Thalheim, Ka l C.; A nd , Helmu
A icle
Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik in de Gegenwa
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Thalheim, Ka l C.; A nd , Helmu (1963) : Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik
in de Gegenwa , Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 83, Iss. 6, pp. 641-656,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.83.6.641
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Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik in de Gegenwa *
Von Ka l C. Thalheim und Helmu A nd , Be lin
I.
Ehe Wel des echnischen Zei al e s is eine hoch/komplizie e Wel ,
und in ih gehö die Wi scha zu den komplizie es en Be eichen
übe haup . Wi wissen heu e aus zum Teil seh schme zliche E ah-
ung, daß die Gleichgewich s- und O dnungsk ä e, die — gleichsam
„au oma isch" — in de Wi scha selbs wi ken, nich aus eichen,
um eine wi kliche O dnung des wi scha lidie i Geschehens zu scha -
en. Die Vo s ellung des Manches e libe alismus ging dahin, daß die
Wi scha dann am bes en gedeih , wenn de S aa sich übe haup
nich um sie kümme , wenn e nu Polizei unk ionen übe nimm .
Da an glaub heu e niemand meh . Daß de S aa Wi scha spoli ik
eiben muß, wenn Gleichgewich und O dnung nich ge äh de we -
den sollen, das is heu e unbes i en. Abe es gib in de wes lichen
Wel auch kaum meh jemanden (auch nich un e den Sozialis en),
de den We de pe sönlichen Ini ia i e — das heiß abe auch de
un e nehme ischen Ini ia i e — gene ell in F age s ellen wü de. Wenn
man diese indi iduelle Ini ia i e und ih e in de Pe sönlichkei de
wi scha enden Menschen liegenden An iebsk ä e »ausschal e , nü z
man dadu ch dem Gemeinwohl noch wenige , als wenn man sie sich
sch ankenlos auswi ken läß ; das zeig ein Blick au den kommunis i-
schen Os en mi genügende Deu lichkei .
Eine G und age alle Wi scha spoli ik is es also, wo die G enze
gezogen we den muß zwischen de F eihei de Wi scha enden und
ih e Bindung du ch die Regelungen, die die ö en liche Hand ü das
Wi scha en i . In den plu alis ischen Gesellscha en de wes -
lichen Wel gib es au diese F age nich eine einzige und e bindliche
An wo , wie de To ali a ismus sie be ei häl . Viele Va ia ionsg ade
sind möglich. So gib es in de Wi scha so dnung de Ve einig en
S aa en ein ech hohes Maß indi iduelle wi scha liche F eihei
und wenig Kollek i eigen um an den P oduk ionsmi eln; au de
* Zwei Vo äge, gehal en o de Fakul ä ü Wi scha swissenscha en de
Technischen Uni e si ä Be lin in Zusammenwi ken mi dem Sende F eies Be lin
am 20.11.1963.
41 Schmolle s Jah buch 83,6
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642 Ka l C. Thalheim
ande en Sei e s ehen Volkswi scha en mi einem hohen G ad on
Di igismiis und „Planung", wie die skandina ischen S aa en und
F ank eich, und mi iel ö en lichem Eigen um an P oduk ionsmi -
eln, wie Ös e eich ode auch England mi seinem oll e s aa lich-
en Kohlenbe gbau.
