scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Auswirkung der europäischen CSR-Richtlinie (2014/95/EU) auf die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung – Eine empirische Untersuchung deutscher börsennotierter Unternehmen

Scheufen, Tim

Abstract

EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.

Full text

Scheufen, Tim Article Auswirkung der europäischen CSR-Richtlinie (2014/95/EU) auf die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung – Eine empirische Untersuchung deutscher börsennotierter Unternehmen Junior Management Science (JUMS) Provided in Cooperation with: Junior Management Science e. V. Suggested Citation: Scheufen, Tim (2022) : Auswirkung der europäischen CSR-Richtlinie (2014/95/ EU) auf die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung – Eine empirische Untersuchung deutscher börsennotierter Unternehmen, Junior Management Science (JUMS), ISSN 2942-1861, Junior Management Science e. V., Planegg, Vol. 7, Iss. 3, pp. 604-642, https://doi.org/10.5282/jums/v7i3pp604-642 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/294997 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 Junior Management Science journal homepage: www.jums.academy Effects of the European CSR Directive (2014/95/EU) on the Credibility of Sustainability Reporting – An Empirical Study of German Listed Companies Auswirkung der europäischen CSR-Richtlinie (2014/95/EU) auf die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung – Eine empirische Untersuchung deutscher börsennotierter Unternehmen Tim Scheufen Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen Abstract The European Union has implemented the CSR Directive 2014/95/EU with the aim to improve sustainability reporting in order to increase the trust of different stakeholders. There is evidence in the literature that stakeholders distrust the sustainability reporting of companies. The lack of credibility may lead to a loss legitimacy or acceptance in society. Accordingly, the master thesis raises the research question whether the implemented CSR directive has increased credibility in the sustainability reporting. To answer the research question the credibility of the sustainability reporting is quantified before and after the implementation of the CSR directive in a German sample (MDAX). Credibility is measured by a credibility index which consists of the following three dimensions: (1) Truth, (2) sincerity and (3) appropriateness & understandability. The results show a statistically significant increase in the dimensions of truth and sincerity after the introduction of the CSR directive. Therefore, the master thesis delivers empirical evidence for the effectiveness of the implemented CSR directive in the context of credibility. Zusammenfassung Die Europäische Union hat die CSR-Richtlinie 2014/95/EU auf den Weg gebracht, um die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verbessern und damit das Vertrauen der Stakeholder zu stärken. Die bestehende Literatur weist darauf hin, dass zahlreiche Stakeholder der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen mit Misstrauen gegenüberstehen. Die fehlende Glaubwürdigkeit führt dazu, dass das Unternehmen seine Legitimität bzw. Akzeptanz in der Gesellschaft verliert. Aus diesem Grund untersucht die Masterarbeit, ob die implementierte CSR-Richtlinie die Glaubwürdigkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung erhöht hat. Diese Fragestellung wird anhand einer deutschen Stichprobe untersucht (MDAX). Hierfür wird die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung vor und nach der Einführung der CSR-Richtlinie quantifiziert. Die Messung der Glaubwürdigkeit erfolgt mit Hilfe eines Glaubwürdigkeitsindex, welcher aus den folgenden drei Dimensionen besteht: (1) Wahrheit, (2) Wahrhaftigkeit sowie (3) Angemessenheit & Verständlichkeit. Die Ergebnisse zeigen einen statistisch signifikanten Anstieg der Dimensionen Wahrheit und Wahrhaftigkeit nach der Einführung der CSR-Richtlinie, was für die Wirksamkeit der durchgeführten CSR-Richtlinie hinsichtlich der Glaubwürdigkeit spricht. Keywords: CSR-Richtlinie 2014/95/EU; Glaubwürdigkeit; Nachhaltigkeitsberichterstattung; MDAX. 1. Einleitung Das Bedürfnis der Stakeholder1, über nachhaltigkeitsbezogene Inhalte informiert werden zu wollen, ist in den letzten 1Grundsätzlich wird im Rahmen der Masterarbeit bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern die männliche Form verwendet. Dies erfolgt aus dem Grund der besseren Lesbarkeit und impliziert keinerlei Wertung. Im Sinne der Gleichbehandlung werden grundsätzlich alle Geschlechter angesprochen. Jahren sukzessive gewachsen (Daub,2010, S. 30). Folglich wird die traditionelle Finanzberichterstattung oftmals durch eine gesonderte Nachhaltigkeitsberichterstattung (NBE) ergänzt (Frias-Aceituno, Rodríguez-Ariza & García-Sánchez, 2013, S. 45). Obwohl stetig mehr nichtfinanzielle Informationen (NFI) von Unternehmen publiziert werden, konnte das Misstrauen der Stakeholder in die NBE nicht beseitigt werden. Wider der Erwartung stieg das Misstrauen sogar DOI: https://doi.org/10.5282/jums/v7i3pp604-642 T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 605 (Spelthahn, Fuchs & Demele,2009, S. 61; Waddock & Goggins,2011, S. 25). Die Skepsis der Stakeholder artikuliert sich bspw. wie folgt: „Corporate social responsibility? Isn’t that an oxymoron?“, „Corporate social responsility, that’s just windowdressing” oder “That’s just greenwashing.” (Waddock & Goggins,2011, S. 27) Im Werbefilm des Energiekonzerns RWE streift im Jahre 2009 der grüne Riese durch die idyllische Natur und „pflanzt“ fröhlich Windsowie Wasserkraftanlagen. Zu dieser Zeit lag der Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix von RWE bei 2 % (Bentele & Nothhaft,2011, S. 45-46). Durch solche unglaubwürdigen Werbebotschaften fühlen sich Stakeholder darin bestärkt, dass Unternehmen die Kommunikation über Nachhaltigkeit nur zum Zwecke von wirtschaftlichen Interessen nutzen (Spelthahn et al.,2009, S. 61-62). Dabei sollte es im Interesse des Unternehmens sein, als glaubwürdig von seinen Stakeholdern wahrgenommen zu werden. Eine als glaubwürdig wahrgenommene NBE führt dazu, dass einem Unternehmen Legitimität zugesprochen wird (Lock,2016, S. 416-417). Ein gesellschaftlich legitimiertes Unternehmen zu sein, bietet Vorteile, wie z.B. geringere Finanzierungskosten, bessere Bewerberpools, den Aufbau von Reputation, u.v.m. (M. Fifka,2014, S. 11-12; Sandhu,2012, S. 167). In Folge mangelnder Legitimation durch die Stakeholder kann ein Unternehmen schlimmstenfalls gar boykottiert werden, in die öffentliche Kritik geraten oder rechtliche Konsequenzen auslösen (Spelthahn et al.,2009, S. 62). Das Hervorbringen einer glaubwürdigen NBE kann als zentrales Instrumentarium angesehen werden, gesellschaftliche Akzeptanz bzw. Legitimität zu generieren (Lock,2016, S. 416-417). Die zunehmende Relevanz der NFI für Stakeholder führte in den letzten Jahren dazu, dass weltweit zunehmend regulatorische Maßnahmen von politischer Seite getroffen wurden, um die Transparenz publizierter Inhalte im Kontext der Nachhaltigkeit zu erhöhen (Carrots & Sticks,2016, S. 9; Gulenko,2018, S. 3). Ebenso führte die Europäische Union (EU) die CSR-Richtlinie 2014/95/EU (CSR-RL) ein, wonach die europäischen Mitgliedsstaaten verpflichtet wurden, strengere Vorschriften in der NBE zu berücksichtigen (EU,2014b, S. 1-9). Die Europäische Kommission verspricht sich u.a. Folgendes von der Einführung der CSR-RL: „Each individual company disclosing transparent information on social and environmental matters will realise significant benefits over time, including [...]better relations with consumers and stakeholders. Investors and lenders will benefit from a more informed and efficient investment decision process.” (EU,2014a) Faktisch mangelt es der EU an empirischer Evidenz aus der Forschung, welche untersucht, ob das angestrebte Ziel, das Verhältnis zwischen Unternehmen und Stakeholdern zu verbessern, erreicht werden konnte (Maas & Sampers,2020, S. 266). Des Weiteren existieren in der Literatur ambivalente Ergebnisse hinsichtlich der Frage, ob eine verpflichtende NBE die Glaubwürdigkeit erhöht (Gulenko,2018, S. 11). Aus diesem Grund wirft die Masterarbeit folgende Forschungsfrage auf: Welche Auswirkungen hat die CSR-RL auf die Glaubwürdigkeit der NBE? Um das Forschungsvorhaben umzusetzen, wurde folgende inhaltliche Strukturierung vorgenommen: Zunächst erfolgt eine inhaltliche Abgrenzung des Terminus Glaubwürdigkeit. Nachdem über das Drei-Säulen-Modell typische Inhalte der NBE herausgearbeitet werden, wird die Bedeutung der Legitimität für ein Unternehmen beschrieben. Hierbei wird auf die Umwelt eines Unternehmens, das Vier-StufenPyramiden-Modell sowie die Legitimitätstheorie eingegangen. Danach erfolgt eine Erläuterung jener Indikatoren, die gemäß der aktuellen Forschung für eine glaubwürdige NBE stehen. Anschließend wird jeweils dem regulatorischen Hintergrund, dem aktuellen Forschungsstand sowie der Hypothesenherleitung ein Kapitel gewidmet. Aus der Theorie und der Empirie leitet sich die Hypothese ab, dass die CSR-RL zu einer glaubwürdigeren NBE führt. Der Forschungsgegenstand wird mit Hilfe einer Inhaltsanalyse als Forschungsmethodik untersucht. Um die Glaubwürdigkeit der NBE zu messen, nutzt die Masterarbeit einen bereits bestehenden Glaubwürdigkeitsindex. Der verwendete Glaubwürdigkeitsindex besteht aus den drei Dimensionen: Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Angemessenheit & Verständlichkeit (Mazzotta, Bronzetti & Veltri,2020, S. 1907). Diese leiten sich aus der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas ab (Habermas,2002). Bei der betrachteten Stichprobe handelt es sich um die Unternehmen des MDAX. Die Implementierung der CSR-RL durch den deutschen Gesetzgeber erfolgte in dem sog. CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG). Die Anwendung der Berichtspflicht trat für deutsche Unternehmen erstmalig für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2016 beginnen, ein (DNK,2018, S. 6). Dies ermöglicht eine Ex-PostEvaluation der Glaubwürdigkeit in der NBE vor und nach der Einführung des Gesetzes. In der Literatur wurden Einflussgrößen ermittelt, die einen Einfluss auf die Glaubwürdigkeit der NBE ausüben können (Ali, Frynas & Mahmood,2017, S. 276-287; Dienes, Sassen & Fischer,2016, S. 167). Für diese möglichen Störeinflüsse wird mittels einer multiplen linearen Regressionsanalyse kontrolliert. Die Veränderung der Glaubwürdigkeit wird mit Hilfe von deskriptiver und induktiver Statistik ausgewertet. Ein Fazit fasst die Kernergebnisse am Ende nochmals zusammen. 2. Glaubwürdigkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung Nachdem die begrifflichen Grundlagen, wie z.B. Glaubwürdigkeit oder NFI, erläutert werden, wird danach auf die Beziehung eines Unternehmens mit seiner Umwelt ausführlich eingegangen. Die Rolle der Legitimität wird hierbei in den Vordergrund gestellt. Nachdem eine glaubwürdige NBE als Voraussetzung für Legitimität identifiziert wird, beschäftigt sich das letzte Unterkapitel mit Indikatoren für eine glaubwürdige NBE, die bislang in der Forschung festgestellt werden konnten. T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642606 2.1. Definitorische Abgrenzung der Glaubwürdigkeit Es gibt aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht immer einen Kommunikator, der eine Botschaft an einen oder mehrere Informationsempfänger (Rezipienten) übermittelt (Spelthahn et al.,2009, S. 62). Die Frage, ob eine Botschaft als glaubwürdig einzustufen ist oder nicht, stellt sich immer dann, wenn eine gewisse Unsicherheit über den Wahrheitsgehalt einer Botschaft besteht. Eine kommunikationszentrierte Betrachtungsweise impliziert, dass eine Botschaft schon dann als glaubwürdig einzustufen ist, wenn der Kommunikator die Botschaft als zutreffend erachtet und keine Täuschungsabsicht vorliegt (Köhnken,1990, S. 4). Die rezipientenzentrierte Perspektive geht hingegen davon aus, dass Glaubwürdigkeit eine Eigenschaft ist, die ausschließlich vom Rezipienten der Kommunikationsquelle zugesprochen werden kann (Eisend,2003, S. 39). Im Rahmen der Masterarbeit ist die rezipientenzentrierte Betrachtungsweise relevant, da die Eigenschaft einer glaubwürdigen Kommunikation nur durch die Stakeholder als Rezipienten bewertet werden kann. Die Zuoder Absprache von Glaubwürdigkeit ist das Resultat dieser Evaluation. In der Alltagssprache werden die Begriffe Glaubwürdigkeit und Vertrauen meist synonym verwendet. Dabei weisen beide Begriffe einen unterschiedlichen Zeitund Objektbezug auf. Vertrauen ist auf die Zukunft und eher auf Objekte gerichtet. Zum Beispiel wird einem Flugzeug Vertrauen geschenkt, in dem man hofft, sicher zu reisen. Glaubwürdigkeit ist hingegen gegenwartsbzw. vergangenheitsorientiert und wird Subjekten zubzw. abgesprochen (Spelthahn et al.,2009, S. 63). Im Kontext der NBE können die Begriffe Glaubwürdigkeit und Vertrauen wie folgt abgegrenzt werden: Bei der Evaluation der NBE durch die Stakeholder ist die Glaubwürdigkeit betroffen, da es sich um eine Bewertung von vergangenheitsorientierten Inhalten handelt. Hingegen vertrauen die Stakeholder dem Unternehmen dahingehend, dass bspw. definierte Nachhaltigkeitsziele zukünftig tatsächlich umgesetzt werden. 2.2. Das Instrumentarium der Nachhaltigkeitsberichterstattung 1987 entwickelte die Sachverständigenkommission der Vereinten Nationen unter der Leitung der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland eine Definition für eine nachhaltige Entwicklung: Eine nachhaltige Entwicklung „[...]meets the needs of the present without compromising the ability of the future generations to meet their own needs.“ (Brundtland,1987, S. 15) Die Definition bezieht sich vor allem auf die intraund die intergenerationale Gerechtigkeit. Dieses normative Leitbild schreibt vor, dass bestimmte Menschen nicht auf Kosten anderer Menschen in anderen Regionen oder künftiger Generationen leben sollen (Kropp,2018, S. 5). Bis heute entwickelt sich das Verständnis, was Nachhaltigkeit in verschiedenen Kontexten bedeutet, kontinuierlich weiter (Moore, Mascarenhas, Bain & Straus,2017, S. 5). Dennoch kann die Brundtland-Definition als Minimalkonsens beurteilt werden, wie das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung zu verstehen ist. Eine nachhaltige Entwicklung entspricht einem dynamischen Prozess, wobei der Begriff der Nachhaltigkeit als angestrebtes Ziel anzusehen ist (Kropp, 2018, S. 6). Im Drei-Säulen-Modell (Abb. 1) wird die Nachhaltigkeit als „Dach“ dargestellt, welches auf drei „Säulen“ steht. Die Säulen Soziales, Wirtschaft und Umwelt stehen gleichberechtigt nebeneinander (Kropp,2018, S. 11). Demnach trägt bspw. die Gewinnmaximierung nur zur Nachhaltigkeit bei, wenn sie sowohl umweltals auch sozialverträglich ist (Elkington,1997, S. 49). Grundsätzlich tragen alle Individuen und Organisationen, wie z.B. Unternehmen, Staaten, private Haushalte etc., die Verantwortung, das Ziel der Nachhaltigkeit voranzutreiben (Kropp,2018, S. 17-22). Der privatwirtschaftliche Sektor und insbesondere multinationale Konzerne werden als wesentliche Akteure angesehen, die eine besonders große Wirkung erzielen können. Dies wird bspw. mit der Finanzstärke und dem vorhandenen Humankapital begründet (Berrone et al.,2019, S. 16). Während die finanzielle Publizitätspflicht bereits ihren Ursprung im 13. Jahrhundert in europäischen Städten hatte (Merkt,2001, S. 31-22), handelt es sich bei der NBE um eine Praxis, welche in Westeuropa erst in den 1970er aufkam (M. Fifka,2014, S. 3). Der gesellschaftliche Druck über ökologische und soziale Themen zu berichten, ist seit dem ständig gewachsen, sodass die Unternehmen die NBE als Kommunikationsmedium verwenden, um über nachhaltigkeitsbezogene Themen zu berichten (Daub,2010, S. 30). Die NBE befasst sich thematisch mit den drei Säulen Soziales, Umwelt sowie Wirtschaft (M. Fifka,2014, S. 4). In Tabelle 1sind beispielhaft Themen dargestellt, auf die sich die NBE beziehen kann (GRI,2016). Darüber hinaus zählen auch Informationen über die Unternehmensführung (Corporate Governance) sowie das Ethik-Management zu möglichen Themenbereichen der NBE. Die Unternehmensführung beschäftigt sich mit den Leitungsund Kontrollstrukturen, während sich das Ethik-Management mit der Erstellung eines Code of Conducts befasst (M. Fifka,2014, S. 5). Im Rahmen der Masterarbeit beschränkt sich die NBE analog zu anderen wissenschaftlichen Artikeln auf die Säulen Soziales und Umwelt sowie die Unternehmensführung. Der Begriff der nichtfinanziellen Informationen (NFI) umfasst ausschließlich diese Themenbereiche (z.B. Dumay, Frost & Beck,2015, S. 2). Die NBE kann entweder in den Lagebericht integriert werden oder aber das Unternehmen entscheidet sich dafür, über NFI in einem gesonderten Bericht zu informieren. Sofern ein gesonderter Bericht erstellt wird, kann es zu Schnittmengen zwischen dem Lagebericht und dem gesonderten Bericht kommen. Demnach berichtet ein Unternehmen u.U. sowohl über Emissionen, Energieverbrauch, Fluktuation der Mitarbeiter, etc. im Lagebericht als auch in dem gesonderten Bericht (Lackmann,2010, S. 32). Für einen gesonderten Bericht haben sich in der Praxis verschiedene Bezeichnungen entwickelt. Die Bezeichnungen CSR Report bzw. Nachhaltigkeitsbericht (Sustainability Report) haben sich jedoch weitestgehend durchgesetzt (M. Fifka,2014, S. 3-4). In der Empirie zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den In- T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 607 Abbildung 1: Drei-Säulen-Modell (in Anlehnung an Pufé,2017, S. 110) Tabelle 1: Mögliche Themen der NBE (eigene Darstellung) Soziales Wirtschaft Umwelt Einhaltung der Menschenrechte Unmittelbar erzeugter und ausgeschütteter wirtschaftlicher Wert Emissionsreduktion und Klimaschutz Karriereund Weiterbildungsmöglichkeiten für die Belegschaft Finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand Ressourcenund Energieeffizienz Diversität und die Gleichstellung von Mann und Frau Rechtsverfahren aufgrund von wettbewerbswidrigem Verhalten, Kartellund Monopolbildung Abfallmanagement und Recycling Sicherstellung sozialer Standards in der Lieferkette Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung Sicherstellung einer ökoloschen Lieferkette halten mit den verschiedenen Namensgebungen (M. Fifka, 2014,S.3;M. S. Fifka & Drabble,2012, S. 468-470). 