Naujieji kontaminaciniai dariniai lietuvių kalboje
Full text
RITA MILIŪNAITĖ
Institut für Litauische Sprache
Forschungsschwerpunkte: präskriptive Linguistik, Soziolinguistik, Internetlinguistik.
NEUE BLENDUNGEN IN DER LITAUISCHEN SPRACHE
Neue Blendungen in der litauischen Sprache
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel untersucht die in jüngster Zeit deutlich zunehmende Verwendung von Blendungen im Litauischen, ihre Entstehungsgründe und -quellen sowie ihre strukturellen und funktionalen Besonderheiten. Grundlage sind die neuesten Daten aus dem elektronischen Neologismen-Datenbank der litauischen Sprache, die am Institut für Litauische Sprache aufgebaut wird. Bislang gab es in der litauischen Linguistik keine derartigen Untersuchungen, da entsprechende Daten selten waren und die Auffassung vorherrschte, es handle sich um Randerscheinungen, die keine größere Aufmerksamkeit verdienten. Der Forschungskontext und die Problemstellung der Untersuchungen zu englischen Blendungen werden knapp dargestellt. Im Anhang des Artikels wird eine Liste von etwa 80 Blendungen vorgelegt, die im gegenwärtigen litauischen Sprachgebrauch belegt sind.
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel untersucht das in jüngster Zeit häufige Auftreten von Blendungen in der litauischen Sprache, die Gründe und Quellen ihres Entstehens sowie Besonderheiten ihrer Zusammensetzung und Funktion. Die Untersuchung stützt sich auf die neuesten Daten aus der vom Institut für Litauische Sprache erstellten elektronischen Datenbank der Neologismen der litauischen Sprache. Untersuchungen dieser Art sind in der litauischen Linguistik bislang aufgrund der spärlichen Datenlage und der Auffassung, Blendungen seien marginale Phänomene, denen keine größere Aufmerksamkeit gebühre, nicht durchgeführt worden. Der Kontext der Forschung zu englischen Blendungsbildungen und den damit verbundenen Problemen wird kurz dargestellt. Im Anhang des Artikels wird eine Liste von 80 Blendungen präsentiert, die im zeitgenössischen litauischen Sprachgebrauch belegt sind.
SCHLÜSSELWÖRTER: Wortbildung, Neologismus, Blendung, Standardsprache, Stilistik.
SCHLÜSSELWÖRTER: Wortbildung, Neologismus, Blendung, Standardsprache, Stilistik.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Naujieji kontaminaciniai dariniai lietuvių kalboje
1. EINLEITENDE BEMERKUNGEN
Die neue Lexik der litauischen Sprache stößt bei Forschenden und in der Öffentlichkeit auf immer größeres Interesse, denn in diesem Bereich vollziehen sich in den vergangenen Jahrzehnten rasche und intensive Veränderungen. Bei der Beobachtung neuer Erscheinungen des gegenwärtigen Sprachgebrauchs fällt den Forschenden zunächst der Blick auf die neuen Entlehnungen. Untersucht werden ihre Anpassung an die Orthografie, Akzentuierung, Aussprache sowie an das lexikalische und grammatische System des Litauischen, ihr Verhältnis zu möglichen litauischen Entsprechungen (von denen einige ebenfalls Neubildungen oder Wörter mit neuen Bedeutungen sind) sowie die sprachlichen Einstellungen der Sprachbenutzer gegenüber den neuen Entlehnungen und ihren Entsprechungen. Bei der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache wird kontinuierlich an der Normierung neuer Entlehnungen gearbeitet.
Neben diesen neuen Erscheinungen der litauischen Sprache bleiben Neubildungen, die nicht unmittelbar mit Entlehnungen zusammenhängen, weitgehend unbeachtet. Ein Teil von ihnen, die sich bereits im Sprachgebrauch etablieren, wird in das am Institut für Litauische Sprache erarbeitete Wörterbuch der litauischen Standardsprache aufgenommen werden. Schwieriger verhält es sich mit der Erforschung okkasioneller Bildungen – einzelner, autorengeprägter, situationsgebundener Neubildungen. Solche Bildungen gehören eher in den Bereich der Stilistik, wo sie als ausdrucksstarke Mittel dienen. Vereinzelt fließen sie in allgemeinere Untersuchungen oder Kontexte ein, etwa bei der Beschreibung des Wortschatzes eines Autors oder der Merkmale funktionaler Stile und Textsorten; eingehendere Untersuchungen, die ausschließlich Neubildungen gewidmet sind, gibt es jedoch kaum. Das ist verständlich, denn ohne digitale Werkzeuge ist es nicht einfach, aus verschiedenen Quellen statistisch aussagekräftige Daten über seltene, randständige Phänomene des Sprachgebrauchs zusammenzutragen.
Als man am Institut für Litauische Sprache begann, die Lexik des 21. Jahrhunderts systematisch zu erfassen und zu untersuchen, zeigte sich, dass sich aus dem gesamten Strom der Neologismen eine kleine, aber interessante Gruppe abhebt – Kontaminationsbildungen, eine Art okkasioneller Bildungen (zum Beispiel darbostogos, okupendumas, miaujiena und Ähnliches). Obwohl Kontaminationsbildungen im Litauischen als seltene Einzelwörter vorkommen, werden bei Betrachtung einer größeren Sammlung ihre Ausdrucksstärke und einige gemeinsame Entstehungsmuster deutlich.
Ziel des Artikels ist es, anhand aktueller Belege aus dem am Institut für Litauische Sprache aufgebauten elektronischen Datenbank der Neologismen der litauischen Sprache (im Folgenden ND) die in jüngster Zeit im litauischen Sprachgebrauch merklich häufiger gewordenen Kontaminationsbildungen zu untersuchen, ihre Entstehungsursachen und Quellen sowie Besonderheiten ihrer Struktur und ihres Funktionierens im Sprachgebrauch zu beleuchten und außerdem knapp den Kontext ausländischer Arbeiten zu dieser Thematik (Untersuchungen zu Kontaminationsbildungen im Englischen) darzustellen.
Es ist sinnvoll, über die im Sprachgebrauch häufiger gewordenen Kontaminationsbildungen zu sprechen – sowohl über solche, die auf dem Boden der eigenen Sprache entstanden sind, als auch über übersetzte oder entlehnte –, auch um das in der litauischen Sprachwissenschaft entstandene Verständnis dieser Bildungen zu aktualisieren und den Bestand an Beispielen für Neologismen dieser Art zu erneuern, die in der wissenschaftlichen und didaktischen Literatur verwendet werden.
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2. ZUM BEGRIFF DER KONTAMINATIONSBILDUNGEN
Wahrscheinlich kann sich das Verständnis von Kontaminationsbildungen aufgrund der Vielfalt des Phänomens selbst sogar innerhalb derselben Sprache erheblich unterscheiden. In der litauischen Sprachwissenschaft gab es kaum Anlass für Meinungsverschiedenheiten, da diese Bildungen selbst nahezu unerforscht sind.
2.1. Definitionen und Benennung von Kontaminationsbildungen
Bereits 1880 verwendete der deutsche Sprachwissenschaftler und Lexikograf Hermann Paul den Terminus Kontamination zur Bezeichnung von Wortverschmelzungen, die unbeabsichtigt durch ein Versprechen entstehen, also infolge von Versprechern; später wurde der Begriff auf ähnliche syntaktische Bildungen ausgeweitet (vgl. Fisher 1998: 34).