Läß sich heu e, wenn man die Gesam hei de en wickel en wes -
lichen Lände be ach e , eine eindeu ige En wicklung in de einen
ode ande en Rich ung e kennen? Diese F age muß e nein we den:
Es gib sowohl die Tendenz au e s ä k en Di igismus und g öße es
ö en liches Eigen um — man denke e wa an die gegenwä ige Lage
in I alien — als auch den Abbau di igis ische und p o ek ionis ische
Maßnahmen, die P i a isie ung ö en lichen Eigen ums, „Libe alisie-
ung" also. In diese Beziehung is un e dem bes immenden Ein luß
Ludwig E ha ds die Bundes epublik Deu schland besonde s konsequen
o gegangen. Abe auch bei uns sehen wi eine g oße Fülle wi scha s-
poli ische Regelungen und Eing i e — nich nu au den Ag a -
mä k en, wenn diese auch ohne Zwei el am meis en di igis isch ge-
blieben sind. „F eie Ma k wi scha " im al libe alen Sinne ha auch
die Bundes epublik nich — allein schon deshalb nich , weil e wa ein
D i el unse es Volkseinkommens on de ö en lichen Hand e wen-
de ode um e eil wi d; ich denke bei de „Um e eilung" an die
aus ö en lichen Kassen gezahl en Sub en ionen und Zuschüsse alle
A . Unse e Wi scha so dnung is also nich nach einem Dogma ge-
s al e — glückliche weise; denn imme wiede zeig sich, daß Dogma-
ismus in de Wi scha spoli ik ebenso un ealis isch wie ge äh lich is .
Abe de Ve zich au Dogma ismus is nich gleichbedeu end mi
dem Ve zich au Einhei lichkei de Wi scha spoli ik. Audi die
K i ike de Wi scha spoli ik Ludwig E ha ds we den eines zugeben
müssen: Hie is de Ve such eine Wi scha spoli ik „aus einem
Guß" gemach wo den. Das is keineswegs selbs e s ändlich. Allzu
o wa in de Ve gangenhei — nich nu in Deu schland — Wi -
scha spoli ik nu eine Summe on „punk uellen" Einzelmaßnahmen
ohne inne en Zusammenhang und ohne ein e bindliches Lei bild.
E ha d ha ein solches Lei bild; bei de on unse e Wi scha so d-
nung ech abweichenden anzösischen „plani ica ion" wie bei jede
ande en A on Rahmenplanung muß es ebenso ein solches Lei bild
und G undziel geben, dessen Realisie ung die einzelnen wi scha s-
poli ischen Maßnahmen dienen sollen. Gewiß is noch in ielen Län-
de n die Wi scha spoli ik nach wie o „punk uell" und dami in
sich nich geschlossen und abges imm . T o zdem we den wi das Be-
s eben, om Punk ualismus zu eine einhei lichen, in sich geschlos-
senen Wi scha spoli ik zu kommen, als eine un e kennba e Tendenz
de Gegenwa bezeichnen können.
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Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik in de Gegenwa 643
Die Geschich e de Wi scha spoli ik in de Bundes epublik
Deu schland sei de Wäh ungs e o m
zeig
eilich auch deu lich, mi
wie iel Schwie igkei en die Ve wi klichung dieses G undsa zes de
Einhei lichkei de Wi scha spoli ik zu kämp en ha . Nich zule z
sind es die In e essen eng uppen alle Rich ungen, de en Hal ungen
und Handlungen in Gegensa z zu de Fo de ung eine Ve sachlichung
de Wi scha spoli ik s ehen. In e essen e e ung is eine du chaus
legi ime Sache; sie wi d zu Ge ah , wenn übe den In e essen eine
G uppe das Schicksal de gesam en Volkswi scha e gessen wi d,
wenn pa ielle In e essen ech handg ei liche Na u mi dem Man el
des Gemeinwohls ge a n we den, wenn e such wi d, die T äge und
Ges al e de Wi scha spoli ik du ch Zwang und D ohungen un e
D uck zu se zen. Mi io llem Rech ha sich de Bundeskanzle
E ha d
in seine Regie ungse klä ung seh scha gegen eine solche Poli ik
on In e essen eno ganisa ionen gewende .
