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[ge] (orig)

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Zwei von zehn Beschäftigten berichten von Vorfällen im eigenen Arbeitsumfeld

Author: Götz, Valentina,Isphording, Ingo Eduard,Jessen, Jonas,Wolter, Stefanie
Publisher: Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Year: 2025
DOI: 10.48720/IAB.KB.2509
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/319495/1/1926759125.pdf
Gö z, Valen ina; Ispho ding, Ingo Edua d; Jessen, Jonas; Wol e , S e anie
Resea ch Repo
Sexuelle Beläs igung am A bei spla z: Zwei on zehn
Beschä ig en be ich en on Vo ällen im eigenen
A bei sum eld
IAB-Ku zbe ich , No. 9/2025
P o ided in Coope a ion wi h:
Ins i u e o Employmen Resea ch (IAB)
Sugges ed Ci a ion: Gö z, Valen ina; Ispho ding, Ingo Edua d; Jessen, Jonas; Wol e , S e anie (2025) :
Sexuelle Beläs igung am A bei spla z: Zwei on zehn Beschä ig en be ich en on Vo ällen im
eigenen A bei sum eld, IAB-Ku zbe ich , No. 9/2025, Ins i u ü A bei sma k - und Be u s o schung
(IAB), Nü nbe g,
h ps://doi.o g/10.48720/IAB.KB.2509
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/319495
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IAB-KURZBERICHT
Ak uelle Analysen aus dem Ins i u ü A bei sma k - und Be u s o schung
In alle Kü ze
●20 P ozen de Beschä ig en
haben selbs ode in ih em A bei s-
um eld Fälle sexuelle Beläs igung
e leb , F auen deu lich häu ige
als Männe . Dami handel es sich
du chaus um ein wei e b ei e es
P oblem.
●Die be ag en Beschä ig en e -
wa en s a ke nega i e Konsequen-
zen in olge on sexuelle Beläs i-
gung am A bei spla z.
●72 P ozen de be o enen Be-
iebe beobach en nega i e Folgen:
Sexualisie es Ve hal en beein äch-
ig o allem die A bei smo al, die
Anwesenhei und die Pe sonalbin-
dung. In Zei en on Fachk ä eman-
gel und hohen Rek u ie ungskos en
wiegen nega i e E ek e ü Be iebe
besonde s schwe .
●Bei gemelde en Fällen on sexu-
elle Beläs igung am A bei spla z
e wa en F auen deu lich sel ene
als Männe eine angemessene Re-
ak ion on Füh ungsk ä en.
●59 P ozen de Be iebe e ügen
übe Ve ah en zum Umgang mi
sexuelle Beläs igung. Diese sind
alle dings meis in o mell, p ä en-
i e Maßnahmen gib es ehe sel en.
9 | 2025
Sexuelle Beläs igung is eine subs an-
zielle Belas ung ü die di ek Be o e-
nen und ih (A bei s-)Um eld – und da-
mi po enziell auch eine wi scha liche
Belas ung ü Be iebe. Wie e b ei e
sexuelle Beläs igung und p ä en i e
Maßnahmen in Be ieben sind, wu de
dennoch bishe nich um assend un e -
such . Zwei Be agungen des IAB zeigen
nun, wie häu ig sexuelle Beläs igung am
A bei spla z o komm und welche Aus-
wi kungen Be iebe und Beschä ig e in-
olgedessen e wa en. Da übe hinaus
wi d dokumen ie , welche Maßnahmen
Be iebe e g ei en, um solche Vo älle
zu e hinde n ode da au zu eagie en.
Sexuelle Beläs igung (zu De ini ion gl.
In obox 1 au Sei e 2) is ein wei e b ei-
e es Phänomen. In eine Be agung de
Eu opäischen Union gaben 32 P ozen
de be ag en F auen an, dass sie im
Lau e ih es E we bslebens on sexuelle
Beläs igung am A bei spla z be o en
wa en (Eu os a 2024). Übe die Be o -
enhei on Männe n hingegen is wenig
bekann , da sich iele Be agungen zu
diesem Thema au F auen konzen ie en.
