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[ge] (orig)

Förderung der frühen Bildung auch in alternden Gesellschaften: Warum es ein Bundesprogramm für Kitas braucht

Author: Spieß, C. Katharina
Publisher: Warsaw: Sciendo
Year: 2025
DOI: 10.2478/wd-2025-0026
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/314824/1/10.2478_wd-2025-0026.pdf
Spieß, C. Ka ha ina
A icle
Fö de ung de ühen Bildung auch in al e nden
Gesellscha en: Wa um es ein Bundesp og amm ü Ki as
b auch
Wi scha sdiens
Sugges ed Ci a ion: Spieß, C. Ka ha ina (2025) : Fö de ung de ühen Bildung auch in al e nden
Gesellscha en: Wa um es ein Bundesp og amm ü Ki as b auch , Wi scha sdiens , ISSN
1613-978X, Sciendo, Wa saw, Vol. 105, Iss. 2, pp. 84-89,
h ps://doi.o g/10.2478/wd-2025-0026
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/314824
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Wi scha sdiens 2025 | 2
84
Zei gesp äch DOI: 10.2478/wd-2025-0026
Wi scha sdiens , 2025, 105(2), 84-89
JEL: I24, I26, I28
C. Ka ha ina Spieß
Fö de ung de ühen Bildung auch in al e nden Gesellscha en:
Wa um es ein Bundesp og amm ü Ki as b auch
© De /die Au o :in 2025. Open Access: Diese A ikel wi d un e de
C ea i e Commons Namensnennung 4.0 In e na ional Lizenz e ö -
en lich (c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/deed.de).
Open Access wi d du ch die ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um
Wi scha ge ö de .
Deu schland al e und imme meh Babyboome we den
in den Ruhes and ein e en. Je nach Annahmen übe die
Be ölke ungsen wicklung könn e die Zahl de Menschen
im E we bsal e bis Ende de 2050e Jah e um 14 % bis
29 % abnehmen. Es müssen also alle Po enziale genu z
we den und zwa nich nu ku z- sonde n auch lang is-
ig. Die Bildungspoli ik ha dabei eine zen ale Bedeu ung:
Es geh un e ande em da um, die Kompe enzen on
Schüle :innen zu e besse n sowie die An eile in de Be-
ölke ung zu eduzie en, die keinen Schulabschluss ode
be u lichen Abschluss haben. Es muss e ne das lebens-
lange Le nen ge ö de we den. All dies sind wich ige und
zen ale Ansa zpunk e ü die Bildungspoli ik de Zukun .
Abe es da nich nu ku z- und mi el is ig gedach we -
den, ielmeh muss nachhal ig in es ie we den: Es muss
seh iel ühe angese z we den, nämlich be ei s bei de
ühen Bildung.
Wie die Theo ie de Fähigkei sen wicklung („skill o ma-
ion“) on James Heckman und Ko-Au o en zeig (z. B.
Heckman, 2006; Cunha e al., 2006), is es besonde s
e ek i und e izien , üh in Bildung zu in es ie en, da
au üh angeleg en Fähigkei en au gebau we den kann
und sich somi spä e leich e neue Fähigkei en e le nen
lassen: „skills bege skills“. F ühe Bildungsin es i ionen
haben alle dings nich imme posi i e lang is ige E ek-
e, eilweise wi ken sie nu ku z is ig. Es häng da on ab,
wie sie ausges al e sind und wen sie ad essie en. Wenn
e hinde we den soll, dass Bildungsin es i ionen ühe
Bildungsungleichhei en noch e s ä ken, soll en insbe-
sonde e bildungsbenach eilig e G uppen zu diesen Ange-
bo en Zugang haben bzw. diese Angebo e nu zen. Auße -
dem muss eine gu e pädagogische Quali ä gewäh leis e
sein.
De S a us quo: ühe Bildung in de Familie
F ühe Bildung e olg zualle e s und on An ang an in de
Familie. Familien als e s e Bildungso e ö de n Kinde in
un e schiedlichem Maße. So en s ehen be ei s seh üh
Bildungsungleichhei en. Die Bildung in de Familie wi d
iel ach übe die amiliale An egungsquali ä in Fo m on
El e n-Kind-Ak i i ä en besch ieben, wie z. B. dem Vo -
lesen, dem Un e nehmen on Aus lügen ode auch de
gemeinsame Umgang mi digi alen Medien. Diese Ak i i-
ä en a iie en seh s a k, abhängig on dem sozioökono-
mischen Hin e g und de El e n.
