Eise mann, Go ied
A icle
Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und
Soziologie
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Eise mann, Go ied (1965) : Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie
und Soziologie, Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 85, Iss. 6, pp. 641-660,
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Die Beziehungen zwischen
Na ionalökonomie und Soziologie
Von Go ied Eise mann, Bonn
Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie eichen
bis in die An änge de beiden Schwes e disziplinen zu ück und sind
wäh end des wei aus g öß en Zei aumes ih es Bes ehens seh iel
enge gewesen, als es gegenwä ig de Fall zu sein schein . Ja, in de
o wissenscha lichen Phase de heu igen Spezialwissenscha en on
de Wi scha und de Gesellscha wa en diese nahezu iden isch.
Bei wohl keinem Denke de ühen Phase sozialwissenscha liche
Re lek ion p äg sich die unlösliche Syn hese on ökonomische und
soziologische Be ach ung eind ingliche aus als bei A is o eles
(384—322), in dem Na ionalökonomie und Soziologie mi Fug und
Rech ih en gemeinsamen Beg ünde e blicken könn en. Wi b auchen
hie nu an seine Un e scheidung zwischen de „Oikonomia", die den
philologischen U sp ung ü die heu ige Kennzeichnung de Wissen-
scha on de Wi scha bilde und die Regeln de Hauswi scha
um aß , und de „Ch emas ia", die sich mi den Regeln des Tausches
beschä ig und au das eigen liche E kenn nisobjek de mode nen
Wi scha s heo ie ziel , und an seine be ühm e Fes s ellung zu e -
inne n, daß de Mensch on Na u ein geselliges Wesen sei. A is o eles
e danken wi abe auch die Un e scheidung zwischen Geb auchs- und
Tauschwe und zwischen Real- und Sachkapi al, Un e scheidungen,
die e in seine Nikomachischen E hik du ch den Hinweis e gänz ,
daß alles, was ausge ausch wi d, e gleichba sein müsse, wo ü de
We messe das Geld, de Ve gleichsmaßs ab abe das Bedü nis sei.
In eben de selben Nikomachischen E hik inde sich zugleich abe
auch in den Büche n 8 und 9 „ on de F eundscha " eine Analyse
de menschlichen Ve bände, die ih e S uk u , wobei kame adscha -
liche, genossenscha liche und gene a i e Ve bände un e schieden
we den, besonde e Au me ksamkei schenk . Abe in seine „Poli eia"
inde sich nich allein eine soziologische Analyse des S aa es, son-
de n beispielsweise auch die Leh e on den U sachen und Wi -
41 Schmolle s Jah buch 85,6
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642 Go ied Eise mann
kungen de Re olu ion, also ein eminen soziologisches Thema, so
daß de bekann e ame ikanische Soziologe F. H. Giddings die Be-
haup ung wagen konn e, die „Poli eia" des A is o eles sei noch imme
das bedeu ends e We k, das jemals die menschliche Gesellscha be-
handel habe. Audi b auchen wi hie nu anzudeu en, daß die
F uch ba kei un;d ein d ingende Schä e seines Denkens du ch den
Ums and keineswegs gemilde wu de, daß die Gesellscha so dnung sei-
ne Zei als Vo ausse zung und Bindung zugleich deu lich wah nehmba
bis in die le z e Einzelhei de sozialwissenscha lichen Übe legungen
des A is o eles hinein ag . Dies is nu ein Beispiel meh ii die
Wah hei de uns on Nicolai Ha mann e eil en Leh e, daß de
ech e Gehal eine jeden Theo ie nu an Hand de b ei e en Zusam-
menhänge wiede zugewinnen sei, an denen sie gewachsen is 1.
Diese Einsich da ü die me kan ilis ische und physiok a ische
Pe iode gene ell auch als bekann und im wesen lichen unbes i en
angesehen we den2. Das gil ganz besonde s ii die Physiok a en. Uns
in e essie im o liegenden Zusammenhang wenige die An izipa ion
de mode nen K eislau be ach ung, de Inpu -Ou pu -Analyse ode
de Ökonome ie, die den Physiok a en ü imme einen Eh enpla z
in de Geschich e de Na ionalökonomie siche n wi d. Wi begnügen
uns ielmeh dami , an das Un e s ändnis zu e inne n, dem das heo-
e ische Bild, das de geniale A z F ançois Quesnay (1694—1774)
in seinem be ühm en „Tableau économique" on 1758 en wickel e,
lange Zei begegne e, da de „besi zenden Klasse46 da in zwei Fün el
des Sozialp oduk s ohne o ensich lich zu eichende ökonomische
Gegenleis ung zu ließen, wäh end die allein als „p oduk i " bezeich-
ne e Klasse sich eben alls nu mi zwei Fün eln des Sozialp oduk es
begnügen muß und die Indus iellen und Gewe be eibenden ga als
„s e ile Klasse" bezeichne we den. Alle scheinba en Wide sp üche
klä en sich jedoch seh asch, wenn wi den „Tableau économique"
mi den Augen seines Schöp e s be ach en. Denn dann e blicken
wi das ge eue und ealis ische x bbild de Gesellscha des Ancien
égime, wie sie sich dem königlichen Leiba z am Ho e zu Ve sailles
o de G oßen F anzösischen Re olu ion da bo .
Dann e lie de scheinba dunkle und abs use Sa z „La e e
es l'unique sou ce des ichesses" seh bald all seine Rä selha igkei ,
und wi e kennen, daß das Land in diesem „Royaume ag icole"
1 Nicolai Ha mann: Das P oblem des geis igen Seins. 2. Au l. Be lin 1949.
S. 504.
2 Vgl. zum olgenden e passim Go ied Eise mann: Wi scha s heo ie und
Soziologie. Tübingen 1957. Je z in: Wi scha und Gesellscha . S u ga 1964.
