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„Atžvilgiu“ konstrukcija valentingumo aspektu

Loreta Vaičiulytė-Semėnienė

Abstract

    Šio straipsnio objektas – polinksniškojo atžvilgiu konstrukcija. Tikslas – remiantis Dabartinės lietuvių kalbos tekstyno (DLKT) medžiaga, išsiaiškinti kalbamosios konstrukcijos santykį su valentingumu. Tyrimas parodė, kad sakinyje polinksniškojo atžvilgiu konstrukcija vartojama ir kaip leksemos valentinis aktantas, ir kaip nevalentinis – laisvasis narys.

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LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Institut für Litauische Sprache ORCID-ID: orcid.org/0000-0003-2196-8937 Forschungsschwerpunkte: Morphosyntax, Valenz, Semantik, Typologie. DOI: doi.org/10.35321/all87-12 ATŽVILGIU-KONSTRUKTION UNTER DEM ASPEKT DER VALENZ Konstruktion mit atžvilgiu aus der Perspektive der Valenz ANNOTATION Gegenstand dieses Beitrags ist die Konstruktion mit dem Postpositionselement atžvilgiu. Ziel ist es, auf der Grundlage des Materials des Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache (DLKT) das Verhältnis der betreffenden Konstruktion zur Valenz zu klären. Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Konstruktion mit dem Postpositionselement atžvilgiu im Satz sowohl als valenter Aktant eines Lexems als auch als nichtvalentes – freies – Satzglied verwendet wird. SCHLÜSSELWÖRTER: Valenz, valenter Aktant, freies Satzglied, atžvilgiu-Konstruktion. ANNOTATION Gegenstand dieses Beitrags ist die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu. Ziel ist es, anhand der Daten aus dem Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache das Verhältnis der genannten Konstruktion zur Valenz zu ermitteln. Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu im Satz sowohl als valenter Aktant des Lexems als auch als nichtvalentes (freies) Element verwendet wird. SCHLÜSSELWÖRTER: Valenz, valenter Aktant, freies Element, Konstruktion mit atžvilgiu. Straipsniai / Articles 245 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ 1. EINLEITENDE BEMERKUNGEN Bereits Ernst Fraenkel (1928: 185–186) erwähnt in seiner Arbeit über die litauischen Kasus den Instrumental des Substantivs atžvilgis 1. Jonas Jablonskis (1957: 632) bezeichnet das in den Beispielen 1–2 verwendete atžvilgiu als Differenzinstrumental und erklärt, dieser Kasus sei „lediglich eine bestimmte Variante des Modal- oder Instrumentalinstrumentals“. 1) In dieser Hinsicht atžvilgiu unterscheidet er sich nicht von den anderen. (zitiert nach Jablonskis 1957: 632) 2) Seine Schriften und seine Sprache sind atžvilgiu erträglich. (zitiert nach Jablonskis 1957: 632) Jonas Šukys (1998: 267) stellt heute fest, dass atžvilgiu ein Relations- bzw. Präzisierungsinstrumental (ebd.: 557) ist, der „vergleichsweise unselbstständig ist und häufig an Wörter erinnert, die Präpositionen (genauer: Postpositionen) nahestehen, da er gewöhnlich nach [...] meist einem Genitiv steht und diesen präzisiert, als bildete er mit ihm gleichsam als Postposition eine bestimmte Konstruktion“; „besonders in der Presse- und Schriftsprache zeigt [er] nicht selten, in welcher Hinsicht ein Gegenstand oder eine Erscheinung charakterisiert wird“. Šukys (1998: 268) präzisiert, dass atžvilgiu in der Verwaltungssprache und in der Wissenschaftssprache am häufigsten ist, und weist darauf hin, dass atžvilgiu verwendet wird, „wenn eine klare Bedeutung der Einstellung zu etwas oder der Bewertung von etwas vorliegt“, während „wenn die Bedeutung der Einstellung oder Bewertung verblasst ist, die traditionellen, lebendigeren Ausdrucksmittel der Sprache nicht vergessen werden dürfen. Anstelle des Genitivs mit dem postpositionell verwendeten atžvilgiu können Adverbien (vgl. 3), reine Kasus (insbesondere der Dativ) (vgl. 4–5) oder Präpositionalphrasen (insbesondere mit der Präposition dėl) besser geeignet sein“ (vgl. 6–8). 3) Die Kinder werden hier in physischer, sittlicher und geistiger atžvilgiu Hinsicht erzogen (vgl. fiziškai, doriškai, protiškai). (zitiert nach Šukys 1998: 268) 4) Können Sie etwas Gutes für die atžvilgiu Invaliden tun? (vgl. invalidams). (zitiert nach Šukys 1998: 268) 5) Ich spürte die Kälte der Komiteemitglieder mir gegenüber atžvilgiu (vgl. man). (zitiert nach Šukys 1998: 268) 6) Gegen die Rechtsverletzer wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen atžvilgiu (vgl. prieš pažeidėjus). (zitiert nach Šukys 1998: 268) 7) Ein Teil der Menschen hatte eine negative Meinung über das Institut atžvilgiu (vgl. apie institutą). (zitiert nach Šukys 1998: 268) 8) Die Regierung hat gegenüber den Schulen atžvilgiu keine durchdachte Politik (möglich wäre auch dėl mokyklų). (zitiert nach Šukys 1998: 267) 1 Einen ausführlicheren Überblick über die Arbeiten zu atžvilgiu siehe Akelaitis (2005: 67–70). 246 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu In den Sprachhinweisen (KP S1 2009: 90) präzisiert Šukys, dass das in Beispiel 3 in der Bedeutung einer Postposition verwendete atžvilgiu eine nebengeordnete (partielle) Normvariante ist. Als buchsprachliche Erscheinung kann es in der Standardsprache verwendet werden, vorzuziehen ist jedoch die grundlegende (neutrale) Normvariante – das Adverb der Art und Weise. In den Beispielen 4–6 sowie 9–11 ist atžvilgiu in der Standardsprache unzulässig. Hier muss die direkte Beziehung zum Objekt durch den Dativ oder durch Präpositionskonstruktionen ausgedrückt werden (KP S1 2009: 89; siehe auch Akelaitis 2005: 71, 76). 9) Eine größere Wertschätzung würden wir vonseiten der Mädchen atžvilgiu (= den Mädchen) erwarten. (zitiert nach KP S1 2009: 89) 10) Sie werden uns gegenüber atžvilgiu korrekt sein (=uns gegenüber). (zitiert nach Akelaitis 2005: 71) 11) Intoleranz gegenüber Litauen atžvilgiu gab es zweifellos (=gegenüber Litauen). (zitiert nach Akelaitis 2005: 71) Šukys (KP S1 2009: 89) weist darauf hin, dass atžvilgiu in der Standardsprache in Beispiel 12 zur Bezeichnung einer indirekten Beziehung zu einem Objekt verwendet werden kann. 12) Ich habe dem Kind gegenüber atžvilgiu nichts Schlechtes getan. Gintautas Akelaitis (2005: 67) untersucht die atžvilgiu-Konstruktion in der Verwaltungssprache (vgl. 10–11) und stellt fest, dass atžvilgiu (sowie požiūriu) „durch seine Gebrauchshäufigkeit und seine offensichtliche funktionalstilistische Verwaltungssprachlichkeit hervorsticht“. Er (Akelaitis 2005: 76) kommt zu dem Schluss, dass „die Konstruktionen der Verwaltungssprache Genitiv + atžvilgiu [...] nicht durch einen lebendigen Sprachgebrauch gestützt werden und ihrem Entstehungszeitpunkt nach eine späte Erscheinung einer intellektualisierten Sprache sind“. Akelaitis (2005: 67) stellt fest: Die Tatsache, dass atžvilgiu „nach Substantiven und substantivischen Wörtern im Genitiv steht, könnte gleichsam erlauben, sie als den Postpositionen nahestehend zu betrachten. Als echte Postpositionen können sie wegen ihrer bewahrten lexikalischen Bedeutung nicht gelten. Ein weiterer Grund ist, dass kongruente Konstruktionen und Konstruktionen mit dem Genitiv substantivischer Wörter häufig nahe beieinanderliegen oder sogar Varianten bilden, vgl.: ekonominiu atžvilgiu und ekonomikos atžvilgiu“. Andererseits schreibt Akelaitis (2005: 70), nachdem er auf der Grundlage von Beispielen aus dem Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache den Gebrauch von atžvilgiu in der Verwaltungssprache untersucht hat: „Das erstarrte atžvilgiu wird meist mit dem Genitiv substantivischer Wörter verwendet [...], ist aber in durch Kongruenz gebildeten Verbindungen sehr selten [...] – im Verhältnis 0,07: 0,93“. Aus seiner ausführlichen Untersuchung geht hervor, dass atžvilgiu-Konstruktionen in der Verwaltungssprache angemessen verwendet werden, wenn sie die Grundlage von etwas nach einem äußeren Objekt bezeichnen, das eine Handlung oder einen Zustand bedingt (Akelaitis 2005: 71), als nebengeordnete Normvariante zur Bezeichnung einer Grundbeziehung geeignet sind (Akelaitis 2005: 74–75) oder eine objektbezogene Beziehung ausdrücken, die einen kausalen Beiklang haben kann und bei der ein atžvilgis bzw. eine Berücksichtigung dieses indirekten Objekts möglich ist (Akelaitis 2005: 73). Abgesehen davon, dass atžvilgiu zur Bezeichnung einer direkten Beziehung zu einem Objekt nicht geeignet ist (Akelaitis 2005: 71), sind die betreffenden Konstruktionen nicht verwendbar Straipsniai / Articles 247 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ zur Bezeichnung eines kausalen Verhältnisses (Akelaitis 2005: 73). Ebenso sollte man „wenn möglich, insbesondere dort, wo die etablierte litauische Syntax der Relationsbezeichnung