Dies kann am Beispiel des Vo lesens illus ie we den,
eine zen alen Ak i i ä , um die En wicklung on Kinde n
zu ö de n: Kinde , denen äglich ode soga meh mals
am Tag e was o gelesen wi d, e ügen übe einen übe -
du chschni lichen Wo scha z und e zielen im Zei e lau
auch höhe e Zuwächse. Im Mi el wi d meh als de Häl e
de Kinde zwischen zwei und un e sechs Jah en äglich
on ih en El e n o gelesen. Be ei s bei diese zen alen
ühkindlichen Bildungsak i i ä zeigen sich abe auch
Un e schiede nach el e liche Bildung: Mi höhe em Bil-
dungsni eau de El e n wi d meh o gelesen. Im Pande-
miejah 2021 haben die Un e schiede zwischen nied igem
und hohem Bildungsni eau soga noch zugenommen:
El e n mi nied igem Bildungsabschluss lasen im Mi el
19 Tage im Mona o , wäh end höhe gebilde e Mü e
ih en Kinde n an 26 Tagen o lasen. Beme kenswe is
alle dings auch, dass, on de Sp ache de Büche unab-
hängig, Kinde n mi Mig a ionshin e g und signifikan sel-
ene o gelesen wi d, wobei dies nich au El e n zu i ,
bei denen nu ein El e n eil einen Mig a ionshin e g und
ha . Je nach el e lichem Bildungshin e g und a iie auch
das gemeinsame Fe nsehen, alle dings in die ande e
Rich ung: Mi höhe em Bildungsni eau de El e n äll die
Häufigkei des gemeinsamen Fe nsehens ge inge aus
(Au o eng uppe Bildungsbe ich e s a ung, 2022).
C. Ka ha ina Spieß is Di ek o in des Bundesins i u s
ü Be ölke ungs o schung (BiB) sowie P o esso in
ü Be ölke ungsökonomie an de Johannes
Gu enbe g-Uni e si ä Mainz. Sie is u.a. Mi glied im
wissenscha lichen Bei a ü Familien agen beim
Bundesminis e ium ü Familie, Senio en, F auen und
Jugend und Vo si zende des Bildungsökonomischen
Ausschusses des Ve eins ü Socialpoli ik.
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 85
Zei gesp äch
En sp echend de Un e schiede in de amilialen An e-
gungsquali ä zeigen sich be ei s im ühen Kindhei sal e
Un e schiede in kindlichen En wicklungsmaßen. Gleich-
wohl ü Deu schland ela i wenig ep äsen a i e Be-
unde zu ühen kogni i en und sozio-emo ionalen Kom-
pe enzen on Kinde n im ühen Kindesal e o liegen,
zeigen diese, dass sich be ei s in den ühen Jah en Un-
e schiede in den Kompe enzen on Kinde n nach sozio-
ökonomischem Hin e g und de El e n beobach en las-
sen. Kinde aus El e nhäuse n mi hohem Bildungsni eau
weisen einen höhe en deu schen Wo scha z au als Kin-
de on El e n mi nied ige em Bildungsabschluss. Auch
wenn alle Kinde im Zei e lau on ie Lebensjah en
denselben Zuwachs um e wa 15 Kompe enzpunk e e -
zeichnen, üh de selbe Zuwachs bei un e schiedlichem
Ausgangsni eau auch zu Beginn de G undschule zu ei-
nem deu lichen Ge älle in Abhängigkei om höchs en Bil-
dungsabschluss de El e n (Au o eng uppe Bildungsbe-
ich e s a ung, 2022). Alle dings be ücksich igen diese
Be unde nich , dass einige diese Kinde ühe als ande e
eine Kinde agesein ich ung besuch haben, wo au zu-
sä zliche Un e schiede in den Fähigkei en zu ückzu üh en
sind. Da übe hinaus is die Be undlage au g und weni-
ge ep äsen a i e Da en nich seh um assend.1 Fü eine
e idenzbasie e Poli ik is dies keine gu e Ausgangslage.
