«Formula Flexibility»: Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik
Abstract
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Full text
Steinbach, Brita Book — Digitized Version «Formula Flexibility»: Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik Finanzwissenschaftliche Schriften, No. 4 Provided in Cooperation with: Peter Lang International Academic Publishers Suggested Citation: Steinbach, Brita (1978) : «Formula Flexibility»: Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik, Finanzwissenschaftliche Schriften, No. 4, ISBN 978-3-631-75227-2, Peter Lang International Academic Publishers, Berlin, https://doi.org/10.3726/b13785 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/182716 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
»Formula Flexibility« Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik FINANZWISSENSCHAFTLICHE SCHRIFTEN Brita Steinbach
Geb. 1.5.1944. Studium der Volkswirtschaftslehre in Frankfurt. Währenddessen Werkarbeit, u.a. beim Finanzamt und den Württ. Staatstheatern Stuttgart. Nach dem Diplomexamen (1971) wiss. Mitarbeiterin an den Instituten von Prof. Dr. Häuser und Prof. Dr. Dreißig. Promotion (1976) bei Prof. Dr. Drs. h. c. Neumark und Prof. Dr. Dreißig. Seit Juli 1976 am Forschungsinstitut der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer bei Prof. Dr. Littmann. FINANZWISSENSCHAFTLICHE SCHRIFTEN Brita Steinbach »Formula Flexibility«
Brita Steinbach 'Formula Flexibility' Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik
Finanzwissenschaftliche Schriften l lcrausgegeben von den Professoren Albers, Krause-Junk, Littmann, Oberhauser, Pohmer, Schmidt Band4 Brita Steinbach 'Formula Flcxibility· Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärcr Konjunkturpolitik As Peter Lang Frankfurt/M. Herbert Lang Bern 1977
Brita Steinbach 'Formula Flexibility' Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik ~ Peter Lang Frankfurt/M. Herbert Lang Bern 1977
Open Access: The online version of this publication is published on www. peterlang.com and www.econstor.eu under the international Creative Commons License CC-BY 4.0. Learn more on how you can use and share this work: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0. This book is available Open Access thanks to the kind support of ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. ISBN 978-3-631-75227-2 (eBook) Q) :f D30 ISBN 3 261 02233 7 © Peter Lang GmbH, Frankfurt/M. (Bundesrepublik Deutschland) Herbert Lang & Cie AG, Bern (Schweiz) 1977. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Vervielfältigung, auch auszugsweise, in allen Formen wie Mikrofilm, Xerographie, Mikrofiche, Mikrocard, Offset verboten. Druck: fotokop wilhelm weihert KG, Darmstadt Titelsatz: Fotosatz Aragall, Wolfsgangstraße 92, Frankfurt/M.
Stehn sie nun in so hohem Ruf, Wer war es, der die Regeln schuf? R. Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg, Zeile 2063 f.
- 9 - Seite 1. 2. Einige spezielle Indikatoren 307 Die ad hoc-Indikatoren von H. Pack 307 Spezifische Wendepunkte der ad hoc-Indikatoren von H. Pack 308 Vorbzw. Nachläufe einiger ausgewählter Konjunkturindikatoren 309 Vorläufe der ad hoc-Indikatoren von H. Pack 310 Änderungen des Vorlaufs im Zeitablauf 311 - Durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 311 - Rate der Neueinstellungen 312 - Rate der Entlassungen 313 - Auftragseingänge für dauerhafte Güter 314 Verlauf der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit 1952 / 53 315 Verlauf der Auftragseingänge für dauerhafte Güter 1952/53 316 Überschreitung der spezifischen kritischen Werte durch die ad hoc-Indikatoren von H. Pack 317 Durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Arbeiter in der Industrie (Daten) 318 Rate der Neueinstellungen (Daten) 319 Rate der Entlassungen (Daten) 320 Auftragseingänge für dauerhafte Güter (Daten) 321 2. Konjunkturindikatoren in der Bundesrepublik Deutschland 322 2. 1. Makroökonomische Indikatoren 322 Bruttosozialprodukt in jeweiligen Preisen 322 Bruttosozialprodukt in Preisen von 1962 32 3 Industrielle Produktion 324 Bruttosozialprodukt in jeweiligen Preisen - Wachstumsraten 325 Bruttosozialprodukt in Preisen von 1962 - Wachstumsraten 326 Indikatoren der Industriekonjunktur - Produktion, Kosten, Preise 327 Beschäftigungslage 328 Preisentwicklung 329
- 10 - Seite Außenwirtschaft 330 Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials - Schätzung des Produktionspotentials durch den SVR 332 Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials - Schätzung des Produktionspotentials durch die Deutsche Bundesbank 333 Auslastungsgrad der industriellen Produktionskapazitäten 334 2. 2. Einige spezielle Indikatoren 335 Auftragseingang bei der Industrie - saisonbereinigt 335 Auftragseingang bei der Industrie - trendbereinigt 336 Auftragseingang bei der Industrie - Originaldaten 337 Geldvolumen - Bargeldumlauf und Sichtguthaben 338 Der Gesamtindikator des SVR 339 Der Gesamtindikator des SVR ab Juli 1973 340 Zusammensetzung des Gesamtindikators des SVR 341 Der Gesamtindikator des SVR ab Juli 1973 (Daten) 342 Quellen zur Berechnung des Gesamtindikators des SVR ab Juli 1973 343 Vergleich zwischen dem Gesamtindikator des SVR und einigen Einzelreihen 344 Gesamtindikatoren des DI und des SVR 348 Der Gesamtindikator des WSI 349 Mengenindikator, Kostenund Preisindikator des SVR 350 Verzeichnis der verwendeten Literatur 351
- 11 - Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen BCD BMF BMW BSP CEA DGB DI EWG GI-DI GI-SVR GI-WS! GNP IMF NBER OECD SVR UN WS! Business Conditions Digest Bundesministerium der Finanzen Bundesministerium für Wirtschaft Bruttosozialprodukt Council of Economic Advisers Deutscher Gewerkschaftsbund Deutsches Industrieinstitut Europäische Wirtschaftsgemeinschaft Gesamtindikator des DI Gesamtindikator des SVR Gesamtindikator des WS! Gross National Product (BSP) International Monetary Fund National Bureau of Economic Research Organization for Economic Cooperation and Development Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Vereinte Nationen Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut des DGB
- 12 - A. Einleitung "Wie fang' ich nach der Regel an?" " . d f 'h d „l) Ihr stellt sie selbst un olgt 1 r ann. Auf die Frage Walter von Stolzings nach den speziellen Regeln des Meistergesanges antwortet Hans Sachs in den "Meistersingern von Nürnberg" mit dem Versuch, die allgemeinen Regeln der Kunst zu definieren. Nicht minder vielgestaltig wird der Begriff der Regel im ökonomischen Bereich verwendet. Die Kontroverse über Regelmechanismen oder Ermessensentscheidungen wird teilweise überlagert durch die Diskussion über die komparative Wirksamkeit sowohl von Geldbzw. Fiskalpolitik als auch von mittelfristig bzw. kurzfristig orientierter Politik. Daraus resultiert eine Vielzahl denkbarer Kombinationen, die sich z. T. jedoch nicht nur hinsichtlich der Strategie, sondern auch der Annahmen über das ökonomische System unterscheiden. Beispielsweise hängen die Resultate, die ein geldpolitischer Regelmechanismus im Vergleich zur diskretionären staatlichen Konjunkturpolitik zeitigt, nicht nur von der gewählten Strategie, sondern auch von den Annahmen über die Möglichkeiten der Geldund Fiskalpolitik ab bzw. den Vermutungen über die Grenzen der beiden Handlungsweisen. Ähnliches gilt für mittelfristige Regelmechanismen und kurzfristig orientierte diskretionä re Politik. Bei den ersteren wird unterstellt, die konjunkturellen Auswirkungen der ökonomischen Aktivitäten der privaten Wirtschaftssubjekte resultierten, wenn nicht in so geringen Konjunkturschwankungen, daß sie vernachlässigt werden können, so doch in nicht mehr reduzierbaren Zyklen, die durch kurzfristige Politik nur verstärkt werden könnten. Letztere geht dagegen von den entgegengesetzten Vorstellungen aus. Da sich bei solchen Vergleichen somit Effekte der unterschiedlichen Strategien und der Annahmen über die reale Welt überlagern, sind sie wenig sinnvoll. 1) Vgl. Wagner, Richard, Die Meistersinger von Nürnberg, Zeile 2089 f.
-13 - Es erscheint interessant, die kontroversen Strategien - Regelmechanismen und diskretionäre Politik - ausgehend von denselben Grundannahmen zu vergleichen, Eine der Möglichkeiten, nämlich antizyklische staatliche Konjunkturpolitik durch Regelmechanismen oder Ermessensentscheidungen wird im Rahmen dieser Arbeit untersucht. Unter 11 Konjunkturpolitik• soll dabei im folgenden stets 11 fiscal policy~ d. h. staatliche antizyklische Konjunkturpolitik, verstanden werden. Die Begriffe "formula flexibility" und •antizyklische Regelmechanismen• werden synonym verwendet, Formula flexibility als automatische Konjunkturpolitik stellt in gewisser Hinsicht eine Kreuzung zwischen mittelfristigen Regelmechanismen einerseits und antizyklischer Konjunkturpolitik andererseits dar, Sie hat mit mittelfristigen Regelmechanismen die Bindung wirtschaftspolitischen Handelns, d, h. das Fehlen von Ermessensentscheidungen, gemein, unterscheidet sich jedoch von diesen durch die Annahmen über die reale Welt, Demgemäß sollen, soweit im Rahmen dieser Arbeit auf die Diskussion über· Regelmechanismen jedweder Art zurückgegriffen wird, nur Äußerungen übernommen werden, die sich auf den Tatbestand der Handlungsbindung beziehen, nicht aber solche, denen explizite oder implizite andere Annahmen über das ökonomische System zugrundeliegen. Gemeinsame Grundannahmen über die reale Welt kennzeichnen hingegen die Anhänger von formula flexibility und diskretionärer Konjunkturpolitik. Sie gehen davon aus, daß eine kurzfristig orientierte Politik m ö g 1 ich und nötig sei; gleichfalls betrachten sie - im Gegensatz zu den Monetaristen - staatliche Konjunkturpolitik als wirksam. Die Vertreter der diskretionären Konjunkturpolitik beurteilen die Chancen dafür, das konjunkturelle Gleichgewicht zu sichern, positiv, wenn eine Strategie eine permanent m ö g 1 ich e Aktion, die auch im Unterlassen von Maßnahmen bestehen kann, zuläßt. Demgegenüber halten die Befürworter der formula flexibility Handlungsbindungen für geeigneter und wollen stabilisierende Wirkungen der built-in-flexibility, d. h. der automatischen konjunkturellen Auswirkungen der Staatstätig-
-14 - keit, verstärken, indem Steuersätze und/oder die Staatsausgaben betreffende Regelungen nach vorher festgesetzten Regeln in Abhängigkeit von der konjunkturellen Situation automatisch verändert werden. Antizyklische Regelmechanismen sind in Reaktion auf die als unzulänglich erachteten Resultate diskretionärer Konjunkturpolitik propagiert worden. Sollen sie ihren Anspruch einlösen können, eine Verbesserung darzustellen, so ist nachzuweisen, daß aufgrund von Handlungsbindungen günstigere Ergebnisse als bei Ermessensentscheidungen hätten erzielt werden können. Eine Zuordnung von Erfolgen oder Mißerfolgen ist nur dann möglich, wenn die beiden konjunkturpolitischen Strategien als Alternativen betrachtet werden. Gleichfalls empfiehlt es sich, die extremste Version der formula flexibility auszuwählen, um die Idealtypen beider Strategien, bei denen somit die jeweiligen Vorund Nachteile am ausgeprä gtesten zutage treten, einander gegenüberstellen zu können. Auf beide Unterstellungen soll im Schluß teil der Arbeit (Teil D) zurückgekommen werden. Unter formula flexibility wird im Rahmen dieser Arbeit die strengste Version verstanden: Nach der Einführung des Regelmechanismus sollen, sind die dort angegebenen Bedingungen erfüllt, keine anderen als die im Formelgesetz vorgesehenen Maßnahmen realisiert werden können, diese aber müssen verwirklicht werden. Es handelt sich dabei um 1) den Typ 3 b) der von Neumark dargestellten Versionen von formula nexibility. Von den beiden Definitionen diskretionärer Konjunkturpolitik, nämlich als Handeln im alleinigen Ermessen der Regierung oder als im normalen Gesetzgebungsverfahren durchzusetzende Politik~) soll die zweite zum Ausgangspunkt gewählt werden, da einer der gegen die diskretio1) Vgl. Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, Basler wirtschaftswissenschaftliche Vorträge Nr. 6, Zürich 1971, s. 18. 2) Vgl. dto, S. 11 f.
- 15 - näre Konjunkturpolitik gerichteten Vorwürfe darin besteht, ihre Wirkungen träfen aufgrund entscheidungsbedingter Verzögerungen zu spät ein. Eine solche Definition impliziert, daß keine b e sondere n gesetzlichen Regelungen zur Verwirklichung konjunkturpolitischer Maßnahmen bestehen~) sie bedeutet aber keinesfalls, daß konjunkturpolitische Maßnahmen nicht dem normalen Gesetzgebungsverfahren, das gleichwohl geändert werden kann, unterlägen wie andere Entscheidungen in einer parlamentarischen Demokratie auch. Damit scheidet eine der Übersetzungen des so schillernden Begriffes • discretionary 11 aus: willkürlich. Im Teil B der Arbeit werden die beiden konjunkturpolitischen Strategien in einer Welt der Sicherheit untersucht. Im ersten Abschnitt - dabei handelt es sich um die mit römischen Ziffern gekennzeichneten Untergliederungen der Arbeit - werden anhand einiger einfacher Modelle Maßnahmen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik dargestellt. Es ist hierbei - soweit möglich - die in der empirischen Konjunkturdiskussion gängige Unterscheidung zwischen sog. prophylaktischer und repressiver Politik, d. h. solchen Handlungsweisen, die die Entstehung eines konjunkturellen Ungleichgewichts verhindern oder aber ein bereits vorhandenes bekämpfen sollen, auf die modelltheoretische Fragestellung angewendet worden. Anschließend wird untersucht, inwiefern sich die für eine optimale antizyklische Konjunkturpolitik festgestellten Ergebnisse auf die beiden konjunkturpolitischen Strategien übertragen lassen. Im letzten Abschnitt werden einige Schlußfolgerungen im Hinblick auf die Diskussion über formula flexibility und diskretionäre Konjunktur~ politik gezogen. Die Prämisse der Sicherheit wird im Teil C aufgehoben, Die ersten beiden Abschnitte sind Fragen der Zeitwahl und der Ausgestaltung konjunkturpolitischer Maßnahmen gewidmet. Da antizyklische Regelmechanismen von ihren Verfechtern als die der diskretionären Konjunktur1) Vgl. Stern, Klaus; Münch, Paul; Hansmeyer, Karl-Heinrich, Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft, Kommentar, 2. Aufl., Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1972, S. 49.
- 16 - politik überlegene Strategie gepriesen worden sind, wird innerhalb beider Abschnitte im ersten Kapitel - darunter werden mit arabischen Ziffern versehene Untergliederungen verstanden - untersucht, auf welche Weise konjunkturpolitische Probleme im Rahmen dieser Strategie gelöst werden müßten, sollte sie diese Erwartungen erfüllen. Diese Überlegungen werden im zweiten Kapitel anhand einiger Vorschläge für antizyklische Regelmechanismen konkretisiert. Soweit die Vorschläge quantitativ festgelegt worden sind, sind sie an der Wirklichkeit getestet worden, d. h. es ist anhand des statistischen Materials überprüft worden, welche Ergebnisse sie gezeitigt hätten, wären sie tatsächlich eingeführt worden. Im abschließenden Kapitel wird ein Vergleich der beiden konjunkturpolitischen Strategien versucht. Im dritten Abschnitt werden mit der Bestimmung der Revisionsklausel zusammenhängende Probleme diskutiert und mit den im Rahmen diskretionärer Konjunkturpolitik, die naturgemäß ohne eine solche Klausel auskommt, bestehenden Möglichkeiten verglichen werden. Im Teil D wird ausgehend von den in den Teilen B und C der Arbeit abgeleiteten Ergebnissen zur Diskussion über die beiden konjunkturpolitischen Strategien Stellung genommen. Probleme staatlicher Konjunkturpolitik, die sich aus der Existenz mehrerer Entscheidungsträger ergeben, bleiben im Rahmen dieser Arbeit ausgeklammert.
-17 - B. Antizyklische Konjunkturpolitik in einer Welt der Sicherheit In diesem Teil der Arbeit werden die beiden konjunkturpolitischen Strategien, formula flexibility und diskretionäre Konjunkturpolitik, in einer Welt der Sicherheit untersucht, d. h. einer Welt, in der die Verhaltensweisen der privaten Wirtschaftssubjekte bekannt sind. Als Ausgangspunkt soll im ersten Abschnitt anhand einiger einfacher, hochaggregierter Modelle die Ausgestaltung verschiedener Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik dargestellt werden. Hierbei wird - soweit möglich - in Anlehnung an die in der empirischen Konjunkturdiskussion gängige Unterscheidung zwischen sog. prophylaktischer und repressiver Politik differenziert. Der folgende Abschnitt gilt der Untersuchung, inwiefern sich die Charakteristika optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik auf die Strategien der formula flexibility und der diskretionären Konjunkturpolitik anwenden lassen. Im abschließenden, dritten Abschnitt werden aus den bisher gewonnenen Ergebnissen einige Schlußfolgerungen im Hinblick auf die Diskussion über die konjunkturpolitischen Strategien gezogen.
- 18 - I. Optimale antizyklische Konjunkturpolitik Bei allen in diesem Abschnitt dargestellten Modellen handelt es sich um stationäre Wirtschaften: Der Trend der Variablen verläuft waagerecht, das Güterangebot bei Vollbeschäftigung der Produktionsfaktoren, das Produktionspotential, ist im Zeitablauf konstant, Wenn trotzdem Nettoinvestitionen getätigt werden, so muß angenommen werden, daß diese keinen Kapazitätseffekt haben oder daß dieser im betrachteten Zeitraum so gering ist, daß er vernachlässigt werden kann. Ferner wird eine geschlossene Wirtschaft unterstellt, Somit können in der hier betrachteten stationären, geschlossenen Wirtschaft nur noch zwei der konjunkturpolitischen Ziele, nämlich Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität ,von Bedeutung sein, Zunächst werden einfache statische, danach einfache dynamische Modelle untersucht, Alle Modelle sind statisch im Sinne von Harrod, 1) da es sich stets um eine stationäre, d, h, nicht wachsende Wirtschaft handelt; doch wird hier der Begriff "dynamisch" im Sinne von Frisch 2) verstanden. Die ökonomischen Variablen eines gegebenen Zeitpunktes sind nicht nur voneinander, sondern auch von W!!rten der Vorperiode(n) abhängig und beeinflussen ihrerseits wieder Werte der nächsten Periode(n). 3) Mit dem Begriff der Statik wird dagegen die Vorstellung verbunden, daß die Variablen miteinander "zeitlos" verknüpft sind, S) d. h, im Gegensatz zur Dynamik ist der Zeitpunkt einer ökonomischen Aktivität irrelevant, Grundsätzlich kann dabei entweder eine unendlich lange Anpassungszeit - "Sta1) Vgl. Harrod, Roy F., Towards a Dynamic Economics, London 1952, s. 3 f, 2) Vgl, Frisch, Ragnar, Propagation Problemsand Impulse Problems in Dynamic Economics, in: Economic Essays in Honor of Gustav Cassel, London 1933, S. 171 f, Zur Unterscheidung vgl. auch Ott, Alfred E., Einführung in die dynamische Wirtschaftstheorie, Göttingen 1963, s. 9-12, 3) Vgl. Samuelson, Paul A,, Dynamic Process Analysis, in: Ellis, Howard S. (Hrsg. ), A Survey of Contemporary Economics, Philadelphia, Toronto 1949, S, 354,
- 25 - tors; eine Änderung der - autonomen - Steuer schlägt sich jedoch unmittelbar nur in Höhe der marginalen Konsumquote auf die Nachfrage nieder, Die Folgewirkungen in den "späteren Runden", die der marginalen Sparquote entsprechenden Sickereffekte ("leakages"), also die Nenner der Multiplikatoren, sind für Investitionen, Staatsausgaben und Steuern gleich. Demnach sind die Staatsausgaben im gleichen Ausmaß wie die privaten Investitionen, die Steuern aber stärker als die Staatsausgaben zu verändern, um die durch die Änderung der Investitionsausgaben bewirkte Fehlentwicklung zu bekämpfen, Sollen nicht nur Staatsausgaben oder Steuern, sondern beide Instrumente gleichzeitig verändert werden, so muß die Summe der Wirkun1) gen beider Instrumente dem gewünschten Gesamteffekt entsprechen: dg - b dr - di Dabei ist das Verhältnis der Änderungen beider Instrumente unter konjunkturpolitischen Gesichtspunkten gleichgültig, Bei zwei Instrumenten und einem Ziel besteht ein Freiheitsgrad, hier die Relation der Instrumente zueinander. Wäre aus anderen als konjunkturpolitischen Erwägungen beispielsweise die Höhe des Budgetsaldos festgelegt, 21 so wäre damit auch die Relation der Instrumente zueinander determiniert. Die beiden Instrumente würden dann verwendet, um zwei Zielen, dem konjunkturpolitischen und "irgendeinem anderen'; zu dienen, 4. Wurden bisher im Ausgangsmodell autonome Steuern unterstellt, so wird im folgenden untersucht, ob bzw. inwiefern sich die Ausgestaltung optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik ändert, wenn im Grundmodell die Steuern vom Einkommen abhängen, Es handelt sich dabei um einen Zusammenhang zwischen Steueraufkommen und je w e i 1 i g e m Sozialprodukt. Die soeben dargestellte konjunkturpolitisch motivierte Veränderung der Steuern orientierte sich dagegen an der Veränderung des Gleichgewichtseinkommens bzw. der autonomen Investi1) Vgl. S, 270, Gleichung (10). 2) Dies bereitet bei dem hier behandelten Modell insofern keine Schwierigkeiten, als Steuern und Staatsausgaben autonom, d, h, einkommensunabhä ngig sind,
- 2 6 - tionsausgaben. In Modell n1) werden drei alternative Steuerfunktionen 2) betrachtet. Bei allen ist die marginale Steuerquote, d. h. die Relation zwischen einer Veränderung des Steueraufkommens und des Sozialprodukts, konstant. Sie unterscheiden sich dadurch, daß die durchschnittliche Steuerquote bei zunehmendem Sozialprodukt konstant ist ("Proportionalität"), sinkt ( 11 indirekte Regression") oder steigt (" indirekte Progression"). Alle Multiplikatoren sind in Modell II aufgrund der built-in-flexibility kleiner als diejenigen des Modells I. Voraussetzung hierfür sind autonome bzw. zumindest nicht von den Steuereinnahmen abhängige Staatsausgaben; 3) z.B. dürfen im Boom anfallende Steuermehrerträge nicht verausgabt werden. Die verglichen mit Modell I geringere Verschiebung des Gleichgewichtseinkommens bei einer Änderung der autonomen Investitionen macht eine Kompensation und damit antizyklische Konjunkturpolitik nunmehr weniger dringlich. 5. Soll jedoch diese - obschon verglichen mit Modell I geringere - Fehlentwicklung durch antizyklische Konjunkturpolitik bekämpft werden, so ergibt sich für die Staatsausgaben, werden allein diese variiert, dieselbe Veränderung wie in Modell I. 4) Was die Veränderung der autonomen Steuern - bei gegebener marginaler Steuerquote - betrifft, so sind gegenüber derjenigen des Modells I einige Modifikationen vorzunehmen. 5) Bei konstanter durchschnittlicher Steuerquote scheidet eine Variation aus, da die Steuerfunktion keinen autonomen Teil enthält, der unter konjunkturpolitischen Gesichtspunkten verän1) Vgl. S. 271-274. 2) Vgl. S. 271, Gleichungen (6a), (Sb) und (Sc). 3) Vgl. Thor, Gerhard, Die Wirkungen der built-in-flexibility des Steuersystems im Rahmen automatischer Stabilisierungspolitik auf den Verlauf von Wachstumszyklen, Dissertation Münster 1973, S. 19. 4) Vgl. S. 270, Gleichung (8) und S. 272, Gleichung (8). 5) Zum folgenden vgl. S. 2 70 , Gleichung (9) und S. 2 72 f, Gleichungen (9a), (9b) und (9c).
- 27 - dert werden könnte und die marginale Steuerquote - durch die built-inflexibility - vorgegeben ist; antizyklische Konjunkturpolitik kann dann lediglich mittels der Staatsausgaben durchgeführt werden. Bei sinkender durchschnittlicher Steuerquote ergibt sich dieselbe Veränderung wie in Modell I; bei steigender Steuerquote kehrt sich das Vorzeichen um, da sich eine Erhöhung des autonomen Teils der Steuerfunktion in niedrigeren Steuereinnahmen niederschlägt und somit expansiv wirkt. Die in beiden Modellen ähnlichen Ergebnisse für eine optimale Verä nderung der staatlichen Instrumente resultieren daraus, daß sich zum einen in Modell II das Gleichgewichtseinkommen aufgrund des niedrigeren Investitionsmultiplikators weniger als in Modell I verschiebt und daß zum anderen die Multiplikatoren der staatliche!l Instrumente ebenfalls niedriger sind, so daß eine gleich große Veränderung des Gleichgewichts in Modell II eine stärkere Variation der staatlichen Instrumente als in Modell I erforderte. Beide Effekte gleichen sich bei konstanter marginaler Steuerquote aus. Dieses Ergebnis folgt daraus, daß ein statisches Modell betrachtet wird. Für alle Variablen verändern sich bei unveränderten Zählern die Nenner der Multiplikatoren in gleicher Weise; damit lassen sich nach wie vor die Nenner bei der Berechnung der optimalen antizyklischen Maßnahmen herauskürzen. Dies gilt nicht nur, wie hier betrachtet, bei konstanter, sondern auch bei vom Sozialprodukt abhängiger marginaler Steuerquote, sofern nur dieser Zusammenhang sich im Zeitablauf nicht verändert. Es kann somit gefolgert werden, daß der durch einkommensabhängige Steuern verringerte Multiplikator zwar insofern positiv zu beurteilen ist, als er mögliche Änderungen des Gleichgewichtseinkommens, also Fehlentwicklungen reduziert, daß er aber keinen Beitrag zur Kompensation der noch verbleibenden Fehlentwicklungen leistet. 6. Der Multiplikator mißt eine kumulative Entwicklung in einer durch die Änderung autonomer Ausgaben bestimmten Richtung, unabhängig davon, ob ein solcher Ablauf erwünscht ist oder nicht. Bewegungen in Richtung auf das konjunkturelle Gleichgewicht zu sind konjunkturpolitisch erwünscht, Entwicklungen, die von diesem hinweg
-28 - führen, dagegen unerwünscht. Somit könnte ein sich entsprechend ändernder Multiplikator einem konstanten vorgezogen werden: Es gälte, vom konjunkturellen Gleichgewicht hinwegführende Bewegungen stllrker zu bremsen, d. h. den Multiplikator zu senken, indem die marginale Steuerquote erhöht würde; Entwicklungen in Richtung auf das konjunkturelle Gleichgewicht zu müßten dagegen stärker gefördert, also der Multiplikator erhöht werden, indem die marginale Steuerquote gesenkt würde. Die Änderung des Multiplikators bewirkt, daß für alle künftigen Änderungen autonomer Ausgaben dieser neue Multiplikator gilt. Gleichzeitig jedoch beeinflußt die Änderung der marginalen Steuerquote das Sozialprodukt unmittelbar und nicht erst über eine Änderung des Multiplikators: Eine Reduktion (Erhöhung) der marginalen Steuerquote wirkt expansiv (restriktiv). Bei Unterbeschäftigung ist die Verringerung der marginalen Steuerquote, sowohl was ihren unmittelbaren Effekt als auch die Erhöhung des Multiplikators betrifft, erwünscht. In einer Boomsituation ist dagegen einer der beiden Effekte unerwünscht: die unmittelbar expansive Wirkung einer Erhöhung des Multiplikators oder die den Multiplikator reduzierende Wirkung einer Erhöhung der marginalen Steuerquote. Somit sind im Falle eines Booms stets weitere Maßnahmen erforderlich, um das konjunkturelle Gleichgewicht zu sichern, und im Falle einer Rezession dann, wenn die beiden vorgenannten Effekte nicht ausreichen. Bei der Konzipierung optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik muß stets sowohl die unmittelbare Wirkung einer Änderung der marginalen Steuerquote als auch ihre Auswirkung auf die Höhe des Multiplikators berücksichtigt werden. Es ergeben sich dabei komplexere Versionen als die hier untersuchten. Dies soll jedoch nicht weiter verfolgt werden. 7. Gleichfalls wird davon abgesehen, mittels einkommensabhängiger Investitionen und/ oder autonomer Änderungen der Konsumausgaben den bisherigen Ergebnissen analoge abzuleiten. Jedoch soll eine Annahme, auf der die bisher behandelten Modelle aufbauen, aufgehoben werden und zwar diejenige der unendlich großen Anpassungsgeschwindigkeit.
- 29 - 2, Dynamische Modelle Anders als im vorherigen Kapitel enthalten die hier behandelten Modelle zeitliche Verzögerungen, d. h. es wird eine endlich große Reaktionsgeschwindigkeit angenommen. Nach wie vor soll jedoch zwischen einkommensabhä ngigen und autonomen Ausgaben unterschieden werden. 1. Ausgangspunkt sei das Modell III. 1) Der Konsum hängt vom verfügbaren Einkommen der Vorperiode ab (sog. "Robertson-lag"), die Investitionen sind teils autonom, teils von Änderungen des Sozialprodukts induziert. Das Modell ist insofern der einfachsten Version des Hicksschen Konjunkturmodells 2) ähnlich. Steuern und Staatsausgaben sind im Grundmodell autonom. Als Zeitpfad für das Sozialprodukt ergibt sich somit: 3) Yt (b + v) Yt-l - v Yt_ 2 + i + g - b r Die Lösung dieser Gleichung setzt sich zusammen aus dem Wert des Gleichgewichtseinkommens, der partikulären Lösung, die sich dann ergibt, wenn das Sozialprodukt in allen drei relevanten Perioden gleich ist, und der Abweichung von diesem Gleichgewichtsniveau. 4) Der Verlaufstyp hängt dabei von den Werten der beiden Parameter, der Konsumquote und dem Akzelerator,ab. 5) Dies kann anhand der auf der folgenden Seite wiedergegebenen Grafik veranschaulicht werden. 5) Für die Bereiche A und D (einschließlich der angrenzenden Kurvenstücke, jedoch mit Ausnahme des Punktes S) ist stetige Konvergenz des jeweiligen Sozial1) Vgl. S. 276-286, 2) Vgl. Hicks, John R., A Contribution to the Theory of the Trade Cycle, Oxford 1950, S. 65-72. 3) Vgl. S. 276, Gleichung (7). 4) Vgl. S, 277 , Gleichung (8). 5) Zu den Bedingungen vgl. S. 280. 6) Vgl. auch Ott, Alfred E,, S. 201, ähnlich Allen, R. G. D., Mathematische Wirtschaftstheorie, Berlin 1971, S, 258. Die Wertetabelle zur Grafik befindet sich auf S. 281,
- 30 - 0 1 2 3 4 V produkts zum bzw. Divergenz vom Gleichgewichtsniveau hinweg charakteristisch. In den Bereichen Bund C und auf der Parallele zur Ordinate (einschließlich des Punktes S) bei einem Akzelerator mit dem Wert 1 treten gedämpfte, explodierende bzw. konstante Oszillationen des jeweiligen Sozialprodukts um den Gleichgewichtswert auf. Damit ist bestimmt, ob bzw. wie sich die Amplitude im Zeitablauf verändert; ihr Niveau, d. h. das Ausmaß der Abweichung vom Gleichgewichtswert, hängt nicht nur von den den Verlaufstyp bestimmenden, von Konsumquote und Akzelerator abhängigen,Größen u1 und u2, sondern ebenfalls vom Wert der durch die Anfangsbedingungen gegebenen Konstanten A1 und A2 ab, Da für dynamische Konjunkturmodelle diejenigen Fälle interessant sind, in denen endogene Schwingungen auftreten, soll im folgenden angenommen werden, daß die Parameter des Grundmodells solche Werte anneh-
-31 - men, daß daraus endogene Schwingungen des Sozialprodukts resultieren, das Modell somit dynamisch instabil ist. 1) Dies bedeutet, daß bereits eine einmalige Änderung autonomer Ausgaben genügt, um Schwingungen zu bewirken; in statischen Modellen können dagegen Schwingungen nur dann entstehen, wenn sich die autonomen Ausgaben in unterschiedlicher Richtung bewegen, Solche endogenen Schwankungen können nicht durch den Multiplikator allein verursacht werden, stets muß der Akzelerator einen positiven 2) . . 11 11 3) . Wert annehmen. Er gilt msofern als der cycle-maker . Befmdet sich das Modell, wie angenommen, ursprünglich im Gleichgewicht (im konjunkturellen und analytischen Sinne), so ist außerdem ein, wenigstens einmaliger Impuls, etwa eine Änderung der autonomen Investitionen für eine Periode, erforderlich, um Schwankungen zu erzeugen. Andernfalls wären in den Bestimmungsgleichungen für die Konstanten A die drei Sozialproduktswerte identisch, A1 und A2 würden den Wert Null annehmen, Es ergäbe sich dann als Lösung für das Sozialprodukt stets der Gleichgewichtswert, völlig unbeeinflußt davon, welche den Verlaufstyp ausdrükkenden Werte u1 und u2 annähmen. 2. Im folgenden werden einige Möglichkeiten geschildert ,wie im Rahmen des vorliegenden dynamischen Modells die durch eine Änderung der autonomen Investitionsausgaben hervorgerufenen Konjunkturschwankungen durch antizyklische Maßnahmen bekämpft werden könnten, Da in dynamischen Modellen der Zeitfaktor berücksichtigt wird, kann hierbei auch zwischen prophylaktischer und repressiver Politik, die sich hinsichtlich der Eingriffszeitpunkte unterscheiden, differenziert werden. Bei Prophylaxe kommt es darauf an, eine drohende Abweichung vom konjunkturellen Gleichgewicht mit Hilfe einer entsprechenden Variation 1) Die Grenze zwischen dynamischer Stabilität und Instabilität verläuft hier also zwischen den Bereichen A und Bund nicht zwischen Bund C, Kriterium ist, ob überhaupt endogene Schwingungen entstehen, nicht, ob diese gedämpft oder explosiv sind. 2) Vgl. die Grafik auf der vorhergehenden Seite, sowie S. 280. 3) Vgl. Hicks, John R,, S, 56.
