Beckmann, Klaus
A icle
K ieg und F ieden in Eu opa: eine Rolle ü
„B inkmanship“?
Wi scha sdiens
Sugges ed Ci a ion: Beckmann, Klaus (2025) : K ieg und F ieden in Eu opa: eine Rolle ü
„B inkmanship“?, Wi scha sdiens , ISSN 1613-978X, Sciendo, Wa saw, Vol. 105, Iss. 4, pp. 267-272,
h ps://doi.o g/10.2478/wd-2025-0071
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ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 267
Zei gesp ächDOI: 10.2478/wd-2025-0071
Wi scha sdiens , 2025, 105(4), 267-272
JEL: C72, N40
Klaus Beckmann
K ieg und F ieden in Eu opa: eine Rolle ü „B inkmanship“?
© De /die Au o :in 2025. Open Access: Diese A ikel wi d un e de
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Wi scha ge ö de .
Ich danke Ma ga e e Schule -Ha ms und Flo ian Kö le ü die k i i-
sche Du chsich des Manusk ip s. Die Ve an wo ung e bleib bei
mi .
P o . D . Klaus Beckmann is P äsiden de Helmu -
Schmid -Uni e si ä / Uni e si ä de Bundesweh
Hambu g.
Das iel zi ie e Kanzle wo on de Zei enwende ma -
kie den Beginn eine Ä a wachsende He aus o de un-
gen du ch sich übe lage nde G oßk isen. In diese Wen-
de sind de Klimawandel, Demog aphie und Mig a ion
als Themen be ei s angekommen, denn de en E ek e
und die Gegenmaßnahmen kann die Be ölke ung schon
spü en. Zudem schwächen sich in Eu opa die Aussich en
ü kün iges Wachs um und Wohls and ab mi de Fol-
ge, dass sich die Ve eilungskon lik e inne halb Deu sch-
lands, inne halb Eu opas und da übe hinaus e schä en
we den. Dazu e en wei e e Ri ali ä en, eine sei s zwi-
schen Gesellscha s- und Lebensen wü en, ande e sei s
zwischen globalen Regionen.
Die zugehö ige Ve ände ung de Rahmenbedingungen ü
s a egisches Handeln wi d meis mi den olgenden Cha-
ak e is ika besch ieben:
• die Simul ani ä on K isen,
• eine o wäh ende S eige ung de Ra e on Inno a ion
und echnologischem Wandel,
• ein hohes Tempo gesellscha liche Ve ände ungen bis
hin zu Dis up ion,
• ein zunehmende Mul ila e alismus de in e na ionalen
Beziehungen und
• ein s ä ke ansak ionale Cha ak e de Außenpoli ik.
In de Folge wi d die wohl ah ss eige nde, s abilisie ende
Wi kung soziale Regeln und Kon en ionen (Beckmann,
1998) eingesch änk . Sowohl au de Ebene de indi idu-
ellen Bü ge :innen als auch ü poli ische Ak eu e äll es
schwe e , daue ha e E wa ungen zu bilden. Dadu ch
en s ehen eine sei s soziale Kos en, ande e sei s wi d ein
bes imm e Ansa z s a egischen Handelns begüns ig , die
so genann e B inkmanship-S a egie.
Diese Bei ag analysie Aspek e des Kon lik s zwischen
Russland und de Uk aine in seinem in e na ionalen Kon-
ex aus spiel heo e ische Pe spek i e und un e beson-
de e Be ücksich igung eine möglichen Nu zung on
B inkmanship du ch den 47-s en P äsiden en de USA,
Donald T ump.
De Beg i B inkmanship s amm on Schelling (1960).
Im Ke n geh es da um, glaubwü dig mi Maßnahmen zu
d ohen, die auch die Ve nich ung des D ohenden zu Fol-
ge hä en, also beispielsweise mi einem a oma en Schlag
eine G oßmach im Kal en K ieg. B inkmanship bes eh
da in, die D ohung zu po ionie en, also das gemeinsame
Risiko de Kon ahen en sch i weise zu e höhen, bis die
Gegensei e nachgib . Man umklamme gleichsam den an-
de en und schieb ihn au den Abg und („B ink”) zu.