verletzt wird, Konstruktionen aus Genitiv + atžvilgiu [...] vermeiden, wenn eine Merkmals- bzw. attributive Beziehung ausgedrückt werden muss“ (Akelaitis 2005: 73). Die Frage, ob atžvilgiu eine Postposition ist (wird), wird im Folgenden beiseitegelassen; als Arbeitsbezeichnung wird im Beitrag atžvilgiu als postpositionsähnliches Element verwendet. Die Konstruktion mit diesem Element wird, wie aus den zitierten Beispielen und den vorstehenden kurzen Ausführungen hervorgeht, auf der Satz- und auf der Phrasenebene verwendet. Beachtung verdient Akelaitis’ (2005: 72) Gedanke: „Bei der Verwendung von Konstruktionen aus Genitiv + atžvilgiu [...] wird die direkte Hinwendung einer Handlung, Tätigkeit oder Eigenschaft an ein Objekt gleichsam abgeschwächt und verschleiert“. Angesichts der Beispiele 4–12 stellt sich im Folgenden die Frage, worin die Grundlage dieses abgeschwächten Verhältnisses zum Objekt liegt und warum der Sprecher beispielsweise den typischen Benefizienten-Dativ im Beispiel 10 durch das postpositionale atžvilgiu ersetzt. Ob (und wie) dies mit der Bedeutung und der Valenz des Wortes zusammenhängt. Wenn der Gebrauch des postpositionalen atžvilgiu mit der Valenz zusammenhängt, lassen sich unter Einhaltung der Auffassung vom verbzentrischen Satzmodell einige Annahmen formulieren: Außer dass (a) der Gebrauch des postpositionalen atžvilgiu durch die Bedeutung des Substantivs atžvilgis beeinflusst wird, wird (b) der Gebrauch des postpositionalen atžvilgiu durch lexikalische, semantische oder andere Merkmale des Satzprädikats sowie durch die Semantik des Wortes und des gesamten Satzes beeinflusst. Zur Beantwortung der genannten Fragen wurde Material herangezogen, das aus dem am Zentrum für Computerlinguistik der VDU in Kaunas erstellten Korpus der zeitgenössischen litauischen Sprache (im Folgenden – DLKT) gesammelt wurde (vgl. Teil 2). Die vorliegende explorative Untersuchung verfolgt folgende Ziele: (a) die Bedeutung des Substantivs atžvilgis in Wörterbüchern zu erörtern (vgl. Teil 3), (b) die Ausgangspunkte der Valenztheorie kurz zu überblicken und zu erwähnen, wie sie mit dem Gebrauch des postpositionsähnlichen atžvilgiu zusammenhängen (vgl. Teil 4), (c) den Gebrauch von atžvilgiu-Konstruktionen im empirischen Material aus dem DLKT unter dem Aspekt der Valenz zu untersuchen (vgl. Teile 5 und 6). Anschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst (vgl. Teil 7). Soweit bekannt, gibt es keine Arbeiten zum postpositionsähnlichen atžvilgiu unter dem Aspekt der Valenz. 2. UNTERSUCHUNGSMATERIAL Der größte Teil des DLKT besteht aus schriftsprachlichen, häufig redigierten Texten verschiedener Genres (publizistischer, belletristischer, sachliterarischer oder administrativer Literatur). Beispiele der gesprochenen Sprache sind dort deutlich seltener. Dies zeigt Tabelle 1, in der dargestellt wird, wie sich atžvilgiu in den Suchergebnissen des DLKT ²nach Genres verteilt. ² Die Beispiele aus dem DLKT wurden im Juni 2022 gesammelt. 248 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu Aus Tabelle 1 geht hervor, dass der funktionale Stil für den Gebrauch des postpositionsähnlichen atžvilgiu von Bedeutung sein kann. Atžvilgiu ist in der gesprochenen Sprache am seltensten. In der geschriebenen Sprache wird das postpositionsähnliche atžvilgiu in der Belletristik am seltensten, in der Publizistik und Sachliteratur dagegen am häufigsten verwendet. Im DLKT³ werden der Publizistik zugerechnet: allgemeine Periodika, populäre Periodika, wissenschaftliche Periodika, Bücher (Autobiografien, Memoiren, Erinnerungen, Chroniken, Annalen, Tagebücher, Briefe, Essays, Feuilletons u. a.) usw.; zur Sachliteratur gehören wissenschaftliche, schulische, informative, populärwissenschaftliche und andere Literatur. Die Belletristik des DLKT umfasst Erzählungen, Kurzgeschichten, Novellen, Märchen, Romane u. Ä. Da Beispiele aus administrativen Texten des DLKT mit dem postpositionsähnlichen atžvilgiu bereits untersucht wurden (Akelaitis 2005), werden im Folgenden etwas mehr als 600 Beispiele aus anderen Genres zugrunde gelegt, in denen atžvilgiu postpositionell verwendet wird. Konkret werden für die folgende explorative Untersuchung jeweils 200 Beispiele aus Belletristik, Sachliteratur und Publizistik sowie 5 Beispiele aus der gesprochenen Sprache herangezogen. TABELLE 1. Gebrauch von Atžvilgiu nach Genres Korpusteil | Gesamtzahl der Wörter | Suchanfrage | Belegzahl | Wortzahl der analysierten Quellen Belletristik | 15765554 | atžvilgiu | 601 | 2478947 Sachliteratur | 19322341 | atžvilgiu | 5873 | 4377158 Verwaltungsliteratur | 13625715 | atžvilgiu | 1422 | 1524835 Publizistik | 86497837 | atžvilgiu | 9981 | 20774801 Gesprochene Sprache | 447396 | atžvilgiu | 26 | 29146 Insgesamt: | 140921288 | atžvilgiu | 17903 | 29184887 Aus den vorhandenen Beispielen (vgl. Tabelle 2) geht hervor, dass die Konstruktion mit dem postpositionsähnlichen atžvilgiu im Satz (möglicherweise) mit verschiedenen Formen eines Verbs, Adjektivs oder Substantivs beziehungsweise mit einem Adverb verbunden ist. Auffällig ist, dass die Bedeutung eines in den vorliegenden Daten häufig vorkommenden Wortes einen Perzeptionssubjekt impliziert (vgl. sich fühlen, sich einstellen, gleichgültig, empfindlich, Einstellung, Ansicht usw.) oder – im Hinblick auf die aufgrund der Valenz unterschiedenen semantischen Funktionen – einen Perzipienten [Pcp], den Erlebenden eines psychischen Zustands (Sližienė 1994: 20), was vermutlich den Gebrauch des postpositionsähnlichen atžvilgiu beeinflusst. Da sich das postpositionsähnliche atžvilgiu in den untersuchten Beispielen verschiedener Genres mit denselben Wörtern wiederholt oder in verschiedenen Genres verwendete ³ Abgerufen am [2022–06–12] unter: http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/menu?page=about. Straipsniai / Articles 249 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Wörter, mit denen die Konstruktion mit dem postpositionsähnlichen atžvilgiu semantisch und syntaktisch verbunden ist, einander ergänzen und nicht ausschließen, werden die Beispiele im Folgenden nicht nach Genres getrennt. So liegen beispielsweise aus Belletristik und Publizistik Beispiele mit Konstruktionen mit dem postpositionsähnlichen atžvilgiu vor, die mit dem Verb nu(si)teikti verbunden sind, aus Publizistik und Sachliteratur dagegen mit nusiteikimas; aus Belletristik und Publizistik gibt es ferner Beispiele mit Adjektiven, die mit dem postpositionsähnlichen atžvilgiu verbunden sind, nämlich wohlwollend, tolerant, während es in der Sachliteratur mit Toleranz vorkam. Dass atžvilgiu in den Texten aller untersuchten Stile mit denselben oder ähnlichen Wörtern verwendet wird, lässt vermuten, dass der funktionale Stil in der Schriftsprache keinen entscheidenden Einfluss auf den Gebrauch des postpositionsähnlichen atžvilgiu hat. TABELLE 2. Verbindung der Atžvilgiu-Konstruktion mit einer Wortart im Satz Wortart Beispiele Verb sein, tun, sich gehören, sich verhalten, verpflichten, sich fühlen, sich halten, (nicht) moralisieren, sich einstellen, sich herablassen, sich (ein)stellen, an Wert verlieren, sich benehmen, erfahren, sich ändern, sich äußern, sich neigen, sich widersetzen, reagieren, zeigen, verstehen, sich entfremden, anwenden, haben u. a. Adjektiv adaptiv, gleichgültig, aggressiv, blind, nachlässig, nahestehend, vorsichtig, (un)offen, hässlich, schlecht, zynisch, diskret, (un)redlich, freundlich, schüchtern, (un)barmherzig, (un)wohlwollend, streng, (un)ethisch, interessant, aufdringlich, stolz, wortgewandt, beleidigend, human, empfindlich, konservativ, korrekt, kritisch, gleich, höflich, nützlich, negativ, neutral, nichtswürdig, anständig, respektvoll, ausreichend, (un)tolerant, günstig gesinnt, ähnlich, attraktiv, gefährlich, feindselig, anspruchsvoll, bedeutsam, zurückhaltend, (un)aufrichtig, selbstständig, (un)parteiisch, sanft, (un)gerecht, (un)recht, geeignet, tolerant, heftig u. a. Substantiv Arroganz, Gleichgültigkeit, Aggression, Aggressivität, Ambivalenz, Nachsicht, Vorsicht, Delikatesse, Aufmerksamkeit, Despotismus, Diskriminierung, Freundlichkeit, Verhalten, Ironie, Verrat, Stolz, Verdacht, Misstrauen, Gefühl, Barmherzigkeit, Macht, Wohlwollen, Beschuldigung, Sprache, Absicht, Vorhaben, Gedanke, Geduld, Ausdauer, Hartherzigkeit, Gehorsam, Kritik, Kritikalität, Kompliment, Korrektheit, Haltung, Erwartung, Toleranz, Hass, Sünde, Meinung, Vergehen, Einstellung, Verbrechen, Gesinnung, Haltung, Respekt, (Un)verträglichkeit, Wohlwollen, Pflicht, Ansicht, Äußerung, Politik, Position, Positivität, Überlegenheit, Feindseligkeit, Gewalt, Provokation, Repression, Zurückhaltung, Sympathie, Neugier, Brutalität, Entfremdung, Verständnis, (Un)parteilichkeit, Kälte, Richter, Gerechtigkeit, Terror, (In)toleranz, Festigkeit, Sturheit, Handlung, Hoffnung, Wort, (Un)Menschlichkeit, Grausamkeit, Tatkraft, Bewertung u. a. Adverb gut, parallel, (un)günstig, böse, feindselig, skeptisch usw. 250 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu 3. DAIKTAVARDŽIO ATŽVILGIS REIKŠMĖ AIŠKINAMUOSIUOSE LIETUVIŲ KALBOS ŽODYNUOSE Unter der Annahme, dass das postpositionell verwendete atžvilgiu eine Bedeutung hat und diese den Gebrauch der betreffenden Konstruktion beeinflussen kann, sind die Definitionen des Substantivs atžvilgis zu erwähnen. Im Wörterbuch der gegenwärtigen litauischen Sprache (DLKŽₑ) wird das Substantiv atžvilgis mit 1. „Berücksichtigung, Beachten“, 2. „Ansicht“ angegeben (vgl. 1). Im akademischen Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽₑ) ist atžvilgis dreibedeutig: 1. „Zurückblicken, sich umsehen“ (vgl. 13); 2. „Ansicht, Blick“ (vgl. 14; siehe ferner 2); 3. „Berücksichtigung“ (vgl. 15). 