Lietuvių vietovardžių su šaknimi „gal-“ (< liet. „gãlas“ ‘pabaiga, kraštas’) darybos ypatybės
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LAIMUTIS BILKIS
Institut für Litauische Sprache
Forschungsschwerpunkte: Toponymie, Anthroponymie.
BESONDERHEITEN DER BILDUNG LITAUISCHER ORTSNAMEN MIT DER WURZEL GAL- (< LIT. GÃLAS ‚ENDE, RAND‘)
Besonderheiten der Bildung litauischer Ortsnamen mit der Wurzel Gal- (< Lit. gãlas ‚Ende, Rand‘)
ABSTRAKT
Toponyme, die aus lit. gãlas ‚Ende, Rand‘ hervorgegangen sind, bilden eine sehr große Herkunftsgruppe und zeichnen sich durch eine Vielfalt der Wortbildung sowie eine besonders große Zahl von Komposita und Mehrwortbildungen aus. Der Artikel analysiert ihre Derivationsweisen und richtet dabei den Blick auf die Produktivität der Wortbildungstypen, den morphologischen Status der Basiswörter und die Wortbildungsbedeutung. Auf Grundlage der traditionellen Beschreibung grammatischer bzw. syntaktischer Beziehungen werden die grammatischen Beziehungen zwischen zusammengesetzten Ortsnamen und Präpositionalkonstruktionen, die als Ortsnamen verwendet werden, sowie die syntaktischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen von Mehrwort-Ortsnamen erörtert.
SCHLÜSSELWÖRTER: Wortbildung von Ortsnamen, Ortsnamen mit der Wurzel gal-, grammatische Beziehungen zwischen den Bestandteilen von Komposita und Mehrwort-Ortsnamen.
ANNOTATION
Die aus dem litauischen gãlas ‚Ende, Rand‘ abgeleiteten Toponyme bilden eine sehr große etymologische Gruppe und weisen vielfältige Wortbildungsmuster sowie eine besondere Vielfalt an Zusammensetzungen und Mehrwortbildungen auf. Der Artikel behandelt ihre Wortbildungsmuster mit besonderem Augenmerk auf die Produktivität der Bildungstypen, den morphologischen Status der Basiswörter und die Bedeutung der Bildungen. Ausgehend von der traditionellen Beschreibung grammatischer bzw. syntaktischer Beziehungen erörtert der Artikel die grammatischen Beziehungen in zusammengesetzten Toponymen und präpositionale Konstruktionen, die als Toponyme verwendet werden, sowie die syntaktischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen von Mehrworttoponymen, die aus Wortverbindungen bestehen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Wortbildung von Toponymen, Toponyme mit der Wurzel gal-, grammatische Beziehungen zwischen den Bestandteilen zusammengesetzter Toponyme und Mehrworttoponyme.
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Lietuvių vietovardžių su šaknimi gal- (< liet. galas ‘pabaiga, kraštas’) darbų ypatybės
1. Im dritten Band des Wörterbuchs der litauischen Ortsnamen (G–H, siehe LVŽ III) bilden die Ortsnamen, die auf litauisch galas ‚Ort, an dem ein länglicher Gegenstand endet; Randteil eines Gegenstands (Anfang, Ende); Rand, Grenze; Grenzlinie‘ und andere bedeutungsähnliche Wörter derselben Wurzel zurückgehen, den umfangreichsten Artikel (Wortbildungsnest), der nicht weniger als 15 Seiten umfasst1. Ortsnamen mit dieser Wurzel sind auch in anderen baltischen Sprachen zahlreich, vgl. lett. Ortsnamen Gals, Galabērži, Gal-dzelme u. a. (Endzelīns 1956: 292–294), pruß. Ortsnamen Galindo (Būga 1961: 17; Топоров 1979: 143; Vanagas 1980: 20), Galanten (Gerulis 1922: 35), *Gal-ings (Pospieszowa 1990: 243), Galitten, Galingen (Blažienė 2005: 59), sowie der Gewässername Galina im Odergebiet (Opel 1997: 336). Toponyme mit gal- weisen eine Vielfalt an Wortbildungsmustern sowie eine besondere Fülle an Zusammensetzungen und Mehrwortbildungen auf. Ziel dieses Artikels ist es daher, ihre Wortbildungsverfahren im Hinblick auf die Produktivität der Bildungstypen, den morphologischen Status der Basiswörter und die Bedeutung der Bildungen zu untersuchen und, ausgehend von der traditionellen Beschreibung grammatischer bzw. syntaktischer Beziehungen, die grammatischen Beziehungen in zusammengesetzten Ortsnamen und in präpositionalen Konstruktionen, die als Ortsnamen dienen, sowie die syntaktischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen der Mehrworttoponyme zu erörtern2.
Über die syntaktischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen aus zwei (oder mehreren) Wörtern gebildeter Toponyme ist nur sehr wenig und lediglich beiläufig geschrieben worden. In den Publikationen von Bronius Savukynas zur Analyse zusammengesetzter Gewässernamen wird darauf hingewiesen, dass bei Genitivtoponymen ein ungebildetes Attribut als erster Bestandteil auftritt (Savukynas 1963: 237–238) und dass zusammengesetzte Gewässernamen besser auf der Grundlage der syntaktischen Beziehungen ihrer Bestandteile klassifiziert werden sollten – in kongruierende und nicht kongruierende, also genitivische (Savukynas 1971: 167). Auch Dalia Sviderskienė (2017: 80–81) begründet diese Art der Klassifizierung bei ihrer Analyse zusammengesetzter Ortsnamen im Kreis Marijampolė. In der Forschungsarbeit von Aleksandras Vanagas zu Fluss- und Seenamen wird erwähnt, dass die beiden Wörter genitivischer Hydronyme eine einzige syntaktische Einheit bilden, die als Ortsname fungiert, und dass der erste Bestandteil aller zusammengesetzten Mehrwort-Hydronyme und der meisten Komposita den zweiten näher bestimmt (determiniert) (Vanagas 1970: 273–274)3. Bei der Vorstellung der Untersuchung zusammengesetzter Oikonyme
1 Der Artikel untersucht keine präfigierten Ortsnamen mit der Wurzel gal-; außerdem werden nur solche zusammengesetzten Toponyme und Mehrworttoponyme analysiert, in denen die Wurzel gal- den ersten Bestandteil bildet. Präfigierte Ortsnamen und solche, die gal- als zweiten Bestandteil enthalten, sind auf zahlreiche nach ihrem ersten Bestandteil angeordnete Wortbildungsnester (und Bände) des Wörterbuchs der litauischen Ortsnamen verteilt. Ihre Zusammenstellung und Untersuchung wird daher erst möglich sein, wenn das Wörterbuch vollständig erschienen ist.
2 In einigen neueren Arbeiten zur Syntax werden syntaktische und morphosyntaktische Beziehungen unterschieden (vgl. Holvoet 2009).
3 Bei der Analyse der Wortbildung zusammengesetzter Ortsnamen bevorzugte Aleksandras Vanagas eine Klassifizierung nach dem morphologischen Status der Bestandteile: Bei der Untersuchung der Wortbildung zusammengesetzter Hydronyme teilte er diese in genitivische und qualifikative ein; die nach demselben Wortbildungsverfahren gebildeten Oronyme klassifizierte er dagegen als genitivische und nominativische (qualifikative) (Vanagas 1970: 258, 273; 1973: 213, 214).
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In den Ergebnissen wird betont, dass die beiden Klassen – Genitiv- und Qualifikativnamen – aus grammatisch-syntaktischer Sicht gleich sind, da ihre erste Komponente bzw. ihr erstes Glied die zweite bestimmt und präzisiert (Razmutė 2003: 63). Bei der Analyse der Bildung von Ortsnamen mit gal- soll daher unter anderem den syntaktischen Beziehungen zwischen den zahlreichen Gliedern der Gruppe zusammengesetzter Toponyme mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, in der Erwartung, dass diese Daten den Inhalt der syntaktischen Beschreibung von Wortverbindungen im Litauischen erweitern.
2. Entsprechend der Arbeit werden Ortsnamen mit der Wurzel gal- als primäre, abgeleitete (Derivate), zusammengesetzte (Komposita) und mehrteilige Namen klassifiziert. Die absolute Mehrheit der primären Toponyme bilden Pluralia tantum-Ortsnamen Galai. Bemerkenswert ist die besondere Vielfalt der Denotate von Toponymen, die durch Pluralisierung entstanden sind: In den meisten Fällen sind Galai Agronyme (Bezeichnungen für Äcker, Böden, Brachflächen, Weiden, Felder und Wiesen), doch kommen auch Oikonyme (Namen von Dörfern, ihren Teilen und Vorwerken), Drymonyme (Namen von Wäldern und Gehölzen) und Helonyme (Namen von Sümpfen und Mooren) vor. Insgesamt sind etwa 300 solcher Ortsnamen belegt: Galai Acker in Aukšt, Wald in Ṡd, Dorf in Blnk, Kzt, Rm, Teil des Dorfes (Ringaliai) in Lm, Teil des Dorfes (Šadžiūnai) in Lp, Wiese in Dbn, Vorwerk in Ms u. a. Solche Toponyme sind zweifellos nicht nur aus dem Plural des litauischen galas ‚Ort, an dem ein länglicher Gegenstand endet; Randteil eines Gegenstands (Anfang, Ende); Rand, Grenze‘ gebildet, sondern auch aus dem litauischen pluralischen Appellativ galai ‚hinterer Feldteil‘. Damit lässt sich auch die Vielzahl der Agronyme erklären: Vermutlich bezeichnen viele von ihnen räumliche Beziehungen an einem abgegrenzten Ort und benennen Objekte an den Enden von Feldern. Deutlich seltener (etwa 20) sind Ortsnamen, die einen primären Ort bezeichnen und aus der Singularform des litauischen galas gebildet sind: Galas Acker in Gdr, Wald in Sk, Bach in Pš, Vln, See in Bsg, Gehöft in Zp, Dorf in Rud, Teil des Dorfes (Leipūškė) in Ml, Teil des Dorfes (Peršėkininkai) in Mrs u. a. Als seltene primäre Ortsnamen mit gal- gelten lokativische Ortsnamen Galūs Dorf in Tk und Galuos Bach in Stk, gebildet aus der pluralischen Lokativform des litauischen galas oder der Lokativform des litauischen galai ‚hinterer Feldteil‘ – der verkürzten Form galuos und der vollständigen Form galuose. Diese Art der Benennung kommt nur in der (Top)onymie vor.
3. Als Suffixableitung kann ein Oikonym gelten: Gal-i̇ai vs. Nm (: galas), obwohl es andererseits auch ein Anthroponym vom Typ pluralia tantum sein kann, vgl. lit. Hof Galys, Galius (LPDB).
4. Die suffigierten Ortsnamen wurden nach Wortbildungskategorien in Ableitungen eingeteilt, die analog zur Bildung von Diminutiven, Eigenschaftsträgerbezeichnungen (nomina attributa) und Ortsbezeichnungen (nomina loci) gebildet sind.
