Deutscher Konsum erholt sich langsam vom Energiepreisschock: Ergebnisse aus der IMK-Energiepreisbefragung Anfang 2024
Abstract
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Full text
Behringer, Jan; Dullien, Sebastian Research Report Deutscher Konsum erholt sich langsam vom Energiepreisschock: Ergebnisse aus der IMKEnergiepreisbefragung Anfang 2024 IMK Policy Brief, No. 167 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Behringer, Jan; Dullien, Sebastian (2024) : Deutscher Konsum erholt sich langsam vom Energiepreisschock: Ergebnisse aus der IMK-Energiepreisbefragung Anfang 2024, IMK Policy Brief, No. 167, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/296562 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de
POLICY BRIEF DEUTSCHER KONSUM ERHOLT SICH LANGSAM VOM ENERGIEPREISSCHOCK Ergebnisse aus der IMK-Energiepreisbefragung Anfang 2024 Jan Behringer, Sebastian Dullien IMK Policy Brief Nr. 167· April 2024
Seite 1 von 12 DEUTSCHER KONSUM ERHOLT SICH LANGSAM VOM ENERGIEPREISSCHOCK Ergebnisse aus der IMK-Energiepreisbefragung Anfang 2024 Jan Behringer1, Sebastian Dullien2 Zusammenfassung Die Auswertung der vierten Welle der IMK-Energiepreisbefragung zeigt: Die Belastung des Privatkonsums durch den historisch einmaligen Energiepreisschock aus den Jahren 2022 und 2023 nimmt langsam ab. So hat die wahrgenommene Inflationsrate mit dem tatsächlichen Rückgang der Teuerung deutlich abgenommen, wenn auch eine gewisse Trägheit in der Wahrnehmung zu beobachten ist und die aktuelle Inflation noch überschätzt wird. Zugleich hat auch der Anteil der Haushalte, die sich durch hohe Energiepreise bei verschiedenen Energieträgern belastet fühlen, seit der vorherigen Befragungswelle zur Jahreswende 2022/23 deutlich abgenommen. Lediglich bei Strom ist das Belastungsempfinden weiter hoch. Als Folge äußerte ein deutlich geringerer Anteil als noch vor einem Jahr, sich beim Konsum weiter einschränken zu wollen. Dies lässt auf eine allmähliche Konsumerholung im Laufe des Jahres schließen. 1 Referatsleitung Makroökonomie der Einkommensverteilung, [email protected] 2 Wissenschaftlicher Direktor, [email protected]
Seite 2 von 12 Einleitung Nach der russischen Invasion in die Ukraine und der Unterbrechung russischer Gaslieferungen hat Deutschland 2022 und 2023 einen Energiepreisschock in einer historisch bislang einmaligen Größenordnung erlebt. Als Konsequenz ist die Inflation auf ein 70-Jahreshoch von zeitweise fast 9 Prozent gestiegen, was insbesondere Haushalte mit geringen bis mittleren Einkommen stark belastet hat. Zwar hat die Bundesregierung mit mehreren Entlastungspaketen sowie der Einführung von Preisbremsen für Strom, Gas und Wärme mit einem Gesamtvolumen von gut 100 Mrd. Euro reagiert. Insgesamt haben diese Maßnahmen aber nicht ausgereicht, um einen Rückgang des privaten Konsums zu vermeiden. Vielmehr schrumpfte der private Verbrauch im Jahr 2023 um 0,7 Prozent und war damit einer der Hauptgründe, warum auch das deutsche Bruttoinlandsprodukt in dem Jahr zurückging. Die Energiepreisbefragungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (siehe Kasten) hatten im Jahr 2022 und zur Jahreswende 2022/23 bereits frühzeitig die damalige Konsumschwäche angezeigt (Behringer und Dullien 2022) und ebenfalls dargelegt, dass ein Teil der Entlastungspakete nur unvollständig von den Menschen in Deutschland wahrgenommen worden war (Behringer et al. 2022). Inzwischen sind die Energiepreise im Großhandel wieder deutlich gefallen und auch bei den Endpreisen für Energie für die Privathaushalte zeichnet sich ein Rückgang ab. Die Inflation ist mittlerweile wieder in die Nähe des Ziels der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent gefallen. Der vorliegende Policy Brief verwendet nun Daten aus einer neuen Welle der IMK-Energiepreisbefragung, um abzuschätzen, wie sich die Belastung der Bevölkerung in Deutschland über das Jahr 2023 entwickelt hat, inwieweit die Menschen die wieder fallenden Energiepreise als Entlastung wahrnehmen und inwieweit sie planen, ihren Konsum sowohl für Energie als auch für andere Konsumgüter in den kommenden Monaten zu verändern. Diese Frage ist umso wichtiger, als dass die Konsumreaktion der Menschen in Deutschland 2022 und 2023 allem Anschein nach nicht nur durch den Energieund Nahrungsmittelpreisschock geprägt war, sondern auch durch eine große Verunsicherung. Üblicherweise würde man bei einem