13) Der Wolf fing ein Schaf, die anderen liefen ohne atžvilgio auseinander Žem. 14) Unsere Literatur ist hinsichtlich der Form deutlich vielfältiger geworden atžvilgiu rš. 15) Nach all den Mühen wird es wohl irgendeine atžvilgis geben Krkn. Daraus folgt, dass der in den Beispielen 1–12 verwendete Instrumental des Substantivs atžvilgis die Bedeutung „Ansicht, Blick“ hat (haben sollte). Das semantisch verwandte Substantiv atžvilgis požiūris ist ebenfalls zweideutig: 1. „Blick, atžvilgis“, 2. „konkrete Ansicht, Einstellung⁴“ (DLKŽₑ; vgl. LKŽₑ). Somit liegt ein minimales lexikalisch-semantisches Feld miteinander verbundener Substantive (atžvilgis, požiūris, žvilgsnis, pažiūra, nuomonė, nusistatymas) vor. Hier ist darauf hinzuweisen, dass, wie bereits in Teil 2 erwähnt, die Substantive pažiūra, nuomonė, požiūris, nusistatymas mit der untersuchten postpositionsähnlichen atžvilgiu-Konstruktion verwendet werden. Dies würde auf einen Grammatikalisierungsprozess von atžvilgiu hindeuten. Betrachtet man die Valenz der Grundwörter der abstrakten Substantive požiūris, žvilgsnis, pažiūra, nämlich (pa)žiūrėti und žvelgti, im Wörterbuch der litauischen Verbvalenz (im Folgenden – LKVJŽ) von Nijolė Sližienė, so zeigt sich, dass das Verb žiūrėti „beachten, berücksichtigen“ einen dem Perzipienten entsprechenden Subjektsnominativ und einen Kontentiv-⁵Genitiv oder einen Nebensatz verlangt (vgl. 16). Die Verben (pa)žiūrėti und žvelgti „eine Meinung haben, bewerten“ verlangen einen perzeptiven Subjektsnominativ, eine den Patienten⁶ ausdrückende Präpositionalphrase mit į und ein Adverb in der Funktion des Modus⁷ (vgl. 17–18) (Sližienė 2004: 457, 461). In der Semantik des Substantivs atžvilgis „Ansicht, Blick“ liegen somit die Funktionen des Perzipienten, des Patienten, ⁴ Vgl. LKŽₑ: nusistatymas – Meinung, Ansicht. DLKŽₑ: Nuomonė – 2. Ansicht, Einstellung. ⁵ „Kontentiv [Con] – die Funktion des Inhalts einer Handlung oder eines Zustands“ (Sližienė 1994: 22). ⁶ „Patient [P] – die Funktion des Empfängers der Einwirkung einer Handlung oder des Trägers eines Zustands“ (Sližienė 1994: 20). ⁷ „Modus [Mod] – die Funktion der Qualität bzw. Art und Weise einer Handlung“ (Sližienė 1994: 25). Straipsniai / Articles 251 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ des Kontentivs und des Modus mit eigener Ausdrucksform. Das Subjekt des Perzipienten dürfte den Gebrauch des postpositionsähnlichen atžvilgiu mit Prädikaten aktiver Handlung (transitiven Prädikaten) einschränken. Dennoch wird, wie beispielsweise in Beispiel 4 ersichtlich, das postpositionsähnliche atžvilgiu verwendet (siehe unten). Andererseits kann man annehmen, dass gerade mit dem postpositionsähnlichen atžvilgiu in Beispiel 11 im weiteren Sinne die Ansicht und Einstellung eines Menschen als Perzipienten gekennzeichnet (lit. markiert) wird und dadurch im (Kon-)Text die erwähnte indirekte Einwirkung auf das Objekt, das dem Benefizienten⁸ entspricht, hervorgehoben wird (vgl. 19–20). 16) Wirst du [Pcp] ihn [Con] ansehen [b. (zitiert nach Sližienė 2004: 457) 17) Manche [Pcp] blickten sogar verdächtig [M] Bering selbst [P] und seine gesamte Reise an [P] Br. (zitiert nach Sližienė 2004: 457) 18) Ob Individuen moralisch werden, hängt davon ab, wie [M] andere Menschen sie betrachten [Pcp] VDTUk. (zitiert nach Sližienė 2004: 461) 19) Die französische Gesellschaft ist feindselig eingestellt. Bis zu einer toleranten Gesellschaft [Pcp] gegenüber Muslimen [B] ist es in diesem Fall so weit entfernt wie nie⁹. 20) Er [Pcp] war großen und kleinen Menschen gegenüber tolerant [B] und teilte mit allen gern sein sportliches Wissen und seine Erfahrung. Liegt in den Beispielen 19–20, in denen von einer unterschiedlichen Interpretation der Dinge der Wirklichkeit die Rede ist, eine Unterscheidung zwischen zwei Valenzen von tolerantiškas vor? Beides ist möglich (siehe unten). Nach dem Prinzip der Ikonizität bzw. des Isomorphismus ist eine unterschiedliche Ausdrucksweise mit unterschiedlichen Bedeutungen des Prädikats verbunden: Jede Form hat ihre eigene Bedeutung. Der Begriff der Ikonizität wird implizit mit Markiertheit (engl. markedness) verbunden. Talmy Givón (1990: 945–947; vgl. 2001: 38–41), der Markiertheit anhand dreier Kriterien definiert hat – struktureller und kognitiver Komplexität sowie Häufigkeit –, erklärt, dass die Verbindung zwischen kognitiver und struktureller Komplexität einen der allgemeinsten Aspekte der Ikonizität darstellt: Eine kognitiv markierte Kategorie wird tendenziell auch strukturell markiert und umgekehrt¹⁰. Ikonizität und Markiertheit stehen in direktem Zusammenhang mit Ökonomie und Distinktivität in der Sprache: Der Sprecher strebt danach, möglichst viel Inhalt mit möglichst minimalen sprachlichen Ausdrucksmitteln und geringem Aufwand mitzuteilen (siehe unten). Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass auch der Gebrauch des postpositionsähnlichen atžvilgiu mit den natürlichen ökonomischen Bedürfnissen der Sprachbenutzer nach Ausdruck grammatischer Strukturen in der Kommunikation zusammenhängt ⁸ „Benefizient [B] – die Funktion des Adressaten, Empfängers oder Besitzers, die Lebewesen, insbesondere Personen, eigen ist, zu deren Nutzen oder Schaden etwas geschieht, sich ereignet oder besteht“ (Sližienė 1994: 21). ⁹ Wenn bei den Beispielen nichts anderes angegeben ist, stammen sie aus dem DLKT. ¹⁰ „Das meta-ikonische Prinzip der Markiertheit: Kognitiv markierte Kategorien tendieren auch dazu, strukturell markiert zu sein“ (Givón 1995: 58). Vgl.: „Strukturell markierte Kategorien sind auch inhaltlich markiert“ (Givón 1990: 965). 252 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu durch natürliche ökonomische Bedürfnisse (die nicht immer mit der Sprachnorm übereinstimmen) in der Kommunikation. 4. VALENTINGUMAS IR POLINKSNIŠKASIS ATŽVILGIU Kurz gesagt ist Valenz die durch die Bedeutung eines Wortes bedingte Eigenschaft, eine bestimmte Anzahl freier Stellen zu eröffnen, die im Satz oder in der Wortverbindung von Wörtern und ihren Formen mit bestimmten Bedeutungen oder von deren Entsprechungen besetzt werden (vgl. Sližienė 1994: 16; Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 19 und die dort zitierte Literatur). Valenz wird gewöhnlich mit drei Ebenen verbunden: der abstrakten Ebene der logischen Semantik und zwei konkreten Sprachebenen – der Syntax und der lexikalischen Semantik. Auf der Ebene der logischen Semantik wird die Anzahl der freien Stellen eines Wortes und die semantischen Funktionen seiner möglichen Aktanten bestimmt; auf der syntaktischen Ebene werden die grammatische Form der valenten Aktanten sowie ihre Notwendigkeit oder Fakultativität bestimmt; auf der Ebene der lexikalischen Semantik wird die Semantik der valenten Aktanten bestimmt, also welche semantischen Klassen von Wörtern Aktanten des Wortes sein können. Neben den valenten syntaktischen Aktanten, deren Notwendigkeit und Fakultativität im Satz bestimmt werden, unterscheidet man freie Satzglieder – Satzwörter, die nicht durch die Bedeutung eines Wortes bedingt sind und nicht zu seiner Valenz gehören. In der Prädikatsstruktur füllen freie Satzglieder, die einzelnen Prädikaten und nicht den Argumenten des Prädikats entsprechen, die vom Prädikat eröffneten freien Stellen nicht aus; ihre Verbindung mit dem Prädikat beruht auf der rein grammatischen Fähigkeit, die einem bestimmten Wort als einer bestimmten Wortart eigen ist, andere Wörter und ihre Formen anzuschließen (Sližienė 1994: 35). Notwendige syntaktische Aktanten können im Satz nicht ausgelassen werden, da der Satz