Neben unmi elba en psychischen
gesundhei lichen Folgen ha sexuelle
Beläs igung a bei sma k bezogene Kon-
Sexuelle Beläs igung am A bei spla z
Zwei on zehn Beschä ig en
be ich en on Vo ällen
im eigenen A bei sum eld
on Valen ina Gö z, Ingo E. Ispho ding, Jonas Jessen und S e anie Wol e
Quelle: IAB-OPAL 2024. © IAB
Jede/jede ün e Beschä ig e is be o en
ode Zeuge on sexuelle Beläs igung
A1
De ini ion lau An idisk iminie ungss elle des Bundes
Sexuelle Beläs igung am A bei spla z is jedes sexualisie e Ve hal en, das on de
be o enen Pe son nich e wünsch is . Dazu zählen nich nu e bale und physische
Beläs igungen, wie sexualisie e Sp üche ode une wünsch e Be üh ungen, sonde n
auch non e bale Fo men wie anzügliche Blicke ode das Zeigen po nog a ische Bilde .
1
sequenzen ü Beschä ig e wie ü Be iebe. Bei
Beschä ig en, die di ek da on be o en wa en,
s eig beispielsweise die Wah scheinlichkei , ih-
en Be ieb zu e lassen (Adams-P assl e al. 2024).
Auße dem nehmen sie ü ein siche e es A bei s-
um eld einen Job mi ge inge em Lohn in Kau .
F auen, die sexuelle Beläs igung e leb haben,
wechseln zudem ehe in Be iebe mi einem hö-
he en F auenan eil – was zu eine zunehmenden
geschlech sspezi ischen Seg ega ion am A bei s-
ma k üh (Folke/Rickne 2022).
Fälle sexuelle Beläs igung beein äch igen abe
auch das A bei s e häl nis de Kolleg*innen, die
nich di ek da on be o en sind: Das allgemeine
Be iebsklima kann sich e schlech e n, A bei s-
abläu e können sich ände n und mögliche weise
bes eh die So ge, in Zukun selbs be o en zu
sein. Diese di ek en und indi ek en E ek e au die
Belegscha üh en häu ig zu be ieblichen Kos en
du ch gesundhei sbeding e Aus älle, Pe sonal luk-
ua ion, P oduk i i ä s e lus und Ru schädigung.
T o z de hohen Bedeu ung des Themas wu -
den in Deu schland bislang wede die Häu igkei
sexuelle Beläs igung am A bei spla z noch de en
a bei sma k bezogene Folgen ode de Umgang
on Be ieben mi Fällen sexuelle Beläs igung
um assend un e such . Im Folgenden we den die
E gebnisse zweie Be agungen des IAB – das On-
line-Panel o Labou Ma ke Resea ch (IAB-OPAL)
und das Linked Pe sonnel Panels (IAB-LPP, gl.
In obox 2) – genu z , um neue E idenz zu diesen
F agen zu e hal en.
Eine Besonde hei de ausgewe e en Um agen
lieg da in, dass sie die Sich de Be iebe und die
de Beschä ig en zugleich abbilden: So können
die Häu igkei e leb e beziehungsweise gemelde-
e Fälle, das Vo handensein p ä en i e Ins i u i-
onen sowie die e wa e en ökonomischen Folgen
un e such we den. Anhand diese Da en läss sich
auße dem analysie en, inwie e n Beschä ig en-
und Be iebspe spek i e hinsich lich einzelne
Themen übe lappen ode abweichen.
13 P ozen de be ag en Be iebe
weisen mindes ens einen Fall on
sexuelle Beläs igung
in den le z en zwei Jah en aus
Rund 13 P ozen de im IAB-LPP be ag en Be iebe
mi 50 und meh Beschä ig en geben an, dass es
in den e gangenen zwei Jah en zu mindes ens ei-
nem Fall on sexuelle Beläs igung am A bei spla z
gekommen is ( gl. Abbildung A2 au Sei e 3). De
G oß eil diese gemelde en Fälle and un e den
Beschä ig en s a , ge olg on Fällen, in denen
die sexuelle Beläs igung on Pe sonen ausging, die
nich dem Be ieb angehö en – also Kund*innen,
Geschä spa ne *innen ode Pa ien *innen. De -
a ige Fälle können insbesonde e in Sek o en au -
Da enbasis
●Mi dem Online-Panel o Labou Ma ke Resea ch des IAB (IAB-OPAL) wi d sei
Ok obe 2023 die e we bs ähige Be ölke ung (ohne Beam e und Selbs s ändige) im
Al e on 18 bis 65 Jah en im Rahmen eine hoch equen en Online-Pe sonenbe agung
d ei bis ie Mal im Jah be ag .