Energiepreisschock erwarten, dass zwar der Konsum zurückgeht. Zugleich sollte aber auch die Sparquote fallen, weil die Menschen versuchen, ihren Lebensstandard trotz gestiegener Kosten aufrecht zu erhalten. Von Haushalten mit regelmäßiger Ersparnis würde man erwarten, dass sie bei einem Anstieg der Kosten für essenzielle Güter wie Heizenergie und Nahrungsmittel zumindest einen Teil dieser Mehrkosten durch einen Rückgang der Ersparnis ausgleichen. Dies war 2023 nicht zu beobachten. Vielmehr lagen die Sparquoten der Haushalte ab dem 2. Quartal über den Vorjahreswerten. Die Haushalte haben also ihren Konsum nicht nur im Rahmen der Mehrkosten für Energie und Nahrungsmittel zurückgefahren, sondern sich darüber hinaus weiter eingeschränkt. Eine Abkehr von diesem Verhalten ist notwendig, wenn der private Konsum in den kommenden Quartalen – wie von vielen Prognosen angenommen – zur Konjunkturstütze werden soll.
Seite 3 von 12 IMK-Energiepreisbefragung Die IMK-Energiepreisbefragung ist eine repräsentative Befragung von Personen in Deutschland, die im Auftrag des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) durchgeführt wurde. Diese beinhaltet zum jetzigen Zeitpunkt vier Befragungswellen und erfasst die Haushaltssituation von Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren. Im vorliegenden Policy Brief wurden Daten aus allen vier Befragungswellen verwendet. In einer ersten Erhebung wurden im Zeitraum vom 24. Mai bis 31. Mai 2022 rund 3.800 Personen befragt, in einer zweiten Erhebung vom 19. August bis 31. August 2022 wurden rund 2.200 Personen aus diesem Personenkreis erneut befragt, und in einer dritten Erhebung vom 6. Dezember bis 21. Dezember 2022 noch einmal rund 1.600 Personen. In der vierten Erhebung wurden im Zeitraum vom 15. Januar bis 7. Februar 2024 rund 9.600 Personen befragt. Die Befragung wurde als computergestützte Online-Befragung (Computer Assisted Web Interviewing, CAWI) umgesetzt. Die Stichprobe basiert auf einer Quotenstichprobe im Rahmen eines Online-Access-Panels. Dabei wurde die strukturelle Zusammensetzung der Befragten anhand von festgelegten Quoten nach den Merkmalen Alter, Geschlecht, Bundesland und Haushaltseinkommen abgebildet. Das bedeutet, dass eine Stichprobe erhoben wurde, die die Bevölkerung Deutschlands entsprechend dieser Merkmale adäquat abbildet. Entwicklung und Wahrnehmung der Inflation in Deutschland Unmittelbar zu Beginn des Befragungszeitraums im Januar 2024 hatte das Statistische Bundesamt die Jahresrate der Inflation für das Jahr 2023 mit 5,9 Prozent veröffentlicht und die monatliche Inflationsrate für Dezember 2023 mit 3,7 Prozent bestätigt. Insbesondere der Monatswert stellte damit einen deutlichen Rückgang von der Hochinflationsphase seit Mitte 2021 dar (siehe Abbildung 1). Etwa zur Mitte des Befragungszeitraums wurde zudem die erste Schnellschätzung für die Inflation im Januar 2024 mit 2,9 Prozent veröffentlicht. Wir haben die Teilnehmenden an der Umfrage im Januar/Februar 2024 wie schon jeweils im Mai, August und Dezember 2022 gefragt, wie hoch die Inflationsrate in den letzten zwölf Monaten in Deutschland war. In der jüngsten Umfrage im Januar/Februar 2024 schätzte der Median der Befragten die Inflation auf 6 Prozent (Mittelwert 6,5 Prozent).3 Dieser Wert liegt sehr nahe an der berichteten Jahresrate für 2023, aber deutlich über den Monatswerten für Dezember und Januar. Bei der Interpretation der Umfrageergebnisse stellt sich das Problem, dass die Formulierung der Frage nach der wahrgenommenen Inflation aus Sicht der Befragten sowohl die Angabe der Jahresrate als auch der Monatsjahre plausibel erscheinen lässt.4 In unserer Umfrage lag der Wert der wahrgenommenen Inflation nun sehr nahe bei der Jahresrate für 2023, aber deutlich über den Monatsraten für Dezember und Januar. Selbst wenn man 3 In Anlehnung an die Methodik der Deutschen Bundesbank wurden für die Berechnung der oben berichteten Werte zu den Inflationswahrnehmungen von Privatpersonen ausschließlich Antworten zwischen - 12 Prozent und +12 Prozent berücksichtigt. Eine Änderung der Abschneidegrenzen etwa auf -24 Prozent und +24 Prozent hat keine nennenswerten Auswirkungen auf die berichteten Werte. 4 Die Formulierungen der Fragen zur Inflationswahrnehmung und -erwartung orientieren sich an der Studie zu Erwartungen von Privatpersonen in Deutschland der Deutschen Bundesbank (Bundesbank-Online-Panel-Haushalte).