2.3. Die Bedeutung der Legitimität für ein Unternehmen Nach der Erläuterung, was ein Stakeholder überhaupt ist und wie ein typisches Stakeholder Netzwerk eines Unternehmens aussieht, wird im Anschluss auf die Legitimitätstheorie sowie auf den Zusammenhang zwischen Glaubwürdigkeit und Legitimität in der NBE eingegangen. 2.3.1. Interne und externe Stakeholder Ein Stakeholder ist definiert als „any individual or group affect or is affected by the actions, decision, policies ,practices, or goals of the organization.” (Carroll & Buchholtz,2006, S. 66) In Abbildung 2sind ausgewählte Anspruchsgruppen dargestellt, die ein Unternehmen haben kann. Alle Stakeholder bzw. Anspruchsgruppen haben gemeinsam, dass sie ein berechtigtes Interesse (“Stake“) an einer Organisation besitzen (Carroll & Buchholtz,2006, S. 65). Zu unterscheiden sind sog. primäre (interne) und sekundäre (externe) Stakeholder. Primäre Stakeholder (z.B. Aktionäre, Arbeitnehmerschaft, Lieferanten) haben im Gegensatz zum sekundären Stakeholder (z.B. NGOs, Medien, Konkurrenzunternehmen) einen unmittelbaren Einfluss auf das Unternehmen und bestimmen den Erfolg maßgeblich. Ein Unternehmen operiert folglich in einer komplexen Umwelt, die aus diversen Anspruchsgruppen bestehen kann (Carroll & Buchholtz,2006, S. 68). Zudem wird in der Literatur zwischen drei verschiedenen „Stakes“ unterschieden, die im Folgenden im Kontext eines Unternehmens erläutert werden: Das erste „Stake“ bezieht sich auf rechtlich durchsetzbare Ansprüche. Zum Beispiel gibt es Eigentümer, die Anteile an einem Unternehmen halten und die damit verbundenen Rechte besitzen (z.B. Ausschüttung des Residualgewinns in Form von Dividenden, Stimmrecht, etc.). Ferner kann ein anderes im Gesetz verankertes Recht bestehen, einen bestimmten Anspruch, wie z.B. den gesetzlichen Mindestlohn, durchzusetzen (Carroll & Buchholtz,2006, S. 65). Ebenso existiert ein „Stake“ in Form eines moralischen Rechts, sodass bspw. distributionaleund prozedurale Gerechtigkeit in einem Unternehmen eingefordert werden kann (Carroll & Buchholtz, 2006, S. 65). Das letztes „Stake“ beschreibt ein berechtigtes Interesse, welches ein Stakeholder haben kann, da er in bestimmter Art und Weise durch die Entscheidungen eines Unternehmens tangiert wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Unternehmen schädliche Stoffe emittiert, welche für die umliegende Bevölkerung gesundheitsgefährdend sind (Carroll & Buchholtz,2006, S. 65). T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642608 Abbildung 2: Mögliche Stakeholder eines Unternehmens (eigene Darstellung) 2.3.2. Die Vier-Stufen-Pyramide Der populäre US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman äußerte sich 1962 wie folgt zur unternehmerischen Verantwortung: „[In a free society]... there is one and only one social responsibility of business – to use its resources and engage in activities designed to increase its profits.” (Friedman,2007, S. 178) Dieses Zitat verdeutlicht, dass die Eigentümer einer Unternehmung und die Gewinnmaximierung nach Friedman im Vordergrund stehen (Ferrero, Michael Hoffman & McNulty,2014, S. 39-43). Demgegenüber existiert die Idee der unternehmerischen Verantwortung, welche im Englischen unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) bekannt ist. Demnach trägt ein Unternehmen sehr wohl eine Verantwortung für die Gesellschaft (Carroll, Lipartito, Post & Werhane,2012, S. 31-376). In Abbildung 3ist die Vier-Stufen-Pyramide dargestellt (Carroll,1979,1991): Nach Carroll (1979, S. 500) wird CSR wie folgt definiert: „The social responsibility encompasses the economic, legal, ethical, and discretionary [philanthropic]expectations that society has of organizations at a given point in time.” Das Fundament stellt die ökonomische Verantwortung dar, das den künftigen Fortbestand eines Unternehmens sichert (Carroll,2016, S. 3). Die rechtliche Verantwortung fordert die Einhaltung von Gesetzen, welche eine kodifizierte Erwartungshaltung der Gesellschaft darstellt (Carroll,2016, S. 3-4). Neben expliziten Gesetzen erwartet die Gesellschaft jedoch ebenfalls die Beachtung impliziter ethischer Normen, die nicht im Gesetz verankert sind, allerdings trotzdem berücksichtigt werden sollten (Carroll,2016, S. 4). Um die rechtliche und ethische Verantwortung zu differenzieren, dient folgendes Beispiel: Für multinationale Konzerne ist es legal, Steuerumgehungsstrategien zu nutzen. Allerdings stellt sich die Frage, ob es als ethisch vertretbar anzusehen ist, dass die relevanten Länder, in denen der Absatz erzielt wird, nicht von den Steuern in Form von Gemeinwohlinvestitionen profitieren sollten (Walden & Depping,2015, S. 218-219). Die philanthropische Verantwortung inkludiert alle Aktivitäten, die von den vorausgegangenen Verantwortungsbereichen nicht einbezogen werden (Carroll,2016, S. 4). Dieser Verantwortungsbereich ist mit dem Corporate Citizenship („The Art of Giving Back to the Community“) gleichzusetzen. Hier sind vor allem das Corporate Giving (z.B. Geldoder Sachspenden), Corporate Foundations (z.B. Unternehmensstiftungen) oder auch das Corporate Volunteering (z.B. Freistellung von Mitarbeitenden für ehrenamtliche Tätigkeiten) zu nennen (Loew, Ankele, Braun & Clausen,2004, S. 53). Die Darstellung in Form einer Pyramide verdeutlicht, dass ein Unternehmen zu aller erst wirtschaftlich rentabel und gesetzeskonform agieren muss, bevor es ethische oder philanthropische Aspekte implementieren kann. Der ethische Verantwortungsbereich wird von der Gesellschaft erwartet und der philanthropische Verantwortungsbereich wird sukzessive für Stakeholder wichtiger (Carroll,2016, S. 4). 2.3.3. Legitimitätstheorie Ein Unternehmen besitzt nicht naturgegeben und uneingeschränkt das Recht wirtschaftlich aktiv zu sein. Viel mehr benötigt es von seiner Umwelt bzw. seinen Stakeholdern Legitimation bzw. die sog. „License to Operate“ (Demuijnck & Fasterling,2016, S. 677-679). Folgende Definition fasst zusammen, was der Begriff Legitimität bedeutet: „Legitimität ist eine verallgemeinerte Wahrnehmung oder Annahme, dass die Handlungen eines sozialen Gebildes innerhalb eines sozial konstruierten Systems von Normen, Werten, Glaubensannahmen und Definitionen als erstrebenswert, T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 609 Abbildung 3: Vier-Stufen-Pyramide (in Anlehnung an Carroll,2016, S. 5) zweckmäßig oder angemessen gelten.“ (Sandhu, 2012, S. 165) Ein Unternehmen kann als legitim oder illegitim von seiner Umwelt angesehen werden. Die Zuschreibung von Legitimität erfolgt nicht durch einzelne Individuen, sondern dies geschieht nur durch soziale Gruppen mit gleichen Normen, Werten, Glaubensannahmen und Definitionen (Berger & Luckmann,2004, S. 62). Dabei resultiert die Legitimität aus der umfassenden Historie bzw. der Erfahrung mit dem Unternehmen und kurzfristige Ereignisse führen nicht unmittelbar zur Absprache von Legitimität (Sandhu,2012, S. 166). Obgleich ein Unternehmen seine Legitimität meist nicht durch einzelne Vorfälle vollständig einbüßt, kann sie jedoch z.B. durch Skandale oder moralisch fragwürdige Handlungsweisen angegriffen werden (Demuijnck & Fasterling, 2016, S. 678; Suchman,1995, S. 574). Gemäß der Literatur sind die pragmatische-, die moralischesowie die kognitive Legitimität voneinander zu unterscheiden: Ein Unternehmen sollte aus rein strategischen Erwägungen nach Legitimität streben, da der Zugang zu Ressourcen, wie z.B. Kapital, Personal, etc., erleichtert wird (M. Fifka, 2014, S. 11-12; Sandhu,2012, S. 167). Zudem kann ein Unternehmen, das nicht den Erwartungen seiner Umwelt entspricht, als unzuverlässig, irrational oder unnötig stigmatisiert werden und damit einen Reputationsverlust erleiden (Sandhu,2012, S. 167; Suchman,1995, S. 575). Diese Form der Legitimität wird auch als pragmatische Legitimität bezeichnet (Lock,2016, S. 419). Das kalkulierbare Eigeninteresse eines Unternehmens steht hierbei im Vordergrund (Sandhu,2012, S. 169; Suchman,1995, S. 578). Moralische Legitimität liegt dann vor, wenn der Abgleich zwischen dem, was das Unternehmen tut und dem, was die Umwelt verlangt bzw. als richtig ansieht, positiv für das Unternehmen ausfällt (Lock,2016, S. 419). Konkret ist moralische Legitimität definiert als „[...]die wertbezogene, positive Beurteilung einer Organisation [...]“ und diese „[...]liegt vor, wenn eine Organisation die wertbasierten Anforderungen ihrer Umwelt erfüllt.“ (Sandhu,2012, S. 171) Die dritte Form der Legitimität ist die sogenannte kognitive Legitimität. Zum einen trägt ein einfach zu verstehendes Geschäftsmodell (z.B. Apotheke, Bäckerei) dazu bei, dass eine Unternehmung als legitim angesehen wird. Außerdem gibt es Unternehmen, die per se eine hohe Legitimität genießen (z.B. Krankenhäuser, Anwaltskanzleien), da die Gesellschaft ohne sie nicht funktionieren würde (Sandhu,2012, S. 167, 173; Suchman,1995, S. 582). In Abbildung 4ist nochmals das Zusammenspiel von Unternehmen mit dessen Umwelt bzw. Stakeholder dargestellt. Die Literatur geht davon aus, dass ein impliziter sozialer Vertrag zwischen einem Unternehmen und der Gesellschaft bzw. verschiedenen Stakeholdergruppen besteht (Carroll & Buchholtz,2006, S. 17). Im gemeinsamen Austausch muss das Unternehmen ständig beweisen, dass es mit den normativen Erwartungen der Stakeholder in Einklang steht, da die Legitimität von der Erfüllung dieses (impliziten) Vertrages abhängig ist (Cho, Laine, Roberts & Rodrigue,2015, S. 80). Dieser Aspekt bezieht sich wie oben erläutert auf die moralische Legitimität. Die Einhaltung von Gesetzen ist hingegen zwingend für ein Unternehmen. Die Vermeidung einer Strafzahlung oder negativer öffentlicher Kritik durch einen Gesetzesverstoß beruht auf dem Eigeninteresse des Unternehmens und ist demnach der pragmatischen Legitimität zuzuordnen. Kognitiv legitimierte Unternehmen werden gesellschaftlich nicht mehr hinterfragt und sind entsprechend weniger von der pragmatischenbzw. moralischen Legitimität abhängig. 2.4. Glaubwürdigkeit als Voraussetzung für Legitimität Das Konzept der Legitimität ist eng verwoben mit Glaubwürdigkeit. Eine als glaubwürdig wahrgenommene NBE führt dazu, dass einem Unternehmen Legitimität zugesprochen wird. Vice versa führt eine unglaubwürdige NBE zu einer Minderung der Legitimität (Lock,2016, S. 416-417). Damit ist eine glaubwürdige Kommunikation integraler Bestandteil für eine langlebige und vertrauensvolle Beziehung mit seinen Stakeholdern (Lock,2016, S. 414). Moralische Legitimität kann in einem deliberativen Austausch, z.B. mittels der NBE, zwischen einem Unternehmen und seiner Umwelt erzielt werden (Seele & Lock,2015, S. 403). T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642610 Abbildung 4: Unternehmen und Stakeholder im ständigen Austausch (in Anlehnung an Carroll & Buchholtz,2006, S. 18) Abbildung 5: Kommunikationsmodell - Legitimitätsbasierter Glaubwürdigkeitsansatz (in Anlehnung an Seele & Lock,2015, S. 404) In Abbildung 5ist ein kommunikationswissenschaftliches Modell abgebildet. Der Kommunikator ist das Unternehmen. Die Botschaft ist in der NBE selbst enthalten, die an die Stakeholder des Unternehmens als Informationsempfänger adressiert ist. Für die Bestimmung einer glaubwürdigen Botschaft bedient sich die Accountingforschung der Theorie des kommunikativen Handelns, welche vom deutschen Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas entwickelt wurde (z.B. Lock,2016, S. 422; Mazzotta et al.,2020, S. 1902). Habermas differenziert zwischen verschiedenen Geltungsansprüchen, die einer idealen Kommunikation auffindbar sein sollten: (a) Wahrheit, (b) Wahrhaftigkeit, (c) Angemessenheit und Verständlichkeit (Habermas,2002, S. 63-64). Bei der Wahrheit geht es darum, dass der Kommunikator in seiner Botschaft bei der objektiven Wahrheit bleibt. Die Wahrhaftigkeit kann als subjektive Wahrheit betrachtet werden und beschreibt die Eigenschaft, in seiner Botschaft aufrichtig zu sein.2Angemessenheit und Verständlichkeit bedeutet, dass das Unternehmen angemessen kommuniziert sowie eine möglichst einfache Sprache zu verwenden versucht (Habermas,2002, S. 63-64; Reynolds & Yuthas,2008, S. 53-54). Wenngleich immer mehr Unternehmen NFI publizie2Ein Beispiel, was den Glaubwürdigkeitsverlust durch eine unwahrhaftige Aussage wiedergibt, ist der Abgasskandal des Volkswagen-Konzerns. Noch 2014 betonte Volkswagen in seiner NBE stets, dass eine umweltfreundliche Mobilität zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sei (Blackwelder, Coleman, Colunga-Santoyo, Harrison & Wozniak,2016, S. 1). Ein Jahr später wurde der Abgasskandal publik. Um die Grenzwerte verschiedener Autoabgase einzuhalten, bediente sich der Konzern einer Abschalteinrichtung, die die Abgaswerte auf dem Prüfstand verfälschten (Siano, Vollero, Conte & Amabile,2017, S. 29-30). Die Aufrichtigkeit der Botschaft in der NBE, nämlich eine nachhaltige Mobilität voranzutreiben, kann im Nachhinein angezweifelt werden und führt zu einer Schädigung des Vertrauens der Stakeholder in künftige nachhaltigkeitsbezogene Zielsetzungen des Unternehmens. ren, ist die Glaubwürdigkeitslücke paradoxerweise gestiegen (Waddock & Goggins,2011, S. 25). Demnach stellt das Erreichen von gesellschaftlicher Akzeptanz eine Herausforderung dar. Mangelnde Legitimation kann schlimmstenfalls dazu führen, dass die Umwelt bzw. die Stakeholder ein Unternehmen boykottieren, in der Öffentlichkeit negative Kritik entsteht oder gar rechtliche Konsequenzen (z.B. in Form von einer strengeren künftigen Gesetzgebung) für das Unternehmen zu befürchten sind (Spelthahn et al.,2009, S. 62). 2.5. Indikatoren für eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsberichterstattung Da die Glaubwürdigkeit ein komplexes Konstrukt darstellt, ist es notwendig im Rahmen dieses Kapitels auf mögliche Indikatoren für eine glaubwürdige NBE einzugehen. Die Erläuterungen orientieren sich an dem Glaubwürdigkeitsindex nach Mazzotta et al. (2020, S. 1907), welcher sich an den vier Geltungsansprüchen Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Angemessenheit und Verständlichkeit von Habermas orientiert. In Abbildung 6sind die Indikatoren für eine glaubwürdige NBE illustriert. Bei den genannten Aspekten handelt sich um Merkmale einer NBE, die bereits in der Forschung theoretisch bzw. empirisch untersucht wurden. Der Rest des Kapitels widmet sich der Erklärung der einzelnen Aspekte aus Abbildung 6. Im empirischen Teil der Masterarbeit werden die Aspekte in messbare Variablen umgewandelt. Dieses Kapitel repräsentiert das argumentative Fundament für die ordinale Bewertung der im Glaubwürdigkeitsindex verwendeten Variablen. 2.5.1. Externe Prüfung (Wahrheit) Um dem Misstrauen der Stakeholder entgegenzuwirken, beauftragen Unternehmen externe Prüfer, die die veröffentlichten Informationen der NBE kritisch würdigen (Spelthahn T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 611 Abbildung 6: Indikatoren für eine glaubwürdige NBE (eigene Darstellung) et al.,2009, S. 66). Diverse wissenschaftliche Publikationen belegen, dass eine externe Prüfung die Glaubwürdigkeit in der NBE erhöhen (Hodge, Subramaniam & Stewart,2009, S. 178; Romero, Fernandez-Feijoo & Ruiz,2014, S. 491-493; Wong & Millington,2014, S. 880-882). In der Literatur wird bei den Anbietern der Prüfungsdienstleistung zwischen Accounting Sustainability Assurance Provider (ASAP) und Non-Accounting Sustainability Assurance Provider (NASAP) differenziert (Edgley, Jones & Atkins,2015, S. 3). Die ASAPs werden hauptsächlich durch die Big-Four-Prüfungsgesellschaften, bestehend aus Ernst & Young (EY), PricewaterhouseCoopers (PwC), KPMG und Deloitte, repräsentiert. Diese haben sich bereits frühzeitig am Markt positioniert, um ihr Dienstleistungsportfolio in der Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten zu erweitern (Ackers, 2009, S. 11; Manetti & Becatti,2009, S. 293). Dem gegenüber stehen die NASAP, die vorrangig aus Ingenieursund Zertifizierungsunternehmen, auf Nachhaltigkeit spezialisierte Unternehmensberatungen oder auch weitere Praktiker (z.B. NGOs, Akademische Institutionen, etc.) bestehen (Perego & Kolk,2012, S. 15). Naheliegend für ein Unternehmen ist es, einen ASAP für die externe Prüfung zu beauftragen, da sich dieser bereits im Rahmen der Jahresabschlussprüfung mit der operativen Tätigkeit des Unternehmens beschäftigt hat (Gillet,2012, S. 81). Dennoch gibt es einige Vorzüge für die Beauftragung von NASAPs. Es wird bezweifelt, dass ASAP als Experten für das Handelsund Steuerrecht dasselbe Kompetenzprofil wie Ethiker, Soziologen oder Naturwissenschaftler (häufig vorkommende Qualifikationen von NASAPs) besitzen (Farooq & De Villiers, 2017, S. 86; Gray,2000, S. 262-263). Gleichzeitig waren die ASAPs historisch gesehen häufiger in Skandale verwickelt, welches die Objektivität und Unabhängigkeit in Frage stellt (Farooq & De Villiers,2017, S. 87). Ein bekanntes Beispiel ist der Fall Arthur Andersen, in dem die ehemalige Big-Five-Prüfungsgesellschaft wichtige Unterlagen aus der Konzernabschlussprüfung von Enron trotz angekündigter Ermittlungen vernichteten und damit die Ermittlungen der Justiz behinderten (Li,2010, S. 37-41). Aufgrund des Kompetenzarguments sowie einer höher wahrgenommenen Objektivität bzw. Unabhängigkeit bevorzugen die externen Stakeholder die NASAPs (Wong & Millington,2014, S. 880). Folglich wird im Kontext einer glaubwürdigen NBE ein NASAP im direkten Vergleich einem ASAP bevorzugt. Der Umfang der externen Prüfung kann variieren. Dieser kann entweder spezifische NFI (z.B. bestimmte nur bestimmte Kennzahlen) oder den kompletten Nachhaltigkeitsbericht umfassen. Der Inhalt der Prüfung wird ex ante zwischen dem Unternehmen und der Prüfungsgesellschaft festgelegt. Um das Ziel einer glaubwürdigen NBE zu erreichen, sollte die externe Prüfung vollumfänglich und nicht selektiv erfolgen (Mazzotta et al.,2020, S. 1905). Die Prüfungssicherheit kann als Wahrscheinlichkeitsbegriff aus dem Prüfungswesen verstanden werden, der maßgeblich zur Qualität des Prüfungsurteils beiträgt (Leffson, Lippmann & Baetge,1969, S. 16). Nach Hagest (1975, S. 35-40) macht die Prüfungssicherheit darüber eine Aussage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das getroffene Prüfungsurteil korrekt ist. Dem gegenüber steht das Prüfungsrisiko, wonach ein Prüfer ein bestätigendes Prüfurteil fällt, obgleich Informationen wesentlich falsch dargestellt werden (Marten, Quick & Ruhnke,2007, S. 214). Demnach besteht eine inverse Beziehung zwischen Prüfungssicherheit und Prüfungsrisiko dar, die mathematisch wie folgt ausgedrückt werden kann: Prüfungssicherheit [in %] = 1 – Prüfungsrisiko [in %]. Wenn das Prüfungsrisiko gemindert wird, dann erfolgt eine Erhöhung der Prüfungssicherheit und vice versa (Stibi,1995, S. 47). Diverse Prüfungshandlungen, wie z.B. Aufbauund Funktionsprüfungen, analytische und einzelfallbezogene Prüfungshandlungen, helfen dabei, das Prüfungsrisiko zu mindern (Almeling, Flick & Scharr,2020, S. 57-71). Das Ausmaß der Prüfungshandlungen erfolgt in Abhängigkeit von der verlangten Prüfungssicherheit (Leffson et al.,1969, S. 16). Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Prüfungssicherheit und der Korrektheit des Prüfungsurteils. Folglich steigt bei einer höheren Prüfungssicherheit die Verlässlichkeit bzw. Glaubwürdigkeit des Prüfungsurteils (Lubitzsch,2008, S. 100). In der Praxis wird meist entweder der International Standards on Assurance Engagement 3000 (ISAE 3000) oder der AccountAbility 1000 T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642618 Messung der Glaubwürdigkeit anhand des genannten Glaubwürdigkeitsindex erfolgt sowohl für die Geschäftsjahre vor als auch nach der Einführung der CSR-RL. Demnach werden die Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2016 beginnen mit dem vorausgegangenen Geschäftsjahr verglichen. Die statistische Auswertung des ex-ante-ex-post-Vergleichs erfolgt mit Hilfe von deskriptiver und induktiver Statistik in den Kapiteln 6.5.1 sowie 6.5.2. In der Literatur sind Einflussgrößen bekannt, die die Glaubwürdigkeit beeinflussen können. Die relevanten Kontrollvariablen werden zunächst im Kapitel 6.4 erläutert und definiert. Diese fließen in die induktive Statistik des Kapitels 6.5.2 mit ein. Mit Hilfe einer linearen multiplen Regressionsanalyse wird für mögliche Störeinflüsse kontrolliert. Im Kapitel 6.5.3 werden anschließend die Ergebnisse diskutiert und im Kapitel 6.6 werden die Limitationen des Forschungsvorhabens dargestellt. 6.1. Forschungsmethodik Im Rahmen der Masterarbeit wird zur Messung der Glaubwürdigkeit eine Inhaltsanalyse durchgeführt. Die Inhaltsanalyse ist definiert als „a research technique for making replicable and valid inferences from texts (or other meaningful matter) to the contexts of their use.” (Krippendorff (2004, S. 18)) Zweck dieser Forschungsmethodik ist also, aus qualitativen Informationen quantitative Daten abzuleiten. Wie in Kapitel 4 zu sehen ist, handelt es sich bei dieser Forschungsmethodik um eine übliche wissenschaftliche Verfahrensweise in der Accountingforschung, um Daten zu generieren. Zu unterscheiden ist die formale qualitative Inhaltsanalyse von der evaluativen qualitativen Inhaltsanalyse (Schreier (2014, S. 8-13)). Die formale qualitative Inhaltsanalyse beschränkt sich auf das Erfassen und Beschreiben von Informationen unter formalen und strukturellen Gesichtspunkten (z.B. Wortanzahl, Lesbarkeitsformeln, etc.) (Schreier (2014, S. 12)). Demgegenüber bewertet die evaluative qualitative Inhaltsanalyse die Qualität der Inhalte. Dahinter steht die Annahme, dass manche Informationen nützlicher sind als andere (Hooks & van Staden,2011, S. 200). Beide Varianten der Inhaltsanalyse haben gemeinsam, dass ein Kodierungsrahmen mit relevanten Kategorien geschaffen wird und anschließend die zu bewertenden Daten anhand der vorher festgelegten Kodierung bewertet werden (Schreier,2014, S. 20). Bei dem verwendeten Glaubwürdigkeitsindex von Mazzotta et al. (2020), der im Kapitel 6.3 erläutert wird, werden beide Varianten der Inhaltsanalyse verwendet. Es gibt Kategorien, die sich auf formale bzw. strukturelle Aspekte beziehen (z.B. Seitenlänge, Anzahl visueller Seiten, Lesbarkeitsformel nach Flesch). Anderseits bestehen im Glaubwürdigkeitsindex Kategorien, die ordinal im Sinne einer evaluativ qualitativen Inhaltsanalyse bewertet werden (z.B. Anbieter der Prüfungsleistung, Organisationale Verankerung der Nachhaltigkeit, etc.). Demnach folgt diese Vorgehensweise der Logik, dass das Vorliegen eines Merkmals nützlicher ist als ein anderes Merkmal. Da der Großteil der Kategorien der evaluativen qualitativen Inhaltsanalyse folgt, wird der Glaubwürdigkeitsindex der „Meaning-oriented Approach: Interpretative Content Analysis“ zugeordnet (Helfaya et al.,2018, S. 167; Mazzotta et al.,2020, S. 1905). Im Gegensatz zu rein formal qualitativen Inhaltsanalysen ist demnach ein größerer Interpretationsspielraum in der Bewertung gegeben (M. Smith & Taffler,2000, S. 638). 6.2. Stichprobe Zunächst wird die Auswahl der Grundgesamtheit der Stichprobe erläutert, während anschließend eine Erklärung erfolgt, weswegen manche Unternehmen nicht in die Stichprobe mitaufgenommen werden konnten. 6.2.1. Begründung der gewählten Stichprobe In der vorliegenden Masterarbeit wurden die Unternehmen des MDAX betrachtet. Während der DAX die 30 größten deutschen Unternehmen nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz abbildet, beinhaltet der MDAX die 50 nächstgrößeren Unternehmen. Der MDAX wurde 1996 von dem Unternehmen Deutsche Börse AG entwickelt und ist seit dem Teil der DAX-Familie, die aus dem DAX, MDAX sowie dem SDAX besteht (QONTIGO,2021). In der empirischen Accountingforschung hat es sich etabliert, die Stichprobenauswahl an einem Aktienindex anzulehnen (Aggarwal,2013, S. 54-55). Dies birgt den Vorteil, dass die Unternehmen nach objektiven Kriterien in die Stichprobe einfließen und keiner Selektionsverzerrung im Auswahlprozess unterliegen. Darüber hinaus beschränkt sich die Stichprobe bewusst auf eine EU-Nation Deutschland. Damit kann auf einen zwischenstaatlichen Vergleich der Umsetzung der CSR-RL in die nationale Gesetzgebung verzichtet werden. Ferner muss im Rahmen der empirischen Untersuchung nicht auf kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern geachtet werden, was ebenso einen Vorzug einer „Ein-Land-Betrachtung“ darstellt. Kulturelle Einflüsse besitzen nachweislich einen Einfluss auf die NBE (Gallego-Álvarez & Ortas,2017, S. 351). Daneben war vor dem CSR-RUG die NBE für deutsche Unternehmen weitestgehend freiwillig, sodass ein ex-ante-expost-Vergleich vor und nach der Gesetzesreform eine isolierte Betrachtung der Gesetzesreform erlaubt. Ein Zweijahresvergleich ist insofern gerechtfertigt, weil die Wirkungskraft durch die neue Gesetzgebung bereits unmittelbar nach dessen Inkrafttreten zu erwarten ist (Mion & Loza Adaui,2019, S. 9). Außerdem konnte vom Autor in der Literatur keine vergleichbare Stichprobe aufgefunden werden, die einen exante-ex-post-Vergleich nach Einführung der CSR-RL untersucht hat. Neben den untersuchten DAX-Unternehmen in der empirischen Studie von Mion und Loza Adaui (2019), erfolgt demnach eine Erweiterung der Stichprobe, was die Robustheit der Ergebnisse nochmal verstärken kann. 6.2.2. Auswahlprozess Es wurden jene MDAX-Unternehmen in die Analyse inkludiert, die vor der Indexanpassung im September 2018 im MDAX enthalten waren. Hierfür wurde die historische Entwicklung des MDAX nachvollzogen und jene Unternehmen T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 619 in die Stichprobe aufgenommen, die im August 2018 im Index waren (DAX-Indices,2021, S. 8-14). Damit ergibt sich eine Grundgesamtheit von 50 Unternehmen. Ein Unternehmen unterliegt den Vorschriften des CSR-RUG gemäß § 289b HGB nur dann, wenn die einschlägigen Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind. Laut § 267 Abs. 3 S. 2 HGB gilt, dass eine kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaft stets als große Kapitalmarktgesellschaft einzustufen ist. Da alle Unternehmen des MDAX kapitalmarktorientiert sind, sind die Voraussetzungen des § 289b Abs. 1 Nr. 1, 2 HGB erfüllt. Das Überschreiten der 500 Beschäftigten gemäß § 289b Abs. 1 Nr. 3 HGB trifft bis auf eine Ausnahme auf alle Unternehmen zu. Die Deutsche Euroshop AG ist eine Beteiligungsgesellschaft, die die Voraussetzung von mindestens 500 Beschäftigten nicht erfüllt. Damit wird die Deutsche Euroshop AG aus der Stichprobe exkludiert. Ferner gibt es vier Unternehmen, die aufgrund ihres Unternehmenssitzes im Ausland nicht dem deutschen CSR-RUG nach § 289b HGB unterliegen. Für drei Unternehmen ist das luxemburgische (Aroundtown S.A., Grand City Properties S.A., RTL Group S.A.) und für ein Unternehmen das niederländische (Airbus SE) Handelsrecht anzuwenden. Auf die Einbeziehung dieser Unternehmen wurde verzichtet, da ausschließlich der isolierte Effekt der deutschen Gesetzesreform betrachtet wird. Die NBE der Axel Springer SE, der WACKER Chemie AG sowie die Dürr AG beinhalten zeitliche Inkonsistenzen. Beispielsweise berichten die ersten beiden genannten Unternehmen nur alle zwei Jahre zum Thema Nachhaltigkeit und bei der Dürr AG erfolgt die NBE abweichend zum Geschäftsjahr. Zeitliche Inkonsistenzen erschweren den Vergleich zwischen den Unternehmen und es kann nicht mehr sinnvoll für Störeinflüsse kontrolliert werden. Folglich wurden die drei Unternehmen aus der Stichprobe entfernt. Die Bewertung der Glaubwürdigkeit für die Uniper SE kann aufgrund unzureichender Datenlage nicht vorgenommen werden. Online verfügbar ist lediglich ein Kurzbericht und in diesem wird explizit auf die vollständige Version für detaillierte Informationen hingewiesen. Nach Rücksprache mit der Senior Sustainability Managerin des Unternehmens stellte sich heraus, dass die detaillierten Informationen in der Vergangenheit im Internet abrufbar waren. Diese sind jedoch nicht mehr verfügbar. 6.2.3. Beschreibung der gewählten Stichprobe Nach Abzug aller exkludierten Unternehmen beträgt die gesamte Stichprobengröße 41 (N =41). Alle in die Inhaltsanalyse mit einbezogenen Unternehmen sind in Tabelle 2 dargestellt: In Abbildung 8ist die Branchenverteilung der betrachteten Unternehmen visuell in einem Kuchendiagramm dargestellt. Zu erkennen ist, dass die beiden Branchen Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik sowie Finanzen über die Hälfte (51 %) der Gesamtstichprobe ausmachen. Gefolgt von den Branchen Handel & Konsum (17 %) sowie Chemie & Pharmazie (15 %) bilden die Branchen Medien (10 %) sowie Energie & Rohstoffe (7 %) das Schlusslicht. 6.3. Messung der Glaubwürdigkeit Während im Kapitel 2.5 die Indikatoren für eine glaubwürdige NBE und deren ordinale Bewertung erläutert wurde, erfolgt in diesem Kapitel eine Beschreibung des Kodierungsrahmens. Alle diese Variablen sind notwendig, um das komplexe Konstrukt der Glaubwürdigkeit zu quantifizieren. Die Messung der einzelnen Variablen erfolgt in enger Anlehnung an Mazzotta et al. (2020). Sofern es bewusste Abweichungen in der Bewertung im Vergleich zu den Autoren gibt, wird darauf explizit hingewiesen. Für die Inhaltsanalyse wurden die Geschäftsberichte sowie - sofern vorhanden - der gesonderte Nachhaltigkeitsbericht zur Bestimmung der Glaubwürdigkeit verwendet.5 Die minimale Punktzahl des Glaubwürdigkeitsindex (GW) ist null und die maximal zu erreichende Punktzahl beträgt 21. Der Glaubwürdigkeitsindex setzt sich aufgeschlüsselt nach den Dimensionen von Habermas wie folgt zusammen: (1) Wahrheit (W) mit zehn Punkten ( 48 % der Gesamtpunktzahl), (2) Wahrhaftigkeit (WH) mit neun Punkten ( 43 % der Gesamtpunktzahl) sowie (3) Angemessenheit & Verständlichkeit (AV) mit zwei Punkten ( 9 % der Gesamtpunktzahl). Damit fließen die Dimensionen Wahrheit und Wahrhaftigkeit in etwa mit der gleichen Punktzahl in den Glaubwürdigkeitsindex ein, während die Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit eine eher untergeordnete Gewichtung einnimmt. Tabelle 3illustriert die berechneten standardisierte Cronbach’s Alpha-Werte. Mit Ausnahme der Dimensionen Wahrhaftigkeit und Angemessenheit & Verständlichkeit nach der CSR-RL sind die standardisierten Cronbach’s Alpha-Werte größer als 0,7. Insbesondere zeigen die standardisierten Cronbach’s Alpha-Werte für den Glaubwürdigkeitsindex, dass es sich um ein reliables Messinstrument handelt. In Tabelle 4sind alle Variablen mit den möglichen Ausprägungen und der jeweiligen Kodierung der Merkmalsausprägung aufgeführt. 6.3.1. Externe Prüfung (Wahrheit) Beim Anbieter der Prüfungsleistung wird zwischen keiner externen Prüfung, einer externen Prüfung durch einen ASAP sowie einer externen Prüfung durch einen NASAP unterschieden. Sofern das betrachtete Unternehmen sich keiner externen Prüfung unterzog, wird kein Punkt vergeben. Bei der Begutachtung durch einen ASAP, d.h. durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wird ein Punkt vergeben, wohingegen die Prüfung durch einen NASAP mit zwei Punkten honoriert wird. Im wissenschaftlichen Artikel von Mazzotta et al. (2020, S. 1907) wird hingegen nur ein Punkt vergeben, wenn die Prüfung durch einen NASAP erfolgt. Bei der Analyse italienischer Unternehmen ergibt diese Herangehensweise in der Punktevergabe Sinn, da die nationale Gesetzgebung eine externe Prüfung durch einen ASAP vorschreibt (Krasodomska, Simnett & Street,2021, S. 110). Der deutsche Gesetzgeber schreibt eine externe Prüfung hingegen nicht vor 5Die verwendeten Datenquellen sind auf dem beigefügten digitalen Datenträger unter dem Ordner „Stichprobe NBE“ einsehbar. T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642620 Tabelle 2: Stichprobenübersicht mit Angaben zum Unternehmenssitz und zur Branche (eigene Darstellung) Unternehmen Sitz Branche Aareal Bank AG Wiesbaden Finanzen Aurubis AG Hamburg Energie & Rohstoffe Brenntag AG Essen Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik Ceconomy AG Düsseldorf Handel & Konsum CTS Eventim AG & Co. KGaA München Medien Delivery Hero AG Berlin Medien Deutsche Wohnen SE Berlin Finanzen Deutsche Pfandbriefbank AG München Finanzen Evonik Industries AG Essen Chemie & Pharmazie Fielmann AG Hamburg Handel & Konsum Fraport AG Frankfurt a. M. Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik FUCHS PETROLUB SE Mannheim Chemie & Pharmazie GEA Group AG Düsseldorf Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik Gerresheimer AG Düsseldorf Chemie & Pharmazie Hannover Rück SE Hannover Finanzen Hella GmbH & CO KGaA Lippstadt Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik HOCHTIEF AG Essen Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik HUGO BOSS AG Metzingen Handel & Konsum innogy SE Essen Energie & Rohstoffe Jungheinrich AG Hamburg Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik K+S AG Kassel Chemie & Pharmazie KION Group AG Wiesbaden Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik LANXESS AG Köln Chemie & Pharmazie LEG Immobilien AG Düsseldorf Finanzen LEONI AG Nürnberg Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik METRO AG Düsseldorf Handel & Konsum MTU Aero Engines AG München Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik NORMA Group SE Maintal Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik Osram Licht AG München Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik ProSiebenSat.1 Media SE Unterföhring Medien PUMA SE Herzogenaurach Handel & Konsum Rheinmetall AG Düsseldorf Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik Rocket Internet Berlin Finanzen Salzgitter AG Salzgitter Energie & Rohstoffe Schaeffler AG Herzogenaurach Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik Scout24 AG München Elektronik, Hardund Software Ströer SE & Co. KGaA Köln Medien Symrise AG Holzminden Chemie & Pharmazie TAG Immobilien AG Hamburg Finanzen Talanx AG Hannover Finanzen Zalando SE Berlin Handel & Konsum Abbildung 8: Branchenverteilung, N =41 (eigene Darstellung) T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 621 Tabelle 3: Glaubwürdigkeitsindex - Standardisiertes Cronbach’s Alpha, N =41 (eigene Darstellung) W WH AV GW Vorher 0,819 0,875 0,740 0,917 Nachher 0,723 0,663 0,392 0,818 Tabelle 4: Glaubwürdigkeitsindex - Variablenübersicht (eigene Darstellung) Subdimension Variable Variablenausprägung (Kodierung in Klammern) WAHRHEIT Externe Prüfung Anbieter Nein (0) ASAP (1) NASAP (2) Prüfungsumfang Selektiv (0) Umfassend (1) - Prüfungssicherheit Mittel (0) Hoch (1) - Eigenschaften der NBE Verwendung eines Rahmenwerks Nein (0) GRI „Kern“/Andere (1) GRI „Umfassend“ (2) Seitenlänge der NFI Seitenlänge: Normalisiert zwischen 0 und 1 Verortung der NFI Integriert in Geschäftsber. (0) Gesonderte NBE (1) - Genauigkeit Methodik-Kapitel Nein (0) Ja (1) - Genauigkeit der dargestellten Informationen Durchschnittswert der Genauigkeit über drei Themen: Normalisiert zwischen 0 und 1 WAHRHAFTIGKEIT Wesentlichkeit Existenz einer Wesentlichkeitsmatrix Nein (0) Ja (1) - Aktualität der Wesentlichkeitsanalyse Nein (0) Ja (1) - Bekenntnis des Vorstands zur Nachhaltigkeit Nein (0) Ja (1) - Stakeholderbeziehung Identifikation Nein (0) Ja (1) - Dialog Nein (0) Ja (1) - Engagement Nein (0) Ja (1) - Organisationale Verankerung der Nachhaltigkeit Organisationale Verankerung Nein (0) Ja (1) Speziell für Nachhaltigkeit gegründet (2) Sustainable Development Goals (SDGs) Bezugnahme zu den SDGs Nein (0) Ja (1) - ANGEMESSENHEIT & VERSTÄNDLICHKEIT Einfachheit in der Kommunikation Lesbarkeit FRE-Score: Normalisiert zwischen 0 und 1 Verwendung visueller Darstellungen Anzahl visueller Seiten: Normalisiert zwischen 0 und 1 (s. Kap. 3). Aus diesem Grund geht es für ein deutsches Unternehmen über das Mindestmaß gesetzlicher Vorschriften hinaus, wenn eine externe Prüfung stattfindet. Folglich ist die oben genannte Punkteverteilung gerechtfertigt. Die Variable Prüfungsumfang wird folgt bestimmt: Sofern es sich bei der externen Prüfung um eine Prüfung handelt, bei der alle Inhalte der NBE geprüft werden, wird ein Punkt vergeben. Wird hingegen von der Prüfungsgesellschaft darauf hingewiesen, dass nur ausgewählte Sektionen der NBE geprüft wurden, erfolgt eine Bewertung mit der Punktzahl null. Für die Prüfungssicherheit wird nur dann ein Punkt vergeben, wenn eine hohe Prüfungssicherheit vorliegt. Eine mittlere Prüfungssicherheit wird hingegen nicht mit einem Punkt honoriert. Zur Identifikation der drei Variablen wird sowohl der Geschäftsbericht als auch - sofern vorhanden - der gesonderte Nachhaltigkeitsbericht auf einen Bestätigungsvermerk, der das Prüfungsurteil formal verbrieft, durch einen ASAP bzw. ein Zertifikat durch einen NASAP durchleuchtet. Dar- T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642622 in enthalten sind Angaben zur Prüfungsgesellschaft, dem Prüfungsumfang und der Prüfungssicherheit. 