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Otto von Zwiedineck-Südenhorst

Abstract

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Otto von Zwiedineck-Südenhorst

Author: Albrecht, Gerhard
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1959
DOI: 10.3790/schm.79.3.1
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/290922/1/schm.079.3.001.pdf
Alb ech , Ge ha d
A icle
O o on Zwiedineck-Südenho s
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Alb ech , Ge ha d (1959) : O o on Zwiedineck-Südenho s , Schmolle s Jah buch
ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin,
Vol. 79, Iss. 3, pp. 1-11,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.79.3.1
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/290922
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257] 1
O o on Zwiedineck-Südenho s *
Von
Ge ha d Alb ech - Ma bu g
Um die Julimi e 1957 e ließ de k anke und schwe leidende
O o . Zwiedineck-Südenho s sein G ä el inge Heim, um seine Ge-
bu s- und Heima s ad G az au zusuchen. E woll e seine Schwes e ,
die do ho nungslos e k ank da niede lag, noch einmal wiede sehen
— e woll e do , wo e gebo en wa , seine Jugend e leb und seine
S udienjah e e b ach ha e, wo das Haus seine El e n s eh , e
woll e in seine Heima , de e imme die T eue bewah ha , die müde
gewo denen Augen schließen. Im G aze Diakonissenheim is e in den
Sonn agmo gens unden des 4. Augus nach o ausgegangenen Tagen
schme z ollen Leidens im sechsundach zigs en Jah eines on un-
e müdliche A bei im Diens e de Wissenscha e üll en Lebens ied-
lich en schla en.
Sein le z e Gang, die Heimkeh on de S ä e en scheidenden
Wi kens und g öß e E olge in das Jugendland de e s en An änge,
und das einsame S e ben des sei Jah en on schwe s en Leiden und
iel Leid gezeichne en Mannes ha e was E g ei endes — und doch,
so schein es dem, de in seinen le z en Lebensjah en o in e au em
F eundesgesp äch mi ihm übe das, was ihn zu ie s beweg e — quäl e
und beglück e — gesp ochen ha , wa es die seinem Menschen um,
seinem inne s en Wesen, das nach Einkeh und S ille e lang e, gemäße
A des Abschiedes on diese E de.
Von seinen F eunden und Ve eh e n haben nu ganz wenige ihm
das le z e Gelei geben können, de g oßen Zahl seine F eunde und
Schüle wa das e weh , weil die schme zliche Bo scha sie e s e -
eich e, nachdem sich das G ab übe den s e blichen Res en des e -
eh en Mannes geschlossen ha e. Sie wissen es de Fakul ä , de de
Heimgegangene so iele Jah e angehö ha e, Dank, daß sie sie zu
diese Gedenks unde nach München ge u en ha , um hie an de S ä e
seines ün undd eißigjäh igen Wi kens noch einmal das Bild des g oßen
* Gedenk ede, gehal en in de on de S aa swissenscha lichen Fakul ä de
Ludwig-Maximilians-Uni e si ä München am 24. 2. 1959 e ans al e en Gedäch nis-
eie ü O o . Zwiedineck-Südenho s .
Schmollen Jah buch 79, 3 1
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2 Ge ha d Alb ech [258
Geleh en, des g oßen Menschen, des Leh e s und F eundes in sich
lebendig we den zu lassen1.
Das wissenscha liche Lebenswe k O o . Zwiedinecks is das E -
gebnis eine ungewöhnlich ielsei igen Fo schungsa bei . Es is da um,
zumal sich en scheidende Elemen e seines Gesam we kes in eine g o-
ßen Zahl wei e s eu e Einzels udien und Gelegenhei sa bei en
inden2, nich leich , ihm mi den wenigen Wo en, ü die eine ku ze
Gedenks unde Gelegenhei bie e , ge ech zu we den.