Auf Litauisch wurde über Kontaminationsbildungen aufgrund ihrer Seltenheit im Litauischen nur wenig geschrieben. In seinem Werk Lietuvių kalbos žodžių daryba behandelt Pranas Skardžius sie bei den abgeleiteten Neubildungen und widmet ihnen einen Absatz (Skardžius 1943: 21):
Kontaminationsbildungen sind solche, die durch Vermischung aus zwei synonymen oder irgendwie verwandten Wörtern gebildet werden. Zum Beispiel ist ekertis, ekertė Iž I 6951 aus eketis (–ė) + ker̃ta, kाकoryt̃ „poporyt“ Tvč. aus kakarykų + rytas, suvisai „ganz und gar“ LB 228 aus suvisu + visai, žabagarai „kleine Reisigstücke, aus denen Bündel gemacht werden; abgebrochene, zerbröckelte Zweige“ Šdv., Ob. aus žabai + žagarai und dergleichen. Ebenso ist es möglich, dass auch das niederlitauische vambolė „Käfer“ seine Wurzel vamb- aus vab- + bamb- (im Wort bãmbalas) gebildet hat; siehe Endzelin MLV IV 467.
In Vinco Urbučio Buch Žodžių darybos teorija werden Kontaminationsbildungen zunächst bei den okkasionellen Bildungen erwähnt; zugleich wird jedoch ausdrücklich betont, dass derartige „Sprecherscheinungen“ nichts mit Wortbildung zu tun haben (Urbutis 2009: 324):
Für die Wortbildung sind nur Bildungen von Belang, nicht aber phonetische oder sonstige Umformungen, der Ersatz von Wörtern eines Textes durch andere, die Folgen von Kontamination und ähnliche Dinge.
In der Fußnote zu diesem Zitat stützt sich V. Urbutis in seiner Erklärung der Kontamination auf W. Dressler und betrachtet dieses Phänomen als „eine phonetisch bedingte, fehlerhafte Vermischung zweier in irgendeiner Hinsicht ähnlicher Wörter beim Sprechen“, also als etwas, das nur einmalig und zufällig im Sprechakt vorkommt.
An anderer Stelle des Buches unterscheidet V. Urbutis zwischen der eigentlichen Kontamination (das sei die erwähnte „unbeabsichtigte Vermischung zweier in irgendeiner Hinsicht ähnlicher Wörter beim Sprechen (eine Art Stolpern der Zunge)“) und dem „bewussten Vermischen zweier Wörter (engl. blending, blend), dem Verbinden ihrer Fragmente zu einem Wort“ (Urbutis 2009: 354–355). Im Hinblick auf den letzteren Fall, also …
1 Abkürzungen der Quellen wie im Original.
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Unter Rückgriff auf Arbeiten der ausländischen Sprachwissenschaft wird darauf hingewiesen, dass das Phänomen in die Wortbildungsbeschreibungen einiger Sprachen aufgenommen wird, zugleich aber offenbar gilt, „dass die Form der verbindenden Fragmente sehr unregelmäßig ist, ihr Auftreten oft nur aus dem Kontext erschlossen werden kann oder erlernt werden muss“; es handle sich also nicht um einen grammatischen (morphologischen) Prozess, und seine Ergebnisse, die sogenannten Kontaminationsbildungen, seien morphologisch nicht analysierbare (nicht motivierte) Wörter und lediglich Gegenstand der lexikologischen Forschung. Als Beispiel für eine Kontaminationsbildung wird nur eines angeführt: engl. brunch ‚Frühstück zusammen mit Mittagessen‘ (aus br/eakfast ‚Frühstück‘ und l/unch ‚Mittagessen‘) (Urbutis 2009: 355).
Kontaminationsbildungen werden auch in zwei informativen Publikationen der litauischen Sprachwissenschaft behandelt: im Kalbotyros terminų žodyne und in der Lietuvių kalbos enciklopedijoje. Im ersten Werk wird das Phänomen der Kontamination recht allgemein als Vermischung definiert (Gaivenis, Keinys 1990: 108):
Die Entstehung eines neuen Wortes oder einer neuen Wendung durch Verschmelzung von Teilen zweier Wörter oder Wendungen:
žabag aras ← žabas und žagaras, engl. motel ‚Motel‘ ← motor und hotel.
In der Lietuvių kalbos enciklopedijoje (der Artikel ist mit V. U., also Vincas Urbutis, gezeichnet) wird Kontamination sowohl als Sprach- als auch als Sprechphänomen bezeichnet (LKE 2008: 282):
kontaminãcija – die Vermischung, Kreuzung zweier ähnlicher Sprech- oder Spracheinheiten, durch die eine neue, intermediäre Einheit (eine Kontaminationsbildung) entsteht.
Die anschließende Erklärung, dass die Grundlage für das Entstehen von Kontaminationsbildungen psychologischer Art sei, das heißt „die Unentschlossenheit des Sprechers, welche der konkurrierenden Einheiten er wählen soll“, zeigt jedoch, dass bei der Erörterung lexikalischer Kontaminationsfälle ein enger Begriff der Kontaminationsbildungen zugrunde gelegt wird: Die Kontaminationsergebnisse würden „gewöhnlich als einmalige Sprechfehler aufgefasst und etablierten sich nur selten in der Sprache“. Es werden etwas mehr Beispiele angeführt als in den zuvor genannten Quellen:
dvelė aus dvasia und vėlė; dialektal krezdingà, kregždìngà sowie bei Jonas Bretkūnas blegzdinga aus blėzdingà und krẽgždė; žabag aras aus žabas und žagaras; žvìzdras aus žìzdras, žieždras und žvìrždas.
Außerdem wird in dieser Enzyklopädie nicht nur syntaktische Kontamination erwähnt (wie auch im Kalbotyros terminų žodyne – sie entsteht durch die Vermischung von Teilen einer Wendung), sondern auch ein Beispiel dafür angeführt: pakelti tostą aus pakelti taurę und (pa)skelbti, pasiūlyti tostą.
Wenn man also anerkennt, dass eine morphematische Analyse von Kontaminationsbildungen unmöglich oder nur eingeschränkt möglich ist, weil neue Lexeme durch die Verschmelzung von Morphemteilen oder eines Morphems mit einem Teil eines anderen Morphems gebildet werden, gilt die Kontamination in der litauischen Sprachwissenschaft nicht als Teil des traditionell verstandenen Wortbildungsprozesses.
Das ist wohl auch alles Wesentliche, was sich in der litauischen Sprachwissenschaft über Kontaminationsbildungen, also Kontaminationen, finden lässt.
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In der englischsprachigen Literatur wird über Kontaminationsbildungen gern gesagt, sie seien zwei Bedeutungen, verpackt in einem Wort. Es ist verständlich, dass die Sprache nach Möglichkeiten sucht, ein Phänomen, das als Hybrid zweier anderer Phänomene entsteht, möglichst knapp zu benennen. Es wird behauptet, dass der Erfolg und die Wirkungskraft der Bildung von Kontaminationsbildungen davon abhängen, wie viele Fragmente verschiedener Wörter sich aus der Bildung erkennen lassen. Dennoch lässt sich die lexikalische Bedeutung nicht aller Kontaminationsbildungen selbst dann erschließen, wenn man diese Fragmente erkannt hat; vielmehr ist dies gerade ein Merkmal okkasioneller Bildungen.
Das Bild eines „verpackten Gegenstands“ entsteht nicht zufällig. Im Englischen werden zwei verschiedene Wörter zur Bezeichnung von Kontaminationsbildungen verwendet: blending (als Wortbildungsprozess), außerdem blend (als Wortbildungsergebnis) und portmanteau (meist zur Bezeichnung einer bestimmten Art von Kontaminationsbildungen)2.
Der Terminus blending lässt sich mit Verschmelzung, Mischung übersetzen: Ein neues Lexem entsteht, indem Teile von mindestens zwei Grundwörtern miteinander verbunden werden und dabei mindestens eines dieser Wörter gekürzt wird, wobei einige Phoneme ausgelassen werden (Gries 2004: 639, z. B.: br[eakfast] ‚Frühstück‘ + [l]unch ‚Mittagessen‘ → brunch ‚spätes Frühstück‘, fool ‚Narr‘ + [ph]ilosopher ‚Philosoph‘ → foolosopher ‚Narrilosoph‘3); es wird also nicht notwendigerweise aus vollständigen Morphemen gebildet und unterscheidet sich dadurch von traditionellen Wortbildungsverfahren. Das Wortbildungsergebnis ist blend – Mischwort oder Kontaminationsbildung. Manchmal werden als Mischwörter (wie bereits erwähnt, auch in der litauischen Sprachwissenschaft) nicht nur einzelne Wörter, sondern auch größere Spracheinheiten bezeichnet.
