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Jahresversammlung von IWF und Weltbank 1987

Rieke, Wolfgang

Abstract

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Rieke, Wolfgang Article Jahresversammlung von IWF und Weltbank 1987 Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Rieke, Wolfgang (1987) : Jahresversammlung von IWF und Weltbank 1987, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 20, Iss. 4, pp. 559-571, https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/293099 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. 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Die Antwort fiel nicht leicht, beanspruchten doch die in den letzten Jahren in rascher Folge aufgetretenen Probleme und Fragestellungen - Beherrschung der internationalen Schuldenkrise, Bemühen um Dollarkursstabilisierung, Abbau der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte, Sicherung inflationsfreien Wirtschaftswachstums, Gewährleistung eines ausreichenden Ressourcentransfers in die Entwicklungsländer, künftige Rolle der Bretton Woods-Institute und anderes mehr - gleichermaßen die Aufmerksamkeit in den offiziellen Vorbereitungsgesprächen und Reden vor der Jahresversammlung. Man wird gut daran tun, das Fehlen eines Hauptthemas nicht als Zeichen dafür zu werten, daß die anstehenden Probleme bewältigt und die gestellten Fragen zu allseitiger Zufriedenheit beantwortet sind. Das Geschehen an den internationalen Finanzund Devisenmärkten kurz nach der Jahresversammlung scheint sogar die gegenteilige Schlußfolgerung nahezulegen. Das weltwirtschaftliche Umfeld dürfte die Auseinandersetzung mit den anstehenden Problemen in nächster Zeit eher noch schwieriger gestalten. Um so wichtiger ist es, daß die für die Wirtschaftspolitik in den einzelnen Ländern Verantwortlichen die jüngsten Ereignisse als Signal der Märkte verstehen, die Ursachen der bestehenden inneren und äußeren Ungleichgewichte energisch anzugehen. Die internationale Zusammenarbeit im Kreise der großen Industrieländer, aber auch im größeren Rahmen, kann mithelfen, die Anpassungsschritte in den einzelnen Ländern so aufeinander abzustimmen, daß die Ursachen vergangener Fehlentwicklungen beseitigt, das Entstehen neuer Fehlerquellen vermieden und die mit dem Gesundungsprozeß verbundenen „Schmerzen" gemildert werden. 37 Kredit und Kapital 4/1987 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 560 Berichte II. Wie üblich gingen der Jahresversammlung von IWF und Weltbank Zusammenkünfte verschiedener Gremien voraus, in denen die Industrieund Entwicklungsländer getrennt ihre Positionen abzuklären suchen und anschließend gemeinsam „in kleinerer Besetzung" über die wichtigen anstehenden Fragen diskutiert wird. So trafen erneut die Minister und Notenbankgouverneure der G 7 zusammen und bekräftigten nach wie üblich sehr vertraulichen Gesprächen in einem Kommunique die mit dem PlazaAbkommen und dem Louvre-Akkord in Gang gesetzte Strategie enger wirtschaftspolitischer Kooperation. Die Zielsetzung bleibt ein inflationsfreies Wirtschaftswachstum in den einzelnen Ländern, das den unumgänglich notwendigen Abbau der bestehenden inneren und äußeren Ungleichgewichte ohne größere negative Rückwirkungen für die Weltwirtschaft ermöglicht. Sie forderten andere Länder mit hohen Handelsbilanzüberschüssen insbesondere in Asien auf, das ihre zum Abbau der bestehenden Ungleichgewichte beizutragen. Die Beteiligten äußerten sich zufrieden über die größere Stabilität der Wechselkurse seit dem Louvre-Akkord. Die Minister und Notenbankgouverneure