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[ge] (orig)

Die politischen Kosten europäischer Migrationspolitik in Libyen: Konsolidierung des Internierungssystems, Aufwertung von Gewaltakteuren, Ablehnung durch die libysche Öffentlichkeit

Author: Lacher, Wolfram
Publisher: Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
Year: 2025
DOI: 10.18449/2025A41
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/329910/1/1936158817.pdf
Lache , Wol am
Resea ch Repo
Die poli ischen Kos en eu opäische Mig a ionspoli ik in Libyen:
Konsolidie ung des In e nie ungssys ems, Au we ung on
Gewal ak eu en, Ablehnung du ch die libysche Ö en lichkei
SWP-Ak uell, No. 41/2025
P o ided in Coope a ion wi h:
S i ung Wissenscha und Poli ik (SWP), Ge man Ins i u e o In e na ional and Secu i y A ai s,
Be lin
Sugges ed Ci a ion: Lache , Wol am (2025) : Die poli ischen Kos en eu opäische Mig a ionspoli ik
in Libyen: Konsolidie ung des In e nie ungssys ems, Au we ung on Gewal ak eu en, Ablehnung
du ch die libysche Ö en lichkei , SWP-Ak uell, No. 41/2025, S i ung Wissenscha und Poli ik (SWP),
Be lin,
h ps://doi.o g/10.18449/2025A41
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/329910
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NR.
41
SEPTEMBER 2025
Einlei ung
Die poli ischen Kos en eu opäische
Mig a ionspoli ik in Libyen
Konsolidie ung des In e nie ungssys ems, Au we ung on Gewal ak eu en,
Ablehnung du ch die libysche Ö en lichkei
Wol am Lache
Gemeinsam mi I alien und G iechenland e such die EU-Kommission, i egulä e
Ankün e on Mig an en übe Libyen zu eduzie en. Diese Bemühungen kommen zu
einem Zei punk , an dem meh e e Komponen en de EU-Mig a ionspoli ik in Libyen
als geschei e gel en müssen. Das gil besonde s ü Ve suche, die Zus ände in den
In e nie ungszen en zu milde n sowie die Lage on A bei smig an en und Ge lüch e-
en im Land insgesam zu e besse n. Welche Wide s ände die eu opäische Mig a-
ionspoli ik he o u , zeig e zule z eine Kampagne de libyschen Behö den gegen
e mein liche Bes ebungen de EU, Mig an en au Daue im Land anzusiedeln. Was
bleib , is de ha e Ke n eu opäische Poli ik: Ve einba ungen mi Gewal ak eu en,
um Übe ah en zu e hinde n, sowie die Un e s ü zung ü Ab angope a ionen au
See und Rück üh ungen in He kun slände . Diese EU-Poli ik is un ennba mi dem
libyschen Sys em willkü liche In e nie ung e knüp , das k iminellen In e essen
dien . Eu opäische Ve suche, sich on diesem Sys em zu dis anzie en, sind unglaub-
wü dig und s ehen eine Bewe ung de poli ischen Kos en im Wege.
De mode a e Ans ieg i egulä e Ankün e
übe Libyen in die EU wa in den le z en
zwei Jah en Anlass ü eine ege eu opäische
Reisediploma ie, die sich im Somme 2025
noch in ensi ie e. Zwa sind i egulä e
Ankün e au ande en Mig a ions ou en in
die EU in de e s en Häl e 2025 zu ück-
gegangen. Doch ein plö zliche Ans ieg de
Ankün e aus Os libyen in K e a so g e ü
Beun uhigung in G iechenland und beweg e
EU-Kommissionsp äsiden in U sula on de
Leyen dazu, den Kommissa ü Inne es und
Mig a ion Magnus B unne mi Besuchen in
T ipolis und Bengasi zu beau agen. Im
Juli a B unne gemeinsam mi g iechi-
schen, i alienischen und mal esischen
Minis e n Mi gliede de in e na ional an-
e kann en Regie ung in T ipolis, um hä -
e e Maßnahmen zu Ve hinde ung on
Übe ah en zu o de n – ohne E gebnis.
Die anschließende Visi e in Bengasi muss e
abgeb ochen we den. De ak ische He -
sche de Region, Khali a Ha a , mach e
ein o izielles Zusammen e en de Delega-
ion mi seine – in e na ional nich an-
e kann en – Regie ung zu Bedingung ü
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eine Audienz. Das lehn e die eu opäische
Delega ion ab und muss e da au hin wiede
ab eisen. G iechenland ha sei he Aus-
bildungshil e ü Ha a in die Wege gelei-
e und olg da in dem Beispiel I aliens.