S.l .
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Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie 643
Eigen um de a is ok a ischen G undhe en is und on bäue lichen
Päch e n behau wi d, die den alles a ide e bewegenden Pach zins
aus de uch ba en E de he auswi scha en und deshalb mi Rech
als „p oduk i e Klasse" bezeichne we den. Völlig zu e end wi d
uns aus diese Sich geschilde , wie in Fo m des Pach zinses de
„besi zenden Klasse", nämlich dem Adel, de on den Physiok a en
üb igens in seine Rolle als diesen absolu is isch- eudalen S aa poli-
isch agende Gesellscha sg uppe du chaus bejah wi d, zwei Fün el
des Sozialp oduk s zu E üllung seine Au gaben zu ließen. Und mi
Rech muß en den Physiok a en alle jene Handwe ke und Gewe be-
eibende, die ü die o nehme Gesellscha Ku schen und Seiden-
ape en, Schnup abakdosen und Pe ücken, K is allspiegel und e -
lesene Möbel ab izie en, mi sam dem Hee on li ie en Lakaien
und Kamme auen, Rei knech en und Zo en, Köchen und Küchen-
mädchen als s e ile Klasse e scheinen: denn sie s a e en zwa den
Adel mi allen möglichen Dingen und Diens en, die das Leben an-
genehm machen, aus und sind in diesem Maße nü zlich, abe sie
zahlen keinen Pach zins, sonde n sind lediglich dabei behil lich, ihn
auszugeben.
Wi b auchen hie nich wei e au das We k de William Pe y,
John Locke, Dudley No h, Richa d Can illon und Da id Hume
einzugehen, de g oßa igen Wegbe ei e on Adam Smi h (1723 bis
1790), die Schumpe e spä e hin in seine Geschich e de ökono-
mischen Analyse allesam als „Consul an Adminis a o s and Pam-
phle ee s" ab a 3. Es is auch übe lüssig, hie e wa die Ve diens e
on Adam Smi h's Haup we k on 1776 übe die „Na u und U -
sachen des Volkswohls andes" au zählen zu wollen. Abe es muß
da an e inne we den, daß im wesen lichen on den ün Büche n,
in die es ze äll , nu die e s en beiden de ökonomischen Theo ie
gewidme sind, wäh end be ei s das d i e eine glänzende his o ische
Soziologie des Wi scha slebens en häl , einen S imulus zu eine Fo -
schungsein ich ung, de niemals wi klich au geg i en ode ga konse-
quen zu Ende ge üh wo den wä e. Typisch is dabei gene ell sein
Ve ah en, zahl eiche Kapi el mi de Wendung einzulei en: „We
come now o conside he his o y o . . .", womi e au die „Ab-
lei ung" i gendeines sozialen Gebildes e weis . Ja, nich nu in
seinem Haup we k is Adam Smi h, dem die Na ionalökonomie sozu-
sagen e s ih e o izielle Gebu su kunde e dank , in einem solchen
Maße, wie sich mi aus üh lichen Quellenbeweisen leich zeigen läß ,
Na ionalökonom und Soziologe zugleich gewesen, daß man in ihm
3
Joseph Schumpe e : His o y o Economic Analysis. New Yo k 1954. S. 143 .
41*
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644 Go ied Eise mann
mi gleichem Rech auch den Beg ünde de Soziologie als Wissen-
scha e blick ha 4.
In «seinem Zeichen ha dann die klassische Schule on Robe Th.
Mal hus (1766—1834), bei dem man zwei eln könn e, ob e meh
Soziologie als Na ionalökonom gewesen is , und dessen Theo ien ü
die En wicklungslände neue lich on g öß e Bedeu ung gewo den
sind, bis zu John S . Mill (1806—1873), de in Wissenscha s heo ie,
poli ische Ökonomie und Soziologie gleiche maßen zu Hause wa
und dessen Konzep ion on Wachs um, Dynamik und sozialem P o-
zeß sich als mach olle An ege e wiesen, ih en bekann en Sieges-
lau ange e en, indem sie nich allein die Volkswi scha en, sonde n
auch die Sozials uk u en on G und au zu e olu ionie en hal .
Hie zu ug nich wenig das ü die klassische Schule cha ak e is ische
Ineinande lage n on au d ei e schiedenen logischen Ebenen be-
indlichen Aussagen, nämlich übe das eale Sein, die Denkmöglich-
kei des Seins sowie die Wünschba kei des Seins, bei. Die ealis ische
Besch eibung de Ma k p ozesse wi d geknüp an die logische und
ak ische Möglichkei a ionalen Handelns de sich au dem Ma k
begegnenden e gesellscha e en Menschen, und diese Möglichkei ge-
nieß zugleich die Digni ä des Wünschba en, da sie sich zum sozialen
Nu zen alle auswi ke.
Wenn wi es hal en, daß die im 18. Jah hunde als eigens ändige
Wissenscha beg ünde e klassische Na ionalökonomie de G und-
ich ung de Gesellscha sleh e ih e Epoche ge eu sich bemüh e, das
wi scha liche Geschehen aus elemen a en egois ischen S ebungen
des Einzelmenschen zu e klä en, um im Ve auen au die dadu ch
deduzie e Ha monie on Wi scha und Gesellscha e bindliche
Oibe sä ze ü die (passi e) Wi scha spoli ik des eudal-absolu i-
s ischen S aa es abzulei en, de somi dem Bü ge um in de Wi -
scha Raum zu eie P i a ini ia i e zu gewäh en habe, so e kennen
wi kla , wie ich aus üh lich in meinem Buch übe den deu schen
ökonomischen His o ismus gezeig habe5, daß die En wicklung de
klassischen Theo eme im deu schen Raum ganz ande s e lau en
muß e, da sie hie au öllig ande sgea e e Ve häl nisse als die-
jenigen, au denen sie e wachsen wa en, s ießen.
