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[Rezension] Was können Sozialwissenschaften zum Pandemiemanagement beitragen?

Author: Ohlbrecht, Heike,Grobys, Christopher
Publisher: Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH,Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Year: 2025
DOI: 10.1007/s11577-025-00988-0
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/323575/1/11577_2025_Article_988.pdf
Ohlb ech , Heike; G obys, Ch is ophe
Book Re iew — Published Ve sion
[Rezension] Was können Sozialwissenscha en zum
Pandemiemanagemen bei agen?
KZ SS Kölne Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie
P o ided in Coope a ion wi h:
Sp inge Na u e
Sugges ed Ci a ion: Ohlb ech , Heike; G obys, Ch is ophe (2025) : [Rezension] Was können
Sozialwissenscha en zum Pandemiemanagemen bei agen?, KZ SS Kölne Zei sch i ü Soziologie
und Sozialpsychologie, ISSN 1861-891X, Sp inge Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol.
77, Iss. 1, pp. 133-136,
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-025-00988-0
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/323575
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LITERATURBESPRECHUNGEN
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-025-00988-0
Köln Z Soziol (2025) 77:133–136
Was können Sozialwissenscha en zum
Pandemiemanagemen bei agen?
Heike Ohlb ech · Ch is ophe G obys
Angenommen: 28. Janua 2025 / Online publizie : 6. Mä z 2025
© The Au ho (s) 2025
Gamba, Fio enza, Ma co Na done, Toni Riccia di und Sand o Ca acin (H sg.):
COVID-19. Eine sozialwissenscha liche Pe spek i e. Zü ich/Gen : Seismo Ve lag
2020. 364 Sei en. ISBN: 978-303-777-2195. P eis: C33,–.
Wäh end biomedizinische Analysen in den Hochphasen de Co ona-Pandemie die
gesellscha lichen Disku se maßgeblich p äg en, blieben sozialwissenscha liche
ehe ands ändig. De Sammelband mi seinen ie Teilen und 22 Bei ägen gal
als Ve such, die as ausschließlich na u wissenscha liche Be ach ung de K ise zu
kon as ie en und die analy ische Bedeu ung de Sozialwissenscha en he auszus el-
len. Das Ziel de He ausgebe 1lau e e deshalb, „O ien ie ung scha en“ (S. 13), um
poli ischen En scheidungs äge n zu zeigen, „welche Rolle die Sozialwissenscha en
einnehmen können und wieso diese als gesellscha liche Kompass genu z we den
soll en“ (S. 22).
De Teil A des Bandes äg den Ti el „Gesellscha liche Dynamiken“. Riccia di
un e such in seinem Bei ag Pandemien aus eine wel geschich lichen Pe spek i e.
Die He aus o de ung bes ehe seine Ansich nach da in, dass im Kon ex de Pan-
1Im Folgenden wi d an geeigne en S ellen das gene ische Maskulinum e wende , um die Lesba kei zu
e ein achen. Es sind ausd ücklich imme sowohl die weiblichen, die männlichen als auch di e se Fo men
gemein .
H. Ohlb ech · C. G obys
Fakul ä ü Humanwissenscha en (FHW), Be eich ü Soziologie (SOZ),
O o- on-Gue icke-Uni e si ä Magdebu g
Zschokkes . 32, 39104 Magdebu g, Deu schland
E-Mail: [email p o ec ed]
C. G obys
E-Mail: ch is ophe [email p o ec ed]
K
134 H. Ohlb ech , C. G obys
demie eine gemeinscha liche E zählung zu Ve a bei ung de Ka as ophe ge ehl
habe. Wie sich die Kommunika ion am An ang de Pandemie in de Schweiz in
de Social-Media-Sphä e ges al e e, e o sch e Sale no. E komm zu dem E geb-
nis, dass in diese sozialen Wel o angig In o ma ionen, pe sönliche Meinungen
als auch Fake News Ve b ei ung anden. Sahakian widme sich anschließend de
F age, ob die Pandemie eine Chance ü eine nachhal ige P oduk ions- und Kon-
sumweise da s ellen könn e. Sie plädie da ü , Wohls and om Ressou cen e b auch
mi els Bü ge be agungen zu en koppeln. Bon in ag da an anschließend, inwie-
e n die Pandemie einen Möglichkei sho izon o enba en könn e, um die de zei ige
Wi scha sweise zu übe denken. E kons a ie , dass die Pandemie das Po enzial
beinhal e, e schiedene ökonomische S uk u me kmale de Mode ne zu übe den-
ken und die anhal ende Ökonomisie ung und En poli isie ung de Wi scha in age
zu s ellen. Im le z en Bei ag des A-Teils be ass sich Bou ie mi den k isenha -
en Ve ände ungen on Ins i u ionen de A bei , „um zu e s ehen, was passie ,
wenn S ö ungen O ganisa ionen dazu zwingen, ih e Be iebs egime ,nach un en‘
anzupassen“ (S. 85).