Die Be ei scha , Ha a en gegenzukom-
men, geh abe noch wei e . Ende Juli ing
die EU-Ma ineope a ion I ini au dem Mi el-
mee ein Con aine schi ab, das gepanze e
Fah zeuge nach Bengasi b ingen soll e, wie
sich bei de Inspek ion in einem g iechi-
schen Ha en zeig e. Obgleich es sich um
eine kla e Ve le zung des Wa enemba gos
de Ve ein en Na ionen (VN) handel e, se z-
e die g iechische Regie ung du ch, dass das
Schi seinen Weg nach Libyen o se zen
konn e. O enba be ü ch e e sie, mi eine
Beschlagnahme ih e Bemühungen um
Mig a ionskoope a ion zunich e zu machen.
Indes gehen die Übe ah en on Os libyen
nach K e a wei e , obwohl Ha a s K ä e in
de Lage wä en, sie zu e hinde n.
Diese Ke e on E eignissen gib Au -
schluss übe den S and eu opäische Mig a-
ionspoli ik in Libyen. Die schon sei 2017
bes ehende Koope a ion de EU mi Libyen
im Mig a ionsbe eich unk ionie auch
an den Ankun szahlen gemessen imme
schlech e . T o zdem se zen die Eu opäe
je z noch e s ä k au ih e bishe ige S a-
egie, mi Gewal ak eu en wie Ha a und
wes libyschen Milizen üh e n zu koope ie-
en, um Übe ah en zu e hinde n. Dami
machen sie sich on Ak eu en abhängig,
die imme wei eichende e Fo de ungen
s ellen. Dass eine ela i ge inge Zahl on
Ankün en in K e a – nämlich 7.336 in de
e s en Häl e 2025 – eine de a ala mie e
eu opäische Reak ion e u sach , dü e
Ak eu e wie Ha a e mu igen, den P eis ü
ih e Koope a ion in die Höhe zu eiben.
Die neue lichen eu opäischen Bemühun-
gen um Eindämmung de T ansi mig a ion
übe Libyen bie en Anlass, Funk ionsweise
und Resul a e de eu opäischen Mig a ions-
poli ik im Land zu analysie en. Denn neben
den wachsenden Fo de ungen Ha a s gib
es wei e e Anzeichen da ü , dass diese Poli-
ik an ih e G enzen ge ä . Wenngleich ein
Rich ungswechsel äuße s unwah schein-
lich is , da es an al e na i en Ansä zen zu
Reduzie ung de Ankün e ehl , u eine
ealis ische Einschä zung de poli ischen
Kos en no .
Koope a ion mi Gewal ak eu en
Die on I alien ange üh e EU-Mig a ions-
koope a ion mi Libyen um ass eine Reihe
un e schiedliche Maßnahmen sowohl
I aliens als auch de EU sowie on diese
inanzie e Ak i i ä en in e na ionale
O ganisa ionen, de en Wi kungen sich
gegensei ig e gänzen. Ziel is es, die Zahlen
de Menschen, die on Libyen aus übe das
Mi elmee i egulä in die EU kommen,
möglichs ge ing zu hal en.
Die bekann es e diese Maßnahmen is
die i alienische und eu opäische Un e s ü -
zung ü Ab ang- und Re ungsope a ionen
de libyschen Küs enwache. I alien und die
EU haben diese mi Du zenden on Boo en
und Schi en ausges a e , übe nehmen
de en Ins andse zung und bilden Angehö i-
ge de Küs enwache aus. Mi eu opäische
Un e s ü zung wu de Ende 2017 eine liby-
sche Such- und Re ungs egion mi einem
Ma i ime Rescue Coo dina ion Cen e (MRCC) in
T ipolis einge ich e . Sei he lei en die i a-
lienischen und mal esischen Behö den und
die EU-G enzschu zagen u F on ex –
sowie bis 2020 auch die damals ak i e EU-
Ma ineope a ion Sophia – Koo dina en
on Boo en o angig an das libysche MRCC
und die libysche Küs enwache wei e , um
so Ab ang- und Re ungsope a ionen zu
koo dinie en.