Kla muss sein, dass B inkmanship keine Fo m de I a io-
nali ä da s ell . Wi sagen, dass eine Pe son a ional han-
del , wenn sie sich bewuss bemüh , die bes e Wahl aus
de ih zu Ve ügung s ehenden Op ionen zu e en, wenn
sie in de Lage is , die Al e na i en nach ih e indi iduellen
Vo s ellung on „besse “ zu o dnen, und wenn ih e En -
scheidungen ansi i sind. Das heiß : Wenn sie A übe B
wähl und B übe C, dann muss sie auch A übe C wählen,
wenn ih diese Wahl angebo en wi d.
Wa um a ionale S a egen (nich ) in den K ieg
ziehen
De Globalisie ung wi d eine iedenss i ende Wi kung
zugesch ieben, weil sie die S aa en oneinande abhän-
gig mache und so die Kos en des K ieges e höhe. Die-
ses A gumen igno ie die spiel heo e ische Logik on
D ohungen. Rad ah e au de ganzen Wel scha en es
du chaus, Au o ah e zu schikanie en, obwohl eine Kol-
lision ü sie ödlich enden könn e, wäh end de Au o-
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268
Zei gesp äch
ah e im schlimms en Fall mi eine Ge ängniss a e zu
echnen ha .
In einem ein achen dynamischen Spiel mi olls ändige
In o ma ion läss sich zeigen, dass höhe e K iegskos en
nich zu eine ge inge en Wah scheinlichkei eines K ie-
ges üh en. Zum K ieg komm es in einem solchen Modell
ga nich : Die Agg esso in wi d imme genau so iel o -
de n, dass sie nich in den K ieg ziehen muss. Wi d de
K ieg eu e , so is dies ein gemeinsames Risiko ü beide
Pa eien, und dahe kann die Agg esso in auch meh e -
langen (Beckmann, 2024).
Was also kann den Ausb uch eines K ieges e klä en?
Da ü müssen wi unse e Modellannahmen hin e agen.
Sobald wi mindes ens eine da on allenlassen, e -
schwinde das E gebnis. Eine E klä ung muss sich au (1)
In o ma ionsasymme ien, (2) un e schiedliche Risikonei-
gungen ode (3) un e schiedliche G ade on Ra ionali ä
konzen ie en. Das bedeu e : Wenn ein K ieg ausb ich ,
ha sich jemand en wede e spekulie ode geblu –
ode beides.
Ra ionali ä bedeu e eben nich , dass man niemals e -
lie , jedoch bewah sie da o , im Nachhinein k i isie
we den zu können. Folgende d ei G ünde sind besonde s
wich ig:
1. Die Ak eu in könn e ein a ionales Risiko eingegangen
sein und e lo en haben.
2. Sie könn e au de G undlage on a ional un olls ändi-
ge In o ma ion gehandel haben.
3. Sie könn e o z eines angemessenen Ve suchs das
Ra ionali ä sni eau ih es Gegne s alsch eingeschä z
haben.
De e s e Fall is simples Pech. We a ional we e , kann
e lie en. De zwei e Fall e kenn an, dass wi un e Um-
s änden ohne um assende Bewe ung handeln müssen,
e wa au g und kogni i e ode zei liche Besch änkun-
gen. Nun is auch das Ausmaß de In o ma ionssuche
und Bewe ung eine bewuss e En scheidung – und sie
is mi Kos en e bunden. Es kann also o kommen,
dass jemand angemessenen Au wand be ieben ha , um
eine En scheidung o zube ei en, und dennoch ein en -
scheidendes De ail übe sieh .