der Zehnergruppe traten gleichfalls zu ihrer üblichen Vorbereitungssitzung zusammen. Auf Seiten der Entwicklungsländer tagte die Gruppe der 24 und erledigte wiederum ein umfangreiches Pensum, wie an dem anschließend verabschiedeten Kommunique abzulesen ist. Darin werden alle Aspekte der Weltwirtschaftslage und Zusammenarbeit, die Verschuldungssituation und Strategie, der IWFund Weltbankpolitik im einzelnen aus der Sicht der Entwicklungsländer angesprochen. Die G 24 verabschiedeten darüber hinaus ein Sofortprogramm, das die umgehende Erfüllung einer Reihe bestehender Verpflichtungen verlangt und volle Unterstützung für die vom IWF und Weltbank erwarteten größeren Einsatzmöglichkeiten und deren Finanzierung fordert. Im Interimsausschuß des IWF, dem zwischen Direktorium und Gouverneursrat angesiedelten Beratungsgremium auf hoher politischer Ebene, widmeten sich dann turnusgemäß die Minister der Industrieund Entwicklungsländer den anstehenden Fragen, wie dem danach veröffentlichten Kommunique zu entnehmen ist. Die Diskussionen verliefen im ganzen weniger kontrovers, als manche Äußerungen im Vorfeld der Jahresversammlung erwarten ließen. Die Vorklärung der Fragen, die für die künftige Fondspolitik bedeutend sind, brachte die deutliche Unterstützung der Initiative des Geschäftsführenden Direktors, Camdessus, für eine kräftige Aufstockung der „Strukturellen Anpassungsfazilität" mit der Aufforderung, die notwendigen Gespräche mit den Kreditgebern zügig zu führen mit dem Ziel, die OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 Berichte 561 Verhandlungen noch in diesem Jahr zum Abschluß zu bringen. Der Ausschuß nahm zustimmend Kenntnis davon, daß die Vorbereitung der neunten Allgemeinen Quotenüberprüfung inzwischen im Gang ist und entsprechende Vorschläge zu gegebener Zeit vorgelegt werden sollen. Der temporäre Charakter des Erweiterten Zugangs zu den Fondsmitteln wurde erneut bekräftigt und zugleich Einigkeit darüber erzielt, daß die geltenden Obergrenzen auch 1988 weiter gelten sollen. Auch die für die Sonderfazilitäten geltenden Obergrenzen wurden unverändert gelassen. Zur Frage einer neuen SZR-Zuteilung sah sich der Geschäftsführende Direktor erneut nicht in der Lage, einen Vorschlag zu machen, nachdem eine Reihe wichtiger Mitglieder mit ausreichendem Stimmgewicht, die vom Fonds-Übereinkommen verlangten Voraussetzungen für eine zusätzliche Reserveschaffung nicht für gegeben hielten. III. In seiner Eingangserklärung vor der Jahresversammlung stellte der seit Jahresbeginn amtierende neue Geschäftsführende Direktor des IWF, Camdessus, heraus, daß sich die Industrieländer im fünften Jahr eines ununterbrochenen, wenngleich nicht befriedigenden Wachstums befinden und die Inflation unter Kontrolle geblieben ist. In den Industrieländern befinde sich die Inflation auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Zu den Hauptaufgaben der Wirtschaftspolitik dieser Länder zählte Camdessus an erster Stelle den Abbau des amerikanischen Haushaltsdefizits entsprechend den eingegangenen Selbstverpflichtungen, wobei angesichts der Schwierigkeiten kein Lösungsansatz außer Betracht bleiben sollte (eine Feststellung, die auf die Möglichkeit von Steuererhöhungen anspielte). Daneben maß er der Weitergabe von Ersparnisüberschüssen durch Länder wie Japan (das entsprechende Zusagen gemacht hatte) an Entwicklungsländer, die ausreichende Anpassungsbemühungen nachweisen, erhebliche Bedeutung zu. Ferner unterstrich er die Bedeutung struktureller Anpassungen, zu denen er auch solche zählte, die