Unge n-S e nbe g, Rode ich on
A icle
Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Unge n-S e nbe g, Rode ich on (1957) : Die Familie in Ve gangenhei und
Gegenwa , Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 77, Iss. 4, pp. 77-96,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.77.4.77
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461] 77
Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa
Von
Rode ich . Unge n-S e nbe g, Ki chza en (Schwa zw.)
Inhal s e zeichnis: I. Einlei ung S. 77. — II. Die Familie im Mi el-
al e S. 79. — III. Die Renaissance S. 80. — IV. Cal inismus, Pu i anisznus,
Pie ismus S. 82. — V. Das Rokoko S. 83. — VI. Die mode ne Zei S. 85.
I. Einlei ung
Familiales Zusammenleben is eine E scheinung, die un e allen
höhe o ganisie en Lebewesen zu beobach en is . Die Familie is eine
o menschliche, k ea ü liche Lebensgemeinscha . Alle höhe o gani-
sie en Tie a en en sp ingen eine Ve einigung on zwei e schieden-
geschlech lichen, a gleichen Wesen. Diese Ve einigung geh , ih e
Zei spanne nach, wei übe die sexuelle Kopula ion hinaus. Sie um-
aß die B u p lege, d. h. die Zei , in welche die Sp ößlinge au die
E näh ung du ch die El e n angewiesen sind und ih e Exis enz da on
abhäng , daß sie gegen die manche lei Unbilden de Umwel geschü z
we den, sowie auch noch eine Zei spanne, die e o de lich is , um die
Jungen da in zu beleh en, wie sie sich selbs ih e Nah ung zu be-
scha en haben und d ohenden Ge ah en begegnen können1.
Die menschliche Familie be uh o wiegend au de lebensläng-
lichen Einehe als Lei bild, das alle dings seh iele Abweichungen
und Va ia ionen zuläß , und au de So ge ü die E üch igung de
Kinde . Die Familie is iel u sp üngliche in de Geschich e de
Menschhei und äl e als alle sons igen gesellscha lichen Bildungen;
mi hin iel eh wü dige als z. B. de S aa . Vielleich wi d de S aa
eins mals e schwinden. Die Familie wi d Bes and haben, solange die
psycho-physischen K ä e im Menschen und im höhe en Tie eich
wi ksam bleiben, die den Familiensinn wach e hal en. Diese Sinn
kann zei weilig e kümme n, wie in de Sowje union nach dem e s en
1 Aus de Li e a u : J. Lecle cq u. J. Da id: „Die Familie" 1956,
R. Thu nwald: „Leh buch de Völke kunde" 1939, W. Schmid : „Familie"
in „Handbuch de S aa swissenscha en", £. A. Wes e ma ck: „The Fu u e
o Ma iage in Wes e n Ci iliza ion, H. F. G. Gün he : „Fo men und U -
geschich e de Ehe" 1940, W, Koppe s: „Ehe und Familie" im „Handb. de So-
ziologie", F. Tonnies: „Die mode ne Familie", daselbs .
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Wel k ieg2, abe e e wach imme wiede in al e K a , und de
S aa sieh sich gezwungen, de Familie seine P o ek ion zu gewäh en.
Die g undlegende sozialbiologische Bedeu ung dieses u wüchsigen Ve -
bandes is schon du ch die Ga enwahl, die E banlagen de Paa e und
die Lei bilde , die ih e eheliche Gemeinscha bes immen, gegeben.
Die Familie ode das Haus (Lu he übe se z „Ich und mein
Haus ") — das Wo Familia ha sich e s im 16. Jah hunde
eingebü ge ; o he sp ach man on Weib und Kind, on Kind und
Kegel — bes eh no male weise aus de Ehe au, dem Ehemann, den
Kinde n und ausnahmsweise, bei de G oß amilie, aus den Kindes-
kinde n. Sie bilde eine Schu z-, A bei s- und E näh ungsgemein-
scha , mi hin eine Schicksalsgemeinscha schlech hin. Ih P inzip is
die Liebe. Ih biologische U sp ung lieg in de Blu s e wand scha ,
die ih en in ims en Ausd uck in de Mu e scha und in de en P lege-
ieb, de schon im Mu e schoß beginn , inde . De Mu e liebe und
dem Schu z on Mu e und Kind du ch den Va e (das ä e liche
Tie ) e danken alle Geschöp e, die nich gleich nach de Gebu
ähig sind, sich selbs am Leben zu e hal en, ih e Exis enz. Dies gil
o allem in bezug au das menschliche Leben, das ohne den zu
jedem Op e be ei en mü e lichen P lege ieb keinen Bes and haben
wü de. Im Ve gleich zu dem zwischen Mu e und Kind bes ehenden
Liebesband, welches no male weise wäh end de ganzen Lebenszei
de Mu e o bes eh , ha das Ve häl nis des Va e s zum Kinde
längs nich diese s e s sich au op e nde S ä ke.
Je nied ige die pe sönliche Di e enzie ung des Menschen, um so
in ensi e is e in de Familie e wu zel . De amiliale Zu-
sammenhal wa en scheidend da ü , daß die Species „Mensch" sich
ähig e wiesen ha , im Zuge seines We deganges gegen die sons igen
ihm eindlichen Lebewesen und äuße en Bed ohungen sich zu be-
haup en und kul u ell au zus eigen, die S ellung zu e ingen, zu de
e , k a seine Geis esgaben, be ähig is .