-32 - der staatlichen Instrumente zu konterkarieren. Die Staatsausgaben sind dabei wie folgt zu verändern: 1) dgt - dit Die Staatsausgaben müssen gleichzeitig mit den Investitionen verändert werden. Da der unmittelbaren Wirkung auf die Nachfrage, die die Änderung der autonomen Investitionen in der ersten Periode zeitigte, falls keine konjunkturpolitischen Maßnahmen erfolgten ,durch eine Änderung der Staatsausgaben begegnet wird, die einen gleich großen Effekt entgegengesetzter Richtung bewirkt, gleichen sich beide Effekte, diejenigen der Investitionen und der Staatsausgaben , aus. Die Variation der Staatsausgaben ist für die jeweilige Dauer der Änderung der autonomen Investitionen aufrechtzuerhalten. Bei einer einmaligen Änderung der autonomen Investitionsausgaben erreichen diese und die Staatsausgaben in der darauffolgenden Periode wieder ihre Ausgangswerte. Im Falle einer permanenten Änderung der autonomen Investitionen ergibt sich demnach dieselbe Variation der Staatsausgaben wie im statischen Modell. Wird bereits der Änderung der autonomen Investitionen entgegengewirkt und werden damit ihre gemäß dem Modellzusammenhang möglichen Auswirkungen auf das Sozialprodukt verhütet, so wird die potentielle dynamische Instabilität nicht akut. Die - im Ausgangsmodell autonomen - Steuern wirken, anders als die Staatsausgaben, nicht direkt, sondern nur indirekt über die Konsumausgaben auf Nachfrage und Sozialprodukt. Da hier der Konsum vom verfügbaren Einkommen der Vorperiode abhängt, zeitigt eine Änderung der Steuern erst eine Periode später Nachfrageeffekte. Prophylaktische Politik mittels Steuervariation erfordert deshalb, daß eine Veränderung der autonomen Investitionen bereits eine Periode vorher bekannt ist:2) dit+l -bIst eine solche Prognose nicht möglich, so ist prophylaktische Politik mittels Steuervariation nicht realisierbar. 1) Vgl. S. 282, Gleichung (15). 2) Vgl. S. 2 82 , Gleichung (16).
- 33 - Im Rahmen repressiver Politik gilt es, die staatlichen Instrumente auf solche Weise zu variieren, daß die bereits entstandene Fehlentwicklung beseitigt und das konjunkturelle Gleichgewicht wiedergewonnen wird. Unterblieben solche Maßnahmen, so riefe bereits eine einmalige Änderung der autonomen Investitionsausgaben Schwankungen des Sozialprodukts um das konjunkturelle Gleichgewicht hervor. Da endogene Schwingungen durch den Akzelerator bewirkt werden, kann versucht werden, sie durch eine Reduktion desselben, d. h. einen in die Steuerund/ oder Staatsausgabenfunktion einzubauenden Dezelerator zu bekämpfen. Eine solche Reduktion kann anhand der obigen Grafik als eine Bewegung nach links in Richtung auf die Ordinate verar.schaulicht werden. Die dynamische Instabilität kann beseitigt, somit dynamische Stabilität gewonnen werden, wenn ein Dezelerator in Höhe des Akzelerators eingebaut wird: 1) Gt g - h (Yt-1 yt-2) Tt r + s (Yt yt-1) Es muß dabei die Bedingung V h + b s erfüllt sein, um durch die Verwendung nur eines oder beider Instrumente den gewünschten Gesamteffekt zu gewährleisten. Die Relation der beiden Instrumente zueinander ist, wie auch in den im vorherigen Kapitel dargestellten Fällen, für konjunkturpolitische Überlegungen irrelevant. Die unterschiedliche Datierung bei den steuerund ausgabepolitischen Maßnahmen folgt aus den bereits oben erwähnten zeitlich divergierenden Nachfrageeffekten der beiden Instrumente. Wird auf die soeben geschilderte Art und Weise dynamische Stabilität erreicht, so bedeutet dies, daß eine einmalige Änderung der autonomen Investitionen keine endogenen Schwankungen des Sozialprodukts um das 1) Vgl. S. 284, Gleichungen (17), (18), (19). Streng genommen genügt dafür, sofern b > 0, ein kleinerer Dezelerator, da es lediglich darauf ankommt, den Bereich A zu erreichen und nicht die Ordinate, wie dies hier der Fall ist. Doch soll davon, der Einfachheit halber, abgesehen werden.
- 34 - konjunkturelle Gleichgewicht mehr auslösen kann. Es verbleiben jedoch noch denjenigen des statischen Modells I ähnliche Auswirkungen, nä mlich Abweichungen vom konjunkturellen Gleichgewicht in derselben Richtung, in der sich die autonomen Investitionen geändert haben. Haben diese z. B. zugenommen, so liegen alle künftigen Sozialproduktswerte über denjenigen des konjunkturellen Gleichgewichts. Bei einer einmaligen Änderung der Investitionsausgaben wird die durch die Höhe der marginalen Konsumquote bestimmte Abweichung vom ursprünglichen Gleichgewicht im Zeitablauf immer geringer; 1) bei mehreren Impulsen in unterschiedlicher Richtung bleibt offen, ob sie sich (teilweise) gegenseitig auslöschen und damit die Bewegung auf das konjunkturelle Gleichgewicht gefördert oder aber ob sie verhindert wird, indem - nunmehr durch Impulse in unterschiedlicher Richtung bedingte - Schwankungen um das konjunkturelle Gleichgewicht entstehen. Eine permanente Änderung der autonomen Investitionen verschiebt, wenngleich sie keine endogenen Schwingungen mehr verursachen kann, genauso wie im statischen Modell I das Gleichgewichtsniveau (im analytischen Sinn), gegen das das Sozialprodukt konvergiert. 2) Es handelt sich dabei jedoch um kein konjunkturelles Gleichgewicht mehr. Auch hier hängt das Ausmaß der Abweichung vom ursprünglichen Gleichgewicht von der Höhe der marginalen Konsumquote ab. Inwiefern es dringlich erscheint, die auch bei dynamischer Stabilität noch verbleibenden Abweichungen vom konjunkturellen Gleichgewicht zu bekämpfen, dürfte sowohl von dem durch Stärke, Häufigkeit und Richtung von Impulsen wie auch der Höhe der marginalen Konsumquote bestimmten Ausmaß der Abweichung vom konjunkturellen Gleichgewicht als auch der Zeitdauer von Abweichungen eines gewissen Ausmaßes abhängen. Möglicherweise handelt es sich hier um weniger Impulse bei zudem langsamerer Reaktion,als es der permanenten Änderung der autonomen Investitionsausgaben im statischen Modell I entspräche. Andererseits kann dort, gerade der unendlich großen Reaktionsgeschwindigkeit 1) Vgl. S. 285, Gleichung (23). 2) Vgl. S. 285, Gleichung (25) und S. 295, Gleichung (7).
1) II. Das Interferenzproblem -41 - Die Ausgestaltung antizyklischer Konjunkturpolitik in den im ersten Abschnitt behandelten Modellen hängt sowohl von der jeweiligen Modellstruktur als auch - soweit danach überhaupt differenziert werden kann - von der möglichen Politik ab. Die beiden Modelltypen bieten voneinander grundsätzlich verschiedene Erklärungen der Entstehung von Konjunkturschwankungen: In statischen Modellen müssen sich stets die autonomen Ausgaben der Privaten in unter schied 1 ich e r Richtung ändern; in dynamischen Modellen genügt bereits, unbeschadet dieser Möglichkeit, eine einmalige Änderung autonomer Ausgaben der Privaten, um endogene (gedämpfte, konstante oder explodierende) Schwingungen zu erzeugen. Innerhalb eines Modelltyps wird dann durch das einzelne Modell, bei gegebener Änderung der autonomen Ausgaben der Privaten, die Natur der Konjunkturschwankungen konkretisiert. Innerhalb statischer Modelle erübrigt sich eine Unterscheidung zwischen prophylaktischer und repressiver Politik bei den abgeleiteten Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik. In dynamischen Modellen gelingt es bei Prophylaxe, das konjunkturelle Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, indem die Staatsausgaben gleichzeitig mit der Änderung der autonomen Ausgaben der Privaten, die Steuern eine Periode zuvor, verändert werden. Bei repressiver Politik ist es stets möglich, die im dynamischen Modell endogen bedingten Schwingungen zu beseitigen, aber auch der Ausgangszustand kann wieder erreicht werden, sofern nicht die Richtung der Änderung der autonomen Ausgaben der Privaten permanent wechselt. 1) Unter Interferenz wird in der Physik die Überlagerung von Wellen verstanden.
-42 - Allen dargestellten Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik ist gemein, daß der sich im Falle einer Änderung der autonomen Ausgaben der Privaten bei der jeweiligen Modellstruktur ergebenden Schwingung eine hinsichtlich Ausmaß und Zeitstruktur möglichst genau gleiche Schwingung entgegengesetzter Richtung angepaßt wird, so daß beide sich überlagern ("Interferenz") und sobald wie möglich auslöschen und damit konjunkturelles Gleichgewicht herrscht. Ob, bzw. in welcher Weise sich die für eine optimale antizyklische Konjunkturpolitik gewonnenen Ergebnisse auf die konjunkturpolitischen Strategien der formula flexibility und der diskretionä ren Konjunkturpolitik anwenden lassen, soll nunmehr im Lichte der in der Literatur vertretenen Ansichten untersucht werden. Dort lassen sich praktisch alle denkbaren Meinungen finden: Sowohl die diskretionä re Konjunkturpolitik als auch formula fiexibility wirke stabilisierend bzw. destabilisierend.
- 43 - 1. Automatismen 1 Sowohl built-in-flexibility als auch formula flexibility rechnen zu den Automatismen; sie können allerdings nur dann wirksam werden, wenn die staatlichen Akteure sie nicht konterkarieren. 1) Wohl dieser Gemeinsamkeiten 2) halber findet sich häufig der Standpunkt, daß beide gleichartig, sei es stabilisierend, sei es destabilisierend wirkten~) Formula flexibility unterscheidet sich dagegen von built-in-flexibility durch die Zielsetzung. Formula flexibility ist ein aus s c h 1 i e ß 1 ich zur Sicherung der konjunkturpolitischen Zielsetzung geschaffener Automatismus. Bei built-in-flexibility handelt es sich um die passive konjunkturelle Wirkung (" nolens volens") eines konkreten, aufgrund unterschiedlicher, auch oder sogar primär nicht-konjunkturpolitischer 1) Vgl. Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, S. 19. 2) In dieselbe Richtung zielt die Bemerkung Mackscheidts und Steinhausens über die gleiche formale Struktur beider Automatismen: Zu jeder Änderung des Volkseinkommens lasse sich mittels des Produkts derselben und der - als konstant angenommenen - Aufkommenselastizitä t die erforderliche Korrekturmaßnahme in Form einer Steueränderung ablesen. Vgl. Mackscheidt, Klaus; Steinhausen, Jörg, Finanzpolitik I - Grundfragen fiskalpolitischer Lenkung, 2. Aufl., Tübingen, Düsseldorf 1975, S. 81. Jedoch kann mit Hilfe dieser Identitätsgleichung lediglich die Information gewonnen werden, wie stark sich aufgrund einer gegebenen Volkseinkommensänderung bei gegebener Aufkommenselastizität das Steuer aufkommen tatsächlich verändert. Würde der Begriff der - dann allerdings nicht mehr konstanten - Aufkommenselastizität auf solche Aufkommensänderungen ausgedehnt, die durch eine Variation der Steuersätze bedingt sind, so änderte sich an diesem Ergebnis nichts, abgesehen davon, daß nunmehr unbestimmt bliebe, inwieweit die resultierende Aufkommensänderung durch eine Veränderung der Sätze oder der ökonomischen Aktivitll. t bedingt ist. Zudem wäre eine solche Identität sowohl bei automatischen als auch bei diskretionären Steuersatzvariationen erfüllt. Es ließe sich somit auf eine gleiche formale Struktur der beiden konjunkturpolitischen Strategien schließen. 3) Vgl. z.B. Johansen, Leif, Same Aspects of Automatie Stabilization, in: Smith, Warren L.; Culbertson, John M. (Hrsg. ), Public Finance and Stabilization Policy, Essays in Honor of Richard A. Musgrave, Amsterdam 1974, S. 175, Fußnote 1),_ S. 188 f, sowie Smyth, D. J., Can "Automatie Stabilizers" BeDestabilizing?, in: Public Finance, Band 18, 1973, S. 363.
- 44 - l\ Motive · beschlossenen Steuersystems bzw. solcher Staatsausgaben, die sich bei gegebenen, aus unterschiedlichen Gründen geschaffenen gesetzlichen Regelungen in Abhängigkeit von der Inanspruchnahme der Privaten entwickeln. Ein zweiter Unterschied zwischen den beiden Automatismen besteht darin, daß bei formula flexibility - im Gegensatz zur built-in-flexibility - die staatlichen Aktionsparameter verändert werden. Sie ist deshalb gelegentlich als Halbautomatismus bezeichnet worden, 2) obwohl der Grad der Handlungsbindung, jedenfalls bzgl. der hier behandelten Version der formula flexibility, anders als es ein solcher Terminus nahelegen würde, in beiden Fällen gleich ist. Aufgrund der Veränderung der staatlichen Aktionsparameter kann formula flexibility als eine Möglichkeit zur Verstärkung der Wirkungen einer grundsätzlich - allerdings nicht in hinreichendem Ausmaße - der Stabilisierung dienenden built-in-flexibility gesehen werden. 3) Sowohl die 1) Vgl. z.B. Hart, Albert G., Money, Debt and Economic Activity, 1. Aufl., New York 1948, S. 479 f, Neumark, Fritz, Grundsätze gerechter und ökonomisch rationaler Steuerpolitik, Tübingen 1970, S. 285. 2) Vgl. Kullmer, Lore, Zeitwahl und administrativer Vollzug als Probleme einer konjunkturorientierten Finanzpolitik, in: Finanzarchiv, N. F., Band 20, 1959/60, S. 387 f, Lebrecht, Robert G., Automatische Konjunkturstabilisatoren oder bewußte Konjunkturpolitik?, Zürich, St, Gallen 1965, S. 18, Organization for Economic Cooperation and Development (OECD), Finanzpolitik im Dienste des wirtschaftlichen Gleichgewichts, Paris 1968, Tz. 202, S. 166, Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, S. 19 f. 3) Vgl. z.B. Musgrave, Richard A.; Miller, Merton K., Built-in-flexibility, in: The American Economic Review, Band 38, 1948, S. 128, National Plannlng Association, Federal Expenditure and Revenue Policy for Economic Stability, Princeton, N. J. 1949, wiederabgedruckt in: Smithies, Arthur; Butters, J. Keith (Hrsg.), Readings in Fiscal Policy, London 1955, S. 403, Hagen, Everett E., Federal Taxation and Economic Stabilization, in: Joint Committee on the Economic Report, Federal Tax Policy for Economic Growth and Stability, Washington 1956, S. 62. Eine Vielzahl weiterer Vertreter dieser Auffassung nennen Brown und Keiser. Vgl. Brown, E. Cary, The Static Theory of Automatie Fiscal Stabilization, in: The Journal of Political Economy, Band 63, 1955, S. 427, Fußnote 1), Keiser, Norman F., Tue Development of the Concept of Automatie Stabilizers, in: The Journal of Finance, Band 11, 1956, S. 438, Fußnote 85).
- 45 - erstgenannte Auffassung, die beiden Automatismen wirkten gleichartig, sei es stabilisierend, sei es destabilisierend, als auch die soeben angeführte, sie wirkten grundsätzlich stabilisierend, läßt sich mit der nicht selten vertretenen Meinung vereinbaren, daß zwischen beiden Automatismen ein bloß gradueller und kein grundsätzlicher Unterschied bestehe. 1) Dies gilt nicht für den von Pack geschilderten Fall von destabilisierend wirkender built-in-flexibility und stabilisierend wirkender formula flexibility. 2) Es lassen sich vier Kombinationen im Hinblick auf die Art der Wirkung der beiden Automatismen denken: Beide wirken stabilisierend; beide wirken destabilisierend; formula flexibili ty wirkt stabilisierend, built-in-flexibility wirkt destabilisierend, et vice versa. Mit den soeben geschilderten Auffassungen stehen drei davon, und zwar die zuerst genannten, zur Auswahl. Den Ausgangspunkt der Diskussion bildet eine Darstellung möglicher Wirkungen - stabilisierender oder destabilisierender - der builtin-flexibility des Steuersystems. Danach wird formula flexibility unter diesem Gesichtspunkt untersucht. Abschließend wird zu den soeben dargelegten Auffassungen Stellung genommen. 2. Die These von der zwar stabilisierend wirkenden, aber nicht ausreichenden built-in-flexibility wird anhand statischer Modelle untermauert. Der verglichen mit einem System autonomer Steuern bei einkommensabhä ngigen Steuern niedrigere Multiplikator 3) mildert die Abweichung vom ursprünglichen - konjunkturellen - Gleichgewicht, kann jedoch die Bewegungsrichtung nicht umkehren und somit nicht zur Wiedergewinnung des konjunkturellen Gleichgewichts beitragen. Selbst im Falle einer 100 v. H. betragenden marginalen Steuerquote, also einer völligen Wegsteuerung des induzierten Sozialprodukts, verbleiben noch A bweichungen in Höhe der Änderung der autonomen Ausgaben der Privaten, da 1) Vgl. z. B. Musgrave, Richard A„The Theory of Public Finance, New York 1959, S. 512 sowie Kullmer, Lore, S. 388. 2) Vgl. Pack, Howard, Formula Flexibility: A Quantitative Appraisal, in: Ando, Albert; Brown, E. Cary; Friedlaender, Ann F. (Hrsg. ), Studies in Economic Stabilization, Washington 1968, S. 6-8. 3) Hierbei wird unterstellt, daß konjunkturell bedingte Steuermehroder mindererträge die Staatsausgaben unberührt lassen.
- 46 - der Multiplikator in diesem Fall den Wert 1 annimmt. Die grundsätzlich stabilisierende, wenn auch nicht ausreichende, Wirkung der built-in-flexibility bleibt jedoch nicht unbestritten. So bezeichnet Musgrave einen niedrigen Multiplikator als "perverse built-in-flexibility". l)Bei der von ihm unterstellten Ausgangssituation - Unterbeschäftigung2) - wird dadurch der Aufschwung behindert, da der Multiplikator für eine Änderung autonomer Ausgaben dann niedriger ist als im Falle einkommensunabhängiger Steuern. Es handelt sich dabei um die kurzfristige Erscheinungsform des sog. "fiscal drag•~ 3) Doch hat der niedrigere Multiplikator gleichfalls eine geringere Abweichung vom konjunkturellen Gleichgewicht bewirkt als dies sonst - bei autonomen Steuern - der Fall gewesen wäre. Beide Effekte, die reduzierte Fehlentwicklung und die Hemmung der Wiedergewinnung des konjunkturellen Gleichgewichts, können sich jedoch ausgleichen, und die built-in-flexibility kann insofern "neutral" wirken. 4) Gilt dieser Fall als bloß hypothetisch, so hängt das Urteil über die Wirkung der built-in-flexibility von den jeweiligen Prämissen, z. B. bzgl. der Zeitdauer der einzelnen Konjunkturphasen ab. 3. Von dem soeben geschilderten Fall abgesehen, bleibt der Nachweis destabilisierender Wirkung der built-in-flexibility einer Argumentation anhand dynamischer Modelle vorbehalten. Für die Wirkung der built-in-flexibility ist dabei ausschlaggebend, welche Konsum-, Investitionsund Steuerfunktionen gewählt werden. Johansen geht von einem dynamischen Modell mit Hicksscher Version des Akzelerators in der Investitionsund "Robertson-lag" in der Kon1) Vgl. Musgrave, Richard A., The Theory of Public Finance, S. 435, 443. 2) Vgl. dto., S. 429. 3) Vgl. z.B. Council of Economic Advisers (CEA), Annual Report 1962, s. 71. 4) Aus diesem Grund ergeben sich auch in den Modellen I und II ähnliche optimale konjunkturpolitische Maßnahmen.
- 47 - sumfunktion aus. 1) Ist die Parameterkonstellation im Falle einer autonomen Steuer dergestalt, daß sich keine endogenen Schwingungen ergeben, so können bei einer einkommensabhängigen - proportionalen - Steuer u. U. Schwingungen entstehen, da die proportionale Steuer die Konsumquote reduziert. Diese Reduktion kann in der auf S. 30 wiedergegebenen Grafik als eine senkrechte Bewegung nach unten veranschaulicht werden. Befand sich die Ausgangskonstellation im Bereich A, so kann nunmehr u. U. der Bereich B erreicht werden. Die Art der Schwingungen - gedämpfte, konstante oder explodierende - bleibt dagegen von der Steuerfunktion unberührt. sie hängt von w2, dem Koeffizienten von Yt_ 2 -d. h. dem Quadrat des Moduls bei der hier nicht verwendeten trigonometrischen Darstellung - ab, der in diesem Falle dem Akzelerator entspricht. Dieser aber wird von der gewählten Steuerfunktion nicht verändert. Ein anderes Beispiel findet sich bei Smyth. 2) Die Investitionsfunktion enthält, wie auch diejenige des Modells III, die Hickssche Version des Akzelerators. Der Konsum hängt, anders als in Modell III, vom verfügbaren Einkommen zweier Vorperioden ab. Damit wirkt das Verhalten der Konsumenten, indem es die Auswirkungen des Akzelerators teilweise kompensiert, stabilisierend: Die auf das verfügbare Einkommen der vorletzten Periode bezogene marginale Konsumquote reduziert w 2. Wird in das Smythsche Modell anstelle einer autonomen eine zum Sozialprodukt proportionale Steuer eingeführt, so wird dadurch die Konsumquote reduziert und das stabilisierende Verhalten der Konsumenten teilweise kompensiert: Die Steuer wirkt destabilisierend. Bei einer Parameterkonstellation, die im Falle einer autonomen Steuer keine endogenen Schwingungen bewirkt hätte, können nunmehr Schwingungen entstehen; ist die ursprüngliche Konstellation dergestalt,daß gedämpfte (konstante) Schwingungen entstehen, so kann die einkommensabhängige Steuer zu konstanten (explodierenden) Schwingungen führen. 1) Vgl. Johansen, Leif, S. 187 f. 2) Vgl. Smyth, D. J., S. 358-360.
- 48 - Zum gleichen Ergebnis wie Smyth kommt Thor, 1) indem er dessen Konsumfunktion durch eine solche ersetzt wie sie auch in Modell III angenommen wird, dafür aber vom Sozialprodukt der Vorperiode abhängige Steuereinnahmen einführt. In allen drei Modellen bewirkt eine zum Sozialprodukt proportionale Steuer, daß bei gegebenen Werten für Konsumquote und Akzelerator die Wahrscheinlichkeit, daß Oszillationen entstehen, verglichen mit einer autonomen Steuer, steigt. Insofern wirkt sie destabilisierend. Denkbar ist weiterhin eine Steuerfunktion, die eine der Hicksschen Version des Akzelerators entsprechende Relation enthielte, womit sie als "cycle-maker" gälte. Diese Steuerfunktion unterscheidet sich von den bisherigen , zum Sozialprodukt proportionalen, dadurch, daß bereits das Steueraufkommen und nicht erst dessen Änderung wie bei Proportionalsteuern von einer Änderung des Sozialprodukts abhängt. Es ist zu fragen, ob eine solche Steuer der Bedingung "Konstanz der Steuersätze" genügt und somit als Beispiel für built-in-flexibility gelten kann. In so hoch aggregierten Modellen wie den hier behandelten sind zwei Deutungen eines konstanten "Steuersatzes" denkbar. Bei der einen, die sich auf den "durchschnittlichen Steuersatz", den Quotienten aus Steuereinnahmen und Sozialprodukt, bezieht, ergibt sich - von einer Proportionalsteuer abgesehen - stets ein im Konjunkturverlauf variabler "Steuersatz". Schon Steuerfunktionen mit einem teilweise autonomen Steueraufkommen - wie etwa zwei der in Modell II unte'."suchten Steuerfunktionen - a fortiori solche mit vom Sozialprodukt abhängiger marginaler Steuerquote, könnten dann nicht mehr als Beispiele für built-in-flexibility gelten. Dies erscheint wenig sinnvoll. Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Begriff des "Steuersatzes" auf die jeweilige "Bemessungsgrundlage" - bei im Zeitablauf konstantem Zusammenhang zwischen derselben und dem Aufkommen aus dieser Steuer - zu beziehen. Die "Bemessungsgrundlagen" in so hoch aggregierten Modellen wie den hier untersuchten sind dabei das Sozialprodukt und seine Änderungen. Bei dieser 1) Vgl. Thor, Gerhard, S, 27 f.
- 49 - Interpretation können sowohl Steuern, deren Aufkommen vorn Sozialprodukt, als auch solche, deren Aufkommen von dessen Änderungen abhängt - und damit auch der oben erwähnte "Steuerakzelerator" - als Beispiele für built-in-flexibility gelten. In den bisher geschilderten Fällen hat built-in-flexibility zur Folge, daß endogene Schwingungen entstehen und u. U. verstärkt werden. Doch handelt es sich dabei nur, wie auch Srnyth feststellt, 1) um eine mögliche, nicht aber eine unbedingt notwendige Wirkung. Bei anderen Konsum-, Investitionsoder Steuerfunktionen können günstigere konjunkturelle Effekte erzielt werden. Dies gilt z. B. für einen von Peacock und Shaw angeführten Fall. 2) Hierbei wird eine Investitionsfunktion mit Sarnuelsonscher Version des Akzelerators - wie auch in Modell IV - angenommen. Gleichfalls ist der Verbrauch vorn Sozialprodukt der Vorperiode abhängig; die Staatsausgaben sind autonom; von autonomen Investitionen wird abgesehen. Eine zum Sozialprodukt proportionale Steuer reduziert die Konsumquote und damit im Falle der Sarnuelsonschen Version des Akzelerators auch den Koeffizienten des vor zwei Perioden realisierten Sozialprodukts. Bei einer Parameterkonstellation, die bei autonomer Steuer zu konstanten Schwingungen geführt hätte, nämlich einer marginalen Konsumquote und einem Akzelerator in Höhe von 0, 5 bzw. 2, entstehen nunmehr gedämpfte Schwingungen. In der auf S. 38 wiedergegebenen Grafik entspricht einer Reduktion der marginalen Konsumquote eine Bewegung vom Ausgangspunkt, der auf der. Begrenzungslinie zwischen den Bereichen Bund C liegt, senkrecht nach unten. Dadurch wird der Bereich B erreicht. Als ein anderes Beispiel für stabilisierende Wirkung der built-in-flexibility kann eine Steuerfunktion angeführt werden, die einen Dezelerator enthält, der den Akzelerator in der Investitionsfunktion (teilweise) konterkariert; im günstigsten Falle wird mit einer solchen - von Änderungen des Sozialprodukts abhängigen Steuer - dynamische Stabilität erreicht. Bislang sind mögliche Wirkungen der built-in-fiexibility auf die dynami1) Vgl. Smyth, D. J. , S. 3 60, Fußnote 6). 2) Vgl. Peacock, AlaIJ T.; Shaw, G. K., S. 119, 122, 125.
- 50 - sehe Stabilität bzw. Instabilität einzelner Modelle, d. h. ob sie endogene Schwingungen hervorruft oder verstärkt, untersucht worden. Eine von Änderungen des Sozialprodukts abhängige Steuer kann in den untersuchten Modellen nur Auswirkungen dieser Art zeitigen. Dies gilt jedoch nicht für Steuern, die zum Sozialprodukt proportional sind, Diese reduzieren auch in dynamischen Modellen über die Konsumquote den Multiplikator. Im Falle einer permanenten Änderung autonomer Ausgaben der Privaten verschiebt sich das Gleichgewichtseinkommen in einem geringeren Ausmaß als bei einer autonomen, aber auch einer ausschließlich von Änderungen des Sozialprodukts abhängigen Steuer. In diesem Sinne wirkt - eine durch eine Proportionalsteuer gekennzeichnete - built-in-flexibility genauso wie im statischen Modell stabilisierend. 1) Beide Aspekte sind bei der Beurteilung einer Proportionalsteuer zu berücksichtigen. 2) Wirkt sie auch dynamisch stabilisierend, so kommt mit der Reduktion der sonst entstehenden Abweichungen vom Ausgangsgleichgewicht ein weiterer positiver Effekt hinzu. Andernfalls sind beide Wirkungen gegeneinander abzuwägen. Es mag einiges dafür sprechen, im Falle explodierender Schwingungen der dynamischen Stabilität Priorität einzuräumen 2) und eine zum Sozialprodukt proportionale Steuer negativ zu beurteilen. Die Entscheidung zwischen stetigen, aber vom ursprünglichen - konjunkturellen - Gleichgewicht größeren und oszillatorischen, aber geringeren Abweichungen mag jedoch zumindest offen bleiben. 3) Den bisherigen Ausführungen zufolge sind demnach sowohl stabilisierende als auch destabilisierende Wirkungen der built-in-flexibility denkbar, wobei noch nach den Wirkungen auf die dynamische Stabilität bzw, Instabilität und das Ausmaß der Abweichungen vom konjunkturellen Gleich1) Vgl. Johansen, Leif, s. 187, Thor, Gerhard, S. 23, 2) Vgl. Johansen, Leif, S. 181, Thor, Gerhard, S. 24-26. 3) So etwa Thor, Gerhard, S. 24. Johansen tendiert dagegen dazu, die geringere Abweichung vom ursprünglichen Gleichgewicht, also die zum Sozialprodukt proportionale Steuer, günstiger zu beurteilen. Vgl. Johansen, Leif, S. 181.
-57 - von, wie diese bei den durch die Konsumund Investitionsfunktionen gegebenen Verhaltensweisen der Privaten wirken. Einund dieselbe - stabilisierend - wirkende Steuerbzw. Staatsausgabenfunktion kann als Beispiel für beide Automatismen gelten, so lange nicht aufgrund weiterer Annahmen die dahinter stehende (n) Zielsetzung(en) bekannt ist (sind). So können etwa die Musgraveschen Beispiele als solche für ausschließlich konjunkturpolitisch motivierte formula flexibility angesehen werden; es kann dann offen bleiben, ob die bei dynamischer Stabilität noch verbleibenden Abweichungen vom konjunkturellen Gleichgewicht als unerheblich gelten oder nicht. Die Musgraveschen Beispiele können jedoch gleichfalls im Sinne der built-in-flexibility interpretiert werden 1 ! Es bestünde dann insoweit Harmonie zwischen konjunkturpolitischen und anderen Zielsetzungen. Soll antizyklische Konjunkturpolitik mit Hilfe einer der beiden hier zur Diskussion stehenden Strategien dann _noch notwendig sein, so muß in diesem Fall unterstellt werden, daß die Sicherung der dynamischen Stabilität nicht genügt. Built-in-flexibility kann zwar zu den automatischen Stabilisatoren zählen, doch braucht dies nicht der Fall zu sein; 2) formula flexibility muß dagegen in einer Welt der Sicherheit zu diesen rechnen, soll sie nicht den ausschließlich mit ihr angestrebten Zweck verfehlen. Es dürfte sich somit empfehlen, innerhalb der beiden Automatismen zwischen built-in-flexibility und !ormula flexibility zu unterscheiden und 1) So erwähnen beispielsweise Richter und Selten, freilich ohne hierfür eine Begründung anzugeben, die von Musgrave mit formula flexibility bezeichneten Fälle als Beispiele für built-in-flexibility. Vgl. Richter, Rudolf; Selten, Reinhard, Dynamische Theorie der Built-in-flexibility, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Band 119, 1963, s. 567. 2) Auch Peacock und Shaw verweisen auf die Notwendigkeit, zwischen built-in-flexibility und automatischer Stabilisierung zu unterscheiden, was sich auch aus sprachlichen Gründen als vorteilhaft erweise. Vgl. Peacock, Alan T.; Shaw, G. K., S. 118, Fußnote 4). Demnach rechnete built-in-flexibility nur dann zu den automatischen Stabilisatoren, wenn sie tatsächlich sta·bilisierend wirkt, wogegen formula flexibility in einer Welt der Sicherheit stets zu jenen zählt. Würde der Begriff der automatischen Stabilisatoren auch eine destabilisierende built-in- -flexibility umschließen, so gäbe es destabilisierende automatische Stabilisatoren.
-58 - nicht, wie es dem ersten der drei oben angeführten Standpunkte entspräche, von grundsätzlich gleichartigen Wirkungen beider Automatismen auszugehen. Möglich ist eine - der dritten Auffassung entsprechende - Kombination von destabilisierend wirkender built-in-flexibility und stabilisierend wirkender formula flexibility, nicht dagegen die inverse - oben auch nicht vertretene - Auffassung. Ob built-in-flexibility dagegen stabilisierend wirkt, wie dies bei der zweiten Auffassung angenommen wird, ist nicht sicher. 1) Fa 11 s sie stabilisierend wirkt, so spricht vieles dafür, daß sie nicht ausreicht. Formula flexibility kann dann, der zweiten Auffassung entsprechend, als eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation gelten. In diesem Falle kann der zwischen formula flexibility und built-in-flexibility bestehende Unterschied als bloß graduell, nicht grundsätzlich bedeutsam angesehen werden. Dies gilt auch, sofern sich letzteres auf die Tatsache bezieht, daß es sich in beiden Fällen um Automatismen handelt, nicht dagegen, wenn die mit den beiden Automatismen angestrebten Zielsetzungen ins Blickfeld rücken. 1) So kann auch anhand der stillschweigend von ihm unterstellten Prämisse, alle Automatismen wirkten stabilisierend, erklärt werden, weshalb Lebrecht keinen Unterschied nach der mit einem Automatismus angestrebten Zielsetzung macht. Vgl. Lebrecht, Robert G., S. 16, Fußnote 16). Diese häufig anzutreffende Gleichsetzung beider Begriffe läßt sich möglicherweise aus der Rechtfertigung konjunkturabhängiger Steuern gegenüber sog. krisenfesten verstehen. Vgl. hierzu Neumark, Fritz, Grundsätze gerechter und ökonomisch rationaler Steuerpolitik, S. 35 f. Ähnlich mag auch die oben erwähnte "perverse formula flexibility" vor dem Hintergrund der Diskussion über den Vorteil konstanter Steuersätze verglichen mit ihrer prozyklisch wirkenden Variation gemäß dem Postulat des Haushaltsausgleichs (im materiellen Sinn) gesehen werden. So werden diese Norm wie auch Verschläge zur Sicherung der Vollbeschäftigung von Hart in einem "Fiscal Formulas" benannten Kapitel behandelt. Vgl. Hart, Albert G., Money, Debt and Economic Activity, 1, Aufl., S. 450-474.
