Meub, Lukas; Rehe , Leonie; E lei, Alexande ; Beuchel, Sebas ian
Resea ch Repo
Handwe k als Ve auensgu - ein heo e ische Rahmen
zu expe imen ellen Fo schung
i h Fo schungsbe ich , No. 31
P o ided in Coope a ion wi h:
Volkswi scha liches Ins i u ü Mi els and und Handwe k an de Uni e si ä Gö ingen (i h)
Sugges ed Ci a ion: Meub, Lukas; Rehe , Leonie; E lei, Alexande ; Beuchel, Sebas ian (2025) :
Handwe k als Ve auensgu - ein heo e ische Rahmen zu expe imen ellen Fo schung, i h
Fo schungsbe ich , No. 31, Volkswi scha liches Ins i u ü Mi els and und Handwe k an de
Uni e si ä Gö ingen (i h), Gö ingen,
h ps://doi.o g/10.47952/g o-publ-323
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i h Fo schungsbe ich 31
Lukas Meub, Leonie Rehe , Alexande E lei, Sebas ian Beuchel
www.i h-goe ingen.de
2025
Handwe k als Ve auensgu -
ein heo e ische Rahmen
zu expe imen ellen Fo schung
Ve ö en lichung des
Volkswi scha lichen Ins i u s ü Mi els and und Handwe k
an de Uni e si ä Gö ingen
Fo schungsins i u im Deu schen Handwe ksins i u e.V.
Bibliog a ische In o ma ion de Deu schen Na ionalbiblio hek
Die Deu sche Na ionalbiblio hek e zeichne diese Publika ion in de Deu schen
Na ionalbibliog a ie; de aillie e bibliog a ische Da en sind im In e ne übe
h p://dnb.dnb.de ab u ba .
ISSN 2751-2215
DOI-URL: h ps://doi.o g/10.47952/g o-publ-323
Alle Rech e o behal en
i h Gö ingen | Hein ich-Düke -Weg 6 | 37073 Gö ingen
Tel.: +49 551 39 34882
E-Mail: [email p o ec ed]
In e ne : www.i h-goe ingen.de
GÖTTINGEN | 2025
ISSN 2751-2215
DOI-URL: h ps://doi.o g/10.47952/g o-publ-319
Diese S udie wu de im Rahmen des P ojek s „Handwe k mi Zukun (HaMiZu)“ e s ell
und om Bundesminis e ium ü Bildung und Fo schung ge ö de (Fö de kennzeichen 02K20D001).
Handwe k als Ve auensgu -
ein heo e ische Rahmen
zu expe imen ellen Fo schung
Zusammen assung: Das Handwe k be inde sich in
einem ie g ei enden P ozess de digi alen T ans o ma-
ion, de sowohl Leis ungsangebo e als auch Ma k -
s uk u en nachhal ig e ände . Diese En wicklungen
e zeugen einen e heblichen Fo schungsbeda ü ein
„Handwe k de Zukun “.
Die o liegende S udie besch eib das Konzep de Ve -
auensgü e mä k e und beg ünde , wa um dieses
einen in de Ve hal ensökonomik e ablie en und heo-
e isch ag ähigen Analyse ahmen ü den Handwe ks-
ma k de Zukun bie e . Ve auensgü e mä k e
e assen die In o ma ionsasymme ie zu Guns en on
Expe en (Handwe ke n) gegenübe den Kunden, wel-
che häu ig auch nach Leis ungse b ingung nich ode
nu unzu eichend die Quali ä de Leis ung beu eilen
können. So können die Wi kungen on Ve hal ensände-
ungen de Be iebe und de Kunden sowie ins i u io-
nelle und ma k liche Ve ände ungen p äzise analysie
we den.