Es blieb eine spä en En wicklungss u e o behal en, das Einzel-
indi iduum aus dem amilialen, eligiös um iede en Schu z e band
de Familie zu lösen. Ausgesp ochene maßen is das, im eu o-
päischen Kul u k eis de ch is lichen Zei , e s im Zuge de Renais-
sance, de Re o ma ion, de Au klä ung, de indi idualis isch-libe-
alen Epoche und in de sog. mode nen Zei geschehen.
Dieses s a ke amiliale Wi bewuß sein kann abe ü die höhe e
Lebensgemeinscha , das Volk und den S aa , auch eine bed ohliche
Wi kung haben: Geschlech e egoismus, hyb ide Familiens olz sind
häu ig dem höhe en Gemeinwesen seh ab äglich gewo den, wenn
2 Hie übe : dieses Jah buch H. 5, 73. Jah g., S. 71 u. . F . Al e des,
„Tie psychologie", Bd. 1, de Fo sch, aus Völke psychologie u. Soziologie, 1925.
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463] Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa 79
die Familien e einde aneinande ge ie en und das S aa swesen da-
du ch lähm en (z.B. Magna enwi scha in Polen!). Auße dem is
de Familien adi ionalismus häu ig dazu ange an, die En al ungs-
möglichkei de Pe sönlichkei nachhal ig zu hemmen, wenn die T a-
di ion allzu au o i ä au i . So üh beispielsweise de Familien-
dünkel häu ig zu schwe en Kon lik en zwischen El e n und Kinde n,
z. B. wenn le z e e „un e ih em S ande hei a en" wollen, ode wegen
eine Be u swahl, die „nich s andesgemäß" ode aus Anlaß on „S u-
dien, die nich ü ein Mädchen aus gu e Familie" passen usw.
Selbs ändige Cha ak e e en emden häu ig de Familie, weil sie die
Besch änkungen, die ihnen Familien adi ion und ä e liche pa ia -
chalische Au o i ä au e legen, nich e agen wollen. Söhne ode
Töch e ge a en, un e dem Ein luß des Wunsches, ih Leben selb-
s ändig zu ges al en, o in schwe e Kon lik e mi den El e n und
dem wei e en Familien e band, we den gemieden ode zu Hand-
lungen gezwungen, die ihnen schwe e En sagungen au e legen3.
Im Zuge de kul u ellen En wicklung des menschlichen Lebens
e äh das U phänomen „Familie" Wandlungen in olge de aus-
schließlich dem Menschen eigenen Fähigkei , k a seine Geis es-
k ä e kul u ell au zus eigen und sich zu di e enzie en. Deshalb
un e liegen Ehe und Familie de Beein lussung du ch die jeweils o -
he schenden wel anschaulichen Glaubenswah hei en, wenngleich de
inne e Wesenske n de Familie on diesen Wandlungen de wel -
und lebensanschaulichen Übe zeugungen nich be üh we den kann.
II. Die Familie im Mi elal e
Wenn wi den eu opäischen Kul u k eis nach de Völke wande-
ung, wie e sich aus ömische T adi ion un e dem Ein luß des
Ch is en ums ge o m ha , da au hin be ach en, so kann man ü
das Mi elal e olgende Wesenszüge in de We ung on Ehe
und Familie he o heben. Un e dem übe agenden Ein luß de
Ki che s eh als Lei bild ü Ehe und Familie das Ideal de
Keuschhei , d. h. de Disziplinie ung des Geschlech s iebs im
Vo de g und, ein Ideal, das den Sexual e keh wohl bejah , ihn abe
de E hebung des Ch is en zu eine höhe en Vollkommenhei en -
gegense z . Als go gewoll e Lebens o m we den Ehe und Familie
on de mi elal e lichen Ki che als ein Sak amen geheilig . Abe
de mi elal e liche Mensch ha e in Sachen de Geschlech sliebe doch
eine geknick e, on Zwei eln belas e e Seele, was die bäue lichen
Menschen alle dings nich hinde e, eine de be Sinnlichkei zu be-
9 Klassisches Beispiel: Bisma cks Kon lik mi seinem Sohn He be aus Anla i
de beabsich ig en Hei a des Sohnes. Hie übe bei E ich E y c k: „Bisma ck"
IH. Bd. S. 389 .
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ä igen. Nai e Zeugung wa unbeding o he schend, gemäß de al -
es amen a ischen Losung: „Kinde sind ein Segen Go es, seid
uch ba und meh e euch und e ülle die E de."
De eheliche Ak is nach dem U eil G ego des G oßen (ges .
i. J. 604) „in sich selbs e laub und keusch, abe in de P axis sind
die Ga en wei da on en e n , in ollkommene Weise die hei e e
Schönhei dieses Ak es zu espek ie en. Sie be ach en nich das
übe aus hohe Ziel, sonde n mischen da ein allzuo die Begie lidikei
und den Wunsch, ih e Genußsuch öllig zu be iedigen; sie machen
on ihm Geb auch ohne Mäßigung und besch änken sich nich au
das, was de gö liche Wille e lang . Da um is de eheliche Ak
imme be leck on einem leich en Fehle "4. Die Au assung des
Thomismus sieh im ehelichen Ak , so e n e sich sünden ei oll-
zieh , als Ziel die Zeugung, ode alls e lediglich dem Ve langen des
ande en Ga en Genüge u ; man könne ihn abe nich um des Ge-
nusses allein, ohne wenigs ens eine läßliche Sünde zu begehen, e -
langen. Es wa eine seh iel spä e en päps lichen Enzyklika „Cas i
connubii" (31. Dezembe 1930) o behal en, den ehelichen Ak zu
sank ionie en.