Es bes eh aus zwei Komponen en: Eine Längsschni be agung wi d im Abs and on
d ei bis ie Mona en du ch anlassbezogene Ku zbe agungen e gänz . Meh In o ma i-
onen dazu inden Sie bei Coban e al. (2024).
Die F agen zu sexuelle Beläs igung wa en Teil eine Ad-hoc-S udie, die im Dezembe 2024
im Feld wa . Dabei wu den 2.814 Beschä ig e anhand olgende Fo mulie ung be ag :
„Nun möch en wi ge ne wissen, ob es in Ih em bishe igen Be u sleben in Ih em nähe-
en A bei sum eld Fälle sexuelle Beläs igung gab. Dies kann en wede bedeu en, dass
Sie dies selbs e ah en muss en ode es in Ih em nähe en Um eld zu Vo ällen kam.
Gab es In Ih e bishe igen Ka ie e Vo älle sexuelle Beläs igung in Ih em nähe en A -
bei sum eld?“
●Das Linked Pe sonnel Panel des IAB (IAB-LPP) is ein e knüp e Da ensa z, de
die Be iebs- und Beschä ig enpe spek i e mi einande e binde . In bishe sechs Be-
agungswellen sei 2012 wu den zunächs Pe sonal e an wo liche in deu schen Be-
ieben des p i a en Sek o s mi eine Be iebsg öße ab 50 sozial e siche ungsp lich ig
Beschä ig en zu ih en Ins umen en des Pe sonalmanagemen s, de Un e nehmens-
kul u und de Zusammense zung ih e Belegscha be ag .
Zudem wu de eine jeweils zu ällige Auswahl on Mi a bei e *innen aus einem G oß eil
diese Be iebe zu ih e A bei squali ä , ih e Teilnahme an Ins umen en des Pe so-
nalmanagemen s, a bei spla zbezogenen Me kmalen sowie wei e en soziodemog a-
ischen Me kmalen und Eins ellungen in e iew .
Die F agen zu sexuelle Beläs igung wa en 2023/2024 Teil de Be agung. Die Da s el-
lungen in diesem Be ich be uhen au eine S ichp obe on 738 Be ieben und 5.147
Beschä ig en.
Be iebe wu den zu Fällen sexuelle Beläs igung gemäß de De ini ion de An idisk i-
minie ungss elle des Bundes ( gl. In obox 1) in den e gangenen zwei Jah en be ag .
In jenen Be ieben, wo es solche Fälle gab, wu de schließlich nach de en Folgen im
Be ieb ge ag . Die Beschä ig en wu den ge ag , welche Folgen sie im Be ieb bei
einem hypo he ischen Fall schwe e sexuelle Beläs igung e mu en wü den.
Wei e e In o ma ionen zu Be agung und den Da en inden Sie im In e ne (h ps:// dz.
iab.de/in _bd_pd/linked-pe sonnel-panel-lpp- e sion-1221- 2/).
2
2IAB-Ku zbe ich 9|2025
ohne wei e en zei lichen Bezug. Um zu e hinde n,
dass sich die Be ag en als Op e bloßs ellen müs-
sen, wu de nach Fällen ge ag , die sie im A bei s-
um eld e leb haben ( gl. In obox 2).
Rund 20 P ozen alle be ag en Beschä ig en ge-
ben an, dass sie in ih em Be u sleben im nähe en
A bei sum eld be ei s Fälle sexuelle Beläs igung
e leb haben ( gl. Abbildung A4.a au Sei e 4). De
An eil de F auen is dabei mi 24 P ozen deu lich
höhe als de An eil de Männe mi 15 P ozen .
Fü Männe häng die Wah scheinlichkei , se-
xuelle Beläs igung am A bei spla z di ek ode
e en, in denen Beschä ig e häu ig Kundenkon-
ak haben, zum Beispiel in de Gas onomie ode
in de P lege. E wa 1 P ozen de Be iebe be ich e
übe Fälle sexuelle Beläs igung mi Be eiligung ei-
ne Füh ungsk a .
