Bissing, W.M. F h . on
A icle
Na ionale Idee und poli isches Ziel
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Bissing, W.M. F h . on (1956) : Na ionale Idee und poli isches Ziel, Schmolle s
Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo ,
Be lin, Vol. 76, Iss. 4, pp. 1-29,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/290852
S anda d-Nu zungsbedingungen:
Die Dokumen e au EconS o dü en zu eigenen wissenscha lichen
Zwecken und zum P i a geb auch gespeiche und kopie we den.
Sie dü en die Dokumen e nich ü ö en liche ode komme zielle
Zwecke e iel äl igen, ö en lich auss ellen, ö en lich zugänglich
machen, e eiben ode ande wei ig nu zen.
So e n die Ve asse die Dokumen e un e Open-Con en -Lizenzen
(insbesonde e CC-Lizenzen) zu Ve ügung ges ell haben soll en,
gel en abweichend on diesen Nu zungsbedingungen die in de do
genann en Lizenz gewäh en Nu zungs ech e.
Te ms o use:
Documen s in EconS o may be sa ed and copied o you pe sonal
and schola ly pu poses.
You a e no o copy documen s o public o comme cial pu poses, o
exhibi he documen s publicly, o make hem publicly a ailable on he
in e ne , o o dis ibu e o o he wise use he documen s in public.
I he documen s ha e been made a ailable unde an Open Con en
Licence (especially C ea i e Commons Licences), you may exe cise
u he usage igh s as speci ied in he indica ed licence.
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/
385] 1
Na ionale Idee und poli isches Ziel
Von
W. M. F h . . B i s s i n g - Ma bu g
Inhal s e zeichnis: A. Die na ionale Idee in his o ischen Beispielen. —
B. I. Die En wicklung de bü ge lichen Gesellscha und die na ionale Idee in
Deu schland on 1815 bis 1848. — II. Die p eußische Idee und die Einigung des
Reiches 184» bis 1871. — III. Das Reich ohne Au ag 1871 bis 1890. — IV. All-
deu sche Gedanke und Chau inismus s a na ionale Idee 1890 bis 1918. — V. De
Ru nach de Idee und dem g oßen Mann 1918 bis 1933. — C. Zusammen assung
und Schluß.
A.
Die na ionale Idee is , wie jede Idee, eine Abs ak ion, und zwa
eine Abs ak ion aus eine konk e en his o ischen Wi klichkei . Inso-
wei is sie ein E zeugnis de Ve nun . Abe o zdem weis sie übe
die E ah ung hinaus. Sie begib sich in das Reich des T anszenden en,
indem sie die his o isch gewo dene Wi klichkei , die sie du ch Abs ak-
ion zu e assen und zu e s ehen e such ha , als eine En wicklung
sieh , die on eine übe den Menschen s ehenden und on ihnen nich
zu beein lussenden Mach he beige üh und gelenk wi d. Sie pos ulie
dann aus den Geschehnisen de Ve gangenhei he aus eine Au gabe,
die dem Volk au e leg is , dami es sie in de Zukun e üll . So wi d
die na ionale Idee einmal zu einem P inzip de O dnung, das, an die
Ve gangenhei angeleg , diese e s ändlich mach . Sie ixie wei e die
Gegenwa , aus de sie dann den Weg in die Zukun weis . Dami wi d
sie zum poli ischen Pos ula , abe nich zum poli ischen P og amm.
Sie gib dem Dasein eines Volkes e s den Sinn, und in ih sp ich
ande e sei s das Volk sein geschich liches Selbs bewuß sein aus, und
dami wi d es zu Na ion. Na ion is ein Volk, das sich de Au gabe
bewuß is , die ihm ges ell is , "und dessen poli ische Wille au diese
Au gabe hin ausge ich e is . Die na ionale Idee weck den poli ischen
Willen, de bishe im Ve bo genen in den He zen des Volkes schlum-
me e. S ell abe ein Volk seinen na ionalen Willen bewuß au die
Lösung de Au gabe ein, die ihm die na ionale Idee au e leg ha , so
o dne es sich in die En elechie ein, in den g oßen Plan de En wicklung,
Schmollen Jah buch LXXVI, 4 1
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
2 W. M. F h . . Bissing [386
de nich e kennba en, abe im Glauben e aßba en Mach , die übe dem
Menschen s ehend die Geschich e ges al e . Die na ionale Idee e -
binde also die eale, gewo dene his o ische Wi klichkei mi dem T ans-
zenden en und is dann das Bewuß sein eines Volkes on seine Sen-
dung und de da in liegenden Au gabe. Deswegen kann sie nich nu
a ional e aß we den, sonde n sie muß geglaub we den, und die
Be ei scha zu glauben muß in einem Volk geweck sein. „Glaube is
das E üllende und Beso gende im G unde des Menschen, in dem de
Mensch übe sich selbs hinaus mi dem U sp ung des Seins e bunden
is ." (Jaspe s.)
Als Gegens and des Glaubens is die na ionale Idee jede Diskussion
da übe en zogen, ob sie gu ode schlech is . Gegens ände des Glau-
bens können du ch die Ve nun nich bewiesen und nich wide leg
we den, nich als gu ode als schlech hinges ell we den. So wi d de
Glaub© an die na ionale Idee zum Bekenn nis da ü , ob sich jemand
eine Na ion zugehö ig ühl ode nich . We nich an die na ionale
Idee zu glauben e mag, we nich e kenn , daß die na ionale Idee ihn
in die Gemeinscha de Na ion mi einschließ , de s ell sich auße halb
de Na ion. Du ch den Glauben an den in de na ionalen Idee liegen-
den Au ag konzen ie en sich die poli ischen K ä e de Na ion au
diesen Au ag. Deswegen kann man sagen, daß die na ionale Idee eine
Tendenz zu Konzen a ion de poli ischen K ä e auslös und diese
Konzen a ion de K ä e nennen wi na ionale Ve gemeinscha ung1.
Aus de na ionalen Idee und aus dem Au ag, den sie en häl , is
e s das poli ische Denken und Handeln de Völke zu e s ehen. Ein
Volk wi d ielleich nu schwe die na ionale Idee eines ande en Volkes
in ih e Bedeu ung wü digen können, ielleich wi d soga die na io-
nale Idee des einen Volkes on ande en e u eil ode als übe heblich
abgelehn we den. Abe mi eine solchen K i ik is de Glaube eines
Volkes an seine na ionale Idee nich zu e schü e n und die Idee selbs
nich abge an. Ge ade weil das Volk sich dessen bewuß is , daß ein
Au geben de na ionalen Idee sein Ende als Na ion bedeu en und als
Sünde wide den in de En elechie wi kenden Geis gewe e we den
muß, häl es an seine na ionalen Idee umso es e . Na ionale Ideen
bleiben wi ksam ohne Rücksich da au , ob sie on ande en Völke n
ane kan we den ode nich . Sie gehö en als E zeugnisse des Glaubens
zu den gewal igen Imponde abilien de Geschich e und de Poli ik.
Die na ionale Idee is nich mi Chau inismus zu e wechseln. Chau-
inismus is eine Übe schä zung de Mach eines Volkes und seine
S ellung im Rahmen de ande en Völke . E is Na ionalge ühl ohne
1 siehe Max Webe , Wi scha und Gesellscha , 4. Au l. Tübingen. 1956,
Bd. I S. 22.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
387] Na ionale Idee und poli isches Ziel 3
Maßs ab ü die Fähigkei en des eigenen Volkes und ohne Ve s ändnis
ü die Eigena und ü das be ech ig e Eigenleben de ande en Völ-
ke . Chau inismus is do zu inden, wo noch keine na ionale Idee sich
ha bilden könnnen, ode wo die na ionale Idee du ch die geschich -
liche En wicklung e üll wo den is , ode wo endlich die na ionalen
K ä e nich meh aus eichen, um de in de na ionalen Idee en hal e-
nen Au gabe ge ech zu we den.