D i ens: Nu weil man selbs ein a ionale Spiele is ,
heiß das nich , dass dies auch au den Gegne zu i . Da
a ionale En scheidungen in e ns en Spielen und im K ieg
e o de n, das Ve hal en des Gegne s o auszusehen,
muss eine Einschä zung seines Ra ionali ä sni eaus Teil
des Plans sein – und dies kann schei e n, ohne dass man
selbs i a ional is .
Wa ens ills and in de Uk aine und O ensi e im
Bal ikum?
De His o ike Sönke Nei zel is mi de Ve mu ung he -
o ge e en, Russland könne das He bs manö e «Sapad
2025» ( ussisch ü Wes en) be ei s ü o ensi e Ak ionen
im Bal ikum nu zen (Bild, 2025). Denn Russland wi d nach
einem F ieden in de Uk aine – ode e was Ve gleichba-
em – übe ungebundene k iegse p ob e K ä e und e -
hebliche E ah ungen in einem digi alisie en Ge ech s-
eld e ügen. Zudem is die ussische Wi scha be ei s
au k iegswi scha liche Bedingungen umges ell .
Dies e leih Russland nach dem Ende de Feindseligkei-
en in de Uk aine eine e höh e K iegsbe ei scha . Die
Geschich e kenn Beispiele, wie ein au s ebende Da id
einen solchen Vo sp ung gegen einen uhenden Golia h
mi Aussich au E olg s a egisch nu zen kann, e wa de
E s e Schlesische K ieg P eußens gegen Ös e eich 1742,
de P eußens Au s ieg beg ünde e.
Diese Vo sp ung e lieg jedoch asch, wie auch de
Ve lau des Zwei en Wel k iegs e deu lich . Reime
und Beckmann (2014) haben das Abschmelzen des an-
änglichen Vo eils eine e höh en K iegsbe ei scha in
Simula ionen abgebilde . Danach sind es die Ressou -
cen, die wi scha liche P oduk i i ä und die echno-
logische Quali ä , die mi el- und lang is ig den Aus-
schlag geben.
Selbs diese T ümp e s echen nich imme . Man e -
gleiche den Ang i des Deu schen Reichs au Polen
1939 („Fall Weiß“) und die e s e K iegsphase des us-
sischen Ang i s au die Uk aine 2022. Die geos a-
egische Ähnlichkei de Ausgangslage d äng sich
ö mlich au . In beiden Fällen si z eine Exkla e des
Agg esso s – Os p eußen in einem Fall, die K im im
ande en – in de einen Flanke des Ve eidige s. In de
jeweils ande en Flanke be inde sich ein Ve bünde e
des Agg esso s – 1939 wa das die Slowakische Repu-
blik, 2022 Bela us. Beide Ve eidige we den du ch ein
g oßes Gewässe diagonal du chzogen, die Weichsel
bzw. den Dnip o, und die Haup s ad beide Ve eidi-
ge lieg exponie in de Nähe de jeweiligen G enze
zum Agg esso . Auch bezüglich des Ressou cen- bzw.
K ä e e häl nisses beim BIP, de Be ölke ungsg öße
und de Zahl on Solda en und Wa ensys emen bes e-
hen Pa allelen.
Au g und diese Pa allelen konn e man du chaus einen
schnellen E olg de Russen e wa en. Wa um diese
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 269
Zei gesp äch
Abbildung 1
Spiel o m „Ve eidigung des Bal ikums“
Quelle: eigene Da s ellung.
nich ein a , is be ei s meh ach disku ie wo den, un e
ande em bei Me kx (2023). Die ange üh en G ünde be in-
den sich meis au de ope a i en Ebene:
• Vo be ei ung und P o essionalismus de uk aini-
schen Lands ei k ä e. Die Uk aine ha e die E eig-
nisse on 2014 ausgewe e , ih Mili ä neu au ge-
s ell und auch mi Hil e ausländische Pa ne wei e
p o essionalisie . Die uk ainischen ak ischen und
ope a i en Leis ungen in den e s en K iegswochen
sind beach lich.