72 P ozen de Be iebe mi Fällen on
sexuelle Beläs igung be ich en nega i e
Konsequenzen
Sexuelle Beläs igung am A bei spla z kann zu e -
heblichen be ieblichen Kos en üh en. Hie zu
wu den die Be iebe nach möglichen Folgen ü ie
Aspek e ge ag : die A bei smo al, die P oduk i i ä ,
die Abwesenhei sowie die Pe sonal luk ua ion.
72 P ozen de Be iebe mi mindes ens einem
Fall on sexuelle Beläs igung be ich en on nega-
i en Auswi kungen in mindes ens einem diese
Be eiche ( gl. Abbildung A3). Vo allem die A -
bei smo al und die P oduk i i ä leiden: Rund zwei
D i el de Be iebe sehen do nega i e Auswi -
kungen. Knapp die Häl e de Be iebe be ich e
on höhe en Abwesenhei szei en und ges iegene
Pe sonal luk ua ion.
Ge ade in Zei en zunehmende Schwie igkei en
bei de Fachk ä esiche ung (Hohendanne e al.
2025; Gö z e al. 2024) und subs anziellen Eins el-
lungskos en (Muehlemann/P ei e 2016) machen
diese be ieblichen E ek e die wi scha lichen
Kos en sexuelle Beläs igung ü Be iebe deu lich.
20 P ozen alle Beschä ig en haben in
ih em E we bsleben di ek ode indi ek
Fälle on sexuelle Beläs igung e leb
Die bishe p äsen ie en Be unde au Be iebs-
ebene spiegeln diejenigen Fälle wide , die dem je-
weiligen Be ieb du ch Meldung bekann gewo den
sind. Sexuelle Beläs igung wi d jedoch häu ig aus
Angs o nega i en Konsequenzen (Dahl/Kneppe
2021) ode Scham nich gemelde . Die Dunkelzi e
is also e mu lich hoch. Dahe is es wich ig, die
Beschä ig enpe spek i e di ek zu e assen.
In de Online-E hebung IAB-OPAL wu de eine
ep äsen a i e S ichp obe de Beschä ig en übe
ih e bishe ige E ah ungen mi sexuelle Beläs-
igung im nähe en A bei sum eld be ag – also
nich besch änk au eigene E ah ungen und
Anme kung: De e s e Balken zeig den An eil de Be iebe, in denen es mindes ens einen Fall sexuelle Beläs i-
gung am A bei spla z in den e gangenen zwei Jah en gab. Die ande en Balken zeigen die einzelnen Szena ien,
nach denen im IAB-LPP ge ag wu de.
Quelle: IAB-LPP 2023, gewich e e We e. © IAB
An eil de Be iebe, in denen es in den e gangenen zwei Jah en
Fälle sexuelle Beläs igung gab
Angaben de Be iebe, An eile in P ozen
A2
Gesam Un e
Beschä ig en
Du ch eine
ex e ne Pe son
Zwischen
Füh ungsk ä en und
Beschä ig en
13,1
9,6
4,8
0
14
2
4
6
8
10
12
16
1,2
95-%-Kon idenzin e all
Anme kung: Die Abbildung basie au de IAB-LPP-Be iebsbe agung und is besch änk au Be iebe, in denen
es in den e gangenen zwei Jah en Fälle sexuelle Beläs igung gab. De e s e Balken zeig den An eil de Be iebe,
die mindes ens eine de abge ag en ie Konsequenzen genann ha .