Das Wort portmanteau wurde im Englischen zunächst in der Wortverbindung portmanteau luggage verwendet, ‚Koffer mit zwei ineinanderschiebbaren Teilen‘4; portmanteau bedeutet auf Litauisch also eine Art ‚ineinandergeschobenes Gebilde‘. Der bekannte britische Schriftsteller, der gern mit Wörtern experimentierte und unter dem Pseudonym Lewis Carroll schrieb, verwendete dieses Wort erstmals für ungewöhnliche Bildungen, insbesondere für solche, die zufällig als Versprecher entstehen, in seinem Buch Alisa Veidrodžio karalystėje (1871) (vgl. Fisher 1998: 34). So ist das von ihm gebildete Wort slithy durch Verschmelzung der Wörter sli[m]y ‚schleimig‘ und lith[e] ‚biegsam‘ entstanden; oder frumious aus fuming ‚schwelend, rauchend; dampfend‘ und furious ‚wütend‘;
2 Vgl. blend – „ein Wort, das aus Teilen anderer Wörter gebildet wird, wobei deren Bedeutungen kombiniert werden, zum Beispiel motel aus motor und hotel“ (online abgerufen: http://www.oxforddictionaries.com); „ein Wort (zum Beispiel brunch), das durch Vermischung anderer Wörter oder Wortteile gebildet wird“; portmanteau – „ein Wort oder Morphem, dessen Form und Bedeutung aus der Verschmelzung zweier unterschiedlicher Formen hervorgegangen sind (zum Beispiel smog aus smoke und fog) (online abgerufen: http://www.merriam-webster.com/dictionary).
3 Das Wort kvailosofas ließ sich im litauischen Sprachgebrauch (über die Suchmaschine Google und im Textkorpus der Vytautas-Magnus-Universität) nicht nachweisen (abgerufen am 24.09.2014); es ist jedoch ein Beispiel dafür, wie leicht sich ein solches Wort bei Bedarf bilden oder übersetzen ließe. Die Bildung foolosopher gilt als die früheste (Ende des 16. Jahrhunderts) belegte englische Kontaminationsbildung (Lehrer 2007: 116).
4 Vgl. frz. porte-manteau (porter ‚tragen‘, manteau ‚Mantel‘) bedeutet im heutigen Französisch einen Ständer für Kleidung, Hüte und Regenschirme.
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‚heftig‘, was nach den Worten einer Figur dieses Buches eben „zwei Bedeutungen, verpackt in einem Wort“ sind.
Seitdem bezeichnet man im Englischen mit dem Wort portmanteau (words) Wörter, die aus Teilen von zwei oder mehr Wörtern gebildet sind (nicht notwendigerweise Morphemen; dabei werden einige Phoneme ausgelassen) und sich vor allem auf eine ähnliche Lautung und ähnliche Bedeutungen stützen (im Sprachgebrauch traten sie bereits im 19. Jahrhundert merklich häufiger auf). Obwohl ihre Beschreibung in der linguistischen Literatur etwas variiert (bisweilen weiter gefasst ist als diese Art von Versprechern), lässt sich sagen, dass solche „Kofferwörter“ zu den Kontaminationsbildungen (blends) gehören; gelegentlich wird zur Bezeichnung von Kontaminationsbildungen auch die Wortverbindung portmanteau blends verwendet.
Es sei darauf hingewiesen, dass Kontaminationsbildungen von Bildungen zu unterscheiden sind, die üblicherweise entstehen, indem eine Wortverbindung zu einem einzigen Wort zusammengezogen wird. Diese Wortbildung ist im Litauischen nicht sehr verbreitet, doch unter dem Einfluss des Russischen hatten solche Bildungen (sowohl Gattungsnamen als auch Eigennamen – Unternehmensbezeichnungen) in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Sprachgebrauch merklich zugenommen, sowohl als Entlehnungen als auch als morphemweise Übersetzungen (zum Beispiel kolūkis ← kolektyvinis ūkis nach колхоз ← коллективное хозяйство). Ähnliche Bildungen gelten im Litauischen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als Normverstöße (genrangovas ← generalinis rangovas, vetpunktas ← veterinarijos punktas usw.)5.
2.2. Die Problematik der Untersuchung von Kontaminationsbildungen
Die ausländische Literatur zu Kontaminationsbildungen ist unvergleichlich umfangreicher; allein die Untersuchungen zur englischen Sprache sind wesentlich detaillierter und breiter angelegt – dort gibt es auch deutlich mehr Kontaminationsbildungen. Die Wortverschmelzung oder Kontamination galt im Englischen noch vor einigen Jahrzehnten als Randerscheinung im Zusammenhang mit Neologismen, wird jedoch in jüngster Zeit als eines der häufigen und produktiven Wortbildungsverfahren des Englischen anerkannt, und die Erforschung von Kontaminationsbildungen ist sehr populär geworden (siehe Lehrer 2007: 115). Die Anzahl der Kontaminationsbildungen im Englischen hängt davon ab, wie gut die Ausgangswörter erkennbar und wie einfach sie strukturiert sind (Gries 2004: 639). Wie die Untersuchungen verschiedener Autoren zeigen, umfasst das untersuchte Material (das überwiegend noch ohne den Einsatz digitaler Werkzeuge zusammengestellt wurde) gewöhnlich nicht mehr als 100–600 Untersuchungswörter. Statistisch untersucht werden die Struktur von Kontaminationsbildungen (vgl. Fisher 1998: 35–43), ihre orthografischen und phonemischen Merkmale; zudem werden ihre Semantik und die semantischen Beziehungen zwischen den Ausgangswörtern nach ihrer Verschmelzung analysiert, psycholinguistische Experimente zur Wahrnehmung von Kontaminationsbildungen durchgeführt (vgl. Lehrer 2007: 115–133) usw.
5 Siehe Punkt 2.3.2 zur Wortstruktur im Verzeichnis der großen Sprachfehler: „Zusammengezogene Komposita, gebildet aus dem Anfang eines oder mehrerer Wörter und einem letzten vollständigen Wort“ (online verfügbar: http://vlkk.lt/lit/lt/klaidos/zodziu).
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Ši problematika išsamiai atskleidžiama Stefano Th. Grieso straipsnyje (žr. Gries 2004: 639–667 ir ten nurodytą literatūrą). Ji nusakoma taip: 1) kaip sąmaišą atskirti nuo kitų žodžių darybos procesų? 2) pagal kokius kriterijus atskirti vienos rūšies kontaminacinius darinius nuo kitų? 3) kas lemia kontaminacinių darinių struktūrą (kodėl jie sukuriami vienokiu ar kitokiu būdu)?
Am häufigsten finden sich Untersuchungen, die sich mit der Problematik des ersten und zweiten Aspekts befassen. Es werden verschiedene Kriterien zur Klassifizierung von Kontaminationsbildungen genannt; zugleich wird anerkannt, dass eine einheitliche Einteilung in Gruppen durch ihre Variation hinsichtlich derselben Parameter und durch zahlreiche Ausnahmen erschwert wird. Am häufigsten werden folgende Unterscheidungsmerkmale vorgeschlagen: 1) Bildungen mit phonemischer Überlappung6 (sie werden außerdem danach unterteilt, an welcher Stelle und in welchem Umfang Morpheme gekürzt und überlagert werden und ob die phonemische Überlappung ihr hauptsächliches oder lediglich ein unterstützendes Bildungsverfahren ist); 2) Bildungen, die durch Kürzung der Ausgangswörter entstanden sind; 3) Bildungen, die auf gemischte Weise durch Kombination der ersten und zweiten Verfahren entstanden sind.
