HARALD BICHLMEIER
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Forschungsgebiete: Onomastik (Toponymie), historische Phonologie der germanischen Sprachen, indogermanische Linguistik, Aljamiado-Texte.
VÁCLAV BLAŽEK
Lehrstuhl für Linguistik und Baltistik, Masaryk-Universität, Brünn
Forschungsgebiete: Onomastik und historische Geografie, indogermanische Etymologie, vergleichende Untersuchung der afroasiatischen, uralischen und altaischen Sprachen; vergleichende Mythologie.
DOI: doi.org/10.35321/all83-02
CIMBRI ET TEUTONI
Kimbrai ir teutonai
ANNOTATION
Die bekannten Namen Cimbri und Teutoni / Teutones sollen traditionell zwei verschiedene germanische Stämme bezeichnen. Hier wird eine neue Auffassung vorgeschlagen, nämlich dass sie ursprünglich ein Syntagma aus beiden Wörtern bildeten, PGmc. *beudanōz kumbrīōn „Stammesführer“, das später in den antiken Quellen in zwei Stammesnamen aufgespalten wurde: Teutoni Cimbrǫque oder Τευτόνοι καὶ Κίμβροι. Während PGmc. *kumbr̥- rekonstruiert werden muss, wird der Name in den lateinischen und griechischen Quellen unterschiedlich wiedergegeben; dort finden wir im Stammvokal eine Variation u / y – i. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass einerseits im Lateinischen bei ererbten Wörtern eine gewisse Schwankung zwischen u und i besteht und andererseits in entlehnten Wörtern und Namen in beiden Sprachen eine Schwankung zwischen all diesen Vokalen.
Die ursprüngliche Form des Namens der Cimbri, PGmc. *kumbrīa, könnte eine verdunkelte Zusammensetzung der Wurzeln PIE *gem- „drücken, quetschen, greifen“ und *bʰer- „tragen“ fortsetzen. PGmc. *beudanōz ist der reguläre Plural zu *beudanaz „Stammeshäuptling“, später „König“. Sein Ursprung aus PGmc. *beudō „Stamm“ wird allgemein akzeptiert. Unter den verschiedenen etymologischen Versuchen, das „westindo-europäische“ *teutā zu analysieren, bevorzugen wir die Auffassung von de Vries, der das Wort aus der keltisch-germanischen Isoglosse ableitet
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der keltisch-germanischen Isoglosse zu *teuto- „gut, freundlich“. Die hethitischen Kognaten setzen die Existenz der Wurzel *teu- „freundlich, gütig sein“ voraus.
SCHLÜSSELWÖRTER: germanische Ethnonyme, Diskussion bestehender Etymologien, neue etymologische Lösungen, verdunkelte Zusammensetzungen, semantische Typologie.
ANMERKUNG
Traditionell wird angenommen, dass die bekannten Namen kimbrai und teutonai zwei verschiedene germanische Stämme bezeichnen. Im Artikel wird die Auffassung vertreten, dass diese Namen ursprünglich ein Syntagma aus beiden Wörtern bildeten – PGmc. *peudanōz kumbriōn „Stammesführer“, aus dem sich bereits in den alten Quellen bezeugte Namen zweier Stämme entwickelten: Teutoni Cimbrique oder Τευτόνοι καὶ Κίμβροι. Obwohl PGmc. *kumbr rekonstruiert werden muss, wird dieser Name in den lateinischen und griechischen Quellen unterschiedlich wiedergegeben. Dort finden sich die Varianten des Wurzelvokals u/y – i. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass es in ererbten lateinischen Wörtern einerseits eine gewisse u- und i-Ablautvariation und andererseits in entlehnten Wörtern und Namen beider Sprachen eine Variation dieser Vokale gibt.
Die ursprüngliche Form des Namens der Cimbri, PGmc. *kumbria, könnte eine verdunkelte Verbindung der Wurzeln PIE *gem- „drücken, pressen, greifen / sich aneignen“ und *bʰer- „tragen“ bewahrt haben. PGmc. *peudanōz ist der reguläre Plural von *peudanaz „Stammesführer“, später „König“. Der Ursprung dieses Wortes aus PGmc. *beudō „Stamm“ ist unbestritten. Von den verschiedenen Versuchen, das „westindogermanische“ *teutā etymologisch zu analysieren, ist den Autoren des Artikels die von de Vries vorgeschlagene Herleitung dieses Wortes aus der keltisch-germanischen Isoglosse *teuto- „gut, freundlich“ am überzeugendsten. Die Kognaten im Hethitischen lassen auf eine Wurzel *teu- „freundlich, gütig sein“ schließen.
SCHLÜSSELWÖRTER: germanische Ethnonyme, Erörterung bestehender Etymologien, neue etymologische Lösungen, Bildungen mit undurchsichtiger Struktur, semantische Typologie.
1. CIMBRI
Das Ethnonym Cimbri ist in mehreren Varianten belegt (vgl. Schönfeld 1911: 63f.):
Κίμβροι (Posidonius {135–51 v. Chr.} apud Strabo, Geographica 2.3.6, 7.2.2; ferner Strabo {63 v. Chr. – 23 n. Chr.} 4.3.3, 4.4.3, 5.1.8, 7.1.3, 7.2.1, 7.2.3, 7.2.4; Diodorus Siculus {90–30 v. Chr.}, Bibliotheca Historica 5.32.4) Κίμβριοι (Polyaenus {22. Jh. n. Chr.}, Strategematum 8.10.1, 8.10.2, 8.10.3) Κύμβροι (Ptolemaios {ca. 140 n. Chr.}, Geographia 2.11.16 in Hs. X) Cimbri (Cicero {106–43 v. Chr.}, Tusculanae Disputationes 2.65; De Officiis 1.38; Caesar {100–44 v. Chr.}, De bello Gallico 1.33.3, 1.40.5, 2.4.2, 7.77.12,
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7.77.14; Valerius Antias {1st. Jh. v. Chr.} apud Orosius, Historiae adversum paganos 5.16)
Cymbri (Valerius Maximus {schrieb zwischen 14–37 n. Chr.}, Facta et Dicta Memorabilia 2.11: Cymbrorum in Hs. L; 3.6. Cymbricumque in Hs. A; Frontinus {30–103 n. Chr.}, Strategematon 1.5.3: Cymbris, Cymbri in Hs. H; 2.5.8: Cymbrico, Cymbris in Hs. HP; Aulus Gellius {125–180 n. Chr.}, Noctium Atticarum 16.10.14: Cymbrico in Hs. X)
Cumbri (Aulus Gellius {125–180 n. Chr.}, Noctium Atticarum 16.10.14: Cumbrico in Hs. Z)
Conbri (Eutropius {beendete sein Werk 364 n. Chr.}, Breviarium ab urbe condita 5.1.4: Conbris in Hs. G¹).
2. ETYMOLOGISCHE VERSUCHE
Der erste Versuch, das Ethnonym zu erklären, erschien bereits in der Antike.
2.1. Festus {2nd. Jh. n. Chr.} meinte in De significatione verborum, S. 43, dass es im Gallischen „Räuber“ bezeichnete: Cimbri lingua Gallica latrones dicuntur „Die Cimbri werden in der gallischen Sprache ‚Räuber‘ genannt.“
Sextus Pompeius Festus, De verborum significatu quae supersunt cum Pauli epitome, herausgegeben von Aemilius Thewrewk de Ponor. Budapest: Academia Litterarum Hungaricae 1889.
2.2. Plutarch {46–119/127 n. Chr.} sagte in Caius Marius 11.3 dasselbe, mit dem einzigen Unterschied, dass er den germanischen¹ Ursprung dieses Ethnonyms annahm:
¹ Bereits in der Mitte des 1st. Jh. n. Chr. legte Plinius [NH 4.28/40/99] die erste Klassifikation der germanischen Stämme vor, in der er ausdrücklich sowohl Cimbri & Teutoni zu den Inguaeones⟧ zählte: germanorum genera quinque: vandili, quorum pars burgodiones, varinnae, charini, gutones. alterum genus inguaeones, quorum pars cimbri, teutoni ac chaucorum gentes. proximi autem rhe no istaeones, quorum... mediterranei hermiones, quorum suebi, hermunduri, chatti, cherusci. quinta pars peucini, basternae, supra dictis cotermini dacis. amnes clari in oceanum defluunt guthalus, visculus sive vistla, albis, visurgis, amisis, rhenus, mosa. introrsus vero nullo inferius nobilitate hercynium iugum praetenditur. Plinius: Naturalis Historia, hrsg. von Karl Friedrich Theodor Mayhoff. Lipsiae: Teubner 1906 „Es gibt fünf germanische Stämme: die Vandili, von denen ein Teil die Burgundiones, die Varini, die Carini und die Gutones sind; die Inguaeones, die einen zweiten Stamm bilden und zu denen teilweise die Cimbri, die Teutoni und die Stämme der Chauci gehören. Die Istævones, die an den Rhein angrenzen und zu denen die Cimbri gehören, bilden den dritten Stamm; die Hermiones, die einen vierten bilden, wohnen im Binnenland und umfassen die Suebi, Hermunduri, Chatti und Cherusci. Der fünfte Stamm sind die Peucini, die auch Basternae genannt werden und an die zuvor genannten Daci grenzen. Die bedeutenderen Flüsse, die in den Ozean münden, sind der Guttalus, der Vistillus oder Vistula, der Albis, der Visurgis, der
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Und insbesondere vermutete man, sie seien germanische Stämme unter denjenigen, die am nördlichen Ozean wohnen, wegen der Größe ihrer Körper und der blau-grauen Farbe ihrer Augen sowie deshalb, weil die Germanen die Räuber Κίμβροι nennen.