Quelle: IAB-LPP 2023. © IAB
Auswi kung on sexuelle Beläs igung am A bei spla z aus Sich de Be iebe
Angaben de Be iebe, An eile in P ozen
A3
72,0 66,4 61,2 49,1 45,2
0
70
10
20
30
40
50
60
80
90
Gesam A bei smo al P oduk i i ä Abwesenhei Fluk ua ion
95-%-Kon idenzin e all
3IAB-Ku zbe ich 9|2025
indi ek zu e ah en, s ä ke als ü F auen mi
dem wi scha lichen Sek o zusammen ( gl. Ab-
bildung A4.b). Im Gesundhei s- und Sozialwesen
ode – in ge inge em Maße – im Be eich Ö en li-
che Ve wal ung, E ziehung und Un e ich be ich-
en Männe deu lich häu ige on sexuelle Beläs-
igung als in ande en Wi scha szweigen. Es is
somi wah scheinliche , dass sie selbs be o en
wa en ode in ih em nähe en Um eld on einem
Vo all e ah en haben, wenn sie in Sek o en mi
einem ela i hohen An eil an weiblichen Beschä -
ig en (78 % und 66 %) ä ig sind. O en bleib , ob
Männe in weiblich dominie en Sek o en häu i-
ge selbs Op e we den ode ehe Fälle im Um-
eld mi bekommen. E idenz aus Schweden zeig
hie zu, dass Pe sonen in Be ieben, in denen ih
Geschlech in de Minde hei wa , e meh selbs
on sexuelle Beläs igung be o en wa en (Folke/
Rickne 2022). Bei F auen hingegen zeigen sich in
den hie ausgewe e en Da en keine ausgep äg-
en Un e schiede zwischen den un e schiedlichen
Sek o en ( gl. Abbildung A4.b).
Männe und F auen un e scheiden sich
nich in de Wah nehmung, welches
Ve hal en als sexuelle Beläs igung gil
Angesich s des signi ikan en Un e schieds, wie
häu ig Männe und F auen Fälle sexuelle Beläs i-
gung wah genommen haben ( gl. Abbildung A4.a),
s ell sich die F age, ob dies eilweise da au zu-
ückgeh , dass beide Geschlech e bes imm e
Ve hal ensweisen un e schiedlich als Beläs igung
wah nehmen.
Aus Sich eine be o enen Pe son is le z end-
lich nich eine legale De ini ion en scheidend,
sonde n wie Handlungen indi iduell wah genom-
men we den. Um es zus ellen, inwie e n sich
Menschen diesbezüglich un e scheiden, wu den
in de IAB-OPAL-Be agung ie un e schiedliche
Szena ien besch ieben. Die Be ag en soll en je-
weils angeben, ob es sich ih e Meinung nach in
dem jeweiligen Fall um sexuelle Beläs igung am
A bei spla z handel .
Die Szena ien um assen Komplimen e hin-
sich lich des Aussehens, das Zeigen on Bilde n
sexuellen Inhal s, ungewoll e Gesp äche übe das
Sexualleben sowie die Au o de ung zu sexuellen
Handlungen. Mi Ausnahme de Komplimen e
we den die wei e en Szena ien seh kla on eine
g oßen Meh hei de Be ag en als sexuelle Beläs-
igung iden i izie ( gl. Abbildung A5 au Sei e 5).
Bei Bilde n und Gesp ächen mi sexuellen In-
hal en e en zudem kleine, abe s a is isch sig-
ni ikan e Geschlech e un e schiede au : F auen
schä zen diese jeweils um 2 bis 3 P ozen punk e
wah scheinliche als sexuelle Beläs igung ein als
Männe . Die Di e enz is jedoch zu klein, um die
g oßen Un e schiede in Abbildung A4.a zu e klä-
en. Nahezu alle Be ag en sehen die Au o de ung
zu une wünsch en sexuellen Handlungen als sexu-
Anme kung: Die Abbildung zeig den An eil de Beschä ig en, die in ih em Be u sleben einen Fall sexuelle Be-
läs igung im nähe en A bei sum eld e leb haben. In de e s en Abbildung wi d de gesam e An eil in P ozen
gezeig und die An eile ge enn ü F auen und Männe . In de zwei en Abbildung wi d nach g ob einge eil en
Wi scha szweigen di e enzie , die au dem ak uellen Be ieb de Be ag en basie en. *** bzw. ** bedeu e ,
dass de Un e schied zwischen Männe n und F auen s a is isch signi ikan au dem 1-%- bzw. 5-%-Ni eau is .