Zukün ig on besonde em Fo schungsin e esse is de
Be eich de Digi alisie ung im Kon ex de Konsumen-
enin o ma ion, in dem g oße Ve ände ungen und po-
enziell ie g ei ende Ve schiebungen de In o ma ions-
asymme ien zuguns en de Konsumen en zu e wa en
sind. Beispielsweise s eig de In o ma ionsg ad de Kun-
den du ch KI-Tools, die Einholung zwei e Meinungen wi d
e leich e , und Bewe ungen zu Expe en können b ei ge-
eil we den. Gleichwohl is die Wi kung de Digi alisie ung
au die In o ma ionslage de Expe en bishe wenig
e o sch , obwohl das da aus esul ie ende In es i ions-
und Inno a ions e hal en ü zukün ige Handwe ks-
mä k e en scheidend sein dü e.
Vo diesem Hin e g und lei e die S udie ie zen ale Fo -
schungs elde ab: (1) die En scheidungs olle des Kunden
im Kon ex de digi alen T ans o ma ion und ih e he e oge-
nen E ek e au Ma k p ozesse im Handwe k, (2) die Dyna-
mik echnologische In es i ionen und Adap ionen on
Handwe ke n, insbesonde e un e dem Ein luss algo i hmi-
sche Emp ehlungen, (3) das Explo a ions e hal en im
Sinne on „lea ning by doing-using-in e ac ing“ und seine
Implika ionen ü Quali ä ssiche ung und In o ma ions-
asymme ien sowie (4) die Ges al ung egula o ische
An o de ungen, um T anspa enz, Ve lässlichkei und Ve -
auen in einem sich asch wandelnden Ma k um eld zu
gewäh leis en.
Inhal
Einlei ung ................................................................................................................................ 1
Handwe ke als Expe en .......................................................................................................... 3
Li e a u übe blick .................................................................................................................... 5
Ve hal ensökonomische Agenda – Handwe k de Zukun .......................................................... 11
Li e a u ................................................................................................................................. 13
Abbildungen
Abb. 1: Baumdiag amm ü ein simples C edence Goods-Modell ....................................................... 4
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
EIN THEORETISCHER RAHMEN ZUR EXPERIMENTELLEN FORSCHUNG 1
Einlei ung
Das Handwe k be inde sich in einem s e igen Wandel
de Ma k s uk u en (Helms e al., 2024; Beuchel e al.,
2024). Digi ale T ans o ma ionen e ände n his o isch
gewachsene In e ak ionsp ozesse und s ellen iele Be-
iebe o neue He aus o de ungen. Nich nu die Hand-
we ksleis ungen pe se, sonde n auch ih e Geschä s-
modelle, Kundenbeziehungen, bü ok a ische Be ich s-
p lich en ode Inno a ionsp ozesse müssen imme
neuen, dynamischen An o de ungen ge ech we den.
Diese Ve ände ungen implizie en eine Vielzahl ange-
pass e ökonomische En scheidungen. Um den wi -
scha spoli ischen An o de ungen dieses T ans o ma i-
onsp ozesses ge ech zu we den, is es no wendig, den
Handwe ksma k , seine Ak eu e, bes ehende An eiz-
s uk u en und mögliche wi scha spoli ische In e -
en ionen sys ema isch zu analysie en.
Hie bilde die Ve hal ensökonomik einen idealen heo-
e ischen und be ei s empi isch ie g ei end un e such-
en Fo schungs ahmen. Viele Handwe ksleis ungen
allen in die Ka ego ie de Ve auensgü e , auch C e-
dence Goods genann (Dulleck & Ke schbame , 2006).