Diese Merkmale werden durch weitere Parameter ergänzt (Wortarten, Silbenlänge, morphologische Eigenschaften der Ausgangswörter, semantische Merkmale des Denotats der Kontaminationsbildung usw.). Zugleich wird anerkannt, dass jede Kontaminationsbildung einzigartig ist und neben allgemeinen Bildungstendenzen individuelle Eigenschaften aufweist (zum Beispiel Rhythmik).
Die wohl interessanteste Frage im Zusammenhang mit der Problematik von Kontaminationsbildungen ist die dritte. Da eine solche Bildung theoretisch durch die Verschmelzung mehrerer Wörter auf unterschiedliche Weise entstehen und dabei eine Vielzahl von Varianten hervorbringen kann7, ist es wichtig zu klären, wodurch das konkrete Ergebnis bestimmt wird. Eine Hypothese, die sich bei Weitem nicht immer bestätigt, lautet: Das längere der Ausgangswörter gibt die Bedingungen vor, und damit die Bildung besser erkennbar ist, bleibt ein längeres Fragment dieses Ausgangsworts erhalten. Statistische Untersuchungen bestätigen diese Tendenz teilweise: Das zweite Wort der Bildung ist häufiger länger, und ein größeres Fragment wird ausgelassen. Für die Art der Verschmelzung ist die Häufigkeit der Ausgangswörter von Bedeutung (kurz-
6 Vgl. engl. overlap ‚teilweise Übereinstimmung, Überlappung‘ (Bronislovas Piesarskas. Anglonas, 2005); dies sind Fälle, in denen mehrere Ausgangswörter dieselbe Phonem- oder Graphemfolge enthalten und bei der Bildung von Mischwörtern eine der wiederkehrenden Folgen ausgelassen wird.
7 Im Internet findet man zahlreiche Wortbildungsgeneratoren, die für die Bildung englischer Kontaminationsbildungen entwickelt wurden. Ihre Erprobung zeigt, dass es im Englischen theoretisch beispielsweise bis zu einem Dutzend möglicher Verschmelzungsvarianten zweier Wörter geben kann (ein solcher Generator ist online verfügbar: http://www.portmanteaur.com).). Gibt man versuchsweise zwei litauische Wörter in den Generator ein, darbas und atostogos, erhält man 18 nach den englischen Regeln der Mischwortbildung mögliche Bildungen (zum Beispiel dastogos, dartostogos), darunter auch eine, die im gegenwärtigen litauischen Sprachgebrauch tatsächlich belegt ist – darbstogos (als Lehnübersetzung aus dem Englischen: worli-day ← work + holiday).
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Das häufigere und gebräuchlichere Element, das eine prototypische Kategorie bezeichnet, steht in einer Mischung meist an erster Stelle. Die Position des Mischungselements wird maßgeblich durch die phonologischen Eigenschaften der aufeinandertreffenden Ausgangswörter bestimmt, insbesondere durch die Eigenschaften der sie bildenden Konsonanten. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass Kontaminationsbildungen unter Wahrung eines Gleichgewichts zwischen zwei entgegengesetzten Faktoren geschaffen werden – der Erkennbarkeit der Basiswörter und der Einfachheit der Struktur (Aussprache, Schreibweise) der Bildungen –, was die Entwicklung eines allgemeinen Modells zur Erklärung dieser Prozesse verhindert. Daher neigt man zu der Auffassung, dass Kontaminationsbildungen zu den unvorhersehbarsten Kategorien der Neubildung von Wörtern gehören.
2.3. Struktur von Kontaminationsbildungen
Obwohl Kontaminationsbildungen unter Berücksichtigung der strukturellen und semantischen Eigenschaften der jeweils verschmolzenen Wörter gebildet werden, lassen sich allgemeine Regelmäßigkeiten ihrer Struktur feststellen. In verschiedenen Quellen werden englische Kontaminationsbildungen nach ihrer Bildungsweise meist in folgende große (weiter unterteilbare) Gruppen eingeteilt8:
1) Beide Basiswörter werden gekürzt, zum Beispiel:
robo[t] ‘Roboter’ + [kanga]roo ‘Känguru’ → roboroo ‘Roboter in Kängurugestalt’9;
sk[irt] ‘Rock’ + [sh]ort[s] ‘Shorts’ → skort ‘Rock-Shorts’;
free ‘kostenlos’ + [premium ‘Premium’ → freemium ‘Geschäftsmodell, bei dem ein Teil der Waren oder Dienstleistungen kostenlos angeboten wird, um mehr Nutzer für kostenpflichtige Waren oder Dienstleistungen zu gewinnen’;
2) Nur der Anfang des zweiten Basisworts wird gekürzt:
boy ‚Junge‘ + [burlesque < ital. burlesco ‚Burleske‘ → boylesque, lit. boileska10 ‚eine männliche Variante der Burleske (eines Tanzes, bei dem eine Frau ihre Weiblichkeit verführerisch betont)‘;
hack ‘in ein Computersystem eindringen; sich leidenschaftlich mit Programmieren beschäftigen’ + [marathon ‘Marathon’→ hackathon, lit. Hakaton ‘Marathon für Softwareentwickler (mehrtägige Veranstaltung), bei dem gemeinsam mit Grafikdesignern kreative und pädagogische Ziele verfolgt werden’;
8 Da die englische Rechtschreibung nicht phonetisch ist, stellt die Bildung von Kontaminationsbildungen ein eigenständiges Problem dar, das sowohl mit den phonologischen als auch mit den graphischen Eigenschaften der Basiswörter zusammenhängt; in diesem Artikel wird davon jedoch abgesehen.
9 Die Bedeutungen der im Artikel und seinem Anhang aufgeführten Kontaminationsbildungen sind im Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyne zu finden (http://naujazodziai.lkki.lt/); diejenigen, deren Bedeutung ohne Kontext völlig unklar sein kann, werden im Artikel kurz erläutert.
10 Es wird angegeben, wenn ein solcher Lehnwortgebrauch im litauischen Sprachgebrauch verbreitet ist.
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3) Nur das Ende des ersten Grundworts wird gekürzt:
coff[ee] ‚Kaffee‘ + office ‚Büro‘ → coffice, litauisch kofisas ‚Café, in dem sich üblicherweise Menschen treffen, die selbstständig tätig sind, dort den Tag arbeitend verbringen (kostenloses Internet nutzen) und Kaffee trinken‘.
Es kommen auch seltenere Kontaminationsbildungen aus drei Grundwörtern vor, doch sind die Verschmelzungsprinzipien gewöhnlich dieselben, zum Beispiel:
spor[t] + por[no] + sexual → spornosexual litauisch spornoseksualas ‚Metroseksueller der zweiten Generation – ein Mann, der ausdrücklich begehrt werden möchte, weil er einen gepflegten, sportlichen Körper hat‘.
Es ist ersichtlich, dass die erwähnte Überlappung zweier Wörter entsteht, wenn die Phoneme am Ende des Stammes des ersten Grundworts den Phonemen am Anfang des zweiten Grundworts entsprechen (in den Beispielen sind die entsprechenden Grapheme unterstrichen). Die Bedeutungsdefinitionen von Kontaminationsbildungen sind gewöhnlich recht weit gefasst, was auch zeigt, dass Kontamination ein praktisches Verfahren ist, um ein vielschichtiges Phänomen knapp zu beschreiben. Kontaminationsbildungen dieser Art werden auch zu Entlehnungen im Litauischen, wobei sie lediglich an das grammatische System des Litauischen angepasst werden.
Eine Klassifizierung der im Litauischen gebildeten Kontaminationsbildungen wäre erst nach einer eingehenden Untersuchung der Struktur eines größeren Korpus solcher Bildungen möglich.