Alles, was bishe übe die na ionale Idee gesag is und was noch
da übe zu sagen is , wi d am his o ischen Beispiel deu liche we den.
Das englische Volk and seine na ionale Idee un e C om-
well in de Mi e des 17. Jah hunde s. De Lo d-P o ec o ühl sich
zu seine Au gabe on Go be u en. Seine Anhänge eilen seinen
Glauben und umgeben C omwell mi einem Cha isma. Cha isma is eine
sich ba e Gnadengabe, um de en willen einem Menschen spezi ische
auße all ägliche K ä e, die ande en nich ohne wei e es zugänglich
sind, zugesch ieben we den können. Deshalb wi d dem cha isma isch
quali izie en Füh e Ve auen en gegengeb ach und ihm geho ch 2.
C omwell is Pu i ane . Dami s eh sein Leben und Denken un e de
Leh e Cal ins on de P ädes ina ion. Von diese Leh e aus e schei-
nen ihm seine g oßen poli ischen E olge als ein sich ba es Zeichen de
E wählung. Das e künde e , und dami wandel e die P ädes ina-
ionsleh e aus eine anszenden en Glaubensaussage, die nu das un-
sich ba e Ve häl nis des Menschen zu Go um aß , in eine Leh e on
de E ah ung um. E und mi ihm sein Feldp edige Bax e übe -
agen sie au das Ma e ielle und au das Poli ische und lei en dann
den Beweis da aus ab, daß Go du ch das englische Volk wi ke. Die
Englände we den zum Volk Go es, und sein Be ehl be u sie zu
He scha übe die Wel , um seinen Ruhm und seine Eh e zu e -
b ei en. Diese Gedanke wa dem Lo d-P o ec o eingegeben und, in-
dem e ihn e künde e, wu de e zum Schöp e de englischen na io-
nalen Idee. Neben ihm wi k e Bax e , de P edige und Philosoph,
de das, was C omwell e künde e, heologisch und philosophisch
beg ünde e, de S aa ssek e ä und Dich e Mil on goß diesen Glauben
in eine poe ische Fo m und e b ei e e ihn dadu ch un e den Schich-
en de Gebilde en. Diese na ionale Idee is einmal eine Schau in die
Ve gangenhei ; aus diese Schau wi d un e Rückg i au das T ans-
zenden e die E kenn nis om englischen Volk als dem ause wähl en
Volk gewonnen. Von diese S ellung aus wi d dann die Gegenwa
gesehen und ü die Zukun de Au ag e aß , de das Dasein und
das Leben des englischen Volkes in die En elechie eingliede . Und
alles das is P oduk aus Glauben und E ah ung.
2 Max Webe , a. a. 0. S. 140.
1*
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
4 W. M. F h . . Bissing [388
Diese Idee inde o ene He zen o , die be ei sind, sie au zu-
nehmen. Die Pu i ane sind on eine ie en Glaubensbegeis e ung
e aß . Sie en sp ich , so nüch e n die Englände im p ak ischen Leben
und Handeln auch sons sein mögen, einem ie en idealis ischen und
me aphysischen Bedü nis de englischen Seele3. Vielleich is soga
diese idealis ische, glaubensbe on e Neigung des Englände s das Gegen-
gewich gegen seine sons so kal e Nüch e nhei . Wei e en sp ach die
Idee o ensich lich den Ta sachen, und dami wu de sie so einleuch end.
Endlich abe sag e sie das, was die damals üh ende Schich hö en
woll e. Das wa en das englische Bü ge um, die Gen y und die g oßen
Handelshäuse de Ci y. Sie nehmen die na ionale Idee au und s ellen
sich hin e sie, und so wu den sie zu ih em T äge . Die üh ende
Schich is abe eine G uppe on Menschen inne halb eines Volkes,
die be ei is , in de Poli ik die Füh ung und Ve an wo ung zu übe -
nehmen, und die im gesellscha lichen Ve keh den Ton und die
Fo men dieses Ve keh s bes imm und dami du ch ih Ve hal en
en scheidend die sozialen Beziehungen mi ges al e .
Wenn also je z das englische Bü ge um gegen Holland um die
He scha au dem Mee e kämp , so wa das on Go gewoll , und
mi Go es Willen deck e sich de Wille de englischen üh enden
Schich . Ih e e s a k e ökonomische Mach d äng e nach außen. Ih
Tun bekam du ch die na ionale Idee sozusagen gö liche Weihe, und aus
dem Glauben an die Be u ung en wickel e sich ein anszenden be-
g ünde es und da um une schü e liches Na ionalge ühl. Das englische
Volk is also on Go be u en, um die He scha übe die Wel anzu-
e en. Diese Au ag ha , je wei e die englische Geschich e o -
sch i , alle Schich en des Volkes es e g i en, und de Ve lau diese
Geschich e schien auch die Ause wähl hei zu bes ä igen! So is die
englische na ionale Idee o z alle wi scha lichen und gesellscha -
lichen Gegensä ze die K a gewo den, die zu eine na ionalen Ve ge-
meinscha ung und dami zu eine Konzen a ion de poli ischen
K ä e in England ge üh ha .
Eine solche Konzen a ion is abe nu möglich, wenn die na ionale
Idee zu eine wei gehenden Übe eins immung de poli ischen G und-
anschauungen ge üh ha . Da in zeig sich die na ionale Ve gemein-
scha ung. Die na ionale Idee, die C omwell eins im englischen Volk
e weck ha , is auch heu e noch in England lebendig. Sie is die U sache
seine poli ischen K a , und au sie geh de Zusammenhal des eng-
lischen Commonweal h zu ück.
Auch die F anzosen haben eine au dem eligiösen Glauben
beg ünde e na ionale Idee. Schon im ühen Mi elal e übe sch eib
3 D i b e 1 i u s , England, 6. Au l. Bd. I S. 25
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
389] Na ionale Idee und poli isches Ziel 5
de Mönch Guibe on Nogen seine Geschich e des e s en K euzzuges
mi den Wo en: „Res dei ges a pe F ancos". Wäh end des e s en
Wel k ieges sag de Bischo on Ve sailles in eine P edig : „Go
bedu e F ank eichs"; also auch die F anzosen ühlen sich im Diens e
Go es s ehend und on Go be u en. Es is hie abe nich de Geis
Cal ins, sonde n de Geis des Ka holizismus, de spä e die Jung au
on O léans zu na ionalen Heldin und Heiligen und zum na ionalen
Symbol bis in unse e Tage we den ließ. Ka holizismus is in F ank-
eich nich nu eligiöse Hal ung, sonde n auch die G undlage des
poli ischen Lebens, wenn es auch nich imme im Zei al e de T en-
nung on Ki che und S aa kla ausgesp ochen wi d. 1789 bedeu e da
keinen B uch, denn auch nach de Re olu ion wi k die Ka holizi ä
hin e den p ak ischen Pos ula en on F eihei , Gleichhei und B üde -
lichkei . Thie s sag einmal: „Ce es, je ne suis pas bigo , à peine
éligieux, mais je iens comme F ançais à mon é ique e ca holique e
je suis passionnémen déis e" und das Gleiche mein Ba és mi den
Wo en: „Je suis a héé, mais na u ellemen ca holique."