Die meisten Diminutiv-Ortsnamen sind mit den Suffixen -ėlis und -ėliai gebildet – 12 bzw. 11: Gal-ėliai Dorf Rz, V̇žns, Dorfteil von (Jūskėnai) Sk, Dorf, Waldflur lks, Vorwerk Bt usw., Gal-ėlis Viehweide Mrk, Teil einer Viehweide Sd, Dorfteil von (Sausiniai) Brt, Dorfteil von (Krėkėnai) Krk, Dorfteil von (Griežpeliai) Lksr usw. Ableitungen mit den Suffixen -aitė, -ai̇tės, -aliai, -i̇ukas, -elė, -elės, -učiai, -ukai, -utė und -utis kommen jeweils nur einige Male oder nur einmal vor: Gal-aitė Vorwerk Lbv, Gal-aitės Vorwerk Lzd, Gal-aitis vs. Pp, Gal-aliai Dorf.
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(Dorfteile von Grūšlaukė, Lazdininkai, Vaineikiai Medsėdžiai) Dr, vs. Antk, Gal-ėlė Teich Rz, Gal-ėlės Ort im Wald Pl, Gal-iūkas Feldfl. Upn, Ut, Grundstück Dgšk, Gal-učiai Dorfteil von (Ragškė) Lkš, Gal-ukai Ackerfl. Dg, Gal-utė Vorwerk Vdv, Gal-utis Teich KŽ.
Bei den Ortsnamen, die analog zur Bildung von Eigenschaftsträgerbezeichnungen gebildet sind, überwiegen Suffixe, die auf *-no⁴ zurückgehen. Am häufigsten sind Ableitungen mit den Suffixen -inė und -inės – etwa 150 bzw. 100: Gal-inė Ackerfl. An, Teich Antz, Wald Šn, Viehweide Str, Fluss Brž, Dv, Dorf Avž usw., Gal-inės Dorfteil von (Silu) Jsv, Dorfteil von (Purpliai) Mrk, Dorfteil von (Kazimieravas) Pv, Dorfteil von (Stungiai) Žg, 2 Dörfer Dgč, Wald Dgln, Teich Tgn, Abhang Vb, Wiese Snt, Dorf Avž usw. Etwas weniger Ortsnamen sind mit den Suffixen -inis und -iniai gebildet – 75 bzw. 110: Gal-iniai Ackerfl. Bb, Wald Mt, Dorf Skp, Gebüsch Aln, Abhang Ad, Grundstücksteil Tgn, Gehöft Ign usw., Gal-iniai Dorfteil von (Birbiliškė) Vl, Gal-inis Feld Rz, Graben Brž, Hang Ign, Feldfl. Pnd, Wald Rd, Fluss Jnš, Mrj, Srd, Dorf Jon, Upn usw. Zu erwähnen sind hier auch Ableitungen mit den Suffixen -ainė und -ina: Gal-ainė5 Waldweide Vl, Gal-ina Dorf, Dorf Avž. Dieser Wortbildungskategorie lässt sich jeweils eine Ableitung mit den Suffixen -iškės und -u isnė zuordnen: Gal-iškės Viehweide, Teil einer Viehweide Kltn, Gal-uosnė Hügel, Gebüsch, Ödland, Abhang Čb. Ableitungen mit slawischen Suffixen bezeichnen offenbar ebenfalls eine Eigenschaft: Gal-enka Feldfl. Krk, Gal-iūkas Vorwerk Ml, Gal-erka Gehöft Kdn, Gal-inka See Dbg, Dorfteil von (Skaiteriai) Mc, Teich Čb, Gal-inka Ackerfl., Vorwerk Msn, Gal-inkė Teich Užp, Gal-ošė Wald Šn.
Unter den Toponymen, die der Wortbildungskategorie der Ortsbezeichnungen zuzuordnen sind, sind Ableitungen mit dem Suffix -ynė etwas häufiger (7 Ortsnamen): Gal-ynė Wald Lkm, Gebüsch Stč, Feldfl. Ars, Bt, Vorwerk Lkm, Gal-ynė (Var. Pelėnė) Gut Krkn, Gal-ynė (Var. Pempėnės) Feldfl. Užv. Zu dieser Kategorie gehören auch einzelne Ableitungen mit -ava, -ija, -ijos, -yna und -ynas: Gal-ava Teich, Viehweide, Feldfl. Varn, Gal-ija Vorwerk Trg, Gal-jos Ackerfl., Vorwerk Nmž, Gal-yna || Gal-ynas Ackerfl., Teich, Wald, Wiese, Vorwerk, Ort am Fluss (Šešuvė) Bt. Bildungen dieser Art gelten historisch als kollektivische Bezeichnungen, die konkretisiert, d. h. mit einer Ortsbedeutung versehen worden sind (Ambrazas 2000: 51, 54).
5. Die meisten Komposita mit dem Erstglied gal- sind determinative Bildungen mit einem Appellativ als Zweitglied. Der größte Teil gehört zu einer recht kleinen Gruppe determinativer Komposita des Litauischen, deren Zweitglied das Erstglied näher bestimmt, dessen Lage angibt oder (bei metaphorischen Ortsnamen) dessen Zugehörigkeit bezeichnet⁶. Die Wortbildungsmodelle solcher Komposita sind zahlreich und sehr vielfältig. Dies hängt damit zusammen, dass auch unter den Appellativkomposita aus zwei Substantiven, deren
⁴ Dėl priesagų kilmės žr. Ambrazas 2000: 144–147.
⁵ Plg. ypatybės turėtojų pavadinimams priskiriamą apeliatyvą gėležanė (Ambrazas 2000: 161).
⁶ In Untersuchungen zu litauischen zusammengesetzten Ortsnamen wird gewöhnlich betont, dass Bildungen aus zwei Substantiven (oder Nomina) determinativ sind und ihr Erstglied das Zweitglied näher bestimmt (Razmukaitė 2002: 121; Siderskienė 2006: 48; Kacaitė 2008: 277). Fälle, in denen das Zweitglied der Toponyme näher bestimmt und das Erstglied näher bestimmt wird, sind nicht analysiert worden.
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Das zweite Glied bestimmt das erste; galas „Ende, Rand“ ist eines der Wörter, die am häufigsten als erstes Glied auftreten (vgl. LKG I 441). Das produktivste Modell der Ortsnamenbildung ist ein Substantiv mit gal- (← gãlas, galai) + ein Gattungsname: Gal-ã-balė Wiese, Flurname Vrn, Gal-ã-balai Flurname Gr, Gal-a-balýs Bach Ob, 2 Flurnamen Vb, Gal-balis Bach Imbr, Gal-balis (Var. Klim-balė) Wiesenname, Flurnamen Vb, Gal-bąlys Weg Vb, Galia-balė Hohlweg Klvr, Gal-ì-balė Bach Dgč, Teich Šùl, Feld Kpč, Gal-ì-balė || Gal-ì-balis Wiese, Flurnamen Kpč, Gal-ì-balis Teich Alt, Gal-ó-balis Sumpfwiese, Teich Pnd, Gal-ù-balė Bach Imbr, Rim, Skp, Vad, Buschland Krsn, Flurnamen Krk, Krsn, Mš, Vad, Gal-ū-balė Flurname Skp, Gal-ū-balis 2 Bäche Gž, Bach Kp, 2 Bäche Šmn, Bach Tšk, Vb, Dorf Sv, Sumpfwiese Mrj usw., Gal-ū-balė Wiese im Wald Dglč, Umgebung Sv, Bach Vb: gãlas, galai + balà „Sumpf“; Gal-ã-bendris Buschland, Flurname Čln: bendrė, bendrė „gemeinsame Wiese, gemeinsames Feld“⁷; Gal-a-čvertis Wiese Onš: čvertis „Viertel, Viertelteil“; Gal-a-daliai Wiese, Wald (Liepalotų) Teil Mk, Gal-a-dalýs Wald Mk: dalis „eine bestimmte Menge eines Ganzen; Bestandteil einer Sache; Grundstück, Feld“; Gal-a-dármai Flurname DglŠ: dármas „Torfmoor, sumpfiger Sumpf, Moor“; Gal-a-drončia Bach Dg: drončia „Grenze; Feldrain“; Gal-a-kaklelé Flurname Vdn: kaklìs, vgl. kãklas „Krümmung, Bucht, Meerenge, Halbinsel, Landzunge“; Gal-ã-kluonė Flurname Smn: kluonas „Gebäude zur Lagerung von Getreide, Tenne; Wiese beim Dreschhaus, Schoberplatz, Heuschoberwiese, Pferch“; Gal-a-kojs Moor Nrg: kója; Gal-a-pūšalakís Wald, Flurname Žž: pūšalakís, pūšalakė „eine halbe Hektare“; Gal-a-sląčiai Weiler JnšM: sląstai „Vorrichtung zum Fangen von Mäusen und Wildtieren, Falle, Schlinge“; Gal-a-sinė Flurname Dbg: sinà „Radfelge, Radbeschlag; Beschlag der Schlittenkufen, Schiene“, šinė „Radfelge, Radbeschlag“; Gal-ã-triagė || Gal-ã-triagis Weiler, Grenze zwischen Feldern Trgn: triagė, triagis „Feldrain von drei Furchen“; Gal-a-valakai Umgebung Žž, Flurname Pkn, Gal-a-valakis Umgebung, Bach Kpč, Gal-ì-valakė Hohlweg Šaul, Gal-ì-valakis Wiese Jk, Gal-ū-valakai Wiese Rtn: valakas „Grundstück von etwa zwanzig Dessjatinen; ein vom Hof entfernter Landstreifen“; Gal-ã-ždapievel Wiese Eiš, Gal-ã-ždapievis Hof Drž: *ždapievelė, *ždapievis: žiõdas, píeva; Gal-i-sąrai || Gal-i-sąrali || Gal-i-svarai Umgebung, Wiese, Weiler, Flurname Lp: sąra, sąras, sū́ra, sū́ras „Querbalken, der die Seiten eines Geräts (Webstuhl, Egge) verbindet, Verbindungsteil“; Gal-ù-grėlis Ort im Wald Rod: grėblį „nasser, mit Holz befestigter Weg“; Gal-ù-karčiai Wald, Wiese Rm, Gal-ù-kartės Buschland, Flurname Vb, Gal-ù-kartis Wiesenname Rm: kártis „langer, dünner Baum, Stange, Zweig“ oder kártis „schmaler Schwad gemähten Grases“; Gal-ù-smėlė Flurname Kpr: smėlis, smėlys usw. Nach diesem Modell sind mehrere Hundert zusammengesetzte Ortsnamen mit verschiedenen Fugenvokalen gebildet, deren Grundwörter im zweiten Glied außerdem die Gattungsnamen aikštė, aikštė, akmuo, akmenas, aksnynas, apydemė „gemeinsames Dorfgrundstück zwischen zwei Gehöften, Grundstück am Haus, Ausfahrt“, brasta, daržas, dauba, degėsis, degėsė „Verbrennungsrückstand, angebranntes Holz, Brandholz“, degėsė „verbrannte Stelle, Brandstelle“, dirva, ežeras, gatvė, giria, gojus „kleines, schönes Wäldchen, Hain,“