F ühe Bildung in de Familie nachhal ig ö de n
Unabhängig da on s ell sich die F age, wie de Le no
Familie du ch bildungspoli ische Maßnahmen e bes-
se we den kann. In Deu schland we den Maßnahmen
zu Fö de ung de amilialen An egungsquali ä häufig
mi dem Beg i de „ ühen Hil en“ besch ieben. F ühe
Hil en zielen au eine S ä kung el e liche Kompe enzen
ab. Sie bie en El e n Un e s ü zung, Be a ung und Be-
glei ung. Angebo e de ühen Hil en kommen insbeson-
de e aus dem Be eich de Kinde - und Jugendhil e, dem
Gesundhei swesen, de F üh ö de ung und de Schwan-
ge scha sbe a ung.Fachk ä ediese Be eiche a bei en
eng zusammen, um El e n bei de Be euung und Fö de-
ung ih e Kinde zu un e s ü zen; die Angebo e um assen
Hausbesuchsp og amme und P og amme auße halb de
Familie. Die Wi kung solche Hausbesuchsp og amme
wu de au de Basis kausalanaly ische Ansä ze p imä
ü US-ame ikanische Beispiele beleg . Fü Deu schland
exis ie en nu wenige bildungsökonomische S udien, wel-
che die Wi kung solche P og amme zu Un e s ü zung
de el e lichen E ziehungskompe enz belegen (z. B. Sand-
ne e al., 2018; Camehl e al., 2020). Diese A bei en bele-
gen, dass die Wi kung en sp echende P og amme nich
1 F ühkindliche Kompe enzen wu den in Deu schland beispielsweise
in de Neugebo enenkoho e des Na ionalen Bildungspanels (NEPS)
e ass , wobei diese Kinde inzwischen schon im Schulal e sind.
nu di ek die En wicklung de Kinde e ände , sonde n
die Wi kung eilweise auch indi ek übe eine Fö de ung
des mü e lichen Wohlbefindens e olg , was wiede um
kindliche En wicklungsmaße posi i beein lussen kann
(z. B. Gup a e al., 2023). Da übe hinaus exis ie en im
anglo-ame ikanischen Raum S udien, welche die g oße
Wi kung on seh niede schwelligen und kos engüns igen
Angebo en zu Fö de ung de amilialen An egungsqua-
li ä belegen. Dabei we den beispielsweise P og amme
un e such , in denen El e n übe Tex nach ich en egel-
mäßig da an e inne we den, ih en Kinde n o zulesen.
En sp echende S udien belegen die E izienz diese P o-
g amme und geben Hinweise da au , wann sie besonde s
e ek i sind (z. B. Duncan e al., 2022). Hie können kos-
engüns ig deu lich höhe e E ek e e ziel we den, als mi
kos enin ensi e en Hausbesuchsp og ammen ode ähn-
lichem.
Bildungso Kinde agesein ich ung (Ki a)
Neben de Familie haben Kinde agesein ich ungen eine
zen ale Bedeu ung als ühe Le no e (z. B. Spieß, 2017
und 2021a). In Wes deu schland ha die Ki a-Inansp uch-
nahme on Kinde n un e d ei Jah en in den le z en Jah-
en on 10 % im Jah 2007 au 37 % im Jah 2024 s a k
zugenommen, d. h. inzwischen besuch meh als jedes
d i e Kind diese Al e sg uppe eine Ki a ode eine Kin-
de agesp lege2. In Os deu schland is im gleichen Zei -
aum die Ki a-Nu zung on 41 % au 55 % ges iegen.
Kinde im sogenann en Kinde ga enal e (d ei Jah e
bis Schulein i ) weisen schon sei ielen Jah en höhe-
e Nu zungsquo en au . Die Nu zungsquo e de D ei- bis
Fün jäh igen lieg ak uell bei e wa 90 % und un e scheide
sich kaum zwischen Wes - und Os deu schland. Be ei s
sei 1996 haben Kinde im Al e on d ei Jah en und äl e
einen Rech sansp uch au einen Ki a-Pla z. Sei Augus
2013 gib es einen Ki a-Rech sansp uch ab dem zwei en
Lebensjah . Imme meh Kinde nu zen Ki a-Angebo e
auch ganz ägig bzw. bis in den Nachmi ag hinein. Ins-
gesam is also es zuhal en, dass de T end eine Ki a-
Nu zung ab dem zwei en Lebensjah wei e hin zunimm .
