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Geldumlauf und Kreditpolitik

Abstract

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Geldumlauf und Kreditpolitik

Author: Kraus, Otto
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1955
DOI: 10.3790/schm.75.5.47
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/290833/1/schm.075.5.047.pdf
K aus, O o
A icle
Geldumlau und K edi poli ik
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: K aus, O o (1955) : Geldumlau und K edi poli ik, Schmolle s Jah buch ü
Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol.
75, Iss. 5, pp. 47-64,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.75.5.47
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/290833
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559] 47
Geldumlau und K edi poli ik
Von
O o K aus, München
Inhal s e zeichnis: 1. Die En s ehung des Geldes S. 47 — 2. Geldbeg i
und Geld unk ion S. 50 — 3. Das gesam e Geld olumen S. 52 — 4. Die wi k-
same Geldmenge S. 55 — 5. Die Wi ksamkei k edi poli isdie Ins umen e au
die Lenkung des Geldnach ages omes S. 59
1. Die En s ehung des Geldes
Die En s ehungsgeschich e des Geldes e zweig sich in manche lei
Va ian en, die in ih e Vielsei igkei zu dankba en Objek en wissen-
scha lichen Meinungss ei es gewo den sind. Es is na ü lich kein ge-
inge Un e schied, ob man die An änge des Geldwesens bei den Papuas
on Neuguinea und den U einwohne n de Südseeinseln, im e nen
O ien ode im a chaischen G iechenland s udie . Eine allgemeine
Theo ie om U sp ung des Geldes aus solchen his o ischen Be ich en
und e hnog aphischen Beobach ungen, die ganz e schiedenen Zei en
und Kul u k eisen en s ammen, is ebenso wenig b auchba wie eine
S aa s heo ie, welche die Gemeinwesen de Inkas und Az eken, des al -
pe sischen G oßkönigs, die g iechische Polis, das ömische Reich und
die eu opäischen Na ionals aa en un e ein und denselben Hu zu b in-
gen e such .
Die übe das Ziel hinaus schießende und dadu ch zu wi klichkei s-
wid igen Sinnlosigkei en üh ende Abs ak ion lieg in de Annahme
eine übe die ganze Wel e b ei e en Einhei sgesellscha , welche
übe all dieselbe Wi scha , dieselbe Kul u und dieselben Ins i u ionen
he o geb ach haben. De Vo zug bes imm e S o e — o allem de
Edelme alle — zu Ve wendung als Schmuck und Demons a ionsmi el
on Reich um und Mach kann lediglich die spä e e Wahl und Bes im-
mung des Gelds o es, nich jedoch die En s ehung de Geld unk-
ionen e klä en.
Fü eine Wissenscha , de en E kenn nisobjek die Ma k wi scha
bilde , kann das Geld nu du ch seine ma k wi scha liche Funk ion
on In e esse und Bedeu ung sein. Ande e Bedeu ungen und Ve wen-
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48 O o K aus [560
düngen des Gelds o es o seine Übe nahme diese ma k wi scha -
lichen Funk ion in de menschlichen Gesellscha mögen den Sozio-
logen und His o ike angehen, ü die Wi scha s heo ie sind sie be-
langlos.
Eine ande e F age is jedoch die nach dem Zusammenhang zwischen
diese Geld unk ion und de O ganisa ion on Wi scha und Gesell-
scha im allgemeinen. Gib es bes imm e Vo ausse zungen de Gesell-
scha ss uk u , welche gegeben sein müssen, be o das Geld eine wi -
scha liche Sonde unk ion übe nehmen kann, ode is es umgekeh
eine Wi kung de spezi ischen Geld unk ion, die wi scha liche S uk-
u de Gesellscha zu e ände n? Eine genaue e Beobach ung de
Wi klichkei läß den Schluß zu, daß Kausalke en in beiden Rich un-
gen e lau en. Die A bei s eilung is es, welche den Geb auch des all-
gemeinen Tauschmi els o eilha mach und seine Ve b ei ung
begüns ig . Ande e sei s wi d du ch die Ve wendung des Geldes als
Zahlungsmi el de Handel on den E schwe ungen des zweisei igen
Tausches be ei und du ch diese E leich e ung des Handels e keh s
das Absa z isiko ü die a bei s eilige P oduk ion he abgese z .