der Gefahr des Protektionismus entgegenwirken können. Schließlich trat er für verstärkte internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik ein und bezeichnete die jüngsten Absprachen darüber als Meilenstein auf dem Wege dahin. Den großen Industrieländern sprach er eine Schlüsselrolle in der Auseinandersetzung mit den Problemen ausreichenden weltwirtschaftlichen Wachstums und des Abbaus der Zahlungsbilanzungleichgewichte zu. Camdessus wandte sich dann rasch den Problemen der ärmsten unter den Entwicklungsländern zu, denen durch die von ihm vorgeschlagene und von 37* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 562 Berichte den Staatsund Regierungschefs der sieben großen Industrieländer in Venedig befürwortete kräftige Aufstockung der sogenannten Strukturellen Anpassungsfazilität (SAF) des Fonds rasch Hilfe zuteil werden soll. Er gab sich überzeugt, daß der Fonds diesen Ländern bei der Durchführung wirksamer makroökonomischer Anpassungsmaßnahmen und Strukturreformen nur helfen kann, wenn er speziell für diesen Zweck über kostengünstigere und längerfristig verfügbare Mittel verfügt, als es die normalen Mittel des Fonds darstellten. Er machte deutlich, daß die Mittel nur solchen Ländern zugute kommen sollen, die entsprechende Anpassungsbemühungen unternehmen. Er forderte rasche Mittelzusagen von denjenigen Ländern, die sich hierzu in der Lage sehen. Ebenfalls mit Blick auf die ärmsten Länder unterstützte er die Forderung nach Durchführung der achten Aufstockung der IDA-Mittel und einer allgemeinen Kapitalerhöhung der Weltbank. Mit Bezug auf die Zahlungsprobleme der hochverschuldeten Entwicklungsländer mittleren Einkommens sah Camdessus einen größeren Zeitbedarf für die Krisenbewältigung als ursprünglich angenommen. Gemessen an den Ausfuhrerlösen habe die Schuldenlast seit Ausbruch der Krise noch zugenommen. Als grundlegendes Element der Schuldenstrategie bezeichnete er die von den Schuldnerländern, Gläubigerländern, internationalen Institutionen und Gläubigerbanken gemeinsam übernommene Verantwortung. Nach Camdessus tragen die Regierungen der Schuldnerländer die Hauptverantwortung für die Durchführung gesunder makroökonomischer und struktureller Anpassungsmaßnahmen mit dem Ziel, die notwendigen Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum und Wiederherstellung ihrer Kreditwürdigkeit zu schaffen. Die Tür für Auslandsinvestitionen muß nach seiner Meinung weiter geöffnet werden. Auch müßten diese Länder selbst alles tun, um den Geist der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens zu stärken. Die Verantwortung der Gläubigerländer sah Camdessus vor allem in stärkerem Wirtschaftswachstum, besserem Gleichgewicht ihrer Leistungsbilanzen, mehr Stabilität der Wechselkurse, niedrigeren Realzinsen und einem Zurückdrängen des Protektionismus. Die dabei erzielten Fortschritte hielt er nicht für ausreichend. Von den Gläubigerbanken, deren Lage sich seit Ausbruch der Schuldenkrise erheblich verbessert habe, verlangte er aktivere Unterstützung der Anstrengungen einzelner Schuldnerländer. In seinen Darlegungen zur Rolle des IWF erläuterte Camdessus den Beitrag, den der Fonds zur verbesserten Zusammenarbeit und Koordinierung der Wirtschaftspolitik unter den großen Industrieländern sowie im Bemühen, den Interessen der übrigen Länder Rechnung zu tragen, leisten kann. Auch OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 Berichte 563 im Rahmen der Schuldenstrategie komme dem Fonds entsprechend den Beschlüssen des Interimsausschusses weiterhin eine zentrale