Diese Gegenbewegung gegen die klassischen Theo ien, die
sich'
du ch-
weg eine his o ischen A gumen a ion bedienen soll e, wu de in Deu sch.
4 Vgl. Albe Solomon: Adam Smi h as Sociologis . In: P aise o Enligh en-
men . Cle eland and New Yo k 1962. S. 202 . Schon ühe ha e hie au We ne
Somba e wiesen: Die An änge de Soziologie. In: Haup p obleme de Soziologie,
E inne ungsgabe ü Max Webe . München und Leipzig 1923. I. Bd. S. 5 .
5 Go ied Eise mann: Die G undlagen des His o ismus in de deu schen Na-
ionalökonomie. S u ga 1956.
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Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie 645
land deshalb bezeichnende weise auch on Adam Mülle (1779—1829)
un e Be u ung au den o ganisch gewachsenen S aa als die „To ali-
ä de menschlichen Angelegenhei en" eingelei e , dem sich e s nach
einem gewissen his o ischen Spa ium F ied ich Lis (1789—1846)
als Wo üh e des au s ebenden, de englischen Konku enz ei-
lich nich gewachsenen, gewe blichen Bü ge ums anschloß. Beide s ell-
en dabei in den Mi elpunk ih es Denkens die ü die Wel de En -
wicklungslände neue lich als on en scheidende Bedeu ung ane -
kann e „Theo ie de p oduk i en K ä e", die wich ige seien als
Reich um, d. h. de Besi z on Tauschmi eln, unid die Lis olgende -
maßen p äzisie e: „Die Na ion schöp ih e p oduk i e K a aus
den geis igen und physischen K ä en de Indi iduen, ode aus ih en
sozialen, bü ge lichen und poli ischen Zus änden und Ins i u ionen,
ode aus dem ih zu Gebo e s ehenden Na u onds, ode aus den in
ih em Besi z be indlichen Ins umen en, den ma e iellen P oduk en
ühe e geis ige und kö pe liche Ans engungen"6.
In ähnliche Weise ging es dann den Ve e e n de äl e en his o-
ischen Schule eine sei s um den Nachweis, daß die klassische Leh e
in Deu schland wegen de Besonde hei seine sozialen Ve häl nisse
nich anwendba sei, und ande e sei s um die nach Lis s Wo en on
de Geschich e e eil e Leh e, „daß die Indi iduen den g öß en Teil
ih e p oduk i en K a aus den gesellscha lichen Ins i u ionen und
Zus änden schöp en"7. Hie in las die Gemeinsamkei des hochgeleh -
en Wilhelm Rosche (1817—1894), des kämp e ischen B uno Hilde-
b and (1812—1886), dessen ielbe u ene ..S u enleh e" in Wah hei
eine Soczial heo ie da s ell e, die ..das wi ksams e Heilmi el ges en
die sozialen Schäden de Gegenwa " bilden soll e8, und des i üble-
iischen Ka l Knies (1821—1898). de das le z e Ziel des ökono-
mischen His o ismus da in sah. die sozialis ischen Theo ien „niede -
zukämp en". T o z allen Nachd ucks da au , daß die Wi scha nu
im Gesam zusammenhans; de Gesellscha zu e kennen und zu beu -
eilen sei, e a en alle d ei im p ak ischen akademischen Un e -
ich s e s die eine, klassische ökonomische Theo ie, moch en sie sie
auch mi noch so ielen „Ausnahmen" e sehen.
Es kam ihnen lediglich da au an, die „Unbeding hei " de klassi-
schen Leh e ein ü alle Mal an die besonde en gesellscha lichen
Ve häl nisse Deu schlands anpassungs ähig zu machen. De Kamp
6 F ied ich Lis : Das na ionale Sys em de poli ischen Ökonomie (1841). In:
Sch i en, Reden, B ie e, 12 Bde. Be lin 1927—1936. Bd. VI. S. 251; gl. audi
S. 175 . Zu Genese de „Theo ie de p oduk i en K ä e". Ebd. Bd. IV. S. 190 .
und Bd. II z. B. S. 117.
7 Lis : ebd. Bd. VI. S. 151.
8 Vgl. Eise mann: a.a.O. S. 173 .
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gegen den „Absolu ismus de heo e ischen Lösungen", gegen den
„Absolu hei sansp uch" de Theo ie au „ ü alle Zei en und Völke "
gül ige Wah hei en konn e dann alle dings un e Gus a Schmolle s
(1838—1917) Füh ung de jünge en his o ischen Schule alsbald in
einen Kamp gegen die Theo ie übe haup umschlagen. De übe -
g oße Nachd uck, den die Ve e e de jünge en his o ischen Schule
au die eligiöse, poli ische, soziale und kul u elle Ve lech ung
de ökonomischen P obleme leg en, schien ü ih e wissenscha liche
Bea bei ung ein soziologisches He angehen als allein angemessen zu
e heischen.
So konn e es geschehen, daß Gus a Schmolle , indem e ü die
ganze jünge e his o ische Schule das Wo e g i , als das eigen liche
A bei sziel de Na ionalökonomie und das le z lich on ih zu lösende
P oblem dekla ie e: „Die A , wie aus den ehemaligen na ü lichen
G uppen wenige zusammenlebende Menschen Gemeinden und S aa-
en, Klassen und Ko po a ionen, Be iebe und Un e nehmungen als
wi scha liche O gane sich bilde en, wie du ch Si e, Rech , Mo al
und Religion die S ämme, die S ad - und Volkswi scha en als wi -
scha liche Kö pe en s anden .. das is das eigen lich zu e klä ende
Rä sel"9. Dami wa die F ages ellung de Na ionalökonomie de a
en scheidend e lage , daß ih e G enze zu Soziologie und Geschich e
nu noch schwe ode ga nich auszumachen wa .