Ich habe bishe nu on de Wi scha spoli ik inne halb de G en-
zen eines S aa es gesp ochen. Abe Wi scha spoli ik is ja auch
/iußenwi scha &poii ik, und da in diese Vo ags eihe sons nich
au die zwischens aa lichen Wi scha sbeziehungen eingegangen wi d,
schein es mi e o de lich, hie einiges übe die Tendenzen de En -
wicklung in diesem Be eich, o allem in de
Außenhandelspoli ik,
zu
sagen. Eine einhei liche Wel wi scha gib es heu e nich meh ; die
en wickel en wes lichen Lände und die Lände des kommunis ischen
Blocks haben nich nu ganz un e schiedliche Wi scha ssys eme, son-
de n zwischen ihnen bes eh auch nu noch eine ziemlich lose wi -
scha liche Ve bindung. Die kommunis isch egie en Lände wickeln
den ganz übe wiegenden Teil ih es Außenhandels inne halb des kom-
munis ischen Blocks ab; im Du chschni lieg bei ihnen de An eil des
In ablockhandels e wa bei 75 %. Es is aus meh als einem G unde
nich anzunehmen, daß sich da an in nähe e Zukun Wesen liches
ände n wi d. Lediglich Jugoslawien ha als einziges kommunis isch
egie es Land einen wesen lich höhe en An eil des Wes handels.
Fü den nich kommunis ischen Teil de Wel können wi im ganzen
gesehen es s ellen, daß im Gegensa z zu de Zei nach dem E s en
Wel k ieg die Tendenz de Außenwi scha spoli ik ehe au einen
Abbau de s aa lichen Eing i e und de Schu zmaßnahmen ü die
einheimische Wi scha als au de en Ve s ä kung ging. De Wel -
handel is nach dem Zwei en Wel k ieg iel asche gewachsen als
nach 1918, nich zule z in olge de Libe alisie ung de Außenhan-
delspoli ik in de Meh zahl de wel wi scha lich wich igen Lände .
Besonde s ha dabei de Abbau jene p o ek ionis ischen Me hoden
eine Rolle gespiel , die mi dem Wesen eine Ma k wi scha schwe
41 •
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e einba sind, o allem de Kon ingen e, d. h. also de mengen-
mäßigen Besch änkung on Ein uh en, und de De isenzwangswi -
scha . Bedeu sam wu de abe auch die Scha ung in e na ionale O -
ganisa ionen und Ins i u ionen, die das Funk ionie en eine eien
Wel wi scha e leich e n, wie z. B. das Gene al Ag eemen on Ta i s
and T ade (GATT) und die Wel bank, die zu de Finanzie ung on
En wicklungsp ojek en in zahl eichen Lände n beige agen ha . In de
Wes häl e Eu opas se z sich die Tendenz de He ausbildung g öße-
e einhei liche Wi scha s äume du ch wi scha liche In eg a ion
de klein äuinigen wes - und mi eleu opäischen Lände o z alle
Hemmungen in olge na ionale Egoismen meh und meh du ch. Das
bedeu e auch — und dami haben wi e was wi klich Neues in de
wi scha spoli isdien En wicklung de Gegenwa o uns —, daß sich
die an eine solchen In eg a ion be eilig en Lände be ei inden müs-
sen, wi scha spoli ische Sou e äni ä s ech e au sup ana ionale Ein-
ich ungen zu übe agen, wie z. B. au die Hohe Behö de de Man-
an-Union ode (au die Eu opäische Wi scha sgemeinscha . Alle -
dings is es bishe nich gelungen, ü den gesam en Wes en unse es
Kon inen s einen einhei lichen In eg a ionsp ozeß in Gang zu se zen;
noch s ehen die EWG, die Eu opäische Wi scha sgemeinscha , eine -
sei s, und die Eu opäische F eihandelsnAssozia ion, die EFTA, ande-
e sei s, nebeneinande . De Ve such ih e Ve einhei lichung is o -
läu ig an dem Ve o de Gaulies geschei e . Doch we den wi ho en
dü en, daß dami das le z e Wo noch nich gesp ochen is .
Ein hochbedeu sames neues Elemen de Wel wi scha spoli ik bil-
den e ne die wi scha lichen Hil sak ionen en wickel e , wi scha -
lich gu das ehende Lände zuguns en unen wickel e ode sich in
wi scha lichen Schwie igkei en be indende Lände . Das e s e g oße
Beispiel da ü wa die Ma shallplan-Hil e, das ERP; es ha — wo an
eilich manche auch in Wes deu schland sich nich seh ge n zu e -
inne n schein — als S a hil e wesen lich zu wi scha lichen Wie-
de gesundung Wes eu opas beige agen, wie ge ade wi Be line dank-
ba bezeugen können.