Es kann dahe du chaus nich übe aschen, daß die En wicklung des
Geld- und K edi wesens mi de allgemeinen Wi scha sen wicklung
nich nu pa allel geh , sonde n als ein in eg ie ende Bes and eil in
dieselbe eingebe e is . Es lassen sich in de Geschich e des Geldes all-
gemein die olgenden En wicklungss u en un e scheiden:
1. Das S o geld, auch Wa engeld ode Sachgeld (Adol Webe ) ge-
nann , be uh im wesen lichen noch au de Gleichhei on S o -
we und Geldwe ;
2. das Zeichengeld (Bankno en, Scheidemünze) ha einen om S o -
we unabhängigen Nominalwe ;
3. das Rechengeld (Buchgeld, Gi algeld, Bankgeld, Deposi engeld) is
s o los, es i übe haup nu als Nominalwe , als abs ak e Zahl
in E scheinung.
En scheidend is nun, daß die Menge des S o geldes nich du ch
Maßnahmen de Bankpoli ik, sonde n wie jedes wi scha liche Gu
nu du ch eale P oduk ion des Gelds o es (z. B. on Edelme all) e -
meh we den kann. Eine Expansion des K edi olumens du ch Geld-
schöp ung is in einem einen Wa engeldsys em unmöglich, die Finan-
zie ung de Un e nehmungen kann nu au dem Wege de K edi -
e mi lung e olgen. Un e diesen Vo ausse zungen kann jedoch
die Geld e so gung de Volkswi scha g öße en Schwankungen des
Geldbeda es nich angepaß we den, und das jeweils mögliche K edi -
olumen is du ch die Summe de indi iduellen E spa nisse beg enz .
Aus diesen G ünden e klä es sich auch, weshalb die Pe iode des
Wa engeldes zei lich mi jene S u e de allgemeinen Wi scha sen -
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wicklung zusammen iel, welche de His o ike als „Handelskapi alis-
mus" bezeichne . Im in e na ionalen Ve keh is ja das Geld ü den
ausländischen Handelspa ne auch heu e noch eine Wa e, die am
De isenma k e bewe e wi d. Und als das ideale Tausch- und Zah-
lungsmi el ü den Außenhandel und ü in e na ionale Kapi alübe -
agungen kann nach wie o das Gold be ach e we den. Solange de
Gold o a eines Landes aus eich , um den Bedü nissen des binnen-
wi scha lichen Zahlungs e keh s zu genügen und die Impo übe -
schüsse im Außenhandel zu inanzie en, kann de wi scha liche K eis-
lau on de Geldsei e aus kaum behinde we den. Die Ge ah eine
solchen Behinde ung wü de nu im Falle on Goldho ungs endenzen
ein e en, wenn Gold das einzige Zahlungsmi el is . Die Geschich e de
Goldwäh ung ha jedoch gezeig , daß bei eiem Goldumlau die e ek-
i en Tendenzen zu eine solchen Ho ung ela i ge ing sind.
En scheidend ü den Übe gang on de Geldwa e zum Wa engeld,
ü die En s ehung und wei e hin ü die E hal ung de Geld unk ion
is jedoch in diesem S adium de Geldgeschich e das du ch Jah hunde e
al e E ah ung beg ünde e Ve auen au die We bes ändigkei des
Gelds o es. Diese We bes ändigkei be uh e in de Haup sache au
dem Ums ände, daß die jäh liche Zunahme des ü mone ä e Zwecke
e ügba en Gold olumens de in wi scha liche Konnek ion s ehen-
den Kul u wel im Ve häl nisse zum o handenen Vo a seh ge ing
wa . Eine e hebliche Ve meh ung des Goldbes andes de eu opäischen
Handelss aa en du ch den Raub de Goldschä ze des Inka eiches in
Pe u und de Az eken in Mexiko und ih e Übe üh ung nach Spanien
(Se illa) ha e do eine A on Goldin la ion zu Folge. Auch die kali-
o nischen Gold unde im 19. Jah hunde b ach en o übe gehend den
We des Goldes zum Sinken.
Im allgemeinen konn e jedoch das Wa engeldsys em bis in die Zei
des beginnenden Indus iekapi alismus ziemlich eibungslos unk ionie-
en. E s den du ch die echnische Re olu ion des 19. Jah hunde s
ges ell en Finanzie ungsau gaben g oßen S ils konn e die Geld- und
noch meh die K edi e so gung des S o geldsys ems nich meh ge-
nügen. An ih e S elle a das neue Sys em des K edi geldes (Adol
Webe ), welches im wesen lichen au eine Gleichschal ung des Geld-
olumens de Volkswi scha mi dem K edi olumen des Banksys ems
be uh . Finanz echnisch beginn diese En wicklung mi de noch als
Depo schein ungie enden Bankno e und ende mi dem du ch eigene
Mach de p i a en Geschä sbanken k eie en Deposi engeld.