3. KONTAMINATIONSBILDUNGEN IN DER NEUWORTDATENBANK DER LITAUISCHEN SPRACHE
Untersuchungen zu litauischen Neubildungen, die nicht auf einzelne Phänomene, sondern auf größere Ansammlungen, allgemeinere Tendenzen der Wortbildung und des Gebrauchs ausgerichtet sind und sich auf die neuesten Computertechnologien stützen – ohne die sich lexikalische Untersuchungen heute insgesamt kaum noch vorstellen lassen –, gibt es nur wenige (vgl. Mikelionienė 2000: 15–21). Zwar werden litauische Wörterbücher zunehmend digitalisiert, doch mangelt es bislang ebenfalls an Computerwerkzeugen zu ihrer Untersuchung. Daher stammen die Daten für diesen Artikel aus der digitalen, jedoch durch das Sammeln einzelner Belege aus dem Sprachgebrauch aufgebauten Neuwortdatenbank der litauischen Sprache (im Folgenden: ND).
3.1. Beschaffenheit des Datenbestands
Die Datenbank der litauischen Neologismen ist eine nicht abgeschlossene Datensammlung, die Ende 2011 erstmals im Internet veröffentlicht wurde und kontinuierlich erweitert wird. Sie dokumentiert Wörter, die seit dem Ende des 20. Jahrhunderts in der litauischen Sprache entstanden sind und im gegenwärtigen öffentlichen Sprachgebrauch
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auftreten: neue Wörter (Entlehnungen und Neubildungen), Wortverbindungen und Abkürzungen, neue Wortbedeutungen sowie Informationen über den Gebrauch und die Normierung von Neologismen (Näheres siehe auf der Website der ND im Abschnitt Über die Datenbank). In die ND werden die bislang in der Kartothek des gegenwärtigen Sprachgebrauchs gesammelten Neologismen übernommen (siehe Miliūnaitė 2009: 100–112); außerdem werden Daten aus den neuesten Quellen des gegenwärtigen litauischen Sprachgebrauchs gesammelt (Online- und Printmedien, Verwaltungsschriftstücke, originäre und übersetzte Belletristik und andere Bücher, Werbung, öffentliche elektronische Kommunikation usw.).
3.2.
Kontaminationsbildungen in der Datenbank und Aspekte ihrer Untersuchung
Ende Oktober 2014 enthielt die ND mehr als 2400 Neologismenartikel und knapp 8000 Belege für ihren Gebrauch. Kontaminationsbildungen sind in der Datenbank eigens gekennzeichnet; die Suchergebnisse zu diesem Zeitpunkt zeigen daher, dass sie etwas mehr als 3 Prozent (etwa 80 Artikel) aller Neologismen ausmachen. Im Strom der Neologismen des Litauischen gibt es somit nicht viele derartige Bildungen, und man kann sie manuell nur zufällig beim Lesen vieler Texte ausfindig machen11. Alle Neologismen der ND sind im gegenwärtigen litauischen Sprachgebrauch belegt (die Datenbank enthält ausführliche bibliografische Angaben zu ihren Quellen und, sofern bekannt, auch zur Urheberschaft).
Da die Sammlung neuer Kontaminationsbildungen noch nicht besonders umfangreich ist, kann man nicht erwarten, dass ihre Untersuchung ein vollständiges – geschweige denn statistisch repräsentatives – Bild dieses Phänomens im Litauischen liefert; seine Entstehungsgründe und Quellen, einige Bildungstendenzen sowie Gebrauchsmerkmale lassen sich jedoch bereits untersuchen. Eine der größten Schwierigkeiten der Untersuchung besteht darin, dass sich nicht immer feststellen lässt, auf welche Weise (durch Entlehnung, Übersetzung oder Bildung im Litauischen) eine Kontaminationsbildung entstanden ist; daher enthalten solche Untersuchungen auch zahlreiche hypothetische Aussagen.
4.
GRÜNDE UND WEGE DER ENTSTEHUNG VON KONTAMINATIONSBILDUNGEN
Wie alle Neologismen entstehen Kontaminationsbildungen im Sprachgebrauch aus zwei Hauptgründen: 1) dem Bedürfnis, neue Realien zu benennen, 2) dem Bedürfnis, bestehende Realien neu zu benennen. Einige verbreiten sich weit (botelis, smogas), werden mitunter zu Fach-
11 Übrigens wurde im Englischen zur Bezeichnung der Suche nach Neologismen ein spezielles Mischwort geprägt – lekspionažas (← lexicon ‚Lexik (Wörterbuch)‘ + espionage ‚Spionage‘: 1. Jagd auf Neologismen; 2. Beobachtung oder Kontrolle des Wortschatzes von Sprechern) (siehe Zuckermann 2008: 150).
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…en (katomas, kubitas, spintronika) oder sogar als Eigennamen verwendet werden (Tanzanija ← Tanganika + Zanzibaras), während andere einmalig und situationsgebunden bleiben und benötigt werden, um in einem konkreten Sprechakt einen Gegenstand oder ein Phänomen auf besondere Weise zu benennen (skrendras, kedulas), oder eine Zeit lang im freien Sprachgebrauch zirkulieren, sich beispielsweise in sozialen Netzwerken und von dort aus auch in den Medien verbreiten (labradudelis, okupendumas, sekspertas).
Eines der deutlichsten Sprachgesetze, das bei der Bildung von Kontaminationsbildungen wirksam ist, ist das Ökonomieprinzip: Für die Benennung eines neuen Phänomens, das Merkmale mehrerer Gegenstände (Phänomene) aufweist, wird nach einer möglichst knappen Ausdrucksform gesucht. Das erkennen auch die Sprachbenutzer selbst:
Ich schlage vor, das Mobiltelefon offiziell mobifonu12 zu nennen und umgangssprachlich mobu. Die allgemeine Regel lautet: Wörter, die häufig in der Sprache verwendet werden, müssen kurz sein. Auch das Auto sollte man kürzer benennen; „mašina“ ist ebenfalls recht lang [...]. [Kommentar zum Artikel auf delfi.lt, 2010 04 08]13
Die jüngste Zunahme von Kontaminationsbildungen im Sprachgebrauch wird auch damit erklärt, dass unter den Bedingungen eines Informationsüberflusses nach neuen, wirkungsvollen Ausdrucksmöglichkeiten gesucht wird. Eine davon ist die Kommerzialisierung sprachlicher Mittel, denn diese Bildungen klingen neu und lassen ihre Schöpfer zugleich als aktive, kreative und moderne Menschen erscheinen – als Menschen, die den Eigenschaften eines Unternehmers entsprechen (Lehrer 2007: 116).
Im Folgenden werden die Wege behandelt, auf denen Kontaminationsbildungen im litauischen Sprachgebrauch entstehen. Ihre Unterscheidung ist recht schwierig, da mehrere sich überschneidende Kriterien möglich sind: Herkunft und Bildungsweise.
4.1. Entlehnung
Aus den verfügbaren Daten geht hervor, dass die meisten Kontaminationsbildungen als Entlehnungen übernommen werden, insbesondere aus dem Englischen, wo sie beliebt sind und häufig als Mittel eines expressiven und knappen Ausdrucks gebildet werden. Aus Sicht des litauischen Sprachsystems sind manche entlehnten Neologismen dieser Art keine eigentlichen Kontaminationsbildungen (als Ergebnis einer Wortverschmelzung innerhalb des Litauischen), wenn sie als einheitliches, unanalysierbares Wort aufgefasst werden, zum Beispiel: blògas, flomo, prosumeris14 usw. Es ist jedoch klar, dass eine solche Auffassung recht subjektiv ist und wesentlich davon abhängt, wie gut Muttersprachler die Gebersprache beherrschen. Daher werden im Artikel auch solche Neologismen angeführt, die
12 Hier und in den übrigen Beispielen des Artikels sind Hervorhebungen von der Autorin vorgenommen.
13 Die Sprache dieses und der übrigen Zitate wurde nicht korrigiert.
14 vgl. blògas ← [web „Internetnetz“ + log „Tagebuch“ – lit. tinklaraštis; flomo ← flo[ra] „blumig“ + [ca]mo[uflage] „Tarnung“ – „Stoffmuster, dessen Hintergrund aus einer Tarnfärbung besteht, auf der sich leuchtend bunte Blumen befinden“; prosumeris ← pro[fessional] „professionell“ + [con]sumer „Käufer“ – „ein besonders aktiver Verbraucher, der rasch auf verschiedene Marketingmaßnahmen reagiert“.
