scieee Science in your language
[ge] (orig)

Industriegesellschaft und Mutterschaft

Abstract

EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.

Read accessible full text

Industriegesellschaft und Mutterschaft

Author: Görner-Schönbauer, Gina
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1958
DOI: 10.3790/schm.78.6.85
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/290914/1/schm.078.6.085.pdf
Gö ne -Schönbaue , Gina
A icle
Indus iegesellscha und Mu e scha
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Gö ne -Schönbaue , Gina (1958) : Indus iegesellscha und Mu e scha ,
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke
& Humblo , Be lin, Vol. 78, Iss. 6, pp. 85-92,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/290914
S anda d-Nu zungsbedingungen:
Die Dokumen e au EconS o dü en zu eigenen wissenscha lichen
Zwecken und zum P i a geb auch gespeiche und kopie we den.
Sie dü en die Dokumen e nich ü ö en liche ode komme zielle
Zwecke e iel äl igen, ö en lich auss ellen, ö en lich zugänglich
machen, e eiben ode ande wei ig nu zen.
So e n die Ve asse die Dokumen e un e Open-Con en -Lizenzen
(insbesonde e CC-Lizenzen) zu Ve ügung ges ell haben soll en,
gel en abweichend on diesen Nu zungsbedingungen die in de do
genann en Lizenz gewäh en Nu zungs ech e.
Te ms o use:
Documen s in EconS o may be sa ed and copied o you pe sonal
and schola ly pu poses.
You a e no o copy documen s o public o comme cial pu poses, o
exhibi he documen s publicly, o make hem publicly a ailable on he
in e ne , o o dis ibu e o o he wise use he documen s in public.
I he documen s ha e been made a ailable unde an Open Con en
Licence (especially C ea i e Commons Licences), you may exe cise
u he usage igh s as speci ied in he indica ed licence.
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/
725] 85
Indus iegesellscha und Mu e scha
Von
Gina Gö ne -Schönbaue - Kehl a. Rh.
Kü zlich ha an diese S elle Fe dinand Oe e mi de Ve ö en -
lichung seine Un e suchungen zum Thema „Familie und Indus ie-
gesellscha " begonnen1. In seinen einweisenden Be ach ungen mein e
e mi Rech , daß in Anbe ach de gegebenen Ums ände die (deu -
sche) Familienpoli ik eine ziels ebige Konzen a ion nö ig ha .
Ande s ausged ück : wi müssen aus den objek i en Ta bes änden
de Indus iegesellscha die Konsequenz ziehen und e kennen, daß
die Familie al en S ils nich meh e leb wi d2.
In de Indus iegesellscha spi z sich das Gegensei igkei s e -
häl nis zwischen Familie und Gesellscha imme eindeu ige au öko-
nomische Ta bes ände zu. „Die Wi scha als Teil de sozialen O d-
nung e zeug Konsumgü e und benö ig A bei sk a . Die Familie
e zeug menschliche A bei sk a und benö ig Konsumgü e 3."
Kinde segen wa ü unse e Vo ah en die selbs e s ändliche
Sinne üllung ih es Daseins und des Lebens de Familie. Das gal ü
unse Volk noch bis zu Jah hunde wende. Es gal damals abe schon
nich meh ü die F anzosen, die bald nach 1830 zum Ein- ode
Zwei-Kinde sys em übe gegangen wa en.
Mi den Fo sch i en de Maschinen echnik ände e sich synch on
die Wi scha s e assung ebenso wie die Be iebso ganisa ion. Viele
A bei sgänge (Spinnen, Weben usw.) wa en aus Familienwe ks ä en
in Fab iken e leg wo den. Diese T end zu echnischen Konzen-
a ion wa beglei e on eine wi scha lichen und gab Anlaß zu
o sch ei ende A bei sze legung und Spezialisie ung. Ein wachsende
Teil de Ve b auchsgü e wi d nich meh im Familienhaushal , son-
de n in „P oduk ionsbe ieben" konsum ei gemach . Dami ha die
allgemeine En wicklung o sch ei end den Familienhaushal und die
häuslichen A bei en au wenige und wenige Ve ich ungen einge-
sch änk .