F ank eich is also schon im Mi elal e das ause wähl e Ins umen
Go es. Die F anzosen haben eine Au gabe e hal en, die übe den
engen K eis des Landes und de F anzosen hinausgeh . F ank eich ha
ü die Ch is enhei zu s ei en und sich als äl es e Toch e de Ki che
in den Diens de Ve wi klichung des Reiches Go es du ch diese
Ki che zu s ellen.
Im Mi elal e e schmolz sich in F ank eich na ionales Bewuß sein
mi de Religion, wie es bei de Jung au on O léans deu lich zu age
i . Die Re olu ion on 1789 ha de na ionalen Mission nu einen
ande en, de damaligen Zei en sp echenden Ausd uck gegeben. 1789
leb man im Zei al e des Ra ionalismus, und soi heiß die neue du ch
Abs ak ion aus de his o ischen Wi klichkei gewonnene na ionale
Idee: F ank eich is das Volk de Zi ilisa ion, Zi ilisa ion aben heiß
F eihei , F eihei de Pe sönlichkei und F eihei ü die En al ung
de Ve nun . Die Au gabe, die die Ve nun als die die Geschich e
und die Wel bewegende K a den F anzosen s ell , is die Ausb ei ung
de anzösischen Zi ilisa ion in de Wel un e allen Völke n, um das
Reich de Ve nun zu scha en. Das abe wa wiede eine Mission,
du ch1 die das anzösische Volk übe sich selbs hinausgehoben wu de;
die F anzosen e kann en sich als das Volk und Land de Zi ilisa ion.
Und so sch eib de His o ike Guizo : „Geis eshelle. Geselligkei ,
sympa hisches Wesen sind F ank eichs G undzüge und die seine
Zi ilisa ion; diese Eigenscha en machen es besonde s geeigne , an de
Spi ze de eu opäischen Zi ilisa ion zu ma schie en4."
4 His oi e géné ale de la ci ilisa ion en Eu ope. Pa is, 1821, S. 4 .
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
6 W. M. F h . . Bissing [390
Als die na ionale Idee on den g oßen Philosophen de Re olu ion
e künde wu de, da and sie gläubige He zen, denn sie en sp ach mi
ih e Fo de ung nach F eihei , Gleichhei und B üde lichkei dem, was
sich die F anzosen wünsch en, o allem de d i e S and. De d i e
S and, das Bü ge um, abe wa du ch die Re olu ion zu üh enden
Schich gewo den, und die Re olu ion gab dem Bü ge um die F eihei ,
die es b auch e, um sich un e dem au keimenden Kapi alismus wi -
scha lich und gesellscha lich en al en zu können. Das Bü ge um
wu de zum T äge de na ionalen Idee und gab F ank eich eine ein-
hei liche Au assung on seine na ionalen Idee bis heu e. Dami is es
abe auch in F ank eich zu eine na ionalen Ve gemeinscha ung ge-
kommen, wenn auch eine Vielzahl on poli ischen Pa eien o handen
is . Abe es is bishe imme gelungen, diese K ä e zu konzen ie en,
wenn es die Lage und die No e o de e. Im wesen lichen gingen die
Meinungen de poli ischen Pa eien nich auseinande , denn auch bei
den F anzosen s eh imme die Na ion im Vo de g und des Denkens.
De S aa i hin e die Na ion zu ück. Wede ein F anzose noch ein
Englände wü den im S aa ein gö liches Reich sehen. Fü sie is de
S aa nich s ande es als die ech liche O ganisa ion de Na ion, die es
ih e möglichen soll, die in de na ionalen Idee ges ell e Au gabe du ch-
zu üh en.
Englände und F anzosen sind ühzei ig zu s aa lichen Einhei
gelang . Un e dem Ein luß diese s aa lichen Einhei en s and und
wuchs ih e na ionale Idee. Das wa ande s bei den Polen. Do
keim e die na ionale Idee au , nachdem de polnische S aa in den d ei
Teilungen ze schlagen wa . Die Teilungen ha en den geis igen K ä -
en im polnischen Volk einen mäch igen Au ieb gegeben. Abe es wa
nich nu die Wiede gewinnung de s aa lichen Einhei , die die Polen
begeis e e, sonde n auch die E inne ungen an den Jah hunde e al en
Kamp zwischen Moskau und den Polen und zwischen den Polen und
den Uk aine n da um, ob in den slawischen Gebie en des eu opäischen
Os ens die ömische ode die o hodoxe Ki che die He scha übe die
Geis e ausüben soll e. Als nun die p o es an ischen P eußen om
Wes en he kamen, wu de auch gegen sie das eligiöse Momen in
Kamp s ellung geb ach . In den Augen de üh enden Schich , und das
wa en in Pole« de Adel und die aus ihm he o gehende höhe e Geis -
lichkei , wa also die ka holische Religion und dami die Ki che, on
zwei Sei en bed oh : om Os en du ch die o hodoxen Russen und om
Wes en du ch die p o es an ischen P eußen. Dami wu de es Au gabe
de polnischen Na ion, die ka holische Ki che im Os en zu e eidigen.
Die Polen wa en o enba zu de enso es idei be u en. Eine de pol-
nischen Bischö e aus den an P eußen ge allenen Teilen sch eib im
Sep embe 1800 an den E zbischo on Theben: „Les subal e nes,
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
391] Na ionale Idee und poli isches Ziel 7
don la plupa n'on aucune so e de eligion, me en de u ieuses
en a es à sappe le dogme sous p é ex e du jus p incipis in sac a . . .
e ils nous o gen une éligion ca holique à leu mode, qui, si cela du e,
en e se a les p incipes de la aie ca holici é5.44
So wu de die polnische na ionale Idee gebo en, und sie en s amm e
eine Be ach ung de Wi klichkei , wie sie damals o den Augen de
üh enden Schich s and, die am Ende des 18. und zu Beginn des 19.
Jah hunde s leb e und glaub e.
Ein Ve such de „g oßen Emig a ion44, in den 30e Jah en des
19. Jah hunde s au Polen on F ank eich aus die Ideen on 1789 zu
übe agen, schei e e. Man woll e Polen im Os en o die gleiche Au -
gabe s ellen, die F ank eich ü den Wes en au e leg wa . Polen soll e
im Os en das Reich de F eihei und de Ve nun e wi klichen, dem
sich P eußen und Rußland en gegens ell en. Das wa die Idee de
Dich e und Li e a en, aus denen sich im wesen lichen die „g oße
Emig a ion44 zusammense z e. Abe sie wa nich die üh ende Schich .
Die üh ende Schich wa im Gegensa z zu den Li e a en eligiös es
gebunden, und so e moch e die „g oße Emig a ion44 die Idee, daß
Polen zu Ve eidigung des ech en Glaubens im Os en bes imm sei,
nich zu e d ängen. Da Adel und Geis lichkei das Volk und sein
Denken behe sch en, ha en sie diese Idee in die He zen und Hi ne
des Volkes gep lanz . Diese g oße Au gabe, die nich nu eine poli ische,
ein polnische Au gabe, sonde n ein gö liche Au ag wa , hob das
polnische Volk übe sich selbs hinaus und s ell e es unmi elba in den
Diens Go es und de heiligen Jung au.