-59 - 2. Diskretionäre Politik Wirkt, den Ergebnissen des vorhergehenden Kapitels zufolge, formula flexibility in hinreichendem Ausmaß stabilisierend, so bleibt zu prüfen, wie es dann um die diskretionä re Konjunkturpolitik steht. 1, Peacock und Shaw schildern ein Beispiel, bei dem die diskretionäre Konjunkturpolitik destabilisierend wirkt; 1) sie beschränken sich dabei auf ausgabepolitische Maßnahmen. Das Ausgangsmodell unterscheidet sich von dem bereits oben beschriebenen dadurch, daß es keine Steuerfunktion enthält, Im numerischen Beispiel werden Schwingungen mit konstanter Amplitude angenommen: Die marginale Konsumquote beträgt 0, 5, der Akzelerator 2. Die von den beiden Autoren dargestellte diskretionäre Konjunkturpolitik besteht darin, die im Ausgangsmodell autonomen Staatsausgaben (im numerischen Beispiel: 1 Einheit), für die Verteidigungsausgaben als denkbare Möglichkeit angeführt werden, um einen bestimmten Anteil (im Zahlenbeispiel: 0, 5) der Differenz zwischen dem Sozialprodukt der Vorperiode und demjenigen bei Vollbeschäftigung (im Zahlenbeispiel: 3 Einheiten) zu verändern?) g - h (Y 1 - V) tt Eine solche Variation der Staatsausgaben bewirkt eine höhere Frequenz, Schwingungen mit größerer Amplitude und ein im Durchschnitt höheres Sozialprodukt als im Ausgangsmodell. Die gewählte Staatsausgabenfunktion impliziert eine gegenüber dem Grundmodell zwiefache Modifikation, nämlich sowohl des Reaktionsmusters, ausgedrückt durch ( - h Y t-l ), als auch des gesamten Nachfrageniveaus, ausgedrückt durch ( h '11', Letzteres ist deshalb geboten, weil das Gleichgewichtsniveau des Ausgangsmodells (im numerischen Beispiel: 2 Einheiten) niedriger als das gewünschte Sozialprodukt bei 1) Zum folgenden vgl. Peacock, Alan T.; Shaw, G. K., S. 119-124. 2) Im Original andere Symbole.
-60 - Vollbeschäftigung, somit ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung ist. Daher gilt es unabhängig vom Problem konjunktureller Schwankungen das Nachfrageniveau so zu heben, daß das gewünschte Vollbeschäftigungsgleichgewicht erreicht wird. Im folgenden werden für das numerische Beispiel zunächst die beiden Modifikationen gesondert betrachtet, d. h. es wird untersucht, was geschähe, wenn in das Grundmodell nur einer der beiden soeben angeführten Teile der Staatsausgabenfunktion eingeführt würde. Würden zusätzliche Staatsausgaben in Höhe der Hälfte des Vollbeschäftigungseinkommens (also 1, 5 Einheiten) und somit insgesamt Staatsausgaben in Höhe von 2, 5 Einheiten getätigt, so entstünde - bei einem Multiplikator von 2 - ein neues Gleichgewichtseinkommen von 5 Einheiten. Dies bedeutete eine über das Ziel, nämlich ein Sozialprodukt von 3 Einheiten, hinausschießende Politik. Dies läge daran, daß unberücksichtigt geblieben ist, daß die Staatsausgaben in Höhe von 1 Einheit bereits ein Gleichgewichtseinkommen von 2 Einheiten sichern und es bei einer marginalen Konsumquote von 0, 5 genügte, zusätzliche Ausgaben in Höhe von 0, 5 Einheiten zu tätigen, um insgesamt ein Gleichgewichtssozialprodukt von 3 Einheiten zu erreichen. Da es sich um ein dynamisches Modell handelt, beschränkt sich die Wirkung einer Erhöhung der Staatsausgaben nicht darauf, das Gleichgewichtseinkommen zu verschieben. Selbst wenn lediglich zusätzliche Staatsausgaben in Höhe von 0, 5 Einheiten - a fortiori bei 1, 5 Einheiten - getätigt worden wären, so bedeutete dies in einer Wirtschaft wie der von den beiden Autoren geschilderten, daß Schwingungen mit höherer, bei nach wie vor im Zeitablauf konstanter, Amplitude entstünden. Dies ist deshalb der Fall, weil die Höhe der Amplitude nicht nur von den - unveränderten - Werten für u1 2 , sondern auch denjenigen für A1 2 , in die die Änderung autonom;r Ausgaben eingeht, abhängt. 1) Die Amplituden der Schwingungen werden in dem geschilderten Modell bei jedweder Zunahme autonomer Ausgaben, sei es des Staates, sei es der Privaten,erhöht. In einer Wirtschaft mit Reaktionsweisen, wie sie durch die Investitionsund 1) Vgl, hierzu auch S. 289 , Gleichung (13).
- 61 - Konsumfunktionen des betrachteten Modells gegeben sind, besteht ein "trade-off" zwischen der Erhöhung des Einkommensniveaus durch eine Zunahme autonomer Ausgaben und den gleichzeitig damit bewirkten stärkeren Schwankungen, Die zweite der von den beiden Autoren vorgenommenen Veränderungen der Staatsausgaben beeinflußt die Reaktionsstruktur. Sie verringert den Koeffizienten des Sozialprodukts der Vorperiode; dagegen bleibt derjenige des vor zwei Perioden realisierten Sozialprodukts und damit die Art der Schwingungen, nämlich konstante, unverändert. Der Multiplikator wird - auf 1 - reduziert; die Frequenz steigt. 1) Aus den beiden Modifikationen ergibt sich:Der überhöhten Festlegung der auf das Vollbeschäftigungseinkommen bezogenen zusätzlichen Staatsausgaben wirkt der reduzierte Multiplikator entgegen, ohne dies jedoch völlig auszugleichen. Per Saldo verbleibt ein expansiver Effekt der Staatsausgaben, der das Gleichgewichtsniveau bei diskretionä rer Konjunkturpolitik - auf 2, 5 Einheiten - steigen läßt und gleichzeitig Amplitude und Frequenz erhöht. Man mag insofern das von den beiden Autoren dargestellte Beispiel für diskretionä re Konjunkturpolitik als einen Kompromiß zwischen der Auffüllung des Nachfragedefizits und den damit ausgelösten stärkeren Schwankungen verstehen. Jedoch ist ein solcher Kompromiß nicht unvermeidlich. Wären die Staatsausgaben auf eine Weise, die anstelle des Koeffizienten des Sozialprodukts der Vorperiode denjenigen des Sozialprodukts vor zwei Perioden reduziert hätte, und in einem solchen Ausmaß verändert worden, daß der Dezelerator der Staatsausgabenfunktion die Auswirkungen des Akzelerators der Investitionsfunktion konterkariert hätte, wären also die Staatsausgaben gemäß derjenigen Version antizyklischer Konjunkturpolitik variiert worden, die dynamische Stabilität erreichen läßt, so hätten die Schwingungen beseitigt werden können. Damit wäre zugleich 1) Da die Frequenz sich invers zu cosj verhält, wirkt eine Verringerung von w1 bei unverändertem w2 frequenzerhöhend.
-62 - das Problem der höheren Frequenz gegenstandslos geworden. 1) Das Nachfragedefizit hätte dann mittels einer, dem Multiplikator Rechnung tragenden Erhöhung der Staatsausgaben beseitigt werden können. Insofern spiegelt das gewählte Beispiel kaum "rational sophisticated behaviour upon the part of the government desirous of stabilizing the income 1eve1"2} wider, Zwar wird, worauf diese Behauptung anspielt, bei der Festlegung der marginalen Staatsausgabenquote h der Multiplikator berücksichtigt, aber es handelt sich dabei um den ursprünglich höheren und nicht den gerade mittels der untersuchten Staatsausgabenfunktion verringerten. Schwerer wiegt, daß die Staatsausgaben in Abhängigkeit vom Einkommen der Vorperiode, "irres p e c t i v e of the response of investment in the private sector'.' 3) verändert werden und somit die konjunkturellen Effekte der Verhaltensweisen der Privaten unbeachtet bleiben. So lautet denn auch das Fazit der beiden Autoren, ungeachtet ihrer oben wiedergegebenen Behauptung: "government is behaving in what is an essentially arbitrary and random manner ... Our policy measure may be compared to the percussion player who strikes the timpani every time the conductor looks in his direction. On occasions it may help the performance alorig; more often it will not. 114 ) 2, Ähnliches gilt auch für einige der vonPhillipsuntersuchtenBeispiele antizyklischer Konjunkturpolitik. 5) Anhand mehrerer Modelle, darunter auch eines Multiplikator-Akzelerator-Modells, 6) wird den Auswir1) Vgl. die auf der vorherigen Seite angegebene Gleichung. Der Dezelerator läßt w2 den Wert Null annehmen. 2) Vgl. Peacock, Alan T.; Shaw, G. K., S. 122. 3) Vgl. dto, S. 124 (Hervorhebung im Original). 4) Vgl. dto, S. 124. 5) Vgl. Phillips, A. W., Stabilisation Policy in a Closed Economy, in: The Economic Journal, Band 64, 1954, S. 290-323. Phillips verwendet Differentialgleichungen, wogegen in den Modellen III und IV Differenzengleichungen verwendet werden. Doch werden die Schlußfolgerungen davon nicht berührt, da sich mit Hilfe der einen Methode gewonnene Ergebnisse transformieren lassen. Vgl. z. B. Ott, Alfred E., S. 123-125. 6) Vgl. Phillips, A. W., Stabilisation Policy in a Closed Economy, s. 303-305.
-63 - kungen verschiedener stabilisierungspolitischer Maßnahmen nachgegangen. Die sog. proportionale Politik basiert auf der Düferenz zwischen tatsächlichem und gewünschtem Produktionsniveau. Integrale Politik bezeichnet eine Handlungsweise, die sich an den kumulierten Differenzen der Vergangenheit orientiert. Derivative Politik wird in Abhängigkeit von Änderungen des Sozialprodukts durchgeführt: Sinkt dieses, so werden nachfrageerhöhende Maßnahmen ergriffen et vice versa. Die verschiedenen Handlungsweisen werden mit Koeffizienten versehen, die das ihnen zugemessene Gesicht wiedergeben. Phillips untersucht mehrere Versionen der genannten Handlungsweisen, einzeln oder Kombinationen aus ihnen. Es ergeben sich dabei, verglichen mit dem Ausgangsmodell, größere oder geringere Schwankungen. Am günstigsten schneidet eine Version, die alle drei Faktoren enthält, ab. Jedoch ist zu fragen, weshalb im Falle antizyklischer Konju!lkturpolitik a priori, d. h. ohne weitere Überlegungen hinsichtlich denkbarer Wirkungen, die Art des_ Eingrüfs - proportionale, integrale, derivative Politik - festgelegt werden sollte und dann die jeweiligen Effekte in Kauf genommen werden sollten: "Phillips' approach was to specify a particular time-form for official intervention in advance, and then to examine the implications of this specified time-form for internal balance within the framework of two simple dynamic models ..• the time-form for official intervention is the out c o m e of the analysis, not the starting-point. • 1) Somit gilt es auch hier, ähnliche Versionen antizyklischer Konjunkturpolitik zu finden, wie sie für die Modelle III und IV abgeleitet worden sinct,und dann die staatlichen Instrumente entsprechend zu verändern. 3. Sowohl die meisten der Phillipsschen Versionen diskretionärer Konjunkturpolitik als auch diejenige von Peacock und Shaw wirken destabilisierend, da weder den Auswirkungen der Verhaltensweisen der Privaten auf den Konjunkturverlauf noch den konjunkturellen Effekten der 1) Vgl. Dasgupta, Ajit K.; Hagger, A, J., Tue Objectives of Macro-Economic Policy, London, Basingstoke 1971, S. 210 (Hervorhebung im Original).
-64 - staatlichen Instrumente Rechnung getragen wird. Beides ist unerläßlich, wenn Konjunkturstabilisierung das Ziel ist. Es handelt sich somit um Beispiele einer s c h 1 e c h t e n Konjunkturpolitik: Obwohl aufgrund des gegebenen Modellzusammenhangs die Verhaltensweisen der Privaten bekannt sind, werden sie bei der Konzipierung der "Konjunkturpolitik" nicht berücksichtigt. Beseitigt man diesen Mangel, so lassen sich konjunkturpolitisch adäquate Ergebnisse erzielen: 1 ' discretionary contracyclical policy correctly defined must be stabilizing." 1) Eine hinsichtlich Richtung, Ausmaß und zeitlichem Eingriff optimal konzipierte Konjunkturpolitik ist im Rahmen der einfachen Modelle des ersten Abschnitts kein Problem. Soll sie der mit ihr angestrebten Zielsetzung gerecht werden, so sind auch bei diskretionärer Konjunkturpolitik die staatlichen Instrumente so zu verändern, wie es den Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik entspricht. 2) Bei der Auswahl einer konkreten Version sind ebenfalls die bereits im vorhergehenden Kapitel genannten Erwägungen anzustellen. Die Phillipsschen Beispiele und der vom Sozialprodukt der Vorperiode abhängige Teil der Staatsausgaben bei Peacock und Shaw können hingegen als Beispiele für built-in-flexibility gelten, 3) deren konjunkturelle Effekte erwünscht oder unerwünscht sein mögen. Bei ihnen handelt es sich zwar um von der ökonomischen Aktivität abhängige Staatsausgaben bzw. Steuern, aber es werden die Rückwirkungen auf die ökonomische Aktivitlt vernachlässigt. Soweit sie destabilisierend wirken, besteht kein Grund, sie in so einfachen Modellen wie den hier geschilderten, für die sich optimale konjunkturpolitische Maßnahmen finden lassen, gerade aus k o n j unkt ur p o 1 i t i s c h e n Erwägungen heraus hinzunehmen; allenfalls andere Motive könnten hinter ihnen stehen. 1) Vgl. Cornwall, John, The Structure of Fiscal Models, in: The Quarterly Journal of Economics, Band 79, 1965, S. 608. 2) Cornwall führt als Beispiel eine Veränderung der Staatsausgaben an, ähnlich derjenigen, die in Modell III zur Wiedergewinnung des konjunkturellen Gleichgewichts führt. Vgl. Cornwall, John, S. 609. 3) Bzgl. der von Phillips untersuchten Fälle äußert sich Cornwall gleichlautend. Auch Richter und Selten erwähnen sie als Beispiele für built-in-flexibility. Vgl. Cornwall, John, S. 608 und Richter, Rudolf; Selten, Reinhard, S. 566.
-65 - Autonome Staatsausgaben oder solche, die vom Sozialprodukt, das dem konjunkturellen Gleichgewicht entspricht, abhängen, wie bei Peacock und Shaw, brauchen nicht dazu beizutragen, daß das konjunkturelle Gleichgewicht erreicht wird. Sie können - obwohl sie von ihren Verfassern als konjunkturpolitische Maßnahmen eingeführt worden sind - allenfalls als diskretionäre, aus allokations1) und /oder verteilungspolitischen Motiven getätigte Staatsausgaben interpretiert werden, deren konjunkturelle Effekte nicht notwendigerweise stabilisierender Natur sein müssen; soweit sie stabilisierend wirken, besteht Harmonie zwischen konjunkturpolitischen und anderen Zielsetzungen. Es ist aber z.B. auch denkbar, daß anstelle der im ersten Abschnitt angenommenen Veränderung der autonomen lnvesti tionsausgaben die autonomen Staatsausgaben und/oder Steuern aus anderen als konjunkturpolitischen Gründen variiert würden und Konjunkturschwankungen entstehen ließen. Im Falle destabilisierend wirkender oder gar zyklenverursachender diskretionärer Politik ist, wenn Konjunkturstabilisierung gewollt wird, diesen Effekten entgegenzuwirken; es handelt sich bei einer solchen Politik um die von Hansen als "Neutral Fiscal Policy" 2) bezeichnete Handlungsweise. 4. Auch innerhalb der diskretionlren Politik erweist es sich - ebenso wie bei den Automatismen - als notwendig, nach den angestrebten Zielsetzungen zu unterscheiden. Zwar handelt es sich bei built-in-flexibility um einen Automatismus und im analogen Fall um diskretionlre Maßnahmen, Beiden ist jedoch gemeinsam,daß sie, obwohl auch auf anderen als konjunkturpolitischen Zielsetzungen beruhend, gleichwohl konjunkturelle Effekte zeitigen; soweit sie stabilisierend wirken, besteht Zielharmonie. Dagegen ist sowohl bei formula flexibility als auch bei diekretionärer Konjunkturpolitik der konjunkturelle Effekt der einzige anzustrebende Zweck, so daß es im Rahmen beider Strategien darauf ankommt, eine der für so einfache Modelle ableitbaren Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik durchzuführen. 1) Peacock und Shaw führen selbst, wie bereits erwähnt, Verteidigungsausgaben als Beispiel an, Vgl. Peacock, Alan T.; Shaw, G. K., S. 119. 2) Vgl. Hansen, Bent, The Economic Theory of Fiscal Policy, London 19 67, s. 22 9 f.
-66 - 3. Die "decision rule" 1. Sowohl für formula flexibility als auch für diskretionäre Konjunkturpolitik gelten, den Ausführungen der beiden vorhergehenden Kapitel zufolge, die im ersten Abschnitt für optimale antizyklische Konjunkturpolitik gewonnenen Ergebnisse, Bei den verschiedenen Versionen derselben handelt es sich um sog, "decision rules" im Sinne der Theorie der Wirtschaftspolitik, l) ein Begriff, in dem sich zugleich die Doppeldeutigkeit der erforderlichen Maßnahmen spiegelt. Dies läßt sich auch anhand der Begriffspaare darlegen, diskretionär automatisch exogen endogen Der Terminus "exogen" bezeichnet Phänomene, die im Rahmen des betrachteten Modells nicht erklärt werden; offen bleibt, ob es sich dabei um eine "Störung" oder eine in irgendeinem Sinne wünschenswerte Aktivität handelt, Ist jedoch Stabilisierung das Ziel, so sind die zu ergreifenden diskretionären Maßnahmen so auszugestalten, daß dieses möglichst erreicht wird, Ermessensentscheidungen können dann nicht mehr "willkürlich" getroffen werden, 2) Glei"chfalls können damit Begriffe wie "fallweise", "ad hoc" nur bedeuten, daß jeder Einzelfall für sich entschieden wird, jedoch im Sinne der angestrebten konjunkturpolitischen Zielsetzung, 3 ld. h. "situationsbezogen" 4) und nicht "regellos", 5) 1) Aus der umfangreichen Literatur seien erwähnt: Tinbergen, Jan, Economic Policy: Principles and Design, Amsterdam 1966, Hansen, Bent, Tue Economic Theory of Fiscal Policy, Theil, Henri, Linear Decision Rules for Macrodynamic Policy Problems, in: Hickman, Bert G, (Hrsg,), Quantitative Planning of Economic Policy, Washington 1965, S. 18-42, sowie Pindyck, Robert S,, Optimal Planning for Economic Stabilization, Amsterdam, London 1973, 2) So auch Haller, Heinz, Wandlungen in den Problemen föderativer Staatswirtschaften, in: Finanzarchiv N. F., Band 27, 1968, S, 252, 3) Vgl. Neumark, Fritz, Die Bedeutung der staatlichen Finanzpolitik in einer stetig wachsenden Wirtschaft, in: Beihefte der Konjunkturpolitik, Nr. 2, 1957, S. 480. 4) Vgl. Mackscheidt, Klaus; Steinhausen, Jörg, S, 83, 5) Vgl. Rose, Manfred, S. 480.
- 7 3 - 1. Das Problem der Kenntnis der Wirkungszusammenhänge und der zeitlichen Verzögerungen 1. Einer der gegen die diskretionäre Konjunkturpolitik erhobenen Einwände macht geltend, daß sie deshalb versagen müsse, weil es nicht hinlänglich genau gelänge, die wirtschaftliche Lage zu diagnostizieren und die weitere Entwicklung zu prognostizieren. 1) Dem könne mittels formula flexibility abgeholfen werden, da sie sich mit diesen Problemen . 2) nicht herumzuschlagen brauche. Dies gilt jedoch nur in einem forma 1 e n Sinn: Zum Zeitpunkt der Entscheidung, ob eine konkrete Maßnahme ergriffen oder aufgehoben werden soll, ist bei formula flexibility eine explizite Diagnose und Prognose überflüssig. Dafür muß man sich jedoch, soll die Regel "richtig" sein, bei ihrer Aufstellung Gedanken über die Wirkungszusammenhänge machen. Im Rahmen eines deterministischen Modells stellt dies kein unüberwindliches Hindernis dar, und zwar nicht etwa deshalb, weil Probleme der Diagnose und Prognose entfielen, sondern weil sie als gelöst gelten. Da die Verhaltensweisen der privaten Wirtschaftssubjekte und ihre Auswirkungen auf den Konjunkturverlauf bekannt sind, lassen sich Eingriffszeitpunkte und Wirkungen konjunkturpolitischer Maßnahmen bestimmen. Umgekehrt wurde auch von Gegnern der formula flexibility zugestanden, daß sie im Modell Möglichkeiten zur Lösung konjunkturpolitischer Pro1) Vgl. hierzu Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, S. 5 f, sowie Wissenschaftlicher Beirat beim BMW, Regelmechanismen in der Wirtschaftspolitik, Tz. I. 3., S. 597 f. 2) Vgl. z.B. Egle, Walter P., S. 80 sowie, generell für Regelmechanismen, Rahmann, Bernd, Grundlagen konjunkturbeeinflussender Haushaltspolitik, Volkswirtschaftliche Schriften, Nr. 192, Berlin 1972, s. 21.
-74 - bleme bieten könne, 1) und ihr modelltheoretische Attraktivität bescheinigt. 2 ) Dies ist nicht zu bestreiten, doch gilt genau dasselbe für die diskretionäre Konjunkturpolitik. 3) Ebenso kommen beide Strategien nicht ohne - empirisch abgesicherte - konjunkturtheoretische Grundlagen aus. Somit entfällt keines der Probleme bei einer der Strategien grundsätzlich. Beide sehen sich den Problemen der Diagnose und Prognose gegenübergestellt und bedürfen theoretischer Überlegungen. In einer deterministischen Modellwelt, d. h. wenn die "richtige" Konjunkturtheorie bekannt ist und Diagnoseund Prognoseprobleme gelöst sind, kommen formula flexibility und diskretionä re Konjunkturpolitik zum gleichen Ergebnis, 4) so daß die Strategie irrelevant ist. 2. Mit dem erstgenannten Einwand gegen die diskretionäre Konjunkturpolitik ist ein anderer, sich auf das Problem der optimalen Eingriffszeitpunkte beziehender, verbunden: Lange zeitliche Verzögerungen hätten zur Folge, daß sie häufig zu spät 5) bzw. gar destabilisierend wirke. Diese Verzögerungen gälte es mit Hilfe eines antizyklischen Regel1) Vgl. Schlecht, Otto, Erfahrungen und Lehren aus dem jüngsten Konjunkturzyklus; Vorträge und Aufsätze des Walter Eucken Instituts, Nr. 35, Tübingen 1972, S. 40 sowie die oben dargestellten Musgraveschen Beispiele für formula flexibility. 2 ) Vgl. Beyfuß, Jörg, Regelmechanismen - konjunkturpolitisches Konzept der Zukunft? , in: Beiträge des Deutschen Industrieinstituts (DI), 8. Jahrgang, Nr. 3, 1970, S. 3. 3) Die der soeben genannten entgegengesetzte Auffassung, diskretionäre Konjunkturpolitik müsse in einer Modellwelt bei sicheren Prognosen stabilisierend wirken, vertritt, wie bereits oben angemerkt, Cornwall. Vgl. Cornwall, John, S. 608, 622. Analog kann hier der umgekehrte Einwand vorgebracht werden. 4) Vgl. Stern, Klaus; Münch, Paul; Hansmeyer, Karl-Heinrich, S. 63 und Despres, Emile; Friedman, Milton; Hart, Albert G. ; Samuelson, Paul A.; Wallace, Donald H., The Problem of Economic Instability, in: The American Economic Review, Band 40, 1950, S. 524. 5) Vgl. hierzu Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, s. 7 f.
- 75 - mechanismus zu verkürzen:"the shorter the lag the better, .,l) Bei formula flexibility entfällt der "decision-lag"; dagegen sind "recognition-", 11 · · " d " · 1 112 ) b 'd St t . . 1mplementatlonun operat10nags e1 en ra eg1en gemeinsam. Wenn bereits die Zeitspanne bis zum Anfallen der statistischen Daten und/oder der Auswirkungen der Maßnahmen destabilisierende Effekte bedingt, so ist nicht nur formula fiexibility, 3 lsondern jedwede antizyklische Konjunkturpolitik machtlos. Bei den im ersten Abschnitt anhand dynamischer Modelle 4) dargestellten Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik endet der Erkennungs- "lag" bei prophylaktischer Politik mit dem Zeitpunkt der Änderung der autonomen Investitionsausgaben, bei den Steuervariationen, die eine Prognose der Änderung der autonomen Ausgaben erfordern, bereits eine Periode früher, so daß er negativ wird. 5) Bei repressiver Politik wird dagegen eine Fehlentwicklung erst eine Periode später als bei Prophylaxe festgestellt, Die Staatsausgaben wirken ohne, die Steuern mit einperiodiger Verzögerung auf das Sozialprodukt, Entscheidung und administrativer Vollzug antizyklischer Maßnahmen benötigen annahmegemäß keine Zeit, Da die beiden konjunkturpolitischen Strategien 1) Vgl, Egle, Walter P., S, 191. 2) Zur Vielzahl möglicher Klassifikationen vgl, z. B, Friedman, Milton, A Monetary and Fiscal Framework for Economic Stability, in: The American Economic Review, Band 38, 1948, S. 255, Ando, Albert; Brown, E, Cary; Solow, Robert M.; Kareken, John, Lags in Fiscal and Monetary Policy, in: Commission on Money and Credit (Hrsg, ), Stabilization Policies, Englewood Cliffs, N, J, 1963, S, 7, Royal Commission on Taxation, Report, Band 2, Ottawa 1966, S, 81f, sowie Neumark, Fritz, Fiskalpolitik und Wachstumsschwankungen, 2, Aufl,, Wiesbaden 1969, S, 31 f. 3) Albers führt dies als denkbaren Nachteil der formula flexibility an, Vgl. Albers, Willi, Die automatische Stabilisierungswirkung der Steuern - Möglichkeiten und Problematik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Band 180, 1967, s. 100, 4) Statische Modelle können in diesem Zusammenhang unberücksichtigt bleiben, da sie ex definitione keine zeitlichen Verzögerungen aufweisen, 5) Daß dies denkbar :Sei, räumt auch Friedman ein. Vgl, Friedman, Milton, S, 255. Er bezieht sich dabei allerdings auf die verschieden langen zeitlichen Verzögerungen von diskretionärer Konjunkturpolitik und buil t-infiexi bili ty.
- 76 - sich durch die Länge des "time-lags" unterscheiden, könnte möglicherweise argumentiert werden, daß die Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik nicht für beide Strategien gelten könnten. Die Frage, ob dies der Fall ist, soll im folgenden untersucht werden. Benötigt der administrative Vollzug Zeit, so ist - bei beiden Strategien - ein "implementation-lag" zu berücksichtigen. Es können dann nicht die gleichen Maßnahmen wie vorher, lediglich zu einem, dem Durchführungs- "lag" entsprechenden späteren Zeitpunkt getätigt werden. Gerade wenn von einem zyklischen Verlauf der wirtschaftlichen Aktivität ausgegangen wird, kann nicht angenommen werden, daß zu verschiedenen Zeitpunkten die gleichen Maßnahmen optimal seien. Vielmehr sind entweder die Maßnahmen so auszugestalten, daß der zu einem späteren Zeitpunkt veränderten konjunkturellen Situation Rechnung getragen wird, oder aber die ursprünglichen Maßnahmen zu einem Zeitpunkt zu tätigen, der um die für den administrativen Vollzug benötigte Zeitspanne nach vorn verschoben worden ist. In beiden Fällen verlä ngert sich - verglichen mit einem System ohne "implementation-lag" - der Prognosezeitraum um die für den administrativen Vollzug benötigte Zeitspanne. Doch stellt dies insoweit kein Problem dar, als aufgrund des gegebenen Modells die Reaktionsstrukur bekannt ist und sich daraus die ökonomische Situation für die anderen Zeitpunkte ableiten läßt. Als problematisch können sich allenfalls die Veränderungen der autonomen Ausgaben erweisen. Es gelingt nur dann, den Ausgangszustand beizubehalten, also prophylaktische Politik zu betreiben, wenn für einen Zeitraum, der dem "implementation-lag" entspricht bzw. bei Steuervariationen noch eine Periode länger ist, eine entsprechend sichere Prognose der Änderung der autonomen Ausgaben möglich ist. Ist diese nicht möglich, so müssen die durch solche Änderungen bedingten zeitweiligen Abweichungen vom konjunkturellen Gleichgewicht bis zur Dauer des Durchführungs- "lags'~ im Falle der repressiven Politik gegebenenfalls noch eine Periode länger, hingenommen werden. Auch inzwischen neu hinzukommenden Veränderungen autonomer Ausgaben kann dann erst entsprechend später entgegengewirkt werden. Dabei ist im Rahmen dieser Arbeit zu unterstellen, daß es möglich sei, die sonst auftretenden
- 7 7 - Abweichungen mit Hilfe antizyklischer Konjunkturpolitik zu verringern; andernfalls wäre eine der in der Einleitung dargelegten Prämissen verletzt. Die vorstehenden Ausführungen gelten analog, wenn längere wirkungsbedingte zeitliche Verzögerungen und/oder erst später anfallende statistische Daten anzunehmen sind. Wird nunmehr berücksichtigt, daß bei diskretionä rer Konjunkturpolitik entscheidungsbedingte Verzögerungen zu verzeichnen sind, so können auch hierbei - wie bei den anderen "lags" - nicht diejenigen Maßnahmen, die ohne solche Verzögerungen optimal wären, unmodifiziert zu anderen Zeitpunkten ergriffen werden. Dies wäre genauso wenig optimal wie der inverse Fall, nämlich wenn bei formula flexibility diejenigen Maßnahmen, die bei Berücksichtigung eines "decision-lags" adäquat wären, früher ausgelöst würden. Vielmehr ist dem Zeitbedarf der jeweiligen Strategie in der für den "implementation-lag" beschriebenen Weise Rechnung zu tragen, Doch erringt selbst dann formula flexibility des reduzierten Prognosezeitraums ·wegen einen relativen Vorteil; insofern ist der kürzeste "lag" der beste, Dabei ist allerdings eine zu allen Zeitpunkten gleiche Qualität der Prognose der Änderung autonomer Ausgaben zu unterstellen, Jedoch bleibt unerfindlich, welchen Sinn, sofern Konjunkturstabilisierung gewünscht wird, ein Entscheidungs- "lag" in einer Wirtschaft haben sollte, in der sich bei gegebenem Ziel die erforderlichen Maßnahmen aus der Modellstruktur ableiten lassen, die "Entscheidung" also lediglich ein Rechenproblem darstellt, Erst in einer Welt, in der die "richtige" Konjunkturtheorie nicht bekannt ist und Diagnoseund Prognoseprobleme nicht als gelöst gelten, bieten auch Länge und Veränderungen der zeitlichen Verzögerungen, die zudem noch unbekannt sind, Probleme, und es ist zu vermuten, daß dann die beiden konjunkturpolitischen Strategien unterschiedliche Ergebnisse zeitigen. Es handelt sich dann jedoch um eine Welt der Ungewißheit.
- 78 - 2. Das Problem der logischen Äquivalenz beider Strategien Die These, daß es sich bei formula flexibility und diskretionärer Konjunkturpolitik um logische Äquivalente 1) handle, es somit auf der rationalen Ebene keine Wahl zwischen determinierten und diskretionären Aktivitä ten 2) gäbe, deckt sich mit der Feststellung, daß bei gegebenem Modell die konjunkturpolitische Strategie irrelevant ist, da sich in beiden Fällen sachlich identische Maßnahmen ergeben. 1. Samuelson stützt seine These damit, daß sich die Reaktion eines ökonomischen Systems auf einen Automatismus in Worten oder Gleichungen beschreiben lasse, doch auf dieselbe Weise könne dies für ein in jeder Beziehung äquivalentes diskretionäres Programm geschehen, 3) Daraus erhellt, daß die Darstellung in mathematischer Form wie etwa -:iie Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik im ersten Abschnitt noch keinen Schluß auf die Art und Weise der Realisierung der entsprechenden Aktivitäten erlaubt. Die Anwendung der Mathematik als einer Formalwissenschaft ist nicht auf die Strategie der formula flexibility beschränkt; auch diskretionäre Aktivitäten lassen sich mit ihrer Hilfe darstellen. Wenn beispielsweise die Phillipsschen Arbeiten im Sinne der formula flexibility interpretiert worden sind, 4) so mag dies an ihrer "Formelhaftigkeit" liegen, die indes eine Folge der a priori rein formal spezifizierten Art der Intervention ist. Phillips selbst spricht zunächst allgemein von "principles of stabilisation policies"; 5) 1) Vgl, Samuelson, Paul A., Principles and Rules in Modern Fiscal Policy:A Neo-Classical Reformulation, in: Money, Trade and Economic Growth, In Honor of Henry Williams, New York 1951, s. 164. 2) Vgl. Rose, Manfred, S. 480. 3) Vgl. Samuelson, Paul A. , Principles and Rules in Modern Fiscal Policy: A NeoClassical Reformulation, S. 164 f. 4) Vgl. Pack, Howard, S. 12-15, ebenso Watanabe in einer Studie, die allerdings, da sie auch geldpolitische Maßnahmen einbezieht, den Rahmen dieser Arbeit sprengt. Vgl. Watanabe, Tsunehiko, An Econometric Study of Automated Stabilization Policies in Japan, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Band 108, 1972, S, 386, Fußnote 1 ). 5) Vgl. Phillips, A. W., Stabilisation Policy in a Closed Economy, S. 290.
- 7 9 - in einem späteren Aufsatz werden die Eingriffe deutlicher als "applied deliberately by regulating authorities" 1) bezeichnet. Doch können sie, den vorstehenden Ausführungen zufolge, entweder im Sinne der built-in- -flexibility interpretiert werden oder aber - werden sie nicht als tatsächlich realisierte Maßnahmen betrachtet - als Vorüberlegungen zur Auswahl des optimalen Programms, mittels welcher Strategie es auch durchgeführt werde, angesehen werden. 2. Ähnliches wie für die Mathematik gilt für eine andere Formalwissenschaft, die Kybernetik, die Theorie des Verhaltens komplexer zielgerichteter Systeme. 2) So läßt sich die Ableitung der Versionen optimaler antizyklischer Konjunkturpolitik des ersten Abschnitts mit Hilfe 3) kybernetischer Begriffe darstellen. Das gesamte Wirtschaftssystem, Privatwirtschaft und nicht konjunkturpolitisch motivierte staatliche Aktivitäten, gilt als Regelkreis. Der Regler "Staat 114 ), genauer die Stabilisierungsabteilung im Musgraveschen Sinne 5 ), soll die Regelgröße Sozialprodukt auf dem Sollwert halten, d. h. demjenigen Niveau, das dem konjunkturellen Gleichgewicht entspricht. Veränderungen der Regelgröße, die durch eine Störung, nämlich die Änderung der autonomen Ausgaben, hervorgerufen werden, werden dem Regler gemeldet, 1) Vgl, Phillips, A, W,, Stabilisation Policy and the Time-Forms of Lagged Responses, in: The Economic Journal, Band 67, 1957, S, 277, Deshalb wurden sie auch im Rahmen dieser Arbeit als Beispiele für diskretionä re Konjunkturpolitik behandelt. 2) Vgl. Wies er, Wolfgang, Kybernetik, in: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Band 12, Stuttgart, Tübingen, Göttingen 1965, S, 629. 3) Zu den nunmehr folgenden Begriffen vgl. Wieser, Wolfgang, S, 626. 4) Schenk erwähnt z.B. Notenbank und staatliche Finanzverwaltung als denkbare Regler bei makroökonomischen Modellen. Hinweise auf die Konjunkturpolitik der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland und eine kybernetische Interpretation der Diskontpolitik finden sich bei Scholl, Schwietert beschreibt die Globalsteuerung in der Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe kybernetischer Begriffe. Vgl. Schenk, Karl-Ernst, Systemanalytische Ansätze in der wirtschaftskybernetischen Diskussion in Ost und West, in: Raupach, Hans (Hrsg. ), Jahrbuch der Wirtschaft Osteuropas, Band 1, München, Wien 1970, S, 173, Adam, Adolf; Helten, Elmar; Scholl, Friedrich, Kybernetische Modelle und Methoden, Köln, Opladen 1970, S. 122, 127, Schwietert, Aloys, Gelingt die Globalsteuerung?, in: Der Volkswirt, 21, Jahrgang, Nr, 51/52, 1967, s. 2831, 5) Vgl. Musgrave, Richard A., The Theory of Public Finance, S. 22 f.
