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[ge] (orig)

[Rezension] Ideengeschichte des Regierens

Author: Holzer, Boris
Publisher: Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH,Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Year: 2025
DOI: 10.1007/s11577-025-00986-2
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/323576/1/11577_2025_Article_986.pdf
Holze , Bo is
Book Re iew — Published Ve sion
[Rezension] Ideengeschich e des Regie ens
KZ SS Kölne Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie
P o ided in Coope a ion wi h:
Sp inge Na u e
Sugges ed Ci a ion: Holze , Bo is (2025) : [Rezension] Ideengeschich e des Regie ens, KZ SS Kölne
Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie, ISSN 1861-891X, Sp inge Fachmedien Wiesbaden
GmbH, Wiesbaden, Vol. 77, Iss. 1, pp. 125-128,
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-025-00986-2
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/323576
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LITERATURBESPRECHUNGEN
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-025-00986-2
Köln Z Soziol (2025) 77:125–128
Ideengeschich e des Regie ens
Bo is Holze
Angenommen: 28. Janua 2025 / Online publizie : 14. Feb ua 2025
© The Au ho (s) 2025
Augus , Vincen : Technologisches Regie en. De Au s ieg des Ne zwe k-Denkens in
de K ise de Mode ne. Foucaul , Luhmann und die Kybe ne ik. Biele eld: T ansc ip
Ve lag 2021. 480 Sei en. ISBN: 978-3-8376-5597-1. P eis: C38,–.
In seinem Buch Technologisches Regie en e olg Vincen Augus das Ziel, die
Genese eines neuen Ve s ändnisses poli ische S eue ung sei den 1970e -Jah en zu
ekons uie en: des „Ne zwe k-Denkens“. E s ell diesen Ideenkomplex, den e auch
als „ echnologisches Denken“ bezeichne , zei lich und sys ema isch in Zusammen-
hang mi dem Neolibe alismus. Beide Ansä ze signalisie en die K ise eine om
Ende des Zwei en Wel k iegs bis in die 1970e -Jah e dominie enden Vo s ellung
on Regie ung und S eue ung, welche die Sou e äni ä s aa liche Poli ik be on
ha e. Wäh end das neolibe ale Denken den Ma k mechanismus in den Vo de g und
s ell , is das echnologische ein „Denken in Ne zwe ken“ (S. 12). Es handel sich,
so Augus , um ein wei e es, bislang e nachlässig es no ma i es Lei bild s aa liche
P axis, welches das „Regie ungsdenken“ nachhal ig beein luss und e ände habe.
Das Modell poli ische He scha , on dem sich sowohl de Neolibe alismus als
auch das Ne zwe k-Denken abg enzen, wi d im e s en Kapi el de aillie un e such .
Sou e äni ä ück e nach dem Zwei en Wel k ieg du ch Diskussionen um eine mög-
liche Wel egie ung in den Fokus und wu de zu eine Lei okabel, au die aus he e-
ogenen poli ischen Pe spek i en und S andpunk en zu ückgeg i en wu de. Augus
un e scheide ein sub e si es, ein ch is lich-libe ales und ein bü ge lich- epublika-
nisches Na a i . Das sub e si e Na a i , ü das F an z Fanon s eh , hema isie
Sou e äni ä als Emanzipa ion und Wide s andskamp ; das ch is lich-libe ale Mo-
i , he ausgea bei e am Beispiel Be and de Jou enels, s ell die We basie ung on
Sou e äni ä in den Vo de g und; das bü ge lich- epublikanische Na a i , e e en
B. Holze
Fachbe eich Geschich e und Soziologie, Uni e si ä Kons anz
Uni e si ä ss aße 10, 78464 Kons anz, Deu schland
E-Mail: bo is.holze @uni.kn
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du ch Wilhelm Hennis und We ne on Simson, ziel au eine nu du ch „sou e äne
Selbs e wal ung“ (S. 77) e möglich e gesellscha liche In eg a ionsleis ung. Allen
d ei Na a i en gemeinsam is , dass sie den Sou e äni ä sbeg i in doppel e Be-
deu ung e wende en: zum einen mi Bezug au die Poli ik ode den S aa und zum
ande en mi Bezug au Subjek e, die in Rela ion zum S aa s ehen. Sou e äni ä
wu de so mi humanis ischen und in eg a i en Ziel o s ellungen e knüp . In de
p ak ischen Poli ik schlug sich dies da in niede , dass man om sou e änen S aa
d ei Leis ungen e wa e e: F ieden, Wohls and und In eg a ion.