Heu e geh es nich meh um Wiede au bauhil e ü k iegsgeschä-
dig e Lände , sonde n um En wicklungshil e ü zu ückgebliebene Ge-
bie e, de en wei e Abs and gegenübe den hochen wickel en Lände n
in unse em echnischen Zei al e nich meh e äglich e schein . Au
nich kommunis ische En wicklungslände en allen heu e e wa 1,3 M d.
Menschen gegenübe bes en alls e wa 700 Mill. in en wickel en nich -
kommunis ischen Lände n. Die un e en wickel en nidi kommunis ischen
Gebie e sind also an de heu igen E dbe ölke ung mi e wa 45 °/o
be eilig , abe om gesam en B u osozialp oduk de Wel en allen
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Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik in de Gegenwa 645
au sie nu e wa 12 °/o. In O dnung und im Gleichgewich wi d die
Wel wi scha de Zukun nu dann sein können, wenn diese sch eck-
liche Disk epanz bedeu end e inge wi d. Dazu gehö einmal Ka-
pi alhil e, Hil e bei de Finanzie ung all de P ojek e, ohne die eine
En wicklung nich möglich is . Auch in diese Beziehung sind die Ve -
einig en S aa en mi ih em Auslandshil ep og amm üh end gewesen;
bei wachsende wi scha liche Gesundung Wes eu opas haben abe
auch die g oßen eu opäischen Lände sich meh und meh in die
Finanzie ung eingeschal e . Abe so wich ig Kapi al ü die En wick-
lungslände is : Es wä e ein schwe e I um, wenn man glaub e, mi
eine noch so um ang eichen Finanzie ung allein ih e P obleme lösen
zu können. Mindes ens ebenso wich ig wie Kapi al is de Mensch als
T äge wi scha liche En wicklung. Wie g oß de An eil mensch-
liche Leis ung an diese sein kann, das zeigen uns besonde s deu lich
die wi scha lichen E olge, die o z ech ungüns ige Vo ausse zun-
gen in Is ael e eich wo den sind. Nich nu echnical assis ance, son-
de n übe haup Hil e bei de Bildung und Ausbildung on Menschen
ü mode ne Fo men on Technik und Wi scha is deshalb no wen-
dig, wenn alle diese Völke den ihnen gemäßen Weg ins echnische
Zei al e mi all seinen Ve heißungen, abe auch all seinen Ge ah en
inden sollen.
Aus eichende E olge de En wicklungs ö de ung we den nu dann
e ziel we den können, wenn s aa liche und p i a e Ini ia i e zu-
sammenwi ken, und zwa au beiden Sei en. In den En wicklungslän-
de n gib es nich genügend p i a e, o allem un e nehme ische Ini-
ia i e, um e wa eine Wi scha so dnung, wie wi sie in de Bundes-
epublik haben, ein ach kopie en zu können. Au de ande en Sei e
abe is es höchs ge äh lich, wenn un e dem Ein luß bes imm e
Dok inen die Regie ungen solche Lände eine Poli ik s ändig o -
sch ei ende Besch änkung de Wi scha s eihei und des P i a -
eigen ums be eiben und ausländisches P i a kapi al, das als E gän-
zung s aa liche Finanzie ungshil e seh gu e Diens e leis en könn e,
du ch En eignungsak ionen absch ecken.