Somi geh die En wicklung des Geldwesens pa allel und in de -
selben Weise o sich wie de Fo sch i de wi scha lichen O gani-
sa ion, de A bei s eilung, de Technik und de Ve meh ung des Sach-,
kapi als.
Schmolle s Jah budb LXXV, 5
4
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50 O o K aus [562
2. Geldbeg i und Geld unk ion
Seine wi scha lichen Bedeu ung nach is das Geld ein e -
ansp uch. Bei jedem Übe gang des Geldes on Hand zu Hand bzw.
on eine Kasse zu ande en, bei jedem Besi zwechsel eine Geldeinhei
kann diese Ansp uch on neuem „gel end" gemach ; we den.
Fü diese Eigenscha des Geldes, ein abs ak e We ansp uch zu
sein, gib es e schiedene Vo ausse zungen echnische und ökonomi-
sche Na u . Eine echnische Vo ausse zung is seine Un e zeh ba kei ,
weil du ch den physischen Ve b auch die Geldeinhei als solche und
mi ih auch de We ansp uch un e ginge. Diese Un e zeh ba kei be-
si zen un e allen i dischen Dingen in ela i g öß e Vollkommenhei
wohl die Edelme alle, o allem das Gold. Da diese S o e auch in Jah -
hunde en du ch den Zahn de Zei nich angenag we den, sind sie
auch als We au bewah ungsmi el bes ens geeigne .
ökonomische Vo ausse zung ü die Geld unk ion is die allge-
meine Annahme des Geldes als Tausch- und Zahlungsmi el.
Du chaus unnö ig is de s aa liche Annahmezwang. Obwohl die Mög-
lichkei bes eh , daß de S aa in einem mili ä isch e obe en und be-
se z en Gebie du ch Zwangsmaßnahmen die Ve wendung eine neuen
Gelda ü bes imm e Zahlungen (abe nu ü diese!) du chse z , so
kann doch o z s aa lichen Annahmezwanges das Geld seine Tausch-
mi el unk ion e lie en, wenn niemand dieses Geld haben will.
E zwungen we den kann lediglich die Annahme eine bes imm en
Gelda zu Bezahlung eine Schuld. Dagegen kann de S aa niemanden
zum Ve kau e on wi scha lichen Gü e n zwingen, so lange die F ei-
hei des Ve ages bes eh . Die Ausübung on s aa lichem Zwang zum
Ve kau e on Wa en gegen eine om Ve keh une wünsch e Gelda
se z also die Au hebung de F eihei beim Abschluß on Kau e ägen
o aus. Abe auch im Falle des Übe ganges on de libe alen Demo-
k a ie zu o ali ä en Dik a u müß e de S aa übe O gane e ügen,
welche die Wege de E zeugung und Ve eilung lückenlos übe wachen,
wenn e einen o lau enden Ve kau des p oduzie en Wa ens ome3
gegen ein nich als Geld ane kann es Zahlungsmi el du chse zen will.
Es e gib sich, daß die eale Kau k a des Geldes eine un-
mi elba e Vo ausse zung da ü is , ob und wie das Geld seine Funk-
ionen im Wi scha sleben e üll . Was die Theo e ike als Kau k a
bezeichnen, is ja nich s ande es als ein Maß ü die Kau -
mi el unk ion de Geldeinhei , O enba bes eh hie
eine Wechselbeziehung massenpsychologische Na u . Ein allgemeines
Kau mi el kann das Geld nu dann we den, wenn es allgemein begeh
und on den Wa en e käu e n zu Zahlung angenommen wi d. Dieses
allgemeine Begeh en nach Geld be uh jedoch im Ve auen au
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563] Geldumlau und K edi poli ik 51
seinen We , genaue au die Bes ändigkei dieses We es.
Umgekeh is de Geldwe ja nich s ande es als die Kau k a de
Geldeinhei .