De B-Teil des Bandes äg den Ti el „Zugehö igkei en“. Gamba be ass sich
mi den neuen Ri ualen, die wäh end de Pandemie en s anden sind, und e s eh
diese als sozialen Ki , um de Ze issenhei des All ags zu en kommen, als „Suche
nach Sinn, nach Beziehungen, nach Teilhabe“ (S. 106). Mi dem Beg i de „so-
zialen Dis anz“ se z sich Deba bieux auseinande . E s ell es , dass die Pandemie
zu eine Ve ände ung de sozialen P ak iken on Nähe und Dis anz ge üh habe.
Felde be ass sich im anschließenden Bei ag mi den Auswi kungen de K ise au
die S äd e und a bei e he aus, dass de Lockdown die ypischen Beziehungen und
In e ak ionen in diesen Räumen s illgeleg habe, zugleich abe auch neue Fo men
en wickel wu den. Wie in amiliä en Kon ex en soziale Dis anz e handel wi d,
dami be ass sich Ciobanu. Ein besonde es Augenme k leg sie dabei au Familien
mi Mig a ionse ah ung. Diese hä en be ei s o de Pandemie wi ksame S a-
egien en wickel , amiliä e Beziehungen auch übe geog a ische Dis anzen hinweg
au ech zue hal en, weshalb sie diese als „Agen en de sozialen Inno a ion“ (S. 153)
be ach e .
De Teil C des Bandes be ass sich mi de Thema ik „Ve le zlichkei en“. Ca acin
se z sich mi den s igma isie enden Na a i en im Kon ex de Pandemie auseinan-
de und schluss olge , dass sich Ka ego ien, die o mals ü un e ände ba gehal en
wu den, eilweise umgekeh ode ans o mie haben. Widme e al. un e suchen die
„Vulne abili ä en abe auch Ressou cen on Familien angesich s de du ch COVID-
19 ausgelös en K ise“ (S. 169). Sie nähe n sich diese F age mi hil e eine Analyse
on P essea ikeln an und a bei en die S ä ken und Schwächen des Familienlebens
in de K ise he aus. Mi den Auswi kungen de Pandemie ü äl e e Menschen in
Spanien und de Schweiz be assen sich O is e al. Die Poli iken des Lockdowns
haben nach ihnen ein ak i es Al e n, inklusi e gesellscha liche Teilhabemöglich-
kei en, e schwe . Umgekeh ag S oecklin danach, wie sich die Pandemie au das
Leben on Kinde n ausgewi k ha . E k i isie hie bei de en ge inge Be eiligung in
de K ise und plädie ü eine s ä ke e Einbeziehung ih e Pe spek i en. Rosens ein
un e such wiede um, wie die E ah ung des Lockdowns im Lich e de Soziologie
de Behinde ung zu e s ehen is . Sie sieh gewisse Analogien zwischen de E -
K
Was können Sozialwissenscha en zum Pandemiemanagemen bei agen? 135
ah ung on Behinde ung und de E ah ung de Qua an äne und schläg o , diese
Übe schneidung „zu nu zen, um die du ch die K ise zum Vo schein gekommenen
Mängel [...] zu hema isie en“ (S. 239). Wie die Pandemie den S a ollzug e än-
de e, dami be ass sich anschließend Na done. E s ell es , dass sich sowohl die
Ge ängnis e wal ungen als auch die Reak ionen on Ge angenen gewandel haben.
Pignolo un e such empi isch die Auswi kungen des Lockdowns au den Cannabis-
ma k anhand on In e iews und zeig , wie die Sozialwissenscha en analy ische
Einblicke in diese Wel en e ö nen können.
„Die S eue ung de Gesundhei “ heiß de D-Teil des Bandes. Bu on-Jeang os
un e such zu Beginn dieses le z en Abschni s das globale Pandemiemanagemen
aus eine mach analy ischen Pe spek i e. Sie ich e ih en Blick dabei au e schie-
dene Ak eu skons ella ionen sowie ih e Mach beziehungen und bemängel die ma -
ginale Rolle de Sozialwissenscha en bei den Eindämmungss a egien. Cian e oni
be ach e die Pandemie als Chance, Gesundhei am A bei spla z neu zu übe denken.
Hie ü leg sie eine an Ma x o ien ie e Analyse de pandemischen A bei swel o
und plädie ü eine s ä ke e Be eiligung de A bei enden. Was die Epidemiolo-
gie und die Sozialwissenscha en oneinande le nen können, danach ag Wanne .
E schluss olge , dass die disziplinä en G enzen zukün ig übe sch i en we den
soll en, um eine Sozialepidemiologie zu en wickeln. Abel nimm in seinem Bei ag
das Gesundhei swissen und die Gesundhei skompe enzen wäh end de Co ona-K ise
in den Blick. Ein wi ksames Pandemiemanagemen müsse die Eigen- und Mi e -
an wo ung de Menschen okussie en und die k i ische Gesundhei skompe enz im
Sinne eines Abwägens und Kon ex ualisie ens ö de n. Riccia di se z sich abschlie-
ßend mi dem Zusammenhang zwischen globale Mobili ä und de Ve b ei ung on
K ankhei en auseinande . Soziohis o isch ekons uie e , wie assis ische S igma-
isie ungen mi Epidemien zusammenhängen und plädie ü eine humanis isch-
egali ä e Pe spek i e.