„Die verbreitetste Vermutung war, dass sie zu den germanischen Völkern gehörten, die sich bis zum nördlichen Ozean erstreckten – eine Vermutung, die auf ihrer großen Statur, ihren hellblauen Augen und der Tatsache beruhte, dass die Germanen Räuber Cimbri nennen.“
Plutarch, Caius Marius. – Plutarchs Lives, mit englischer Übersetzung von Bernadotte Perrin, Cambridge (MA): Harvard University Press – London: Heinemann, 1920.
Im byzantinischen Lexikon Suda, S. 600 {10th. Jh. n. Chr.}, wird dies lakonisch wiederholt: Κίμβρος ὁ ληστής.
Suidae Lexicon, herausgegeben von Immanuel Bekker. Berlin: Reimer 1854
Ältere Autoren erwähnten nur den Eroberungsdrang der Cimbri2 (Diodorus Siculus 5.32.4) oder dass sie ein seeräuberisches3 Volk seien (Posidonius apud Strabo 7.2.2). Aus dieser Perspektive müssen jedoch die Möglichkeiten sowohl der keltischen als auch der germanischen Etymologien überprüft werden (der Versuch, die
den Amisius, den Rhein und die Mosa. Im Binnenland erstreckt sich der lange Zug des Hercynischen Gebirges, der an Größe keinem anderen nachsteht.“
Plinius der Ältere: The Natural History, übersetzt von J. Bostock, H. T. Riley, London: Taylor & Francis, 1855.
² Diodorus Siculus {90–30 v. Chr.} 5.32.4.
Nachdem ihre Tapferkeit und Wildheit weithin bekannt geworden waren, sagen einige, dass jene, die in alten Zeiten ganz Asien durchzogen und Kimmerier genannt wurden, eben diese gewesen seien; nur hätten sie den Namen in der Bezeichnung der sogenannten Κίμβροι im Laufe kurzer Zeit entstellt. Denn seit alters her pflegten sie, in fremde Länder einzufallen, um zu rauben, und alles zu verachten.
Diodorus Siculus, Bibliotheca Historica, Vol 1–2, ed. by I. Bekker, L. Dindorf, F. Vogel, Leipzig: Teubner, 1888–1890.
5.32.4. „Und da der Mut dieser Völker und ihre wilde Lebensweise weithin bekannt geworden waren, sagen manche, sie seien es gewesen, die in alter Zeit ganz Asien überrannten und Kimmerier genannt wurden, wobei die Zeit das Wort leicht veränderte und daraus den Namen Kimmerier machte, wie sie heute genannt werden. Denn seit jeher war es ihr Ehrgeiz zu plündern; zu diesem Zweck fielen sie in die Gebiete anderer ein und begegneten allen Menschen mit Verachtung.“
Diodorus Siculus, Library of History, Band 3: Bücher 4.59–8, übersetzt von C. H. Oldfather, Cambridge (MA): Harvard University Press, 1939 (Loeb Classical Library 340).
³ Posidonius {135–51 v. Chr.} apud Strabo {64/63 v. Chr. – 19/24 n. Chr.} 7.2.2.
Dafür tadelt Poseidonios die Schriftsteller zu Recht und vermutet dies nicht richtig, weil die Κίμβροι, da sie räuberisch und umherziehend waren, ihren Kriegszug bis in die Gegenden am Maiotis-See ausdehnten.
„Poseidonius hat recht, die Historiker für diese Behauptungen zu tadeln, und seine Vermutung ist nicht schlecht, dass die Cimbri, ein seeräuberisches und umherziehendes Volk, sogar bis in die Gegend des Mäotischen Sees vorgedrungen seien.“
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Die geografisch weit voneinander entfernten Ethnonyme Cimbri und Cimmerii werden hier nicht behandelt – es handelt sich um eine typische Volksetymologie aufgrund zufälliger Ähnlichkeit.
2.3. Müllenhoff (1887: 117) vermutete ausgehend von der Interpretation „Raub“ einen keltischen Ursprung. Unterstützung suchte er in altirischen Glossen wie cim(b) „Steuer, Tribut, Silber“ (DIL C-186), daneben cimbid „vinctus“, d. h. „Gefangener“, aber auch „Anathema“, d. h. „Opfer“, Gen. Sg. cimbetho „des Gefangenen“, Nom. Pl. cimbidi „Gefangene“ (DIL C-187). Verwandt sein könnte Gallo-Lat. [Glossar des Endlicher] cambiāre „rem pro re dare“ (zuerst bei Apuleius belegt), d. h. „tauschen“, Bret. kemm „Tausch“ (< PCelt. *kambio- < PIE *kṃBo), wenn der Tribut in wechselbarem Silber entrichtet und die Gefangenen ebenfalls ausgetauscht wurden (vgl. LEIA C-99f.; de Bernardo Stempel 1987: 96f.; Schrijver 1995: 282f., 289). Diese Lösung setzt voraus, dass die Cimbri „Räuber“ genannt wurden, weil sie Gefangene machten, wahrscheinlich gegen Lösegeld. Selbst wenn man dies akzeptiert, bleibt ein phonologisches Problem: Die vorangehenden Beispiele bestätigen, dass das erwartete Gegenstück zu OIr. cimbᵒ Gaul. *kambᵒ ist, sofern beide von *kṃBᵒ abgeleitet sind (siehe Matthias 1904; Much 1905: 2999).
2.4. Zeuss (1837: 142) betonte den kriegerischen Charakter der Cimbri und erklärte ihren Namen mithilfe von ONor. keppa „Stärke zeigen; kämpfen“, kappi „Ringer“, OHG kampf „Eifer, Streit, Wettkampf“, kempᵒ „Faustkämpfer“. Bereits Müllenhoff (1887: 118) wies dies zurück, da diese Formen aus Lat. campus „Schlachtfeld“ entlehnt waren (vgl. AnEW: 300f., 306; EWAhd 5: 368–370, 469f.).
2.5. Natürlich ist es ebenfalls legitim, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass das Ethnonym des für Raub berüchtigten Stammes sich zu einem Appellativum entwickelte, etwa wie im Fall der Vandalen. Dieser Ausgangspunkt eröffnet Raum für andere Lösungen, die nicht mit Aggressivität verbunden sind.
2.6. Müllenhoff (1887: 116f.) erörterte mehrere etymologische Versuche. Neben einer relativ plausiblen keltischen Etymologie, die oben in §2.3 analysiert wurde, verwarf er auch den oberflächlichen Vergleich mit dem Ethnonym Cymry „Waliser“, Bret. Kenuro, vorgeschlagen von Graff (AhdS IV: 405), da dieses die brittonische Pluralzusammensetzung *kom-brogī „aus demselben Gebiet“ widerspiegele, im Gegensatz zum gallischen Ethnonym Allo-broges [z. B. Cicero, De divin. 1.21; Brutus ad Cic. Epist. 11.13.14] „aus einem anderen Gebiet“ = „Fremde“ (ACS 1: 96–105, 1072; DLG²: 34, 77; DLG³: 39, 91)
⁴ Lat. cambiāre wird allgemein als Entlehnung aus dem Keltischen angesehen, während die oben erwähnten mittelalterlichen keltischen Wörter bisweilen als Rückentlehnungen aus dem Lateinischen betrachtet werden (vgl. Walde, Hofmann 1938–1956 1: 145f.; DÉLL: 89).
⁵ Vgl. zu diesem Ethnonym in extenso Zimmer 2007 (mit älterer Literatur).
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or, according to Zimmer (2007: 674) ““die auf dem Land von anderen (d.h. auf erobertem Land) wohnen”.”
2.7. Müllenhoff (1887: 118) selbst verwarf auch die auf OHG gambar „mächtig, stark“, der langobardischen Stammmutter Gambara beruhende Möglichkeit, bei der das erwartete stimmlose *k Ergebnis der strengen „Zweiten Lautverschiebung“ sein müsste.
2.8. Aus Sicht der historischen Phonetik vielleicht vielversprechender, semantisch jedoch schwächer, ist ein weiterer von Müllenhoff (1887: 118) vorgeschlagener Versuch, der auf OHG einkimpi „funestus“, pikimpôt, pikimbitha „funus“ beruht; diese sollten mit kumbalþoro „Heerzeichenträger“ (EWAhd 5: 861f.), OE cumbol, Var. cumbor [Beowulf 1022] „Heerzeichen, Banner“ (Holthausen 1963[1934]: 63), ONor. kumbl „Grabmal, Helm(zeichen)“ (AnEW: 333f.) in Beziehung stehen. Der gemeinsame semantische Nenner dieser Bedeutungen soll „Verzierung“ sein, angewandt sowohl auf den Helm als auch auf das Begräbnis oder Grab. Somit seien die Cimbri durch ihre verzierten Helme gekennzeichnet gewesen (!). Noch weniger vereinbar mit den Bezeichnungen für „Grab“, „Banner“ oder „Helm“ ist aus semantischer Sicht OHG kumbarra „Stamm, Volk, Geschlechtsverband“, cumpurie „tribus“ [Vocabularius St. Galli], das von Grimm (1840: 92) gebildet und von Müllenhoff (1887: 118) sowie sogar in EWAhd 5: 862f. akzeptiert wurde.