7 Die Bedeutungen der Gattungswörter sind dem LKŽe entnommen.
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kãimas, kálnas, kalniùkas, kãmpas, kẽlias, ketvirtis „ein Viertel eines valakas“, kiẽmas, klaimãs „Gebäude zur Aufbewahrung von Getreide, Dreschhaus“, klõnis, klõnis, klõnė, klõnė, krū́mas, krū́mai, kū́lis „Wiese, Landzunge; Biegung, Krümmung; Ecke; Rand, Stück“, lankà, laũkas, laukẽlis, lazdýnas „Strauch oder Baum, an dem Haselnüsse wachsen (Corylus avellana); Wald dieser Pflanzen, Haselhain“, lẽknas, liẽknas „nasse, sumpfige Wiese, Moor, Sumpf, Morast; nasse, mit Gebüsch und kümmerlichen Bäumen bewachsene Stelle, Moor; kleiner Wald, Schonung; unbebaute, ungemähte Weidefläche“, liẽkna, liẽknà „niedrige feuchte Wiese ohne Gebüsch“, liẽptas, liñgas, lū́gas „überschwemmte Senke am Fluss; sumpfiger Flussarm; Pfütze, Sumpf; Morast, Sumpfgebiet; Teich; Schlammstelle; Vertiefung im Flussbett, Kolk“, mārga „Flächenmaß“, márgė, márgis „Flächenmaß; ein von den Gehöften entfernter Landstreifen“, mìškas, pabalė, pabàlys, pẽlė, piẽva, plẽčius „Grundstück, Fläche; Ort, Fläche, Platz“, plẽčius „Ort, Fläche, Platz“, prū́das „Teich“, raistas, rãvas „Graben; kleiner Fluss“, salà „von allen Seiten von Wasser umgebene Landfläche; höher gelegene, trockene Landstelle im Moor; Acker- oder Feldstück zwischen Wiesen; Dorf, Siedlung“, *sėdimas, sėdimas „Landstreifen beim Gehöft“, skardžius, skardis, skersinė „ein in Querstreifen geteiltes Feld; quer gepflügtes Beet, Querbeet; quer verlaufende Furche; Waldstreifen (abgeholzt oder zum Fällen bestimmt)“, skersinis „in Querstreifen geteiltes Feld“, skynimas, skynimas „abgeholzter Waldabschnitt“, sodà „nicht aufgeteiltes Dorf, Siedlung“, sōdžius, sodžius „Wohnort der Bauern, Dorf; Gehöft“, sōdas, stūkas, stūkis „Grundstück, Streifen, Fläche“, šaknis, šilas, šniūras „langer, schmaler Landstreifen“, tãkas, takelis, telẽtinkas „Kälberpferch, Kälberweide, Wiese beim Gehöft“, trãkas „hohe, trockene Wiese mit lockerem Busch- und Baumbewuchs, Waldlichtung; Wiese mit Birken; gerodete oder abgebrannte Waldfläche, Rodung; Waldweg (manchmal auch Feldweg)“, tvorà, ūlyčėlė, ūlyčia, ūlyčia, ūlyčia, ūlyčia, ūlyčia „Weg, Straße eines alten Dorfes; Stadtstraße; Hof, Vorplatz; eingezäunter Weg zum Treiben des Viehs, Ausfahrt, Weideweg, Viehweide; Dorf, Siedlung“, upalis, upė, upėlis, upelė, valkà „kleine Pfütze, Sumpf, flache, mit Regenwasser gefüllte Vertiefung auf einem Weg, einer Wiese, einem Feld, einem Hof usw.“; nasse, sumpfige Stelle, Senke, vãras, varà „Stange zum Bau eines Zauns, Zweig, Querlatte; hölzernes Verstärkungsteil an Türen, Pfosten, Webstühlen u. Ä., Riegel, Verbindungsteil, Einsteckteil“, vãtai, vodà „ein in den Wald oder ins Gebüsch hineinragender Wiesenteil, Einbuchtung, Lichtung; unbebauter Landstreifen zwischen Feldern“, žardis, žardys, žardis „Viehgehege“⁸.
Ein recht häufiges Modell ist Substantiv mit gal- (← gãlas, galà) + Eigenname, der ebenfalls ein Ortsname (Hydronym, Siedlungsname, Flurname) ist: Gal-a-drapalys Flurname Šul: Drapãlis See, Gal-ã-dusia Moor Sr, Gal-ã-dusys || Gal-ã-dusýs namenloser See Lzd: Dusìa See (Kviklys 1966: 49; Vanagas 1981: 104), Gãl-a-ilgė || Gãl-a-ilgis Dorf, Einzelhof Mk, Gãl-igė Flurname Rait: Ìlgis See, Gal-a-ilgis Flurname Gdr: Ìlgis, Ìlgis
⁸ Näheres siehe LVŽ III 33–38.
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See, Gal-ã-pelėkis, Wald bei ĮnšM: ein Teil des Sees Pėłkas (Arno), Gal-ã-suojė || Gal-ã-suojis, Gewässername bei Aln: See Suojỹs, Fluss Suojà, Gal-ã-verkńė || Gal-ã-verkńis, Gewässername bei Grnd: Fluss Vėrnė, Gal-ia-kausiaĩ, Dorf bei AlksnV: Dorf Kausiaĩ, Gal-ilgiaĩ, Acker bei Rim: See Ilgiai, Gal-ù-beržakis, Wald, Dorf bei Vb: Dorf Bėržakė, Gewässername Bėržakės, Gal-u-duburė, Gewässername bei Ldk, Gal-u-duburis, Einöde bei Lk: Fluss Dubūris, Gal-ù-nakakė, Wald bei Kp: Fluss Nakakė, Gal-ù-roveja, Wiese bei Prv, Gal-ù-rovejės, Gewässername bei Brž: Fluss Rovejė. Das zweite Glied dieser zusammengesetzten Ortsnamen bezeichnet den Ort, an dem sich das vom bestimmenden Glied benannte Objekt befindet, sowie dessen Zugehörigkeit.
Unter den Zusammensetzungen aus zwei Substantiven findet sich auch ein seltenes Modell – Substantiv mit gal- (← galas, galai) + Eigenname, der ein Personenname ist: Gal-aštainė, Wiese bei Š: Personenname Štaina, *Štaina, *Štainys, vgl. Familiennamen Šteina, Šteinis; Gal-ù-šėkai, Acker bei Vb: Personenname Šėkas (LPDB). Am wahrscheinlichsten ist die Herkunft des zweiten Glieds des Agronyms Galùšėkai von einem Personennamen, da die Lokalisierung des Ortsnamens mit der des Personennamens Šėkas übereinstimmt. Beide Bildungen bezeichnen offenbar die Zugehörigkeit von Objekten zu Personen.
Raritäten, die nur in der Toponymie vorkommen, sind zusammengesetzte Ortsnamen, die aus litauisch galas, dem Flexionsstamm galan, und einem Gattungs- oder Eigennamen gebildet sind: Galam-põliai (Galam-põlės? (< *Galam-põliai), Gewässername bei Švrk: poln. pole ‘Acker; Feld’ (LLKŽ 476), russ. pole ‘Feld’ (RLKŽ II 245), Galan-bala, Wald bei Sl, Galan-balė, Wiese bei Vrn, Galan-balė (< *Galan-bālė), Gewässername bei Mrk: balà; Galan-ėžerė (Var. Galan-ėžero), Wiese, Wald bei Rud: ėžeras, Galan-lyčė (< *Galan-ulyčė), Gewässername bei Pkln: ulyčia, ulyčia, ulyčia; Galan-kaviškis, Acker bei Kpč: See Kaviškis. Die unveränderte Flexionsform galan im ersten Glied solcher zusammengesetzten Ortsnamen bestimmt das zweite Substantiv und gibt die Richtung zum Objekt an.
Einige zusammengesetzte Ortsnamen können aus einem Substantiv mit gal- (← galas, galai) und einem Adjektiv gebildet sein: Gal-ã-cielai, Acker bei Pkn: cielas ‘unberührt, unversehrt; ganz, vollständig’; Gal-ù-konis (Var. Kōnis), Gewässername bei Kp: kōnis, -ė ‘mit dem Kampf verbunden, für den Kampf bestimmt’ (die Informantin sagte, auf der Wiese seien Verstecke der Aufständischen gewesen). Das zweite (adjektivische) Glied dieser Agronyme bestimmt das erste (substantivische): ‘ganze Enden’, ‘Kampfenden’. Ein solches Wortbildungsmuster für zusammengesetzte Appellative ist sehr selten – es gibt noch Bildungen mit dem zweiten adjektivischen Glied, das auf palikis, -ė zurückgeht (LKG I 472).
Einige Toponyme lassen sich als Bildungen aus einem Substantiv mit gal- (← galas, galai) und einem Verb auffassen: Gal-ã-saris, Gewässername, Wiese bei Aln: lit. sãrti (sãra, sãro) ‘braun, schmutzig machen’; Gal-a-tvaras, Acker bei Užp: tverti (tvẽria) ‘machen, errichten (einen Zaun); durch einen Zaun begrenzen, umgeben, einfassen; ein umzäuntes Gebilde errichten; durch Trennwände in einzelne Teile gliedern, abteilen’; Gal-ù-sėdės (Var. Galùsėdžiai), Acker bei Pnd: sėdėti (sėdi) ‘dauerhaft an einem Ort leben’; Gal-ù-supė, Gewässername bei Vvs: (?) supinti ‘sich zusammenziehen’; Gal-verkis (Var. Galvalkis, Galvalkis, Galvalkys), Wald, Hain, Gewässername bei Bsg: verkti (vẽrkia, vẽrkė) ‘Tränen vergießen, aus Erregung schluchzen (z. B. vor Schmerz, Trauer,
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Litauische Ortsnamen mit der Wurzel gal-
(< lit. gãlas ‘Ende, Rand’) Besonderheiten der Wortbildung
Freude); sich beklagen, stöhnen; Feuchtigkeit durchlassen, tauen, sickern. Die Beziehungen zwischen den Gliedern solcher aus einem Substantiv und einem Verb gebildeten Ortsnamen lassen sich nur schwer bestimmen. Vielleicht bezeichnet das erste Glied den Ort der Handlung: ‘am Ende säen’, ‘am Ende sitzen’, d. h. wohnen, ‘am Ende weinen’, d. h. brennen, sickern usw.; vgl. die eine Handlungszeit bezeichnende Bildung naktigonis ‘nachts hüten’ (LKG I 463).