Ve auensgü e sind Gü e ode Diens leis ungen, de-
en Quali ä auch nach dem Kau ode Konsum ü die
Käu e schwe ode ga nich beu eilba is . Es bes eh
also nich nu o dem Kau eine Unsiche hei übe die
Quali ä , sonde n auch nach dem E hal de Leis ung
bleib die Quali ä ü die Kunden unbeobach ba . Zu
den Ve auensgü e n im Handwe k zählen beispiels-
weise Sani ä ins alla ionen, bei denen e s nach Jah en
e kennba wi d, ob Roh e achge ech e leg wu den,
Elek oins alla ionen, de en Siche hei und No m-
ge ech hei ü Laien nu schwe übe p ü ba is , sowie
Dachsanie ungen, bei denen sich die Quali ä on Ab-
dich ungen und Ma e ialien o e s nach länge e Zei
zeig . Auch im Lebensmi elhandwe k en s ehen Ve -
auensgü e -P oblema iken. Viele Kunden legen heu -
zu age We au egionale P oduk e, kon ollie biolo-
gischen Anbau ode bes imm e Inhal ss o e, sind abe
nich in de Lage, die Angaben de He s elle ode Ve -
käu e nachzup ü en. Ein klassisches Beispiel de Li e-
a u bezieh sich au das K z- Gewe be. Kunden haben
o nich die In o ma ionen, um die Diagnos ik und den
Se ice de We s a zu kon ollie en. S a dessen ob-
se ie en sie im Nachhinein lediglich, ob das u sp üng-
liche P oblem noch exis ie . Sie müssen de We ks a
also e auen, keine unnö igen ode alschen
1
Diese Ka ego isie ung gil nich ü alle Handwe ksgü e . Beispiels-
weise is es im F iseu handwe k deu lich ein ache , A und Quali ä
de Diens leis ung einzuschä zen und zu e gleichen. In solchen
Repa a u en o genommen zu haben sowie einen ange-
messenen P eis in Rechnung zu s ellen.
1
Eine b ei e, me hodisch ausdi e enzie e e hal ens-
ökonomische Li e a u un e such den Ein luss e -
schiedens e ak eu spezi ische und ins i u ionelle
Elemen e au C edence Goods-Mä k en. C edence
Goods-Mä k e un e scheiden sich on ande en Ma k -
o men insbesonde e in de o wäh end p äsen en In-
o ma ionsasymme ie zwischen den Anbie e n on
Ve auensgü e n (Expe en) und ih en Nach age n
(Konsumen en). Expe en haben An eize, ih en Wis-
sens o sp ung auszunu zen, indem sie (1) eine Diens -
leis ung ode ein Gu anbie en, das die Nach age des
Konsumen en nich olls ändig e üll (unde ea -
men ), (2) eine Diens leis ung ode ein Gu anbie en, das
eu e als no wendig is (o e ea men ), ode (3) ü
eine Diens leis ung ode ein Gu ab echnen, das eu e
als de eigen lich du chge üh e Se ice is (o e -
cha ging).
Zu Minde ung diese In o ma ionsasymme ie kom-
men sowohl ech liche als auch in o melle Mechanis-
men zum Einsa z. In o mell spielen z.B. Repu a ion übe
lang is ige Kundenbeziehungen ode die Einholung ei-
ne zwei en Meinung du ch einen al e na i en Expe en
eine zen ale Rolle, um die Glaubwü digkei on Expe -
eneinschä zungen zu e höhen. Rech liche Ansä ze se -
zen z.B. au eine besse e Ve i izie ba kei on Leis un-
gen, e wa du ch Dokumen a ionsp lich en ode unab-
hängige P ü e ah en, sowie au Ha ungs egelungen,
die Fehl e hal en sank ionie en. Im Handwe k e gänz
die Meis e p lich diesen Rahmen, indem sie einen S an-
da d de Quali ika ion siche s ell und so das Ve auen
in die achge ech e Aus üh ung s ä k .
Die spezi ischen Eigenscha en on C edence Goods-
Mä k en – also auch Handwe ksmä k en – nehmen di-
ek en Ein luss au das Ve hal en und den Nu zen aus
wi scha lichen In e ak ionen und de E izienz des
Ma k es insgesam . Insbesonde e im Kon ex echnolo-
gische , inno a i e ode poli ische Ma k dis up ionen
is es dahe en scheidend, die Analyse des Handwe ks-
ma k es in ein adäqua es heo e isches Ve s ändnis
einzube en. Somi wi d die Un e suchung zukun sge-
ich e e F agen bzgl. des Handwe ksma k es möglich.
Fällen sp ich man on E ah ungsgü e n (Röbe , 2009; Runs e al.,
2018).
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
EIN THEORETISCHER RAHMEN ZUR EXPERIMENTELLEN FORSCHUNG 2
Zu un e suchende Fo schungs agen sind beispiels-
weise:
- Wie ände sich das Ve hal en de Handwe ksbe-
iebe - z.B. im Be eich Kundenkommunika ion,
Leis ungsangebo , P eisse zung -, wenn Kunden
übe digi ale Tools meh In o ma ionen übe ih e
konk e en Beda e und e wa e en Leis ungen
e hal en?
