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Treiber und Hemmnisse betrieblicher Effizienzmaßnahmen – Vernetzung als Erfolgsfaktor

Preiß, Marlene

Abstract

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Preiß, Marlene Article — Published Version Treiber und Hemmnisse betrieblicher Effizienzmaßnahmen– Vernetzung als Erfolgsfaktor Sustainability Management Forum Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Preiß, Marlene (2021) : Treiber und Hemmnisse betrieblicher Effizienzmaßnahmen– Vernetzung als Erfolgsfaktor, Sustainability Management Forum, ISSN 2522-5995, Springer, Berlin, Heidelberg, Vol. 29, Iss. 2, pp. 93-106, https://doi.org/10.1007/s00550-021-00512-w This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/286772 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Als Gegenstück wurden Treiber ausgemacht, die Energieeffizienzmaßnahmen begünstigen. Bezüglich Materialeffizienz sind solche Untersuchungen noch selten, dennoch kann auch hier von Treibern und Hemmnissen ausgegangen werden. Da Energieund Materialeffizienz im betrieblichen Kontext nicht strikt getrennt werden können und sich oft bedingen, stellt sich die Frage, welche Unterschiede es zwischen beiden Bereichen hinsichtlich Treibern und Hemmnissen gibt und wie sich diese bei Ressourceneffizienzmaßnahmen, die beide Bereiche kombinieren, verhalten. Anhand von Erkenntnissen hierzu können geeignete Strategien entwickelt werden. Daher wurden erfolgreich umgesetzte Energieeffizienzund Materialeffizienzmaßnahmen sowie Maßnahmen, die in beiden Bereichen zu Steigerungen führten, hinsichtlich ihrer Treiber und Hemmnisse untersucht und verglichen. Hierfür wurde eine qualitative Inhaltsanalyse von Fallbeispielbeschreibungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Hemmnisse der untersuchten Beispiele hinsichtlich der Effizienzbereiche nicht wesentlich unterscheiden, wohl aber die Treiber. So waren für alle Effizienzbereiche ökonomische Vorteile ausschlaggebend, Materialund Ressourceneffizienzmaßnahmen waren zudem stark von ökologischen Bestrebungen getrieben. Vernetzung innerhalb der Unternehmen und entlang der Wertschöpfungskette, die hauptsächlich in Studien zu Materialeffizienz als Treiber thematisiert wurde, erwies sich in den Beispielen für alle Effizienzbereiche als wichtiger Erfolgsfaktor. Schlüsselwörter Ressourceneffizienz · Energieeffizienz · Materialeffizienz · Treiber · Hemmnisse · Vernetzung Marlene Preiß [email protected] 1Institut für Industrial Ecology (INEC), Hochschule Pforzheim, Tiefenbronner Straße 65, 75175 Pforzheim, Deutschland K 94 NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 Drivers and barriers of operational efficiency measures—networking as a success factor Abstract Via operational efficiency measures manufacturing companies can contribute to climate change mitigation as well as generate economic benefits. However with regard to energy efficiency, it has been extensively confirmed that various barriers prevent the implementation of measures. As a counterpart, drivers that favor energy efficiency measures have been identified. With regard to material efficiency, such studies are still rare, nevertheless the existence of drivers and barriers can be assumed, too. Since energy efficiency and material efficiency cannot be strictly separated in the operational context and are often interdependent, the question arises what are the differences between the two with regard to drivers and barriers and how these behave in resource efficiency measures that combine both areas. Based on the findings, suitable strategies can be developed. Therefore, successfully implemented energy efficiency, material efficiency and resource efficiency measures were examined and compared with regard to their drivers and barriers. For this purpose, a qualitative content analysis of case study descriptions was conducted. The results showed that the barriers in the examined case studies do not differ significantly with regard to the efficiency areas, but the drivers do. Thus, economic benefits were the decisive factor for all efficiency areas, but material efficiency and resource efficiency measures were also strongly driven by ecological aspirations. Networking within companies and along the value chain, which was mainly addressed as a driver in studies on material efficiency, proved to be an important success factor for all efficiency areas Keywords Resource efficiency · Energy efficiency · Material efficiency · Drivers · Barriers · Networking 1 Einleitung Die Weltbevölkerung zählt aktuell knapp 8Mrd. Menschen und steigt