Glückliche weise is es jedoch nich so, daß in allen En wicklungs-
lände n eine de a ige Poli ik ge ieben wü de. Es wä e allzu ein-
sei ig, wenn man mi Sich au die En wicklungslände die Tendenz
o sch ei enden S aa sein lusses und s ändig zunehmenden ö en -
lichen Eigen ums als die allein he schende ansehen wü de. Dami
komme ich zu eine g undsä zlichen F age, mi de ich meine Aus-
üh ungen abschließen möch e, de F age nämlich, ob zunehmende
S aa s ä igkei und zunehmendes ö en liches Eigen um eine gene elle,
9ich zwangsläu ig du chse zende und e s ä kende Tendenz de En -
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wicklung in de wes lichen Wel seien. Helmu A nd sch ieb im Mä z
1962 in einem A ikel übe die F eihei in de Wi scha 1 u. a.: „De
Mensch is nich Skla e wi scha liche Gese ze, sonde n kann umge-
keh dank de E kenn nis wi scha liche Gese zmäßigkei en den
wi scha lichen Ablau ähnlich behe schen, wie e die Na u k ä e
dank de E kenn nis physikalische ode chemische Gese ze in de
mode nen Technik diens ba mach ." Ich glaube, daß diese Fes s el-
lung auch ganz allgemein ü das Ve häl nis on S aa und Wi -
scha gil , daß es auch in diese Beziehung keine „Gese ze46 gib , die
sich unabhängig om Willen de handelnden Menschen du chse zen.
Nich sel en hö man eilich die Meinung, daß das wes liche und das
ös liche Sys em, d. h. also die im G undsa z ma k wi scha liche O d-
nung eine sei s und eine kommunis ische Zwangswi scha ande e -
sei s, sich meh und meh angleichen. De bekann e holländische
Na ionalökonom Jan Tinbe gen ha o einige Zei , wenn auch mi
g oße Vo sich und mi manche lei Einsch änkungen, „gewisse Ten-
denzen eine /sich annähe nden En wicklung" bejah 2. Ich glaube nich
an die „Zwangsläu igkei " eine solchen En wicklung. Gewiß s eh
man auch in de Sowje union o de No wendigkei , die Me hoden
de Plan- und Be ehlswi scha den Fo de ungen de wi scha lichen
Ve nun meh als bishe anzupassen. Abe das ha bishe noch kei-
neswegs zu eine g undsä zlichen Ve ände ung des Wi scha ssys ems
ge üh . Gewiß ¡gib es in de wes lichen Wel — da on wa schon
die Rede — Tendenzen zu eine Ve s ä kung on Di igismus und
ö en lichem Eigen um. Abe es wä e bedenklich, wenn wi uns da-
du ch den Blick da ü üben lassen wü den, wie g oß noch imme
die undamen alen Un e schiede de Sys eme sind. Wie un ollkom-
men unse Sys em auch imme sein mag: De Einzelmensch is in ihm
nich nu Mi el und Ins umen ü kollek i e Ziele, sonde n e be-
si z an sich We und Wü de. Die op imale F eihei ssphä e des In-
di iduums au siche n — geigen Ge ah en on außen wie on innen—,
das soll e die zen ale Au gabe de Wi scha s- und Sozialpoli ik in
eine eihei lichen Gesellscha sein.
Ka l C. Thalheim, Be lin
1 F eihei — ode nu noch Schein eihei ? Eine Volkswi scha wi d nich
du ch „Na u gese ze" libe al gehal en. Die Zei . (Jg. 1962. N . 10. S. 17.)
2 Jan Tinbe gen: Komm es zu eine Annähe ung zwischen den kommunis ischen
und den eihei lichen Wi scha so dnungen? In: Hambu ge Jah buch ü Wi -
scha s- und Gesellscha spoli ik. Jg. 8 (1963). S. 11—20. — Tinbe gen lehn
jedoch en schieden die Au assung ab, „daß die Un e schiede be ei s ge ing ügig
seien. Die Ve schiedena igkei is noch imme auße o den lich g oß".
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Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik in de Gegenwa 647
II.