Dami sind Ki as zu einem wich igen Bes and eil de ü-
hen Bildung gewo den.
Ki a-Nu zungsun e schiede und ungedeck e Beda e
Alle dings gib es nach wie o g oße Un e schiede in de
Nu zung on Kinde agesein ich ungen, insbesonde e
2 In de Kinde - und Jugendhil es a is ik wi d die Kinde agesbe euung
in die Be eiche de Kinde agesein ich ungen und de Kinde ages-
p lege un e eil , wobei die Kinde agesp lege eine ge inge e Bedeu-
ung ha . Im Jah 2024 gab es 1,0 % meh Ki as als im Vo jah , jedoch
3,8 % wenige Tagesmü e und - ä e als in 2023 (S a is isches Bun-
desam , 2024).
Wi scha sdiens 2025 | 2
86
Zei gesp äch
bei Kinde n un e ie Jah en. Hie sind jene G uppen un-
e ep äsen ie , die on einem Ki a-Ausbau besonde s
p ofi ie en wü den. Dies sind z. B. Kinde aus Familien,
die zu Hause übe wiegend kein Deu sch sp echen, de-
en El e n ein ge inge es o males Bildungsni eau haben,
die a mu sge äh de ode alleine ziehend sind. Die Nu -
zungsquo e on Kinde n aus Familien, die zu Hause übe -
wiegend kein Deu sch sp echen, belau en sich bei Zwei-
jäh igen zum Beispiel au 40 %, bei den ande en Kinde n
sind es 66 %. Ähnliche Un e schiede zeigen sich auch ü
ande e Al e sg uppen (Abbildung 1). Bei zweijäh igen Kin-
de n aus a mu sge äh de en Familien sind es 35 % und
bei de Ve gleichsg uppe 70 %. Hinzukomm , dass die-
se Un e schiede schon iele Jah e zu beobach en sind
(Schmi z e al., 2023).
Nun könn e es sein, dass diese Familien keinen Ki a-
Beda haben. Dies is abe keines alls so. Insgesam
bekomm in Deu schland jede ün e Familie mi Kinde n
zwischen ein und un e d ei Jah en keinen Ki a-Pla z, ob-
wohl ein Beda bes eh . Bei Familien, die zu Hause kein
Deu sch sp echen, sind es insgesam 39 % – bei den
Zweijäh igen z. B. 38 % (Abbildung 1) und bei a mu sge-
äh de en Familien 33 %. Besonde s be o en sind auch
bildungs e ne Familien und alleine ziehende El e n eile
(Huebene e al., 2023). Die benach eilig en G uppen ge-
ben auße dem an, dass sie iel g öße e Schwie igkei en
bei de Ki a-Suche haben. Da übe hinaus sind ande e
G ünde ü die g öße en ungedeck en Beda e bei Kin-
de n aus g undsä zlich benach eilig en Familien es zu-
machen. Sie sind häufig übe die Wege eine Ki a-Bewe -
bung, die Ki a-Kos en e c. wenige gu in o mie als ih e
Pee s (He mes e al., 2021). Hinzu komm , dass gegen-
übe G uppen, die einen Mig a ionshin e g und zu haben
scheinen, auch häufige disk iminie wi d, wenn es um
die Ki a-Au nahme geh als gegenübe jenen, bei denen
dies nich de Fall is (He mes e al., 2023).
Pädagogische Quali ä a iie s a k
Man kann auße dem empi isch belegen, dass Kinde aus
sozioökonomisch benach eilig en Familien in Ki as mi
eine schlech e en pädagogischen Quali ä Au nahme
finden, so e n sie einen Ki a-Pla z e hal en. Auch wenn
hie di e enzie e Analysen zeigen, dass dies nich au al-
le G uppen in gleichem Maße zu i (S ahl e al., 2018).
Insgesam und unabhängig on Nu zungsun e schieden
nach sozioökonomischen Me kmalen sind g oße egiona-
le Quali ä sun e schiede in Deu schland auszumachen.