Es wa das Ve hängnis des deu schen ökonomischen His o ismus,
de on Gus a Schmolle bis zu We ne Somba (1863—1941) de -
a eine ganze Gene a ion deu sche Na ionalökonomen as aus-
schließlich das P oblem des So-und-nich -ande s-gewo den-Seins in den
Vo de g und de Be ach ung ücken und übe de indi idualisie en-
den F age nach de his o ischen Einziga igkei de Phänomene die
Suche nach ih en gleich ö migen Kons an en e nachlässigen ode
ga als unzulässig ab un ließ. Ausgep äg e Soziologie eundlichkei
de damals die ökonomischen Leh s ühle behe schenden Geleh en-
gene a ion e mähl e sich de a mi Indi e enz, wenn nich ga
Gegne scha gegen die Theo ie, und umgekeh a bei e en in e -
s ändliche Reak ion da au die heo e ischen Fo sche ih en Gegen-
sa z zu Soziologie in übe g oße Schä e he aus. Sei damals da ie
das auch gegenwä ig noch o he schende en emde e Ve häl nis
zwischen Na ionalökonomie und Soziologie, das als das Resul a des
unangemessenen Ve suchs de jünge en his o ischen Schule, die Theo-
® Gus a Schmolle : G und iß de allgemeinen Volkswi scha sleh e. 13. bis
15. Tausend. 2. Teil. München und Leipzig 1923. S. 1328. Und ausd ücklich olge e
We ne Somba y „dann is eben Wi scha swissenscha Soziologie", „und zwa
is alle Wi scha s heo ie es los Wi scha ssoziologie" (Na ionalökonomie und
Soziologie. Jena 1930. S. 11,12).
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Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie 647
ie in eine Wi scha ssoziologie uni e salwissenscha lichen Cha ak-
e s au gehen zu lassen, be ach e we den muß.
Cha ak e is ische weise ha diese P ozeß wechselsei ige Abs oßung
und (En emdung in den ande en Lände n dahe auch nich in diesem
Ausmaße s a ge unden. So e moch e Al ed
Ma shall
(1842—1924)
als de eigen liche spi i us ec o de neoklassischen Schule beispiels-
weise nich allein das übe kommene Leh gebäude in glänzende Weise
zu e neue n, indem e einige Ins umen e seine Analyse ge adezu
unmi elba de gesellscha swi scha lichen Reali ä seine Zei en -
nahm, sonde n e äum e in seinem Haup we k den geis igen „p o-
duk i en K ä en" on Bildung und Ausbildung bekann lich einen
solchen Pla z ein, daß seine Aus üh ungen noch imme den G und iß
dessen da s ellen, was man heu e e schäm un e dem Ti el „Bil-
dungsökonomik" nach äglich wiede an seinen angemessenen Pla z
einzuse zen such . Wie ande e sei s ge ade das on Leon
Wal as
(1834—1910) en wickel e Theo em des allgemeinen olkswi scha -
lichen Gleichgewich s, das üb igens eine eh wü dige Ahnen eihe be-
si z , implizi mi eine ausgesp ochenen soziologischen Konzep ion
soziale Ha monie e knüp wa , habe ich an ande e S elle gezeig 10.
Nich ande s e hiel es sich le z lich mi Ma shalls g öß em Schüle
.Tohn Mayna d
Ke nes
(1883—1946). Seine ganze Theo ie be uh
bekann lich au einem on ihm pos ulie en „ undamen alen psycho-
logischen Gese z" übe die Rela ion on Einkommen, Ve b auch und
Spa en. Wiede und wiede ha man mi Rech da au hingewiesen,
daß Keynes' „ o wissenscha liche" Psychologie in Wah hei man-
i éis zu e lässige und ü die d ingenden ökonomischen E kenn nis-
ziele b auchba e soziologische Fo schiingse gebnisse eine Soziologie
au eigene Faus da s ell . Nich eine o male psychische Gese z-
mäßigkei wu de hie e aß , sonde n eine un e bes imm en sozialen
Ve häl nissen gegebene soziologische Gleich ö migkei mi dem ih
eigenen beg enz en his o ischen Gel ungsbe eich. Die Wi ksamkei
de Keynesschen Theo ien besch änk e sich deshalb geog aphisch und
his o isch au den Umk eis, in dem diese Kon e genz de sozialen
Vo ausse zungen gegeben wa .
Ge ade die K i ik an dem keineswegs uni e salmenschlichen Gel-
ungsbe eich de Keynesschen P ämissen ha ja ande e sei s zu dem
on
Ka ona
bis
Duesenbe y
anges ell en Ve such ge üh , sie in be-
s imm e Weise in Annähe ung an ande sgea e e soziale Ve häl nisse
zu ko igie en. Diese on Duesenbe y anges ell e Ve such, die Key-
nessche Ve b auchs unk ion abzulösen und die Unabhängigkei de
10 Go ied Eise mann: Wissenssoziologie und ökonomische Theo ie. In: Wi -
scha und Gesellscha . a.a.O. S. 128 .