2.9. Müllenhoff vermutete (1887: 118) außerdem einen Zusammenhang des Ethnonyms Cimbri mit OE cimbing „Kimmung, Fuge, Verbindung“ (Holthausen 1963[1934]: 49). Verwandt sind NFris. kimming „Horizont“, ferner OE cimb-stān „Sockel, Fuß“, E chימbe, chirne „Rand oder Saum eines Fasses oder einer Trommel“, MDU. kirnme „Rand, Saum“, D kim „Horizont“, dial. „Rand eines Fasses, Saum“, MLG kimme „Rand, Horizont“, G Kimm „Horizontlinie“; Schwed. kimb „Fassdaube“ (Kluge 1999: 442; Holthausen 1963[1934]: 49). Diese Formen gehen auf PGmc. *kembōn- > *kimbōn f. „Kamm, Grat“ zurück, den ablautenden femininen n-Stamm zu PGmc. *kambą- „Kamm“ (EDPG: 287, 279; EWAhd 5: 360–362). Dieser Gedanke wurde etwa von Matthias (1904: 40f.; vgl. Much 1905: 2999: „Kimber – Leute vom Rand, von der Küste des Meeres“) oder von Schönfeld (1911: 64: „Die einfachste und jedenfalls mögliche Deutung ist ‚die Leute vom Rande (kim), von den Küsten des Meeres, von der Waterkant‘“) weiterentwickelt. Diese semantische Motivation könnte auf etwa von Strabo (mit Vorbehalten) oder Florus überlieferten Geschichten von verheerenden Fluten beruhen, die die Meeresküste der Heimat der Cimbri zerstört hatten:
Strabo (63 v. Chr. – 23 n. Chr.), Geographica 7.2
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Über die Κίμβροι wird manches zwar zutreffend, anderes jedoch mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit berichtet. Eine solche Ursache dafür, dass sie zu Umherziehenden und Räubern wurden, würde wohl niemand anerkennen: dass sie, weil sie in einem ungünstigeren Gebiet wohnten, durch eine große Überschwemmung aus ihren Wohnsitzen vertrieben worden seien. Denn auch jetzt besitzen sie noch das Land, das sie zuvor besaßen,
Strabo: Geographica, herausgegeben von A. Meineke, Leipzig: Teubner, 1877.
„Was die Cimbri betrifft, so sind einige über sie erzählte Dinge unrichtig und andere äußerst unwahrscheinlich. So könnte man etwa nicht als Grund dafür, dass sie zu einem umherziehenden und seeräuberischen Volk geworden seien, akzeptieren, dass sie, während sie auf einer Halbinsel lebten, durch eine große Flutwelle aus ihren Wohnsitzen vertrieben wurden; denn tatsächlich besitzen sie das Land noch immer, das sie in früherer Zeit besaßen.“
Strabo: Geography, herausgegeben von H. L. Jones. Cambridge (Mass.): Harvard University Press – London: Heinemann, 1924.
Florus (74–130 n. Chr.), Epitome III 3
Cimber, Teutonen und Tiguriner, die aus den äußersten Gebieten Galliens geflohen waren, suchten, nachdem der Ozean ihre Länder überflutet hatte, überall auf der Welt nach neuen Siedlungsplätzen
„Die Cimbri, Teutonen und Tigurini, Flüchtlinge aus den äußersten Gebieten Galliens, suchten, nachdem der Ozean ihre Länder überschwemmt hatte, überall auf der Welt nach neuen Wohnsitzen.“
Lucius Annaeus Florus: Epitomae Historiae Romanae, herausgegeben von E. S. Forster in der Loeb Classical Library, London, 1929
Ein Problem dieser Etymologie betrifft jedoch die Wortbildung. Wenn wir ein vor-protogermanisches *gembā- → PGmc. *kimb-ōn akzeptieren, müssten wir eine innergermanische ro-Ableitung von einer Vollstufe der Wurzel annehmen. Dies wäre eine sehr außergewöhnliche Bildung im Germanischen. Zu erwarten wäre eine reguläre Bildung mit der Nullstufe, die jedoch ebenfalls vor-protogermanisch sein müsste: PIE *ǵṃbh-rō- → PGmc. *kumbra. Die Bedeutung dieser Bildung wäre jedoch alles andere als klar; ursprünglich hätte sie etwa „beißend“ bedeutet, da PIE *ǵembh „schnappen, (zer-)beißen“ bedeutete (LIV²: 162f.). Da wir nicht feststellen können, wann das Lexem PIE *ǵómbh-o- „Zubiss“ (EWAhd 5: 362) die Lexikalisierung zu PGmc. *kambā- „Kamm“ durchlief, können wir auch nicht feststellen, ob PGmc. *kumbra irgendeine semantische Verbindung zu PGmc. *kamba- „Kamm“ gehabt haben könnte.
2.10. Vielleicht nur einen anekdotischen Sinn hat der letzte von Müllenhoff (1887: 118) zitierte Versuch, nämlich die Erklärung auf der Grundlage des Isländischen kimbí „Spötter“, im Altisländischen „Spottvogel“ (!).
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2.11. Matthias widmete seine Dissertation (1904) dem Problem des Ethnonyms Cimbri, das von Much (1905) ausführlich behandelt und kommentiert wurde. Matthias bevorzugte zwei einander ausschließende Lösungen. Die erste war bereits 1887 von Müllenhoff formuliert worden (siehe §2.9), die zweite ist neu. Er verband Cimbri mit dänischen Ortsnamen wie Himmerland oder Himbersyssæl. Dies würde bedeuten, dass das anlautende c im Ethnonym eine unvollkommene Wiedergabe des urgermanischen *χ- (d. h. h- in den altgermanischen Literatursprache) darstellt oder dass die Erste Lautverschiebung zum Zeitpunkt der Übernahme des Ethnonyms ins Lateinische und Griechische noch nicht gewirkt hatte. Matthias’ Auffassung wurde von Much (1920: 95) übernommen, der als germanischen Ausgangspunkt des Ethnonyms *Himbrōs vorschlug. Diese Lösung wird bis heute beibehalten; so sagt etwa Nedoma (2017: 875):
„Die ersten germanischen gentes, die mit Rom in Kontakt kamen, waren die Cimbri und die Teutones, die das Römische Reich am Ende des 2. Jh. v. Chr. herausforderten; sie sind Entsprechungen zu Gmc. *Himbrōz und *Peudanōz, vgl. Himbersyssæl und Thythæsyssæl, zwei aus dem Jahr 1231 n. Chr. bekannten Gebieten in Nordjütland).“
Matthias legte (1904) ebenfalls seine Etymologie vor, die auf dem Vergleich mit ONor. híma „in Gedanken versunken sein, trödeln“ beruhte; vgl. ferner Schwed. dial. híma „kränkeln“, Norw. hīm „Schicht dünner Wolken, dünne Reif- oder Schneeschicht“, Fär. hím „schwaches Licht“, wobei die semantische Motivation und die Wortbildung ungeklärt blieben. Vielleicht könnte der wahrscheinliche Derivat, ONor. himbrin „Eistaucher (Colymbus glacialis)“, Norw. imbre, (h) ymmer, den Namen für dän. Himmerland sowie Schwed. Himbra, Himmerfjärden geliefert haben (vgl. de Vries in AnEW: 227, der ebenfalls einen Zusammenhang mit dem Namen der Cimbri nicht ausschloss).
2.12. Rozwadowski (1928: 361; vgl. auch REW 3: 61f.) und Gołąb (1982: 166f.) sahen einen Zusammenhang des Ethnonyms Cimbri mit dem slawischen Appellativ *sębrъ > Altsorbisch sebrъ „Teilnehmer, Gefährte, Partner“, Serbisch sèbar, Gen. sèbra „Bauer“, Slowen. srebar, Gen. srebra „Bauer“, ORuss. sebrъ „Nachbar, Mitglied derselben Gemeinschaft“, Russ. dial. sjabër, Gen. sjabrã „Nachbar, Gefährte, Partner“, Ukr. sjáber, sjabró „Teilnehmer, Gefährte, Partner“, Weißruss. sjabr „Verwandter, Gefährte, Bruder“, mit frühen Entlehnungen in den Balkansprachen, die den Nasal noch bewahren: Ungar. cimbora „Gefährte, Freund“, Rum. símbră „Gesellschaft, Gemeinschaft“, tosk. Alb. sěmbër „Partner, Miteigentümer von Vieh“, Mgr. σέμπρος, σεμπρός „Partner“. Wenn Cimbri PGmc. *ximbra widerspiegelt, ist es tatsächlich mit PSl. *sębrъ vereinbar, und beide lassen sich von derselben vorurgermanischen/vorslawischen Vorform *kimro- ableiten. Verwandt könnte PGmc. *xaima m. „Dorf, Heimat“ (EDPG: 201; EWAhd 4: 905–907) und PSl. *sěmbja „Familie“ sein, daneben Lit. šeimà „Familie, Verwandtschaft, Hausgesinde“, mit der r-Erweiterung šeimerỹs „Gefährte“, Lett. saìme
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„Hausgesinde, Familie {im weiteren Sinne}“ (ESJS 13, 804f.) und ferner OIr. cóim, OBret. cum „lieb“ (EDPC: 220), alle aus PIE *kei- „sich hinlegen“ oder *tei- „wohnen“ (LIV²: 320 bzw. 643f.).
Das Problem dieser Etymologie wäre jedoch, dass vorurgermanisch/vorslawisch *kimro als *ki-m-ro- segmentiert werden müsste, da *ki-m als Nullstufe einer Neuwurzel *keim, betrachtet werden müsste, deren m ursprünglich ein Suffix ist. Wenn man bereit ist, dies zu akzeptieren, könnte eine ursprüngliche Bedeutung „zum Haus / zur Familie gehörig“ rekonstruiert werden.
