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MEHR BEWEGUNG IM SONDERSCHULALLTAG ANKE SCHMID HOCHSCHULE LUZERN – SOZIALE ARBEIT Zeichnung von Schüler*innen der Schule Horbach
Seite 1/1 Mehr Bewegung im Sonderschulalltag Projektzeitraum von 01. Januar 2025 bis 30. Juni 2025 Anke Schmid Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Sozialarbeit Begleitperson: Rebecca Mörgen Eingereicht am: 05.09.2025 Diese Arbeit wurde am 05.09.2025 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eingereicht. Für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit wird durch die Hochschule Luzern keine Haftung übernommen. Studierende räumen der Hochschule Luzern Verwendungsund Verwertungsrechte an ihren im Rahmen des Studiums verfassten Arbeiten ein. Das Verwendungsund Verwertungsrecht der Studierenden an ihren Arbeiten bleibt gewahrt (Art. 34 der Studienordnung). Studentische Arbeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit werden unter einer Creative Commons Lizenz im Repositorium veröffentlicht und sind frei zugänglich.
09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheberund Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders. Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt. Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden, sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten. Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de
II Abstract Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind im Schulalltag häufig mit Konzentrationsschwierigkeiten und eingeschränkter Selbstregulation konfrontiert. Das Projekt „Mehr Bewegung im Schulalltag“ setzte hier an und erprobte zwischen Januar und Juni 2025 in zwei Klassen der Schule Horbach kurze, spielerische Bewegungspausen. Ziel war es, die Aufmerksamkeit und das Klassenklima positiv zu beeinflussen und das Umfeld mit einer praxisnahen Broschüre zu unterstützen. Methodisch kombinierte das Projekt qualitative und quantitative Elemente: Kinder gaben mithilfe von METACOM-Symbolkarten Rückmeldungen, Lehrpersonen wurden in Gruppengesprächen und Interviews befragt, Eltern durch Fragebögen einbezogen und die Projektleitung dokumentierte systematisch ihre Beobachtungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Bewegungspausen die Konzentration und Freude der Kinder steigern, Lehrpersonen die Übungen als entlastend und praktikabel bewerten und Eltern berichten, dass Elemente in den familiären Alltag übertragen werden. In einer Gesamtsitzung wurde das Konzept von der Schulleitung aufgenommen und als fester Bestandteil im Schulprogramm verankert. Damit wurde die Grundlage für eine nachhaltige Weiterführung im Sonderschulalltag geschacen.
III Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ........................................................................................................... 1 1.1 Träger ............................................................................................................... 2 1.2 Ausgangslage & Problemstellung ....................................................................... 3 1.2.1 Thematik .................................................................................................... 4 1.2.2 Fragestellung .............................................................................................. 4 2 Projektmotivation- & Begründung ............................................................................. 5 2.1 Analyse der Situation – Theoretischer Bezugsrahmen .......................................... 6 2.2 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ..................................... 7 2.2 Bewegung als Ressource ................................................................................... 8 2.3 Salutogenetischer Ansatz nach Antonovsky ....................................................... 9 2.4 Systemtheorie nach Luhmann .......................................................................... 10 2.5 Lebensweltorientierung nach Thiersch .............................................................. 10 2.6 Empowerment ................................................................................................. 11 2.7 Rechtliche und ethische Grundlagen ................................................................ 11 3. Bestimmung, Bewertung und Begründung des Handlungsbedarfs ........................... 12 3.1 Belastungen und Risiken für Kinder mit ADHS .................................................... 12 3.2 Soziale Arbeit im schulischen Kontext ............................................................... 13 3.3 Chancengleichheit und Inklusion ...................................................................... 13 3.4 Ressourcenorientierung und Resilienzförderung ................................................ 14 3.5 Partizipation und Empowerment ....................................................................... 14 3.6 Gesundheit und Prävention .............................................................................. 15 3.7 Fazit ................................................................................................................ 15 4. Projektmethodische Fundierung ............................................................................ 16 4.1 Zielgruppen ..................................................................................................... 16 4.2 Projektziele ...................................................................................................... 17 4.3 Aufbauorganisation .......................................................................................... 19 4.4 Ablauforganisation und Projektphasen .............................................................. 20 4.5 Risiken ............................................................................................................ 21 4.6 Budget ............................................................................................................. 23 5. Methodisches Vorgehen ........................................................................................ 24 5.1 Begründung der Methodenwahl ........................................................................ 24
IV 5.2 Datenerhebung ................................................................................................ 25 5.3 Auswertung der Daten ...................................................................................... 26 5.4 Forschungsethik .............................................................................................. 27 5.5 Reflexion der Methodenwahl ............................................................................ 27 6. Beschreibung und Interpretation der Ergebnisse ..................................................... 28 6.1 Ergebnisse auf Ebene der Kinder ....................................................................... 28 6.2 Ergebnisse auf Ebene der Lehrpersonen ............................................................ 29 6.3 Ergebnisse auf Ebene der Eltern ........................................................................ 30 6.4 Querschnittsergebnisse ................................................................................... 30 6.5 Kritische Aspekte ............................................................................................. 31 6.6 Fazit ................................................................................................................ 31 7. Evaluation und Sicherung der Nachhaltigkeit .......................................................... 32 7.1 Evaluationsdesign ............................................................................................ 32 7.2 Ergebnisse der Evaluation ................................................................................ 33 7.3 Lernerfahrungen und Grenzen .......................................................................... 34 7.4 Sicherung der Nachhaltigkeit ............................................................................ 34 7.5 Nachhaltigkeit aus Sicht der Sozialen Arbeit ...................................................... 35 7.6 Fazit ................................................................................................................ 35 8. Schlussfolgerungen und Perspektiven .................................................................... 36 8.1 Zusammenfassende Schlussfolgerungen .......................................................... 36 8.2 Kritische Reflexion ........................................................................................... 37 8.3 Perspektiven für die Praxis ................................................................................ 37 8.4 Bedeutung für die Soziale Arbeit ....................................................................... 38 8.5 Fazit ................................................................................................................ 39 Literaturverzeichnis .................................................................................................. 39 9. Anhang ................................................................................................................. 43
V Abbildungsverzeichnis Abbildung 1 Verteilung ärztlicher Diagnosen, Schule Horbach ..................................... 7 Abbildung 2 Projektaufbauorganisation ..................................................................... 19 Abbildung 3 Metacom Symbole nach Kitzinger ........................................................... 32 Tabellenverzeichnis Tabelle 1 Angebot der Schule Horbach, eigene Darstellung .......................................... 3 Tabelle 2 Wirkdimensionen von Bewegung, eigene Darstellung .................................... 9 Tabelle 3 Dimensionen des Kohärenzgefühls, eigene Darstellung ................................. 9 Tabelle 4 Einbettung rechtlicher Bedingungen, eigene Darstellung ............................. 11 Tabelle 5 Risikobereiche bei ADHS, eigene Darstellung ............................................... 12 Tabelle 6 Erklärung zum Tripelmandat, eigene Darstellung .......................................... 13 Tabelle 7 Zielgruppenbeschreibung, eigene Darstellung .............................................. 16 Tabelle 8 Zielbaum, eigene Darstellung ...................................................................... 18 Tabelle 9 SWOT Analyse, eigene Darstellung .............................................................. 21 Tabelle 10 Risikoanalyse, eigene Darstellung .............................................................. 22 Tabelle 11 Budget, eigene Darstellung ....................................................................... 24
1 1. Einleitung Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stehen im schulischen Alltag vor besonderen Herausforderungen. Reizüberflutung, Schwierigkeiten in der Selbstregulation, Konzentrationsprobleme sowie impulsives Verhalten führen häufig zu Frustration – sowohl bei den Kindern als auch bei ihrem Umfeld. Diese Herausforderungen erfordern mehr als nur Geduld und Verständnis – es bedarf emotionaler Begleitung, gezielter pädagogische Ansätze und klare Strukturen, welche auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder abgestimmt sind (Banaschewski, et al., 2017) (Matthys, 2021). Die auftraggebende Institution ist die Schule Horbach im Kanton Zug, vertreten durch T. B. In Zusammenarbeit mit T. B. und dem Team der Schule wurde das Thema eingegrenzt und klassifizierte sich zu einem Entwicklungsprojekt. Das Endprodukt ist eine Broschüre, die gleichermassen für Kinder, Erziehungsberechtigte & Bezugssystem als Leitfaden dient und Empfehlungen für den Umgang mit ADHS und dem Schulalltag abgibt (Schule Horbach, 2024). In Verbindung mit der Erstellung der Broschüre wurden mehrere kurze Praxissequenzen im Schulalltag durchgeführt, in denen sowohl Kinder als auch Lehrpersonen erste Umsetzungen der empfohlenen Bewegungsimpulse ausprobierten. Ziel dieser Sequenzen war es, die praktische Anwendbarkeit der Inhalte zu erproben, mögliche Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und Rückmeldungen aus der Praxis direkt in die Ausarbeitung der Broschüre einfliessen zu lassen. So konnten sowohl Vorals auch potenzielle Nachteile identifiziert und entsprechende Anpassungen vorgenommen werden. Der zeitliche Umfang des Projekts betrug insgesamt 360 Stunden, welche sowohl Planung, Durchführung, Evaluation als auch die Erstellung des Endprodukts – der Broschüre – umfassten. Dabei wurde Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit der Schule sowie auf eine praxisnahe, alltagstaugliche Umsetzung gelegt. Der vorliegende Bericht dokumentiert die Planung, Durchführung und Evaluation eines Projekts, das gezielt auf die Bedürfnisse von Kindern im ADHS-Spektrum ausgerichtet ist. Im Zentrum steht ein bewegungsbasierter Interventionsansatz, der theoretische Grundlagen mit praxisorientierten Umsetzungen verknüpft. Dabei wurden sowohl Fachpersonen als auch die betrocenen Kinder aktiv in den Entwicklungsund Erprobungsprozess einbezogen, um eine möglichst alltagstaugliche und wirkungsvolle Integration in den Schulkontext zu gewährleisten.
2 Der Bericht folgt den Vorgaben der Hochschule Luzern. Er beginnt mit einem theoretischen Bezugsrahmen, leitet daraus den Handlungsbedarf ab, beschreibt die Projektmethodik, stellt das methodische Vorgehen dar, präsentiert die Ergebnisse und schliesst mit Evaluation, Nachhaltigkeit und entsprechendem Fazit ab. 1.1 Träger Die Schule Horbach im Kanton Zug ist eine Institution, die unter anderem gezielt Kinder mit einer ADHS-Diagnose beschult. Der Anteil von Kindern mit diagnostiziertem ADHS beträgt dort rund 60 Prozent, was den Bedarf an angepassten pädagogischen Konzepten besonders deutlich macht. Die Zuweisung von Schüler*innen an die Schule Horbach erfolgt ausschliesslich über ocizielle Stellen wie das Rektorat, den Schulpsychologischen Dienst (SPD) oder die Kinderund Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Im Kanton Zug gilt die Zuweisung an eine Sonderschule als „verstärkte Massnahme“ im Rahmen der Integrativen Förderung – eine direkte Anmeldung durch Erziehungsberechtigte ist nicht möglich (Schule Horbach, 2024) . Die Schule untersteht in ihrer Bildungsarbeit der Bildungsdirektion des Kantons Zug sowie dem Amt für gemeindliche Schulen (AGS). Das angeschlossene Internat ist zusätzlich kantonal organisiert. Diese Struktur bringt eine Vielzahl an gesetzlichen Vorgaben, Richtlinien und Konzepten mit sich, die regelmässig überprüft und weiterentwickelt werden. Neben internen Audits alle zwei Jahre erfolgt alle fünf Jahre eine umfassende externe Schulevaluation (Schule Horbach, 2024) Die pädagogische Arbeit orientiert sich am Lehrplan 21, wobei insbesondere die Förderung individueller Kompetenzen und die Stärkung persönlicher Ressourcen im Fokus stehen. Dies ist sowohl im Leitbild als auch in den schulischen Konzepten verankert. Um den sich wandelnden gesellschaftlichen und gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, wurde eine schulinterne Arbeitsgruppe geschacen, die die kontinuierliche Aktualisierung und Weiterentwicklung dieser Konzepte sicherstellt (Lehrplan 21, 2025). Die Schule Horbach zeichnet sich durch ihre wertschätzende, ressourcenorientierte Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf aus. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass jedes Kind über individuelle Begabungen und Entwicklungspotenzial verfügt, das es in einem bedürfnisorientierten Lernund Lebensraum entfalten kann (Schule Horbach, 2024).
9 Darüber hinaus wirkt Bewegung auf mehreren Ebenen: Physiologisch Reduktion von innerer Anspannung, Verbesserung der Motorik, Abbau von Stresshormonen. Kognitiv Förderung exekutiver Funktionen wie Planung, Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität. Emotional Stärkung des Wohlbefindens, Abbau von Frustration, Förderung positiver Stimmung. Sozial Verbesserung von Interaktion, Kooperation und Konfliktbewältigung. Tabelle 2 Wirkdimensionen von Bewegung, eigene Darstellung Gerade für Kinder mit ADHS ist Bewegung ein niederschwelliger Zugang, da sie unmittelbar an ihre Bedürfnisse anschliesst. Sie ermöglicht Erfolgserlebnisse und stärkt die Selbstwirksamkeit, was wiederum motivierend wirkt (Prof. Dr. Meßler, 2024) In schulischen Kontexten sind Bewegungsimpulse besonders wirkungsvoll, wenn sie ritualisiert und in den Unterrichtsalltag eingebettet werden. 2.3 Salutogenetischer Ansatz nach Antonovsky Der salutogenetische Ansatz von Antonovsky (Antonovsky & Franke, 1997) liefert einen wichtigen theoretischen Rahmen für das Projekt. Im Zentrum steht das Kohärenzgefühl, das aus den Dimensionen Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit besteht. Menschen mit einem hohen Kohärenzgefühl können Belastungen besser bewältigen und bleiben gesünder. Übertragen auf Kinder mit ADHS bedeutet das: Verstehbarkeit Klare und wiederkehrende Bewegungsrituale helfen, den Alltag vorhersehbar und strukturiert zu erleben. Handhabbarkeit Einfache Übungen, die ohne Hilfsmittel durchführbar sind, stärken das Gefühl, Situationen kontrollieren zu können. Sinnhaftigkeit Positive Erfahrungen in der Gruppe und das Erleben von Erfolg steigern die Motivation, an den Übungen teilzunehmen. Tabelle 3 Dimensionen des Kohärenzgefühls, eigene Darstellung
10 Bewegungspausen leisten somit einen Beitrag zur Förderung der Resilienz und tragen zur gesundheitsfördernden Entwicklung der Kinder bei (Dr. Ziereis, 2014). 2.4 Systemtheorie nach Luhmann Nach der Systemtheorie von Luhmann (Luhmann, 1987) ist die Schule als ein soziales System zu verstehen, welches sich durch Kommunikation reproduziert. Jedes Verhalten eines Kindes kann das System beeinflussen und zu Veränderungen führen. Kinder mit ADHS bringen spezifische Dynamiken in das Klassenoder Herkunftssystem ein, welche sich auf das gesamte Klima auswirken können. Bewegung wirkt in diesem Zusammenhang als Intervention, die nicht nur das Individuum, sondern auch das System „Klasse“ reguliert. Wenn alle Kinder gemeinsam an einer Bewegungsübung teilnehmen, verändert sich die Kommunikationssituation: von Unruhe und Störung hin zu Kooperation und geteiltem Fokus. Dies stärkt das Klassenklima, entlastet die Lehrperson und ermöglicht einen produktiveren Unterricht. Systemtheoretisch betrachtet sind Bewegungspausen damit mehr als nur eine individuelle Förderung – sie haben einen strukturierenden Ecekt auf das gesamte System. 2.5 Lebensweltorientierung nach Thiersch Die Lebensweltorientierung nach Thiersch (Thiersch, 2014) betont die Bedeutung von Alltagsnähe und Partizipation in der pädagogischen Arbeit. Kinder sollen dort abgeholt werden, wo ihre Lebenswelt liegt, und in ihrer Eigenlogik ernst genommen werden. Bewegung ist für Kinder ein selbstverständlicher Teil ihrer Lebenswelt. Sie drückt sich im Spiel, im Rennen, Springen oder Klettern aus. Viele Kinder im ADHS-Spektrum verfügen über einen hohen Bewegungsdrang, der im schulischen Setting häufig als störend wahrgenommen wird. Das Projekt kehrt diese Logik um: Bewegung wird nicht als Problem betrachtet, sondern als Ressource, die gezielt genutzt werden kann (ADHS-Organisation elpos Schweiz, 2023). Durch die Integration von Bewegungsritualen in den Unterricht wird die Lebenswelt der Kinder anerkannt und aufgewertet. Die Kinder erfahren, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden und dass Bewegung eine legitime Strategie zur Selbstregulation ist (Spalinger, 2025) .
11 2.6 Empowerment Empowerment, verstanden als Prozess der Stärkung von Handlungskompetenzen und Selbstbestimmung, ist ein weiterer zentraler Ansatz. Kinder mit ADHS erleben oft Einschränkungen ihrer Autonomie, da sie durch Regeln, Sanktionen und negative Rückmeldungen stark gelenkt werden (Herriger, 2024). Das Projekt setzt hier an, da es Kinder befähigt, Bewegung selbstbestimmt als Ressource einzusetzen. Sie lernen, Übungen nicht nur passiv auszuführen, sondern aktiv zu wählen und einzufordern. Lehrpersonen werden befähigt, Bewegung als Werkzeug in ihren Unterricht zu integrieren, ohne dabei auf externe Spezialangebote angewiesen zu sein. Auch Eltern und Bezugspersonen werden einbezogen, sodass Empowerment auf mehreren Ebenen stattfindet: individuell, institutionell und familiär. 2.7 Rechtliche und ethische Grundlagen Das Projekt ist in rechtliche und ethische Rahmenbedingungen eingebettet. Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz (AvenirSocial, 2010) fordert Chancengleichheit, Partizipation und Ressourcenorientierung. UN-Kinderrechtskonvention (Vereinte Nationen, 1997) Verpflichtet zur Förderung von Gesundheit (Art. 24), Bildung (Art. 29) und Spiel (Art. 31) und betont die kindgerechte Partizipation. UN-Behindertenrechtskonvention (Vereinte Nationen, 2014) betont die Notwendigkeit inklusiver Bildungsangebote. Tabelle 4 Einbettung rechtlicher Bedingungen, eigene Darstellung Das Projekt «Mehr Bewegung im Sonderschulalltag» leistet einen konkreten Beitrag zur Umsetzung dieser Rechte. Es ermöglicht Kindern mit ADHS Teilhabe, kann die mentale Gesundheit stärken und schact inklusive Strukturen.
12 3. Bestimmung, Bewertung und Begründung des Handlungsbedarfs Die Bestimmung des Handlungsbedarfs erfolgt auf Grundlage der Ausgangslage an der Schule Horbach, der theoretischen Erkenntnisse zu ADHS sowie der Leitlinien Sozialer Arbeit. Ziel ist es, den Bedarf nicht nur aus einer pädagogischen, sondern explizit aus einer sozialarbeiterischen Perspektive zu begründen und einzuordnen. 3.1 Belastungen und Risiken für Kinder mit ADHS Kinder im ADHS-Spektrum sind in schulischen Kontexten in besonderer Weise gefährdet, negative Erfahrungen zu machen. Studien zeigen, dass sie deutlich häufiger mit schulischem Misserfolg, Konflikten mit Lehrpersonen und sozialer Ablehnung konfrontiert sind (Banaschewski, et al., 2017). Typische Belastungen können unter anderem sein: Akademische Risiken Konzentrationsschwierigkeiten führen zu schwächeren Leistungen, was zu wiederholten Misserfolgserlebnissen führt. Soziale Risiken Impulsives Verhalten und Schwierigkeiten in der Emotionsregulation belasten das Klassenklima. Dies kann zu Ausgrenzung oder Mobbingerfahrungen führen Emotionale Risiken Negative Rückmeldungen und ständige Korrekturen durch Erwachsene führen zu einem verminderten Selbstwertgefühl und zu Frustration. Gesundheitliche Risiken Eine geringe Selbstregulationsfähigkeit kann mit Schlafproblemen, psychosomatischen Beschwerden oder erhöhter Stressanfälligkeit verbunden sein. Tabelle 5 Risikobereiche bei ADHS, eigene Darstellung Diese Risiken machen Kinder mit ADHS zu einer besonders vulnerablen Gruppe. Aus Sicht der Sozialen Arbeit ergibt sich daraus der Auftrag, Rahmenbedingungen zu schacen, die Resilienz fördern und Belastungen reduzieren.
13 3.2 Soziale Arbeit im schulischen Kontext Die Soziale Arbeit im schulischen Setting bewegt sich im Spannungsfeld des Tripelmandats nach Staub-Bernasconi (Staub-Bernasconi, 2018) Klient*innenmandat: Bedürfnisse und Rechte der Kinder stehen im Zentrum. Sie haben Anspruch auf Teilhabe, Förderung und Schutz. Institutionsmandat: Die Schule als Organisation hat ein Interesse an funktionierenden Strukturen, einem positiven Lernklima und der Entlastung der angestellten Fachpersonen. Gesellschaftsmandat: Gesellschaftlich besteht der Auftrag, Bildungsgerechtigkeit, Inklusion und Gesundheit für alle Kinder zu sichern. Tabelle 6 Erklärung zum Tripelmandat, eigene Darstellung Ein Projekt wie «Mehr Bewegung im Sonderschulalltag» adressiert alle drei Mandate: Es stärkt die Kinder individuell, entlastet die Institution Schule und trägt zu gesellschaftlichen Zielen wie unter anderem Chancengleichheit und Inklusion bei. 3.3 Chancengleichheit und Inklusion Wie bereits in Punkt 2.7 genannt, ergibt sich aus rechtlicher Sicht der Handlungsbedarf aus den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention (Art. 28: Recht auf Bildung; Art. 29: Förderung der Persönlichkeit; Art. 31: Recht auf Spiel und Erholung) sowie der UNBehindertenrechtskonvention, welche ein inklusives Bildungssystem fordert. Auch der Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz betont die Verpflichtung, Diskriminierung abzubauen und soziale Teilhabe zu ermöglichen (AvenirSocial, 2010) (Vereinte Nationen, 1997) (Vereinte Nationen, 2014) Kinder mit ADHS sind häufig von Exklusionsprozessen bedroht. Durch störendes Verhalten oder schulische Leistungsschwierigkeiten werden sie überproportional oft in Sondersettings beschult. Zwar bietet die Schule Horbach einen geschützten Rahmen, dennoch ist es Aufgabe der Sozialen Arbeit, auch dort auf Chancengleichheit und Teilhabe hinzuarbeiten (Spalinger, 2025).
14 3.4 Ressourcenorientierung und Resilienzförderung Die Soziale Arbeit verfolgt einen ressourcenorientierten Ansatz: Sie stellt nicht die Defizite, sondern die Stärken der Klient*innen in den Mittelpunkt. Kinder mit ADHS verfügen häufig über besondere Kreativität, Spontaneität und Energie. Diese Eigenschaften können jedoch nur dann als Ressourcen genutzt werden, wenn sie in konstruktive Bahnen gelenkt werden. Durch die gezielte Förderung von Schutzfaktoren wie Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung und positive Beziehungserfahrungen kann zudem die Resilienz der Kinder gestärkt werden. Bewegung eröcnet hier ein zentrales Feld: Der hohe Bewegungsdrang der Kinder wird nicht als Defizit, sondern als Stärke verstanden. Durch ritualisierte Übungen wird die Energie in positive, strukturierte Formen überführt. Erfolgserlebnisse stärken Selbstwert und Resilienz. Damit trägt das Projekt nicht nur zur Symptomreduktion bei, sondern erfüllt den sozialarbeiterischen Auftrag, Ressourcen zu stärken und Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen. 3.5 Partizipation und Empowerment Ein weiterer Handlungsbedarf ergibt sich aus dem Prinzip der Partizipation. Kinder sollen nicht nur Objekte von Interventionen sein, sondern aktiv beteiligt werden. Das Projekt setzte dies um, indem Kinder in die Auswahl und Gestaltung von Übungen einbezogen wurden. Visualisierungshilfen und kindgerechte Erhebungsinstrumente ermöglichten ihre Mitwirkung. Aus Sicht der Sozialen Arbeit ist dies ein zentraler Schritt: Partizipation fördert Selbstwirksamkeit, stärkt die Identifikation mit den Massnahmen und führt zu nachhaltigeren Ergebnissen. Gleichzeitig wird so der Empowerment-Gedanke realisiert: Kinder erleben, dass ihre Stimme zählt und sie Einfluss auf ihre Lernumgebung haben. (AvenirSocial, 2024)
15 3.6 Gesundheit und Prävention Die Soziale Arbeit ist nicht nur in der kurativen, sondern auch in der präventiven Arbeit aktiv. Projekte wie Mehr Bewegung im Sonderschulalltag haben präventiven Charakter: Sie fördern Gesundheit, verhindern Eskalationen und stärken langfristig die psychische Stabilität. Durch die regelmässige Bewegung werden Stress und Aggression reduziert, wodurch sekundäre Probleme wie Konflikte oder psychosomatische Beschwerden verringert werden können. (Döpfner & Banaschewski, 2023) Aus einer Public-Health-Perspektive leistet das Projekt damit auch einen Beitrag zur Gesundheitsförderung im Kindesalter. Gerade Kinder im ADHS-Spektrum profitieren überproportional von präventiven Massnahmen, da sie ansonsten besonders gefährdet sind, langfristig belastende Entwicklungsverläufe zu durchlaufen (Stronski Huwiler, 2019). 3.7 Fazit Zusammenfassend lässt sich der Handlungsbedarf wie folgt begründen: Kinder mit ADHS stellen eine besonders vulnerable Gruppe im Bildungssystem dar und benötigen gezielte Unterstützung, um Teilhabe, Selbstwirksamkeit und eine positive Entwicklung erfahren zu können. Das Projekt Mehr Bewegung im Sonderschulalltag ist somit nicht nur pädagogisch sinnvoll, sondern auch sozialarbeiterisch zu ermöglichen. Bewegungspädagogische Impulse bieten in diesem Zusammenhang eine konkrete, niedrigschwellige und zugleich wirkungsvolle Möglichkeit, diesen Auftrag umzusetzen. Damit wird deutlich, dass der Handlungsbedarf aus Sicht der Sozialen Arbeit klar gegeben ist. Das Projekt Mehr Bewegung im Sonderschulalltag ist somit nicht nur pädagogisch sinnvoll, sondern auch sozialarbeiterisch zwingend begründet.
16 4. Projektmethodische Fundierung Die methodische Fundierung des Projekts bildet die Brücke zwischen theoretischem Bezugsrahmen und praktischer Umsetzung. Sie umfasst die Definition der Zielgruppen, die Festlegung der Projektziele, die Darstellung der Aufbauund Ablauforganisation sowie die Analyse von Chancen und Risiken. Dadurch wird deutlich, wie das Projekt strukturiert ist und welche Rahmenbedingungen es prägen. 4.1 Zielgruppen Die Zielgruppen des Projekts lassen sich in drei Ebenen unterscheiden: Primäre Zielgruppe: Kinder im Primarschulalter, die an der Schule Horbach beschult werden und bei denen eine ADHS-Diagnose vorliegt. Diese Kinder profitieren direkt von den entwickelten Bewegungssequenzen. Ihr Verhalten, ihre Rückmeldungen und ihre Erfahrungen bildeten die wichtigste Grundlage für die Evaluation. Sekundäre Zielgruppe: Lehrpersonen, heilpädagogische Fachkräfte und sozialpädagogische Mitarbeitende der Schule Horbach. Sie sind diejenigen, die die entwickelten Übungen im Unterricht umsetzen. Für sie war es entscheidend, dass die Übungen praktikabel, niederschwellig und ohne grossen Materialaufwand einsetzbar sind. Tertiäre Zielgruppe: Eltern der Kinder. Sie wurden über einen Flyer und im Rahmen von Rückmeldeschlaufen einbezogen. Ziel war es auch im familiären Alltag Impulse zu setzen, die die Selbstregulation und das Wohlbefinden der Kinder fördern. Tabelle 7 Zielgruppenbeschreibung, eigene Darstellung
17 4.2 Projektziele Das Projekt verfolgte ein übergeordnetes Hauptziel sowie mehrere klar definierte Teilziele. Im Zentrum stand das Hauptziel, ein praxistaugliches Bewegungskonzept für den schulischen Alltag zu entwickeln und zu erproben, welches die Konzentrationsund Selbstregulationsfähigkeit von Kindern mit ADHS stärkt. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde zunächst eine Bedarfsanalyse mit Lehrpersonen, Kindern und Eltern durchgeführt. Darauf aufbauend entstanden zwölf altersgerechte, niederschwellige und flexibel einsetzbare Bewegungsübungen, die speziell für die Anforderungen des Unterrichtsalltags konzipiert wurden. Diese Übungen wurden im Rahmen einer Pilotierung in zwei Klassen der Schule Horbach erprobt und anhand qualitativer Rückmeldungen von Kindern, Lehrpersonen und Eltern evaluiert. Zur nachhaltigen Implementierung des Konzepts wurde ein PDF Dokument für Lehrpersonen erstellt, das detaillierte Anleitungen zu den einzelnen Übungen enthält. Ergänzend dazu entstand eine Elternbroschüre, die den Transfer in den Alltag unterstützt und den Einbezug des familiären Umfelds erleichtert. Die Broschüren werden durch die Schule an das jeweilige Bezugssystem weitergegeben und bilden einen wichtigen Bestandteil des Lehrplans Auf Grundlage der Evaluationsergebnisse wurden zudem Empfehlungen formuliert, die eine institutionelle Verankerung des Konzepts und dessen langfristige Wirksamkeit sicherstellen sollen. Die Ziele waren nach dem SMART-Prinzip (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert) formuliert. Diese Vorgehensweise ist im Projektmanagement weit verbreitet und trägt wesentlich dazu bei, Zielsetzungen klar, überprüfbar und praxisnah zu gestalten, wodurch die Qualität der Umsetzung gesichert und der Projekterfolg wahrscheinlicher wird (Hettl, 2025).
18 Vision An allen Schulen wird eine bewegungsfreundliche und inklusive Schulkultur aktiv gelebt, die es allen Schüler*innen ermöglicht, ihr Potenzial in einer unterstützenden, wertschätzenden und dynamischen Lernumgebung zu entfalten. Die Schule Horbach wird als Vorbild für die Integration von Bewegungsförderung in den Schulalltag wahrgenommen und inspiriert andere Bildungseinrichtungen, Bewegung als Schlüssel für Konzentration, Wohlbefinden und positive Gruppendynamik zu fördern. Hauptziel An der Schule Horbach ist eine ganzheitliche, bewegungsfreundliche und inklusive Schulkultur etabliert, die den Bewegungsdrang der Schüler*innen berücksichtigt, ihre Konzentrationsfähigkeit fördert und eine positive Lernsowie Gruppendynamik schaMt. Teilziele Zusätzliche Bewegungseinheiten sind bis 07.04.2025 im Schulalltag integriert, um den Bewegungsdrang der Schüler*innen zu stillen und ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Die Gruppendynamik in den Klassen ist durch gezielte Massnahmen zur Bewegungsförderung positiv beeinflusst. Eine Broschüre für bewegungsfreundliche und inklusive Unterrichtsgestaltung liegt erstellt bis zum 30.06.2025 vor und ist im neuen Schuljahresplan berücksichtigt. Indikatoren Die Anzahl der wöchentlichen Bewegungseinheiten pro Klasse steigt um mindestens 2 Einheiten. 70% der Schüler*innen berichten in einer Befragung, dass sie die neuen Bewegungspausen als hilfreich empfinden. Die Teilnahmequote der Schüler*innen an Gruppenbewegungsaktivitäten erreicht mindestens 90%. Die Broschüre ist bis zum Ende der Projektlaufzeit (30.06.2025) fertiggestellt und an alle Lehrkräfte verteilt. Mindestens 80% des Lehrpersonals nehmen an einer Schulung zur Anwendung des Konzepts teil. Das Konzept wurde in mindestens zwei Pilotklassen erfolgreich getestet und anhand von Feedback der Lehrkräfte angepasst. Tabelle 8 Zielbaum, eigene Darstellung
25 Darüber hinaus wurde ein Delphi-Verfahren mit einer Echo-Gruppe eingesetzt, um Fachpersonen in mehreren Runden partizipativ einzubinden und einen Konsens über die Wirksamkeit zu erzielen (Niederberger & Renn, 2019, S. 45), Dieser Methodenmix gewährleistete, dass die Ergebnisse sowohl valide als auch praxisnah waren, da sie unterschiedliche Perspektiven verbanden und die Erfahrungen aller relevanten Akteur*innengruppen berücksichtigten. 5.2 Datenerhebung Interviews mit Lehrpersonen Zu Beginn der Bedarfsphase wurden halbstrukturierte Interviews mit Lehrpersonen geführt. Der Leitfaden enthielt Fragen zu bisherigen Erfahrungen mit Bewegungspausen, beobachteten Wirkungen und wahrgenommenen Schwierigkeiten. Die Interviews wurden protokolliert und nach thematischen Schwerpunkten ausgewertet. Beobachtungen Während der Pilotphase führte Melanie Rogenmoser, als Mitarbeiterin der Schule Horbach in Funktion der Echogruppe, teilnehmende Beobachtungen durch. Dabei lag der Fokus auf dem Verhalten der Kinder vor, während und nach den Bewegungssequenzen. Notizen wurden systematisch festgehalten, insbesondere zu Aufmerksamkeit, Interaktion und Stimmungslage. Nach den Bewegungssequenzen wurde kurz Rücksprache mit der entsprechenden Lehrperson gehalten. Es wurde darauf verzichtet, Anke Schmid als Projektleitung in den direkten Unterrichtsalltag zu integrieren, da es für die Schüler*innen eine zu grosse Veränderung im Alltag mit sich bringen würde. Beteiligung der Kinder Da Kinder im Primarschulalter ihre Erfahrungen oft noch nicht dicerenziert sprachlich ausdrücken können, wurden METACOM-Symbole eingesetzt. Nach jeder Bewegungspause konnten die Kinder mithilfe von Symbolkarten angeben, ob ihnen die Übung gefallen hatte, ob sie sich danach konzentrierter fühlten oder ob sie Veränderungen bemerkten. Diese Methode erwies sich als niedrigschwellig, partizipativ und gut akzeptiert. Zusätzlich entwickelten die Kinder im Rahmen
26 des Fachs Bildnerisches Gestalten eigene Darstellungen, die zu den Übungen passen (siehe Abbildungsverzeichnis). Elternbefragung Die Eltern wurden mit kurzen Fragebögen einbezogen. Abgefragt wurden unter anderem Beobachtungen zum Verhalten ihrer Kinder zu Hause sowie mögliche Übertragungen der Übungen in den Alltag. Obwohl die Rücklaufquote nicht bei allen Familien hoch war, lieferten die Antworten wertvolle Hinweise für die Nachhaltigkeit des Projekts. Delphi-Verfahren Eine Echo-Gruppe aus Lehrpersonen, Fachpersonen und ausgewählten Elternteilen wurde in mehreren Runden um Einschätzungen gebeten. So konnten Rückmeldungen gebündelt und systematisch in die Konzeptentwicklung integriert werden. Das Delphi-Verfahren erwies sich als geeignet, um fachlichen Konsens herzustellen und das Projekt kontinuierlich weiterzuentwickeln. 5.3 Auswertung der Daten Die Auswertung erfolgte in mehreren Schritten: ® Kategorisierung: Alle Daten aus Interviews, Beobachtungen und Fragebögen wurden zunächst thematisch geordnet (z. B. Konzentration, soziales Verhalten, Praktikabilität). ® Vergleich mit theoretischem Rahmen: Die Kategorien wurden mit den Konzepten der Salutogenese, Systemtheorie und Lebensweltorientierung abgeglichen. So konnten theoretische Annahmen mit den Praxiserfahrungen verknüpft werden. ® Triangulation: Ergebnisse aus unterschiedlichen Quellen wurden miteinander verglichen. So konnte überprüft werden, ob Beobachtungen der Lehrpersonen mit Rückmeldungen der Kinder und Eltern übereinstimmten. ® Verdichtung: Aus den Daten wurden Kernaussagen herausgearbeitet, welche in die Entwicklung der Broschüre einflossen.
27 5.4 Forschungsethik Die Durchführung des Projekts erfolgte unter Beachtung folgender Prinzipien (Prof. Dr. Döring, 2022): ® Freiwilligkeit: Teilnahme an Inter views und Befragungen war freiwillig, Rückmeldungen konnten anonym erfolgen. ® Transparenz: Kinder und Eltern wurden über den Zweck des Projekts und die Verwendung der Daten informiert. ® Datenschutz: Alle Daten wurden anonymisiert, personenbezogene Angaben nicht gespeichert, Schweigepflichtserklärung wurde von Projektleitung unterzeichnet, Akten, welche Rückschlüsse auf Schüler*innen beinhalten, wurden geschreddert nach Projektabschluss. ® Nicht-Schädigung: Es wurde sichergestellt, dass keine der eingesetzten Übungen die Kinder körperlich überforderte oder unter Druck setzte. ® Kindgerechte Beteiligung: Durch METACOM-Symbole wurde gewährleistet, dass Kinder ihre Meinung unabhängig von sprachlichen Fähigkeiten ausdrücken konnten. 5.5 Reflexion der Methodenwahl Die eingesetzten Methoden erwiesen sich insgesamt als passend und ecektiv. Besonders wertvoll war die direkte Beteiligung der Kinder, was eine hohe Identifikation mit dem Projekt erzeugte. Die Beobachtungen lieferten anschauliche Belege für die Wirksamkeit der Übungen. Kritisch anzumerken ist, dass die zeitliche Begrenzung des Projekts eine umfassendere quantitative Evaluation verhinderte. Auch die Elternbeteiligung hätte intensiver gestaltet werden können. Dennoch lieferten die gewählten Methoden eine solide Datenbasis, auf der das Konzept entwickelt und evaluiert werden konnte. Ein möglicher Grund für die geringe Beteiligung der Eltern war, dass die Rückmeldungen nicht wie gewohnt über die App «Klapp», sondern in Papierform eingeholt wurden. Dies stellte für die Eltern vermutlich einen zusätzlichen Aufwand dar. Die Projektleitung entschied sich gemeinsam mit dem Geschäftsführer bewusst gegen den Einsatz der App «Klapp», da sich in der Vergangenheit gezeigt hatte, dass Nachrichten dort oft übersehen werden und e ine zeitnahe Rückmeldung nicht gewährleistet werden konnte.
28 6. Beschreibung und Interpretation der Ergebnisse Die Ergebnisse des Projekts Mehr Bewegung im Sonderschulalltag wurden auf Grundlage der Bedarfsanalyse, der Pilotphase, der Evaluation sowie der Rückmeldungen aus Interviews, Beobachtungen und Fragebögen erhoben. Sie geben einen dicerenzierten Einblick in die Wirkung der Bewegungsübungen auf die Kinder mit ADHS, das Handeln der Lehrpersonen und den familiären Alltag. 6.1 Ergebnisse auf Ebene der Kinder Konzentrationsfähigkeit Ein zentrales Ergebnis bestand darin, dass die Kinder nach den Bewegungspausen eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit aufwiesen. Lehrpersonen berichteten, dass die Aufmerksamkeitsspannen nach den kurzen Übungen um mehrere Minuten verlängert werden konnten. Besonders Kinder, die zuvor häufig unruhig waren, konnten im Anschluss an die Bewegungseinheiten fokussierter arbeiten. Beobachtungen bestätigten diese Einschätzung: Während die Kinder vor den Pausen häufiger durch Nebentätigkeiten aucielen, gelang es ihnen danach besser, Aufgaben zu bearbeiten und Anweisungen zu folgen. Auch die METACOM-Rückmeldungen der Kinder deuteten in dieselbe Richtung. Ein Grossteil der Kinder wählte Symbole, die eine positive Stimmung und erhöhte Konzentration ausdrückten. Emotionale Regulation Neben der kognitiven Ebene wurden deutliche Ecekte auf die emotionale Regulation sichtbar. Kinder, die häufig impulsiv reagierten oder Konflikte auslösten, zeigten nach den Übungen ein ruhigeres Verhalten. Einzelne Kinder berichteten, dass sie sich „leichter“ oder „ruhiger“ fühlten. Dieses subjektive Erleben unterstreicht den salutogenetischen Ansatz: Bewegung erleichterte den Kindern, innere Spannungen abzubauen und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit zu erleben.
29 Soziale Interaktion Die Übungen hatten zudem positive Ecekte auf das soziale Miteinander. In gemeinsamen Bewegungspausen (zB. Übung «Hampelmannkette») erlebten die Kinder ein Gefühl von Gemeinschaft. Konflikte traten seltener auf, die Stimmung in den Klassen war nach den Übungen harmonischer. Lehrpersonen beschrieben, dass die Kinder sich gegenseitig unterstützten, etwa beim Mitmachen oder Erklären von Übungen. Damit zeigte sich, dass Bewegung nicht nur individuell wirkte, sondern auch das Klassensystem positiv beeinflusste – ganz im Sinne der systemtheoretischen Überlegungen. 6.2 Ergebnisse auf Ebene der Lehrpersonen Praktikabilität Ein wesentliches Ziel bestand darin, Übungen zu entwickeln, die sich ohne grossen Aufwand in den Unterricht integrieren liessen. Dieses Ziel wurde nach Einschätzung der Lehrpersonen erreicht. Sie gaben an, dass die Übungen leicht zu verstehen, schnell anzuleiten und ohne zusätzliches Material durchzuführen seien. Die Broschüre mit den zwölf Übungen wurde positiv aufgenommen. Besonders hilfreich fanden die Lehrpersonen die klare Strukturierung sowie die Visualisierungen, die unter anderem von den Kindern mitgestaltet und somit gut verständlich waren. Damit erfüllte das Projekt die lebensweltorientierte Forderung nach Alltagsnähe. Entlastung im Unterrichtsalltag Lehrpersonen berichteten, dass die Bewegungspausen nicht nur den Kindern halfen, sondern auch sie selbst entlasteten. Nach den Übungen sei die Arbeit mit der Klasse strukturierter und ruhiger verlaufen. Das Projekt zeigte damit einen doppelten Ecekt: Es stärkte die Kinder und erleichterte zugleich die pädagogische Arbeit der Lehrpersonen. Herausforderungen Trotz der insgesamt positiven Rückmeldungen benannten die Lehrpersonen auch Herausforderungen. Einige Kinder liessen sich von den Übungen so begeistern, dass sie danach Mühe hatten, wieder in den Unterricht zurückzufinden. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit klarer Rituale für Beginn und Ende der Bewegungspausen. Zudem wünschten sich einzelne Lehrpersonen eine weiterführende Schulung, um die Übungen langfristig sicher und variantenreich anwenden zu können.
30 6.3 Ergebnisse auf Ebene der Eltern Die Einbindung der Eltern erfolgte über Fragebögen sowie die entwickelte Broschüre, welche kurz vor dem Schuljahresende abgegeben wurde. Obwohl die Rücklaufquote geringer ausfiel als erhoct, konnten einige Tendenzen festgestellt werden. ® Eltern berichteten, dass ihre Kinder nach Tagen mit Bewegungspausen ruhiger nach Hause kamen. ® Einzelne Kinder zeigten den Eltern die Übungen und führten sie eigenständig vor. ® Einige Familien gaben an, dass die Übungen auch im Alltag zu Hause ausprobiert wurden. Diese Rückmeldungen unterstreichen die Relevanz des Empowerment-Ansatzes: Kinder übernahmen aktiv Verantwortung und transferierten ihre neuen Kompetenzen in den familiären Kontext. 6.4 Querschnittsergebnisse Wirkungen auf das Schulsystem Das Projekt hatte nicht nur individuelle Ecekte auf Kinder, sondern wirkte systemisch. Die Klassenstruktur wurde stabilisiert, Konflikte gingen zurück, das Lernklima verbesserte sich. Damit bestätigte sich die Annahme, dass Bewegung nicht nur für einzelne Kinder, sondern für das ganze Klassensystem von Bedeutung ist. Passung zum theoretischen Rahmen Die Ergebnisse lassen sich in den theoretischen Bezugsrahmen einordnen: Salutogenese: Bewegung stärkte das Kohärenzgefühl der Kinder durch Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit. Systemtheorie: Bewegungspausen regulierten die Kommunikationsprozesse innerhalb des Systems „Klasse / Schulalltag“. Lebensweltorientierung: Übungen knüpften an die kindliche Lebenswelt an und machten Bewegung zu einem anerkannten Bestandteil des Schulalltags. Empowerment: Kinder und Lehrpersonen wurden befähigt, Bewegung als Ressource selbständig einzusetzen.
31 6.5 Kritische Aspekte Neben den positiven Ergebnissen des Projekts wurden auch mehrere kritische Punkte sichtbar, die für eine weiterführende Reflexion von Bedeutung sind. Ein zentraler Aspekt betrict die begrenzte Dauer der Pilotphase. Aufgrund des kurzen zeitlichen Rahmens war es nicht möglich, die langfristigen Wirkungen des Bewegungskonzepts zuverlässig zu messen. Hier zeigt sich die Notwendigkeit einer längerfristigen Implementierung, um nachhaltige Ecekte auf Konzentration und Selbstregulation erfassen zu können. Darüber hinaus wurde deutlich, dass die unterschiedlichen Ausgangslagen in den Klassen einen Einfluss auf die Wirksamkeit hatten. Nicht alle Gruppen profitierten in gleichem Ausmass, was insbesondere vom Lehrstil der Lehrpersonen und der jeweiligen Klassendynamik abhing. Hinzu kam, dass aus ressourcentechnischen Gründen lediglich zwei Klassen für die Pilotphase ausgewählt werden konnten, wodurch die Generalisierbarkeit der Ergebnisse eingeschränkt bleibt. Auch die Elternbeteiligung stellte sich als Herausforderung dar. Trotz des vorbereiteten Elternbriefes blieb die aktive Einbindung der Eltern vergleichsweise begrenzt. Eine intensivere Zusammenarbeit mit den Familien wäre jedoch wünschenswert, um die Nachhaltigkeit des Projekts langfristig zu sichern. Im kommenden Schuljahr ist daher die Einrichtung einer Arbeitsgruppe «Elternarbeit» vorgesehen, die sich vertieft mit der entwickelten Broschüre auseinandersetzen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen wird. Erst eine längere Phase der Einbindung wird es ermöglichen, die tatsächlichen Bedarfe der Eltern sowie deren Perspektiven systematisch zu berücksichtigen. 6.6 Fazit Das Projekt zeigte insgesamt deutliche positive Wirkungen auf Konzentration, Selbstregulation und soziales Verhalten von Kindern mit ADHS. Lehrpersonen beurteilten die Übungen als praxistauglich, kindgerecht und hilfreich. Eltern nahmen erste positive Ecekte auch im Alltag wahr. Kritische Aspekte wie die Dauer der Pilotphase oder die begrenzte Elternbeteiligung mindern den Erfolg nicht, sondern weisen auf Entwicklungspotenziale hin. Die Ergebnisse bestätigen die theoretischen Annahmen und verdeutlichen, dass Bewegungspädagogik im Sonderschulalltag eine wirksame Ressource darstellt.
32 7. Evaluation und Sicherung der Nachhaltigkeit Die Evaluation ist ein zentrales Element des Projekts Mehr Bewegung im Sonderschulalltag, da sie Auskunft darüber gibt, ob die gesteckten Ziele erreicht wurden, wie die Wirkung einzuschätzen ist und welche Schlüsse für die Nachhaltigkeit gezogen werden können. Sie erfolgte fortlaufend während des Projekts (formatives Monitoring) sowie am Ende in einer summativen Betrachtung. 7.1 Evaluationsdesign Das Evaluationsdesign orientierte sich an den Prinzipien der Praxisforschung, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Erfahrungen der Beteiligten verbindet. Ziel war es nicht, eine statistisch abgesicherte Wirksamkeitsstudie durchzuführen, sondern praxisrelevante Rückmeldungen zu sammeln, die eine Einschätzung zur Anwendbarkeit und Akzeptanz des Projekts ermöglichen (Dewe & Otto, 2012) Die Evaluation kombinierte qualitative und quantitative Elemente. So gaben die Kinder mithilfe von METACOM-Symbolkarten (Kitzinger, 2004) Rückmeldungen zu ihrem Erleben der Übungen. Lehrpersonen brachten ihre Einschätzungen sowohl in Gruppengesprächen als auch in Einzelinterviews ein. Ergänzend wurden Eltern über Fragebögen einbezogen, um die Übertragbarkeit der Ecekte in den familiären Alltag zu erfassen. Darüber hinaus dokumentierte die Projektleitung systematisch ihre Beobachtungen während der Pilotphase. Rückmeldungen der Echo-Gruppe rundeten die Datenerhebung ab. Dieses Vorgehen gewährleistete eine Triangulation der Daten so dass Ergebnisse aus unterschiedlichen Perspektiven miteinander abgeglichen und die Aussagekraft der Evaluation erhöht werden konnten (Flick, 2011). Abbildung 2 Metacom-Symbole ( (Kitzinger, 2004)
33 7.2 Ergebnisse der Evaluation Die Ergebnisse der Evaluation bestätigen in hohem Masse die Wirksamkeit des Projekts. Aus Sicht der Kinder überwogen durchwegs positive Rückmeldungen zu den Übungen. Viele gaben an, sich nach den Bewegungspausen konzentrierter zu fühlen und Freude an den gemeinsamen Aktivitäten zu haben. Dass Bewegung die Selbstregulation und Aufmerksamkeit von Kindern mit ADHS fördert, zeigen sowohl Studien der Universität Regensburg, die deutliche Verbesserungen der Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung belegen (Dr. Ziereis, 2014) als auch eine aktuelle Meta-Analyse, die eine deutliche Steigerung des Arbeitsgedächtnisses durch körperliche Aktivität nachweist (Cheng, Song, & Hong, 2025). Auch die Lehrpersonen bewerteten die Übungen durchwegs positiv. Sie hoben hervor, dass die Einheiten leicht umsetzbar, wirksam und zugleich entlastend seien. Besonders geschätzt wurden die klare Struktur der Broschüre sowie die unterstützenden Visualisierungen, welche gemeinsam mit den Schüler*innen gestaltet wurden. Zahlreiche Lehrpersonen betonten, dass sie die entwickelten Übungen auch über die Projektphase hinaus in ihren Unterricht integrieren möchten. Die Rückmeldungen der Eltern unterstreichen die Anschlussfähigkeit der entwickelten Methoden. Sie berichteten, dass ihre Kinder die Übungen auch zu Hause vorführten und teilweise eigenständig in den Alltag integrierten. Dadurch wurde sichtbar, dass die erarbeiteten Ansätze nicht nur in der Schule, sondern auch im familiären System wirksam sind. Schliesslich zeigte sich auch die Institution Schule Horbach von der Relevanz des Projekts überzeugt. In einer Gesamtsitzung wurde das Konzept vorgestellt und von der Schulleitung als fester Bestandteil in das interne Repertoire aufgenommen. Damit wurde die Grundlage für eine nachhaltige Verankerung geschacen, die über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung entfalten kann. In einer anschliessenden Teamsitzung vereinbarten die Schulleitung und die Lehrpersonen, dass der neue Stundenplan feste Nachmittage mit einer Erlebnispädagogin vorsieht. So soll das Konzept „Bewegung im Schulalltag“ ausgebaut und vermehrt nach draussen verlagert werden.
34 7.3 Lernerfahrungen und Grenzen Trotz der insgesamt positiven Rückmeldungen traten im Rahmen der Evaluation auch gewisse Grenzen zutage. Aufgrund des zeitlich begrenzten Projektumfangs war es nicht möglich, Aussagen zu längerfristigen Wirkungen zu trecen. Ob die beobachteten positiven Ecekte auch über mehrere Monate oder Jahre hinweg stabil bleiben, bleibt daher ocen. Ebenso zeigte sich, dass die Elternbeteiligung geringer ausfiel als erhoct, wodurch deren Perspektive weniger stark in die Ergebnisse einfloss. Einzelne Lehrpersonen betonten zudem, dass für eine nachhaltige Nutzung regelmässige Schulungen notwendig wären – sowohl zur Einführung neuer Mitarbeitender als auch zur Weiterentwicklung und Variation der Übungen. Diese Einschränkungen sind charakteristisch für Praxisprojekte, die in einem begrenzten zeitlichen und organisatorischen Rahmen durchgeführt werden, und verdeutlichen gleichzeitig, an welchen Punkten zukünftige Weiterentwicklungen ansetzen sollten. 7.4 Sicherung der Nachhaltigkeit Die Sicherung der Nachhaltigkeit war ein zentrales Anliegen des Projekts. Zu diesem Zweck wurden mehrere Massnahmen ergricen, die sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene ansetzten. Ein wesentliches Produkt stellte die Broschüre für Lehrpersonen dar, in der die zwölf entwickelten Bewegungsübungen in ansprechender Form dokumentiert wurden. Sie enthält Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Visualisierungen sowie Hinweise zur praktischen Umsetzung und dient damit als dauerhafter Leitfaden, der unabhängig von einzelnen Projektbeteiligten genutzt werden kann. Ergänzend dazu wurde eine Elternbroschüre entwickelt, die Impulse für den familiären Alltag gibt und den Transfer der Übungen über den schulischen Kontext hinaus unterstützt. Auch auf institutioneller Ebene wurde die Nachhaltigkeit gezielt verankert. So wurde die Broschüre in einer Gesamtsitzung der Schule Horbach vorgestellt, von der Schulleitung ausdrücklich befürwortet und in die bestehenden Konzepte integriert. Zudem wurde – wie in Kapitel 7.2 beschrieben – der Stundenplan für das kommende Schuljahr angepasst. Dadurch ist sichergestellt, dass die Materialien allen Mitarbeitenden dauerhaft zur Verfügung stehen. Ergänzend wurden die Lehrpersonen dazu angeregt, die Wirkung der Übungen regelmässig zu reflektieren und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen. Die Verankerung einer solchen Evaluation als Routineprozess unterstützt die Weiterentwicklung des Konzepts und stärkt dessen nachhaltige Wirksamkeit in der schulischen Praxis.
41 Herriger, N. (2024). Empowerment in der Sozialen Arbeit. Stuttgart: Kohlhammer. Hettl, M. K. (10. April 2025). www.weka.ch. Von https://www.weka.ch/themen/fuehrungkompetenzen/mitarbeiterfuehrung/qualifikation-und-ziele/article/zieleformulieren-mit-der-smart-formel-klare-ziele-formulieren/ abgerufen Jenni, O. (04 2016). Monatsschrift Kinderheilkunde. Monatsschrift Kinderheilkunde Zeitschrift für Kinderund Jugendmedizin, S. 273. Kitzinger, A. (2004). Metacom Symbole. Oeversee. Kuster, J., Bachmann, C., Hubmann, M., Lippmann, R., & Schneider, P. (2022). Handbuch Projektmanagement. Berlin, Heidelberg: Springer. Lehrplan 21. (2025). Von https://zg.ch/de/bildung/schulen/gemeindlicheschulen/lehrplan abgerufen Luhmann, N. (1987). Soziale Systeme. Berlin: Suhrkamp. Luzerner Psychiatrie. (2025). www.lups.ch. Von Luzerner Psychiatrie: https://www.lups.ch/homepage/krankheitsbilder/aktivitats-undaufmerksamkeitsstorung-adhs-ads/ abgerufen Müller, T. (Februar 2023). DNP. Die Neurologie & Psychiatrie, S. 16. Matthys, P. D. (19. März 2021). (D. S. Aellig, Interviewer) Neuhaus, C. (27. 05 2010). https://www.rosenfluh.ch. Von https://www.rosenfluh.ch/media/paediatrie/2010/02/Stellenwert_von_Verhalten s_Sport_und_Ernaehrungstherapie_bei_ADHS.pdf?file abgerufen Niederberger, M., & Prof. Dr. Renn, O. (2019). Delphi-Verfahren in den Sozialund Gesundheitswissenschaften Konzept, Varianten und Anwendungsbeispiele. Wiesbaden: Springer Fachmedien. Prof. Dr. Döring, N. (30. September 2022). Von https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/forschungsethik abgerufen Prof. Dr. Meßler, F. (Oktober 2024). Die Bedeutung von Sport für Kinder und Jugendliche mit ADHS. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Von https://www.zeitschriftsportmedizin.de/bedeutung-sport-kinder-jugendliche-adhs-therapieoptionen abgerufen Remschmidt, H., & Becker, K. (2020). Kinderund Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Thieme . Schule Horbach. (2024). https://horbach.ch/. Von https://horbach.ch/angebot abgerufen
42 Schulte-Körne, G., & Prof. Dr. med. Dr. h. c. Reinhardt, D. (30. juli 2008). Monatsschrift Kinderheilkunde. S. 739. Spalinger, S. (19. März 2025). ADHS in der Schule: Wie es gelingen kann. Bern: elpos Schweiz. Staub-Bernasconi, S. (2018). Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft. Stuttgart: UTB. Stronski Huwiler, S. (16. Dezember 2019). pädiatrie Schweiz . Von https://www.paediatrieschweiz.ch/gesundheit-und-praevention-im-jugendalterzusammenarbeit-von-kinder-und-jugendaerzten-schulaerzten-und-der-schule/ abgerufen Thiersch, H. (2014). Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. Weinheim: Beltz. Vereinte Nationen. (1997). Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Vereinte Nationen. (2014). Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Willener, A., & Friz, A. (2019). Integrale Projektmethodik. Luzern: Interact.
43 9. Anhang
Bewegung im Schulalltag 12 Übungen für mehr Konzentration, Selbstregulation und Freude am Lernen Kinder brauchen Bewegung Bewegungspausen sind kleine, aber wirkungsvolle Impulse im Alltag. Sie fördern Konzentration, Wohlbefinden und ein positives Miteinander. Sei es in der Schule oder zu Hause.
Raketenstart Ablauf: In die Hocke gehen, gemeinsam runterzählen „3, 2, 1… Start!“ c alle springen hoch. Mehrmals wiederholen. Dauer: 2H3 Minuten Ziel: Energieabbau, Teamgefühl Ruhe-Insel Ablauf: Kopf auf die Arme legen oder kurz die Augen schliessen. Leise Musik oder Atemübungen können unterstützen. Dauer: 5min Minuten Ziel: Entspannung, Selbstregulation, Abgrenzung Stille Post mit Bewegungen Ablauf: Lehrperson macht eine Bewegung vor, diese wird reihum weitergegeben. Am Ende Vergleich mit Ursprungsversion. Dauer: 4 Minuten Ziel: Aufmerksamkeit, soziale Interaktion, Humor Tierbewegungen Ablauf: Sich wie Tiere bewegen äFroschsprünge, Elefantenschritte, Katzenbuckel). Dauer: 3 Minuten Ziel: Fantasie, Koordination, Körperbewusstsein Balance-Helden Ablauf: Kinder balancieren auf einem Bein, variieren Armpositionen oder schließen kurz die Augen. Dauer: 2 Minuten Ziel: Körperwahrnehmung, Ruhe, Konzentration Stopp-Tanz Ablauf: Musik abspielen, Kinder tanzen. Musik stoppen c Kinder halten Position Dauer: 3 Minuten Ziel: Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Spass Hampelmann-Kette Ablauf: Alle machen gemeinsam 10H20 Hampelmänner. Variation: im Kreis zählen Dauer: 2 Minuten Ziel: Aktivierung, Herz-Kreislauf, Regenmacher Ablauf: Mit Händen und Füssen Geräusche äRegenklatschen, Donnerstampfen) machen, die gemeinsam einen „Sturm“ bilden. Dauer: 3 Minuten Ziel: Konzentration auf akustische Signale, Gruppenerlebnis Körperalphabet Ablauf: Mit Armen und Beinen Buchstaben oder Wörter nachstellen. Dauer: 4 Minuten Ziel: Kreativität, Bewegung & Lernen verknüpfen Blitzlauf Ablauf: 10 Sekunden Sprint auf der Stelle, dann 10 Sekunden Stillstand. Mehrfach wiederholen. Dauer: 2 Minuten Ziel: Energieabbau, Impulskontrolle Spiegel-Partner Ablauf: In Zweiergruppen spiegeln die Kinder gegenseitig Bewegungen. Nach 1 Minute Rollenwechsel. Dauer: 4 Minuten Ziel: Achtsamkeit, soziale Interaktion, Konzentration Power-Atmung Ablauf: Tief durch die Nase einatmen, Arme hochstrecken; kräftig durch den Mund ausatmen, Arme fallen lassen. Dauer: 2 Minuten Ziel: Entspannung, Stressabbau, Selbstregulation
Wir danken allen Mitarbeitenden, Erziehungsberechtigten & Bezugspersonen, die mithelfen, Bewegung als wertvolle Ressource zu verankern. Hinweise zur Ausübung Dauer: 2H5 Minuten pro Übung reichen aus. Zeitpunkt: Nach längeren Arbeitsphasen, bei Unruhe oder als Ritual zwischen zwei Lektionen. Rahmen: Klare Startund Stoppsignale nutzen (z. B. Musik, Klatschen). Ziel: Konzentration, Entspannung oder Energie Das Ziel ist es, allen Beteiligten ein praktisches Werkzeug an die Hand zu geben. So können Kinder ihre Ressourcen besser nutzen, Selbstregulation trainieren und die positiven Effekte von Bewegung ganzheitlich erleben. Rückmeldungen sind herzlich willkommen und tragen zur Weiterentwicklung bei. Der Projektbericht kann auf Anfrage eingesehen werden. Schule Horbach
Zug, den 19.03.2025 Elternbrief – Pilotprojekt «Mehr Bewegung im Schulalltag» Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stehen im Alltag oft vor grossen Herausforderungen. Bewegung kann helfen, ihre Konzentration zu fördern, Stress abzubauen und Selbstregulation zu unterstützen. Im Rahmen eines Praxisprojekts der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit wird an der Schule Horbach ein neues Bewegungsprogramm erprobt. Frau Anke Schmid testet von Januar bis Mai 2025 gemeinsam mit Lehrpersonen, Fachpersonen und den Kindern, wie kurze, spielerische Bewegungspausen den Unterricht und das Klassenklima positiv beeinflussen. Ziel des Projekts ist es, ein praxistaugliches Konzept zu entwickeln, das nach der Pilotphase fest in den Schulalltag integriert wird und allen Kindern zugutekommt. WUSSTEN SIE SCHON? – Bewegung aktiviert das Gehirn und verbessert die Konzentration. – Schon 10 Minuten reichen, um Spannungen abzubauen. – Gemeinsame Bewegung stärkt das Selbstvertrauen Ihres Kindes. SO KÖNNEN SIE IHR KIND ZU HAUSE UNTERSTÜTZEN: – Planen Sie kleine Bewegungspausen, z. B. vor den Hausaufgaben. – Machen Sie einfache Übungen gemeinsam: Seilspringen, Balancieren, Fangen. – Loben Sie Ihr Kind für Bewegung und Ausdauer. IHRE RÜCKMELDUNG IST WICHTIG! Beiliegend finden Sie einen Fragebogen, mit dem wir Rückmeldungen aus dem familiären Alltag sammeln möchten. Bitte senden Sie diesen bis zum 30.03.2025 an die Schule zurück. Wichtig: Für dieses Projekt wird ausnahmsweise nicht die App «Klapp» genutzt Das Projekt lebt auch von Ihrer Perspektive: Ihre Antworten helfen uns, das Programm weiterzuentwickeln und eine bewegungsfreundliche Schulkultur zu schaffen.
Für Fragen oder Anregungen wenden Sie sich gerne an die Klassenlehrperson oder direkt an die Projektleitung. Vielen Dank für Ihre Unterstützung – gemeinsam schaffen wir eine lernfreundliche Umgebung für Ihr Kind! Freundliche Grüsse Schule Horbach