1 Vgl. Schmolle s Jah budi, He 5/Jg. 1957.
2 Ebenda, Sei e 32.
3 Vgl. Ma in Dona h, Familie und Sozial e o m — Sch i en ü sozialen
Fo sch i Band 4, Be lin 1955, Sei e 20.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35
86 Gina Gö ne -Schönbaue [726
Im Zug de Maschinisie ung wu de und wi d dahe nich nu die
Landa bei e scha , sonde n auch die „Hausa bei e scha " du ch
a ionalisie e Fab ika bei e se z . Dami i abe beg ei liche -
weise nich nu eine Ände ung des sozialen Ge üges, sonde n auch des
sozialen Lebensge ühls ein. Die Kinde sind dann nich meh Lebens-
inhal , sonde n Beiwe k ode soga „Luxus"4. Nu in de Landwi -
scha — und auch do nu eilweise — sind sie noch als p oduk i es
Elemen des Familienbe iebes wi ksam und e wünsch .
P o esso F eudenbe g (F eie Uni e si ä Be lin) s ell e ü die
e wa 1900 gebo enen F auen es , daß on ihnen 28 H kinde los
wa en, daß 20 H ein Kind, 21 H zwei Kinde , 13 H d ei Kinde
und 18 H ie und meh Kinde lebend gebo en ha en. Au die
beiden le z en G uppen (zusammen 31 H) en ielen nach einem Be-
ich 68 H alle lebend gebo enen Kinde 5.
Un oman isch be ach e e gib sich da aus, daß demen sp echend
und ein D i el de nachwachsenden Gene a ion de (s a k egozen-
isch o ien ie en) Klein amilie en s amm e. Das gal ü die heu e
20- ode 30-jäh igen. In de je z nachwachsenden Gene a ion wi d
mögliche weise ein noch g öße e Teil de Kinde in de A mosphä e
de Klein amilie au wachsen. Die Volksmassenseele bleib da on ge-
wiß nich unbeein luß , wenn ein egozen isch gewachsene Menschen-
ypus in so g oße Zahl im Gemeinscha sleben au auch .
Und so sinken die Gebu enzi e n aus ökonomischen, sozial-
hygienischen und massenpsychischen G ünden! Das is eine Ta sache,
die den Sozialhygienike ebenso wie den S aa smann mi Beso gnis
e üllen muß. Die Familie (al en S ils) is ü jeden sich ba in eine
Sys emk ise ode , besse gesag , in einem Um o mungsp ozeß be-
g i en. Ein e sch eckendes Indizienma e ial lie e dazu o allem
auch die Ge ich ssaalecke de Tageszei ungen. Da lies man on Vä e n,
die ih e Kinde zu Tode quälen; on Mü e n, die bedenkenlos eigenes
Fleisch ö en, und on El e n, die sich gemeinsam ih e Kinde en -
ledigen.
Ande sei s be ich e die Jugendp lege on de wachsenden Kinde -
masse, die ohne El e nhaus au wächs , weil die Vä e ge allen sind
ode die E zeuge auseinande lie en ode weil Mann und F au liebe
ans Ve dienen als an das „Nes " denken. Imme sel ene we den auch
die (selbs noch jungen) G oßel e n, die Lus und F eude haben, das
Haus zu hü en und die Enkel g oß zu ziehen.
Das sind Ta sachen, ü die sich jede on uns das Beweisma e ial
im All ag beso gen kann. Wie iel Kinde elend, wie iel Halbs a ke,
4 Seh ins uk i is dazu das Hö spiel „Wo on wi leben und wo an wi s e -
ben" (Sende S u ga , 10. No embe 1957).
5 Vgl. Oe e , Sdimolle s Jah buch, He 5/1957, Sei e 19.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35
727] Indus iegesellsclia und Mu e scha 87
wie iele Un älle und wie iele Ab eibungen gehen au diese Kon en
im g oßen Buch des Lebens unse e Zei ?
Daneben gib es abe noch imme eine ga nich so schmale Schich
on Zeugungs eudigen. Auch in Mi eleu opa! Es sind Menschen, die
noch ech e F eude am Familienbe ieb haben; es sind die Kinde -
eichen, die ih e U eude am Nes e hal en haben. Die Gesellscha
wü dig sie kaum, sie bewegen sich meis — in den Augen ih e Um-
gebung — am Rand de Asoziali ä , denn sie haben sel en den Eh -
geiz des Indus iemenschen und „zeugen meh Kinde , als sie sich
eigen lich leis en dü en". Die Indus iegesellscha ha noch nich
beg i en, daß es sich hie um eine soziale Funk ion, d. h. einen Be u
handel , de sich (unbewuß ) anmelde .