Anschließend übe s ell die die Küs en-
wache die on ih abge angenen Menschen
an Einhei en des Depa men o Coun e ing
Illegal Mig a ion (DCIM). Diese Ab eilung des
Innenminis e iums häl die Menschen in
In e nie ungszen en es , wo sie sys ema i-
schen Misshandlungen, Fol e , Ve gewal i-
gungen, E p essung und Zwangsa bei sowie
o ka as ophalen hygienischen Bedingun-
gen ausgese z sind. Die In e nie ung is
willkü lich, da es keine Rech smi el gegen
sie gib . Zwischen Ge lüch e en und ande-
en Mig an en wi d nich un e schieden,
denn Libyen ha kein Asylsys em und ha
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die Gen e Flüch lingskon en ion nich
un e zeichne . Auch schwange e F auen
sowie Kinde alle Al e sg uppen we den
un e schiedslos in e nie . DCIM-Einhei en
sind meis eng mi einzelnen Milizen e -
knüp , denen In e nie ungszen en als
Einnahmequelle dienen. Die Geschä s-
modelle eichen on de Un e schlagung
de s aa lichen Mi el ü den Be ieb de
Zen en hin zu F eilassung de Ge angenen
gegen Bezahlung sowie ih e Ausbeu ung
du ch Zwangsa bei ode Zwangsp os i u-
ion. In ih em Abschlussbe ich on 2023
and die om VN-Menschen ech s a ein-
gese z e Unabhängige E mi lungskommis-
sion ü Libyen G und zu Annahme, dass
die sys ema ischen Misshandlungen in
s aa lichen In e nie ungszen en Ve b e-
chen gegen die Menschlichkei da s ell en,
zu denen die EU mi ih e Un e s ü zung
ü Ab angope a ionen Beihil e leis e.
Die Un e s ü zung ü die Küs enwache
ha es wah scheinliche gemach , dass
Mig an en bei de Übe ah abge angen
we den. Hinzu kommen eu opäische und
i alienische Maßnahmen, die das Risiko
e höhen, dabei zu e inken. I alien ha sei
2018 imme wiede ech liche Sch i e
un e nommen, um p i a e Seeno e ung
im Mi elmee zu e schwe en ode zu e -
hinde n. Deu schland s ell e 2025 die inan-
zielle Un e s ü zung ü solche Re ungs-
ope a ionen ein. Au eu opäische Ebene
wu den die Pa ouillen de EU-Ma ine-
ope a ion Sophia 2019 beende und die
Nach olgeope a ion I ini sei 2020 nich
meh mi de Seeno e ung beau ag . Das
Ope a ionsgebie on I ini wu de o die
os libysche Küs e e leg , damals wei ab
alle Mig a ions ou en. Zudem wi d egel-
mäßig gep ü , ob ih e Schi e – wie on
manchen behaup e – einen »pull-e ec «
au Mig a ion ausüben könn en und das
Ope a ionsgebie en sp echend angepass
we den soll e. Solche Sch i e we den dami
ge ech e ig , dass sie dazu bei ügen, die
Übe ah en insgesam und dadu ch auch
die Zahl de To en zu e inge n. Eine plau-
sible e E klä ung is die Absich , du ch ein
höhe es Todes isiko Mig an en on de
Übe ah abzusch ecken. Dieses Risiko is
in olge solche Maßnahmen s a k ges iegen.
Gemessen an den e such en Übe ah en
wuchs de An eil de To en au de zen a-
len Mi elmee ou e zwischen 2017 und
2019 on zwei au 4,8 P ozen . In absolu en
Zahlen bleib das zen ale Mi elmee die
wel wei ödlichs e Mig a ions ou e.
Ohne beglei ende Maßnahmen an Land
hä en jene au dem Mee jedoch kaum den
dann einge e enen E ek e ziel . Im Juli
2017 b ach die Zahl de Ankün e aus Libyen
ab up ein und blieb bis 2021 au nied igem
Ni eau (siehe G a ik). Die Ab angope a io-
nen de libyschen Küs enwache wa en bei
wei em nich de wich igs e G und ü diese
En wicklung. Vielmeh gingen bewa ne e
G uppen in wes libyschen Küs ens äd en
dazu übe , Ab ah en zu e hinde n. Aus-
schlaggebend da ü wa die Aussich , den
o iziellen S a us als s aa liche Siche hei s-
k ä e und dadu ch Gelde zu e hal en
sowie in e na ionalen Sank ionen und
S a e olgung zu en gehen. Zusammen
mi de damaligen Regie ung in T ipolis
nu z en i alienische Regie ungs e e e
diese An eizs uk u geziel gegenübe
An üh e n bewa ne e G uppen.