- 80 - der den Istwert mit dem Sollwert vergleicht. Die Stellgröße - das Ausmaß der Variation der staatlichen Instrumente - wird mit Hilfe von Wirkungskoeffizienten, die die Wirkung einer Einheit der Maßnahme wiedergeben, so bemessen, daß die Abweichung kompensiert wird und der Istwert wieder mit dem Sollwert übereinstimmt. Werden die Istwerte durch erwartete Größen ersetzt, so wird das System im Sinne prophylaktischer Politik interpretiert. Stellt man dagegen auf die bei Prophylaxe tatsächlich durchgeführten Veränderungen ab, so handelt es sich hierbei nicht um Regelung, sondern Steuerung, d. h. rückkoppelungsfreie Verknüpfungen der entsprechenden Variablen. Ein "Regelmechanismus" im kybernetischen Sinn erfordert keineswegs wie formula flexibility, vorab für einen längeren Zeitraum eine genau spezifizierte Art der Intervention bindend festzulegen, sondern setzt lediglich zielorientiertes Verhalten voraus; dies gilt jedoch für die beiden konjunkturpolitischen Strategien, Daß kybernetische Analysen nicht so strenge Zusammenhänge voraussetzen wie sie bei der hier behandelten Version der formula flexibility gegeben sind, erhellt auch daraus, daß der Marktprozeß aus dem Zusammenwirken individueller Entscheidungen, wie dies im Rahmen der neoklassischen Wirtschaftstheorie dargestellt wird, kybernetisch interpretiert werden kann. 1) Auch hierbei sind vorab lediglich die Zielvorstellungen festzulegen; die optimale Lösung ergibt sich dann für diese unter Berücksichtigung der durch das Modell ausgedrückten realisierbaren Möglichkeiten. Darüber hinaus können nicht nur ökonomische, sondern auch technische und biologische Systeme, generell "beliebige Systeme einer tatsächlichen oder denkbar möglichen Wirklichkeit 112 ,l sofern sie nur der oben wiedergegebenen Definition genügen, mit Hilfe der Kybernetik analysiert werden, In einem so 1 c h e n Sinn kann die Wirtschaftswissenschaft als die Lehre von den 1) Vgl. hierzu Kade, Gerhard; Ipsen, Dirk; Hujer, Reinhard, Modellanalyse ökonomischer Systeme - Regelung, Steuerung oder Automatismus?, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Band 182, 1968, s. 13-22. 2) Vgl. Adam, Adolf; Helten, Elmar; Scholl, Friedrich, S. 7 f.
- 81 - " · • d l)F l ökonomischen Regelmechamsmen verstanden wer en. ormu a flexibility und diskretionä re Konjunkturpolitik sind dann als "Regelmechanismen", die ausschließlich der Sicherung des Stabilisierungsziels dienen, anzusehen?) dagegen sind built-in-flexibility und diskretionäre Politik "Regelmechanismen" zur Realisierung der mit ihnen angestrebten verschiedenen und nicht nur konjunkturpolitischen Zielsetzungen. Auch ein "Automatismus" im kybernetischen Sinn ist nicht durch den Grad der Bindung, d. h. das Fehlen von Ermessensentscheidungen, gekennzeichnet. Er wird definiert als ein homöostatisches, d. h. sich selbst regelndes System, das einen Sollwert trotz äußerer Störungen konstant halten kann, 3) etwa das neoklassische Wettbewerbssystem. 4) Dasselbe gilt für das hier analysierte Wirtschaftssystem, das die staatliche Konjunkturpolitik, gleich welcher Strategie, umschließt. Doch genügen auch minder strenge Anforderungen, um ein System als homöostatisches zu bezeichnen. So findet sich der bereits oben erwähnte Hinweis auf die - diskretionäre - Konjunkturpolitik der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland als denkbares Beispiel für Homöostase. Ein "Regelmechanismus" im kybernetischen Sinn ist somit nicht gleichzusetzen mit formula flexibility; 5) er schließt auch die diskretionäre 1) Der Unterschied zwischen "Regeln" dieser Art und solchen wie formula flexibility läßt sich mit Samuelsons Worten folgendermaßen kennzeichnen:" it is a language and not a particular poem or story in that language." Vgl. Samuelson, Paul A., Principles and Rules in Modern Fiscal Policy: A Neo-Classical Reformulation, S. 162. 2) Dies deckt sich dann mit der bereits oben erwähnten Auffassung, die Bindung an ein Ziel als "Regelmechanismus" zu betrachten. 3) Vgl. Wieser, Wolfgang, S. 628. 4) Vgl. hierzu Kade, Gerhard; Ipsen, Dirk; Hujer, Reinhard, S. 20 f. 5) Eine Gleichsetzung beider Begriffe, derjenigen des •Regelmechanismus• im kybernetischen Sinn und gemäß der festen Handlungsbindung, klingt bei Gllfgen an. Vgl. Glfgen, Gt!rard, S. 87. In beiden Bedeutungen wird er auch vom Wissenschaftlichen Beirat beim BMW angewendet. Eingeführt wird er im kybernetischen Sinn. Auch genügt die diskretionäre Konjunkturpolitik der Definition, daß Maßnahmen durch den Eintritt bestimmter Bedingungen ausgelöst werden. Schließlich gilt, wie bereits erwähnt, schon die Bindung an ein Ziel als Regelmechanismus. Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim BMW, Regelmechanismen in der Wirtschaftspolitik, Tz. II. 1., Sätze 1-3, S. 599, Tz. II. 4., S, 600, Tz. III. 2., S. 601, Doch liegt der Schwerpunkt auf · (Fortsetzung S. 82)
" 82 - Konjunkturpolitik ein, Beide konjunkturpolitischen Strategien können Steuerungscharakter aufweisen; formula flexibility besitzt daher keineswegs unbedingt "Regelungscharakter" im kybernetischen Sinn. 1) Unabhängig davon handelt es sich bei dem Gesamtsystem, also einschließlich antizyklischer Konjunkturpolitik gleich welcher Strategie, um Homöostase, d. h. einen "Automatismus" im kybernetischen Sinn. 2) 3. Als zweites Argument für die logische Äquivalenz beider Strategien führt Samuelson 3) an, daß ein Automatismus durch diskretionäres Handeln begründet, abgeändert oder aufgehoben werde. So gehe es im Prinzip nicht um diskretionäre und nicht-diskretionä re Politik, sondern um die Wahl zwischen zwei diskretionll ren Aktivitäten. Rose kommt zum entgegengesetzten Schluß, es gäbe nur eine Wahl d A · 4) D" "h l " ß . zwischen verschie enen utomahsmen . 1e von 1 m a s ma orientierte Stabilisierungspolitik automatischen Typs" bezeichnete Politik bleibt so lange unrevidiert, wie sich Zielstruktur und theoretische Annahmen über das ökonomische System nicht ändern. Änderten sich diese, so sei dem mittels diskretionärer Aktivität Rechnung zu tragen. Es gälte somit, zwischen stabilisierungspolitischen Aktivitäten mit mehr oder weniger diskretionären Elementen abzuwägen. (Fortsetzung von S. 81 ): der anderen Bedeutung des Begriffs, da auf die Bindungen des Handelns abgestellt wird. Auch wird der Regelmechanismus in Gegensatz zur diskretionären Politik gebracht, die die Beurteilung der tatsächlichen und erreichbaren Lage erfordere, also die Beachtung der Sollwert-Istwert-Differenz im kybernetischen Sinn; die Interpretation diskretionärer Politik als 11 geregelt" wird abgelehnt. Vgl. dto, Tz. III. 1., S. 600 f, Tz. II. 1., SI tze 4, 5, S. 599, Tz. II. 3,, S, 600, Tz. IV. 4., S. 605. Fußnoten zu S. 82: 1 ) Dies legen Kamp et al. nahe, Vgl. Kamp, Ernst M.; Kubista, Bernd; Naujoks, Wilfried; Rothkegel, Christoph; Schönebeck, Wolfgang; Smolinski, Dieter, S; 75, 2) Dagegen werden von Lebrecht beide Begriffe gleichgesetzt. Vgl. Leb. recht, Robert, S. 2, Zudem befaßt er sich fast ausschließlich mit der built-in-flexibility, d. h. einem nicht nur aus konjunkturpolitischen Motiven eingesetzten Automatismus. 3) Vgl. hierzu Samuelson, Paul A., Principles and Rules in Modern Fiscal Policy: A NeoClassical Reformula tion, S. 164 f. sowie ders., The Folly of Monetary Rules, tn: Kohler, Heinz (Hrsg.), Readtngs in Economlcs, 2. Aufl., New York 1969, S. 100. 4 ) Vgl. hierzu und zum folgenden Rose, Manfred, S. 480.
- 89 - tet; es soll dabei noch offen bleiben, wie viele der oben genannten vier konjunkturpolitischen Ziele mit Hilfe eines antizyklischen Regelmechanismus angestrebt werden, da die Diskussion damit verbundener Probleme dem folgenden Unterkapitel vorbehalten worden ist. Für jedes der vier konjunkturpolitischen Ziele stehen mehrere Maßstäbe zur Debatte. So kann beispielsweise das Ziel der Vollbeschäftigung anhand der Arbeitslosenquote, einer Beschäftigungsreihe oder aber eines Vergleichs zwischen der Anzahl der offenen Stellen und derjenigen der Arbeitslosen verdeutlicht werden. Für das Wachstumsziel können die absolute Zunahme oder diejenige pro Kopf des realen Bruttound/oder Nettosozialprodukts als Maßstab in Frage kommen. Die bei der Wahl des Maßstabs erforderlichen Entscheidungen können von vielfältigen Faktoren beeinflußt werden. Es können die konkrete ökonomische Si tuation eine Rolle spielen, aber auch allgemeine Wertvorstellungen, die bereits den Grund dafür darstellen, daß die entsprechenden konjunkturpolitischen Ziele angestrebt werden. Wird Vollbeschäftigung vor allem der Verwirklichung der vorhandenen Produktionsmöglichkeiten wegen angestrebt, so spricht einiges dafür, Beschäftigung als tatsächlichen oder Arbeitslosigkeit als zusätzlich möglichen Faktoreinsatz in Stunden und nicht in Personen zu messen. In diesem Falle kann die Analogie zwischen Kapitaleinsatz, der auch nicht anhand der Maschinen zahl gemessen wird, und Arbeitseinsatz als Argument vorgebracht werden. 1) Dies gilt jedoch nicht, wenn mit diesem Ziel, etwa aus sozialen Erwägungen heraus, in erster Linie die Beschäftigung von Personen angestrebt wird. Werden für ein und dasselbe konjunkturpolitische Ziel mehrere Maßstäbe ausgesucht, so sind diese zu einer einheitlichen Maßgröße zu verdichten, wobei ebenfalls die hinter der Auswahl der einzelnen Maßstäbe stehenden Begründungen von Bedeutung sind. Für die anzustrebenden konjunkturpolitischen Ziele ist außerdem der Optimalbereich zu quantifizieren. Dabei ist eine Aussonderung nicht durch konjunkturpolitische Maßnahmen zu bekämpfender, 11 struktureller" Erscheinungen vonnöten. Um etwa das Ausmaß der Arbeitslosig1) Vgl. z. B. Feston, Maurice, Unemployment: Why We Need a New Mea. surement, in: Lloyds Bank Review, Nr. 104, April 1972, S. 4.
-90 - keit bei konjunktureller Vollbeschäftigung abzuschätzen, sind Annahmen über die Produktionsstruktur und die Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte in einer aolchen Situation in ihren Auswirkungen auf Nachfrage und Angebot von Arbeitskräften erforderlich. 1) Da • strukturelleu Phänomene auch durch strukturpolitische, z. B. arbeitsmarktpolitische Maßnahmen beeinflußt werden (können), sind auch Überlegungen über deren Durchführung und Erfolg anzustellen. Die bisher angeführten Aspekte, aber auch Vorstellungen über die Wirksamkeit der Konjunkturpolitik selbst, können in die Bemessung der als "unvermeidbar• gehaltenen Größen einfließen. Gleichfalls können hiermit auch bereits bei der Quantifizierung der konjunkturpolitischen Ziele mögliche Konflikten zwischen ihnen - aber auch mit anderen Zielen - berücksichtigt werden, indem etwa aufgrund starker Präferenzen für das Beschäftigungsziel dasjenige der Preisstabilität in "großzügiger" Weise quantifiziert wird et vice versa. Damit können auch au! dieser Ebene Wertvorstellungen von Bedeutung sein. Die vorgenannten, überwiegend anhand des Beschäftigungsziels dargelegten Erwägungen gelten in ähnlicher Weise auch bei den übrigen Zielen. 2) Ein besonderes Problem taucht noch bei der Quantifizierung der Zielsetzung eines stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstums au!, sofern nicht Zyklus und Trend als voneinander unabhängig angenommen werden. Bei einem günstigen Zusammenhang zwischen Stetigkeit und 1) Mit umgekehrtem Vorzeichen gilt dies auch für den vom Wissenschaftlichen Beirat beim BMW propagierten Index der konjunkturellen Beschäftigung, der u. a. auf entsprechende Vermutungen über die Erwerbsquoten angewiesen ist. Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim BMW, Grundfragen der Stabilitätspolitik, in: Bulletin des Presseund Informationsamts der Bundesregierung, Nr. 44, 13.4.1973, B. II. 1. -12., s. 406-409. 2) Zu den unterschiedlichen Einfiüssen au! den Preisindex der Lebenshaltung in der Bundesrepublik Deutschland vgl. z. B. Scher!, Harald, Warum ist der Anstieg des Preisindex' für die Lebenshaltung so "gering"?, in: Volkawirtschaftliche Korrespondenz der AdolfWeber-Stiftung, 13. Jahrgang, Nr. 7, 1974.
-91 - Höhe der Wachstumsrate 1) ist jede Glättung des Ablaufs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität auch dem Wachstumsziel förder lieh. Dies impliziert Zielharmonie zwischen den anderen drei konjunkturpolitischen Zielen und dem soeben betrachteten. Wird jedoch das Umgekehrte vermutet, so ist eine Abstimmung zwischen Stetigkeit und Höhe der Wachstumsrate unerläßlich und eine entsprechende Berücksichtigung dieses Zielkompromisses bei der Quantifizierung der übrigen drei konjunkturpolitischen Ziele, so daß u. U, das gewünschte Ausmaß der Glättung von Konjunkturschwankungen geringer als das mittels konjunkturpolitischer Maßnahmen erreichbare ist. Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß bei der Definition konjunkturpolitischer Ziele Annahmen über bei konjunkturellem Gleichgewicht herrschende Bedingungen erforderlich und allgemeine Wertvorstellungen von Bedeutung sind. Für jedes der angestrebten konjunkturpolitischen Ziele läßt sich fe&ti,tellen, ob es erreicht oder verletzt ist, indem ermittelt wird, ob der für einen bestimmten Zeitraum ausgewiesene tatsächliche Wert innerhalb oder ausserhalb des Optimalbereiches liegt. Werden Reihen, die konjunkturpolitische Ziele wiedergeben, als Indikator für formula flexibility gewählt, so läßt sich auf diese Weise konstatieren, ob - beim Startindikator - eine Fehlentwicklung zu verzeichnen ist oder nicht und - beim Schlußindikator - ob sie beseitigt worden ist. Gleichfalls kann das Ausmaß der Fehlentwicklung - auch seine Veränderung - anhand der Entfernung des tatsächlichen Wertes von der Grenze des Optimalbereichs abgelesen werden, eine zur Bestimmung des Ausmaßes der auszulösenden Maßnahmen unerläßliche Information. 1) Eine positive Beziehung zwischen Stetigkeit und Höhe der Wachstumsrate nehmen z. B. Okun und der Wissenschaftliche Beirat beim BMW an; Neumark und Bombach lassen daiiegen die Art des Zusammenhangs offen. Vgl. Okun, Arthur M., Potential GNP: Its Measurement and Significance, in: Okun, Arthur M., The Political Economy of Prosperity, Washington 1969, S. 134, Wissenschaftlicher Beirat beim BMW Grundfragen der Stabilitl tspolitik, B. II. 14., S. 409, Neumark, Frit~, Fiskalpolitik und Wachstumsschwankungen, S, 24 f, Bombach, Gottfried, Trend, Zyklus und Entwicklung des Preisniveaus, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Band 105, 1970, S. 257-260.
-92 - b) Zur Anzahl konjunkturpolitischer Ziele Einer weiteren Entscheidung bedarf es bei antizyklischen Regelmechanismen, da auch die Anzahl der anzustrebenden Ziele festzulegen und das Verfahren für den Fall mehrerer mittels formula flexibility zu sichernder Ziele zu bestimmen ist. Die Verfolgung nur eines konjunkturpolitischen Ziels durch einen antizyklischen Regelmechanismus kann durch mehrere, sich teilweise gegenseitig ausschließende Erwägungen begründet sein. Denkbar ist, daß die anderen konjunkturpolitischen Ziele als irrelevant angesehen werden, weil die allgemeinen Wertvorstellungen, aufgrund derer si.e als wünschenswert gelten, nicht geteilt werden. Auch könnte u. U. unterstellt werden, daß die anderen konjunkturpolitischen Ziele bereits ohne formula flexibility verwirklicht seien, so etwa, wenn angenommen wird, daß das Wirtschaftssystem so gestaltet sei, daß es ihre Realisierung von sich aus, d, h. ohne konjunkturpolitische Maßnahmen sichere oder aber vermutet wird, daß andere Instrumente oder Institutionen für die Verwirklichung der übrigen konjunkturpolitischen Ziele sorgten. Auch bei Zielharmonie kann es genügen, nur ein Ziel explicite mittels formula flexibility anzustreben. In all den genannten Fällen wird die Vernachlässigung der übrigen konjunkturpolitischen Ziele bei formula flexibility entweder durch entsprechende allgemeine Wertvorstellungen oder durch realiter herrschende Gegebenheiten erklärt. Dem Falle, bei dem nur ein konjunkturpolitisches Ziel durch einen antizyklischen Regelmechanismus angestrebt wird, steht derjenige nahe, bei dem formula flexibility zwar der Realisierung mehrerer konjunkturpolitischer Ziele dienen soll, aber angenommen wird, daß innerhalb des Zeitraums, für den die Regel gelten soll, zum gleichen Zeitpunkt stets nur eines der Ziele verletzt sein wird. Dies ist z. B. bei den einfachen Modellen des Teils B dieser Arbeit unterstellt worden. Abweichungen des tatsächlichen Sozialprodukts vomAusgangswertdes konjunkturellen Gleichgewichts stellten hierbei - je nach der Richtung der Divergenz - Verletzungen der Preisniveaustabilität oder der Vollbeschäftigung dar.
-93 - Zusätzlich zu den Schwierigkeiten, die bei der Definition konjunkturpolitischer Ziele auftauchen, ergeben sich Probleme, wenn formula flexibility für die Verwirklichung mehrerer Ziele sorgen soll, von denen angenommen wird, daß sie gleichzeitig verletzt sein können. Zwei unterschiedliche Verfahren stehen dann zur Debatte. Dem Ansatz von Hansen und Tin bergen zufolge 1) ist jedem konjunkturpolitischen Ziel ein Instrument zuzuordnen; hierbei kommt es darauf an, solche Instrumente zu finden, die sich möglichst wenig in ihren Wirkungen beeinträchtigen. Es kann dann für jedes der anzustrebenden Ziele so verfahren werden wie bei nur einem: Die Zielerreichung bzw. -verletzung läßt sich aus einem Vergleich der tatsächlichen mit den Optimalwerten ersehen. Gemäß dem Theilschen Ansatz 2) ist für die anzustrebenden konjunkturpolitischen Ziele eine Funktion aufzustellen, die eine Substitution zwischen dem Grad der Verwirklichung der einzelnen Ziele zuläßt. Die Substitutions raten spiegeln das den einzelnen konjunkturpolitischen Zielen zugemessene Gewicht wider. Die verschiedenen konjunkturpolitischen Ziele werden mittels eine-s ihnen gemeinsamen Wertmaßstabes, der "Wohlfahrt", gleichnamig gemacht; damit reduziert sich die Verfolgung mehrerer konjunkturpolitischer Ziele auf nur eines, und eine Fehlentwicklung stellt dann die Verletzung eines komplexen ''Wohlfahrts"maßes dar. Beim Theilschen Verfahren gilt es, die Zielfunktion bei Beachtung der Restriktionen, d. h. der durch das Modell gegebenen realisierbaren Möglichkeiten - das Analogon in der Haushaltstheorie bildet die Budgetlinie - zu maximieren. 3) Hierbei werden die Restriktionen als gegeben angenommen. Beim Ansatz von Hansen und Tinbergen gelten dagegen die Ziele als starr festgelegte "absolute ends". 4) Es mag einiges dafür sprechen, 1) Vgl. hierzu Tinbergen, Jan, S. 53-56, Hansen, Bent, Tue Economic Theory of Fiscal Policy, S. 3-29, auch Peacock, Alan T.; Shaw, G. K., s. 141-151, 2) Vgl. hierzu Theil, Henri, S. 18-23, auch Peacock, Alan T.; Shaw, G. K. , S. 141 f, 152-159. 3) Wird die Prlferenzfunktion mit Hilfe von Abweichungen von den Optimalwerten dargestellt, so sind diese Abweichungen zu minimieren. 4) Vgl. Hansen, Bent, The Economic Theory of Fiscal Policy, S. 12
-94 - die Restriktionen - vor allem für einen mittelfristigen Zeitraum - als nicht unwandelbar anzusehen, also das Verfahren von Hansen und Tinbergen vorzuziehen. Hansen schlägt für den Fall, daß die Fixziele nicht gleichzeitig erfüllt werden können, vor, nach neuen Instrumenten sowie Möglichkeiten zur Verbesserung des Wissens über das Wirtschafts1) system zu suchen. Dem kann entgegengehalten werden, daß - vor allem kurzfristig - solche Möglichkeiten nur in gewissen Grenzen bestehen dürften. Da bei einem antizyklischen Regelmechanismus die Entscheidung für eines der beiden Verfahren vorab für einen acht bis zehn Jahre währenden Zeitraum gefällt werden muß, ist bei Verwendung des Ansatzes von Hansen und Tinbergen vorweg sicherzustellen, daß für den relevanten Zeitraum stets eine Lösung gefunden werden kann, da unmöglich im vorhinein eine Verfahrensvorschrift für die Suche nach neuen Instrumenten oder zu tätigende Forschungen angegeben werden kann, dieser Fall also der Auslösung der Suspensionsklausel gleichkommt. Dies kann versucht werden, indem den im relevanten Zeitraum für unlösbar gehaltenen Zielkonflikten bei der Quantifizierung der Ziele Rechnung getragen wird, diese also weniger "ehrgeizigu definiert werden. Gleichzeitig ist dabei allerdings zu bedenken, daß die Quantifizierung auch nicht tatsächlich bestehende Realisierungsmöglichkeiten ungenutzt lassen darf, Wird das Theilsche Verfahren gewählt, so sind für alle im genannten Zeitraum möglicherweise auftauchenden Problemlagen die Substitutionsraten zwischen den angestrebten Zielen zu bestimmen und die Kriterien für die Änderung der Restriktionen anzugeben. Bel den bisherigen Ausführungen ist davon ausgegangen worden, daß - nach einem vorab festgelegten Modus - laufend ermittelt wird, ob die angestrebten konjunkturpolltlschen Ziele erreicht oder verletzt sind. Gleichfalls denkbar ist, daß statt dessen versucht wird, im vorhinein die Wirkungen unterschiedlicher Maßnahmen auf die als erWünscht geltenden konjunkturpolitlschen Ziele abzuschätzen und dann aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchungen eine im Sinne der Zielfunktion optimale Formel auszuwählen. Bel einem solchen Verfahren werden die bisher dargelegten 1) Vgl. dto, S. 25 - 27.
-95 - Probleme noch um die Schwierigkeiten vermehrt, die damit zusammenhängen, daß die Wirkungen konjunkturpolitischer Maßnahmen für einen längeren Zeitraum in adäquater Weise bestimmt werden müssen, womit bereits im nächsten Abschnitt zu behandelnde Probleme berührt werden, c) Produktionspotential und konjunkturpolitische Ziele Wie bereits angemerkt, wird im folgenden aufzuzeigen versucht, welche Wege sich zur Lösung der bereits behandelten Probleme bieten, wenn das Produktionspotential das konjunkturpolitische Ziel darstellt. Das Produktionspotential stellt die "mögliche" Produktion dar. Es lassen sich, je nachdem, ob damit "überhaupt realisierbar" oder möglich im Sinne einer wünschenswerten Entwicklung gemeint ist, unterschiedliche Begriffe ableiten: die technisch maximale Produktion oder die bei bestimmten Annahmen über den Faktoreinsatz, etwa bei einer gewissen Begrenzung der Schichtarbeit, mögliche Produktion; die bei hohen Preissteigerungen oder die bei Preisniveaustabilität mögliche Produktion. Doch wird in der Regel der Begriff des Produktionspotentials im Sinne der wünschenswerten von dem der technisch maximalen Produktion, der "capacity'; abgegrenzt und definiert als "a measure of the goods and services that could be produced at a reasonably stable price level with the use of best available technologies, least-cost combinations of inputs, and rates of utillzation of both capital and labor consistent with the prevailing full-employment norme of the economy, ,,l) Aus dieser Definition erhellt, daß mit der Schätzung des Produktionspotentials wenigstens zwei der konjunkturpolitischen Ziele, nämlich Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität, berührt werden. Somit stellen sich alle mit der Definition dieser beiden Ziele verbundenen Probleme gleichfalls bei einer Ermittlung des Produktionspotentials. Jedoch ist es hiermit nicht getan, gilt es doch außerdem, die bei Zielerfüllung erreichbare Produktion abzuschätzen, was auf die Aufstellung der Produk1) Vgl. Levy, Michael E., Fiscal Policy, Cycles and Growth, New York 1963, S. 59 f,
- 96 - tionsfunktion der betrachteten Wirtschaft bei konjunkturellem Gleichgewicht hinausläuft. Dabei kann auch die dann tatsächlich bestehende außenwirtschaftliche Verflechtung von Bedeutung sein, doch werden außenwirtschaftliche Verbindungen ihrerseits nicht als Ziel gesetzt. Die vom Konzept her befriedigende, glt!ichwohl auch faktisch schwierigste Lösung über die Aufstellung einer gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion unterbleibt bei vereinfachten Schätzverfahren, die z. B. vom Einsatz nur eines Produktionsfaktors und seiner Produktivität 1) ausgehen. Da bei der Aufstellung eines antizyklischen Regelmechanismus Entscheidungen für einen mittelfristigen Zeitraum getroffen werden müssen, genügt die Schätzung des kurzfristigen Produktionspotentials, d. h. der bei gegebener Faktorausstattung und vorhandenem technischem Wissen mög2) .. liehen Produktion, nicht. Der Anderung dieser Faktoren muß Rechnung getragen werden, sei es, daß das Produktionspotential für den relevanten Zeitraum vorab quantifiziert, sei es, daß das Verfahren zu seiner Schätzung festgelegt wird. Bei der letzteren Methode muß angegeben werden, auf welche Weise Änderungen der Faktorausstattung und des technischen Wissens berücksichtigt werden sollen, so daß zum jeweiligen Zeitpunkt lediglich die dann angefallenen Daten einzusetzen sind. Mit der Bestimmung des Produktionspotentials für einen mittelfristigen Zeitraum, die eingangs unterstellten acht bis zehn Jahre, rückt zugleich als drittes Ziel das Wachstumsziel ins Blickfeld. Bei der Quantifizierung der angestrebten Wachstumsrate des Produktionspotentials taucht auch hier wieder das Problem des Zusammenhangs zwischen Höhe und Stetigkeit der Wachstumsrate, d. h, zwischen Zyklus und Trend, auf. In einer Welt der Ungewißheit ist auch hier ein Optimal b er eich festzulegen; mit der Wahl eines symmetrischen oder asymmetrischen Korridors kann dann versucht werden, der Wertschätzung der Preisniveauoder Beschäftigungszielsetzung Ausdruck zu verleihen. Ob dies tatsächlich 1) Vgl. hierzu im einzelnen Levy, Michael E. , S. 6472. 2)Vgl, Levy, MichaelE., S. 61.
- 97 - gelingt, hängt allerdings auch davon ab, ob die Produktionsbeziehungen annähernd "richtig" abgeschätzt worden sind. Die gleichen Probleme wie die vorstehend aufgeführten stellen sich bei einer "indirekten" Schätzung des Produktionspotentials in zwei Schritten, der Ermittlung der technischen Kapazität und der Festlegung des optimalen Auslastungsgrades. Lediglich die Reihenfolge, in der die auftauchenden Probleme angegangen werden, ist dabei vertauscht, da es zunächst die Produktionsbeziehungen abzuschätzen und danach die Optimalsituation zu bestimmen gilt. Dem Produktionspotential als dem Ausdruck für die Optimalsituation kann als Maßstab für die tatsächliche ökonomische Aktivität entweder das reale ("Güterlücke" bzw. "-überschuß") oder das nominale Sozialprodukt gegenübergestellt werden. Unterschiede zwischen gewünschtem und tatsächlichem Niveau der gesamtwirtschaftlichen Aktivität sind dann Zielverletzungen. Durch den Vergleich des Potentials mit einer der beiden Makrogrößen bieten sich weitere Möglichkeiten, konjunkturpolitische Ziele auf unterschiedliche Weise zu berücksichtigen. Bei der Differenz zwischen Produktionspotential und realem Sozialprodukt ist die tatsächlich zu verzeichnende Preissteigerung irrelevant, es sei denn, sie gehe stets mit einem Güterüberschuß einher. Wird dagegen das nominale Sozialprodukt dem Produktionspotential gegenübergestellt und sind die Preissteigerungen nicht unerheblich, so wird bei niedrigerem Sozialprodukt als es dem Potential entspricht sowohl realen als auch monetären Zielsetzungen in einer Mischung Rechnung getragen. Sobald das nominale Sozialprodukt das Produktionspotential erreicht hat, wird allein das Ziel der Preisniveaustabilitä t berücksichtigt; die Beschäftigungssituation ist dann irrelevant. Beide Vergleiche führen nur dann zu identischen Ergebnissen, wenn Preissteigerungen ausschließlich nachfragebedingt und damit zum gleichen Zeitpunkt nur eines der beiden Ziele, Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung, verletzt ist. Bei der Schätzung des Produktionspotentials werden drei der konju11kturpolitischen Ziele angesprochen. Selbst wenn es gelänge, die Produktionsbeziehungen bei Zielerreichung in adäquater Weise zu treffen, so stellt
- 98 - das Potential bereits das Ergebnis einer Mischung aus mehreren Zielen dar. Die für die beiden Ziele Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung gehegten Präferenzen können sich außerdem bei der A bsteckung des Optimalbereiches und der Auswahl des Maßstabs für die tatsächliche ökonomische Aktivität, mit der das Produktionspotential verglichen wird, niederschlagen. Sind Preissteigerungen nicht nur nachfrage bedingt und wird realistischerweise angenommen, daß in einer Welt der Ungewißheit bei der Aufstellung der gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion Fehler unterlaufen, so können sich hinter den Abweichungen des Sozialprodukts vom Produktionspotential, also den Fehlentwicklungen, vielfältige, auf die einzelnen konjunkturpolitischen Ziele bezogene Verletzungen verbergen. Doch wird dies bei der Unzahl möglicher Einflußfaktoren im einzelnen kaum zu überschauen sein, so daß die ermittelten Fehlentwicklungen im Hinblick auf die Verletzung der einzelnen konjunkturpolitischen Ziele einem Chamäleon gleichen. d) Zur Operationalisierung des Konjunkturbegriffs Als nächstes der eingangs erwähnten, im Rahmen eines antizyklischen Regelmechanismus zu lösenden Probl~me wird dasjenige der Operationalisierung des Begriffs der Konjunkturschwankungen, also der genaueren Bestimmung des mittels formula flexibility zu bekämpfenden Phä nomens, diskutiert. Soll der Begriff der Konjunktur als kurzfristige Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität präzisiert werden, so sind mehrere Entscheidungen zu treffen. Es ist zu bestimmen, ob darunter - bei einem in einer wachsenden Wirtschaft positiven Trend ökonomischer Aktivitäten - nur Schwankungen zwischen positiven und negativen Veränderungsraten, 1) sog. "klassische" Zyklen oder auch Wachstumsschwankungen, d. h. Zyklen mit unterschiedlichen, aber stets positiven Wachstumsraten zu verstehen sind. In einer wachsenden Wirtschaft impliziert die Entscheidung für klassische Zyklen eine asymmetrische Festlegung der 1) Werden diese auf Halbjahres-, Quartalsoder Monatswerte bezogen, so braucht dies für das betreffende gesamte Jahr keinen absoluten Rückgang zu bedeuten.
- 105 - Signalisiert der Schlußindikator, daß die ausgelösten Maßnahmen aufzuheben seien, muß einerseits die Fehlentwicklung wieder beseitigt sein - die gegebenenfalls noch verbleibenden Wirkungen der Maßnahmen sind dabei in Rechnung zu stellen -,andererseits muß aber auch ein "overshooting" verhindert werden. Sollen die ausgelösten Maßnahmen für einen im voraus fixierten Zeitraum - beispielsweise sechs Monate - gelten, so muß bei nicht ausreichender Wirkung der im Formelgesetz vorgesehenen ersten Maßnahme der Startindikator am Ende der festgelegten Frist weitere Maßnahmen signalisieren usw., bis das konjunkturelle Gleichgewicht wieder erreicht wird. Anders als im Falle eines explicite festgelegten - optimalen - Schlußindikators ist jedoch mit der vorab festgesetzten Zeitspanne ein "overshooting" nicht ausgeschlossen. Darüber hinaus dürfen die beiden Indikatoren keine widersprüchlichen Signale abgeben. Um diesen Bedingungen zu genügen, müssen Startund Schlußindikator die konjunkturelle Lage und weitere Entwicklung stets "richtig" diagnostizieren bzw. prognostizieren und in Werte der Zielrealisierung ("konjunkturelles Gleichgewicht", "Fehlentwicklung") umwandeln. Der optimale Prognosezeitraum entspricht beim Startindikator der Zeitspanne zwischen der Auslösung und den Wirkungen der Maßnahmen, beim Schlußindikator der Spanne bis zum Ende der Maßnahmenwirkungen. Es bleibt anzumerken, weshalb bei den Darlegungen im Rahmen dieses Kapitels nicht beim Startindikator entsprechend der Argumentation im Teil B dieser Arbeit nach der Art der zu ergreifenden - prophylaktischen oder repressiven - Politik 1) unterschieden worden ist. Eine solche Abgrenzung war in den dort untersuchten einfachen Modellen, jedenfalls sofern es sich um dynamische handelte, von einer Ausnahme 2) abgesehen, in eindeutiger Weise möglich. Es wurde von einem be1) Vgl. S. 22. 2) Es handelte sich dabei um die Verhinderung endogener Schwankungen des Sozialprodukts, also die Gewinnung dynamischer Stabilität. Vgl. S. 35.