kontinuierlich an, sodass in 25 Ländern bis 2050 mit einer Verdopplung der Bevölkerung gerechnet wird (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung 2020). Zusätzlich vollzieht sich insbesondere in Schwellenländern wie Indien weiterhin ein starkes Wirtschaftswachstum (International Monetary Fund 2020). Beides führt zu einem enormen Anstieg der weltweiten Nachfrage an Schlüsselmaterialien wie Stahl, Zement und Aluminium, für deren Bedarf bis 2060 ein Anstieg um etwa 30%, 10% bzw. 75% im Vergleich zu 2017 prognostiziert wird (International Energy Agency 2019). Die Herstellung dieser und anderer Materialien geht mit dem Verbrauch von Energie und dem Ausstoß von Emissionen einher, der die Umwelt belastet und gefährdet. Die mit der Produktion von Materialien verbundenen Emissionen betrugen im Jahr 2015 bereits 11Gt, was 23% der globalen Treibhausgasemissionen entspricht (United Nations Environment Programme 2020). Eine mögliche Strategie, dem steigenden Materialund auch Energieverbrauch zu begegnen, ist die Steigerung der Ressourceneffizienz, definiert als Verhältnis zwischen dem Nutzen eines Produktes oder einer Funktionseinheit und den für die Herstellung benötigten natürlichen Ressourcen (VDI 4800 2016 Blatt 1, S. 12). Ein wichtiger Akteur zur Umsetzung und Beschleunigung dieser Strategie sind produzierende Unternehmen, die hierfür geeignete technische und auch organisatorische Maßnahmen umsetzen können. Sie sind hierzu zwar gesetzlich nicht verpflichtet, jedoch bringt dieses Vorgehen neben ökologischen auch ökonomische Vorteile mit sich. Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland umfasst mehr als 46.800 Unternehmen, deren Materialkostenanteil 2019 durchschnittlich 56,3% des Umsatzes betrug, was rund 1,2 Billionen Euro entspricht (Statistisches Bundesamt (Destatis) 2020). Die Mehrheit der deutschen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes schätzt ihr Materialeinsparpotenzial auf ca. 5%, Unternehmen aus dem Maschinenund Anlagenbau, der Metallverarbeitung und der chemischen Industrie sogar auf 6–10% oder mehr (Schröter et al. 2012). Obgleich vorhandener Einsparpotenziale und den damit verbundenen ökonomischen Vorteilen bestätigen Studien zu Energieeffizienzmaßnahmen, dass verschiedene Hemmnisse die Maßnahmenumsetzung verhindern (z.B. Cagno und Trianni 2014; Nagesha und Balachandra 2006; Kostka et al. 2013). Bezogen auf Energie ist der sogenannte Energy Efficiency Gap bereits seit den 1990er-Jahren weithin bekannt und diskutiert (Hirst und Brown 1990; Jaffe und Stavins 1994). Neben Hemmnissen wurden Treiber von Energieeffizienzmaßnahmen als Gegenstück untersucht (z.B. Cagno und Trianni 2013; Thollander et al. 2013; Brunke et al. 2014). Zu Materialeffizienz hingegen existieren nur wenige Studien, doch auch diese bestätigen das Vorhandensein von Hemmnissen und Treibern (Allwood et al. 2011; Milford et al. 2011; Shahbazi et al. 2016;Turaetal.2019). Da Energieund Materialeffizienz im betrieblichen Kontext nicht strikt getrennt werden können und sollten, ist es notwendig, die Unterschiede von Energieund Materialeffizienzmaßnahmen in Hinblick auf Treiber und Hemmnisse zu beleuchten. Insbesondere im Hinblick auf Ressourceneffizienzmaßnahmen (im Sinne von Materialund Energieeffizienz) stellt sich die Frage, ob es hierbei zu einer Kombination von Treibern und Hemmnisse reiner EnerK NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 95 giebzw. Materialeffizienzmaßnahmen kommt oder möglicherweise sogar neue auftreten. Vergleicht man die Kategorien von Treibern und Hemmnissen bestehender Studien, fällt hinsichtlich Materialeffizienz insbesondere die größere Bedeutung der Vernetzung entlang der Lieferkette auf. Erst kürzlich gingen zwei Unternehmen unterschiedlicher Wertschöpfungsstufen eine Kooperation zur Steigerung der Nachhaltigkeit und dem effizienteren Einsatz von Ressourcen ein, weil sie überzeugt sind, dass dies oftmals nur über die gesamte Wertschöpfungskette möglich ist (Schaefer 2021). 