6.3.2. Eigenschaften der NBE (Wahrheit) Falls das zu untersuchende Unternehmen vollständig auf die Verwendung eines Rahmenwerks für die NBE verzichtet, wird die Variable mit null Punkten bewertet. Bei der Orientierung an einem Rahmenwerk für die NBE (z.B. GRI Option „Kern“, DNK, Global Compact Index) wird ein Punkt vergeben. Im Unterschied zum Glaubwürdigkeitsindex nach Mazzotta et al. (2020), in dem alle betrachteten Unternehmen die GRI Standards befolgen, werden neben dem GRI Rahmenwerk auch andere Rahmenwerke mit einem Punkt bewertet. Grund hierfür ist, dass die Vorteile für die Verwendung eines Rahmenwerks nicht nur für das GRI Rahmenwerk zutreffend sind. Aufgrund der weitergehenden Anforderungen der GRI Option „Umfassend“ wird die Bewertung von zwei Punkten beibehalten. Für die Bestimmung der Variable Seitenlänge der NFI wird approximativ die aggregierte Seitenlänge der NFI verwendet. Die Definition, was zu den NFI gehört, folgt den Ausführungen in Kapitel 2.2.6Demnach werden nur Informationen, welche den Säulen Umwelt und Soziales angehören, inkludiert. Des Weiteren werden Informationen zur Unternehmensführung, die nicht unmittelbar mit dem Nachhaltigkeitsmanagement in Verbindung stehen, nicht in der Seitenlänge berücksichtigt, da diese bereits vor dem CSR-RUG im § 289a HGB für die Unternehmen verpflichtend waren. Für das Aufsuchen der NFI wird der Geschäftsbericht und – sofern vorhanden – der Nachhaltigkeitsbericht verwendet. Falls es sich in den beiden Datenquellen um reine Wiederholungen, Kurzfassungen oder einen Verweis auf die gesonderte NBE handelt, wird dies nicht in der Variable berücksichtigt. Angebrochene Seiten von NFI werden als vollständige Seite gewertet. Die erlangten Werte werden normalisiert.7Aus der Normalisierung der Variable folgt, dass die minimale Seitenanzahl einen Punktwert von Null und die maximale Seitenanzahl einen Wert in Höhe von einem Punkt erhält. Die Definition der Variable weicht möglicherweise von der Herangehensweise Mazzotta et al. (2020, S. 1906) ab. Die Variable Verortung der NFI wird mit einem Punkt versehen, wenn es eine gesonderte NBE gibt. Die im Kapitel 4.2) vorgestellten Variante a) (Integration der NFI im Lagebericht) als auch die Variante b) (Integrated Reporting) werden mit null Punkten versehen. 6Für eine genaue Ansicht der berücksichtigen NFI kann in der Excel-Datei „Datenerhebung“ unter dem Reiter „NFI im Sample“ betrachtet werden. 7Um die erlangten Werte sinnvoll in den Glaubwürdigkeitsindex einzubetten, muss eine Normalisierung der Variable Seitenlänge der NFI erfolgen. Die Formel zur Normalisierung für ein Unternehmen i lautet wie folgt: Seitenlnge der NFI (normalisiert)i=Seitenlnge der NF Ii−MIN MAX−M IN (Helfaya & Whittington,2019, S. 528). Mit dieser Vorgehensweise können metrische Skalen in eine metrische Skale, die Werte zwischen null und eins annimmt, umgewandelt werden. Für die Normalisierung werden die Daten vor und nach der CSR-RL betrachtet, damit ein sinnvoller ex-ante-ex-post-Vergleich möglich ist. Somit wird das globale Minimum bzw. Maximum (über beide Zeitpunkte hinweg) für die Berechnung verwendet. 6.3.3. Genauigkeit (Wahrheit) Die Variable Methodik-Kapitel wird dann mit einem Punkt bewertet, wenn • Angaben über die enthaltenen Entitäten gemacht werden, • etwaige Änderungen in der Berichterstattung oder der Neudarstellung von Informationen transparent dargelegt werden, • der Berichtszeitraum eindeutig definiert ist und • das Vorgehen zur Bestimmung der Inhalte für die NBE erläutert wird. Falls ein Unternehmen nicht alle Aspekte erwähnt, wird die Variable mit null Punkten angesetzt. Sofern ein Unternehmen GRI Rahmenwerk für die NBE verwendet, kann der GRI Content Index zur Vereinfachung der Inhaltsanalyse verwendet werden. Ansonsten werden die Aspekte händisch im Geschäftsbzw. Nachhaltigkeitsbericht gesucht. Die Variable Genauigkeit der dargestellten Informationen wird folgendermaßen bestimmt: Zuerst werden die wesentlichen Themen eines Unternehmens für beide Jahre identifiziert. Im besten Falle gibt es drei vergleichbare Themengebiete, die dann für beide Jahre hinsichtlich ihrer Genauigkeit untersucht werden. Ein Unternehmen erhält für ein Thema nur einen Punkt, wenn es sich um rein qualitative Inhalte handelt. Falls in dem Thema neben den qualitativen Informationen auch quantitative oder monetäre enthalten sind, werden zwei Punkte vergeben. In dem Fall, dass ein Thema qualitative, quantitative sowie monetäre Angaben vereint, werden drei Punkte für dieses Thema distribuiert. Die Punktzahl null wird nur dann für ein Thema verteilt, wenn es weniger als drei Themen gibt, über die berichtet wird. Nachdem alle drei Themen bewertet werden, wird ein Durchschnittswert über diese drei Themen gebildet. Diese Herangehensweise zur Bestimmung der Genauigkeit erfolgt in Anlehnung an wissenschaftliche Praxis (Helfaya & Whittington,2019, S. 530; Michelon et al.,2015, S. 10). Falls der Durchschnittswert kleiner zwei ist, werden null Punkte vergeben. Durchschnittswerte, die größer gleich zwei sind, werden zwischen null und eins normalisiert.8Die konkrete Kodierung nach Mazzotta et al. (2020, S. 1903, 1906) weicht ggf. aufgrund fehlender Erläuterungen ab. 6.3.4. Wesentlichkeit (Wahrhaftigkeit) Die Variable Existenz einer Wesentlichkeitsmatrix wurde dann mit einem Punkt versehen, wenn tatsächlich eine Matrix verwendet wurde (s. Kap. 2.5). Es muss folglich eine Priorisierung der Themen vorgenommen werden, die die Bedeutung des Themas für das Unternehmen und die Bedeutung für die Stakeholder widerspiegelt. Um den Punkt zu erreichen, ist es nicht nötig, eine im Vergleich zum Vorjahr veränderte Wesentlichkeitsmatrix zu präsentieren. Dieser Aspekt 8Die Formel für die Normalisierung lautet wie folgt: Genauigkeit (normalisiert) = φGenawigkeit der drei betrachreten Themeni−MIN MAX−M IN . T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 623 wird in der Variable Aktualität der Wesentlichkeitsanalyse aufgegriffen. Für die Variable Aktualität der Wesentlichkeitsanalyse wird dann ein Punkt fällig, wenn neue bzw. veränderte wesentliche Themen ersichtlich sind oder explizit darauf hingewiesen wird, dass die Wesentlichkeitsanalyse neu geprüft worden ist. Im Unterschied zu Mazzotta et al. (2020, S. 1906) muss für den Erhalt eines Punktes keine Wesentlichkeitsmatrix existent sein. Bloße Auflistungen oder andere Darstellungen reichen bereits aus. Diese Bewertung resultiert aus dem Fakt, dass ein Großteil der Unternehmen keine Wesentlichkeitsmatrix verwenden (s. Kap. 6.5.1). Da diese Unternehmen bereits keinen Punkt für die Wesentlichkeitsmatrix erhalten, wird auf eine Doppelbestrafung verzichtet. Die Variable Bekenntnis des Vorstands zur Nachhaltigkeit wird eins, wenn das Top-Management (i.d.R. vertreten durch den CEO) sich klar zur Verfolgung von Nachhaltigkeitszielen bereit erklärt. Hierfür wird primär darauf geachtet, ob im „CEO Letter“ vom Thema Nachhaltigkeit hervorgehoben wird. Bei fehlendem Bekenntnis durch den Vorstand wird kein Punkt vergeben. Mazzotta et al. (2020, S. 1906) bezieht diese Variable auf die Wesentlichkeitsmatrix. Analog zum obigen Argument wird von dieser Kodierung abgewichen. Des Weiteren wird dieses Vorgehen in der Inhaltsanalyse von Mion und Loza Adaui (2019, S. 11) in dieser Weise implementiert. 6.3.5. Stakeholderbeziehung (Wahrhaftigkeit) Die Variable Identifikation wird dann eins, wenn das Unternehmen eine Auflistung der verschiedenen Stakeholdergruppen vornimmt. Die Variablen Dialog und Engagement werden wie folgt bewertet: Im Einklang mit dem im Kapitel 2.5 beschriebenen unterschiedlichen Partizipationsgrad der Einbindung von Stakeholdern, wird für die Variable Dialog dann ein Punkt vergeben, wenn ein zweiseitiger Austausch zwischen dem Unternehmen und seinen Stakeholdern stattfindet (z.B. Etablierung von Diskussionsforen). Für die Variable Engagement wird nur dann ein Punkt vergeben, wenn die Stakeholder tatsächlich einen Einfluss auf die Entscheidungen der Unternehmung ausüben. Ein Beispiel hierfür kann das aktive Umsetzen von Vorschlägen seitens der Stakeholder (z.B. aus Diskussionen) sein oder eine Interessensvertretung im Aufsichtsrat des Unternehmens. 6.3.6. Organisationale Verankerung der Nachhaltigkeit (Wahrhaftigkeit) Bei der Variable Organisationale Verankerung wird kein Punkt vergeben, wenn aus den Informationen der NBE nicht hervorgeht, dass die Nachhaltigkeit organisational im Unternehmen eingegliedert ist. Außerdem wird kein Punkt vergeben, wenn darauf hingewiesen wird, dass der Vorstand bzw. der Aufsichtsrat die alleinige Verantwortung trägt. Da dies faktisch durch die rechtliche Stellung beider Organe determiniert ist, ist dieser Verweis nicht ausreichend, damit ein Punkt vergeben werden kann. Falls das Thema Nachhaltigkeit in eine bestehende Organisation bzw. Abteilung integriert ist (z.B. Abteilung Compliance), dann erhält das Unternehmen einen Punkt. Speziell für das Thema Nachhaltigkeit gegründete Strukturen (z.B. Sustainability Committee) werden mit zwei Punkten bewertet. 6.3.7. Sustainable Development Goals (Wahrhaftigkeit) Die Variable Bezugnahme zu den SDGs wird dann eins, wenn das betrachtete Unternehmen in irgendeiner Weise die SDGs referenziert. Sofern die SDGs nicht adressiert werden, ist die Variable gleich null. 6.3.8. Einfachheit in der Kommunikation (Angemessenheit & Verständlichkeit) Die Subdimension Einfachheit in der Kommunikation besteht aus den Variablen Lesbarkeit und Verwendung visueller Darstellungen. Für beide Variablen wird eine zufällige Stichprobe von zehn Seiten mittels Excel-Funktion „Zufallsbereich“ gezogen.9Der Lesbarkeitsindex Flesch-Reading-Ease (FRE) hilft dabei, die Variable Lesbarkeit zu quantifizieren. Der FRE-Score kann Werte zwischen null und 100 annehmen. Ein höherer FRE-Score steht für eine bessere Lesbarkeit des Textes (Flesch,1948, S. 230). Die von Rudolf Flesh entwickelte Formel lautet folgendermaßen: FRE −Score =206,835− (1,015 ∗φSatzlnge)−(84,6 ∗φSilbenanzahlproWort) (Flesch,1948, S. 225).10 Wenn die durchschnittliche Satzlänge oder die durchschnittliche Silbenanzahl pro Wort steigt, sinkt der FRE-Score. Anders ausgedrückt heißt dies, dass die Lesbarkeit mit einer höheren durchschnittlichen Satzlänge sowie steigender durchschnittlicher Silbenanzahl pro Wort abnimmt. Demnach erhalten jene Unternehmen einen besseren FRE-Score, wenn kurze Sätze und Worte verwendet werden. Bei Unternehmen, welche weniger als zehn auswertbare Seiten NFI haben, werden alle vorhandenen Seiten mit NFI in die Zufallsstichprobe einbezogen. Für die Berechnung des FRE-Scores, wird die browserbasierte Open Source Software von „leichtlesbar.ch“ benutzt. Nachdem ein Word-Dokument aufbereitet wird, das die gezogene Zufallsstichprobe beinhaltet, wird per Copy-and-Paste-Befehl der Text aus der NBE in die Eingabemaske der Software eingespielt. Die FRE-Score-Werte werden die Werte zwischen null und eins normalisiert.11 Die Autoren werten die Lesbarkeit Mazzotta et al. (2020, S. 1906) anhand des Gulpease Index aus. Da dieser Lesbarkeitsindex speziell für die italienische Sprache entwickelt worden ist, kann dieser nicht zur Bestimmung der Lesbarkeit verwendet werden. Aus diesem Grund wurde auf den Lesbarkeitsindex von Flesch, der für die englische Sprache ausgerichtet ist, ausgewichen. Die Variable Verwendung visueller Darstellungen wird mit folgender Kennzahl berechnet: Verwendung visueller 9Die Zufallsstichproben sind im Ordner „Stichprobe (NBE)“ für jedes Unternehmens unter „Kommunikation“ einsehbar. 10φSatzlaenge =Anzahl der Woerter im Text Anzahl der Saetze im Tex t ,φSilbenanzahl pro Wort = Silbenanzahl im Text Anzahl der Woerter im Tex t 11Für die Normalisierung wird folgende Formel verwendet: FRE − Score (normalisiert)i=FRE−Scorei−MIN MAX−M IN . T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642624 Darstellungeni=P10 i=1wj∗xi j 10 .12 Eine Seite wird dann als visuelle Seite eingestuft, wenn mindestens eine Abbildung, eine Tabelle oder ein Bild zu erkennen ist. Sofern es weniger als zehn Seiten NFI gibt, werden alle Seiten untersucht. Da die Stichprobengröße der gezogenen Seiten dann unter zehn Seiten liegt, wird entsprechend Nenner auf die Anzahl der betrachteten Seiten adjustiert. Um die obige Kennzahl in die Variable Anzahl visueller Seiten zu transformieren, erfolgt eine Normalisierung der Werte zwischen null und eins.13 Mazzotta et al. (2020) machen keine Angaben darüber, ob für jedes Unternehmen alle Seiten untersucht wurden, oder ob man sich auf eine Stichprobe reduziert hat. Folglich ist die Vorgehensweise u.U. divergent. 6.4. Messung der Kontrollvariablen In der bisherigen Literatur gibt es zahlreiche empirische Befunde über Determinanten, die die Qualität der NBE positiv wie auch negativ beeinflussen können (Ali et al.,2017, S. 276-287; Dienes et al.,2016, S. 167). Die Qualität der NBE wird in der Literatur mit verschiedenen Begriffen wie „sustainability reporting quality“, „environmental disclosure quality“, etc. beschrieben (Cormier, Magnan & Van Velthoven,2005,S.3;Mion & Loza Adaui,2019, S. 11). Wenngleich nicht explizit von Glaubwürdigkeit der NBE die Rede ist, handelt es sich bei der Glaubwürdigkeit um ein Teilaspekt der Qualität der NBE (Helfaya et al.,2018, S. 19; Mion & Loza Adaui,2019, S. 12). Demnach steht dem Übertragen der Kontrollvariablen wie im wissenschaftlichen Artikel von Mion und Loza Adaui (2019, S. 12) in den Kontext der Glaubwürdigkeit der NBE nichts im Wege. Im Folgenden wird auf insgesamt sechs Kontrollvariablen eingegangen, die neben der CSR-RL eine Veränderung der Glaubwürdigkeit in der NBE verursachen können. In Tabelle 5ist eine Übersicht der Kontrollvariablen illustriert. Die Daten für die Kontrollvariablen wurden anhand der Geschäftsbzw. Nachhaltigkeitsberichte oder dem Bundesanzeiger entnommen. 6.4.1. Unternehmensgröße Grundsätzlich wird in der Betriebswirtschaftslehre davon ausgegangen, dass es zwischen dem Management und den Investoren (z.B. Aktionäre, Fremdkapitalgeber) eine Informationsasymmetrie gibt (Cormier, Ledoux, Magnan & Aerts, 2010, S. 574). Im Kontext der NBE sind die Investoren neben finanziellen Informationen auch an NFI interessiert (AmelZadeh & Serafeim,2018, S. 87). Sofern das Management eine unglaubwürdige NBE bzw. gänzlich auf die Veröffentlichung von NFI verzichtet, müssen die einzelnen Investoren in eigener Regie Informationen sammeln. Aus Investorensicht ist dieser Informationsbeschaffungsprozess mit enormen Informationskosten verbunden (Cormier et al.,2005, S. 9). Die 12Die Abkürzungen sind folgendermaßen zu interpretieren: wj=1, wenn die Seite jvisuell ist, wj=0, sonst; xi j =Seite jvon Unternehmen i 13Für die Normalisierung wird folgende Formel verwendet: Verwendung visueller Darstellungen (normalisiert)i= Verwendung pisueller Darsteliungeni−MIN MAX−M IN Informationskosten sind für die Investoren geringer, wenn das Unternehmen freiwillig NFI offenlegt. Eine freiwillige Veröffentlichung von NFI ergibt aus der Unternehmenssicht nur dann Sinn, wenn der Nutzen aus der NBE höher ist als die daraus resultierenden Kosten (Erstellung des Berichts, Druckkosten, etc.) (Cormier et al.,2005, S. 9; M. Fifka,2014, S. 10-11). Für ein Unternehmen, das bspw. stark auf den Kapitalmarkt angewiesen ist, sinken die Finanzierungskosten durch die Offenlegung von NFI. Dies kann mit der sinkenden Informationsasymmetrie und dem damit geringeren Risiko für Investoren begründet werden (Cormier et al.,2005, S. 9; Frankel, McNichols & Wilson,1995, S. 135). Somit kann der Nutzen aus der Offenlegung von NFI die Informationskosten überwiegen. Die Informationskosten für ein großes Unternehmen sind relativ zu den Informationskosten eines kleinen Unternehmens geringer (Cormier & Magnan,1999, S. 439). Demnach ist es wahrscheinlicher, dass ein großes Unternehmen mehr NFI als ein kleines Unternehmen publiziert, da der Nutzen aus der Offenlegung der NFI die Informationskosten eher kompensiert. Da der Nutzen aus der Offenlegung von NFI in einem großen Unternehmen die Informationskosten eher kompensiert, ist von einer positiven Wirkung auf die Glaubwürdigkeit in der NBE auszugehen. Die Unternehmensgröße ist definiert als der natürliche Logarithmus der Bilanzsumme und erfolgt in Anlehnung an zahlreiche wissenschaftliche Publikationen (Dienes et al., 2016, S. 167). 6.4.2. Eigentumsstreuung Ein Unternehmen kann eine geringe Eigentumsstreuung („concentrated ownership“) oder hohe Eigentumsstreuung („dispersed ownership“) aufweisen (Brammer & Pavelin, 2008, S. 124). Das Konfliktpotential zwischen dem Management und den Eigentümern ist bei einer hohen Eigentumsstreuung eher gegeben (Gamerschlag, Möller & Verbeeten, 2011, S. 238). Zum einen haben die Anteilseigner weniger Kontrolle über das Management, weshalb die Offenlegung von NFI zu einem wichtigen Kommunikationsmedium wird (Berthelot, Coulmont & Serret,2012, S. 361; Brammer & Pavelin,2006, S. 1173). Dies ermöglicht, dass die Eigentümer regelmäßig über den Status quo informiert werden und im Sinne der Eigentümer agiert wird (Chau & Gray,2002, S. 249). Bei einer geringen Eigentumsstreuung, wie z.B. in einem familiengeführten Unternehmen, ist die Nachfrage nach NFI geringer. Folglich ist die Motivation, eine qualitativ hochwertige und über das Mindestmaß der Gesetzgebung hinausgehende NBE zu erstellen, gering (Chau & Gray,2002, S. 250, 258). Basierend auf den vorherigen Ausführungen ist von einer glaubwürdigeren NBE bei einer hohen Eigentumsstreuung auszugehen, da die Informationsasymmetrie bei einer hohen Eigentumsstreuung größer ist und somit ist die Nachfrage der zahlreichen Stakeholder nach NFI stärker ausgeprägt. In Anlehnung an Cormier und Magnan (2003, S. 50) wird eine binäre Dummy-Variable eingeführt, um die Eigentümerstruktur zu berücksichtigen. Diese ist gleich eins, wenn es kei- T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 625 Tabelle 5: Kontrollvariablen - Variablenübersicht (eigene Darstellung) Kontrollvariable Kürzel Definition Unternehmensgröße SIZE ln(Bilanzsumme) =ln(Eigenkapital +Fremdkapital) Eigentumsstreuung DISP DISP =§1,kein Antetlsetgnter mit mehr als 20% der Stimmrechte 0,sonst Ertragslage ROA Gesamtkapitalrendite =((Gewinn +Fremdkapitalzinsen)/Gesamtkapital)*100 % Vermögenslage LEV Verschuldungsgrad =(Fremdkapital/Eigenkapital)*100 % Medienpräsenz PRES # Suchtreffer im Handelsblatt-Archiv für das relevante Geschäftsjahr Umweltsensitivität ENVSEN ENVSEN =§1,hohe Umweitsensitivitatt liegt vor 0,sonst nen Anteilseigner gibt, der mehr als 20 %14 der Stimmrechte innehat. 