6. Zusammengesetzte Ortsnamen sind zunächst in Präpositionalfügungen9 und Wortverbindungen einzuteilen.
Die meisten präpositionalen Ortsnamen bestehen aus der dialektalen Präposition 10, die räumliche (örtliche) Beziehungen ausdrückt und aus einem Substantiv im Instrumental zu einer Präposition geworden ist, galù, sowie dem Genitiv eines Appellativs: Galù bãlos (Var. Galãn bãlos), Gewässername bei Luok; Galù daržo, Acker bei Tj, Wiese bei Vr, Gewässername bei Pnt, Tj; Galù dirvóno, Acker bei Ktk; Galù dirvós (Galùdirvas), Gewässername bei Dkš; Galù žẽro, Wald bei Km, Acker bei Ktk, Gewässername bei Lel; Galù gõjaus, Dorf, Wiese, Teil eines Flusses bei Km; Galù kãimo, Wiese bei Pn, Gewässername, Gewässerbett bei Blnk; Galù kanõvos, Acker bei Jmbr: kanóva ‘Graben; Rain, Ackerstreifen’; Galù kẽlio, Gewässername bei Vies; Galù kluonų, Dreschplatz, Gewässername bei Lel; Galù kūlio, Acker bei Glv; Galù laũko, Acker bei Kvr, Hügel bei Žl, Gewässername bei JnšM; Galù lazdýno, Wald bei Šmn; Galù liepų, Acker bei Rgv; Galù lygumų, Gewässername bei Žl; Galù mẽgių, Gewässername bei Km; Galù miško, Gewässername bei Blnk; Galù palãto, Dorf, Gewässername bei Šmn: *palãtas, vgl. palatas ‘Balkendecke, Obergeschoss’, palatai ‘seitliche Decke einer Scheune, auf der Getreide und Futter gelagert werden; Bodenkammer, gepflasterte Fläche’; Galù prūdo, Wald, Wiese, Gewässername bei Pbs; Galù raĩsto, Moor bei Pg; Galù rãvo, Acker bei Kvr, Wald bei Kp, Gewässername bei Krns; Galù salõs, Schilfbestand im See (Alauš) bei Sk; Galù sėdybos, Gewässerbett bei Vdšk: sėdyba ‘Gehöft’; Galù sienos, Gewässername bei Sv, Gewässerbett bei Ant; Galù sodybų, Hügel bei Rk; Galù sodo, Ort bei Pnm; Galù stulpelio, Gewässername bei Kur: stulpẽlis, vgl. stulpas ‘aufrecht in die Erde gerammter Balken; Pfahl, Pflock’; Galù šniūrelio, Wald bei Rk; Galù šniūrų, Hain bei Dl, Gewässername bei Blnk, Dl, Pnt, Žl; Galù telėnko (auch Galù telėnko), Acker bei Tj; Galù tvorõs, Acker bei Šr, Wiese bei Blnk, Gebüsch bei Int, Gewässername bei Blnk, Mt, Pbs; Galù ūlyčios, sumpfiges Gelände bei Kvr, Gewässername bei An; Galù ūlyčios (Var. Raĩtas), Gewässername bei An. Bemerkenswert ist, dass Ortsangaben mit galù in Präpositionsfunktion und dem Genitiv eines Substantivs auch in den Dialekten recht häufig sind: galù kojų, iš galù kluono (Ulvydas 2000: 223), galù klaimo, galù daržinės, galù lauko, galù sodžius (LKŽ).
Die Präposition galù wird auch mit dem Genitiv von Eigennamen (Ortsnamen) verwendet, um die Lage eines Objekts im Verhältnis zu einem anderen Objekt anzugeben: Galù Dėblono, Wiese bei Krkn: Dėblonas, Fluss; Galù Išlaždo, Acker bei Rd: Išlažas, Gewässername; Galù Šlapių, Gewässername bei Pg: Šlės, Acker, Gewässername.
9 In der Publikation zu den Appellativen der litauischen Präpositional-Ortsnamen werden diese ebenfalls als zusammengesetzt bezeichnet (Rabačiauskaitė 1969: 243), ebenso in einigen anderen Arbeiten zur Analyse der Wortbildung von Toponymen (Endzelė 2005: 176). Andere Forschende unterscheiden zwei selbstständige Gruppen – zusammengesetzte Ortsnamen und präpositionale Ortsnamen (Mickienė 2001: 123, 136; Bartkutė 2008: 165, 168). Betrachtet man die Klassifikation formal, müssten Präpositionalfügungen der Gruppe der zusammengesetzten Ortsnamen zugeordnet werden; vgl. auch Подольская 1978: 62.
10 Präpositionen, die aus Substantiven hervorgegangen sind, werden auch als sekundäre (abgeleitete) Präpositionen bezeichnet (siehe DLK 438).
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LAIMUTIS BILKIS
Bei Ortsnamen mit galù ist auch das folgende Bildungsmuster charakteristisch: galù + Genitiv eines Adjektivs, das die Funktion eines Substantivs erfüllt: Galù laibių Flurstück Rgl: laibais, laibój, vgl. láibas, -à, láibas, -à ‚im Durchmesser schmal, dünn‘, Galù sodybinių Feld Ktk: sodybinis, -ė ‚zum Gehöft gehörig, sich auf dem Gehöftgelände befindend‘.
Ein Ortsname mit galù ist aus dem selten verwendeten neugebildeten dialektalen Vorderglied galù und dem Genitiv eines standardsprachlichen Substantivs gebildet: Galù raisto Flurstück Lel. Diese Konstruktion bezeichnet ebenfalls einen Ort (am) Ende eines anderen Objekts. Das Vorderglied galù gilt als aus dem Dativ des Substantivs hervorgegangen; Konstruktionen mit ihm finden sich auch in den Dialekten: galù sodo, galù lauko (siehe Ulvydas 2000: 177).
Sehr häufig sind präpositionale Konstruktionen mit Genitiv, in denen Singularformen eines Substantivs in die präpositionale Kategorie übergegangen (oder ihr angenähert) sind. Die Funktion der Präposition übernimmt meist die Inessivform galẽ, auf die gewöhnlich der Genitiv eines standardsprachlichen Substantivs folgt: Galẽ balos Wiese Kpč, Galẽ beržyno Wald Ds, Galẽ beržynėlio Wäldchen Pžl: beržynėlis, vgl. biržynas ‚Birkenwald‘, Galẽ dármo Gebüsch Trn, Flurstück Str, Galẽ daržų Flurstück Ds, Galẽ dėgsnio ‖ Galẽ dėgnių Graben, Flurstück Ml: degnys ‚Brandstelle, abgebrannte Stelle‘, Galẽ dirvonų Flurstück Sug, Galẽ duobelių Flurstück Brš, Galẽ ežerėlio Flurstück Sld, Galẽ ežero Gelände Trgn, See (Spalio) Teil Gdr, See (Bebrusų) Teil Int, Flurstück Nm, Teil eines Flurstücks Trgn, Galẽ girėlės Gebüsch Trgn, Galẽ gõjelio Feld Tj, Galẽ gõjų Flurstück Ssk, Galẽ grõblius Wiese, Flurstück Rm, Galẽ grõblių Hang Rim: grõblius ‚Damm, Straßenaufschüttung‘, Galẽ kamšós Flurstück Auk: kamšà ‚mit Reisig und Stangen ausgefüllter, befestigter Weg; zugestopfte, ausgebesserte Grube; Furt, Übergang (durch einen Fluss); sumpfige Stelle‘, Galẽ kẽlio Ebene Rod, Galẽ kulių (Var. Galas kulių) Graben Sug, Galẽ lauko Gelände Rmš, Graben Str, Hügel Tvr, Wald Str, Flurstück Rmš, Galẽ laukų Flurstück Všt, Galẽ lydimėlio Flurstück Sld: lydimėlis, vgl. lýdimas, lýdimas ‚im Wald gerodete oder abgebrannte Fläche, Kahlschlag, Lichtung; Ackerfläche auf gerodetem Waldboden, Neuland‘, Galẽ miško Graben Rim, Galẽ pakalnų Wiese Mk, Flurstück Dgl: pakalnė, pakalnė ‚tiefliegende Stelle am Fuß eines Berges, Tal; Berghang‘, Galẽ pakriūtės Steilufer Glv: pakriūtė ‚steiles, abschüssiges Ufer oder Hang; durch Wasser ausgewaschener Rand eines Flusses oder Sees unter der Grasnarbe oder den Baumwurzeln, Ufer‘, Galẽ pylimo Gelände Tj, Galẽ priemenės Graben Šr: priemenė ‚Teil eines Wohnhauses neben der Außentür; Vorraum einer Dreschscheune; ein bestimmter, näher an der Tür gelegener Teil des Hofes‘, Galẽ pušynėlio Wald Sug, Galẽ raistelio Gehölz Tj, Galẽ salõs Wald Šnt, Galẽ salų Wiese, Flurstück Aps, Galẽ sėdybų Gelände Vžns, Galẽ sienos Flurstück Glv, Galẽ skardžio Flurstück Dgl, Galẽ skardžiaus Graben Trgn, Flurstück Sld, Galẽ smėlio Graben Lkn, Galẽ sodybos Wald Ktk, Galẽ sodybų Wiese, Wald Sug, Galẽ šakinių Wiese Ign: šakinis ‚Wurzelgemüse‘, Galẽ šilo Flurstück Sv, Galẽ šniūrų Graben Aps, Flurstück Aps, Ssk, Galẽ trãko Flurstück Vdšk, Galẽ tvoros Gelände Tj, Graben Glv, Vs, Weg Tj, Wiese Blnk, Flurstück Dl, Glv, Stelle Sug, Galẽ ūlyčios Flurstück Str, Galẽ valako Flurstück Lnk, Galẽ valakų Wiese, Wald Mrc. Das Fortleben des Inessivs galẽ und seine Annäherung an präpositionale Konstruktionen ist auch in der Standardsprache zu beobachten (LKG II 581; DLKG 438), obwohl im LKŽ diese Form nur als Adverb aufgeführt wird.
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Acta Linguistica Lithuanica LXXIX
Besonderheiten der Bildung litauischer Ortsnamen mit dem Stamm gal- (< lit. gãlas ‚Ende, Rand‘)
In der Toponymie kommen recht häufig auch präpositionale Konstruktionen vor, die aus dem präpositionalisierten Inessiv galẽ und einem anderen Ortsnamen gebildet sind: Galė Anãpiečio Graben Mž: Anãpietis Flurstück, Galė Džiūriškių Wiese Sug: Džiūriškės Dorf, Wiese, Galė Ilgėlio (Var. Gãlas Ilgėlio) Flurstück Antž: Ilgėlis See, Galė Karvėliškės Flurstück Rod – aus der Variante *Karvėliškė des Gewässernamens Karvėliškės, Galė Klýdlaukio Flurstück Tj: Klýdlaukis Flurstück, Galė Pãkudrelio Graben Ut: Pãkudrelis Moor, Galė Ramūnės Wald Krs: Ramūnė Fluss, Galė Širvintõs (Var. Gãlas Širvintõs) Gelände, Flurstück, Fluss (Širvintos) Teil Vp: Širvintà Fluss, Galė Tautėsno (Var. Gãlas Tautėsno) Sumpf Antž: Tautėsnis See, Galė Telėtninko Gelände Tj: Telėtninkas Flurstück, Galė Trãko Gelände Tj: Trãkas Gehölz, Galė Ūpio Dorf Srd: Upys Fluss.