Die Ve auensg undlage de Geld unk ion zeig sich besonde s
deu lich bei de En s ehung eine neuen A des Geldes. Die En wick-
lung de Bankno e aus einem bloßen Depo schein zum selbs ändigen
Zahlungsmi el und noch meh die En s ehung des Deposi engeldes
(Gi algeldes) se z das Ve auen au die Einlösungs ähigkei (= Liqui-
di ä ) de Banken in eine ande e Gelda o aus: de Bankno e in Wäh-
ungsme allgeld und de Deposi en in Zen albankgeld. Wenn dieses
Ve auen schwinde , wie es bei de deu schen Bankenk ise im Juli
1931 de Fall wa , so b ich das seine Ve aueng undlage be aub e
Geldsys em zusammen. Diese Zusammenb uch zeig sich beim Gi al-
geldsys em in einem Run de Deposi engläubige au die Geschä s-
banken, bei de Bankno e in einem Run de No enbesi ze au die Zen-
albank, solange die Goldeinlösungsp lich bes eh . Wenn die Möglich-
kei de Einlösung in ein ollwe iges Geld ehl , so i die Repudia-
ion des we losen Geldes ein.
Das Geld is kein Geschöp des S aa es, sonde n des Wi scha s-
lebens. Alle seine Funk ionen, un e denen die wich igs e die des all-
gemeinen Tauschmi els is , be uhen au seine We bes ändigkei .
Jede , welche gegen Bezahlung in Geld ein wi scha liches Gu hin-
gib , u das in de E wa ung und im Ve auen da au , daß e ü die
e hal ene Geldsumme einen gleichg oßen Gü e we kau weise e we -
ben kann. Das Geld is also aus einem Bedü nis des Wi scha s-
lebens, insbesonde e des Handels nach einem Zwischen auschmi el
en s anden, welches olgende Vo eile in sich e einig :
1. Es e möglich dem Ve käu e eines Gu es den egelmäßigen Absa z
an Käu e , welche nich übe ein om Ve käu e in de selben Menge
benö ig es konk e es Wi scha sgu e ügen. Das is ein© no -
wendige Vo ausse zung de P oduk ion ü einen unbekann en
Käu e k eis.
2. Es e möglich den Ve kau gegen einen abs ak en We ansp uch,
also ohne so o ige Inansp uchnahme de Gegenleis ung am Ma k e.
Die We au bewah ungs unk ion des Geldes is Vo ausse zung ü
das sog. Geldspa en, welches die Finanzie ung on Neuin es i ionen
du ch sog. kompensa o ischen K edi möglich mach .
Schon diese beiden Vo eile, welche die Ve wendung des Geldes im
Wi scha sleben mi sich b ing , sind no wendige Vo ausse zungen ü
das En s ehen des Kapi alismus und de mode nen Indus iegesellscha .
Ohne das Geld hä e sich die A bei s eilung bes en alls bis zu üh-
mi elal e lichen F onho wi scha , niemals bis zu Manu ak u in de
4*
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Zei on Adam Smi h en wickeln können. Die Funk ionen des Gel-
des sind also G undlagen unse e wi scha lichen und gesellscha lichen
O dnung, welche ohne das Geld und seine egulä e Funk ionse üllung
zusammenb echen wü de.
3. Das gesam e Geld olumen
De We ansp uch, den das Geld da s ell , kann en wede gel end
gemach ode zu ückgehal en we den. Du ch die Gel endmachung des
We ansp uches wechsel das Geld seinen Besi ze (die „Kasse44), es
komm in Umlau . Bei jedem Umsa z eine Geldeinhei wi d de du ch
sie ausged ück e nominale We ansp uch on neuem e hoben, und die
Summe de du ch eine Geldeinhei in einem bes imm en Zei aum am
Ma k e e hobenen We ansp üche (A) is ein P oduk aus dem Nomi-
nalwe e de Geldeinhei (W) mal de Zahl seine Umsä ze (U) in diesem
Zei aum:
A = W • U (1)
Aus de G öße A e gib sich die gesam e Nach age, welche in dem be-
e enden Zei aum an den Mä k en gel end gemach wi d. Um diese
Nach age (N) zu be echnen, muß lediglich die G öße A mi de Anzahl
de umgese z en Geldeinhei en mul iplizie we den, also
N = G*A = G#W*U (2)
Will man dagegen die Wi ksamkei de einzelnen Geldeinhei im
Du chschni e mi eln, so muß man den Umsa zwe (G • W • U) du ch
die gesam e Zahlungsmi elmenge (das „Geld olumen") Z de Volks-
wi scha di idie en, also
i G • W • U (3)
Gelde ek = 7
Dabei is G die wi ksame (ak i e) Geldmenge, wäh end Z das gesam e
Geld olumenen de Volkswi scha da s ell . Was abe is das Geld-
olumen? Un e diese Bezeichnung kann man e s ehen
1. die gesam e Geldmenge im Besi z on Nich banken. Diese Geld-
menge is e ügba
ai) ü Wi scha und P i a e;
b) ü die Kasse de ö en lichen Hand (Bund, Lände , Gemeinden).