Dies wi d sei ielen Jah en imme wiede k i isie und
bemängel . En sp echend ha de Bund mi dem Gese z
zu Wei e en wicklung de Quali ä und zu Teilhabe in
de Kinde agesbe euung (KiQuTG, 2019, ku z „Gu e-
KiTa-Gese z“) e such , in Rich ung eine einhei liche en
pädagogischen Quali ä die Lände zu un e s ü zen. Ein
aus Bundesmi eln mi finanzie e Maßnahmenka alog
e möglich e es den Lände n, selbs zu wählen, welche
Handlungs elde sie p io isie en. Dabei sind jedoch keine
bundeseinhei lichen Quali ä smindes s anda ds als Ziel-
o gabe ü alle Lände gescha en wo den. Nach einem
Moni o ing und eine E alua ion des Gu e-Ki a-Gese zes
wu de dieses un e dem Namen „KiTa-Quali ä sgese z“
ab Janua 2023 bis Ende 2024 e länge . Ziel wa dabei
die bundeswei e S eige ung de Quali ä in de Kinde a-
gesbe euung – es soll e ein Sch i zu En wicklung eines
Quali ä sen wicklungsgese zes mi bundeswei en S an-
da ds noch in de nun abgelau enen Legisla u pe iode
sein. Ein Gese zen wu zu Wei e en wicklung des KiTa-
Quali ä sgese zes wu de im Augus 2024 im Bundeskabi-
ne beschlossen, das pa lamen a ische Ve ah en konn-
e alle dings nich meh abgeschlossen we den. Übe den
im Gese zen wu es geleg en Zei aum hinaus o de
de Bundes a die Bundes egie ung dazu au , auch ab
2025 die finanzielle Ve an wo ung bei de Kinde ages-
be euung siche zus ellen (Bundes a , 2024).
Alle dings wollen die Lände auch keine lei wei e gehen-
de quali a i e An o de ungen an die Finanzie ungsbe ei-
ligung des Bundes knüp en, was aus eine Wi kungspe -
spek i e sinn oll wä e – so könn e eine zielge ech e Ve -
ausgabung de Mi el siche ges ell we den. Dies is mi
dem bishe igen Modell nich zwingend möglich, da den
Lände n die Finanzmi el om Bund übe eine e ände e
Ve eilung de Umsa zs eue einnahmen übe mi el we -
den. Aus ökonomische Pe spek i e uns i ig is , dass
de Bund sich an den Kos en be eilig . Vo dem Hin e -
g und de Übe legungen, welche Nu zungss öme de
Abbildung 1
Ki a-Nu zungsquo en und ungedeck e Beda nach
de dominie enden Sp ache im El e nhaus
Quelle: Huebene e al. (2023).
39
66
92 97 98 98
20
40
79 88 84 87
25
14
4101
40
38
12
874
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
123456
An eil in %
Al e des Kindes in Jah en
Deu sch: Nu zung Ande e Sp ache: Nu zung
Deu sch: ungedeck e Beda Ande e Sp ache: ungedeck e Beda
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 87
Zei gesp äch
Gesellscha und Volkswi scha mi einem Ki a-Besuch
zukommen, is eine Be eiligung des Bundes an den Aus-
gaben ü die ühe Bildung und Be euung in Ki as zu
ech e igen (Spieß, 2021b). So p ofi ie de Bund ku z-
is ig übe die Einkommenss eue meh einnahmen und
-minde ausgaben in ande en Be eichen, die beispiels-
weise mi de ges iegenen E we bs ä igkei on Mü e n
e bunden sind – eine Zunahme im E we bs olumen, was
au einen wei e en Ki a-Ausbau ü Kinde un e d ei Jah-
en zu ückgeh (z. B. Mülle & W ohlich, 2020). Lang is-
ig p ofi ie de Bund auch übe die „Bildungs unk ion“
on Ki as, da mi eine gu en ühen Bildung in Ki as im
E wachsenenal e de Kinde höhe e Einkommen und ge-
inge e Fü so geausgaben e bunden sein können (z. B.