- 106 - kannten, waagerechten Pfad des konjunkturellen Gleichgewichts ausgegangen. Eine Unterscheidung wäre auch bei einer in einer wachsenden Wirtschaft ansteigenden Linie des konjunkturellen Gleichgewichts in eindeutiger Weise möglich. Doch wird in diesem Teil der Arbeit nicht nur eine wachsende Wirtschaft, sondern auch eine Welt der Ungewißheit unterstellt. Dabei ist sinnvollerweise ein Gleichgewichtsbereich anzunehmen. Dies bedeutet jedoch, daß eine sachlich identische Politik umso eher als II prophylaktisch II bezeichnet werden kann, je großzügiger der Optimalbereich definiert wird, da dann erst verhältnismäßig spät tatsächliche Verletzungen des konjunkturellen Gleichgewichts zu verzeichnen sind. 1) Beispielsweise würde in der auf S. 102 wiedergegebenen Grafik eine Politik, bei der der kritische Wert in Höhe des Punktes C festgelegt worden ist, als '' repressiv II bezeichnet. Dieselbe Politik könnte "prophylaktisch" genannt werden, wenn die Grenze des Gleichgewichtsbereichs über Punkt C verliefe. Zudem kann auch bei einem gleich großen Optimalbereich ein und dieselbe Politik in sachlicher Hinsicht das eine Mal als '' repressiv", das andere Mal als II prophylaktisch II gewürdigt werden, je nachdem, ob sie auf eine bereits eingetretene Fehlentwicklung geringen Ausmaßes (im obigen Schaubild die Divergenz zwischen Punkt C und der Grenze des Optimalbereichs) oder aber eine zum gleichen Zeitpunkt größere drohende (der Abstand zwischen Punkt C' und der Grenze des Optimalbereichs) bezogen wird. Dieser in der Wirklichkeit wenig eindeutigen Abgrenzung halber ist die Unterscheidung zwischen II repressiver" und 11 prophylaktischer" Politik in diesem Teil der Arbeit unterblieben?) es soll dafür lediglich von einer möglichst "rechtzeitigen", also "nicht zu späten", prozyklisch wirkenden Bekämpfung einer Fehlentwicklung gesprochen werden. 1) Unterschiedlich strenge Definitionen des konjunkturellen Gleichgewichts sind auch der Grund für den bereits genannten, einzigen, nicht eindeutig abgrenzbaren Fall bei den Modellen des Teils B. 2) Erstaunlich ist immerhin, daß gerade umgekehrt diese, in der empirischen Konjunkturdiskussion gängige Unterscheidung m. E. bisher in modelltheoretische Abhandlungen keinen Eingang gefunden hat.
- 107 - g) Zu statistischen Problemen Zu den bereits behandelten Problemen, die bei der Festsetzung des Startbzw. Schlußsignals einer Lösung harren, kommt hinzu, daß aus den tatsächlich anfallenden Daten als Produkt mehrerer Ursachen der "konjunkturelle Faktor" zu isolieren ist. Es sind zahlreiche Verfahren zur Eliminierung von Saisonschwankungen, wachstumsbedingten und "zufälligen" Einflüssen entwickelt worden, von denen einige kurz geschildert werden. Außerdem ist, was im folgenden nicht weiter ausgeführt wird, zu klären, ob die vorläufigen oder die später revidierten Daten verwendet werden sollen. Das Problem der Ausschaltung saisonaler Einflüsse stellt sich bei Halbjahres-, Quartalsoder Monatsdaten. Wird ein im Zeitablauf absolut (relativ) konstanter Saisonfaktor angenommen, so kann mit den entsprechenden absoluten (relativen) Werten des Vorjahres oder einem Durchschnitt aus mehreren Vorjahreswerten verglichen werden, Für die beiden anderen Komponenten, Trend und "Zufall" muß ebenfalls ein absolut (relativ) konstanter Faktor unterstellt werden, um die Werte, die sich aus diesem Vergleich ergeben, als konjunkturelle Komponente interpretieren zu können. 1) Komplexere Verfahren zur Eliminierung saisonaler Einflüsse, wie etwa das Verfahren des National Bureau of Economic Research (NEER), gehen dagegen von im Zeitablauf variablen 2) Faktoren aus. Werden zur Ausschaltung wachstumsbedingter Einflüsse gleitende Durchschnitte über längere Zeiträume hinweg berechnet, so kann für die Hälfte des langen Stützbereichs, d. h. der Zeitspanne, für die der gleitende 1) So wendet sich beispielsweise Shiskin gegen Vorjahresvergleiche: "a cycle-trend-seasonal-irregular composite for each month is devided by a similar composlte for the same month one year back. " Vgl. Shiskin, Jullus, Electronic Computers and Business Indicators, in: Moore, Geoffrey H. (Hrsg.), Business Cycle Indicators, Band 1, Princeton 1961, S, 526. 2) Vgl. Shiskin, Julius; Young, Allan H.; Musgrave, John C,, The X-11 Variant of the Census Method II Seasonal Adjustment Program, Technical Paper Nr. 15 des U. S. Department of Commerce, Bureau of the Census, Washington 1967, S. 1, 6, auch Evans, Michael K., Macroeconomic Activity, New York, Evanston, London 1969, S. 451 f.
- 108 - Durchschnitt berechnet wird, kein Trendwert ermittelt werden; jener muß - und dies gerade bei den für formula flexibility benötigten neuesten Daten - extrapoliert werden. Damit scheidet dieses Verfahren für die laufende Ermittlung aus, es sei denn, der zuletzt ermittelte Trendwert wird, anders als soeben unterstellt, an die Stelle des neuesten Wertes des Stützbereichs gerückt. Als besonders vieldeutig erweist sich die sog. erratische Komponente. Hinter dieser können sich zunächst die bei Massenerscheinungen zu erwartenden 11 Zufälligkeiten" verbergen. Soweit diese sich nicht gegenseitig kompensieren, kann ihre Eliminierung mit Hilfe eines der statistischen Verfahren versucht werden, etwa durch die Bildung gleitener 3-Monats-Durchschnitte oder der Berücksichtigung der sog. Months for Cyclical Dominance. Bei letzteren wird der laufende Wert mit einem früheren verglichen; die Zeitspanne ist umso länger, für je erratischer eine Reihe gehalten wird, da bei dem Verfahren davon ausgegangen wird, daß im Zeitablauf der zyklische Faktor über den erratischen die Oberhand gewinnt. 1) Doch können sich hinter den "zufälligen" Erscheinungen auch einzelne Vorgänge oder Ereignisse verbergen, denen gegenüber die geschilderten Verfahren versagen, wie etwa Streiks, Krisen, Kriege usw. Dabei ist die Grenze zwischen beiden Arten des "Zufalls" fliessend. Bei der Wahl statistischer Verfahren zur Ausschaltung der nicht-konjunkturellen Komponenten gilt es, das Problem zu lösen, welche der notwendigerweise anzuwendenden statistischen Verfahren die dahinter stehenden Ursachen am besten bzw. am wenigsten schlecht treffen. Dabei wird die Entscheidung für eines der Verfahren auch von den jeweiligen institutionellen Regelungen, der Produktionsstruktur und den Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte abhängen. Werden die anfallenden Daten nicht bereinigt, so müssen die kritischen Werte der Indikatoren für formula flexibility entsprechend festgelegt werden, ein umständlicheres Verfahren; beispielsweise sind dann saisonal unterschiedliche kritische Werte zu bestimmen, um Saison1) Vgl. hierzu im einzelnen Shiskin, Julius, Electronic Computers and Business Indicators, S. 535-546.
- 109 - schwankungen zu eliminieren, Für die bei Massenerscheinungen zu erwartenden" Zufälligkeiten" bietet sich zusätzlich zur Ausschaltung solcher Einflüsse mittels eines statistischen Verfahrens eine entsprechend "vorsichtige" Festsetzung der kritischen Werte und der Dauer ihrer Überschreitung an. Was die Auswirkungen einzelner Vorgänge oder Ereignisse wie der oben genannten betrifft, so erscheint es sowohl denkbar, daß sie als diejenigen "exogener" Faktoren einbezogen, wie auch, daß sie ausgeschaltet werden sollen. Doch ist bei der Aufstellung der Regel eine Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen, wie dabei verfahren werden soll. Darüber hinaus können einige der oben angeführten Tatbestände ihrerseits zur Modifikation oder gar Aufhebung des Regelmechanismus führen. Auch die Bedingungen hierfür sind in einer Revisionsbzw. Suspensionsklausel im Gesetz festzulegen.
-110 - 2, Einige ausgewählte Indikatoren - Darstellung und Kritik Im folgenden werden, wie bereits erwähnt, einige Indikatoren für antizyklische Regelmechanismen dargestellt und anhand der bisherigen Darlegungen untersucht. Hierfür sind einige in der älteren amerikanischen Literatur, d, h. in den vierziger und fünfziger Jahren unterbreite1) te Vorschläge und die von Pack für die USA erörterten Möglichkeiten zur Ausgestaltung von Indikatoren für formula flexibility ausgewählt worden, Außerdem wird ein von Besters 2) für die Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagener Indikator für einen antizyklischen Regelmechanismus diskutiert. Im Anschluß daran wird untersucht, ob der Gesamtindikator des SVR (GI-SVR) 3) im Rahmen von formula flexlbility Verwendung finden könnte; allerdings handelt es sich bei diesem Indikator - wie auch bei den anderen im Zusammenhang mit ihm dargestellten Indikatoren, den Gesamtindikatoren des DI (GI-DI) 4) und des Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Instituts des DGB (GI-WSI) 5) sowie dem Mengenund dem Kosten und Preisindikator des SVR 6) - um keinen für einen antizyklischen Regelmechanismus konstruierten Indikator. 1) Vgl, Pack, Howard, S, 8-15, 39 f. 2) Vgl. Besters, Hans, Stabilitä tspolitik muß nicht weh tun, in: Die Wirtschaftswoche, 24, Jahrgang, Nr, 48, 1970, S, 76-80, sowie ders., Schutz vor Fehlprognosen, in: Die Wirtschaftswoche, 25, Jahrgang, Nr. 8, 1971, S, 42 f. 3) Vgl, SVR, Jahresgutachten 1970, Bundestagsdrucksache VI/1470, Tz. 142-145, S, 51 f; S. 124 f, 4) Vgl. Sturm, Manfred, Ein Gesamtindikator zur Konjunkturdiagnose, in: Berichte des DI, 5. Jahrgang, Nr, 9, 1971, S. 20-22, 35-41. 5) Vgl, Pütz, Heinz; Simmert, Diethard B., Ein Gesamtindikator zur Konjunkturdiagnose: Der WSI-Konjunkturindikator, in: WWIMitteilungen, 25, Jahrgang, 1972, S, 24-27, im folgenden zitiert als Pütz, Heinz; Simmert, Diethard B, , Ein Gesamtindikator ... , sowie dies. , Ansätze zur Weiterentwicklung des Gesamtindikators zur Konjunkturdiagnose: Der WSI-Konjunkturindikator, in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 1, Jahrgang, 1972, S, 273-275, im folgenden zitiert als Pütz, Heinz: Simmert, Diethard B., Ansätze zur Weiterentwicklung ... 6) Vgl, SVR, Jahresgutachten 1971, Bundestagsdrucksache VI/2847, s. 155, 163,
- 111 - 2, 1. Indikatorvorschläge für "formula flexibility" in der älteren amerikanischen Literatur a) Darstellung Die einfachste Version der formula flexibility läßt sich dadurch kennzeichnen, daß mit ihrer Hilfe nur ein konjunkturpolitisches Ziel angestrebt wird und die Reibe, die diese Zielgröße wiedergibt, zum Startbzw. Schlußindikator erkoren wird. Dies gilt beispielsweise für die in einem Bericht der Vereinten Nationen (UN-Report/) vorgeschlagenen Indikatoren für einen antizyklischen Regelmechanismus. Hierbei sollen expansive Maßnahmen dann ausgelöst werden, wenn die - gegebenenfalls saisonbereinigte - Arbeitslosenrate für drei aufeinanderfolgende Monate den als Vollbeschäitigung definierten Bereich um eine bestimmte Spanne überschritten hat. Einern solchen Startindikator wird allerdings in der erwähnten Schrift ein sich an der Arbeitslosenrate in den konjunkturabhängigen Wirtschaftszweigen orientierender vorgezogen, wobei dann ein höherer kritischer Wert festzusetzen ist, der entsprechend dem Kehrwert des Anteils der Beschäftigten in jenen Sektoren an der Gesamtzahl der Beschäftigten zu bemessen ist. Das Ausmaß der Maßnahmen könnte möglicherweise noch anhand einer Skala von kritischen Werten variiert werden. Die Maßnahmen sollen aufgehoben werden, wenn die Arbeitslosenquote in den konjunkturabhängigen Bereichen während einer genauer zu bezeichnenden Zeitspanne unter dem Mittelwert des Vollbeschäftigungsbereichs gelegen hat. Eine quantitative Festlegung des Optimalbereichs, des Schlußindikators und des kritischen Wertes des Startindikators wie auch einer Skala von kritischen Werten wird unterlassen, da sie von den Verhältnissen des jeweiligen Landes, in dem der antizyklische Regelmechanismus eingeführt würde, abhängt. Das Kriterium für die Bestimmung des Vollbel) Zum folgenden vgl. United Nations, Department of Economic Affairs, National and International Measures for Full Employment, New York, 1949, S, 40 f, 74, 81-84, im folgenden zitiert als UN-Report.
-112 - schäftigungsbereichs soll sein, die niedrigste Arbeitslosenrate zu finden, die in Anbetracht struktureller Wandlungen und saisonaler Bewegungen aufrechtzuerhalten in dem betreffenden Land vernünftigerweise erhofft werden kann. Die Bemessung des kritischen Wertes soll so erfolgen, daß er ein eindeutiges Anzeichen deflationärer Tendenzen darstellt. Als Anhaltspunkt für eine nachhaltige Bewegung gilt die drei Monate währende Überschreitung des kritischen Wertes, Zur Veranschaulichung findet sich ein Zahlenbeispiel, bei dem eine Arbeitslosenrate zwischen 2 und 4 v. H. den Optimalbereich absteckt und der kritische Wert des Startindikators in Höhe einer Arbeitslosenquote von 5, 5 v. H. oder aber von 8 v. H. in den konjunkturabhängigen Wirtschaftszweigen festgesetzt wird, wobei unterstellt wird, daß die Hälfte aller Beschä ftigten in jenen Bereichen tätig ist. Zur Suspension des antizyklischen Regelmechanismus wird eine Klausel vorgeschlagen, die es der Exekutive ermöglicht, die im Formelgesetz festgelegten Maßnahmen zu verhindern, wenn es offenkundig sei, daß eine Zunahme der Arbeitslosigkeit nicht durch eine gesunkene effektive Nachfrage verursacht worden ist. Der Regierung wird dabei die Verpflichtung auferlegt, die Gründe für den Eingriff in den Regelmechanismus darzulegen. Die Arbeitslosenquote, aber auch die absolute Anzahl Arbeitsloser werden zur damaligen Zeit auch sonst häufig als mögliche Indikatoren für formula flexibility erwähnt. l )Gewissermaßen als Nachzügler in dieser Hinsicht kann der Vorschlag von Schifr2) bezeichnet werden, die Beendigung von - allerdings diskretionär ergriffenen - Maßnahmen an den Index der Arbeitslosigkeit zu koppeln. Eine quantitative Fixierung der kritischen Werte findet sich in einer Ver1) Vgl. z.B. Shaw, Edward S. und Due, John F., in: Joint Committee on the Economic Report, A Compendium of Materials on Monetary, Credit and Fiscal Policies, Washington 1950, S. 403, 411. 2) Vgl, Schiff, Frank W,, Alternative Tax and Spending Policies 1971-1976, in: Giersch, Herbert (Hrsg,), Fiscal Policy and Demand Management - Fiskalpolitik und Globalsteuerung, Tübingen 1973, S, 191.
- 113 - öffentlichung von Hagen aus dem Jahre 1948, 1) Er nennt, jedoch lediglich als hypothetisches Beispiel, eine drei Monate anhaltende, 4 Millionen übersteigende Anzahl der Arbeitslosen oder ein Überschreiten der 6 Millionen-Grenze für einen Monat als Signal für expansive Maßnahmen, die nach zwei weiteren Monaten ausgelöst werden sollen, um der administrativ, etwa durch die Verteilung neuer Steuerformulare, bedingten Verzögerung Rechnung zu tragen. Die Maßnahmen sind gegebenenfalls in stetiger Weise anhand der wachsenden Anzahl Arbeitsloser zu verändern, doch hat Hagen die dafür erforderliche Skala von kritischen Werten nicht quantifiziert. Zur Aufhebung der expansiven Maßnahmen müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Zahl der Arbeitslosen muß unter 2, 5 Millionen Personen gefallen und der Konsumgüterpreisindex wä hrend sechs Monaten um wenigstens 3 v. H. gestiegen sein. Sieben Jahre später führt derselbe Auto/) leicht veränderte quantitative Werte für das Startsignal an, das erst dann den Alarm auslösen soll, wenn mehr als 4, 5 Millionen Personen von Arbeitslosigkeit betroffen worden sind. Zudem wird das Schlußsignal modifiziert, das nunmehr ertönen soll, wenn entweder für drei aufeinanderfolgende Monate weniger als 2 Millionen Personen als arbeitslos gemeldet worden sind, oder aber, falls dies für 2, 5 Millionen Personen zutrifft und sich im gleichen Zeitraum ein Anstieg des Verbrauchsgüterpreisniveaus um 0, 5 v. H, hinzugesellt. Sollte es allgemein üblich werden, vor Entlassung der Arbeitskräfte zunächst die Arbeitszeit erheblich zu reduzieren, so empfiehlt Hagen anstelle des an der Anzahl der Arbeitslosen orientierten Indikators einen die geleisteten Arbeitsstunden wiedergebenden Maßstab. 3 )Mit der Festlegung des kritischen Werts des Startindikators, der bei den 1) Zum folgenden vgl. Hagen, Everett E., Problems of Timing and Administering Fiscal Policy in Prosperity and Depression, in: The American Economic Review, Papers and Proceedings, Band 38, 1948, s. 421, 424, 2) Zum folgenden vgl. Hagen, Everett E. , Federal Taxation and Economic Stabilization, S. 63. 3) Vgl. Hagen, Everett E., Problems of Timing and Administering Fiscal Policy in PFosperity and Depression, S. 421, Fußnote 2).
-114 - genannten Arbeitslosenzahlen zum Zeitpunkt der beiden Vorschläge einer Arbeitslosenquote von etwa 7 v, H. gleichkam, 1) soll sichergestellt werden, daß nicht mittels formula flexibility versucht wird, Schwankungen nur geringfügigen Ausmaßes zu glätten. Als eine andere, dafür in Frage kommende Schutzvorrichtung erwähnt Hagen die Möglichkeit, den Startindikator in Abhängigkeit von den Ursachen des Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität auszugestalten, d. h. danach zu differenzieren, ob es sich um ein Absinken der Anlageoder der Lagerinvestitionen handelt, 2 )Schließlich wird für nicht vorhersehbare, zu komplexe Situationen an die Möglichkeit der Suspension der 3) Formel gedacht. Im folgenden soll anhand der statistischen Daten abzuschätzen versucht werden, welche Ergebnisse ein gemäß dem konkretisierten Hagensehen Beispiel ausgestalteter antizyklischer Regelmechanismus gezeitigt hätte. Gegen eine solche Untersuchung kann eingewendet werden, daß die tatsächlichen Daten die Effekte diskretionärer Konjunkturpolitik enthielten und somit die Wirkungen beider Strategien addiert würden, Sofern die de facto realisierten diskretionären Maßnahmen erst nach dem Ertönen des bei formula flexibility ausgelösten Alarmsignals ergriffen worden sind, werdeR dadurch allerdings erst spätere Signale tangiert. Auch in diesem Fall bleibt je doch das Problem bestehen, ob der Regelmechanismus in Wirklichkeit so konstruiert worden wäre, daß Maßnahmen von einem Ausmaß, wie es sich als Summe beider Strategien ergibt, ausgelöst worden wären; doch werden damit bereits im nächsten Abschnitt zu behandelnde Probleme berührt. Unbeschadet des soeben ausgedrückten Vorbehalts ist keine geeignetere Methode denkbar, um einen an einen bestimmten Indikator gekoppelten 1) Vgl. U. S. Department of Commerce, Business Conditions Digest (BCD), Februar 1974, S. 111, 113. 2) Vgl. Hagen, Everett E., Federal Taxation and Economic Stabilization, S, 65 f, auch ders. in: Joint Committee on the Economic Report, Federal Tax Policy for Economic Growth and Stability, Hearings, Washington 1956, S. 15 f. 3) Vgl. Hagen, Everett E., Problems of Timing and Administering Fiscal Policy in Prosperity and Depression, S. 425.
- 121 - sten Fällen, 1926/27 und 1960/61. l) Die erste der Hagenschen Versionen bekämpft sogar noch die Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität der Jahre 1962 / 63, Hierbei handelt es sich den Mintzschen Untersuchungen zufolge, bei denen die gesamtwirtschaftliche Aktivität mittels Gesamtindikatoren gemessen wird, um einen Wachstumszyklus. 2) Darüber hinaus sind fast nie die Bedingungen des Schlußsignals erfüllt. Kaum besser schneidet der zweite Hartsche Vorschlag ab, bei dem "Gong" und "Pfeife" nicht selten gleichzeitig ertönen, Ein Eingeständnis der Problematik solcherart festgelegter antizyklischer Regelmechanismen kann darin erblickt werden, daß Hart diesen, teilweise mit dem Hagenschen übereinstimmenden Vorschlag für formula flexibility spä - ter zurückgezogen hat: In der dritten Auflage seines Buches 3) sucht man vergebens danach, Schließlich bleibt anzumerken, daß möglicherweise weder die im Rahmen der Hagenschen Versionen für formula flexibility, noch die wie auch immer gemäß den Empfehlungen des UN-Report ausgestalteten Maßnahmen tatsächlich ausgelöst worden wären, hängt dies doch da von ab, inwieweit die dort recht vage formulierten Suspensionsklauseln bei der faktischen gesetzlichen Regelung präzisiert worden wären. Die Diskussion damit zusammenhängender Fragen wird jedoch einem späteren Abschnitt vorbehalten. 1) Vgl. Fabricant, Solomon, S. 110 f, 2) Vgl. Mintz, llse, Dating American Growth Cycles, in: Zarnowitz, Victor (Hrsg,), The Business Cycle Today, New York 1972, S. 75. 3) Vgl. Hart, Albert G.; Kenen, Peter B., Money, Debt and Economic Activity, 3. Aufl., Englewood Cliffs, N. J, 1961.
-122 - 2. 2. Indikatorvorschläge für "formula nexibility 11 von H. Pack (USA) Die von Pack für die USA für die Zeitspanne von 1953 bis 1962 durchgeführte Untersuchung über formula flexibility befaßt sich ausschließlich mit einer mittels ihrer Hilfe zu realisierenden expansiven Politik. Dies zeigt bereits die Packsehe Definition für formula flexibility als "a fiscal action that activates a tax (or expenditure) change automatically when a certain pre-arranged s i g n a l o f r e c es s i o n is observed. 111 ) Probleme einer restriktiven Politik bleiben somit ausgeklammert. Damit übereinstimmend führt Pack aus, 2) daß er sich hauptsä ehlieh mit dem Vollbeschäftigungsziel befassen und Auswirkungen der von ihm unterbreiteten Vorschläge auf andere Ziele nur dann, wenn sie von Bedeutung seien ("when relevant"), behandeln wolle. Vollbeschäftigung hält Pack bei einer Arbeitslosenquote von 4 v. H. für erreicht 1 und er nimmt an, daß dieses Ziel durch eine Wachstumsrate des realen BSP in Höhe von 3, 5 v. H. p. a., gerechnet von der zur Basis gewählten Mitte des Jahres 1955 ab, gesichert werden kann. Er stützt sich hierbei auf die Schätzungen des Produktionspotentials durch den CEA. 3) Pack erwähnt drei Möglichkeiten, um den Wert des als Zwischenziel ( "target") bezeichneten realen BSP möglichst gut zu prognostizieren: mittels eines ökonometrischen Modells abgeleitete Prognosen des realen BSP, die neuesten tatsächlichen Werte dieser Makrogröße und Indikatoren, die Bewegungen des realen BSP antizipieren. Er will sich nur mit den beiden zuletzt genannten Alternativen befassen, die dann zu seinen Vorschlägen der II continuous policy 11 einerseits und der II one-shot policy" andererseits führen. Diese beiden Handlungsweisen unterscheiden sich voneinander nicht nur durch ihre Indikatoren, sondern außerdem noch dadurch, daß bei der 11 continuous policy" im Gegensatz zur 11 one-shot policy" das Ausmaß der expansiven Maßnahme, einer Einkommen1) Vgl. Pack, Howard, S. 5 (Hervorhebu~g von der Verf. ). 2) Vgl. hierzu und zum folgenden Pack, Howard, S. 8 f, 11, 18-35. 3) Vgl. hierzu auch CEA, The American Economy in 1961: Problems and Policies, in: Joint Economic Committee, Hearings on the January 1961 Economic Report of the President and the Economic Situation and Outlook, Washington 1961, S. 321-329, 373-377 sowie ders. 1 Annual Report 1962, S. 49-53.
- 123 - steuersenkung, im Zeitablauf verändert wird und zwar auf unterschiedliche Weise für die von Pack untersuchten - unten eingehender zu behandelnden - acht Versionen der "continuous policy ". Für die II one-shot policy" und die acht Versionen der II continuous policy 11 führt Pack für die Zeitspanne von 1953 bis 1962 anhand eines stochastischen Modells Simulationsläufe durch. Die dabei gewonnenen Ergebnisse werden anhand dreier Kriterien verglichen: der Änderung der Divergenz zwischen Produktionspotential und realem BSP, die dadurch bewirkt worden ist, daß die entsprechende Politik das reale BSP erhöht hat; der durcn die entsprechende Politik erzielten Änderung des Budgetsaldos und der Steigerung des Preisniveaus, das am "implicit price deflator", d. h. dem Preisindex des Sozialprodukts, gemessen wird. Die endgültige Entscheidung zugunsten eines der Vorschläge für "formula flexibility" 11 ßt Pack jedoch offen, da diese von der Gestalt der sozialen Wohlfahrtsfunktion abhinge, bei der die Gewichte für die genannten drei Kriterien anzugeben seien. Dies aber sei Aufgabe der Politiker. Im folgenden werden zunächst die Indikatoren der "one-shot policy" und anschließend diejenigen der verschiedenen Versionen der II continuous policy" behandelt; auf die unterschiedliche Ausgestaltung der Maßnahmen bei der "one-shot policy" einerseits, der "continuous policy" andererseits soll erst im nächsten Abschnitt eingegangen werden.
- 124 - 2, 2. 1, Die Indikatoren der "one-shot policy" Den Startindikator der Packsehen "one-shot policy" 1 )bilden Zeitreihen, die dem realen BSP vorzulaufen pflegen, von ihm auch als ad hoc-Indikatoren bezeichnet. Pack hat hierfür vier Einzelreihen ausgewählt, und zwar die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Arbeiter, die auf die Anzahl der Beschäftigten bezogenen Raten der Neueinstellungen und Entlassungen sowie die Auftragseingänge für dauerhafte Güter. Die ersten drei Reihen beziehen sich dabei auf den industriellen Sektor, die letzte auf einen Teilbereich desselben. Für jede dieser Reihen legt Pack als kritischen Wert eine auf den letzten (oberen) Wendepunkt derselben bezogene Veränderungsrate fest: Durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Arbeiter: Rate der Neueinstellungen: 2) Rate der Entlassungen: Auftragseingänge für dauerhafte Güter: l,75v,H. -15,00v,H, - 25, 00 V, H. - 8, 00 v, H, Wenn drei der vier Reihen ihren jeweiligen kritischen Wert drei Monate lang überschritten haben, also stärker als es den ausgewiesenen Prozentsätzen entspricht, gesunken sind und damit einen entsprechend niedrigeren absoluten Wert 3) erreicht haben, wird eine Einkommensteuersenkung ausgelöst. Es handelt sich hierbei um das auf S. 87 als erstes erwähnte Verfahren der Zusammenfassung mehrerer Einzelreihen, bei dem einzelne kritische Werte und eine "Aggregationsregel" bestimmt werden, die den zur Auslösung antizyklischer Maßnahmen erforderlichen Grad der Übereinstimmung zwischen den Einzelreihen, hier also 75 v, H. , angibt, Der kritische Wert im Sinne der Verwendung des Begriffs bei den Ausführungen zu den Problemen der Bestimmung des Indikators, nämlich als Signal zur Auslösung konjunkturpolitischer Maßnahmen, wird damit in zwei Stufen - spezifische kritische Werte - Aggregations1) Vgl. hierzu und zum folgenden Pack, Howard, S. 9-12, 18, 29, 31, 39 f sowie S, 317 dieser Arbeit, 2) Diese Zeitreihe ist invertiert worden. Vgl, auch S. 310, 3) Bei der Rate der Entlassungen handelt es sich dabei um einen quantitativ höheren Wert.
- 125 - rege! - festgelegt. Das auf die geschilderte Weise ermittelte Startsignal ertönte - wäre diese Version der formula flexibility tatsächlich verwirklicht worden - während des Untersuchungszeitraums dreimal, und zwar im Oktober 1) 2) 1953, Juni 1957 und April 1960. An anderer Stelle nennt Pack allerdings für die beiden letzten Signale davon abweichende Daten, nämlich Mai 1957 und 1960, die er auch seinen weiteren Untersuchungen zugrunde legt. Freilich ist die einmonatige Diskrepanz bei den beiden späteren Signalen sachlich unerheblich, da sich der optimale Eingriffszeitpunkt für antizyklische Maßnahmen in der Wirklichkeit nie auf den Monat genau bestimmen lassen wird. Die Einkommensteuersenkung erfolgte erst drei Monate später, also zu Beginn der Monate Februar 1954, September 1957 und 1960. Diese Zeitspanne resultiert aus statistisch und administrativ bedingten Verzögerungen. Die Packsehen Berechnungen stützen sich auf 1961 veröffentlichte Daten, obwohl diese revidierten Zahlen zu den früheren Zeitpunkten nicht zur Verfügung gestanden hätten. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, berücksichtigt Pack eine etwa zweimonatige Verzögerung bis zur Veröffentlichung der ersten Revision. Etwa zwei Wochen würden verstreichen, bis nach der bei formula flexibility automatisch 1n Kraft tretenden lieh gesenkt würde, Reduktion der Einkommensteuer diese tatsächFür die von Pack durchgeführten Simulationen ergeben sich noch etwas spätere Eingriffszeitpunkte, nämlich Anfang April 1954, Januar 1958 und Oktober 19 60. Dies liegt daran, daß das verwendete Modell Quartalswerte enthält; beim mittleren Startsignal führt Pack zudem noch rechentechnische Schwierigkeiten an. Die ausgelöste Steuersenkung ist von stets gleichem, vorher festgesetztem Ausmaß, das im Zeitablauf nicht verändert wird. Pack kapituliert vor dem Problem, ein Anzeichen für die Stärke einer Rezession festzulegen. Das Ausmaß einer Fehlentwicklung und seine Änderung bleiben 1) Vgl. Pack, Howard, S. 39 und S. 31 7 dieser Arbeit. 2) Vgl. Pack, Howard, S. 10.
- 12 6 - somit unbeachtet . Aufgehoben wird die Steuersenkung, wenn das tatsächliche Sozialprodukt 94 v. H. des potentiellen erreicht. a) Zu konjunkturpolitischen Zielen und zum Konjunkturkonzept Zur Begründung der Auswahl der vier Reihen aus dem industriellen Bereich, die den Startindikator bilden - der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit, der Raten der Neueinstellungen und Entlassungen und der Auftragseingänge für dauerhafte Güter - führt Pack neben eigenen Berechnungen die damaligen Untersuchungen des NEER 1) an. Letzteres überrascht insofern, als das NEER die gesamtwirtschaftliche Aktivität als gleichgerichtete Bewegungen einer Vielzahl von Einzelreihen definiert2) und jene anhand dieses Konzepts mißt . Pack dagegen vertritt, was den Maßstab betrifft, ein anderes Konjunkturkonzept, da er makroökonomische Größen, sei es das reale BSP allein, sei es seinen Anteil am gesamtwirtschaftlichen Produktionspotential, betra c htet . Welches der beiden, sich auf makroökonomische Aggregate stützenden Konjunkturkonzepte Pack präferiert, wird nicht recht deutlich . Mit seiner Betonung der Beschäftigungszielsetzung lassen sich beide vereinbaren . Zu Beginn des Kapitels seiner Abhandlung, das sich mit der Wahl der Indikatoren befaßt , finden sich Ausführungen zu beiden Konzepten. Für die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung spricht, daß Pack die "one-shot policy" anhand einer Zielfunktion beurteilt, bei der eines der Kriterien die Veränderung der Differenz zwischen potentiellem und aktuellem Sozialprodukt, des II gap", darstellt, obwohl, wie er selbst feststellt, das Produktionspotential in seine Simulationen nicht einge1) Vgl. Pack, Howard, S. 9. 2) Vgl. Burns, Arthur F.; Mitchell, Wesley C., Measuring Business Cycles, New York 1947 , S. 3.