2Theorie Bezüglich Energieeffizienz stützen sich Studien auf die Definition eines Hemmnisses von Sorrell et al. (2000,S.6), die ein Hemmnis als postulierten Mechanismus versteht, der Investitionen in Technologien hemmt, die sowohl effizient als auch (scheinbar) ökonomisch effizient sind. Die Auslöser (Venmans 2014) oder Motivatoren (Meath et al. 2016) einer Maßnahme werden hingegen als Treiber betrachtet. Weiter gefasst sind Treiber Faktoren, die die Einführung energieeffizienter Technologien und Praktiken erleichtern, sie gehen dabei über Investitionen hinaus und umfassen auch die Förderung einer energieeffizienten Kultur und des Bewusstseins (Cagno und Trianni 2013). Diese Definitionen werden im weiteren Verlauf auch für Materialeffizienzund Ressourceneffizienzmaßnahmen verwendet. Verschiedene Theorien, darunter die Neoklassik, die Transaktionskostentheorie sowie die Organisationstheorie wurden anfangs herangezogen, um die Hemmnisse von Energieeffizienzmaßnahmen zu kategorisieren und anschließend in Fallstudien zu überprüfen (Sorrell et al. 2000). Diese Kategorisierung wurde später hinsichtlich Überschneidungen und Lücken überarbeitet und erweitert (Cagno et al. 2013) sowie ebenfalls in verschiedenen Studien getestet (Trianni et al. 2013b, c, 2016). Treiber von Energieeffizienzmaßnahmen wurden zwar in Studien untersucht, jedoch unterschiedlich kategorisiert (de Groot et al. 2001; Thollander und Ottosson 2008; Cagno und Trianni 2013; Thollander et al. 2013;Venmans2014; Trianni et al. 2016), sodass sich bisher keine einheitliche Taxonomie etabliert hat. Vorhandene Untersuchungen zu den Hemmnissen von Energieeffizienzmaßnahmen umfassen verschiedene Regionen weltweit, darunter Europa, Asien, Amerika, Australien und Afrika (z.B. Cagno und Trianni 2014; de Groot et al. 2001; Trianni et al. 2013c;Hasanbeigietal.2010;Kostka et al. 2013; Anderson und Newell 2004; Meath et al. 2016; Apeaning und Thollander 2013). Betrachtet man den europäischen Raum beziehen sich die meisten Studien auf Italien (Cagno und Trianni 2014; Trianni et al. 2013b, c, 2016; Trianni und Cagno 2012) und Schweden (Rohdin und Thollander 2006; Brunke et al. 2014; Thollander und Ottosson 2008; Rohdin et al. 2007). Neben den notwendigerweise fokussierten energieintensiven Industrien (Gießereien, Eisen und Stahl sowie Papier) (Trianni et al. 2013a; Brunke et al. 2014; Thollander und Ottosson 2008;Venmans 2014; Rohdin et al. 2007) wurden nicht-energieintensive verarbeitende Industrien ebenfalls untersucht (Trianni und Cagno 2012; Rohdin und Thollander 2006;Trianni et al. 2016). Als einflussnehmende Faktoren wurden häufig die Firmengröße (z.B. de Groot et al. 2001;Kostka et al. 2013; Trianni et al. 2013c), Branche (Hasanbeigi et al. 2010; Nagesha und Balachandra 2006; Reddy und Shrestha 1998), Produktionskomplexität (Cagno und Trianni 2014; Trianni et al. 2013a, c) und Wettbewerberstärke (de Groot et al. 2001; Trianni et al. 2013c) untersucht. Weniger häufig wurden die jährlichen Energiekosten (Kostka et al. 2013; Trianni et al. 2013c; Anderson und Newell 2004; Blass et al. 2014), vorherige Erfahrung mit Energieaudits oder Energieeffizienz (Trianni et al. 2013a; Trianni und Cagno 2012) und die Amortisationszeit der Maßnahmen betrachtet (Anderson und Newell 2004). Anhand der Ergebnisse der Studien wird deutlich, dass Hemmnisse sowohl länderals auch branchenspezifisch sind, weshalb eine Verallgemeinerung schwierig und nicht zielführend ist. So wird wirtschaftlichen Hemmnissen wie dem Zugang zu Kapital, langen Amortisationszeiten und versteckten Kosten zwar in vielen Fällen die größte Bedeutung beigemessen (Sorrell et al. 2000; Johansson 2015; Trianni und Cagno 2012; Trianni et al. 2013c; Harris et al. 2000; Sardianou 2008; Anderson und Newell 2004), in Prozessindustrien (Gießereien, Zellstoff und Papier) fürchtet man hingegen Kosten durch Produktionsunterbrechungen und Unannehmlichkeiten (Rohdin et al. 2007; Thollander und Ottosson 2008). In Schwellenländern indes liegen die größten Hemmnisse nicht im wirtschaftlichen Bereich, sondern im gesetzlichen Bereich in Form von mangelnden adäquaten Richtlinien und deren Durchsetzung sowie im informationsbezogenen Bereich in Form von mangelnden Informationen zu Technologien und Praktiken (Nagesha und Balachandra 2006; Kostka et al. 2013; Apeaning und Thollander 2013). Treiber von Energieeffizienzmaßnahmen wurden zwar untersucht, jedoch in viel geringerem Umfang (z.B. Cagno und Trianni 2013; Thollander et al. 2013; Blass et al. 2014), zum Teil erfolgte die Untersuchung auch zusammen mit Hemmnissen (z.B. de Groot et al. 2001; Rohdin et al. 2007; Hasanbeigi et al. 2010; Brunke et al. 2014). Als wichtigster Treiber wird die Reduktion der Kosten durch einen geringeren Energieverbrauch erachtet (Thollander et al. 2013; Thollander und Ottosson 2008;Venmans2014;Meathetal. 