6.4.3. Vermögensund Ertragslage Eine vollkommen transparente Offenlegung von NFI kann nachteilig für das Unternehmen sein. Die Kommunikation interner Informationen in die Öffentlichkeit kann dazu führen, dass Dritte diese Informationen gegen das Unternehmen verwenden. Dies kann Unternehmen dazu verleiten, eine selektive NBE zu betreiben, damit sich keine Auswirkungen auf den Gewinn ergeben (Cormier et al.,2005, S. 9). Stabile wirtschaftliche Verhältnisse helfen dabei, Kritik, die potentiell aus den veröffentlichten NFI droht, auszuhalten (Cormier et al., 2005, S. 10-11). Ferner unterliegen profitable Firmen eher einem Rechtfertigungsdruck bezogen auf ihren gesellschaftlichen Mehrwert als weniger profitable Firmen (Bewley & Li, 2000, S. 208-209). Ein weiteres Argument ist, dass profitable Firmen tendenziell eher bereit sind, die Gewinne in eine qualitativ hochwertige NBE zu reinvestieren (Brammer & Pavelin,2006, S. 1174). Es bleibt somit festzuhalten, dass stabile wirtschaftliche Verhältnisse einer qualitativ hochwertigen NBE und damit der Glaubwürdigkeit dienlich sind. Um die Ertragslage bzw. die Profitabilität zu quantifizieren, wird die Gesamtkapitalrendite in % berechnet (z.B. Mion & Loza Adaui,2019, S. 16). Für die Vermögenslage wird der Verschuldungsgrad in % verwendet (z.B. Cormier et al., 2005, S. 18). 6.4.4. Medienpräsenz In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen. Unternehmen, die regelmäßig in den Medien präsent sind, unterliegen einem steten gesellschaftlichen und politischen Druck (Brammer & Millington,2006, S. 6-7). Aus diesem Grund wird für die Sichtbarkeit in den Medien kontrolliert. Unternehmen, die ständig in den Medien zu sehen sind, könnten demnach eine bessere NBE aufweisen als Unternehmen, die weniger mediale Aufmerksamkeit erhalten. Eine hohe Medienpräsenz 14Gemäß der International Accounting Standards 28 (2011) § 5 ist ab einem Stimmrechtsanteil von 20 % ein signifikanter Einfluss auf das Unternehmen möglich. wirkt sich folglich positiv auf die Qualität der NBE und damit der Glaubwürdigkeit aus. Hierfür werden die Anzahl der Suchtreffer im Archiv des Handelsblatts für das relevante Geschäftsjahr betrachtet. Das Handelsblatt wurde ausgewählt, weil es sich um eine renommierte Wirtschaftszeitung mit einer hohen Reichweite in Deutschland handelt (Gamerschlag et al.,2011, S. 243-244). 6.4.5. Umweltsensitivität Ein Chemieunternehmen muss naturgemäß der NBE einen höheren Stellenwert einräumen als ein IT-Unternehmen oder ein Finanzdienstleister (Helfaya & Whittington,2019, S. 531; Meek, Roberts & Gray,1995, S. 559). Branchen unterscheiden sich erheblich bzgl. ihres Einflusses auf die Umwelt. Umweltsensitive Unternehmen sind eher im Fokus von Umweltund Naturschutzverbänden, die wiederum die öffentliche Wahrnehmung und die Politik beeinflussen (Deegan & Gordon,1996, S. 191). Aus diesem Grund kann eine bessere Qualität der NBE und damit der Glaubwürdigkeit bei Unternehmen erwartet werden, die eine hohe Umweltsensitivität besitzen. Um diese branchenspezifischen Unterschiede zu berücksichtigen, werden die unterschiedlichen Branchen (s. Kap. 6.2) in folgende drei Gruppen nach Helfaya und Whittington (2019, S. 531) eingeteilt: (a) hohe Umweltsensitivität, (b) mittlere Umweltsensitivität sowie eine (c) geringe Umweltsensitivität. Es wird eine Dummy-Variable eingeführt, die den Wert eins annimmt, wenn eine hohe Umweltsensitivität vorliegt. Im Anhang in Tabelle 12 ist dargelegt, welches Unternehmen zu welcher Umweltsensitivitätsgruppe gehört. 6.5. Ergebnisse Das Kapitel 6.5 unterteilt sich in drei Unterkapitel. Kapitel 6.5.1 beschreibt die Resultate der Inhaltsanalyse deskriptiv, während Kapitel 6.5.2 auf die induktiven Ergebnisse eingeht. Im Kapitel 6.5.3 werden die Befunddaten diskutiert. Zur statistischen Auswertung werden die Statistikprogramme SPSS sowie Gretl verwendet.15 15Abgesehen von den im Kapitel 6.5 aufgeführten Ergebnissen können auf dem beigefügten digitalen Datenträger weitergehende statistische Auswertungen (z.B. die Prüfung der Voraussetzungen zur Durchführung einer Regressionsanalyse) in den Ordnern „Deskriptive Statistik/Nichparametrisch(SPSS)“ sowie „Parametrisch(Gretl)“ eingesehen werden. T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642626 6.5.1. Deskriptive Ergebnisse In Tabelle 6sind die Ergebnisse der Inhaltsanalyse dargestellt. Für eine umfassendere Perspektive werden die deskriptiven Ergebnisse auf aggregierter Ebene (Spalte Gesamt in Tab. 6) sowie auf Branchenebene in den nachfolgenden Ausführungen dargestellt. Insbesondere wird dabei auf die relative Veränderung eingegangen (und nicht auf das absolute Niveau), damit deutlich wird, ob es sich um eine Verschlechterung oder Verbesserung nach der Einführung der CSR-RL handelt.16 Externe Prüfung (Wahrheit) Die Subdimension externe Prüfung unterteilt sich in die Variablen Anbieter,Prüfungsumfang sowie Prüfungssicherheit. Es zeigt sich, dass der Anteil der Unternehmen ohne externe Prüfung von 73 % auf 30 % gesunken ist. Alle bis auf ein Unternehmen (2 %) entschieden sich dazu, die externe Prüfung durch einen ASAP durchführen zu lassen. Alle umgesetzten externen Prüfungen wurden durch einen ASAP, nämlich der Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (PwC, Deloitte, EY oder KPMG), durchgeführt. Die Symrise AG beauftragte die DQS CFS GmbH als einzigen NASAP zum externen Prüfungsdienstleister. Auffällig ist, dass alle Branchen mit Ausnahme der Chemieund Pharmazieunternehmen eine erhöhte Bereitschaft für eine externe Prüfung aufzeigen (Anstiege zwischen +28 bis 77 %-Punkte). Die Branche Chemie & Pharmazie zeigte keine Veränderung. Nur ein geringer Anteil von 5 % der Unternehmen hat sich vor der CSR-RL für eine umfassende externe Prüfung entschieden. Der Anteil ist nach Einführung der CSR-RL auf 32 % gestiegen. Die meisten Branchen weisen eine Verbesserung hinsichtlich des Prüfungsumfangs auf (Anstiege zwischen +25 bis 50 %-Punkte). Erneut verbessert sich die Branche Chemie & Pharmazie nicht nach der Einführung der CSRRL. 100 % der Unternehmen entschieden sich wenn überhaupt für eine mittlere Prüfungssicherheit. Eine Unterschiedsbetrachtung zwischen den Branchen entfällt folglich. Eigenschaften der NBE (Wahrheit) Die Variablen Verwendung eines Rahmenwerks,Seitenlänge der NFI sowie die Verortung der NFI, gehören zu der Subdimension Eigenschaften der NBE. Anhand der Tabelle 6ist zu erkennen, dass der Anteil der Unternehmen, die ein externes Rahmenwerk für die NBE verwenden, mit einem 20 %-igen Zuwachs deutlich gestiegen ist. Vor der CSR-RL benutzten 56 % GRI „Kern“ und 2 % GRI „Umfassend“. Die übrigen 42 % wenden kein Rahmenwerk17 für die NBE an. Nach der CSR-RL sieht die Vertei16Die Inhaltsanalyse auf Unternehmensebene kann in der Excel-Datei „Datenerhebung“ in den Reitern „Daten nach CSR-RL“ sowie „Daten vor CSRRL“ eingesehen werden. Die Aufbereitung der Daten erfolgte in der Datei „Datenerhebung“. 17Unternehmen in der Stichprobe, die nur ein Rahmenwerk referenzieren, aber es nicht tatsächlich anwenden (d.h. nicht mindestens GRI Option „Kern“ vorliegt) sind in „kein Rahmenwerk“ inkludiert (Mazzotta et al.,2020, S. 1907). lung wie folgt aus: 76 % der Unternehmen nutzen GRI Option „Kern“ oder andere Rahmenwerke (DNK, Global Compact Index) und 2 % GRI Option „Umfassend“. Die verbleibenden 22 % der Unternehmen nutzen kein Rahmenwerk für ihre NBE. Die Symrise AG ist das einzige Unternehmen mit diesem Anwendungsniveau. Während bei den Branchen Chemie & Pharmazie sowie Medien keine Änderung stattfindet, verbuchen alle anderen Branchen Zuwächse (zwischen +12 bis 77 %-Punkte) in der Anwendung von Rahmenwerken. Vor der CSR-RL beträgt die globale minimale Seitenzahl der betrachteten NFI null und die globale maximale Seitenlänge 210. Die Berechnungsformel zur Ermittlung der normalisierten Seitenlänge der NFI für Unternehmen i lautet demnach: Seitenlnge der NFI (normalisiert)i= Seitenlange der NF I 210 .18 Insgesamt ist die Länge der NFI von 0,21 vor der CSR-RL verglichen mit 0,30 nach der CSR-RL um ca. 43 % gestiegen. Während es bei den Branchen Medien (+100 %) Die Branche Handelund Handel & Konsum (+108 %) zu einer Verdopplung der NFI kommt, weisen die anderen Branchen moderatere Anstiege auf (Chemie & Pharmazie: +10 %, Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik: +24 %, Finanzen: +48 %, Energie & Rohstoffe: +58 %). Der Anteil der Unternehmen, die ihre NFI in einer gesonderten NBE veröffentlichen, erhöht sich um 24 %-Punkte nach Inkrafttreten der CSR-RL (von 49 % auf 73 %). Markant an dieser Stelle ist, dass die Branchen Finanzen, Medien sowie Energie & Rohstoffe nach der CSR-RL zu 100 % eine gesonderte NBE aufweisen. Während die Chemie & Pharmazie Branche (-17 %-Punkte) die Möglichkeit einer gesonderten NBE weniger nach der CSR-RL nutzt, weisen die Branchen Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik (+8 %-Punkte) sowie Handel & Konsum (+14 %-Punkte) einen gemäßigten Anstieg auf. Genauigkeit (Wahrheit) Die Subdimension Genauigkeit untergliedert sich in die Variablen Methodik-Kapitel und Genauigkeit der dargestellten Informationen. Insgesamt steigt die Verwendung eines Methodik-Kapitels nach der CSR-RL um 22 %-Punkte von 56 % auf 78 %. In der Branche Chemie & Pharmazie ergeben sich keine Änderungen zum Vorjahr und die übrigen Branchen verzeichnen Zuwächse zwischen 12 bis 77 %-Punkten. Die Genauigkeit der dargestellten Informationen stieg bei aggregierter Betrachtungsweise um 40 % von 0,25 auf 0,35. Das globale Minimum beträgt zwei (Durchschnittswerte unter zwei werden unmittelbar mit null Punkten versehen) und das globale Maximum ist drei. Daraus vereinfacht sich Berechnungsformel für die normalisierte Genauigkeit für Unternehmen i wie folgt: Genauigkeit(normalisiert)i= φGenauigkeiti−2.19 Die Branche Handel & Konsum liefert 18Hinweis: Mit Hilfe dieser Formel kann ausgehend von der normalisierten Seitenlänge aus Tabelle 6die durchschnittliche Seitenanzahl von NFI berechnet werden: Seitenlänge (normalisiert) x 210 =Durchschnittliche Seitenlänge (gesamt bzw. nach Branche). 19Beispiel für die Interpretation: Die durchschnittliche Genauigkeit liegt T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 627 Tabelle 6: Deskriptive Statistik auf Variablenebene und nach Branche, N =41 (eigene Darstellung) Dimension/ Subdimension/ Variable Variablenauspr ägung Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik Finanzen Handel & Konsum Chemie & Pharmazie Medien Energie & Rohstoffe Gesamt N 13 8 7 6 4 3 41 CSR-RL vorher nachher vorher nachher vorher nachher vorher nachher vorher nachher vorher nachher vorher nachher WAHRHEIT Externe Prüfung Anbieter Keine 85 % 23 % 88 % 38 % 57 % 29 % 50% 50 % 75 % 25 % 67 % 0 % 73 % 30 % ASAP 15 % 77 % 12 % 62 % 43 % 71 % 33 % 33 % 25 % 75 % 33 % 100 % 25 % 68 % NASAP 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 17 % 17 % 0 % 0 % 0 % 0 % 2 % 2 % Prüfungsumfang Selektiv oder keine Prüfung 100 % 69 % 100 % 50 % 86 % 50 % 83 % 83 % 100 % 75 % 100 % 67 % 95 % 68 % Umfassend 0 % 31 % 0 % 50 % 14 % 50 % 17 % 17 % 0 % 25 % 0 % 33 % 5 % 32 % Prüfungssicherheit Mittel oder keine Prüfung 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % Hoch 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % Eigenschaften der NBE Verwendung eines Rahmenwerks Nein 23 % 8 % 50 % 25 % 57 % 29 % 33 % 33 % 50 % 50 % 67 % 0 % 42 % 22 % GRI „Kern“/Andere 77 % 92 % 50 % 75 % 43 % 71 % 50 % 50 % 50 % 50 % 33 % 100 % 56 % 76 % GRI „Umfassend“ 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 17 % 17 % 0 % 0 % 0 % 0 % 2 % 2 % Länge der NFI Durchschnitt (normalisiert) 0,29 0,36 0,21 0,31 0,13 0,27 0,20 0,22 0,11 0,22 0,19 0,30 0,21 0,30 Verortung der NFI Im AR integriert 31 % 23 % 50 % 0 % 71 % 57 % 50 % 67 % 75 % 0 % 67 % 0 % 51 % 27 % Gesonderte NBE 69 % 77 % 50 % 100 % 29 % 43 % 50 % 33 % 25 % 100 % 33 % 100 % 49 % 73 % Genauigkeit der dargestellten Informationen MethodikKapitel Nein 23 % 8 % 50 % 38 % 57 % 29 % 33 % 33 % 75 % 25 % 67 % 0 % 44 % 22 % Ja 77 % 92 % 50 % 62 % 43 % 71 % 67 % 67 % 25 % 75 % 33 % 100 % 56 % 78 % Genauigkeit Durchschnitt (normalisiert) 0,31 0,41 0,25 0,38 0,10 0,10 0,39 0,44 0,17 0,33 0,22 0,44 0,25 0,35 WAHRHAFTIGKEIT Wesentlichkeit Existenz einer Wesentlichkeitsmatrix Nein 46 % 39 % 62 % 50 % 86 % 57 % 33 % 50 % 100 % 100 % 100 % 100 % 63 % 56 % Organisationale Verankerung der Nachhaltigkeit Organisationale Verankerung Nein 46 % 31 % 63 % 25 % 57 % 29 % 33 % 17 % 50 % 50 % 67 % 33 % 51 % 29 % Ja 0 % 0 % 12 % 25 % 0 % 0 % 0 % 0 % 25 % 25 % 0 % 0 % 5 % 7 % Speziell für Nachhaltigkeit 54 % 69 % 25 % 50 % 43 % 71 % 67 % 83 % 25 % 25 % 33 % 67 % 44 % 64 % Sustainable Development Goals (SDGs) Bezugnahme zu den SDGs Nein 54 % 39 % 88 % 63 % 57 % 43 % 50 % 50 % 100 % 100 % 100 % 33 % 68 % 51 % Ja 46 % 61 % 12 % 37 % 43 % 57 % 50 % 50 % 0 % 0 % 0 % 67 % 32 % 49 % ANGEMESSENHEIT & VERSTÄNDLICHKEIT Einfachheit in der Kommunikation Lesbarkeit Durchschnitt (normalisiert) 0,60 0,58 0,51 0,54 0,52 0,66 0,58 0,52 0,61 0,65 0,52 0,60 0,56 0,58 Verwendung visueller Darstellungen Durchschnitt (normalisiert) 0,55 0,70 0,26 0,34 0,59 0,60 0,56 0,53 0,625 0,33 0,38 0,43 0,50 0,53 nach der CSR-RL keine genaueren Informationen und die übrigen Branchen zeigen moderate bis starke Zuwachsraten (Chemie & Pharmazie: +13%, Maschinenbau, Bauwesen, Verkehr & Logistik: +32 %, Finanzen: +52 %, Medien: +94 %). Wesentlichkeit (Wahrhaftigkeit) Die Subdimension Wesentlichkeit vereint die Variablen Existenz einer Wesentlichkeitsmatrix,Aktualität der Wesentlichkeitsanalyse sowie Bekenntnis des Vorstands zur Nachhaltigkeit. nach der CSR-RL insgesamt bei 2,35. Die normalisierte Genauigkeit beträgt folglich 2,35 – 2 =0,35. Für die Bestimmung der wesentlichen Themen nutzen vor der CSR-RL 37 % der untersuchten Unternehmen eine Wesentlichkeitsmatrix zur Visualisierung. Nach der CSR-RL stieg der Anteil auf 44 % und damit um 7 %-Punkte. Sowohl vor als auch nach der CSR-RL verzichten die Branchen Medien und Energie & Rohstoffe gänzlich auf das Erstellen einer Wesentlichkeitsmatrix. Die Branche Chemie & Pharmazie verzeichnet einen Rückgang um 17 %-Punkte (von 67 % auf 50 %) und die restlichen Branchen zeigen Zuwächse von 7 bis 29 %-Punkten. In der Gesamtschau steigt der Anteil der Unternehmen, welche die wesentlichen Themen aktualisiert haben, von 39 % auf 83 %. Bei allen Branchen sind Zuwächse zu erkennen, T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642634 McNemar-Test22 für binäre Variablen verwendet. Beide Tests sind für die Überprüfung von abhängigen bzw. verbundenen Stichproben entwickelt worden. In Tabelle 9sind die Ergebnisse illustriert. Da beide verwendete Tests nur aussagen, dass sich beide Stichproben signifikant voneinander unterscheiden, ist zusätzlich noch der Mittelwert angegeben, um den Richtungseffekt einschätzen zu können.23 Der McNemar-Test kann nicht für die Variable Prüfungssicherheit durchgeführt werden, da kein Unternehmen eine externe Prüfung mit hoher Prüfungssicherheit durchführen lässt. Alle Variablen weisen eine positive Differenz auf. Das heißt, dass sich alle Variablen im Durchschnitt verbessert haben. Die Variable Genauigkeit der dargestellten Informationen ist auf dem 5 %-Signifikanzniveau, während alle anderen Variablen (außer die Variablen: Existenz einer Wesentlichkeitsmatrix,Engagement) hochsignifikant auf dem 1 % Level sind. Die Variable Existenz einer Wesentlichkeitsmatrix unterscheidet sich in den beiden Jahren nicht signifikant voneinander (χ2=5,71, p=0,453). Außerdem bleibt die Häufigkeitsverteilung der Variable Engagement 1:1 vor und nach der CSR-RL identisch. Entsprechend liegt keine statistische Signifikanz vor (χ2=0,00, p=1,00). Wie in der deskriptiven Statistik (s. Kap. 6.5.1) zum Beispiel in Tabelle 7oder Abbildung 9deutlich wurde, gibt es einige Unternehmen, die nach der Einführung der CSR-RL erstmalig eine NBE besitzen. Um diesen Effekt durch die Firsttime-Reporter (FTR) auszuklammern, wird eine nichtparametrische Signifikanzanalyse ohne die FTR vorgenommen. FTR sind wie folgt definiert: Ein FTR hat vor dem Inkrafttreten der CSR-RL weniger als fünf Seiten NFI publiziert.24 Insgesamt reduziert sich damit die Stichprobe auf 33 Unternehmen. Im Anhang in Tabelle 13 sind die Ergebnisse abgebildet. Die Variable Verwendung eines Rahmenwerks ist nicht mehr hoch, sondern nur noch schwach signifikant. Zusätzlich sind die Variablen Verortung der NFI,Methodik-Kapitel,Bekenntnis des Vorstands zur Nachhaltigkeit sowie Dialog gar nicht mehr signifikant, obwohl alle zuvor hochsignifikant waren. Durch die Exklusion der FTR relativieren sich die Ergebnisse etwas. Bei allen Unternehmen unterscheiden sich elf (der insgesamt 18 Variablen) hochsignifikant und zwei signifikant voneinander. Nach der Exklusion der FTR sind es nur noch sechs hochsignifikante, ein signifikanter und zwei schwach signifikante Unterschiede feststellbar. Trotzdem bleibt allgemein festzuhalten, dass die nichtparametrische Testung die Hypothese, dass die CSR-RL die Glaubwürdigkeit in den Dimensionen Wahrheit und Wahrhaftigkeit verbessert, unter22Der McNemar-Test gehört zu der Chi-Quadrat-Test-Gruppe und wird für die Prüfung statistischer Signifikanz bei dichotomen Variablen verwendet. Die Nullhypothese besagt, dass sich die beiden Stichproben nicht in der Häufigkeitsverteilung unterscheiden. 