• Missach ung des Schwe punk p inzips. Russland e -
wende e ü seine „mili ä ische Spezialope a ion“ nu
und 190.000 Solda en, also wenige , als de Gegne
an de F on e ügba machen konn e. Zudem wu den
sechs e schiedene ope a i e S oß ich ungen e olg .
Dagegen konzen ie e sich das deu sche Obe kom-
mando 1939 un e En blößung de Wes on au die
beiden Spi zen de Zange, welche die polnische A -
mee noch o wä s de Weichsel s ellen und einschlie-
ßen soll e, also au eine einzige ope a i e Idee.
• In o ma ionsübe legenhei de uk ainischen Sei e,
nich zule z du ch Bei äge de wes lichen Diens e.
Diese Aspek e machen plausibel, wa um die Uk aine in
de e s en Jah eshäl e 2022 nich wie Polen im He bs
1939 zusammenb ach. Wie alle Aspek e de Readiness
sind sie abe ansi o isch, und sie e klä en nich , wa um
die Uk aine auch im ie en K iegsjah noch s eh . Dazu
muss au die s a egische Ebene geschau we den, und
hie geben wes liche Ressou cen den Ausschlag.
Die Simula ionen aus Beckmann und Reime (2014) be-
uhen au de Dynamisie ung eines klassischen Ren -
Seeking-Modells. In dessen eins u ige G und e si-
on (Tullock, 1987) ingen zwei Pa eien um die Summe
de gemeinsamen Ressou cen, on denen sie jeweils
übe einen Teil disponie en. Diesen Teil können sie ü
den Kamp e wenden ode im zi ilen Sek o belassen.
Die Wah scheinlichkei , dass eine Pa ei den K ieg ge-
winn , en sp ich ih em An eil am gesam en Au wand ü
Kamp .
Dami e gib sich in eine inne en Lösung, dass beide Pa -
eien gleich iel ü den Kamp au wenden und gleiche
E olgsaussich en haben. Die Häl e de e ügba en Res-
sou cen wi d du ch die Auseinande se zung e geude ,
da K ieg üh ung nich p oduk i is . Ve ügen die beiden
Pa eien übe un e schiedliche Ressou cen, so bleib es
bei diesem E gebnis – was bedeu e , dass die schwäche-
e Pa ei ela i s ä ke kämp . Dies is das so genann e
„Pa adox o Powe “ (Hi shlei e , 2001).
Das E gebnis b ich e s zusammen, wenn keine inne e
Lösung meh e eich wi d. Also dann, wenn die schwä-
che e Pa ei op imal meh Ressou cen in den Kamp s e-
cken woll e, als ih zu Ve ügung s ehen. In eine solchen
Randlösung wi d die schwäche e Sei e e d ück , und ih e
E olgsaussich en schwinden deu lich. Dieses Phänomen
zeig sich nich nu in Simula ionen, sonde n pass auch
zu his o ischen E idenz. Danach hiel en wes liche T ans-
e s die Uk aine im Be eich eine inne en Lösung – wenn
auch an de en G enze –, und das Land wu de mi el is ig
nich e d ück .
Bündnis e eidigung – ein Fall ü B inkmanship?
Kommen wi nun zu gegenwä igen Si ua ion und lau-
enden F iedensini ia i en. Die obige Abbildung 1 zeig
eine Möglichkei , die gegenwä ige Si ua ion da zus el-
len: Zunächs en scheide die USA, ob sie bei ih e F ie-
densini ia i e die Uk aine ze schläg ode du ch Wide -
s and gegen die ussischen K iegsziele e häl . (Dass es
zu einem Wa ens ills and komm , wi d o ausgese z .)