Ha nes & Mogs ad, 2011). Im Üb igen können mi eine
besse en pädagogischen Quali ä auch höhe e Löhne
bei Mü e n e ziel we den (S ahl & Schobe , 2020), was
da au hindeu e , dass auch übe eine besse e Bildungs-
quali ä dem Bund zusä zliche Meh einnahmen en s ehen
können.
Ansa zpunk e ü eine Ki a-Poli ik de nächs en
Legisla u pe iode
All dies e deu lich , wie wich ig wei e e Re o men und
wei e e In es i ionen im Be eich de ühen Bildung in
Deu schland wä en. Gleichwohl Ki a-Poli iken le z lich Sa-
che de Lände und Kommunen sind, ha de Bund hie ei-
ne S eue ungs- und Gese zgebungskompe enz, die e nu -
zen kann. E könn e an olgenden Punk en anse zen.
• En wicklungss and de Kinde ühe e heben – G und-
lagen ü eine e idenzbasie e Ki a-Poli ik scha en. Ei-
ne e idenzbasie e Bildungspoli ik se z die Kenn nis
da übe o aus, wie Bildungsungleichhei en und ühe
Kompe enzun e schiede e eil sind. Viel ach finde im
deu schen Bildungssys em abe p imä eine Inpu s eu-
e ung s a , ohne dabei auch Ou come-Maße mi einzu-
beziehen. Dies i insbesonde e auch au den Be eich
de ühen Bildung zu. Von dahe soll e es ein Ziel sein,
einhei liche S anda ds zu Abbildung des En wicklungs-
s ands on Kinde n im Ki a-Al e zu e ablie en. Hie
könn en Le ns andse hebungen im schulischen Be eich
ein Vo bild sein, die abe an die en sp echenden Al e s-
g uppen und Bildungsphasen angepass we den müss-
en (Roßbach & Spieß, 2019). Dies wü de es e mögli-
chen, En wicklungsun e schiede ühzei ig zu e kennen
und zu ad essie en. Die Sp achs andse hebungen in
einigen Bundeslände n gehen be ei s in diese Rich ung,
sind abe noch nich aus eichend.
• Wei e e und nachhal ige Ausbau de ühen Hil en.
Um den Bildungso Familie zu s ä ken, soll en die ü-
hen Hil en wei e hin ausgebau we den, um geziel je-
ne Familien zu un e s ü zen, de en An egungsquali ä
e besse we den kann. Diese ühen Hil en müssen
El e n und Kinde im Blick haben. Aus eine bildungs-
ökonomischen Pe spek i e is das Wohlbefinden de
El e n ü die kindliche En wicklung on hohe Rele-
anz. Inso e n soll e auch die Bildungspoli ik das Wohl-
befinden on El e n s ä ke in den Blick nehmen. De
Bund ha bishe o allem Modellp ojek e un e s ü z –
was au g und de Zus ändigkei des Bundes in diesem
Be eich auch iel ach nich ande s möglich is . Was
benö ig wi d, sind jedoch nachhal ige Angebo e, wel-
che die Familien in ih em sozialen Nah aum un e s ü -
zen. Hinzu komm , dass niede schwellig und kos en-
güns ige digi ale Un e s ü zungsangebo e ausgebau
we den könn en, um die el e liche An egungsquali ä in
Familien zu e besse n.
• Wei e e Ausbau de Kinde agesbe euung. Da nach
wie o Ki a-Plä ze ehlen und insbesonde e die Be-
da e de G uppen, die on eine gu en Bildung in Ki as
besonde s p ofi ie en, nich gedeck we den können,
muss de Ausbau de Ki a-Pla zkapazi ä en wei e o-
ansch ei en – und zwa o allem ü Kinde im zwei-
en und d i en Lebensjah . Dabei is eine wohno nahe
Be ei s ellung des Pla zangebo s ü Familien mi un-
gedeck en Beda en on besonde e Bedeu ung. Hie
sind o allem die Kommunen und die Lände ge ag .
An diesem Ausbau muss sich abe auch de Bund wei-
e hin finanziell be eiligen. Dies muss in Abhängigkei
de Beda e in den Regionen geschehen, denn insbe-
sonde e in Os deu schland gib es soga Regionen mi
Übe kapazi ä en.