Indessen e wies sich schon im Mi elal e , daß eine wel anschau-
liche Übe zeugung im eu opäischen Kul u k eis niemals allein-
he schend is , daß selbs un e den be u ens en Rep äsen an en des
jeweiligen Zei geis es sich Ve e e eine de o he schenden en -
gegengese z en Mo al be inden. Beispiel: Abaela dus und H e -
1 o i s e, de en Liebes e häl nis alle dings mi de En mannung Abae-
la s ende e (ges . 1142). T o zdem we den sie im 12. Jah hunde
nich das einzige Paa gewesen sein, das sich gegen den mi elal e -
lichen Mo alkodex au gelehn ha .
III. Die Renaissance
Ein Rückschlag gegen diese Zu ückd ängung, ja Ab ö ung des
e o ischen T iebes, de luxu ia, kündig e sich schon ühzei ig in de
Poesie de T oubadou s, de Minnesänge und, in de be
Fo m, in den Fabliaux's an. Zum Du chb uch gelang e abe eine
wel o ene, lebens eudige, ohgenossene Wel und i ole Wel -
anschauung im Zuge de Renaissance, die in bezug au die eie Liebe
und dami auch hinsich lich de Ehe und Familie un e de Losung
s and: „E laub is , was ge äll !" Galan e ie, Liebesaben eue , Kamp
um das Weib, Einb üche in die Ehe ande e , we den in den K eisen
de Renaissancemenschen, de Ka alie e, zu Eh ensache. Diese Män-
ne wel „mi ih e leidenscha lichen Lus am Leben, mi s a ken Sin-
4 Zi ie bei Lecle cq-Da id: Die Familie S. 146.
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nen ü P ach und Luxus und doch ims ande, mona elang die En beh-
ungen eine See ah ins Ungewisse hinein au sich zu nehmen"5,
diese F ancesco S o zas, Wal e Raleighs und F ançois Rablais (ges .
1553) ha en ü Ehe und Familie keinen Sinn und auch keine Zei ;
und doch wa en sie onangebend und beispielha ü die damalige
Männe wel , insbesonde e die Jugend de blühenden S ad epubliken
Mi el- und No di aliens, des F ank eichs F anz I., des „königlichen
Ri e s", des Englands de Königin Elisabe h. Don Juan, de sich an
de Liebe e schwende , mach Schule.
Und die F auen? — Wa en sie noch „das Ge äß de Sünde"?
Ja, abe die Sünde ha e, sam dem Fege eue und de Hölle, ih e
Sch ecken e lo en. Die Ku isane, die pu ana ones a, die galan e
Mai esse, das de neuzei lichen Bildung zuge ane Lus weib, wu den
allen halben nachgeahm , auch on den F auen de Gesellscha , des
g and monde. In Flo enz, Mailand, Venedig, in ande en i alienischen
Haup s äd en und in Pa is, he sch e ein ka ne alis isches Liebes-
eiben. In de anzösischen Me opole wa en schon damals Baccha-
nalien im Schwange, die in den olgenden Jah hunde en zu imme
p äch ige e Ausbildung eine au Genuß ge ich e en a s amandi ge-
üh haben.
E g ei end is es zu lesen, wie in de Ges al des Dominikane -
p io s Ge olamo Sa ona ola die mi elal e lichen Ideale on
diesem ana ischen Mönch e och en we den und e schließlich, nach
e ol e e Selbs anschuldigung, in Flo enz gehenk und e b ann
wi d, weil e den Be ehlen und de Au o i ä des Paps es, Alexan-
de VI. (ges . 1503), dieses ex emen Ve e e s zügelloses e Sinn-
lichkei , Mach - und Habgie , sich nich ge üg ha e, on seinen ehe-
maligen begeis e en Bewunde e n e lassen.
Wi müssen indessen im Auge behal en, daß die jeweils o he -
schenden Ein lüsse geis ige S ömungen ü die g oße Meh hei des
Volkes on seh ge inge Bedeu ung wa en. De Baue und de Hand-
we ke blieben bis in die Jah e de Indus ialisie ung, also bis um
die Mi e des 19. Jah hunde s in Wes eu opa hinsich lich ih e Ehe-
und Familienmo al den Gebo en de Ki che e p lich e . Des Baue n
Ve bundenhei mi de Mu e E de und die Ta sache, daß e au
sein Ehegespons, die Bäue in, sowie au die Mi a bei seine Kinde
angewiesen is , schi m en ihn ab gegen geis ige Ein lüsse, die diese
adi ionellen pa ia chalischen Familien e assung en gegenwi k en;
de Baue und de Handwe ke blieben ihnen gegenübe im wesen -
lichen immun.
De obsiegende Geis de Renaissance wa selbs e s ändlich de
Einehe und de amilienha en Lebensweise abhold. Ube all, wo die-
5 Somba „De Bou geois", S. 95.
Schmollen Jah buch LXXVD, 4 6
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82 Rode ich . Unge n-S e nbe g [466
se Geis sich du chse z , beginn ein P ozeß de Locke ung de Ehe-
und Familienbande. De Indi idualismus se z sich auch in diese
Lebenssphä e du ch. Was die T oubadou s und die Minnesänge ein-
gelei e ha en, wi d in de Dich ung des 14., 15. und 16. Jah hun-
de s o gese z und ausgebilde , beginnend mi dem Decame one
Boccaccios ( 1375).