2016). Weitere wichtige Treiber sind organisationsbezogene Aspekte wie das Engagement des Top-Managements (Thollander et al. 2013; Blass et al. 2014; Brunke et al. 2014), K 96 NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 eine langfristige Energiestrategie und das Umweltprofil des Unternehmens (Thollander et al. 2007; Rohdin et al. 2007; de Groot et al. 2001). Im Gegensatz zu Energieeffizienz sind Studien zu Treibern als auch Hemmnissen von Materialeffizienz noch selten. Die vorhandenen Studien beziehen sich oftmals auf eine bestimmte Strategie zur Steigerung der Materialeffizienz und stellen die damit verbundenen Hemmnisse unkategorisiert dar (z.B. Allwood et al. 2011; Carruth et al. 2011; Milford et al. 2011). Auch Untersuchungen, die sich nicht auf eine Strategie beschränkten, kategorisierten Treiber und Hemmnisse nicht (Biebeler 2014). Eine erste Kategorisierung der Hemmnisse wurde von Shahbazi et al. (2016) basierend auf Erkenntnissen aus dem Bereich der nachhaltigen Produktion vorgenommen. Eine weitere Kategorisierung betrachtet Treiber und Hemmnisse von Materialeffizienz aus dem Blickwinkel der Kreislaufwirtschaft (Tura et al. 2019). Beide Kategorisierungen wurden an einer kleinen Anzahl von Fallstudien getestet. Shahbazi et al. (2016) Hemmnisse von Materialeffizienz Tura et al. (2019) Treiber und Hemmnisse von Kreislaufwirtscha Cagno et al. (2013) Hemmnisse von Energieeffizienz Cagno und Trianni (2013) Treiber von Energieeffizienz Thollander et al. (2013) Treiber von Energieeffizienz Technologisch Technologisch und informaonsbezogen Technologisch Ökonomisch Ökonomisch Ökonomisch Ökonomisch Ökonomisch Organisaonsbezogen Organisaonsbezogen Organisaonsbezogen Organisaonsbezogen Informaonsbezogen Informaonsbezogen Informaonsbezogen Informaonsbezogen Gesetzlich Gesetzlich Gesetzlich Sozial Sozial Ökologisch Supply chain Fähigkeitsbezogen Verhaltensbezogen Bewusstsein Extern Schnimenge mit „technologisch und informaonsbezogen“ Schnimenge mit „organisaonsbezogen“ Schnimenge mit „informaonsbezogen“, „organisaonsbezogen“ und „technologisch“ Schnimenge mit „ökonomisch“ Schnimenge mit „technologisch und informaonsbezogen“ Schnimenge mit „informaonsbezogen“ und „organisaonsbezogen“ Schnimenge mit „organisaonsbezogen“ und „sozial“ Schnimenge mit „ökonomisch“, „organisaonsbezogen“ und „sozial“ neirogetaK Materialeffizienz Energieeffizienz Abb. 1 Vergleich der Kategorien von Treibern und Hemmnissen aus Studien zu Energieund Materialeffizienz Neben Studien, die sich nur auf einen der beiden Effizienzbereiche beziehen, existieren Untersuchungen zu Treibern und Hemmnissen von Maßnahmen, die beide Bereiche umfassen. Hierbei wurde jedoch keine Kategorisierung angewandt. Wesentliche Hemmnisse sind hohe Investitionskosten, lange Amortisationszeiten sowie die Gefährdung von Prozessbzw. Produktqualität, wohingegen die Aussicht auf Kostensenkungen, eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit und der Ausbau von Wettbewerbsvorteilen Maßnahmen motivieren (Erhardt und Pastewski 2010; von Wecus und Willeke 2015). Die Kategorisierungen von Treibern und Hemmnissen von Energiebzw. Materialeffizienz sind in Abb. 1gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen. Ein wesentlicher Unterschied ist die Bedeutung, die zwischenbetrieblicher (Partnerschaftsbildung und -management, kooperative Lieferanten, Zusammenarbeit) und innerbetrieblicher Kooperation (Kommunikation, Kooperation und Interaktion) im Zusammenhang mit Materialeffizienz K NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 97 beigemessen wird (Milford et al. 2011; Shahbazi et al. 2016;Turaetal.2019). So setzen Unternehmen, die mit Kunden, Lieferanten oder Forschungseinrichtungen kooperieren, eher auf Materialeffizienzkonzepte als Unternehmen, die das nicht tun (Schröter et al. 2012). Ein Netzwerk umfasst eigenständige Organisationen (z.B. Unternehmen oder bezogen auf das Unternehmen einzelne Abteilungen), die eigene Interessen haben, sich aber einem gemeinsamen Problem bzw. dessen Lösung verschrieben haben (Messner 1994). Vernetzen sich Unternehmen, entstehen demnach verschiedene Kooperationsbeziehungen, die beispielsweise Informationsaustausch, Wissenstransfer oder die gemeinsame Entwicklung von Lösungen ermöglichen. Netzwerke bieten Unternehmen somit großes Potenzial, Wissen zu generieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten (Marchiori und Franco 2019). Während sich Netzwerke einem größeren weitergefassten Thema verschreiben, beziehen sich Kooperationen auf konkrete Projekte. In Studien zu Energieeffizienz werden ein Netzwerk innerhalb des Unternehmens oder ein Netzwerk innerhalb der Branche zwar als Treiber genannt (z.B. Thollander et al. 2013; Apeaning und Thollander 2013; Thollander und Ottosson 2008), jedoch unterscheidet sich die assoziierte Bedeutung stark. Während ghanaische Unternehmen sie als wichtig erachten (Apeaning und Thollander 2013), ist dies für europäische