- 127 - gangen ist. 1) Die Verwendung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung als Schlußsignal könnte ein weiteres Argument hierfür abgeben, doch hält Pack grundsätzlich ein Auslastungsmaß der in du s tri e 11 e n Produktionskapazitäten für geeigneter und verwendet das Verhältnis zwischen tatsächlichem und potentiellem Sozialprodukt 2) nur als Näherungslösung. Für den anderen Maßstab, das reale BSP, schlägt - jedenfalls bei der "one-shot policy" - positiv zu Buche, daß Pack eine direkte Berücksichtigung des "gap" bei der Ausgestaltung des Startindikators ablehn?) und sich bei den Ausführungen zu seiner Konstruktion nur Hinweise auf die Bewegungen des realen BSP finden, wie etwa die Forderung, die ad hoc-Indikatoren sollten dessen Verlauf mög- . h . . 4) d d' F t 11 " . · hc st gut prognostizieren, un 1e ests e ung: no recess10n 1 n G N P occured, 11 5) die impliziert, daß Rezessionen an Bewegungen des realen BSP gemessen werden. Auch läßt sich zugunsten des realen BSP anführen, daß dieses Konjunkturkonzept demjenigen des NEER näher steht als dasjenige des gesamtwirtschaftlichen Auslastungsgrads, da das reale BSP wenigstens eine der auch vom NEER herangezogenen Einzelreihen darstellt, das Produktionspotential dagegen nicht verwendet wird. Aufgrund dieser bei der" one-shot policy 11 recht starken Betonung der Bewegungen des realen BSP soll im folgenden diese makroökonomische Größe als Maßstab !J.erangezogen und nur gelegentlich auf das II gap II verwiesen werden. Die Auswahl der vier ad hoc-Indikatoren ist den vorstehenden Ausführungen zufolge nur dann plausibel, wenn zwischen den entsprechenden Aktivitäten des industriellen Sektors und dem realen BSP ein gewisser Zusammenhang vermutet werden kann, etwa aufgrund eines hohen Anteils des industriellen Bereichs bei der Erstellung des realen BSP. G) Wäh1) Vgl. Pack, Howard, S. 32 f. 2) Vgl. dto, s. 12. 3) Vgl. dto, s. 11. 4) Vgl. dto, s. 9. 5) Vgl. dto, s. 10 (Hervorhebung von der Verf. ). 6) Dieser Anteil belief sich von 1950 bis 1961 auf etwa 30 v. H., (Errechnet anhand der in CEA, Annual Report 1975, S. 255 wiedergegebenen Daten).
-128 - rend des Untersuchungszeitraums liefern die unterschiedlichen Maßstabsgrößen Packs und des NEER jedenfalls eine fast übereinstimmende Diagnose des Konjunkturverlaufs: Die Divergenz zwischen dem vom NEER festgestellten oberen konjunkturellen Wendepunkt und demjenigen des realen BSP beträgt höchstens - in einem Fall - drei Monate. 1) b) Zur Auswahl der Reihen des Startindikators: Prognoseprobleme Pack entscheidet sich für die vier Einzelreihen, weil sie als sog. "leading indicators" gelten 2) und somit zur Lösung des bei der Festlegung des Startindikators auftretenden Prognoseproblems beitragen können. Mit der Frage, inwieweit es sich bei den vier Reihen um zuverlässige Frühindikatoren handelt, beschäftigen sich die von Pack angeführten damaligen Untersuchungen des NEER, 3) die im folgenden kurz wiedergegeben werden sollen. Die Auftragseingänge stellen als Maßstab für die Nachfrageentwicklung einen Frühindikator dar, da sie der Herstellung der bestellten Güter zeitlich vorgeschaltet sein und wiederum Nachfrage nach anderen Produkten bewirken können. Das erstgenannte Argument ist bei Produktion nach Auftrag durchschlagender als bei Produktion auf Lager. Da aber gerade dauerhafte Güter üblicherweise erst nach der Bestellung gefertigt werden, lassen sich dort längere und regelmäßigere Intervalle zwischen Auftrag und Produktion feststellen als bei anderen Produkten. Die übrigen drei Reihen zeigen die Beschäftigungssituation an, Die Eigenschaft der Reihe der wöchentlichen Arbeitszeit als "leading indicator" kann damit begründet werden, daß eine Änderung keine allzu großen 1) Vgl. S, 309. 2) Vgl. Pack, Howard, S. 9. 3) Vgl. Bry, Gerhard, The Timing of Cyclical Changes in the Average Workweek; Moore, Geoffrey H. , Leading and Confirming Indicators of General Business Changes; Zarnowitz, Victor, The Timing of Manufacturers' Orders During Business Cycles, alle in: Moore, Geoffrey H. (Hrsg. ), Business Cycle Indicators, Band 1, Princeton 1961, s. 485-513; '5-109; 420-484.
- 129 - Schwierigkeiten bereitet, da sie keine Revision der Unternehmenspolitik erfordert. Die - allerdings verhältnismäßig geringen 1) - Fluktuationen sind am ausgeprägtesten im industriellen Sektor. Die beiden anderen Reihen spiegeln eine Änderung der Beschäftigung wider, wobei sich der Vorlauf der Rate der Neueinstellungen mit der speziellen Situation des Arbeitsmarkts der USA erklären läßt, der gegen Ende des Aufschwungs nachlassenden Absorption des Zuwachses der Arbeitskräfte. Die bei Shiskin 2 )wiedergegebenen Vorläufe der vier Reihen, gemessen als Zeitunterschiede zwischen den Wendepunkten der Einzelreihen (spezifische Wendepunkte) und allgemeinen, vom NBER festgestellten konjunkturellen Wendepunkten, erweisen sich als verhältnismäßig lang. Die vier Reihen qualifizieren sich insofern als 11 leaders". Die künftige Situation sollte aber auch möglichst verläßlich prognostiziert werden. Die Vorläufe der Reihen variieren jedoch im Zeitablauf verhältnismäßig stark, und zwar sowohl innerhalb eines Konjunkturzyklus - dies veranschaulichen die unterschiedlichen Vorläufe am oberen und unteren konjunkturellen Wendepunkt - als auch von Zyklus zu Zyklus - dies zeigen die unterschiedlichen Vorläufe an den gleichartigen konjunkturellen Wendepunkten. 3l Im allgemeinen sind die "leads" an den oberen Wendepunkten länger als an den unteren, auch läßt sich für die Rate der Neueinstellungen eine generelle Abnahme des Vorlaufs konstatieren. Dieser verkürzt sich am unteren Wendepunkt ebenfalls bei der Rate der Entlassungen und den Auftragseingängen; dagegen läßt sich für die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit keine Tendenz aufzeigen. Für die oberen Wendepunkte lassen sich alle denkbaren Entwicklungen - steigende, sinkende, keine Tendenz - ermitteln. Insgesamt ergibt sich somit für die vier Reihen ein recht unterschiedliches Bild. Darüber hinaus kann die Prognose durch sog. ''extra cycles" erschwert werden, d. h. spezifische Wendepunkte, denen kein konjunktureller folgt. Dies 1) Dies konnte auch bereits aufgrund des niedrigen kritischen Wertes dieser Reihe - 1, 75 v. H. - vermutet werd.en. 2) Vgl. S. 310 dieser Arbeit. 3) Vgl. hierzu und zum folgenden auch die auf den S. 311-314 wiedergegebenen Grafiken.
• 130 • ist 1950/51 bei der Rate der Entlassungen und den Auftragseingängen 1) der Fall. Für diese im Zeitablauf unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Reihen wird in den oben angeführten Studien des NEER eine Reihe von denkbaren Gründen genannt. So schildert beispielsweise Zarnowitz eine Vielzahl von Tatbeständen, die die Reaktion der Unternehmen auf sich ändernde Auftragseingänge beeinflussen können, wie etwa die Höhe und Sicherheit der Auftragsbestände, noch vorhandene Produktionskapazi. täten und der Wunsch nach Produktionsstabilisierung der Unternehmen. Eine erfolgreiche Produktionsstabilisierung beim überwiegenden Teil der Unternehmen bedeutete freilich zum einen, daß die Auftragseingän• ge ihre Eignung als Konjunkturindikatoren völlig verlören, und zum an. deren, daß zumindest vom Produktionsbereich keine Konjunkturbewegun. gen mehr ausgehen könnten. 2) Doch handelt es sich hierbei genauso um einen Grenzfall wie bei einem unveränderten Zusammenhang zwi. schen Auftragseingang und Produktion, weist doch die obige, keineswegs vollständige Aufzählung sowohl auf vom Unternehmer zu beeinflussende Faktoren wie auch auf sich seinem Einflußbereich entziehende Tatbestände, etwa die Verhaltensweisen anderer Wirtschaftssubjekte, hin. Ähnliches kann für die anderfln drei Reihen angenommen werden. Wenngleich dievier Reihen somit als verhältnismäßig "gute" Frühindikatoren gelten können, so steht doch nicht eindeutig fest, ob sie "gut genug" sind, um den an einen Startindikator zu stellenden Anforderungen zu genügen. 1) Vgl. S. 308, 2) Lundberg schildert in Anlehnung an Zarnowitz den hYPothetischen Fall eines Sektors, der sich an Änderungen der Nachfrage lediglich durch Variation der Lieferfristen anpaßt. Vgl. Lundberg, Erik, Instability and Economic Growth, New Haven, London 1968, S. 67-71.
- 137 - Maßeinh. vorlaufende Reihe ~ F I gleich/ Reihe D G' T Zeit den (gleichlaufenden} Reihe bezogene Veränderungsrate dem Quotienten aus den Strecken EF und DF (HI und GI). Da rw = rn . nimmt der erstgenannte Quotient einen höheren Wert an als der zweite, doch läßt sich mit Hilfe beider Reihen dasselbe Ergebnis erzielen. Allerdings kann die bei Frühindikatoren höhere Veränderungsrate insofern als Vorzug gewertet werden, als sie eher auf eine tatsächlich nachhaltige Bewegung schließen läßt als die bei gleichlaufenden Indikatoren geringere Veränderungsrate. Im Einzelfall wird das Ergebnis freilich auch noch von der Länge und Variabilität des Vorlaufs abhängen. Unabhängig da von ist zu prüfen, unter welchen Bedingungen die sich ergebenden Zeitpunkte als optimale Eingriffszeitpunkte für antizyklische Maßnahmen gelten können. Zwar kann kurz nach dem oberen Wendepunkt bzw. zu dem etwas späteren Termin im Jahre 1953 erwartet werden, daß kein Richtungswechsel, also der untere Wendepunkt bevorsteht. Jedoch ist fraglich, ob bereits dann, wenn vermutlich noch eine Fehlentwicklung im expansiven Sinne zu verzeichnen ist, schon eine kontraktive bekämpft werden sollte, wie dies den Signalen von 1957 und 1960 entspräche; vielmehr könnte es sich als günstiger erweisen, eineweitere Bewegung in Richtung auf das konjunkturelle Gleichgewicht zu abzuwarten. In· vermindertem Umfang stellt sich dies Problem bei dem weiter vom oberen Wendepunkt entfernten Signal von 1953.
- 138 - Da der optimale Prognosezeitraum beim Startindikator auch vom Zeitpunkt der Wirkungen der Maßnahmen abhängt, könnten die beiden Zeitpunkte dann "richtig" sein, wenn die Maßnahmen erst verhältnismäßig spät zu wirken begännen. Doch sind bei den Packsehen Simulationen bereits während des Quartals, zu dessen Beginn die Steuersenkung erfolgte, Wirkungen zu verzeichnen, 1) so daß von daher gesehen - entspricht dies der Realität - die drei Eingriffszeitpunkte, insbesondere aber diejenigen von 1957 und 1960, als zu früh erscheinen. Sie könnten allerdingsdann als optimal gelten, wenn möglichst die um den oberen Wendepunkt herrschende Situation erhalten bleiben und jedweder Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität bekämpft werden soll. Dies entspricht in etwa der zum damaligen Zeitpunkt vom CEA vertretenen Auffassung, daß ein anhaltendes Nachfragedefizit bestehe, 2) einer Auffassung, die II . 113) . . von Burns als New Stagnation Theory gekennzeichnet worden 1st. Einen weiteren Anhaltspunkt dafür, daß die betrachtete Version der formula flexibility auf dieser Auffassung aufbaut, bietet die Tatsache, daß Pack die möglichen Wirkungen prüft, die eine im Jahre 1953 ein Quartal früher ausgelöste Steuersenkung erbracht hätte als dies dem verhältnismäßig h späten II Signal entsprochen hätte, und den dadurch bewirkten Zuwachs des realen BSP positiv einschätzt. 4) Doch stünde diese Alternative, wäre der von Pack konstruierte anzizyklische Regelmechanismus in Wirklichkeit eingeführt worden, nicht zur Wahl. 1) Vgl. Pack, Howard, S. 31. 2) Der CEA spricht von 11 chronic slack in the economy" und bezeichnet die Entwicklung von 1959/ 60 als "incomplete recovery". Vgl. CEA, The American Economy in 1961: Problemsand Policies, S. 321 f, 325. 3) Vgl. Burns, Arthur F., Examining the New "Stagnation" Theory, in: The Morgan Guaranty Survey, Mai 1961, S. 1 f. Der CEA wendet sich allerdings gegen eine solche, pessimistisch klingende Bezeichnung, wogegen Levy, der in der Sache dem CEA zustimmt, sie gebraucht, Vgl. CEA, The Council' s View, in: The Morgan Guaranty Survey, August 1961, S, 2 f und Levy, Michael E., S. 20 f. 4) Vgl. Pack, Howard, S. 32 f.
- 139 - Gleichfalls läßt die Packsehe Argumentation, die Ankündigung des unteren Wendepunkts als Schlußindikator erscheine als verfrüht, da der Aufschwung dadurch geschwächt werden könne, 1) auf eine tendenziell expansionistische Politik schließen, In die gleiche Richtung weist, daß von Pack während des Koreakrieges lediglich die Aussetzung von formula flexibility, aber keine restriktiven Maßnahmen erwogen werden 2) wie auch die eingangs erwähnte Definition von formula flexibility, die jedwede kontraktive Politik ausschließt. Dies stimmt mit der starken Betonung des Beschäftigungsziels durch Pack überein, eine zum damaligen Zeitpunkt in den USA nicht seltene Haltung, 3) Unter Berücksichtigung der simulationstechnisch bedingten Verzögerungen ergeben sich 1957 und 1960 Eingriffszeitpunkte etwa zwischen beiden Wendepunkten, derjenige von Anfang April 1954 liegt dann näher am unteren Wendepunkt. Die Ergebnisse der Simulationen sind von daher gesehen weniger expansionistisch, als dies bei tatsächlicher Einführung des Regelmechanismus erwartet werden könnte. g) Zum Schlußindikator Wie bereits erwähnt zieht Pack dem tatsächlich von ihm verwendeten Schlußindikator, der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung, diejenige der industriellen Sachkapazitäten vor. Bei dem von ihm als Beispiel erwähnten McGraw-Hlll-Index wird die Kapazität der Industrie anhand der von den Berichtsfirmen , bei denen es sich üblicherweise um die größeren ihrer Branche handelt, mitgeteilten physischen Kapazität ermittelt. 4) Für die Verwendung eines solchen Indikators. spricht, daß er mit der Wiedergabe von Vorgängen im Industriebereich dem Startindikator näher steht als der von Pack als Behelfsmaß verwendete l) Vgl. Pack, Howard, S. 11 f. 2) Vgl. dto, S. 40, 3) Vgl. Neumark, Fritz, Fiskalpolitik und Wachstumsschwankungen, S, 27. 4) Vgl. McGraw-Hill Publications Company, Business' Plans for new Plante and Equipment, 1972-1975, New York, April 1972, S. 9.
- 140 - Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials. Doch wird bei letzterem auch der Einsatz der Arbeitskräfte und damit das Beschäftigungsziel berücksichtigt, wogegen es bei ersterem - jedenfalls direkt - nur um den Kapitalinput geht. Die Höhe des kritischen Wertes müßte so festgesetzt werden, daß die noch verbleibenden Maßnahmenwirkungen ausreichen, bzw. nicht übermlßig sind. Hierzu finden sich keine Überlegungen bei Pack. Freilich ist auch dieses Problem für die Packsehen Untersuchungen insofern von geringerer Bedeutung als in Wirklichkeit, als die Bedingungen für die Auslösung des Schlußsignals im nachhinein festgelegt worden sind. h) Zur Suspensionsklausel Den oben erwähnten Fehlalarm der Rate der Entlassungen und der Auftragseingänge im Jahre 1951 erklärt Pack damit, daß die Werte vorher aufgrund des Koreakrieges inflationär überhöht gewesen seien. 1) Er zieht daraus den Schluß, daß formula flexibility während des Koreakrieges wie generell während Kriegszeiten - die mögliche unterschiedliche Dauer und Intensität von Kriegen bleiben unerwähnt - zu suspendieren sei, da dann Vollbeschäftigung herrsche, Andere, eine Suspension der Regel bewirkende Tatbestände nennt Pack nicht, Daraus kann geschlossen werden, daß Streiks, zumindest von einem Ausmaß wie im Untersuchungszeitraum, nicht dazu zählen, i) Der weitere Verlauf der Indikatoren: die Signale Die Eingriffszeitpunkte sind von Pack ex post mittels der damals, d. h. zum Zeitpunkt seiner Untersuchung - aber nicht zum Zeitpunkt der fiktiven Regelaufstellung um das Jahr 1953 - bekannten Daten festgesetzt worden. Der entscheidende Prüfstein ist jedoch, wie 2) auch Pack anmerkt, wie sie sich künftighin - also nach dem tat1) Vgl. Pack, Howard, S. 40. 2) Vgl. dto, S, 10.
- 141 - sä chllchen Packsehen Festlegungszeitpunkt - verhalten. Deshalb untersucht er ihren Verlauf von Januar 1961 bis August 1965 und kommt zu dem Schluß, daß zumindest in diesem Zeitraum die Indikatoren, den Tatsachen entsprechend, keine Rezession angekündigt hAtten, was insbesondere angesichts der im Sommer 1962 weitverbreiteten gegenteiligen Ansicht zu einer gewissen Hoffnung berechtige. Zwar ist auch diese Feststellung im nachhinein getroffen worden, doch ist der Modus der Konstruktion der Indikatoren vorher festgelegt worden. Es handelt sich hierbei um dieselbe "ex post-Prognose", wie sie oben für die Hagenschen und Hartsehen Eingriffssignale unternommen worden ist. Auf die gleiche Weise werden im folgenden die Packsehen Überlegungen fortgeführt und die weitere Reaktion der Indikatoren untersucht. Dabei werden, um der laufenden Ermittlung Rechnung zu tragen und mögliche Ermessensspielräume auszuschalten, beim Startindikator die von Pack bestimmten Veränderungsraten auf den jeweils höchsten Wert einer Reihe bezogen. Die Berechnungen fußen auf bis August 1975 veröffentlichten Daten, .1) ungeachtet dessen, daß diese teilweise mehrmals revidierten Zahlen zu den früheren Zeitpunkten nicht zur Verfügung gestanden hätten. Diesem Umstand soll in gleicher Weise wie bei der Packsehen Untersuchung Rechnung getragen werden, nämlich durch die Annahme eines zweimonatigen "time-lags". Sofern dadurch von der Realität abweichende Ergebnisse zu erwarten wären, besteht a priori kein Grund anzunehmen, daß diese Abweichungen sich für die beiden Untersuchungszeiträume stark unterscheiden, so daß, was diesen Faktor betrifft, die Packsehen ex post-Berechnungen und die nunmehr folgende Ermittlung der Signale anhand des damals konstruierten Startinkators vergleichbar sein dürften. Erstmals wäre das Startsignai2l Anfang Mai 1967 ausgelöst worden. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit, die Raten der Neuein1) Vgl. die auf S. 317 angegebenen Quellen. 2) Zu diesem und den folgenden Startsignalen vgl. auch S. 31 7.
- 142 - stellungen bzw, Entlassungen und die Auftragseingänge erreichten ihre Höchstwerte in den Monaten Februar, März, Oktober bzw. September des Jahres 1966. 1 )Die beiden erstgenannten Reihen überschritten ihre jeweiligen kritischen Werte Anfang Mai 1967; die beiden anderen Reihen hatten dies bereits zu Beginn des Monats April 1967 getan. Auf die gleiche Weise wurde ein auf Anfang April 1970 datiertes zweites Startsignal ermittelt. Die Höchstwerte der vier Reihen (in der oben angegebenen Reihenfolge) fielen auf die Monate Februar 1968, Juni, April und Februar 1969. 2) Die spezifischen kritischen Werte wurden Anfang April, Juni, März bzw. April 1970 überschritten. Zum dritten Mal wäre ein Alarmsignal im Dezember 1974 ausgelöst worden. Die Daten der Höchstwerte der vier Reihen sind April, Oktober, Oktober 1973 bzw. August 1974. 3l Zu Anfang der Monate Dezember, Dezember, März 1974 bzw, Januar 1975 sind die spezifischen kritischen Werte überschritten worden. Wird gemäß der Packsehen Methode verfahren, so sind den vorgenannten Signalen, der statistisch und administrativ bedingten Verzögerung wegen, drei Monate hinzuzufügen. Damit wären Steuersenkungen zu Beginn der Monate August 1967, Juli 1970 und März 1975 ausgelöst worden. Was den Schlußindikator betrifft, so beträgt der Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials nur im letzten Quartal des Jahres 1970 und vom zweiten Quartal des Jahres 1974abweniger als 94 v. H. 4) Dies bedeutet, daß nach 1962 der Schlußalarm fast fortwllh1) Die Höchstwerte und - in Klammern - die zugehörigen spezifischen kritischen Werte betragen: 41, 7 (40, 97) Stunden pro Woche; 5, 4 (4, 59) Neueinstellungen auf 100 Beschäftigte; 1, 1 (1, 38) Entlassungen auf 100 Beschäftigte; 27, Ol (24, 85) Mrd U, S. Dollar. 2) Höchstwerte und spezifische kritische Werte: 41, 1 (40, 38); 5, 0 (4, 25); 1, 0 (1, 25); 30, 54 (28, 10). 3) Höchstwerte und spezifische kritische Werte: 40, 9 (40, 18); 4, 9 (4, 17); 0, 8 (1, O); 49, 46 (45, 50). 4) Vgl. hierzu S, 304.
- 143 - rend, nämlich nur die genannten Zeitpunkte ausgenommen, ertöntwäre, k) Der weitere Verlauf der Indikatoren: Versuch einer Beurteilung Bei der Beurteilung der abgegebenen Signale kommt es darauf an, inwieweit sie gemäß dem von Pack im Rahmen der II one-shot policy" betonten Konjunkturkonzept sinnvoll sind, demzufolge Rezessionen in realen Sozialproduktswerten gemessen werden. Als Anhaltspunkt für das erforderliche Ausmaß der Fehlentwicklung kann dabei gelten, daß ein Abschwung von der Stärke desjenigen der Jahre 1960/ 61, anders als derjenige des Jahres 19 62, dur eh konjunkturpolitische Maßnahmen bekämpft werden solle. Bei allen Rezessionen bis einschließlich 1960/ 61 sind in mehreren Quartalen negative Wachstumsraten des realen BSP zu verzeichnen, 1) Dabei sind die Rückgänge während der Rezession von 1957 /58 höher als 1953 / 54; 1960/ 61 stellt, wie bereits erwähnt, die mildeste Rezession dar, Die Rezession von 1969/70 weist in nur drei Quartalen stärkere Rückgänge des realen Soziaiprodukts als diejenige von 1960/61 in vier Quartalen auf; von daher gesehen ist das Startsignal von 1970 berechtigt, Dies gilt a fortiori für das Startsignal von 197 5, sind doch schon in drei Quartalen des Jahres 1974 stärkere Rückgänge zu verzeichnen als 1969/70, ganz abgesehen davon, daß sich in den darauffolgenden beiden Quartalen der Rückgang noch verstärkt hat, Als problematisch erweist sich hingegen die Auslösung expansiver Maßnah. men im Mai 1967, da dieser Abschwung, was Ausmaß und Dauer betrifft, schwächer ausgeprägt als derjenige von 1960/ 61, jedoch stärker als derjenige der Jahre 1962 / 63 ist. 1960/ 61 sind für die Dauer von vier Quartalen negative Wachstumsraten zu beobachten, 1966/ 67 gilt dies für ein, 1962/ 63 für kein Quartal. In den vier Quartalen der Rezession von 1960/ 61 geht das reale BSP um durchschnittlich 1, 45 v. H. zurück; 2 )in den vier Quartalen ab 19 66III steigt es durchschnittlich um 1, 73 v. H., ab 1962 III wächst es 1) Vgl, hierzu und zum folgenden die auf S, 299 wiedergegebenen Daten. 2) Diese und die folgenden Wachstumsraten sind anhand der in U. S. Department of Commerce, BCD, August 1974, S. 114 wiedergegebenen Daten errechnet worden.
- 144 - um durchschnittlich 2, 36 v, H, . Insofern ist die Abschwächung der ökonomischen Aktivität von 1966/67 im Ausmaß derjenigen von 1962/63 ähnlicher als derjenigen von 1960/ 61, Die Packsehe Untersuchung enthält jedoch keine expliziten Ausführungen über das Mindestausmaß einer durch konjunkturpolitische Maßnahmen zu begegnenden Fehlentwicklung. Zöge man die Differenz zwischen Produktionspotential und realem BSP zur Bewertung heran, 1) so handelte es sich bei dem Startsignal von 19 67 eindeutig um einen Fehlalarm - die Signale von 1970 und 197 5 erwiesen sich nach wie vor als "richtig" -•da zu jenem Zeitpunkt zwar die Wachstumsrate des realen BSP gesunken, damit aber nur die Überbeanspruchung des Produktionspotentials reduziert worden ist. Doch schenkt Pack im Rahmen der "oneshot policy" dem anderen der von ihm genannten Maßstäbe für Konjunkturschwankungen, dem realen BSP, eine weitaus stärkere Beachtung, Den Kriterien des NEER zufolge handelt es sich bei der Abschwächung der Jahre 1969/70 um eine sog. klassische Rezession, d, h. es ist ein absoluter Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität, gemessen anhand einer Vielzahl von Einzelreihen, zu verzeichnen. Auch die Entwicklung im Verlaufe der Jahre 1974/75 dürfte diese Bedingung erfüllen, 1967 - gleichfalls 1963 - hat jedoch keine klassische Rezession stattgefunden, Die Mintzschen Untersuchungen weisen in beiden Fällen einen Wachstumszyklus aus; im erstgenannten Fall hat dabei der Abschwung im September 1966 eingesetzt und bis Oktober 1967 angehalten, 2 )Könnte die Bezugnahme Packs auf Untersuchungen des NEER in dem Sinne interpretiert werden, daß er sich zwar im Hinblick auf den gewählten Maßstab für konjunkturelle Bewegungen, nicht aber in der Haltung zur Kontroverse klassische versus Wachstumszyklen von den Auffassungen des NEER absetzte, so würde es sich bei dem Startsignal von 19 67 um einen Fehlalarm handeln, Dies muß jedoch offen bleiben, 1) Vgl. hierzu das Schaubild auf S, 303, 2) Vgl. Mintz, llse, S. 75,
- 145 - Ein Vergleich der Startsignale mit den vorn NBER bestimmten konjunkturellen Wendepunkten,wie ihn Pack für den Untersuchungszeitraum angestellt hat, zeigt, daß das Signal von 1970 zeitlich etwas näher am unteren als am oberen Wendepunkt liegt. In verstärktem Maße gilt dies, wenn das reale BSP als Referenzgröße gewählt wird, da diese Reihe 1969 drei Monate vor dem oberen Wendepunkt umbricht. 1) Der spätere Termin mag als günstiger angesehen werden als die frühen Signale im Untersuchungszeitraum, doch kaum von Pack selbst, der das ungefähr zwischen beiden Wendepunkten angesiedelte Signal von 1953 bereits für zu spät hält, Das Vorstehende gilt in verstärktem Maße für das Alarmsignal von 1967, sofern dieses nicht sowieso als Fehlalarm zu bezeichnen ist: Es ertönt kurz vor dem von Mintz festgestellten unteren Wendepunkt des entsprechenden Wachstumszyklus. Wie das Signal vorn März 197 5 zu beurteilen ist, bleibt abzuwarten; doch ist dieser Zeitpunkt nicht allzu verschieden von demjenigen, zu dem tatsächlich konjunkturpolitische Maßnahmen ergriffen worden sind. Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Startsignale von 1970 und 1975 grundsätzlich als berechtigt angesehen werden können; offen bleibt, ob dies auch für dasjenige von 1967 zutrifft oder ob es sich hierbei um einen Fehlalarm handelt. Auf jeden Fall ertönen alle Startsignale später als im Untersuchungszeitraum, In Übereinstimmung mit dem Startsignal von 1975 bleibt das Schlußsignal zum gleichen Zeitpunkt stumm, dagegen ertönt es im Juli 1970 gleichzeitig mit dem Startsignal und erweist sich damit als Fehlalarm. Hätte das Startsignal expansive Maßnahmen ausgelöst, so wäre zudem u. U. die kurze Unterbrechung des Schlußalarrns im letzten Quartal des Jahres 1970 verhindert worden. Auch Anfang August 1967 befinden sich Startund Schlußalarm im Widerspruch. Eines der beiden Signale stellt dabei auf jeden Fall einen Fehlalarm dar. Welches der beiden Signale ungünstig abschneidet, hängt von der - offen gebliebenen - Bewertung des Startsignals ab. 1) Vgl. S. 309.
- 146 - Das simultane Ertönen von Startund Schlußsignal 1967 und 1970 erweist sich angesichts der Preisentwicklung zu jenen Zeitpunkten als Reflex eines Zielkonflikts. 1) Es geht darum, ob der Beschäftigungszielsetzung uneingeschränkte Priorität eingeräumt oder aber in Anbetracht der Preissteigerungen wenigstens von expansiven Maßnahmen abgesehen wird. Doch versagt bei dieser Entscheidung die Packsehe Version der formula flexibility, da eine Vorschrift für den Fall des gleichzeitigen Ertönens beider Signale fehlt. Darüber hinaus könnte aufgrund der Preissteigerungen des Jahres 1970, wenn nicht schon derjenigen von 1967, für restriktive Maßnahmen plädiert werden. Diese Möglichkeit hat Pack jedoch bereits mit seiner Definition der formula flexibility ausgeschlossen. Eine solche Einschränkung auf expansive Politik folgt jedoch keineswegs aus dem Begriff antizyklischer Regelmechanismen. Sie mag allenfalls angesichts der Situation der amerikanischen Wirtschaft in den fünfziger Jahren, die Pack im Auge hat, und möglicherweise auch erst im nachhinein verständlich erscheinen und bei entsprechender Betonung der Vollbeschäftigung für angebracht gehalten werden, wenngleich auch -z. B. von Burns - Kritik an einer solchen Haltung vorgebracht worden ist. Anders ist es dagegen um einen um 1962 einzusetzenden. antizyklischen Regelmechanismus bestellt. Angesichts der veränderten Lage der sechziger Jahre ist eine solche Politik weitaus problematischer. 1) Der weitere Verlauf der Indikatoren: einige denkbare Erklärungen Erstaunlich ist, daß die von Pack ex post ermittelten Startsignale, die die mildeste klassische Rezession erfassen, nach dem Festlegungszeit1) Vgl. hierzu etwa die in U. S. Department.of Commerce, BCD, Juni 1974, S. 114 wiedergegebenen_ Werte des Verbrauchsgüterpreisindex und das Schaubild auf S. 301, Ende 1967 ertönt auch die "Pfeife" des zweiten Hartsehen Vorschlags für formula flexibility. Mitte 1970 ertönen "Gong" und "Pfeife" gleichzeitig. Auch von Dernburg und McDougall wird das Jahr 1970 als Beispiel für einen Zielkonflikt erwähnt. Vgl. Dernburg, Thomas F.; McDougall, Duncan M., S. 422. Somit kann diese klassische Rezession des NBER als Stagflation gekennzeichnet werden.
- 249 - abgibt. 2. Bei beiden konjunkturpolitischen Strategien sind zur Bestimmung von Art und Ausmaß der Maßnahmen Angaben über das Ausmaß der zu bekämpfenden Fehlentwicklung und die mutmaßlichen Wirkungen der Maßnahmen, die zu quantifizieren sind, nötig, Daß es um die Ermittlung des Ausmaßes der Fehlentwicklung, das bei formula flexibility anhand des Startindikators festgestellt werden muß, schlecht bestellt ist, ist bereits ausgeführt worden. Die beiden konjunkturpolitischen Strategien bleiben demnach noch im Hinblick auf das Problem der Quantifizierung der Maßnahmenwirkungen miteinander zu vergleichen. Dabei sind stets bestimmte Annahmen über die Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte, Produktionsstruktur, institutionelle Bedingungen und dgl. mehr erforderlich, Bei einem antizyklischen Regelmechanismus bleibt hierbei nichts anderes übrig, als die Konstanz dieser Bestimmungsfaktoren in ihrer Gesamtheit zu unterstellen und somit von stets gleichen Wirkungen au11zugehen. 1) Beispielsweise ist nicht vorstellbar, wie atypische Ereignisse, Stimmungsumschwünge und dgl., die schon die kurzfristige Prognose der Reaktionen der Wirtschaftssubjekte erschweren, für einen mittelfristigen Zeitraum abgeschätzt werden könnten. Darüber hinaus können sich Verhaltensweisen, die kurzfristig als gegeben angenommen werden können, gerade mittelfristig ändern. Dies jedoch vorher angeben zu wollen, ist illusorisch, Es ist daher unmöglich, das "richtige" Ausmaß der Maßnahmen vorab zu bestimmen. 2) Hierzu kann auch auf die Ausführungen zur Prognose der konjunkturellen Entwicklung verwiesen werden. 3) Somit erwei11t sich auch bei der Lösung dieses Problems die diskretionäre Konjunkturpolitik als die überlegene Strategie, kann doch zum je1) So z.B. auch Stern, Klaus; Münch, Paul; Hansmeyer, Karl-Heinrich, s. 229. 2) Vgl, Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, S. 28 f, T1mm, Herbert, S. 130, Institut "Fin_anzen und Steuern'! S. 44 f. 3) Vgl, S, 202-204.