- Wie eagie en Kunden und ande e Be iebe au
ein digi alisie es Leis ungsangebo mi z.B. oll-
s ändig au oma isie e Kundenkommunika ion
ode P oblemanalyse?
Hie zu analysie de o liegende A ikel den Hand-
we ksma k aus e hal ensökonomische Pe spek i e
de C edence Goods-Mä k e. Kapi el 2 beginn mi eine
ku zen heo e ischen Eino dnung des Handwe ke s als
ökonomische Expe en. Kapi el 3 gib einen Li e a u -
übe blick de empi ischen C edence Goods-Fo schung,
wobei die E kenn nisse s e s in den Handwe kskon ex
eingeo dne we den. Kapi el 4 disku ie , welche ak u-
ellen F ages ellungen sich im Kon ex de Digi alisie-
ung ü das Handwe k e geben, und lei e eine e hal-
ensökonomische Fo schungsagenda ü ein Handwe k
mi Zukun he . Kapi el 5 schließ mi eine Zusammen-
assung.
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
EIN THEORETISCHER RAHMEN ZUR EXPERIMENTELLEN FORSCHUNG 3
Handwe ke als Expe en
De deu sche Handwe ksma k ope ie un e subs an-
ziellen In o ma ionsasymme ien, die eine Quali ä sbe-
u eilung du ch Kunden häu ig ausschließen (Haucap &
Rasch, 2019; P oege & Rupiepe , 2019). Handwe ke
e en somi als Anbie e on Ve auensgü e n au , de-
en Quali ä s e i izie ung nu unzu eichend übe eie
Ma k mechanismen möglich is . Dieses g undlegende
Dilemma läss sich anhand eines ein achen Modells il-
lus ie en, wobei de Expe e den Handwe ksbe ieb e-
p äsen ie , de Konsumen den Kunden und ein T ea -
men besch eib die angebo ene Leis ung.
Wi nehmen an, dass jede Konsumen en wede ein
kleines, ode ein g oßes P oblem ha . Das kleine P ob-
lem beda eines güns igen T ea men s 𝑐𝑔, das g oße
P oblem wi d nu mi einem eu en T ea men 𝑐𝑡 gelös .
De Konsumen kann nich einschä zen, welches T ea -
men e benö ig . Je nach Annahme weiß e lediglich,
dass e ein g oßes (kleines) P oblem mi Wah schein-
lichkei ℎ (1 − ℎ) ha . Die Expe in kann wiede um das
P oblem des Konsumen en mi Wah scheinlichkei σ =
1 diagnos izie en, und da au hin ein T ea men 𝑐 o -
schlagen. Konsumen en obse ie en die P eise (𝑝𝑡, 𝑝𝑔)
und en scheiden sich ex an e da ü , eine Expe in zu
konsul ie en, ode den Ma k zu e lassen und den Re-
se a ionsnu zen 𝑟 = 0 einzus eichen.
In diesem ein achen Modell exis ie keine diagnos i-
sche Unsiche hei . Die Konsumen en wissen um ih e
Wah scheinlichkei , ein g oßes P oblem zu haben, Ex-
pe innen üh en sowohl Diagnos ik als auch T ea men
du ch, und Konsumen en müssen das T ea men an-
nehmen, sobald sie sich an die Expe in wenden. Wei-
e hin gil 𝑐𝑡> 𝑐𝑔; das eu e T ea men kos e die Ex-
pe in also meh als das güns ige T ea men . Das eu e
T ea men lös beide P oblema en, das güns ige T ea-
men lös lediglich das kleine P oblem. Jede Konsu-
men e äh bei e olg eiche P oblemlösung den Nu -
zen 𝑉, wobei pe Annahme gil : 𝑉 > 𝑝𝑡> 𝑝𝑔. Konsu-
men en e ah en also imme einen posi i en Nu zen,
solange ih P oblem gelös wi d. Nu bei unde ea -
men äh de Konsumen einen Nu zen on 0 ein und
zahl gleichzei ig ü das kleine T ea men 𝑐𝑔. Konsu-
men en, die unde ea men an izipie en, sind dem-
nach besse be a en, den Ma k zu e lassen und den
Rese a ionsnu zen 0 einzu ah en.