Die damals ü bewa ne e G uppen
gescha ene An eizs uk u bes eh in ih en
G undzügen o : Mig a ionsbekämp ung
e sp ich den Deckman el s aa liche Legi-
imi ä , in e na ionale Kon ak e sowie Mög-
lichkei en zu Selbs be eiche ung du ch
die Ausbeu ung on Mig an en in In e nie-
ungszen en. Alle dings ände sich dieses
Kalkül un e dem s e igen Wandel de
inne libyschen Beziehungen sowie de Ve -
handlungsposi ion libysche Ak eu e
gegenübe Eu opa. So ha eine Reihe on
Kon lik en mi de Regie ung in T ipolis
dazu ge üh , dass bewa ne e G uppen in
wes libyschen Küs ens äd en e neu e -
s ä k zu Fazili a ion on Mig a ion übe -
gegangen sind – ein G und da ü , dass die
Ankun szahlen sei 2022 wiede s eigen.
Viele Einhei en, de en Geschä smodell o -
wiegend da au be uh , Mig an en abzu-
angen und zu in e nie en, behal en einen
Fuß im Mig an enschmuggel und e lage n
je nach Beda den Schwe punk zwischen
den beiden Mä k en.
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Ähnliches gil ü die En wicklung im
on de Ha a -Familie kon ollie en Os en
des Landes, de au g und seine geog aphi-
schen Lage bis 2021 nich ü Übe ah en
genu z wu de. Ab Mi e 2022 kamen plö z-
lich ausende Menschen in I alien an, die
pe Flugzeug nach Os libyen ge eis und
on do in g oßen Fische boo en losge ah-
en wa en – mi maßgebliche Be eiligung
de den Ha a s un e s ehenden Siche hei s-
k ä e. Die i alienische Regie ung eagie e,
indem sie Ha a im Mai 2023 o iziell in
Rom emp ing und ihm Koope a ionsange-
bo e mach e. Zugleich d oh e ihm nega i e
in e na ionale Au me ksamkei nach de
Ka as ophe on Pylos, bei de im Juni 2023
übe 600 Menschen ums Leben kamen,
nachdem ih on Os libyen ges a e es Boo
gesunken wa . Von Juli 2023 an sank schlag-
a ig die Zahl de Übe ah en aus Os libyen
nach I alien; 2024 blieb sie e nachlässig-
ba (siehe G a ik). I alien un e häl sei he
eine ege Mili ä koope a ion mi Ha a s
K ä en. De plö zliche Ans ieg de Ankün e
aus Os libyen in K e a wäh end de e s en
Häl e 2025 dü e eben alls poli isch mo i-
ie gewesen sein. Wie be ei s besch ieben
e such e Ha a auch hie , seine Kon olle
übe die Mig a ions ou e einzuse zen, um
sich und seine Pa allel egie ung in e na io-
nal au zuwe en.
Mi Blick au die ussische Mili ä p äsenz
in Ha a s Gebie en behaup e I aliens Re-
gie ung schon sei einigen Jah en, hin e
den Ankün en aus Libyen s ünden geziel e
ussische Des abilisie ungs e suche. Die
G a ik

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Be ü ch ung, dass Russland die Mig a ion
übe Libyen poli isch ins umen alisie en
könn e, wi d mi le weile auch in de EU-
Kommission geäuße . Indizien ü eine
solche Ins umen alisie ung gib es bishe
nich . Dagegen is o ensich lich, dass die
Ha a -Familie selbs Mig a ion als D uck-
mi el einse z und ih e eu opäischen
Gegenübe da au eingehen.
Meh gleisige S a egie mi
o en Gleisen
Die EU e such nich nu Übe ah en zu
e hinde n, sonde n auch Mig an en, die
sich in Libyen au hal en, in ih e He kun s-
lände zu ückzu üh en. Das geschieh o
allem übe das P og amm » eiwillige
humani ä e Rückkeh « de In e na ionalen
O ganisa ion ü Mig a ion (IOM), das sei
2015 übe 100.000 Menschen du chlau en
haben. Auch diese Komponen e de EU-
Mig a ionspoli ik is eng mi dem Sys em
de In e nie ungszen en e zahn , denn je
nach Zei aum mach en de en Insassen
e wa 40 bis 50 P ozen de IOM-Rückkeh e
aus. Von F eiwilligkei konn e bei ihnen
keine Rede sein, zumal sie nu so de In e -
nie ung en kommen konn en. Im Umkeh -
schluss nü zen die In e nie ungszen en
dem Ziel de EU-Poli ik, Mig an en zu
Rückkeh zu bewegen und so on de Übe -
ah abzub ingen.
O iziell lehn die EU die libysche P axis
de willkü lichen In e nie ung on Mig an-
en ab. Sei Beginn de Koope a ion 2017 is
es e klä es Ziel de EU-Poli ik, Al e na i en
zu diesem Sys em zu scha en und es zu
übe winden. Die Ve so gungslage und die
hygienischen Zus ände in den In e nie ungs-
zen en zu e besse n is eine zen ale
Komponen e eu opäische Poli ik. Sie gil
abe lediglich als No lösung, bis es solche
Al e na i en gib .