Quelle: IAB-OPAL 2024. © IAB
An eil de F auen und Männe , die in ih em Be u sleben
einen Fall sexuelle Beläs igung im nähe en A bei sum eld e leb haben
Angaben de Beschä ig en, An eile in P ozen
A4
Ve a bei endes Gewe be,
Baugewe be, Indus ie
Einzelhandel
Finanzdiens leis ungen
Wissenscha liche und
echnische Diens leis ungen
Ö en liche Ve wal ung,
E ziehung und Un e ich
Gesundhei s- und Sozialwesen
A4.b An eile nach Wi scha szweigen
0 355 10 15 20 25 30 40 45
14,6
13,1
26,5
21,8
12,3
25,9
13,0
23,4
20,7
21,0
33,3
28,3
13,4***
7,2
13,6***
10,4**
0,3
–5,0
F auenMänne 95-%-Kon idenzin e all Di e enz in P ozen punk en
A4.a Alle Beschä ig en
24,2
19,8
0 5 10 15 20 25 30
Gesam
F auen
Männe 15,4
8,8***
4IAB-Ku zbe ich 9|2025

elle Beläs igung an, ohne e kennba e Un e schie-
de zwischen den Geschlech e n.
F auen haben wenige Ve auen in eine
angemessene be iebliche Reak ion au
sexuelle Beläs igung
G öße e Un e schiede zwischen Männe n und
F auen zeigen sich da in, ob sie in einem (hypo-
he ischen) Fall on sexuelle Beläs igung au eine
angemessene Reak ion des Be iebs e auen.
Teilnehmende an de IAB-OPAL-E hebung wu -
den ge ag , welche be iebliche Reak ion sie bei
Bekann we den eines Falles e wa en wü den.
Gene ell zeig sich, dass bei allen ie o gegebe-
nen Möglichkei en das Ve auen in die jeweilige
Reak ion des Be iebs bei F auen ge inge is als
bei Männe n ( gl. Abbildung A6). De Un e schied
be äg gu 7 P ozen punk e bei de F age, ob die
Füh ungsk a sich um die Au klä ung und no -
wendige Maßnahmen kümme n wü de, und soga
14 P ozen punk e bei de Einschä zung, ob die Ge-
schä s üh ung Maßnahmen gegen die beläs igen-
de Pe son (wie eine Abmahnung ode Kündigung)
e g ei en wü de.
Deu lich kleine iel de Un e schied mi 6 P o-
zen punk en bei de Aussage aus, eine unpa ei-
liche Ansp ech- ode Ve auenspe son wü de die
be o ene Pe son be a en. De An eil an Be ag en,
die glauben, dass es ga keine Un e s ü zung on
de Geschä s üh ung ode on Vo gese zen geben
wü de, is mi knapp 10 P ozen ela i ge ing. Al-
le dings is auch hie eine deu liche Disk epanz zu
sehen, denn de An eil de F auen is mi 12 P o-
zen nahezu doppel so hoch wie de An eil de
Männe mi 7 P ozen .
Wenn es da um geh , wie Beschä ig e die Kon-
sequenzen on (hypo he ischen) Fällen sexuelle
Beläs igung wah nehmen, un e scheiden sich
Männe und F auen lau E gebnissen de IAB-LPP-
Be agung hingegen nich ( gl. Abbildung A7 au
Sei e 6). Gleichzei ig sind abe die e mu e en Kos-
en ausgep äg e als e gleichba e Einschä zungen
au de Be iebssei e ( gl. Abbildung A3). Soll e
es in einem hypo he ischen Szena io zu einem
schwe en Fall sexuelle Beläs igung im Be ieb
kommen, sagen e wa 80 P ozen alle Beschä ig-
en, dass sich die Jobzu iedenhei e inge n wü -
de. E wa 72 P ozen sehen die A bei sp oduk i i ä
beein luss . Nega i e Auswi kungen au Abwesen-
hei und Kündigungsabsich e mu en imme hin
noch 59 beziehungsweise 45 P ozen .
Anme kung: Die Be ag en soll en sich o s ellen, dass es in ih em Be ieb einen Fall sexuelle Beläs igung gib .
Anschließend we den sie ge ag , was sie e mu en, wie ih Be ieb da au eagie en wü de. In de Abbildung
wi d de An eil de Pe sonen da ges ell , die „Ja” sagen. *** bedeu e , dass de Un e schied zwischen Männe n
und F auen s a is isch signi ikan au dem 1-%-Ni eau is .
Quelle: IAB-OPAL 2024. © IAB
Ve mu e e be iebliche Reak ion bei einem Fall sexuelle Beläs igung
Angaben de Beschä ig en, An eile in P ozen
A6
Es gäbe keine Un e s ü zung
on de Geschä s üh ung ode
dem/de Vo gese z en
Die Geschä s üh ung wü de
e häl nismäßige Maßnahmen gegen
die beläs igende Pe son e g ei en (z. B.