In diesem ein achen Modell nehmen wi wei e hin an,
dass alle Konsumen en homogen sind. Das bedeu e ,
alle Konsumen en haben die gleiche Valua ion 𝑉 und
die gleiche Wah scheinlichkei ℎ. Dies schließ P eisdis-
k iminie ung aus, und besch änk pe Annahme die
Kos en, die Expe en ü o e ea men und o e -
cha ging zahlen, da alle Konsumen en eine en sp e-
chend hohe Valua ion ü die P oblemlösung o weisen.
Schließlich is es Konsumen en pe De ini ion nich
möglich, das du chge üh e T ea men im Nachhinein
zu e i izie en. Sie obse ie en lediglich den einge ah e-
nen Nu zen 𝑉. Un e den einge üh en Pa ame e n
e gib sich ein En scheidungsablau wie in Abb. 1 da ge-
s ell .
Nachdem die Expe in die P eise gese z ha , en schei-
de de Konsumen , ob e in den Ma k ein e en
möch e. Seine P oblema de inie die möglichen Sze-
na ien. Das P oblem wi d dabei „ on de Na u “ de e -
minie , d.h. Konsumen und Expe in haben keinen
Ein luss au das en s ehende P oblem. Die dunkelg ü-
nen P ade besch eiben Expe innen-En scheidungen,
die on den Al e na i en ökonomisch dominie und da-
he nich ge o en we den. De blaue P ad zeig un-
de ea men , de hellg üne o e ea men , de o an-
gene o e cha ging. Bei einem g oßen P oblem en -
scheide sich die Expe in en wede ü das eu e (𝑐𝑡)
ode das güns ige (𝑐𝑔) T ea men . Das eu e T ea men
esul ie in eine Auszahlung on 𝑝𝑡− 𝑐𝑡, das güns ige
in eine Auszahlung on 𝑝𝑡− 𝑐𝑔, wenn die Expe in
gleichzei ig o e cha ged, ode al e na i 𝑝𝑔− 𝑐𝑔.
Ebenso ha die Expe in An eize, bei einem kleinen
P oblem ein zu eu es T ea men anzubie en (hellg ün),
ode ü ein kleines T ea men die Kos en eines hohen
T ea men s abzu echnen (o ange). Je nach Ma k - und
Pa ame e ausges al ung lohn es sich also ü die Ex-
pe in, das P oblem nich zu lösen, und s a dessen
übe das güns ige T ea men die eigenen Kos en zu mi-
nimie en.
Wenn kein unk ionie ende We bewe b exis ie ,
wähl die Expe in imme das güns ige T ea men und
echne gleichzei ig das eu e T ea men ab, da 𝑝𝑡− 𝑐𝑔
alle Auszahlungen dominie . Konsumen en an izipie-
en das und e en nu in den Ma k ein, wenn de E wa -
ungsnu zen du ch die Lösung des kleinen P oblems
hoch genug is . Das gil , wenn (1 − ℎ)𝑉 ≥ 𝑝𝑡 und
gleichzei ig 𝑝𝑡 =(1 − h)V ≥ 𝑐𝑔, sodass es sich ü die
Expe in lohn , ein en sp echendes T ea men anzubie-
en. Bei eine zu ge ingen Konsumen en-Valua ion
b ich de Ma k zusammen. Un e (P eis-)We bewe b
se zen alle Expe innen den P eis 𝑝𝑡= 𝑐𝑔, und wählen
e neu das güns ige T ea men . Es komm nu zum Han-
del, wenn 𝑉 ≥ 𝑐𝑔
1−ℎ. In beiden Fällen we den die Konsu-
men enp ä e enzen du ch die Expe innen nich e i-
zien bedien .