Hervorzuheben sind auch solche präpositionalen Ortsnamen, in denen galė mit einer aus zwei Wörtern im Genitiv bestehenden Wortgruppe steht, die aus einem Personennamen oder Ortsnamen und einem Gattungsnamen gebildet ist: Galė Barãbyko klõjimo Gelände Tj: Personenn. Barãbykas + klõjimas ‚Gebäude zur Getreidelagerung, Scheune‘, Galė Barõno daržo Gelände Tj: Personenn. Barõnas + daržas, Galė Burbùlio daržo Gelände Tj: Personenn. Burbùlis, Galė Čėpų daržo Gelände Tj: Personenn. Čėpas, Čėpys, Galė Jãkimo daržo Gelände Tj: Personenn. Jãkimas, Galė Jutkónių tvorõs Gelände, Flurstück Pbs: Jutkónys Dorf + tvora, Galė Kãčko daržo Gelände Tj: Personenn. Kãčkas, Galė Kiškių raũvo Flurstück An: Personenn. Kiškis + rãvas, Galė Kuliõvo daržo Gelände Tj: Personenn. Kuliãvas, Galė Pranėlio daržo Gelände Tj: Personenn. Pranėlis, Galė Smalščiaus daržo Gelände Tj: Personenn. Smalščius, Galė Štako daržo Gelände Tj: Personenn. Štakas, Galė Usõnio daržo Gelände Tj: Personenn. Usõnis, Galė Žimo daržo Gelände Tj: Personenn. Žimas.
Einige Konstruktionen sind mit einem Adjektiv in substantivischer Funktion und dem Genitiv eines Partizips Präsens Aktiv gebildet: Galė ilgų Flurstück Škš: ilgasis, ilgõji, vgl. ilgõs ‚weit ausgedehnte Wiese‘, Galė lóbines Moor Ck: *lóbė ← lóbos ‚Senke, Tal, Mulde; tiefliegende Stelle‘, vgl. lóbė ‚Senke, Tal, Mulde; tiefliegende Stelle‘, Galė sausavìšės Wiese Mrk: sausavìšis, –ė ‚mit trockenem, verdorrtem Wipfel‘, Galė sėdimų Wald Tk: sėdimasis, sėdimoji ← sėdimas, –a ← sėdėti (sėdi) ‚dauerhaft wohnen (an einem bestimmten Ort)‘.
Eine eigene Gruppe bilden präpositionale Konstruktionen, in denen mit dem Genitiv eines Gattungsworts die als Präposition fungierende Inessivform galan steht: Galan bãlos Ebene Sug, Flurstück Tk, Galan bãlos (Var. Galų bãlos) Flurstück Luok, Galan ẽžero (Var. Galan-ežėre) Wiese, Wald Rd, Galan lãuko Hof Ut, Galan miško Wiese Mrc, Galan piẽvos Gehölz Šln, Galan rãvo Sumpf Mlt. Diese Konstruktionen bezeichnen räumliche Richtungsverhältnisse und geben an, dass sich der bezeichnete Gegenstand auf dem Weg zu einem anderen Gegenstand befindet. In einem Fall bildet galan mit dem Dativ eine Konstruktion mit Richtungsbedeutung: Galan piẽvai Gehölz, Moor Mrk.
Zusammengesetzte Ortsnamen – Wortverbindungen – sind gewöhnlich substantivisch; ihr Grundwort und ihr Bestimmungswort (ein Substantiv oder ein substantiviertes
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LAIMUTIS BILKIS
Adjektiv) sind meist durch Rektion miteinander verbunden¹¹. Der größte Teil solcher Ortsnamen besteht aus Verbindungen mit einem Genitiv eines Gattungsnomens¹², die quantitative Beziehungen ausdrücken. Ihre Grundglieder bezeichnen eine kleine (unbestimmte) Menge (ein Ende, Enden), während die abhängigen zweiten Glieder den Inhalt dieser Menge angeben, d. h. das Objekt, dessen Teil das benannte Objekt bildet oder das es abschließt bzw. verlängert: Galai bālų sml. Vrn, Galai dėgsnių vt. Iaukė Ml, Galai ežero ež. dalis Trgn, Galai ganiavos sklp. Lp: ganiva ‚Sommerweide für Vieh; Gras, Weidegang; Weideplatz‘, Galai lankų pv. Dl, Galai nadų kn. Žž – vgl. weißruss. nadė ‚altes Flächenmaß von mehreren Desjatinen; Grundstück‘ (Яцкн 1971: 118), Galai pievų l. Rtn, pv. Jz, Galai režių l. Aln, Galai skynimų l. Rtn: skynimas ‚gerodete, abgeholzte Waldstelle‘, Galai šilų mš. KzR, Galai šniūrų pv. Zk, Galai šniūrų b., dr. Dl, Galai valakų ar. Lp, Galas apušoto mš. dalis Sk: apušotas ‚Espenwald, Espenhain‘, Galas balos pv. Zk, Galas balų l. Trgn, Galas brastų dr. Lkm, Galas dãrmo l. Sd, Galas daržo l. Vrn, pv. Čln, Vrn, Galas degimo ar. Glv: degimas ‚abgebrannte Stelle (Wiese, Moor, Wald), Brandfläche‘, Galas dronyčios ar., gn. Prl: dronyčia ‚Grenze; Rain‘, Galas duobės pv. Dkšt, Galas ežero ež. (Didžiulio) dalis Dg, ež. (Bebrusų) dalis Luok, gn. Tvr, mš. Klt, pv. Dg, Gdr, Sv, Galas galėlio sk. Ds, Galas galėlio || Galas galėlių ež. (Pačio) dalis Ds, Galas girių l. Ds, Galas gojaus pv. Rm, Galas grōblių dr., pv. Rim: grōblas ‚Damm, Straßenaufschüttung‘, Galas ilgų l. Ršk: ilgasis, ilgoji, vgl. ilgosios ‚weit ausgedehnte Wiese‘, Galas kalnelio pv. Vb, Galas kalno kn., l. Ršk, rst. Ąsm, Galas kalno (var. Galė kalnas) dr., pv. Šut, Galas karklyno gn. Dkšt, Galas kelio kl. dalis Ms, Galas keliūtės kl. dalis, rst. dalis Sug: keliūtė ‚kleiner, wenig befahrener Weg, Weglein‘, Galas krūminių rst. Lkm: krūminė ‚mit Sträuchern bewachsene Stelle, Sträucher‘, Galas kulio ar. Lkm, Galas kūlių (var. Galė kūlių) dr. Sug, Galas laukelio ar. Antz, Galas lauko l. Str, l. dalis Tvr, Galas pievos pv. Trgn, Galas pylimo dr. Lkm: pylimas ‚niedrige, feuchte, sumpfige Stelle, Moor; großes Wald- oder Feldstück‘, Galas pusynėlio mš. dalis Pt, Galas raisto b. Mc, pv. Ck, Jž, Vrn, Galas rėvo pv. Pun, št. Trk, Galas režiu (var. Biržynė) b. An, Galas saliūtės pv. Trgn, Galas salos l. Mrk, Galas samanýkščio dr.
11 Es gibt syntaktische Arbeiten, in denen die syntaktischen Beziehungen in Nominalgruppen anders als in LKG und DLKG klassifiziert werden, nämlich danach, welche Forderung das Grundglied der Wortverbindung an das abhängige Glied stellt. Bei einigen Nominalgruppen, die üblicherweise als durch Rektion gebildet gelten, würde ein solches Kriterium dazu führen, sie den durch Anfügung gebildeten Nominalgruppen zuzuordnen. Eine Anfügungsbeziehung ließe sich auch zwischen einem Genitiv mit Namensbedeutung und dem Grundglied der Wortverbindung ansetzen (Rotušės aikštė), da ein solcher Genitiv vom Grundglied nicht gefordert wird; Gleiches gilt für einige Verbindungen mit Instrumental oder Lokativ. Andererseits würde die Beziehung mancher Nomen zu Adverbien, die traditionell als Anfügung gilt, als Rektion bewertet (siehe Vaskelaitė 2003: 143–156; 2009).
12 Ein solcher Genitiv wird als Genitiv des quantitativen Inhalts bezeichnet (siehe DLKG 512), und die Bedeutung der Wortverbindung wird als quantitativ-inhaltlich, ergänzend, komplementär charakterisiert (Labutis 1994: 41).
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Acta Linguistica Lithuanica LXXIX
Bildungsmerkmale litauischer Ortsnamen mit der Wurzel gal- (< lit. gãlas ‚Ende, Rand‘)
LeI: samanýkštis ‚mit Moos bewachsene Stelle‘, Gãlas skardžius mš., sk. Pln, Gãlas šeršinų l. Tv, Gãlas sodybų pv. Ktk, Žr, sod. Ign, Gãlas šilėlės gn. Mž, Gãlas šilo dr., mš., pv. Sv, Gãlas šilo (var. Kulỹs) pv. An, Gãlas šniūrų pv. Šnt, Gãlas trakėlių l. Prl, Gãlas trako ar., pv. Lkm, Gãlas Tūorõs pv. Plš, ž. Mlt, Gãlas ūlyčios l. Plš, Gãlas ūpės krm. Vb.
In Verbindungen mit einem Genitiv des quantitativen Inhalts fungieren recht häufig andere Ortsnamen als abhängiges Glied: Galai Šąčių ar. Prl: Šąčios plk., Gãlas Baluõšo ež. (Baluõšo) dalis, vt. lauke Trn: Baluõšas ež., Gãlas Daugų kn. Dg: Daugai mst., Gãlas Dumblio liūn. Mlt: Dumblės ež., Gãlas Duvėno pv. Užp: Duvėnas ež., Gãlas Gruodiškio (var. Gruodiškio galas) ar., ž. Lkm: Gruodiškis ež., Gãlas Ilgėlio (var. Galė Ilgėlio) pv. Antz: Ilgėlis ež., Gãlas Įlojo sl. Ds: Įlosai ež., Gãlas Jūodupio gn., pv. Rtn: Jūodupis k., Gãlas Krūvandõs dr., pv. Čk: Krūvandà up., Gãlas Rãdiškės l. Tvr: Rãdiškė k., Gãlas Širvintõs (var. Galė Širvintõs) ar., pv., up. (Širvintos) dalis Vp: Širvintà up., Gãlas Tautesnio (var. Galė Tautesnio) b. Antz: Tautesnis ež., Gãlas Vilkautinio paež. Kbš: Vilkautinis ež.
In der Wortverbindung Gãlas Leibõko dr., pv. Grb steht im Genitiv wahrscheinlich der Personenname *Leibõkas, vgl. lit. leibà ‚Dummkopf, Tölpel; langsamer Mensch‘, prvd. Leibùkas (Butkus 1995: 288). In diesem Fall lässt sich eine metonymisch ausgedrückte quantitative Bedeutung erkennen: ‚Ackerland, Wiese, die einen kleinen Teil (ein Ende) des Landes, des Gehöfts oder Ähnlichem von Leibok bildet‘.