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648 Go ied Eise mann
Spa a e om Einkommen in Pe ioden s e ige Einkommens eige ung
da zu un, wu de bezeichnende weise un e ausd ückliche Be u ung
au die zug unde liegende Wandlung de gesellscha lichen Ve häl -
nisse o ge agen: „Ta sächlich könn e man sagen", so s ell Duesen-
be y ausd ücklich es 11, ..daß kaum i gendeine ökonomische Be-
ziehung als öllig un e ände lich be ach e we den kann. Denn keine
ökonomische Beziehung wi d sowohl o wie nach eine g undlegen-
den Ve ände ung de Gesellscha so dnung ih e Gel ung bewah en".
Diese Einsich , zumeis in p inzipielle Hinsich soga noch e -
ie , wa abe Gemeineigen um ge ade de g öß en Na ionalöko-
nomen. Nich um eine Ma o e willen, sonde n aus p inzipiellen
E wägungen ha z. B. Vil edo Pa e o (1848—1923) s e s seine sozio-
logischen Theo ien aus üh lich seinen g oßen ökonomischen We ken
inko po ie 12. Behandel e e in seinen ökonomischen Theo ien o -
wiegend nu da«, was e das „abs ak e ökonomische Phänomen"
nann e, so un e schied e nachd ücklich da on das „konk e e ökono-
mische Phänomen", das u. a. auch die Konjunk u en, das wi scha -
liche Wachs um, den Ein luß de In e essen-Ve bände au das Ma k -
geschehen usw. um aß , so daß man ge ade on ökonomische Sei e
mi Rech da au hingewiesen ha 13, daß sein soziologische« Haup -
we k -zugleich als undamen al ü das Ve s ändnis seine ökono-
mischen Theo ien be ach e we den muß. Es wi d ielleich ge ade
denjenigen, de imme nu gewohn is , in Pa e o einen de Vä e
de mode nen hype oph abs ak en, ma hema i izie en Wi scha s-
heo ie zu sehen, besonde s übe aschen, wenn e e äh , daß bei
Pa e o Soziologie und Na ionalökonomie unlöslich ineinande e -
woben sind, ja daß sein soziologisches Haup we k beispielsweise in
ökonomische Hinsich eine „bislang une eich e Theo e isie ung de
Fo men un ollkommene Konku enz, des Oligopols, de T us s und
Gewe kscha en" da s ell 14. Diese Ta sache inde ih e E klä ung
keineswegs in de indi iduellen In e essen ich ung ode de pe sön-
lichen Begabung Pa e os, sonde n ihm wu de, wie wi noch sehen
11 James S. Duesenbe y: Income. Sa ing and he Theo y o Consume Be-
ha iou . Camb idge, Mass. 1952. S. 71.
12 Vgl. Go ied Eisc mann: Vil edo Pa e o als Na ionalökonom und Soziologe.
Tübingen 1961. Fe ne Go ied Eise mann: Vil edo Pa e os wissenscha liche
Me hode und e kenn nis heo e ische Hal ung. In: No be Klo en u. a. (H sg.):
Sys eme und Me hoden in den "Wi scha s- und Sozialwissenscha en. E win on
Becke a h zum 75. Gebu s ag. Tübingen 1964. S. 127 .
13 So deu lich un e s ichen bei Gio anni Dema ia: L'ope a economica di
Vil edo Pa e o. In: Vil edo Pa e o. Sc i i eo ici. Milano 1952. S. VII—XXX;
zu o ha e dies be ei s nachd ücklich En ico Ba one he ausgea bei e : L'ope a di
Vil edo Pa e o e il p og esso della scienza. In: Gio nale degli Economis i, ol.
LX1V (1924). S. 20 .
14 Gio anni Dema ia: a.a.O. S. VIII .
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Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie 655
En wicklung heo e isch adäqua als einen Teilaspek des sozialen
Wandels zu konzipie en, sich als unzulänglich, weil allzu o de -
g ündig e weisen müssen.
Abe was ü die E ek e soziale Fak o en au die ökonomischen
P ozesse in de D i en Wel de 'En wicklungslände gil , gil mu a is
mu andis auch ü uns<e eigenes Wi scha ssys em18. In unse em
mode nen ma k wi scha lichen Sys em sind ja alle Menschen eine -
sei s du ch den Ma k e keh mi einande e bunden, wie ande e -
sei s du ch die ma k beding e A bei s eilung eine Angewiesenhei
alle au einande bes eh . Ande s ausged ück : „Alle Menschen sind",
wie F anz Eulenbu g es ausged ück ha 191, „daue nd Käu e und Ve -
käu e gewo den. Da aus olg , daß sie imme und daue nd an das
,Geld6 denken und geldmäßig o ien ie sind." Unse e du ch a ionali-
sie e, d. h. du ch ökonomisch- a ionales, an Ma k chancen o ien ie es
Ve hal en gekennzeichne e und du ch dieses unk ions ähig gehal-
ene Gesellscha swi scha zwing ih e T äge de a zu o wäh en-
dem a ionalen Abwägen on Nu zen und Kos en und e zwing somi
übe die Ra ionalisie ung de Ve hal ensweisen eine geis ig-seelische
S uk u , die dem Funk ionie en eines solchen Wi scha ssys ems
zumindes nich ab äglich is . Daß da übe hinaus de P ozeß de
wachsenden A bei s eilung und Ra ionalisie ung, aus dem schließlich
de mode ne Indus iebe ieb, dieses Wunde we k de O ganisa ion,
he o gegangen is , auch ungemeine soziologische E ek e he o -
ge u en ha , b auch nich in ex enso nachgewiesen zu we den.