• 250 - welligen Zeitpunkt anhand der neuesten Informationen auf vorher nicht festgelegte Art und Weise versucht werden, die möglichen Wirkungen der zur Diskussion stehenden Maßnahmen zu quantifizieren, Aufgrund dieser Überlegungen können dann die günstigsten Maßnahmen ergriffen werden, Für eine Änderung des Ausmaßes der Maßnahmen gelten die bisherigen Ausführungen analog. Die Vorschläge für formula flexibility können die Überlegenheit der diskretionären Konjunkturpolitik bei der Lösung von Problemen, die mit der Quantifizierung der Maßnahmenwirkungen verbunden sind, nur bestätigen. Die wenigsten Vorschläge befassen sich überhaupt mit die. sen Fragen; sie begnügen sich mit der Aufzählung einiger staatlicher Instrumente, Noch unbestimmter ist die Besterssche Kennzeichnung der auszulösen. den Maßnahmen. Angesichts der so beredten Klage über die Mängel der Globalsteuerung wäre eine etwas eingehendere Darlegung der durch einen antizyklischen Regelmechanismus auszulösenden Maßnahmen er. wünscht gewesen, Doch deutet einiges bei der Bestersschen Argumenta. tion darauf hin, daß es ihm letztlich um mit t e 1 f r ist i g e Regelmechanismen zu tun ist. Bereits oben ist ausgeführt worden, daß sich, gälte die Besterssche These von den Primärund Sekundärimpulsen in uneingeschränkter Weise, ein antizyklischer Regelmechanismus erübrigte. An anderer Stelle behauptet Besters, 1 )es sei gleichgültig, ob die Finanzpolitik einen expansiven oder aber einen kontraktiven Kurs steuere; auch im letzteren Fall wirke sie expansiv, da die geringere Preissteigerung dann zusätzliche Auslandsnachfrage induziere. Bestünde eine so totale internationale konjunkturelle Verflechtung, wie dies Besters annimmt, so könnte nur eine außenwirtscha!tliche Absicherung Abhilfe schaffen, wogegen jedweder antizyklischen Konjunkturpolitik - und nicht nur der diskretionären - der Erfolg versagt bliebe. Dasselbe gälte, wenn zu Recht unterstellt werden könnte, daß expansive Maßnahmen die Nachfrage vom sonst zu erwartenden Belebungseffekt abnehmender 1) Vgl. Besters, Hans, Regelmechanismen statt konjunkturverschärfender Staatseingriffe? , in: "Die Freiheit erhalten~ Wirtschaftstag der CDU, Bonn 1969, Protokolle, S. 125,
- 251 - Preissteigerung unberührt ließen. 1) Erwiesen sich alle diese Hypothesen als zutreffend, so sprä ehe alles dafür, jedwede antizyklische Politik zu unterlassen, da sie machtlos wäre; eine Zweistufenlösung, wie sie von Besters vorgeschlagen worden ist, könnte dann jedenfalls nicht vertreten werden. Soll jedoch für diese plädiert werden, so können diese Hypothesen keine uneingeschränkte Gültigkeit beanspruchen. Für die Überlegenheit eines antizyklischen Regelmechanismus über die diskretionäre Konjunkturpolitik wären dann erst noch Begründungen vorzubringen, Mit einer so vagen Formulierung über die auszulösenden Maßnahmen ist es nicht getan. Selbst bei den konkretesten der Vorschläge, den verschiedenen von Pack dargelegten Versionen für formula flexibility, ist die auszulösende Steuersenkung nicht hinreichend spezifiziert worden, und außerdem ist das festgelegte Ausmaß nur rein zufällig adäquat. Letzteres betont, jedenfalls was die II oneshot policy II betrüft, Pack selbst, der vor Problemen der Quantifizierung der Maßnahmenwirkungen zurückschreckt. Da die Packsehen Untersuchungen sich zudem mit einem bereits vergangenen Zeitraum beschäftigen, tragen auch sie nicht zur Klärung von Fragen bei, die bei der Konzipierung eines antizyklischen Regelmechanismus auftreten, da es dann darauf ankommt, nach Lösungen für die anstehenden Probleme für einen künftigen Zeitraum zu suchen. Unterstellt man - freilich im Gegensatz zu Pack, der selbst Bedenken vorbringt -, bei dem von ihm verwendeten Modell handle es sich um das einzig II richtige II der amerikanischen Wirtschaft, so wären die Wirkungen der Maßnahmen zutreffend abgeschätzt worden. Gleichzeitig jedoch spräche einiges für Steuersenkungen an sich, d. h. unabhängig von der zu wählenden konjunkturpolitischen Strategie. Dies ist deshalb der Fall, weil damit die Struktur der Wirtschaft als bekannt angenommen wird. Es gälte dann die bei gegebener Zielfunktion optimale Poli1) Besters beschränkt diese Aussage auf d,iskretionäre Maßnahmen. Vgl. Besters, Hans, Stabilitätspolitik muß nicht weh tun, S, 76.
- 252 - tik zu finden. Wäre dies auf direktem Weg nicht möglich, so müßte mittels Simulationen versucht werden, sich an diese Lösung heranzutasten. Damit wären die optimalen Maßnahmen in sachlicher Hinsicht bestimmt. Zu welchem Zeitpunkt über diese durch die "decision rule 111 ) festgelegten Maßnahmen entschieden würde, wäre völlig gleichgültig; damit erübrigte sich ein Streit über die Wahl der konjunkturpolitischen Strategie. Wird jedoch in Betracht gezogen, daß es mehrere Modelle gibt, von denen für keines der Anspruch erhoben werden kann, es sei das eindeutig 11 beste~• so gibt es selbst bei gleicher Zielfunktion mehrere, sich in sachlicher Hinsicht unterscheidende optimale Handlungsweisen. Sich auf eine derselben vorab für einen acht bis zehn Jahre wlhrenden Zeitraum festzulegen, erwiese sich im nachhinein nur dann als adll.quat, wenn dieses Modell unverändert gut zu Beginn und für den gelilamten Zeitraum die Struktur der Wirtschaft nachgezeichnet hätte, Wie bereits oben ausgeführt worden ist, handelt es sich dabei jedoch um eine ganz und gar unsinnige Vermutung. 1) Eine solche "decision rule" unterscheidet sich von den verschiedenen, in Teil B darl(estellten Versionen von "decision rules" nur dadurch, daß dort eine deterministililche, bei Pack aber eine stochastische Modellwelt zul(rundeieleit worden i11t. E11 handelt sich bei letzterer zwar nicht mehr um eine Welt der Sicherheit, wohl aber um eine, in der bekannt i11t, auf welche Weise sich die Unsicherheit niederachllll(t. Demieienüber erlilcheint ea 11innvoller, die in der Realltlt be11tehende Unsicherheit in der Tataache zu erblicken, daß eine Vielzahl von Modellen denkbar i11t. In diesem Sinne äußert 11ich auch Pindyck, Vil. Pindyck, Robert S., S, 39,
- 2 53 - III, Zur Suspensionsklausel Bei der Aufstellung eines antizyklischen Regelmechanismus ist gleichzeitig die Möglichkeit seiner Veränderung oder (zeitweiligen) Aufhebung vorzusehen, also gewissermaßen ein "Regelmechanismus in ,,l) · nh d F . Potenz zu entwerfen. Damit zusamme ängen e ragen sollen 1m folgenden diskutiert und mit den im Rahmen diskretionärer Konjunkturpolitik, die naturgemäß ohne eine solche Klausel auskommt, bestehenden Möglichkeiten verglichen werden. Soll der antizyklische Regelmechanismus, nachdem er für einen längeren Zeitraum unverändert gegolten hat, nicht gänzlich beseitigt, sondern nur modifiziert werden, so kann an mehreren Stellen eingegriffen werden. 2) Startund/ oder Schlußindikator können verändert werden, indem eine oder mehrere Reihen ausgewechselt werden. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn unter der von Hagen angegebenen Bedingung3) an die Stelle-der Zahl der Arbeitslosen eine die geleisteten Arbeitsstunden wiedergebende Reihe träte. Bei mehreren Reihen könnten Gewichtung und Art der Zusammenfassung modifiziert werden. Gleichzeitig kann eine Veränderung der kritischen Werte erwogen werden, Schließlich können die auszulösenden Maßnahmen, sei es der Art und/ oder ihrem Ausmaße nach, anders ausgestaltet werden, Ihrer Eindeutigkeit und Geringfügigkeit halber würden vermutlich solche Modifikationen nicht als Suspension der Regel gelten, die aufgrund von Änderungen des Basisjahres einer Reihe oder geänderter statistischer Definitionen vorgenommen werden müssen. So enthalten etwa die inländischen Auftragseingänge in der Bundesrepublik Deutschland bis Ende 1967 die Bruttoallphasenumsatzsteuer, jedoch nicht die 1) Vgl. Schlecht, Otto, S, 41. 2) Vgl, hierzu Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, s. 21. 3) Vgl. S. 113.
- 2 54 - 1968 eingeführte Mehrwertsteuer. 1) Doch müßte sichergestellt sein, daß es sich nur um solche technisch bedingten Änderungen handelt. Es zeigt sich, daß selbst sonst verhältnismäßig unproblematisch erscheinende statistische Operationen, denen bei diskretionärer Konjunkturpolitik ohne weiteres Rechnung getragen werden kann, im Rahmen von formula flexibility eine andere Qualität erhalten. In den beiden vorhergehenden Abschnitten ist für den antizyklischen Regelmechanismus angenommen worden, daß die einmal konzipierte Formel für wenigstens acht bis zehn Jahre unmodifiziert in Kraft bleiben solle. Bei den die Suspension auslösenden Tatbeständen kann es sic-h damit nur um sc-hwerwiegende und außergewöhnliche Ereignisse /Version I der Suspensionsklausel) handeln, also einen bestimmten Teil der atypischen bzw. "zufallsbedingten" Ereignisse. Verhältnismäßig eindeutig scheint hierbei der Kriegsfall zu sein, für den Pack die Suspension von formula flexibility als gegeben ansieht. Doch hat hierzu im Gegensatz Hart gerade im Jahre 1941 einen Vorschlag zur Bekämpfung der inflationären Auswirkungen des 2. Weltkrieges unterbreitet. Pack erwähnt nicht die mögliche unterschiedliche Dauer und Intensität von Kriegen; möglicherweise hätte er angesichts der inflationären Auswirkungen des 2. Weltkrieges anders als angesichts derjenigen des Koreakrieges argumentiert, 2) doch ist dies bloße Spekulation. Ob Kriege als die Suspension der Regel auslösender Tatbestand anerkannt werden oder nicht, könnte somit zum einen vom Ausmaß ihrer inflationären Auswirkungen und dessen Beurteilung, also der Gewichtung der konjunkturpolitischen Ziele, und zum anderen davon abhängen, ob den Auswirkungen von Kriegen auf diese Ziele auch mit Hilfe k o n j unkt ur - p o 1 i t i scher Maßnahmen entgegengewirkt werden soll. 1) Vgl. S.335, Fußnote 1) des ersten Schaubildes. 2) Der Vietnamkrieg erscheint dagegen dem Koreakrieg eher vergleichbar; so ist er auch bei den oben durchgeführten Untersuchungen über die Ergebnisse der II one-shot policy" nach dem Packsehen Festlegungszeitpunkt als möglicher, die Suspension auslösender Tatbestand angeführt worden.
- 2 55 - Wird die Packsehe Argumentation akzeptiert und stellen demnach Kriege - zumindest vom Ausmaß des Koreaund des Vietnamkrieges - einen Anlaß zur Suspension von formula flexibility dar, so wären die Resultate, die die II one-shot policy 11 nach dem Festlegungszeitpunkt erbracht hätte, zwar andere als ohne eine solche Klausel, doch, gemessen an den Packsehen Kriterien - soweit diese abgeleitet werden konnten - , keineswegs bessere. Es verstummte dann das unterschiedlich interpretierbare Signal von 1967, ebenfalls jedoch das - wenn auch verspätete, so doch grundsätzlich als "richtig II geltende - Signal von 1970; die Berücksichtigung der Suspensionsklausel impliziert eine stärkere Beachtung der - bei den Packsehen Versionen der formula flexibility sonst sehr vernachlässigten - Preiseffekte. Demgegenüber hätte bei diskretionärer Konjunkturpolitik zum jeweiligen Zeitpunkt entschieden werden können, ob Maßnahmen hätten ergriffen werden sollen oder nicht. Läßt sich der Tatbestand des Krieges wenigstens halbwegs eindeutig umschreiben, jedenfalls der Art nach, wenn auch nicht im Hinblick auf erforderliche Dauer und/ oder Intensität, so gilt dies nicht für die anderen, möglicherweise in die Suspensionsklausel aufzunehmenden Tatbestände wie etwa Krisen größeren Ausmaßes (Suezkrise? Ungarnaufstand? Berlinkrise? Nahostkonflikt? Ölkrise?) oder bedeutende institutionelle Änderungen (eine Steuerreform? Abgehen vom Nominalwertprinzip? Einführung der Mitbestimmung?), da sie nicht antizipiert werden können. Es kommt dann darauf an, wie im Einzelfall entschieden wird; insofern schleicht sich in den Regelmechanismus ein Element diskretlonärer Konjunkturpolitik ein. Doch muß wenigstens so genau abgegrenzt werden, daß nicht allzu viele dieser, zwar im Einzelfall, aber nicht notwendigerweise in ihrer Gesamtheit seltenen Ereignisse die Suspension auslösen, soll die Regel in der Tat für etwa acht bis zehn Jahre in Kraft bleiben. Es ist nicht undenkbar, wenn nicht sogar wahrscheinlich, daß der Kreis der die Suspension auslösenden Tatbestände noch weiter gezogen oder gar eine Generalklausel (Version II der Suspensionsklausel) in das Formelgesetz aufgenommen wird. Die im UN-Report und von Hagen wiedergegebenen Formulierungen der
- 2 56 - Revisionsklausel stellen Beispiele für eine solche Möglichkeit dar. Damit aber steht die Forderung, antizyklische Maßnahmen automatisch II in certain c 1 e a r 1 y defined eventualities" 1) auszulösen, nur auf dem Papier. Dies ist deshalb der Fall, weil auch die konkret ausgestaltete Formel nicht vor einer Anwendung der Generalklausel schützt. Es können dann Änderungen der Wirtschaftsstruktur sowie der Definition und Gewichtung konjunkturpolitischer Ziele berücksichtigt und nach dem Festlegungszeitpunkt erstmals erfaßte Reihen sowie neue statistische Verfahren 2) und Ergebnisse der Konjunkturforschung 3) beachtet werden. Auch Hart neigt wohl dieser Möglichkeit zu, wenn er meint: "conscious adaptation from time to time is ... needed", 4) und 11 Planners of stabilization policies resting almest entlrely on automatlc devices are living in a fool' s paradise. 11 5) Besteht somit die Möglichkeit, häufig in den antizyklischen Regelmechanismus einzugreifen, so können seine, in den beiden vorhergehenden Abschnitten geschilderten negativen Auswirkungen gemildert werden, freilich gerade auf Kosten seiner spezifischen Eigenschaften. 6) Bei stets 1) Vgl. UN-Report, S. 40 (Hervorhebung von der Verf.). 2) Kurz nach Veröffentlichung des Besters.schen Vorschlages für formula flexibility ist der GI-SVR entwickelt worden. Auch für die Packsehen ad hoc-Indikatoren könnte inzwischen Ersatz gefunden werden, da das NBER ab 1961 auch Gesamtindikatoren berechnet. Theoretische Ausführungen hierzu finden sich in Shiskin, Julius, Signals of Recession and Recovery, New York 1961,Anhang A:Technical Notes on Amplitude-Adjusted General Indexes, Adjusted Rates of Change, and Diffusion Indexes, S. 123-141. 3) Der Wissenschaftliche Beirat beim BMW fordert, daß die Suspensionsklausel einerseits verhindern solle, daß Ziele oder sonstige Parameter aus "willkürlichem" Anlaß geändert würden, andererseits müsse sie aber auch die Möglichkeit bieten, neuen Erkenntnissen Rechnung zu tragen. Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim BMW, Regelmechanismen in der Wirtschaftspolitik, Tz. VI.10., S. 616. Es ist schwer vorstellbar, wie es den Regelkonstrukteuren gelingen könnte, eine Suspensionsklausel zu formulieren, die diesen Anforderungen gerecht würde. 4) Vgl. Hart, Albert G., The Problem of 11 Full Employment" - Facts, Issues, and Policies, S. 284. 5) Vgl. Hart, Albert G., Money, Debt and Economic Activity, 1. Aufl., s. 488. 6) Vgl. Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, S. 29 f.
- 2 57 - gegenwärtigen Überlegungen, ob die Suspensionsklausel anzuwenden sei oder nicht, nähert er sich der diskretionären Konjunkturpolitik. Soweit die durch formula flexibility ausgelösten Maßnahmen als erwünscht gelten, was nicht unbedingt daran liegen muß, daß die Regel ursprünglich "richtig" konzipiert worden ist, wird in den Regelmechanismus nicht eingegriffen, es kommen damit dieselben Maßnahmen wie bei diskretionärer Konjunkturpolitik zustande. Löst der Regelmechanismus dagegen unerwünschterweise keine Maßnahmen aus, kann er mittels der Generalklausel außer Kraft gesetzt werden, so daß - diskretionär - Maßnahmen ergriffen werden können. In beiden Fällen hätte man sich freilich die Mühen und den Einsatz von Ressourcen bei der Formelaufstellung ersparen können. Löste der Regelmechanismus dagegen - würde in ihn nicht eingegriffen - unerwünschterweise Maßnahmen aus, so kommt es darauf an, ob es noch rechtzeitig gelingt, die Generalklausel anzuwenden und somit dies zu verhüten oder nicht. Glückt dies nicht, so hat die Existenz einer - obsoleten - Formel ungünstige Auswirkungen gezeitigt. Andernfalls besteht auch in diesem Fall kein Unterschied zur diskretionären Konjunkturpolitik. Soweit der antizyklische Regelmechanismus dank der Generalklausel zu identischen Ergebnissen wie die diskretionäre Konjunkturpolitik führt, entpuppt sich die Kontroverse über die konjunkturpolitischen Strategien als Scheingefecht. Im anderen Fall bleiben negative Auswirkungen weiterhin bestehen; diese sind jedoch weniger gravierend als bei einer Suspensionsklausel der Version I, da der Regelmechanismus weitgehend seiner Charakteristika beraubt worden ist. In diesem Zusammenhang ist noch auf die Rosesche "maßorientierte Stabilisierungspolitik automatischen Typs" 1) zurückzukommen, eine Politik, die nur so lange unrevidiert, d, h. "automatisch" bleiben soll, wie sich Zielstruktur und theoretische Annahmen über das ökonomische System nicht ändern. Ändern sich diese, so soll sie modifiziert werden. Diese Anforderungen können in einer Welt der Ungewißheit, in der sich die ökonomischen Bedingungen und die Kenntnis über sie, von Wandlungen der Zielvorstellungen ganz zu schweigen, stets Indern, mit Hilfe der kon1) Vgl. auch S. 83.
- 2 58 - junkturpolitischen Strategie der formula flexibility allenfalls in Verbindung mit der Suspensionsklausel II, mit größerer Sicherheit jedoch nur im Rahmen diskretionärer Konjunkturpolitik erfüllt werden, Unabhängig davon, welche Suspensionsklausel gewählt wird, bleiben noch einige denkbare Möglichkeiten zu erwähnen, die einer (partiellen) Suspension des antizyklischen Regelmechanismus der Sache nach gleichkommen können, Sie resultieren daraus, daß die Bedingung des konformen Verhaltens 1) verletzt wird. Verbleibt die Entscheidung darüber, ob Liquiditätseffekte der Formel konterkariert werden sollen oder nicht, bei den Trägern der Geldpolitik, so bleibt es diesen gleichfalls unbenommen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu versuchen, auch den Einkommensund/oder Substitutionseffekten entgegenzuwirken. Aber auch die staatlichen Akteure i. e. S. können bei der Ausgestaltung der Allokationsund/oder Verteilungspolitik - wird diese diskretionär betrieben - nicht nur den allokationsund/ oder verteilungspolitischen Nebeneffekten des antizyklischen Regelmechanismus entgegenwirken, sondern auch "sachfremde ''. d. h. konjunkturpolitische Erwägungen anstellen und so die konjunkturellen Auswirkungen von formula flexibility - wenn auch u. U. zu Lasten allokationsund/oder verteilungspolitischer Aufgaben - bekämpfen. Diese Möglichkeiten ließen sich nur dann mit Sicherheit ausschließen, wenn alle politischen Entscheidungen vorab im Rahmen von Regelmechanismen getroffen würden. Treten bei deren Konstruktion nicht wesentlich geringere Schwierigkeiten auf als bei formula flexibility~) so handelt es sich hierbei jedoch um eine schreckliche Vision, die an die Orwellsehe Welt des sich nähernden Jahres 1984 gemahnt, 1) Vgl. Neumark, Fritz, Ermessensfreiheit oder Automatismus?, S. 20. 2) Im Hinblick auf die Möglichkeit, daß verschiedene partielle Regelmechanismen einander wechselseitig negativ beeinflussen könnten, warnt auch der Wissenschaftliche Beirat beim BMW vor einer zu großen Anzahl von Regelmechanismen. Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim BMW, Regelmechanismen in der Wirtschaftspolitik, Tz. VII. 3., S. 617 f.
Anhang
- 266 - Verzeichnis der verwendeten Symbole b C d (vorangestellt) G g h k g k. 1 k r r s s T t t (tiefgestellt) ul, 2 V y Konstante bei der Lösung von Differenzengleichungen 2. Ordnung marginale Konsumquote Konsumausgaben Änderung Staatsausgaben für Güter und Dienste autonome Staatsausgaben für Güter und Dienste marginale Staatsausgabenquote, bezogen auf die Differenz zweier Sozialproduktswerte Investitionsausgaben autonome Investitionsausgaben Staatsausgabenmultiplikator Investitionsmultiplikator Steuermultiplikator autonome Steuereinnahmen marginale Steuerquote, bezogen auf die Differenz zweier Sozialproduktswerte Ersparnis Steuereinnahmen marginale Steuerquote Zeitindex Lösungen des charakteristischen Polynoms einer Differenzengleichung 2. Ordnung Akzelerator Koeffizienten von Y tl bzw. Y t2 Nettosozialprodukt Gleichgewichtseinkommen (im analytischen Sinn) Konjunkturelles Gleichgewicht Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte
-267 - Zu Kapitel B. I. 1. : Statische Modelle Die beiden folgenden Ausgangsmodelle basieren auf den jeweils denkbar einfachsten, in diversen Lehrbüchern dargestellten Versionen statischer Modelle, vgl. z. B. : Allen, R. G. D.: Dernburg, Thomas F. ; McDougall, Duncan M. : Evans, Michael K. : Musgrave, Richard A.: Peacock, Alan T.; Shaw, G. K.: Mathematische Wirtschaftstheorie, Berlin 1971, s. 52-58. Macroeconomics, 4. Aufl., New York 1972, s. 121-142. Macroeconomic Activity, New York, Evanston, London 1969, S. 542-545 (Modelle 1, 3, 4). The Theory of Public Finance, New York 1959, s. 429-437, 445 f. The Economic Theory of Fiscal Policy, London 1971, S, 31-39, Danach wird aufgezeigt, wie optimale antizyklische Konjunkturpolitik beschaffen sein müßte, wenn das jeweilige Ausgangsmodell adäquat die Wirklichkeit abbildete.
- 268 - Modell I 1. Ausgangsmodell y C + I + G C b yV yV Y-T I G g T = r Annahme: Permanente Änderung der autonomen Investitionen um di Änderung des Gleichgewichtseinkommens • 1 dY. r:7j" di l k. l l r:7j" (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7)
- 269 - 2. Optimale antizyklische Konjunkturpolitik Identitllt von "Prophylaxe" und "repressiver Politik" 1. "Prophylaxe" bei Variation der Staatsausgaben: dg = - di Gleichung (8) ergibt sich aus: • dY g dY • g k dg g k g • -dY. 1 k dg g - k. di 1 1 T:7i und k. 1 2. "Repressive Politik• bei Variation der Staatsausgaben: • (8 ) dY 1 dg - -k- (Ba) g Gleichung (Ba) ergibt sich aus: • • dY - dYi g • dY k dg g g • k dg dY. g 1 3. Gleichung (7) eingesetzt in Gleichung (Ba) ergibt: dg Aus k = g dg ki di --kg ki resultiert: - di Gleichung (Ba) ist identisch mit Gleichung (8). Dasselbe gilt analog für die Variation der Steuern.
- 270 - 2. 1, Variation der Staatsausgaben dg : - di ( 8) 2, 2. Variation der Steuern dr di b ( 9) Gleichung (9) ergibt sich aus: dY* • -dY. r 1 dY* • k dr und dY. k. di r r 1 1 k dr - k. di r 1 k b b k. r -~ 1 b dr di 2, 3, Variation beider Instrumente dg -b dr : - di (10) Gleichung (10) ergibt sich aus: dY• • • + dY - dY. g r 1 k dg + k dr - k. di g r 1 k ki und k b k. g r 1 ki dg b k. dr - k. di 1 1
- 271 - Modell II 1, Ausgangsmodell y C + I + G C b yV yV y - T i G g T tY T r+tY T r+tY Annahme: Permanente Änderung der autonomen Investitionen um di Änderung des Gleichgewichtseinkommens "' dY. l l di 1 -b (1 - t) 1 1 -b (1 - t) (1 (2 (3 (4 (5 (Sa) (6b) (6c) (7 )
- 272 - 2. Optimale antizyklische Konjunkturpolitik 2.1. Variation der Staatsausgaben dg = - di Gleichung (8 ) ergibt sich aus: • .. dY - dY. g l • • dY k dg und dY. g g l kg dg - k. di l k 1 1 - b (1 - t) k. g l 2. 2. Variation der Steuern (gegebene marginale Steuerquote) bei Gleichung (6a): bei Gleichung (6b): dr di b Gleichung (9b) ergibt sich aus: dY• - dY~ r l k dr r - k. di l b k r - 1 - b (1 - t) b dr di und b k. l k. di l k. di l (8 ) (9a) (9b)
bei Gleichung (6c): dr Gleichung (9c) ergibt sich aus: ,. ,. dY - dY. r 1 dY• k dr und r r k dr - k. di r 1 k b r 1 - b (1 -t) b dr di - 273 - dY~ k. di 1 1 b k. 1 (9c)
- 274 - 2. 3. Variation beider Instrumente (gegebene marginale Steuerquote) bei Gleichung (6a): dg = - di bei Gleichung (6b): dg _ b dr = - di Gleichung (lOb) ergibt sich aus: dY• • • + dY - dY. g r 1 k dg +k dr - k. di g r 1 k k. und g 1 ki dg b k. dr - k. di 1 1 bei Gleichung (6c): dg + b dr = - di Gleichung (lOc) ergibt sich aus: dY• + dY• • - dY. g r 1 k dg +k dr - k. di g r 1 k k. und g 1 ki dg + b k. dr - k. di 1 1 k r k r b k. 1 b k. 1 (lOa) (lOb) (lOc)
-281 - 1, 4, Wertetabelle zur Grafik auf S. 30 Begrenzungskurve zwischen stetiger Bewegung und Schwingungen b=21/v'-v V b V b 0, 0 0,0000 2, 0 0, 8284 0, 1 0, 5325 2, 1 0,7983 0, 2 0, 6944 2, 2 0,7665 0, 3 0, 7954 2, 3 0, 7332 0, 4 0, 8649 2, 4 0, 6984 0, 5 0,9142 2, 5 0, 6623 0, 6 0, 9492 2, 6 0, 6249 0, 7 0, 9733 2, 7 0, 5863 0, 8 0,9889 2, 8 0, 5466 0, 9 0, 9974 2, 9 0,5059 1, 0 1,0000 3, 0 0,4641 1, 1 0, 9976 3, 1 0,4214 1, 2 0, 9909 3, 2 0, 3777 1, 3 0, 9804 3, 3 0, 3332 1, 4 0, 9664 3, 4 0,2878 1, 5 0,9495 3, 5 0,2417 1, 6 0, 9298 3, 6 0, 1947 1, 7 0, 9077 3, 7 0, 1471 1, 8 0, 8833 3, 8 0,0987 1, 9 0, 8568 3, 9 0,0497 4,0 0,0000 Begrenzungskurve zwischen gedämpften und explodierenden Schwingungen 0 ~ b S 1 und v = l
-282 - 2. Optimale antizyklische Konjunkturpolitik 2. 1. Prophylaxe Zu Gleichung (15): Im Ausgangszustand (Y 0) gilt: yt yt-1 Tt i ät g 1\ r c!t b (l\ -1\) b (Y - r) Yo ~t +i + Gt t ''t In Periode 1: Änderung der autonomen Investitionen um ( di) In Periode 1: Änderung der autonomen Staatsausgaben um (- di) In Periode 1: Y l C t + Tt + di + ~t + dg +G t (15) (16)
- 283 - Zu Gleichung (16): Im Ausgangszustand (Y t-l) gilt: yt y t-2 ; yt-3 Tt <'\ g 1\ r <'\ b (\\ -1\) b (i\ - r) y t-1 et +i t +c t yt In Periode 1: Änderung der autonomen Investitionen um ( di) In Periode 0: Änderung der autonomen Steuern um (.!!!) b In Periode 0: TO ; r + di b CO b (Y t-1 - T t1) b (Yt - r) et Yo ('.: t + it +c t yt In Periode 1: Tl r Cl b (Y 0 -TO) - di b (Yt - r - b) Ct - di yl C - di + T + di + G t y t
- 284 - 2. 2. Repressive Politik 2. 2. 1. Gewinnung dynamischer Stabilität Gt = g -h (Yt-1 - yt-2) T t = r + s (Y t - y t-1) v =h+bs Zu Gleichung (17): s = 0 h = V Aus den Gleichungen (1) -(4), (6), (17), (19) ergibt sich: yt = b (Yt-1 - r) + i + v (Yt-1 - yt-2) + g -h (Yt-1 - yt-2) Y t = b Y tl -b r + i + g Zu Gleichung (18): h = 0 b s = V Aus den Gleichungen (1) -(4), (5), (18l, (19) ergibt sich: -s(Y 1 -Y 2 )]+i+v(Y 1 -Y 2 )+g tttty t = b Yt.l -b r + i + g Gleichung (20b) ist identisch mit Gleichung (20a). Entsprechendes gilt für Kombinationen von h und s, sofern Gleichung (19) erfüllt ist. (17 (18 (19 (20a) (20b)
- 285 - 2, 2, 1.1. Zeitpfad für das Sozialprodukt = b Y t-l + i + g - b r 2, 2, 1, 2. Lösung der Gleichung (20) 0 ~ b < 1 Bei einmaliger Änderung der autonomen Investitionen Anfangsbedingungen = y; = yt = 'V + di t = Y + di b t-l t (Y -Y ) = di b tl t t Da 0 ~ b < 1 gilt: lim(Y - 'V) = 0 t ·- t t i+g-br 1 - b Bei permanenter Änderung der autonomen Investitionen Anfangsbedingungen Yo = yl =Y i+g-br t 1 - b y• =Y di t t +1-b Y t = vt + 1 ~1 b + (Yt -yt _ di ) b t-1 1-b (y _ y ) = di (l _ b t-1 ) t t 1-b Da 0 ~ b < 1 gilt: - di lim(Yt - Yt) = r:7j t•• (20) (21) (22) (23) (24) (25)
- 286 - 2. 2. 2. Wiedergewinnung des konjunkturellen Gleichgewichts G = t h ['~\ -(b + v) yt-1 + v yt-2 -i+br] T = t -i [\\ -(b + v) Y t + V Yt.1 - i - g] 1 h + s Zu Gleichung (2 6): s = 0 h 1 Aus den Gleichungen (1) - (4), (6), (26), (28) ergibt sich: Yt = (b + v) Yt-l - v Yt-Z + i _ b r +h[Yt -(b+v)Yt_ 1 +vYt_ 2 -i+br] Zu Gleichung (27): h = 0 s Aus den Gleichungen (1) - (4), (5), (27), (28) ergibt sich: y = t b yt-1 Gleichung (29b) ist identisch mit Gleichung (29a). Entsprechendes gilt für Kombinationen von h und s, sofern Gleichung (28) erfüllt ist. (26 (27 (28 (29a) (29b)
- 287 - Modell IV 1. Ausgangsmodell y C + I +G t t t t C b yV t t-1 yv t y t - T t lt + V (C t - ct-1 l Gt g Tt r 1. 1. Zeitpfad für das Sozialprodukt Yt = b (1 + v) Yt-l - b v Yt_2 + i + g - b r Gleichung (7) resultiert aus den Gleichungen (1 )- (6). (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7)
1. 2. Lösung der Gleichung (7) ("Normalfall") i+g-br + 1 - b (Y; = Y\) b ( l + v) 2 - 288bv Al 2 siehe Modell III, Gleichungen (lOa), (lOb) auf S. 277. , Befindet sich das Modell zu Anfang im Gleichgewicht, so gilt: = y• t Daraus resultiert: (8) (9)
- 289 - Bei einmaliger Änderung der autonomen Investitionen Anfangsbedingungen • y i+g-br Yo yt t 1 - b yl yt + di yt yt [ di ] U t + - u2 -u1 1 + [ u2 ~\i] u2 1::, ~1. 2 siehe Modell III, Gleichungen {12a), {12b) auf S. 27B. Ul, 2 siehe Gleichung (9), Bei permanenter Änderung der autonomen Investitionen Anfangsbedingungen Yo • y t y t yl y i+g-br t 1 - b 1\ + di r:-ij y + di [ - di U2 + di J Ul 'f":"b + (1 -b) {U 2 -u1) t + [ (1 di u1 - di ] u t -b) {U 2 -u1) 2 siehe Modell III, Gleichungen {14a), {14b) auf S. 279. siehe Gleichung (9). {11) (13)
- 290 - 1. 3. Typen des Zeitpfades für das Sozialprodukt Stetige Konvergenz zum Gleichgewichtsniveau 4 V b~ (1 + v) 2 und 0 ~ b v < 1 Gedämpfte Schwingungen um das Gleichgewichtsniveau b < 4 v (1 + v) 2 und 0 < b v < 1 Konstante Schwingungen um das Gleichgewichtsniveau 4 V b <---- (1 + v) 2 und bv 1 und V > 1 Explodierende Schwingungen um das Gleichgewichtsniveau b < 4 v (1 + v) 2 und Stetige Divergenz vom Gleichgewichtsniveau hinweg b ~ 4 V (1 + v) 2 und b v > 1 b 4 V (1 + v) 2 und bv und b V = 1
- 297 - Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts •l5l •11.1 -c ,:, -5 l ~ -1 Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, August 1975, S, 65.
- 298 - Bruttosozialprodukt in jeweiligen Preisen - Wachstumsraten - QuarJahre tale 1948 1949 1950 I 10, 2 -8, 0 18, 5 II 12, 7 -5, 0 14, 9 III 11, 2 3, 0 28, 2 IV 2, 3 -3, 2 16, 5 Durchschnitt 11, 3 - 0, 4 11, 0 QuarJahre tale 1955 1956 1957 I 14, 4 1, 8 7, 0 - II 8, 7 5, 6 2, 8 III 8, 5 4, 4 6, 0 IV 6, 4 8, 7 - 4, 2 Durchschnitt 9, 1 5, 3 5, 2 QuarJAhre tale 1962 1963 1964 I 7, 7 3, 8 8, 1 II 7, 0 4, 8 6, 8 III 5, 2 7, 4 7, 1 IV 5, 5 7, 7 3, 9 Durchschnitt 7, 7 5, 4 7, 1 QuarJahre tale 1969 1970 1971 I 7, 7 4, 1 15, 3 II 7, 5 5, 1 7, 8 III 8, 2 7, 1 5, 5 IV 3, 1 1, 8 8, 5 Durchschnitt 7, 6 5, 0 8, 0 1) Eigene Berechnung. 1951 18, 9 10, 2 8, 9 5, 0 15, 3 1958 6, 0 3, 4 12, 4 12, O 1, 4 1965 11, 4 8, 0 9, 4 11, 4 8, 3 1972 12, 2 10, 5 9, 5 12, 7 9, 8 1952 1953 1954 3, 1 7, 4 - o. 2 - 0,4 3, 8 - o. 3 7, 9 - 1, 9 4, 9 14, 7 -5, 3 9, 9 5, 2 5, 5 o. 1 1959 1960 1961 8, 5 10, 6 o. 2 11, 3 1, 4 9, 3 -2, 3 - 0, 4 7,4 5, 4 -0, 7 10, 7 8, 2 4, 1 3, 2 1966 1967 1968 11, 5 1, 9 9, 2 7, 8 5, 3 11, 7 7,0 8, 6 8, 6 8, 0 7, 7 7, 1 9, 5 5, 9 8, 9 1973 1974 1975 15, 5 4, 5 -3, 9 9, 6 7, 6 6, 7 10, 1 ll, 7 11, 2 4, 2 11, 8 7 91) Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, August 1974, S.113; August 1975, s. 69.