Die K i ik am Sou e äni ä sdenken mach e sich an dessen echnok a ischen Im-
plika ionen es , die on den einen als p oblema isch, on den ande n als übe zo-
gen wah genommen wu den. Die sich anschließende F age nach al e na i en S eue-
ungskonzep en bilde e den Ausgangspunk de „kybe ne ischen Al e na i e“ zum
sou e änen Regie en. Die Kybe ne ik übe nahm die S eue ungsp oblema ik om
Sou e äni ä sdenken, o mulie e abe be ei s üh Zwei el an jegliche Planungs-
und S eue ungseupho ie und k i isie e en sp echende Kausal- und Iden i ä sannah-
men. Die Kybe ne ik kon on ie e das echnok a ische Denken mi einem neuen
Modell de Selbs egula ion, das sich nich meh au hie a chische O dnungsmus-
e besch änk e. Besonde s die „second-o de cybe ne ics“, welche die T ennung
on S eue ungssubjek und -objek au gab, ug maßgeblich zu En wicklung ei-
nes neuen Pa adigmas bei. Du ch ih e meh ode wenige di ek en Anleihen am
kybe ne ischen Pa adigma wu den Niklas Luhmann und Michel Foucaul ü Au-
gus die en scheidenden Wegbe ei e eines echnologischen Regie ungsdenkens, das
sich übe die Konzep e des Ne zwe ks und des Sys ems de inie . Wäh end Luh-
mann die F age poli ische S eue ung explizi hema isie ha , bleib diese in den
A bei en Foucaul s ehe implizi . In den Falls udien zu Michel Foucaul und Ni-
klas Luhmann wi d deu lich, wie s a k und in welchen konk e en Punk en beide
Theo ien on kybe ne ischen Konzep en beein luss wu den. Gegen die Vo s ellung,
die Gesellscha lasse sich zen al s eue n, heben beide die Koexis enz e schiede-
ne Pe spek i en und Disku se he o , die mi einande im Wide s ei s ehen und
nich ein ach in eg ie we den können. Auch de Poli ik komm diesbezüglich keine
Sonde s ellung zu. Das is , inso e n insbesonde e mi Blick au Foucaul eilweise
neue Gesich spunk e ü die Rezep ion seines We ks o geschlagen we den, du ch-
aus au schluss eich. Alle dings da man sich on dem Nachweis, dass sie auch mi
kybe ne ischen Denk igu en a bei en, keine g undlegend neuen E kenn nisse übe
die beiden Theo ien e wa en.