Es b auch nu an die sys emge ech e un e meidliche Einbeziehung
de F au als A bei sk a in die mode ne P oduk ionsweise und ih e
dami e bundene wei gehende He auslösung aus dem Lebenszen um
de Familie, zumindes in ih em physiologisch i als en Lebensab-
schni e inne zu we den. Man b auch in de Bewe ung diese
E ek e keineswegs so wei zu gehen wie Joseph Schumpe e , de
bekann lich de Au assung wa , daß de mode ne Kapi alismus nich
e wa aus de endogenen Insu izienz seines wi scha lichen Mechanis-
mus he aus zusammenb echen we de, sonde n weil ge ade seine o -
gese z en wi scha lichen E olge die soziale G undlage seines Funk-
ionie ens ze s ö en20. Weil das 'E inden speziell zu Rou inesache
und de echnische Fo sch i gene ell, en pe sönlich und au oma i-
sie , in zunehmendem Maße zu Sache geschul e Spezialis eng uppen
gewo den seien, so daß die neuen „Kombina ionen" in den Händen
18 Vgl. zum olgenden Go ied Eise mann: Wi scha ssys em und Gesellscha s-
o m. In: Wi scha und Gesellscha . a.a.O. S. 100 .
19 F anz Eulenbu g: Die P eisbildung in de mode nen Wi scha . In: GdS.
IV. Ab . I. Teil. Tübingen 1925. S. 263.
20 Vgl. Eise mann: Joseph Schumpe e als Soziologe. a.a.O. S. 308 .
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656 Go ied Eise mann
anges ell e Manage und nich meh selbe wagende und das Risiko
agende seihs ändige Un e nehme lägen, e lie e die soziale Posi-
ion des Un e nehme s, so mein e Schumpe e , zunehmend an Be-
deu ung. Sodann zähl en Pe sönlichkei und Willensk a wenige in
eine an s ändige wi scha liche Neue ungen gewöhn en Umwel , wo-
du ch die Posi ion des Bü ge ums, ohnehin du ch die wi scha liche
En wicklung un e höhl , en scheidend geschwäch we de. Schließlich
gehe dami , als nich de ge ings e G und des Niede gangs, die Au -
lösung de bü ge lichen Familie einhe .
Abe selbs wenn man analy isch den Bogen nich so wei zu
spannen beabsich ig wie Schumipe e , zeig selbs die Einbeziehung
eines o de g ündig ein ökonomischen und ü das mode ne Wi -
scha sleben so ungemein wich igen Fak o s wie die Wi scha sWe -
bung in die ökonomische Analyse, daß sie sich hie bei schließlich zu
soziologische Rele anz e heben und soziologische Ka ego ien be-
mäch igen muß, auch wenn sie dies keineswegs a p io i beabsich ig e,
wenn sie diesem Phänomen ge ech we den will21. Be ug de Um ang
de We bung z. B. in den USA im Jah e 1956 be ei s 10 Millia den
Dolla , ein Be ag, de sich sei he jäh lich um meh als eine Millia de
e höh ha , und lieg de Umsa z de We bung in de Bundes epublik
um und 50 % übe dem Gesam umsa z de einmechanisch-op ischen
Indus ie und e wa au de gleichen Höhe wie die gesam e Holz-,
Papie - und Zells o p oduk ion de Bundes epublik, so e kenn man
da an unschwe die Bedeu ung des We bungsiphänomens ü die mo-
de ne Wi scha .
Sei dem als klassisch zu bezeichnenden Vo bild on Edwa d
H. Chambe lin ha es deswegen auch zunehmend Bemühungen ge-
geben, das We bungsphänomen in die made ne Wi scha s heo ie
zu in eg ie en. F eilich können sie du chweg nich be iedigen. Die
Haup u sache da ü dü e zwei ellos da in liegen, daß die Zu -
kenn nis oahme des We bungsphänomens in seinem ollen Um ang die
ü die logische Unan as ba kei de P eis heo ie une läßliche öllige
Unabhängigkei de De ini ion on Angebo s- und Nach agebedin-
gungen oneinande ge äh de . Wenn man au de Nach agesei e
nich meh on de p äs abilie en und übe die Daue de Analyse
hinweg p inzipiell gleichbleibenden Bedü niss uk u und also P ä e-
enzskala des Ve b auche s ausgeh , sonde n wenn diese küns lich
geweck und „ge adezu hochgepäppel 44 (J. K. Galb ai h) we den
müssen, so olg da aus, daß hie de P ozeß, de die Bedü nisse
be iedig , zugleich de P ozeß de Bedü niisweckung is . Wenn abe
21 Vgl. Go ied Eise mann: We bung und We bewe b. In: Wi scha und Ge-
sellscha . a.a.O. S. 58 .
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Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie 657
einge äum wi d, daß du ch den Au wand höhe e Kos en e mi els
des soziologischen T ansmissions iemens de We bung eine g öße e
Nach age „p oduzie '6 we den kann, so wi d dami ein Konnex
zwischen Angebo und Nach age au gezeig , de die Ge ah logische
Zi kelschlüsse in ol ie .
Bezeichnende weise weich man deshalb, auch do , wo man sich
analy isch des We bungsphänomens annimm , diesem inne en Konnex
aus. Abe nich allein die Möglichkei eine „p oduzie en*" Nach age
wi k e wi end, sonde n Beg i sbildung und 'E kenn nisappa a u
de ökonomischen Theo ie e mögen auch keine lei Ins umen an die
Hand zu geben, mi dem sich die inne e Mechanik dieses T ansmis-
sions iemens, de übe meh e e sozialpsychologische und soziologische
Achsen e läu , exak e assen ode ga in Fo meln kleiden ließe.
Ih e inne en S uk u nach e mag die ökonomische Theo ie imme
nu zu un e s ellen, daß de Au wand on We bungskos en in diese
ode in jene A wi ken, d. h. e wa die Nach age so und so e -
g öße n we de, ohne daß sich doch ein ökonomisch gese zmäßige
Zusammenhang zwischen diesen beiden E scheinungen behaup en,
noch sich e wa ga eine quan i ä smäßige Rela ion zwischen ihnen au -
weisen ließe.