Vielleich inde sich ü den Ve such, wenigs ens in den g oßen
Um issen das Bild de wissenscha lichen Pe sönlichkei . Zwiedinecks
es zuhal en, ein gu e Lei gedanke in dem Wo , mi dem e einmal
Johann Hein ich . Thünens wissenscha liche Bedeu ung umsch ieben
ha 3. Diese habe seinen Rang in de Wi scha swissenscha nich
du ch ein geschlossenes Sys em, sonde n mi de Ve ie ung einzelne
heo e ische G undp obleme und du ch seine Me hodik gewonnen,
. Zwiedineck ha mi diesem Wo e wohl auch seine eigene S ellung
im Fach und zugleich seine Au assung on de e wünsch en A bei s-
weise des Sozialwissenscha e s kennzeichnen wollen: mi s e s wache
Selbs besinnung sich um die dem so ielschich igen und his o isch wan-
delba en Fo chungsobjek adäqua e Me hode zu Klä ung seine
G undp obleme zu bemühen. E hä e seine Cha ak e isie ung de Be-
deu ung . Thünens noch du ch den Hinweis au dessen Bemühungen
um die soziale F age e gänzen können, die ih en eine Mahnung an die
Nachwel bedeu enden Ausd uck in de E üllung seines Wunsches ge-
unden haben, seinem G abs ein die on ihm en wickel e Fo mel ü
den ge ech en Lohn einzumeißeln — womi e auch den d i en Haup -
bes and eil des eigenen Lebenswe kes bezeichne hä e.
Alle dings ha . Zwiedineck in seine als Leh we k abge aß en
„Allgemeinen Volkswi scha sleh e" auch ein höchs eind ucks olles
„geschlossenes" wi scha swissenscha liches „Sys em" hin e lassen,
und siche is seine wissenscha liche Leis ung auch in K eisen des
1 Siehe des Ve . „O o . Zwiedineck-Südenho s zum Gedäch nis" in: Jah -
büche ü Na ionalökonomie und S a is ik, Bd. 170, He 1/3 (1958), S. 5—42, und
die Nach u e on We ne Mah in: Allgemeines S a is isches A chi 1957, He 3;
Ka l Obe pa iei e in: Almanach de ös e eichischen Akademie de Wissenscha en,
107. Jg. (1957), Wien 1958; F ied ich Lü ge in: Jah buch de Baye ischen Akademie
de Wisenscha en 1958; A. Ande son in: Re ue de l'Ins i u in e na ional de
S a is ique, Vol. 25 (1957).
2 Die wich igs en je z zusammenge aß in: O o . Zwiedineck-Südenho s ,
Mensch und Wi scha . Au sä ze und Abhandlungen zu Wi scha s heo ie und
Wi scha spoli ik. E s e Band. Be lin 1955. Ve lag on Duncke & Humblo . 440 S.
(Zwei e Band in Vo be ei ung.)
3 Von de äl e en zu neue en Theo ie de poli ischen Ökonomie, in: Si zungs-
be ich e de Baye ischen Akademie de Wissenscha en. Phil.-his . Klasse, Jg. 1951,
He 5, Sei e 10.
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259] O o on Zwiedineck-Südenho s 3
Faches den meis en o allem du ch dieses seh gehal olle We k be-
kann gewo den. Abe de ganze Reich um seine Fo schungsa bei ,
das übe sechs Jah zehn e sich e s eckende Ringen um die G und-
p obleme de Sozialökonomie und um die Klä ung on G undau gabe
und A bei s e ah en de sozialökonomischen Fo schung e schließ sich
nu dem, de seinen wissenscha lichen Weg on seinen An ängen bis
in die le z en Tage seines scha ens eudigen und a bei s eichen Lebens
nachzusch ei en sich bemüh — was eilich in diese S unde nu eben
angedeu e we den kann.
Von den beiden en scheidenden Leis ungen . Zwiedinecks •— ab-
gesehen on de au dem Gebie e de sozialen F age und de Sozial-
poli ik, die, um ih ge ech zu we den, eine gesonde en Wü digung
bedü e4 —, de A bei an de Au hellung und e ie en E kenn nis
einzelne G undp obleme de Sozialökonomie und de Klä ung de
ih e Au gabe angemessenen Me hode, kann de e s en hie nu mi
einigen ku zen Hinweisen gedach we den. De g oßen Zahl on Bei-
ägen zu sozialökonomischen Einzel agen, wie denen des P eises, des
Lohnes, des Kapi als und des Zinses, des Ren enphänomens, des Geldes
de Wi scha skonjunk u en, is die hellsich ige Wachsamkei gegen-
übe den Ge ah en gemeinsam, die dem Fo sch i de E kenn nis on
unk i ische Un e we ung un e he schende Leh meinungen d ohen.