De All ag und auch wiede o allem de Ge ich ssaal b ing im-
me wiede neues Anschauungsma e ial ans Lich , welches zeig , wie
seh das Milieu de Klein amilie (mi und ohne geo dne e Kinde -
s ube) als T eibhaus de Halbs a ken und de Jugendk iminali ä in
E scheinung i . Das gil ü das „gehobene Milieu" genau so wie
ü „gu es E bgu ". Das sind E ah ungen, die sich on Moskau bis
London und on Hambu g bis Los Angeles belegen lassen. Von hie
aus muß man das P oblem zu du chdenken beginnen!
Die Rohs o e a bei ung und die Gü e he s ellung ü den äg-
lichen Konsum lös en sich schon zu G oßmü e chens Zei en imme
meh on de Hauswi scha ab. De echnische Fo sch i üh e
zunächs den Mann aus de Familie he aus. Mi den neuen Maschinen
en s anden unzählige neue Be u e, das auße amiliä e Leben bekam
zunächs ü den Mann die ausschlaggebende Bedeu ung. Mi Nach-
eilung wi k e sich abe de Sog des echnischen Fo sch i s auch au
die (we k ä ige) F au aus. De Kapi alismus ha e die Tü zum G oß-
be ieb au ge issen; neue Gewe be en s anden, neue und al e Gewe be
lock en die F au als „Hil sa bei e in" in die Tex il ab iken, au den
Bau und in die Bü os. Gleichzei ig e lo en ande sei s die F auen
sch i weise ih e inne amiliä en A bei sau gaben. Das A bei s eld
de „mi hel enden Familienangehö igen" wu de kleine und kleine .
Nu in de Landwi scha wa die Haus au als „Mi a bei e in" im
Be ieb noch nich übe lüssig gewo den. Im Gegen eil, hie wu de,
spä es ens sei 1917, die F au (in olge de Männe e lus e du ch
K ieg und Indus iesog) iel ach zum T äge de P oduk ion. Nich
nu im Os en, auch in Mi eleu opa!
Die Gü e e zeugung de mode nen Volkswi scha en wu de —
auch als Folge des eno men K iegsbeda s — gewal ig ges eige , und
es en s and bald eine „neue" Si ua ion. Es zeig e sich nämlich, daß
die F au im mode nen P oduk ionsp ozeß als „Mi a bei e in" unen -
beh lich is , so unen beh lich wie sie es als A bei sk a in de ami-
liä en Hauswi scha unse e U g oß ä e wa . Dami wa nun auch
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35
88 Gina Gö ne -Schönbaue [728
de F au de gleiche Weg gewiesen, den de Mann im 19. Jah hunde
be ei s gegangen wa .
Die F au wu de geb auch als Muni ionsa bei e in, als S aßen-
bahnscha ne in und als Bü ok a im e s en Wel k ieg. Sie wu de
im zwei en Wel k ieg in allen Lände n unen beh lich in Indus ie und
A mee, bei Bahn und Pos , in Fo schungslabo a o ien und Behö den.
In de Landwi scha und im Nah ungsmi elgewe be, im Gesund-
hei sdiens und in de Jugende ziehung ha e sich die F au als
T äge in de Be u sa bei ja schon ühe bewäh . Heu e nach zwei
Wel k iegen wissen wi : de Handwe ksbe ieb und de Baue nho
können zu No auch ohne Mann ge üh we den. Ohne die F au abe
kann kein Baue nho in O dnung gehal en we den und kein Hand-
we ke laden, kein Gas haus bes ehen!
Es soll nu niemand glauben, daß die Masse unse e F auen ge ne»
„in das Be u sleben" ein a . De Zwang de Lage, de ehlende
„Familiene hal e " und na ü lich auch die lockende Aussich au
besse es Lebensni eau hol en die F au in die auße amiliä e Be u s-
a bei .
Es soll auch niemand behaup en, daß die Männe ge ne F auen
als Be u skame aden in ih en K eis au nahmen. Selbs heu e noch
bilde sich ein g oße Teil de „He en de Schöp ung" ein, daß sie
„na ü lich" iel g öße e Fähigkei en haben. T o zdem: die F au als
A bei e in is eine Ta sache und eine No wendigkei . Die F au
als P oduzen in e iel ach , du ch ih e Zahl und ih en Schwung, die
P oduk i i ä und die Schwungk a eines Volkes.