Eine etwas kleinere Gruppe von Nominalverbindungen mit substantivischem Genitiv bezeichnet räumliche (örtliche) Beziehungen und zeigt an, dass sich das benannte Objekt am Ende befindet: Gãlo apušrõtas kln. Šn: apušrõtas ‚Espenwald, Espenhain‘, Gãlo grõvis pv. Žg, Gãlo kálnas plkn. (Aukštaičio kalno) dalis kln, Gãlo krūmai km. Pg, Gãlo kūdrėlis l. Pls: *kūdrėlis ← kūdra, kūdrà + kẽlias, Gãlo lankà gn. Pkšt, Gãlo laũkas ar. Pd, l. Gr, Gãlo pieva pv. RdN, Gãlo prūdėlis tv. Onš, Gãlo skynimas l. Vs, Gãlo upėlis grv. Pšš, pv. Rtn, Gãlo vertimas l. Rtn: vertimas ‚Pflügen, gepflügter Boden‘, Galų balà b. Ars, Blnk, plk. Krok, pv. Krsn u. a., Galų balė || Galų balė pv. Mrs, Galų balėlė b. Mlt, Galų bãlos b. Sk, Galų brãdas ar. Jz: brãdas ‚großer Morast, schlammiger Weg, feuchte Stelle; seichte Flussstelle, an der man den Fluss durchqueren kann, Furt‘, Galų dirvos dr. Skdv, Galų duobė pv. Brš, Galų ežeras pv. Ob, Galų ežerėlis ež. Prl, Galų kalnai (var. Galūkalnas) gn., kln. dalis Ppr, Galų kálnas ar. Šil, aukšt. Šil, kln. Plt, klv. Pdv, Rdč, l. Lkm, Galų kelėlis kl. Eiš, Galų krūmai krm. Blnk, Galų kupstynė b., pv. Krk: kupstynė ‚mit Bülten bestandene Stelle, Wiese‘, Galų lankà ln. Žmt, Galų miškėlis mš. Mlt, Galų pieva pv. Krn, Ldvn, Ln, Mlt, Vdn, Vln, Galų pievelė pv. Užp, Galų pievos mš. Žsl, Galų pylimas pv. Vdn, Galų raištai rst. Krn, Galų raistas b. Rait, klm. Tj, kms. Jz, plk. Btr, pv. Dg, rst. Lėl, Pun u. a., Galų raisteliai ar., rst. Jz, Galų ravàs grv. Sem, Galų rėvas grv. Btr: rėvas ‚Graben; schmaler Zwischenraum, Senke, Schlucht‘, Galų skėriniai dr. Km, Galų šaltinis šlt. Škt, Galų šniūrai b. Antz, rž. Pln, Galų šniūreliai ž. Lp, Galų tankynė mš. dalis
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LAIMUTIS BILKIS
Jž: tankynė „dicht bewachsene Stelle, Dickicht“, Galų upėlis gr. Užp, upl. Krn. Unter den Verbindungen mit einem Genitiv sind Konstruktionen hervorzuheben, in denen der Genitiv desselben Wortes steht: Galų galas gn. Pn, Galų galo darželis pv. Šv. Sie kennzeichnen wahrscheinlich verstärkende Beziehungen mit einer negativen Bedeutungsnuance („sehr abgelegen, schwer erreichbar, am Ende der Welt gelegen“). Die dreigliedrige Konstruktion bestätigt die Annahme, dass solche Verbindungen zum Erstarren neigen (vgl. LKG III 203).
Hervorzuheben sind Verbindungen, die räumliche Beziehungen (Richtung) ausdrücken und den Genitiv von Ortsnamen mit der Präposition ant: Galų ant Rūdių vt. Klvž: Rūdių upalis up., Galų ant Vaidėno vt. Klvž: Vaidėnis up. Diese zusammengesetzten Ortsnamen benennen und beschreiben Objekte (Enden) in Bezug auf ein anderes Objekt und geben an, dass sich die bezeichneten Orte auf dem Weg zu anderen Objekten befinden.
Einige zusammengesetzte Ortsnamen lassen sich offenbar als Ortsangaben mit einem Substantiv im Inessiv auffassen, deren erstes Glied das zweite näher bestimmt: Galė daržas ln. Šv, Galė degimas dr. Glv, Galė grėblė pv. Žm. grėblė „mit nassem Holz gepflasterter Weg“, Galė kalnas (Var. Gėlas kalno) dr., pv. Št, Galė lazdynas l. Arm, Galė laukas gn. Št, Galė lyguma dr. Ut, Galė pieva pv. Blnk, Galė valkai dr. Pkn, pv. Pun. In appellativischen Verbindungen mit Inessiv wird gewöhnlich das erste Glied näher bestimmt: įžkis kaime, tarnyba dvare, miegas spūstyje usw. (LKG III 209).
Einige zusammengesetzte Ortsnamen – Wortverbindungen – sind problematisch und lassen sich unterschiedlich beurteilen. Es handelt sich um Konstruktionen aus der Instrumentalform galù und einem Substantiv im Nominativ: Galų lanką pv. Mrk, Galų laukas gn. Tj, Galų pieva pv. Pkn, Žž, Galų raistas pv. Btr, Smn, Galų raistelis pv. Mrk, Galų siena dr., km. Kvr, Galų sodyba pv. Rk, Galų šniūrai ar. Mlt, Sk, gn. Vp, l. Plš, pv. Dl, Sk, rt. Mlt, Galų ūlyčia dr. Glv. Man kann annehmen, dass diese Konstruktionen durch Rektion verbundene Wortgruppen mit attributiver Bedeutung sind, in denen das litauische galas im Singularinstrumental steht. Da ein Substantiv im Instrumental eine Eigenschaft eines Gegenstands jedoch zusammen mit obligatorisch abhängigen Wörtern ausdrückt (eglė palinkusiomis šakomis, medis dviejų metrų ilgio šaknimis, laukai vėjo nugairintais kauburiais, siehe: DLKŽ 561; LKG III 207–208), lassen sich solche Konstruktionen leichter als durch Anlehnung verbundene Substantivgruppen mit dem instrumentalen Adverb gal13 auffassen. In diesem Fall bezeichneten sie die Lageanordnung von Objekten (zum Beispiel „eine Wiese, ein Gehöft oder eine Biegung, deren Ende – also der Endabschnitt – in eine bestimmte Richtung weist“) oder einen Ort (zum Beispiel „ein Feld, ein Moor, eine Mauer, die sich am Ende eines anderen Ortes befinden“). Ohne Satzkontext lässt sich die Bedeutung dieser Verbindungen wohl kaum genauer bestimmen, da galų zu jenen litauischen Adverbien zählt, die bedeuten können
13 Über die Möglichkeit, dass die Instrumentalform galù als Adverb gebraucht wird, wurde bereits vor geraumer Zeit in den Arbeiten von Kazys Ulvydas geschrieben (Ulvy-das 2000: 223).
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Besonderheiten der Bildung litauischer Ortsnamen mit der Wurzel gal- (< lit. gãlas „Ende, Rand“)
sowohl den Ort als auch die Art und Weise14. Es ist darauf hinzuweisen, dass Substantivverbindungen mit Adverbien im Litauischen sehr selten sind und gewöhnlich mit Verbalabstrakta gebildet werden (siehe LKG II 233–234). Andererseits wird bei der Beschreibung der grammatischen Merkmale von Adverbien angemerkt, dass „Adverbien sich in bestimmten Fällen (zum Beispiel in einer Überschrift) sogar an Substantive anlehnen können, vgl.: Vilnus šiandien; Mūsų kaimas vakar(rytoj)“ (DLKG 410). Da die untersuchten Wortverbindungen zu eigenständigen Namen geworden sind, ein Mittel der Benennung von Eigennamen darstellen und außerhalb des Satzes gebraucht werden, ist eine solche Anlehnung von Adverbien an Substantive ebenfalls durchaus möglich15. Als zusätzliches Argument sei angeführt, dass der Instrumental von Substantiven, der zur Bildung von Adverbien dient, in zahlreichen Grammatiken belegt ist: Es wird festgestellt, dass Singularinstrumentalformen wie balsu, ūmara, ratų, būriu, šonu, žaibu, pūku, stulpu und dergleichen als Modaladverbien fungieren können (Ulvydas 2000: 223; LKG II 428; DLKG 411), während Pluralinstrumentalformen wie pavėjais, pakraščiais, patakais (LKG II 443), vietomis, pagiriais, palubėm, palangiais (DLKG 424, 425) als Lokaladverbien verwendet werden.
Auch die Gliederbeziehung der Konstruktion Galūs par veršme rst. Vžs ist nicht völlig klar. Wahrscheinlich ist sie als Substantivgruppe mit Akkusativ und der Funktionspräposition par „bei“ zu behandeln, die räumliche Beziehungen (einen Ort mit einer Nuance der Einschränkung bzw. Präzisierung) ausdrückt (Galūs par veršme ← galī par veršme); vgl. Verbindungen gleicher Bedeutung wie obelį pas kelią, trobelį pas ežerą, sklypą pas vieškelį (LKG III 220). Andererseits ist nicht auszuschließen, dass die Inessivform galūs hier bereits die Funktion eines Adverbs erfüllt, da Inessivformen wie krašte, viduryje, užpakalyje, apačioje ebenfalls zur Adverbialisierung neigen (siehe LKG II 428).
14 Ausführlicher zur Mehrdeutigkeit von Adverbien siehe LKG II 443, 451.
15 In manchen Arbeiten zu syntaktischen Beziehungen wird der Begriff der Anlehnung nicht verwendet; als Typen syntaktischer Beziehungen gelten Rektion und Modifikation (Holvoet, Judžentis 2003: 14) oder Komplementierung, Modifikation und eine feinere Unterart, die Spezifizierung (Holvoet 2009: 81–94). Im vorliegenden Fall übernimmt das Adverb galų offenbar die Funktion eines Modifikators.
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LAIMUTIS BIKIS
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die häufigsten Bildungsverfahren für Toponyme mit der (ersten) Wurzel gal- sind Pluralisierung (Galai), Suffigierung, Komposition und Zusammenrückung.
2. Der produktivste Typ der Suffigierung von Toponymen ist gal- + -inė (Gal-inė), -inės (Gal-inės), -inis (Gal-inis), -iniai (Gal-iniai, Gal-iniai). Diese Ableitungen gehören zur Kategorie der Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft.
3. Die größte Gruppe zusammengesetzter Toponyme bilden Zusammensetzungen aus galas, gali und Gattungsnamen. Ein bedeutender Teil der zusammengesetzten Ortsnamen ist nach dem Muster galas, gali + ein weiteres Toponym gebildet. Das spezifische Merkmal dieser determinativen Zusammensetzungen besteht darin, dass das zweite Glied das erste näher bestimmt.
4. Präpositionale Toponyme werden meist aus neu gebildeten, den Ort bezeichnenden Präpositionen galų, galė und dem Genitiv von Gattungs- oder Eigennamen (Orts- und Personennamen) gebildet. Zahlreiche präpositionale Konstruktionen bestehen ebenfalls aus der Richtung bezeichnenden neu gebildeten Präposition galan und dem Genitiv eines Gattungsnamens.
5. Die meisten aus Wortverbindungen bestehenden Toponyme sind Verbindungen, die quantitative (Teil-)Verhältnisse ausdrücken, mit dem Genitiv von Gattungs- und Eigennamen (üblicherweise Ortsnamen), in denen das Glied mit gal- das Hauptglied ist (Gālas pievas, Gālas Vīl̄autinia). Etwas kleiner ist die Gruppe der Verbindungen, die Ortsverhältnisse ausdrücken und den Genitiv von Gattungsnamen enthalten, wobei das Glied mit gal- als abhängig gilt (Gālo lankā, Galū šaltinis).