Man wi d kaum ehlgehen, wenn man in diese sou e änen F eihei
on Au o i ä sabhängigkei , die alles ande e als Mißach ung de Lei-
s ung ande e is 5, ielmeh aus einem inne en Zwang en sp ang, den
sich ihm s ellenden P oblemen unbeein luß und nu sich selbs e -
an wo lich au den G und zu gehen, eines de wesen lichen Me kmale
de wissenscha lichen Pe sönlichkei . Zwiedinecks und das Geheim-
nis seine E olge sieh .
Wie bedeu sam diese Eigenscha ü den Fo sch i de Wi -
scha swissenscha is , is jedem kla , de mi ih e Leh geschich e
4 Zusammen assende Hinweis bei G. Alb ech , a.a.O., S. 14/17.
5 Daß wissenscha liche E kenn nis übe haup und in besonde em Maße, wenn
ih Objek , wie das de Wi scha swissenscha , eine s ändigem Wandel un e wo -
ene und in ih e Ges al ung om höchs wandelba en menschlichen Willen abhän-
gige Wi klichkei bilde , „nich ande s möglich is , als wenn jede au den Schul e n
de e s eh , die o ihm au dem [be e enden] Gebie gea bei e haben, und allen
denjenigen die Hand eich , die gleichzei ig an ihm a bei en" (so: „Vom Glauben
md ande en I umsquellen in de heo e ischen Na ionalökonomie", in: Jah b. ü
Na ionalökonomie und S a is ik, Bd. 160 [1944], S. 163, Anme kung 1), wa ü ihn
selbs e s ändlich. Je nach dem Anlaß is e übe hebliche ode auch nu nachlässig-
ku zsich ige Nich ach ung de Leis ungen wissenscha liche Vo läu e ode on
Ve e e n ande e A bei s ich ungen mi au wallendem Zo n (so: Kausali ä
ode Dogma ik in de Na ionalökonomie", in: Si zungsbe ich e de Baye . Akademie
de Wissenscha en, Phil.-his . Ab ., Jg. 1943, He 9, München 1944) ode mi wa -
nende Mahnung (so z. B.: „Typus und Gese z" in Z. . d. ges. S aa swissenscha ,
109. Band, 3. He (1953), S. 385 .) en gegenge e en.
1*
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4 Ge ha d Alb ech [260
e au is . Meh ach ha sich in ih em Ve lau e de Vo gang abge-
spiel , daß die wissenscha liche A bei on Jah zehn en so gu wie
ganz in dem ein logischen, on ih em Wi klichkei sgegens ande los-
gelös en Wei e bau an eine zu gegebene Zei konzipie en Theo ie
ode einem ganzen Theo iensys em e schöp ha , ohne daß beme k
ode doch beach e wu de, daß ih Ansa zpunk nich meh ode iel-
leich soga übe haup nich genüg e, um ih e Au gabe, de E klä ung
de e ände lichen Wi scha swel , ge ech we den zu können. Dies
Schicksal haben die au Ad. Smi h's geniale Konzep ion zu ückgehende
sogenann e klassische Leh e und die ös e eichische G enznu zenleh e
ge eil , . Zwiedineck ha on seinen ühes en An ängen an diese
Ge ah e kann und is ih begegne . E ha die übe kommenen Fo -
schungswe kzeuge und die E gebnisse ih e Anwendung imme wiede
au ih e Eignung und Gül igkei übe p ü . Diese k i ische Geis ha
ihn be ähig , in eine g oßen Zahl on Einzelleh en de E kenn nis
eine neue Wendung zu geben.