Kein Wi scha s üh e und kein S aa smann, kein Gene al und
kein P o esso kann au diese „A bei e in" in Zukun ohne Schaden
ü das Ganze e zich en. Un e 100 sozial e siche ungsp lich igen
A bei sk ä en (ohne Landwi scha !) sind 45 F auen in de UdSSR
39 F auen in Ös e eich, 36 F auen in USA und 34 F auen in Wes -
deu schland! Die sowje ischen Zahlen sind demnach nu unwesen lich
höhe als die au ge üh en Zi e n des Wes ens; und das nu , weil
diese die „mi hel enden Familienangehö igen" (in Handel, Ve keh
und Gewe be) s a is isch nich be ücksich ig . Diese sind abe in
Ös e eich, Wes deu schland usw. doch ech zahl eich, wäh end es
diese A bei e ka ego ie in de SSSR in olge Ve s aa lichung (und
Ve genossenscha ung) de Handels- und Gewe bebe iebe nich gib !
Hie sehen wi also eine En wicklung o uns, die sich ohne
Rücksich au ideologische A appen ollzog.
Das E gebnis: de g öß e Teil de F auen ha In e essen, die
auße halb de Familie liegen. Man kann dies beklagen, abe man
kann die En wicklung nich zu ückd ehen. Mi Ta sachen muß man
echnen! Dami en s eh die F age nach de biologischen Rep oduk-
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35

729] Indus iegesellscha und Mu e scha 89
ion. Es is dies eine F age, die gelös we den muß, wenn sich das
Volk als Ganzes e hal en und e neue n soll. Die Masse de F auen
ha inzwischen längs F eude an de Ve an wo ung und F eude am
e dien en Lohn ge unden. Die Masse de F auen is be u s ä ig und
will we k ä ig sein — nich im Haushal !
„So bleib unse en nunmeh um ih e selbs willen und nich meh
nu zu Un e hal ung des Ga en gebilde en F auen nich s ande es
üb ig, als alle die A bei en selbs zu e ich en, die o 50 Jah en
ih e nich akademisch gebilde en Mü e zu e ich en en schieden
abgelehn hä en" — sch eib klagend ein „zei gemäße " Volkswi 6.
Und sie will ein eigenes Einkommen haben. Nu gelegen lich be-
gegnen wi hie häu ige , do sel ene dem Hang, mi dem Ehe-
ing ein bequemes Leben mi süßem Nich s un zu e we ben.
Abe au die Daue genüg dies doch nich , und die F au such dann
Abwechslung wie de Mann schließlich auch. Dann s öß sich die Wi k-
lichkei an de Scheinmo al, die noch on ges e n mi ge agen wi d.
Das E gebnis: die hoch und höhe liegende Ku e de Ehescheidungs-
S a is ik.
Komm also zum Schaden ü s Ganze gegenwä ig in de F au de
Be u de Mu e ode die Be u ung zu Mu e scha zu ku z? Diese
F age s ellen, heiß zu ih S ellung nehmen. Um die ich ige An wo
zu inden, dü en wi abe nich die A gumen e aus U -G oßmu e s
Mo enkis e he ausk amen. Selbs e s ändlich is die Mu e scha ein
Be u und eine Be u ung! Sie is soga ein Be u , de eine en -
sp echende Be u ung o ausse z und ü den noch lange nich jede
F au auglich is . Das wi d jede Hygienike bezeugen.
Was sag das Wo Mu e und was bedeu e es ü uns? Die
Mu e is die T äge in des neuen We dens! Ih e K a is die K a
des Volkes. Von ih e kö pe lichen K a häng zum gu en
Teil (di ek und indi ek ) die Gesundhei de nachgebo enen Gene-
a ion ab. Von ih e seelischen Bescha enhei häng das Ge-
meinscha swollen und de Gemeinscha ssinn des e neue en Volkes
ab. An den Kinde n kann man e kennen, was die Mu e ü die
Gemeinscha we wa und wie sie zu Gemeinscha s and. Von
ih e geis igen Ve assung häng de Bes and des Volkes und die
S agna ion ode die Fo en wicklung de Gemeinscha so dnung, de
Volks e assung ab!