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
EIN THEORETISCHER RAHMEN ZUR EXPERIMENTELLEN FORSCHUNG 4
Regula o ische Elemen e wie Ve i izie ba kei (Konsu-
men en können die A des T ea men s ex-pos z.B.
du ch gewisse Be ich sp lich en des Expe en beobach-
en) und Ha ung (Expe en is unde ea men ech -
lich e bo en) ände n die spiel heo e ischen Vo he sa-
gen und üh en in Kombina ion, je nach Annahme, zu
un e schiedlich e izien en Ma k e gebnissen. Die kon-
k e e Du chse zung diese Regeln ges al e sich in de
Reali ä alle dings o unzu eichend, sodass die oben
besch iebenen Ine izienzen in eine b ei en empi i-
schen Li e a u iel ach dokumen ie wu den – sowohl
im Handwe k, als auch in ande en Wi scha sbe ei-
chen. Das olgende Kapi el äg dahe den en sp e-
chenden Fo schungss and zusammen, um da au au -
bauend wi scha spoli ische Implika ionen und He -
aus o de ungen ü das Handwe k de Zukun abzulei-
en.
Abb. 1: Baumdiag amm ü ein simples C edence Goods-Modell
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
EIN THEORETISCHER RAHMEN ZUR EXPERIMENTELLEN FORSCHUNG 11
Ve hal ensökonomische Agenda –
Handwe k de Zukun
Die wachsende e hal ensökonomische Li e a u zu
Ve auensgü e n s ell einen iel e sp echenden
Analyse ahmen ü die En wicklung on Handwe ks-
mä k en da . Wie oben da geleg , exis ie be ei s eine
b ei e empi ische G undlage, au de en Basis sich
wi scha spoli ische Emp ehlungen und neue wis-
senscha liche Hypo hesen ablei en lassen. Expe i-
men e im Kon ex o sch ei ende digi ale T ans o -
ma ionen sowie ih e di e sen Spillo e -E ek e sind
jedoch a und s ehen in ih e Auseinande se zung mi
de Ma e ie noch ganz am An ang. Dahe iden i izie en
wi ie spezi ische Fo schungss änge, die sich nah -
los an die exis ie ende empi ische Fo schung an-
schließen lassen, und das Po enzial haben, unse Ve -
s ändnis ü das Handwe k de Zukun signi ikan zu
e besse n.
1. Die En scheidungs olle des Kunden im Kon ex de
digi alen T ans o ma ion
Sowohl poli ische T ans o ma ionsbes ebungen als
auch die o sch ei ende Digi alisie ung, e u sachen
einschneidende Ve ände ungen au de Nach a-
gesei e on Handwe ksmä k en. Von en scheidende
Bedeu ung is hie die neue In o ma ionsposi ion de
Kunden. Die exis ie ende empi ische Li e a u abs a-
hie on Fehlin o ma ionen, sozial pola isie enden
In o ma ionen, ode Miss e s ändnissen. Auch gib es
keine o male Analyse de P oblema en, bei denen
digi ale Technologien Konsumen en übe wiegend
ehle ei in o mie en können, und solchen, bei denen
de De ail- ode Komplexi ä sg ad zu seh on de in-
di iduellen Si ua ion abhäng , um on gene alis i-
schen Quellen adäqua einbezogen we den zu kön-
nen. Insbesonde e diese le z e Punk implizie mög-
liche neue F ik ionen zwischen Expe en und Konsu-
men en, da digi ale Pla o men den Aus ausch on
Indi iduen mi spezi ischen, idiosynk a ischen P ob-
lems ellungen in ensi ie en, wäh end digi ale In o -
ma ionen Selbs diagnosen ö de n. In Kombina ion
können soziale Blasen en s ehen, de en Meinungsbil-
dung au inadäqua en gene alis ischen In o ma io-
nen basie , und so Kon lik e mi Expe en he o b in-
gen. Da übe hinaus bes ehen g undsä zliche Unsi-
che hei en übe den Ein luss neue In o ma ionen au
die En scheidungsquali ä on Konsumen en. Nied i-
ge e In o ma ionsba ie en implizie en keine höhe e
In o ma ionsakquise du ch Konsumen en, meh In-
o ma ionsakquise üh nich au oma isch zu einem
besse en Ve s ändnis, und ein besse es Ve s ändnis
ga an ie keine „besse en“ ode „nü zliche en“ Kon-
sumen enen scheidungen. Dies wi d da an deu lich,
dass selbs die bes ehende, nied igschwellige Li e a-
u zu Konsumen enin o ma ionen ambi alen e E izi-
enze ek e dokumen ie .