Hinsich lich Al e na i en zu In e nie-
ung gab es jedoch sei 2017 keine lei Fo -
sch i e. S a dessen konsolidie e sich das
Sys em de In e nie ung und sein Ge lech
inanzielle In e essen imme wei e . Zule z
s ell e die Regie ung in T ipolis de EU ein
Vo haben zu massi en Auswei ung on
In e nie ung und Rück üh ung o . Es e -
schein also gänzlich un ealis isch, das
In e nie ungssys em zu übe winden. Dahe
sind die o lau enden Bemühungen um
Milde ung de Misss ände in den Zen en
zwiespäl ig zu bewe en. Aus humani ä en
Gesich spunk en sind sie d ingend nö ig,
um aku es Leid zu linde n – auch wenn sie
an den s uk u ellen Übeln in den Zen en
kaum e was geände haben. Aus poli i-
sche Pe spek i e müssen sie mi le weile
ehe als Ve such gesehen we den, die Fo -
daue dieses Sys ems ü die eu opäische
Ö en lichkei akzep able zu machen.
Da ü sp ich auch, dass die eu opäischen
Fo de ungen nach einem Ende de willkü -
lichen In e nie ung in den le z en Jah en
imme sel ene und e hal ene wu den.
De le z e P eile eu opäische Poli ik is
das Bes eben, die A bei s- und Lebens-
bedingungen on Mig an en in Libyen ins-
gesam e ägliche zu machen. Da ü
wu den sei 2016 um ang eiche Mi el au -
gewende , e wa um die Ve so gung mi
Basisdiens leis ungen au Gemeindeebene
zu e besse n – mi Schwe punk au
S äd en en lang de Mig a ions ou en. Dass
die P ojek e nich nu de libyschen Be öl-
ke ung, sonde n auch Mig an en zugu e-
kommen und so de en In eg a ion ö de n
sollen, wi d den libyschen P ojek pa ne n
gegenübe o e schwiegen, um au Sensi-
bili ä en Rücksich zu nehmen. Hinzu kom-
men Ans engungen au poli ische Ebene,
um die A bei smig a ion wi ksame zu
egulie en und Mig an en so ein Maß an
ech lichem Schu z zu bie en. Denn A bei s-
mig a ion nach Libyen und T ansi mig a i-
on übe Libyen nach Eu opa sind nich kla
oneinande zu ennen. Aus eu opäische
Pe spek i e wä e es dahe sinn oll, A bei s-
mig an en in Libyen siche e Pe spek i en
und T ansi mig an en An eize zum Bleiben
zu bie en. O iziell eil die libysche Sei e
das Ziel de Regulie ung on A bei smig a-
ion und kündig imme wiede Ini ia i en
in diese Rich ung an. Ta sächlich abe sind
mi un egulie e Mig a ion hand es e In e -
essen e bunden, denn sie e leich e die
Ausbeu ung ausländische A bei sk ä e.
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Folglich wu den auch in diesem Be eich
keine nennenswe en Fo sch i e e eich .
Diese Zielse zung eu opäische Poli ik muss
eben alls als un ealis isch be ach e we den.
Das haben zule z auch he ige Reak ionen
au die eu opäische Poli ik gezeig .
Kampagnen und
Ve schwö ungs heo ien
Es wa en eben jene eu opäischen Bemü-
hungen um besse e In eg a ion, die im
F ühjah 2025 in Libyen eine Kampagne
gegen Mig a ion und die eu opäische Mig a-
ionspoli ik auslös en. Anlass wa ein Kom-
muniqué, das ein Rou ine e en zwischen
de IOM-Landesdi ek o in und dem Minis e
ü Lokal e wal ung be a und dem zu olge
es in dem Gesp äch um (EU- inanzie e) P o-
jek e zum Schu z on Flüch lingen und den
Kapazi ä sau bau in Kommunen ging. In
den sozialen Medien wu de das Kommuni-
qué indes e ze und als Gesp äch übe
die In eg a ion on Mig an en in den Kom-
munen da ges ell . Da au hin o ches ie -
en poli ische Gegne de Regie ung in T i-
polis eine Medienkampagne gegen ein e -
mein liches gemeinsames Vo haben de
Regie ung und de EU, Mig an en es in
Libyen anzusiedeln und einzubü ge n.