IV. Cal inismus, Pu i anismus, Pie ismus
Gegen den Geis de Renaissance e wächs im Cal inismus, im Pu i-
anismus und im Pie ismus eine au Mäßigkei und Nüch e nhei
ge ich e e Geis eshal ung, eine sch o e Abneigung gegen die lus -
be on e genußsüch ige Wel sich wendende Gegenbewegung, eine
geis ige S ömung, die in de Ehe und Familie wiede eine
s enge „pu i anische46 Au assung du chse z , in Ve bindung mi
einem nüch e nen A bei se hos: o a e e labo a e! Die Ve -
nün igkei , de Ra ionalismus, de im Thomismus be ei s o -
gebilde wa , wende sich gegen die nunmeh e abscheuungs-
wü dige Sünde de geschlech lichen Begeh lichkei , die in den
Augen eines Pu i ane s und eines Pie is en einem mi S ump und
S iel auszu o endem Lebenss il en s amm . De Geschlech s ieb soll
je z wiede disziplinie we den, e da nu in de Ehe eine maß-
olle Be iedigung suchen.
Als ypische Ve e e dieses au kommenden bü ge lichen
Menschen yps kann Benjamin F anklin ( 1790) gel en, de
die bü ge liche Eh ba kei mi ih em Keuschhei s- und Tugendgebo
e kö pe . In seinen „Nachgelassenen Sch i en" zähl e 13 Tugen-
den au , die e sich anzueignen bes eb is . Diese Tugenden sind
Mäßigkei , Schweigen, O dnung, En schlossenhei , Genügsamkei ,
Fleiß, Au ich igkei , Ge ech igkei , Mäßigung, Reinlichkei , Gemü s-
uhe, Keuschhei und Demu . Übe die Keuschhei heiß es: „Übe ge-
schlech lichen Umgang sel en, nu um de Gesundhei und de Nach-
kommenscha willen, niemals bis zu S ump hei und Schwäche ode
zu Schädigung deines eigenen ode emden Seelen iedens ode
gu en Ru es." Und die Leh e de Pie is en, bzw. ih es Zweiges, de
He enhu e , lau e in bezug au die Ehe dahin, daß die Eheleu e in
ih em Ve keh in keine Weise sich on den „ leischlichen Lüs en"
lei en lassen dü en und in de B üde gemeinde Kinde nich ande s
gezeug we den als dem He n und o dem He n.
Die e angelisch-lu he ische Rich ung ha , en sp echend de lebens-
bejahenden Na u Ma in Lu he s, wohl auch das Familien-
leben au das En schiedens e geschä z und hoch gewe e . Abe de
Re o ma o nahm doch zu den F agen des Ehe- und Familienlebens
eine iel ealis ische e, de be e, sinnen eudige e S ellung ein als de
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467] Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa 83
Pie ismus und das He enhu e um. Lu he we e e bekann lich
gegen die „Nonne ey" und „Munche ey" und das angebliche
„Keuschen". E wa auch seh einsich ig und en gegenkommend,
wenn es gal , die Sexualno , wie wi heu e sagen wü den, zu be-
heben. Im Fall des Landg a en Philipp on Hessen, de sich bei
Lu he da übe beklag e, daß e zu seine F au keine Neigung assen
könne, dagegen zu dem Ho äulein Ma ga e e on de Sale eine
unübe windliche Zuneigung emp inde, das F äulein ihm abe s and-
ha ein eies Liebes e häl nis e weige e, und de Lu he um Ra
anging, ha diese , wie auch sons wiede hol , ge a en, keinen Ehe-
b uch zu eiben, abe mi de Ma ga e e eine zwei e geheime Ehe
einzugehen. Fe ne sah Lu he die Ehescheidung als gebo en, „wenn
man odde weyb un üch ig zu Ehe is ", d. h. in allen Fällen on
Impo enz ode des absich lichen Ve sagen» de F au. Is de Mann
also nich ims ande, eine jungen F au zu genügen, ha e sie du ch
Ve schweigen seine Impo enz „be ogen", so is e e p lich e , sich
on ih be ügen zu lassen, d. h. die heimliche Ehe de F au zu
dulden. Desgleichen da , nach Lu he , de Mann, „wenn e eyn hals-
s a ig weyb, das seynen Kop au se z ", ha , das sich ihm e sag ,
sich an die Ob igkei wenden, und wenn das nich hil , „nach eyne
ande n ach en", und e muß dabei denken, „seyn weyb sey yhm
genommen on eube n und umb ach "6.
Gegen die seignieu iale, i ole Lebens üh ung de Renaissance
und des Rokoko des 18. Jah hunde s gewinn de biede e Bü ge -
geis an Ein luß und eine ausgesp ochene Solidi ä de ehelichen
und amilialen Ve häl nisse wi d o he schend, besonde s in allen
Lände n, die on de P o es an isie ung e aß wo den sind. Die
e s en An änge eine Lebens üh ung, in de die A bei als segen-
spendend in den Mi elpunk ück und die Liebe, o allem na ü -
lich die eie Liebe, zu Nich igkei he abgewü dig , ja e pön wi d,
e en deu lich in E scheinung. De Typ des Wi scha smenschen, des
heu igen Manage , is im En s ehen beg i en. Die A , wie die
Männe wel in diese allmählich e bü ge lichenden Wel geschlech -
lich e keh , gewinn s a k an nüch e ne Ve s andesnähe, büß abe
an Za ge ühl seh s a k ein. Man i auch in de Liebe, ganz ge-
schä smäßig, „umgehend" in medias es, um keine Zei zu e -
lie en7.
V. Das Rokoko
Diese pu i anische E hik and indessen in den omanischen Län-
de n, o allem in F ank eich, keinen Anklang. Hie wa wäh end
6 Nach E. Seebe g: Lu he s Ehe S. 15.
7R. . Unge n-S e nbe g: „Die U sachen des Gebu en ückgangs im
eu opäischen Kul u k eis" 1932 in: Ve ö en l. aus d. Gebie de Medizinal-
e wal ung.