• Familien geziel übe Ki a-Zugänge und Ki a-Lei ungen
übe die Bedeu ung diese Zugänge in o mie en. Dem
ungedeck en Beda , insbesonde e de Familien, die
on einem Ki a-Besuch besonde s p ofi ie en, soll e
en sp ochen we den. Sie müssen besse e und um-
ang eiche e In o ma ionen zu Ki a-Zugängen e hal en
– dies muss eine gemeinsame Au gabe de Kommu-
nen, de Lände und des Bundes sein. Familienkassen
können beispielsweise Familien ak i übe ih An ech
au einen Ki a-Pla z in o mie en. Zen ale Ki a-Anmel-
de- und Ve gabe e ah en, die konsequen angewand
we den, könn en den Suchau wand ü Familien signi-
fikan e inge n. Es wä e auch sinn oll, po enziell be-
nach eilig en Familien p oak i einen Ki a-Pla z o zu-
schlagen. Bei einem solchen Op -Ou -Ve ah en hä en
Familien, die momen an keinen Beda sehen ode an-
de e Be euungs o s ellungen haben, die Op ion, den
o geschlagenen Pla z abzulehnen (Huebene e al.,
2023). Eine wei e e Möglichkei zu besse en Beda s-
deckung könn e in eine finanziellen Incen i ie ung be-
s ehen, sodass Ein ich ungen eine höhe e Fö de ung

Wi scha sdiens 2025 | 2
88
Zei gesp äch
e hal en, wenn sie Kinde au nehmen, die bishe un e -
ep äsen ie sind. Angesich s de häufigen Nennung
on Kos eng ünden bei de Nich nu zung du ch po-
enziell benach eilig e Familien soll e bei bes ehenden
Ki a-Gebüh en eine Gebüh ens a elung bundeswei
es gesch ieben we den, die das Familieneinkommen
be ücksich ig (Huebene e al., 2023).3 Da übe hinaus
soll en Ki a-Lei ungen explizi da ü sensibilisie we -
den, Bewe bungen on g undsä zlich benach eilig en
Familien besonde s zu p ü en. Disk iminie ungen bei
dem Zugang zu Ki as dü en nich o kommen, son-
de n hie müssen S uk u en gescha en we den, die
dies e hinde n.
• Einhei liche Mindes s anda ds ü Ki a-Quali ä es legen.
Um Ungleichhei en in de Ki a-Quali ä zu e hinde n,
seien sie egionale ode sozioökonomische A , sind
wei e hin einhei liche Quali ä smindes s anda ds im Be-
eich de S uk u quali ä (dazu zählen e wa maximale
G uppeng ößen, de Kind-Fachk a -Schlüssel, Ausbil-
dungss anda ds e c.) no wendig, um allen Kinde n die
gleiche Ki a-Mindes quali ä zu ga an ie en. Obwohl
sich dies die „Ampel-Koali ion“ o genommen ha e,
kam es nich zu de en Umse zung. Dieses Vo haben au
Bundesebene soll e abe d ingend wei e e olg we -
den. Die Regionen, die da übe hinaus mi nied ige en
Gebu en a en und dami e bundenen Ki a-Übe kapa-
zi ä en kon on ie sind, soll en diese nu zen, um den
Kind-Fachk a -Schlüssel zu e besse n – pädagogi-
sche Fachk ä e soll en, sowei möglich, in ih em Be-
u s eld gehal en we den.
• Meh pädagogische Fachk ä e gewinnen, o - und
wei e bilden. Eine de maßgeblichs en Fak o en ü
einen Ki a-Ausbau und eine besse e Ki a-Quali ä is
die Aus- und Wei e bildung des pädagogischen Fach-
pe sonals. Die Qualifizie ung ühpädagogische Fach-
k ä e, wie sie de Bund z. B. mi de Wei e bildungsini-
ia i e F ühpädagogische Fachk ä e (WiFF) begonnen
ha , soll e nachhal ig und mi e s ä k e K a o an-
ge ieben we den. Es beda eine achlich undie en
und bundeswei einhei lichen Ve s ändigung da übe ,
was die no wendigen Qualifika ionen und Kompe en-
zen de ühpädagogischen Fachk ä e sein sollen.