Diese Idee kam auch dem F eihei sge ühl de b ei en Massen en -
gegen, die in den Russen und P eußen, die ande en Glaubens wa en
und die ih e Sp ache nich e s anden, die emden Un e d ücke
sahen. Die na ionale Idee wa de geis ige Mi elpunk , in dem alle
Polen ohne Un e schied de Klassen sich a en, und sie üh e dami
zu na ionalen Ve gemeinscha ung. Die ka holische Ki che e se z e
du ch ih e O ganisa ion übe die G enzen de Teilungss aa en hinaus
die ehlende s aa liche O ganisa ion de Polen, so daß, wie es Ludwig
Be nha d6 einmal ausd ück e, ein polnisches Gemeinwesen inne halb
des p eußischen S aa es en s ehen konn e.
Doch wi d das bishe Gesag e nich du ch die En wicklung wide -
leg , die Rußland sei de Ok obe -Re olu ion on 1917 du ch-
sch i en ha ? Do is eine na ionale Idee au a heis ischem Boden
en s anden, und diese na ionale Idee besag doch, daß die in de Sowje -
Union e einig en Völke die Au gabe hä en, die A bei e de ganzen
5 M. Laube , Die p eußische Polenpoli ik, S. 34.
6 Ludwig Be nha d, Die Polen age, Be lin 1910.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
8 W. M. F h . . Bissing [392
Wel om Joch des Kapi alismus und on de Ausbeu ung du ch die
Un e nehme zu be eien, und daß on den Völke n de Sowje -Union
de Ans oß zu Wel e olu ion auszugehen habe7.
Es s eh wohl auße Zwei el, daß die Masse de Sowje menschen an
diese Au gabe glaub und an ih e E üllung a bei e , auch, wenn sie
nich imme mi den Maßnahmen de jeweiligen Gewal habe und mi
diesen selbs sympa hisie . Abe die Au gabe, die Wel e olu ion
o wä s zu eiben, wi d als ein heiliges Ve mäch nis Lenins angesehen.
Seine und Ma xens Leh en sind E sa z ü die au gegebene Religion.
Dennoch is auch in diese na ionalen Idee ein eligiöse Ke n o -
handen, de auch heu e noch, ielleich unbewuß , au die Menschen
wi k . Schon o dem e s en Wel k ieg gab es in Rußland eine Oppo-
si ion gegen die in de wes lichen Wel he schende bü ge liche Gesell-
scha . Und diese Opposi ion wa nich ma xis isch, sonde n eligiös
undie , wobei sie sich alle dings in einen gewissen Gegensa z zu
o hodoxen Ki che se z e.
De kennzeichnends e Ve e e diese Rich ung is Tols oij. Die
o hodoxe Ki che p edig e wohl eind inglich on Mi leiden und de
B üde lichkei ; sie e aß e dami auch die Seelen, abe sie ließ es bei
de P edig bewenden. Dazu kam de en scheidende Ein luß des Za en
au die Ki che. Diese Za abe wa gleichzei ig seinem Wesen nach
ch is liche He sche und o ien alische Despo . Diese S ellung des
Za en zu s ä ken, ha e die Ki che eichlich beige agen. Weil sie das
a , ich e e sich die Re olu ion gegen die Ki che, auch die de Baue n
als de maßgebenden b ei en Masse. Doch on de ki chlichen P edig
blieb de Gedanke des Mi hel ens und de B üde lichkei in den He zen
lebendig. Und diesen Gedanken sah man ealisie in de Re olu ion
und niede geleg in de Leh e on Ma x und Lenin. Es gab demnach
schon au diese E de eine Möglichkei , Ge ech igkei und B üde lich-
kei zu e wi klichen und nich e s in eine anszenden en Wel ,
on de niemand e was Rech es wuß e. Diese Gedanke e aß e das
ussische Volk. So nimm de Ma xismus die Gedanken des Ch is en-
ums in e hische Beziehung in sich au . E will sie nich nu p okla-
mie en, sonde n schon au E den ealisie en. Das Pa adies wi d säku-
la isie und ü die Masse de Besi zlosen so da ges ell , wie sie es zu
sehen wünschen. Dami wi d das Ch is en um in de Ma xis ischen
E hik au den Kop ges ell .
Auße dem übe ug man die Mission des Za en ums zum Schu z
de Ch is en im O ien und de slawischen Völke eben alls au die
Völke de Sowje -Union und e wei e e gleichzei ig diese Au gabe
dahin, daß die Sowje ölke zum Schu z de A bei e klasse in de
7 Akademie de Wissenscha en de UdSSR, Ins i u ü Ökonomie, Leh buch
de poli ischen Ökonomie, Be lin-Os 1955, S. 644. — Lenin, We ke, Bd. 31.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
399] Na ionale Idee und poli isches Ziel 15
Ande s e hiel sich de g undbesi zende niede e Adel, de beson-
de s in P eußen eine en scheidende Rolle spiel e. Das Übe gewich
ha e do de e angelische G oßg undbesi z, de in den ös lichen P o-
inzen, in Os p eußen, Pomme n und de Ma k B andenbu g angeses-
sen wa . F ied ich Wilhelm I. und F ied ich de G oße ha en ihn es
mi de K one e bunden. Zwischen ihm und de K one bes and ein
gesellscha lich-poli isches Wechsel e häl nis, denn die Mach und de
Ein luß des Adels, ku z seine S ellung als üh ende Schich , hing on
de Exis enz de K one und ih e absolu en Gewal ab, und ande e -
sei s ha e die K one wiede um ih e siche s e und ih e exis enzga an-
lie ende S ü ze im g undbesi zenden Adel, de im damaligen ag a i-
schen P eußen das wich igs e P oduk ionsmi el, den G und und
Boden, in seine Hand ha e und dami übe poli ische Mach e -
üg e. So sch eib de ehemalige p eußische Landwi scha sminis e
O o Gna on Königsma ck in seinen E inne ungen noch in den 70e
Jah en des 19. Jah hunde s an seine Nich e: „De Adel s eh und äll
mi dem König um. Vom le z e en is sein äuße e Glanz ebenso ab-
hängig, wie on einem g oßen un e schulde en G undbesi z. De Adel
muß seinen G undbesi z heben und zu meh en e suchen"12. Da aus
e gib sich ü die Masse des g undbesi zenden Adels eine konse a i e
Eins ellung. E is an de E hal ung eines mach ollen König ums
in e essie , gegen sein gesellscha liches, poli isches und ökonomisches
In e esse ich e sich die Minde ung de Mach des absolu en König-
ums du ch libe ale Re o men, gegen sein In e esse ich en sich die Be-
s ebungen, die da au hinausgehen, einen deu schen S aa in i gend-
welche Fo m zu scha en, de ja die Mach de einzelnen Fü s en
schwächen müß e und dami auch den Ein luß des Adels minde n
wü de. Da aus e gib sich sein Ziel in P eußen: die E hal ung des ab-
solu en König ums.
So pe sönlich und eng das Ve häl nis des Adels in P eußen zum
König wa , so lose wa damals doch sein Ve häl nis zum p eußischen
S aa als solchem. Dem Adel omm e „das s ille p o inzielle Sonde -
leben meh als ein zen alisie es, ene gisches S aa sleben"13. Das
p o inzielle Sonde leben gewäh e meh Selbs ändigkei und mach e
den Adel, de meh und meh um sich g ei enden s aa lichen Bü o-
k a ie gegenübe unabhängige 14. So gab es eigen lich keinen p eußi-
schen Adel schlech hin, sonde n es gab nu einen os p eußischen,
pomme schen, mä kischen und schlesischen Adel. Abe alle diese Adels-
12 Im Besi z des Ve asse s.
13 F ied ich M e i n e c k e , Wel bü ge um und Na ionals aa , 4. Au l. 1917,
S. 422.
14 F ied ich) Meusel, F. A. L. on de Ma wi z, Bd. II 2. Teil, 1913,
S. 285 .
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
16 W. M. F h . . Bissing [400
Spli e aus den al en p eußischen P o inzen anden ih en gemeinsamen
Mi elpunk in de K one.