2. In einem wei e en Sinn können auch die sog. „Übe schuß ese en"
de Geschä sbanken zum Geld olumen ge echne we den: Ba geld
in de Kasse und Gu haben bei de No enbank, sowie Nos ogu -
haben bei ande en Banken — insowei sie nich als Mindes ese e
zu Deckung des Deposi enbes andes benö ig we den. Es emp iehl
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sich jedoch, diese bei den Banken e ügba en Zahlungsmi el als
Geld ese e zu bezeichnen.
Wi be ach en im olgenden nu das Geld olumen im
enge en Sinne, also die im Besi ze on Nich banken be indliche
Geldmenge. Hie e gib sich nun die F age de Abg enzung hinsich lich
de e schiedenen A en des Geldes. Wäh end das aus Münzen und
Bankno en bes ehende Ba geld keine lei P obleme au wi , is die
Geld unk ion de Bankdeposi en ums i en. De In e na ionale Wäh-
ungs onds echne nu die p i a en Sich gu haben zu „Geld e so -
gung" de Volkswi scha , wäh end die Bank deu sche Lände alle
Deposi en mi Ausnahme de Spa einlagen in die S a is ik des Geld-
olumens einbezieh . Diese Ausgliede ung de Spa einlagen e schein
inso e n willkü lich, als sie lediglich du ch die Bes immung des Reichs-
gese zes übe das K edi wesen on 1934 beg ünde is , welche Gi o-
übe weisungen on Spa kon en e bie e . Aus diesem G unde kann man
den Spa gu haben zwa die Gi ogeld unk ion absp echen; bes ehen
bleib jedoch die Ta sache, daß sie sich jede zei (bis zum Höchs be-
age on 1000,— DM im Mona au dem einzelnen Kon o) in Ba geld
umwandeln lassen und dahe ü ih en Besi ze eine so o g ei ba e
Geld e ügungs ese e bilden1.
Die e schiedena ige Zusammense zung des Geld olumens s ell
jedoch ein inanzpoli isches P oblem da , welches besonde s die Banken
anbe i : die Liquidi ä . Diese Liquidi ä is die Fähigkei de Banken,
eine bes imm e Gelda (die sie selbs scha en können) in eine ande e
Gelda umzuwechseln, die sie nich selbs he o zub ingen e mögen:
nämlich in Zen albankgeld. Von diese Fähigkei häng die Be iedi-
gung eines s eigenden Ba geldbeda es de Volkswi scha bei zu-
nehmende Beschä igung, in de Reisezei und Weihnach s e kau s-
saison ab.
Von en scheidende Bedeu ung is jedoch das Ve auen de Bank-
kundscha , daß die Banken jede zei in de Lage sind, jeden gewünsch-
en Be ag eines Gu habens in Zen albankgeld auszuzahlen. Um diese
jede zei ige Zahlbe ei scha zu e möglichen, beda es bekann lich
nich eine 100°/oigen Ba deckung de Deposi en. Es beda sie deshalb
nich , weil die E ah ung gezeig ha , daß die Deposi engläubige in
ih e Gesam hei jeweils nu einen ge ingen B uch eil des Deposi en-
bes andes in Zen albankgeld abzuheben wünschen.
1 De selben Meinung is Leonha d G
1
e s k e , Die Liquidi ä in de K edi wi -
scha , F ank u a. M. (1954), S. 18/19: „Die in de Geldli e a u häu ig e e ene
Ansich , daß de Geldcha ak e de Bankdeposi en# du ch ih e Übe weisungs ähigkei
beg ünde we de, is deshalb nich s ichhal ig." Vgl. auch O o K aus, K eis-
lau und En wicklung de Volkswi scha , Be lin 1953, S. 52.