durch ihre Auslassung ungrammatisch wird. Mit notwendigen syntaktischen Aktanten wird jener Teil der Situation bezeichnet, der für die Bedeutung eines Wortes am wichtigsten und relevantesten ist (Sližienė 1994: 31). Fakultative syntaktische Aktanten sind solche, die im Satz ausgelassen werden können, ohne dass der Satz ungrammatisch und unverständlich wird. Sätze ohne fakultative Aktanten bedeuten ungefähr dasselbe wie Sätze mit ihnen, da fakultative Aktanten in der Bedeutung des Wortes selbst impliziert sind (Sližienė 1994: 35). Mit fakultativen Aktanten, die im Folgenden in den Beispielen aus dem DLKT in runden Klammern stehen, wird jener Teil der Situation bezeichnet, der für die Bedeutung des Prädikats weniger relevant ist. Es wird anerkannt, dass keine scharfe Grenze zwischen notwendigen und fakultativen Aktanten sowie freien Satzgliedern besteht (Hentschel, Weydt 1994: 345). Vilmos Ágel (2000: 211–212) stellt die Hypothese auf: Je häufiger freie Glieder (A) verwendet werden, desto erwartbarer werden sie. Dann können seiner Ansicht nach freie Glieder als Inhaltspezifikatoren (INSP) in Komponenten der semantischen Valenz des Prädikats uminterpretiert werden, während letztere sich im Laufe der Zeit gemäß Paul Grices Relevanzmaxime (engl. relevance) als kommunikativ notwendige etablieren Straipsniai / Articles 253 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ (KOM-NOT). Wenn die Bedingungen der pragmatischen Relevanz, die KOM-NOT und INSP umfassen, konventionalisiert werden, wird die kommunikative Notwendigkeit (KOM-NOT) als semantische Notwendigkeit (SEM-NOT) lexikalisiert. Gerade Letztere bedingt die syntaktische Notwendigkeit (SYN-NOT) und die Spezifik der Ausdrucksform (FOSP) (siehe Schema). Nach V. Ágel (2000: 211) sind die syntaktischen Aktanten des Prädikats lexikalisierte, grammatikalisierte freie Glieder. SCHEMA. Lexikalisierung / Grammatikalisierung freier Glieder nach Ágel (2000: 211) Neben der bereits erwähnten Relevanzmaxime – sage, was mit dem Gesprächsthema zusammenhängt und für es wichtig ist, kurz auch die anderen von P. Grice (1989) unterschiedenen Maximen. Im Zusammenhang mit der auf dem Kooperationsprinzip (engl. the cooperative principle) beruhenden Kommunikation unterscheidet er noch drei Maximen eines erfolgreichen Gesprächs, an die sich die Gesprächspartner unbewusst halten, um die Qualität des Gesprächs zu gewährleisten. Dies sind die Maxime der Quantität (engl. quantity) (sage so viel, wie nötig ist), der Qualität (engl. quality) (sage, was wahr und verständlich ist) und der Art und Weise (engl. manner) (sprich verständlich, klar und folgerichtig). Wallace Chafe (Чейф 1983: 36) behauptet, ausgehend von einem psycholinguistischen Experiment und mit Blick darauf, wie eine reale Situation der Wirklichkeit zu Text wird, dass die Verbalisierung einer erfahrenen Situation eine individuelle Interpretation der von einem Menschen in der Wirklichkeit wahrgenommenen Situation ist. Was und wie über die wahrgenommene Situation im (Kon-)Text gesagt und ausgedrückt wird – die Formen der Verbalisierung hängen vom Sprecher ab. Der Satz bringt die semantische Interpretation der beschriebenen Situation zum Ausdruck, und „die semantische Struktur des Satzes legt nur bestimmte Aspekte unserer wahrgenommenen Situation vor“ (Sližienė 1994: 26). Mit der Satzperspektive, dem Sprachgebrauch und der Kommunikation ist der pragmatische Aspekt der Valenz verbunden (Sližienė 1994: 26–41). Von den kommunikativen ¹¹ FOSP = formale Spezifizität / syntaktische Valenz / Rektion (Ágel 2000: 293). ¹² A = Angabe (Ágel 2000: 293). ¹³ >> = Grammatikalisierung / Lexikalisierung (Ágel 2000: 294). ¹⁴ INSP = inhaltliche Spezifizität / semantische Valenz / selektionale Valenz (Ágel 2000: 293). ¹⁵ KOM-NOT = kommunikative Notwendigkeit (Ágel 2000: 293). ¹⁶ SEM-NOT = Sinnnotwendigkeit (Ágel 2000: 293). ¹⁷ SYN-NOT = syntaktische Notwendigkeit (Ágel 2000: 293). 254 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu Aufgaben hängt vor allem das Auftreten fakultativer syntaktischer Aktanten im Satz ab. Wenn man von den Prinzipien der Valenztheorie wieder näher zur im Artikel behandelten im Hinblick auf-Konstruktion zurückkehrt, ist die Untersuchung von Pavel Grashchenkov zu erwähnen, in der er (Гращенков 2018: 169) behauptet, dass die semantische Funktion der Grundlage als Bewertung sowohl durch die Semantik des Wortes (Prädikats) selbst als auch durch den Kontext bestimmt werden kann. P. Grashchenkov weist darauf hin, dass die Funktion der Grundlage für Adjektive typisch ist: In der beschriebenen Situation wird die im Prädikat des Adjektivs ausgesagte implizierte Bewertung beispielsweise durch die russische Konstruktion mit der Präposition для bezeichnet, die der semantischen Funktion des Experiencers (anders: Perzipienten) oder des Benefizienten entspricht (Говорун [...] испyскат неприятный для непьющего Федора запах дорогого коньяка; давление опасное для психики и даже для самой жизни.) (Гращенков 2018: 167–168). Im Russischen ist der fakultative syntaktische Aktant, der beispielsweise durch die Konstruktion mit der Präposition k bezeichnet wird, semantisch einem durch die Konstruktion в отношении кого-либо bezeichneten Benefizienten ähnlich («Мерзость какая!» – подумал пристав, хотя в отношении чистоты был человек нетребовательный...). Die Konstruktion в отношении кого-либо wird auch dort verwendet, wo das russische Adjektiv keinen durch die genannte Konstruktion mit der Präposition k bezeichneten syntaktischen Aktanten verlangt; dann ist в отношении кого-либо der notwendige syntaktische Aktant des Adjektivs (нужно не сбиваться и на восхваления, а также быть корректным в отношении соперников). Wenn man den Aspekt der Normen der nachgestellten im Hinblick auf-Konstruktionen beiseitelässt, kehrt man zur eingangs gestellten Frage zurück: Wie verhält sich das nachgestellte im Hinblick auf zu den valenzgebundenen Aktanten und den freien Gliedern? 5. POLINKSNIŠKASIS ATŽVILGIU IR VALENTINIAI AKTANTAI Bei der Analyse des vorliegenden DLKT-Materials zeigt sich, dass beispielsweise in den Fällen, in denen das zweiwertige Adjektiv anspruchsvoll die Einstellung einer Person zu einer Sache, ihre psychische Haltung gegenüber einer Sache bezeichnet, es neben dem den Perzipienten entsprechenden Subjektsnominativ auch den Inhaltsdativ verlangt (regiert), der im Satz als indirektes Objekt fungiert, z. B.: Autorius labai reiklus savo kalbai¹⁸. Wenn reiklus die Sympathie, das Wohlwollen oder die Antipathie einer Person gegenüber einer anderen Person bezeichnet, entspricht sein durch den Dativ bezeichneter fakultativer syntaktischer Aktant ¹⁸ Beispiel aus dem DLKŽ. Straipsniai / Articles 255 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ dem Benefizienten, z. B. Geras vadovas sau turi būti reiklesnis negu kitiems¹⁹. Unter dem Gesichtspunkt der Valenz verlangt reiklus ‘mit großem Bedarf’ den Patientennominativ und den fakultativen Inhaltsdativ, z. B. Agurkai yra labai reiklus šilumai²⁰. Wie aus den Beispielen 21–23 ersichtlich ist, wird anstelle des notwendigen und des fakultativen syntaktischen Aktanten, der durch den Dativ bezeichnet wird, die im Hinblick auf-Konstruktion verwendet. 21) – Sind Sie reiklus komforto atžvilgiu [Con]? 22) Prezidentas [Pcp] sollte labai reiklus (savo atžvilgiu) [B] und fähig sein, zu zweifeln. 23) Agrastai dera kasmet, ypač gerai Žemaitijoje. Reiklumas vietai ir dirvai. Agrastai [P] (vietos atžvilgiu) [Con] nereiklus. Neben reiklus zeigt das vorliegende DLKT-Material, dass das nachgestellte im Hinblick auf mit einer ganzen Reihe von Adjektiven verwendet wird, wenn sie die Haltung einer Person gegenüber einer anderen Person bezeichnen und eine semantische Valenzstruktur besitzen [Pcp, B]: abejingas, blogas, draugiškas, (ne)gailestingas, geranoriškas, griežtas, įžūlus, kietaširdis, kritiškas, malonus, nuosaikus, palankus, pagarbus, priešiškas, rūpus, tolerantiškas, pakantus, (ne)sąžiningas, švelnus, (ne)teisus, ūmus usw. (siehe 24–25). Eine analoge Verwendung zeigt sich auch bei den Abstrakta der genannten Adjektive, etwa abejingumas, atlaidumas, delikatumas, despotizmas, gailestingumas, geranoriškumas, kietaširdystė, supratingumas, tolerancija, šališkumas, žiaurumas usw. (siehe 26–28). Ihr fakultativer, gewöhnlich durch den Dativ²¹ bezeichneter Aktant, der im Satz als indirektes Objekt fungiert, wird durch das nachgestellte im Hinblick auf ersetzt. Anhand des Beispiels 27 ist darauf hinzuweisen, dass BLKŽ despotizmas als ‘2. Herrschsucht und Willkür gegenüber der Umgebung’ definiert, d. h. als explizit gemachter Aspekt der Einstellung bzw. Haltung gegenüber einer anderen Person, der bei kommunikativer Notwendigkeit durch einen fakultativen Aktanten ausgedrückt wird. 24) Sie [die Nachbarin] ist freundlich (ihm [dem Jungen] gegenüber). 