Ka l C. Thalheim ha mi Rech einlei end da au hingewiesen, daß
wi nich meh wie die Manches e -Libe alen einem au oma ischen
Wi ken wi scha liche K ä e uneingesch änk e auen können,
ande e sei s abe au die un e nehme ische Ini ia i e nich e zich en
wollen. In de Ta geh die deu sche Wi scha spoli ik heu e da on
aus, daß sich de We bewe b zwa he o agend eigne , um das An-
gebo de Nach age au den einzelnen Gü e mä k en anzupassen,
weshalb es bei uns nich zu jenen Schlangen o den Läden kommen
kann wie in den Regimen jensei s de Maue , daß e abe e sag ,
wenn bes imm e gesam wi scha liche ode soziale F agen zu lösen
sind. Man kann heu e nich Menschen e hunge n ioide e elenden
lassen, wie dies im 18. und 19. Jah hunde geschah und wie dies
noch Ökonomen wie Da id Rica do ode un e gewissen Bedingungen
auch Robe Mal hus ü unumgänglich hiel en. De Name „Soziale
Ma k wi scha ", den Mülle -A mack unse em gegenwä igen Wi -
scha ssys em gegeben ha , kennzeichne diese Tendenz. Es sollen die
Vo eile eine We bewe bswi scha mi den Vo eilen des sozialen
Wohl ah s aa es e bunden we den.
Wenn de Be line Wi scha ssena oo Ka l Schille au de Wi -
scha s agung de SPD am 3. 10. 1963 in Essen sag e1, daß sich dyna-
mische Ma k wi scha und Sozials aa gegensei ig bedingen, so ha
e dami zugleich gemein , daß die Ve bindung on Ma k wi scha
und Sozials aa einen kon inuie lichen und dami s ö ungs eien Ab-
lau de Wi scha e möglich . Diese E ek komm eilich nich
nu den on Schille e wähn en Sozialausgaben zu. Auch de Um-
s and, daß die Gewe kscha en in unse en Tagen da ü so gen, daß
die A bei e an de P oduk i i ä ss eige ung du ch en sp echende E -
höhung ih e Reallöhne be eilig we den, äg hie zu bei. Im 18. und
19. Jah hunde olg e Wi scha sk ise au Wi scha sk ise, weil die
Ausbeu ung de A bei e den Massenabsa z e hinde e, de eine s e ige
Vollbeschä igung de e g öße en und e besse en Be iebss ä en
e möglich hä e2. Wenn das G os de A bei e un e ände nu das
1 Vgl. Die Zei (11.10.1963).
2 Go ied Habe le sch eib in „P ospe i ä und Dep ession", daß das Ni eau
de Un e konsum ions heo ien „mi einigen beme kenswe en Ausnahmen*4
nied ige sei als das ande e Konjunk u heo ien. E ha hie mi jedoch wenige
ih sachliches Anliegen als ih e wissenscha liche Fo m gemein . K eislau heo-
e isch kann de gemein e Zusammenhang wie olg ausged ück we den, wobei
en sp echend den Bedingungen des 19. Jah hunde s un e s ell wi d, daß eine
A bei slosen e siche ung nich bes eh :
In olge de Ausbeu ung des Be ölke ungs eils, de eine hohe Konsumneigung
besi z , zuguns en eines Teils de Be ölke ung, de eine seh nied ige Konsum-
neigung besi z , en s eh eine „Nach agelücke" und dami eine S ö ung des olks-
wi scha lichen K eislau s, die um so g öße sein wi d, je g öße de An eil de
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648 Helmu A nd
physiologische Exis enzminimum e dien — und in olge des S aa *
liehen Ve bo es de Gewe kscha sbewegung wa dies wei gehend de
Fall —, so können Glühbi nen, Fah äde ode Fe nsehappa a e,
Mo o äde und Au os nich den Massenabsa z inden, de den mode -
nen P oduk ionsbediingungen en sp ich . Diesen Wide sp uch, de
nich zule z im Mi elpunk des heo e ischen Sys ems on Ka l Ma x
ges anden ha , ha de mode ne Sozials aa g undsä zlich gelös . De
Lebenss anda d de gesam en Be ölke ung s eig heu e mi de P o-
duk i i ä . Da ü sind — und dies soll en wi nich e kennen —
ande e und neue Au gaben ü die s aa liche Wi scha spoli ik en -
s anden.