3. EINE NEUE LÖSUNG
Ein Schlüssel zu einer neuen Lösung könnte in OHG kumbar(r)a⁶ f. „Stamm, Volk, Geschlechtsverband“, Gl. cumpurie „tribus“ [Vocabularius St. Galli] liegen, das von PGmc. *kumbariōn- abstammt (vgl. EWAhd 5: 862f.), mit einer möglichen Variante PGmc. *kumburin-.
3.1. Diese Lösung, erstmals 1838 von Graff erwähnt (AhdS IV: 405f.: „Ist cumbirra ‚tribus‘ damit {scil. mit Cimbri} zusammen zu halten?“) und beispielsweise von Laistner (1892: 31) akzeptiert, ist denkbar, wenn die ursprüngliche Form des Ethnonyms PGmc. *kumbra oder *kumbriia-. lautete. Bereits Graff (AhdS IV: 405f.) erwähnte den männlichen Personennamen Cumbro zusammen mit dem Appellativ kumbar(r)a und dem Ethnonym Cimbri. Die Varianten des Ethnonyms mit der hinteren Vokalreihe u/y/o in der ersten Silbe sind tatsächlich belegt – siehe §1.
⁶ Laistner (1892: 31) versuchte, auch MHG kumber „congeries, moles, molestia“ einzubeziehen, das in WGS 37 als PGerm. *kumbra-. projiziert wurde. Es wird jedoch gewöhnlich als Anpassung von Gallo-Lat. *combros „Zusammengetragenes“ erklärt (Kluge 1999: 493). Neumann et al. (2000: 494) versuchten sogar, OHG kumbar(r)a aus dem Gallo-Lateinischen zu erklären, vgl. mittelalterliches Lat. confero „zusammentragen“. Andererseits nannte Tacitus [Germania 37] sie civitas „Gemeinschaft“. Es liegt nahe, darin einen Hinweis auf die Interpretation des Ethnonyms zu sehen: Eundem Germaniae sinum proximi Oceano Cimbri tenent, parva nunc civitas, sed gloria ingens. veterique famae lata vestigia manent, utraque ripa castra ac spatia, quorum ambitu nunc quoque metiaris molem manusque gentis et tam magni exitus fidem. Cornelius Tacitus: de Origine et Situ Germanorum Liber. In: Opera Minora, herausgegeben von H. Furneaux. Oxford: Clarendon Press, 1900. „In demselben entlegenen Winkel Germaniens, am Ozean, wohnen die Cimbri, heute ein unbedeutender Stamm {genauer: ‚Gemeinschaft‘}, aber von großem Ruhm. Von ihrem alten Glanz sind noch weit verbreitete Spuren erhalten; an beiden Ufern des Rheins liegen Lager von gewaltiger Ausdehnung, und anhand ihres Umfangs kann man noch heute die Kriegsmacht des Stammes messen und einen Beweis für jene gewaltige Auswanderung finden.“ Cornelius Tacitus: Germany and its Tribes. In: Complete Works of Tacitus, übersetzt von A. J. Church, W. J. Brodribb, New York: Random House, 1942.
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Erwähnen wir ferner die Schwankung u ~ i im Lateinischen, wo die u-Formen primär sind,⁷ oder die griechische Schwankung υ ~ ι, die als Zeugnis eines Substrats oder einer fremden Herkunft von Wörtern aufgefasst worden ist (Furnée 1972: 364–367; EDG xxxi; Beekes 2014: 25)⁸. Eine ähnliche Schwankung zeigt sich bei der Transkription antiker Ethnonyme ins Griechische oder Lateinische (Schönfeld 1911: 157, 215–217):
Λοῦγοι [Ptol. 2.11.10], Λύγιοι [Cassius Dio 67.5.2], Lygii, mit den Varianten Ligii [Tacitus, Germania 12].
Sugambri [Caesar, BG 4.16.9, 4.18.3, 4.19.13, 6.35.9], Σούγαμβροι [Strabo 4.3.4, 7.1.3, 7.2.4], Sygambri [Horatius, Carmina 4.2.36, 4.14.51], Σύγαμβροι [Ptol. 2.11.6], Sigambri [Suetonius 21.1], Sicambri [Florus 2.30].
3.2. Die semantische Motivation ist recht transparent, schlicht „Volk“, „Stamm“ oder „Vereinigung eines Clans“ vel sim.. Eine parallele semantische Entwicklung findet sich in der deutschen Selbstbezeichnung deutsch, Ahd. diutisc „(Sprache) des Volkes“, niederl. duits, mnl. du(i)tsc, asächs. thiudisk, aus PGmc. *þeudiska-, ursprünglich „zu einem eigenen Stamm oder Volk gehörig“, einer Ableitung von PGerm. *þeudi m. > Ahd. diot m., alfränk. thiat, Nom.pl. thiadi, *þeuda n. > Ahd. diot n. „Volk, Menschen, Volksstamm, Heiden“, neben dem häufigsten PGerm. *þeudō f. > Got. þiuda⁹
⁷ Vgl. lat. lubet ~ libet „es gefällt“, clupeus ~ clipeus „Rundschild“, liber „Baumrinde, Buch“ gegenüber opr. lubbo „Bast, Brett, Regal“, russ. lub „Bast“ (EDLIL: 337f., 121); ebenso marruk. cibat gegenüber südpiken. qupat „liegt (begraben)“ (Untermann 2000: 418). Derselbe Effekt wirkte wahrscheinlich in den von römischen Autoren transkribierten sabellischen Wörtern, z. B. sabin. ciprum „bonum“ (Varro 1.1.5,159) gegenüber südpiken. akupní (Untermann 2000: 405). Erwähnen wir, dass Gaius Marius, der die Cimbri besiegte, nahe der Stadt Arpinum geboren wurde, die bis 305 v. Chr. zum Gebiet der Volsci gehörte [Iuv. 8.35; Diod. 20.90. Liv. 9.44, 16].
⁸ Vgl. gr. βίβλος „die innere Rinde des Papyrus“ [Plato, Polit. 288E], „ein Buch“ [Aesch., Supp. 947] gegenüber βύβλος „ägyptischer Papyrus“ [Hdt. 2.92; Aesch. Supp. 761], „Papier, Buch“ [2.100]; βιβλίον „ein Streifen aus βίβλος, ein Papier, Brief“ [Hdt. 1.125, 3.128; Ar. Av. 974] gegenüber βιβλίον „Byblos-Papier“ [Hesychius]; βίβλινος [papyr.], βίβλινος οἶνος „byblischer Wein“ (aus einem Gebiet Thrakiens) [Hes. Op. 587] gegenüber βύβλινος „aus βύβλοιο hergestellt“ [Od. 21.391; Hdt. 7.25, 36], Βύβλινος [Eur. Ion. 1195]. Diese Termini waren durch den Stadtnamen Βύβλος motiviert, der aus der primären semitischen Form *Gublu übernommen wurde, die auf der Grundlage von Akk. URUḡub/gu-ub-la/li, Syll. Ugar. URUḡu-ub-li & KURḡu₅-ub-li, alph. Ugar. gbl, phön. gbl, hebr. Ġᵊbal rekonstruiert werden kann (DUL: 290; HAL: 173f.; GEW 1: 235; Masson 1967: 101–107; Rosól 2013: 167).
⁹ CSlav. *tjudjb „fremd“ kann eine gotische Quelle widerspiegeln, die als *þiudja- rekonstruiert werden kann (siehe Pronk-Tiethoff 2013: 202–204 und ESJS 16, 946f. mit Diskussion). Obwohl es im Korpus des biblischen Gotischen nicht erhalten ist, kann es im Namen des westgotischen Königs Thiodis / Theudis / Teudis identifiziert werden [Jordanes, Getica 58/302], Θευδης [Procopius, BV 1.13.13]. Im biblischen Gotischen ist es als *þiudeis rekonstruierbar (Schönfeld 1911: 234f.). Jordanes [23/116] berichtet von einem fremden Volk Thiudos im Norden, das der Macht des gotischen Königs Ermanarich unterstand. Zeuss (1837: 688) identifizierte in diesem Ethnonym Nestors [2.24; 2.105] Čjudь, vielleicht die Esten und ihr Land.
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Cimbri et Teutoni
„Volk, Nation“, Gutþiuda „Volk der Goten“; anor., isl. þjóð10 „Volk“, fär. tjóð, norw. tjod, dial. tjo, gotländ. tjaud; ae. ðéod, afries. thiāde, thiēde, asächs. thiod(a), ahd. diota „Nation, Volk“ (EDPG: 540; EWAhd 2: 684–688; AnEW: 613; NDEW 2: 1307), mit nahen Verwandten im Baltischen: olit. (Daukša) tautà „Volk“, daneben tautìnti „einen nationalen Charakter geben“, taũsti „seinem Volkstum abtrünnig werden“, aptautėlis „Zwerg“; lett. tàuta, dial. (Raipole) taûta „Art, Gattung; Verwandtschaft, Volk, Nation“, tautas f.pl. „Fremde; reguläre Soldaten; Söldner aus fernen Ländern“, vgl. die Familiennamen Tautàs, Tautìnas; opr. tauto, Akk. tautan „Land, Landstrich“ usw. (ALEW: 1082; Smoczyński 2018: 1458; LEW 2: 1069; LDW 4: 140f.).