E mahnung, Abmahnung ode Kündigung)
Eine unpa eiliche Ansp ech- und
Ve auenpe son ü solche Fälle
wü de die be o ene Pe son be a en
De /die Vo gese z e ode eine ande e
Füh ungsk a wü de sich um die
Au klä ung und no wendigen
Maßnahmen kümme n
0 20 40 60 80
– 7,3***
–6,0***
–14,3***
5,0***
F auenMänne 95-%-Kon idenzin e all Di e enz in P ozen punk en
Komplimen e hinsich lich
ih es/seines Aussehens
Unge ag es Zeigen on Bilde n
mi sexuellem Inhal
Ungewoll e Gesp äche übe
ih /sein Sexualleben
Au o de ung zu une wünsch en
sexuellen Handlungen
Anme kung: Den Be ag en we den ie Si ua ionen besch ieben. Dann we den sie ge ag , ob es sich dabei ih e
Meinung nach um sexuelle Beläs igung am A bei spla z handel . ** bedeu e , dass de Un e schied zwischen
Männe n und F auen s a is isch signi ikan au dem 5-%-Ni eau is .
Quelle: IAB-OPAL 2024. © IAB
An eil de F auen und Männe , die die jeweilige Si ua ion als sexuelle
Beläs igung am A bei spla z wah nehmen
Angaben de Beschä ig en, An eile in P ozen
A5
0 20 40 60 80 100
– 0,2
2,6**
2,8**
0,4
F auenMänne 95-%-Kon idenzin e all Di e enz in P ozen punk en
5IAB-Ku zbe ich 9|2025
In den meis en Be iebe gib es
Ve ah en zum Umgang mi sexuelle
Beläs igung, alle dings sind diese meis
in o mell
Beschwe de e ah en, um mi Fällen sexuelle Be-
läs igung umzugehen, geben 58 P ozen de be ag-
en Be iebe an ( gl. Abbildung A8). Am häu igs en
kommen mi 42 P ozen in o melle Ve ah en zum
Einsa z, eine dedizie e in e ne Ve auens- ode
Ombudss elle is in gu 34 P ozen de Be iebe
o handen und 26 P ozen haben ein o melles
Beschwe de- und Disziplina e ah en de inie .
P ä en i e Maßnahmen zum Umgang mi und
zu Ve meidung on sexuelle Beläs igung sind
in den Be ieben deu lich sel ene o handen. In
knapp 15 P ozen de be ag en Be iebe mi übe
50 Beschä ig en gab es in den zwei Jah en o de
Be agung Schulungen ode Sensibilisie ungen
zum Thema. Diese ich e en sich in den meis en
Fällen sowohl an Füh ungsk ä e als auch an Be-
schä ig e. G oße Be iebe s ellen häu ige Ange-
bo e zu Ve ügung als kleine e.
Wei e üh ende Analysen (hie nich da ges ell )
zeigen zudem, dass Be iebe mi Be iebs a häu-
ige übe p ä en i e Maßnahmen e ügen. Be-
ach e man o beugende Maßnahmen und Maß-
nahmen zum Umgang mi sexuelle Beläs igung
gemeinsam, so gib es in e wa 38 P ozen de Be-
iebe keines on beidem. 45 P ozen de Be iebe
haben lediglich Ve ah en, um gemelde e Fälle zu
bea bei en, 3 P ozen e ügen ausschließlich übe
P ä en i maßnahmen und 12 P ozen übe beides.
Fazi
Sexuelle Beläs igung am A bei spla z is ein wei
e b ei e es, jedoch wenig e o sch es Thema mi
e heblichen psychosozialen und ökonomischen
Folgen – sowohl ü die unmi elba Be o enen als
auch ü das be iebliche Um eld. Die Auswe ung
zweie IAB-Be agungen zeig : Ein ele an e An-
eil on Beschä ig en be ich e übe E ah ungen
mi sexuelle Beläs igung im A bei sum eld en we-
de , weil sie selbs Op e gewo den sind, ode weil
sie solche Fälle im Um eld mi bekommen haben.