6*
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84 Rode ich y. Unge n-S e nbe g [468
des 17. und 18. Jah hunde s die Libe inage — Vi e la joie! — im Be-
eich des Lebenss ils des Rokoko o he schend, und die luxu ia de
Renaissance ha wohl ni gends eine in dem Maße ausgebilde e Ve -
ollkommnung e eich wie im F ank eich des 18. Jah hunde s. Wei
übe die Lebenssphä e on Ve sailles and diese Lebenss il as an
allen eu opäischen Fü s enhö en und bei de en Ge olgscha und
Gesinde Nachahmung. Einehe und eheliche T eue e ielen in diese
hei e -schwelge ischen A mosphä e schließlich de Läche lichkei . Das
gesunde schlich e Familienleben lüch e e sich au das Land, in die
P o inz.
Diese i ole Au assung on Ehe und Familie and im Zuge de
g oßen anzösischen Re olu ion eine Ausb ei ung in sozial nach-
geo dne en Volksschich en, bes imm e bis zu Res au a ion (1816),
wäh end de ganzen napoleonischen Zei die Au assung übe Ehe
und Familie und ug iel bei zu Schwächung des Familiensinnes.
Die zu Mach gelang e, an Reich um zunehmende Bou geoisie ha e
schon o de Re olu ion den Si en des hö ischen Adels ge lissen -
lich nachgeei e . Je z ingen die Familien an, ih em Bes ände nach
zu sch ump en. De p ae en i e Geschlech s e keh and e s ä k en
Eingang in den mi els ändischen bü ge lichen K eisen. Die ge ich -
liche Ehescheidung kam au , and Ve b ei ung, seh begüns ig du ch
den Code Ci il (auch Code Napoléon genann ), de am 1. Janua 1811
in Gel ung gekommen is . Das bü ge liche Rech des ancien égime
be uh e au de Familie, die Ideologien de Re olu ion dagegen ganz
au dem Rech de Einzelpe son. In olgedessen wu de un e dem Ein-
luß de Ideen on 1789 die Bedeu ung de Familie im bü ge lichen
Rech de Napoleonischen Gese ze zu ückged äng und geschmäle
zuguns en des einzelnen Indi iduums, de Idee de F eihei und
des Selbs bes immungs ech s des Indi iduums geop e . In olgedessen
ha de Code Ci il wesen lich dazu beige agen, daß de Familien-
zusammenhal gelocke wu de und eine o sch ei ende Emanzi-
pa ion des einzelnen Indi iduums on den P lich en de Familie e -
olg is . Am deu lichs en kam das im Familien ech des Code Ci il
zum Ausd uck. Eine ganze Reihe on Ins i u ionen, wie die Zi ilehe,
das Rech de Ehescheidung, die ech liche Gleichs ellung des adop-
ie en Kindes mi dem ehelich gezeug en, die Schmäle ung de el e -
lichen Gewal usw. sind, wenn auch zum Teil abgemilde , aus de
e olu ionä en Gese zgebung in den Code übe nommen wo den.
Diese Code gil in F ank eich und in den anzösischen Kolonien,
mi einigen Abände ungen bis au den heu igen Tag. Ihm komm
g oße amilien ech liche Bedeu ung ü eine Reihe eu opäische
S aa en zu, die seine Bes immungen im Lau e des 19. Jah hunde s
im wesen lichen übe nommen haben. Noch heu e gel en sie, mi Ab-
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475] Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa 91
„scha en", denn es bes eh in de S ad heu zu age ein iebe ha e
D ang zu „ e dienen". Diese D ang is so g oß, daß alle sons igen
Lebensbe eiche, soga das Ve gnügen, e nachlässig und zu ück-
ges ell we den. Dem Ve gnügen ön man s oßweise, da ü um so
gie ige , en sp echend dem allgemeinen has e üll en Lebens hy h-
mus, und zwa as ausschließlich auße halb de eigenen Wohnung.
In A bei e - und Anges ell en amilien sind agsübe nu die Klein-
kinde , en wede allein ode un e de Obhu eine G oßmu e ,
Tan e usw. zu Hause anzu e en. Und wenn die sons igen Insassen
de Wohnung spä abends heimkeh en, so zeig meis ens jedes Nei-
gung, seinen besonde en pe sönlichen Liebhabe eien auße halb des
Hauses nachzugehen. Die Familienmu e is meis übe las e da-
du ch, daß sie zugleich be u s ä ig is und as allein die Hausa bei en
zu e ledigen ha . Selbs an Sonn- und Feie agen inde sie kaum
Zei , sich de Familie zu widmen, wo au die Angehö igen meis auch
keinen g oßen We legen.
Diese dispa a e Ve lau de be u lichen Tä igkei und de F ei-
zei de Familienangehö igen üh zu eine Ve sachlichung und see-
lischen En emdung zwischen El e n und Kinde n und de Kinde
un e einande . Hinzu komm , daß an die S elle de häuslichen P lege
on Wöchne innen, Siechen und K anken die zwei ellos medizinisch
wi ksame e Be euung in eine Ans al ge e en is . Die allgemeine
Hebung de Volksgesundhei is gewiß in be äch lichem Um ang
diese Absonde ung und dami de Besei igung on Ans eckungs-
ge ah zuzusch eiben. Jedoch' ha diese Fo sch i au die Familien-
gemeinscha zwei ellos nach eilige Wi kungen: die Angehö igen, be-
sonde s die Kinde , be üh die K ankhei on Mu e , Va e ode
Geschwis e n heu zu age seh iel wenige als wenn sie, wie ehedem,
K ankenlage , Gebu und Tod in nächs e Nähe mi e leb en. Audi
hinsich lich de Kinde e ziehung übe nimm heu e de Kinde ga en,
de Kinde ho s , die Schule, das Jugendam und sons ige auße häus-
lichen „S ellen" einen gu en Teil dessen, was ühe as ausschließ-
lich die Familie leis e e. Da aus e gib sich no wendige weise eine
Sch ump ung ih e S ellung und Bedeu ung inne halb des Lebens de
he anwachsenden Gene a ion.