Rolle zu. Die Zusammenarbeit mit der Weltbank müsse im Hinblick darauf weiter verstärkt werden. Am Schluß seiner Ausführungen unterstrich Camdessus die Notwendigkeit einer substantiellen Aufstockung der IWF-Quoten, über die inzwischen erste Gespräche in Gang gekommen sind. Außerdem sprach er sich für eine Intensivierung der Bemühungen um ein besseres Funktionieren des internationalen Währungssystems aus. Bessere Zusammenarbeit und Koordinierung der Wirtschaftspolitik sollten weiterreichende Überlegungen nach seiner Ansicht nicht ausschließen. Weltbankpräsident Conable erklärte in seiner Eingangsrede die Bereitschaft der Weltbank, die ihr zugedachte dynamische Rolle bei der Förderung wirtschaftlichen Wachstums und im Kampf gegen die Armut zu übernehmen. Wirtschaftliches Wachstum sei indes nicht ausreichend. Ausreichende Hilfe müsse auch im sozialen Bereich gewährt werden, nicht zuletzt um die ärmeren Schichten vor den Konsequenzen notwendiger Anpassungen zu schützen. Auch dem Schutz der Umwelt müsse dabei erhöhte Aufmerksamkeit gelten. Auf die Lage der hoch verschuldeten Länder mit mittleren Einkommen eingehend, würdigte Conable die Anstrengungen zahlreicher Länder, wies aber auch auf unterschiedliche Erfahrungen mit Anpassungsprogrammen hin. Die langsamen Fortschritte hätten politische und soziale Spannungen entstehen lassen, die den Gesundungsprozeß wiederum in Frage stellen. Ein Prokopf-Wachstum von 2 v.H. p.a. sollte nach seiner Meinung eine Schlüsselgröße jedes Anpassungsprogramms sein, und die Rückkehr zur Kreditwürdigkeit eines Landes binnen fünf bis sieben Jahren sollte zum gemeinsamen Ziel erklärt werden. Mit Blick auf die Probleme der afrikanischen Länder erläuterte Conable die Grundzüge eines neuen Hilfsprogramms, das einer Gruppe von 15 Ländern mit niedrigem Einkommen jährlich wenigstens 1,5 Mrd. $ an zusätzlicher Hilfe in den kommenden drei Jahren bringen soll. Damit könnte ein reales Prokopf-Wachstum von 2 v. H. sichergestellt und die Schuldendienstbelastung auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Die Länder Asiens könnten nach seiner Meinung raschere Fortschritte machen, wenn dem privaten Sektor mehr Spielraum gegeben würde. Conable beklagte den dramatischen Rückgang des Mittelzuflusses in die Entwicklungsländer um rd. 50 v.H. seit 1981, hauptsächlich aufgrund des Ausbleibens privater Bankkredite und von Ausfuhrkrediten. Die offizielle OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 564 Berichte Entwicklungshilfe sei nur geringfügig angestiegen und habe dies nicht ausgleichen können; sie mache aber inzwischen Vier/Fünftel der gesamten Mittelzufuhr aus. Die Weltbank allein könne da keine Abhilfe schaffen. Private Direktinvestitionen, die in den letzten vier Jahren bei 10 Mrd. $ p.a. stagnierten, müßten eine stärkere Rolle übernehmen; dafür sollten entsprechende Anreize in den Entwicklungsländern selbst geschaffen werden. IV. Die gemäßigt positive Einschätzung der Weltwirtschaftslage durch den IWF fand in den Ausführungen der Gouverneure vor der Jahresversammlung ein wiederholtes Echo. Bundesbankpräsident Pohl, der als deutscher IWF-Gouverneur in Abwesenheit von Finanzminister Stoltenberg sprach, wies darauf hin, daß die erreichten Fortschritte in den Industrieländern nicht nur diesen selbst, sondern auch den Entwicklungsländern zugute kommen. Er sah die Voraussetzungen für eine erhebliche Korrektur der großen Handelsund Leistungsbilanzdefizite und -Überschüsse wichtiger Länder dank der koordinierten Anpassungspolitik unter den G 7 im wesentlichen