Das wa wenige de Fall bei dem ka holischen Adel Schlesiens,
de sich damals noch meh nach Wien als nach Be lin hingezogen
ühl e, und e s ech heg e de ka holische Adel des Müns e landes
und de Rheinp o inz eine ausgesp ochene Abneigung gegen die
p eußische He scha . E schloß sich wei gehend nach außen ab und
hiel enge Beziehungen zum ka holischen Kle us. Im Gegensa z zum
os elbischen Adel e mied de heinische und wes älische den S aa s-
diens , e bese z e die üh enden S ellen in de Hie a chie de ka ho-
lischen Ki che Wes deu schlands.
Im Adel konn e demnach kaum die na ionale Idee en s ehen, auch
keine p eußische Idee in dem Sinn, daß e wa dem p eußischen S aa
und seinem König eine Au gabe im Rahmen des Na ionals aa sgedan-
kens zugewiesen wi d. Dem os elbischen Adel lag nu da an, P eußen
als solches zu e hal en, weil es G undlage und Rahmen seine gesell-
scha lichen S ellung und poli ischen Mach wa . Deswegen leg e e
We da au , die maßgebenden S ellen in de unmi elba en Umgebung
des Königs zu bese zen, den en scheidenden Ein luß au Hee und Ve -
wal ung und dami au die Beam enscha und das O izie sko ps zu
haben. Abe in diesem Beam en um und im O izie sko ps bilde e sich
ein p eußisches S aa sbewuß sein, das lebha on den Re o me n, wie
Schön, Ha denbe g und de en Gehil en geweck und e hal en wi d. Es
ha dami eine libe ale Wu zel, neben de alle dings die lu he ische
Au assung om Be u s eh als einem Ru Go es in das Am , das als
Au ag Go es zu üh en is . So bilden O izie sko ps und Beam en-
scha die Klamme , die die zwei nich mi einande e bundenen
Teile des S aa es zusammenhäl . Diese Au gabe, aus diesem S aa ein
einhei liches Ganzes zu machen, wa schon so g oß, daß sich keine
Gelegenhei meh e gab, daneben die na ionale Idee zu suchen und zu
en al en, die Fich e und Schlegel ange eg ha en.
Doch neben diesem konse a i en Adel s eh in Os und Wes eine
kleine libe ale G uppe. Es sind dies die Hel e und Gesinnungs-
genossen on S ein und Ha denbe g, die als Beam e in den, Be line
Minis e ien wi ken. Aus ih em Libe alismus en wickel sich in ihnen
die Au assung on de deu schen Au gabe P eußens, die Mo z und
Maßen im Zoll e ein eilweise lösen soll en. Das En scheidende is ,
daß sie P eußen als üh ende Mach in den Mi elpunk s ellen, und
daß mi dem Zus andekommen des Zoll e eins de Schwe punk de
Einigung nach No den e leg wi d, so daß dami P eußen eine Au -
gabe e häl , die es übe sich selbs hinaus üh . Au diese Weise
konn e eine p eußische na ionale Idee en s ehen als Vo läu e in de
deu schen, obwohl diese p eußische S aa zunächs noch nich einmal
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
401] Na ionale Idee und poli isches Ziel 17
ein p eußisches Volk besaß, sonde n nu Os p eußen, Wes alen,
Schlesie , Rheinlände und auch Polen, die e in einem wohlgeo dne en
Ve wal ungsappa a e gesellscha e e, die abe noch nich zu eine
na ionalen Gemeinscha gewo den wa en.
Im Süden wa de Adel ebenso pa ikula is isch o ien ie wie im
No den. Alle dings ha e das süddeu sche Zweikamme -Sys em de
Mach des Adels enge Sch anken gese z . T o zdem wa e auch do
die üh ende Schich , denn e s ell e im wesen lichen die Be a e de
K one und die engs e Umgebung de Landeshe en. Au Hee und
Ve wal ung ha e e nich den gleichen Ein luß wie de os elbische
G oßg undbesi z. Die Ve wal ung im Süden lag o nehmlich in den
Händen de Bü ok a ie, in de das Bü ge um s a k e e en wa .
Die Masse des süddeu schen Adels wa ebenso konse a i wie de in
P eußen, und seine libe alen Angehö igen wa en wenige om Ge-
danken de deu schen Einhei e aß , weil Adel und Fü s en in Süd-
deu schland ü ch e en, daß in einem einigen Deu schland ih e Selb-
s ändigkei dahin sein wü de, und deswegen lag ihnen da an, daß sich
im Kamp um die Vo he scha in Deu schland Ös e eich und
P eußen die Waage hiel en, dami die kleinen S aa en leben konn en.
So zeig e es sich, wie die üh ende Schich in Deu schland o z
libe ale Re o men imme noch de Adel wa , und daß e in den
Jah en on 1815 bis 1848 nich zum T äge de na ionalen Idee
we den konn e.
In diesen Jah en wa Deu schland noch übe wiegende Ag a s aa ,
und dadu ch muß e auch das Baue n um gesellscha liche Bedeu ung
haben. Es wa im Os en du ch die S ein-Ha denbe gische Re o m
aus de E bun e änigkei gegenübe dem Ri e gu sbesi ze be ei
wo den. Jah hunde al e gesellscha liche Bindungen wa en dadu ch
zum mindes ens äuße lich gelös . In den süddeu schen S aa en wa
die Ablösung de g undhe scha lichen Las en en wede im Gange
ode be ei s du chge üh . T o z de „Baue nbe eiung" bes anden
im Os en zwischen Gu she scha und Baue n noch be äch liche ge-
sellscha liche Bindungen. Das be ei e Baue n um wa poli isch keines-
wegs au onom gewo den, sonde n s and in diese Beziehung un e dem
behe schenden Ein luß des G oßg undbesi zes. Das wa zunächs
einmal Ube lie e ung, und dann wu de diese Übe lie e ung du ch die
allgemeine Weh p lich wachgehal en, wo de Baue im gleichen
T uppen eil wie de G oßg undbesi ze dien e, jene als gemeine
Solda ode Un e o izie , diese als O izie . Dias im Regimen be-
g ünde e Vo gese z en e häl nis se z e sich p ak isch auch nach be-
ende e Diens zei gegenübe dem He n Leu nan ode dem He n
Ri meis e o , de die Uni o m zwa ausgezogen ha e und nun sein
Ri e gu bewi scha e e, abe dabei doch in den Augen des Baue n
Schmollen Jah buch LXXVT, 4 2
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
18 W. M. F h . . Bissing [402
de Mann blieb, den ein gewisses Cha isma umkleide e. Die E ziehung
im Hee zum Geho sam mach e aus dem os deu schen Baue n zu-
sammen mi dem slawischen Blu einschlag ein williges Ins umen in
de Hand des S aa es, de Ve wal ung und des G oßg undbesi ze s.
Das Baue n um in den ös lichen P o inzen P eußens wa siche un-
geheue a bei sam und zäh, abe poli isch eine amo phe Masse, die
einen wenig geeigne en Boden bilde e, au dem die na ionale Idee en -
s ehen und wachsen konn e. Ein Selbs bewuß sein wa in diesem
Baue n um noch nich e wach . „De Gedanke, einem g oßen S aa e
anzugehö en, is einem g oßen Teil de p eußischen Un e anen emd,
da de Gedanke Deu sche zu sein, ihnen gewisse maßen emd wa 15."