Das Ve hal en de wei e en Zugehö igen eine Familie zueinande
is in A bei e k eisen häu ig du ch g oße Gleichgül igkei gekenn-
zeichne . De ypische A bei e weiß in den meis en Fällen nich s
Genaue es übe seine G oßel e n. Auch, zu den Geschwis e n bes eh
in de Regel as keine ode nu eine seh obe lächliche Ve bindung.
Ve s eu in e schiedenen Landes eilen und S äd en, sch eib man
sich seh sel en ode übe haup nich und weiß meis nich s Genaue es
übe das E gehen on Geschwis e n und nahen Ve wand en. Die
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92 Rode ich . Unge n-S e nbe g [476
wei e e Ve wandscha : Ve e n, Basen usw. sind in de Regel ge-
naue nich bekann . Sie s ehen sich as ebenso emd gegenübe
wie beliebige ande e Menschen, so daß auch jede A on wechsel-
sei ige Fö de ung o äll . Man komm allen alls zusammen, wenn
die Aussich eine E bscha eine Fühlungnahme als gebo en e schei-
nen läß . Gewöhnlich heiß es: im Falle de No is au Ve wand e
wenige Ve laß als au die Da lehenskasse, die We klei ung ode au
emde Leu e. Von genealogischen Zusammenhängen ha de A bei e
keine Ahnung, in e essie ihn auch nich im mindes en. Du ch diesen
Ve all des Familienzusammenhangs sind auch Ge ühle, wie de
Respek o einem be ag en Familienhaup , o de Au o i ä des
Va e s und die Pie ä den G oßel e n gegenübe , so gu wie öllig
geschwunden. An ih e S elle is ein au Nü zlichkei se wägungen be-
uhendes Ve häl nis ge e en, das allen alls noch de Mu e gegen-
übe du ch einen Zug on Zä lichkei und liebe olle Anhänglichkei
gemilde wi d. Bei alledem kommen alle dings nach einzelnen land-
scha lichen Gebie en cha ak e liche Eigenscha en zu Gel ung.
4. Fe ne : Die F age de Gleichbe ech igung zwischen
Mann und F au. Dien diese Gleichbe ech igung, wie sie sei dem
1. Ap il 1954 ech swi ksam gewo den is , de S ä kung des häus-
lichen F iedens und dami de Familiengesinnung? In Deu schland
ha sie keine nennenswe e Ände ung in den ehelichen Beziehungen
bewi k . Theo e isch sind die meis en Männe und F auen ü die
Gleichbe ech igung. Ta sächlich kann man jedoch beobach en, daß
zwischen dem, was au Be agung gesag wi d, und dem, was ge-
schieh , keine Übe eins immung bes eh . Die Gleichbe ech igung wi d
in den meis en Fällen doch nu als ein Mi sp adie e ch de F au au -
ge aß ; die endgül ige En scheidung lieg , nach wie o , beim Ehe-
mann, und die F au häl das ü no mal und ich ig. Eine au ge-
zwungene, du ch Gese z e o dne e Gleichbe ech igung, is ehe ge-
eigne , die Zahl de Kon lik e in de Ehe und Familie zu e meh en.
Allen alls kann man die Gleichbe ech igung heu e da in e blicken,
daß Sie „sich nich meh alles ge allen läß ", d. h. daß die F au nich
meh so ge ügig is , wie das ehedem de Fall wa . Da in haben die
K iegsjah e, die zwei ellos zei weilig eine g oße Ve selbs ändigung
de Ehe au geb ach haben, abe wesen liches in Deu schland doch
nich geände .
5. Ge adezu ho nungslos ges al e sich ü eine kinde eiche Fa-
milie häu ig die Wohnungs age. Eine solche Familie benö ig
ein Heim, d. h. aus eichend Raum: ein Wohnzimme ode eine Wohn-
küche und Schla s uben. Abe ge ade die Kinde eichen können in-
olge ih es Kinde eich ums und de dadu ch beding en s a ken In-
ansp uchnahme de e ügba en Mi el ü die E ziehung de Kinde
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477] Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa 93
sich meis keine aus eichend g oße Wohnung leis en. Tun sie das
o zdem, so leide die Be iedigung sons ige wich ige Bedü nisse,
und das gib Anlaß zu Mißhelligkei en inne halb de Familie. Is
abe die kinde eiche Familie gezwungen, sich mi eine mangel-
ha en Wohnung zu begnügen, so ühl sie diesen Mangel nich nu
aus G ünden de Gesundhei sp lege und de Mo al, sie emp inde
obend ein diesen Zus and den Kinde a men gegenübe als eine De-
klassie ung — und nich s be üh den Du chschni smenschen schme z-
liche als eine Deklassie ung gegenübe seinen Mi menschen de
gleichen sozialen S u e10.