Als besonde s uch ba haben sich seine bis ins Jah 1908 zu ück-
gehenden p eis heo e ischen S udien6 e wiesen. Seine (und die einige
ande e Au o en) damals noch du ch den Kamp um den Objek i is-
mus und den Subjek i ismus in de We heo ie übe scha e e E -
kenn nis, daß es ein absolu es P eise klä ungsp inzip, k a dessen
monokausal jede beliebige P eis zu jedem beliebigen Zei punk nach
einem allgemeingül igen Gese z seine E klä ung zu inden e mag,
nich gib , wede im Sinne de au den G undlagen de Klassike ußen-
den Ve ech e de objek i en, noch in dem de au dem Boden de
G enznu zenleh e s ehenden Ve e e de subjek i en We leh e, —
diese E kenn nis bedeu e e die Ze s ö ung des bishe allgemein als un-
ums ößlich gel enden we heo e ischen Fundamen es de Wi scha s-
heo ie. An seine S elle se z e e die dynamische Be ach ung de nach
Gü e a en und Ma k eigen ümlichkei en äuße s iel äl igen P eisbil-
dungs o gänge. Das ü die Kon inui ä de P eisen wicklung maß-
gebende P eisbeha ungs e mögen beg ünde e e als Sonde all des
on ihm so benann en T äghei sgese zes des Ve keh s. Die in de Zei
seine wissenscha lichen An änge wei gehend he schende subjek i-
is isch-psychologische We heo ie de ös e eichischen Schule wide -
leg e e in ih em Ansp uch, Ausgangspunk und Fundamen de Deu-
ung des gesam en Wi scha sgeschehens zu sein, mi dem Nachweis,
daß „das [ih e G undlage bildende] wi scha liche Wollen66 und die
ihm zug unde liegende subjek i is ische Nu zenschä zung „eine kau-
sale Wi kung . . . de übe g ei enden Bedeu ung le z o he gegangen
6
Siehe o allem: K i isches und Posi i es zu P eisleh e. I. Subjek i ismus und
Objek i ismus in de P eisleh e. II. Theo e isch e nachlässig e P eisbes immungs-
g ünde, in: Z. . d. ges. S aa swissenscha , Bd. 64 (1908) und Bd. 65 (1909).
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261] O o on Zwiedineck-Südenho s 5
ne mäch igs e P eisphänomene", also eben nich subjek i e Ta -
bes ände, is , mi hin nich au onomes E klä ungsp inzip sein kann.
Mi de E kenn nis de auße o den lichen Viel al de ak ischen Be-
dingungen de P eisbildungs o gänge, die an S elle gedanklich ge-
se z e Ideal o s ellungen den Ausgangspunk jede ealis ischen P eis-
leh e zu bilden habe, ha e den Weg o ausgewiesen, au dem diese
sei he gegenübe ih en so lange nachwi kenden An ängen ein on
G und au e ände es Ausehen angenomen und imme meh zu wi k-
lichkei snahen ode doch -nähe en Einsich en ge üh ha .
Schon in seinen ühes en p eis heo e ischen A bei en ha . Zwie-
dineck — hie mi eines de Fundamen e des Keynesschen Leh gebäu-
des o wegnehmend — dem Einkommen und seine Ve eilung die Be-
deu ung de en scheidenden Komponen e des Wi scha sp ozesses als
de G öße zugesp ochen, in de die ihn bewegende und e ände nde
P imä k a ih en U sp ung ha . Mi dem Nachweis des bes immenden
Ein lusses de Einkommensges al ung und -Ve wendung au den Geld-
we und seine Ände ungen ha e de in einsei ige Übe schä zung
des Geldmengen ak o s be angenen Geldwe heo ie eine neue Wen-
dung gegeben7. Mi seinem aus de wi scha s heo e ischen Diskussion
in de Zei de g oßen Wi scha sk ise zu An ang de 30e Jah e he -
o gegangenen Gese z de zei lichen Einkommens olge8 ha e einen
wich igen und wei hin ane kann en Bei ag zu Konjunk u heo ie ge-
leis e , dem g öß e Bedeu ung ü die in jüngs e Zei imme e olg-
eiche en konjunk u poli ischen, konjunk u ausgleichenden Bemühun-
gen zukomm .