Italisch: ven. Nom.Sg. teuta, osk. Nom.Sg. τωφτο, touto, Akk.Sg. tautam, marruk. Dat.Sg. toutai, umbr. Akk.Sg. tuta, totam, tota, Gen.Sg. tutas, totar „civitas“,
Eine weitere Bezeichnung, vgl. lat. lubet ~ libet „es gefällt“, clupeus ~ clipeus „Rundschild“, liber „Baumrinde, Buch“ gegenüber opr. lubbo „Bast, Brett, Regal“, russ. lub „Bast“ (EDLIL: 337ff., 121); ebenso marruk. cibat gegenüber südpiken. qupat „liegt (begraben)“ (Untermann 2000: 418). Derselbe Effekt wirkte wahrscheinlich in den von römischen Autoren transkribierten sabellischen Wörtern, z. B. sabin. ciprum „bonum“ (Varro 1.1.5,159) gegenüber südpiken. Adv. kuprí (Untermann 2000: 405). Erwähnen wir, dass Gaius Marius, der die Cimbri besiegte, nahe der Stadt Arpinum geboren wurde, die bis 305 v. Chr. zum Gebiet der Volsci gehörte [Iuv. 8.35; Diod. 20.90. Liv. 9.44, 16]. Vgl. gr. βίβλος „die innere Rinde des Papyrus“ [Plato, Polit. 288E], „ein Buch“ [Aesch., Supp. 947] gegenüber βύβλος „ägyptischer Papyrus“ [Hdt. 2.92; Aesch. Supp. 761], „Papier, Buch“ [2.100]; βιβλίον „ein Streifen aus βίβλος, ein Papier, Brief“ [Hdt. 1.125, 3.128; Ar. Av. 974] gegenüber βυβλίον „Byblos-Papier“ [Hesychius]; βιβλῖνος [papyr.], βίβλινος οἶνος „byblischer Wein“ (aus einem Gebiet Thrakiens) [Hes. Op. 587] gegenüber βύβλινος „aus βύβλο hergestellt“ [Od. 21.391; Hdt. 7.25, 36], Βύβλινος [Eur. Ion. 1195]. Diese Termini waren durch den Stadtnamen Βύβλος motiviert, der aus der primären semitischen Form *Gublu übernommen wurde, die auf der Grundlage von Akk. URUgu/ub/gu–ub-la/li, Syll. Ugar. URUgu–ub–li & KURgu–ub–li, alph. Ugar. gbl, phön. gbl, hebr. Ġabāl rekonstruiert werden kann (DUL: 290; HAL: 173f.; GEW 1: 235; Masson 1967: 101–107; Rosól 2013: 167).
KSlaw. *tjudь „fremd“ kann eine gotische Quelle widerspiegeln, die als *þiudja– rekonstruiert werden kann (siehe Pronk–T̨iethoff 2013: 202–204 und ESJS 16: 946f. mit Diskussion). Obwohl es im Korpus des biblischen Gotischen nicht erhalten ist, kann es im Namen des westgotischen Königs Thiodis / Theudis / Teudis identifiziert werden [Jordanes, Getica 58/302], Θευδης [Procopius, BV 1.13.13]. Im biblischen Gotischen ist es als *þiudeis rekonstruierbar (Schönfeld 1911: 234f.). Jordanes [23/116] berichtet von einem fremden Volk Thiudos im Norden, das der Macht des gotischen Königs Ermanarich unterstand. Zeuss (1837, 688) identifizierte in diesem Ethnonym Nestors [2.24; 2.105] Čjudь, vielleicht die Esten und ihr „fremdes Volk“, das gotischen oder ostgermanischen Ursprungs sein könnte, erscheint im Althungarischen (1121) als Tout „Slave“, seit dem 17. Jh. als Tót „Slowake“ (EWU II: 1535f.).
10 Eine archaischere Form erscheint in der Runenüberlieferung der Zusammensetzung anor. Sviþjóð, nämlich in der Formulierung a suþiuþu „in Schweden“ aus der auf etwa 1050–1100 datierten Runeninschrift von Simris in Schonen (AnEW: 571). Eine noch archaischere Schicht wird durch das proto-nordische oder frühgotische Lehnwort im Protosamischen *tie̯Dō „Mann“ repräsentiert (Sammallahti 2001: 409; vgl. Qvigstad 1893: 129f. mit konkreten Dialektdaten).
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SPik. Nom.Sg.? toúta, Dat.Sg./Pl.? toútaih „Stadt, Gesellschaft“ usw. (Untermann 2000: 779–781; EDLIL: 618f.).
Keltisch: air. túath „Volk, Stamm, Land“, mittelwalis. tut „Volk, Land“, walis. t̄ud „Land“, korn. tus, mbret. tut, nbret. tud „Volk“ (EDPC: 386f.), gall. [Inschrift aus Vaison] τουτιους „Bürger“ (DLG³: 300), cisalpin-gall. [Brioni] Gen.Sg. toutas „Stamm“ (Lambert 2003: 58, 74f.), keltiber. [Botorrita IV: A1] Akk.Sg. toutam „pueblo“ (Jordán Cólera 1998: 148) = „Volk“ (Stifter [1996]2001: 97), daneben zahlreiche onomastische Gegenstücke, z. B. im gallischen Theonym Teutates [Lucanus, Pharsalia 1.444–446], Toutatis „Beiname des Mars“ [CIL III: 5320], Anthroponym im Gen.Sg. Touto-rigis [Vienne-en-Val; siehe Lejeune 1971: 484; Delamarre 2007: 184], daneben Apollos Beiname im Dat.Sg. Toutio-rigi [CIL XIII: 7564]; galatisches Ethnonym Touto-bodiaci [Pliny 5.146] usw. (DLG³: 295); lepontisches Anthroponym als Münzlegende Toutio-pouos (Lejeune 1971: 484); keltiberischer Familienname im Gen.Pl. Toutinikun (MLH V.1, 41f.); ferner mögliche onomastische Kognaten in anderen Sprachen: lusitanische Theonyme Toudadigoe (vgl. gall. Toutatis + –iko–), Toudopalandaigae (MLM V.1: 411f.); messapische Eigennamen: Taotinahiaihi (Gen.Sg.), Θeotor, Gen.Sg. Θeotoras usw. (MLM 2: 174, 324); illyrische Königin Teuta [Polybius II.4.7, 6.9, 8.4, 8.7, 8.10, 9.1, 11.4, 11.16, 12.3] = Teuta [Pliny 34.6.24]; „pelasgisch“ Τευταμίδης [Il. 2.843], d. h. „Sohn des *Teutamos“, tatsächlich verwendet im Makedonischen Τεύταμος [Diodorus Siculus 18.59]; ferner dak. Tautomedes im Cod. Theod. 15.1.13: Tautomedi duci Daciae ripensis (Detschew 1957: 495); thrakischer Frauenname Τουτα, Τιουτη, Τουτα (Plovdiv, Saladinovo bzw. Varna; Detschew 1957: 507) usw. (vgl. z. B. EWAhd 2: 686; Beekes 1998: 461).
Verwandt könnte auch heth. tuzzi c. „Heer, Streitkräfte, Militärlager¹¹“ sein, trotz eines starken Bemühens, es von den „alt-europäischen“ Vergleichsformen zu trennen (vgl. EDHIL: 908; Kloekhorst urteilt, dass der hethitische Fortsetzer des i-Stamms *teuti als **tuzzazzi- belegt sein sollte). Ein hypothetisches anatolisches Kognat im Lykischen B (= Milyischen) tuta wurde als „Gemeinde“ (Stoltenberg) oder „Krieger“ interpretiert
¹¹ Derselbe Bedeutungsunterschied zwischen „Volk“ und „Heer“ zeigt sich in PGmc. *fulka- > anor. folk „Heer, Menge, Volk“; ae. folc „Volk, Stamm; Menge, Schar; Heer“, engl. folk, afries., asächs., ahd. folk, mhd. volc „Vielzahl, Volk, Infanterie“, dt. Volk „Volk“ (Holthausen 1963[1934]: 111; Kluge 1999: 866). Die unmittelbar in der langobardischen Glosse fulc-free „höchster Freiheitsgrad für einen ehemaligen Sklaven“ und in ostgermanischen Personennamen wie dem westgotischen Fulgaresdus und dem herulischen Φούλγαρος erhaltene Form *fulka- wurde im KSlaw. als *pъlkъ > Akslaw. plъkъ „Aufstellung; Keil“, KSlaw. plъkъ „Menge, Volk“, oruss. pъlkъ / pуlkъ / pъlkъ / polkъ „Regiment, Schlacht, Feldzug, Volk, Menge“, russ. polk „Regiment, Menge“, ukr. polk „Regiment“, poln. pułk, arch. pełk „Regiment“, obersorb. połk, alt. tschech. plk, tschech. pluk „Gruppe, Regiment“, slowak. pluk „Regiment“, serbokroat. puk „Volk, Menge“, bulg. plăk / pălk „ebd.“ übernommen (Pronk-Tiethoff 2013: 121f.).
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(Ševoroškin) — siehe Neumann (2007: 392f.), während Aixenval’d, Bajun, Ivanov (1987: 173, 190) es mit „Heer“ übersetzten.
4. TEUTONI / TEUTONES UND PIE *teutēh₂–
Aus demselben Stamm PIE *teuto/eh₂– ist das Ethnonym Teutoni [Mela 3.3.32; Pliny, NH 4.99; Florus 1.38{3.3}], Τεύτονες [Plutarch, Marius 15, 18 & Plutarch, Caesar 18; Ptolemy 2.11.9], Teutones [Ammian 31.5.12] abgeleitet (siehe ACS 2: 1808–1820; Zimmer 2005: 368). Es gehört unabhängig von seiner Herkunft, ob keltisch oder germanisch, zu den frühesten überlieferten westeuropäischen Ethnonymen. Plinius vermittelte in seiner Naturalis Historia [37.35–36/12/11] das Zeugnis des Pytheas von Massalia über dessen um 325 v. Chr. unternommene Reise in den Norden:
… Pytheas zufolge liegt bei den Gutonen, einem germanischen Volk, die durch sechstausend Stadien gemessene Mündung des Ozeans namens Metuonidis; eine Insel namens Abalus ist von dort eine Tagesfahrt entfernt; im Frühling wird Bernstein durch die Wellen dorthin getragen und ist eine Ausscheidung des gefrorenen Meeres; die Bewohner verwenden ihn anstelle von Holz zum Feuer und verkaufen ihn den benachbarten Teutonen.