6. Wie aus unse em geschich lichen Rückblick he o geh , sind sexu-
elle Libe inage, amiliale Ze wü nisse in olge de Raumenge in den
Wohnungen usw. keine de Gegenwa ausschließlich eigen ümlichen
Übel. Ve gangene Zei en haben sie auch gekann . Dagegen is die
Sch ump ung des Bes andes de Familie in olge de Gebu en-
einsch änkung eine E scheinung, die e s sei und 50 Jah en
im wes eu opäischen Kul u k eis als Massene scheinung zu beobach en
is . Gegen diesen in de seelisch-geis igen Sphä e de Gegenwa e -
wu zel en Vo gang is , wie die bishe ige E ah ung leh , seh schwe
Abhil e zu scha en. Die ma e ialis isch-s ebe ische Gesinnung be-
wi k , daß die Einsch änkung de Kinde zahl bis au ein ode zwei im
U eil de Meh hei als unbeding ich ig beg üß wi d. Es is jedoch
ein zwa wei e b ei e e , abe o zdem i ige Glaube, zwei Kinde
genüg en zu Au ech e hal ung des Familienbes andes. Dagegen is
zu be onen, daß Familien mi ein bis zwei Kinde n doch als eine
Kümme o m de No mal amilie anzusehen sind11. I ig is die e -
wähn e Ansich , weil doch ungewiß bleib , ob die zwei Kinde das
o p lanzungs ähige Al e e eichen, ob sie sich a sächlich o -
p lanzen, d. h. hei a en und Kinde haben. D ei Kinde im o -
p lanzungs ähigen Al e sind die Mindes no m de Bes ande hal ung.
Mi ma e iellen Beihil en allein, wie sie gegenwä ig in e schieden-
s e Fo m in allen Lände n wes eu opäische Kul u gewäh we den,
is dem P oblem nich beizukommen, weil es eben zu ie s sich um
eine F age de Wel anschauung handel und nich um eine wi -
scha liche Angelegenhei . T o z des Wi scha swunde s in de Bun-
des epublik und de anhal end gu en Wi scha skonjunk u in allen
wes eu opäischen Lände n, e ha die Gebu enhäu igkei au einem
seh nied igen S and, wie aus de olgenden Übe sich ü die olk-
eichs en wes eu opäischen Lände e sich lich is .
. 10 Siehe übe die Bedeu ung de sons igen, die Ehe und Familie ge äh denden
E scheinungen wie: Be u s ä igkei de Ehe auen, de F auenübe schuß, die e -
ände e Beu eilung auße eheliche Schwange scha en, die Zunahme de F üh-
ehen, meine Abhandlung in H. 5, 1953 dieses Jah buchs.
11 Übe die allgemeinen und pe sönlichen Folgen de Kinde a mu siehe meine
Abhandlung in „S immen de Zei " H. 5/1957, S. 345 .
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94 Rode ich . Unge n-S e nbe g [478
Die E gebnisse de na ü lichen Be ölke ungsbewegung
(je 1000 Einwohne be echne )
1921/
1925 1952 1953 1954 1955
In G oßb i annien Gebu enhäu igkei 20,4 15,7 15,9 15,6 15,4
S e blichkei 12,4 11,4 11,4 11,4 11,7
Gebu enübe schuß 8,0 4,3 4,5 4,2 3,7
In F ank eich Gebu enhäu igkei 19,3 19,3 18,8 18,8 18,4
S e blichkei 17,2 12,3 13,0 12,0 12,0
Gebu enü be sch uß 2,1 7,0 5,8 6,8 6,4
In I alien Gebu enhäu igkei 29,7 17,8 17,5 18,0 17,7
S e blichkei 17,3 10,0 9,9 9,1 9,2
Gebu enübe schuß 12,4 7,8 7,6 8,9 8,5
In d. Bundes epublik Gebu enhäu igkei 22,1 15,7 15,5 15,7 15,7
Deu schland S e blichkei 13,3 10,5 11,0 10,4 10,8
Gebu enübe schuß 8,8 5,2 4,5 5,3 4,9
T o z de sinkenden S e blichkei sch ump de Gebu en Übe -
schuß o lau end ein in olge de sinkenden Gebu en equenz.
Diese Rückgang de Gebu enhäu igkei und de Kinde zahl ha au
die Familie schädlichen Ein luß, aus den oben da geleg en G ünden.
Alle Be ölke ungspoli ik is zugleich Familien- und Ehepoli ik. Die
Be ölke ungspoli ik beinhal e , beiläu ig beme k , ein ungelös es
P oblem: de S aa gewäh den Kinde eichen nich unbedeu ende
ma e ielle Beihil en, nich zule z um zu eine s ä ke en Be ölke-
ungs e meh ung anzu egen ode mindes ens den Be ölke ungss and
au ech zu e hal en. Diese Beihil en we den abe un e schiedslos
allen, auch den zwei ellos Asozialen, den Vo bes a en, om Be el
lebenden und mögliche weise P os i u ion eibenden sowie solchen
Familien, die mi asozialen E banlagen beha e sind, gewäh . Das
sind Familien, de en Fo p lanzung in hohem G ade une wünsch is .
Wie dem abzuhel en wä e, s eh hie nich zu E ö e ung. Es wa
bloß angezeig , au diesen ungesunden Zus and ku z hinzuweisen.
Zu bemängeln is e ne , daß die Höhe des Einkommens meis nich
be ücksich ig wi d. Nu in Dänema k, z. T. in Finnland, Ös e eich,
Schweden und U uguay wi d den Einkommens e häl nissen de
El e n Rechnung ge agen12.