Allen A bei en . Zwiedinecks, die „de Ve ie ung einzelne heo-
e ische G undp obleme46 gewidme sind, is ein on einem Teil de
gegenwä ig o he schenden heo e ischen Behandlung und Da s el-
lung wi scha liche P obleme g undlegend abweichende Cha ak e
eigen. Sie weisen — abgesehen on de auch dem Wi scha sp ak ike
e s ändlichen Da s ellung seine Gedanken — das on ihm selbs
gelegen lich mi de Fo mel „ ac s and in e ences"9 gekennzeichne e
Me kmal au . Das heiß : imme is es ihm um die E assung de Zu-
sammenhänge de wi scha lichen Wi klichkei und ih e kausale E -
klä ung, nich um eine aus eine bes imm en Idee on ih deduzie e
heo e ische Kons uk ion zu un; imme bilde das Bemühen, übe
diese Wi klichkei mi ih en an bes imm en E scheinungen und Vo -
7 Die Einkommensges al ung als Geldwe bes immungsg und, in: Schmolle s
Jah buch, Neue Folge XXXIII (1909), S. 131 .
8 Die A bei slosigkei und das Gese z de Einkommen olge, in: Wel wi scha -
liches A chi , Bd. 34 (1931), He 2.
9 O enba im Anschluß an Joseph Schumpe e , de hie mi G. Schmolle s (und
Ma shalls) Ve ah ensa kennzeichne ; siehe Schumpe e , „Gus a . Schmolle und
die P obleme on heu e", in: Schmolle s Jah buch, 50. Jg. (1926), 1. Halb-Bd., S. 387.
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6 Ge ha d Alb ech [262
gängen des Tages sich o enba enden P oblemen und übe die ih zu-
g undeliegenden K ä e sich olle Rechenscha abzulegen, den Aus-
gangspunk ih e heo e ischen Du chd ingung.
Au diesen Weg haben . Zwiedineck schon die e s en Sch i e
seine wissenscha lichen En wicklung ge üh . E ha sein (ju is isches)
S udium Ende de 80e Jah e in G az begonnen und hie mi nu ku -
ze Un e b echung, die ihn ü ein Semes e nach Heidelbe g üh e,
beende . In seinen G aze S udienjah en wa e , de His o ike sohn,
mi den sozialen und wi scha lichen P oblemen zue s du ch die on
ihm gehö en ech sgeschich lichen und die on Richa d Hildeb and,
dem Sohn des Mi beg ünde s de his o ischen Schule de Na ionalöko-
nomie B uno Hildeb and, im Sinne diese Schule gehal enen olks- und
inanzwi scha lichen Vo lesungen in Be üh ung gekommen. Spä e
ha e seine S udien in Leipzig, o allem bei Ka l Büche und dem
S a is ike Hasse, e gänz ; das ha sein In e esse ü die his o ische
Be ach ungsweise wi scha liche F agen e s ä k und ihn zugleich
mi dem wich igen und on ihm Zei seines Lebens gep leg en und wis-
senscha lich wei e en wickel en Mi el empi ische Sozial- und Wi -
scha s o schung, de S a is ik, bekann gemach . Hie ha e auch —
in Büche s Semina — die An egungen ü eine Reihe kleine e wis-
senscha liche Un e suchungen emp angen, de en Gegens and o
allem mi els ands- und sozialpoli ische Einzel agen bilden; ihnen
komm ü sein Gesam we k Bedeu ung als Vo s udien ü seine 1911
e schienene „Sozialpoli ik" zu, mi de e eine de Beg ünde diese
Sonde disziplin im Be eiche de Sozialwissenscha en gewo den is .