Seite 4 von 12 von einer leichten Überschätzung der Inflation am aktuellen Rand ausgeht, ist in den Befragungsdaten somit ein deutlicher Rückgang der wahrgenommenen Inflation zu beobachten. Im Dezember 2022 hatte der Median der Befragten die Inflation auf 10 Prozent (Mittelwert 9,3 Prozent), im August auf 7,5 Prozent (Mittelwert 7,1 Prozent) und im Mai auf 7 Prozent (Mittelwert 6,3 Prozent) geschätzt.5 Die Befragten berichteten in der jüngsten Umfrage auch von rückläufigen Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate. Wie in den vorherigen Befragungen lagen die Inflationserwartungen sehr nahe an der wahrgenommenen Inflation. So gab der Median der Befragten im Januar/Februar 2024 an, eine Teuerung von 5 Prozent (Mittelwert 5,2 Prozent) zu erwarten. Im Dezember 2022 hatte der Median der Befragten noch eine Inflation von 8 Prozent (Mittelwert 8,4 Prozent) erwartet. Insgesamt deuten diese Werte auf einen im Jahresvergleich kontinuierlich abgenommenen Inflationsdruck hin, der auch von den Menschen in Deutschland so wahrgenommen wurde. Abbildung 1: Verbraucherpreise Deutschland Veränderung zum Vorjahresmonat in % Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Gefühlte Belastung durch Energiepreise Bereits im Jahr 2022 hatten wir die Teilnehmenden an der Umfrage gefragt, inwiefern die gestiegenen Energiepreise (differenziert nach Benzin, Diesel, Strom, Gas, Fernwärme und Heizöl) für ihren Haushalt eine finanzielle Belastung darstellen. Dabei hatte sich gezeigt, dass die gefühlte Belastung durch die gestiegenen Preise für Haushaltsenergie in der Bevölkerung in Deutschland zwischen Mai und August 2022 deutlich zugenommen hat. Insbesondere der starke Anstieg der Gaspreise war von einer Mehrheit der Befragten mit Gasheizung als eine schwere finanzielle Belastung wahrgenommen worden (Behringer et al. 2022). Zwischen August und Dezember 2022 hatte das Belastungsempfinden für einzelne Energieträger wieder leicht abgenommen, was 5 Zu beachten ist bei Interpretation der früheren Befragungsergebnisse, dass der Verbraucherpreisindex Anfang 2023 deutlich revidiert wurde und nach Neuberechnung nun die Inflation zu ihrem Höhepunkt im Oktober 2022 lediglich 8,8 Prozent statt der zuvor berichteten mehr als 10 Prozent betragen hat. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Jan. 21 Mrz. 21 Mai. 21 Jul. 21 Sep. 21 Nov. 21 Jan. 22 Mrz. 22 Mai. 22 Jul. 22 Sep. 22 Nov. 22 Jan. 23 Mrz. 23 Mai. 23 Jul. 23 Sep. 23 Nov. 23 Jan. 24
Seite 5 von 12 einerseits auf den Preisverlauf und andererseits auf die Ankündigung der Einführung der Gaspreisbremse zurückzuführen sein dürfte (Behringer und Dullien 2023). Zum Jahresbeginn 2024 wurden die Teilnehmenden an der Umfrage nun erneut zu ihrer derzeitigen gefühlten Belastung befragt. Abbildung 2 stellt die subjektiv wahrgenommene finanzielle Belastung der Haushalte durch die seit 2021 gestiegenen Energiepreise dar. Die Angaben beziehen sich jeweils auf Haushalte mit einem Energieverbrauch in der entsprechenden Kategorie. Somit werden etwa für die Kategorie Benzin bzw. Diesel nur Angaben jener Haushalte berücksichtigt, die Kraftfahrzeuge nutzen. Abbildung 2: Finanzielle Belastung infolge steigender Energiepreise Angaben in % Quellen: Energiepreisbefragung des IMK, Berechnungen des IMK, gewichtete Werte. Unsere Umfrage verdeutlicht, dass die seit 2021 gestiegenen Energiepreise für einen Teil der Bevölkerung in Deutschland zwar nach wie vor finanziell spürbar belastend sind. Allerdings hat die gefühlte Belastung bei einzelnen Kategorien gegenüber dem Jahr 2022 merklich abgenommen. So berichteten Anfang 2024 rund 43 Prozent der