Zudem kommen hie quali a i e Un e schiede ins Spiel. Die Theo ie
qua Theo ie en häl abe , wie John M. Cla k ich ig he o gehoben
ha , eine inhä en e P ädisposi ion gegen quali a i e Un e schiede, so
daß es de mode nen Wi scha s heo ie, die ih e Analyse un e den
Wahlsp uch ges ell ha „Quid non es in o mulis, non es ", nich
ge inge Schwie igkei en be ei e , das We bungsphänomen in ange-
messene Weise zu bewäl igen. Indes we den hie Phänomene on
einem Ausmaß und eine Bedeu ung ü das mode ne Wi scha s-
leben angesp ochen, die eine Ube windung alle diese Schwie ig-
kei en ge adezu e heischen, auch wenn de e o de liche heo e ische
Umbau eilweise bis in die Fundamen e hinab eichen soll e.
Ähnliches ließe sich z. B. auch on de Bedeu ung de Mode, äuße -
lich sich ba an de imme hek ische en Folge des Modewechsels, ü
unse e mode ne Wi scha sgesellscha sagen. Dabei be uh de Mode-
wechsel gewiß eine sei s au sozialpsychologisch und soziologisch
s ä ke en Abwechslungs eizen, in de Haup sache abe geh e be-
kann lich au die Bedü nisse de P oduk ion, nich des Konsums
zu ück. Auch hie haben wi also einen ökonomisch-soziologisch-öko-
nomischen Kausalnexus, ans dem kein Glied willkü lich ausgeklam-
me we den kann, wenn man nich au die wissenscha lich adäqua e
Behandlung des Phänomens e zich en will. Ja, selbs ein o de -
g ündig so i ial e scheinendes P oblem, wie die Abneigung kleine
42 Schmolle s Jah buch 85,6
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658 Go ied Eise mann
und mi le e Un e nehmen gegen die Au nahme on F emdkapi al,
kann bei seine E klä ung, wie ich an ande e S elle gezeig habe22,
soziologische Fak o en nich en a en.
Das is auch nich e wunde lich. Ha doch be ei s ein Theo e ike
on so hohen G aden wie Vil edo Pa e o es ges ell : „Man kann
sagen, daß es as kein konk e es P oblem gib , daß ausschließlich
ökonomisch sei und nich zugleich ökonomisch und soziologisch. Seh
häu ig übe wieg soga de soziologische Teil übe den ökonomi-
schen23."Nich die ge ings en Theo e ike gelang en zu Ane kenn -
nis diese Ta sache und nich wenige wu den olge ich ig aus diesem
G unde Soziologen. So bekann e ein F ied ich . Wiese (1851—1926)
gegen Ende seines Lebens: „Als ich mi meinen wi scha s heo e-
ischen Gedanken zu einige O dnung gelang wa , beme k e ich, daß
mich on den geschich lichen und poli ischen Beziehungen de Wi -
scha noch ein wei e es Gedankenhinde nis enn e. Volkswi scha -
liches Handeln is gesellscha liches Handeln, und man muß sich da-
he , um olkswi scha lich kla zu sehen, e s übe das allgemeine
Wesen des gesellscha lichen Handelns kla gewo den sein. . . . Dies
b ach e mich dazu, die gesellscha lichen Zusammenhänge selbs ändig
zu du chdenken, und hie bei a ich zum e s en Mal au das Thema
de Mach . Von nun an dehn e ich meine olkswi scha lichen Vo -
lesungen und A bei en im Sinne gesellscha liche E klä ung aus24."
Und mi as den gleichen Wo en ha Pa e o anläßlich seine
Uni e si ä sjubiläen die U sachen seine Hinwendung zu Soziologie
cha ak e isie : „An einem bes imm en Punk meine olkswi scha -
lichen Un e suchungen angelang , be and ich mich in eine Sackgasse.
Ich sah die e ah ungsgemäße Wah hei o mi und konn e sie nich
e eichen. Ve schiedene Hinde nisse s ell en sich mi in den Weg:
un e ande em die In e dependenz de sozialen Phänomene, die es
nich ges a e , öllig die E o schung de e schiedenen A en diese
Phänomene oneinande zu isolie en25." Von de Na u ih es E kenn -
nisobjek s und ih e P oblemlage he we den beide Disziplinen, die
Na ionalökonomie und die Soziologie, dahe ge adezu ged äng , eine
e s ändnis olle und wechselsei ige Koope a ion mi einande zu
suchen. Es kann sich dabei eilich nich nu um die Eingliede ung
soziologische E kenn nisse in die Na ionalökonomie handeln, e wa
22 Go ied Eise mann: Das P oblem de Un e nehmensiinanzie ung aus sozio»
logische Sich , die aussp äche, 15. Jg. (1965). S. 272 .
23 Vil edo Pa e o: Fa i e eo ie. Fi enze 1920. S. 124.
24 F ied ich on Wiese : Das Gese z de Mach . Wien 1926. S. V.
25 Vgl. Go ied Eise mann: Vil edo Pa e os Sys em de allgemeinen Sozio-
logie, S u ga 1962. S. 22.
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Die Beziehungen zwischen Na ionalökonomie und Soziologie 659
die Be ücksich igung de so ungemein wich igen ökonomischen Auße -
ma k ope a ionen.