Prozessindustrien nicht der Fall (Thollander et al. 2013; Thollander und Ottosson 2008; Brunke et al. 2014). Produzierende Unternehmen aus Italien hingegen beurteilten den Aufbau eines lokalen Wissensnetzwerks, das Unternehmen und Technologielieferanten umfasst, als wichtig (Trianni et al. 2013b). Prinzipiell sehen Unternehmen Energieeffizienz-Netzwerke als Möglichkeit, um Wissen auszutauschen und Ideen zu finden (Johansson 2015), den spezifischen Energieverbrauch zu verringern (Amundsen 2000)sowiesich schneller über neue Optionen zu informieren und die Transaktionskosten im Energieeffizienzbereich zu senken (Jochem und Gruber 2007). Die Tatsache, dass Kollegen innerhalb des Unternehmens und der Branche als vertrauenswürdigste und zuverlässigste Informationsquellen für Energieeffizienzmaßnahmen betrachtet werden, unterstreicht das Potenzial des Netzwerkgedankens (Rohdin et al. 2007; Thollander und Ottosson 2008). Werden Unternehmensbereiche hierarchieund funktionsübergreifend zusammengebracht, kann das Wissen der Einzelnen vernetzt und so ein gemeinsamer Kenntnisstand erreicht und Bewusstsein geschaffen werden (Schmitt und Rohn 2013), eine solche Verknüpfung von Unternehmensbereichen trägt zur Optimierung von Abläufen und Einsparung von Ressourcen bei (Lange und Surdyk 2018). Neben den genannten Synergieeffekten, die sich durch ein Netzwerk ergeben, haben unternehmensübergreifende Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz zudem eine größere Hebelwirkung, als Maßnahmen einzelner Unternehmen (Lange und Surdyk 2018). Ebenso ist die Vernetzung innerhalb von Gewerbegebieten eine gute Möglichkeit zur Steigerung der Ressourceneffizienz (Pichlmeier 2018). Insbesondere vor dem Hintergrund der Globalisierung und der voranschreitenden Digitalisierung ist eine Flexibilisierung von bestehenden Lieferketten hin zu Wertschöpfungsnetzwerken notwendig (Schebeck et al. 2017; Lange und Surdyk 2018). Da die Ursache von Ineffizienzen oder auch deren Lösung außerhalb des Unternehmens liegen kann, ist die Vernetzung von Unternehmen nicht nur im Hinblick auf technologische Lösungen relevant, sondern auch für Methoden zur Identifikation von Ressourceneffizienzpotenzialen. Beispielsweise zeigen Erfahrungen von japanischen Unternehmen mit der Methode der Materialflusskostenrechnung (MFKR), dass die Zusammenarbeit hilft, Umweltbelastungen im Zuge einer Prozessoptimierung nicht einfach nur zu verlagern (Prox 2015). In einer Befragung gaben rund 40% der Einkäufer japanischer Unternehmen an, dass sie gerne mit ihren Lieferanten zusammenarbeiten würden, um die CO2-Emissionen in der Lieferkette zu reduzieren, eine solche Kooperation gelang jedoch nur gut 6% (Nakajima et al. 2013). Energieund Materialeffizienz unterscheiden sich offensichtlich bezüglich ihrer Treiber und Hemmnisse. Jedoch ist Materialeffizienz diesbezüglich noch immer wenig untersucht. Daher sind weitere Untersuchungen in verschiedenen Ländern, darunter auch Deutschland und Branchen sowie insbesondere in Kombination mit Energieeffizienz erforderlich. Die Relevanz von zwischenund innerbetrieblicher Vernetzung unterscheidet sich in den Effizienzbereichen, wobei Untersuchungen zu den Vernetzungsarten und -gründen anhand von konkreten Beispielen fehlen. Im weiteren Verlauf wird Vernetzung als der Aufbau und das Vorhandensein verschiedener Kooperationsbeziehungen verstanden. Vor diesem Hintergrund werden die folgenden Fragen skizziert: Unterscheiden sich die Treiber und Hemmnisse von Energiebzw. Materialeffizienzmaßnahmen in deutschen Unternehmen? Ergeben sich bei Ressourceneffizienzmaßnahmen (Energieund Materialeffizienz) neue Treiber und Hemmnisse? Bei welcher Art von Effizienzmaßnahme lässt sich zwischenund innerbetriebliche Vernetzung beobachten? Welche Arten von Vernetzung gibt es und was sind die Gründe dafür? K 98 NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 3 Methode Zur Untersuchung der Fragen werden Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Baden-Württemberg herangezogen. Dieses umfasst rund 8550 Unternehmen mit 1,3Mio. Beschäftigten (Statistisches Landesamt BadenWürttemberg 2019). Kleine und mittlere Unternehmen prägen die Wirtschaftsstruktur des Bundeslandes. Die untersuchten Unternehmen beteiligten sich an einer Initiative mit dem Ziel, erfolgreiche Beispiele für betriebliche Ressourceneffizienzmaßnahmen zu finden und zu publizieren. Die Initiative resultierte in 103 Beispiele. Hinsichtlich der Unternehmensgröße sind 18% der untersuchten Unternehmen kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern, 28% sind mittlere Unternehmen mit 