Haushalte von einer „eher schweren“ oder „sehr schweren“ finanziellen Belastung durch die Gaspreise. Im Dezember 2022 betrug der Anteil noch rund 56 Prozent, und im August 2022 sogar rund 64 Prozent. Ebenfalls abgenommen hat die gefühlte Belastung durch die hohen Preise für Fernwärme und Heizöl. Während zum Jahresende 2022 noch rund 36 bzw. 47 Prozent der befragten Haushalte angaben, dass Mehrkosten durch höhere Preise für Fernwärme und Heizöl für sie eine „eher schwere“ oder „sehr schwere“ finanzielle Belastung darstellen, betrug der Anteil bei der jüngsten Befragung rund 27 bzw. 39 Prozent. Die finanzielle Belastung durch Strompreise wird seit Beginn der Befragung im Mai 2022 von einem annähernd konstanten Anteil der Befragten (rund 41 Prozent) als schwer wahrgenommen. Bei den Kategorien Benzin und Diesel hat sich die gefühlte finanzielle Belastung gegenüber Dezember 2022 ebenfalls nicht merklich verändert. 0 20 40 60 80 Mai 2022 Aug. 2022 Dez. 2022 Jan. 2024 Mai 2022 Aug. 2022 Dez. 2022 Jan. 2024 Mai 2022 Aug. 2022 Dez. 2022 Jan. 2024 Mai 2022 Aug. 2022 Dez. 2022 Jan. 2024 Mai 2022 Aug. 2022 Dez. 2022 Jan. 2024 Mai 2022 Aug. 2022 Dez. 2022 Jan. 2024 Benzin Diesel Strom Gas Fernwärme Heizöl Eher schwere Belastung Sehr schwere Belastung
Seite 6 von 12 Abbildung 3: Verbraucherpreise ausgewählter Energieträger Index 2020=100 Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Die empfundenen Belastungen decken sich gut mit dem Preisverlauf der einzelnen Energieträger bis zum Befragungszeitraum. Die Preise für Heizöl, Erdgas und Fernwärme lagen im Dezember 2023 spürbar unter den jeweiligen Preishöhepunkten und unter den bei der vorherigen Befragung bekannten Werten (siehe Abbildung 3). Der erneute Preisanstieg bei Fernwärme im Januar und Februar 2024, der durch das vorzeitige Auslaufen der Preisbremse zum Jahresbeginn 2024 verursacht wurde, dürfte dagegen von einem großen Teil der Haushalte noch nicht wahrgenommen worden sein, weil die Statistiken dazu noch nicht veröffentlicht waren und die Entscheidung der Bundesregierung zum Auslaufen der Preisbremsen erst spät im Dezember gefallen war. Es ist vorstellbar, dass die Befragten zu einem späteren Zeitpunkt andere Angaben gemacht hätten. Die Ergebnisse der dritten Welle der Energiepreisbefragung haben gezeigt, dass die Einführung der Preisbremsen Ende 2022 zu einem Rückgang der wahrgenommenen Belastungen geführt hat (Behringer und Dullien 2023). Insofern ist es plausibel anzunehmen, dass die Abschaffung und der daraus folgende Preiseffekt auch zu einem erneuten (wenn auch wegen des begrenzten Preiseffekts leichten) Anstieg der empfundenen Belastung führt.6 Geplante Änderungen im Konsumverhalten Zum Rückgang der gefühlten Belastung passen auch die Antworten auf die Frage, inwieweit die Menschen planen, ihren privaten Verbrauch zu ändern. Die Teilnehmenden an der Umfrage wurden in jeder der vier Wellen gefragt, inwieweit sie planen, in den kommenden zwölf Monaten ihren Konsum von anderen Gütern und Dienstleistungen zu ändern. Dabei konnten die Befragten 6 Bei der Interpretation der Befragungsergebnisse ist zudem zu beachten, dass sich die Angaben auf die gefühlte Belastung durch die seit 2021 gestiegenen Energiepreise beziehen. Das Belastungsempfinden durch Preisänderungen von anderen Gütern und Dienstleistungen (wie etwa den ebenfalls stark gestiegenen Nahrungsmittelpreisen) kann davon abweichen. 0 50 100 150 200 250 300 350 Jan. 20 Apr. 20 Jul. 20 Okt. 20 Jan. 21 Apr21 Jul. 21 Okt. 21 Jan. 22 Apr. 22 Jul. 22 Okt. 22 Jan. 23 Apr. 23 Jul. 23 Okt. 23 Jan. 24 Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Strom Erdgas, ohne Betriebskosten Leichtes Heizöl Fernwärme