Diese e s ändnis olle Zusammena bei soll e sich auch nich allein
au die ins i u ionellen und soziologischen „Randda en" und ih e mi
dem Ma k geschehen e knüp en kausalen ode unk ionalen Wand-
lungen, sonde n o allem auch au die Analyse de E ek e sozio-
logische Fak o en au den ökonomischen P ozeß e s ed en. En -
sp echendes gil abe genauso ü die Be ücksich igung ökonomische
Fak o en ü die soziologische Analyse. „Denn", wie be ei s Max
Webe he o gehoben ha 26, „nu ökonomische Ta bes ände
lie e n das Fleisch und Blu ü die wi kliche E klä ung des Gan-
ges auch de soziologisch ele an en En wicklung." Nu so abe
können auch die „exogenen" soziologischen Da en de ökonomischen
Theo ie aus ih e Rolle als Lückenbüße de E klä ung e lös we -
den. Es kann sich indes dabei nu um eine au ich ige und die gegen-
sei ige Au onomie ane kennende Zusammena bei on Na ionalöko-
nomie und Soziologie handeln, indem sie sich im Diens e gemeinsame
E kenn nisziele wechselsei ige Diens e leis en. Ein Impe ialismus ha
in ih en wechselsei igen Beziehungen nich s zu suchen, es handel sich
ielmeh um eine beun uhigende und uch ba e Kon on a ion on
Gleichbe ech ig en.
Die unumgängliche No wendigkei eine solchen Zusammena bei
abe wi d, so will mi scheinen, auch on imme meh Na ional-
ökonomen eingesehen. Dennoch gil im P inzip noch un e ände , was
Vil edo Pa e o o nahezu ün zig Jah en kons a ie e: „Eine ganze
Reihe on Na ionalökonomen sieh je z , daß ih e Wissenscha Re-
sul a e lie e , die meh ode minde on den konk e en Phäno-
menen di e gie en, und sie e kennen deshalb in ui i die No wendig-
kei , sie zu e ollkommnen, abe sie be inden sich im I um hin-
sich lich des Weges, de zu diesem Ziel üh . Sie e s ei en sich da -
au , aus ih e Wissenscha allein alles No wendige ü die Annähe-
ung an die Reali ä beziehen zu wollen, wäh end man ielmeh au
ande e Wissenscha en zu ückg ei en und da übe nich nu akzes-
so isch aus Anlaß eines ökonomischen Phänomens e lek ie en muß.
Sie wollen modi izie en, zuweilen ze s ö en, ans a zu e gänzen27."
Ande e sei s abe we den die Na ionalökonomen, wenn die Sozio-
logen sich diesem sachlich d ingenden Bedü nis nach Zusammena bei
e sagen, wei e hin gezwungen sein, sozusagen mi de linken Hand
Soziologie au eigene Faus zu be eiben.
20 Max Webe : Wi scha und Gesellscha . 4. Au l. H sg. . Johannes Winckel-
mann. 1. Halbbd. Tübingen 1956. S. 63 (Spe ungen im O iginal).
27 Go ied Eise mann: Vil edo Pa e os Sys em .. . a.a.O. S. 147.
42*
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660 Go ied Eise mann
Die nich allein kasuis ische, am konk e en Fall o ien ie e, sonde n
me hodisch und sys ema isch undie e Ve bindung on Na ional-
ökonomie und Soziologie is abe so o he ges ell , wenn wi als
g undlegende gemeinsame Ka ego ie beide Disziplinen diejenige des
sozialen Handelns akzep ie en. In diesem Sinne ha e Joseph Schum-
pe e , auch hie mode ne Au assungen an izipie end, be ei s in sei-
nem be ühm en Jugendwe k das menschliche Handeln als gemeinam
g undlegende Ka ego ie ü Na ionalökonomie und Soziologie be-
g i en, wenn e sag e: „Alles menschliche Handeln läß sich in ana-
loge Weise wie das wi scha liche als Tausch, nämlich als Ve ausch
eines Zus andes mi einem ande en au assen, und die G enze, die das
wi scha liche on ande wei igem Handeln enn , is dahe keine
scha e28." Ta sächlich sch ei en wi eine solchen on beiden Sei en
angebahn en Theo ie des sozialen Handelns auch en gegen. Sie wü de
uns dazu e hel en, die bishe e a bei e en E gebnisse und die da ü
benu z en Me hoden on beiden Sei en he wei e zu e olls ändigen
und du ch e s ändnis olle Zusammena bei zu siche n.
Au diese Weise wü den wi einen g oßen Sch i au dem Wege
zu Bewäl igung de gewal igen p ak ischen und wissenscha lichen
Au gaben un können, die au uns zukommen. Ob dabei die le z e
anzu isie ende Au gabe da in bes ünde, Na ionalökonomie und Sozio-
logie in eine de a igen Weise zu e binden, daß sie Wi scha und
Gesellscha möglichs einhei lich und olls ändig zu e klä en e -
möch en, kann hie dahinges ell bleiben29. Eines abe is siche , und
ich wiede hole, was ich an ande e S elle30 ausge üh habe: Sozio-
logie ohne Na ionalökonomie is blind, abe ebenso gewiß is Na io-
nalökonomie ohne Soziologie lee . Wissenscha sgeschich lich ha ohne
jeden Zwei el die S unde de Übe windung des du ch die his o ische
Schule eine sei s und du ch die Ve künde des alleinseeligmachenden
ma hema ischen C edos ande e sei s he au beschwo enen g oßen
Schismas und de b üde lichen Zusammena bei in de gemeinsamen
Ökumene de sozialwissenscha lichen Fo schung geschlagen.
28 Joseph Schumpe e : Das Wesen und de Haup inhal de heo e ischen Na-
ionalökonomie. Leipzig 1908. S. 80.
29 In diesem Sinne ha sich z. B. Wal e Adol Jöh geäuße : Na ionalökonomie
und Soziologie. In: Wi scha s heo ie und Wi scha spoli ik (Amonn-Fes sch i ).
Be n 1953. S. 316.
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