50–249 Mitarbeitern und die restlichen 54% sind große Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitern. Die Unternehmen repräsentieren 20 verschiedene Branchen, wobei der größte Anteil auf die metallverarbeitende Industrie entfällt, gefolgt vom Maschinenund Anlagenbau, der Automobilindustrie und der chemischen Industrie. Von den untersuchten Beispielen haben 17 eine Energieeffizienzmaßnahme umgesetzt, 40 eine Materialeffizienzmaßnahme und 46 eine Ressourceneffizienzmaßnahme. Studien zu Treibern und Hemmnissen von Energiebzw. Materialeffizienz haben meist explorativen Charakter und sind als Fallstudien angelegt, die sich auf qualitative Daten aus Interviews stützen (Cagno und Trianni 2014; Johansson 2015; Trianni et al. 2016;Venmans2014; Shahbazi et al. 2016;Turaetal.2019) oder eine Kombination aus Interview und Fragebogen (O’Malley et al. 2003; Trianni et al. 2013a; Trianni und Cagno 2012; Cagno und Trianni 2013; Sivill et al. 2013; Thollander et al. 2007,2013; Rohdin und Thollander 2006; Brunke et al. 2014; Apeaning und Thollander 2013). In Studien, die sich auf größere Stichproben beziehen, kamen ökonometrische Analysen zum Einsatz (Schleich 2009; Schleich und Gruber 2008; Kostka et al. 2013; Anderson und Newell 2004). Im vorliegenden Fall wird eine qualitative Inhaltsanalyse der einheitlichen schriftlichen Maßnahmenbeschreibungen eingesetzt, um Treiber und Hemmnisse sowie die verschiedenen Vernetzungsarten und -gründe zu explorieren. Ein ähnliches Vorgehen anhand von Archivdaten eines Regierungsprogramms zu Energiesparmaßnahmen findet sich bei Meath et al. (2016). Qualitative Daten zeichnen sich durch ihren Bezug auf gewöhnliche Ereignisse in ihrer natürlichen Umgebung sowie ihre Realitätsnähe aus (Miles et al. 2014, S. 11). Während andere Studien die Wahrnehmung von verschiedenen Treibern und Hemmnissen beurteilen ließen, beziehen sich die Treiber und Hemmnisse in diesem Fall jeweils auf konkrete, erfolgreich umgesetzte Maßnahmen. Die erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen betont Treiber und deren Wirkung, dennoch werden auch angetroffene und überwundene Hemmnisse thematisiert. Für die qualitative Inhaltsanalyse wurde basierend auf den Kategorisierungen aus vorhandenen Studien (s. Abb. 1) ein Kodierungsrahmen definiert. Die Hauptkategorien repräsentieren dabei das Forschungsinteresse, in diesem Fall die verschiedenen Arten von Treibern und Hemmnissen (ökonomisch, organisatorisch etc.), die Unterkategorien gehen einen Schritt tiefer und spezifizieren, was im Material in Bezug auf die Hauptkategorien gefunden wird (hohe Investitionskosten, Kostenreduktion durch gesenkten Energieverbrauch etc.) (Schreier 2014). Die Analyse wurde mithilfe der webbasierten Open-Access-Software QCAmap durchgeführt. Als einflussnehmender Faktor wurde der Effizienzbereich der Maßnahme herangezogen. Aus den Beschreibungen wurde ebenfalls entnommen, ob es im Zuge der Maßnahme zu einer Kooperation mit einem anderen Unternehmen, einem Berater oder einer Forschungseinrichtung kam sowie ob und welche Abteilungen innerhalb des Unternehmens zusammengearbeitet haben. Die zwischenbetrieblichen Kooperationsarten wurden mit der Software Gephi visualisiert. Neben den Kooperationsarten wurden die Gründe hierfür anhand der Beschreibungen herausgearbeitet, geclustert und mit konkreten Beispielen illustriert. 4 Ergebnisse Nachfolgend werden die Ergebnisse hinsichtlich der berichteten Treiber und Hemmnissen nach Effizienzbereich sowie die Vernetzungsarten und -gründe dargestellt. Tab. 1enthält einen Überblick der häufigsten Hemmnisse bzw. Treiber nach Effizienzbereich. 4.1 Hemmnisse der Effizienzmaßnahmen Die am häufigsten berichteten Hemmnisse in allen drei Effizienzbereichen sind technologischer Art, gefolgt von einer Kombination ökonomischer und technologischer Hemmnissen. Technologische Hemmnisse sind in den Beispielen jedoch nur zu einem kleinen Teil unzureichende oder nicht verfügbare Technologien wie von Cagno et al. (2013)für Energieeffizienz formuliert, sondern vielmehr die Umsetzung und Integration der Maßnahme in die bestehende Produktionsumgebung, ein Hemmnis, das für Materialeffizienz formuliert wurde (Shahbazi et al. 2016). Bei den untersuchten Materialeffizienzmaßnahmen trat die Problematik der Integration in die Produktionsumgebung häufig in Kombination mit der Befürchtung von verstecken Kosten durch Probleme in angrenzenden Prozessen auf. Ebenso wurde bei Maßnahmen, die zu einer Veränderung des Produktes führten, die Angst von mangelnder Marktakzeptanz in Kombination mit technologischen K NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 99 Tab. 1 Die drei häufigsten Hemmnisse bzw. Treiber in den untersuchten Beispielen nach Effizienzbereich Effizienzbereich Hemmnisse (Kategorie) Konkrete Hemmnisse Materialeffizienz Technologisch Integration in die bestehende Produktionsumgebung Ökonomisch und technologisch Integration in die bestehende Produktionsumgebung in Kombination mit Furcht vor versteckten Kosten, mangelnder Marktakzeptanz oder hohen Investitionskosten Ökonomisch Hohe Investitionskosten Furcht vor versteckten Kosten Energieeffizienz Technologisch Integration in die bestehende Produktionsumgebung Ökonomisch und technologisch Integration in die bestehende Produktionsumgebung in Kombination mit Furcht vor versteckten Kosten oder Unsicherheit bezüglich Rentabilität der Maßnahme Ökonomisch, technologisch und organisationsbezogen Die unter ökonomisch und technologisch beschriebenen Kombinationen ergänzt um Schwierigkeiten bei der wertschöpfungsübergreifenden Zusammenarbeit oder Akzeptanz und Praxistauglichkeit der Lösung Ressourceneffizienz Technologisch Integration in die bestehende Produktionsumgebung Variantenvielfalt der Produkte Ökonomisch und technologisch Integration in die bestehende Produktionsumgebung in Kombination mit Furcht vor versteckten Kosten, Unsicherheit bezüglich Rentabilität der Maßnahme oder hohen Investitionskosten Ökonomisch, technologisch und organisationsbezogen Die unter ökonomisch und technologisch beschriebenen Kombinationen ergänzt um Schwierigkeiten bei der wertschöpfungsübergreifenden Zusammenarbeit oder Koordination verschiedener interner Bereiche Effizienzbereich Treiber (Kategorie) Konkrete Treiber Materialeffizienz Ökonomisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz Ökonomisch und ökologisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz oder veränderte Marktanforderungen in Kombination mit Bestrebungen die Umweltwirkungen der Produktion zu reduzieren Vielzahl individueller Kombinationen von Treibern Energieeffizienz Ökonomisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz Ökonomisch und technologisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz in Kombination mit Potenzialen bestehende Prozesse technologisch zu verbessern Organisationsbezogen Langfristige Energie-/Nachhaltigkeitsstrategie Umweltprofil des Unternehmens Ressourceneffizienz Ökonomisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz Ökonomisch und technologisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz in Kombination mit Potenzialen bestehende Prozesse technologisch zu verbessern Ökonomisch und ökologisch Potenziale zur Verbesserung der Kosteneffizienz in Kombination mit Bestrebungen die Umweltwirkungen der Produktion zu reduzieren Hemmnissen berichtet. Oftmals wurde die Integration zudem von hohen Investitionskosten flankiert, die hemmend wirkten. In Beispielen, in denen die Materialeffizienzmaßnahmen einzig mit ökonomischen Hemmnissen konfrontiert waren, waren dies meist versteckte Kosten oder hohe Investitionskosten. Die Hemmnisse der untersuchten Energieeffizienzmaßnahmen decken sich teilweise mit denen der Materialeffizienzmaßnahmen. Auch hier war das größte Hemmnis die Umsetzung der Maßnahmen in der bestehenden Produktionsumgebung. Ein Hemmnis, das in vorhandenen Studien zu Energieeffizienzmaßnahmen nicht genannt wird. Dies liegt möglicherweise daran, dass die untersuchten Energieeffizienzmaßnahmen in den Produktionsprozessen der Unternehmen ansetzten und nicht an typischen „low hanging fruits“. Bei den Energieeffizienzmaßnahmen kam es ebenfalls häufig zu einer Kombination von technologischen und ökonomischen Hemmnissen. Ökonomische Hemmnisse waren dabei einerseits wie für die Materialeffizienzmaßnahmen versteckte Kosten und zum anderen Unsicherheit bezüglich der Rentabilität der Maßnahme, die sich durch die Prognose der Energieeinsparungen ergab. Technologische und ökonomische Hemmnisse wurden oftmals auch durch organisationsbezogene Hemmnisse ergänzt. Dies war einerseits die wertschöpfungsübergreifende Zusammenarbeit im Falle der Entwicklung spezifischer maßgeschneiderter LöK 100 NachhaltigkeitsManagementForum (2021) 29:93–106 sungen. Andererseits die Akzeptanz und Praxistauglichkeit der Lösungen, insbesondere dann, wenn eine Maßnahme von der Mitwirkung und Akzeptanz der Mitarbeiter abhing. Die untersuchten Ressourceneffizienzmaßnahmen berichteten ebenfalls die Integration in die bestehende Produktionsumgebung als maßgebliches Hemmnis. Als weiteres technologisches Hemmnis erwies sich die Variantenvielfalt der Produkte, die Verbesserungen erschwerte. Dieses Hemmnis wurde bisher in keiner Kategorisierung festgestellt. Die beobachteten Kombinationen ökonomischer und technologischer Hemmnisse erwiesen sich als Kombination derer von reinen Materialund reinen Energieeffizienzmaßnahmen, so sind hier sowohl versteckte Kosten, hohe Investitionskosten als auch die Befürchtung der mangelnden Rentabilität relevant. Ähnlich zu den untersuchten Energieeffizienzmaßnahmen wurde in Kombination mit ökonomischen und technologischen Hemmnissen organisationsseitig, die wertschöpfungsübergreifende Zusammenarbeit sowie die Koordination verschiedener interner Bereiche als herausfordernd berichtet. 