Auch Be iebe bes ä igen en sp echende Vo älle
und dami e bundene nega i e Konsequenzen,
Anme kung: De e s e Balken zeig den An eil de Be iebe mi mindes ens einem de ie da ges ell en Be-
schwe de e ah en zum Umgang mi sexuelle Beläs igung am A bei spla z ( gl. § 13 Allgemeines Gleichbe-
handlungsgese z (AGG)). De le z e Balken zeig den An eil de Be iebe, die in den e gangen zwei Jah en eine
p ä en i e Maßnahme wie eine Schulung ode Sensibilisie ung zum Umgang mi beziehungsweise zu Ve mei-
dung on sexuelle Beläs igung am A bei spla z du chge üh haben ( gl. § 12 Abs 2 S. 2 AGG).
Quelle: IAB-LPP 2023. © IAB
Be iebliche Ve ah en zum Umgang mi sexuelle Beläs igung
am A bei spla z und p ä en i e Maßnahmen de Be iebe
Angaben de Be iebe, An eile in P ozen
A8
0
70
10
20
30
40
50
60
58,4
42,2 34,4 25,7 15,2 14,9
Beschwe de e ah en
gesam
In o melles Ve ah en
Ombudspe son
Fo melles Ve ah en
Ex e ne Anbie e
P ä en i maßnahmen
gesam
Anme kung: Die Be ag en soll en sich o s ellen, dass es einen Fall sexuelle Beläs igung gib und dann aussa-
gen, welche e mu e en Konsequenzen dies hä e. Die e s e Balkeng uppe zeig den An eil de Beschä ig en,
die mindes ens eine de ie Konsequenzen genann haben.
Quelle: IAB-LPP 2023 und 2024. © IAB
Gesam
Jobzu iedenhei
P oduk i i ä
Abwesenhei
Kündigungsabsich
Auswi kung on sexuelle Beläs igung aus Sich de Beschä ig en
An eil de Beschä ig en, die bei einem hypo he ischen Fall sexuelle Beläs igung
im Be ieb die jeweilige Konsequenz e mu en, in P ozen
A7
0 20 40 60 80 100
1,8
1,1
–0,7
–1,8
4,1
10 30 50 70 90
F auenMänne 95-%-Kon idenzin e all Di e enz in P ozen punk en
95-%-Kon idenzin e all
6IAB-Ku zbe ich 9|2025
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Fo malisie e Ve ah en zu Reak ion au Vo -
älle und p ä en i e Maßnahmen gegen sexuelle
Beläs igung sind in den Be ieben bishe wenig
e b ei e . Die Disk epanz zwischen Beschä ig-
en- und Be iebspe spek i e – o allem in de
Einschä zung de be ieblichen Reak ionsbe ei -
scha – weis zudem eilweise au ein Ve auens-
de izi hin. Das is bei F auen deu lich s ä ke aus-
gep äg als bei Männe n.
Insgesam legen die o liegenden Be unde nahe,
dass ein sys ema ische und p ä en i e Umgang
mi sexuelle Beläs igung am A bei spla z nich
nu eine F age des A bei s- und Gesundhei sschu -
zes is . Es dien auch de be ieblichen Resilienz
und de lang is igen Beschä ig enbindung.
Valen ina Gö z
is Dok o andin an de Bonn G adua e
School o Economics und wissen-
scha liche Hil sk a am Fo schungs-
ins i u zu Zukun de A bei (IZA).
goe [email protected] g
D . Ingo E. Ispho ding
is Fo schungsdi ek o am
Fo schungsins i u zu Zukun de
A bei (IZA) und CESi o Resea ch
Ne wo k A ilia e.
ispho [email protected] g
D . Jonas Jessen
is wissenscha liche Mi a bei e im
Fo schungsbe eich „Be iebe und
Beschä igung“ am IAB und am Wis-
senscha szen um Be lin (WZB).
jonas.[email p o ec ed]
D . S e anie Wol e
is wissenscha liche
Mi a bei e in im Fo schungs-
da enzen um am IAB.
s e anie.wol [email p o ec ed]
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Imp essum | IAB-Ku zbe ich N . 9, 20.5.2025 | He ausgebe : Ins i u ü A bei sma k - und Be u s o schung (IAB) de Bundesagen u ü
A bei , 90327 Nü n be g | Redak ion: El iede Sonn ag | G a ik & Ges al ung: Nicola B endel | Fo o: Wol am Mu , Fo o ab ik Nü nbe g
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