De Teil E schließ den Band mi einem „Fazi “ de He ausgebe , in dem sie
danach agen, was die Sozialwissenscha en zum Managemen de Co id-19-K ise
bei agen können. Sie be onen, dass das ins allie e Expe ensys em demok a ische
P ozesse be ücksich igen müsse, wenn man gesellscha lich „nich [...] Ge ah eine
Rückkeh zu blinden Technok a ie lau en“ (S. 356) wolle.
De Band zähl e mu lich zu den e s en Ve ö en lichungen, mi denen sich die
Sozialwissenscha en im deu schsp achigen Raum zu Co ona-K ise zu Wo gemel-
de haben. Die hema ische Fülle und explo a i e Vielsei igkei de Bei äge sind
beeind uckend und we den umso beme kenswe e , wenn man bedenk , wie zügig
diese Band e schienen is . Posi i he o zuheben is die genuin sozialwissenscha -
liche Pe spek i e de Au o en. In den Bei ägen we den soziologische Analysen und
poli ische Implika ionen uch ba mi einande e bunden. Dabei sch ecken die Wis-
senscha le auch nich da o zu ück, sich selbs no ma i zu posi ionie en. Leide
ehl es den Bei ägen eilweise an heo e ische und empi ische Tie e, was siche -
lich mi dem schnellen E scheinen zu e klä en is . Dies soll e den Sozialwissen-
scha en jedoch gene ell zu denken geben. Denn undie e und empi isch gesä ig e
Analysen benö igen Zei . Ans a zu e suchen, mi de beschleunig en Mode ne
Sch i zu hal en, soll en sich die Sozialwissenscha en zukün ig diese Zei nehmen.
Denn ge ade solche Abkü zungen können eine wissenscha liche Obe lächlichkei
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zu Folge haben, wodu ch die analy ische S ä ke diese Disziplinen im Ve bo genen
bleib .
T o z diese K i ik möch en wi ü den Band eine Leseemp ehlung aussp echen.
E bilde eine Fundg ube di e se Themen und Fo schungs agen und o enba
du ch seinen explo a i en Cha ak e iele Fäden, die auch in de Gegenwa sozial-
wissenscha lich au genommen und o schend wei e gesponnen we den können.
Funding Open Access unding enabled and o ganized by P ojek DEAL.
Open Access Diese A ikel wi d un e de C ea i e Commons Namensnennung 4.0 In e na ional Li-
zenz e ö en lich , welche die Nu zung, Ve iel äl igung, Bea bei ung, Ve b ei ung und Wiede gabe in
jeglichem Medium und Fo ma e laub , so e n Sie den/die u sp ünglichen Au o (en) und die Quelle o d-
nungsgemäß nennen, einen Link zu C ea i e Commons Lizenz bei ügen und angeben, ob Ände ungen
o genommen wu den. Die in diesem A ikel en hal enen Bilde und sons iges D i ma e ial un e liegen
eben alls de genann en C ea i e Commons Lizenz, so e n sich aus de Abbildungslegende nich s ande-
es e gib . So e n das be e ende Ma e ial nich un e de genann en C ea i e Commons Lizenz s eh und
die be e ende Handlung nich nach gese zlichen Vo sch i en e laub is , is ü die oben au ge üh en
Wei e e wendungen des Ma e ials die Einwilligung des jeweiligen Rech einhabe s einzuholen. Wei e e
De ails zu Lizenz en nehmen Sie bi e de Lizenzin o ma ion au h p://c ea i ecommons.o g/licenses/by/
4.0/deed.de.
Hinweis des Ve lags De Ve lag bleib in Hinblick au geog a ische Zuo dnungen und Gebie sbezeich-
nungen in e ö en lich en Ka en und Ins i u sad essen neu al.
Heike Ohlb ech P o . D ., Leh s uhlinhabe in Allgemeine Soziologie/Mik osoziologie am Ins i u ü
Gesellscha swissenscha en de O o- on-Gue icke-Uni e si ä Magdebu g. Fo schungsgebie e: Wandel
de A bei swel und Auswi kungen au die psychosoziale Gesundhei , Emo ionen und psychische Gesund-
hei in de Spä mode ne, quali a i e A bei s- und Gesundhei s o schung. Ve ö en lichungen: Die quali a-
i e Analyse on Gesundhei und K ankhei . Soziologie on Gesundhei und K ankhei . Wiesbaden 2024
(H sg. M. Rich e , K. Hu elmann).
Ch is ophe G obys M.A., wissenscha liche Mi a bei e am Ins i u ü Allgemeine Soziologie/
Mik osoziologie de O o- on-Gue icke-Uni e si ä Magdebu g. Fo schungsgebie e: a bei ssoziologische
Bewuss seins o schung, soziologische Ma xismus, k i ische soziale A bei , Mixed-Me hods-Fo schung.
Ve ö en lichungen: Zwischen S a use hal und gesellscha liche Ve ände ung. Zum Lohnabhängigenbe-
wuss sein on ÖPNV-Beschä ig en. Zei sch i Ma xis ische E neue ung (137), 2024.
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