Neben dem Ein luss neue In o ma ionsquellen wi d
die Reak ion on Konsumen en au au oma isie e Ex-
pe en-Sys eme eine g oße Rolle spielen. Dies um ass
sowohl Un e s ü zungssys eme ü handwe kliche
Diens leis ungen (z.B. Fehle suche im K z-Gewe k) als
auch digi ale Subs i u e ü o malige Leis ungen on
Expe en (z.B. Design eines Kachelo ens du ch KI).
Konsumen en könn en Ve auen in Expe en e lie-
en und e s ä k au hyb ide Leis ungen on Hand-
we ke n in Ve bindung mi digi alen Tools nach a-
gen. Expe en wiede um könn en du ch eine explizi
nich - echnische Leis ungse b ingung Kompe enzsig-
nale senden und dami eine spezi ische Kunden-
g uppe ansp echen. Hie du ch sind „Lohnp ämien“
ü eine klassische Leis ungse b ingung denkba ,
ebenso wie gegen eilig eine Ve gü ungsp ämie ü
den Einsa z digi ale Tools möglich is .
Insgesam bes eh also ein hohe Fo schungsbeda
bzgl. des Konsumen en e hal ens im Kon ex de digi-
alen T ans o ma ion im Allgemeinen und im Beson-
de n im Kon ex des deu schen Handwe ks. Dabei
sind he e ogene, eils gegenläu ige E ek e zu e mu-
en, sodass ü die Fo mulie ung passgenaue und zu-
kun sge ich e e wi scha spoli ische Maßnahmen
eine hin eichende Quan i izie ung en scheidend is .
2. Technologische In es i ionen und Adap ionen on
Handwe ke n
Die expe imen elle Analyse des Adap ions- und In es-
i ions e hal en on Expe en s eh noch in ih en An-
ängen. Bishe ige S udiene gebnisse machen jedoch
deu lich, dass keine ik ionslose Dissemina ion kos-
enin ensi e neue Technologien zu e wa en is .
Hie beda es wei e e Fo schung bzgl. des En schei-
dungsmodells on Expe en un e neuen echnologi-
schen Möglichkei en, und insbesonde e auch, wie die-
ses om ma k ins i u ionellen Rahmen abhäng . Die-
se um ass P eisse zung, ö en liche Sub en ionen,
T anspa enz egula ionen, dynamische We bewe bs-
bedingungen (wie beispielsweise beim demog a i-
schen Wandel), KI-Regulie ungen ode auch die A
neue Technologien.
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
EIN THEORETISCHER RAHMEN ZUR EXPERIMENTELLEN FORSCHUNG 12
Ein bislang in de C edence Goods-Li e a u unbe-
ücksich ig e Aspek is die sys ema ische Modellie-
ung des Expe en-En scheidungsmodells un e algo-
i hmischen Emp ehlungen. Die En scheidung, algo-
i hmische Tools in die eigene Diagnos ik ode das ei-
gene T ea men zu in eg ie en, e u sach ü Expe -
en neue Unsiche hei en und In o ma ionsasymme -
ien. Zum einen ungie en iele Algo i hmen g oß eilig
als Black Boxes, wodu ch eine di ek e Ve i izie ung ih-
es Ou pu s kaum möglich is . Da übe hinaus haben
Expe en ex-pos nu seh besch änk en Zugang zu
Quali ä sin o ma ionen, da diese beim Konsumen en
liegen und di ek e Kausalke en o nich eindeu ig
sind. Expe en, die au g und ehlende In o ma ionen
nich in de Lage sind, algo i hmische Emp ehlungen
zu e i izie en, müssen demnach den Algo i hmen
e auen – ein Spiegelbild de Konsumen en-Expe -
en-Beziehung. Dies wi nich nu F agen nach den
De e minan en on Technologie-Adap ion au , son-
de n auch, wie Expe en au Fehle on Algo i hmen
eagie en, und un e welchen Ums änden Algo i h-
men sich lang is ig am Ma k du chse zen können.