Im Anschluss kann Russland en wede einen beg enz en
Ang i au das Bal ikum un e nehmen ode dies un e las-
sen. Im Falle eines beg enz en Ang i s kann de Res de
NATO (RoN) en scheiden, ob man dem Ang i mili ä isch
Wide s and leis e ode nich . Komm es zum Wide s and,
muss sich die USA en scheiden, ob sie den (gegebenen-
alls ehemaligen) NATO-Pa ne n in Eu opa mili ä ischen
Beis and leis e ode nich .
Diese In e ak ion weis insgesam ach Endzus ände aus.
Man beach e, dass es sich bei dem Baum in de Abbil-
dung nich um die ex ensi e Fo m eines Spieles handel ,
weil noch keine Auszahlungen angegeben sind. Auch die
F age de asymme ischen In o ma ion haben wi noch
nich be ach e . Es handel sich also um eine Spiel o m
USA
Russland
Res de
USA
1 2
3 4
5 6 7 8
nich s
nich s
nich s
beis ehen
nich s
nich s
nich s
beis ehen
gegen-
hal en
gegenhal en
ang ei enang ei en
ze schlagene hal en
Na o (RoN)
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270
Zei gesp äch
im Sinne on Beckmann (1998), inne halb de e meh e e
konk e e Spiele möglich sind.
Ein Ansa z könn e da in bes ehen, das Ve hal en de
USA au de e s en S u e als Signal an die üb igen Spie-
le zu in e p e ie en und so asymme ische In o ma io-
nen abzubilden. Dies läge in de klassischen T adi ion
des „Quiche“-Spiels (Cho & K eps, 1987; mili ä ische An-
wendung bei Beckmann & Reime , 2014). Wi schlagen
hie einen ande en Weg ein und nu zen das Konzep de
B inkmanship ü unse e Analyse.
B inkmanship (Schelling, 1960) be uh au de Idee,
du ch ink emen elle Ve ände ungen in glaubwü dige
Weise mi eine gemeinsamen Ka as ophe zu d ohen.
Dazu nu z de B inkman die Clausewi z‘sche F ik i-
on (Wa s, 2004) – z. B. die Möglichkei on Fehle n bei
de Au agsübe mi lung ode on Fehlin e p e a ionen
– und ande e ex e ne Quellen on Unsiche hei (Reid &
McDe mo , 2023). Dabei komm es da au an, das E -
gebnis ü die Gegensei e schwe kalkulie ba zu hal en.
Vo ausse zung is , dass man als B inkman die en s e-
hende Ungewisshei besse e agen kann als die Ge-
gensei e. Diese Bedingung kann beispielsweise du ch
die pe sönlichen Eigenscha en eine Füh ungspe sön-
lichkei ode du ch die Gou e nanzs uk u begüns ig
we den.
Zusammen assend en hal en Theo ien de B inkmanship
(e wa Schelling, 1960; Reid & McDe mo , 2023) olgende
Elemen e:
• Ge eil es Risiko. Beide Sei en wü den du ch den Ein-
i de Ka as ophe e heblich geschädig , ode spiel-
heo e isch: Keine de Ak eu e p ä e ie den Ein i
dieses E eignisses.
• G aduelle Eskala ion. Die Ein i swah scheinlichkei
de Ka as ophe wi d sukzessi e ges eige . Jede
diese Sch i e is ü sich genommen glaubwü dig.
• Ambigui ä . Um das Kalkül de Gegensei e zu e -
schwe en, wi d nich nu das Risiko e höh , sonde n
auch e such , Ungewisshei im Sinne eine Si ua ion
mi unbekann en Ein i swah scheinlichkei en bzw.
einem unkla en E eignis aum zu e zeugen.
• „Las clea chance“. Diese Beg i bezeichne den
Punk , ab dem de Kon oll e lus eine Sei e un e -
meidlich is . Dahe wi d die Gegensei e ans eben,
den ande en zue s in diese Lage zu b ingen.
Die Be eilig en e suchen, die Gegensei e übe de en
Tole anzschwelle zu schieben, ohne selbs die Kon olle
zu e lie en (Haun & O‘Ha a, 2022; Yamamo o, 2024). Zu
Abbildung eines solchen „s a egischen Tanzes“ haben
Rapopo und Chammah (1966) das bekann e „Chicken“-
Spiel en wickel .