als gegeben an, doch sei der Zeitbedarf bekanntermaßen beträchtlich, bis die nominalen Handelsund Leistungsbilanzsalden die in Gang gekommenen Korrekturen widerspiegeln und von den Märkten zur Kenntnis genommen werden. Mit Bezug auf die Bemühungen zur Wechselkursstabilisierung verwies Präsident Pohl auf das Beispiel des EWS, mit dessen Hilfe ein „Überschießen" der beteiligten Währungen vermieden werden konnte und verwies auf die jüngsten Beschlüsse zur Änderung einiger Regeln und Verfahrensweisen im EWS, die eine wirksamere Auseinandersetzung mit Spannungen an den Devisenmärkten ermöglichen soll. Präsident Pohl würdigte die Rolle von IWF und Weltbank bei der Bewältigung mit den schwierigen Problemen der Entwicklungsländer, besonders der hoch verschuldeten und der ärmsten Länder unter ihnen. Unter ausdrücklichem Bezug auf den Vorschlag des Geschäftsführenden Direktors zur Aufstockung der „Strukturellen Anpassungsfazilität" sprach er sich dafür aus, daß zur Finanzierung alle Länder (nicht etwa nur die Überschußländer, wie von Finanzminister Baker gefordert) beitragen sollten. Der amerikanische Schatzsekretär Baker verwendete einen beträchtlichen Teil seiner Ausführungen dem Bemühen um bessere wirtschaftspolitische Koordinierung unter den großen Industrieländern seit der PlazaAbsprache vom September 1985, die er als Meilenstein im Bemühen um eine gesunde Weltwirtschaft bezeichnete. Der Louvre-Akkord vom Januar 1987 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 Berichte 565 sei ein weiterer Meilenstein auf diesem Wege, und inzwischen seien im Zeichen dieser Bemühungen weitere Fortschritte möglich gewesen. Baker ging auf die Anwendung objektiver Indikatoren im Rahmen des verstärkten Koordinierungsprozesses ein und gab die Absicht kund, mit Blick auf potentielle inflationäre Entwicklungen einen Index der Rohstoffpreise einschließlich Gold als Frühwarnindikator heranzuziehen. Nach eingehender Würdigung des amerikanischen Beitrags zur Verwirklichung der getroffenen Beschlüsse stellte Baker fest, daß auch andere wichtige Industrieländer ihren Verpflichtungen nachgekommen seien, wobei er Japan und die Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich nannte. Zugleich erklärte er weitere Schritte für notwendig, wie sie bei dem Treffen der G 7 kurz vor der Jahrestagung erörtert worden seien. Besondere Bedeutung maß er dabei der Erhaltung eines offenen Welthandelssystem bei und bekräftigte - ebenso wie Präsident Reagan in seiner Begrüßungsrede - die Entschlossenheit der US-Regierung, protektionistischen Bestrebungen zu widerstehen. Die neuen Industrieländer (NIC) in Asien forderte er auf, ihre Märkte zu öffnen und ihre Wechselkurse stärker an den Erfordernissen gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts auszurichten. Zur internationalen Schuldenproblematik bekräftigte Baker das auf der Jahresversammlung in Seoul vor zwei Jahren von ihm verkündete „Programm für anhaltendes Wachstum" als einzig realistischen und allseits akzeptablen Ansatz, dessen Grundsätze weiterhin gültig blieben. Wirtschaftliches Wachstum und marktgerechte Reformen in den Schuldnerländern erfordern danach weiterhin finanzielle Unterstützung von seiten offizieller wie privater Kreditgeber je nach den Umständen des Einzelfalles. Allgemeiner Schuldenerlaß, wie von mancher Seite gefordert, bietet nach seiner Auffassung nicht einmal eine spürbare kurzfristige Erleichterung und beinhaltet ernste längerfristige Risiken für die Schuldnerländer selbst. Solche Vorstellungen übersehen, daß zahlreiche Schuldnerländer