Seite 7 von 12 zwischen den Antworten „mehr kaufen“, „in etwa gleich viel kaufen“ und „weniger kaufen“ wählen.7 Anhand dieser Angaben haben wir einen Indikator zu den Konsumplänen berechnet. Der Indikator ergibt sich aus dem Saldowert der geplanten Änderungen im Konsumverhalten. Der Saldowert ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten „mehr kaufen“ und „weniger kaufen“.8 Die Wirkung der Preisänderung bei Energie und Lebensmitteln auf den privaten Konsum lässt sich anhand der Umfragedaten zwar nicht quantifizieren. Allerdings erlaubt die Umfrage, eine Einschätzung der Reaktion der privaten Haushalte in ihrem Konsumverhalten für verschiedene Konsumkategorien vorzunehmen. Folgende Kategorien möglicher Güter und Dienstleistungen für eine Verhaltensanpassung wurden dabei in Anlehnung an die Laufenden Wirtschaftsrechnungen (LWR) abgefragt: a) Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches b) Bekleidung und Schuhe c) Wohnungsinstandhaltung d) Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände e) Verkehr und Mobilität f) Freizeit, Unterhaltung und Kultur g) Gaststättenund Restaurantbesuche h) Reisen und Urlaub In unserer jüngsten Umfrage zeigt sich die Konsumstimmung in der Bevölkerung verbessert, so dass in den kommenden Monaten eine moderate Erholung des privaten Konsums zu erwarten ist. Der Indikator zu den Konsumplänen liegt bei allen abgefragten Kategorien auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Befragung im Mai 2022 (siehe Abbildung 4). Insbesondere bei den Kategorien Freizeit, Unterhaltung und Kultur sowie Wohnungsinstandhaltung nimmt die Anschaffungsneigung spürbar zu. Hier verbessert sich der Konsumindikator um 18 bzw. 17 Punkte gegenüber Dezember 2022. Bei den Kategorien Reisen und Tourismus, Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände, sowie Bekleidung und Schuhe verzeichnet die Anschaffungsneigung ebenfalls deutliche Zuwächse. In diesen Kategorien gewinnt der Indikator zu den Konsumplänen jeweils mehr als 10 Punkte hinzu. Die Verbesserung im Konsumindikator ist darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Befragten, die angaben, „weniger kaufen“ zu wollen, bei allen abgefragten Kategorien gegenüber Dezember 2022 zurückgegangen ist. Gleichzeitig hat auch der Anteil der Befragten, die „mehr kaufen“ wollen, zugenommen. Die Befragten äußerten zuletzt also nicht nur seltener Pläne zum Konsumverzicht als noch vor einem Jahr, sondern gaben auch häufiger an, ihren Konsum in den kommenden Monaten ausweiten zu wollen. 7 In der Umfrage wurde den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, bei einer geplanten Reduktion bzw. Erhöhung diese weiter in „etwas weniger bzw. mehr kaufen“ und „bedeutend weniger bzw. mehr kaufen“ zu differenzieren. Für die Berechnung der Saldenwerte wurden die Antworten zu den Kategorien „mehr kaufen“ und „weniger kaufen“ aggregiert. 8 Erläuterung zur Berechnung der Saldenwerte: Angenommen, von 100 befragten Personen planen 50 Prozent, in den kommenden zwölf Monaten in etwa gleich viel zu kaufen wie in den letzten zwölf Monaten, 30 Prozent planen mehr zu kaufen und 20 Prozent planen weniger zu kaufen. Die Befragten, die in etwa gleich viel kaufen wollen, beeinflussen das Ergebnis des Konsumindikators nicht. Die Anteile der Befragten, die eine Konsumänderung planen, werden hingegen saldiert. Im vorliegenden Beispiel ergibt sich somit ein Wert von 10 Punkten. Der Saldo kann zwischen den Werten -100 (d.h. alle Befragten planen weniger zu kaufen) und +100 (d.h. alle Befragten planen mehr zu kaufen) liegen.