Mu e sein is eigen lich de Be u des Weibes. Genau so wie
de u sp üngliche Be u des Mannes nu de is ode wa — Va e
zu sein. Abe Va e sein wi d schon längs nu meh als Neben-
e scheinung, als Nebenbeschä igung sozusagen, bewe e . Und mi
6 Vgl. Noll on de Nahme , Vom We den des neuen Zei al e s — Heidelbe g
1958; Kapi el: Die e ände e S ellung de F au in S aa , Wi scha und Familie.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35
90 Gina Gö ne -Schönbaue [730
dem Mu e sein is es inzwischen ähnlich gewo den. Als Be u un e
Be u en un e lieg die Mu e scha beg ei liche weise de Konku enz
ande e Be u e, die sich besse bezahl machen. Daß man leibliche
Lus auch ohne Gebä en gewinnen kann, ha sich inzwischen in alle
Winkel he umgesp ochen. Das muß man nüch e n sehen, da sind
Ph asen schlech am Pla z. Solang und sowei die Kinde ein unen -
beh liches P oduk ionsmi el des Familienbe iebs (in de Landwi -
scha ode im Handwe k) wa en, wu de eichliche Kinde segen als
selbs e s ändlich be ach e . Das is abe ökonomisch und seelisch
ande s gewo den.
Man muß den Mu haben und den Dingen in die Augen sehen.
Wa um lau en die Landmädel in die S ad und wa um haben die
S ad mädel keine Kinde ? In de S ad is das Leben leich e und
schöne , nich zule z weil man do unschwe die nö igen „Hil en"
inde , um de Mu e scha zu en gehen.
Und wa um die Ab eibungen in de S ad und sei 30 Jah en
mi unzulänglichen Mi eln, abe in wachsende Zahl auch au dem
lachen Land? Weil wi allesam noch imme glauben ode glauben
möch en, daß „Kinde haben" ein P i a e gnügen is , ü das wi
mi Müh und No in Ta i e ägen und Sozialgese zen „Kinde bei-
hil en" e kämp en müssen.
Le z en Endes muß abe jede A bei nach de Leis ung, nach de
P oduk i i ä im Be ieb en lohn we den. Nu so kann die Wi -
scha kalkulie en. Da um suchen Gewe kscha en, Be iebe und
Wissenscha nach de Bes ges al ung des A bei spla zes und de Lohn-
no men. Das is ich ig und en sp ich dem Zweck.
Die biologische Rep oduk ion de A bei sk a in e essie die
Gemeinscha ; nu seh beding auch den Be ieb. Also müssen da um
alle Tendenzen zum „Familienlohn" in Halbhei en s ecken bleiben.
Neben den Lohnzulagen de Be iebe gewäh de S aa doch nie
wi klich aus eichende Kinde zulagen und S eue abschläge und eine
Reihe ande e Ve güns igungen ü den „Familiene hal e ".
So als ob es p imä au diesen ankäme, um die „Familie" zu
siche n. De mi e dienenden Haus au und Mu e we den bishe nu
in wenigen Lände n S eue begüns igungen, Mu e p ämien und So-
zialein ich ungen (Gemeinscha sheime usw.) gewäh . Alle bishe igen
Maßnahmen en sp ingen noch imme eine Schau, die sich om Blick-
punk des „männlichen" Sozialbewuß seins e gib . Und dieses gil zum
gu en Teil auch in de UdSSR und in den Sa elli enlände n.
Das abe is ein S andpunk , de spä es ens im zwei en Wel k ieg
seinen Boden e lo en ha . An de ma e iellen Siche ung de Lebens-
gemeinscha is die F au wiede um so en scheidend be eilig , wie dies
o de Ablösung des Familienbe iebs du ch das Fab iksys em de
Fall wa .
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35
731] Indus iegesellscha und Mu e scha 91
Die Eins ellung de F auen ände sich, sie beweg sich om Nes
o . Die Tendenz is die gleiche wie beim Mann, dem man im g oßen
Du chschni schon sei zwei ode d ei Gene a ionen kaum meh Nes -
in e essen ab o de n da .
Dazu komm die be u liche Beansp uchung de weiblichen Jugend,
au welche die G oßwi scha nich e zich en kann. Sinnlos wä e
es, sich e wa einzubilden, man könn e die F au ins Haus e bannen.
Dann abe muß die Mu e scha als das ane kann we den, was sie
eigen lich imme wa — als Be u . Ein Be u un e Be u en abe muß
sich bezahl machen; das gil ganz besonde s in eine Zei , die das
ökonomische P inzip nich nu ins ink i , sonde n auch schon a ional
e aß .
Eine ich ige Mu e , die diesen u eigens en Be u des Weibes
ganz aus üll , muß und soll dahe auch au diesen ih en Be u eine
gesiche e Exis enz au bauen können. Nich dank eine „hohen" E hik
eines meh ode wenige kinde liebenden „Familien a e s", sonde n
dank de Ane kennung ih e Leis ung du ch die Gemeinscha , d. h.
du ch den S aa . Also (mag man einwenden) wi d de S aa übe den
Kop de El e n hinweg mi den Kinde n disponie en; also we den
„unse e si lichen G undlagen bed oh "; also wi d die Bü ok a ie
auch eine Familien e wal ung au ziehen.