25) Viktoria, ich war nicht ganz ehrlich (Ihnen gegenüber). 26) Ich danke auch dem Seimas-Präsidenten, Herrn A. P., für sein Wohlwollen (der VU gegenüber). 27) Es war seltsam, immer häufiger Äußerungen über den Despotismus des Regisseurs (gegenüber dem Schauspieler) zu hören. 28) Dieser blinde Zorn, der, wenn er befreit ist, keine Grenzen kennt. Haben sie etwas anderes bemerkt, das ich selbst nicht begriff und weshalb diese kaum bemerkbare Kälte (mir gegenüber) entstand? (vgl. Beispiel 5) ¹⁹ Beispiel aus BLKŽe. ²⁰ Beispiel aus LKŽe. ²¹ Der Benefizient kann auch durch eine Konstruktion mit der Präposition su bezeichnet werden, vgl. den DLKT-Satz: Dar kurį laiką buvo su ja griežti. 256 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu Die genannte Struktur [Pcp, B] weisen auch die im Satz verwendeten verbalen Abstrakta jausmas, laikysena, neapykanta, nusistatymas auf, z. B.: 29) Oder waren mano jausmai (jos atžvilgiu) etwa ambivalent? 30) Dies führte zu einer unterschiedlichen Haltung der Vertreter verschiedener Strömungen gegenüber der politischen Ordnung des künftigen freien Litauens sowie zu einer kühlen Haltung (gegenüber dem in die USA eingereisten A. Smetona). 31) Wer auch immer sie gewesen sein mochte, sie zeigte nicht die gebührende Fürsorge für dich. – Du bist voller išankstinių nusistatymų moterų atžvilgiu! (anders als: Vorurteile gegen Frauen) In den Fällen, in denen das Wort im Satz die Haltung einer Person zu einer Sache, die psychische Einstellung einer Person gegenüber einer Sache bezeichnet, besitzt es eine semantische Valenzstruktur [Pcp, Con]. Im finiten Satz wird sie gewöhnlich durch den Nominativ des Perzeptionssubjekts und den Dativ des indirekten Objekts oder durch eine Präpositionskonstruktion mit dėl bezeichnet. Wie aus den vorliegenden Beispielen 32–33 oder ähnlichen Beispielen ersichtlich ist, wird bei perzeptiven Lexemen das nachgestellte im Hinblick auf verwendet. Analog dazu wird es vom Sprecher in Beispiel 34 mit dem Abstraktum nepasitenkinimas gewählt, wobei das nachgestellte im Hinblick auf nicht mit dem Benefizientendativ (ji rodė man), sondern mit dem Instrumental des Inhalts (vgl. ji nepatenkinta manimi) verbunden ist. 32) Die Unparteilichkeit des Forschers gegenüber der Quelle. 33) Ich kann mir erlauben, kurz Palins tiefere Palino nusistatymą (mokymo atžvilgiu) zu beschreiben. 34) Mano atžvilgiu zeigte sie eine gereizte nepasitenkinimą. Das nachgestellte im Hinblick auf wird anstelle des dem Patienten entsprechenden Dativs mit dem perzeptiven verbalen Abstraktum įtarimas verwendet: 35) Reino lächelte säuerlich, als ob diese kurze Bekanntschaft mit meiner Tochter alle jo įtarimus mano atžvilgiu bestätigen würde. Die untersuchten DLKT-Beispiele zeigen, dass die nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion anstelle des typischen Dativs des indirekten Objekts verwendet wird, wenn ein prädikativ oder attributiv verwendetes Wort einen bestimmten (Nicht-)Nutzen einer Sache für eine Person bezeichnet. Dann besitzt das Wort, wie die Beispiele 36–37 und ähnliche zeigen, wenn etwa drastiškas, (ne)draugiškas, griežtas, korektiškas, kritiškas, naudingas, pagarbus, palankus, pavojingas, reiklus, teisingas, tinkamas usw. verwendet wird, die semantische Valenzstruktur [P, B]. 36) Dies kann eine Grundlage dafür sein, eine strenge Entscheidung (ihm atžvilgiu) zu treffen. 37) Du hast einen freundlichen, (vienas kito atžvilgiu) respektvollen Dialog geführt. Der im Satz gewöhnlich durch den Dativ bezeichnete fakultative syntaktische Aktant des Prädikats wird in den Fällen durch die nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion ersetzt, in denen beide Ausdrucksformen des indirekten Objekts der semantischen Funktion des Perzipienten entsprechen, während der Subjektsaktant – der den Patienten Straipsniai / Articles 257 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ entspricht, d. h. die dem Wort eigene semantische Valenzstruktur [P, Pcp] ist, z. B.: 38) Deshalb bitten wir um Entschuldigung, dass du įkyrus buvai (panelės atžvilgiu). 39) Das ist zu widerlich (gegenüber den Familien der Betroffenen šeimų atžvilgiu)? Auf der Grundlage der Valenz des in Teil 3 erwähnten Verbs žiūrėti ‘eine entstandene Meinung haben, bewerten’ werden in den untersuchten Beispielen auch Unterschiede in der syntaktischen Valenz des Substantivs pažiūra sichtbar. Aus Beispiel 40 wird deutlich, dass der Sprecher anstelle der dem Patienten entsprechenden Präpositionskonstruktion mit į die nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion gewählt hat. Hier könnte die Verwendung des nachgestellten im Hinblick auf auch mit der oben erwähnten Bezeichnung des Benefizienten von kritiškas durch die betreffende Konstruktion erklärt werden (siehe auch unten). Beispiel 41 mit dem Substantiv požiūris zeigt jedoch, dass die dem Patienten des zugrunde liegenden perzeptiven Verbs entsprechende Präpositionskonstruktion durch das nachgestellte im Hinblick auf ersetzt wird. 40) Damals [...] waren mano pažiūros jo atžvilgiu ziemlich kritiškos. 41) Es wurde [...] eine ziemlich klare negative požiūris ir Lietuvos valstybės atžvilgiu zum Ausdruck gebracht. Die nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion wird auch in Sätzen verwendet, in denen das Wort (nusidėti; diskriminacija, išdavystė, įtaka, kaltinimas, kėslas, kritika, nusikaltimas, prievarta, smurtas, teroras usw.) einen syntaktischen Akt des Subjekts verlangt, der die Funktion des Agens²² erfüllt. Aus den Beispielen 42–46 ist ersichtlich, dass im Satzkontext eine durch Verbformen oder ihre Abstrakta ausgedrückte aktive Handlung oder eine sachlich aufgefasste Handlung ihre typische Aktivität verliert und dadurch die Agenshaftigkeit des Subjekts verringert. Im Beispiel 42, in dem das Verb nusidėti ‘sich versündigen’ ein dem Agens entsprechendes Subjekt und ein indirektes Objekt des Benefizienten verlangt, das durch den Dativ bezeichnet wird (Sližienė 1994: 63), wird die Agenshaftigkeit des Subjekts entsprechend der Semantik des perzeptiven jaustis ‘sich fühlen’ „vermindert“ (siehe 34). Analog dazu wählt der Sprecher offenbar das nachgestellte im Hinblick auf auch in den in den Beispielen 43–44 ausgedrückten Situationen, in denen die Aktivität der typischerweise ein Agens voraussetzenden Substantive kritika, represija durch die perzeptiven pažiūra, bijo, die im Satz oder in der Wortgruppe die genannten Abstrakta der aktiven Handlung regieren, abgeschwächt wird. Im Beispiel 45 wird die Verwendung der im Hinblick auf-Konstruktion mit dem Abstraktum der aktiven Handlung (kritika) durch dessen Indirektheit beeinflusst. Natürlich gibt es im DLKT Beispiele (siehe 46), in denen anstelle des nachgestellten im Hinblick auf der unmarkierte Ausdruck des indirekten Objekts – der Dativ – geeigneter ist. Dies scheint besonders für Beispiel 47 relevant zu sein, in dem die durch das verbale Abstraktum pasisakymas in der Nominalgruppe bezeichnete Handlung aktiver ist. Andererseits, wenn wir annehmen, dass in Beispielen vom Typ 48 ²² Das Agens [A] – die Funktion des Ausführenden der Handlung, die von Verben der Handlung unterstellt wird (Sližienė 1994: 19). 258 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu das nachgestellte im Hinblick auf semantisch sowohl mit kalba verbunden ist (vgl. pirmininko kalba apie signatarus), als auch mit griežtas (vgl. pirmininkas griežtas signatarų atžvilgiu), dann könnten wir behaupten, dass auch in Beispiel 47 die Verwendung der nachgestellten im Hinblick auf-Konstruktion durch das attributiv verwendete nedraugiškas beeinflusst wird (siehe 24). Anders verhält es sich in den Beispielen 49–50, in denen die mit dem Akkusativ des direkten Objekts eines transitiven Verbs (vertinti, išduoti) verbundene nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion neben dem verbalen Abstraktum (vertinimas, išdavystė) kommunikativ und grammatisch notwendig wird. 42) Wie dem auch sei, er tat nichts, wofür er sich Vorwürfe machen und sich nusidėjęs Margo atžvilgiu. fühlen könnte. 43) I. K. [...] erkannte die Parteikritik unehrlich an, [...] wobei sie ihre Haltung zu kritiką jų atžvilgiu. der Kritik ihnen gegenüber verschwieg. 44) Ein Zeuge von Moros Tätigkeit, der es nicht wagt, ihn öffentlich anzuzeigen, weil er represijų savo atžvilgiu. Repressionen gegen ihn fürchtet. 