- 299 - Bruttosozialprodukt in Preisen von 1958 - Wachstumsraten - QuarJohre tale 1948 1949 1950 I 3, 4 -5, 0 21, 6 II 7, 5 -2, 4 11, 0 III 3, 7 4, 5 17, 5 IV 3, 6 -3, 3 8, 2 Durchschnitt 4,4 0, 2 9, 6 QuarJAhre tale 1955 1956 1957 I 12, 4 - 2,4 2, 7 II 7, 2 1, 8 - 0, 1 III 6, 3 - 1, 0 1, 8 IV 3, 9 5, 4 - 6, 0 Durchschnitt 7, 6 1,8 1, 5 Quar- ,Jphre tale 1962 1963 1964 I 6, 2 2, 2 6, 6 II 6, 5 3, 6 5, 3 III 4, 3 6, 6 5, 1 IV 3, 7 5, 4 1, 9 Durchschnitt 6, 6 4, 0 5, 4 QuarJphre tale 1969 1970 1971 I 3, 4 - 2, 1 10, 1 II 1, 9 0, 5 2, 8 III 1, 9 2, 9 2, 8 IV -2, 3 - 4, 3 6, 5 Durchschnitt 2, 7 - 0, 4 3, 3 1) Eigene Berec-hnung. 1951 5, 2 7, 3 7, 7 0, 0 7, 9 1958 -9, 2 1, 8 10, 6 10,0 - 1, 1 1965 9, 2 5, 9 8, 2 9, 4 6, 3 1972 6, 4 8,4 6, 0 8, 3 6, 2 1952 1953 1954 2, 8 6, 8 -5, 6 - 1, 9 4, 2 - 0, 8 4, 5 -2, 6 5, 2 12, 1 -4, 6 8, 5 3, 0 4, 5 - 1, 4 1959 1960 1961 6, 2 8, 4 - 0, 9 10, 0 -0, 4 8, 7 - 4, 0 - 1, 9 7, 3 4, 6 -2, 9 8, 4 6, 4 2, 5 1, 9 1966 1967 1968 8, 1 -0, 9 5, 4 3, 7 3, 0 7, 5 3, 2 4, 4 4, 0 4, 9 2, 8 2,4 6, 5 2, 6 4, 7 1973 1974 1975 9, 5 -7, 0 -11, 4 2, 2 - 1, 6 1, 6 1, 6 -1, 9 2, 3 -9, 0 5, 9 -2, 11) ~ U. S. Department of Commerce, BCD, August 1974, S. 114; August 1975, s. 69.
Beschäftigungslage 0,,,1 (A'I,) , ... 11.,,J ' p 1 ,, ~l ,. ' - 300 - \ 4CIJlliiijiiDJ Nli aia,-1atan,e'cen1::[ailiufoal1) - ~A,.A/l J ,,,_) '""·' ~ ~~\ J ~· ' ./ \ IJ /V r'\- ._~ ·1 ~- J •- ... r iLJ 1 -- w ,u v •44_ 0 ~I meat r111, p«SIIIS uDIIDployed 15 weHS 11d over (percent--i ~nd stall) .... , - - r--.... ·- '\l,r ' r" I'\. /~ _. r---....__..,.: \ V N" \ ' fJ - 'g ~ 143. lolll unemil111d / - ~ \. . "\. . . , ___,,., f I V"\ ---...... I . 11,j ~ "V "- 1953 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 1975 Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, August 1975, S. 22, 60. 6 ~ . 3 l ~ 10
Preisentwicklung (l . 1'7} 1At4.I ' ' Owl,HApd ' 1 fM,.>,F•> , ' - 301 - 2 1. UII wtiptlll iNII, lflSS 1Jirat1 jllNIICI (lliallltllti II 11&5) . Q (illllll: 115MDO) priCIS•· lll All itms o .... , , ...... , r T 1 ~~0 1 ~t!O --~-----11.;110 IJCO \! itu ~ .. %:J ~ ,eo 'CU - -1 1 Sll · ,j ___ ---... ~iri:r. ,;o l l• :O 1.i O '"j '10 1co .. ,~. ~ '40' :: 0120 J i953 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 b8 60 7n 71 72 73 74 1975 Quelle: U. S. Department o! Commerce, BCD, August 1975, S. 9, 56.
Außenwirtschaft llul.,l lApr.l T !50. 111111 II 51 Balance 01 100d s 517. lalan DI 519. lalm 1nd Ion 522. 21. - 302 - 1 .... , "'"'1 19~3 54 55 56 57 58 59 60 61 62 6"l 64 65 b6 67 68 69 70 71 72 73 74 1975 Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, August 1975, S, 49. •4 j •l ::13 -1 -2 ··1 •J •l •1 O• -1 ·l -3 • ·5 -6 -1 ·8 . ! -10 ·11
- 303 - Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials - Schätzung des Produktionspotentials gemäß dem Verfahren des CEA - (My)(Ao<,1 ' r '"")(f,i,) p T , ..... , , .... , ~ r -+-----------1 9lC 9]0 s htiau/ P et ,-i9511 iÖltn·Q==----·- ____ _ (an 1111, bil. da ) . -------- ------ -, -- ---------- ---- 206. _::::jj FlC ..... ------ 6!10 ! Actnl nP ' ·---·----· .•. -- ~r,1.., ------· 'i ,·,·; - ---·-·------------ 4LU ~----------t .i:·, -+-11----------------+---,1----------1 Al."' +-----------------+--1----------1 ,,..~ 1953 U 55 ~,6 57 58 ':39 60 61 62 63 6-C 65 66 67 68 tit 70 71 72 73 74 1975 llrt"nd hnt'ol 3!1 perunl per JH' hnttf'w,:'·nt•<lu•lhM ,n 1111dflieol 1'S!,) i.oon hl QUlrtltt' lfl21o•lth q~rtH IH2, 37S P4'<Cltnt t,_ 4111 0llll.tr1et IM21•4Ul ..... f11tt' \ff!, .... 4 PI"<- 1,..., •Uh qultlt'r l'K!o to 2dqullttr 1,1!1 Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, August 1975, S. 61.
- 304 - Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials - gemessen anhand des BSP in Preisen von 1958 und des gemäß dem Verfahren des CEA geschätzten Produktionspotentials - Quartale I II III IV Jahre 1962 94,28 94, 94 95,15 95, 21 1963 94, 85 94, 81 94,44 95,82 1964 96, 47 96, 84 97, 15 96, 70 1965 97, 95 98, 47 99,50 100, 82 1966 101, 80 101, 72 101, 54 101, 75 1967 100,53 100, 30 100, 40 100, 10 1968 100,44 101, 28 101,28 100, 89 1969 100, 73 100, 21 99,70 98, 17 1970 96, 69 95, 86 95, 60 93, 63 1971 94,99 94, 73 94,45 95,02 1972 95, 55 96, 55 97,00 97,99 1973 99,25 98,83 98,26 97,87 1974 95, 18 93, 86 92,49 89, 46 1975 85, 94 85,45 Quellen: U. S. Department of Commerce, BCD, April 1974, S. 109; August 1974, S. 114; August 1975, S. 95. Eigene Berechnungen.
- 305 - Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials - Unterschiedliche Verfahren zur Schätzung des Produktionspotentials - UNEMPLOYMENT RATE Quelle: Levy, Michael E., Fiscal Policy, Cycle11 and Growth, New York 1963, S. 79.
- 306 - Auslastungsgrad der industriellen Produktionskapazitäten , ... , (1.,-) , r ;' 1 / ,' ,' j ,' ·' ! ' .. J Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, August 1975, S. 62. 1~:.1 !O J H~!. 10 11 15 ·~ .,. 70--1 nJ
- 313 - Änderungen des Vorlaufs im Zeitablauf Rate der Entlassungen Vorlauf in Mon. 30 20 10 Nov Okt Juli Aug Juli Apr Mai Feb Nov Nov 48 49 53 54 57 58 60 61 69 70 Wendepunkte Vorläufe gemäß Shiskin Quelle: Shiskin, Julius, Signals of Recession and Recovery, S. 146.
-314 - Änderungen des Vorlaufs im Zeitablauf Auftragseinglnge für dauerhafte Güter Vorlauf in Mon, 30 20 10 ,\ 1' 1 ' 1 1 • 1 ' ' 1 ' ' 1 / 1 1 / 1 1 / 1 1 I \ 1 I I 1 I I 1/ 1 ' Nov Okt Juli Aug Juli Apr Mai Feb Nov Nov 48 49 53 54 57 58 60 61 69 70 Vorläufe gemäß Shiskin Vorläufe gemlß BCD Wendepunkte Quellen: Shiskin, Julius, Signals of Recession and Recovery, S. 146. U. S. Department of Commerce, BCD, November 1974, S. 115.
- 315 - Verlauf der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit 1952/ 53 s Std. pro Woche M BCD Quellen: s M BCD 1 1 1 J A J 0 J A J 0 1952 1953 saisonbereinigte Daten lt Moore ( l ) Originaldaten lt Moore, sofern von ( 1 ) abweichend saisonbereinigte Daten lt BCD, sofern von ( 1 ) abweichend gleitende Drei-Monats-Durchschnitte, sofern von ( 1 ) abweichend spezifischer Wendepunkt gemlß Shiskin spezifischer Wendepunkt gemlß Moore spezifischer Wendepunkt gemlß BCD Moore, Geoffrey H. ,(Hrsg.), Business Cycle !ndicators, Band 2, Princeton 1961, S. 72. U. S. Department of Commerce, BCD, September 1974, S. 106. Eigene Berechnungen.
- 316 - Verlauf der Auftragseingänge für dauerhafte Güter 1952/53 Mrd US Dollar 14 12 10 J A J 0 J A J 0 1952 1953 saisonbereinigte Daten lt Moore ( 1 ) Originaldaten lt Moore, sofern von ( 1 ) abweichend saisonbereinigte Daten lt BCD, sofern von ( 1 ) abweichend gleitende DreiMonats-Durchschnitte, sofern von ( 1 ) abweichend Quellen: Moore, Geoffrey H., (Hrsg. ), Business Cycle Indicators, Band 2, S, so. U. S. Department of Commerce, BCD, August 1974, S.106. Eigene Berechnungen.
- 317 - Überschreitung der spezifischen kritischen Werte durch die ad hoc-Indikatoren von H. Pack Durchschn. Rate der Rate der AuftragseinObere konj, wöchentl. NeueinEntlassungen gänge f. dauWendepunkte Arbeitszeit stellungen erh. Güter Nov 1948 Dez 1948 Nov 1948 Feb 1949 Nov 1948 Juli 1951 Juli 1951 Okt 1953 Okt 1953 Juli 1953 Okt 1953 Juli 1953 Juni 1957 Mai 1957 Aug 1957 Mai 1957 Juli 1957 Mai 1960 Apr 1960 Apr 1960 Sept 1959 Mai 1960 Mai 1967 Mai 1967 Apr 1967 Apr 1967 Apr 1970 Juni 1970 März 1970 Apr 1970 Nov 1969 1) Dez 1974 Dez 1974 März 1974 Jan 1975 1) In der unten angeführten Quelle als vorläufiges, bei Verfügbarkeit weiterer Informationen zu revidierendes Datum bezeichnet. Quellen: Signale 1948 - 1960: Pack, Howard, Formula Flexibility - A Quantitative Appraisal, in: Ando, Albert; Brown E. Cary; Friedlaender, Ann F, (Hrsg.), Studies in Economic Stabilization, Washington 1968, S. 39. Signale ab 1967: U. S, Department of Commerce, BCD, August 1974, S, 106; September 1974, S, 106f; Dezember 1974, S, 74, 77; August 1975, S. 74, 77. Eigene Berechnungen, Daten f. konjunktuU, S, Department of Commerce, BCD, Oktober relle Wendepunkte: 1974, S, 115,
- 318 - Durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Arbeiter in der Industrie ( Stunden pro Woche 1966 1967 1968 1969 1970 Januar 41,4 41,0 40,2 40, 6 40, 3 Februar 41,7 40, 3 41, 1 40, 4 40, 2 Mlrz 41, 5 40, 4 40, 7 40, 8 40, 1 April 41, 5 40, 5 40, 1 40, 7 39 , 9 Mai 41, 5 40,4 40,9 40, 7 39, 8 Juni 41,4 40,4 40,9 40,7 39, 9 Juli 41, 3 40, 5 40, 9 40, 6 40,l August 41,4 40, 7 40, 7 40, 6 39,8 September 41, 3 40, 8 40,9 40, 7 39, 3 Oktober 41, 2 40, 7 40,9 40, 6 39, 5 November 41, 2 40, 7 40, 7 40, 4 39, 6 Dezember 40 , 9 40, 7 40, 7 40, 6 39, 6 1971 1972 . 1973 1974 1975 Januar 39,9 40,2 40,5 40, 4 39,2 Februar 39,8 40, 4 40, 9 40, 4 38, 8 Mlrz 39, 8 40,4 40, 9 40, 3 38, 8 April 39, 7 40,7 40,9 39, 3 39, 1 Mai 40, 0 40,5 40, 7 40, 3 39,0 Juni 39 ., 9 40, 7 40, 6 40, 1 39, 1 ) Juli 40, 0 40, 6 40,7 40,2 39, 5P August 39, 8 40, 7 40, 6 40, 2 September 39, 6 40, 7 40,7 40, 0 Oktober 39,9 40, 8 40, 7 40, 1 November 40, 0 40,8 40, 6 39, 5 Dezember 40,3 40, 7 40, 6 39, 4 Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, September 1974, S. 106; August 1975, S. 74, saisonbereinigt ,
- 319 - Rate der Neueinstellungen ( auf 100 Beschäftigte ) 1966 Januar 4,9 Februar 5, 0 März 5, 4 April 5, 0 Mai 5, 1 Juni 5, 1 Juli 4, 7 August 5, 1 September 5, 0 Oktober 4, 9 November 4, 8 Dezember 4, 5 1971 Januar 3, 7 Februar 3, 7 Mlrz 3, 9 April 3, 9 Mai 3, 9 Juni 3, 7 Juli 3, 8 August 4, 0 September 4,0 Oktober 3, 7 November 4, 1 Dezember 4, 0 1967 4, 6 4, 3 4, 3 4, 2 4, 6 4,4 4,4 4, 3 4, 3 4, 5 4, 5 4,4 1972 4, 4 4, 4 4, 4 4, 4 4, 6 4, 0 4,4 4, 5 4, 4 4, 6 4, 5 4, 3 1968 1969 1970 4, 5 4, 9 4, 3 4, 6 4, 7 4, 3 4, 6 4, 9 4, 1 4, 7 4, 9 4, 0 4, 6 4, 7 4, 1 4, 5 5, 0 4, 1 4, 7 4, 8 4, 1 4, 6 4, 3 3, 9 4, 7 4, 8 3, 9 4, 8 4, 6 3, 6 4, 8 4, 5 3, 7 4, 9 4, 6 3, 8 1973 1974 1975 4, 7 4, 3 3, 1 4, 8 4, 5 3, 3 4, 9 4, 5 3, 5 4, 8 4, 6 3, 9 4, 8 4, 7 3, 7 ) 4, 8 4, 4 3, 5P 4, 8 4, 4 4, 7 4, 3 4, 9 4, 1 4, 9 3, 6 4, 8 3, 1 4, 4 3, 0 Quelle: U. S. Department of Commerce, BCD, September 1974, S.106; August 1975, S. 74, saisonbereinigt.
Rate der Entlassungen ( auf 100 Beschäftigte ) 1966 Januar 1, 2 Februar 1, 1 März 1, 1 April 1, 2 Mai 1, 1 Juni 1, 3 Juli 1, 5 August 1, 2 September 1, 1 Oktober 1, 1 November 1, 2 Dezember 1, 3 1971 Januar 1, 7 Februar 1, 6 März 1, 5 April 1, 6 Mai 1, 5 Juni 1, 5 Juli 1, 5 August 1, 9 September 1, 6 Oktober 1, 5 November 1,4 Dezember 1, 4 - 320 - 1967 1968 1969 1970 1, 4 1, 3 1, 1 1, 5 1, 4 1, 3 1, 1 1, 7 1, 7 1, 2 1, 1 1, 8 1,5 1, 1 1, 0 1, 9 1, 4 1, 2 1, 1 1, 9 1, 4 1, 1 1, 1 1, 9 1, 4 1, 3 1, 1 1, 7 1, 3 1,4 1, 2 1, 8 1, 3 1, 2 1,2 1,8 1, 3 1, 2 1, 3 2, 2 1, 2 1, 1 1, 2 2, 0 1, 2 1, 1 1, 4 1, 7 1972 1973 1974 1975 1, 3 o. 9 1, 5 3, 5 1, 2 0, 8 1, 4 3, 4 1, 2 0, 9 1, 2 2, 8 1, 1 0, 8 1, 1 2, 5 1, O 0, 8 1, 1 2, 5 ) 1, 4 0, 8 1, 1 2,0P 1, 2 0, 9 1, 0 1, O 0, 8 1, 2 1, 0 0, 8 1, 3 0,9 o. 8 1, 9 o. 9 1,0 2, 6 1, 0 1, 1 2, 6 Quelle: U. S, Department of Commerce, BCD, September 1974, S. 107; August 197 5, S. 74, saisonbereinigt.
-321 - Auftragseingänge für dauerhafte Güter ( Mrd U. S. Dollar ) 1966 1967 1968 Januar 25, 10 24, 52 25,82 Februar 25, 12 24, 51 26, 06 März 26, 32 23,95 26, 90 April 25, 81 24,46 26, 70 Mai 25, 74 25, 53 27,29 Juni 26, 12 26, 11 27, 63 Juli 25, 83 25, 31 26, 32 August 25,03 26, 16 27,23 September 27, 01 25, 35 27,98 Oktober 25, 90 25, 67 30,22 November 25,05 25, 99 29, 54 Dezember 24,98 28, 65 29, 66 1971 1972 1973 Januar 28, 92 31, 83 38, 37 Februar 29, 31 31, 79 39,02 März 29,12 31, 97 40, 40 April 29, 15 33, 44 40, 62 Mai 28,87 33, 46 41, 51 Juni 28,86 34, 66 41,95 Juli 29,85 32, 68 41,84 August 30, 64 35, 14 41, 98 September 29,92 36, 37 41, 15 Oktober 30,41 36, 31 43,30 November 31, 06 36, 61 43,48 Dezember 31, 05 37, 68 41,03 1969 1970 29, 60 26, 68 30, 54 27, 67 29, 78 27,43 30, 33 27,06 29, 18 27,95 29, 12 28,26 29, 55 28, 46 29, 38 28,07 30, 04 27, 64 30, 01 26,41 29,09 26, 03 28,46 28, 51 1974 1975 41, 52 36, 06 42,27 37, 02 41, 97 35, 49 44,12 38,75 46, 73 39, 18 46, 85 39, 35 l 47, 71 41,44P 49,46 46, 40 45, 08 43,18 37,84 ~ U. S. Department of Commerce, BCD, August 1974, S.106; August 1975, S. 77, saisonbereinigt.
-322 - 2. Konjunkturindikatoren in der Bundesrepublik Deutschland 2. 1. Makroökonomische Indikatoren Bruttosozialprodukt in jeweiligen Preisen iti~1hgenPreisen ~11eliiihrlicn uisonb!'l'C'lrttil: "'' ---~--------------- DM "' lo!);,r11hmt-u:hc1.\4,16~1„1i ·-------- ·----------- "'' " kl/ewollig,,nPrclMtl .. ...,..,..\ tJ.,d DMr-------~------~------~------~---'-, Mrdr,M 1tD t--------4-- -~------logarittimlscMrMa!hltlb --+--------1-----f 140 120 100 L--'~'-'"-'.,__'--'L,-' ... -'----'---'--l-'N-l~.,__Ll-'9'-0~.,__Ll_fL'1~_._Ll_l1LZ~_.___L,_IL,.--'----'---'--,IL1'--'--J_~ Deutsche Bundesbank, Statistische Beihefte zu den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank, Reihe 4, Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen, Januar 1972, S. l; August 1975, S, 1,
-3 29 - Preisentwicklung 1 9c. , ~ , oo - ~' " ~ 71 - 1)0 ,,. ----- 7- ·- -- ,- l-----+-----t-- ~ Jlt twn..che,Ma8&1.Y1 --+-----;-~11""--j "' IA ' l---+--+--t----t---:~~--i "' /,,-'' - ~----+-----1-----r----t'?}~-""--t----- ,, . , /, ~ ~---~----+----+--:~r./,"~t----- r --- , ,,. ,-- ?L -·_ ~-- ------ '" "' -- : ~~ ~ ~l~• -1 11 H• u1 halla · --·-- - v1"" ~- ......-::::: ____ , ·-- 1- ---- 1-- -- t-----j ~· 0f / -- .~r~- - +-+-t-----1 : 1U 70 . l..&...J...! 1911 1e i7 2~ Ll.,__._i~i..., 'w" ~' ..J.~Lu..w. ~ •• _._.. 74 d ~~~ a u"~ ' ~·~~ ~ Deutsche Bundesbank, Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen, Januar 1972, S. 10; August 1975, S, 10.
- 330 - Außenwirtschaft lj BNa'll lli~I dt.ll'Chd"' Mlßn.h,f,ffi 6ef B u,111, t,'$1., ") 1..-yng Nr ~.....,sc N h k. Mfl .Abl-c.l\elV'. ,;a l~let l"H locht Btlt:.11 ,nq OWf \\ ' 1~ ....._ ~uhl ~ ( r 111 swng dtll Wt•'!r>1.-.l i;N1 2! f•1,.;1bc des OM - W.C.hk~t.11'1,,M t tll 21 Still Ul"ICl .1. u l-.,..,.;,i „rn 9 , l'JL •m 11 ou 196'lJ1r~ bll lJH DM WechYtk1,11s,n am K),..... 1971
-331 - noch: Außenwirtschaft " -, -· -)-1 - --7 -• 1 -; -• --1---- --1------+-----,----~ ' -, ::~~~~~~..t.~ 1 ~~~ --~~,~~=~ i X "°4lu.4,o..-,c• OM-l llfl•"'""''""'1' C-•l ~'1·,JJ,_ :,,,.'"mll'M'jrtus US~ um 11\J'o, •"' 12 rHI<' r.173 t•H -t.M Au'WO.U1'11 um 11,l'L riJ 4 ) 1113 -'--'--' ..,IKW!CNI 1ow .. •ct, I") ,.. ,,, 197J ·llt>,t,...-~~ ,. ,.,."'., wroo."';t-r, Lanoer , ...... r-.o.,1wu.G11 •lnl\o11 , .. ,..,1110('' ot'ft US Oolla• UNI V!Oef~ W ~"ff tK~ ;---.:11.111,q:.,, ,t.ul„tn.,. ,t>cx,, [),_.,_..," ;>e;of'..:x.r SZA: .wn l · 4) i>M·AYlw'tn..ng ~-DOI' Slk um U-• ,~ Ju.•~ ; Quelle: Deutsche Bundesbank, Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen, Januar 1972, S. 18; August 1975, S. 22.
- 332 - Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials - Schätzung des ProdukUonspotentials durch den SVR - GESAMTWIRTSCHAFTLICHES PRODUKTIOHS!>OTEHTIAL ll loc.11•1111 ~-------------,~-~ ,,. --- ""'cbcllliUIKilt1 A111\ub11tl&IM 19') ~s lt1l 1) Eiltl'lt külzun1. Allt Wt1t, ia P'll11 .. .,. 1"2. 11tl.bod 1 WII ü l 1;.llt• 111q1A1ieill ~ Y.- 2) 1t1 4:[1C1ftt$cWlwl\&,-l)lhtt.,.l 1110i.,r„ Mill iAril NI P'r~l••l1 , ui1,...s "' Quelle: SVR, Jahresgutachten 1974, Bundestagsdrucksache 7 /2848, S. 53.
- 333 - Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials _ Schätzung des Produktionspotentials durch die Deutsche Bundesbank - Mrd DM ,-- -----,--- --- ---,-------~ log. Maßstab 6CNJ Prod uktJ onspot•nllal 1) und l!!lruHolnl 1ndaprodu\t --j------::.~= ,-, In Preisen von 1962 i -Produktlonspc,tentra: 560 -Brullolnlandsprodukt, helbJlhrlich 2),---:~4' '-- ------4 ')-'· Unslcherheltsberelc~ 3) 1961!1 1967 1968 1969 1970 1971 1972. 1973 1974 1)E'9ene Berechnur,,;i (v'jll. Monat sbel1c hl• der Deufsc;he11 Bunde3bank. Oklober 1973) • 2) Salsonberelnlgto Halbjahreswerte aul Jahreswene hochgerechnet• 3) Versuch einer Darstell~ des Bereichs oPlima1er gesamtwfrlschaltllcher Produktion.• -41 Po1entiatwcn „ 100 , '!, Quelle: Deutsche Bundesbank, Geschäftsbericht für das Jahr 1974, S. 3.
- 334 - Auslastungsgrad der industriellen Produktionskapazitäten 'J. 10 10 1Q T est p un k te 1 968 1969 1 970 Auslasfungsgrad Im%/ 1 197 1 1 972 1 973 ,, . 1 •. 40 1974 1975 Quelle: Ifo-lnstitut,Wirtschaftskonjunktur, 27. Jahrgang, Nr. 8, 1975, Konjunkturindikatoren, Seite VII.
.. 335 .. 2. 2. Einige spezielle Indikatoren Auftragseingang bei der Industrie 1) - saisonbereinigt .. 1962 o:,00 IOi&or>beteinigf ~-----~----~----~-----.-----~---- J20 1--------+-----:. ---loglrilhmischu MaB.s\:ib----------+----_Jf___ ----1 - ~rDurct.thnitt 21 --· ""1--------+------•------+-----·-·-1----------t------ ml------+------11 .. ~ >,'~ .~-- -------\- , ml------+------J----/-+------+--------1---------- / "'._ _____ _,__ _____ ,, --?~------- -- , .. ._ ____ __,_ ___ __,",·1.' ,,_"----f---,.,..= ... d..'ITIAu511ndfJ) ,~..._,.; _,., , .. ~,.._--~-e------•-----#- ., "' Geslm1(J1 __ ./ 1001----------+-----'I-------if-----+-----+-----1 1111 1917 11 1fll . 1HI 1!!170 111'1 ~~J...L-'-LLW~~~) r et 1 1Ji1 1 .a...l.-u..J.~LIJ...w.J...L~C.........w.-LLL.WC~...w.-LL~.l..LL 1) Avft,agsew,g""'IQCderfl ~ bis Dez 19157 NlSChl kurnule,,. ~-abJI" 19f8 C"l'Jne M~~uer. ~~ au, dem Ausl,lrte ~ ohne UIT\Mtl· b.rw M~ -2) D,e Llngt, d~ SJlfllerden ~tnn, !in Monllllll'I) ilt ,n Klammern In - ~KlrlflllngllOfbel'I 1110-m -glcitandef Ourd\sCMIU 1) _ monatlich "' 1------+-------- -----;---------1---------' '" Get.l1r.l(ll Volumcm '2; ,., W""• " l------+----------4-----+-------t------- ---- " 1170 1971 1 019 l.ltige dn Gl.!il:Bnd3'1 Ourctltr.hnitt! (., MOl\lten) BI rl '°"'1m"" 2) ll11t1r,,,--.no Ir> Pr..-.i WQn "10. lfldlr,C•eiligenKuN1~- ~ Deutsche Bundesbank, Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen, Januar 1972, S. 11; August 1975, S. 11.
- 33 6 - Auftragseingang bei der Industrie - trendbereinigt _ -• -10 -,S •25 +70 lndus1,;, ohne Bergbau. Nahnmos· ur.d Ger,u~m,u,_i!induslrien, B•u· indu~lne und oflenU.che EnC1'g1ewirtsch1tt • 1) Er11~t>n,,o;se mrt ,,nem gre,ter>den 3-Periodclldurch1chnt1I geglanel.· 21 Gemnsen •n dorn Fluck{loill'III der trer:lb,:,re,nigten Werte dar lnduslrrcptOOUktion (ohr!e -werte --- Volumen ' ' ---\ -- ' 1 ---- ,--- \ 1975 Bau•n~u,t,i1 und Olfen:!,,;:~.~ fnf!r<)iewirt~cn,.:• J • 3) l(uN~vcr1allf att Somm,., 1972 noc:i ni~t,: 11e~'Ch!:rt. da der Trend seil dem du,ch E:o:trl· pol1t1on geschellt wurde. Quelle: Deutsche Bundesbank, Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen, August 197 5, S. 34.
Auftragseingang bei der Industrie - Originaldaten - - 337 - "10•1fl0 _G,,""1·.10rf.,f'ldf'lod,.M,on·,1„1~,,rv1w.11~n - y,.,11".1,rt...~•~..,,,wt.,.,l,•n '" '" • Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie D, Reihe 6, Indices des Auftragseingangs und Auftragsbestands in ausgewlhlten Industriezweigen, Juli 1975, S. 6.
- 338 - Geldvolumen - Bargeldumlauf und Sichteinlagen - MrdOM ·120 -glr.!l•m<IC'rOurchschrdl.1) r---·------~-----~- Silllh"mbelt.r11gt ---log11uO,m..~~-he1 M.ißsr,h,--+-----1--- " IO 8.:J<,Jt:'ld•11t>iJ•,f t,I (Gcldvolumrr,) 1966 1917 1968 1989 1970 1971 .J...J...J_,. ...-...J_L.J....l....i .... 1.....L1 .1-!-J...J...1....a..--1....J.....L -1.---L.1_1,......1.L..1..J...J....1 __ l.l--'--.~· .l..c.LL..J.~.L.c-,J...1...L.l...:.. -: ·~~ j ·~ - v.o -· -+------t------ Sland am Monatsf'Ode 120 --logJrittvnlschor Maßs!r.,S-----+-,--,:.:__-1-- ----f---- " 11 Vt'l'lnde1ung in den jr..,cils lelzlN> .,~., Monalen ,,.,, J11hrll!H.it1 11111· fefecl'tncl.• Quelle: Deutsche Bundesbank, Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen, Januar 1972, S. 23; August 1975, S. 29.
- 345 - noch: Vergleich zwischen dem Gesamtindikator des SVR und einigen Einzelreihen 0 f\ 1 l -1 14 -2 ~ rtrt1,_.r,11l1g11r / Vtr • rtltlttlMN l!IIMtrlt (z,t) t 195~ 1961 1963 1965 1967 19G9 1 ,1 11', u:' "•' 2 '\ 1 1 1 1 1 1 1 1 0 -1 1 1 1 1 1 1 -2 ______ v,, l1o1ftnpelnpftl / v,rbrauc1wtaterilldustrl111 (z 1 t) ~ t 1959 1961 1963 196~ 1967 1969
- 346 _ noch: Vergleich zwischen dem Gesamtindikator des SVR und einigen Einzelreihen c; -~ ,~;•frlltlg• lrodltt cz,,tl 1 1 1 1 ' ':-l-;:9-;:5-;:9+---+l:-;9:-;6c;1+----i:-1-;:9-;-6-;:J+---1'-:'J:-:6c:5:-+---+-1-9-;-67:+---+-l-'l--,6,-?+---t-- •~ 195') 11 ;61 1963 1967
- 347 - noch: Vergleich zwischen dem Gesamtindikator des SVR und einigen Einzelreihen -1 -2 2 0 -1 -2 b~I w ~lbl- (1 111 ) .\ ' 1 1 ' lonathdfütOI (,It) 1?5~ 1961 196} 1965 19<11969 ' ,' ' I " 1 1 1' v 1 ' 1 ' 1 1 ' '• :t/-cz9t> 1 1 1959 ' 1 ' ' ' 1 1 ' 1 ' vJ ' . louotl"'lutor "11 1 t 1961 1963 1965 1967 1969 Sturm, Manfred• Ein Gesamtindikator zur Konjunkturdiagnose, in: Berichte des Deutschen Industrieinstituts, 5. Jahrgang, Nr, 9, 1971, S. 11-14.
- 348 - Gesamtindikatoren des DI und des SVR Gesamtindikator des SVR Gesamtindikator des DI (12 zeitverschobene Reihen) + Wendepunkt des Gesamtindikators des SVR O Wendepunkt des Geaamtindikators des DI (+) Vorlauf des Gesamtindikators des DI Quelle: Sturm, Manfred, S. 2 6.
-349 - Der Gesamtindikator des WSI '"f ,,, ... ,1,L :J "l- ·-· "r 1 i ! •I>~---- Quelle: WSI-Mitteilungen, 26. Jahrgang, Nr. 2, 1973, S. 45; 27. Jahrgang, Nr. 12, 1974, S. 461. '
- 350 - Mengenindikator, Kostenund Preisindikator des SVR M!NG!NINDIUTOR, KOSTENUND PREIIINDIUTOR II 111117 • .. _,,._ Quelle: SVR, Jahresgutachten 1973, S. 183.
-351 - Verzeichnis der verwendeten Literatur Adam, Adolf; Helten, Kybernetische Modelle und Methoden, Köln, Elmar; Scholl, Friedrich: Opladen 1970. Albers, Willi: Allen, R. G. D. : Altschul, Eugen: Ando, Albert; Brown, E. Cary, Solow, Robert M.; Kareken, John: Besters, Hans: ders.: ders.: ders.: ders.: ders.: Die automatische Stabilisierungswirkung der Steuern - Möglichkeiten und Problematik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Band 180, 1967, S. 99-131. Mathematische Wirtschaftstheorie, Berlin 1971. Konjunkturaufschwung bei sinkenden Preisen, in: Magazin der Wirtschaft, 3. Jahrgang, 1927, s. 235-238. Lags in Fiscal and Monetary Policy, in: Commission an Money and Credit (Hrsg. ), Stabilization Policies, Englewood Cliffs, N. J. 1963, s. 1-163. Wirtschaftliche Konjunkturen, in: GörresGesellschaft (Hrsg. ), Staatslexikon, Band 8, 6. Aufl., Freiburg 1963, Sp. 737-753. Kritische Anmerkungen zur jüngsten Konjunkturdiskussion, in: Besters, Hans(Hrsg. ), Theoretische und institutionelle Grundlagen der Wirtschaftspolitik, Theodor Wessels zum 65. Geburtstag, Berlin 1967, S. 359-396. Regelmechanismen statt konjunkturverschärfender Staatseingriffe?, in: "Die Freiheit erhalten", Wirtschaftstag der CDU, Bonn 1969, Protokolle, S. 124-129. Stabilitätspolitik muß nicht weh tun, in: Die Wirtschaftswoche, 24. Jahrgang, Nr. 48, 1970, s. 76-80. Schutz vor Fehlprognosen, in: Die Wirtschaftswoche, 25. Jahrgang, Nr. 8, 1971, s. 42 f. Inflationsbekämpfung in der Bundesrepublik Deutschland 1960 bis 1970, in: DeutschNiederländische Handelskammer (Hrsg. ), Die Inflationsbekämpfung in den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland, Eindhoven 1971.
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FINANZWISSENSCHAFTLICHE SCHRIFTEN Band 1 Prof. Dr. Werner Steden: Finanzpolitik und Einkommensverteilung. Ein Wachstumsund Konjunkturmodell der Bundesrepublik Deutschland. (In Vorbereitung) Band 2 Rainer Hagemann: Kommunale Finanzplanung im föderativen Staat. 173 S., 1976. Band 3 Klaus Scherer: Maßstäbe zur Beurteilung von konjunkturellen Wirkungen des öffentlichen Haushalts. 242 S., 1977. Band 4 Brita Steinbach: 'Formula Flexibility' -Kritische Analyse und Vergleich mit diskretionärer Konjunkturpolitik. 370 S., 1977.