Häu ig we den die F agen im Kon ex medizinische
ode ju is ische En scheidungen disku ie , abe
auch im Handwe k sind diese übe aus ele an , insbe-
sonde e bei Emp ehlungen on g oße T agwei e (z.B.
im Gesundhei sgewe be).
3. Explo a ions e hal en on Handwe ke n
Das Inno a ions- und Explo a ions e hal en bzgl.
neue Technologien on Handwe ke n is bislang nu
unzu eichend empi isch e ass , obwohl es ü die
lang is ige We bewe bs ähigkei de B anche und
ü die Funk ions ähigkei de Mä k e en scheidend
is . Da Kunden die Quali ä iele handwe kliche Leis-
ungen auch nach Abschluss nu eingesch änk beu -
eilen können, beein luss die A und Weise, wie
Handwe ke neue Ve ah en e p oben und in eg ie-
en, unmi elba das Ve auen in ih e Expe ise.
„Lea ning by doing-using-in e ac ing“ spiel hie bei
eine zen ale Rolle: P ak ische E ah ungen mi inno-
a i en Ma e ialien ode Me hoden we den im lau en-
den Be ieb gesammel und sch i weise in die
Leis ungse b ingung übe agen (Jensen e al., 2007;
Thomä ,2017). Fo schungsbeda bes eh insbeson-
de e hinsich lich de F age, in welchem Um ang Hand-
we ke diese E ah ungen sys ema isie en, e allge-
meine n und mi Kollegen – e wa übe achliche Ne z-
we ke ode digi ale Pla o men – eilen. Solche Wis-
sens lüsse könn en die Quali ä ssiche ung au Ve -
auensgü e mä k en s ä ken, indem sie Unsiche hei-
en e inge n und einhei liche e S anda ds ö de n.
Gleichzei ig wi ein in anspa en es ode s a k be-
iebsspezi isches Explo a ions e hal en die Ge ah
au , bes ehende In o ma ionsasymme ien zwischen
Expe en und Kunden zu e es igen ode ga zu e -
g öße n.
4. Regula o ische An o de ungen
Au Ve auensgü e mä k en – auch im Handwe k -
komm de Regulie ung eine besonde e Rolle zu, da
Kunden die Quali ä iele Leis ungen nich unmi el-
ba e i izie en können und somi s a k au ins i u io-
nelle Siche ungsmechanismen angewiesen sind. Maß-
nahmen wie ö en lich zugängliche Wissens- und Aus-
auschpla o men können dazu bei agen, bewäh e
Ve ah en zu dokumen ie en und so In o ma ionsas-
ymme ien zwischen Handwe ke n und Kunden zu e-
duzie en. T anspa enzp lich en – e gänz um ein
„Rech au E klä ung“ bei algo i hmisch ges ü z en
En scheidungen – s ä ken das Ve auen in digi ale
Tools und de en E gebnisse. Ein e p lich ende
„TÜV“ ü algo i hmische Expe ensys eme könn e
hel en, die Ve lässlichkei neue Technologien siche -
zus ellen, be o sie in de P axis eingese z we den.
Wi scha spoli ische Ins umen e wie geziel e Sub-
en ionen ü gep ü e Inno a ionen ode die sch i -
weise Regulie ung e al e e , po enziell ine izien e
Ve ah en wü den die Mode nisie ung beschleunigen,
ohne das Ve auen in bewäh e handwe kliche Kom-
pe enzen zu un e g aben. Gleichzei ig muss die P eis-
bildung au diesen Mä k en die Balance zwischen Kos-
en anspa enz ü die Kunden und wi scha liche
T ag ähigkei ü die Be iebe wah en, um lang is ig
Ve auen und Quali ä zu siche n.
HANDWERK ALS VERTRAUENSGUT -
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