45) Uns bereitet große Sorge, dass in letzter Zeit in der Presse und in anderen Medien häufig eine übermäßig scharfe kritikos Lietuvos mokslininkų atžvilgiu. Kritik an litauischen Wissenschaftlern geäußert wird. 46) Sie änderten ihre Entscheidung erst, nachdem sie auf den regionalen DDP-Konferenzen savo atžvilgiu griežtą kritiką. strenge Kritik an sich gehört hatten. 47) Kreipiamas dėmesys į pastaruoju metu kai kurių Rusijos politikų, įskaitant Dūmos deputatus V. Ž. ir A. N., jų nedraugiškus pasisakymus Lietuvos atžvilgiu. 48) Der Vorsitzende, der bei der Sonntagskundgebung der Sąjūdis-Aktivisten griežtą kalbą daugumos Kovo 11-osios akto signatarų atžvilgiu eine scharfe Rede gegen die Mehrheit der Unterzeichner des Gesetzes vom 11. März gehalten hatte, reiste nach Schweden. 49) In Kenntnis unserer partijos kritinius vertinimus J. B. atžvilgiu (vgl.?kritische Bewertungen unserer Partei von J. B.), hätte Ministerpräsident G. K. sich mit der Ernennung von J. B. zum Chefberater nicht zu beeilen brauchen. 50) Der größere Teil der belarussischen Aktivisten bewertete die Vorschläge aus Kaunas an Warschau, wenn nicht als lietuvių išdavystę jų atžvilgiu (vgl. *jų), so doch zumindest als Nichteinhaltung der Vereinbarungen. Besonders zu erwähnen ist das in Beispiel 51 verwendete daryti ‘sich jemandem gegenüber verhalten’. Gewöhnlich verlangt daryti ein agenshaftes Subjekt, einen den Modus bezeichnenden Akkusativ des direkten Objekts oder ein Adverb sowie ein dem Patienten entsprechendes indirektes Objekt, das durch eine Konstruktion mit der Präposition su bezeichnet wird, z. B. Ką [Mod] tu [A₁] darysi su ja [P] ir su manimi [P] (Sližienė 1994: 166). In Beispiel 51 wird der typische Ausdruck des indirekten Objekts durch die nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion ersetzt, wodurch aktualisiert wird, dass die agenshafte Handlung nicht stattfindet, genauer: eher auf der Ebene des Bewusstseins und der Gedanken stattfindet. Wichtig ist, dass bereits in der Bedeutung von daryti (vgl. außerdem BLKŽₑ daryti ‘3. (was, wem, mit wem) sich verhalten (gewöhnlich gegenüber jemandem)’) der Aspekt des Bezugs expliziert ist und dass Straipsniai / Articles 259 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ das durch das Verb bezeichnete Handlungssubjekt unter dem Gesichtspunkt der Agenshaftigkeit weniger typisch ist. In der behandelten Situation berührt die vom Subjekt (pono, vergo) ausgeführte Handlung das Objekt (kito, savęs) nicht unmittelbar. 51) Was der Herr gegenüber dem „anderen“ tut, würde er auch sich selbst gegenüber tun, und was der Sklave sich selbst gegenüber tut, würde er auch gegenüber dem „anderen“ tun. So entstand eine einseitige und ungleiche Anerkennung. In diesem Fall ist das unbewusste Bewusstsein für den Herrn ein Objekt. Vom Verb daryti ‘sich jemandem gegenüber verhalten’ kann man zum Verb elgtis übergehen. N. Sližienė (1994: 193) unterscheidet elgtis ‘1. sich auf die eine oder andere Weise verhalten, handeln, z. B. Jis [A₁] elgiasi padoriai, gražiai, teisingai [Mod]²³, oder ‘2. auf die eine oder andere Weise mit jemandem umgehen, auf das Schicksal jemandes einwirken, z. B. Jis [A₁] nedorai [Mod] pasielgė su savo motina [P]. Kurz gesagt ist die in der genannten Bedeutung von daryti explizierte Bezugssemantem in den Bedeutungsdefinitionen von elgtis impliziert. Dies beeinflusst die Verwendung des nachgestellten im Hinblick auf in den Beispielen 52–54 mit elgtis, elgesys, poelgis. In Beispiel 52 wurde anstelle der typischen, dem Patienten entsprechenden Konstruktion mit der Präposition su die nachgestellte im Hinblick auf-Konstruktion gewählt. Aus dem Vergleich der Beispiele 53 und 54 wird deutlich, dass die Verwendung des nachgestellten im Hinblick auf in Beispiel 54 notwendig, also grammatisch bedingt ist. Es ist auch darauf hinzuweisen, dass beispielsweise in Beispiel 55 die Verwendung von im Hinblick auf außerdem dadurch beeinflusst wird, dass das Adjektiv sąžiningas ebenfalls mit dem nachgestellten im Hinblick auf verwendet wird (siehe 25). Dies ist in den Beispielen 56–57 deutlich, in denen der dem Modus des Satzprädikats (elgtis) entsprechende valenzgebundene Aktant, der durch ein adjektivisches Adverb ausgedrückt wird, selbst einen benefizienten Aktanten verlangt (ähnlich wird auch etwa draugiškai, sąžiningai, priešiškai, netaktiškai, šališkai oder Ähnliches gesagt) oder ein freies Glied anschließt. Diese Beispiele zeigen, dass die Verwendung des nachgestellten im Hinblick auf sowohl durch die Valenz des Hauptprädikats des Satzes (elgtis) als auch durch die Valenz eines der lexikalisierten Aktanten des Prädikats oder durch die Kombinierbarkeit des Wortes beeinflusst werden kann. 52) Die [Konservativen] haben kein Wort darüber verloren, kaip jie elgiasi Seime mažumos atžvilgiu. wie sie sich im Seimas gegenüber der Minderheit verhalten. 53) Das elgesys des Vaters war edel. Nur Nanos atžvilgiu jis buvo niekingas. war er gegenüber Nano niederträchtig. 54) Auch der Konditor ist enttäuscht über krikdemų elgesiu vienas kito atžvilgiu das Verhalten der Christdemokraten zueinander (vgl. enttäuscht über?das Verhalten der Christdemokraten eines mit dem anderen). 55) Sie bildeten sich Ihre positive oder negative Meinung über eine Person im Umgang mit ihr, und verhalten sich sowohl Ihnen selbst als auch ihr gegenüber ehrlich. 56) Das frustrierte Kind wird unruhig und zornig und elgiasi agresyviai savo bendraamžių atžvilgiu. verhält sich seinen Altersgenossen gegenüber aggressiv. ²³ Vgl. LKVJŽ (Sližienė 1994: 166) unterscheidet daryti ‘sich verhalten’, z. B. Neprotingai [Mod], katel [A₁], darai. 260 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu 57) Angeblich verhielten Jonas und ich uns während der Gedenkveranstaltung zum Großen Vaterländischen Krieg Jonas ir aš nemandagiai elgėmės veterano [...] atžvilgiu. gegenüber dem Veteranen unhöflich. In den vorhandenen DLKT-Beispielen wird die im Hinblick auf-Konstruktion in ähnlicher Weise verwendet, wenn das Hauptprädikat des Satzes durch Formen der Verben nu(si)teikti, nusistatyti ‘2. sich entschließen, an einer Meinung oder Entscheidung entschieden festhalten’ (DLKŽₑ) gebildet wird oder wenn das nachgestellte im Hinblick auf mit Abstrakta – Substantiven nusistatymas, nusiteikimas, nuostata, ketinimas – dieser oder anderer perzeptiver Verben verbunden ist (siehe 58–61). In Beispiel 58 wird die Verwendung des nachgestellten im Hinblick auf nicht so sehr durch das nicht-agenshafte nuteikti ‘eine bestimmte Stimmung, bestimmte Gefühle hervorrufen’ beeinflusst, sondern, wie erwähnt, durch das Adverb – das hier nepalankiai, das selbst einen benefizienten Aktanten verlangt. Ähnliches zeigt sich in Beispiel 59 mit dem Reflexivverb nusiteikti: Das nachgestellte im Hinblick auf ist ebenfalls mit dem Adverb geranoriškai verbunden (in den untersuchten Beispielen wird im Hinblick auf analog mit nusiteikti, gerai, piktai, priešiškai, skeptiškai usw. verwendet), doch ist seine Ersetzung durch den Benefizientendativ im Unterschied zu Fall 58 stärker durch die Intransitivität des Prädikats eingeschränkt. Die Beispiele 60–61 zeigen, dass auch die kategorialen Eigenschaften der Lexeme die Verwendung von im Hinblick auf beeinflussen (siehe auch 26–28). Dass die Perzeptivität des Lexems die Verwendung von im Hinblick auf im Satz beeinflusst, wird aus Beispiel 62 deutlich, wo die Wahl des nachgestellten im Hinblick auf nicht nach der typischen Valenz von elgtis (vgl. elgtis su kitais savo nuožiūra), sondern nach nuožiūrą ‘Meinung, Ansicht’ (DLKŽₑ) erklärt werden kann. 58) Kann ich jetzt etwa auch nur ein einziges so nepalankiai mano atžvilgiu (vgl. mir) nuteiktą? herausgeben? 59) Umso weniger wahrscheinlich ist, dass kita jos atžvilgiu (?.iai) geranoriškai nusiteikusi. die andere ihr gegenüber wohlwollend eingestellt ist. 60) Der Schüler spürt unbewusst mokytojo nusiteikimą die Haltung des Lehrers gegenüber ihm. 61) Willentlich oder unwillentlich ändern sich auch mūsų nuostatos unsere Einstellungen ihnen gegenüber. 62) Die Freiheit, die sie verteidigten, war die Freiheit, elgtis savo nuožiūra kitų atžvilgiu. sich anderen gegenüber nach eigenem Ermessen zu verhalten. Wenn man annimmt, dass die Verwendung von im Hinblick auf in Beispiel 62 auch durch die Semantik von nuožiūra beeinflusst wird, wird klar, warum man es in den Beispielen 63–65 anstelle der dem Inhalt entsprechenden Präpositionskonstruktion mit apie oder dėl bei nuomone, pozicija ‘3. übertr. Ansicht, grundsätzliche Einstellung’ (DLKŽₑ) wählt. Beispiel 64 zeigt auch, dass die Verwendung der im Hinblick auf-Konstruktion durch den Kontext beeinflusst wird. 63) Viele, ich selbst und viele unserer Parteigenossen haben eine sehr klare nuomonę Paleckio atžvilgiu. Meinung über Paleckis. 