Nach de Be u szugehö igkei gesonde haben bekann lich die
Beam en, also ein ma e iell doch gesiche e S and, die ge ings e
Kinde zahl. Die U sachen diese be emdenden E scheinung sind ge-
nügend geklä : De Wunsch, den Kinde n ode dem Kind mindes ens
eine Ausbildung zu geben, die die Lau bahn eines höhe en Beam en
12 Siehe „Ehe und Familie, G undsä ze, Bes and und ö de nde Maßnahmen*4,
he ausgegeben on A. u. R. S c h e e und J. Do neich.
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479] Die Familie in Ve gangenhei und Gegenwa 95
e möglich , gil in Beam en amilien alle S u en als selbs e s änd-
liches Lei bild. Fe ne will man gesellscha lich s andesgemäß au -
e en und den Kinde n einen en sp echenden Au wand gewäh -
leis en, ku z, eine gesellscha liche S ellung behaup en, die de Be-
am eneigenscha im U eil de g oßen Meh hei zukomm .
Neben den Beam en is das g oße Hee de Anges ell en in
bezug au die P oc ea ion ebenso une giebig. Abe wäh end das
soziologische Wiesen des Beam en als geklä gel en kann, läß sich
das on dem Anges ell en nich behaup en. Vielmeh wi d die F age:
we is Anges ell e ? sei Jah en disku ie . Diese sogenann e neue
Mi els and kau männische und echnische Funk ionä e bilde eine
Schich on A bei nehme n, die in de Obe schich lei ende, kons uk-
i e, e wal ende, disponie ende und in den un e en Rängen g öß en-
eils medianische, echne ische und kalkula o ische A bei en e ich-
en, und zwa , wie F. C o n e13 ich ig beme k , diese Funk ionen
ausüben als Beau ag e, als „Delega ion on u sp ünglichen Un e -
nehme au gaben". Diese Gedanke de Delega ion is ü das Ve -
s ändnis de Ambi ionen und de da aus olgenden Eins ellung wei e
K eise de Anges ell enscha zu Familie du chaus sinn oll und au -
schluß eich. Wenn auch nich jede Anges ell e den Ma schalls ab
eines selbs ändigen Un e nehme s in seine Ak en asche äg , so
wünsch e doch, wenigs ens in jungen Jah en, ein „Di ek o ",
„Gene aldi ek o ", ein „Che ", ein „Manage " zu we den. E üll on
solchen Wunsch äumen und den Lebensgewohnhei en de Vo -
gese z en nahes ehend, sie meis nachahmend, als de en „Mi a bei e "
gel end, will de au s ebende Anges ell e keine lei den sozialen Au -
s ieg hemmenden Ballas , in Ges al on Kinde n, mi üh en. Was
„nü zen" ihm eine Meh zahl on Kinde n? — Hinzu komm noch,
daß seine be u liche Tä igkei im Zeichen a ionalisie e Me hoden
s eh . Das äg auch dazu bei, daß de „S ehk agenp ole a ie ", mi
seinem Whi h-Colla -Komplex, auch sein sexuelles Ve hal en in de
Ehe a ionalisie und kon ollie . Dahe is e ein ypische Ve -
e e de sogenann en Gebu enkon olle, die dazu üh , daß in den
S ad eilen, die o wiegend on Anges ell en und Beam en bewohn
we den, die S e blichkei s a e höhe is als die Gebu en a e, so daß
die ganzen Anges ell en in diesen S ad bezi ken längs ausges o ben
wä en, wenn sie nich bes ändig Zuzug om lachen Lande und aus
Kleins äd en e hiel en14.
Seh nach eilig ü die Zukun de meis en wes eu opäischen
Familien und Völke is die bei de Fo p lanzung o sich gehende
13 Die Anges ell en und die mode ne Indus ie in „Gewe kscha . Mona s-
he e" N . 4/1954.
14 Siehe z. B. das S a is . Jah b. . Hambu g.
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96 Rode ich . Unge n-S e nbe g [480
Gegenauslese, de zu olge die Familien, die sozial au ge ück
sind, die zu Eli e gehö en, also den Beweis e b ach haben, daß sie
übe du chschni lich gu e Anlagen e e ben könn en, im Du chschni
e heblich wenige Nachkommenscha haben als die Familien, die,
o z de jah hunde al en Volksbildung, in den sozial nachgeo dne en
Schich en e ha en. Diese Gegenauslese üh un e meidlich au die
Daue zu eine Senkung de Leis ungs ähigkei eines Yolkskö pe s.
Die allgemeine unen gel liche Schulbildung is kein Mi el gegen diese
Gegenauslese, denn bilden und en wickeln läß sich nu , was in den
e e b en Anlagen po en iell wi ksam we den kann15. Es is om
S andpunk eine Volksgemeinscha , die au die E hal ung und S ä -
kung seine Eli eschich bedach sein muß, nich gleichgül ig, ob
Familien mi kul u ell we ollen E bs ämmen sich s a k ode
schwach o p lanzen. Dies gil gleiche maßen on bäue lichen, pa i-
zischen und adligen Geschlech e n und auch on solchen Familien, die
im Zuge de Indus ialisie ung zu Indus iea bei e n und Anges ell en
gewo den sind. Wie die Ahnen eines Menschen e anlag wa en, is
keine sozialbiologisch gleichgül ige Angelegenhei .
Ahnen sind ü den nu Nullen,
De als Null zu ihnen i ,
S ell als Eins dich an die Spi ze
Und die Ahnen zählen mi .
Hamilka on Foelke sam.
15 Siehe hie zu meine Abhandlung in diesem Jah b. H. 5/1953, S. 97 u. .
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