Wäh end in de Zei , die dem E s en Wel k ieg olg e, as übe all
in de Wel eine de la ionä e En wicklung zu beobach en wa , die
eine zunehmende ünd andaue nde A bei slosigkei zu Folge ha e,
is nach dem 2. Wel k ieg genau umgekeh eine wel wei e Tendenz
zu In la ion ®u beobach en. Dieses in e na ionale Phänomen is in
den un e en wickel en Ag a lände n, wie z. B. in de Tü kei, p imä
da au zu ückzu üh en, daß de S aa den Landwi en übe höh e
P eise ga an ie . In den Indus ies aa en p legen Löhne und Ren-
en schnelle als die P oduk i i ä zu s eigen. Die P oduk i i ä au
den einzelnen Sek o en nimm un e schiedlich zu, abe alle A bei e
in de Landwi scha , im Be gbau wie in de Indus ie wollen gleich-
mäßig — nnd nach Möglichkei : be o zug — an den Segnungen des
Wohls andes pa izipie en. Die P eise s eigen in olgedessen, und die
Gu haben de Spa e en we en sich. Insowei is es dahe zu be-
g üßen, daß die deu schen Gewe kscha en, wie die Bundesbank in
ih em Geschä sbe ich ü das Jah 1962 ane kennend es s ell e, mi
Lohn o de ungen wiede zu ückhal ende gewo den sind.
In olge de on Thalheim be ei s e wähn en in e na ionalen Ve -
lech ung de wes lichen Wel kann dieses P oblem eilich nich meh
e s en und je kleine de An eil de zwei en G uppe an de Gesam be ölke ung
is . Vo übe gehend kann diese S ö ung du ch eine hohe In es i ionsneigung de
ausbeu enden Schich kompensie we den. Im Ende ek wi d jedoch die S ö ung
nu au geschoben und, alls es sich um kapazi ä se wei e nde In es i ionen han-
del , soga noch e heblich e s ä k . In dem sich anschließenden Anpassungs-
p ozeß we den die übe zähligen Un e nehmen (du ch Bank o ) und die übe -
zähligen A bei e (du ch Auswande n ode Ve hunge n) ausgeschieden, bis sich
ein neues k eislau mäßiges „Gleichgewich " au nied ige em Ni eau e gib . Wi d
die Ausbeu ung o gese z , so wiede hol sich diese Vo gang s ändig on neuem.
Zu den beme kenswe en Ve e e n de Un e konsum ions heo ien zähl Habe le
neben Emil Lede e und E idi P eise die angelsächsischen Au o en John A. Hob-
son (The Indus ial Sys em. London 1909, 1910. Economics o Unemploymen ,
1929. Ra ionalism and Unemploymen . London 1930) und William T. Fos e und
Waddill Ca chings (Money. Bos on 1923. P o i s. Bos on 1925. The Road o Plen y.
Bos on 1928). Vgl. Go ied Habe le : P ospe i ä und Dep ession. Be n 1948.
S.119 .
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Tendenzen s aa liche Wi scha spoli ik in de Gegenwa 655
in den P oduk ionsp ozeß eingegliede we den. Die E üllung ö en -
liche Au gaben is in den le z en Jah en ohnehin izu ku z gekommen8.
Nach diesen k i ischen Beme kungen an de deu schen Wi scha s-
poli ik seien zum Schluß noch zwei besonde s heiße Eisen ange-
pack : (1) das P oblem de Ums uk u ie ung de Landwi scha und
(2) die wi scha lichen Folgen de Sozialpoli ik.