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Echte Kontaminationsbildungen gibt es nur im Englischen, zum Beispiel. Sie regen jedoch zweifellos auch Kontaminationsprozesse bei Wörtern der litauischen Sprache an, zumal sie, wie sich zeigen wird, als aus mehreren entlehnten und im Litauischen selbstständig funktionierenden Wörtern, genauer gesagt deren Fragmenten, gebildet erkennbar sind.
Im Gebrauch bleiben einige entlehnte englische Kontaminationsbildungen mitunter sogar unadaptiert (in Form von Zitaten); lediglich ihre Herkunft oder zumindest ihre Bedeutung wird erläutert:
Chiconomics – (chic – Luxus + economics) Das Streben nach Luxus besteht fort, doch seine Umsetzung wurde von der Wirtschaftskrise stark beeinträchtigt. [blog.lrytas.lt, 2010 07 23]
Ein Robotikprofessor aus Singapur erfand ein Gerät mit berührungs- und bewegungsempfindlichen „Lippen“, die Paaren, die durch große Entfernungen getrennt sind, dabei helfen können, sich über das Internet zu „küssen“. Das Gerät „Kissenger“, das wie ein menschlicher Kopf mit besonders großen Lippen geformt ist und dessen Name aus den englischen Wörtern „kiss“ (Kuss) und „messenger“ (Bote, zugleich eine beliebte Online-Messaging-Anwendung) gebildet wurde, wurde im Juni auf einer wissenschaftlichen Konferenz in Großbritannien vorgestellt; vor der kommerziellen Vermarktung wird es jedoch noch weiterentwickelt. [tv.delfi.lt 2012 09 09]
Wir haben uns für das sogenannte „freemium“-Geschäftsmodell entschieden. Das Spiel selbst ist kostenlos, doch durch eine Zahlung kann man Credits erwerben, die dem Spieler bestimmte Vorteile verschaffen. Nehmen wir an, ein Gebäude wird in sechs Stunden errichtet; wenn man es aber sofort braucht, wird der Bau gegen zusätzliche Credits für Sie fertiggestellt. Credits können außerdem gegen eine schnellere Ressourcenproduktion, beschleunigtes Fliegen, stärkere Kämpfer und weitere Verbesserungen eingetauscht werden. [delfi.lt 2012 07 28]
Kontaminationsbildungen durch entsprechende Wortmischungen der eigenen Sprache wiederzugeben, ist nicht immer möglich, weil sie dann schwer erkennbar wären. So gilt etwa das Lehnwort leginsai im litauischen Standardsprachgebrauch zwar als nicht empfehlenswert (zu verwenden sind tamprės, timpės), doch im übersetzten Text lässt es sich nicht vermeiden, denn džeginsus *džimpėmis („Jeans-Leggings“) und meginsus *vimpėmis („Männer-Leggings“) zu nennen, wäre unzweckmäßig:
[...] aus Mailand auf die Straßen der Städte weltweit gelangt, unterscheidet man inzwischen auch Leggings der neuen Generation leginsai: džeginsai (džinsai + leginsai) und meginsai (Leggings für Männer leginsai). [blog.lrytas.lt 2010 07 23]
Entlehnte Wortmischungen bereiten den Sprachpflegern also Schwierigkeiten, denn manchmal werden Lehnwörter, die als Grundwörter dienen, selbst dann zu Belegen des öffentlichen Sprachgebrauchs, wenn sie für die Standardsprache als nicht empfehlenswert kodifiziert und durch litauische Entsprechungen ersetzt werden: Als Bestandteile entlehnter Wortmischungen gelangen sie dennoch ins Litauische (vgl. auch: webinaras, aber webas ist nicht empfehlenswert; haktyvistas, hakatonas, aber hakeris, hakinti sind nicht empfehlenswert).
Entlehnte Kontaminationsbildungen aus anderen Sprachen können auch im Litauischen als Kontaminationsbildungen gelten, wenn mindestens ein Bestandteil (und oft auch beide) als
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Fragmente von Entlehnungen, die im Litauischen verwendet werden (vgl.: banksteris ← bankas + gangsteris; haktyvistas ← hakeris + aktyvistas; mechatronika ← mechanika + elektronika; sekspְertas ← seksas + ekspertas; webinaras ← web an. ‘Netz; Internet’ + seminaras; metroseksualas ← metropolitan ‘Großstadt-’ + heterosexual ‘Heterosexueller’). Der Moment des Erkennens und Verstehens (zumindest eines Hinweises) ist in diesem Fall aus zwei Gründen wichtig: 1) Er erschließt die Bedeutung der Kontamination, denn wenn man ihre Bestandteile nicht versteht, ist die Bedeutung des Neologismus oft unklar; sie wird gerade auf der Grundlage der Bedeutungen der Grundwörter gebildet; 2) er fördert das Entstehen neuer analoger Bildungen auch im litauischen Sprachraum.
Entlehnte Kontaminationen können aus Eigennamen – Personennamen – gebildet werden. Bezeichnen diese Personennamen bekannte Persönlichkeiten (meist Ehepaare oder ideologisch nahestehende Politikerpaare), werden solche Wörter im Litauischen gewöhnlich, insbesondere im entsprechenden Kontext, als Kontaminationen verstanden, z. B.: Merkozi ← Merkel + Sarkozy; Mobama ← Michelle (Vorname der Ehefrau Barack Obamas) + Obama; Pugalkinai (Pugačiova + Galkinas), Putleris ← Putinas + Hitleris.
4.2. Übersetzung
Kontaminationen aus anderen Sprachen stellen Übersetzer vor eine erhebliche Herausforderung. Einige dieser Bildungen werden Glied für Glied übersetzt (manchmal werden die Glieder vertauscht), obwohl sie formal wie im Litauischen gebildete Wörter aussehen können, vgl.: kaimobilis (dt. dorfmobil) ← kaimas + automobilis; darbostogos (engl. worldiday) ← darbas + atostogos ‘eine Zeit, in der während des Urlaubs gearbeitet wird’, lenininklas (lett. lenineklis ← Lenins + piemineklis) ← Leninas + paminklas. Ähnliche Bildungen können zweifellos nur dann als Lehnübersetzungen gelten, wenn der Übersetzungsvorgang selbst belegt ist (wenn bekannt ist, dass der Text eine Übersetzung ist).
Sofern die Ausdrucksmöglichkeiten des Litauischen es zulassen, können Übersetzer wählen, ob sie eine Wortverbindung, ein regulär gebildetes Kompositum oder eine Kontamination verwenden. So könnte die englische Kontamination spooktacle ← spook ‘Gespenst’ + spectacle ‘Anblick; Schauspiel’), in einem Text über die von Nordlichtern erzeugten Bilder in der Halloween-Nacht auf zwei Arten übersetzt werden: gespenstisches Schauspiel oder *Gespenstspiel. Vgl. ferner:
Mit den sozialen Netzwerken setzt sich auch ein neuer Trend durch – fauler Aktivismus (engl. slacktivism): Man glaubt, dass ein Klick auf die Schaltfläche „Gefällt mir“ (engl. Like) bei einer Petition im sozialen Netzwerk „Facebook“ dem Schritt eines politisch aktiven Bürgers gleichkommt.