6. Als seltene grammatische Merkmale von Toponymen mit gal- können gelten: a) lokativische primäre Toponyme Galūos, Galosė; b) Bildungsmuster zusammengesetzter Toponyme: gal- (← gālas, gali) + Eigenname (Orts- oder Personenname); + Adjektiv; + Verb; c) zusammengesetzte Toponyme aus dem Illativ galan und einem Gattungs- oder Eigennamen; d) Wortverbindungen, in denen der lexikalisierte Instrumental eines Substantivs galū mit dem Nominativ eines Substantivs verbunden ist (Galū raistėlis).
7. Die Analyse der Bildung von Toponymen mit gal- ergänzt und erweitert die Beschreibung der litauischen Grammatik um neue Daten.
226
Acta Linguistica Lithuanica LXXIX
Lietuvių vietovardžių su šaknimi gal- (< liet. gãlas ‘pabaiga, kraštas’) darbų ypatybės
ABKÜRZUNGEN FÜR OBJEKTVERWEISE UND SONSTIGE ABKÜRZUNGEN
a. – Platz
ar. – Ackerfläche, landwirtschaftlich genutztes Land
avd. – Personenname
aukšt. – Anhöhe
b. – Sumpf
brus. – belarussisch
d. – Vertiefung
dr. – Ackerland
dp. – Torfmoor
dv. – Brachland
dv. – Gutshof
ež. – See
gn. – Weide
grv.– Graben
k. – Dorf
kdr. – Teich
kl. – Weg
klm. – Baumstumpfbestand
kln. – Berg
kln. – Tal
klv. – Hügel
kms. – Buschland, Busch
krm. – Sträucher
krtm. – Rodung
l. – Feld
lat. – lettisch
lenk. – polnisch
liet. – litauisch
liūn. – Moor
ln. – Wiese
mst. – Stadt
mš. – Wald
of. – offiziell
Abk. – pažėrė, pažėrys
pb. – pab(a)lys
pkrnt. – Ufer
plk. – Sumpf, sumpfiger Ort
plkn. – kahle Anhöhe
pr. – preußisch
prvd. – Spitzname
pv. – Wiese
pvd. – Familienname
rst. – Sumpf
rus. – russisch
rž. – Streifen
sav. – Gemeinde
sk. – Steilhang
sklp. – Grundstück
sln. – Tal
sml. – Sandfläche
sod. – Gehöft
stv. – Kolk
šl. – Abhang
šlt. – Quelle
ter. – Gebiet
tv. – Teich
ūk. – Hof
up. – Fluss
upl. – Bach
var. – Variante
vks. – Amtsbezirk
vrs. – Quelle
vs. – Einzelgehöft
vt. – Ort, Gegend
vv. – Ortsname
ž. – Land
Straipsniai / Articles
227
LAIMŪTIS BILKIS
ABKÜRZUNGEN DER VERGLEICHSORTE VON ORTSNAMEN
Ad – Adutiškis (Rajon Švenčionys)
AksnV – Aksnėnai (Rajon Vilkaviškis)
Aln – Alanta (Rajon Molėtai)
Alt – Alvitas (Rajon Vilkaviškis)
An – Anykščiai
Ant – Antalieptė (Rajon Zarasai)
Ank – Ánkoptis (Rajon Klaipėda)
Anz – Anzavė (Rajon Zarasai)
Ap – Ąpsas (Belarus)
Arm – Armõniškės (Belarus)
Ars – Aristava (Rajon Kėdainiai)
Ašn – Ašminta (Rajon Prienai)
Auk – Aukštadvaris (Aukštadvaris; Rajon Trakai)
Aukšt – Aukštupėnai (Rajon Kupiškis)
Avž – Avižieniai (Rajon Vilnius)
Bb – Bãbai (Rajon Kaunas)
Bnk – Bãlninkai (Rajon Molėtai)
Brš – Bìrštonas (Rajon Prienai)
Brt – Bãrtninkai (Rajon Vilkaviškis)
Brž – Bìržai
Bsg – Baisógala (Rajon Radviliškis)
Bt – Batakiai (Rajon Tauragė)
Br – Butrimonys (Rajon Alytus)
Ck – Ceikiniai (Rajon Ignalina)
Čb – Čiõbiškis (Rajon Širvintos)
Čk – Čekiškė (Rajon Kaunas)
Čn – Čiulėnai (Rajon Molėtai)
Dbg – Dubingiai (Rajon Molėtai)
Dn – Dubėnai (Raj. Alytus)
Dg – Daugai (Raj. Alytus)
Dgč – Degùčiai (Raj. Zarasai)
Dgl – Daugėliai (Raj. Utena)
Dglč – Daugėlaičiai (Raj. Radviliškis)
Dglk – Daugėliskiai (Raj. Kaunas)
DglN – Naujasis Daugėliškis (Raj. Ignalina)
Dšt – Dūkštas (Raj. Ignalina)
Dl – Deltuva (Raj. Ukmergė)
Dr – Darbėnai (Raj. Kretinga)
Drž – Daržininkai (Raj. Varėna)
Ds – Dusetos (Raj. Zarasai)
Dv – Dieveniškės (Raj. Šalčininkai)
Eiš – Eišiškės (Raj. Šalčininkai)
Gdr – Giedraičiai (Raj. Molėtai)
Glv – Gėlvonai (Raj. Širvintos)
Gb – Grybėnai (Ignalinos r.)
Grg – Gargždai (Klaipėdos r.)
Grnd – Grendavė (Trakų r.)
Gž – Gìžai (Vilkaviškio r.)
Ign – Ignalina
Imbr – Įmbradas (Zarasų r.)
Int – Įnturkė (Molėtų r.)
Jk – Jãkėnai (Varėnos r.)
Jnš – Jõniškis
Jon – Jonavà
JnšM – Jõniškis (Molėtų r.)
Jsv – Jõsvainiai (Kėdainių r.)
Jz – Jieżnas (Prienų r.)
Jž – Jūžintai (Rokiškio r.)
Kbš – Kibyšiai (Varėnos r.)
Kdn – Kėdainiai
Klt – Kal̃tanėnai (Bezirk Švenčionys)
Kln – Kal̃tinėnai (Bezirk Šilalė)
Klvr – Kalvarija (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Klvrž – Žemaičių Kalvarija (Bezirk Plungė)
Km – Kamajai (Bezirk Rokiškis)
Kp – Kupiškis
Kč – Kãpčiamiestis (Bezirk Lazdijai)
Kr – Kuprėliškis (Bezirk Biržai)
Kd – Kirdėnai (Bezirk Utena)
Krk – Krãkės (Bezirk Kėdainiai)
Krn – Krekenavà (Bezirk Panevėžys)
Kn – Krúonis (Bezirk Kaišiadorys)
Krs – Krãunas (Bezirk Rokiškis)
Krok – Krõkialaukis (Bezirk Alytus)
Ks – Kašakìškis (Bezirk Panevėžys)
Ksn – Krosna (Bezirk Lazdijai)
228
Acta Linguistica Lithuanica LXXIX
Besonderheiten der Bildung litauischer Ortsnamen mit der Wurzel gal-
(< lit. gãlas ‚Ende, Rand‘)
Kt – Kùtkiškės (Rajon Utena)
Kur – Kurkliai (Rajon Anykščiai)
Kvr – Kavárskas (Rajon Anykščiai)
KzR – Kazlų Rūda
Kzt – Kažiškis (Rajon Ignalina)
Lbv – Liubãvas (Gemeindegebiet Kalvarija)
Ldk – Lydõkiai (Rajon Ukmergė)
Ldn – Liudinãvas (Gemeindegebiet Marijampolė)
Lėl – Leliónai (Rajon Utena)
Lkm – Linkmenys (Rajon Ignalina)
Lks – Laũksodis (Rajon Pakruojis)
Lksr – Laũksargiai (Rajon Tauragė)
Lkš – Lukšiai (Rajon Šakiai)
Lln – Lielionys (Rajon Prienai)
Lm – Lomiai (Raj. Tauragė)
Lnkv – Linkuva (Raj. Pakruojis)
Lp – Lėpalingis (Gemeindegebiet Druskininkai)
Luok – Luokė (Raj. Molėtai)
Lzd – Lazdijai
Mck – Mickūnai (Raj. Vilnius)
Ml – Mielagėnai (Raj. Ignalina)
Mt – Molėtai
Mc – Marcinkonys (Raj. Varėna)
Mj – Marijampolė
Mk – Merkinė (Raj. Varėna)
Ms – Mosėdis (Raj. Skuodas)
Msn – Musninkai (Raj. Širvintos)
Mž̌ – Miežiškiai (Raj. Panevėžys)
Nmč – Nemenčinė (Raj. Vilnius)
Nmn – Nemunaitis (Raj. Alytus)
Nmž – Žemaičių Naumiestis (Bezirk Šilutė)
Ng – Noragėliai (Bezirk Lazdijai)
Ob – Obeliai (Bezirk Rokiškis)
Onš – Onuškis (Bezirk Trakai)
Ps – Pabaiskas (Bezirk Ukmergė)
Pd – Padubysys (heute Bazilionai) (Bezirk Šiauliai)
Pv – Pãdiėvytis (Bezirk Šilalė)
Pg – Pagiriai (Bezirk Kėdainiai)
Pkn – Pakalniai (Bezirk Utena)
Pn – Pakūnis (Bezirk Prienai)
Pkšt – Pukštakiai (Bezirk Plungė)
Pls – Pelėsà (Belarus)
Plš – Palūšė (Bezirk Ignalina)
Plt – Plateliai (Bezirk Plungė)
Pn – Panevėžys
Pnd – Pandėlys (Bezirk Rokiškis)
Pnm – Panemunėlis (Bezirk Rokiškis)
Pnt – Panoteriai (Bezirk Jonava)
Pp – Papilė (Bezirk Akmenė)
Pl – Papilys (Bezirk Biržai)
Pr – Paparčiai (Bezirk Kaišiadorys)
Prl – Perloja (Bezirk Varėna)
Pv – Parovėja (Bezirk Biržai)
Pst – Pãstovas (Belarus)
Pš – Pašvitinys (Bezirk Pakruojis)
Pš – Pašušvys (Bezirk Radviliškis)
Pun – Punia (Bezirk Alytus)
Pv – Pivašiūnai (Bezirk Alytus)
Pžl – Pažūoliai (Bezirk Molėtai)
Rat – Ratininkai (Bezirk Alytus)
Rd – Radviliškis
Rč – Rūdaičiai (Bezirk Kretinga)
RdN – Nemunėlio Radviliškis (Bezirk Biržai)
Rgl – Ragėliai (Bezirk Rokiškis)
Rgv – Raguva (Bezirk Panevėžys)
Rim – Rimšė (Bezirk Ignalina)
Rk – Rokiškis
Rm – Ramygala (Bezirk Panevėžys)
Rmš – Rumšiškės (Bezirk Kaišiadorys)
Rod – Ródūna (Belarus)
Ršk – Reškutėnai (Bezirk Švenčionys)
Rn – Rąčiai (Gebiet der Gemeinde Druskininkai)
Rd – Rudnia (Bezirk Varėna)
Rz – Rozalimas (Bezirk Pakruojis)
Sd – Seda (Bezirk Mažeikiai)
Sdk – Sudeikiai (Bezirk Utena)
Sem – Semeliškės (Gebiet der Gemeinde Elektrėnai)
Skdv – Skaudvilė (Bezirk Tauragė)
Skp – Skãpiškis (Bezirk Kupiškis)
Skš – Sõškiai (Bezirk Ignalina)
Sl – Salos (Bezirk Rokiškis)
Straipsniai / Articles
229
LAIMUTIS BIKIS
Sd – Saldūtiškis (Bezirk Utena)
Smn – Simnas (Bezirk Alytus)
St – Sintautai (Bezirk Šakiai)
Sr – Seredžius (Bezirk Jurbarkas)
Srj – Seirijai (Bezirk Lazdijai)
Sk – Šešikai (Bezirk Ukmergė)
Stč – Stačiūnai (Bezirk Pakruojis)
Stk – Stakliškės (Bezirk Prienai)
Str – Strūnaitis (Bezirk Švenčionys)
Sug – Sugintai (Bezirk Molėtai)
Sv – Svėdasai (Bezirk Anykščiai)
Svk – Švikos (Bezirk Švenčionys)
Šaul – Šaulėnai (Gemeindegebiet Druskininkai)
Šil – Šilavotas (Rajon Prienai)
Šil – Šilėnai (Rajon Ignalina)
Škt – Šaukotas (Rajon Radviliškis)
Ščn – Šalčininkai
Šl – Šilalė
Šn – Šiaulėnai (Rajon Radviliškis)
Šlv – Šiluva (Rajon Raseiniai)
Šmn – Šimonys (Rajon Kupiškis)
Šr – Širvintos