Donald J. T ump ha schon in den Abg und geblick
(T ump, 1991). Zu Beginn de 1990e Jah e li seine Fi -
ma un e e heblichen Schuldenbe gen, seine Casinos
mach en sich in A lan ic Ci y gegensei ig Konku enz,
und einige Banken o de en Schulden ilgung. In de
Folge ge ie T ump nahe an den pe sönlichen Bank o .
Die Ve handlungen T umps mi den Banken in diese
Zei weisen ypische Me kmale on B inkmanship au :
Dadu ch, dass mi dem Un e gang de Ma ke „T ump“
de We de aglichen Ve mögensgegens ände noch
wei e e odie wä e, en s and ein gemeinsames Risi-
ko. Du ch Zahlungs e weige ung sowie die D ohung mi
de Au gabe einzelne Asse s und mi Klagen e moch e
T ump dieses Risiko kleinsch i ig zu s eige n und zu-
gleich eine gewisse Unbe echenba kei zu gene ie en.
Die Glaubwü digkei de D ohung esul ie e schlich aus
dem Ums and, dass T ump mi dem Rücken zu Wand
s and. Und am Ende e blieb den Banken die Chance,
noch Teile ih es Engagemen s zu e en. F eilich da
man diese Pa allele nich übe eiben ode ga zu einem
Psychog amm des 47. (und 45.) US-ame ikanischen P ä-
siden en s ilisie en.
Imme hin kann man abe es hal en, dass T ump ü-
he eine gewisse Ve au hei mi den S a egemen de
B inkmanship gezeig ha und ihnen einen g oßen E olg
in seine geschä lichen Ka ie e e dank .
Keh en wi zu ück zu Spiel o m aus de Abbildung 1 und
be ach en die le z en beiden S u en, also diejenigen
„Teilspiele“, die mi dem Zug on RoN beginnen. Dabei
d ängen sich zwei F agen au :
• Können sich die Ve bünde en so gu allein e eidi-
gen, dass sie dies au sich nehmen, s a klein beizu-
geben?
• Ziehen die USA eine Si ua ion, in de sie aus de
Nachhand die Ve bünde en s ü zen, eine Si ua i-
on o , in de die Ve bünde en au sich allein ges ell
sind?
Die e s e F age ha mi de K iegs üch igkei de Ve bün-
de en zu un, die zwei e zusä zlich mi de Höhe de Op-
po uni ä skos en eine Un e s ü zung sei ens de USA.
Das üh zu zwei ideal ypischen Szena ien: E s ens dem
Fall eines schwachen RoN. Die K ä e de USA ü sich
genommen genügen, den Ang i abzuweh en, die des
RoN nich .
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 271
Zei gesp äch
Abbildung 2
S u enspiel mi schwachem Eu opa
Abbildung 3
S u enspiel mi s a kem Eu opa
Res de Na o (RoN)
USA
W - Wide s and
N - Nachgeben
s ü zen un e s ü zen
N - Nich U - Un e -
3
3
2
4
4
2
1
1
Res de Na o (RoN)
USA
W – Wide s and
N – Nachgeben
s ü zen un e s ü zen
N – Nich U – Un e -
3
4
1
2
4
3
2
1
Abbildung 2 zeig das esul ie ende S u enspiel am Ende
de Spiel o m mi plausiblen o dinalen Payo s.
Hie e üg de RoN übe eine dominan e S a egie,
nämlich Nich un e s ü zen (N), und die USA eben alls,
nämlich Un e s ü zen (U). Im E gebnis weh en die USA
eine all ällige A acke allein ab.
Zwei ens haben wi den Fall des s a ken RoN (Abbildung
3). Dabei eichen sowohl die K ä e de USA als auch die
des RoN einzeln aus, den Ang i abzuweh en, abe man
eil sich bei gemeinsame Ve eidigung die Kos en des
K ieges.