2 J. M. Keynes, Vom Gelde (deu sche Ube se zung München 1932 s. 20).
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54 O o K aus [566
Diese E ah ungs egel ha indessen einige seh wich ige Einsch än-
kungen, de en Nich beach ung ka as ophale Folgen nach sich ziehen
kann. E s ens gil sie nu ü die sog. „u sp ünglichen Depo-
si en", die du ch Einzahlungen und Einlagen de Bankenkundscha
en s ehen. Diesen on P o . C. A. Phillips („Bank C edi ", New
Yo k 1921, p. 40) als „p imä e" Deposi en bezeichne en Bankeinlagen
s ehen jedoch die „abgelei e en" Deposi en gegenübe , welche
du ch die Ein äumung on Bankgu haben en s ehen, denen keine Ein-
zahlung des Deposi engläubige s an die Bank o ausgeh . Diese Depo-
si en we den on den Banken ak i gescha en ü „K edi nehme , die
im allgemeinen bo gen mi de Absich , die so gescha enen Gu haben
alsbald wiede abzuheben."
Zwei ellos bedeu e jede En s ehung on neuen Deposi en eine Ve -
meh ung des gesam en Geld olumens de Volkswi scha . Wenn
jemand 1000,— DM bei eine Bank ba einzahl , so ha das Geld olu-
men um diese 1000,— DM zugenommen; denn zu den 1000,— DM Ba -
geld, die aus de B ie asche des Einzahle s in den Kassensch ank de
Bank gewande sind, i das neue Bankgu haben, welches im Ve -
mögen des Einzahle s den bishe igen Ba geldbes and e se z .
Das du ch den Ba geldeinzahle e wo bene Bankgu haben bleib in
seine ollen Ve ügungsmach und wächs demzu olge zu Gänze dem
gesam en Geld olumen de Volkswi scha zu. Eine ande e F age is
jedoch die, ob es den ak i en ode den inak i en Kassenbes änden zu-
wächs .
Eine egelmäßige Ba abhebung in kü zes e Zei e olg bei den
sog. Einkommensdeposi en, welche du ch Übe weisung on
den Zahls ellen au die Bank- (und Pos scheck-) Kon en de Einkom-
mensbeziehe en s ehen. Diese S om on Lohn- und Gehal szahlungen
wi d abe auch du ch Ba abhebungen on Geschä sdeposi en
gespeis , d. h. de Übe gang des Gelds omes aus dem Geschä sk eis-
lau in den Einkommensk eislau is meis ens auch mi einem Ges al -
wandel des Geldes (aus de Deposi en- in die Ba geld o m) e bunden.
Dieses Ba geld ließ nun als S om de Ve b auche ausgaben in die
Kassen des Einzelhandels, des Handwe ks und Ve keh s, um on do
aus als egelmäßige Ba einzahlungen bei den Banken die Geschä s-
deposi en wiede au zu üllen. Diese G unds om des olks-
wi scha lichen Geldk eislau es ließ zwa daue nd,
abe nu eine ela i ku ze S ecke du ch das Banksys em — da jeweils
nu die Zahlungen on eine Geschä s i ma an eine ande e du ch
Gi oübe weisung on Kon o zu Kon o e ledig we den.
Aus diesem Sach e hal e gib sich ein doppel e Beda nach eine
Gelda , welche die Geschä sbanken nich selbs scha en können:
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573] Geldumlau und K edi poli ik 61
schä sbanken keine „Übe schuß ese en" besi zen und zu unmi el-
ba en Re inanzie ung beim Zen albanksys em gezwungen sind. Is
die Liquidi ä de Geschä sbanken g oß, so können sie aus eigene
Mach eine kon ak i e K edi poli ik de Zen albank du chk euzen.
In einem solchen Falle kann die Zen albank ih e Absich e zwingen,
wenn sie die Mindes ese esä ze e höh .
Als Konjunk u an egungsmi el hingegen is zwei ellos die O en-
ma k poli ik am bes en geeigne . Dies o allem aus dem G unde,
weil sie zugleich als Ins umen de In es i ionslenkung ge-
handhab we den kann. Denn die Auswahl de jenigen P oduk ions-
gebie e und Indus iezweige, ja soga de jenigen Un e nehmungen, in
welchen die Zen albank du ch den Ankau on Ak ien und Obliga io-
nen in es i ions ö de nd wi ken will, lieg o enba ganz und ga im
E messen de Zen albank.