Das Baue n um im Wes en und Süden wa in seine Hal ung eie
und he enbewuß e . Abe auch hie wa bes en alls nu ein pa iku-
la es S aa sbewuß sein zu inden, denn die süddeu schen S aa en wa en
du ch einen Gewal ak Napoleons zusammenge üg wo den. Deu sch-
land wa den süddeu schen Baue n ein Beg i , de ihnen e n lag.
Alle dings wa das Baue n um du ch die Ve assung de süddeu schen
S aa en in gewissem Um ang in die Poli ik hineingezogen wo den.
Abe auch hie wa die Masse des Baue n ums poli isch noch nich
au onom, sonde n in den ka holischen Gegenden un e lag es wei -
gehend dem Ein luß de aus dem Baue n um selbs he o gegangenen
niede en ka holischen Geis lichkei . Dadu ch wand e es sich gegen den
p o es an ischen No den und gegen den au kommenden Libe alismus.
Das Bü ge um im Süden wa übe wiegend Kleinbü ge um, das
als Handwe ke , Beam e und Leh e in den S äd en leb e, de en En -
wicklung bis wei in die 30e Jah e hinein s agnie e. Alle dings leb e
im Südwes en, besonde s in den K eisen des Bü ge ums de zahl-
eichen kleinen Reichss äd e, die du ch den Be ehl Napoleons den süd-
deu schen S aa en ein e leib wo den wa en, die E inne ung an die
al e Zei des heiligen ömischen Reiches Deu sche Na ion und an seine
Kaise . Abe diese E inne ung weck e meh e schwommene oman-
ische Ge ühle als eine a k ä ige poli ische Einsich . Im Rahmen de
süddeu schen Ve assungen kämp e dieses Bü ge um um seine ge-
sellscha liche Gel ung und um seine poli ische Mach gegen den Adel.
Diese Kamp abso bie e einen g oßen Teil de geis igen und poli-
ischen K ä e.
Im Wes en en s anden die e s en An änge de g oßen Indus ie.
Abe auch das wes liche Bü ge um wa übe wiegend noch Klein-
bü ge um, das poli isch wenig in e essie wa , es sei denn, daß es
sich um die engs en Belange de eigenen S ad handel e. In den
p eußischen Os p o inzen such e die S äd eo dnung S eins zwa das
15 T ei schke, Deu sche Geschich e, II. Bd. 2. Au l. 1883, S. 293.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
403] Na ionale Idee und poli isches Ziel 19
Kleinbü ge um an poli isches Denken und Handeln he anzu üh en,
abe auch do wa die Masse de Handwe ke poli isch passi und
schwä m e ü die gu e al e Zei , als es noch keine Gewe be eihei gab.
Adel, Baue n und Handwe ke wa en die e a die enden Elemen e,
de en Blick nu au das Nächs e, abe noch nich einmal imme au
den S aa ge ich e wa . In P eußen iâ diese S aa alle dings mi
d ei Fo de ungen an sie he an, mi de allgemeinen Weh p lich , de
allgemeinen Schulp lich und de allgemeinen S eue p lich . Da aus
muß en sich einmal gesellscha liche und poli ische Folge ungen e -
geben, die alle dings zunächs noch nich beme kba wa en. Die Enge
des Blicks und die In e essenlage konn e es bei diesen d ei G uppen
nich : zu En s ehung eine deu schen na ionalen Idee kommen lassen.
Ein ausgesp ochenes G oßbü ge um, das die gesellscha liche und
poli ische Füh ung in de S ad und dem S aa au g und seines Wohl-
s andes und seine Bildung hä e übe nehmen können, gab es in
Deu schland nu in den al en Handelss äd en wie F ank u am Main,
Leipzig, Nü nbe g, Augsbu g und in den Hanses äd en im No den.
Abe iel ach ha e sich dieses G oßbü ge um in die Diens e de
Landeshe en begeben, wa zum Teil geadel wo den und dami aus
de Schich des G oßbü ge ums ausgeschieden. So wa das G oßbü ge -
um in den e s en Jah zehn en nach den F eihei sk iegen ech dünn
gesä , besonde s im g öß en deu schen S aa , in P eußen. E s nachdem
du ch den Zoll e ein die wi scha liche En wicklung in einem ü die
damalige Zei seh schnellen Tempo die g oße indus ielle Un e -
nehmung ha en s ehen lassen, bilde e sich im Wes en ein g oßes Be-
si zbü ge um als indus ielles Un e nehme um.
Bis dahin wa im Bü ge um üh end das Bildungsbü ge um, die
Uni e si ä sp o esso en, die akademische Jugend, die Leh e de
höhe en Schulen, die Anwäl e und Ä z e. Abe auch dieses Bildungs-
bü ge um wa nu in besch änk em Um ang poli isch ak i , so seh es
ü die F eihei und ü den deu schen Na ionials aa sgedanken
schwä m e. Sein Libe alismus wa wie jede deu sche Libe alismus
dok inä . Das ak i e Elemen wa die Bu schenscha , in de sich ein
g oße Teil de akademischen Jugend zusammen and. Diese Jugend
wa a e ländisch abe nich s aa lich gesonnen. F eihei , Eh e, Va e -
land wa en ih e Ideale. In den zahl eichen Einzels aa en, die den
Deu schen Bund bilde en, sahen sie nu ein Hemmnis ü die En -
s ehung eines g oßen, das ganze Va e land um assenden deu schen
S aa es. Ube die Fo m dieses S aa es gingen alle dings die Meinungen
wei auseinande , doch die na ionale Idee is an keine S aa s o m ge-
bunden. Hie wa wich ig, daß de Gedanke des Va e landes be on ,
daß auch eine eligiöse Bindung o handen wa und bekann wu de.
Ein Teil de Jugend jedoch ge ie un e den Ein luß on Jahn und
2*
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
20 W. M. F h . . Bissing [404
spä e on Feue bach und kam dadu ch in eligiös und poli isch
adikale Bahnen. Abe auch in den nich adikalen K eisen de
Jugend kam eine na ionale Idee nich au , sonde n nu das poli ische
Ziel de Einigung de Deu schen in einem i gendwie gea e en deu -
schen S aa . Die Vo s ellung om Wesen und den Wegen de Poli ik
wa en in den K eisen de Tu ne und de Bu schenscha oman isch,
e schwommen. Man such e Vo bilde in de Zei des Mi elal e s,
die ga nich o handen gewesen wa en, und beweg e sich au diese
Weise in poli ischen Illusionen. Abe ge ade die na ionale Idee is
kein E zeugnis on Illusionen, sonde n bei anszenden e Bindung
eine Abs ak ion aus de konk e en his o ischen Wi klichkei . Weil
eine kla e Vo s ellung on diese konk e en his o ischen Wi klichkei
ehl e, begann man zu schwä men, man e wechsel e das poli ische
Ziel de deu schen Einigung, die Besei igung und E se zung des Ab-
solu ismus du ch die kons i u ionelle He scha s o m mi de na io-
nalen Idee. Wenn es sich auch dabei um ein Ziel handel e, das imme
die ganze Na ion be a , so en hiel es doch keine Au gabe, die die
Na ion übe sich selbs hinaus üh en muß e, wenn das Ziel einmal
e eich wa . So heg e und p leg e die Jugend zwa bewuß den
nia ionals aa lichen Gedanken, abe on de na ionalen Idee wuß e sie
noch nich s.