4.2 Treiber der Effizienzmaßnahmen Die Hauptmotivation aller Maßnahmen ungeachtet des Effizienzbereichs war ökonomischer Natur und kann als Potenzial zur Verbesserung der Kosteneffizienz verstanden werden (Tura et al. 2019). Dieses Potenzial umfasst in den Beispielen die Kostenreduktion durch verringerten Energieeinsatz, verringerten Materialverbrauch, verringerten Wasserverbrauch, verringertes Abfallaufkommen und Kostenreduktion im Allgemeinen. Bei den untersuchten Materialeffizienzmaßnahmen war eine Kombination ökonomischer und ökologischer Treiber die zweithäufigste Motivation. Die Unternehmen wollten in diesen Fällen einerseits die Kosteneffizienz verbessern oder auf Marktentwicklungen reagieren und waren anderseits bestrebt, die Umweltwirkungen ihrer Produktion zu reduzieren. Abgesehen davon zeigten sich in den untersuchten Materialeffizienzmaßnahmen viele verschiedene Kombinationen von Treibern, was die Individualität der jeweiligen Maßnahmen und Unternehmen unterstreicht. Auffallend war zudem, dass bei den Materialeffizienzmaßnahmen im Gegensatz zu den untersuchten Energieeffizienzmaßnahmen rechtliche Treiber wie das Antizipieren von Gesetzesänderungen relevant waren. Tab. 2 Beurteilung von Vernetzung als erfolgsentscheidend für Effizienzmaßnahme nach Unternehmensgröße und Effizienzbereich Kleine Unternehmen (N= 18) Mittlere Unternehmen (N= 29) Große Unternehmen (N= 56) Material (N= 40) Energie (N= 17) Material und Energie (N= 46) Zwischenbetriebliche Vernetzung 8 9 20 14 7 16 Innerbetriebliche Vernetzung 15 9636 Für die untersuchten Energieeffizienzmaßnahmen folgte an zweiter Stelle eine Kombination ökonomischer und technologischer Treiber. Die Unternehmen sahen dabei das Potenzial, ihre bestehenden Prozesse zu verbessern und im Zuge dessen auch die Kosteneffizienz. Darüber hinaus wurden übereinstimmend mit anderen Studien (z.B. Rohdin et al. 2007; de Groot et al. 2001) organisationsbezogene Treiber wie das Umweltprofil des Unternehmens und eine langfristige Energiestrategie als ausschlaggebend berichtet. Bei den Ressourceneffizienzmaßnahmen ließ sich wiederum eine Kombination der Treiber reiner Materialbzw. Energieeffizienzmaßnahmen feststellen. Auf die ökonomische Motivation folgte eine Kombination ökonomischer und technologischer Beweggründe. Technologische Beweggründe waren die Möglichkeit, bestehende Prozesse zu verbessern (Tura et al. 2019) und umfassten die folgenden konkreten Prozessverbesserungen: Reduktion der Bearbeitungszeiten/Prozesszeiten, Verbesserung der Produkt-/ Prozessqualität, Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit und Modernisierung, Kapazitätserweiterung (Umbau, Neubau, Ersatzinvestition etc.). An dritter Stelle folgte die Kombination ökonomischer und ökologischer Treiber ähnlich den reinen Materialeffizienzmaßnahmen. Die technologischen, ökonomischen, organisationsbezogenen und ökologischen Treiber in den Beispielen können als Auslöser und Motivatoren der Maßnahmen betrachtet werden. Hinsichtlich der weiter gefassten Definition von Cagno und Trianni (2013) als Faktoren, die zum Erfolg der Umsetzung einer Maßnahme beitragen, wurden in den Beispielen insbesondere innerund zwischenbetriebliche Kooperation genannt. Die zwischenbetriebliche Kooperation wurde in 37 Beispielen rückblickend als entscheidend für den Erfolg der Maßnahme bezeichnet. Von diesen 37 Beispielen waren die Unternehmen in 11 Fällen mit einem technologischen Hemmnis konfrontiert, in 6 Fällen mit einer Kombination von ökonomischen und technologischen Hemmnissen und in 6 Fällen mit einer Kombination von ökonomischen, technologischen und organisationsbezogenen Hemmnissen. Innerbetriebliche Vernetzung im Sinne einer abteilungsübergreifenden Kooperation wurde in 15 Fällen als erfolgsentscheidend betrachtet. Dabei wurde in vier Fällen kein Hemmnis berichtet und in drei eine Kombination von ökonomischen und technologischen Hemmnissen. Tab. 2zeigt die Beurteilung des Erfolgsfaktors Vernetzung nach UnK