über ein beinahe unbegrenztes Entwicklungspotential verfügen, das nur durch verstärkte Einbindung an die internationalen Handelsund Finanzierungsbeziehungen voll nutzbar gemacht werden könne, nicht aber dadurch, daß man diesen Weg verbaut. Baker erläuterte erneut die verschiedenen Möglichkeiten, je nach den Umständen des Falles, ein „Menü" von Lösungsmöglichkeiten zusammenzustellen. Auf die Rolle des IWF eingehend, schlug Baker eine Reihe von Änderungen in der Handhabung der IWF-Politik sowie die Schaffung einer neuen „Sonderfazilität für besondere äußere Umstände" vor. Letzteres soll bereits abgeschlossene Bereitschaftskreditabkommen gegenüber unvorgesehenen, von außen kommenden Entwicklungen wie schwachen Rohstoffpreisen, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55 566 Berichte niedrigem Ausfuhrvolumen, Naturkatastrophen und anhaltend höheren Zinssätzen absichern, ohne daß notwendige wirtschaftspolitische Anpassungen unterbleiben dürfen. Im Rahmen der wachstumsorientierten Fondspolitik sollen längerfristige Finanzierungsprogramme nach den amerikanischen Vorstellungen künftig anstatt vierteljährlichen nur noch halbjährlichen Erfüllungsund Auszahlungskriterien unterworfen werden. Zugleich will man strukturelle Anpassungskriterien stärker berücksichtigt sehen. Speziell zur Rolle der Weltbank erklärte Baker, er halte nach eingehender Prüfung der Ausleihepläne dieser Institute die Zeit für den Beginn von Verhandlungen über eine allgemeine Kapitalerhöhung für gekommen. Dies dürfe indes kein Ersatz für private Kapitalzuflüsse in die Entwicklungsländer sein. Er forderte die Weltbank auf, private Direktinvestitionen in Entwicklungsländer zu fördern. Die Initiative des Geschäftsführenden Direktors zur substantiellen Aufstockung der „Strukturellen Anpassungsfazilität" des IWF zugunsten der ärmsten Mitgliedsländer unterstützte Baker nachdrücklich und fügte sogleich hinzu, daß die beste Quelle zusätzlicher Mittel für diesen Zweck bei den Überschußländern zu suchen sei. Der britische Schatzkanzler Lawson sah im Plaza-Abkommen und im Louvre-Akkord wichtige Schritte in Richtung eines dauerhafteren Regimes des kontrollierten Floatens. Das Ziel sei die Aufrechterhaltung eines höchstmöglichen Grades an Stabilität der wichtigsten Wechselkurse und die kontrollierte Anpassung, soweit sie sich als notwendig erweist. Ein ausreichender Grad an Flexibilität werde auch in Zukunft erforderlich sein. Die Handhabung des Systems darf dauerhaften inflationären (wie deflationären) Tendenzen keinen Vorschub leisten. Entsprechende Indikatoren können dabei hilfreich sein. Weiterer Dollarabwertung erteilte er eine deutliche Absage. Der französische Finanzminister Balladur unterstützte mit seinen Darlegungen nachdrücklich eine erhebliche Aufstockung der Mittel der Weltbank im Wege einer allgemeinen Kapitalerhöhung und des IWF über eine allgemeine Quotenerhöhung. Den Vorschlag zur Aufstockung der Strukturellen Anpassungsfazilität erklärte er zur bedeutendsten Initiative, die eine dringende positive Antwort verlange. Er stellte für die nächsten drei Jahre mindestens 500 Mill. Dollar als französischen Beitrag in Aussicht. Der japanische Notenbankgouverneur Sumita wies auf die Bemühungen seines Landes hin, den hoch verschuldeten und anderen Entwicklungsländern durch „Recycling" eines Teils seiner hohen Zahlungsbilanzüberschüsse unter Einschaltung von IWF und Weltbank wie auch anderer Institutionen zu helfen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.20.4.559 | Generated on 2023-01-16 12:55:55