Im Schlusskapi el besch eib Augus die „ echnologische Beg i s- und Wissens-
o dnung“ (S. 379 .) als ein „Mus e de Wel wah nehmung“, das nich nu mi dem
Ne zwe kkonzep , sonde n mi wei e en Beg i en und Me aphe n ope ie : Neben
„Diag amm“, „Ma ix“, „Spiel“, „S om“ und „Maschine“ wi d hie auch de Be-
g i des „Sys ems“ eingeo dne . Da aus e gib sich jedoch wenige eine konsis en e
„Beg i so dnung“ als ielmeh eine Collage meh ode wenige e wand e Beg i -
e, die siche lich Gemeinsamkei en und Übe lappungen au weisen – abe na ü lich
auch Un e schiede, die sich o allem aus ih e un e schiedlich p äzisen Bes immung
du ch konk e e Theo ien e geben. Dahe sind nich alle in gleiche Weise geeigne ,
die ges iegene Bedeu ung des echnologischen Denkens zu belegen. De Ein luss
kybe ne ische Denk igu en wi d insbesonde e an de P oli e a ion des Ne zwe k-
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Ideengeschich e des Regie ens 127
beg i s es gemach . Es s ell sich jedoch die F age, ob eine Diagnose, die sich o
allem au seman ische Ka ie en und Konjunk u en im Feld de Wissenscha und
in de Ö en lichkei bezieh , dazu geeigne is , eine Ve ände ung de Regie ungs-
p axis zu belegen. Zudem is zu e mu en, dass die beg i liche Gegenübe s ellung
on Sou e äni ä s- und Ne zwe k-Denken nich zwingend mi eine kla en T ennung
en sp echende P ak iken und O ganisa ions o men ko elie .
De a ige F agen weisen au eine Schwie igkei des on Augus gewähl en ana-
ly ischen Zug i s hin, de Ideengeschich e und Wissenssoziologie e knüp , abe
wede die Genese noch die Wi kung de Ideen eine soziologischen Analyse un-
e zieh . Da ü wä e es nö ig gewesen, genaue zu un e scheiden, ob und wann mi
dem Ne zwe kbeg i eine S uk u eigenscha soziale Einhei en, eine kul u elle
Seman ik ode eine echnologische In as uk u bezeichne we den soll – und wie
sich diese d ei Ve wendungsmöglichkei en gegensei ig bedingen. Man wi d jeden-
alls kaum annehmen wollen, die Regie ungsp axis könn e sich als Folge wissen-
scha liche Pa adigmenwechsel ode in Abhängigkei on Foucaul - ode Luhmann-
Lek ü en e ände haben. Demgegenübe e schein es plausible , dass die echni-
sche Realisie ung on Ne zwe ken und die zunehmende Bedeu ung on T anspo -
und Kommunika ionsne zwe ken eine sei s neue wissenscha liche Pe spek i en in-
spi ie en und ande e sei s auch die poli ische P axis mi neuen Vo s ellungs- und
Handlungsmöglichkei en e so gen und dadu ch beein luss haben. Unabhängig on
solchen, im Rahmen de o liegenden S udie nich abschließend bean wo e en F a-
gen zeigen Augus s Aus üh ungen zum „ echnologischen Regie en“ jedoch nach-
ollziehba und ins uk i , dass das heu ige Regie ungsdenken zumindes au de
Ebene g undlegende Konzep e nich nu om Neolibe alismus, sonde n auch om
Ne zwe k-Denken gep äg is . Mi seine Rekons uk ion un e schiedliche S ömun-
gen poli ische und sozialwissenscha liche Theo ie, sowohl un e den Vo zeichen
des Sou e äni ä s- als auch des Ne zwe k-Denkens, lie e das Buch eine lesens-
we e Analyse de En wicklung on Beg i s- und Denkg undlagen de mode nen
Regie ungs üh ung.
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Bo is Holze Ph.D., P o esso ü Allgemeine Soziologie und Mak osoziologie an de Uni e si ä Kon-
s anz. Fo schungsschwe punk e: Soziologie de Wel gesellscha , soziale Ne zwe ke, poli ische Soziolo-
gie. Ve ö en lichungen: Schlüsselwe ke de Ne zwe k o schung, Wiesbaden 2019 (als H sg. mi Ch. S eg-
baue ); Poli ische Soziologie, 2. Au l., Baden-Baden 2020; „Theo izing wo ld socie y“. In: Elga Encyclo-
pedia o Global Social Theo y, Chel enham 2025 (H sg. R. Vande s ae en, G. Ve sch aegen).
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