Daß e abe die nu his o ische Fo schung au dem Gebie e de
Sozial- und Wi scha swissenscha en10 ü unzu eichend hiel , läß
schon seine e s e g oße A bei übe Lohnpoli ik und - heo ie11 e ken-
nen, die als Habili a ionssch i bei Hildeb and au Ablehnung s ieß,
weil sie sich nich an dessen An o de ung ein his o ische Un e -
suchungsme hoden hiel , dagegen in Wien, de Me opole de G enz-
nu zen heo ie — de . Zwiedineck ablehnend gegenübe s and — be-
ei willige Annahme and, obwohl sie keineswegs ein heo e ischen
Cha ak e ug. De als Außensei e , als inzwischen in de S aa s- und
Wi scha s e wal ung e p ob e Ju is , zu wissenscha lichen Na io-
nalökonomie Gelangende such also und inde on o nhe ein seinen
10 S e s ha . Zwiedineck sdiä s ens zwischen de Wi scha sgeschich e als Teil-
disziplin de Geschich swissenscha und his o ische Na ionalökonomie un e schieden.
Es sei besonde s au die im Sch i en e zeichnis in den Jah büche n ü Na . u. S a .
(Bd. 170, He 1/3, 1958, S. 38 .) übe sehene Abhandlung „Gus a on Schmolle s
Gewe bepoli ik", in: Schmolle s Jah b. 62. Jg. (1938), II. Halb-Bd., S. 130 (neben
ielen ande en S ellen) hingewiesen. Siehe auch G. Alb ech , a.a.O., S. 30 .
11 Lohnpoli ik und Lohn heo ie mi besonde e Be ücksich igung des Maximal-
lohnes, Leipzig 1900.
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263] O o on Zwiedineck-Südenho s 7
eigenen Weg. E beginn seine wissenscha liche A bei un e dem Ein-
luß de einen de damals das Fach behe schenden Schulen, de his o-
ischen; e e lieg ihm abe nich . E p ü zugleich mi k i ischem Blick
die ande e damals he schende, die heo e ische G enznu zenschule,
und e lehn sie ih es speziellen Ausgangspunk es und Ve ah ens
wegen ab. E e wi nich nu ih en psychologischen Subjek i ismus
als le z en E klä ungsg und de die zen alen P obleme de Sozialwi -
scha sleh e da s ellenden P eisbildungs- und Ve eilungs o gänge,
sonde n auch ih e unk ional- und gleichgewich s heo e ische, mi hin
s a ische P oblems ellung. Ih g undlegendes Anliegen abe , Wi -
scha swissenscha heo e isch zu be eiben, e kenn e an, gib ihm
jedoch die Wendung zu kausal heo e isch-dynamischen F ages ellung.
Die Wi scha s heo ie ha hie nach die Au gabe, die wi scha lichen
E scheinungen und Vo gänge de Ve gangenhei und Gegenwa in
ih em o daue nden Wandel kausal zu e klä en.
Das en scheidende Ve diens de his o ischen Schule sah . Zwie-
dineck — abgesehen on den his o ischen Einsich en an sich, die sie
e mi el — in einem doppel en Diens , den sie de Theo ie geleis e
ha : diese au den Boden de Wi klichkei , den sie mi den on ih
gese z en Ap io is e lassen ha e, zu ückge üh und sie on de He -
scha des Dogmas, on de no ma i en Wegbes immung be ei zu
haben.
Hie nach is es beg ei lich, daß e mi besonde e He igkei
eagie e, als in den ü die Wissenscha übe haup und in besonde em
Maße ü die Sozialwissenscha en so k i ischen Jah en des o ali ä en
Regimes in Deu schland diese bedeu sams e Fo sch i in de En -
wicklung de Sozialökonomie, ih e En dogma isie ung, e neu in F age
ges ell wu de. Die beiden bedeu enden Abhandlungen aus dem Jah
194412, in denen das geschah, indem e sich1 u.a. gegen die on eine
G uppe on Sozialwissenscha e n e e ene These wand e, die Sozial-
ökonomie habe bis in die Theo ie hinein poli isch zu sein, sind das ihn
in hohem Maße eh ende We k eines Mannes, de es ü seine heilige
P lich e ach e ha , ohne Fu ch und in unbeugsam au ech e Hal ung
die Wü de de Wissenscha gegenübe de ih angesonnenen Un e -
we ung un e den Mach sp uch poli ische Usu pa o en zu e e en.