23Hinweis: Die Multiplikation des Mittelwerts mit 41 (N =41) ergibt die kumuliert erreichte Punktzahl in der jeweiligen Variable. 24Die genaue Abgrenzung von gewerteten Seiten, die den NFI angehören, befindet sich in der Excel-Datei „Datenerhebung“ unter dem Reiter „NFI im Sample“. Zu den FTR gehören folgende Unternehmen: CTS Eventim AG & Co. KGaA, Delivery Hero AG, Fielmann AG, Hella GmbH & Co. KGaA, LEG Immobilien AG, Rheinmetall AG, Rocket Internet SE sowie die Ströer SE & Co. KGaA. mauert. Die Ergebnisse aus der deskriptiven Statistik haben sich mittels induktiver Statistik nochmals verstärkt. Das neue Gesetz hat nachweislich keinen Einfluss auf die Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit. In Tabelle 10 ist nochmal der gesamte Glaubwürdigkeitsindex samt seiner drei Dimensionen dargestellt. Da sowohl der Glaubwürdigkeitsindex als auch die einzelnen Dimensionen metrisch skaliert sind, wird der Wilcoxon-VorzeichenRang-Test angewendet. Erneut wird die Stichprobe einmal komplett betrachtet (N =41) und einmal ohne die FTR (N = 33). In allen Fällen ist ein positiver Richtungseffekt zu erkennen. Demnach handelt es sich stets um eine durchschnittliche Verbesserung in den einzelnen Dimensionen und somit auch insgesamt in der Glaubwürdigkeit. Beim Vergleich der Mittelwerte vor der CSR-RL in beiden Stichproben, ist zu erkennen, dass die FTR als Ausreißer erwartungsgemäß den Durchschnitt nach unten verzerren. Entsprechend sind die Durchschnittswerte mit FTR niedriger als die Mittelwerte ohne FTR. Sowohl die Dimension Wahrheit als auch die Dimension Wahrhaftigkeit sind hochsignifikant verschieden voneinander unabhängig davon, ob die FTR inkludiert sind oder nicht. Bei der Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit liegt keine statistisch signifikante Verschiedenheit vor und nach Einführung der CSR-RL sowohl mit als auch ohne FTR vor. Insgesamt steigt der Glaubwürdigkeitsindex auf dem 1 %-Signifikanzniveau mit als auch ohne Ausreißer. Parametrische Verfahren Um herauszufinden, ob möglicherweise andere Faktoren ursächlich für die Glaubwürdigkeitssteigerung sind, wird zusätzlich ein parametrisches Verfahren verwendet. Da es sich um Daten mit 41 Querschnittseinheiten (N =41) und zwei Zeitreihenlängeneinheiten (T =2), kommen drei verschiedene Modelle für eine multiple lineare Regression in Frage: (a) ein Pooled OLS Modell (POLS), (b) ein Fixed Effects Modell (FEM) sowie (c) ein Random Effects Modell (REM). Mittels der Modellpaneldiagnostik25 ergibt sich für den Glaubwürdigkeitsindex sowie für die einzelnen Dimensionen, dass ein REM das geeignetste Modell darstellt. In Tabelle 11 sind die resultierenden Regressionsmodelle dargestellt. Neben den bereits vorgestellten Kontrollvariablen Unternehmensgröße (SIZE), Ertragslage (ROA), Verschuldungsgrad (LEV), Eigentumsstreuung (DISP), Medienpräsenz (PRES) sowie der Umweltsensitivität (ENVSEN) wird eine weitere Zeitdummy-Variable eingeführt. Diese ist gleich 25In Gretl werden folgende Tests zur Ermittlung des optimalen Regressionsmodells durchgeführt: (a) POLS vs. FEM - F-Test (gemeinsame Signifikanz der verschiedenen Gruppenmittel), (b) POLS vs. REM - Breusch-PaganTest sowie (c) REM vs. FEM - Hausman-Test. 26Es wird ein linearer Zusammenhang zwischen den erklärenden und den zu erklärenden Variablen aufgrund der bestehenden Literatur angenommen. Die Gauß-Markow-Annahmen wurden geprüft. In der Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit liegt Heteroskedastizität vor. Ferner ist die Voraussetzung, dass eine Normalverteilung der Residuen gegeben ist, in der Dimension Wahrhaftigkeit verletzt. Demnach sind die Ergebnisse möglicherweise verzerrt. T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 635 Tabelle 10: Nichtparametrische Signifikanzanalyse der Glaubwürdigkeit mit und ohne FTR (eigene Darstellung) Glaubwürdigkeitsindex Mit FTR (N =41) Glaubwürdigkeitsindex Ohne FTR (N =33) W WH AV GW W WH AV GW Mittelwert (vorher) 2,46 3,95 1,06 7,47 3,05 4,91 1,16 9,12 Mittelwert (nachher) 4,01 5,80 1,12 10,93 4,27 6,42 1,17 11,86 Differenz 1,55 1,85 0,06 3,46 1,22 1,15 0,01 2,74 p-Wert 0,00*** 0,00*** 0,297 0,00*** 0,00*** 0,00*** 0,795 0,00*** Teststat. Z 799 522 511 811 504 292 295 514 Statistische Signifikanz auf dem 1% (5%, 10%) Level wird bezeichnet durch *** (**,*). Tabelle 11: Random Effects Modelle, N =82 (eigene Darstellung) 26 Robuste (HAC) Standardfehler in Klammern. Es handelt sich um ein REM mit GLS-Schätzern. Die angegebenen Zahlen sind auf drei Nachkommastellen gerundet. Die Begründung für die Aufnahme und die Messung der Kontrollvariablen sind im Kapitel 6.3 erklärt. Zusätzlich wird die Variable Zeitdummy eingeführt. Diese ist gleich 1, wenn das Geschäftsjahr nach der CSR-RL ist. Statistische Signifikanz auf dem 1% (5%, 10%) Level wird bezeichnet durch *** (**,*). Wahrheit Wahrhaftigkeit Angemessenheit & Verständlichkeit Glaubwürdigkeitsindex Zeitdummy 1,484*** (0,280) 1,778*** (0,343) 0,053 (0,067) 3,313*** (0,580) SIZE 1,033*** (0,178) 0,922** (0,335) 0,052 (0,056) 2,022*** (0,502) ROA 0,055* (0,029) -0,001 (0,035) 0,007 (0,011) 0,062 (0,056) LEV -0,141*** (0,045) 0,001* (0,112) -0,017 (0,014) -0,162 (0,151) DISP 0,841** (0,401) 0,635*** (0,607) 0,097 (0,101) 2,980*** (0,969) PRES 0,001 (0,001) 0,004 (0,002) 0,000 (0,000) 0,005 (0,004) ENVSEN 0,637 (0,407) 2,056*** (0,687) 0,157 (0,128) 2,833*** (1,083) Konstante -7,373*** (1,379) -6,794*** (2,578) 0,463 (0,554) -13,800*** (3,853) Beobachtungen 82 82 82 82 eins, wenn das Geschäftsjahr nach der CSR-RL betrachtet wird. Im Folgenden wird hauptsächlich auf den Glaubwürdigkeitsindex im Gesamten eingegangen. Die anderen drei Regressionsmodelle, die jeweils die Dimension als abhängige Variable haben, dienen dazu, zu eruieren, worin die Glaubwürdigkeitsveränderung herrührt. Festzuhalten ist vorab, dass analog zu den bisherigen Ergebnissen alle potentiellen Einflussgrößen auf die Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit keinen statistischen signifikanten Einfluss besitzen. Damit ergeben sich alle statistische Signifikanzen aus den Dimensionen Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die Glaubwürdigkeit der NBE ist nach der CSR-RL durchschnittlich um 3,313 Punkte höher verglichen mit der Glaubwürdigkeit vor der Einführung der CSR-RL ceteris paribus (c.p.). Dies liefert zusätzliche Evidenz für die aufgestellte Hypothese, dass die Glaubwürdigkeit nach der Einführung der CSR-RL steigen wird. Anhand der Regressionsmodelle wird jedoch ebenso deutlich, dass die kontrollierten Einflussgrößen auch teilweise hochsignifikante Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit besitzen. Wenn die Unternehmensgröße um 1 % steigt, erhöht sich die Glaubwürdigkeit der NBE im Durchschnitt um 0,02 Einheiten (c.p.). Ferner haben Unternehmen mit einer hohen Eigentumsstreuung eine durchschnittlich um 2,980 Punkte glaubwürdigere NBE als Unternehmen mit einer geringen Eigentumsstreuung (c.p.). Zudem zeigt sich, dass Unternehmen mit einer hohen Umweltsensitivität eine um 2,833 Punkte durchschnittlich glaubwürdigere NBE haben als Unternehmen mit einer geringen bzw. mittleren Umweltsensitivität (c.p.). Damit lässt sich der Einfluss der Umweltsensitivität, der sich bereits in der deskriptiven statistischen Auswertung zeigt, induktiv verifizieren. An dieser Stelle ist noch hervorzuheben, dass in der Dimension T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642636 Wahrheit die erwarteten Effekte hinsichtlich der Ertragslage und der Verschuldung eingetreten sind. Eine profitable Lage führt folglich zu einer glaubwürdigeren NBE, während eine hohe Verschuldung die Glaubwürdigkeit in der NBE schmälert. Die Kontrollvariable Medienpräsenz zeigt keine bedeutsame Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit der NBE. In Tabelle 14 im Anhang ist die gleiche Regressionsanalyse ohne FTR durchgeführt worden. Alle genannten Effekte bewahren ihre statistische Signifikanz, wenngleich die Umweltsensitivität nur noch schwach signifikant ist. Damit sind die Ergebnisse als robust einzuschätzen. Um die Ergebnisse weiter zu verifizieren, wurden zwei Differenzregressionsanalysen mit und ohne FTR durchgeführt (s. Tab. 15 und Tab. 16 im Anhang). Für alle Variablen wurden Differenzvariablen gebildet, in dem das Geschäftsjahr nach der CSR-RL mit dem Geschäftsjahr danach verrechnet wird.27 Die (weitgehend) fehlende statistische Signifikanz zeigt auf, dass die Veränderung des Glaubwürdigkeitsniveaus in der NBE nicht aus der Veränderung potentieller Störeinflüsse entsteht. 6.5.3. Diskussion der Ergebnisse Im Folgenden werden insbesondere die wesentlichen Ergebnisse vor dem Hintergrund der CSR-RL diskutiert. Aufgrund der unterschiedlichen Stichprobe und der teils anderen Herangehensweise in der Inhaltsanalyse ist ein Vergleich zu Mazzotta et al. (2020) nur an bestimmten Stellen sinnvoll. Überraschend ist festzuhalten, dass deutlich mehr Unternehmen eine externe Prüfung durchgeführt haben, obgleich dies nicht explizit in der deutschen Gesetzgebung vorgeschrieben ist. Dieses Resultat kann vermutlich damit begründet werden, dass die Unternehmen aufgrund der Neuheit des Gesetzes (und der damit verbundenen Unsicherheit über die neuen Anforderungen) und den erhöhten Sanktionen bereit waren, finanzielle Mittel für eine umfassende externe Prüfung bereitzustellen (DNK,2018, S. 23). Obgleich kein „Hard Law“ besteht, also keine gesetzliche Verpflichtung zur externen Prüfung, zeigt dieses Ergebnis, dass die CSRRL trotzdem zu einer Verbesserung geführt hat. Dieses Ergebnis liefert ein empirisches Argument für die Fürsprecher von „Soft Laws“, die im Gegensatz zu „Hard Laws“ nicht verpflichtend einzuhalten sind (Schwarze,2011, S. 3). Im Kontext der externen Prüfung kann dem dennoch entgegnet werden, dass zwar 70 % Anteil an Unternehmen eine deutliche Steigerung darstellt, allerdings ein „Hard Law“ wie in Italien unmittelbar zu einem noch höheren Anteil extern geprüfter Unternehmen führt (Mazzotta et al.,2020, S. 1909). Es besteht allerdings noch Verbesserungspotential hinsichtlich des Prüfungsumfangs und der Prüfungssicherheit. Gemäß der Inhaltsanalyse von Mazzotta et al. (2020, S. 1909) wurde der Inhalt der extern geprüften Inhalte nicht spezifiziert bzw. war nie vollumfänglich. Wenngleich die empirischen Ergebnisse der Masterarbeit in der Variable Prüfungsumfang bessere Ergebnisse aufzeigt, können die Resultate trotzdem als schwach 27Bsp.: Diff_SIZE =Unternehmensgröße nach der CSR-RL – Unternehmensgröße vor der CSR-RL eingeordnet werden. Der Prüfungsumfang und die Prüfungssicherheit sind entscheidend dafür, dass alle NFI mit einer hohen Wahrscheinlichkeit frei von wesentlichen Falschdarstellungen sind. Die Variable Verwendung eines Rahmenwerks hat erheblich an Bedeutung gewonnen. An dieser Stelle zeigt sich, dass der Rechtfertigungsgedanke des § 289d HGB, nach dem ein Unternehmen begründen muss, weswegen es kein Rahmenwerk für die NBE benutzt, Wirkung zeigt. Dennoch bleibt kritisch anzumerken, dass der Comply-and-Explain Ansatz viele Schlupflöcher für Unternehmen ermöglichst, systematisch Informationen auszulassen (La Torre, Sabelfeld, Blomkvist, Tarquinio & Dumay,2018, S. 615). Daneben ist die Seitenlänge der NFI und die Genauigkeit der dargestellten Informationen nach Einführung der CSR-RL signifikant gestiegen. Dies steht mit hoher Wahrscheinlichkeit im kausalen Zusammenhang mit der Ausweitung der Mindestinhalte der NFE. Die gesetzliche Konkretisierung, worüber und wie ein Unternehmen berichten muss, kann somit als wirkungsvoll angesehen werden. Außerdem lässt sich an der erhöhten Informationsmenge ablesen, dass die Mindestinhalte für zahlreiche Unternehmen eine Neuigkeit darstellt, über die zusätzlich berichtet werden muss. Dies wird durch die Tatsache untermauert, dass in der betrachteten Stichprobe insgesamt acht Unternehmen erstmalig nach Einführung der CSRRL über NFI berichten. Während sich das von der GRI empfohlene Tool der Wesentlichkeitsmatrix zur Priorisierung relevanter Themen nicht durchgesetzt hat, verfügen (fast) alle Unternehmen (83 %) nach der CSR-RL über eine aktuelle Wesentlichkeitsanalyse. Dies verdeutlicht, dass ein Großteil der untersuchten Unternehmen verinnerlicht hat, dass die Themenfindung ein dynamischer Prozess ist, der fortlaufend kritisch reflektiert werden muss. Zudem veranschaulicht der höhere Zuspruch durch den Vorstand, sich für Nachhaltigkeitsthemen einzusetzen, dass das Thema Nachhaltigkeit eine höhere Relevanz nach der Einführung der CSR-RL eingenommen hat. Folglich ist die CSR-RL in diesem Kontext als positiv einzuschätzen. Der Aspekt der Wesentlichkeit wird durch die Wesentlichkeitsformel des § 289c Abs. 3 HGB tangiert. Nach Einführung der CSR-RL schaffen es die meisten Unternehmen, relevante Stakeholdergruppen zu identifizieren. Allerdings besteht noch großes Potential, den Dialog bzw. das Engagement mit den Stakeholdern zu steigern. Für die meisten Unternehmen findet das aktive Einbinden von Stakeholdern in Entscheidungsprozesse nicht statt. Demnach hat die CSR-RL nicht maßgeblich zu einem besseren Dialog bzw. Engagement beigetragen. § 289c HGB beinhaltet ferner, dass Unternehmen darüber berichten müssen, mit welcher Governance-Struktur sie die Nachhaltigkeitsthemen angehen. Diese Publizitätspflicht der CSR-RL spiegelt sich deutlich in den Ergebnissen wider. Zunehmend mehr Unternehmen bauen eigene organisationale Strukturen für das Thema Nachhaltigkeit auf. Demnach entfaltet die CSR-RL seine Wirkung. Im Vergleich zu den untersuchten italienischen Unternehmen in der Studie von Mazzotta et al. (2020, S. 1909), ist die organisationale Verankerung in der betrachteten Stichprobe schwächer ausgeprägt. Allerdings ist positiv anzumerken, dass in der T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 637 betrachteten Stichprobe deutlich häufiger eine Organisation gegründet wurde, die speziell Themen der Nachhaltigkeit adressiert. Die Bezugnahme zu den SDGs ist zwar mit 32 % auf 49 % merklich mit der CSR-RL gestiegen, jedoch im Vergleich zu den italienischen Unternehmen mit 77 % als relativ gering einzustufen (Mazzotta et al.,2020, S. 1909). Da die CSR-RL keinerlei Bezugspunkt zu den SDGs aufweist, ist diese Verbesserung als überraschendes Ergebnis einzustufen. Die Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit bleibt durch die CSR-RL vollkommen unberührt. Dies hat sich auch in den Ergebnissen durch ein unverändertes Niveau vor und nach der CSR-RL herauskristallisiert. Beim Vergleich der Variable Verwendung visueller Darstellungen mit dem empirischen Befund von Mazzotta et al. (2020, S. 1910) fällt auf, dass die Resultate auf einem ähnlichen (absoluten) Niveau liegen. Insgesamt erscheint dieses Ergebnis wenig überraschend, da die CSR-RL keinerlei Berührungspunkt zu der Art und Weise der Kommunikation aufweist. Während in der Studie von Mion und Loza Adaui (2019, S. 18) im DAX keine FTR vor der CSR-RL vorhanden waren, so wurden im MDAX acht FTR identifiziert, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes über NFI berichten mussten. An dieser Stelle zeigt sich die Notwendigkeit der CSR-RL, die auch die letzten „CSR-Verweigerer“ zu einer NBE zwingt. Insgesamt liefert die durchgeführte Untersuchung neben den Studien von H ˛abek und Wolniak (2016) sowie Mion und Loza Adaui (2019) weitere Evidenz für die Hypothese, dass eine verpflichtende NBE zu einer glaubwürdigeren Berichtserstattung führt. Insbesondere zeigen die Ergebnisse in Kombination mit der Studie von Mion und Loza Adaui (2019), dass die CSR-RL in ihrer Ausgestaltung zu einer glaubwürdigeren NBE beigetragen hat. Summa summarum haben die Verbesserungen in den Dimensionen Wahrheit und Wahrhaftigkeit und das konstante Level der Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit zu einer Glaubwürdigkeitssteigerung in der NBE geführt, die durch die CSR-RL induziert wurde. Dass die Glaubwürdigkeitssteigerung in der NBE durch interne oder externe Einflüsse zurückzuführen ist, konnte durch parametrische Verfahren weitgehend ausgeschlossen werden. Das Argument, dass die Glaubwürdigkeitssteigerung sei, z.B. durch Zufall oder den mimetischen Isomorphismus, also einer natürlichen Verbesserung der NBE durch Anpassung an Konkurrenzunternehmen (DiMaggio & Powell,1983, S. 151), entstanden, überzeugt nicht, da es sich um einen sprunghaften Anstieg der Glaubwürdigkeit handelt. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, die einen längeren Zeitraum betrachtet, um diese Möglichkeit gänzlich auszuschließen. Neben der Ausweitung der Zeitreihenlänge ergibt es ebenfalls Sinn, die Querschnittseinheiten, sprich die Anzahl der beobachteten Unternehmen, zu erweitern. Gerade für Deutschland, in dem der Mittelstand den Großteil der Wirtschaftsleistung beisteuert (Röhl,2018, S. 12), scheint die Inklusion von kleineren Unternehmen eine sinnvolle Erweiterung zu sein. Damit können die in Kapitel 3 angesprochenen Ausstrahlungseffekte auf nicht direkt durch die CSR-RL tangierte Unternehmen untersucht werden. Denkbar ist auch eine Erweiterung auf verschiedene EU-Länder, in dem verschiedene Länder miteinander hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit beurteilt und verglichen werden. Bezogen auf die Stichprobengröße bleibt festzuhalten, dass eine zu geringe Beobachtungszahl vorliegt, um eine umfassende Bewertung der CSR-RL und deren Wirkung auf die Glaubwürdigkeit abschließend vorzunehmen. Eine Stichprobenvergrößerung bewirkt zusätzlich, dass die Reaktion verschiedener Branchen auf die CSR-RL besser miteinander zu vergleichen ist und die Anwendung induktiver statistischer Verfahren zulässt. 