Diese Möglichkei de indi ek en In es i ionslenkung du ch O en-
ma k poli ik is on en scheidende Bedeu ung ü die ak i e Kon-
junk u poli ik. Denn nu au diesem Wege lassen sich Fehlin es i io-
nen e meiden, welche du ch die Einsei igkei und Übe s eige ung des
echnischen Fo sch i es ange eg we den. Es kann keinem Zwei el
un e liegen, daß es ü die Zen albankpoli ik einen ande en Weg de
quali a i en In es i ionslenkung ein ach nich gib . Die Diskon -
poli ik wi k nu au die Re inanzie ung de Geschä sbanken beim
Zen albanksys em, und auch hie nu mi den be ei s e wähn en Ein-
sch änkungen. Sie is also ein nu beding wi ksames Ins umen de
qan i a i en K edi kon olle.
Mi Rech be on Alb ech Fo s mann, „daß die Zen albank
da au besch änk is , die ih zum Diskon angebo enen Wechsel en -
wede zu diskon ie en ode abe die Diskon ie ung abzulehnen, daß sie
abe au die geschä lichen T ansak ionen, die in solchen Wechseln
ih en mone ä en Niede schlag inden, d. h. also au die gü e wi scha -
lichen Vo gänge ohne Ein luß is "12. Wilhelm And eae dagegen.is
de Meinung: „Die O enma k poli ik kann sich dem E zeugungs o -
gang nich anschmiegen, wie es die Diskon ie ung des Wa enwechsels
— wenn auch nich ollkommen — u "13.
Demgegenübe is au die Ta sache hinzuweisen, daß sich beim Dis-
kon k edi nu das gesam e Geld olumen (also eine Be-
s andsg öße!) um einen Be ag e meh , welche dem We e des ein-
maligen Umsa zes de diskon ie en Wa enmenge
gleich is . (Und selbs diese Sach e hal is nu bei dem du ch den
ollen Wa enwe gedeck en Handelswechsel gegeben.) Die Vo s el-
12 Alb ech Fo s mann, a.a.O. S. 239.
18 Wilhelm And eae, Geld und Geldschöp ung, S u ga -Wien 1953, S. 223.
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62 O o K aus [574
hing, das zu Diskon ie ung angebo ene Wechselma e ial wü de den
„legi imen Geldbeda " de Volkswi scha zum Ausd uck
b ingen, is ungeach e ih es eh wü digen Al e s nich ich ig. Sie
s ü z sich au das sogenann e „R ücks omp inzi p", d. h. also
au die Ta sache, daß die du ch den Diskon k edi in Umlau gese z e
Geldmenge bei Einlösung des Wechsels „au oma isch" zu den Ausgabe-
s ellen zu ückkeh . Das du ch die Wa enbeleihung ausgegebene Geld
bleib also genau so lange „im Umlau ", bis de Ve kau de Wa en
e olg is .
Obwohl diese Sach e hal beim ech en Handelswechsel zu i ,
geh da aus noch lange nich he o , daß sich de Umlau de bei
de Wechseldiskon ie ung ausgegebenen Geldmenge dem Volumen des
Wa enumsa zes (und noch wenige de „E zeugung") „anschmieg ".
Die e s e Täuschung lieg in de Annahme, daß jene Geldmenge, welche
de Wa en e käu e bei de Diskon ie ung des om Käu e einzu-
lösenden Wechsels e häl , auch den wei e en Umsa z diese Wa en
inanzie en wü de. Diese Annahme is i ig, denn de Ve käu e ha
mi dem wei e en Schicksal de on ihm e kau en Wa en ga nich s
meh zu un. E gib das on de Bank e hal ene Geld ü den Ankau
ode ü die E zeugung on neuen Wa en aus, so daß es sich also doch
im G unde um die Finanzie u ng eine zusä zlichen
Nach age nach Wa en und Leis ungen handel .
De Meinung, daß die im Po e euille de Banken be indlichen Han-
delswechsel du ch „umlau ende Gü e we e" au oma isch „gedeck "
seien, kann dahe nich zuges imm we den. Die einzelne Bank ha
zwa eine ju is ische Deckung du ch die Ansp üche, die ih nach dem
Wechsel ech au das gesam e Ve mögen de Wechselschuldne (Be-
zogene bzw. Akzep an und Indossa a e) zus ehen. Das Umsa z-
olumen de jenigen Wa enmenge hingegen, du ch welche de diskon-
ie e Handelswechsel angeblich „gedeck " sein soll, is ganz und ga
unabhängig om Zahlungsleis ungs olumen (de „E izienz") de jeni-
gen Geldmenge, welche bei de Diskon ie ung dieses Wechsels ausge-
geben wu de.