64) – Was denn? – Über euren Freund Mose. Jo atžvilgiu aš susidariau tvirtą nuomonę. Ihm gegenüber habe ich mir eine feste Meinung gebildet. 65) Wie lautet die offizielle Bažnyčios pozicija žydų atžvilgiu? Position der Kirche gegenüber den Juden in der heutigen Zeit? Straipsniai / Articles 261 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Auf der Grundlage der Beispiele 63–65 lässt sich die Verwendung des nachgestellten im Hinblick auf mit politika ‘Regelung der Staatsangelegenheiten, Theorie und Praxis der Staatsgewalt’ (DLKŽe) erklären. Der Sprecher aktualisiert durch die gewählte Bezeichnung, etwa in Beispiel 66, den Aspekt der Politik als Theorie, Ideologie oder Ansicht, obwohl nicht auszuschließen ist, dass eine solche Bezeichnung auch beim Sprechen über den praktischen Aspekt der Politik verallgemeinert wird (siehe 67). 66) Auf die Frage, ob man in Moskau jetzt der Ansicht ist, dass die frühere Politik gegenüber dem Westen allzu nachgiebig gewesen sei. 67) Doch die lange und schmerzhafte Geschichte von „Mažeikių nafta“ weckt Zweifel daran, ob die Rusijos politika Lietuvos atžvilgiu Politik Russlands gegenüber Litauen auf Pragmatismus beruhen wird. 6. DIE NACHGESTELLTE IM HINBLICK AUF-KONSTRUKTION UND NICHTVALENZGEBUNDENE (FREIE) GLIEDER Wie erwähnt, besteht der Hauptunterschied der freien Satzglieder gegenüber den fakultativen Aktanten darin, dass sie keine Stütze in der semantischen Valenzstruktur des Satzprädikats haben und auf der Ebene der logischen Semantik keine semantischen Aktanten realisieren. Im Beispiel 68 ist die atžvilgiu-Konstruktion ein freies Satzglied des Satzprädikats (laikėsi). Wie bereits gesagt, ist sie jedoch ein syntaktischer Aktant, der von einem der valenzgebundenen Aktanten des Prädikats (neapykanta) gefordert wird (neapykanta žydų atžvilgiu (vgl. žydams)). Mit anderen Worten: Auf Satzebene ist die atžvilgiu-Konstruktion ein freies Glied, auf der Ebene der Wortgruppe ein valenzgebundener Aktant. 68) Dennoch waren nicht alle Denker der Aufklärung den Juden wohlgesinnt. Ein beträchtlicher Teil von ihnen hielt, obwohl er die alten Traditionen kritisierte, den žydų atžvilgiu an neapykantos. Unter dem Gesichtspunkt der Valenz wird bei freien Satzgliedern der freie Dativ (dt. freier Dativ) unterschieden. Nach N. Sližienė (1994: 39) ist er „ein Element der syntaktischen Struktur des gesamten Satzes, das eine durch die Handlung interessierte Person oder Sache bezeichnet, der etwas widerfährt (den Benefizienten)“. Axelis Holvoet und Veslava Čižik-Prokaševa (2005: 81–92) behandeln vier Typen des freien Dativs: dativus commodi, dativus sympatheticus, dativus ethicus, dativus iudicantis. Die Autoren (Holvoet, Čižik-Prokaševa 2005: 83, 86, 88, 90) interpretieren den dativus commodi als Benefizientenangabe, den dativus sympatheticus als Fall einer Argumentaufspaltung und beziehen den dativus ethicus auf den Diskurs und betrachten ihn als Satzangabe. Sie (Holvoet, Čižik-Prokaševa 2005: 90, 92) behaupten, dass der „dativus iudicantis semantisch gefordert und syntaktisch regiert“ sei, „jedoch nicht vom Verb regiert wird“. Agnieszka Rembiałkowska (2009: 159–161) stützt sich auf Simon 262 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu An die Lösungen der funktionalen Grammatiktheorie von Dik (Dik 1997) und an das Konzept der geschichteten semantischen Satzstruktur anknüpfend, schlägt sie bei der Erörterung verschiedener freier Dative vor, „bei der Klassifizierung [...] das Kriterium ihres Geltungsbereichs (engl. scope) zugrunde zu legen“ (Rembiałkowska 2009: 149). „Die Typen der freien Dative werden vor allem danach unterschieden [...], mit welcher Ebene der Prädikation sie eine engere Einheit bilden und an welche Ebene der Prädikation die Wirkung der von ihnen ausgedrückten Prädikation grenzt“ (Rembiałkowska 2009: 149–150). Auf dieser Grundlage sollten „die durch dativus sympatheticus kodierten possessiven Bedeutungen auf der Ebene der Kernprädikation24 auftreten, die durch den dativus commodi / incommodi kodierten benefaktiven / malefaktiven Bedeutungen“ (ebd.: 167–168) „der Ebene der erweiterten25 Prädikation (extended predication) angehören“ (ebd.: 162), während „die Bedeutungen des dativus iudicantis auf der Ebene der Proposition26 [kodiert werden], der dativus ethicus dagegen auf der Ebene des Sprechakts (Satzes)“ (ebd.: 168). Dass mit dem dativus commodi / incommodi, der die Person oder den Gegenstand bezeichnet, zu dessen Nutzen oder Schaden eine Handlung ausgeführt wird oder etwas der Fall ist, die Konstruktion mit atžvilgiu verbunden ist, zeigen die Beispiele 69–70 (ebenso dort, wo atžvilgiu grammatisch mit humaniškas, neutralus, negatyvus, pasyvus, savanaudiškas; taika, supratingumas, neutralumas, nežmoniškumas; niekinamai, niekingai und anderem verbunden ist). 69) Woraus setzt sich dieses Gefühl des eigenen Wertes zusammen? Vereinfacht gesagt, aus all den Gefühlen und Gedanken, die wir kuriuos savo atžvilgiu (vgl. uns, in uns) fühlen. 70) Im Leben begegnete ich vielen großen Künstlern, aber keinem, der sich selbst gegenüber so abstrakt und unfehlbar objektyvus savo paties atžvilgiu. Die allgemeinste Funktion des freien dativus iudicantis besteht darin, „das Bewertungssystem anzugeben, anhand dessen beurteilt werden kann, ob jemandem zu Recht eine bestimmte Eigenschaft zugeschrieben wird. Die Notwendigkeit, ein Bewertungssystem anzugeben, entsteht, wenn betont werden soll, dass es nicht mit den in der Gesellschaft akzeptierten oder vorausgesetzten Bewertungsstandards übereinstimmt“ (Rembiałkowska 2009: 156). Dieser zur Ebene der Proposition (engl. proposition) gehörende, mit dem Wahrnehmenden verbundene dativus iudicantis wird, wie die Beispiele 71–72 oder ähnliche Beispiele mit ciniškas, prasmingas, neetiškas; ambivalentiškumas; gerai, bjauru, nehigieniška, neetiška, nemandagu, padoru, nederama usw. zeigen, ebenfalls durch die atžvilgiu-Konstruktion ersetzt. Auf der Ebene der Proposition, die dem „möglichen Sachverhalt“ entspricht, 24 Auf der Ebene der Kernprädikation (engl. core predication [...]) werden die „internen“ Parameter der elementaren Situation definiert“ (Rembiałkowska 2009: 160). 25 Auf der Ebene der erweiterten Prädikation werden „Zeit, Ort, Ursache, Ziel usw. des Auftretens der elementaren Situation präzisiert“ (Rembiałkowska 2009: 160). 26 Auf der Ebene der Proposition oder Aussage wird „die Haltung des Sprechers zur elementaren Situation dargestellt“ (Rembiałkowska 2009: 160). Straipsniai / Articles 263 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ und auf der die Haltung des Sprechers zur elementaren Situation dargestellt wird (vgl. Dik 1997: 68), präzisiert der dativus iudicantis die Geltungsbedingungen der Aussage (Rembiakovska 2009: 163). 71) Denn so wäre es unehrenhaft – nedora visų atžvilgiu! 72) Dein Gehalt wird sich mindestens halbieren, aber anders geht es nicht; es wäre neteisinga kitų atžvilgiu. Auf der Grundlage des untersuchten Materials ist noch das hinzuzufügen, was am Anfang des Artikels erwähnt wurde: Die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu wird anstelle von Adverbien der Art und Weise (Adverbialbestimmungen) verwendet. Dies zeigt sich in Beispiel 73. Diese durch die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu bezeichneten Modifikatoren gehören nicht zur nuklearen (engl. nuclear) Prädikation des Satzes und bilden eine Kernprädikation (engl. core). Solche mit dem Satzprädikat selbst verbundenen Modifikatoren der ersten Ebene (prototypisch der Art und Weise, des Mittels, der Qualität usw.) modifizieren das durch das Hauptprädikat ausgedrückte Ereignis oder, nach S. Dik (1997: 225–226), den Sachverhalt der nuklearen Prädikation (engl. nuclear predication) (engl. states of affairs (SoA)) (siehe auch Beispiel 74, in dem die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu den Grund ausdrückt). 73) Nominalizatoriaus funkciją atliekanti įvardinė morfema nei konceptualiai, nei (mor)fonologiniu atžvilgiu nėra savarankiška. 74) Eine gewisse Verwandtschaft zwischen geometrischer Kunst und Epos lässt sich sowohl im Hinblick auf giminystę die idėjos als auch im Hinblick auf die formos atžvilgiu. Dass die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion mit Modifikatoren der zweiten Ebene verbunden ist, die auf Satzebene unterschieden werden und dort einen Sachverhalt im Hinblick auf Ort, Zeit, Ergebnis, Ziel, Ursache usw. ausdrücken (Dik 1997: 243–244), lässt sich anhand der Beispiele 75–76 zeigen. 