6.6. Limitationen Eine Schwäche des verwendeten Glaubwürdigkeitsindex ist es, dass nicht alle unterschiedliche Nuancen in der NBE durch den angewandten Kodierungsrahmen erkannt werden. Beispielsweise kann die Variable Identifikation der Stakeholder unterschiedlich vom Unternehmen ausgestaltet sein. Diese können bspw. in einer aufwändigen Analyse mit grafischer Visualisierung herausgearbeitet werden oder einfach in einem Nebensatz aufgelistet sein. Obwohl beide Sachverhalte sich hinsichtlich ihrer Qualität unterscheiden, kann der Glaubwürdigkeitsindex diese Feinheiten nicht unterscheiden. Bezogen auf den Prüfungsumfang lassen manche Unternehmen nur wenige Abbildungen extern prüfen und erhalten somit ein Testat von einer Prüfungsgesellschaft. Damit werden diese Unternehmen genauso bewertet wie Unternehmen, die fast alle Inhalte extern prüfen lassen. Ferner existiert bei manchen Variablen ein Interpretationsspielraum (z.B. bei der Einbindung der Stakeholder) in der Bewertung, welcher stark vom Wortlaut in der NBE ab. Das Geschriebene muss jedoch nicht zwangsläufig mit der Realität übereinstimmen, was dazu führt, dass ggf. Sachverhalte falsch im Zuge der Inhaltsanalyse bewertet werden. Die Bestimmung der Variablen Genauigkeit der dargestellten Informationen, Lesbarkeit und Verwendung visueller Darstellungen erfolgte nur gemäß einer kleinen Stichprobe von zufällig ausgewählten Seiten. Somit kann es zu Verzerrungen in den Ergebnissen zum Positiven aber auch zum Negativen kommen. Die Weiterentwicklung von Algorithmusbasierten Analyseverfahren zur Verarbeitung qualitativer Daten („Text Mining“) kann hierbei in der Zukunft wegweisende Potentiale eröffnen. Des Weiteren handelt es sich bei dem Glaubwürdigkeitsindex um ein akademisches Konstrukt, welches von Forschenden konzeptioniert ist (Mazzotta et al.,2020, S. 1911). Dieses Messinstrument sollte ähnlich wie in der Umfrage von Helfaya et al.,2018 durch qualitative Interviews mit Unternehmen und Stakeholdern validiert werden (Mazzotta et al.,2020, S. 1911). Damit könnte bspw. der Forschungsfrage nachgegangen werden, ob eine bestimmte Gewichtung des Glaubwürdigkeitsindex, Sinn ergibt. In der Datenerhebung wurden nur die vorhandenen Geschäftsund Nachhaltigkeitsberichte untersucht. Unternehmen nutzen jedoch weitere Kommunikationskanäle, wie z.B. Unternehmenswebseite, Social Media, Flyer, o.ä., um über nachhaltigkeitsbezogene Aspekte zu berichten (Seele & Lock,2015, S. 406). Ergo kann es sein, dass publizierte NFI T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642638 nicht in die Inhaltsanalyse eingeflossen sind. Das Auslassen von NFI kann zu einer schlechteren Bewertung führen. Nach Krippendorff (2004, S. 214-215) sind Daten aus einer Inhaltsanalyse nur dann zuverlässig, wenn die Kriterien Stabilität sowie Replizierbarkeit erfüllt sind. Das Kriterium der Stabilität besagt, dass unabhängig vom Zeitpunkt der Kodierung immer das gleiche Resultat erfolgen muss (Krippendorff,2004, S. 215). Im Rahmen der Masterarbeit kann die Stabilität ausreichend kontrolliert werden, sodass intrasubjektive Inkonsistenzen unwahrscheinlich sind. Trotzdem können menschliche Fehler im Rahmen der Kodierung nicht vollständig ausgeschlossen werden (z.B. das Verrutschen in der Zeile o.ä.). Zudem ist an dieser Stelle anzumerken, dass für eine Inhaltsanalyse die Vorgehensweise der Kodierung akribisch dokumentiert sein muss, da ansonsten die Kodierung stets unterschiedlich ausfällt. Ferner besagt die Replizierbarkeit, dass verschiedene Anwender mittels der vorgebenden Kodierung zum gleichen Ergebnis kommen müssen (Krippendorff,2004, S. 215). Beispielsweise berechnet Krippendorff’s Alpha, wie hoch die Korrelation zwischen den intersubjektiven Bewertungen verschiedener Anwender ist (Krippendorff, 2004, S. 1-2). Aufgrund mangelnder personeller Ressourcen konnte dieses Kriterium der Reliabilität nicht geprüft werden. In der Forschungsarbeit von Mazzotta et al. (2020) ist nicht bei jeder Variable eindeutig beschrieben, wie die Kodierung genau erfolgt ist. Aus diesem Grund musste teils auf alternative Bewertungen zurückgegriffen werden. Dies zeigt die Relevanz der exakten Erläuterung des Kodierungsrahmens im Kontext einer Inhaltsanalyse. 7. Fazit Das Instrumentarium der NBE konnte im Rahmen der Masterarbeit als wichtiges Kommunikationsmedium zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt herausgearbeitet werden. Der Zusammenhang zwischen einer glaubwürdigen NBE und Legitimität konnte mit Hilfe der bestehenden Literatur hergestellt werden. Die Synthese aus dem Vier-Stufen-Pyramiden-Modell sowie der Legitimitätstheorie prognostizieren eine positive Auswirkung der CSR-RL auf die Glaubwürdigkeit der NBE. Ein Unternehmen strebt stets nach einem möglichst hohen Maß an Legitimität. Aufgrund der pragmatischen Legitimität ist davon auszugehen, dass ein Unternehmen aus Eigeninteresse (z.B. Vermeidung von Strafzahlungen durch die Nichteinhaltung des Gesetzes) den neuen Vorgaben der CSR-RL Folge leistet. Ferner wurde aufgezeigt, dass die Erwartungshaltung der Stakeholder an die ethische und moralische Verantwortung eines Unternehmens gestiegen ist. Nur in einem deliberativen Diskurs mit seinen Stakeholdern kann moralische Legitimität erzeugt werden. Dieser Austausch, der u.a. über die NBE erfolgt, sollte demnach glaubwürdig sein, da die Glaubwürdigkeit als Voraussetzung für Legitimität betrachtet werden kann. Da durch die CSR-RL Indikatoren für eine glaubwürdige NBE tangiert werden (z.B. Vorgabe der Mindestinhalte), ist von einer Glaubwürdigkeitssteigerung in der Berichterstattung auszugehen. Im Rahmen der Inhaltsanalyse, in der 41 deutsche Unternehmen des MDAX untersucht wurden, können folgende Kernergebnisse subsumiert werden: Die Einführung der CSR-RL hat dazu geführt, dass acht Unternehmen, die zuvor keine NBE hatten, zur Veröffentlichung von NFI gezwungen waren. Damit ist es dem Adressatenkreis der CSR-RL nicht mehr möglich, auf die Informationspreisgabe von NFI zu verzichten. Alleine durch diesen Effekt ist insgesamt die Glaubwürdigkeit angestiegen. Darüber hinaus hat sich die Glaubwürdigkeit der NBE nach Einführung der CSR-RL verbessert. Dieser Anstieg wird insbesondere durch die Dimensionen Wahrheit und Wahrhaftigkeit initiiert. Hingegen hat die CSR-RL keine Auswirkung auf die Dimension Angemessenheit & Verständlichkeit gezeigt. Im Rahmen der multiplen linearen Regressionsmodelle konnte für mögliche Störeinflüsse kontrolliert werden. Die Resultate belegen, dass die Einflussgrößen Unternehmensgröße, Eigentumsstreuung sowie Umweltsensitivität die Glaubwürdigkeit der NBE positiv beeinflussen. Zusätzlich gibt es Indizien, die dafür sprechen, dass die Vermögensund Ertragslage ebenso einen positiven Einfluss auf die Glaubwürdigkeit der NBE ausübt. Wenngleich die verwendete Forschungsmethodik nicht frei von Limitationen ist, liefert die Masterarbeit zusätzliche empirische Evidenz dafür, dass eine verpflichtende NBE zu einer Verbesserung der Glaubwürdigkeit führt. Damit konnte das Ziel der EU, die Beziehung zwischen Unternehmen und den Stakeholdern zu verbessern, erreicht werden. Nichtsdestotrotz gibt es bei vielen Unternehmen Verbesserungspotential in der NBE. Zum Beispiel schaffen es viele Unternehmen noch nicht, ihre Stakeholder aktiv in Entscheidungsprozesse einzubinden. Um aussagekräftige Vergleiche mit anderen EU-Ländern oder unterschiedlichen Gesetzgebungen herzustellen, bedarf es weiterer Forschung. T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 639 Literatur Ackers, B. (2009). Corporate social responsibility assurance: How do south african publicly listed companies compare? [Journal Article].Meditari Accountancy Research,17 (2), 1-17. Adams, C. A. & Evans, R. (2004). Accountability, completeness, credibility and the audit expectations gap [Journal Article].Journal of Corporate Citizenship,14, 97-115. Adaui, C. R. L. (2020). Sustainability reporting quality of peruvian listed companies and the impact of regulatory requirements of sustainability disclosures [Journal Article].Sustainability,12 (3), 1135. Aggarwal, P. (2013). Sustainability reporting and its impact on corporate financial performance: A literature review [Journal Article].Indian Journal of Commerce and Management Studies,4(3), 51-59. Aifuwa, H. O. (2020). Sustainability reporting and firm performance in developing climes: A review of literature [Journal Article].Copernican Journal of Finance & Accounting,9(1), 9-29. Ali, W., Frynas, J. G. & Mahmood, Z. (2017). Determinants of corporate social responsibility (csr) disclosure in developed and developing countries: A literature review [Journal Article].Corporate Social Responsibility and Environmental Management,24 (4), 273-294. Almeling, C., Flick, C. & Scharr, C. (2020). Abschlussprüfung klipp & klar [Book]. Springer. Amel-Zadeh, A. & Serafeim, G. (2018). Why and how investors use esg information: Evidence from a global survey [Journal Article].Financial Analysts Journal,74 (3), 87-103. Amran, A., Lee, S. P. & Devi, S. S. (2014). The influence of governance structure and strategic corporate social responsibility toward sustainability reporting quality [Journal Article].Business Strategy and the Environment,23 (4), 217-235. Ankele, K. & Grothe, A. (2019). Strategisches nachhaltigkeitsmanagement durch nachhaltigkeitsbewertung [Book Section]. In Nachhaltiges management (S. 551-574). Springer. Arena, C., Bozzolan, S. & Michelon, G. (2015). Environmental reporting: Transparency to stakeholders or stakeholder manipulation? an analysis of disclosure tone and the role of the board of directors [Journal Article].Corporate Social Responsibility and Environmental Management,22 (6), 346-361. Arnstein, S. R. (1969). A ladder of citizen participation [Journal Article]. Journal of the American Institute of planners,35 (4), 216-224. Ayuso, S., Roca, M., Arevalo, J. A. & Aravind, D. (2016). What determines principle-based standards implementation? reporting on global compact adoption in spanish firms [Journal Article].Journal of business ethics,133 (3), 553-565. Böcking, H.-J. & Althoff, C. (2017). Paradigmenwechsel in der (konzern- ) lageberichterstattung über nicht-monetäre erfolgsfaktoren: Prefinancial performance indicators als vorstufe, nicht als gegensatz von financial performance indicators [Journal Article].Der Konzern,15 (5), 246-255. Bentele, G. & Nothhaft, H. (2011). Vertrauen und glaubwürdigkeit als grundlage von corporate social responsibility: Die (massen-) mediale konstruktion von verantwortung und verantwortlichkeit [Book Section]. In Handbuch csr (S. 45-70). Springer. Beretta, S. & Bozzolan, S. (2008). Quality versus quantity: The case of forward-looking disclosure [Journal Article].Journal of Accounting, Auditing & Finance,23 (3), 333-376. Berger, P. L. & Luckmann, T. (2004). Die gesellschaftliche konstruktion der wirklichkeit [Book]. Verlag Fischer. Berrone, P., Ricart, J. E., Duch, A. I., Bernardo, V., Salvador, J., Piedra Peña, J. & Rodríguez Planas, M. (2019). Easier: An evaluation model for public–private partnerships contributing to the sustainable development goals [Journal Article].Sustainability,11 (8), 2339. Berthelot, S., Coulmont, M. & Serret, V. (2012). Do investors value sustainability reports? a canadian study [Journal Article].Corporate Social Responsibility and Environmental Management,19 (6), 355-363. Bewley, K. & Li, Y. (2000). Disclosure of environmental information by canadian manufacturing companies: a voluntary disclosure perspective [Book Section]. In Advances in environmental accounting & management (S. 201-226). Emerald Group Publishing Limited. Biswas, P. K., Mansi, M. & Pandey, R. (2018). Board composition, sustainability committee and corporate social and environmental performance in australia [Journal Article].Pacific Accounting Review,30 (4), 517540. Blackwelder, B., Coleman, K., Colunga-Santoyo, S., Harrison, J. S. & Wozniak, D. (2016). The volkswagen scandal [Book]. University of Richmond. Boiral, O. (2013). Sustainability reports as simulacra? a counter-account of a and a+gri reports [Journal Article].Accounting, Auditing & Accountability Journal,26 (7), 1036-1071. Brammer, S. & Millington, A. (2006). Firm size, organizational visibility and corporate philanthropy: An empirical analysis [Journal Article]. Business Ethics: A European Review,15 (1), 6-18. Brammer, S. & Pavelin, S. (2006). Voluntary environmental disclosures by large uk companies [Journal Article].Journal of Business Finance & Accounting,33 (7-8), 1168-1188. Brammer, S. & Pavelin, S. (2008). Factors influencing the quality of corporate environmental disclosure [Journal Article].Business strategy and the environment,17 (2), 120-136. Brundtland, G. H. (1987). Report of the world commission on eviornment and development: Our commom future (Report). Zugriff auf https:// www.are.admin.ch/are/de/home/nachhaltige-entwicklung/ internationale-zusammenarbeit/agenda2030/uno-_ -meilensteine-zur-nachhaltigen-entwicklung/1987- -brundtland-bericht.html Bundesregierung. (2017). (Web Page Nr. 03.02.2021). Zugriff auf https:// www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/ Dokumente/RegE_CSR-Richtlinie.pdf?__blob= publicationFile&v=1 Carroll, A. B. (1979). A three-dimensional conceptual model of corporate performance [Journal Article].Academy of management review,4 (4), 497-505. Carroll, A. B. (1991). The pyramid of corporate social responsibility: Toward the moral management of organizational stakeholders [Journal Article].Business horizons,34 (4), 39-48. Carroll, A. B. (2016). Carroll’s pyramid of csr: Taking another look [Journal Article].International journal of corporate social responsibility,1(1), 1-8. Carroll, A. B. & Buchholtz, A. K. (2006). Ethics and stakeholder management [Book]. Thomson South-Western. Carroll, A. B., Lipartito, K. J., Post, J. E. & Werhane, P. H. (2012). Corporate responsibility: The american experience [Book]. Cambridge University Press. Carrots & Sticks. (2016). Global trends in sustainability reporting - regulation and policy (Report). Zugriff auf https://assets.kpmg/content/ dam/kpmg/pdf/2016/05/carrots-and-sticks-may-2016.pdf Chau, G. K. & Gray, S. J. (2002). Ownership structure and corporate voluntary disclosure in hong kong and singapore [Journal Article].The International Journal of Accounting,37 (2), 247-265. Cho, C. H., Laine, M., Roberts, R. W. & Rodrigue, M. (2015). Organized hypocrisy, organizational façades, and sustainability reporting [Journal Article].Accounting, organizations and society,40, 78-94. Clarke, T. (2007). The materiality of sustainability: Corporate social and environmental responsibility as instruments of strategic change? [Journal Article].Corporate Governance and Sustainability: Challenges for Theory and Practice,1, 219-251. Cormier, D., Ledoux, M., Magnan, M. & Aerts, W. (2010). Corporate governance and information asymmetry between managers and investors [Journal Article].Corporate Governance: The international journal of business in society,10 (5), 574-589. Cormier, D. & Magnan, M. (1999). Corporate environmental disclosure strategies: Determinants, costs and benefits [Journal Article].Journal of Accounting, Auditing & Finance,14 (4), 429-451. Cormier, D. & Magnan, M. (2003). Environmental reporting management: A continental european perspective [Journal Article].Journal of Accounting and public Policy,22 (1), 43-62. Cormier, D., Magnan, M. & Van Velthoven, B. (2005). Environmental disclosure quality in large german companies: economic incentives, public pressures or institutional conditions? [Journal Article].European accounting review,14 (1), 3-39. Cucari, N., Esposito De Falco, S. & Orlando, B. (2018). Diversity of board of directors and environmental social governance: Evidence from italian listed companies [Journal Article].Corporate Social Responsibility T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642640 and Environmental Management,25 (3), 250-266. Daub, C.-H. (2010). Gesellschaftliche legitimation durch glaubwürdige berichterstattung [Journal Article].Ökologisches WirtschaftenFachzeitschrift,25 (1), 30-34. DAX-Indices. (2021, 01.03.2021). (Web Page Nr. 25.03.2021). Zugriff auf https://www.dax-indices.com/document/Resources/ Guides/Historical_Index_Compositions.pdf Deegan, C. & Gordon, B. (1996). A study of the environmental disclosure practices of australian corporations [Journal Article].Accounting and business research,26 (3), 187-199. Demuijnck, G. & Fasterling, B. (2016). The social license to operate [Journal Article].Journal of business ethics,136 (4), 675-685. Dienes, D., Sassen, R. & Fischer, J. (2016). What are the drivers of sustainability reporting? a systematic review [Journal Article].Sustainability Accounting, Management and Policy Journal,7(2), 154-189. Dilling, P. F. (2010). Sustainability reporting in a global context: What are the characteristics of corporations that provide high quality sustainability reports an empirical analysis [Journal Article].International Business & Economics Research Journal (IBER),9(1), 19-30. DiMaggio, P. J. & Powell, W. W. (1983). The iron cage revisited: Institutional isomorphism and collective rationality in organizational fields [Journal Article].American sociological review, 147-160. DNK. (2018). Der dnk im sinne des csr-richtlinie-umsetzungsgesetzes (csr-rug)–eine orientierungshilfe für anwender (Report). Zugriff auf https://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex .de/de-DE/Documents/PDFs/Sustainability-Code/ DNK-Orientierungshilfe-Anwender-2018-de.aspx Dong, S. & Xu, L. (2016). The impact of explicit csr regulation: Evidence from china’s mining firms [Journal Article].Journal of Applied Accounting Research,17 (2), 237-258. Dumay, J., Frost, G. & Beck, C. (2015). Material legitimacy [Journal Article]. Journal of Accounting & Organizational Change,11 (1), 2-23. Dumitru, M., Dyduch, J., Gus ,e, R.