Die Ums uk u ie ung unse e Landwi scha is no wendig, weil
die Wi scha spoli ik de Ve gangenhei aus manche lei G ünden, au
die hie nich eingegangen we den kann, iel zu kleine Ho g oßen
konse ie und die be iebswi scha lich e o de liche Konzen a ion
e hinde ha . Auch wenn sich gezeig ha , daß die Land luch zuneh-
mend auch au Kleinbaue n übe g ei , wi d die Konzen a ion au
a ionelle e Be iebsg ößen nich ohne pe sönliche Hä en e eich
we den können. Um so meh Ane kennung e dien das P og amm,
das on dem P äsidium des deu schen Baue n e bandes jüngs in
F eibu g beschlossen wio den is 9. Hie ha man den Mu gehab , mi
alle O enhei auszusp echen, daß in de Landwi scha das P o-
duk ionspo en ial je A bei sk a e g öße und eine Konse ie ung
übe hol e S uk u en e hinde we den muß. Man soll e diesem
Mu die Ane kennung nich e siagen.
Die Ausges al ung des sog. Sozialpake s, um die schon so lange ge-
ungen wi d, is wi scha spoli isch deshalb so wich ig, weil on ih
auch de kün ige Um ang unse es A bei sangebo s abhäng . Kein
Zwei el bes eh au de einen Sei e da an, daß die Re o m die Lei-
s ungen ü unse e Schwe k anken und alle besch änk ode unbe-
sch änk A bei sun ähigen e höhen soll e. Eine alsch angese z e So-
zialpoli ik kann abe auch bei den Gesunden die A bei smo al he ab-
se zen und bei den K anken den An eiz und dami den Willen, wie-
de gesund zu we den, minde n. Umgekeh kann eine olkswi -
scha lich sinn olle Sozialpoli ik das A bei sangebo s eige n, weil sie
dazu üh , daß die Zahl de Scheink anken wie de Psychogen-Übe -
lage en abnimm . In ielen g oßen P oduk ionss ä en de Bundes-
epublik wi d gegenwä ig übe haup nu noch an e wa 230 Tagen
im Jah gea bei e . Das A bei angebo eich jedoch nich einmal
aus, um an diesen Tagen alle A bei splä ze zu bese zen. Wäh end die
I aliene in diesem Jah hunde das A bei en wiede gele n haben,
schein es as , als ob unse Volk umgekeh das A bei en zu e le nen
8 Inso e n bes eh keine No wendigkei , wie Gün e F ied ichs in de Rund-
unksendung am 8. 1.1964 mein e, eine du ch die Au oma ion gegebenen alls en -
s ehende A bei slosigkei du ch A bei szei e kü zung zu bekämp en. S a die
A bei szei de Gesunden zu kü zen, kann man auch die Ren en de Blinden und
In aliden e höhen.
9 Vgl. Die Zei (15.11.1963).
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656 Helmu A nd
beginn . Auch Fleiß und Ziels ebigkei sind keine angebo enen und
un e le nba en A ibu e eines Volkes. Unse e Wi scha spoli ik
wi d dahe auch au dieses P oblem zu ach en haben, wenn dies auch
au den e s en Blick, abe wohl doch auch nu au den e s en Blick,
wahl ak isch nich klug zu sein schein .
Eine sinn olle Landwi scha spoli ik und eine wi scha spoli isch
undie e Sozialpoli ik können nich nu dazu üh en, daß das A -
bei sangebo in de Indus ie, das nich meh aus eich , wiede zu-
nimm . Sie können auch dazu bei agen, daß die deu sche We -
bewe bs ähigkei inne halb wie auße halb de Eu opäischen Wi -
scha sgemeinscha e hal en und de Lebenss anda d unse e Be öl-
ke ung wei e ges eige we den.
Das ma e ielle Wohl is eilich nich das allein En scheidende. In
de eien Wel soll e die F eihei — und dami auch die wi scha -
liche F eihei — wich ige sein als de Besi z on Kühlsch änken ode
Au omobilen. Le z es Ziel eine eih ei li dien Wi scha spoli ik
soll e de Mensch sein, de e an wo ungsbewuß handel und de
in olgedessen, wenn es da au ankomm , auch be ei is , zuguns en
de F eihei au ma e iellen Wohls and zu e zich en.
Helmu A nd , Be lin
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