Die Regie ung wies die Ge üch e übe
einen solchen Plan nich e wa zu ück, son-
de n e such e zu zeigen, dass sie selbs es
sei, die Libyen o de a igen dunklen aus-
ländischen Machenscha en schü ze. De
Innenminis e ließ willkü lich A bei smig-
an en au de S aße es nehmen und be-
on e zum wiede hol en Male, Libyen we de
niemals die Ansiedlung on Mig an en ak-
zep ie en. Au diese Weise sugge ie e e ,
dass es a sächlich Ak eu e gebe, die dieses
Ziel e olgen. Vo allem abe ließ de In-
landsgeheimdiens die Bü os in e na iona-
le Nich egie ungso ganisa ionen schlie-
ßen, die ü UNHCR und UNICEF EU- inan-
zie e P ojek e zu Ve besse ung de Lage
on Mig an en du ch üh en, und e hö e
de en libysche Mi a bei e . Im Ap il 2025
beschuldig e de Inlandsgeheimdiens die
O ganisa ionen ö en lich, im Au ag de
EU den Plan eine »Ansiedlung on Mig an-
en aus Subsaha a-A ika« o anzu eiben,
um den gesellscha lichen Zusammenhal
in Libyen zu ze ü en. Die A bei de O ga-
nisa ionen blieb mona elang suspendie .
Obwohl de lei Anschuldigungen abwegig
sind, müssen diese Kampagnen e ns genom-
men we den. Zum einen is nich on de
Hand zu weisen, dass es ü die EU obe s e
P io i ä ha , die Wei e ah on Mig an en
Rich ung Eu opa zu e hinde n. Hinzu kom-
men die eu opäischen Bemühungen, die
Bleibebedingungen ü Mig an en in Libyen
zu e besse n. Sieh man on de Finanzie-
ung de Rück üh ungen ab, kann sich aus
libysche Pe spek i e du chaus das Bild
e geben, dass die EU-Poli ik die Zahl de
Mig an en im Land wachsen läss .
Zum ande en soll en diese E eignisse
nich als einmalige Übe eak ion on Siche -
hei so ganen miss e s anden we den. Denn
sie be uhen au eine Sich weise, die in de
libyschen Gesellscha und bis in die Füh-
ungs iegen de Ins i u ionen Konsens is .
Zu diese Sich weise gehö e s ens die Übe -
zeugung, dass Libyen kein Einwande ungs-
land sei. Die Wah nehmung in de libyschen
Ö en lichkei , dass die Zahl de Mig an en
imme meh zunehme, wi d dahe meis au
die T ansi mig a ion nach Eu opa zu ück-
ge üh . Dazu gehö die Ansich , Libyen sei
» ühe « nu T ansi land gewesen, we de
je z abe imme meh zum Zielland on
Mig an en. Die Kampagnen be eue en also
be ei s g assie ende Ressen imen s.
Die Idee, dass Libyen nu T ansi land sei,
he sch e schon in de Gadda i-Ä a o und
häl sich ha näckig bis heu e. Da an ha
nich s geände , dass sie den Ta sachen sei
jehe ekla an wide sp ich . Sei Jah zehn-
en is Libyen in e s e Linie Zielland ü
ausländische A bei sk ä e. Die T ansi mig-
a ion kam spä e hinzu, doch A bei smig-
a ion is auch sei 2011 die o he schende
A de Mig a ion im Land geblieben. Ohne
sie s ünde die libysche Wi scha s ill, da
Libye iele Tä igkei en meiden. De G oß-
eil diese A bei sk ä e komm aus den
Nachba lände n Ägyp en, Nige , Sudan und
Tschad. Die übe wiegende Meh hei on
ihnen begib sich nich au den Weg nach
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Eu opa; nig ische, sudanesische und scha-
dische S aa sbü ge machen einen äuße s
ge ingen An eil an den Ankün en on Mig-
an en übe Libyen aus. Im Üb igen wi d
Libyen auch in de eu opäischen Ö en lich-
kei as ausschließlich als T ansi land gese-
hen und die g oße Zahl de A bei smig an-
en o als Anlass ü i e üh enden Ala mis-
mus genommen, do wa e en Hunde au-
sende au die Gelegenhei zu Übe ah .