Als de Wissenscha allein gemäße Übe zeugungsg ünde e moch e e
als Sozialwissenscha e nu solche anzue kennen, die auße halb seine ,
des Fo sche s, selbs , die ielmeh in dem, was ihm als Objek gegen-
übe s eh , zu suchen sind. Fü den Wi scha swissenscha e sind das
die e ah ba en Fak en des Wi scha slebens, wie sie ihm die Wi -
12 „Kausali ä ode Dogma ik in de Na ionalökonomie", a.a.O., und „Vom Glau-
ben und ande en I umsquellen in de heo e ischen Na ionalökonomie", a.a.O.
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8 Ge ha d Alb ech [264
scha sgeschich e, die S a is ik und die un o eingenommene Beobach-
ung de Gegenwa se scheinungen und -Vo gänge lie e n. Nu on
diese A de Übe zeug hei , nich abe de des poli isch ode in
ande e Weise Gläubigen, nu on dem kausal-logischen Denken, nich
abe on eine ande en, höhe en Fo m des Wissens und de Gewißhei
kann e wa e we den, daß die ih zug unde liegenden G ünde bzw.
die ihm eigene Bes imm hei du ch das Objek nich nu den Fo sche
selbs , sonde n auch ande e und möglichs alle, die Wah hei wollen,
übe zeugen13.
Die Au hellung de in dem einwand ei e aß en Ta sachenma e ial
o liegenden, meis übe aus komplizie en Zusammenhänge und u -
sächlichen Ve knüp ungen is dann die no wendige heo e ische E -
gänzung de o ausgegangenen his o isch-empi ischen A bei . Sie ha
zu Vo bedingung die e kenn nis heo e isch gesiche e E assung des
die Wi scha swissenscha , die ih Realobjek mi dem au das wi -
scha liche Geschehen ausge ich e en Teil de Geschich swissenscha
gemeinsam ha , kons i uie enden Elemen es und dami de speziellen
wi scha swissenscha lichen F age- und P oblems ellung. Obwohl die
A des Zusammenwi kens de g oßen Zahl de Wi scha ssubjek e,
die aus ihm bes ehenden ealen Wi scha szusammenhänge s ändigem
Wandel, o allem nach den geschich lich! wechselnden ech lichen, so-
zialen und poli ischen Gegebenhei en, un e wo en sind, lieg ihnen
doch das einhei liche G undphänomen zug unde, aus dem sich die
F ages ellung de de Klä ung dienenden sozialökonomischen Wissen-
scha e gib : „wie aus de g oßen und imme g öße we denden Zahl
on Einzelwi scha splänen und ih e Ve olgung doch ein im wesen -
lichen kon inuie liche P ozeß de He s ellung eines Einklanges zwi-
schen Beda und Deckung in knappen Gü e n e eich wi d"14. Mi
diese F ages ellung is Au gabe und Inhal de heo e ischen Na ional-
ökonomie gegeben. Sie beding keine einhei liche und un e allen ge-
schich lichen Bedingungen in gleiche Weise gül ige An wo , ielmeh
is mi de du ch den Wandel de ech lichen und sozialen G undlagen
des wi scha lichen Geschehens beding en „Mannig al igkei de E -
ah ungsobjek e auch die Viel al heo e ische Au gaben und Lösun-
gen gegeben". Hie du ch un e scheide sich . Zwiedinecks heo e isches
Anliegen on allen jenen heo e ischen Sys emen, de en G undlage und
Ausgangspunk eine absolu , übe Zei und Raum un e ände lich gül-
ige Anschauung om sozialen Kosmos und seine Ges al ung bilde ,
wie die seine na u ech lichen ode als o d e na u el gegebenen Be-
s imm hei ode die on de p äs abilie en Ha monie ode on de
„daseins ich igen" poli ischen O dnung.
13 Kausali ä ode Dogma ik, a.a.O., S. 97/99.
14 Vom Glauben, a.a.O., S. 136.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.79.3.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:27:29