[delfi.lt, 2013 10 29]
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4.3. Kontamination
Von den tatsächlichen litauischen Kontaminationen sind jene zu unterscheiden, die dem Verwendungskontext zufolge im Litauischen geschaffen wurden, zum Beispiel: klaikėdos ← klaikus + Kalėdos; sriubokėliai ← sriuba + burokėliai15; kedulas ← Kedys (Nachname) + gedulas; šaukštutė ← šaukštas + šakutė (‘ein oft von Touristen verwendetes faltbares Utensil mit einem Löffel an einem Ende und einer Gabel am anderen’; auch das englische Pendant spork ← spoon ‘Löffel’ + fork ‘Gabel’ ist vorhanden, doch ein direkter Beleg dafür, dass es sich um eine Lehnübersetzung handelt, ist nicht dokumentiert).
Die Verfahren der Wortverschmelzung bei litauischen Kontaminationen ähneln denen im Englischen (siehe Abschnitt 2.3 des Artikels). Am häufigsten werden zwei Wörter mit identischen oder ähnlichen Phonemfolgen verschmolzen, indem der Anfang des ersten Wortes und das Ende des zweiten genommen werden, zum Beispiel:
miau + [n]aujiena → miaujiena ‘eine Nachricht über Katzen und ihre Pflege’;
klaik[us] + [Kalėdos → klaikėdos ‘die Zeit des Kaufrauschs beim Erwerb von Weihnachtsgeschenken’;
elektr[oninis] + [atvirukas → elektrukas ‘elektronische (online gekaufte und versandte) Grußkarte’;
mur + [gurmanas → murmanas ‚jemand, der gern überzogene Quarkriegel isst Murr…‘.
Die Entstehung von Kontaminationen wird zweifellos durch Analogiebildungen begünstigt. Allerdings gelten solche analogen Bildungen nicht immer als Kontaminationen (vgl. Fisher 1998: 35). Die Wortbildungselemente müssen nicht mit den Morphemgrenzen übereinstimmen; auf ein Wort mit atypischer Struktur folgt jedoch manchmal eine ganze Reihe neuer Bildungen, die unterschiedliche Gegenstände oder Erscheinungen einer bestimmten Art bezeichnen. So entstanden nach dem regelgerecht gebildeten Wort alkoholikas das Wort darboholikas, und mit der Zeit kamen immer mehr Bildungen auf -holikas hinzu: muzikoholikas, seksoholikas, šokoladoholikas (Mikelionienė 2002: 79), außerdem energiholikas, kinoholikas (ND).
Ob eine solche analoge Bildung im Litauischen entstanden, entlehnt oder übersetzt wurde, lässt sich wiederum nur durch eine Untersuchung des Verwendungskontexts jeder einzelnen Bildung feststellen. So verzeichnet ND eine Reihe von Neologismen mit dem zweiten Bestandteil -nomika, die verschiedene Ausprägungen der Wirtschaft bezeichnen: abenomika (Abe – der Nachname des japanischen Premierministers), dykonomika, dooanomika, keistanomika, laisvaonomika, putinomika, reiganomika.
Wie bereits erwähnt, besteht eines der Probleme bei der Untersuchung von Kontaminationsbildungen im Englischen darin, die Wortverschmelzung von anderen Wortbildungsarten abzugrenzen. Im Litauischen lässt sich dieses Problem wegen der geringen Datenmenge vorerst nicht ausführlicher erörtern; kommentiert werden kann allenfalls ein Fall – die Neubildung muzikėčia:
15 Ein seltener Fall, in dem ein Kontaminat als Entsprechung einer Wortverbindung gebildet wird, wobei das erste Glied auf Grundlage des zweiten Wortes der Verbindung gebildet wird (burokėlių sriuba → sriubokėliai).
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Am 23. Oktober wird das Ensemble „Vilniaus arsenala“ im Konzertsaal Klaipėda anlässlich des 300. Geburtstags von Kristijonas Donelaitis, dem Begründer der litauischen schönen Literatur, „Muzikėčias“ des Komponisten Antanas Kučinskas muzikėčias „Über Tiere und Menschen“ aufführen. [respublika.lt, 2014 10 14]
Seine Entstehung lässt sich auf zwei Arten deuten. Die Bildung kann traditionell sein (muzika + Suffix -ėčia) oder durch die Verschmelzung zweier Wörter entstanden sein: muzika + pasakėčia. Der zweite Fall ist wesentlich wahrscheinlicher: Der Verwendungskontext zeigt einen unmittelbaren Zusammenhang der Bildung mit pasakėčia.
5. FUNKTIONIEREN VON KONTAMINATIONSBILDUNGEN IM SPRACHGEBRAUCH
In der englischen Lexikografie werden Kontaminationsbildungen, die für informelle Sprachstile charakteristisch sind, meist mit verschiedenen Markierungen versehen: umgangssprachlich, Slang oder mit stilistischen Nuancen (siehe Fisher 1998: 35). Sie ermöglichen nicht nur eine knappere Ausdrucksweise, sondern beleben auch die Sprache und eröffnen neue Ausdrucksmöglichkeiten für Gedanken.
Auch aus den verfügbaren Beispielen von ND geht hervor, dass viele Kontaminationsbildungen im informellen Sprachgebrauch vorkommen (in Medien mit lockereren Genres, in der elektronischen Kommunikation, in der schönen Literatur und in der Werbung), wo sich ein individueller Autorenstil entfalten kann. So erzeugt etwa die von der Wirtschaftswissenschaftlerin Rūta Vainienė geprägte Bildung žeuras (← žiaurus + euras) im Text einen Überraschungseffekt:
Euro oder „žeuras“? [Überschrift]
Wir befinden uns in einer einzigartig günstigen Lage – sowohl mit als auch ohne den Euro. Mit der Einführung des Euro würden wir die Flexibilität verlieren, die wir derzeit haben. Sollte die Eurozone von einer Katastrophe getroffen werden, könnten wir schnell und schmerzlos zu einer anderen Währung oder einem Rohstoff übergehen. Wir würden viel Geld und Nerven sparen. Es wäre unklug, einen Plan A allein aus politischen Ambitionen umzusetzen, wenn sich die Lage radikal zu Plan B verändert hat. Der Euro wäre eine geeignete Währung, wenn es sich um ein wirtschaftlich begründetes Projekt handelte und er langfristige Stabilität gewährleistete. Leider können wir das derzeit nicht von ihm sagen, weshalb wir eine gute Gelegenheit haben, nichts zu überstürzen. Damit wir bei unserem Streben nach dem Euro nicht auf den „žeuro“ hereinfallen. [balsas.lt, 2013 03 27]
Mit Blick auf das unberechenbare litauische Wetter der letzten Jahre entstanden scherzhaft geprägte situationsgebundene Neubildungen vasovas, vaslandis, vasgužė, vašzelis – der Frühling und der Sommerbeginn 2013 waren so kühl, dass es schien, als sei der Februar noch nicht vorbei:
Auf einer der beliebten „Demotivationen“ sieht man eine auf dem Schnee sitzende Katze und einen Text, der diesen Frühling treffend widerspiegelt: „Januar, Februar, vasovas, vaslandis, vasgužė, vašzelis…“ [delfi.lt, 2013 03 22]
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Obwohl die Zahl der Kontaminationsbildungen im litauischen Sprachgebrauch allmählich zunimmt, dürften sie zumindest vorerst die Wortbildungsneigungen des Litauischen nicht wesentlich beeinflussen, da der größte Teil Einzelbildungen und situationsgebunden ist und sich daher kaum verbreitet. Eine der schwächeren Stellen, die eine Zunahme solcher Bildungen beschleunigen können – insbesondere nach dem Vorbild des Englischen –, sind ungeeignete (zu lange, unhandliche, unangemessene) Entsprechungen für Lehnwörter. So gilt etwa das Lehnwort hospisas als für die Standardsprache ungeeignet, doch stattdessen wird die im Sprachgebrauch unhandliche Wortgruppe paliatyviosios slaugos ligoninė vorgeschlagen. Dies kann die Entstehung ähnlicher Kontaminationsbildungen wie *slaugoninė begünstigen.