Plini Secundi Naturalis Historia, herausgegeben von K. F. T. Mayhoff, Lipsiae: Teubner 1906.
„… Pytheas sagt, dass die Gutonen, ein Volk Germaniens, die Ufer eines Ästuars des Ozeans namens Metuonidis bewohnen, wobei sich ihr Gebiet über eine Entfernung von sechstausend Stadien erstreckt; dass eine Tagesfahrt von diesem Gebiet entfernt die Insel Abalus liegt, an deren Ufern im Frühjahr Bernstein von den Wellen angespült wird, der ein ausgeschiedenes, erstarrtes Produkt des Meeres ist; und dass die Einwohner diesen Bernstein als Brennstoff verwenden und ihn ihren Nachbarn, den Teutonen, verkaufen.“
Plinius der Ältere, The Natural History, übersetzt von John Bostock, H. T. Riley, London: Taylor & Francis, 1855.
5. TEUTONI & CIMBRI = „VERWANDTE“ ODER „STAMMESFÜRSTEN“?
Wenn die vorangegangenen Überlegungen zutreffen, wurden beide Ethnonyme, Cimbri (*kumbr̥(ii)a-?) und Teutoni / Teutones, aus mehr oder weniger synonymen Bezeichnungen derselben sozialen Einheit, „Stamm, Volk“, gebildet. Die antiken Autoren führen sie häufig gemeinsam an: Teutonos Cimbrosque [Caesar, BG 2.4.1], Τευτόνων καὶ Κίμβρων [Plutarch, Marius 11] usw.
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5.1.1. Eine Möglichkeit besteht in der Annahme, dass es sich um ein und denselben Stamm handelte, der unter zwei synonymen Namen bekannt war, welche als Namen zweier verschiedener Stämme umgedeutet wurden. In diesem Fall muss die nasale Erweiterung im Namen Teutoni / Teutones erklärt werden.
5.1.1. Scheel (1898: 578–595) sah hierin eine Anpassung der primären germanischen Ethnonyme an lateinische oder griechische Derivationsmodelle.
5.1.2. Schönfeld (1911: XXVf., 95f.) kritisierte diese Lösung scharf und versuchte, on– als Ergebnis der schwachen Deklination zu erklären.
5.1.3. Schaffner (2015: 179–181) sieht in der nasalen Erweiterung der germanischen Stammesnamen in *anm. / *-ōnf. die Anwendung des indogermanischen Possessivsuffixes *-Hxon nach einer Angleichung an „normale“ n-Stämme.
5.1.4.1. Die nasale Erweiterung des Stammes *teuto/ā ist im Namen der illyrischen Königin Teutana aus dem 3rd. Jh. v. Chr. belegt [Florus, Epitome 1.21], im Vergleich zur nicht erweiterten Form Τεῦτα [Polybius II.4.7, 6.9, 8.4, 8.7, 8.10, 9.1, 11.4, 11.16, 12.3], Teuta [Pliny 34.6.24] usw. (Krahe 1929: 113).
5.1.4.2. Besser dokumentiert sind diese Formen im Keltischen: gallische Personennamen (ACS 2: 1899f.; Delamarre 2007: 184; OPEL 4: 128): Cassia Toutona coniux aus Lugdunum / Lyon, Frankreich [CIL XIII: 2014] memori[ae] aeternae T[ou]tonius December qui vixit annos XIII aus Lugdunum / Lyon, Frankreich [CIL XIII: 2287] Q. Melius Toutonis f(ilius) aus Arles, Frankreich [CIL XII: 852] Dis Manib(us) Eutico Toutoni fil(io) aus Langres / Adematunnум, Frankreich [L’Année épigraphique 1969/1970 (1972): 117, n. 427] Inter Toutonos cahi aus Greinberg bei Miltenberg, Deutschland; ca. 200 n. Chr. [CIL XIII: 6610] Mascelio Touton[aus Mainz-Kastel, Deutschland [CIL XIII: 7302]. Althispanischer (besonders aus dem Gebiet der Vettonen) Individualname: Toutonus (MLH V.1, 411).
5.1.4.3. Im Germanischen ist sogar das Appellativum mit der Erweiterung in *-an- < vor-PGerm. *-on- belegt (Feist 1939: 496f.; GED: 361; AnEW: 623; Holthausen 1963[1934]: 363): Got. þiudans „βασιλεύς“, d. h. „König“, ais. þjóðann „König, Fürst, Anführer“, ae. dēoden „König, Herr; Gott“, asächs. thiodan „Herrscher, Herr des Volkes“ < PGmc. *þeudanaz < vor-PGerm. *teutōno.
5.2. Alternativ könnte im Paar Teutoni & Cimbri das germanische Syntagma *þeudanōz kumbriōn „Stammes- bzw. Völkerfürsten“ gesehen werden, das mehr oder weniger dem gallischen Stammesnamen Bituriges [Caesar, BG 1.18.6; 7.5.1 usw.; Livy 5.34.1; Pliny 4.108; Strabo 4.2.1 usw. – siehe ACS 1: 434–441] entspricht, der früher als „Könige der Welt“ interpretiert wurde (vgl. Zeuss 1852: 14: „ita ut significet
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nomen vetustum Bituriges aut semper aut mundi vel late dominantes, i. e. ‘potentes’“, könnte aber eher „die des Weltenkönigs“ bedeutet haben (falls aus gall. *Biturīgĭo-, einem Zugehörigkeitsadjektiv, abgeleitet vom Personennamen *Bitu-rīg-)¹²; vgl. air. bihₕ „Welt“ sowie die Diskussion von Delamarre in DLG¹: 66; 32f., 127; DLG³: 76f.; 37f., 151f., einschließlich der parallelen Bildungen Albio-rix; Dubno-rix & Dumno-rix). Ein weiterer Fall einer vielleicht analogen Verbindung zweier germanischer Ethnonyme mit derselben ersten Komponente lässt sich in Τευτονόαροι [Ptolemy 2.11.9] = *Τευτονοουάριοι (Schönfeld 1911: 224) erkennen?
6. ETYMOLOGISCHE ANALYSE VON PGMC. *kumbarīōn–/*kumburīōn– und *peudō–
6. Die germanischen Appellativa *kumbarīōn–/*kumburīōn– und *peudō– sollten, wenn sie die Grundlagen der analysierten Ethnonyme darstellen, eingehend etymologisiert werden.
6.1. PGmc. *kumbarīōn–/*kumburīōn– kann auf vor-PGmc. *(ǵ)mbʰoriā́/*(ǵ)mbʰriā– projiziert werden, während das rekonstruierte Ethnonym PGmc. *kumbra– oder *kumbrīia– auf vor-PGmc. *(ǵ)mbʰro– oder *(ǵ)mbʰriio–. Wenn das Zugehörigkeitssuffix *(–i)io–/*–iā– abgetrennt wird, ergeben sich mehrere Möglichkeiten der Segmentierung:
6.1.1. Suffixale Ableitung: (i) *(ǵ)m–rᵒ mit sekundärem *bʰ; (ii) *(ǵ)mḅʰ–or–/–ro–. Eine Verbindung mit der PIE-Wurzel *ǵembʰ– „beißen, einen Biss machen“ (LIV²: 162f.) wäre phonologisch einwandfrei. Diese Wurzel, die zur Beschreibung der „gezähnten“ oder „kammartigen“ Küste verwendet wurde, ist bereits in §2.9 erörtert worden. Es gibt noch eine weitere theoretische Möglichkeit, die auf PGmc. *kembōn– > *kimbōn– f. „Kamm“ beruht, dem ablautenden femininen n-Stamm zu PGmc. *kamba– „Kamm“, nämlich der Frisur. Wie oben (§2.9) bereits erwähnt, ist PIE *ǵmbʰ-ró– > PGmc. *kumbra semantisch problematisch, da es „beißend“ bedeutet haben müsste, während PIE *ǵembʰ-ro– > PGmc. *kembʰra > *kimbʰra– eine eher außergewöhnliche Bildung gewesen wäre.
PGmc. *kumbra „beißend“ könnte als Ethnonym nur in einer Bildung PGmc. *kumbrīia „der beißende“ sinnvoll sein, wenn nachgewiesen werden könnte, dass es eine Bedeutungsverschiebung zu „die Aggressiven“ vel sim. gegeben hat. Eine solche semantische Verschiebung konnte innerhalb des Germanischen bislang jedoch nicht festgestellt werden.
Nimmt man jedoch an, dass ein Zusammenhang zwischen PGmc. *kamba– „Kamm“ und PGmc. *kumbra weiterhin empfunden worden sein könnte, wollen wir Tacitus [Germania 38] zur Bedeutung der Haartracht für die Suebi zitieren:
¹² Wir danken Stefan Zimmer, dass er unsere Aufmerksamkeit auf diese Interpretation von Bituriges gelenkt hat.