Sie soll en dann bundeswei in den Ausbildungs- und
S udiengängen e mi el we den, die au die A bei
in ühpädagogischen Ein ich ungen o be ei en. Um
meh Fachk ä e ü diesen zen alen Zukun sbe eich
zu gewinnen, müssen – wie in de Pandemie imme
3 Eine komple e Gebüh enabscha ung, als auch de Vo schlag eines
kos en eien Mi agessens is mi g oßen Mi nahmee ek en bei ein-
kommenss ä ke en G uppen e bunden und on dahe wenig e izi-
en .
wiede be on wu de – diese sys em ele an en Be u e
en sp echend au gewe e we den. Das be i insbe-
sonde e die En lohnung on pädagogischen Fachk ä -
en. Da übe hinaus soll en pädagogische Fachk ä e
aus allen G uppen de Be ölke ung ek u ie we den,
also meh Fachk ä e mi Mig a ionshin e g und und
meh Männe . Ein wei e e Ansa zpunk is die E ab-
lie ung on mul ip o essionellen Teams, um die päda-
gogischen Fachk ä e bei ih en A bei en zu en las en.
Da übe hinaus is in den Ki as eine Pe sonalpoli ik
no wendig, die es pädagogischen Fachk ä en e mög-
lich , bis zum Ren enal e in ih en Be u en zu a bei en.
• El e n und Kinde gemeinsam in Zen en ü Familien
ad essie en. Die ühe Bildung in den Familien und
auch Ki as soll e El e n und Kinde ad essie en. En -
sp echende Be unde zeigen, dass eine gemeinsame
Fokussie ung am e ek i s en und e izien es en is .
En sp echend könn en Ki as zu Zen en ü Familien
ausgebau we den. In jedem sozialen Nah aum und
insbesonde e in jenen mi einem hohen An eil g und-
sä zlich benach eilig e Kinde soll en diese Zen en
El e n und Kinde ad essie en (Spieß, 2020; Schmi z
& Spieß, 2019). Pädagogische Fachk ä e soll en sich
deshalb mi eine en sp echenden Aus- und Wei e bil-
dung in diesem Be eich spezialisie en können. Da ü-
be hinaus soll en sich Ki as wei e ö nen und b ei e
Fö de angebo e in eg ie en. Eine En wicklung hin zu
amilieno ien ie en Zen en, wie sie eilweise schon
begonnen wu de, kann In es i ionen in die ühe Bil-
dung noch en able und nachhal ige machen, da die
Familien als Ganzes und nich das Kind allein als Ad-
essa des Bildungsau ags gel en.
• Bildungs onds und Ki a-P og amm au Bundesebe-
ne. Die ühe Bildung is zen al ü alle wei e en Bil-
dungse appen. Eine Finanzie ung de ühen Bildung
du ch die Kommunen, Lände und Bund – wie sie bis-
he s a finde – üh jedoch zu g oßen Un e schieden
in den Angebo en. Von dahe soll e die Idee eines bun-
deswei en Bildungs onds wei e e olg we den. Dies
soll e ein Fond sein, de on jäh lichen Haushal s e -
handlungen ausgeschlossen wä e und de sich aus
S eue gelde n finanzie en könn e – e könn e endlich
mi eine daue ha en Finanzie ungsbe eiligung des
Bundes an den Kos en eine Ki a e bunden sein. Da-
übe hinaus könn e aus einem solchen Bildungs onds
le z lich auch eine A „S a chancenp og amm“ ü Ki-
as finanzie we den, da auch im Ki a-Be eich übe die
oben genann en Maßnahmen hinaus geziel jene Ein-
ich ungen zu ö de n sind, welche in Einzugsgebie en
mi iel ach benach eilig en Familien liegen. Einschlä-
gige Vo schläge, wie die Gelde aus einem Bildungs-
onds au de Basis eines Sozialindexes ü Kinde a-
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 89
Zei gesp äch
gesein ich ungen e geben we den könn en, liegen
be ei s o (Espenho s , 2024).
Eine neue Bundes egie ung ha demnach iel äl ige An-
sa zpunk e, um wei e und e meh in eine gu e ühe
Bildung zu in es ie en und en sp echende Rahmenbedin-
gungen es zuse zen. Nu so können wi e meiden, dass
wi in eine al e nden Gesellscha jene knappe we den-
den Po enziale nich oll ausschöp en.
Li e a u
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