Diese Va ian e läu au die gemeinsame Be ei s ellung
eines ö en lichen Gu s kombinie mi einem Ve eilungs-
kon lik übe die Kos en hinaus. Ode , ande s gewende :
ein gemeinsames Risiko (dass keine Lösung ge unden
wi d) kombinie mi einem Ve eilungskon lik . Die e-
sul ie ende 2x2-G und o m is das „Chicken“-Spiel, wel-
ches wi schon o hin mi B inkmanship in Ve bindung
geb ach haben.
Kla soll e sein, dass bei einem „wö lichen“ Ve s ändnis
de Spiel o m in de Abbildung 1 – also bei sequen iel-
len Zügen – de RoN sich als e s e au Nich un e s ü zen
(N) es legen wü de und dami die USA Un e s ü zen (U)
wähl en. Dies en sp ich abe ge ade nich de Idee eines
T ippelns in Rich ung Abg und.
Jedoch sind spiel heo e ische Modelle keine ge euen
Abbildungen de Reali ä , sonde n abs ak e Vehikel,
um eine Vo s ellung on s a egischen Mechanismen
zu gewinnen. Unse e bishe ige A gumen a ion is also
so zu e s ehen, dass es in de o liegenden Si ua ion
e heblichen Spiel aum ü die Anwendung de B ink-
manship gib , und dass mindes ens eine de be eilig-
en Pe sonen einen en sp echenden Hin e g und au -
weis .
Die Spiel o m e anschaulich abe auch die Bedeu ung
de F age, wie je z au dem Weg zu einem Wa ens ill-
s and mi de Uk aine umgegangen wi d. Eine unabhän-
gige und kamp k ä ige Uk aine wi d auch dann ussi-
sche K ä e binden, wenn die Wa en uhen. Eine du ch
Ressou cen-Deals ode ande wei ig geschwäch en Uk-
aine wi d das nich in gleiche Weise gelingen, on eine
ze schlagenen Uk aine ganz zu schweigen. Dami wi d
kla , dass die En scheidung de USA im e s en Zug einen
Ein luss da au haben kann, ob am Ende des Spielbaums
die K ä e des RoN aus eichen we den, einen ussischen
„Ve suchsballon“ abzuweh en – also, welches Teilspiel
aus dem le z en Abschni a sächlich ele an wi d.
Ausblick
In diesem Bei ag haben wi ein ache Elemen e s a egi-
sche Analysen des Beginns und des Endes on K iegen
o ges ell und au den ak uellen Kon lik um die Uk ai-
ne angewende . Dabei wu de insbesonde e das Konzep
de B inkmanship be on , weil dessen Anwendung du ch
die zunehmende Ambigui ä des s a egischen Um elds
begüns ig wi d. Unse e Übe legungen lassen e wa en,
dass sich ein Vo gehen, wie wi es gegenwä ig bei de
T ump-Adminis a ion beobach en, zukün ig häu ige
au de in e na ionalen Bühne inden wi d.
Li e a u
Beckmann, K. B. (1998). Analy ische G undlagen eine Finanz e assung.
Pe e Lang.
Beckmann, K. B. (2024). K ieg und Ökonomie. Eine Analyse. Uk aine-Dos-
sie des ZMSBw.
Beckmann, K. B. & Reime , L. (2014). Dynamics o Mili a y Con lic : An
Economics Pe spec i e. Re iew o Economics, 65, 265–285.
Wi scha sdiens 2025 | 4
272
Zei gesp äch
Ti le: Wa and Peace in Eu ope: A Role o B inkmanship?
Abs ac : This a icle analyses aspec s o he con lic be ween Russia and Uk aine in i s in e na ional con ex om a game heo y pe -
spec i e, wi h pa icula a en ion o he possible use o he b inkmanship s a egy by US P esiden Donald T ump.
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