Die Masse de Handa bei e endlich, die in den noch kleinen Fa-
b iken Beschä igung anden, üh e nach den F eihei sk iegen ein
on de Poli ik e nes Leben. Die No de Wi scha sk isen be-
d ück e sie ebenso wie die Maschinen, die die a ionale Technik und
de sich en wickelnde Kapi alismus nach sich zogen und die ihnen
A bei und B o nahmen. Abe die g oße Masse de A bei e wa
damals in den 30e und 40e Jah en noch „nich ei ü eine soziale
Bewegung" (Meh ing).
Dem Au keimen des Kapi alismus en sp ach die p eußische Wi -
scha spoli ik, die du ch das Zollgese z on 1818 den ge-
enn en S aa zu einem geschlossenen Wi scha sgebie mach e und
dann da übe hinaus ein einhei liches deu sches Zollgebie e s eb e.
In den K eisen de p eußischen Beam enscha und auch de Un e -
nehme in Rheinland und Wes alen ha e die wi scha liche En wick-
lung1 wohl den Blick ü die No wendigkei g oße Wi scha s- und
Ma k gebie e geö ne , abe gegen einen deu schen Zoll e ein wa en
die süddeu schen Libe alen, die sich dadu ch in Gegensa z zu ih em
P og amm des na ionalen Einhei ss aa es se z en. Als Feinde des
p eußischen Absolu ismus und als süddeu sche Pa ikula is en weh -
ei^ sie sich dagegen, daß P eußens Mach e s ä k wü de, wenn es
im Zoll e ein die Füh ung übe nähme. So wu de dem We k de
wi scha lichen Einigung du ch den Geis des Pa ikula ismus doch
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
405] Na ionale Idee und poli isches Ziel 21
de inne e ideale Schwung genommen, on dem Maßen und Mo z ge-
ieben wa en. Als de Zoll e ein dann 1834 zus andegekommen wa ,
blieb im wesen lichen nu das ma e ielle In e esse üb ig und die wi -
scha lichen Belange a en in den Vo de g und. Dami wa auch de
Ansa z ü das En s ehen de na ionalen Idee e schü e , die aus de
wi scha lichen Einigung ielleich hä e e wachsen können.
De Pa ikula ismus, de hie zu age a , is eine de en scheiden-
den poli ischen G undlagen de deu schen En wicklung. Die Landes-
he en sind in jene Zei pa ikula is isch, auch wenn sie sich wie
Ludwig I. on Baye n als „ eu sch und eihei lich", gesinn ausgaben.
Vo allem im üh enden deu schen S aa P eußen wa de Pa iku-
la ismus nich minde s a k e e en als in Süddeu schland. F ied ich
Wilhelm III. wa geis ig unbeweglich und ohne Schwung, und so blieb
ihm die geis ige En wicklung in Deu schland nach den F eihei sk iegen
inne lich emd. Sein poli isches Denken wu zel e in de Vo s ellung
on de Vo he scha Ös e eichs, on de p eußischen Poli ik, die
Ös e eich zu olgen und au dem Boden de Heiligen Allianz zu s ehen
habe. Sein Sohn F ied ich Wilhelm IV. wa o z alle oman ischen
Schwä me ei ebenso Pa ikula is wie sein Va e . In de deu schen
F age will e o z des Gegensa zes zwischen P eußen und Ös e eich
„Ös e eich den S eigbügel hal en"16. Pa ikula is isch wa — wie wi
wissen — de Adel, und pa ikula is isch wa aus kon essionellen
G ünden die Geis lichkei . Nich pa ikula is isch wa das Bildungs-
bü ge um, die libe ale Beam enscha und die wes deu sche Indus ie.
De Allgemeine deu sche Handels- und Gewe be e ein, 1819 in F ank-
u am Main geg ünde , o de e Einhei , Ve assung und F eihei .
Abe es wa schwe ü die nich -pa ikula is ischen Elemen e, einen
aussich s eichen Kamp gegen den Pa ikula ismus zu üh en. Dazu
muß en die K ä e in i gendeine Weise zusammenge aß we den, um
au die Regie enden einzuwi ken. Das wa im absolu egie en No -
den ga nich möglich. Do gab es keinen Ansa zpunk ü das Wi ken,
on poli ischen Pa eien ode Ve bänden. In Süddeu schland wa en
zwa poli ische Pa eien im En s ehen beg i en, abe sie konzen ie -
en sich im wesen lichen au den Kamp zwischen dem Adel und de
libe alen bü ge lichen Bü ok a ie, so daß die Bes ebungen diese
poli ischen G uppen ein pa ikula o ien ie wa en. Da eine na ionale
Idee ehl e, muß e on diesem Pa ikula ismus eine s a ke Tendenz
zu Ze spli e ung de poli ischen K ä e ausgehen, und so en s eh
ein Kamp on P eußen gegen Ös e eich, on Baden gegen Baye n,
on Wü embe g gegen Baden und endlich de Gegensa z zwischen
No den und Süden übe haup . T o z de wi scha lichen Einigung
18 H. o n Pe e s-do , F ied ich Wilhelm IV. 1900, S. 69.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
22 W. M. F h . . Bissing [406
du ch den Zoll e ein bleib das un e ige na ionale Selbs ge ühl, on
dem T ei schke sp ich , bei den Deu schen bes ehen.
Neben diesem ein deu schen Pa ikula ismus, de im No den und
im Süden gleiche weise au a , mach e sich in P eußen, zunächs als
ein p eußisches S aa sp oblem, gleich nach Beendigung de F eihei s-
k iege, ein ande es Momen beme kba . Das wa de Na io-
nali ä enkamp zwischen Deu schen und Polen in den
p eußischen P o inzen Posen und Os p eußen. Wo um es in diesem
Kamp eigen lich ging, wu de damals und ielleich bis zule z nich
e kann . Man sah in ihm nu ein P oblem de Assimilie ung de
Polen. F ied ich Wilhelm III. ha e wohl am 15. Mai 1815 einen
„Zu u " an die Polen e lassen, in dem es heiß : „Auch Ih hab ein
Va e land . . . ih we de meine Mona chie ein e leib , ohne eue e
Na ionali ä e leugnen zu dü en . . . eue e Religion soll au ech
e hal en we den . . . ich! ho e au eue e Ane kennung echnen zu
dü en17." T o z dieses Zu u s wa abe die Assimilie ung das Ziel de
p eußischen Polenpoli ik und blieb es bis 1918. Diese Gedanke be-
uh e jedoch au einem g oßen Fehlschluß. E übe sah, daß ein Volk
ohne na ionale Idee ein Volk mi eine auße o den lich lebendigen
na ionalen Idee niemals assimilie en konn e ode im Na ionali ä en-
kamp zu siegen e moch e, gleich wie man diesen Kamp üh e.
Wi haben bishe gesehen, wie geis ige, poli ische, gesellscha liche
und wi scha liche K ä e keine deu sche na ionale Idee zus ande-
b ingen konn en. Konn e es ielleich die Theologie un? Das
is die F age, die noch zu bean wo en is , und sie is ielleich soga
die wich igs e F age.