Šš – Šešuoliai (Rajon Ukmergė)
Št – Šėta (Rajon Kėdainiai)
Šut – Šutai (Rajon Švenčionys)
Šv – Švėkšna (Rajon Šilutė)
Švnt – Šventa (Rajon Švenčionys)
Tj – Taujėnai (Rajon Ukmergė)
Tg – Tauragė
Tgn – Tauragnai (Rajon Utena)
Trkm – Taurakiemis (Rajon Kaunas)
Tsk – Tiskūnai (Rajon Kėdainiai)
Tvr – Tverečius (Rajon Ignalina)
Upn – Ūpningai (Rajon Jonava)
Ut – Utena
Užp – Užpaliai (Rajon Utena)
Užv – Užventis (Rajon Kelmė)
Vad – Vadokliai (Rajon Panevėžys)
Varn – Varniai (Rajon Telšiai)
Vb – Vabalninkas (Rajon Biržai)
Vdn – Videniškiai (Rajon Molėtai)
Všk – Vidiškiai (Rajon Ukmergė)
Vies – Viesos (Rajon Širvintos)
Vl – Veliuona (Rajon Jurbarkas)
Vln – Vilūnai (Rajon Kaišiadorys)
Vp – Vėpriai (Raj. Ukmergė)
Vdv – Veduva (Raj. Raseiniai)
Vrn – Varėna
Všt – Vištytis (Raj. Vilkaviškis)
Vs – Vievis (Gebiet der Gemeinde Elektrėnai)
Vžn – Vyžuonos (Raj. Utena)
Žk – Žūkai (Raj. Ignalina)
Žp – Zapyškis (Raj. Kaunas)
Žr – Zarasai
Žg – Žagarė (Raj. Joniškis)
Žl – Želva (Raj. Ukmergė)
Žmt – Žemaitkiemis (Raj. Ukmergė)
Žm – Žirmūnai (Belarus)
Žsl – Žasliai (Raj. Kaišiadorys)
Žž – Žiežmariai (Raj. Kaišiadorys)
230
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Bildungseigenschaften litauischer Ortsnamen mit dem Stamm gal- (< lit. gãlas ‘Ende, Rand’)
QUELLEN UND LITERATUR
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Blažienė Grasilda 200: Die baltischen Ortsnamen im Samland. Hydronymia Europaea, Sonderband 2. Stuttgart: Franz Steiner Verlag.
Būga Kazimieras 1961: Rinktiniai raštai 3. Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla.
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Grammatik der gegenwärtigen litauischen Sprache, hrsg. von Vytautas Ambras. Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1994.
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Endzelė Renata 2005: Šiaurės vidurio Lietuvos vietovardžiai. Daktaro disertacija. Kaunas: Vytauto Didžiojo universitetas.
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Labutis Vitas 1994: Lietuvių kalbos sintaksė 1. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla.
LKG I – Grammatik der litauischen Sprache 1, Hauptherausgeber Kazys Ulvydas. Vilnius: Mintis, 1965.
LKG II – Grammatik der litauischen Sprache 2, Hauptherausgeber Kazys Ulvydas. Vilnius: Mokslas, 1971.
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LKŽe – Wörterbuch der litauischen Sprache 1–20, 1941–2002, elektronische Version, Redaktionskollegium: Gertrūda Naktinienė (Chefredakteurin), Jonas Paulauskas, Rita Petrokienė, Vytautas Vitkauskas, Jolanta Zabarskaitė. Vilnius: Institut für Litauische Sprache, 2005. Online verfügbar: http://www.lkz.lt.
Straipsniai / Articles
231
LAIMUTIS BILKIS
LLŽ – Wörterbuch der polnischen und litauischen Sprachen, Autorin Valerija Vaitkevičiūtė. Vilnius: Mokslas, 1979.
LPB – Datenbank litauischer Familiennamen. Online verfügbar: http://lkis.iki.lt.
LVŽ III – Wörterbuch litauischer Ortsnamen, Band 3, Autorinnen und Autoren: Veronika Adamonytė, Laimutis Bilkis, Gražina Blažienė, Dalia Kačinaitė-Vrublevskienė, Milda Norkaitienė, Alma Ragauskaitė, Marija Razmukaitė, Dalia Sviderskienė. Vilnius: Institut für litauische Sprache, 2018.
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Savukynas Bronys 1963: Kilmininkai lietuvių vietovardžiai. – Lietuvių kalbotyros klausimai 6, 235–246.
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Vanagas Aleksandras 1970: Lietuvos TSR hidronimų daryba. Vilnius: Mokslas.
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Vanagas Aleksandras 1981: Lietuvių hidronimų etimologinis žodynas. Vilnius: Mokslas.
32
Acta Linguistica Lituanica LXXIX
Besonderheiten der Bildung litauischer Ortsnamen mit dem Stamm gal- (< lit. galas ‘Ende, Rand’)
Vaskelaitė Ramunė 2003: Lietuvių kalbos daiktavardiniai junginiai sintaksiniu ryšiu požiūriu. – Acta Linguistica Lithuanica 48, 143–158.
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Польская Наталья Владимировна 1978: Словарь русской ономастической терминологии. Москва: Наука.
Топоров Владимир Николаевич 1979: Прусский язык. Словарь. Е–Н. Москва: Наука.
Яшкин Иван Якуевич 1971: Беларускія геаграфічныя назвы. Мінск: Навука і тэхніка.
Besonderheiten der Bildung litauischer Ortsnamen mit dem Stamm Gal- (< lit. galas ‘Ende, Rand’)
ZUSAMMENFASSUNG
Die Ortsnamen, die sich von lit. gãlas ‘ein Ort, an dem ein langes Objekt endet; eine äußere Begrenzung eines Objekts (Vorderseite, äußerster Teil); Rand, Grenze; Grenzlinie’ und anderen Wörtern gleicher Wurzel mit ähnlicher Bedeutung ableiten, bilden den umfangreichsten Eintrag (etymologische Wortfamilie) des dritten Bandes des Wörterbuchs litauischer Ortsnamen (G–H). Ortsnamen mit dieser Wurzel sind auch in anderen baltischen Sprachen reichlich vertreten. Ortsnamen mit gal- zeichnen sich durch vielfältige Wortbildungsmuster und eine besondere Vielfalt an Komposita und zusammengesetzten Bildungen aus; daher ergänzt und erweitert die Analyse ihrer Bildung die Beschreibung der Grammatik der litauischen Sprache um neue Daten.
Folgende charakteristische Merkmale der Bildung von Ortsnamen, die sich von lit. gãlas ableiten, lassen sich hervorheben:
1) Die häufigsten Bildungstypen der Ortsnamen mit dem (ersten) Stamm gal- sind die Pluralbildung (Galai), Suffigierung, Zusammensetzung und Komposition (Präpositionalgefüge und zusammengesetzte Ortsnamen);
Straipsniai / Articles
233
LAIMŪTIS BILKIS
2) Der produktivste Typ der Bildung suffigierter Toponyme ist gal- + -inė (Gal-inė), -inė (Gal-inės), -inis (Gal-inis), -iniai (Gal-iniai, Gal-iniai). Diese Ableitungen gehören zur Kategorie der nomina attributiva;
3) Die größte Gruppe zusammengesetzter Toponyme bilden Toponyme, die aus galas, galai und Gattungsnamen gebildet sind (Gal-ā-balė, Gal-į-dabis, Gal-ý-laukė, Gal-ù-daržis, Gal-uo-žeras usw.). Ein erheblicher Teil der zusammengesetzten Toponyme wird nach dem Muster galas, galai + ein weiteres Toponym gebildet (Gal-ā-verknė, Gal-ia-kaušiai, Gal-igiai). Diese determinativen Komposita weisen eine Besonderheit auf: Die zweite Komponente bestimmt die erste.
4) Präpositionale Toponyme werden meist aus den neu entstandenen, einen Ort bezeichnenden Präpositionen galù, galè und Gattungs- oder Eigennamen (Toponymen und Personennamen) im Genitiv gebildet (Galù sodýbų, Galù Dėblono, Galè salų, Galè Širùntos). Eine Reihe präpositionaler Konstruktionen wird auch aus der neu entstandenen, eine Richtung ausdrückenden Präposition galán und Gattungsnamen im Genitiv gebildet (Galán miško, Galán pievos);
5) Die meisten Toponyme in Form von Wortgruppen sind Phrasen, die quantitative (Teil-)Verhältnisse ausdrücken und aus Gattungs- und Eigennamen (meist Toponymen) im Genitiv bestehen, wobei die Komponente mit gal- die Hauptkomponente ist (Gãlas pievos, Gãlas Vilkiaučio). Eine etwas kleinere Gruppe bilden die Phrasen mit Gattungsnamen im Genitiv, die Ortsverhältnisse ausdrücken und in denen die Komponente gal- als abhängige Komponente gilt (Gãlo lankà, Galù šaltinis);
6) Als selten können folgende grammatische Eigenschaften der Toponyme mit gal- gelten: lokativische primäre Toponyme Galuõs, Galuõse; Bildungsmuster zusammengesetzter Toponyme gal- (← gãlas, galai) + Eigenname (Toponym, Personenname), + Adjektiv, + Verb; zusammengesetzte Toponyme, die aus dem Illativ galãn und einem Gattungs- oder Eigennamen gebildet sind; Wortgruppen, in denen das adverbialisierte Substantiv im Instrumental, galù, zusammen mit einem Substantiv im Nominativ verwendet wird (Galù raistèlis).
Eingereicht am 30. Oktober 2018.
LAIMŪTIS BILKIS
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, Vilnius LT-10308, Lietuva
[email protected]
234
Acta Linguistica Lithuanica LXXIX