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Ein Kennzeichen des Stammes ist es, das Haar seitlich zu scheiteln und es zu einem Knoten zusammenzubinden: So unterscheiden sich die Sueben von den übrigen Germanen, so die Freien unter den Sueben von den Sklaven. Bei anderen Völkern ist dies entweder aufgrund einer gewissen Verwandtschaft mit den Sueben oder, was häufiger vorkommt, durch Nachahmung selten und auf die Zeit der Jugend beschränkt: Bei den Sueben werden die struppigen Haare bis ins hohe Alter zurückgedreht und oft am Scheitel selbst zusammengebunden. Bei den Fürsten sind sie auch sorgfältiger frisiert: Diese Pflege dient der äußeren Erscheinung, ist aber harmlos; denn sie schmücken sich nicht, um zu lieben oder geliebt zu werden, sondern um in eine gewisse Höhe und Schrecken einflößende Kämpfe zu ziehen, damit sie den Blicken der Feinde auffallen.
„Bei ihnen ist es ein besonderes Merkmal ihres Stammes, das Haar seitwärts zu kämmen und es zu einem Knoten zusammenzubinden: So unterscheiden sich die Sueben von den übrigen Germanen, und so unterscheiden sich die freien Sueben von den Sklaven. Bei anderen Stämmen ist dies, sei es aufgrund einer gewissen Verwandtschaft mit den Sueben, sei es, was häufiger vorkommt, aus Nachahmung, selten und auf die Jugendzeit beschränkt. Bei den Sueben werden die struppigen Haare bis ins graue Alter zurückgebunden und oft ganz oben auf dem Scheitel verknotet. Die Fürsten tragen es noch kunstvoller; sie pflegen ihr Aussehen, jedoch ohne Hintergedanken; denn wenn sie in den Krieg ziehen, schmücken sie ihr Haar, um eine gewisse Größe und Schrecken zu erlangen, gleichsam zur Augenweide für die Feinde, nicht um zu lieben oder geliebt zu werden.“
Cornelius Tacitus: de Origine et Situ Germanorum Liber. – Opera Minora, herausgegeben von H. Furneaux, Oxford: Clarendon Press, 1900.
Cornelius Tacitus: Germany and its Tribes. – Complete Works of Tacitus, übersetzt von A. J. Church, W. J. Brodribb, New York: Random House, 1942.
Als weiteres Beispiel für die Rolle der Haartracht in der germanischen Ethnonymie sei der Name des vandalischen Stammes Hasdingi genannt, der mithilfe von anor. haddr „Frauenhaupthaar“ und ae. heord „Haar“ etymologisiert werden kann (Schönfeld 1911: 129).
6.1.2. Kompositum: (iii) *(g)m-bʰor-/-bʰro-; (iv) *(g)m bʰ-bʰor-/-bʰro-.
Bereits Laistner (1892: 31f.) schlug vor, die erste Komponente mit der idg. Wurzel *gem- „drücken, zusammenpressen; fassen“ (IEW: 368f.; LIV²: 186) zu identifizieren; vgl. gr. γέμω „voll sein“, γέvτο „er ergriff“. Im Germanischen wird diese Wurzel in zwei Varianten fortgesetzt, *gem und *gembʰ-: anor. kumla „quetschen“, norw. kumla „zusammenpressen, kneten; klumpen“, kumsa „Gemisch“ gegenüber ae. cimb(e) „Verbindung, Fuge“, anor. kimbull „Bündel“ (IEW: 368).
6.1.3. Die suffixale Ableitung auf –r– ist unter den germanischen Ethnonymen nicht besonders typisch (z. B. Sugambri, Tungri), daher bevorzugen wir die in 6.1.2 dargestellte Variante, bei der die zweite Komponente aus dem idg. Verb *bʰer- „tragen, bringen“ abgeleitet zu sein scheint (IEW: 128–132; LIV²: 76f.; vgl. PGmc. *beranan „tragen, befördern; gebären“ [EDPG: 59]). Eine analoge Verwendung des Verbs *bʰer lässt sich z. B. im Kompositum *oi-bʰró- > PGmc. *aibra- > ahd. eibar, eiver „scharf, bitter; heftig, schrecklich“, ae. āfor „heftig, hassenswert“ zeigen (EWAh 2: 969f.; NIL: 16).
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Ein Kompositum, das aus den Fortsetzern der idg. Wurzeln *gem– + *bʰer–, PGmc. *kem(b)-/*kum(b)- + *bʰer– besteht, erlaubt mehrere semantische Deutungen: „tragende Versammlung“, „tragende Vereinigung“ oder „in einer Versammlung geboren“, „in einer Vereinigung geboren“ vel sim.
6.2. PGmc. *peu̯da–/*peu̯dō– ist zusammen mit seinen baltischen, italischen und keltischen Kognaten aus spät-idg. *teuto–/*teutā– ableitbar, das oben (§3.2.) eingeführt wurde. Wenn die Fortsetzer von *teuto– Neutra wären, erscheint es natürlich, die Form *teutā– < *teuteh₂– als Nom.Pl.Neutr. = Kollektiv zu interpretieren. Wahrscheinlich wurde die umfassendste Liste etymologischer Versuche in EWAnd 2: 687f. zusammengestellt.
6.2.1. Die häufigste Etymologie, die in den meisten Handbüchern, beginnend mit Fick (1890: 61), wiederholt wird, leitet das Wort von der idg. Wurzel *teuh₂– „schwellen, stark werden“ ab (IEW: 1080f.; LIV²: 639f.).
6.2.2. Beekes (1998: 461–465) verwarf die Ableitung von der idg. Wurzel *teuh₂– „schwellen, stark werden“ aus sowohl akzentologischen¹³ als auch semantischen Gründen (seiner Ansicht nach unmotiviert), wodurch er die indogermanische Herkunft von *teutā im Allgemeinen bezweifelte und dessen Entlehnung aus einem hypothetischen Substrat vorschlug, das bereits von Hans Krahe mit der Schicht der „alt-europäischen“ Hydronymie identifiziert worden war. Während Krahe keinen Zweifel an der indogermanischen Zugehörigkeit der „alt-europäischen“ Hydronyme hatte, definierte Beekes sowohl diese Hydronyme als auch das Lexem *teutā ausdrücklich als nicht-indogermanisch.
6.2.3. McCone (1987: 103, 111, 115f.) bot eine neue Lösung an, die auf dem Verb beruht, das im Lat. tueor / tuor, Inf. tuērī & tuī „anschauen, bewachen“, PPP. tuitum & tū̆tum, contuērī & contuī „anschauen, sehen“, fortgesetzt ist, mit nominalen Ableitungen wie tūtus „sicher, geschützt“, tūtor „Wächter“, tūtēla „Bewachung, Schutz“, Tūtānus „Schutz gewährende Gottheit“, Tūtīlīna „Schutz gewährende Göttin“. Er leitete *teutā von der anit-Wurzel *teu– ab und deutete es als das Kollektiv *„Dienerschaft [des Königs]“. Dieser grammatischen Identifizierung kann man möglicherweise zustimmen, da eine solche semantische Motivation eher die feudale Organisation der Gesellschaft zu jener Zeit als zur Zeit der „alteuropäischen“ Einheit widerspiegeln würde. Jedenfalls leitete McCone die Frage ein, ob die Wurzel anit oder set war. Kümmel (LIV²: 639) rekonstruierte die wurzelauslautende Laryngale im Hinblick auf das Lateinische tūtus „sicher, geschützt“. De Vaan (EDIL: 632f.) akzeptierte die Erklärung von -ū– aus
13 Beekes (1998: 463) erwähnte, dass im Baltischen der Verlust der Laryngale durch die Zirkumflexintonation widergespiegelt werden sollte, d. h. *teuh₂ > Baltic *teutā, und der Diphthong au sei unverständlich. Es scheint notwendig, sich vor Augen zu führen, dass es im Baltischen tatsächlich Formen mit dem erwarteten Zirkumflex gibt, nämlich lit. taũtinti „nationalen Charakter verleihen“, taũsti „seinem Volkstum abtrünnig werden“, aptaũtėlis „Zwerg“; lett. dial. (Raipole) taũta „Art, Gattung; Verwandtschaft, Volk, Nation“ (siehe oben).
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den Diphthong *-eu oder *-ou in einer nichtinitialen Silbe. Die hohe Zahl produktiver Präfixe erlaubt es, diese Lösung als echte Alternative anzuerkennen.
6.2.4. Unter Bezugnahme auf Trier (1942: 239) verwarf de Vries (AnEW: 613) ebenfalls die „starke“-Etymologie (§6.2.1.) und bevorzugte den semantischen Ausgangspunkt, der auf der primären Bedeutung „Gemeinschaft“ beruht. In seinem Lemma pjóđ „Volk“ verwies er auf das Altnordische þýđr „freundlich, liebevoll, leutselig“, þýđa „Freundschaft“. Diese Formen sind verwandt mit OE geđiede „gut, anständig“, Osächs. gi-thiudo Adv. „auf anständige Weise“, MNd. ge-diede „entgegenkommend, wohlwollend“ (*peuđia-), neben dem daraus abgeleiteten faktitiven Verb, das im Gotischen belegt ist: þiupjan „segnen, für gut erklären“, Altnord. þýđa „für sich gewinnen, sich mit jemandem anfreunden“, OE geđiedan „beitreten, verbinden, sich anschließen“ (*peuđianan). Natürlich können diese Erweiterungen auf *-ia nicht die Quelle von PGerm. *peuđō- sein. Es gibt weitere Primärformen im Gotischen: þiup n. „τὸ ἀγαθόν“, d. h. „das Gute“ (*peuba-), z. B. in þiup taujan „Gutes tun“, neben den erweiterten Ableitungen þiuþeins „Güte, Freigebigkeit“, þiuþeigs „gut, gerecht, vollkommen; gesegnet, gepriesen“ (Feist 1939: 498; GED: 362f.; EDPG: 539), sowie Runen-OHG (d. h. thüringisch?) þiup (*peuþi-), belegt in der Formulierung þiup:ida:x(x?)exxxxa:hahwar „Gutes, Ida!... Hahwar.“ Dieser Text wurde auf der in einem Gräberfeld (Nordfriedhof) in Weimar gefundenen Bernsteinscheibe geschrieben. Er wird auf 550 n. Chr. datiert (Nedoma 2004: 313f.). Das nächste nichtgermanische Kognat findet sich im OBret. tū „gut, günstig;?Zauberer“, MBret. astut „elend, unglücklich, kümmerlich“ < *estut < *eks-teuto-; vgl. auch MWelsh Morgan(t) Tut „Oberarzt am Hofe Arthurs“ (Fleuriot 1964: 325; EDPG: 539).