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Einen merklich wachsenden Anteil der Neologismen im heutigen litauischen Sprachgebrauch bilden Kontaminationsbildungen (Wortverschmelzungen). Sie sind häufiger geworden, weil Wörter aus anderen Sprachen entlehnt oder aus ihnen übersetzt werden; außerdem entstehen einige auch im Litauischen selbst. Somit handelt es sich bei dem vorherrschenden Typ dieser Bildungen nicht um vereinzelte Versprecher, sondern um Neologismen als Ergebnis bewusster sprachlicher Tätigkeit. Daher sollte diesen Bildungen in der litauischen wissenschaftlichen, informativen und pädagogischen Literatur mehr Aufmerksamkeit gewidmet und ihr Aufbau sowie die Gründe für ihre Entstehung ausführlicher beschrieben werden. Auch sollte der Bestand an Beispielen um reale, im Sprachgebrauch vorkommende Belege ergänzt werden.
2. Entlehnte Kontaminationsbildungen können je nachdem, ob ihre zugrunde liegenden Wörter im Litauischen erkennbar sind (d. h. selbstständig gebraucht werden), auf zweierlei Weise aufgefasst werden: entweder als unteilbare Wörter, die sich nicht in Bestandteile zerlegen lassen und daher als einfache Entlehnungen, nicht als Bildungen gelten, oder als fremdsprachige Kontaminationsbildungen.
3. Die Entstehung von Kontaminationsbildungen im litauischen Sprachgebrauch wird vor allem durch die Neigung begünstigt, ausdrucksstärkere Ausdrucksmittel zu suchen, sowie durch das Streben nach einer knapperen Ausdrucksweise, wenn die vorgeschlagenen litauischen Entsprechungen für Lehnwörter zu lang und mehrgliedrig sind. Aufgrund ihrer geringen Zahl dürften diese Bildungen jedoch zumindest derzeit keine Gefahr für das Wortbildungssystem des Litauischen darstellen und können als ein wirkungsvolles stilistisches Ausdrucksmittel gelten. Die Normen der Standardsprache können – wenn auch nur geringfügig – durch jene entlehnten Kontaminationsbildungen beeinflusst werden, deren zugrunde liegende Wörter als nicht standardsprachlich anerkannt sind. Gelangen solche Wörter als Bestandteile von Kontaminationsbildungen ins Litauische, können sie auch den selbstständigen Gebrauch von Fremdwörtern derselben Wurzel fördern.
4. Wenn im Laufe der Zeit mehr Daten gesammelt werden (vermutlich mithilfe umfangreicher Textkorpora des heutigen Sprachgebrauchs und computergestützter Werkzeuge), ließe sich eine systematischere und eingehendere Klassifikation der Kontaminationsbildungen im Litauischen vorlegen. Zudem wäre es möglich, ihren Aufbau ausführlicher zu untersuchen und vielfältigere Aspekte ihres Funktionierens im Sprachgebrauch offenzulegen.
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ŠALTINIAI
DLKT – Dabartinės lietuvių kalbos tekstynas. Kaunas: Kauno Vytauto Didžiojo universitetas. Prieiga internete: http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/index.jsp
ND – Lietuvių kalbos naujažodžių duomenynas. Internetinė duomenų bazė. Sudarytoja Rita Miliūnaitė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Prieiga internete: http://naujažodžiai.lki.lt
LITERATŪRA
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Gaivenis Kazimieras, Keinys Stasys 1990: Kalbotyros terminų žodynas. Kaunas: Šviesa.
Gries Stefan Th. 2004: Shouldn’t it be breakfunch? A quantitative analysis of blend structure in English. – Linguistics 42–3, 639–667.
Lehrer Adrienne 2007: Blendalicious. – Lexical creativity, texts and contexts. Studies in functional and structional linguistics, 58. Ed. Judith Munat. John Benjamins B. V., 115–136.
LKE 2008: Lietuvių kalbos enciklopedija. 2-as patikslintas ir papildytas leidimas. Parengė Kazys Morkūnas, redagavo Vytautas Ambrazas. – Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Mikelionienė Jurgita 2000: Naujažodžiai Vytauto Didžiojo universiteto kompiuteriniame tekstyne (paieška, atranka, klasifikavimas). – Acta Linguistica Lithuanica 42, 15–21.
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Miliūnaitė Rita 2009: Dabartinės lietuvių kalbos vartosenos variantai. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
Skardžius Pranas 1943: Lietuvių kalbos žodžių daryba. Vilnius: Lietuvos mokslų akademija, Lietuvių kalbos institutas.
Urbutis Vincas 2009: Žodžių darybos teorija. 2-as leid. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Zuckermann Ghil’ad 2008: „Realistic Prescriptivism“: The Academy of the Hebrew Language, its Campaign of „Good Grammar“ and Lexpionage, and Native Israeli Speakers. – Israel Studies in Language and Society 1 (1), 135–154. Prieiga internete: http://www.zuk-kermann.org/pdf/Realistic_Prescriptivism_Academy.pdf.
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PRIEDAS
Lietuvių kalbos naujažodžių kartotekoje 2011–2014 m. fiksuotų kontaminacinių darinių sąrašas
abenomika
akvatlonas
banksteris
blògas
boileska
boligarchas
botelis
brančas
brandalizmas
brestoranas
darbostogos
dykonomika
dovanomika
džeginsai
elektrukas
energiholikas
es’faltas
femicidas
fleksitaras
flomo
fotelova
frigebudas
hakatonas
haktyvistas
infotronika
interkomis
kaimobilis
katomas
kedulas
keistanomika
kinoholikas
kitleris
klaikėdos
kofisas
komunostalgija
labradudelis
laisvanomika
lenininklas
lopatologas
mechatronika
meginsai
Merkozi
metroseksualas
miaužiena
Mobama
mobifonas
mokomatas
monokinis
murmanas
muzikėčia
netiketas
nomofobas
numanitaras
okupendumas
parkomatas
planšefonas
pliurpal yvas
poploras
postkapitalipsė
pro sumeris
putinomika
putirendumas
Putleris
rašizmas
reanimobilis
reiganomika
robošuo
seksperstas
sekspozicija
seksprog imas
sekstingas
sekstremistas
siaurovizija
skrendaras
spintronika
spornoseksualas
šaukštutė
šortsijonis
tanoreksija
tepyba
užreferendūminti
vebinaras
vikinomika
vikipedija
žeuras
New Blendings in the Lithuanian Language
SUMMARY
The blendings in Lithuanian language appear while borrowing or translating words from other languages as well as some part of them originates from the Lithuanian language itself. The blendings from other languages can be treated in two ways, depending on the recognition of the base words from its fragments and their functioning as independent loanwords: they can be either integral (thus considered simple loanwords and not blendings as for example blogas, flomo, prosumeris); or as blendings of alien origin (for example banksteris, hakatonas, sekspertas).
There are two main reasons for blending occurrence as neologisms in the language: 1) the need to name new realties; 2) the need to give names to existing realties. Some blendings are
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easily adapted (botelis, smogas), sometimes they become terms (katomas, kubitas, spintronika), still others never remain instant, daily or situational and are used in specific conversational acts to give peculiar names to items or phenomenon thus they serve as expressional means in a language.
The techniques of mixing blendings in Lithuanian language are similar as to those in English language. The most popular technique is blending two words containing identical or similar phoneme combinations when the beginning of the first word blends with the end of the second word. Due to its scarcity these blendings cause no threat to word derivation system in Lithuanian language and can be treated as a smart stylistic means.
The research results allow to expand and systemise the issues of blending derivation which has not been analysed in linguistic work up to now as well as complimenting the funds of examples by adding real functioning data. The collected facts provide further basis for the research of derivation and functioning of blendings.
Įteikta 2014 m. spalio 31 d.
RITA MILIŪNAITĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva
[email protected]
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