So muß es nich sein, denn es geh ja nu da um, daß es wiede
genügend El e n gib . Und es geh da um, daß je z zu iele Kinde
ohne den Ein luß des Nes milieus au wachsen müssen. Ve ein ach
o mulie : die unzulänglichen Kinde beihil en müssen zu Nes -
p ämien o en wickel we den. Dann kann auch das S eue sys em
e ein ach we den.
Das anzösische Sys em (de Kinde beihil en) is au dem Wege
do hin; nach dem s eigenden Gebu enübe schuß zu u eilen, mi
E olg! Man da in diesem Zusammenhang abe auch da au e -
weisen, daß die Ve so gungsäm e in Wes deu schland auch schon
solche Ve wal ungsau gaben in enge em Rahmen alle dings nu ( ü
K iegswi wen und -waisen) wah nehmen7.
Eine du chaus unbü ok a ische Fo m de G oß amilie e p ob sei
einigen Jah en die ös e eichische Bundeshaup s ad Wien. El e nlose
Kinde we den in kinde eichen Familien mi e bgesundem Milieu
un e geb ach . Auch dies is ein Ansa z, de unse In e esse ebenso
e dien wie die schwedischen Bes ebungen.
Auch in de Sowje union wu de zwei ellos manches — au ei-
willige Ini ia i e hin — begonnen. So be ich e en uns schon 1930
Rußland eisende on „Kinde s ällen" au jüdischen Kolchosen in de
7 Vgl. dazu die Gedanken, die zum Thema „S eue e o m und Familienlas en-
ausgleich" in den „Mi eilungen de Deu schen Gesellscha ü Be ölke ungswissen-
scha " (Feb ua olge 1958) o geb ach wu den.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35
92 Gina Gö ne -Schönbaue [732
Gegend on Cha kow. Die Kleinen wu den do in mus e gül ige
Weise ( o allem in den e s en Lebensjah en) on einem „Mü e -
diens " gep leg . Die Kinde wa ung lag in den Händen de „haup -
am lichen" Mü e ; die Nebena bei en wu den on den Säuglings-
mü e n wah genommen, die am Ende de S illzei wiede in die
Landwi scha zu ückgingen.
Ähnliche Ein ich ungen sollen üb igens auch die Kibbuzim in
Is ael gescha en haben.
Le z enendes ziel e auch de „Lebensbo n", den zu Zei en SS-
K eise ange eg und au gebau ha en, g undsä zlich in de du ch die
Zei ums ände gewiesenen Rich ung.
Um so bedeu same , d. h. de Zei angepaß , scheinen uns dahe
auch die Bemühungen Gmeine s! Die on ihm ins Leben ge-
u enen SOS-Kinde dö e sind eine Pionie a ka holische K eise,
die mi e wa gleichen Absich en an einen Lösungs e such des on
uns au gezeig en P oblems he angehen. Vielleich soga ohne die
T agwei e diese „neuen" Lebens o m ganz zu e kennen.
De wei e gehende Sinn alle diese Ve suche is es, die na ü -
lichen Zeuge ins ink e de b ei en Masse zu nu zen und zu p legen.
Au diese komm es ja auch an, denn sie lie e schließlich die g oße
Zahl und in de Regel in de d i en Gene a ion auch den g oßen
E sa z de In elligenzbe u e, die s e s ein biologisches De izi au -
weisen. Doch auch dies lieg in de Na u ih e Funk ionen.
In solchen Fo men e lie die Fo de ung nach Gemeinscha s-
e ziehung, de jede e nün ige Mensch den Vo ang gib , ih e
poli ische Schä e. Und zum ande en b ing ja nu das Ein- ode
Zweikinde sys em in de Klein amilie die Ge ah de En gemein-
scha ung in ganze G öße mi . Nu hie we den die Ich-Ins ink e de
Kleinen gewoll und ungewoll gezüch e .
In de Vielkinde amilie e gib sich on selbs ü den kleinen
S aa sbü ge die No wendigkei , sich eino dnen zu le nen. Von selbs
en s eh die (e wünsch e) Gemeinscha s-A mosphä e, on selbs e -
eil sich de soziale Gel ungsd ang au die g öße e Zahl und edu-
zie sich du ch die g öße e Zahl.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.78.6.85 | Gene a ed on 2023-04-04 11:25:35