-G. & Krasodomska, J. (2017). Corporate reporting practices in poland and romania–an ex-ante study to the new non-financial reporting european directive [Journal Article]. Accounting in Europe,14 (3), 279-304. Eccles, R. G. & Krzus, M. P. (2010). One report: Integrated reporting for a sustainable strategy [Book]. John Wiley & Sons. Eccles, R. G. & Saltzman, D. (2011). Achieving sustainability through integrated reporting [Journal Article].Stanford Social Innovation Review, 9(3), 56-61. Edgley, C., Jones, M. J. & Atkins, J. (2015). The adoption of the materiality concept in social and environmental reporting assurance: A field study approach [Journal Article].The British Accounting Review,47 (1), 1-18. Eisend, M. (2003). Glaubwürdigkeit in der marketingkommunikation: Konzeption, einflussfaktoren und wirkungspotenzial [Book]. SpringerVerlag. Elkington, J. (1997). The triple bottom line [Book Section]. In M. V. Russo (Hrsg.), Environmental management: Readings and cases (S. 49-68). Sage Publications. EU. (2014a, 15.04.2014). (Web Page Nr. 20.04.2021). Zugriff auf https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/ cs/MEMO_14_301 EU. (2014b, 15.11.2014). (Web Page Nr. 25.01.2021). Zugriff auf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/ ?uri=celex%3A32014L0095 Farooq, M. B. & De Villiers, C. (2017). The market for sustainability assurance services [Journal Article].Pacific Accounting Review,29 (1), 79-106. Ferrero, I., Michael Hoffman, W. & McNulty, R. E. (2014). Must milton friedman embrace stakeholder theory? [Journal Article].Business and Society Review,119 (1), 37-59. Fifka, M. (2014). Csr und reporting [Book]. Springer. Fifka, M. S. & Drabble, M. (2012). Focus and standardization of sustainability reporting–a comparative study of the united kingdom and finland [Journal Article].Business Strategy and the Environment,21 (7), 455474. Flesch, R. (1948). A new readability yardstick [Journal Article].Journal of applied psychology,32 (3), 221-233. Frankel, R., McNichols, M. & Wilson, G. P. (1995). Discretionary disclosure and external financing [Journal Article].Accounting Review, 135150. Frias-Aceituno, J. V., Rodríguez-Ariza, L. & García-Sánchez, I. M. (2013). Is integrated reporting determined by a country’s legal system? an exploratory study [Journal Article].Journal of cleaner production, 44, 45-55. Friedman, M. (2007). The social responsibility of business is to increase its profits [Book Section]. In W. C. Zimmerli, M. Holzinger & R. K. (Hrsg.), Corporate ethics and corporate governance (S. 173-178). Springer. Gallego-Álvarez, I. & Ortas, E. (2017). Corporate environmental sustainability reporting in the context of national cultures: A quantile regression approach [Journal Article].International Business Review,26 (2), 337-353. Gamerschlag, R., Möller, K. & Verbeeten, F. (2011). Determinants of voluntary csr disclosure: Empirical evidence from germany [Journal Article]. Review of Managerial Science,5(2-3), 233-262. Gillet, C. (2012). A study of sustainability verification practices: The french case [Journal Article].Journal of Accounting & Organizational Change,8(1), 62-84. Gray, R. (2000). Current developments and trends in social and environmental auditing, reporting and attestation: a review and comment [Journal Article].International journal of auditing,4(3), 247-268. GRI. (2016). (Web Page Nr. 11.01.2021). Zugriff auf https:// www.globalreporting.org/how-to-use-the-gri-standards/ gri-standards-english-language/ Grob, L., Sydow, J. & Heinz, R. (2020). Bewertung der csr-richtlinie und ihrer umsetzung in deutschen konzernen der rohstoffverarbeitenden industrie (policy paper) (Report). Zugriff auf https://germanwatch.org/ sites/default/files/CSR_Bericht_1.pdf Gulenko, M. (2018). Mandatory csr reporting—literature review and future developments in germany [Journal Article].NachhaltigkeitsManagementForum| Sustainability Management Forum,26, 3-17. Habermas, J. (2002). On the pragmatics of social interaction: Preliminary studies in the theory of communicative action [Book]. MIT Press. Hagest, J. (1975). Zur logik der prüferischen Überzeugungsbildung bei jahresabschlußprüfungen [Book]. Ludwig-Maximiliams-Universität. Hahn, R. & Kühnen, M. (2013). Determinants of sustainability reporting: A review of results, trends, theory, and opportunities in an expanding field of research [Journal Article].Journal of cleaner production,59, 5-21. Haji, A. A. (2013). Corporate social responsibility disclosures over time: Evidence from malaysia [Journal Article].Managerial auditing journal. H ˛abek, P. & Wolniak, R. (2016). Assessing the quality of corporate social responsibility reports: The case of reporting practices in selected european union member states [Journal Article].Quality & quantity, 50 (1), 399-420. Heckler, A. & Bröcker, N. (2017). Die csr-berichtspflicht in der hauptversammlungssaison 2018 [Journal Article].Die Aktiengesellschaft (21), 761-770. Helfaya, A. & Moussa, T. (2017). Do board’s corporate social responsibility strategy and orientation influence environmental sustainability disclosure? uk evidence [Journal Article].Business Strategy and the Environment,26 (8), 1061-1077. Helfaya, A. & Whittington, M. (2019). Does designing environmental sustainability disclosure quality measures make a difference? [Journal Article].Business Strategy and the Environment,28 (4), 525-541. Helfaya, A., Whittington, M. & Alawattage, C. (2018). Exploring the quality of corporate environmental reporting: Surveying preparers’ and users’ perceptions [Journal Article].Accounting, Auditing & Accountability Journal,31 (1), 163-193. Hodge, K., Subramaniam, N. & Stewart, J. (2009). Assurance of sustainability reports: Impact on report users’ confidence and perceptions of information credibility [Journal Article].Australian accounting review,19 (3), 178-194. Hooks, J. & van Staden, C. J. (2011). Evaluating environmental disclosures: The relationship between quality and extent measures [Journal Article].The British Accounting Review,43 (3), 200-213. Hoozée, S., Maussen, S. & Vangronsveld, P. (2019). The impact of readability of corporate social responsibility information on credibility as perceived by generalist versus specialist readers [Journal Artic- T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642 641 le].Sustainability Accounting, Management and Policy Journal,10 (3), 570-591. ICC. (2015, 12.04.2021). Sustainability reporting - future directions (policy statement) (Report). Zugriff auf https://iccwbo.org/content/ uploads/sites/3/2016/10/Sustainability-Reporting -Future-directions.pdf Jones, P., Comfort, D. & Hillier, D. (2016). Materiality in corporate sustainability reporting within uk retailing [Journal Article].Journal of Public Affairs,16 (1), 81-90. Kajüter, P. (2017a). Das csr-richtlinie-umsetzungsgesetz–ein kompromiss [Journal Article].Zeitschrift für internationale Rechnungslegung,12 (4), 137-138. Kajüter, P. (2017b). Nichtfinanzielle berichterstattung nach dem csrrichtlinie-umsetzungsgesetz [Journal Article].Der Betrieb,70 (12), 617-624. Kelly, J. D. (1993). The effects of display format and data density on time spent reading statistics in text, tables and graphs [Journal Article]. Journalism Quarterly,70 (1), 140-149. Kerret, D., Menahem, G. & Sagi, R. (2010). Effects of the design of environmental disclosure regulation on information provision: The case of israeli securities regulation [Journal Article].Environmental Science & Technology,44 (21), 8022-8029. Köhnken, G. (1990). Glaubwürdigkeit: Untersuchungen zu einem psychologischen konstrukt [Journal Article].Psychologie-Verlag-Union. Kolk, A. & Pinkse, J. (2010). The integration of corporate governance in corporate social responsibility disclosures [Journal Article].Corporate social responsibility and environmental management,17 (1), 15-26. Krasodomska, J., Simnett, R. & Street, D. L. (2021). Extended external reporting assurance: Current practices and challenges [Journal Article].Journal of International Financial Management & Accounting, 32, 104-142. Krippendorff, K. (2004). Content analysis: An introduction to its methodology [Book]. London, Neu-Delhi: Sage Publications. Kropp, A. (2018). Grundlagen der nachhaltigen entwicklung: Handlungsmöglichkeiten und strategien zur umsetzung [Book]. Wiesbaden: SpringerVerlag. Lackmann, J. (2010). Leitlinien zur nachhaltigkeitsberichterstattung [Book Section]. In Die auswirkungen der nachhaltigkeitsberichterstattung auf den kapitalmarkt (S. 39-89). Springer. La Torre, M., Sabelfeld, S., Blomkvist, M., Tarquinio, L. & Dumay, J. (2018). Harmonising non-financial reporting regulation in europe: Practical forces and projections for future research [Journal Article].Meditari Accountancy Research,26 (4), 598-621. Leffson, U., Lippmann, K. & Baetge, J. (1969). Zur sicherheit und wirtschaftlichkeit der urteilsbildung bei prüfungen [Book]. Verlagsbuchhandlung des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Li, Y. (2010). The case analysis of the scandal of enron [Journal Article]. International Journal of business and management,5(10), 37-41. Liao, L., Luo, L. & Tang, Q. (2015). Gender diversity, board independence, environmental committee and greenhouse gas disclosure [Journal Article].The British Accounting Review,47 (4), 409-424. Lock, I. (2016). Glaubwürdigkeit in der csr-kommunikation [Journal Article].Publizistik,61 (4), 413-429. Lock, I. & Schulz-Knappe, C. (2019). Credible corporate social responsibility (csr) communication predicts legitimacy [Journal Article].Corporate Communications: An International Journal,24 (1), 2-20. Lock, I. & Seele, P. (2016). The credibility of csr (corporate social responsibility) reports in europe. evidence from a quantitative content analysis in 11 countries [Journal Article].Journal of Cleaner Production,122, 186-200. Loew, T., Ankele, K., Braun, S. & Clausen, J. (2004). Bedeutung der internationalen csr-diskussion für nachhaltigkeit und die sich daraus ergebenden anforderungen an unternehmen mit fokus berichterstattung (Report). Zugriff auf https:// www.upj.de/fileadmin/user_upload/MAIN-dateien/Themen/ Einfuehrung/ioew_csr_diskussion_2004.pdf Lubitzsch, K. (2008). Prüfungssicherheit bei betriebswirtschaftlichen prüfungen: eine theoretische und empirische analyse [Book]. IDW-Verlag. Maas, K. & Sampers, P. (2020). The expected impacts of regulating nonfinancial reporting [Journal Article].Maandblad Voor Accountancy en Bedrijfseconomie,94 (7/8), 265-274. Manetti, G. (2011). The quality of stakeholder engagement in sustainability reporting: empirical evidence and critical points [Journal Article].Corporate social responsibility and environmental management, 18 (2), 110-122. Manetti, G. & Becatti, L. (2009). Assurance services for sustainability reports: Standards and empirical evidence [Journal Article].Journal of Business Ethics,87 (1), 289-298. Marten, K., Quick, R. & Ruhnke, K. (2007). Wirtschaftsprüfung [Book]. Schäffer-Poeschel Verlag. Mazzotta, R., Bronzetti, G. & Veltri, S. (2020). Are mandatory non-financial disclosures credible? evidence from italian listed companies [Journal Article].Corporate Social Responsibility and Environmental Management,27 (4), 1900-1913. Meek, G. K., Roberts, C. B. & Gray, S. J. (1995). Factors influencing voluntary annual report disclosures by us, uk and continental european multinational corporations [Journal Article].Journal of international business studies,26 (3), 555-572. Merkt, H. (2001). Unternehmenspublizität: Offenlegung von unternehmensdaten als korrelat der marktteilnahme [Book]. Mohr Siebeck. Michalczuk, G. & Konarzewska, U. (2020). Standardization of corporate social responsibility reporting using the gri framework [Journal Article].Optimum. Economic Studies,1(99), 74-88. Michelon, G. & Parbonetti, A. (2012). The effect of corporate governance on sustainability disclosure [Journal Article].Journal of management & governance,16 (3), 477-509. Michelon, G., Pilonato, S. & Ricceri, F. (2015). Csr reporting practices and the quality of disclosure: An empirical analysis [Journal Article].Critical perspectives on accounting,33, 59-78. Mio, C., Panfilo, S. & Blundo, B. (2020). Sustainable development goals and the strategic role of business: A systematic literature review [Journal Article].Business Strategy and the Environment,29 (8), 3220-3245. Mion, G. & Loza Adaui, C. R. (2019). Mandatory nonfinancial disclosure and its consequences on the sustainability reporting quality of italian and german companies [Journal Article].Sustainability,11 (17), 1-28. Moore, J. E., Mascarenhas, A., Bain, J. & Straus, S. E. (2017). Developing a comprehensive definition of sustainability [Journal Article].Implementation Science,12 (1), 1-8. Neu, D., Warsame, H. & Pedwell, K. (1998). Managing public impressions: environmental disclosures in annual reports [Journal Article]. Accounting, organizations and society,23 (3), 265-282. Perego, P. & Kolk, A. (2012). Multinationals’ accountability on sustainability: The evolution of third-party assurance of sustainability reports [Journal Article].Journal of Business Ethics,110 (2), 173-190. Peters, G. F. & Romi, A. M. (2015). The association between sustainability governance characteristics and the assurance of corporate sustainability reports [Journal Article].Auditing: A Journal of Practice & Theory, 34 (1), 163-198. Pufé, I. (2017). Nachhaltigkeit [Book]. UTB. QONTIGO. (2021, 20.04.2021). (Web Page Nr. 20.04.2021). Zugriff auf https://www.dax-indices.com/index-details?isin= DE0008467416 Rehbinder, E. (2014). Corporate social responsibility–von der gesellschaftspolitischen forderung zur rechtlichen verankerung [Book Section]. In S. Deinert, C. Schrader & B. Stoll (Hrsg.), Corporate social responsibility (csr). die richtlinie 2014/95/eu - chancen und herausforderungen (S. 10-37). Kassel University Press. Rennekamp, K. (2012). Processing fluency and investors’ reactions to disclosure readability [Journal Article].Journal of Accounting Research,50 (5), 1319-1354. Reynolds, M. & Yuthas, K. (2008). Moral discourse and corporate social responsibility reporting [Journal Article].Journal of business ethics, 78 (1), 47-64. Röhl, K.-H. (2018). Mid caps: der große mittelstand. die wirtschaftspolitik berücksichtigt die relevanz der mid caps nicht ausreichend (Report). Zugriff auf https://www.iwkoeln.de/ fileadmin/user_upload/Studien/policy_papers/PDF/2018/ IW-Policy_Paper_2018_4_Mid_Caps.pdf Roca, L. C. & Searcy, C. (2012). An analysis of indicators disclosed in corporate sustainability reports [Journal Article].Journal of cleaner production,20 (1), 103-118. Romero, S., Fernandez-Feijoo, B. & Ruiz, S. (2014). Perceptions of quality T. Scheufen /Junior Management Science 7(3) (2022) 604-642642 of assurance statements for sustainability reports [Journal Article]. Social Responsibility Journal,10 (3), 480-499. Rupley, K. H., Brown, D. & Marshall, R. S. (2012). Governance, media and the quality of environmental disclosure [Journal Article].Journal of Accounting and Public Policy,31 (6), 610-640. Sachs, J. D. (2012). From millennium development goals to sustainable development goals [Journal Article].The Lancet,379 (9832), 22062211. Sandhu, S. (2012). Public relations und legitimität: Der beitrag des organisationalen neo-institutionalismus für die pr-forschung [Book]. SpringerVerlag. Schreier, M. (2014). Varianten qualitativer inhaltsanalyse: Ein wegweiser im dickdicht der begrifflichkeiten [Journal Article].Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research,15 (1), 1-27. Schwarze, J. (2011). Soft law im recht der europäischen union [Journal Article].EuR Europarecht,46 (1), 3-18. Schweren, F. C. & Brink, A. (2016). Csr-berichterstattung in europa [Journal Article].zfwu Zeitschrift für Wirtschafts-und Unternehmensethik,17 (1), 177-191. SEC. (1998). A plain english handbook: How to create clear sec disclosure documents [Book]. The Office. Seele, P. & Lock, I. (2015). Instrumental and/or deliberative? a typology of csr communication tools [Journal Article].Journal of Business Ethics, 131 (2), 401-414. Siano, A., Vollero, A., Conte, F. & Amabile, S. (2017). “more than words”: Expanding the taxonomy of greenwashing after the volkswagen scandal [Journal Article].Journal of Business Research,71, 27-37. Siew, R. Y. (2015). A review of corporate sustainability reporting tools (srts) [Journal Article].Journal of environmental management,164, 180195. Smith, J., Haniffa, R. & Fairbrass, J. (2011). A conceptual framework for investigating ‘capture’in corporate sustainability reporting assurance [Journal Article].Journal of Business Ethics,99 (3), 425-439. Smith, M. & Taffler, R. J. (2000). The chairman’s statement-a content analysis of discretionary narrative disclosures [Journal Article].Accounting, Auditing & Accountability Journal,13 (5), 624-647. Spelthahn, S., Fuchs, L. & Demele, U. (2009). Glaubwürdigkeit in der nachhaltigkeitsberichterstattung [Journal Article].uwf UmweltWirtschaftsForum,17 (1), 61-68. Stawinoga, M. (2017). Die richtlinie 2014/95/eu und das csrrichtlinie-umsetzungsgesetz–eine normative analyse des transformationsprozesses sowie daraus resultierender implikationen für die rechnungslegungs-und prüfungspraxis [Journal Article].uwf UmweltWirtschaftsForum| Sustainability Management Forum,25, 213227. Stibi, E.-M. (1995). Prüfungsrisikomodell und risikoorientierte abschlußprüfung [Book]. IDW-Verlag. Suchman, M. C. (1995). Managing legitimacy: Strategic and institutional approaches [Journal Article].Academy of management review,20 (3), 571-610. Szabó, D. G. & Sørensen, K. E. (2015). New eu directive on the disclosure of non-financial information (csr) [Journal Article].European Financial Law Review,12, 307-340. Tan, H., YING WANG, E. & Zhou, B. (2014). When the use of positive language backfires: The joint effect of tone, readability, and investor sophistication on earnings judgments [Journal Article].Journal of Accounting Research,52 (1), 273-302. Waddock, S. & Goggins, B. K. (2011). The paradoxes of communicating corporate social responsibility [Book Section]. In . S. M. O. Ihlen J. L. Bartlett (Hrsg.), The handbook of communication and corporate social repsonsibility (S. 23-43). John Wiley & Sons. Walden, D. & Depping, A. (2015). Csr und recht [Book]. Springer. Walterbusch, M., Handzlik, J. & Teuteberg, F. (2013). Status quo der wirtschaftsprüfung von nachhaltigkeitsberichten [Book Section]. In Itgestütztes ressourcen-und energiemanagement (S. 309-321). Springer. Wiseman, J. (1982). An evaluation of environmental disclosures made in corporate annual reports [Journal Article].Accounting, organizations and society,7(1), 53-63. Wong, R. & Millington, A. (2014). Corporate social disclosures: A user perspective on assurance [Journal Article].Accounting, Auditing & Accountability Journal,27 (5), 863-887. Yunus, S., Elijido-Ten, E. & Abhayawansa, S. (2016). Determinants of carbon management strategy adoption: Evidence from australia’s top 200 publicly listed firms [Journal Article].Managerial Auditing Journal, 31 (2), 156-179. Zwick, Y. (2018). Der deutsche nachhaltigkeitskodex [Book Section]. In Csr und fashion (S. 63-77). Springer.