Diese „freundlich“-Etymologie könnte durch Etymologien der anderen Ethnonyme gestützt werden. Eines der häufigsten Ethnonyme Europas, Veneti usw. (siehe Krahe 1942: 137), wurde in die Protoform *uenHetoi projiziert, die vom Verb *uenH- „liebgewinnen“ abgeleitet wurde (IEW: 1146f.; LIV²: 682f.). Die überzeugendsten Fortsetzungen finden sich wiederum in den keltischen und germanischen Sprachen:
Germanisch *ueni- „Freund“ > Altnord. vinr; OE, OFries. wine, Osächs., OHG wini „ebd.“ (EDPG: 579).
Keltisch *ueniā > OIr. fine f. „Familie“; OBret. guen-ceil gl. „cognationem“, coguenou gl. „indigena“, MBret. gouen(n), Bret. goenn f. „Rasse, Art“; Lepont. Uenia (Fleuriot 1964: 112, 188; Lejeune 1971: 429; EDPC: 413). Im gallischen Onomastikon gibt es viele Eigennamen mit dem Bestandteil *ueni-, der als „Mitglied des Clans“ gedeutet werden kann, z. B. Ueni-carus, Ueni-clutius, Ueni-lati, Ueni-marus usw. Sehr interessant ist die Zusammensetzung Οὐενι-τουτα [G–106]. Diese Bedeutung wird durch die gallo-griechische Inschrift aus Vallauris [G–279] ουενικοι μεδου „ceux du clan pour Medos“ gestützt (DLG³: 313). Es ist berechtigt zu fragen, ob es Kognaten zum celto-germanischen Isogloss *teuto- „gut, freundlich“ gibt, natürlich abgesehen vom eher entfernten Lat. tueor. Neumann (apud HEG
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T–466) identifizierte es im hethitischen Verb tušk(ie/a)-zi „glücklich sein, sich vergnügen, spielen“, tuškari- „Glück“, tuškaratt und duškatar / duškarann- „ebd.“, dušgarau̯ant- „glücklich, froh“, sofern es als eine Wurzel *teu analysiert wird, die durch das ške/o-Suffix erweitert ist. Kloekhorst (EDHIL: 901f.), der die zitierten Formen dokumentierte, äußerte Zweifel an Neumanns Etymologie, jedoch ohne Gegenargument. Andererseits akzeptierte Kloekhorst selbst (EDHIL: 365) die Herleitung des hethitischen Verbs hušk/a-zi „auf jemanden warten, verweilen“ aus der Wurzel *h₂eu- „sehen“ plus demselben ške/o-Suffix. Die Fortsetzung der Wurzel *teu ohne jede suffixale Erweiterung wurde von Aixenval’d, Bajun, Ivanov (1987: 122) im hethitischen reduplizierten Verb duddu- „gnädig behandeln“ erkannt. Erwähnen wir, dass Georgiev (1966: 36) das Hethitische duddu direkt mit tuzzi- „Heer“ usw. und got. piuda „Volk“ verband. Zusammenfassend steht uns das Primärverb *teu- „gütig sein“ zur Verfügung, das die „freundlich“-Etymologie des Terminus *teutā-. bestätigt.
7. SCHLUSSFOLGERUNG
Beide hier erörterten Ethnonyme, Teutoni & Cimbri, werden als rein germanische Bildungen analysiert. Diese Namen sind aus Wörtern mit mehr oder weniger gleicher Bedeutung, „Stamm“, gebildet und könnten sich daher auf ein und denselben Stamm beziehen. Die Bedeutung „Stammeshäuptling“ der nasalen Erweiterung PGmc. *peudanā-, die wahrscheinlich am Anfang des Ethnonyms Teutoni / Teutones steht, könnte jedoch Teil eines Syntagmas sein, das aus beiden Ethnonymen besteht: *peudanōz kumbrijōn „Stammeshäuptlinge von Stämmen“. Diese Lösung würde auch bedeuten, dass Teutoni & Cimbri in Wirklichkeit nur einen Stamm14 oder einen Stammesverband bezeichneten, vielleicht mit einer führenden Stellung unter anderen Stämmen.
8. NACHSATZ
Morgenstierne (1942: 266) und Szemerényi (1962: 195, Fn. 107) erweiterten die Vergleichsformen um die folgenden hypothetischen iranischen Entsprechungen: Persisch toda „Haufen; ein Heuschober, Stapel; ein Hügelchen, Tumulus; der Hinterteil oder das Ziel, auf das Pfeile geschossen werden“, tod (für toda) „Hügel; Spitze, Gipfel; ein Haufen; der Höcker eines Kamels“ (Steingass 1892: 334) und Sogdisch: buddhistisch twδ’k, christlich twdy, manichäisch twδyh „Haufen,
14 Im Jahr 113 v. Chr. ereignete sich in Noricum der erste historisch dokumentierte militärische Konflikt zwischen den von Gnaeus Carbo angeführten Römern und Germanen, die lediglich durch Cimbri vertreten waren [Strabo 5.1.8; Tacitus, Germania 37]. Es muss als eher unwahrscheinlich gelten, dass die Römer von Anfang an verschiedene germanische Stämme erkennen konnten.
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Masse“ (Gharib 1995: Nr. 9705). Nimmt man unsere „freundlich“-Etymologie von *teutā an, scheint es unmöglich, sie miteinander zu verbinden. Andererseits könnten diese iranischen Formen mit dem Oronym im Jüngeren Avestischen Tuḍaska- „Name eines Berges oder Gebirges“ [Yt. 19.2.. 4.] (Bartholomae 1904: 655) verwandt sein.
DANKSAGUNG
Der Artikel entstand mit Unterstützung des Forschungsfonds Nr. 2817 der Masaryk-Universität in Brünn. Wir danken John Bengtson für die Korrektur des Englischen. Unser Dank gilt den Wissenschaftlern, die uns ihre Kommentare, Ergänzungen und kritischen Anmerkungen zukommen ließen, nämlich Robert Nedoma und Stefan Zimmer. Für alle Fehler bleiben wir verantwortlich.
ABKÜRZUNGEN
acc. – Akkusativ Akk. – Akkadisch Alb. – Albanisch Alph. Ugar. – alphabetisches Ugaritisch Blr. – Belarussisch Bret. – Bretonisch Bulg. – Bulgarisch Corn. – Kornisch CS – Kirchenslawisch CSlav. – Gemeinslawisch Cz. – Tschechisch Dac. – Dakisch Dan. – Dänisch Du. – Niederländisch E – Englisch Färö. – Färöisch G – Deutsch Gaul. – Gallisch Gen. – Genitiv Goth. – Gotisch Gr. – Griechisch Hebr. – Hebräisch Hitt. – Hethitisch Hung. – Ungarisch Icel. – Isländisch Inf. – Infinitiv Lat. – Lateinisch
Lett. – Lettisch Lit. – Litauisch Mac. – Makedonisch Marruc. – Marrukinisch MBret. – Mittelbretonisch MDu. – Mittelniederländisch Mess. – Messapisch MGr. – Mittelgriechisch MHG – Mittelhochdeutsch MLG – Mittelniederdeutsch MWelsh – Mittelkymrisch NBret. – Neubretonisch NFries. – Nordfriesisch Norw. – Norwegisch OBret. – Altbretonisch OCS – Altkirchenslawisch OCz. – Alttschechisch OE – Altenglisch OFries. – Altfriesisch OHG – Althochdeutsch OIcel. – Altisländisch OIr. – Altirisch OLF – Altfränkisch OLit. – Altpreußisch ORuss. – Altrussisch
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Serb. – Serbisch Sg. – Singular Syll. Ugar. – syllabisches Ugaritisch Slk. – Slowakisch Sln. – Slowenisch SPic. – Südpikenisch Swed. – Schwedisch Ukr. – Ukrainisch Umb. – Umbrisch USorb. – Obersorbisch Ven. – Venetisch
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Straipsniai / Articles
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HARALD BICHLMEIER, VÁCLAV BLAŽEK
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Kimbrai ir teutonai
SANTRAUKA
Straipsnyje nagrinėjami du germanų etnonimai kimbrai (Cimbri) ir teutonai (Teutoni), kurie senuosiuose šaltiniuose dažnai vartojami kartu. Išsamiai aptarus jau esamas etimologijas, pateikiamas naujas sprendimas – sintagma *peudanōz kumbrijōn interpretuotina kaip „genčių vadai“. Tokiu atveju abu etnonimai būtų susiję su ta pačia gentimi arba genčių sąjunga.
Įteikta 2020 m. spalio 4 d.
HARALD BICHLMEIER Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig Arbeitsstelle Jena: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen Zwätzengasse 12a D–07743 Jena
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VÁCLAV BLAŽEK Ústav jazykovědy a baltistiky Filozofická fakulta Masarykovy University A. Nováka 1, CZ–60200 Brno
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII