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Herausforderungen im Berufseinstieg von Sozialarbeitenden mit ADHS-Diagnose: Eine qualitative Forschungsarbeit

Author: Schneider, Kathrin
Publisher: Zenodo
DOI: 10.5281/zenodo.17542704
Source: https://zenodo.org/records/17542704/files/2025_ba_SchneiderKathrin.pdf
He aus o de ungen im Be u seins ieg on
Soziala bei enden mi ADHS-Diagnose
Eine quali a i e Fo schungsa bei
Bachelo a bei
Hochschule Luze n – Soziale A bei
Ka h in Schneide
Bachelo -A bei
Ausbildungsgang Soziala bei
Ku s PASS 2022-2025
Name: Ka h in Schneide
Haup i el BA: He aus o de ungen im Be u seins ieg on
Soziala bei enden mi ADHS-Diagnose
Un e i el BA: Eine quali a i e Fo schungsa bei
Diese A bei wu de am 04.08.2025 an de Hochschule Luze n – Soziale A bei einge eich . Fü die
inhal liche Rich igkei und Volls ändigkei wi d du ch die Hochschule Luze n keine Ha ung übe nommen.
S udie ende äumen de Hochschule Luze n Ve wendungs- und Ve we ungs ech e an ih en im Rahmen
des S udiums e ass en A bei en ein. Das Ve wendungs- und Ve we ungs ech de S udie enden an
ih en A bei en bleib gewah (A . 34 de S udieno dnung).
S uden ische A bei en de Hochschule Luze n – Soziale A bei we den un e eine C ea i e Commons
Lizenz im Reposi o ium e ö en lich und sind ei zugänglich.
09-2022
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de Zen al- und Hochschulbiblio hek Luze n
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Vo wo de S udienganglei ung Bachelo
Die Bachelo -A bei is Bes and eil und Abschluss de be u lichen Ausbildung an de
Hochschule Luze n, Soziale A bei . Mi diese A bei zeigen die S udie enden, dass sie ähig
sind, eine be u s ele an en F ages ellung sys ema isch nachzugehen, An wo en zu diese
F ages ellung zu e a bei en und die eigenen Einsich en kla da zulegen. Das wäh end de
Ausbildung e wo bene Wissen se zen sie so in Konsequenzen und Schluss olge ungen ü die
eigene be u liche P axis um.
Die Bachelo -A bei wi d in Einzel- ode G uppena bei pa allel zum Un e ich im Zei aum on
meh e en Mona en gesch ieben. G uppendynamische Aspek e, Eigen e an wo ung,
Auseinande se zung mi o malen und konk e -subjek i en Ansp üchen und S andpunk en
sowie die Behaup ung in s a k belas e en Si ua ionen gehö en also zum Kon ex de A bei .
Von eine ge es ig en Be u siden i ä aus sind die neuen Fachleu e ähig, soziale P obleme und
En wicklungspo enziale als ih en Gegens and zu beu eilen und zu bewe en. Denken und
Handeln in Soziale A bei is e ne z es, ganzhei liches Denken und p äzises, konk e es
Handeln. Es lieg dahe nahe, dass die Diplomand_innen ih e Themen on e schiedenen
Sei en beleuch en und be ach en, den eigenen S andpunk klä en und S ellung beziehen sowie
au de Handlungsebene Lösungs o schläge ode Pos ula e o mulie en.
Ih e Bachelo -A bei is somi ein wich ige Fachbei ag an die b ei e hema ische En wicklung
de p o essionellen Sozialen A bei im Spannungs eld on P axis und Wissenscha . In diesem
Sinne wünschen wi , dass die zukün igen Fachleu e de Sozialen A bei mi ih em Bei ag au
achliches Echo s ossen und ih e An egungen und Impulse on den Fachk eisen au genommen
we den.
Luze n, im Augus 2025
Hochschule Luze n, Soziale A bei
S udienganglei ung Bachelo Soziale A bei
I
Abs ac
Die Bachelo a bei un e such die be u lichen E ah ungen on Be u seins eige :innen in de
Soziala bei mi eine ADHS-Diagnose. Ziel is es, He aus o de ungen, Bewäl igungss a egien
und Un e s ü zungsbeda e im Übe gang on S udium in die P axis zu iden i izie en. Au Basis
on ie lei adenges ü z en In e iews we den sowohl indi iduelle als auch s uk u elle Fak o-
en be ücksich ig . Die E gebnisse zeigen, dass ADHS nich p imä als De izi e leb wi d, son-
de n als E klä ungs ahmen ü bishe ige Schwie igkei en. Dennoch sind die In e iew en mi
spezi ischen He aus o de ungen kon on ie – insbesonde e in Bezug au exeku i e Funk io-
nen, Reiz e a bei ung, Selbs o ganisa ion und Zei managemen . Die Passung zwischen pe -
sönlichen Funk ionsweisen und be u lichen An o de ungen s ell sich häu ig als de izi ä da .
Un e s ü zungss uk u en im Be u s eld sind bishe kaum ins i u ionalisie , und insbesonde e
im Be eich de s uk u ie en Eina bei ung bes ehen deu liche Lücken. Ih e Quali ä häng s a k
om Engagemen einzelne Füh ungspe sonen ab. Die Be ag en e ügen übe zahl eiche
selbs en wickel e Bewäl igungss a egien, jedoch ehlen sys ema ische Angebo e zu s uk u-
ellen En las ung. Die A bei zeig au , dass Di e si ä skompe enz im Umgang mi neu odi e -
sen Fachpe sonen in de Soziala bei ebenso wie ag ähige Eina bei ungskonzep e noch we-
nig e ablie sind – mi dem Risiko, be o ene Be u seins eige :innen ühzei ig zu e lie en.

II
Inhal s e zeichnis
Abs ac ....................................................................................................................... I
1. Einlei ung ................................................................................................................ 1
1.1. Ausgangslage und Mo i a ion ...................................................................................... 1
1.2. Ziel und F ages ellung.................................................................................................. 2
2. Theo e ische G undlagen ....................................................................................... 3
2.1. Soziala bei im Kon ex de Sozialen A bei .................................................................. 4
2.1.1. A bei s elde , S uk u en und An o de ungen an Soziala bei e :innen .................... 6
2.1.2 Fachk ä emangel in de Soziala bei ...................................................................... 7
2.1.3. Di e si ä und Di e si ä skompe enz ...................................................................... 8
2.2. Be u seins ieg Soziala bei als Phase des Übe gangs ................................................. 9
3. ADHS.....................................................................................................................11
3.1.Diagnose, Symp ome und Behandlung ....................................................................... 12
3.2. Komo bidi ä en ........................................................................................................... 15
3.3. Besonde e He aus o de ungen – im Allgemeinen/im A bei sum eld ........................... 15
4. Me hodisches Vo gehen ........................................................................................16
4.1. Fo schungse hische Übe legungen ............................................................................ 17
4.2. Feldzugang und Kon ak au nahme............................................................................. 18
4.3. Sampling .................................................................................................................... 19
4.4. Fo schungsdesign und E kenn nisin e esse ............................................................... 20
4.5. Konzep ion des In e iewlei adens ............................................................................ 21
4.6. Du ch üh ung des In e iews...................................................................................... 23
4.7. Quali a i e Inhal sanalyse und Ka ego ienbildung ...................................................... 24
5. Da s ellung de Fo schungse gebnisse .................................................................25
5.1. Fallbesch eibungen in e iew e Pe sonen .................................................................. 25
5.2. Diagnoses ellung ....................................................................................................... 27
5.3. Exeku i unk ionsbeein äch igungen ......................................................................... 29
5.4. He aus o de ungen im Be u seins ieg und im A bei s eld ........................................... 34
5.5. Bewäl igungss a egien .............................................................................................. 36
5.6. Un e s ü zungss uk u en ........................................................................................... 40
5.7. Wünsche und Beda e................................................................................................ 42
6. Diskussion de E gebnisse ....................................................................................45
6.1 Diagnoses ellung ........................................................................................................ 45
6.2 Exeku i unk ionsbeein äch igungen .......................................................................... 47
6.3.He aus o de ungen im Be u seins ieg und im A bei s eld ............................................ 48
6.4. Bewäl igungss a egien .............................................................................................. 50
III
6.5. Un e s ü zungss uk u en ........................................................................................... 52
7. Bean wo ung de Fo schungs agen ....................................................................54
8. Schluss olge ungen ...............................................................................................56
8.1. ü die Soziale A bei .................................................................................................. 57
8.2. ü die Fo schung ....................................................................................................... 58
9. Fazi und Ausblick .................................................................................................58
Anhang ......................................................................................................................63
1
1. Einlei ung
Obwohl das S ö ungsbild de Au me ksamkei sde izi -/Hype ak i i ä ss ö ung, ku z ADHS, be-
ei s sei Jah zehn en e o sch und iele Aspek e mi le weile seh di e enzie beleg sind,
wi d es in de Ö en lichkei auch heu e noch seh k i isch und nich sel en als Modek ankhei
besch ieben (Neuhaus, 2023, S.13-14). Heu e geh man da on aus, dass e wa 4,5% alle E -
wachsenen an de S ö ung leiden (B own, 2018, S.18).
1.1. Ausgangslage und Mo i a ion
Die Au me ksamkei sde izi -/Hype ak i i ä ss ö ung ( olgend ADHS) is eine neu obiologische
En wicklungss ö ung, die sich du ch Beein äch igungen in Selbs s eue ung, Au me ksamkei
und Emo ions egula ion auszeichne und bis ins E wachsenenal e o bes ehen kann (B own,
2018, S. 55). Auch im Be u s eld de Soziala bei , das hohe An o de ungen an O ganisa ion,
Kommunika ion und Belas ba kei s ell , sind be o ene Fachpe sonen ä ig – häu ig, ohne
dass ih e Diagnose im A bei skon ex hema isie wi d. Da es sich um eine medizinische Di-
agnose handel , die nich o engeleg we den muss und im Be u s eld de Sozialen A bei kaum
e o sch is , liegen nu wenige e lässliche Zahlen zu Be o enen o . Den in de Einlei ung
besch iebenen Vo u eilen müssen sich Be o ene o in allen Lebensbe eichen s ellen.
De Be u skodex Soziale A bei (2010) o mulie zen ale e hische O ien ie ungen, die auch
im Umgang mi neu odi e sen Fachpe sonen – wie Be u seins eige :innen mi ADHS – on
Bedeu ung sind. Die Handlungsmaxime zu eigenen Pe son be on die Ve an wo ung, pe -
sönliche Ressou cen und G enzen zu e lek ie en und zu wah en. Dazu gehö auch, bei Be-
da Un e s ü zung ode Be a ung in Ansp uch zu nehmen – ein Aspek , de ü Menschen mi
ADHS besonde s ele an sein kann, um lang is ige Übe o de ung o zubeugen. Die Hand-
lungsmaxime gegenübe de Gesellscha e p lich e dazu, soziale P obleme nich nu indi i-
duell zu bea bei en, sonde n auch s uk u elle U sachen zu e kennen und Wissen da übe zu
e mi eln. Dami e bunden is ein kla es Bekenn nis zu Gleichbehandlung und zu ak i en
Auseinande se zung mi Disk iminie ung – auch inne halb de eigenen O ganisa ion. Die
Handlungsmaxime zu eigenen P o ession heb schliesslich die Bedeu ung kollegiale Zusam-
mena bei he o : Ein espek olle und un e s ü zende Umgang im Team scha ein Um eld,
in dem Le n- und En wicklungsp ozesse auch ü neu odi e gen e Mi a bei ende möglich we -
den – und Di e si ä nich nu gedulde , sonde n achlich in eg ie wi d (S. 14–15).
2
Ausgehend on diesen e hischen Lei linien is Di e si ä skompe enz eine zen ale Vo ausse -
zung ü p o essionelles Handeln. Sie e möglich es, au un e schiedliche Lebenslagen, Wah -
nehmungen und Bedü nisse nich nu sensibel zu eagie en, sonde n sie als achlich ele an e
Ressou ce zu beg ei en (Ka agiannakis, 2024, S. 18). Dies gil insbesonde e im Umgang mi
neu odi e sen Kolleg:innen, de en Pe spek i en im A bei sall ag häu ig unbe ücksich ig blei-
ben. Di e si ä skompe enz mein dabei meh als Wissen übe Un e schiede – sie um ass auch
eine we schä zende Hal ung gegenübe Viel al sowie die Fähigkei , un e Unsiche hei hand-
lungs ähig zu bleiben. En wickel wi d diese Kompe enz du ch die Ve bindung on Wissen,
Selbs e lexion und konk e e P axis: E s wenn Fachpe sonen be ei sind, eigene Wah neh-
mungsmus e k i isch zu hin e agen und sich au ungewohn e Sich weisen einzulassen, kann
ein p o essionelle Umgang mi Di e si ä gelingen. Sie is dabei kein s a isches Me kmal, son-
de n ein o lau ende Le np ozess, de sowohl indi iduelle Be ei scha als auch s uk u elle
Un e s ü zung e o de (ebd., S. 18–19).
Mi Blick au die angespann e Fachk ä esi ua ion in de Sozialen A bei s ell sich die F age,
welche Un e s ü zungs o men dazu bei agen können, den Be u seins ieg ü Fachpe sonen
mi ADHS nich nu zu e leich e n, sonde n auch de en lang is igen Ve bleib im Be u s eld zu
ö de n.
1.2. Ziel und F ages ellung
Ziel de o liegenden Bachelo a bei is es, Einblicke in die E ah ungen on Be u seins ei-
ge :innen in de Soziala bei mi eine ADHS-Diagnose zu gewinnen. Die A bei e olg das
Anliegen, zu e s ehen, welche He aus o de ungen und Ressou cen beim Be u seins ieg im
Kon ex neu odi e se Vo ausse zungen eine Rolle spielen – sowohl au indi iduelle als auch
au ins i u ionelle Ebene.
Mi hil e lei adenges ü z e In e iews mi be o enen Be u seins eige :innen soll eine quali a-
i e, explo a i e Pe spek i e en wickel we den, die sowohl subjek i e E ah ungen als auch
s uk u elle Rahmenbedingungen sich ba mach .
Die A bei will einen Bei ag dazu leis en, p o essionsin e ne Re lexionsp ozesse anzu egen
und p axis ele an e E kenn nisse ü Be u seins eige :innen mi eine ADHS-Diagnose, Fach-
hochschulen und A bei gebe im Sozialbe eich be ei zus ellen.
Besonde es Augenme k lieg au de F age, wie sich Diagnose und Symp oma ik au den Ein-
s ieg in das Be u sleben auswi ken – sowie da au , welche Un e s ü zungssys eme als hil eich
ode hinde lich e leb we den.
Die o liegende A bei konzen ie sich au die be u lichen E ah ungen on Be u seins ei-
ge :innen inne halb de S udien ich ung Soziala bei . An de Hochschule Luze n um ass de
9
Rele anz. Menschen, die in diesen Be eichen abweichen – sei es du ch kö pe liche Behinde-
ung, ch onische E k ankung ode neu odi e gen e Mus e wie ADHS – e leben o , dass sie
nich nu indi iduell he ausge o de sind, sonde n auch s uk u ell benach eilig we den. Die
Au o in be on , dass diese Dimension besonde s sensibel is , weil sie sowohl mi unk ionalen
E wa ungen (z. B. Leis ungs ähigkei ) als auch mi ie e anke en kul u ellen Deu ungsmus-
e n e knüp is (S. 80-83).
Diese Kompe enze we b is kein abgeschlossene Le nsch i , sonde n ein o lau ende P o-
zess (Ka agiannakis, 2024). E e läu in meh e en S u en – beginnend mi dem Bewuss we -
den eigene Wissenslücken bis hin zu siche en, as in ui i en Anwendung. En scheidend is
dabei, dass man sich selbs imme wiede hin e ag und be ei is , die eigene Sich weise zu
e ände n (S. 19-21). In de P axis hil diese Kompe enz, in iel äl igen Teams, mi Klien :in-
nen un e schiedliche Lebenslagen ode in in e kul u ellen Kon ex en sensibel und wi ksam zu
a bei en.
2.2. Be u seins ieg Soziala bei als Phase des Übe gangs
De Übe gang on de Ausbildung in die be u liche P axis de Sozialen A bei is lau Moch
(2013) mi iel äl igen He aus o de ungen e bunden (S. 9). S udien zeigen, dass diese Übe -
gang häu ig als besonde s belas end e leb wi d, insbesonde e weil sich heo e isches Wissen
und p ak ische An o de ungen nich imme nah los e binden lassen (S. 138). Be u seins ei-
ge :innen sehen sich mi einem hohen Maß an Eigen e an wo ung kon on ie , müssen kom-
plexe Fallkons ella ionen bea bei en und dabei gleichzei ig ih e Rolle im Team sowie gegen-
übe Klien :innen und Ins i u ionen inden (S. 140-141).
In den le z en Jah en zeig sich zudem imme deu liche , dass Übe gänge im Lebens e lau
nich meh so kla s uk u ie und o he sehba e lau en wie noch o wenigen Jah zehn en.
Was ühe wei gehend du ch Ins i u ionen ge egel wa – e wa de Übe i on de Schule in
den Be u ode om E we bsleben in den Ruhes and – wi d heu e lau Sch öe (2013) meh
und meh zu indi iduellen Au gabe (S. 66). Übe gänge inden nich meh en lang kla e Le-
bensphasen ode Rollen e eilungen s a , sonde n wi ken häu ig en g enz – zei lich, ins i u-
ionell und sozial (S.70).
Sch öe (2013) bezieh sich auch au e schiedene ak uelle Deba en zu Bewäl igung on
Übe gängen im Lebenslau welche e deu lichen, dass es e, o gezeichne e Wege imme
wenige o handen sind (S.73). S a dessen ück de indi iduelle Umgang mi Unsiche hei en,

10
B üchen und biog a ischen Wendepunk en s ä ke in den Fokus. Kompe enzen wicklung wi d
dabei nich meh nu als Aneignung on Wissen in Ausbildung und Be u e s anden, sonde n
als eine s e ige Auseinande se zung mi sich selbs und dem eigenen Handeln – auch aus-
se halb o male Bildung. Übe gänge we den so zu Gelegenhei en, eigene Wege zu inden
und neue Handlungs äume zu e schliessen (S.74).
Das We ks a he Kompe enzp o il de HSLU (2012) besch eib zen ale Kompe enzen in den
Be eichen Sozialkompe enz, Selbs kompe enz, Me hodenkompe enz und Fachkompe enz
welche S udie enden de S udien ich ungen Soziala bei , Soziokul u und Sozialpädagogik
e mi el we den. Besonde s be on wi d dabei die Fähigkei zu p o essionellen Beziehungs-
ges al ung, zu Selbs e lexion und zum me hodisch undie en Handeln in komplexen P axis-
si ua ionen (S. 4). Sozialkompe enz zeig sich e wa in de Fähigkei , Kommunika ion e s änd-
lich und ad essa enge ech zu ges al en, eine o ene Hal ung einzunehmen und Beziehungen
ak i und e lek ie zu ges al en (S.14). Im Be eich de Selbs kompe enz wi d de e an wo -
ungs olle Umgang mi de eigenen Rolle ge ö de – dazu gehö e wa, eigene G enzen wah -
zunehmen, mi Belas ungssi ua ionen umzugehen und be u liches Handeln selbs k i isch zu
e lek ie en (S. 16). Die Me hodenkompe enz be ähig dazu, komplexe Si ua ionen zu analy-
sie en, s uk u ie zu planen und Handlungsop ionen beg ünde umzuse zen – sei es in de
Fallbea bei ung, im P ojek managemen ode bei de E alua ion (S.18). Die Fachkompe enz
um ass ein b ei es heo e isches und ech liches Wissen, das sich un e ande em au Sozial-
poli ik, Psychologie, E hik und die Geschich e de Sozialen A bei bezieh . Dieses Wissen bil-
de die G undlage, um p o essionelles Handeln undie zu beg ünden und in un e schiedliche
Kon ex e einzuo dnen (S.24).
Au de In o ma ionspla o m SwissUniAbili y (o.J.), die sich ü einen chancenge ech en
Hochschulzugang on S udie enden mi Behinde ungen ode ch onischen E k ankungen ein-
se z , s ehen konk e e Un e s ü zungsangebo e und ech liche G undlagen, um Ba ie en im
S udienall ag abzubauen im Zen um (Home). Eine zen ale Massnahme is de Nach eilsaus-
gleich, de es e möglich , behinde ungsbeding e E schwe nisse im S udium ode bei P ü un-
gen indi iduell auszugleichen, zum Beispiel du ch Zei e länge ung, Pausen egelungen ode
angepass e P ü ungs o ma e. Dabei bleib das Le nziel un e ände , de Ansp uch ich e sich
also nich au eine inhal liche E leich e ung, sonde n au ai e Rahmenbedingungen. Vo aus-
se zung ü den Nach eilsausgleich is das Vo liegen eine Behinde ung gemäss A . 2 BehiG,
also eine o aussich lich daue ha en Beein äch igung, welche die Du ch üh ung des S udi-
ums e schwe . Gleichzei ig muss eine g undsä zliche S udien ähigkei gegeben sein. Die Um-
se zung e olg jeweils indi iduell und im Dialog mi zus ändigen S ellen de Hochschule, wobei
das P inzip de Ve häl nismässigkei zen al is (SwissUniAbili y, o. J.,
11
Be iebe eihei /Inklusionssensible Hochschulleh e). Rech lich abges ü z is de Ansp uch au
A ikel 8 de Bundes e assung sowie au das Behinde engleichs ellungsgese z, das explizi
Anpassungen e lang , wenn eine Benach eiligung ansons en nich e meidba wä e (BehiG,
2004, A . 2 Abs. 2 und 5).
Fü Leh pe sonen s ell SwissUniAbili y (o.J.) ein p axisnahes Me kbla zum Umgang mi S u-
die enden mi ADHS zu Ve ügung (ebd.). Ein explizi e Fokus au den Übe gang on de
Hochschule in den Be u ehl au de Pla o m bislang. Hinweise zu Wei e üh ung des Nach-
eilsausgleichs ode zu be u lichen In eg a ion nach S udienabschluss sind ak uell nich e -
sich lich.
Lau de Fachk ä es udie on SAVOIRSOCIAL und SASSA (2025) ühlen sich iele de Be-
u seins eige :innen be ei s in den e s en Mona en egelmässig übe o de . Als besonde s
he aus o de nd gel en dabei de Umgang mi gese zlich de inie en Au ägen (z. B. in de
KESB ode Sozialhil e), die Dokumen a ionslas sowie die gleichzei ige emo ionale Belas ung
du ch schwie ige Fallkons ella ionen (S81-82). Wei e üh die S udie aus, dass ü iele Be-
u seins eige :innen die g osse Klu den E wa ungen und de Reali ä de P axis eine g osse
Hü de da s ell . Ge o de wi d eine g össe e p axiso ien ie ung im S udium sowie eine eng-
maschige und kompe en e A bei sein üh ung (S.83).
Dabei zeig sich lau de S udie (2025) in de P axis: Je kla e de Eins ieg s uk u ie is , des o
posi i e wi d e e leb . T äge , die au es e Bezugspe sonen, egelmässige Supe ision und
anspa en e Zus ändigkei en se zen, be ich en on deu lich ge inge e Fluk ua ion (S. 66-67).
3. ADHS
Die o liegenden Aus üh ungen beleuch en zunächs die En wicklung on ADHS om Kindes-
ins E wachsenenal e und gehen au ypische Symp ome, He aus o de ungen und mögliche
Komo bidi ä en ein. Anschliessend wi d ein spezi ische Fokus au die be u liche Lebensphase
geleg , insbesonde e au die Schwie igkei en und Ressou cen on jungen E wachsenen mi
ADHS beim Be u seins ieg. De Abschni schliess mi einem Übe blick übe bes ehende Un-
e s ü zungsangebo e und a bei sbezogene In e en ionen, die in de Schweiz zu Ve ügung
s ehen.
12
3.1.Diagnose, Symp ome und Behandlung
Die Au me ksamkei sde izi -/Hype ak i i ä ss ö ung (ADHS) wi d lau B own (2018) heu e nich
meh als eine Ve hal enss ö ung e s anden und is keineswegs au das Kindesal e be-
sch änk . Vielmeh geh man da on aus, dass es sich um eine komplexe En wicklungss ö ung
im Be eich de exeku i en Funk ionen handel – also jene S eue ungsmechanismen des Ge-
hi ns, die sich be ei s üh ausbilden, abe o lange unbeme k bleiben. Die Symp ome können
sich im Jugendal e abschwächen, bei ielen Be o enen bes ehen sie jedoch bis ins E wach-
senenal e o (S.14). S a is ische Un e suchungen zu Häu igkei on ADHS aus den USA
(B own, 2018) zeigen, dass e wa 9 % de Kinde zwischen 6 und 17 Jah en, 8,7 % de Jugend-
lichen zwischen 13 und 18 Jah en und 4,4 % de E wachsenen die diagnos ischen K i e ien
e üllen (S.18). Sie is gekennzeichne du ch eine ch onische Beein äch igung zen ale S eu-
e ungs unk ionen des Gehi ns, den sogenann en Exeku i unk ionen. Dazu zählen un e an-
de em die Fähigkei zu Selbs s eue ung, zu Handlungsplanung, zu Impulskon olle sowie
zu Au me ksamkei slenkung (B own, 2018, S. 35–36).
Gemäss de ICD-11 de Wel gesundhei so ganisa ion (WHO) lieg eine ADHS dann o , wenn
übe mindes ens sechs Mona e hinweg ein Mus e on Unau me ksamkei und/ode Hype ak-
i i ä -Impulsi i ä zu beobach en is , dass das schulische, be u liche ode soziale Funk ions-
ni eau e heblich beein äch ig . Die Symp ome müssen be ei s o dem zwöl en Lebensjah
e kennba gewesen sein und dü en nich besse du ch eine ande e psychische ode neu olo-
gische S ö ung e klä ba sein. Das Ausmass de Beein äch igungen muss dabei übe das
al e sen sp echende Ni eau hinausgehen (WHO, 2024, ICD-11, 6A05).
In de ICD-11 we den d ei Sub ypen un e schieden:
➢ ADHS, o wiegend unau me ksame Typ (6A05.0): Die unau me ksamen Symp ome
übe wiegen deu lich; Schwie igkei en mi Konzen a ion, Ablenkba kei und O ganisa-
ion s ehen im Vo de g und.
➢ ADHS, o wiegend hype ak i -impulsi e Typ (6A05.1): Übe mässige mo o ische Ak i-
i ä und impulsi es Ve hal en sind dominie end, wäh end unau me ksame Symp ome
wenige ausgep äg sind.
➢ ADHS, kombinie e Typ (6A05.2): Sowohl unau me ksame als auch hype ak i -impul-
si e Symp ome sind klinisch ele an , ohne dass eine de beiden Be eiche übe wieg
(WHO, 2024, ICD-11).
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Zen al in diese neue en Sich weise nach B own (2018) is die Annahme, dass ADHS mi eine
Beein äch igung sogenann e exeku i e Funk ionen einhe geh . Gemein sind dami g und-
legende S eue ungsleis ungen des Gehi ns: e wa Au gaben beginnen zu können, die Au me k-
samkei au ech zue hal en, Impulse zu kon ollie en ode sich o z Ablenkung au ein Ziel
auszu ich en. Diese Funk ionen en wickeln sich schon üh in de Kindhei und p ägen das
Ve hal en auch im E wachsenenal e . Bei Menschen mi ADHS ge a en diese abe ge ade
diese au oma isie en S eue ungsp ozesse imme wiede aus dem Gleichgewich . Au ällig is
dabei nich eine g undsä zliche Un ähigkei , sonde n eine s a ke Abhängigkei om Kon ex –
ieles geling dann, wenn ein Thema emo ional ansp ich ode eine Si ua ion aus eichend
S uk u o gib , wäh end in wenig ge egel en All agssi ua ionen häu ig Schwie igkei en au -
e en (S.
B own (2018) besch eib in diesem Zusammenhang sechs zen ale Funk ionsbe eiche, die bei
ADHS be o en sein können:
1. Schwie igkei en beim Ak i ie en und An angen on Au gaben
2. P obleme mi dem Au ech e hal en on Fokus
3. eduzie e Ve a bei ungsgeschwindigkei (Leis ung)
4. eine ins abile Emo ions egula ion
5. ein beein äch ig es A bei sgedäch nis
6. sowie eine ges ö e Regula ion de eigenen Ak i i ä (S.35-37)
Die Ausp ägung diese Be eiche is indi iduell un e schiedlich und e läu nich imme kon-
s an . Ge ade diese Un e schiedlichkei – also das Nebeneinande on hohe Kompe enz in
einem Be eich und e hebliche Dys egula ion in einem ande en – e schwe häu ig die
F emdwah nehmung und die Diagnose(ebd.).
Im All ag zeig sich ADHS sel en als gleichbleibendes Mus e (B own 2018). Vielmeh zeichne
es sich du ch imme wiede keh ende Schwankungen aus – mal geling e was p oblemlos, mal
schei e man o z kla e Mo i a ion. Dieses Spannungs eld zwischen o handenem Po enzial
und a sächliche Umse zungsk a is ein zen ales Me kmal de S ö ung. Es mach deu lich,
dass ADHS nich mi mangelnde In elligenz ode ehlendem Willen zu e klä en is , sonde n
mi eine ges ö en Fähigkei zu Selbs s eue ung – und genau da in lieg die He aus o de ung
ü iele Be o ene (S.43-45). Hie e weis B own (2018) au die Wich igkei de Psychoedu-
ka ion als «en scheidenden Teil de Behandlung» (S.97). Konk e bedeu e dies, dass Be-
o ene und de en Um eld übe das ADHS, und mögliche Vo eile abe auch G enzen eine
Behandlung au geklä we den. Zum einen soll dies den Leidensd uck de Be o enen senken
und zum ande en de en Behandlungs-Compliance e höhen (S.98).
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Die Diagnoses ellung on ADHS is ein ielschich ige P ozess, de eine so g äl ige Abklä ung
übe e schiedene In o ma ionsquellen hinweg e o de . Wie Co dula Neuhaus (2023) be-
sch eib , basie sie au eine Kombina ion aus Anamnese, s uk u ie en In e iews, Ve hal-
ensbeobach ungen und s anda disie en F agebögen (S. 138–140). Zen al is dabei die E -
assung de Symp ome übe e schiedene Lebensbe eiche hinweg – also z. B. Schule, A bei ,
Familie – sowie de en Beginn o dem zwöl en Lebensjah . E gänzend we den häu ig F emd-
beu eilungen, beispielsweise du ch El e n ode Leh pe sonen, einbezogen. Die Diagnos ik
e olg ideale weise mul ip o essionell und be ücksich ig mögliche Komo bidi ä en, um Fehl-
diagnosen zu e meiden (ebd. S.141). Neu opsychologische Tes e ah en können un e s ü -
zend eingese z we den, dienen jedoch nich als alleinige Nachweis (ebd.157). Wich ig is
zudem die Abg enzung zu ande en psychischen S ö ungen wie Dep essionen, Angs s ö un-
gen ode Pe sönlichkei ss ö ungen, die ähnliche Symp ome zeigen können(ebd.163).
Die Behandlung on ADHS e olg heu e in de Regel im Rahmen eines sogenann en mul i-
modalen Ansa zes (Neuhaus, 2023). Das bedeu e , dass e schiedene he apeu ische Ele-
men e mi einande kombinie we den – je nachdem, was zu Lebenssi ua ion, dem Al e und
de Symp oma ik de be o enen Pe son pass . Als e s e G undlage gil dabei die Psychoedu-
ka ion, also das undie e Ve s ehen de eigenen Diagnose, mögliche U sachen und mögliche
Wege im Umgang dami . Wich ig is , dass diese P ozess nich de izi o ien ie e olg , sonde n
auch die Ressou cen und S ä ken de be o enen Pe son mi einbezieh (S. 171-173).
Dabei be on die Neuhaus (2023) ausd ücklich, dass nich jede ADHS-Diagnose au oma isch
eine um assende ode meh glied ige The apie e o de (ebd. S.171). Vielmeh is en schei-
dend, ob und wie s a k die Symp ome im All ag a sächlich zu Einsch änkungen üh en. In
Fällen mi ge ingen Beein äch igungen können Be a ungsgesp äche, s uk u elle Anpassun-
gen im All ag ode das En wickeln indi iduelle S a egien öllig aus eichend sein. En schei-
dend is , die Behandlung nich schema isch, sonde n indi iduell zu ges al en: Im Fokus s eh
nich das Ausgleichen eines „De izi s“, sonde n das E möglichen on Teilhabe und En wick-
lungsspiel aum (ebd. S. 174–180).
In ielen Fällen spielen un e s ü zende Massnahmen wie all agsp ak ische Beglei ung, ein an-
gepass es A bei sum eld ode – bei Kinde n – die Beglei ung du ch El e n ainings eine wich-
ige Rolle (Neuhaus 2023). Auch schulische Un e s ü zung ode sozialpädagogische Beglei-
ung kann en las en, ohne dass zwingend au medizinische Behandlung zu ückgeg i en we -
den muss (S. 175–177).

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Die medikamen öse Behandlung kann dann hil eich sein, wenn die Be o enen im All ag s a k
un e den Symp omen leiden – e wa du ch anhal ende Un uhe, Konzen a ionsp obleme ode
emo ionale Übe o de ung (Neuhaus, 2023, S. 203–204). Solche Medikamen e e möglichen
es ielen Be o enen, ih e Gedanken besse zu so ie en, Au gaben geziel e anzugehen ode
emo ional gelassene zu eagie en. Wich ig is abe : Medikamen e wi ken nich „heilend“, son-
de n sind eine A Un e s ü zung – ähnlich eine B ille ü das Gehi n, wie es Neuhaus (2023)
besch eib . Sie können hel en, neue Handlungsspiel äume zu e ö nen, e se zen abe nich
die pe sönliche Auseinande se zung mi de eigenen Lebenssi ua ion (S. 202).
3.2. Komo bidi ä en
ADHS i häu ig nich isolie au , sonde n in Kombina ion mi wei e en psychischen ode en -
wicklungsbezogenen S ö ungen. Solche Komo bidi ä en sind keine Zu älle, sonde n bilden y-
pische Mus e , die Ve lau und Behandlung wesen lich beein lussen (B own, 2018, S. 124–
125). Be ei s im Kindesal e zeigen sich in S udien häu ig beglei ende Diagnosen – o allem
opposi ionelle Ve hal enss ö ungen, Angs s ö ungen, a ek i e S ö ungen sowie Le np obleme
ode Subs anzmissb auch (ebd., S. 125–128). Be o ene haben dabei ein deu lich höhe es
Risiko ü wei e e S ö ungen als die Allgemeinbe ölke ung.
Als E klä ungsansa z dien insbesonde e die Beein äch igung exeku i e Funk ionen. Diese
kogni i en S eue ungsmechanismen sind nich nu zen al ü ADHS, sonde n auch ü iele
ande e psychische S ö ungen ele an . Da aus e gib sich eine Übe lappung on Symp omen,
die sich gegensei ig e s ä ken können (ebd., S. 129–130). Genau diese Übe schneidungen
e schwe en jedoch auch die Diagnos ik, da o de g ündig o ande e S ö ungen wie Dep es-
sionen behandel we den, wäh end die zug undeliegende ADHS une kann bleib . Dies kann
zu un olls ändigen In e en ionen üh en. Komo bide Symp ome beein lussen Wah nehmung,
Belas ba kei und Selbs s eue ung und soll en deshalb auch in de be u lichen Eina bei ung
und Beglei ung be ücksich ig we den.
3.3. Besonde e He aus o de ungen – im Allgemeinen/im A bei sum eld
Menschen mi ADHS e leben im All ag wie auch im Be u sleben o Schwie igkei en, die sich
aus de beein äch ig en S eue ung kogni i e , emo ionale und p ak ische Handlungsabläu e
e geben. Diese sogenann en exeku i en Funk ionen wu den im o he gehenden Kapi el be-
ei s besch ieben. Im Folgenden we den nun exempla ische He aus o de ungen da ges ell ,
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wie sie sich in all äglichen und be u lichen Kon ex en konk e zeigen können. Die S uk u o i-
en ie sich dabei an den sechs zen alen Funk ionsbe eichen nach B own (2018). Die abel-
la ische Übe sich soll dabei hel en, ypische Belas ungsmus e sich ba zu machen und all-
agsnahe Bezüge he zus ellen (S. 35-37):
Exeku i -
unk ion
He aus o de ungen im All ag
He aus o de ungen im Be u
Ak i ie ung
Schwie igkei en, mi Au gaben zu be-
ginnen; P ok as ina ion; inne e Blo-
ckaden
P obleme beim Eins ieg in A bei sau -
gaben ohne kla e Vo gaben; Ve ze e-
lung; Zei e lus e
Fokussie-
ung
Ablenkba kei du ch Reize ode Ge-
danken; Schwie igkei en beim Lesen
ode Zuhö en
Konzen a ionsp obleme bei Mee ings,
Rou ine ä igkei en ode pa allelen Ab-
läu en
Leis ung
Ene gieeinb üche; Un ähigkei , Au -
gaben zu Ende zu üh en; Übe o -
de ung im All ag
Schwie igkei , länge e Au gaben ohne
Un e b echung du chzuhal en; Leis-
ungsschwankungen
Emo ions-
kon olle
Reizba kei ; S immungsschwankun-
gen; Übe emp indlichkei in sozialen
Si ua ionen
Kon lik e im Team; unkon ollie e Reak-
ionen au K i ik ode F us a ion; Rück-
zug ode Wu ausb üche
A bei sge-
däch nis
Ve gesslichkei ; Dinge e legen; Te -
mine ode Absp achen nich einhal-
en
Fehle du ch Übe sehen; Schwie igkei-
en beim Behal en komplexe Anwei-
sungen ode Deadlines
Ak i i ä
Impulsi es Handeln; ehlende
Selbs beobach ung; unübe leg e
En scheidungen
Ungeduld im Kon ak mi Klien :innen
ode Kolleg:innen; ine izien e A bei s-
abläu e; G enzübe sch ei ungen
Exeku i unk ionen und He aus o de ungen im All ag (eigene Da s ellung)
Die Tabelle mach deu lich, dass exeku i e Dys unk ionen nich nu die „O ganisa ion des Ta-
ges“, sonde n zen ale Aspek e de be u lichen Leis ungs ähigkei be e en. Dabei wi ken die
Funk ionsbe eiche nich isolie , sonde n e s ä ken sich o gegensei ig: So kann z. B. eine
mangelha e Ak i ie ung (Au schieben) mi ge inge Ans engungs ole anz (schnelles Au ge-
ben) und impulsi e Handlungsaus üh ung (un e lek ie es Handeln) zusammenspielen – mi
spü ba en Konsequenzen ü be u liche S abili ä , soziale Beziehungen und psychisches
Wohlbe inden (Roy & Ohlmeie , 2025, S. 59–63).
4. Me hodisches Vo gehen
Das nach olgende Kapi el e läu e das me hodische Vo gehen diese quali a i en Bachelo -
a bei . Die Auswahl und Beg ündung des Fo schungsdesigns, die konk e e Umse zung de
Da ene hebung sowie das Vo gehen bei de Auswe ung we den nach ollziehba da ges ell .
Die me hodischen En scheidungen wu den dabei sowohl on de inhal lichen Zielse zung de
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A bei als auch on de besonde en Bescha enhei de un e such en Thema ik – dem Be u s-
eins ieg on Fachpe sonen mi ADHS – gelei e .
Ein quali a i es Vo gehen e laub es, den subjek i en Sich weisen und Deu ungen de Be ei-
lig en Raum zu geben. Es e möglich , komplexe E ah ungen und all agsnahe Bedeu ungszu-
sch eibungen in ih e Tie e zu e assen und heo iegelei e zu ekons uie en.
Im wei e en Ve lau dieses Kapi els wi d das me hodische Vo gehen sch i weise da geleg –
on de Fes legung des Fo schungsdesigns übe die Auswahl de S ichp obe bis hin zu Ana-
lyse des e hobenen Da enma e ials.
4.1. Fo schungse hische Übe legungen
In de quali a i en Fo schung s ellen sich lau K ell und Lamnek (2024) besonde e An o de-
ungen an die Rolle de Fo schenden. Nähe und Dis anz sind dabei nich nu ela ional zu
e s ehen, sonde n me hodisch und e hisch hoch ele an (S.684 ). Eigene Be o enhei , ge-
eil e E ah ungshin e g ünde ode be u liche Gemeinsamkei en können das Fo schungsge-
schehen wesen lich beein lussen. Wie be on wi d, kann eine gewisse Nähe zum Feld – so e n
e lek ie – den Zugang zu subjek i en Pe spek i en e leich e n und das Ve auen de Be-
ag en s ä ken (ebd.). Ge ade bei sensiblen Themen wie ADHS im Be u skon ex sind solche
Beziehungsmomen e bedeu sam. Gleichzei ig e o de diese Nähe eine bewuss e Selbs e -
o ung im Fo schungsgeschehen, um analy ische Dis anz zu wah en und Ve ze ungen zu
e meiden. Die Re lexion übe die eigene Rolle soll dahe auch in de Auswe ungsphase sys-
ema isch be ücksich ig we den (S.685).
Die En scheidung ü eine spezi ische Zielg uppe olg im Rahmen quali a i e Fo schung nich
eine s a is ischen Rep äsen a ionslogik, sch eiben K ell und Lamnek (2024) sonde n einem
heo iebildenden E kenn nisin e esse (S.676). Quali a i e Ansä ze ich en sich geziel au „be-
sonde e“ soziale G uppen, um du ch e ie e Fallanalysen soziale Mus e und Typen he aus-
zua bei en (S.676-677). Die Be o schung solche G uppen e o de jedoch nich nu me hodi-
sches Feinge ühl, sonde n auch besonde e Au me ksamkei im Umgang mi Da enschu z und
Ve aulichkei (Flick, 2007a, S.58 zi . in K ell & Lamnek, 2024)). Be ei s die Rek u ie ung de
Teilnehmenden ges al e e sich in Teilen schwie ig, da iele Ins i u ionen aus da enschu z ech -
lichen G ünden keine ak i e Ve mi lung e möglichen konn en (Hel e ich, 2005 zi . in K ell &
Lamnek, 2024).
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Zum Schu z de Teilnehmenden wu de eine sch i liche Einwilligungse klä ung e s ell , die übe
Ziele, Ablau und Daue des In e iews au klä sowie die e auliche Behandlung alle Da en
zusiche . Diese beinhal e un e ande em die eiwillige Teilnahme, das jede zei ige Wide u s-
ech , die Anonymisie ung pe sonenbezogene Angaben sowie die gesiche e und zei lich be-
g enz e Speiche ung de Da en. Au zeichnungen und T ansk ip e we den passwo geschü z
au bewah und nich an D i e wei e gegeben. Nach Abschluss des P ojek s e olg die Lö-
schung en sp echend den gel enden gese zlichen Vo gaben (S. 221–223).
4.2. Feldzugang und Kon ak au nahme
Fü die o liegende Fo schungsa bei s ell e sich de Zugang zu Zielg uppe als ansp uchs oll,
zugleich abe auch als e kenn nislei end he aus. Gesuch wu den Be u seins eige :innen in
de Sozialen A bei , bei denen eine ADHS-Diagnose o lieg – unabhängig da on, wann diese
ges ell wu de. Da es sich hie bei um eine wenig sich ba e und wede ins i u ionell gebündel e
noch hema isch o ganisie e G uppe handel , e wies sich die geziel e Rek u ie ung als he -
aus o de nd.
Ein e s e Ve such de Kon ak au nahme e olg e übe die O ganisa ion ELPOS, welche die
An age im Dezembe 2024 in ih em Newsle e e ö en lich e. Au g und eines edak ionellen
Fehle s wu de da in jedoch nich nach Soziala bei enden, sonde n nach Sozialpädagog:innen
gesuch . In de Folge melde en sich zwa zahl eiche in e essie e Pe sonen, sie en sp achen
jedoch nich dem ü die Fo schung ele an en Sample. Eine Bi e um eine ko igie e Neuau -
nahme de An age in einem spä e en Newsle e wu de mi dem Hinweis au die Vielzahl an
Gesuchen abgelehn . Dennoch konn e übe diese An age eine passende Pe son ü ein In-
e iew ge unden we den.
Wei e hin wu de die Kon ak s elle „ba ie e ei“ de Hochschule Luze n ange ag , mi dem Ziel,
einen Zugang zu po enziell passenden S udien eilnehmenden zu e hal en. Aus Da enschu z-
g ünden konn e jedoch kein Zugang e möglich we den. Auch eine pe sönliche An age bei
eine Selbs hil eg uppe ü be o ene E wachsene de ELPOS in Luze n blieb ohne di ek e
Ve mi lung, wu de jedoch mi de Bi e um in e ne Wei e lei ung de An age au genommen.
Eine Kon ak au nahme mi de schweize ischen Fachs elle ADHS blieb o z meh ache Ve -
suche unbean wo e .
25
5. Da s ellung de Fo schungse gebnisse
Im olgenden Kapi el we den die E gebnisse de ie ge üh en In e iews da ges ell . Eine
ku ze Ein üh ung in die einzelnen Fall igne en e möglich zunächs einen p ägnan en Einblick
in die Biog a ien und be u lichen Kon ex e de be ag en Pe sonen. Dadu ch wi d ein besse es
Ve s ändnis ü die jeweiligen Ausgangslagen und Pe spek i en im Be u seins ieg gescha en.
Zu Auswe ung wu de ein ka ego iales Sys em e wende , das sich an de quali a i en In-
hal sanalyse nach May ing o ien ie . Die Ka ego ien wu den sowohl deduk i aus de Theo ie
als auch induk i aus dem Da enma e ial en wickel . In de Da s ellung wi d au gezeig , welche
Themen in den In e iews besonde s he o ge e en sind, welche Gemeinsamkei en und Un-
e schiede sich zwischen den In e iew en zeigen und wie diese im Zusammenhang mi de
ADHS-Diagnose sowie dem be u lichen Eins ieg e leb wu den.
An ausgewähl en S ellen we den die E gebnisse du ch sinngemässe ode indi ek e Zi a e e -
gänz , um einzelne Aussagen zu e anschaulichen. Die Fallbesch eibungen wu den anonymi-
sie ; die Pseudonyme wu den ei gewähl und beinhal en keine Rückschlüsse au Al e , He -
kun ode konk e e Ins i u ionen.
5.1. Fallbesch eibungen in e iew e Pe sonen
Flu ina, 45 Jah e al , is Mu e zweie Kinde und ausgebilde e Medizinische P axisassis en-
in. Ih Teilzei s udium in Soziale A bei schloss sie 2021 ab – beglei e on in ensi e amili-
ä e So gea bei . Den Be u seins ieg absol ie e sie in einem 50%-Pensum in de wi scha -
lichen Sozialhil e eines kommunalen Sozialdiens es. Ih e ADHS-Diagnose e hiel sie im Kin-
desal e , wu de jedoch e s Jah e spä e on ih en El e n angesp ochen. Zunehmende An o -
de ungen im Be u s- und Familienall ag üh en dazu, dass sie sich in ensi e mi ih en Funk-
ionsweisen auseinande se z e. Un e s ü z du ch Psycho he apie en wickel e sie eigene
S a egien; Medikamen e nimm sie nich , da sie o z O enhei au g und ih e Hochsensibili-
ä keine Wi kung spü . De Eins ieg in den Be u ges al e e sich ü Flu ina belas end. Ein
zugesiche e ixe A bei spla z wu de ih asch en zogen – ohne E klä ung muss e sie äg-
lich das Bü o wechseln. Auch eine s uk u ie e Eina bei ung, die e einba wo den wa , and
nich s a . Das Ve häl nis zu Vo gese z en emp and sie als schwie ig, die Belas ung nahm
s e ig zu. T o z un e s ü zende Kolleg:innen kündig e sie noch wäh end de P obezei und
liess sich k anksch eiben. Rückblickend hä e sie sich gewünsch , ih e Diagnose anspa en-
e zu machen und die zugesag en Rahmenbedingungen konsequen e einzu o de n.

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Susanna, 30 Jah e al , is ausgebilde e P ima leh e in und ha ih Teilzei s udium in Soziale
A bei im Feb ua 2025 abgeschlossen. Be ei s o dem Abschluss a bei e e sie mi einem
60%-Pensum im Sozialdiens , wo sie eine Übe las ung e leb e. Im Rahmen de psychologi-
schen Be a ung de Hochschule wu de eine ADHS-Diagnose e mu e und spä e achä z lich
bes ä ig . Ak uell be inde sie sich wede in The apie noch medikamen öse Behandlung,
schliess beides jedoch nich aus. Sei Janua 2025 is sie in einem 80%-Pensum im Asylsozi-
aldiens ä ig, zus ändig ü pe sönliche und wi scha liche Sozialhil e. Die Eina bei ung e leb e
sie als s uk u ie und un e s ü zend: Neben eine Bezugspe son („Go i“) s eh ih die Team-
lei ung egelmässig zu Ve ügung. Beide Angebo e bes ehen übe die Eina bei ung hinaus.
Die Diagnose ha sie gegenübe de Teamlei ung o engeleg und posi i es Feedback e hal en;
im Team nu selek i . Die O enhei gegenübe indi iduellen Bedü nissen emp inde sie insge-
sam als g oss. Belas end is ü sie das A bei en im G oss aumbü o. Dank lexiblen A bei s-
möglichkei en – e wa in Aussens ellen, im Homeo ice ode uhige en Räumen – konn e sie
sich passende Bedingungen scha en. Neben de Falla bei engagie sie sich eiwillig in A -
bei sg uppen, wobei sie Au gaben nach In e essen auswähl . Die hohe Eigen e an wo ung
e leb sie als Chance, abe auch als Risiko, da Fehle eils e s spä au allen.
Lena, 31 Jah e al , is ausgebilde e Sozialpädagogin und be inde sich im le z en Semes e
ih es S udiums de Sozialen A bei . Ih e ADHS-Diagnose e hiel sie 2024, ausgelös du ch
Schwie igkei en im P ak ikum und die Beobach ungen ih e Pa ne in. Eine ühe e Angs s ö-
ung und Dep ession b ing sie ückblickend mi dem lange une kann en ADHS in Ve bindung.
Ak uell is sie wede psychologisch noch medikamen ös in Behandlung. Sei Janua 2025 a -
bei e sie mi einem 70%-Pensum in de wi scha lichen Sozialhil e eines Asyl- und Flüch -
lingsdiens es. Die Eina bei ung e leb e sie als gu s uk u ie ; ih e Fallbelas ung en sp ich
de jenigen ih e Kolleg:innen. Die Diagnose ha sie im Team nich hema isie , da sie keine
besonde en Anpassungen benö ig und mi ih en S a egien gu zu ech komm . Obwohl sie
sich g undsä zlich wohl ühl , sieh Lena ih e be u liche Zukun nich in de Sozialhil e. Die
lang is ige Belas ung schä z sie als zu hoch ein und e miss k ea i e Ges al ungsmöglich-
kei en. Die Diagnose e s eh sie nich als De izi , sonde n als Pe spek i wechsel, de ih ge-
hol en ha , ih e Bedü nisse besse zu e kennen und passende S a egien zu en wickeln.
Alexande , 48 Jah e al , e hei a e und Va e zweie Schulkinde , be inde sich im le z en
Semes e seines Teilzei s udiums de Sozialen A bei . Die ADHS-Diagnose e hiel e 2022,
ange eg du ch eine P o esso in und mi dem Ziel, einen Nach eilsausgleich zu p ü en. Ak uell
is e in psychologische The apie; Medikamen e ha e zule z e neu ge es e , nimm abe
de zei keine. Sei Feb ua 2025 a bei e e in einem 60%-Pensum au einem poly alen en
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Sozialdiens , in den Be eichen Sozialhil e und Beis andscha en. Manda e üh e noch nich
eigen e an wo lich, äg abe dieselbe Fallbelas ung wie seine Kolleg:innen. Die Übe nahme
on Fällen eine ausscheidenden Fachpe son üh e zu einem hohen Eins iegspensum, das
e bis heu e als belas end emp inde . Gleichzei ig schä z e die inhal liche Viel al und den
abwechslungs eichen All ag. Alexande wa on Beginn an o en mi seine Diagnose. Im
Team, in dem auch ande e neu odi e gen e Pe sonen a bei en, ühl e sich gu au genom-
men. Die Eina bei ung besch eib e als hil eich; bei Beda e häl e wei e hin kollegiale Un-
e s ü zung. F ühe e be u liche E ah ungen hel en ihm, seine Impulsi i ä besse zu s eue n.
Als g öss e He aus o de ung emp inde e ak uell die Ve einba kei on Be u , S udium und
Familie. Soll e diese Belas ung länge is ig zu g oss we den, wü de e seine E we bs ä igkei
zuguns en de eigenen S abili ä eduzie en.
5.2. Diagnoses ellung
Die Auseinande se zung mi de ADHS-Diagnose e olg bei den be ag en Be u seins eige :in-
nen nich als linea e , sonde n als indi iduell ge ahm e P ozess. Die In e iewaussagen las-
sen sich d ei hema ischen Subka ego ien zuo dnen: dem Zei punk de Diagnoses ellung, de
O enlegung am A bei spla z sowie den Auswi kungen de Diagnose.
Zei punk
In allen ie In e iews zeig sich, dass die Auseinande se zung mi de ADHS-Diagnose e s
im bis mi le en E wachsenenal e ak i einse z – meis im Ve lau des S udiums ode zu Be-
ginn des Be u seins iegs. Obwohl Flu ina be ei s im Kleinkindal e diagnos izie wu de, wu de
ih die Diagnose e s in de Obe s u e du ch ih e El e n mi ge eil . Eine he apeu ische ode
pädagogische Beglei ung and jedoch nich s a ; sie be ich e , sich als Kind und Jugendliche
«selbe du chwu sch eln» zu müssen. Die ande en d ei In e iew en – Lena, Susanna und
Alexande – e hiel en ih e Diagnose e s wäh end des S udiums ode im di ek en Übe gang in
die P axis. In allen Fällen wa die Diagnose nich de Beginn de Auseinande se zung, sonde n
de en Konsequenz: Die Be o enen such en nach eine E klä ung ü anhal ende Übe o de-
ungse ah ungen, die sich mi bishe igen Bewäl igungss a egien nich meh ab angen lies-
sen.
In meh e en In e iews wi d deu lich, dass die Diagnose nich als plö zliche Einsich , sonde n
als biog a ische Re-Kon ex ualisie ung e leb wi d: Sie b ing E klä ungen, scha Beg i e ü
bishe di use Schwie igkei en – abe sie e ände das eigene Wesen nich . Lena o mulie
28
es so: „Die Diagnose ha mi ein ach wie so das Ge ühl gegeben, es gib einen G und, wa um
das so is “.
„Man ha mich... Ich habe keine Medikamen e bekommen. In de Pube ä ode in de Leh e
ha man mi das schon mal gesag ; "Weiss du, du has ADHS." Abe do dann habe ich mi
gesag ; "Hey nein, so y, ich habe keine ADHS." Flu ina
O enlegung am A bei spla z
De Umgang mi de Diagnose im A bei skon ex is ambi alen . Alle ie Be ag en se zen sich
in ensi dami auseinande , wann, wie und ob sie ih e Diagnose o enlegen wollen. Wäh end
Alexande die Diagnose be ei s zu Beginn seines Be u seins iegs kommunizie , um Miss e -
s ändnissen o zubeugen, is Flu ina nach eine nega i en Bewe bungse ah ung o sich ige
gewo den. Sie schilde eine Absage du ch eine soziale O ganisa ion, nachdem sie im Ge-
sp äch o en on ih e ADHS und ih em Wunsch nach länge e Eina bei ung gesp ochen ha e.
Sei he plädie sie ü einen si ua ionsabhängigen, s a egischen Umgang: „Nich meh nich
kommunizie en – abe mi dem ich igen Timing“.
Lena und Susanna sind zu ückhal ende . Beide haben ih e Diagnose nich ak i gegenübe
dem A bei gebe eingeb ach , sonde n besp echen sie nu e einzel im Kolleg:innenk eis. Fü
die A bei mi Klien :innen sehen sie keinen Anlass zu O enlegung – auch, weil die Diagnose
als pe sönlich und po enziell s igma isie end emp unden wi d. Gleichzei ig wi d spü ba , dass
diese Zu ückhal ung nich aus Scham ode Unsiche hei esul ie , sonde n aus eine bewuss-
en G enzziehung im p o essionellen Handeln.
„Und habe abe meine Diagnose nich kommunizie , habe auch den Beda nich gesehen.“
Flu ina
„Ve einzel (habe ich es mi ge eil ). Also ich habe je z keine Meldung du chgegeben pe E-
Mail abe ich glaube, mi denen, wo ich es wi klich gu habe, die wissen es.“ Susanna
Auswi kungen de Diagnose
Die Diagnose ma kie ü alle ie In e iew en eine en scheidende Wende im biog a ischen
Ve s ehen. Sie wi d jedoch e s dann zum Thema, wenn die all äglichen An o de ungen im
S udium ode Be u so komplex we den, dass bes ehende Selbs egula ionss a egien nich
meh aus eichen.
29
„Also, ich wü de ein ach nich meh wie s udie en und a bei en gleichzei ig. Weil das bei mei-
nen Fähigkei en, die ich mi b inge, hal wi klich schon eno m s eng wa . Ich habe mi nich
iel e sau , abe ich habe schon mega iel Zei und Ne en und ielleich auch ein S ück-
chen meine men alen Gesundhei au gegeben, dami ich das S udium e ig machen kann,
in ie einhalb Jah en.“ Susanna.
„Weil o he ha e ich eigen lich imme ein e olg eiches Leben. Ich ha e auch ein e olg ei-
ches be u liches Leben.“ Flu ina
In diese Phase dien die Diagnose nich nu de E klä ung, sonde n auch de Legi ima ion,
um Un e s ü zung einzu o de n – sei es du ch Nach eilsausgleich bei Alexande , du ch Be a-
ung bei allen ie In e iew en ode du ch be u liche Neuo ien ie ung bei Flu ina. Die ADHS
wi d dabei eilweise als De izi abe auch als Teil de eigenen Biog a ie, mi dem bewuss ,
s a egisch und zunehmend sou e än umgegangen wi d.
„Also, weiss du, ich habe nich meh Angs da o , ich e sage ja nich wegen dem. Ich
glaube, die S ä ke is meh zu e s ehen, dass du anhand on deine Fähigkei ein ach im
Momen gewisse Sachen nich egeln kanns .“ Alexande
5.3. Exeku i unk ionsbeein äch igungen
Alle ie In e iew en be ich en in mindes ens ie de sechs Exeku i unk ionen übe egel-
mässige Einsch änkungen e leben, die sich eils sub il, eils massi au die be u liche Hand-
lungssiche hei auswi ken. Dabei wi d deu lich, dass es sich nich um gene elle Leis ungs-
schwächen handel , sonde n um si ua i s a k schwankende Funk ions ähigkei en, die kon-
ex abhängig kompensie ode e s ä k we den können. Die olgenden Subka ego ien wu -
den induk i aus dem Ma e ial he ausgea bei e :
Subka ego ie Emo ion (-s egula ion)
D ei de ie Be ag en be ich en, dass sie in he aus o de nden Si ua ionen Schwie igkei en
haben, ih e emo ionale Reak ion zu kon ollie en. Alexande besch eib beispielsweise, wie e
in angespann en Momen en as „pla z “. E habe das Ge ühl das es bis o einigen Jah en ga
nich möglich gewesen wä e ü ihn au eine Behö de zu a bei en wo e mi seine kommuni-
ka i en A auch heu e imme wiede anecke. Auch bei Susanna zeig sich, dass emo ionale
Übe o de ung bis zu E schöp ung üh en kann – mi Auswi kungen au das Schla e hal en
und die be u liche Belas ba kei .
30
„Ode wa um es do plö zlich imme wiede so phasenweise zu eine o alen Übe o de ung
komm . Und als ich es gesag habe, wo ich schon eigen lich in T änen ausgeb ochen bin,
weil ich nich meh pennen konn e in de Nach .“ Susanna
Subka ego ie Ak i i ä
Zwei de ie Be ag en be ich en on Flüch igkei s ehle n au g und on Impulsi en Schluss-
olge ungen ode weil sie ih e A bei sgeschwindigkei nich egulie en konn en. Susanna und
Lena sp echen übe eine e höh e Menge an Flüch igkei s ehle n in B ie en und allgemeinen
Dokumen en ode E-Mails. Wäh end dies bei Susanna imme wiede dazu üh das sie Doku-
men e meh ach ko ie en und e neu ausd ucken muss, komm es bei Lena häu ige o , dass
sie e giss Mails abzuschicken nach dem Sch eiben.
„Weil es hal iele Flüch igkei s ehle sind, wo ich nachhe manchmal auch denke, so; "Hä,
das habe ich nich gesch ieben." Susanna
Wäh end nu Susanna und Lena on ielen Flüch igkei s ehle n in ih e A bei be ich en, haben
alle ie E ah ungen mi impulsi em Ve hal en im Kon ak mi A bei skolleg:innen gemach .
Flu ina und Alexande äusse n beide au g und nega i e E ah ungen in de Ve gangenhei
gele n zu haben sich im Aus ausch mi Mi a bei enden und Vo gese z en e meh zu kon ol-
lie en und ih e Reak ionen zu egulie en.
„Dass ich mi meinen Gedanken ziemlich schnell ein ach he auspla ze, ode . Und das
muss e ich abe le nen, o allem im S udium. Dass ich mich manchmal ein bisschen b em-
sen muss. Also, das komm manchmal ein ach nich gu an bei den Teammi gliede n.“ Flu ina
Alexande passie es abe auch heu e noch das e eine, aus seine Sich , in e essan e In o -
ma ion aus einem Fall mi Mi a bei enden eil ohne zu ealisie en das diese Pe son ge ade
selbs ges ess is ode schlich keine Ahnung ha wo on e sp ich und seinen E zählungen
nich olgen kann.
„Und ein ach nich mi de Haus ü einlau en, ode einpla zen. Sonde n hal ein ach wi klich,
ehe e was, was das angeh bin ich e was zu ückhal ende gewo den.“ Alexande
Ähnliche E ah ungen ha auch Susanna gemach :

31
„Ich glaube, he aus o de nd mach es, je nachdem, wenn man mi mi e was besp echen will.
Das ich dann eilweise öllig am Ding o beigehe. Ja, also so de An ang schon ech zielo i-
en ie , und dann kommen mi noch d ei ande e Sachen in den Sinn. Und dann ede ich
schlussendlich i gendwo. Du has eine halbe S unde in mi e b ach , und weiss wah -
scheinlich imme noch nich meh als o he .“ Susanna
Subka ego ie Ak i ie ung
Das An angen eine Au gabe wi d in de einen ode ande en Fo m on allen ie In e iew en
als eigen liche Hü de e leb . Dabei wu den insbesonde e Schwie igkei en beim Einschä zen
des Zei beda s und beim P io isie en e wähn . Flu ina schilde , dass sie „nich aus dem Qua k
komm “, wenn sie mi de Fall üh ung beginn , und besch eib ein di uses Ge ühl on Blo-
ckade. Auch Alexande be ich e on eine ausgep äg en P ok as ina ion bei Au gaben, die
nich kla s uk u ie ode emo ional unangenehm sind.
„Meh den Fokus se zen bei diesen o mellen Themen, wo ich auch p ok as inie e. Wo ich
imme geme k habe, das sind so nich deine Lieblingssachen, wi müssen Deadlines se -
zen.“ Lena
Alle ie In e iew en geben an, dass sie g osse Mühe haben, den Zei au wand ü Au gaben
ealis isch einzuschä zen. Flu ina schilde , dass sie ih e Ressou cen sys ema isch übe -
schä z und dadu ch in E schöp ung ge ä .
„Also an Ene gie. Die A bei ... Es is imme gegangen. Im P ak ikum. Be o ich Kinde ha e.
Mi den Kinde n. Mi P ak ikum. Abe meine e s e A bei ss elle do nach meinem S udium.
Da sind so iele Komponen en dazu gekommen. Wo ich nich meh habe managen können
mi mi selbe .“ Flu ina
„Ich bin ein Mensch, de oll im E lebnis is . Das heiss , ich habe kein Zei ge ühl. Und mein
Zei ge ühl bes imm mein Ou look. Also, ich habe seh iele Te mine, wo ich hal schaue au
das, also, ich wä e wie au geschmissen ohne das.“ Lena
Subka ego ie Fokus
Fü alle ie In e iew en is es eine g osse He aus o de ung ih en Fokus übe länge e Zei au
ein Thema zu ich en. Sie alle besch eiben häu ig meh e e Au gaben gleichzeig zu e ledigen
ode imme wiede zwischen e schiedenen Au gaben zu wechseln be o sie diese abschlies-
sen. Dadu ch haben auch alle ie be ei s die E ah ung gemach Au gaben zu e gessen ode
ga nich meh abzuschliessen.
32
„Also, wie soll ich das ande s e klä en? Eben dadu ch, dass das eigen lich so ein bisschen
sp ungha is im Kop . Ode wie, sag ich je z mal, zehn Tabs o en.“ Alexande
Susanna, Lena und Alexande heben das s e e Bean wo en on E-Mails übe den Tag e eil
als besonde s ablenkend he o . Sie besch eiben es als as unmöglich diese nich so o zu
bea bei en.
„Und dass ich wie Mails imme habe bea bei en müssen, sobald sie au geplopp sind, un en.
Also egal, was ich am Machen wa . Ich habe mich nich au eins nach dem ande en konzen -
ie en können, ich habe ein ach alles imme zusammen gemach .“ Susanna
Auch das e s ellen on Be ich en ode länge en Tex en is ü d ei de ie Be ag en an-
sp uchs oll. Lena, Flu ina und Susanna besch eiben es als wenig an egend, meiden sch i li-
che Au gaben ode nu zen KI als Hil smi el um Tex e zu e s ellen.
„Und ich muss auch so sagen, meine Sch i lichkei ... Ich habe Mühe mi Be ich e sch eiben.
Ich habe Mühe mi Sch i lichkei en. Ich kann meine P o okollein ägen machen, das is alles
gu und Rech . Abe Abschlussbe ich e zu sch eiben... Das is ü mich... Da b auche ich iel
zu iel Zei da ü . Abe wo in de sozialen A bei gib es das nich .“ Flu ina
Alle ie Pe sonen a bei en in seh un e schiedlichen Räumlichkei en in ih en A bei s elde n.
Alexande und Flu ina ha en on Beginn an Einzelbü os. Alexande sieh dies als g ossen
Vo eil da e Ruhe benö ig um konzen ie a bei en zu können. Flu ina wu de im Ve lau ih e
P obezei jedoch ein „Swissai “-T olley zu Ve ügung ges ell in welchem Sie alle Ih e A bei s-
un e lagen un e b ach e. Sie muss e bis zum Ende Ih e Ans ellung an jedem A bei s ag in
einem ande en Bü o des Sozialdiens es a bei en. De G und da ü wu de ih nich mi ge eil .
Susanna und Lena a bei en beide in einem G oss aumbü o. Beiden äll es schwe , bei Be-
sp echungen ode im G oss aumbü o okussie zu bleiben. Hin e g undge äusche, pa allele
Gesp äche ode isuelle Reize üh en asch zu Ablenkung.
Susanna se z geziel au Rückzugs äume ode akus ische Hil en, um ih e Konzen a ions ä-
higkei au ech zue hal en. Sie be ich e e eben alls, dass sie sich selbs bei wich igen Au ga-
ben häu ig un e b echen lasse. Eine besonde e He aus o de ung ü sie is es nich jede Un-
e hal ung in ih e Umgebung zu olgen. Sie besch eib das es ü sie ex em schwie ig is sich
in diesen Momen en zu egulie en. Es sei wie ein Zwang.
Flu ina und Lena schä zen abe auch die g osse b ei e an Themen in ih en A bei sbe eichen.
33
„Das P oblem is eben das ich mich ü seh , seh ieles in e essie e. Da um weiss ich auch
nich , was ich machen will. Das is auch die nächs e Challenge. Ich in e essie e mich ü al-
les. Und die soziale A bei is ja eigen lich ein ge undenes F essen, man kann sich eigen lich
übe all be ä igen. Ich meine, da has du ja schon alles.“ Flu ina
„Und ich bin hal hype okussed, wenn ich e was mega in e essan inde. Und z.B. je z im
Asylbe eich, wenn ich gewisse Sachen in e essan and, habe ich mich eine S unde lang in
Gese ze e lo en.“ Lena
Subka ego ie Gedäch nis
Das Hal en und Bea bei en meh e e In o ma ionen gleichzei ig wi d nu on Lena und
Susanna als g osse He aus o de ung besch ieben. Um dem zu begegnen, g ei en sie au No-
izen, isuelle Anke ode s uk u ie e Kalende üh ung zu ück. Lena muss sich kla e Te mine
se zen und sich selbs kon ollie en, um siche zugehen das Au gaben wie das Einscannen on
Dokumen en, die Fall üh ung ode das Au bie en es Dolme sche s ü einen Te min a sächlich
e ledig we den.
„Ich muss mich ün mal wiede zu ücknehmen und i gendwie ün mal Sachen au sch eiben,
dass ich auch da an denke und die ande en müssen das ein ach nich . Und ielleich muss
man auch ein, zwei Mal noch nach agen, wenn mal i gendjemand ag , beim D ucke ; "Hey,
kanns du mi das noch?" Und ich sage, "ja oll". Da kanns du da au gehen, dass ich, wenn
es ü mich nich so wich ig is , wenn ich es nich b auche, dass ich das an meinem Pul
schon wiede e gessen habe.“ Susanna
Subka ego ie Leis ung
Alle ie Pe sonen be ich e en da on, dass sie gegen Ende des Tages ode in langen Besp e-
chungen Mühe hä en, die Leis ungs ähigkei kons an au ech zue hal en. Eine Pe son e -
wähn e, dass sie P ojek e o mi g ossem Elan beginne, abe Mühe habe, diese in einem
kon inuie lichen Tempo e igzus ellen. Eben alls wu de hema isie , dass sich Schla p obleme
nega i au die Tages o m und die kogni i e Leis ungs ähigkei auswi k en.
„Und es gib ein ach Tage, wo ich zum Beispiel am Mo gen ein ach mega müde bin. Ode ich
mag ga nich so iel mich konzen ie en. So dass ich dann, wie so das Ge ühl habe, ich bin
je z ein ach online und e suche, mein Bes es zu geben.“ Lena
34
Dabei be ich en Lena, Susanna und Flu ina o einem g ossen ene ge ischen Au wand um
dieselbe Leis ung zu e b ingen wie ih e Kolleg:innen. In ih em be u lichen Um eld haben sie
den Eind uck meh Ene gie und Au wand au b ingen zu müssen um dieselben Au gaben zu
e ledigen, sind sich abe siche nich allgemein meh A bei zu haben als diese.
„Ich habe dann on 5 Uh bis 7 Uh am Abend, mi dann noch Zei ü den ganzen Adminis -
a i en Seich. Und ich bin dann noch nich e ig gewesen, zwei S unden spä e . Ich bin dann
e s um 8 Uh zuhause gewesen, dann nachhe . Dann habe ich dann nich abschal en kön-
nen. Und nachhe dann am ande en Tag, bin ich ühe ins Bü o, um den ganzen Adminis a-
i en eil, den ich im Vo ag nich meh machen konn e, nochmal au zua bei en.“ Flu ina
5.4. He aus o de ungen im Be u seins ieg und im A bei s eld
Die Analyse de In e iews zeig , dass Be u seins eige :innen mi eine ADHS-Diagnose beim
Übe gang in die Be u sp axis au eine Vielzahl un e schiedliche He aus o de ungen e en,
die sowohl s uk u ell-o ganisa o ische als auch indi iduelle Na u sind.
Alle ie In e iew en haben ih e e s e Ans ellung als Soziala bei ende -zumindes zum Teil- in
de wi scha lichen Sozialhil e. Susanna und Lena im A bei s eld de Mig a ion, Flu ina in ei-
nem ländlichen Sozialdiens und Alexande in einem s äd ischen Sozialdiens , wobei e bei
seinem A bei spensum noch häl ig im Kindesschu z ä ig is .
Lena und Alexande haben be ei s ih e Ausbildungsp ak ikas in de Sozialhil e absol ie .
Beide äusse n das dies ihnen den Eins ieg in das A bei s eld seh e leich e ha . Dem gegen-
übe wa das A bei s eld ü Susanna und Flu ina Neuland. Beide besch eiben als g öss e
He aus o de ung das ehlende Fachwissen.
„Ich glaube, die He aus o de ungen wa en; Es is Neuland. Es is eine neue Ma e ie inne -
halb de sozialen A bei , wo du genau mal zwei S unden gehab has (im Un e ich ). Wo ein
Dozen di e klä ha , was Sozialhil e is , was G undbeda is , was si ua i beding e Leis un-
gen sind. Wo e ein ach mal das G undkonzep gesag ha , ja. Das wa en zwei Vo lesungs-
s unden gewesen ü die Sozialhil e.“ Flu ina
Meh e e Be ag e besch eiben ih e A bei s eali ä als on hohe Ve dich ung, unkla en Abläu-
en und ungenügende Eina bei ung gep äg . So be ich e Alexande , dass e „ on 0 au 200“
in die P axis einges iegen sei und sich nach wie o „im Nacha bei en“ be inde, ohne das Ge-
ühl zu haben, „angekommen zu sein“. Die ge inge ins i u ionelle Un e s ü zung bei de
41
„Meine Vo gese z en o allem. Als ich mich gemelde habe, ha sie mi einige Fälle wegge-
nommen. Also weggenommen; Ich du e abgeben. Und sie ha gesag , ich dü e jede Wo-
che mi ih ein Gesp äch haben. Je eine S unde ode eine halbe S unde. Sie ha mi dann i -
gendwann auch einen Gö i gegeben. Das ha mi schon auch seh iel gehol en. BILAS mi
den Vo gese z en und dem Gö i. Alle zwei Wochen.“ Susanna
Wäh end alle ie eine Eina bei ung ha en, wu de diese in de P axis seh un e schiedlich
umgese z . Susanna und Alexande ühl en sich ins „kal e Wasse “ gewo en, da sie beide
Po olios on geschiedenen Mi a bei enden übe nehmen muss en. Alle ie Be ag en be-
sch eiben das sie zwa in e n eine Pe son zu Sei e ges ell bekamen mi denen sie egelmäs-
sig F agen besp echen konn en. In de P axis wa die Umse zung ü alle ie abe schwie ig
da F agen und Un e s ü zungsbeda häu ig spon an au auch en und es nich imme möglich
wa mi de Bean wo ung bis zum nächs en Gesp äch zu wa en. Alexande , Susanna und
Lena schä zen die O enhei im Team. Sie sp echen on eine Teamkul u in de es imme
möglich is Mi a bei ende anzusp echen um Anliegen zu besp echen. Auch äusse n sie alle
das ein g osses Ve s ändnis ü die Phase des Be u seins iegs bes eh . Diese Ve s ändnis
besch eib Flu ina bei ih em Be u seins ieg als ehlend. Teamkul u sein eine Füh ungsau -
gabe, und diese habe au dem Sozialdiens nich wah genommen wo den.
„Auch wenn ich wü end, au ig ode wie auch imme bin. Wenn alles zu iel is , dann muss
das aus. Und das ha schon auch gehol en, dass man die Ansp echspe son gehab ha .
Abe sie haben dich dann nich e hä schel , sonde n du has ein ach schnell bei ihnen wei-
nen können und dann is es wiede gu gewesen.“ Susanna
Nu Susanna konn e übe s uk u elle Un e s ü zungsmöglichkei en ausse halb de Eina bei-
ung be ich en. Sie wisse on Wei e bildungen zu S essbewäl igung ode de Möglichkei sich
bei Schwie igkei en an den Pe sonalausschuss zu wenden.
Susanna und Lena sp echen ausse dem on seh lexiblen A bei sbedingungen. Beide a bei-
en in Ve auensa bei szei und müssen ih e S unden nich au sch eiben. Lena be ich e zwa
on eine Anwesenhei sp lich zu den Bü oö nungszei en. Sie kann abe die Häl e ih e A -
bei szei im Homeo ice e b ingen und diese so umgehen.
„Und on meine Vo gese z en inde ich, gib es mega Un e s ü zung ü Fehle . Auch wenn
sie sich wah scheinlich schon nich so eu . Also so F eude ha sie ja. Ha ja niemand. Abe
sie s eh wie hin e einem, glaube ich. Und je z , abgesehen abe on de ADHS-Diagnose,

42
ich glaube, das mach sie bei allen. Und da um gehe ich auch, wenn ich Fehle gemach
habe, zu ih .“ Susanna
Dabei wi d abe auch eine ehlende S anda disie ung diese Un e s ü zungsangebo e sich ba :
Was bei de einen Pe son selbs e s ändlich zu Ve ügung s eh : Coaching, Gö i-Sys em bei
Susanna und Alexande , lexible A bei szei modelle bei Susanna und Lena, ehl bei Flu ina
gänzlich ode wi d nu au Nach age gewäh .
„Und sie (die Teamlei ung) ha gesag , ich dü e jede Woche mi ih ein Gesp äch haben. Je
eine S unde ode eine halbe S unde. Sie ha mi dann i gendwann auch einen Gö i gege-
ben. Das ha mi schon auch seh iel gehol en.“ Susanna
Im S udium wiede um be ich en insbesonde e Susanna und Alexande on de Inansp uch-
nahme hochschulische Angebo e wie psychologische Be a ung ode Coaching. Diese Ange-
bo e wu den jedoch nich on Beginn weg genu z , sonde n e s dann, als Übe o de ung be-
ei s deu lich spü ba wa . Rückblickend wi d eine ühe e Ak i ie ung diese Hil en als hil eich
einges u . Gleichzei ig schilde n die Be ag en den sozialen Rückhal im S udium – e wa du ch
F eund:innen, Kolleg:innen ode die P axisbeglei ung – als agenden Fak o , um die Doppel-
belas ung on S udium und Be u zu bewäl igen.
„Die psychologische Be a ung. Man ha ja 5 Psychologische Be a ungs e mine zu gu . Und
dann habe ich gedach ; Ja, nü z es nich s, so schade es auch nich s.“ Susanna
5.7. Wünsche und Beda e
Die be ag en Be u seins eige :innen mi ADHS o mulie en eine Vielzahl konk e e Wünsche
und Ve besse ungs o schläge – sowohl mi Blick au die s uk u elle Ges al ung des Be u s-
elds als auch au indi iduelle Un e s ü zungsbeda e. Um die un e schiedlichen inhal lichen
Schwe punk e kla e he auszua bei en, e olg die Diskussion in zwei Subka ego ien: (1) Wün-
sche und Beda e zum Be u seins ieg sowie (2) Wünsche und Beda e im Umgang mi ADHS.
Subka ego ie 1: Wünsche und Beda e zum Be u seins ieg
Die be ag en Be u seins eige :innen mi ADHS o mulie en eine Vielzahl konk e e Wünsche
und Ve besse ungs o schläge – sowohl mi Blick au die s uk u elle Ges al ung des Be u s-
elds als auch au indi iduelle Un e s ü zungsbeda e. Diese Äusse ungen sind häu ig ückbli-
ckend o mulie und spiegeln die Disk epanz zwischen bes ehenden An o de ungen und a -
43
sächlichen Ressou cen wide . Dabei lassen sich ie zen ale Themenbe eiche iden i izie en:
s uk u elle Rahmenbedingungen, indi iduelle A bei sges al ung, sensibilisie e Beglei ung im
Be u seins ieg sowie gesellscha liche und ins i u ionelle Ane kennung neu odi e se Pe spek-
i en.
Flu ina k i isie en die wei e b ei e e P axis, S ellen in de Sozialen A bei ausschliesslich in
hohen Pensen auszusch eiben. Ge ade ü Pe sonen mi ADHS sei eine Teilzei s uk u ie ung
zen al, um Übe las ung zu e meiden und unk ional a bei en zu können. Flu ina b ing es au
den Punk : „Ich kann nich hochp ozen ig a bei en“ – und o de eine lexible e Pensumsge-
s al ung, um auch neu odi e gen e Fachpe sonen im A bei sma k zu hal en.
„Abe ich denke mi so, hey, wieso? Ih b auch die Soziala bei e je länge je meh . Wi ha-
ben ganz iele soziale P obleme, die noch au uns zukommen. Wieso sch eiben wi die nu
in Hochp ozen ig aus? Und ich kann nich Hochp ozen ig a bei en.“ Flu ina
Eng dami e bunden is de Wunsch nach eine indi iduell abges imm en A bei s eldwahl.
Flu ina und Lena sp echen sich da ü aus, be ei s im S udium besse übe passende Einsa z-
gebie e ü Menschen mi ADHS in o mie zu we den – e wa du ch geziel e Be a ungsangebo-
e ode ein ühzei iges Ma ching on S ä ken und Tä igkei sp o ilen. Die F age, was möglich
und was he aus o de nd is , solle nich dem Zu all ode de Selbs e ah ung übe lassen we -
den, sonde n in eine s uk u ie en Beglei ung e lek ie we den. So be on Flu ina: „Geh in
die niede schwellige Be a ung, mach das ode das… ode mach dich selbs s ändig“.
Zudem wünschen sich Lena, Flu ina und Susanna meh niede schwellige Möglichkei en die
A bei und ih en A bei spla z zu o ganisie en. Fü Flu ina is ein ixe A bei spla z besonde s
wich ig um den äglichen o ganisa o ischen Au wand zu eduzie en de aus ih e Sich ü Pe -
sonen mi ADHS ohnehin schon ansp uchs oll is . Susanna hä e sich gewünsch on eine
Pe son in die A bei einge üh wo den zu sein welche besonde s s uk u ie und o ganisie
is . Als Be u seins eige :in schaue man ja seh iele Handlungsweisen on de ein üh enden
Pe son ab. Und ge ade ü Pe sonen mi ADHS sei es besonde s wich ig ih e A bei zu s uk u-
ie en.
Subka ego ie 2: Wünsche und Beda e im Umgang mi ADHS
„Und dass Pe sonen un e s ü z we den, sich Tools anzueignen, die sie en las en in allen Fä-
higkei en wo sie eben du ch das ADHS meh Au wand be eiben müssen, um das zu scha -
en. Ode wenn es zu iele Reize sind, dass man sich zu ückziehen kann. Und dass es nich
i -gendwie komisch is , sonde n dass man einen Raum zu Ve ügung s ell , de ausges a e
44
is , mi Bildschi men und Tü en. Dami man sich hal wie so hal isolie en kann. Ode hal
meh Möglichkei en ha , zum Homeo ice machen. Du ch die Diagnose, ielleich einen Tag
meh dü en ins Homeo ice wechseln um sich abschi men zu können, on diesen übe mäs-
sigen Reizen.“ Lena
„Abe du has in so einem Fäche an Möglichkei en, wo du in de sozialen A bei übe all ä ig
sein kanns . Abe als ADHS-be o ene Mensch muss du akzep ie en, dass nu e schie-
dene [00:40:07] A bei s elde möglich sind, um nachhe auszuüben mi diese E k ankung,
die du has . (.) Und da inde ich es ganz, ganz wich ig, dass auch im Be eich Be u sbe a ung
die jun-gen Leu e... ielleich auch in eine sozialen A bei ... wäh end des S udiums gesag
bekom-men: "Hey, was is übe haup möglich?" Also zum Beispiel als s udie ende Soziala -
bei e dass man eine Anlau s elle ha ( ü die F age) welche A bei s elde könn en wi klich
gu aus-komms und welche -mi deinen Rucksäckchen- ehe nich .“ Flu ina
Auch de Übe gang in die Be u sp axis wi d als k i ische Momen besch ieben, in dem eine
engmaschige, s uk u ie e Beglei ung hil eich gewesen wä e. Alexande und Lena wünschen
sich wöchen liche Coachinggesp äche in den e s en Mona en, um Unsiche hei en ühzei ig
au angen zu können. Susanna schläg ein Tandem-Modell o , bei dem Be u seins eige :in-
nen geziel mi s uk u ie en Fachpe sonen zusammena bei en, um Rou inen und A bei swei-
sen übe nehmen zu können. De Wunsch nach meh Kon olle und kla en Rückmeldeschlei en
is dabei aus ih e Sich kein Zeichen mangelnde Selbs s ändigkei , sonde n Ausd uck eines
Be-dü nisses nach O ien ie ung in einem komplexen Sys em.
„Also weiss du, auch wenn ich das Coaching habe, was ja gu is , abe ich wü de mi eigen -
lich so wie wünschen, äh, in ensi e in den e s en Mona en, und zwa wöchen lich, wie, je-
den Tag, eine S unde, so ein Coaching zu haben.“ Alexande
Da übe hinaus äusse n die Be ag en ein s a kes Bedü nis nach o enem, akzep ie endem
Umgang mi neu odi e sen Pe spek i en – sowohl im Team als auch au Füh ungsebene. Ale-
xande und Susanna besch eiben es als us ie end, wenn ADHS als Modee scheinung abge-
an we de ode Be o ene sich selbs legi imie en müss en. S a dessen wünschen sie sich,
dass ih e Sich weisen und A bei sweisen als Ressou ce e s anden und s uk u ell eingebun-
den we den – e wa bei de Ideenen wicklung im Team, beim Homeo ice ode bei de Ein ich-
ung eiz eduzie e A bei splä ze. Lena o mulie dies als Plädoye ü einen ene ge isch o e-
ne en Umgang im Team: „Dass man sagen kann: 'Ich habe keine Ene gie heu e, ich mache
ein bisschen kü ze ' – und das is okay“.
45
„Ich wünsche mi ein ach ü alle, die diese Diagnose haben, dass sie am A bei spla z mega
o en dami umgehen dü en. Und dass es nich als Schwäche gesehen wi d. Ich glaube, ü
die Pe son selbe is es schon ela i ans engend. Abe dass auch schon wah genommen
wi d und dass es nich ein ach so un e gespiel wi d. So, ja komm, das haben eh alle. So, es
we den eh alle diagnos izie mi dem. So is eine Volksk ankhei . Ja, mag ielleich sein.
Abe es is ü die Einzelpe sonen ielleich mega schwie ig. Und dass dem so ein bisschen
meh Ve s ändnis gegenübe geb ach wi d.“ Susanna
Schliesslich wi d auch die No wendigkei be on , Füh ungspe sonen ü neu odi e se Beda e
zu sensibilisie en. Lena wünsch sich das Vo gese z e be o ene Pe sonen selbs agen was
sie benö igen und nich pauschalisie en. Regelmässige Schulungen, s uk u elle Re lexions-
äume und p oak i e Au me ksamkei gegenübe s illen Übe o de ungsanzeichen we den o -
geschlagen. Susanna b ing es abschliessend au den Punk : „Es sind ja meis ens die lau en,
die lus igen im Team – abe iel ach sieh es ielleich ja nich imme so aus“.
„Wi haben bis je z , ode bis noch o 10, 15 Jah en, zu wenig da übe gewuss . Und ich
inde, es gib iele Leu e, die das haben. Die eigen lich schwächen, die auch ande e s ä ken.
Ich inde abe wich ig, dass wi die Leu e e ns nehmen, o allem in de Leis ungsgesell-
scha , wie wi haben is das eno m wich ig. Sons haben wi ein ach P oblema iken an allen
Ecken schlussendlich.“ Alexande
6. Diskussion de E gebnisse
6.1 Diagnoses ellung
Im heo e ischen Teil de A bei wi d die Diagnos ik on ADHS ( gl. Kapi el 3.1) als ielschich-
ige P ozess besch ieben, de sich übe e schiedene In o ma ionsquellen und Lebensbe ei-
che e s eck . Zugleich wi d au gezeig , dass ADHS-Diagnosen häu ig e s dann ges ell we -
den, wenn bes ehende Bewäl igungss a egien im All ag ode im Be u nich meh aus eichen
und subjek i e Belas ungssymp ome in den Vo de g und e en. Diese Besch eibung inde in
den In e iewaussagen deu liche En sp echung: In keinem de ie Fälle s ell e die Diagnose
den Ausgangspunk da – ielmeh wa sie jeweils Reak ion au eine be ei s eskalie ende
Übe o de ung. Obwohl bei Flu ina o mal be ei s im Kindesal e eine Diagnose o lag, wu de
diese e s spä hema isie . Bei allen ande en In e iew en – Susanna, Lena und Alexande –
wa die Diagnoses ellung eng e knüp mi be u liche ode akademische Übe las ung. E s
46
im Momen de Übe o de ung ück e die F age nach eine ie e liegenden U sache in den
Fokus. Diese Dynamik un e s eich die in de Theo ie besch iebene Rolle de Diagnose als
biog a ische Wendepunk und Rein e p e a ionsmomen .
Theo e isch wi d zudem be on , dass die Diagnose eine ADHS nich allein im de izi o ien ie -
en Sinne zu e s ehen sei, sonde n auch eine Ressou ce da s ellen kann – nämlich inso e n,
als sie bishe di use Schwie igkei en benennba und dami bea bei ba mach . Genau dieses
Po enzial zeigen auch die In e iewaussagen: Die Diagnose wi d on allen ie Pe sonen nich
als E ike , sonde n als eine Rekon ex ualisie ung des eigenen E lebens besch ieben – sie gib
einen Beg i , mach Di e enzie ungen möglich und scha Legi imi ä , um Un e s ü zung ein-
zu o de n. Dabei wi d ADHS o allem on Lena nich nu als De izi wah genommen, sonde n
als ein E klä ungs ahmen ü eigene Funk ionsweisen, de sowohl En las ung als auch neue
Handlungs ähigkei e möglich .
Zugleich e weisen die In e iews au eine Lee s elle, die in de Li e a u bishe nu am Rande
hema isie wi d: Die Diagnose e olg häu ig zu spä , um p ä en i wi ksam zu sein – sie g ei
e s , wenn Belas ung be ei s o handen is . Diese sys ema ische Ve zöge ung e weis nich
nu au s uk u elle Lücken im Übe gangssys em zwischen Hochschule und Be u , sonde n
auch au eine gesellscha lich noch unzu eichende Sensibilisie ung ü neu odi e se En wick-
lungen im E wachsenenal e .
Vo dem Hin e g und de in Kapi el 2.1.3 disku ie en Di e si ä sdimensionen wi d deu lich,
dass neu odi e gen e Funk ionsweisen – o z wachsende Sich ba kei – wei e hin un e dem
Rada p o essionelle Wah nehmung bleiben. Ka agiannakis besch eib die Dimension de
psychischen und kogni i en Di e si ä als besonde s sensibel, weil sie ie e anke e kul u elle
Deu ungsmus e und unk ionale E wa ungen wiede spiegel . Ge ade im p o essionellen Kon-
ex soziale Ins i u ionen, die au S abili ä , Ve lässlichkei und Selbs s eue ung ausge ich e
sind, s ellen Abweichungen on diesen No men eine doppel e He aus o de ung da : Sie sind
eine sei s schwe sich ba , ande e sei s mi hohe Anpassungslas e bunden – ü die Be-
o enen ebenso wie ü das Sys em. Die Ta sache, dass un e den be ag en Pe sonen nu
Lena und Alexande im Rahmen ih e Ausbildung ode be u lichen Ein üh ung sys ema isch
au ADHS angesp ochen ode da au hin beglei e wu de, läss au ein ehlendes Di e si ä s-
bewuss sein in Bezug au neu okogni i e Un e schiede ode abe eine mögliche Unsiche hei
schliessen die abe nich im Indi iduum, sonde n im ins i u ionellen Se ing angegangen we -
den muss.

47
Schliesslich zeig sich, dass die kommunika i e Handhabung de Diagnose im A bei sum eld
ein ambi alen es Spannungs eld da s ell . Wäh end Alexande o en mi de Diagnose umgeh ,
se zen ande e wie Susanna ode Lena geziel au selek i e O enlegung – auch, um sich o
S igma isie ung ode Fehlin e p e a ionen zu schü zen. Diese S a egien decken sich mi he-
o e ischen E kenn nissen zu E ike ie ungsp oblema ik bei „unsich ba en“ Beein äch igungen
und zeigen: Die Diagnose allein scha noch keine Ane kennung – sie muss sozial „ e han-
delba “ gemach we den, um in de O ganisa ion p oduk i wi ksam zu we den. Im Falle diese
d ei Be ag en wu de die T anspa enz in ih em E leben posi i au genommen. Ob dies au eine
Meh hei on Pe sonen mi eine ADHS Diagnose in de Schweiz eben alls anwendba wä e,
bleib hie o en. Flu ina schliesslich ha sich bedach da ü en schieden ih e Diagnose nich
o enzulegen. G undsä zlich bes eh im Be u s eld de Sozialen A bei auch keine Ve p lich ung
dazu.
6.2 Exeku i unk ionsbeein äch igungen
Im heo e ischen Teil de A bei wu de ADHS als neu obiologische En wicklungss ö ung e -
s anden, die o allem mi eine Beein äch igung exeku i e Funk ionen einhe geh ( gl. Ka-
pi el 3.1). Dabei be e en die zen alen Funk ionsbeein äch igungen die sechs Be eiche: Ak-
i ie ung, Fokus, Leis ung, Emo ions egula ion, Gedäch nis und Ak i i ä . Diese Theo ie
konn e du ch die Aussagen de in e iew en Be u seins eige :innen in wesen lichen Punk en
bes ä ig we den.
So zeig sich empi isch eine deu liche Kong uenz zwischen den heo e isch besch iebenen
Symp ombe eichen und den im Be u sall ag e leb en Beein äch igungen. Alle ie Be ag en
be ich en on Schwie igkei en in mindes ens ie de sechs exeku i en Funk ionsbe eiche –
insbesonde e bei de Ini iie ung on Au gaben (Ak i ie ung), de Fokussie ung übe länge e
Zei äume hinweg, de emo ionalen Selbs egula ion sowie de Au ech e hal ung eine kon-
s an en Leis ungs ähigkei . Auch die besch iebenen P obleme im Umgang mi Reizen, das
Bedü nis nach Rückzugsmöglichkei en und das E leben on inne e Un uhe bes ä igen die
heo e isch he o gehobene Kon ex abhängigkei de ADHS-Symp oma ik.
Au ällig is zudem, dass die in e iew en Pe sonen ih e Schwie igkei en nich als daue ha e
Un ähigkei , sonde n als kon ex abhängige E schwe nisse schilde n – ein Aspek , den B own
(2018) als zen ales Me kmal on ADHS he o heb . So gelingen Au gaben häu ig dann gu ,
wenn ein hohes pe sönliches In e esse ode eine s a ke emo ionale Rele anz o lieg , wäh-
end sie in s uk u ell unkla en ode eizin ensi en Si ua ionen wie bei Lena und Susanna be-
sch ieben als kaum bewäl igba e leb we den. Diese Spannb ei e zwischen Hype okus und
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Übe o de ung s ell im p o essionellen All ag eine besonde e He aus o de ung da , da sie ein
hohes Mass an Selbs s eue ung und Umwel anpassung e o de .
Ein wei e e zen ale Be und, de mi de Li e a u übe eins imm , is die hohe in e indi iduelle
Va ianz de Symp ome: Wäh end e wa Alexande o angig mi Impulsi i ä und emo ionale
Reak i i ä zu kämp en ha , s ehen bei Susanna und Lena P ok as ina ion, Flüch igkei s ehle
und Übe o de ung du ch gleichzei ige An o de ungen im Vo de g und. Diese Di e enzie un-
gen e deu lichen, dass ADHS im E wachsenenal e kein homogenes S ö ungsbild da s ell ,
sonde n ein Spek um indi iduelle Funk ionsweisen, die spezi ische Anpassungen im Be u s-
all ag no wendig machen.
Die In e iews lie e n da übe hinaus Hinweise au eine seh un e schiedliche Wah nehmung
de eigenen Leis ungs ähigkei : Susanna, Flu ina und Lena besch eiben, dass sie ü dieselbe
Au gabe meh Ene gie au b ingen müssen als Kolleg:innen – ein Phänomen, das in de Li e-
a u mi dem Beg i de „ unk ionalen E schöp ung“ umsch ieben wi d (Neuhaus, 2023). In
de p ak ischen Umse zung üh dies häu ig zu S a egien de Selbs s uk u ie ung, die jedoch
sel en ins i u ionell ges ü z sind, wie un e ande em eine ehlende s uk u ell implemen ie e
Eina bei ung in den A bei s elde n ( gl. Kapi el 2.2.) besch ieben wi d. Diese indi iduelle Kom-
pensa ionsleis ung wi d on den Be o enen selbs geleis e , bi g abe lang is ig das Risiko
ch onische Übe las ung. Dieses Risiko kann selbs e s ändlich auch bei Be u seins eige :in-
nen ohne ADHS bes ehen, wi d abe bei Pe sonen mi ADHS au g und de oben besch iebe-
nen Fak o en e höh .
6.3.He aus o de ungen im Be u seins ieg und im A bei s eld
Die In e iews machen deu lich, dass Be u seins eige :innen mi ADHS im A bei skon ex mi
spezi ischen He aus o de ungen kon on ie sind, die sich nich nu aus den Symp omen de
S ö ung selbs e geben, sonde n o allem im Zusammenspiel mi den s uk u ellen und sozi-
alen E wa ungen des A bei s elds en s ehen. Dabei we den d ei zen ale Spannungs elde
sich ba : die An o de ungen an exeku i e Funk ionen, die mangelnde Flexibili ä ins i u ionelle
S uk u en und die ehlende Sensibili ä gegenübe neu odi e sen A bei sweisen.
Die heo e ischen Aus üh ungen on B own (2018) machen deu lich, dass insbesonde e die
exeku i en Funk ionen – also jene Fähigkei en, die ü Planung, O ganisa ion, Impulskon olle
und Handlungsübe wachung zus ändig sind – bei E wachsenen mi ADHS beein äch ig sein
können. Diese Beein äch igungen e en nich kons an , sonde n häu ig si ua ions- und kon-
ex abhängig au , insbesonde e un e Belas ung ode bei o enen, uns uk u ie en
49
Au gaben o ma en. Die Aussagen de In e iew en bes ä igen diese Dynamik eind ücklich: Alle
ie schilde n Schwie igkei en im Zei managemen , in de P io isie ung on Au gaben ode de
Fe igs ellung on P ojek en. Susanna e wa besch eib , wie sie Au gaben o bis zu le z en
Minu e au schieb , wäh end Lena be on , dass sie sich selbs s ik e Deadlines se zen müsse,
um ins Tun zu kommen. Auch das Ge ühl, im Chaos den Übe blick zu e lie en ode spon ane
An o de ungen nich ech zei ig eino dnen zu können, zieh sich du ch alle In e iews. Diese
He aus o de ungen sind nich Ausd uck ehlende Kompe enzen, sonde n spiegeln – wie
B own besch eib – die G enzen klassische Selbs s eue ung un e hohe Reizdich e und
wechselnden An o de ungen.
E gänzend zeigen die Kapi el 2.1.2. und 2.2., dass de Be u seins ieg in de Sozialen A bei
mi spezi ischen s uk u ellen Belas ungen einhe geh : Hohe Fall e an wo ung, wechselnde
Klien enkon ex e, adminis a i e An o de ungen und ein o mals p ekä e Umgang mi Eina -
bei ungszei sind keine Ausnahme, sonde n iel ach No mali ä . Genau an diese Schni s elle
wi d in den In e iews ein zen ales P oblem sich ba : Die Komplexi ä de An o de ungen i
au eine mangelnde ins i u ionelle En las ung. Alexande schilde , dass e unmi elba nach
S ellenan i das Dossie eine ausgeschiedenen Fachpe son übe nehmen muss e – ohne
aus eichende Ein üh ung. Auch Flu ina be ich e on einem A bei sum eld, das ih wede Zei
ü O ien ie ung noch Ve s ändnis ü ih en unk ionalen Rhy hmus bo . Die E ah ung, „ins
kal e Wasse gewo en“ zu we den, wi d dabei nich nu als Übe o de ung emp unden, son-
de n auch als s uk u elle Igno anz gegenübe un e schiedlichen Eins iegs o ausse zungen.
Dabei wi d zwa kla au gezeig , dass diese Belas ungen keine Einzel älle im Be u s eld de
Sozialen A bei da s ellen, abe auch hie bedeu e die ehlende S uk u ü Pe sonen mi
ADHS wei e e He aus o de ungen.
Im Lich de Di e si ä spe spek i e nach Ka agiannakis (2024) – wie sie in Kapi el 2.1.3 disku-
ie wi d – wi d zusä zlich deu lich, dass neu okogni i e Di e si ä im sozialen Be u s eld noch
wenig ane kann is . Zwa be onen alle In e iew en, dass sie g undsä zlich au O enhei im
Team s ossen – gleichzei ig schilde n sie abe auch, dass ih e spezi ischen Bedü nisse häu ig
indi idualisie ode psychologisie we den. Die Diagnose ADHS wi d – so Flu ina – en wede
igno ie ode als S ö ung be ach e , die du ch Selbs disziplin zu kompensie en sei. Dami
bleib de o ganisa ionale Umgang mi neu odi e gen en Fachpe sonen häu ig au symboli-
sche Ebene s ehen: Es gib Ve s ändnis im Gesp äch – abe wenig konk e e Anpassungen
im All ag. Und wenn, muss sie on den Be o enen ak i einge o de we den. Als posi i e
Aspek kann hie abe auch das Coaching ode „Go i“ genann we den. Zwa haben dieses
„nu “ Lena, Susanna und Alexande e hal en, und Susanna und Alexande auch nu au di ek-
en Wunsch hin. Es kann abe als Zeichen de O enhei gegenübe neu odi e sen
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Bedü nissen gedeu e we den das dies ohne Rück agen ode geäusse e E wa ungen um-
gese z wu de.
Die In e iews zeigen dami : Die He aus o de ungen im Be u seins ieg und im A bei s eld sind
nich allein in de ADHS zu e o en, sonde n en s ehen in de Wechselwi kung zwischen in-
di iduellen Funk ionsweisen und nich angepass en s uk u ellen E wa ungen. Was ehl , sind
ins i u ionalisie e Fo men de Un e s ü zung, die nich e s im K isen all ak i ie we den, son-
de n p ä en i wi ken – e wa du ch länge e Eina bei ungszei en, lexible A bei szei modelle
ode eine eamges ü z e Au gabens uk u ie ung. Die Be ag en zeigen eind ücklich, dass sie
übe iel äl ige Ressou cen e ügen – doch diese Ressou cen können sich nu en al en,
wenn die A bei sumgebung aus eichend Spiel aum ü unk ionale Di e enz zuläss .
6.4. Bewäl igungss a egien
Die In e iews zeigen eind ücklich, dass alle ie Be u seins eige :innen mi ADHS übe eine
Vielzahl selbs en wickel e S a egien e ügen, mi denen sie den be u lichen All ag s uk u-
ie en, An o de ungen kompensie en und emo ionale Belas ung egulie en. Diese S a egien
wi ken au den e s en Blick indi iduell – bei genaue e Be ach ung spiegeln sie jedoch eine
di e enzie e, e ah ungsbasie e Auseinande se zung mi unk ionalen An o de ungen und
sys emischen G enzen wide .
Ausgehend on de Theo ie B owns (2018) wi d deu lich, dass iele de genann en S a egien
di ek au ypische Beein äch igungen exeku i e Funk ionen bei E wachsenen mi ADHS e-
agie en: Planungs- und S uk u ie ungsp obleme, Schwie igkei en bei de Ini iie ung ode Be-
endigung on Au gaben sowie eine hohe Ablenkba kei zählen zu den zen alen Me kmalen.
Die be ag en Pe sonen g ei en geziel zu s uk u ellen Selbs s eue ungs echniken wie Kalen-
de n, To-do-Lis en, E inne ungs unk ionen, kla en Deadlines ode isuellen O dnungssys e-
men. Susannas Pos -i -Sys em ode Lenas Mona splanung sind Beispiele ü solche indi iduell
angepass en Rou inen, mi denen die Be o enen unk ionale S abili ä he s ellen. Diese Mas-
snahmen dienen dabei nich nu de Kompensa ion, sonde n scha en eine Fo m ex e ne Kon-
olle, die bei exeku i e Ins abili ä O ien ie ung und Handlungssiche hei bie e . Au allend is ,
dass alle ie In e iew en besch eiben dass sie sich diese S a egien selbs angeeigne haben
und diese nich Teil de Ein üh ung im Be u seins ieg ode des S udiums wa en.
Da übe hinaus läss sich im Sinne on Roy und Ohlmeie (2025) eine kla e Ressou ceno ien-
ie ung e kennen: Die Be ag en besch eiben nich nu De izi e, sonde n benennen auch S ä -
ken, aus denen sie Bewäl igungss a egien ablei en. So wi d e wa die Fähigkei zum
57
S abili ä aus, sonde n üh – in einem Be u s eld mi ohnehin angespann em Fachk ä ema k
– auch zu eine e meidba en Ve schleissdynamik.
Gleichzei ig zeig die A bei , dass Menschen mi ADHS übe iel äl ige Ressou cen e ügen,
um diesen He aus o de ungen zu begegnen – sei es du ch digi ale und o ganisa o ische Hil s-
mi el, du ch emo ionale Selbs ü so ge ode du ch s a egische En scheidungen hinsich lich
A bei s eld, Pensum und Teamkon ex . Diese S a egien sind nich zu ällig, sonde n Ausd uck
di e enzie e Selbs beobach ung, biog a ische Re lexion und p o essionelle Handlungs ä-
higkei . Sie wi ken do am bes en, wo sie nich allein im indi iduellen Raum e bleiben, son-
de n du ch s uk u elle Rückhal e lankie we den – e wa du ch lexible A bei szei modelle,
zugängliche Rückzugs äume ode konsis en e Beglei ung im Be u seins ieg.
8.1. ü die Soziale A bei
Leh e
Die Be unde legen nahe, dass be ei s in de hochschulischen Ausbildung e meh Räume
gescha en we den soll en, in denen neu odi e gen e S udie ende ih e A bei sweisen e lek-
ie en, anpassen und in Bezug zu Be u sp axis se zen können. Dazu gehö en Sensibilisie un-
gen zu ADHS und Neu odi e si ä im Leh kö pe , abe auch beglei e e Re lexionsge ässe zu
Be u swahl, S udiens uk u und Selbs s eue ung. Un e s ü zungsangebo e soll en ühzei ig
g ei en und nich e s au explizi e Nach age hin ak i ie we den. Zudem wä e es hil eich,
wenn F agen zu Diagnose, O enlegung und indi iduellem Coping explizi und en s igma isie-
end in de Be u sein üh ung hema isie wü den.
P axis
In de be u lichen P axis bes eh ein kla e Handlungsau ag, neu odi e gen e Fachpe sonen
nich als Sonde all zu be ach en, sonde n ih e spezi ischen Beda e als Teil eine inklusi en
Pe sonalen wicklung mi zudenken. Un e s ü zungss uk u en wie s uk u ie e Eina bei ungen,
anspa en e Rollen e eilungen, Zugang zu Rückzugs äumen ode lexible Zei modelle soll-
en nich on indi iduelle O enlegung ode Füh ungspe sonen abhängig sein. Di e si ä skom-
pe enz muss sich dabei nich nu in de Klien :innena bei zeigen, sonde n auch in de Team-
üh ung, in de Ges al ung on A bei sbedingungen und in de o ganisa ionalen Re lexionskul-
u . Die In e iews e deu lichen, dass pe sönliche Ne zwe ke o meh zu S abilisie ung bei-
agen als o melle S uk u en – ein Ums and, de au eine Lücke in de ins i u ionellen Ve an -
wo ung e weis .

58
8.2. ü die Fo schung
Die E gebnisse diese A bei zeigen exempla isch, wie eng indi iduelle E ah ung, s uk u elle
Bedingungen und p o essionelle An o de ungen mi einande e woben sind. Fü eine e ie e
Auseinande se zung b auch es wei e e Fo schung, die g össe e Fallzahlen be ücksich ig und
un e schiedliche be u liche Kon ex e inne halb de Sozialen A bei einbezieh . Auch die Pe -
spek i e on Vo gese z en, Kolleg:innen ode Ausbildungs e an wo lichen könn e dazu bei-
agen, sys emische Ba ie en und ö de liche Bedingungen besse zu e assen. Da übe hin-
aus wä e es lohnenswe , den Blick zu e wei e n: Welche Rolle spiel ADHS in ande en A -
bei s elde n des Sozialwesens? Welche E ah ungen machen Fachpe sonen mi ande en neu-
odi e sen P o ilen? Und wie e ände sich die Si ua ion, wenn Di e si ä nich nu als He -
aus o de ung, sonde n als s uk u elle Ressou ce beg i en wi d?
Unabhängig om Fokus au ADHS wi d zudem deu lich, dass de Übe gang om S udium in
die Be u sp axis in de Sozialen A bei ein komplexe und ulne able P ozess is , de bishe
in de Fo schung nu beg enz beleuch e wu de. Eine b ei e angeleg e Auseinande se zung
mi den s uk u ellen und pe sönlichen Bedingungen eines gelingenden Be u seins iegs – ins-
besonde e un e Be ücksich igung sich wandelnde A bei sbedingungen und zunehmende
Belas ungen im Sozialbe eich – e schein dahe eben alls als d ingend e o de lich.
9. Fazi und Ausblick
Diese A bei ha einen bislang wenig beleuch e en Zugang zum Be u seins ieg in de Sozial-
a bei e ö ne – jenen on Fachpe sonen mi ADHS-Diagnose. Sie e s eh sich nich als ab-
schliessende An wo , sonde n als Bei ag zu Sich ba machung on Pe spek i en, die im be-
u lichen All ag o ungehö bleiben. Die In e iews zeigen, wie eng indi iduelle E ah ungen
mi s uk u ellen Rahmenbedingungen e woben sind – und dass be u liches Ankommen wei
meh e o de als indi iduelle Leis ungs ähigkei . Nich die Symp ome on ADHS e schwe en
den Eins ieg, sonde n de Mangel an S uk u en, die Un e schiedlichkei mi denken – sei es in
de Eina bei ung, de Kommunika ion ode im Umgang mi Belas ba kei .
Gleichzei ig wi d deu lich: Die be ag en Be u seins eige :innen begegnen diesen He aus o -
de ungen nich passi . Vielmeh en wickeln sie iel äl ige S a egien, um sich in einem Sys em
zu o ien ie en, das neu odi e se A bei sweisen bislang kaum be ücksich ig . Ob du ch digi ale
Tools, kla e Rhy hmen, geziel e Selbs ü so ge ode die bewuss e Wahl un e s ü zende
59
Um elde – ih e Handlungs ähigkei zeig sich do am s ä ks en, wo O ganisa ionen be ei
sind, sich au Di e enz einzulassen und Un e s ü zung nich an Diagnosen, sonde n an Be-
da en auszu ich en.
De Zugang zum Feld e wies sich als he aus o de nd. Au g und da enschu z ech liche und
s uk u elle Ba ie en wa eine o melle Rek u ie ung nich möglich; s a dessen e olg e die
Ansp ache in o mell und mi hohe Sensibili ä . Dabei zeig e sich: Sich ba kei muss bei meh -
ach ma ginalisie en G uppen o e s he ges ell we den. In olge de schwie igen Suche wu -
den auch Pe sonen in den le z en Mona en o dem S udienabschluss einbezogen. Aus Sich
de Fo schenden beein luss dies die E gebnisse nu ge ing ügig, da sich die geschilde en
An o de ungen kaum on jenen de diplomie en Be u seins eige :innen un e schieden.
Auch au pe sönliche Ebene wa die Auseinande se zung nich imme ein ach. Die eigene
Be o enhei b ach e eine Nähe mi sich, die p oduk i , abe auch o de nd wa . Exeku i e
Beein äch igungen wi k en sich au den Sch eibp ozess aus – in Fo m on Ve zöge ungen,
hohem S uk u ie ungsau wand und emo ionale Belas ung. Gleichzei ig e möglich e diese
Nähe ein besonde es Gespü ü Zwischen öne, Ambi alenzen und biog a ische Tie en im E -
leben de In e iew en.
Im Zusammenspiel indi iduelle , s uk u elle und p o essionelle Ebenen e gib sich ein kla e
Handlungsau ag: Wenn Di e si ä nich nu au die Klien :innenebene besch änk bleib , son-
de n auch inne halb de Be u sg uppe Pla z inde , kann die Soziale A bei an In eg i ä und
achliche Tie e gewinnen. Da ü b auch es keine Sonde lösungen, sonde n die Be ei scha ,
No mali ä sannahmen zu hin e agen und Di e enz als Teil be u liche Reali ä anzue kennen.
Auch die Fo schung is hie ge o de – sowohl mi e ie enden S udien zu neu odi e sen
Be u s e läu en als auch mi eine b ei e en Auseinande se zung mi dem Be u seins ieg in
de Soziala bei insgesam . Denn nich nu Menschen mi ADHS e leben diesen Übe gang als
he aus o de nd. Es sind g undlegende F agen nach Beglei ung, Passung und En wicklung,
die wei übe einzelne Diagnosen hinaus eichen. Die Soziale A bei als e lexi e P o ession
ha die Chance, genau hie anzuse zen: nich in de Ve einhei lichung on Lau bahnen, son-
de n in de Ane kennung on Di e enz als Ressou ce.
60
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zung/_node.h ml

63
Anhang
64
Einwilligungse klä ung zu Teilnahme an einem quali a i en In e iew
Ti el de S udie:
He aus o de ungen im Be u seins ieg on Soziala bei e :innen mi ADHS
Ve an wo liche Pe son (Fo schung):
Ka h in Schneide , S udie ende HSLU – SA, ka h in.[email p o ec ed].ch
Zweck de S udie:
Im Rahmen eine quali a i en S udie wi d un e such , mi welchen s uk u ellen, in e -
pe sonellen und a bei s eldbezogenen He aus o de ungen Be u seins eige :innen de
Sozialen A bei mi eine ADHS-Diagnose kon on ie sind. Die E kenn nisse sollen zu
Sensibilisie ung und Ve besse ung p o essionelle Bedingungen bei agen.
Ablau des In e iews:
Das In e iew daue ca. 45–60 Minu en. Es wi d mi Ih em Ein e s ändnis au gezeichne
und anschließend ansk ibie . Ih e Da en we den ausschließlich ü Fo schungszwecke
e wende .
F eiwilligkei und Wide u :
Die Teilnahme is eiwillig. Sie können Ih e Teilnahme jede zei und ohne Angabe on
G ünden abb echen. In diesem Fall we den Ih e Da en gelösch . Es en s ehen Ihnen
dadu ch keine lei Nach eile.
Ve aulichkei und Da enschu z:
• Alle pe sonenbezogenen Angaben we den e aulich behandel .
• Namen und iden i izie ende In o ma ionen we den anonymisie .
• Die Au zeichnungen und T ansk ip e we den passwo geschü z gespeiche .
• Die Da en we den nich an D i e wei e gegeben und nach Abschluss des P o-
jek s gemäß den gese zlichen Vo sch i en gelösch .
Einwilligungse klä ung:
Hie mi e klä e ich mich ein e s anden, an dem oben besch iebenen In e iew eilzu-
nehmen. Ich bin da übe in o mie , dass meine Angaben anonymisie e a bei e we -
den und ich meine Einwilligung jede zei wide u en kann.
Name de eilnehmenden Pe son: ___________________________
O , Da um: ________________________________________________
Un e sch i de eilnehmenden Pe son: _____________________
Un e sch i de o schenden Pe son: ________________________
65
In e iewlei aden – Be u seins eige :in-
nen Soziale A bei mi ADHS
Name:
Gebu sda um:
Geschlech :
Wohno :
Be u se ah ung:
Be u s eld ak uell:
Pensum:
Al e Diagno-
ses ellung:
Wei e e Diagnosen:
Ak uelle Behand-
lung ( he apeu-
isch, medi-
kamen ös
A. E ö nung und Kon ex
1. Beg üßung und Vo s ellung
→ Ku z o s ellung de In e iewe :in und des Fo schungsziels
2. Da enschu z und Ein e s ändnis
→ Hinweis au F eiwilligkei , Anonymi ä und Audioau nahme
3. Allgemeine Eins ieg
- Möch es du ku z e was zu deine ak uellen be u lichen Si ua ion e zählen?
- Sei wann a bei es du in de Sozialen A bei ? Und in welchem A bei s eld bis du
ä ig?
B. Be u seins ieg und ADHS-E leben
4. Wah nehmung des Be u seins iegs
- Wie has du den Übe gang om S udium in die P axis/ den Be u e leb ?
- Gab es He aus o de ungen, die du di ek mi deine ADHS-Diagnose in Ve bindung
b ingen wü des ?
- Gab es besonde e Fähigkei en im Zusammenhang mi deinem ADHS die di gehol-
en haben?
5. Selbs o ganisa ion & S uk u
- Wie e lebs du den be u lichen All ag im Hinblick au S uk u , Zei managemen und
Au gabeno ganisa ion?
- Gib es bes imm e S a egien ode Hil smi el, die dich un e s ü zen?
- Wie bis du au diese gekommen?
66
6. Kommunika ion und Zusammena bei
- Wie e lebs du die Zusammena bei mi Kolleg:innen, Vo gese z en und Klien :in-
nen?
- Gib es zwischenmenschliche Si ua ionen, die du als besonde s he aus o de nd
emp indes ?
-
C. S uk u elle Rahmenbedingungen
7. Ins i u ionelle Umgang mi Neu odi e si ä
- Fühls du dich du ch deine O ganisa ion un e s ü z ? Wenn ja, wie?
- Gab es Anpassungen ode Ve s ändnis ü deine spezi ischen Bedü nisse? Wenn
ja, wie wu den diese Umgese z ? Au An age? Gemeinsam e a bei e ?
- Has du deine Diagnose an deinem ak uellen A bei so o engeleg ? An e gange-
nen A bei so en?
-Falls ja, wie wu de dami umgegangen?
8. Bü ok a ie, Dokumen a ion, Mul i asking
- Wie gehs du mi ypischen adminis a i en Au gaben um?
- Gib es An o de ungen, die sich mi deinem ADHS schwe e einba en lassen?
D. A bei s eldbezogene Fak o en
9. A bei s eldwahl und Passung
- Wa um has du dich ü dieses konk e e A bei s eld en schieden?
- Fühls du dich in diesem Be eich mi deinem ADHS wohl – ode wü des du ückbli-
ckend ein ande es Feld be o zugen?
10. Fachliche An o de ungen s. pe sönliche S ä ken
- Welche Aspek e deines A bei s elds liegen di besonde s gu ?
- In welchen Be eichen e lebs du Übe o de ung?
E. Re lexion und Ausblick
11. Rückblickend
- Was hä es du di zum Be u seins ieg gewünsch – on Kolleg:innen, Lei ung ode
Ausbildung?
- Gab es un e s ü zende Pe sonen, Tools ode E ah ungen, die di besonde s gehol-
en haben?
12. Zukun spe spek i en
- Wie siehs du deine be u liche En wicklung in den nächs en Jah en?
- Has du Wünsche ode Ziele, wie mi ADHS in deine Be u s olle umgegangen we -
den soll e?
F. Abschluss