Nach den F eihei sk iegen wa das Bü ge um und auch in wei em
Um ang de Adel ü den eligiösen Ra ionalismus gewonnen. Fü den
Ra ionalis en is Religion nich Sache des Ge ühls, sonde n Wissen. E
such mi nüch e nem Ve s ände alles, was de Einsich de Ve nun
wide sp ich , aus dem eligiösen Bekenn nis zu en e nen. Dem-
en sp echend' e ging sich die P edig de damaligen Zei in ein-
gehenden mo alischen Be ach ungen und leg e da , was de e -
nün ige Ch is on den einzelnen Leh en zu denken und anzunehmen
ha . Ih eligiöse Gehal wa o ech dünn und mage 18. Dami
wi d de Glaube ausgeschal e und du ch eine e nün ige E kenn nis
e se z . Das T anszenden e wi d zu e was he abgewü dig , das ein
e nun begab es Wesen eigen lich abzulehnen hä e. Da au diese
Weise die Ax an die Wu zel des Glaubens geleg wi d, kann die
a ionale Theologie die Glaubens ähigkei im Menschen nich wecken,
17 Man ed Laube , Die p eußische Polenpoli ik 3. Au l. 1944, S. 20.
18 Paul D e w s , Die P edig im 19. Jah hunde , 1903, S. 13—14.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
407] Na ionale Idee und poli isches Ziel 23
die eine na ionale Idee als E gebnis des Glaubens an eine gö liche
En elechie b auch . T ei schke nenn diese Zei de 20e bis 40e
Jah e „Jah e ohne Glaubensk a "19. De schon e wähn e, 1819 ge-
bo ene Landwi scha sminis e G a Königsma ck sch eib da übe :
„Die eligiöse Rich ung meines Va e s läß sich als Indi e en ismus,
diejenige meine Mu e als Ra ionalismus beu eilen. Beide wa en
eben, wie alle Menschen, Kinde ih e Zei ." Doch die aus den Be-
eiungsk iegen heimkeh ende Gene a ion ha e Go als wi kende
K a in de Geschich e e leb , und sie emp and die Be eiung om
Joch Napoleons als eine Ta Go es. Abe mi diesem Glauben an das
Wal en Go es in de Geschich e e banden sich unkla e Vo s ellun-
gen on eine i gendwie gea e en al deu schen F ömmigkei .
Au die eligiöse Hal ung wei e K eise de Bu schen- und Tu ne -
scha ha e Schleie mache einen g oßen Ein luß ausgeüb . Und mi
Schleie mache beginn eine neue Epoche de e angelischen Theologie.
E will das indi iduelle und soziale Leben seine Zei e edeln, e
will die Menschen du chaus in die Bildung de damaligen Zei hinein-
s ellen und sie o zdem an Go es Wo binden. Ihm lieg da an, den
lebendigen ch is lichen Glauben zu wecken. Dabei komm Schleie -
mache dem F eihei sgedanken und dem F eihei ss eben, wie es du ch
die anzösische Re olu ion und o allem du ch die F eihei sk iege
mäch ig in den Menschen geweck wo den wa , en gegen. Deswegen
is e undogma isch und wi d zum Beg ünde de libe alen Theologie,
die die F eihei des Indi iduums gegenübe dem dogma ischen Zwang
e i und dami al e Bindungen au lös . Au de ande en Sei e
paß e sich auch dem Geis de Roman ik an, wie ihn die Teilnehme
de F eihei sk iege mi sich b ach en. E s ell das Ge ühl in den
Vo de g und, und Religion und Glaube is ihm das pe sönliche E -
leben eines Ge ühls de schlech hinnigen Abhängigkei des Menschen
om Unendlichen. Das is abe nich s ande es, als daß sich de
Mensch seine Beziehung zu Go bewuß wi d. Wenn abe Religion
und Glaube zu einem E gebnis pe sönlichen E lebnisses we den, so sind
beide dami nich on den E gebnissen de o sch ei enden Wissen-
scha en abhängig. Gleichzei ig jedoch wi d mi dem pe sönlichen E -
leben und dessen Bewe ung die le z e En scheidung dem Menschen
selbs übe lassen, und de Mensch wi d Mi elpunk und Maßs ab.
Abe eine solche Bindung an sich selbs is kein Mi el, um den
Glauben an die gö liche En elechie zu wecken, die die Geschich e
behe sch und in diese Geschich e den Völke n ih e Au gabe zuweis .
Wohl ha Schleie mache da au hingewiesen, daß jedes Volk dazu
bes imm is , eine besonde e Sei e des gö lichen Wesens du ch be-
19 Deu sche Geschich e Bd. V, S. 276.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14
24 W. M. F h . . Bissing [408
sonde e Ein idi ungen und du ch seine Lage in de Wel da -
zus ellen20. Als Au gabe des deu schen Volkes bezeichne e den
Schu z des P o es an ismus21. Dami ging alle dings seine Einwi kung
au die Bildung und Ges al ung de deu schen na ionalen Idee bei de
kon essionellen Spal ung des deu schen Volkes on o nhe ein e -
lo en. So g oß auch de Ein luß Schleie mache s in den Jah en nach
den F eihei sk iegen au die e angelische Theologie wa , so e moch e
e doch nich , ih Auseinande allen in de e s en Häl e des 19. Jah -
hunde s au zuhal en. Es se z e eine „Zei oll ki chlichen Hade s64
ein (T ei schke).
Gleichzei ig mi Schleie mache wand en sich gegen den Ra ionalis-
mus de Pie ismus eine sei s und die au kommende O hodoxie
ande e sei s. Vom Pie ismus we den im Süden und' Wes en Teile des
Baue n- und Bü ge ums, im No den, o allem in Hin e pomme n,
Teile des Adels e g i en. De Pie ismus wa ein schwä me isches
Suchen nach Glauben und nach Go . Seine Anhänge mein en, daß
de bishe ige Weg de F ömmigkei zu keine Gemeinscha mi Go
ge üh habe. Deswegen e senk man sich in die Bibel, lehn jede
K i ik de Bibel, in welche Fo m sie auch geüb we den möge, ab
und ze ma e sich in einem Ge ühl on Sünde und Schuld. Die
Pie is en e u eil en poli ischen und eligiösen Libe alismus und e -
einigen so in sich eligiösen und poli ischen Konse a i ismus. Dami
s ehen sie im Kamp gegen den Na ionals aa sgedanken. Ih poli ische
Ein luß wa g oß. Die pomme schen Pie is en ha en in de enge en
Umgebung F ied ich Wilhelms IV., in de sogenann en Kama illa,
mi Leopold on Ge lach einen ene gischen Sachwal e . Pie ismus lag
de ie ommen, abe e schwommenen A des Königs. F ied ich
Wilhelm III. wa in seine nüch e nen, meh a ionalis ischen F ömmig-
kei dem Pie ismus wenige zugänglich gewesen. Abe auch ihm wa
die libe ale Theologie eine Abkeh on dem on den Vä e n übe -
kommenen Glauben und dami eine Ge äh dung on Th on und Al a .
De Pie ismus e lang e ä iges Ch is en um, und dami gehen
on ihm ü die damalige Zei beach liche soziale Wi kungen aus.
Aus pie is ischem Gedankengu he aus en s and die Inne e Mission
Wiche ns, die die Ki che da au hinwies, daß du ch die En wicklung
on Technik und Kapi alismus soziale P obleme im En s ehen wa en,
an denen die Ki che nich o übe gehen könne. Doch eine wei -
gehende Tie enwi kung blieb de Inne en Mission damals und spä e
e sag . Da an wa en zwei U sachen schuld. Die eine wa die gleich-
zei ig au kommende e angelische O hodoxie, wie sie on Hengs en-
80 P edig en. Be lin 1834—35,Bd. I, S. 228 .
21 Übe Religion, Be lin 1831, S. 318.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.4.1 | Gene a ed on 2023-04-04 11:23:14