Ob die Zahl de Mig an en in Libyen a -
sächlich deu lich s eig , is ebenso ungewiss
wie die G ünde ü einen möglichen Ans ieg,
nämlich o allem eine wachsende Nach-
age des A bei sma k s ode die Ve hinde-
ung on Übe ah en nach Eu opa. Ve läss-
liche S a is iken zu Anzahl on Mig an en
gib es in Libyen nich . Lau IOM wuchs die
Zahl on und 585.000 im Jah 2020 au
859.000 An ang 2025. Doch dü en die
IOM-Zahlen nu einen Teil de Mig an en
im Land e assen. Noch wenige glaub-
wü dig is alle dings die Behaup ung des
Innenminis e s in T ipolis Emad al-T abelsi,
mi le weile be änden sich 4 Millionen
Mig an en im Land. Denn die Regie ung
besi z keine lei Kapazi ä en ü eine
Zählung. Solche Aussagen geben ehe
einem allgemeinen Ge ühl Ausd uck, die
Zahl de Mig an en wüchse maßlos.
Ebenso ie si zend und wei e b ei e in
Libyen sind xenophobe und assis ische
Ansich en. Insbesonde e Mig an en aus
Subsaha a-A ika we den als Übe äge an-
s eckende K ankhei en und Ve u sache
on K iminali ä s igma isie . Auch die
landläu ige Ve mu ung, dass hin e Mig a-
ionsbewegungen dunkle Machenscha en
ausländische Ak eu e s ünden, s amm
be ei s aus de Gadda i-Ä a. Zahl eiche
libysche Gesp ächspa ne e klä en dem
Au o übe die Jah e hinweg, dass a ikani-
sche Mig an en die nö igen Geldsummen
ü die Reise nach Eu opa wohl kaum selbs
au b ingen könn en und dahe ausländi-
sche O ganisa ionen hin e de Finanzie-
ung s ecken müss en. Die Ängs e und
e schwö ungsideologischen Sich weisen,
die aus den Anschuldigungen des Inlands-
geheimdiens es sp echen, we den also in
de Ö en lichkei allgemein ge eil .
Die mi T ansi - und A bei smig a ion
e bundenen ma e iellen In e essen ein-
luss eiche libysche Ak eu e wide sp e-
chen dem C edo dieses Mig a ionsdisku ses.
Libysche A bei gebe – on G oßun e -
nehme n bis hin zu P i a leu en, die Reini-
gungsk ä e ode Baua bei e beschä igen
– haben Beda an A bei smig an en und
ziehen in o melle, p ekä e A bei s e häl -
nisse o . Siche hei sk ä e, die Mig a ion
e hinde n sollen, haben sowohl ein In e -
esse da an, Mig an en in Libyen es zuhal-
en, um sie auszubeu en, als auch, die
Rou en nach Eu opa zumindes eilweise
o en zu hal en, um sich genug »Nachschub«
an Menschen zu siche n. Diese Wide -
sp üche we den in de Ö en lichkei kaum
hema isie . Doch sie dü en die Ängs e
und Ressen imen s, die sich im libyschen
Mig a ionsdisku s äuße n, au absehba e
Zei wei e näh en.
Bilanz
Die Kampagnen gegen Mig a ion und eu o-
päische Mig a ionspoli ik geben Anlass,
eine Bilanz und Schluss olge ungen aus
ach Jah en eu opäische Mig a ionskoope-
a ion mi Libyen zu ziehen. Wäh end die
Zeichen au eu opäische Sei e de zei au
In ensi ie ung diese Koope a ion s ehen,
is zunächs es zus ellen, dass die »weiche-
en« Komponen en diese Poli ik au ganze
Linie geschei e sind, denn es gib keine lei
Fo sch i e hin zu g öße e Siche hei ü
ausländische A bei sk ä e. Nich nu das:
Selbs e hal ene Ve suche, au Fo sch i e
in diese Rich ung hinzuwi ken, u en in
Libyen emp indliche Reak ionen he o .
Zudem se z die EU du ch ih e P ojek e in
diesem Be eich o allem libysche Mi a bei-
e humani ä e O ganisa ionen be äch -
lichen Risiken aus.
Ebenso wenige Fo sch i e gib es mi
Blick au Al e na i en zum Sys em will-
kü liche In e nie ung on Mig an en. Im
Gegen eil: Die on de EU un e s ü z en
Ab angope a ionen im Mi elmee haben
dieses Sys em mi s e s aus eichend Ge an-
genen e so g , und die on de EU inan-
SWP-Ak uell 41
Sep embe 2025
8
zie en Ak i i ä en humani ä e O ganisa-
ionen haben es ü die Be eibe luk a i e
gemach . An den sys ema ischen Misshand-
lungen in den In e nie ungszen en indes
ha sich nich s geände , denn sie sind Teil
des e p esse ischen Geschä smodells. Alles
in allem ha die eu opäische Poli ik zu
dessen Konsolidie ung beige agen.