Es e gib sich, daß nu bei de du ch den Diskon k edi unmi elba
inanzie en Wa en ansak ion (Kau de Wa e du ch den e s en
Wechselschuldne ) eine We gleichhei on Wa enumsa z olumen und
Zahlungsleis ungs olumen de ausgegebenen Geldmenge bes eh . Die
wei e e Wi ksamkei diese Geldmenge bis zum Zei punk e ih e Rück-
zahlung (d. i. die Einlösung des Wechsels du ch den Bezogenen) is öl-
lig unbes imm und du ch die Banken in keine Weise kon ollie ba 14.
14 Vgl. auch O o K aus, De Kapi alzins im K euz eue , München 1951,
§ 4, S. 61/62.
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575] Geldumlau und K edi poli ik 63
Zu e end is lediglich, daß sich das Volumen de zu Diskon ie-
ung angebo enen Wechsel — also de K edi inansp uchnahme — nach
de Höhe des Diskon sa zes ich e und dahe du ch Ve ände ungen
dieses Sa zes beein luß we den kann. Die Wi kung eine solche a
induzie en Zunahme des Geldes- und K edi olumens au P eise und
P oduk ion hingegen en zieh sich jede bankpoli ischen Lenkung. Die
F age nach dem Wi kungsg ad on Zins ußände ungen au das Volu-
men de lau enden P oduk ion is heu e noch ums i en. Nachdem
Felix S o m a y schon im Jah e 1915 die Wi ksamkei mäßige Dis-
kon un e schiede au die un e nehmungswi scha liche Kalkula ion
und Disposi ion in Zwei el ges ell ha e15, b ach e die Bankenque e
de Ox o de Schule16 (1938), welche 1949 du ch den dänischen P o-
esso Jö gen Pede sen e gänz wu de17, eine Deba e in Fluß, die noch
zu keinem abschließenden E gebnis ge üh ha . Ums i en is heu e
noch die These on R. G. Haw ey übe den Ein luß des Geldzinses
au die In es ie ung und Desin es ie ung on Lage bes änden18.
De Ein lußbe eich de Diskon poli ik wi d na ü lich ges ä k ,
wenn die „Zinskondi ionen" des ganzen Banksys ems (also auch ü
den Ve keh de Geschä sbanken mi ih e Kundscha ) mi dem Zen-
albankdiskon e koppel we den, wie das zu Zei noch in Wes -
deu schland de Fall is 19. Nach de heu e o he schenden Ansich
dü e jedoch die meh ode wenige s enge Handhabung de allge-
meinen K edi kondi ionen, insbesonde e de Auswahlp inzipien bei
de K edi e eilung, on g öße em Ein luß sein als die Ve ände ung
des Diskon sa zes inne halb de üblichen G enzen20. Die Au me ksam-
kei und das In e esse on Theo ie und P axis is im Beg i , on den
Me hoden de ein quan i a i en zu solchen de quali a i en K edi -
poli ik übe zugehen.
Abgeschlossen im Mä z 1954.
15 Wie F. Soma y (Bankpoli ik, Tübingen 1915, S. 72) aus üh , muß man
„bedenken, daß 1
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Diskon un e schied nu V4 n/o p o Vie eljah , bei einem
K edi on 1 Million somi nu 2500 Mk. im Jah be äg . De Fab ikan und de
Kau mann a bei en nich du chweg, auch nich zum g öß en Teil mi so ge ingen
Ma gen".
16 H. D. Hende son, „The Signi icance o he Ra e o In e es ", Ox o d
Econ. Pape s, No. I, Oc obe , 1938.
17 Jo gen Pede sen, C edi Policy Re iewed, Wel wi scha liches A chi
Band 67, 1951 He 2, S. 1 .
18 R. G. Haw ey, Good and Bad T ade, London 1913, p. 61 .
19 Au G und de Bekann machungen de Bankau sich sbehö dcn.
20 Vgl. Howa d S. E11 i s, Die Wiede en deckung des Geldes, in: „Voll-
beschä igung, In la ion und Planwi scha "; E lenbach-Zü ich 1951, insbes. S. 111.
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