75) Marijus hat dieses Mädchen offenbar bereits verzaubert. […] Welche Absichten hat er kėslai tos jaunos būtybės atžvilgiu? 76) Ich danke Ihnen nochmals für die žygius, padarytus mano atžvilgiu, nur gibt es leider noch keinerlei Ergebnisse. 7. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN Die Untersuchung von 600 Beispielen aus dem DLKT mit der postpositionalen atžvilgiu-Konstruktion zeigt, dass diese Konstruktion sowohl anstelle der valenzgebundenen Aktanten eines Wortes als auch als freies Glied verwendet wird. Unter dem Gesichtspunkt der Valenz lassen sich auf Grundlage des untersuchten Materials folgende Korrelationen aufstellen: Die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion wird als freies Glied auf der Ebene der Kernprädikation, der erweiterten Prädikation und der Proposition verwendet. Unter dem Gesichtspunkt der Valenz mit 264 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu dem freien Dativ (oder der mit der Präposition su gebildeten Konstruktion) verbundene postpositionale atžvilgiu ist ein freies Glied, das dem Wahrnehmenden oder dem Benefizienten entspricht. In den Fällen, in denen die atžvilgiu-Konstruktion ein freies Glied bezeichnet, das im Satz als (Art-und-Weise-, Grundlage-, Ursache-)Angabe fungiert, ist sie mit einem Adverb oder mit Präpositionalphrasen verbunden. Die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion ist von den freien Gliedern (des Prädikats, den Satzmodifikatoren (Angaben)) an die Stelle der valenzgebundenen Aktanten des Wortes (Regierte (indirekte Objekte)) übergegangen. In Analogie zu den kommunikativ notwendigen freien Gliedern, die durch die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion bezeichnet werden, wird sie zur Bezeichnung der entsprechenden Aktanten der semantischen Valenz des Wortes gewählt. Die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion ist ein notwendiger valenzgebundener Aktant des Prädikats: Auf diese Weise werden zwei Bedeutungen eines Lexems mit unterschiedlicher Valenz (vgl. korektiškas – „höflich, taktvoll“ (BLKŽė), z. B. Jis buvo (mano atžvilgiu) (vgl. su manimi) recht korektiškas (DLKT), und korektiškas – „richtig, genau, entsprechend“, z. B. Das Verfassungsgericht hat seine Auffassung nicht dargelegt; das Statut des Seimas gilt nicht als ein dem Grundgesetz des Landes widersprechendes Dokument: „Doch ist es korektiškas Konstitucijos atžvilgiu“. (DLKT)). Die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu wird anstelle der valenzgebundenen (obligatorischen und fakultativen) Aktanten einer Lexemwahl verwendet, wenn diese die Funktionen eines Perzipienten, Benefizienten oder Kontentivs erfüllen. Dann ersetzt die als indirektes Objekt im Satz auftretende Konstruktion mit atžvilgiu den durch den Dativ oder eine Präpositionskonstruktion (su, į, apie, dėl) bezeichneten Aktanten; das Subjekt kann dem Perzipienten, Patienten oder Agens entsprechen. Die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu wird bevorzugt in Fällen verwendet, in denen das Lexem einen dem Perzipienten entsprechenden syntaktischen Subjektsaktanten vorsieht. Die Perzeptivität beeinflusst, dass auch der bei Verben aktiver Handlung typischerweise durch den Dativ bezeichnete Benefizientenaktant durch die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu ersetzt wird. Es wird zwischen der Aktualisierung und Bezeichnung des Zustands des Benefizienten resp. der aktiven Handlung unterschieden (bzw. dazu tendiert). Unter diesem Gesichtspunkt gibt es Grund zu behaupten, dass der dem weniger typischen Benefizienten27 der perzeptiven Prädikate entsprechende semantische Aktant durch mehrere syntaktische Formen bezeichnet wird: durch den Dativ und/oder die Konstruktion mit der Postposition atžvilgiu. Die Verwendung von atžvilgiu hängt mit der (In-)Transitivität des Lexems und der (Nicht-)Agentivität des Subjekts zusammen. Die kategorialen Eigenschaften des Lexems beeinflussen die morphosyntaktische Markierung des mit dem indirekten Objekt korrelierenden semantischen Aktanten (Benefizient, Patient, Inhalt) (durch den Dativ, die Präposition į, apie oder ähnliche Konstruktionen und/oder durch die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion). Ein vom Adverb regierter syntaktischer Aktant kann nur durch die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion bezeichnet werden (z. B. Jis pavojingai (ir 27 Vgl. mentalInio recipiento (dt. mentaler Rezipient) den Begriff des Hentschel (2001: 183), Bartels (2005: 106–107). Straipsniai / Articles 265 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ nepalankiai jo vilčių atžvilgiu) (vgl. *auch nepalankiai jo viltims) nachdenklich den Kellner (DLKT)). Semantisch und grammatisch notwendig kann auch die vom Substantiv geforderte postpositionale atžvilgiu-Konstruktion sein (vgl. vokiečių diskriminacija jų atžvilgiu, *vokiečių jų diskriminacija). In den Fällen, in denen der Aspekt der Beziehung als Haltung oder Einstellung in der Bedeutung des Lexems selbst explizit gemacht oder impliziert ist (z. B. priešas – „2. ein den anderen feindlich gesinnter Mensch, der ihnen Böses wünscht“ (DLKŽₑ); priešingas – „4. jemand, der eine andere Auffassung hat, feindselig gesinnt, feindlich“ (LKŽₑ); despotizmas – „2. Herrschsucht und Willkür gegenüber der Umgebung“ (BLKŽₑ), nuotaika – „3. gewöhnlich Pl. Einstellung, Haltung gegenüber jemandem“ (LKŽₑ) usw.), kann oder muss dies durch den Gebrauch der postpositionalen atžvilgiu-Konstruktion bezeichnet werden (vgl. Nach der allgemeinen Stimmung des litauischen Volkes gegenüber den Juden entwickelten sich die Dinge, auch auf den Kreis Šilalė bezogen, so. (DLKT)). Analog dazu wird die Haltung oder Einstellung (gewöhnlich mit Wahrnehmungsprädikaten) auch dann bezeichnet, wenn die Bedeutung des Lexems diesen Aspekt nicht erkennen lässt. Der durch die postpositionale atžvilgiu-Konstruktion bezeichnete Aspekt der Haltung oder Einstellung ist mit einem indirekten Objekt verbunden (vgl. Kann ich hoffen, dass auch auf meinen Anteil einige Ablässe aus deinem Vorrat abfallen, wenn ich ehrlich bekenne, eine Sünde gegen dich begangen zu haben? (DLKT)). ŠALTINIAI BLKŽₑ – Bendrinės lietuvių kalbos žodynas, vyr. red. D. Liutkevičienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2013–2022. Prieiga internete: https://ekalba.lt/bendrines-lietuviu-kalbos-zodynas/. DLKT – Dabartinės lietuvių kalbos tekstynas, Kaunas: Vytauto Didžiojo universitetas. Prieiga internete: http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/. 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Construction with atžvilgiu from the Perspective of Valency SUMMARY The article addresses the construction with postpositional atžvilgiu from the perspective of valency. It draws on 600 examples collected from The Corpus of Contemporary Lithuanian Language, which was developed at the Centre of Computational Linguistics of Vytautas Magnus University in Kaunas. It appeared that the construction with postpositional atžvilgiu is used in a sentence both instead of the valent actants of the word and as free elements. As a free element, the construction with postpositional atžvilgiu is related to the free dative (or the construction with the preposition su), prepositional constructions, adverb; they are used at the core, extended and propositional level. 268 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Atžvilgiu konstrukcija valentingumo aspektu There is a tendency to use the construction with postpositional atžvilgiu instead of the valent (mandatory and facultative) actants of the lexeme where they correspond to the functions of the percipient, beneficiary or contentive. In such case, the construction with atžvilgiu used as an indirect object replaces the dative or the actant expressed by a prepositional (su, į, apie, dėl) construction; the subject corresponds to the percipient, patient, agent. The construction with postpositional atžvilgiu is preferred when the lexeme denotes the syntactic actant of the subject corresponding to the percipient. A beneficiary is specified (tends to be specified) in order to highlight and mark a state or an active action. The usage of postpositional atžvilgiu pertains to the (in)transitivity of the lexeme and the (non)agency of the subject. The categorical properties of the lexeme affect the morphosyntactic marking of the semantic actant correlating to the indirect object (by the dative, constructions with the prepositions į, apie, etc. and/or the construction with postpositional atžvilgiu). Įteikta 2022 m. spalio 21 d. LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva loreta.semėnienė@lki.lt Straipsniai / Articles 269