn. Pėkorius oder pėkorius ‘Bäcker’, Totõriškė: pn. Totõrius oder etn. totõrius, Degùčiai: pn. Degùtis oder degùtis ‘jemand, der Teer herstellt und damit seinen Lebensunterhalt verdient’; 5) verschiedene andere Gattungswörter und Personennamen derselben Wurzel (desselben Stammes) (Degùtinė: pn. Degùtis oder degùtas, Pavietavà: pavietas ‘Kreis, Land, Gebiet’ oder pn. Pavìėtas. Infolge der möglichen zweifachen Deutung weichen die Interpretationen der Wortbildung und Herkunft gleichartiger Oikonyme häufig voneinander ab. So werden beispielsweise bei einigen „Tier“-Namen zwei Herkunftsmöglichkeiten angegeben, wobei entweder ein Appellativ oder ein Personenname den Vorrang erhält; in anderen Fällen wird nur die Ableitung von einem Personennamen angeführt, wieder andere werden ausschließlich aus Appellativa hergeleitet. „Berufsbezogene“ Oikonyme werden ähnlich behandelt: Einige werden etwa von Personennamen oder von Personennamen beziehungsweise Appellativa abgeleitet, andere hingegen von Anthroponymen. Aufgrund der erwähnten zweifachen Möglichkeiten hinsichtlich Wortbildung (Grundwort) und Herkunft werden sogar dieselben Oikonyme von verschiedenen Forschern unterschiedlich interpretiert. Bei der Analyse solcher Oikonyme lassen sich Relativität, Widersprüchlichkeit und hypothetische Schlussfolgerungen kaum vermeiden. Daher sollten wir nach zuverlässigeren Möglichkeiten suchen, das Grundwort zu bestimmen Straipsniai / Articles 117 LAIMUTIS BILKIS ihre Wortbildung und Herkunft. Die genauesten Ergebnisse zur Wortbildung und Herkunft von Oikonymen lassen sich wahrscheinlich erzielen, wenn Angaben dazu vorliegen, ob sich in derselben Siedlung, die durch ein Oikonym bezeichnet wird, ein Personennamen mit demselben Wortstamm befindet oder befand. Die Durchsicht mehrerer Kirchenbücher zur Erfassung von Taufen, Eheschließungen und Todesfällen in verschiedenen Pfarreien ergab, dass Personennamen mit demselben Wortstamm neben einer Reihe von Siedlungsnamen vorkamen, die potenziell zweifach deutbar sind. Solche Fälle legen somit die tatsächlichen Grundwörter (ursprünglichen Wörter) der Oikonyme offen, sodass ihre Wortbildung und Herkunft nicht zweifach gedeutet werden müssen, zum Beispiel Pušýnai: Stephani Pułzynas de Pułzynu, Gaspar Pułzynas de Pułzynu, Ioannis Pułzynas de Pułzynu: pn. Pušýnas; vgl. pušýnas ‘Kiefernwald’, Garniai: Zofia Garnicia de Garnie, Martinuł Garnis de Garniow: pn. Garnýs; vgl. garnýs, Kazõkai: Catharina Kozakicie de Kozaki, Christophoro Kozak de Kozaki, Stephani Kozak de Kozaki: pn. Kazõkas; vgl. kazõkas, Bandõriai: Antonÿ Bondar de Bondar: pn. *Bandõrius; vgl. bandõrius ‘Böttcher’, *Varnalizdžiai: Agatha Warnalizdowa de Warnalizdy: pn. *Varnalizdis; vgl. varnálizdis, vārnalizdis ‘Krähennest’ usw. Die genaue Wortbildung und Herkunft von Siedlungsnamen lässt sich auch bestimmen, wenn historische Personennamen mit demselben Wortstamm zur gleichen Zeit in derselben Pfarrei, jedoch in einem anderen, durch ein Oikonym bezeichneten Dorf belegt sind. Die Dörfer liegen oft nahe beieinander; dennoch gilt auch ihre Zugehörigkeit zu derselben Pfarrei als verlässliches Kriterium, zum Beispiel Kaũkiškė: Elisabeta Kawkutowna de Lyngmiany: pn. Kaũkas; vgl. kaũkas ‘ein Hausgeist, der Reichtum bringt, auch aitvaras genannt; ein überalterter, magerer Mann mit wirrem Haar; ein altmodischer, abergläubischer Mann’, Pipìriškė: Stephanum Pipiras de Pakratonie: pn. Pipìras; vgl. pipìras ‘übertr. ein kleiner Mann’, Prūsoškiškės: Barbara Pruszakiewiczowa in Suis bonis Drobiszki: pn. *Prūšõkas; vgl. prūšõkas ‘Bewohner des ehemaligen Ostpreußens, des Memellands; Deutscher, Lutheraner’, Šilìniškės: Catarina Szylinowa de Lyngmiany: pn. Šìlinis; vgl. šìlinis ‘jemand, der in einem Kiefernwald lebt’, Vėžiškės: Lucia Wiezowna de Antalamieście, Barbara Wiezowna de Alzutany: pn. Vėžỹs; vgl. vežỹs, vgl. die Bedeutung dieses Wortes ‘übertr. ein störrischer Mensch’ usw. Bestimmte Oikonyme, denen in toponymischen Forschungsarbeiten Personennamen und Appellativa oder ausschließlich Appellativa als mögliche Grundwörter (ursprüngliche Wörter) zugeschrieben werden, gehen tatsächlich auf Personennamen zurück: Eglynìškė Dorf Vdš, Kẽmšiai Dorf Sk, Kirmėliškis Dorf Jdp, Prūsoškiškės Dorf Sld, Veršiai Dorf Žg, Žagãrė Stadt Jnš. Die untersuchten historischen Daten führen zu dem Schluss, dass bei einer zweifachen Möglichkeit der Wortbildung und Herkunft von Oikonymen – anthroponymisch oder appellativisch – der Ableitung von Personennamen der Vorrang zu geben ist. Eine genaue und fundierte Untersuchung der Wortbildung und Herkunft von Oikonymen ist ohne Daten der historischen Toponymie und Anthroponymie nicht möglich; daher müssen diese gesammelt und analysiert werden. Eingereicht am 23. März 2012. LAIMUTIS BILKIS Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva E-Mail – [email protected] 118 Acta Linguistica Lithuanica LXVI