Wie e ns es de EU mi den weiche en
Komponen en ih e Mig a ionspoli ik in
Libyen wa , sei dahinges ell . Fes s eh ,
dass diese Poli ik nun au ih en ha en Ke n
eduzie is : Maßnahmen, die Mig an en
an de Übe ah nach Eu opa hinde n
sollen. Sie hängen di ek mi dem Sys em
willkü liche In e nie ung zusammen. Die
o izielle eu opäische Posi ion, man lehne
dieses Sys em ab und un e s ü ze die Suche
nach Al e na i en, läss sich nich au ech -
e hal en. Sowohl die Ab angope a ionen
au See als auch die Rück üh ungen du ch
die IOM sind ohne das In e nie ungssys em
nich denkba . Jede Diskussion übe die
eu opäische Mig a ionspoli ik in Libyen
soll e mi de Ane kennung de Ta sache
beginnen, dass sich diese Poli ik in ih em
Ke n au die In e nie ungszen en und die
Hinnahme de in ihnen begangenen Ve -
b echen s ü z . Dass on diese Einsich in
absehba e Zei ein Poli ikwechsel ausgehen
wü de, is un ealis isch angesich s de gegen-
wä igen poli ischen Meh hei en sowohl in
den Mi glieds aa en als auch au eu opäi-
sche Ebene. Das gil umso meh , als sich
keine al e na i en Ansä ze anbie en gegen-
übe einem Libyen, in dem Gewal ak eu e
und k iminelle Ne zwe ke die Kon olle
übe die s aa lichen Ins i u ionen übe nom-
men haben. Doch ein kla e Blick au die
a sächliche Funk ionsweise eu opäische
Mig a ionspoli ik in Libyen is nö ig, um
die poli ischen Kos en und Konsequenzen
diese Poli ik ealis isch einzuschä zen.
Zu diesen Konsequenzen zähl die Au -
we ung libysche Gewal ak eu e du ch die
EU und ih e Mi glieds aa en, die sich zu-
gleich in eine wachsende Abhängigkei on
diesen Ak eu en begeben. Besonde s deu -
lich wi d dies im diploma ischen Umwe ben
Ha a s und in de Un e s ü zung ü ihn
o z seine langen Lis e an K iegs e b echen
und seine Allianz mi Russland – und ob-
gleich e die Kon olle de Mig a ions ou en
o en als D uckmi el einse z . Geling es
P emie minis e Dabeiba in T ipolis, seine
eigene Mach wei e zu konsolidie en, dü -
e auch e zu diese Tak ik g ei en. Indessen
zeigen die wachsenden Ankun szahlen,
dass die An eizs uk u de Eu opäe ü
Mig a ionsbekämp ung imme wenige
g ei . Pe spek i isch dü e die bishe ige
S a egie dazu üh en, dass Eu opas Abhän-
gigkei on libyschen Gewal ak eu en und
die ge o de en Gegenleis ungen ü ih e
Koope a ion wei e zunehmen.
Zu den poli ischen Kos en zähl auch,
dass die libysche Ö en lichkei die eu opä-
ische Mig a ionspoli ik ablehn . Diese
Hal ung ich e sich zwa ehe gegen eine
pe zipie e als gegen die a sächliche EU-
Poli ik und wi d on poli ischen Ak eu en
geziel geschü . Doch de ak ische In e -
essensgegensa z is kaum on de Hand zu
weisen: Du ch die Ve hinde ung on Übe -
ah en we den Mig an en in Libyen es -
gehal en, was die Ö en lichkei als zuneh-
mend bed ohlich emp inde . Eu opas
Pa ne sind dagegen in e s e Linie Gewal -
ak eu e, die ma e iell on den Ab ang-
ope a ionen und dem In e nie ungssys em
p o i ie en.
Schließlich soll en die lang is igen Kon-
sequenzen diese Poli ik ü die Glaubwü -
digkei de EU und ih e Mi glieds aa en als
globale Ak eu e nich un e schä z we den.
Die Glaubwü digkei leide , wenn eu opäi-
sche Regie ungen – wie oben e läu e –
ü die Mig a ionskoope a ion Ve le zun-
gen des VN-Wa enemba gos e möglichen.
Vo allem abe wide sp ich kein Aspek
eu opäische Mig a ionspoli ik so ekla an
dem Ansp uch de EU, die Menschen ech e
zu espek ie en, wie die Nu zung des
In e nie ungssys ems als zen alem S and-
bein diese Poli ik in Libyen. Wi d sie
o gese z , dü e das unweige lich dazu
bei agen, diesen Ansp uch selbs zu
un e minie en.
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ISSN (P in ) 1611-6364
ISSN (Online) 2747-5018
DOI: 10.18449/2025A41
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